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Heute verstehen, was übermorgen wichtig wird - etvice

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FEBRUAR 2013 | NR.2
10 Jahre etvice – das Zukunftsmagazin
Heute verstehen, was übermorgen wichtig wird
Heute schon an
übermorgen denken
Wir sollten fragen, wie
die Kinder, die wir waren
Das Eis schmilzt
Aussichten von Klaus Strumberger,
CIO MLP Finanzdienstleistungen AG
Ein Gespräche mit Julian Nida-Rümelin,
Staatsminister a.D. und Philosoph
Erklärungen zur Zukunft von Arved Fuchs, Polarforscher und Abenteurer
editorial
inhalt
Zukunftsforschung
Landwirtschaft
philosophie
Politik
Mit etvice in die Zukunft
4
7
5 Thesen zur Zukunft
von Wohlstand
und Lebensqualität in
Deutschland
Wie wichtig wird die landwirtschaftliche Mechanisierung unserer Welt im Jahr
2050 sein?
Prof. Dr. Horst Opaschowski,
Zukunftswissenschaftler
Gespräch mit Jeremy Burgess,
Geschäftsführer Sparex-Gruppe
10 Jahre etvice
wissenschaft
22
16
10 Jahre etvice:
Vorhang auf für die
Geschichte unseres Erfolgs
Das Eis schmilzt
Gespräch mit Arved Fuchs,
Polarforscher & Abenteurer
Marc M. Engel ,
Gründer & Vorstandsvorsitzender
etvice Holding AG
10
Wir sollten fragen wie die
Kinder, die wir waren
Gespräch mit Julian Nida-Rümelin,
Staatsminister a. D. & Philosoph
finanzdienstleistungen
25
Heute schon an
übermorgen denken
Klaus Strumberger, CIO MLP
Finanzdienstleistungen AG
13
Frühzeitig ein Thema
erkannt, das immer
wichtiger wird
Marc M. Engel,
Gründer & Vorstandsvorsitzender
etvice Holding AG
kultur
28
Wer ohne Jugend ist,
sollte in die S-Bahn nach
St. Pauli steigen
O-Ton der Hamburger
Schriftstellerin Cornelia Franz
"Was erwarten Sie von der Zukunft?“
30
Vision und Mission
Marc M. Engel , Gründer & Vorstandsvorsitzender
etvice Holding AG
30
Kooperation: etvice und Morgen & Morgen
bündeln Fähigkeiten in neuer Qualität
31
Impressum
Straßeninterviews für das etvice Magazin in der Mönckebergstraße, Hamburg
Liebe Freundinnen und Freunde der etvice Gruppe, liebe Leserinnen und Leser,
etvice feiert im Jahr 2013 das Firmenjubiläum des zehnjährigen Bestehens. Dies ist Anlass
für das etvice Team gemeinsam mit Ihnen, unseren Kunden und Partnern, in die Vergangenheit und – mit großer Vorfreude – in die Zukunft zu schauen. Aus diesem Grund halten Sie
mit der aktuellen Ausgabe #2 unser „Zukunftsmagazin“ in den Händen.
Die Themen des Magazins sind in Rubriken gegliedert. Lesen Sie vom Zukunftsforscher
Prof. Dr. Horst Opaschowski „5 Thesen zur Zukunft von Wohlstand und Lebensqualität in
Deutschland“, von Philosoph und Kulturstaatsminister Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin „Wir
sollten fragen wie die Kinder, die wir waren“, vom Wissenschaftler und Polarforscher Arved
Fuchs über schmelzendes Eis und teilen Sie mit dem CIO der MLP Finanzdienstleistungen
AG Klaus Strumberger seine Gedanken zur Bedeutung der IT für die Zukunft von Financial
Services. Ich wünsche Ihnen Freude und zahlreiche Anregungen beim Lesen. Gut, wer heute
versteht, was übermorgen wichtig wird!
Zehn Jahre dynamischer Aufbau, Wachstum auf mittlerweile 75 festangestellte und freie
Mitarbeiter und rund 6,0 Mio. Euro Umsatz in 2012, die Entwicklung der Produkte efp24,
Cheops und Cheops.Mobile sowie die Etablierung von Cloudcomputing für Standardsoftware
in der Finanzdienstleistung sind Meilensteine und Ergebnisse einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung. Lesen Sie mehr über die etvice Erfolgsgeschichte im Jubiläumsartikel „10
Jahre etvice“ und lassen Sie sich im Beitrag „Vision und Mission – wenn Beratung und Verkauf
von Finanzprodukten Freude bereiten“ anstecken von Ideen zur Zukunft der etvice Gruppe.
Zehn Jahre sind ein Zeitraum, in dem ein Technologie- und Beratungsunternehmen in etwa
fünfmal neu erfunden, fokussiert und ausgerichtet wird. Für alle Beteiligten eine Aufforderung
zur permanenten Weiterentwicklung, um mit bestqualifizierten Mitarbeitern nachhaltige
Unternehmenswerte zu schaffen und Höchstleistung für unsere Kunden zu erbringen.
Für mich persönlich ist es der Zeitpunkt, Ihnen, unseren Kunden und Partnern, und dem
gesamten etvice Team für Stabilität und Vertrauen herzlich zu danken.
Es grüßt Sie,
Wichtig auf dem Weg zum Frieden unter den Menschen ist die
Verständigung und Toleranz sämtlicher Religionsansichten untereinander. Ich wünsche mir, dass die Religionen wahrhaftiger aufeinander zugehen. Die bloße Existenz unterschiedlicher
Glaubensrichtungen veranlasst Menschen nicht per se dazu, zu
morden oder andere zu verunglimpfen. Eine ungerechte Verteilung der Chancen und Rohstoffe ist gefährlich.“
Markus Bug (34), Jugendreferent
Entdecken Sie mehr auf den folgenden Seiten ...
Marc M. Engel
Gründer & Vorstandsvorsitzender etvice Holding AG
Zukunftsforschung
Zukunftsforschung
5 Thesen zur Zukunft
von Wohlstand
und Lebensqualität
in Deutschland
von Prof. Dr. Horst W. OpaschowskI
Zukunftswissenschaftler und
Berater für Wirtschaft und Politik
Prof. Dr. Horst W. Opaschowski
ist Zukunftswissenschaftler und
Berater für Wirtschaft und Politik.
Er gilt international als „Mr. Zukunft“
(dpa) und ist Autor des Standardwerks der Zukunftsforschung
„Deutschland 2030. Wie wir in
Zukunft leben“, das im Gütersloher
Verlagshaus erschienen ist
An die Mär vom Immer-Mehr
glaubt niemand mehr:
Die Wachstumsblase platzt.
Ein Ende des Wachstumstempos früherer Jahrzehnte
zeichnet sich ab. Statt stetiges Wachstum heißt es
immer öfter stagnierendes Wachstum. In Deutschland sinkt das Wirtschaftswachstum von Jahrzehnt
zu Jahrzehnt kontinuierlich und bewegt sich tendenziell auf ein Wachstum nahe null zu. Das jahresdurchschnittliche Wachstum in Deutschland betrug
in den fünfziger Jahren 8,2 Prozent,
in den sechziger Jahren 4,4 Prozent,
in den siebziger Jahren 2,9 Prozent,
in den achtziger Jahren 2,3 Prozent,
in den neunziger Jahren 1,1 Prozent,
in den 2000er Jahren 0,9 Prozent
und wird sich im kommenden Jahrzehnt „nahe null“
(Prognose) bewegen.
Wenn aber das Wachstum nahe null Normalität
in Deutschland zu werden droht oder gar unter die
Nulllinie rutscht, dann platzt die Wirtschaftswachstumsblase (wie die Internet-, Finanz- und Immobilienblase auch). Die Logik des Immer-Mehr funktioniert nicht mehr.
Für die Zukunft gilt: Wir brauchen ein erweitertes
Wachstumsmodell mit Lebensqualitätsanspruch und
eine neue Vision von Wohlstand („Vom Wohlleben
zum Wohlergehen“) und Wohlfahrt („Wohlergehen
für alle“). Alle sollen gut leben können. Dann brauchen
wir uns um den sozialen Kitt, der unsere Gesellschaft
in Zukunft zusammenhält, keine Gedanken mehr zu
machen.
Wenn der Wandel vom Waren-Wohlstand zum wahren Wohlstand gelingt und das Wohlergehen des
Landes und der Menschen zum neuen Maßstab für
Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität wird,
dann werden die Menschen zufriedener, wachsen die
Wahlbeteiligungsquoten, nimmt die Konsumlust der
Verbraucher zu und steigen auch die Aktienkurse an
den Börsen wieder ...
4
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
ist kein Fortschrittsindikator
mehr. Der Nationale Wohlstandsindex NAWI D wird zum neuen
Die fetten Jahre sind vorbei.
Das Schlaraffenland ist
abgebrannt.
Die Wohlstandsgesellschaft entlässt ihre Kinder – in
eine relativ unsichere Zukunft. Die Wohlstandswende
kommt im Lebensalltag der Deutschen an. Auch die
Wohlfahrtsbedingungen ändern sich grundlegend.
Die Menschen spüren dies. Zugespitzt in der Erkenntnis: Die fetten Jahre sind vorbei – das Schlaraffenland
ist abgebrannt. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist davon überzeugt: Für die junge Generation ist es in Zukunft viel schwieriger, ebenso abgesichert und im Wohlstand zu leben wie die heutige
Elterngeneration. Der Wohlstandsverlust droht.
Die Wirtschaft wächst, der Lebensstandard auch –
doch die Bundesbürger fühlen sich immer schlechter.
Vier von zehn Bundesbürgern sind mittlerweile davon
überzeugt, dass die Lebensqualität in Deutschland
„im Vergleich zu früher eher geringer geworden“ ist.
Diese negative Wohlstandsbilanz zieht die Bevölkerung. Das subjektive Gefühl breitet sich aus, dass es
mit einem und mit allem bergab geht.
Die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung ist
nicht in erster Linie eine Geld- und Einkommensfrage,
sondern eher eine Verteilungs- und Gerechtigkeitsfrage. Während die meisten Menschen in Großstädten und Ballungszentren relativ gut leben können,
müssen immer mehr Landbewohner um das zum
Leben Notwendige kämpfen: Die Grundversorgung
vom Lebensmitteleinkauf über Bildungs- und Kulturangebote bis zur medizinischen Betreuung ist
nicht mehr gewährleistet. Das Wohlstandsgefälle
zwischen Stadt und Land gefährdet auf Dauer die
soziale Stabilität und damit auch das wirtschaftliche Wachstum von Regionen – durch Landflucht und
Immobilien-Leerstände auf dem Lande bis zur Mietenexplosion und Wohnungsnot in urbanen Zentren.
Wohlstandsbarometer.
Das BIP erfasst nur Güter (Waren und Dienstleistungen), die am Markt mit Geld und Preisen gehandelt
werden. Nichtmonetäre Betreuungsarbeiten und
freiwillige ehrenamtliche Tätigkeiten werden nicht
berücksichtigt. Auch immaterielle, aber individuell
bedeutsame Leistungen kreativer, sportlicher und intellektueller Art werden nicht erfasst, ebenso wenig
Lebensqualitäten wie Gesundheit und Geborgenheit
oder Naturschönheit und Umweltqualität. Andererseits tragen Prozesse der Zerstörung („Abwrackprämie“ für Autos; Verschmutzung und Zerstörung
von Natur und Landschaft durch touristische Infrastrukturen u.a. zur Steigerung des BIP bei, während
qualitative Aspekte des Wachstums wie Sozial- und
Umweltverträglichkeit, gerechte Verteilung und Förderung des Wohlergehens der Menschen weitgehend außer Betracht bleiben.
Der Autor hat daher in Zusammenarbeit mit dem
Sozialforschungsinstitut IPSOS ein umfassendes
Wohlstandskonzept als Antwort auf die globalen
Herausforderungen und Wertewandelprozesse im
21. Jahrhundert entwickelt. Ein Wohlstandsbarometer wurde konzipiert und zur Grundlage für einen
Nationalen Wohlstandsindex in Deutschland (NAWI D)
gemacht.
StraSSeninterview
„In
Zukunft
wird es noch
wichtiger werden, für eine
saubere Umwelt, sozialen Frieden und
mehr Gerechtigkeit zu sorgen.
Die Menschen müssen anfangen, ein anderes Verständnis
vom Miteinander zu entwickeln, die Welt endlich als
Eines zu begreifen und die
Grenzen in ihren Köpfen abzubauen. Wir sollten unseren
Kindern und Enkeln beibringen und vorleben, dass wir bereits in einer Weltgesellschaft
leben.“
Volena Wilde (71),
pensionierte Lehrerin
NAWI D ist auf vier Säulen aufgebaut – einer ökonomischen, einer ökologischen, einer gesellschaftlichen
und einer individuellen Säule.
Säule I:
Säule II:
Säule III:
Säule IV:
Ökonomischer Wohlstand
Sicher und ohne Geldsorgen leben
Ökologischer Wohlstand
Naturnah und nachhaltig leben
Gesellschaftlicher Wohlstand
Frei und in Frieden leben
Individueller Wohlstand
Gesund und ohne Zukunftsängste leben
5
Zukunftsforschung
landWirtschaft
Gut leben statt viel haben.
Die Deutschen definieren ihre
Lebensprioritäten neu.
Mein Haus? Mein Auto?
Mein Boot?
Es geht um Leib und Leben
und nicht um Glücksgefühle.
Das neue umfassende Wohlstandsverständnis der
Bevölkerung sprengt den herkömmlichen Wohlstandsbegriff, der sich bisher fast nur in materiellmonetären Bestimmungen erschöpfte. In unsicheren
Krisenzeiten, in denen kein Ausbruch aus dem „Teufelskreis aus Bankenkrise, Staatsschuldenkrise und
makroökonomischer Krise“ (Sachverständigenrat/
Sondergutachten 2012) möglich erscheint, hat der
Wunsch nach Wohlstand mehr mit der Verhinderung
von Angst, Not und Sorge als mit Geldausgeben und
dem Genuss von Luxus und Überfluss zu tun. Über
allem schwebt das Damoklesschwert existenzieller
Unsicherheit – materiell, mental und sozial. Es geht
um Leib und Leben und nicht um Glücksgefühle.
Von einem „Wohlleben“ oder „Wohlstandsleben“ sind
die meisten Bundesbürger noch weit entfernt. Zwei
Drittel der Bevölkerung warten bisher vergeblich auf
einen finanziellen Segen, der sie von Geldnöten befreit. Stattdessen verfügen gerade einmal vier von
zehn Bundesbürgern über genügend Ressourcen und
Reserven, um für die eigene Zukunft finanziell vorsorgen zu können (oder als Rentner vorgesorgt zu haben).
Die Vorstellung, sich im Leben besondere materielle
Wünsche vom neuen Auto bis zum teuren Boot erfüllen zu können, bleibt für viele nur ein Traum.
6
Die Bürger setzen sich wieder bescheidenere Ziele,
bei denen weniger auch mehr sein kann: eine Arbeit
und eine Familie haben, gesund sein und gut und sorgenfrei leben können. Mit einem Wort: Grundgeborgenheit. Wohlfühlen und wissen, dass es einem gut
geht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So behält
auch der biblische Satz aus den zehn Geboten für das
neue Wohlstandsverständnis im 21. Jahrhundert seine
Gültigkeit: Alles dafür tun, „dass es dir wohlergehe
und du lange lebest auf Erden!“ Wiederentdeckt wird
das persönliche und soziale Wohlergehen. Und das
kann auch bedeuten: Gut leben statt viel haben!
Wenn Wohlstandspolitik auch Wohlfahrtspolitik sein
soll, dann müssen alle gut leben können. Und aus der
Nachkriegsformel des 20. Jahrhunderts „Wohlstand
für alle“ muss im 21. Jahrhundert die Forderung
„Wohlergehen für alle“ werden. Die Menschen leben
dann sicher nicht in der besten aller Welten. Aber sie
können – auf der Basis von Wachstum, Wohlstand
und Lebensqualität – das Beste aus ihrem Leben
machen. Jede(r) für sich – auf seine/ihre individuelle
Weise. Und das heißt: das Beste aus dem machen,
was man am besten kann.
Auch wenn die Wirtschaft in Zukunft wächst: Wohlstand und Lebensqualität stellen sich für die Bürger
erst ein, wenn die Frage „Wovon sollen wir in Zukunft
leben?“ von der Politik glaubwürdig und zufriedenstellend beantwortet wird. Im ganzheitlichen Wohlstandsdenken der Bevölkerung greifen einseitig
quantitative Wachstumsversprechen zu kurz. Die Menschen denken wieder nachhaltiger – und verhalten sich auch zunehmend so. Sie stellen sich die Frage,
was im Leben wirklich wichtig und was – wenn auch
schweren Herzens – gegebenenfalls entbehrlich ist.
Wie wichtig wird die landwirtschaftliche Mechanisierung
unserer Welt im Jahr 2050 sein?
Jeremy Burgess, Geschäftsführer des etvice Kunden Sparex, hat eine Vision
Stellt man sich ein Szenario für unsere Welt in der Zukunft vor,
sagen wir für das Jahr 2050, haben viele Menschen Angst davor,
was mit unserem Planeten passieren wird. Aber die Erde ist nicht
unser Eigentum. Wir dürfen sie uns nicht zu eigen machen – oder
sie ausbeuten. Dies müssen wir erst noch lernen. Laut Schätzungen
wächst die Weltbevölkerung heutzutage jedes Jahr um 82 Millionen
– so viel wie die Einwohnerzahl Deutschlands. Das würde heißen,
dass sich die Weltbevölkerung bis 2050 um ein Drittel vergrößert
haben wird im Vergleich zu heute: Mehr als neun Milliarden Menschen werden dann auf der Erde leben. Und bereits heute haben
eine Million Menschen auf der Welt nicht genügend zu essen.
Welche Art von Nahrung wird die Bevölkerung 2050 zu sich nehmen? Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen (FAO) sind landwirtschaftliche Genossenschaften der Schlüssel, um die Welt zu ernähren. Dies war auch das Thema
des Welternährungstages 2012. Natürlich weiß Sparex, einer der
weltmarktführenden Hersteller für die Zulieferung von Ersatzteilen und Zubehör für Traktoren und landwirtschaftliche Nutzmaschinen, dass sie allein die Welt nicht verändern können – so ehrenhaft dies auch sein mag.
Aber was kann Sparex tun, wenn es um Landwirtschaft und damit
um die Mechanisierung unserer Welt geht? „Wir wissen, dass Sparex lediglich eine kleine Rolle spielt, wenn es um das Problem geht,
wie die Weltbevölkerung 2050 ernährt werden soll“, sagt Jeremy
Burgess, Geschäftsführer der Sparex-Gruppe. „Dennoch wissen
wir über die Probleme Bescheid und es ist uns bewusst, dass es essenziell wichtig ist, schon heute über mögliche Lösungen nachzudenken.“ Er möchte wissen, was morgen wichtig sein wird, weshalb
Burgess eine Vision für Sparex in unserer globalisierten Welt hat.
7
landwirtschaft
StraSSeninterview
„Ich wünsche
mir in erster
Linie eine andere Form der
Ko m m u n i ka tion unter den Menschen.
Menschen sollen wieder persönlicher und menschlicher
miteinander reden. Die elektronischen Medien, wie Handy oder Facebook, sind vielleicht ganz hilfreich, aber bei
intensiverer Nutzung können
sie meiner Meinung nach den
Umgang der Menschen untereinander verschlechtern.“
Christoph Bagert (52),
gelernter Koch
StraSSeninterview
„Die Scheinheiligkeit, mit
der die Menschen
ihre
Beziehungen
zueinander in vielen Situationen in einer immer größer
werdenden Konkurrenzgesellschaft gestalten, scheint
mir zu einer der wirksamsten Methoden geworden zu
sein, seinen Egoismus zum
Sieg zu verhelfen. Der Preis
dieser Entwicklung ist, die
Reduzierung der Solidarität.
Ich wünsche mir ein Land,
in dem die Jugendbildung
stärker intellektuell und aufklärerischer betrieben wird.“
landWirtschaft
Die Weltbevölkerung wird wachsen – ob wir es wollen
oder nicht. Aber was wird die große und hungrige
Bevölkerung essen? Laut der FAO werden die vielen
Menschen etwa drei Mal so viel tierisches Eiweiß
zu sich nehmen, als es heute der Fall ist – sogar in
Entwicklungsländern. Der Fleischkonsum wird um
fast 73 Prozent bis 2050 steigen. Im Vergleich zum
Überkonsum von Fleisch in Europa, den amerikanischen Kontinenten und Ozeanien brauchen die Entwicklungsländer die Viehwirtschaft, weil sie einen
entscheidenden Beitrag zur Sicherung von Privathaushalten und deren Ernährung beitragen kann.
Darüber hinaus kann die Ernährungsweise dieser
Haushalte verbessert werden: Schon kleine Mengen
von Nahrung aus tierischen Quellen können den
Ernährungszustand von Haushalten mit wenig Einkommen verbessern. Fleisch, Milch und Eier liefern
sowohl jenes Eiweiß, das reich an Aminosäuren ist,
als auch wichtige Spurennährstoffe, an denen es
mangelernährten Menschen fehlt.
für landwirtschaftliche Nutzmaschinen, beispielsweise Beleuchtung, Heckhubwerke für Traktoren,
Antriebskomponenten oder auch Werkzeug und
Handwerkszubehör. Etwa 40.000 Teile gehören zu
dieser Kategorie. Die dritte Kategorie, welche aus
5.000 Teilen besteht, beinhaltet Teile für Anbaugeräte und -maschinen, die in Verbindung mit Traktoren
verwendet werden, zum Beispiel Bodenbearbeitungsmaschinen, Erntemaschinen und Pflüge. Als ein weltweit agierender Großhändler für Ersatzteile und Zubehör für die Landwirtschaft, bedienen bedient die
Sparex- Gruppe über 20.000 Kunden in 80 Ländern
der Welt. „Es ist wichtig anzumerken, dass wir unsere
Produkte nicht an den Endnutzer verkaufen“, erläutert Burgess. Kunden von Sparex sind hauptsächlich
unabhängige Händler (58%), Originalgerätehersteller (37%) und sonstige, vor allem Werkstattbetriebe,
landwirtschaftlich angebundene Läden oder Genossenschaften (5 Prozent). Sie beliefern schließlich den
Endkunden.
„Wir glauben, dass die effiziente Nutzung von Wasser,
nicht nur von landwirtschaftlich nutzbarem Land,
der Schlüssel dafür ist, die Welt im Jahr 2050 zu ernähren“, sagt Burgess. Er fügt hinzu: „Nur wenn der
Wissensstand in Trockengebieten verbessert wird,
so dass die Nutzung von Land- und Wasserkapazitäten gewährleistet ist, kann es eine Chance geben,
der Nachfrage nach Nahrung entgegenzukommen.“
Aber was ist wichtig, wenn es darum geht, die gewachsene Bevölkerung zu ernähren? Die Antwort ist
eng verbunden mit dem Fachgebiet von Sparex: Die
Welt braucht jene Art von Maschinen, die energieeffizient in den Regionen der Welt funktionieren, wo
das Einfahren von Ernte am kritischsten ist – sowohl
an Land als auch im und am Wasser.
Bei diesen beeindruckenden Zahlen fragt man sich,
was das Geheimnis des Erfolges von Sparex wohl
sein mag. „Unser Geheimnis ist nicht wirklich ein Geheimnis“, sagt Burgess bescheiden. „Wir stellen Teile
her, wir verkaufen sie, wir verdienen Geld.“ Dennoch
verbirgt sich eine komplexe Struktur hinter dem Profit, mit der sehr präzise umgegangen werden muss,
damit die Firma Erfolg hat. „Der landwirtschaftliche
Markt ist sehr zeitkritisch, weshalb wir immer informiert darüber sein müssen, was unsere Kunden
brauchen“, sagt Burgess. „Besonders dann, wenn die
Ernte reif ist und eingefahren werden kann, muss es
für unsere Kunden möglich sein, auch noch kurzfristig Teile bestellen zu können.“ Sparex ist zum Beispiel
gerade dabei, die Größe des Lagers in Deutschland
zu verdoppeln, um den Anforderungen gerecht zu
werden. „Wir müssen sehr analytisch damit umgehen, was wir verkaufen und wie wir es verkaufen.
Nur so können wir unseren Kunden am besten dienen. Und nur so können wir erfolgreich sein.“ Die
„Analyse“ beginnt mit dem Wissen über das richtige
Inventar und die richtige Palette von Produkten, die
in den Lagern von Sparex vorhanden und erhältlich
sind, kombiniert mit einem sehr starken Fokus auf
Qualitätskontrolle. Hinzu kommt, dass die Experten
des Ersatzteillieferanten genau wissen, welches Teil
zu welcher Maschine passt. Daher ist immer die akkurate Information abrufbar. „Ein Experte in den Entwicklungsländern weiß zum Beispiel, dass sein Kunde nicht Luxuszubehör wie einen guten Sitz für den
Traktor braucht, sondern essenzielle Teile, damit der
Traktor überhaupt funktioniert.“ Und nicht zuletzt:
Der Preis ist konkurrenzfähig.
Sparex verfügt über eine breite Palette von Ersatzteilen für Maschinen, die in Entwicklungsländern
gebraucht werden. In diesen Ländern ist der richtige
Umgang mit der Nutzung von Land und Wasser nicht
nur wichtig, sondern überlebensnotwendig für die
Menschen, die dort leben. 1965 in England gegründet, ist die Firma, Teil der AGCO-Gruppe, jetzt einer
der Weltmarktführer und hat sich rasant auf Exportmärkte in der ganzen Welt vergrößert. Die SparexGruppe ist an 18 Standorten in 17 Ländern präsent.
Zusätzlich exportiert sie Waren an Vertriebspartner
in ungefähr 70 anderen Ländern der Welt – sie ist
auch mit einer Firma in Deutschland vertreten.
Lisa Reinecke (77),
Rentnerin
8
Und was tut Sparex in den vielen Ländern, in denen die Gruppe zu finden ist? „Wir können unsere
Produkte in drei Kategorien einteilen“, erklärt Burgess. Der ersten Kategorie sind Ersatzteile für alle
bekannten Traktorenhersteller zugeordnet. In dieser
Kategorie vertreibt Sparex etwa 30.000 Teile. Die
zweite Kategorie besteht aus universellem Zubehör
ter auf der Welt. 130 von ihnen sind Verkaufs- und
Technikspezialisten. „Ich glaube, der Hauptgrund,
warum Sparex so erfolgreich ist, ist unser globales
Denken“, fügt Burgess hinzu. „Wir bedienen, anders
als einige unserer Konkurrenten, nicht nur lokale
Gebiete, sondern die ganze Welt. Das beginnt zwar
im Vereinigten Königreich, dehnt sich dann aber bis
nach Afrika, den Mittleren und sogar den Fernen Osten aus.“ Wenn Kunden, die weiter entfernt angesiedelt sind, ein bestimmtes Teil bestellen, sind die
Kontributionspartner von Sparex der Schlüssel zum
Erfolg. Sie wissen genau, was die Landwirte in ihren
Regionen brauchen.
„Vielleicht kennen Sie das Sprichwort ,Denk global,
handle lokal‘“, sagt Burgess. Alle Firmen der SparexGruppe wissen, wie sie die Balance zwischen der zentralen Richtlinie, die vom Hauptsitz in England vorgegeben ist, und der eigenen lokalen Flexibilität finden
können. Das heißt, auch wenn jedes Team die Strategie des Hauptsitzes verfolgen muss, hat es doch
seine individuelle Freiheit. Und das ist so wichtig,
weil jedes Land andere, besondere Anforderungen zu
erfüllen hat, wenn es um die Wünsche seiner Kunden geht. Was alle Teams verbindet, ist aber die bereits genannte zeitkritische Komponente der Landwirtschaft. Deshalb beginnt Sparex nun, noch mehr
Übernacht-Zustellungen möglich zu machen. Burgess:
„Unsere Kunden in Deutschland, zum Beispiel, können jedes Teil bis 18 Uhr abends bestellen und haben
es um 8 Uhr am nächsten Morgen.“ Dieses Lieferversprechen wird bald auf zusätzliche europäische
Märkte erweitert, zuerst in Polen, Belgien, Dänemark
und Österreich. Anschließend sollen Frankreich, Spanien und Portugal folgen.
„Ganz Europa ist uns sehr wichtig“, betont Burgess.
Aber nicht nur dieses Lieferversprechen hat sich Sparex
zum Ziel gesetzt; ihr Hauptziel ist es, die Größe der
Firma in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln,
und das erste Jahr dieses Vorhabens hat bereits begonnen. Sparex möchte also nicht nur zu den Besten
gehören, das Unternehmen möchte die Nummer
eins in der Welt sein. „Wir profitieren davon, so global
zu sein, wie wir sind“, erläutert Burgess. „Unser globaler Fußabdruck ermöglicht es uns, eine kritische
Masse zu haben, was einen großen Unterschied zu
den meisten unserer Konkurrenten darstellt.“
Jeremy Burgess
Was etvice für Sparex macht
1965 geboren, blickt der Sparex Geschäftsführer auf über 30
Seit Mitte Oktober 2011 unterstützt etvice die Sparex Ltd.,
Jahre Erfahrung in der landwirtschaftlichen Maschinenindus-
ansässig in Exeter (UK), mit Projekt- und Programm-Manage-
trie zurück. 2011 kam er zu Sparex, einem der weltmarktfüh-
ment. Bernhard Zwantschko, Deputy Managing Director,
renden Unternehmen in der Landwirtschaftsindustrie. Burgess
fasst die Gründe, warum die Wahl auf etvice gefallen ist, wie
kennt die Rolle der Landwirtschaft in der Weltentwicklung,
folgt zusammen: „Mit der Kompetenz, die etvice im Bereich
welche besonders wegen des Klimawandels, der veränderten
Projekt- und Programm-Management bei Sparex mitein-
Ernährungsweise und der massiven Vergrößerung der Weltbe-
bringt, erreichen wir zwei Ziele auf einmal. Zum einen wird
völkerung noch zentraler geworden ist. Der Geschäftsführer
unser Projektportfolio professionell gemanagt, zum anderen
glaubt jedoch fest daran, dass Technologien zur Erfüllung aller
können wir durch einhergehenden Knowledge-Transfer eige-
gesteigerten Produktionsanforderungen, bereits existieren.
ne Projekt-Management-Kapazitäten aufbauen.“
SPAREX subsidiary markets (oragnge), export markets (green)
Kritische Masse – was ist das? „Das bedeutet, dass
wir immer eine große Anzahl von Produkten in unserer Palette und auf Lager haben. Aber das ist nur
möglich aufgrund unseres globalen Denkens. Unsere
Kunden in den USA beispielsweise brauchen Teile
für Maschinen, die auf ihrem Markt typisch sind. Wir
können ihnen diese Teile anbieten und dann sofort
einem anderen Kunden überall auf der Welt, da er
vielleicht die gleiche Maschine nutzt. Die kritische
Masse in den USA in diesem Beispiel ermöglicht es
uns erst, das bestimmte Teil in unserer Produktpalette
zu haben. Wenn ein Kunde auch nur ein einziges Teil
benötigt, kann er es von uns bekommen. Das macht
uns besonders.“
Sowohl globale als auch kommerzielle und staatliche Unternehmen müssen in Zukunft zusammenarbeiten. „Wir geben
unser Bestes, unseren Teil dazu beizutragen, wenn es darum
Aber wie genau erfüllt Sparex die eigenen hohen
Standards? Burgess: „Es ist eine Kombination aus Erfahrung und Expertise.“ Es gibt 500 Sparex-Mitarbei-
geht, heute zu wissen, was morgen wichtig sein wird.“
9
Gesellschaft
Entscheidungsprozess verknüpfen wir unsere Wünsche,
und unsere Erwartungen und versuchen, optimal zu
entscheiden. Daraus ergibt sich ein Problem: Denn
von einem Zeitpunkt zum anderen können sich unsere Wünsche und Überzeugungen verändern. Diese
Erkenntnis über den Menschen als besonderes Naturwesen sollte uns gleichwohl in der Gegenwart
vorsichtig machen. Denn große Entscheidungen, die
heute gefällt werden, betreffen zukünftige Generationen. Umso ferner die Zukunft ist, die mit einer
heutigen Entscheidung beeinflusst wird, umso risikoärmer sollte entschieden werden, da wir die Folgen
der Entscheidungen immer weniger beherrschen, je
komplexer sie in der Gegenwart einzuschätzen sind.
Wir sollten fragen wie
die Kinder, die wir waren
Ein Gespräch mit Staatsminister a. D. und Philosoph Julian Nida-Rümelin
Über die Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen über seine
Zukunft im freien Willen zu treffen
Julian Nida-Rümelin, einer der bedeutendsten Philosophen
Deutschlands, nimmt sich die Zeit, über eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen nachzudenken – über den
Menschen als das Naturwesen, das die Zukunft in sein gegenwärtiges Handeln einschließen kann.
Wenn wir in der Gegenwart stehen, sind wir überhaupt
in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die über die Gegenwart hinausgehen und die Zukunft gestalten? Sind wir
entscheidungsfähig, wenn es um die Zukunft geht? Einer
der ersten modernen Denker, Thomas Hobbes, hat sich mit
dem Unterschied zwischen Mensch und Tier beschäftigt.
Hobbes stellte fest, dass es nur wenige Merkmale gibt, die
den Menschen vom Tier unterscheiden. Beide sind Naturwesen und beide sind zum Beispiel getrieben von Liebe
und Hass. Einer der wenigen Ungleichheiten zwischen beiden Wesen nahm sich Hobbes genauer an – dem prospectus. Der Mensch ist offenbar in der Lage, das unterscheidet
ihn wohl von allen anderen Naturwesen, vorauszuschauen
10
und empfindet deshalb Ängste, wie beispielsweise die
Furcht vor dem Tod. Das Tier hingegen reagiert zwar auf
Gefahren, empfindet jedoch keine Angst vor der näheren
und ferneren Zukunft, sondern ist von Instinkten getrieben. Die Furcht des Menschen vor dem Tod leitet sich aus
seiner Zukunftsorientierung ab. Wir haben mit höheren
Säugetieren viel gemein, es ist jedoch nicht vorstellbar,
dass ein Tier zukunftsorientiert handelt. Die Zukunftsorientierung des Menschen ist somit etwas Besonderes. Wir
treffen Entscheidungen immer unter den Bedingungen
des Augenblicks, geprägt von gegenwärtigen Wünschen
und Erwartungen, aber diese sind auf die Zukunft gerichtet. Die Entscheidungstheorie, eine Disziplin, die für meine
wissenschaftliche Arbeit eine wichtige Rolle spielt, hat
versucht, dies zu präzisieren: Wir besitzen auf der einen
Seite bestimmte Überzeugungen, zum Beispiel die Mittel
betreffend, die uns zur Verfügung stehen, um bestimmte
Ziele zu erreichen, und wir haben auf der anderen Seite
Wünsche, wie wir die Welt gestaltet haben möchten. Im
Ergibt sich dies auch daraus, dass wir in der modernen
Welt von derart massiv vielen Faktoren bewusst und
unbewusst beeinflusst werden, so dass keine Entscheidung mehr leicht und einfach in der Gegenwart
bezogen auf die Zukunft getroffen werden kann?
Je kleiner, je unwichtiger die Entscheidung ist, vor der
wir stehen, desto leichter im eigentlichen Sprachsinne und rationaler kann eine solche gefällt werden.
Rationale Entscheidungen können getroffen werden,
wenn sich das Individuum der Konsequenzen der Entscheidung wirklich bewusst ist, sie übersehen kann
und über deren konkrete Wirkung bewusst sein kann.
Wenn eine Entscheidung meine zukünftige Lebensform oder meine Beziehungen zu anderen Menschen
betrifft, werden durch diese Entscheidung langfristig
auch die eigenen zukünftigen Wertungen beeinflusst.
Deshalb ist es in einem solchen Fall schwieriger, eine
Entscheidung rational zu fällen, da kein einheitlicher
Maßstab vorhanden ist, da sich der Maßstab mit der
(existenziellen) Entscheidung ändert. Deshalb gilt: Je
wichtiger eine Entscheidung ist, desto weniger lässt
sie sich rationalisieren. Dies betrifft insbesondere
Entscheidungen, die unsere Zukunft nachhaltig verändern.
Bedeutet dies, dass, wenn ich eine Entscheidung
größerer Komplexität treffe und mich dann in der
entschiedenen Situation befinde, ich nicht mehr
dieselbe Person wie vor der Entscheidung bin? Zwei
Probleme ergeben sich bei einer bevorstehenden
komplexen Entscheidung. Das erste ist das Unsicherheitsproblem. Da wir niemals abschätzen können,
wie die Zukunft aussieht und wie sich der Einzelne
entwickelt, sind wir äußerst unsicher, was zukunftsorientierte Entscheidungen betrifft. Das zweite Problem befasst sich mit der Identität des Einzelnen.
Denn mit existenziellen Entscheidungen entscheidet
das Individuum zugleich über seine zukünftige Persönlichkeit, über seine Lebensformen und Wertungen.
Dies wirft die Frage auf, nach welchem Maßstab
entschieden werden soll. Dieser ergibt sich aus den
Wertungen eines Individuums, wobei eben jene Wertungen durch Entscheidungen beeinflusst werden,
was wiederum zum beschriebenen Identitätsproblem
führt. Manche Entscheidungen sind derart existenziell,
dass sie über die eigene Persönlichkeit mitentscheiden,
weshalb dann die Maßstäbe fehlen, nach denen diese
Entscheidung rational beurteilt werden kann.
Als Humanist verteidigen Sie den freien Willen und
unsere lebensweltliche Moral und Ethik. Wenn der
Einzelne jedoch im Grunde nicht weiß, wer er ist,
wie begründen Sie dann den freien Willen? Es gibt
in immer wieder neuen Anläufen eine Art antihumanistische Ideologie, welche bestreitet, dass Individuen Entscheidungsoptionen haben. Diese Ideologien
gehen davon aus, dass sämtliches Handeln festgelegt
und ex post Gründe für eben jenes Handeln gesucht
werden. Dies erscheint mir grotesk, da diese Annahme
unserer Lebenserfahrung, unserer Lebenswelt und
unseren Beziehungen zu Menschen fundamental
widerspricht. Wenn man davon ausginge, dass der
freie Wille obsolet wäre, könnte niemand mehr für
das eigene Handeln verantwortlich gemacht werden.
Außerdem würde sich die Frage aufdrängen, ob die
Entscheidung, gegen den Humanismus Stellung zu
beziehen, auf Argumenten beruhe oder selbst schon
vor aller Abwägung von Gründen determiniert wäre.
Wie können Sie wissen, dass der Mensch in der Lage
ist, frei und rational zu entscheiden – und dazu die
Entscheidungen trifft, die gute Folgen in der Zukunft
haben? Da wir in unserer gesamten Praxis, in unserer
gesamten Alltagsverständigung immer schon voraussetzen, dass Menschen bewusst in einem Sinne
handeln, bin ich der Ansicht, dass die Beweislast auf
Seiten derer liegt, die den freien Willen bestreiten.
Die ganze Art und Weise, wie Menschen miteinander
umgehen, Gründe zu geben und Gründe entgegenzunehmen, sich selbst zu kritisieren, würde keinen
Sinn ergeben, wenn es keine Optionen gäbe, zwischen denen Individuen frei wählen könnten. Unsere
gesamte Lebenspraxis, insbesondere unser Umgang
mit anderen Menschen würde, unter der Annahme,
es gebe keinen freien Willen, kollabieren. Dies würde
bedeuten, dass Individuen nichts weiter als Automaten wären, die keine andere Wahl hätten, als nach
festgelegten Gesetzmäßigkeiten zu funktionieren.
In meinen Augen sind die Argumente der Bestreiter
des freien Willens derart dürftig, dass sie nicht ausreichen, eine solch radikale Veränderung des Menschenbildes zu rechtfertigen.
Julian Nida-Rümelin hat einen
langen, erfolgreichen akademischen Weg hinter sich. Er
studierte in jungen Jahren
Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaft, hat
in Philosophie bei Wolfgang
Stegmüller promoviert und
habilitierte 1989 in München.
2009 wechselte er an das Seminar für Philosophie und ist
seitdem Dekan der Philosophischen Fakultät. Nida-Rümelin
war Kulturstaatsminister der
Bundesregierung in der Regierungszeit von Gerhard Schröder.
Seine Bücher finden eine große
Verbreitung (siehe Kasten).
Was können wir heute von der Philosophie lernen
vor dem Hintergrund, die Zukunft gut zu meistern
oder gar heute zu verstehen, was übermorgen wichtig ist? Die Philosophie setzt im Grunde die Art von
Fragenstellen fort, die meist in unserer Kindheit und
Jugend beginnt: die Frage nach dem Sein, dem Sinn
des Lebens, nach Antworten während der Suche
nach sich selbst. Leider neigen wir dazu, diese Fragen
11
gesellschaft
politik
irgendwann als Erwachsene nicht mehr zu stellen. Die Philosophie
hilft dort und kann eine Art Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt schlagen, was sie von anderen wissenschaftlichen Disziplinen
unterscheidet – eine Brücke zwischen der Lebenserfahrung der
Menschen und deren Orientierungsbedürfnis, welches oft nur unzureichend befriedigt werden kann. Die Philosophie verbreitet die
Botschaft, die vermeintlichen „Kinderfragen“ ernst zu nehmen und
sich mit ihnen auch als Erwachsener auseinanderzusetzen. So sehe
ich jedenfalls die Rolle der Philosophie.
Fordert die Philosophie die Menschen auf, nicht aufzuhören, Fragen
zu stellen und diese auch als Erwachsene wie zur Zeit der Kindheit
zuzulassen? Alles Verdrängte kommt mit Macht zurück. Manche
Menschen funktionieren im Alltag, arbeiten sehr viel und brechen
am Ende zusammen und fragen sich im Nachhinein, was ihr Tun
bezwecken sollte. Dann stellen sie Fragen, die sich vorher nicht gestellt haben. In diesem Zusammenhang spreche ich gerne von dem
Glücksgift der Selbst- und Fremdinstrumentalisierung. Das meint:
Menschen hören als Erwachsene auf, sich Fragen zu stellen, mit anderen das Gespräch zu suchen – und funktionieren nur noch. Die
Philosophie ist kein Religionsersatz, aber sie kann helfen, selbst zu
denken und sich ein Urteil zu bilden. Dazu ist es unerlässlich, Fragen
zu stellen. Und zwar nicht lediglich in der Kindheit, sondern in jedem
Abschnitt meines Lebens als Mensch auf dieser Welt.
Welche Frage haben Sie sich als Letztes gestellt? Sie werden jetzt
sehr persönlich, aber das Stichwort „Selbstinstrumentalisierung“
ist mir selbst nicht ganz fremd. In der Philosophie der griechischen
Klassik hatte man dafür den Ausdruck Polypragmosyne, übersetzt
bedeutet das in etwa „Vielbeschäftigtheit“. Wenn mir auffällt, dass
ich Dinge tue, ohne sie zu reflektieren, frage ich mich, ob ich das
eigentlich Wichtige nicht aus dem Blick verliere. Tue ich Dinge, die
eigentlich weniger bedeutsam sind, aber viel Lebensenergie kosten?
Stimmt die Gewichtung meines Handelns? Solche Fragen stelle ich
mir manches Mal. Alle Fragen, die ich anderen wünsche in ihrem
Leben und ihrer Biografie, sind auch in meiner eigenen Lebensgestaltung präsent.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Nida-Rümelin
Frühzeitig das Thema
erkannt, das immer
wichtiger wird
Warum Public Affairs integraler Bestandteil
des mittelständischen Unternehmens etvice ist
Empfehlungen von Büchern aus der Hand eines deutschen Philosophen – Denken heißt fragen
Risikoethik Mit Benjamin Rath und Johann Schulenburg
Die rationale Bewältigung von Handlungssituationen mit unsicheren Konsequenzen ist ein in modernen Gesellschaften allgegenwärtiges Thema. Dieser Band entwickelt ausgehend von einer Kritik der vorherrschenden
Paradigmen im Umgang mit Risiko eine Risikoethik, die auch Individualrechte und Gerechtigkeit berücksichtigt.
Die Optimierungsfalle Julian Nida-Rümelin
Ist eine nachhaltige und menschengerechte Ökonomie bloße Utopie? Gibt es eine Alternative zum krisenanfälligen Finanzkapitalismus? Julian Nida-Rümelin übt scharfsinnig und konstruktiv Kritik an unserem krankenden Wirtschaftssystem. Er vermittelt lebensnah und verständlich diae philosophische Grundlage einer
humanen Wirtschaft. Dabei entlarvt er die Irrationalität einer verantwortungslosen, rein auf Optimierung
bedachten Wirtschaftsordnung.
Der Sokrates Club – Philosophieren mit Kindern Mit Natalie Weidenfeld
Was ist gerecht oder was heißt es, etwas zu wissen? Wie alle Eltern aufgeweckter Kinder wurden auch de
Autoren immer wieder mit philosophischen Fragen konfrontiert. Eine Orientierung für Eltern, Großeltern,
Lehrerinnen und Lehrer, die mit Kindern philosophieren wollen.
12
Nicht erst seit Beginn der erdbebenartigen Finanzkrise vom Herbst 2008, zu großen Teilen mitverursacht
durch das unverantwortliche oder unbedachte Verhalten von einigen Finanz- und Versicherungsmarktteilnehmern, aber zugleich auch von politischen
Fehlentwicklungen beeinflusst, zeigt sich etvice bewusst darüber, dass Führungskräfte im komplexen
Netzwerk von Politik, Wirtschaft und Interessenvertretung im Finanz- und Versicherungssektor Entwicklungen nehmen müssen, die im Grunde nicht anders
als verantwortungsvoll zu nennen sind. Dies ist einer der Gründe, warum der Vorstandsvorsitzende
der etvice Holding AG, Marc M. Engel, und seine
Führungskräfte sich dort nun schon seit zwei Jahren
um eine bessere Kommunikation und Interessensvermittlung aller Beteiligten bemühen. Abseits des
operativen Geschäfts ist es den Kulturträgern der
etvice bedeutsam, mit Entscheidungsträgern in der
Wirtschaft, in der Politik und dort, wo Verantwortung
getragen wird, ins Gespräch darüber einzutreten,
was, schlicht und einfach gesagt, besser laufen muss
und besser laufen kann. So sind nun, nach den Führungsgesprächen mit Bundestagsabgeordneten der
Finanzpolitik aller maßgeblichen Parteien, konkrete
Politiken und Vorgänge in den Fokus der wirtschaftspolitischen Bemühungen gerückt.
Als mittelständisches Unternehmen, das es sich auf die
Fahnen geschrieben hat, Innovationen zu erkennen
und umzusetzen, wollen es sich die Führungskräfte
von etvice nicht nehmen lassen, ihre Sichtweisen und
Meinungen im Dialog mit Kunden, Mitarbeitern und
politischen Entscheidungsträgern in Berlin neu zu
entwickeln, vorzutragen und damit die staatsbürgerliche Pflicht von wirtschaftlich handelnden Führungskräften ernst zu nehmen, auf den politischen Prozess
Einfluss zu nehmen. Nach Gesprächen im Deutschen
Bundestag in 2011 und weiterführenden Diskussionen mit führenden Bundestagsabgeordneten und
perspektivisch mit Entscheidungsträgern der Europäischen Union in Brüssel und Straßburg hat etvice
auf dem Feld der spannungsgetriebenen Schnittstelle „Honorarberatung in der Versicherungsbranche
versus Provisionsvergütung“ eine wissenschaftliche
Abhandlung in Arbeit, die einen Weg sucht aus dem
Verlust von Vertrauen hin zu einer Kooperation von
Wirtschaft und Bürgern, die Versicherungen reell als
wichtig und sinnvoll in der Zielerreichung definieren.
Gerade vor dem Hintergrund, dass nun Verbote von
13
politik
StraSSeninterview
„Für mich ist
die Erhaltung
des
gesellschaftlichen
Friedens
in
Europa und der Welt die
entscheidende Herausforderung der Zukunft, denn die
aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise, gepaart mit einer
europäisch gesellschaftlichen
Sinnkrise, die sich durch Unruhen auf den Straßen und
Herausbildungen von antieuropäischen Parteien zeigt,
muss verstanden und nachhaltig gelöst werden.“
Harry Steen (80),
Kaufmann
StraSSeninterview
„Als Erzieherin
setze ich mich
für mehr Bildung und Integration der
Kinder ein. Ich nutze unsere
kulturelle Musikvielfalt und
biete Kindern eine gezielte
kreative Musikerziehung, damit sie sich geistig weiterentwickeln und ihr Selbstwertgefühl auf spielerische Art und
Weise gefördert wird.“
Anne K. Goluchowski (29),
Erzieherin
14
politik
Provisionsvergütung in manchen EU-Ländern ausgesprochen werden so aktuell in Großbritannien, will
ein Unternehmen wie etvice dazu ermuntern, am
Diskussionsprozess teilzunehmen, ohne gleich mit
einer Vertretung von Tausenden von Gleichgesinnten
auftreten zu wollen. Die Politik hört zu, wenn man sie
fachlich berät: Diese Erfahrung haben Marc M. Engel
und etvice in den letzten beiden Jahren gemacht.
Darauf aufbauend ist der Bereich Public Affairs, die
Vermittlung von Interessen in den öffentlichen Raum
von Politik, Wirtschaft und Interessenvertretung,
proaktiver Bestandteil der Firmenkultur geworden.
So steht aktuell in der gerade stattfindenden Diskussion, ob und in welcher Form die Vermittlung von Versicherungs- und Finanzprodukten reformiert werden
muss, auch das Haus von etvice mit Vorschlägen da.
Seit 2008, dem Zusammenbruch von lang gehegten
Modellen, gibt es vermehrt Kritik sogar von fast allen
Beteiligten der Finanz- und Versicherungsbranche
an dem momentan vorherrschenden Vertrieb über
Provisionsmodelle. Damals hatte die amerikanische
Lehman-Bank mit dem massenhaften Ausfall von
Versicherungsprodukten für Aufsehen gesorgt. In den
Medien war in diesem Zusammenhang von den Lehman-Opfern die Rede, denen hochkomplexe, nicht insolvenzgeschützte Zertifikate und Versicherungen als
Teil einer umfassenden Altersvorsorge verkauft wurden, und das oft ohne eine Überprüfung der Bonität.
Alleine 50.000 solcher Fälle wurden in Deutschland
gemeldet und werden seitdem gerichtlich teilweise
aufgearbeitet. Den volkswirtschaftlichen Schaden
dieser und ähnlich gelagerter Fälle von mangelhafter
Versicherungsberatung schätzen Experten auf 20 bis
30 Milliarden Euro pro Jahr und beschreiben damit
eine Dimension, die zum Nachdenken und Handeln
aller Beteiligten auffordert. Dass es bei der Provisionsberatung zu solchen Fehlvermittlungen kommen
konnte, ist wahrscheinlich, so die heutige Erkenntnis,
in der Natur des Provisionsmodells angelegt. So sind
Produkte, die am besten zu einem bestimmten Kunden passen, geradezu natürlicherweise nicht immer
diejenigen, die dem Berater die höchste Vergütung
versprechen. Dort kann und konnte es daher leicht
passieren, dass die Interessen des Kunden hinter denen des Verkäufers zurücktreten. Verhaltensforscher
haben dazu Studien aufgelegt und sprechen dort von
dem sogenannten Prinzipal-Agent-Problem.
Alternativlos ist das aktuelle System bei weitem
nicht, auch wenn es sich gegenwärtig am Markt
durchgesetzt hat. Verschiedene europäische Länder
wie Großbritannien, Dänemark und Finnland haben
das Modell der Provisionsvergütung zum Jahresbeginn verboten und durch ein Honorarberatungssystem ersetzt. Gerade den kontinentalen EU-Ländern
bereitet es Erstaunen, dass der Finanzplatz London
in dieser Entwicklung mehr Treiber als Hemmnis ist.
In der Honorarberatung beraten unabhängige Fi-
nancial Planner die Kunden und erhalten von diesen
ein Honorar dafür, ähnlich wie bei Beratungsleistungen von Steuerberatern oder auch Rechtsanwälten.
Dies stellt, so die Idee, eine unabhängige Beratung
im Interesse der Kunden dar, da der Nachfolgewert
der Provision gar nicht erst eine Rolle spielt dabei,
dem Kunden etwas zu empfehlen. Der Berater wird
schließlich nicht von einem Versicherungsunternehmen vergütet, sondern direkt vom betroffenen
Kunden für die angefallene Beratungszeit. Diese Kosten für den Kunden sind es auch, die große Versicherungskonzerne in Europa gern als Argument für eine
Provisionsvermittlung und gegen eine Honorarberatung anführen. Dass die Beratungskosten der Provisionsvermittlung allerdings ebenfalls in die Prämien
von vielen verschiedenen Produkten eingerechnet
und damit auf die Kunden umgelegt werden, ist bis
heute ein Thema, dem sich manche Versicherungsfirmen zu wenig offensiv zuwenden.
Versuche, die Honorarberatung auch in Deutschland
zu etablieren, gibt es. So legte beispielsweise das
Bundesministerium für Verbraucherschutz in Berlin
verschiedene Studien und Thesenpapiere vor, und
ein erster Referentenentwurf zu einer gesetzlichen
Grundlage für die Einrichtung der Honorarberatung
existiert seit November 2012. Die legislative Gesetzgebung bedarf allerdings eines langen Abstimmungsprozesses, auch weil sich die bisherigen Anhänger
der reinen Provisionsvergütungslehre darauf verständigt haben, ihre Interessen nicht einer neuen
Lage anzupassen.
So scheiterte im Januar 2012 ein Antrag der Fraktionen der Grünen und der SPD, die Honorarberatung
zu fördern, im Bundestag, wiewohl auch die Regierungskoalition sich des Themas angenommen hatte.
Federführend an diesem Antrag beteiligt waren die
Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen und Carsten
Sieling (SPD). Mit beiden hatte Marc M. Engel im
Vorfeld Expertengespräche geführt und sie bei ihrem Vorhaben beraten, gleichzeitig auch mit der FDP
und der CDU darüber gesprochen, wie eine neue,
kluge Regelung aussehen könnte. Die Regierungsparteien lehnten den Antrag im Zuge der Beratungen im
Bundestag ab, ohne dass der Versuch unternommen
wurde, sachgerecht über die Parteigrenzen hinweg
eine Lösung zu erarbeiten.
Auch auf der europäischen Ebene gab es Versuche,
die Provisionsberatung abzuschaffen. Der Vorstoß
des Finanzausschusses, ein Vermittlungsverbot im
Verordnungspaket MiFiD II zu etablieren, wurde
allerdings von der konservativen Mehrheit im EUParlament gestoppt. Es erscheint frappant, dass
viele Führungskräfte in Politik und Wirtschaft Änderungen wollen, gleichwohl ist das Zusammenbinden
verschiedener Fliehkräfte in dieser Frage noch nicht
sachgerecht in einer Antwort gelungen.
etvice setzt sich in Berlin und Brüssel für einen
möglichen Kompromiss zwischen der Provisionsvermittlung und der Honorarberatung ein. Eine
Entscheidung nur für die eine oder andere Seite erscheint Marc M. Engel und seinen Mitstreitern als
zu kurz gegriffen und lediglich der Aufregung zweier
scheinbar sehr entfernt zueinander stehenden Seiten geschuldet. Marc M. Engel: „Das Interesse des
Kunden steht für uns wie für alle uns umgebenden
Führungskräfte im Mittelpunkt. Prioritär ist für uns
vor allem eine Reform der Provisionsvergütung. Dort
müssen Gesetzgeber und Anbieter für mehr Transparenz, verständlichere Produkte und ein nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis sorgen. Damit
in einem Interessenausgleich beide Seiten aufeinander zugehen, raten wir zum Aufbrechen von Dogmen und dem Suchen nach sachgerechten Lösungen, die schließlich allen zugutekämen.“ Richtig ist
es, die Honorarberatung zu stärken und dann auch
unabhängig zu gestalten, um Kunden eine attraktive Alternative zur Provisionsvergütung anzubieten.
Mischmodelle gleichwohl, die sich die Mühe machen, das Beste beider Systeme zusammenzubringen, wenn auch sie weitaus komplexer wären, kann
Marc M. Engel sich auch gut vorstellen: „Warum sollte ein Honorarberater nicht auch, wenn der Kunde
keine Beratung wünscht, für den Verkauf eine Pro-
vision erhalten? Und warum sollte auf der anderen
Seite der Verkäufer nicht auch ein Honorar verlangen
dürfen, wenn vor Verkauf eine umfassende Beratung
erforderlich ist? Dort sollte man in Bezug auf das Vergütungsmodell Verkauf und Beratung voneinander
abgrenzen, um dem Kunden eine höchstmögliche
Transparenz zu bieten.“
Es liegt nun zum Ersten am Gesetzgeber, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen für die Reform des
Provisionsmodells. Den Wildwuchs in zu vielen Bereichen des Finanz- und Versicherungsmarktes, der
vor einigen Jahren begonnen hatte, möchten viele
entwirren, darunter gerade auch Führungskräfte
dieser Branchen. Weiterhin das Gespräch mit politischen Akteuren zu suchen, um eine Differenzierung
der Vergütungsmodelle im Sinne der Kunden voranzutreiben, ist Thema des Jahres 2013. Wiewohl auf
deutscher Ebene die Blockade der Fraktionen und
Parteien in einem viel zu früh gestarteten Wahlkampf zur Bundestagswahl im September 2013
eingesetzt hat, sind es 27 EU-Staaten, die darüber
nachdenken, wie der Kunde im Mittelpunkt sein,
wie die Wirtschaft profitabel arbeiten und wie die
Gesellschaft die dahinter liegenden Grundfragen der
Altersvorsorge neu gestalten kann. Damit erscheint
etvice und Marc M. Engel das Arbeiten an diesem
Thema von Bedeutung – und eine der Maßnahmen,
das zu verstehen, was übermorgen wichtig wird und
heute bearbeitet werden muss.
15
10 jahre etvice
H u r ra!
10
10 Jahre etvice
Vorhang auf für die Geschichte
unseres Erfolgs
etvice feiert im Jahr 2013 das Firmenjubiläum des zehnjährigen Bestehens. Das Wachstum auf mittlerweile
75 festangestellte und freie Mitarbeiter und rund 6,0 Mio. Euro Umsatz in 2012, die Entwicklung der Produkte
efp24, Cheops und Cheops.Mobile, sowie die Etablierung von Cloudcomputing für Standardsoftware in der
Finanzdienstleistung, sind Meilensteine und Ergebnisse der erfolgreichen Unternehmensentwicklung. Erfahren Sie nachfolgend mehr von den Dingen „hinter den Kulissen“, die zum Erfolg beitrugen und etvice bei der
Verwirklichung der Mission, mit Software Beratung und Verkauf von Finanzdienstleistungen für Anbieter und
Nachfrager zu einem qualitativen und emotionalen Erlebnis zu machen, motiviert und begleitet haben.
Am Anfang steht die Idee, eine Art
Betriebssystem für den Vertrieb zu schaffen.
Welche Idee von der Zukunft hatte der Gründer und heutige Vorstandsvorsitzende von etvice Marc M. Engel, als
er sich gegen seinen Managerposten bei Accenture (ehemals Andersen Consulting) und für die Selbstständigkeit
entschied? „Der Anfang für mich persönlich bestand darin, dass ich in eigener Verantwortung mit einem Team
arbeiten wollte. Mein Ehrgeiz war es, selbst Ideen zu entwickeln und eine eigene Firmenkultur zu schaffen.
Deshalb gab es die Grundidee für eine eigene Firma bereits lange vor etvice. Nachdem sich dieser Wunsch bei
mir gefestigt hatte, habe ich nach der richtigen Chance und dem passenden Zeitpunkt gesucht.“ Im Jahr 2003
waren sie gekommen. Die Idee wurde konkret. Ein Beratungsunternehmen, dessen Kern eine Software sein
sollte. Eine Software, die Berater in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungsunternehmen in ihren
Arbeitsabläufen optimal unterstützen sollte. Eine Art Betriebssystem für den Vertrieb, in dem alle Prozesse und
Arbeitsschritte zum erfolgreichen Verkauf vereint werden sollten. „Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen.“
etvice wird 2003 als Startup an der
Hamburger Außenalster gegründet.
Im Jahr 2003 wurde die etvice GmbH von Engel in Hamburg, im Hans-Henny-Jahnn-Weg 15 im Stadtteil
Uhlenhorst, unmittelbar an der Außenalster, gegründet. Beste Lage für ein junges Startup, um erste Mitarbeiter für die Softwareentwicklung zu gewinnen. Schon die erste Imagebroschüre, die kurz nach Gründung
entstand, bündelte visionär das Geschäftsmodell unter dem Titel „Stellen Sie Ihren Kunden in den Mittelpunkt
– etvice enterprise services – Consulting, Software Engineering, IT Services, Outsourcing“. Zugegebenermaßen
weit gegriffen mit anfänglich einem Gründungsgeschäftsführer und zwei Mitarbeitern, die den Willen zur
Umsetzung der Vision hatten, die Möglichkeiten dazu aber erst durch zukünftige Erfolge erlangen sollten.
Denn etvice ist untypisch für ein Startup ohne Venture entstanden und hat bis heute konservativ-mittelständisch
denkend, alle Entwicklungsschritte aus Eigenmitteln finanziert.
Erste Erfolge gelingen 2005 mit efp24.
Bereits nach zwei intensiven Entwicklungsjahren kam es 2005 zum Eintritt in den Markt der Beratungssoftware
mit dem Finanzanalysesystem efp24. Diese spannende Zeit der Aufbruchstimmung erlebte Meike Havemann,
damals noch als Vorstandsassistentin, hautnah mit: „Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie schnell meine
Aufgaben nach meinem Firmeneintritt wuchsen. Allerdings war meine Entscheidung, zu etvice zu gehen, auch
16
17
denk 2010
Gründung
etvice GmbH
Gründung
etvice consuting
GmbH
Gründung
etvice Holding AG
efp24
2003
Ich bin sehr glücklich, zu
wissen, dass das Team etvice
sehr verbunden ist.
Die hohe Kontinuität ist ein
Teil unseres Erfolgs.
Marc M. Engel
2004
2005
sehr bewusst gewählt. Mich hat es unheimlich gereizt, ein Unternehmen mit aufzubauen, also von der
Stunde null an dabei zu sein, ohne genau zu wissen,
was die Zukunft bereithält.“ Efp24 wurde ab 2005
erfolgreich unter anderem von HDI Gerling, BCA,
Plansecur, der ASG-Gruppe und den Hamburger Privatbanken Wölbern und Hesse Newman eingeführt
und in der Spitze auf insgesamt ca. 12.500 Arbeitsplätzen betrieben.
etvice wird AG und die Idee zu
Cheops wird geboren.
Den nächsten großen Schritt machte etvice 2006 mit
der Entscheidung, die etvice Holding AG zu gründen.
etvice Standort in Ahrensburg
Dieses sollte ein Wegweiser für die weitere Firmenentwicklung sein. Unterdessen wurde auch deutlich,
dass ein reines Finanzanalysetool für die Bedürfnisse
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cheops 1.0
2006
2007
2008
denk 2011
denk 2012
denk 2013
Eisenhut Award
Innovationspreis IT
cheops mobile
cheops 2.0
2009
2010
cheops 3.0
2011
der Kunden und damit auch für den großen Markt
zu einseitig ausgerichtet war. Als der Diplom-Wirtschaftsinformatiker Dieter Heiliger Ende 2006 die
Position des CIO übernahm und zum Vorstand Informationstechnologie berufen wurde, entstand in vielen Diskussionen, intern und mit Kunden, die Idee zur
Entwicklung eines neuen Softwaresystems, das später
Cheops genannt werden sollte und mit dem etvice
in 2008 an die Kunden herantrat. Der Nachfolger von
efp24 vereinigte deutlich mehr Anwendungen in einem System. Heiliger: „Marktanalysen und die Befragung von Anwendern hatten klar gezeigt, dass der
Bedarf nach einer Software, die alle im Alltag eines
Finanzdienstleisters oder Versicherungsunternehmens benötigten Arbeitsgänge vereint, groß war. So
ein Komplettsystem gab es vor Cheops nicht einmal
ansatzweise.“ Für Heiliger waren die vergangenen
Jahre eine sehr fordernde, sehr positiv erlebte Zeit:
„Ich konnte dem wachsenden Team unwahrscheinlich viel mitgeben.“ In das Jahr 2008/2009 fielen
auch Bau und Eröffnung des zweiten etvice Standorts in Jersbek, unmittelbar am Stadtrand Hamburgs
in der boomenden Metropolregion Stormarn, der
heute als Schulungszentrum für die Ausbildung der
etvice Consultants Verwendung findet.
Beratungsleistung erbringen.“ Die etvice Consulting
beschäftigt sich mit Fragestellungen und Lösungswegen rund um die Themen Strategie, Management,
Prozesse und IT und ist fortlaufend auf Wachstumskurs. Dr. Benjamin Seegmüller unterstützt das Unternehmen seit Anfang 2012 als Business Consultant.
Für den promovierten Wirtschaftsjuristen war der
Wechsel aus dem Bereich Wirtschaftsprüfung eines
international tätigen Beratungsunternehmens zu etvice
eine bewusste Entscheidung: „Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll, aber auch sehr spannend. Jeden Tag stehe ich vor neuen Herausforderungen. Ich merke, dass
hier mit sehr viel Dynamik etwas entsteht.“
Innovation, Softwareprodukt
und dazu passende Beratung
bilden eine Einheit für mehr
Wachstum.
Sven Lehmann, Geschäftsführer der etvice Consulting GmbH und Vorstand der etvice Holding AG, sieht
die Zukunft positiv. Auch für ihn ist der Rückblick auf
ein Jahrzehnt etvice mit viel Herzblut verbunden. Die
Projekte wurden umfangreicher und fordernder. Dabei war jedoch zu jeder Zeit klar, dass das Geheimnis
des Unternehmens in seiner unermüdlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeit liegt. Ein Jubiläum
ist ein Marker für die Zukunft und den Fortschritt. Für
diese Punkte erhofft er sich einiges: „Ich wünsche
mir für etvice, dass wir auch in Zukunft auf der Bugwelle der Innovation reiten.“
Im Jahr 2008 wurde auch die Entscheidung getroffen, die etvice Consulting GmbH zu gründen. Engel
dazu: „Unser Geschäftsmodell war von Beginn an
integrativ angelegt. Wir haben immer überlegt, wie
wir alles so miteinander verheiraten können, dass
für unsere Kunden ein höchstmöglicher Mehrwert
entsteht. Die Veredelung unseres Angebotes besteht
darin, dass wir ein Produkt entwickeln und betreiben,
dafür IT-Dienstleistung anbieten und zusätzlich noch
Cheops. Mobile, Release 2013
Der Fortschritt machte auch vor der Software nicht
Halt. Die unermüdliche Auswertung von Anwendergesprächen verdeutlichte: Cheops kann noch mehr
2012
2013
können! 2010 waren die Arbeiten für Cheops 2.0
abgeschlossen. Ab 2.0 wurden alle Versicherungssparten angeboten und Cheops war zu einem prozesseffizienten CRM-System herangewachsen. Eine
umfassende Präsentation von Cheops 2.0 folgte auf
der ersten Deutschen etvice Nutzerkonferenz (denk)
im selben Jahr. Die denk2010 bot erstmalig auch den
Nutzern untereinander die Möglichkeit, sich über
die berufsbedingten Anforderungen an die Software auszutauschen. Mit der Veranstaltung war der
Startschuss für eine hochgradig kundenorientierte
Konferenzreihe gegeben, die wiederum Neuerungen
und Anpassungen bei Cheops forderte. In den folgenden Jahren boten sowohl die denk2011 als auch
die denk2012 im Steigenberger Hotel Treudelberg in
Hamburg jeweils viel Potenzial für spannenden Austausch und anregende Gespräche. Meike Havemann
dazu: „Zu meinen Highlights gehört auf jeden Fall die
denk. Die Gäste und Vorträge sind immer unheimlich
spannend. Die große Organisationsarbeit, die in der
Konferenz steckt, rechtfertigt sich jedes Mal im Ergebnis. Ich bin mir absolut sicher, dass die denk2013
zusammen mit dem Jubiläum 10 Jahre etvice noch
größer werden wird. Da sind wir im Team sehr kreativ.“
Bestqualifizierte Mitarbeiter,
nachhaltige Unternehmenswerte und Höchstleistung für
die etvice Kunden gehören
zusammen.
Innovation kann jedoch nur durch fortlaufende Entwicklungsarbeit generiert werden. Dazu sind hochqualifizierte Mitarbeiter unabdingbar. Arsene Botchak
ist einer von ihnen. Als Softwareentwickler ist er seit
über zwei Jahren bei etvice tätig und arbeitet an der
ständigen Perfektionierung der Cheops-Schnittstellen intern wie extern. Nach dem Masterstudium Informatik in Darmstadt ließ sich der gebürtige Kameruner vom Konzept von etvice überzeugen: „Mich hat
Das Verb jubilieren hat die
Bedeutung von frohlocken
und ist über das mittelhochdeutsche jubileren lateinischen iubilare mit der
Bedeutung jauchzen oder
jodeln entlehnt. Im Vulgärlatein erscheint Substantiv
iubilum ebenfalls mit der
Bedeutung das Jauchzen,
das Frohlocken. Auch im Kirchenlatein findet sich iubilus
und bezeichnet den jubelnden
Ausklang eines Kirchengesanges. Davon leitet sich das
ab dem 16. Jahrhundert bezeugte Lehnwort Jubel. Das
Jubiläum aus dem 16. Jahrhundert als Jubel-, Fest- oder
Gedenkfeier leitet sich vom
hebräischen yôvel mit der
Bedeutung Freudenschall
ab, welches wiederum über
das katholische Jubeljahr,
das nur alle 25 Jahre gefeiert
wird, eine zusätzliche besondere Bedeutung im deutschen
Sprachgebrauch erhielt. Das
Jubiläum ist somit ein Grund
zur Freude. Denn der Jubilar
blickt frohlockend und erwartungsvoll in die Zukunft.
19
etvice wird doppelter Preisträger.
etvice Standort in Jersbek
Unsere Produkte sind nachhaltig angelegt. etvice hat
mich beruflich und persönlich
weitergebracht.
Arsene Botchak
Bei etvice gibt es wahnsinnig
viele Spezialisten und Know
-How – man kann sich sehr
viel abschauen.
Der Schlüssel für die Zukunft
ist die technologische Speerspitze.
Alexander Paulus
Das A und O ist der Teamzusammenhalt, das bringt die
Firma voran. Uns liegt an einem stetigen Erfolg.
Meike Havemann
20
die Unternehmensphilosophie angesprochen. Ich
kann Familie und Arbeit sehr gut miteinander vereinbaren und sehe, dass unser Produkt nicht auf
Kurzfristigkeit angelegt ist. Was wir machen, ist
nachhaltig. Schon allein, wenn ich unsere Mitarbeiterzahlen betrachte, wird das deutlich. Als ich vor
über zwei Jahren bei etvice begonnen habe, waren
wir 10 Entwickler. Ende 2012 waren wir auf über
45 Consultants und Entwickler angewachsen. Das
ist großartig!“ Im Jahr 2012 wurden insgesamt 27
neue Mitarbeiter für die Bereiche Software Engineering und Business Consulting gewonnen, Walli Ahad
speziell für die Entwicklung von Cheops. Geboren
in Nord-Afghanistan und als Kriegsflüchtling nach
Deutschland gekommen, verstärkt er seit Juli 2012
das Team von etvice. Nach Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg-Harburg entschied er
sich für eine Tätigkeit bei etvice. An seinen ersten
Tag erinnert er sich noch genau: „Ich kam in die Firma und wurde erst mal mit einem Blumenstrauß
empfangen. Das war eine tolle Überraschung! Mit
so viel Herzlichkeit hatte ich nicht gerechnet.“ Doch
auch sein Arbeitsbereich gefällt ihm außerordentlich gut: „Ich kann meine Studieninhalte sehr gut
in den Berufsalltag einbringen. Das, was ich gelernt
habe, trägt hier Früchte. Ich kann auf meine Kollegen
zählen. Von Beginn an habe ich große Unterstützung
erfahren. Ich glaube auch, dass der Erfolg und das
Wachstum von etvice mit der guten Zusammenarbeit des Teams zusammenhängen.“
Im Jahr 2011 erhielt etvice den renommierten Eisenhut Award für Vertriebssoftware in der Kategorie
Altersvorsorge in Rotenburg ob der Tauber. Mit der
Bewertung der Jury, dass Cheops 2.14 einen überdurchschnittlich hohen Anwendernutzen in schnittstellenfreien Beratungsprozessen zeigt, wurde die
lange Zeit der Investition in die Zukunft belohnt.
Als im Jahr darauf die Auszeichnung mit dem unter
der Schirmherrschaft der Bundesbeauftragten für
Informationstechnik stehenden und von der Initiative Mittelstand verliehenen IT-Innovationspreis für
die Kategorie CRM folgte, bestätigte sich nochmals,
dass Marc M. Engel in der Vergangenheit die richtige
Basis für die Zukunft seines Unternehmens gelegt
hatte. Cheops trägt somit als eine der wenigen Softwarelösungen am Markt die Zertifizierung „Best
of“ – eine Auszeichnung, für die sich mehr als 2.500
Hersteller beworben hatten. Für Delivery Manager
Jan Wacker ist diese Auszeichnung unbestritten
gerechtfertigt: „Wir sind innovativ, weil wir mit einer fachlich sehr guten und breiten Perspektive auf
die Bedürfnisse der Anwender blicken können. Das
macht uns stark. Außerdem sind wir personell wie
inhaltlich gut aufgestellt, um auch weiterhin kräftig
zu wachsen.“
Menschen, die mit Computern, Handys und Internet
aufgewachsen sind, verlangen danach, überall und
ohne Einschränkungen später ihrem Beruf nachgehen zu können. In Zukunft wird ein Teil der Kunden
dem Internet mehr vertrauen als dem Berater. Mit
der Markteinführung von Cheops.Mobile im November 2012 konnten wir zeigen, wie zukunftsorientiert
wir denken.“ In das Jahr 2012 fiel auch die Eröffnung
des Standorts Ahrensburg in der Metropolregion
Stormarn am Rand Hamburgs.
Mit der Agenda 2015 in die
Zukunft zu blicken macht
neugierig auf die Dinge, die
noch kommen werden.
Im Jahr 2013 darf etvice sein Jubiläum des zehnjährigen Bestehens feiern. Definitiv ein Grund zu jubeln.
Man blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Doch
was meint dies in Bezug auf die Zukunft? Marc M.
Engel ist voller Erwartungen: „Dass wir heute da sind,
wo wir sind, hätte ich vor zehn Jahren nie gedacht.
Allerdings liegt es den Mitarbeitern von etvice nicht,
sich auf Preisen und Awards auszuruhen. Deshalb
wurde bereits auf der denk2012 etwas völlig Neues
vorgestellt. Die Beratungssoftware Cheops ist nicht
mehr auf den festen Arbeitsplatz beschränkt. Auch
auf Tablets und Smartphones ist die Anwendung verfügbar. Mit einer Beta-Version hatten die Teilnehmer
der denk12 die Gelegenheit, die Software im Vorfeld
zu testen. Das Feedback, das auf dem ersten CheopsUser-Tag im vergangenen Herbst folgte, zeigte, dass
Cheops 3.0, Release 2013
etvice nicht nur auf einen Trend aufgesprungen, sondern die Strömung frühzeitig erkannt und umgesetzt
hatte. Engel: „Die Unternehmen setzen zunehmend
auf flexible Arbeitsplätze. Mobile- und Cloudcomputing sowie Security werden immer wichtiger. Der
Umgang mit mobilem Internet wird in Zukunft nicht
einfach nur normal, sondern selbstverständlich sein.
Die Generationen, die jetzt in Schule, Ausbildung
und Studium drängen, sind längst Digital Natives.
etvice Standort Hans-Henny-Jahnn-Weg, Winterhude
Das Wachstum von etvice von einem auf mittlerweile
rund 75 Mitarbeiter war damals nicht vorhersehbar.
Wenn ich zurückdenke, überlege ich oft, es könnte
doch eigentlich auch noch schneller gehen. Diese
Art von Widersprüchlichkeit ist auch ein Motor, der
antreibt. Die Frage ist immer: Wie werden wir noch
v.l.n.r. Marc M. Engel, Sven Lehmann, Dieter Heiliger
leistungsfähiger? Hier setzen unsere Agenda 2015
und der Ausbau des etvice Angebots rund um Standard- und Individualsoftware für umfassenden Kundennutzen an. Ich halte es nicht für unrealistisch, in
den kommenden zehn Jahren Umsatz und Mitarbeiteranzahl zu verdreifachen.“
Doch Engel geht weiter. Für ihn werden die technologischen Entwicklungen im laufenden Jahrzehnt
stärker in Richtung Endkunde gehen. Ein internationales Geschäftsmodell, das sich auch an soziale
Netzwerke und den privaten Nutzer richtet, wäre
für ihn eine Vision für die Zukunft, die zu verwirklichen auch von der Motivation seiner Mitarbeiter
abhängt. „Wir haben es nicht verlernt, sehr selbstkritisch mit uns umzugehen. Wir stellen uns immer
wieder selbst in Frage. Unsere Herausforderung ist
es daher, die Unternehmenskultur mit dem Firmenwachstum mitwachsen zu lassen. Das ist absolut
notwendig für uns. Aber es funktioniert! Unsere
Werte werden von den älteren an die neu dazugekommenen Kollegen weitergegeben und diese
werden auch zu etvices.“ Doch Engel blickt nicht
nur in die ferne Zukunft. Bereits das Jahr 2013 birgt
viel Potenzial: „Ich wünsche mir wieder, die Freude
und Offenheit der vergangenen Jahre bei den Besuchern der denk2013 vorzufinden. Auch weil die
Veranstaltung in diesem Jahr nicht nur Kongress,
sondern auch Jubiläumsfeier sein wird. Und weil
wir als Highlight der denk2013 mit Cheops 3.0 eine
vollständig überarbeitete und umfangreich erweiterte Software mit neuer Oberfläche präsentieren
werden. Cheops 3.0 ist ein weiterer Schritt, Beratung und Verkauf von Finanzdienstleistungen für
Anbieter und Nachfrager zu einem qualitativen und
emotionalen Erlebnis zu machen.“
Ich freue mich sehr auf die Festlichkeiten rund um Jubiläum
und denk2013. Ich bin sehr
neugierig, was die Zukunft für
etvice bringen wird.
Walli Ahad
Wir können Trendsetter bleiben! Ich wünsche mir, weiterhin an vorderster technologischer Front dabei zu sein.
Jan Wacker
21
wissenschaft
Das Eis schmilzt
Ein Gespräch mit Arved Fuchs, Polarforscher
und Abenteurer
Der Forscher berichtet über den Klimawandel, den er immer wieder vor Ort in der
Kälte der Pole direkt und klar erlebt und erforscht hat und den Menschen in den
Industrienationen nahe zu bringen versucht. Wer heute nicht verstehe, dass der
Wandel menschengemacht ist, der könne nicht verantwortlich im Sinne der
folgenden Generationen handeln.
Sie sind ein sehr bekannter Polarforscher, der seinesgleichen sucht.
Was treibt Sie persönlich an, sich der eisigen Kälte immer wieder zu
stellen und Exkursionen in die kältesten Regionen des Planeten zu
planen und zu projektieren? Es sind die Landschaften. Ganz einfach.
Seit sehr langer Zeit reise und forsche ich schon, und ich muss sagen,
die Kälte gehört einfach zu diesen Landschaften dazu. Um immer
ganz und gar konzentriert zu sein, habe ich schnell gelernt, mit der
Kälte umzugehen, denn sie verzeiht Unaufmerksamkeit nicht. Insofern akzeptiere ich sie als eine Rahmenbedingung, um den Zugang
zu diesen wunderschönen und atemberaubenden Landschaften in
ihrer ganzen Konsequenz zu erhalten. Eben genau diese Eindrücke
und die Begegnungen mit den dort lebenden Menschen interessieren mich zutiefst. Daraus schöpfe ich meine intrinsische Motivation,
voranzuschreiten.
Die Landschaften der Arktis und Antarktis haben sich in den letzten Jahrzehnten durch den Klimawandel sehr verändert, sagen
Sie. Was haben Sie vor Ort empfunden, als Sie damit konfrontiert
wurden? Mehr als 30 Jahre lang bin ich nun in der Arktis unter-
22
wegs, aber erst seit der Jahrtausendwende wird die Diskussion um
den Klimawandel verstärkt und global geführt. Zunächst waren es
vereinzelte Wissenschaftler, die das Thema, ob es die Veränderung
des Klimas auch wirklich gibt, intern besprachen. Die Kernfrage
war damals, ob es ein menschengemachter Klimawandel ist oder
eine natürliche, von uns unabhängige Veränderung. Ich habe die
Diskussion sorgfältig verfolgt. Im Jahr 2002 kam ich dann hautnah
mit den Veränderungen in Berührung, als ich durch die Nordostpassage, entlang der Küste Sibiriens, gesegelt bin. In dieser eisigen
Region war es uns in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts
nicht möglich, unsere Expedition durchzuführen – wir sind dreimal glatt gescheitert. Das Eis war einfach zu präsent. Doch nur ein
paar Jahre später, im Jahr 2002, war die Passage komplett zugänglich, so dass wir problemlos mit dem Schiff durchgekommen sind.
Das machte mich damals sehr stutzig. Dann fragte ich mich: Woran liegt das? Ist das nur eine Laune der Natur oder ist es wirklich
eine Entwicklung, die mit dem Klimawandel zusammenhängt?
Die Natur dort hat mich gelehrt, den Klimawandel sehr ernst zu
nehmen.
Wie gingen Sie vor, um für sich eine Antwort auf die
Frage zu finden? Nach dieser wegweisenden Erfahrung bin ich sehr intensiv in das komplexe Thema
eingestiegen, habe mich sachkundig gemacht, mit
Wissenschaftlern gesprochen und entsprechende
Literatur verschlungen. Ich musste feststellen, dass
es einige Warnungen von klugen Wissenschaftlern
gab. Das machte mich noch sensibler, und im Folgejahr habe ich die Nordostpassage zum zweiten
Mal durchquert, um mir ein genaueres Bild von der
Region vor Ort zu machen. Die Tendenz, die dort
zu sehen ist, setzt sich in einer unbeschreiblichen
Geschwindigkeit fort, viel schneller, als es von den
Wissenschaftlern prognostiziert worden ist. Das Eis
schmilzt. Ganz einfach, so ist das. Leider kokettieren
bestimmte Medien mit den Ängsten der Menschen
und berichten so, als würde der ganze Klimawandel,
in dem Ausmaß, den die Experten berechnet haben,
gar nicht stattfinden. Doch wer sich wirklich ernsthaft
damit auseinandersetzt, wird feststellen, dass es unter
den Wissenschaftlern und den Klimaforschern, egal
aus welcher Nation sie stammen, eine ganz große
Übereinstimmung gibt. Der Klimawandel wird durch
uns Menschen und das massive Verbrennen fossiler
Brennstoffe verursacht. Das ist heute von jedem rational denkenden Menschen unbestritten.
Verspüren Sie eine besondere Verantwortung als
Polar-Abenteurer und Forscher? Wie gesagt, ich bewundere die arktischen Landschaften und deshalb
beschäftigt mich das Thema sehr. Doch nur schöne
Naturaufnahmen zu machen, um daraus spannende und ästhetische Naturdokumentationen für das
Fernsehen anzufertigen, erschien mir immer als zu
wenig aussagekräftig in meinem Leben. Wenn ich
nach einer Expedition nach Hause zurückkomme,
verspüre ich die Pflicht, die Menschen mit persönlichen Informationen und Eindrücken zu versorgen, in
der Hoffnung, sie aufzuklären und zu sensibilisieren.
Die Naturaufnahmen sind der Zugang zum Gewissen
eines jeden einzelnen Menschen. Ich versuche, die
Veränderungen durch den Klimawandel zu verdeutlichen, weil man hierzulande gar nicht richtig realisiert, was dort im hohen Norden passiert. Der Nordpol scheint für viele unendlich weit entfernt zu sein,
dabei ist er nur einige Flugstunden von uns entfernt.
Die Arktis ist eine Art Frühwarnsystem der Natur, ein
Mahner an die Menschheit. Dort passieren Klimaveränderungen zuallererst – und zwar in einer großen
Geschwindigkeit. Erst mit Verzögerungen wird es in
anderen Regionen der Welt wahrgenommen werden.
Als wie realistisch schätzen Sie es ein, dass das ZweiGrad-Ziel der Klimapolitik erreicht wird? Ich persönlich glaube nicht, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht
werden kann. Sie brauchen nur einen Blick nach Doha
in Katar zu werfen, wo die Klimakonferenz stattfand.
Bundesumweltminister Altmaier zeigt sich sehr frust-
riert und hat verlauten lassen, dass dort keine brauchbaren Lösungen und Einigungen gefunden wurden.
Das war auch leider meine Befürchtung, weil sich
diese Konferenz nicht von den anderen Klimasitzungen unterscheidet. Ob in Kopenhagen, Durban oder
eben in Doha, man findet keine Einigung. Das Klimaproblem wird verwaltet, vertagt, als gäbe es etwas
Wichtigeres zu tun. Das sagen die Verantwortlichen
zwar nicht, aber unsereins muss es ganz so deuten.
Das Verwalten des Problems ist eine ganz kritische
Entwicklung, denn der Meeresspiegel wird steigen –
und zwar schneller als erwartet. Die Wissenschaftler
haben Daten und Fakten, es ist keine Kaffeesatzleserei mehr, die dort betrieben wird. Es ist abzusehen,
dass Grönland sich stärker erwärmt und dadurch der
Meeresspiegel stärker ansteigen wird. Bis zum Ende
des Jahrhunderts wird der Meeresspiegel um einen
Meter, moderat geschätzt, ansteigen. Im vergangenen Jahrhundert war es im Übrigen nur ein Anstieg
von etwa 20 Zentimeter.
Was würde das Abschmelzen der Eismengen an den
Polen für Auswirkungen haben? Sehr viele Städte
liegen geografisch am Meer und werden in Zukunft
durch den erhöhten Meeresspiegel bedroht. Die
Volkswirtschaft des betroffenen Landes wird in einem enormen Maße belastet. Hamburg, Niedersachsen und Bremen werden ihre Deiche erhöhen müssen, weil mit höheren Sturmfluten zu rechnen ist.
Doch die Deiche können aus rein statischen Gründen
nicht beliebig hoch gezogen werden. Deutschland
kann mit seiner Volkswirtschaft problemlos effektive
Maßnahmen ergreifen, doch wie sieht es mit Ländern wie Bangladesch aus? Solchen Ländern fehlen
oftmals die finanziellen Kapazitäten, gegen die Entwicklungen vorzugehen. In diesem Sommer vollzog
sich, seit Menschengedenken zum ersten Mal, die
größte Eisschmelze auf dem Ozean. Seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist die Hälfte des
Sommereises im arktischen Meer abgeschmolzen.
Das hat ungeahnte Folgen für die ganze Weltbevölkerung.
Warum handeln die Nationen nicht und führen
eine Veränderung herbei? Sind die Kosten ex post
nicht viel höher? Natürlich ist es kostengünstiger,
im Vorfeld zu handeln und intensiv in eine moderne
Energiegewinnung zu investieren, als hinterher die
enormen Schäden durch die Klimaveränderungen
zu beheben. Die Folgekosten sind ungleich höher
als das Investment, das jetzt erforderlich wäre, um
geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die Nationen
sind gleichwohl nicht entschlossen genug, gemeinsam zu handeln, weil in der Politik in Legislativperioden gedacht wird. Die Politiker handeln so, dass
ihre Wahrscheinlichkeit, wiedergewählt zu werden,
nicht minimiert wird. In der Wirtschaft herrscht der
Shareholder-Value-Ansatz vor, dadurch wird oftmals
Arved Fuchs wurde am 26.
April 1953 im norddeutschen
Bad Bramstedt geboren. Er absolvierte nach der Schule eine
Ausbildung bei der Handelsmarine und erlernte in dieser
Zeit das Handwerk, das er für
seine späteren Expeditionen so
gut einsetzen konnte. Es folgte
ein Studium der Schiffbetriebstechnik an der Fachhochschule
Flensburg, das er zur Zwischenprüfung abbrach. Seit 1977
bereist der Abenteurer und
Polarforscher die kältesten Regionen der Erde und ist damit
berühmt und dafür respektiert geworden. Arved Fuchs
ist der erste Mensch, der in
einem Jahr den Nordpol und
den Südpol nur mit seinen
Füßen erreicht hat. Außerdem gelang ihm zusammen
mit dem Bergsteiger Reinhold
Messner die erste gemeinsame Durchquerung des antarktischen Kontinents. In seinen
atemberaubenden Dokumentationen, aufklärerischen Büchern und Vorträgen warnt
der Umweltaktivist und Publizist vor irreversiblen Schäden durch den Klimawandel.
Fuchs schaut als „notorischer
Optimist“ zuversichtlich in
die Zukunft, dennoch fordert
er dringend die Umsetzung
notwendiger Maßnahmen,
damit die Beschleunigung des
Prozesses der Erderwärmung
aufgehalten wird.
23
wissenschaft
StraSSeninterview
„Eine ökologische
und ökonomische Nachhaltigkeit,
eine
sparsame Lebensweise in allen Bereichen
des alltäglichen Lebens, das
sind für mich wichtige Ziele
für die Zukunft. In meiner
Straße sind mehr Autos dazugekommen als Menschen.
Der nicht reflektierte Gedanke
eines ständigen Wirtschaftswachstums muss aufgeweicht werden.“
Rainer Elling (69),
Rentner
StraSSeninterview
„Nach meiner
Ansicht muss
der Umweltschutz noch
weiter auf die
politische Agenda gesetzt
werden, doch die Parlamentarier dürfen nicht als Heilsbringer angesehen werden.
Die Umweltpolitik muss in
einem
Bottom-up-Prinzip
innerhalb aller Gesellschaftsschichten gelebt und gestaltet werden. Jeder einzelne
kann etwas dafür tun.“
Tatjana Ludewig (28),
Schuhmacherin
finanzdienstleistungen
nur in kurzen Zeiträumen gedacht und nachhaltiges
Handeln ausgeblendet. Schleswig-Holstein hat große Windkraftkapazitäten, die nicht richtig genutzt
werden, weil es keine Stromleitungsautobahnen
gibt. Im Jahr 2011 wurden 400 Gigawattstunden
nicht eingespeist, weil die Netze überlastet waren.
Die Frage ist nicht, ob grüner Strom produziert werden kann, sondern wie man die Windenergie an die
entsprechenden Orte transportiert. Wir brauchen
größere Investitionen.
Sie nehmen Ihre Verantwortung sehr ernst. Wie kann
der einzelne Bürger seine Verantwortung wahrnehmen?
Dem Bürger wird oft suggeriert, dass Wachstum
wichtig ist, dass Konsumieren wichtig ist, und für
eine gute Prosperität müssten unzählige Güter produziert werden. Doch die haben oftmals nur eine geringe Haltbarkeit. Das fördert den Ausstoß von CO2.
Es ist also auch eine Frage der Verantwortung seitens
der Industrie, was geschieht und was nicht. Im Endeffekt aber ist jeder einzelne Bürger gefordert. Die
altbekannte Glühbirne wurde durch die Energiesparlampe ersetzt, doch wenn sich Verbraucher die alten
Birnen regelrecht hamstern, wie ich es in Supermärkten erlebt habe, dann wurde die Botschaft nicht verstanden und nicht geglaubt. Die Medien haben die
Verantwortung, den Bürger fachgerecht aufzuklären,
um mehr Nachhaltigkeit im Konsumverhalten der
Menschen zu erzeugen. Dieser Verantwortung kommen sie nicht genügend nach, ist mein Eindruck. Sie sprachen von den Einwohnern in der Region, die
Sie kennengelernt haben. Was sind die Ängste dieser Menschen? Ich spreche oft mit den Menschen
vor Ort, vor allem mit der indigenen Bevölkerung im
Norden. Die marginalisierten Völker haben keine einflussreiche Lobby und keinen medialen Zugang, wie
wir ihn kennen. Sie haben Angst und machen sich
Gedanken, was der Klimawandel für sie bedeutet.
Die Jäger der Region haben es zunehmend schwer,
ihre Familien zu ernähren. Es gibt jene, die traurig
sind, und jene, die wütend sind. Doch sie haben leider keine Möglichkeit, ihre Wut zu artikulieren, und
werden deshalb nicht gehört. Einige große Konzerne
kommen aus wirtschaftlichen Gründen und versprechen den Menschen das Blaue vom Himmel. Ihnen
wird suggeriert, dass ihr Land durch das Bohren nach
fossilen Brennstoffen Wohlstand erlangen wird.
Doch das Geld bleibt nicht in den Regionen, es fließt
oftmals in ganz andere Teile der Welt. Das ist meiner
Beobachtung nach Augenwischerei, und solche Bevölkerungsgruppen sind die größten Verlierer in diesem Entwicklungsprozess.
Stichwort Erdgas-Fracking. Neue Bohrtechnologien
sind wirtschaftlich lukrativ, aber ökologisch höchst
umstritten. Was sagen Sie dazu? Ich sehe das sehr
kritisch. Auf einer Konferenz, bei der neue Bohrver-
24
fahren vorgestellt wurden, habe ich nachgefragt, ob
es für diese Methoden auch entsprechende Sicherheitspläne gibt. Als Antwort erhielt ich lediglich,
dass es solche Notfallpläne nicht gibt, man könnte
ganz beruhigt sein, weil die Ölbohrinseln sicher seien. Daraufhin fragte ich, warum es denn zu der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kommen konnte?
Darauf erhielt ich keine weitere Antwort. Die fossilen
Rohstoffe sind nun mal endlich. Es wäre viel smarter,
glaube ich, weiter in regenerative Energien zu investieren. Die Generation, die heute geboren wird, kann
sich darauf einstellen, dass sie mit den Auswirkungen dramatisch zu kämpfen haben wird. Die Folgen
des Klimawandels sorgen außerdem für eine politische Brisanz. Einwohner aus Teilen Afrikas müssen
aufgrund von extremen Trockenperioden flüchten.
Große Flüchtlingsströme in Richtung Europa sind die
Folge. Die letzten politischen Entwicklungen in der
arabischen Welt und die daraus entstandenen Wanderungsbewegungen aus Nordafrika haben gezeigt,
dass Europa keine passenden Lösungen parat hat.
Gibt es für Sie persönlich ein Forschungsprojekt, was
Sie noch besonders reizte? Das Thema Kälte wird
mich immer begleiten, aber das ist nicht das Einzige. Wir planen gerade eine historische Expedition im
arktischen Gebiet, damit wir nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit beleuchten. Es
bringt sehr viel Spaß, und es ist auch ein Teil unserer
Kulturgeschichte, der ich dort nachgehe. Ich werde
weiterhin mit Wissenschaftlern kooperieren und die
Problematik des Klimawandels in die Medien tragen.
Gleich nach Weihnachten geht es für ein Projekt über
nachhaltige Fischerei nach Norwegen. Danach geht
es im Sommer weiter in Richtung Sibirien.
Sie reisen viel, sind unstet. Wie sehen Sie persönlich
die Zukunft in Zeiten der Klimaveränderungen? Können Sie überhaupt noch frohgemut in die Zukunft
blicken? Ich bin ein notorischer Optimist, denn auf
meinen Reisen muss ich mich stets den schwierigsten und extremsten Situationen stellen. Der kleinste Zweifel kann unangenehme Folgen haben. Die
Wirtschaftsunternehmen werden mit der Zeit die
Erweiterung der regenerativen Energien als eine
Marktlücke und Geldquelle erkennen. Die Photovoltaik-Projekte in Afrika sind ein gutes Beispiel. Es fehlt
nur an der dementsprechenden Infrastruktur. Es ist
eine Frage der Zeit. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt,
den Klimawandel zu stoppen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fuchs.
Heute schon an
übermorgen denken
Ein Gastkommentar von Klaus Strumberger,
CIO MLP Finanzdienstleistungen AG
Weltweit gehen heute bereits mehr als zehn Prozent
des Internetverkehrs auf den Einsatz mobiler Endgeräte zurück. In Deutschland sind es sogar schon
20 Prozent, was einer Verdoppelung innerhalb der
letzten zwei Jahre entspricht. Hochrechnungen prognostizieren, dass bereits 2014 cirka 50 Prozent des
Internettraffics über mobile Endgeräte laufen werden. Cloud-basierte Kommunikation sowie mobiler
Datenaustausch stehen erst am Anfang und werden
weiter stark wachsen. Die Millennium-Generation (Y)
und die neue Generation (Z) sind bereits von Beginn
an mit mobilen Endgeräten aufgewachsen. Sie sind
„always online“ und virtuos im Umgang mit den neu
dargebotenen Funktionalitäten und Interaktionsmöglichkeiten. Mobile Performance ist zur Selbstverständlichkeit geworden und wird nicht mehr als ein
wirklicher Wettbewerbsvorteil gesehen – in etwa wie
ABS oder ESP in Fahrzeugen, die mittlerweile zur Serienausstattung eines Autos gehören und heute keine
Rolle mehr als Mehrwert im Verkaufsgespräch spielen.
Die Maßstäbe für Anwendungen haben sich geändert.
Das iPad von Apple hat die Umsetzung HCI (human
computer interaction) neu definiert und gleichzeitig die Applikationsentwicklung revolutioniert. Die
Wettbewerber folgen, analysieren und versuchen zu
verstehen, was den tatsächlichen Erfolg ausmacht.
Heute beflügelt diese neue Erlebniswelt alle Branchen. Wer nicht 7/24 online verfügbar ist und unmittelbare Antwortzeiten bietet, wird als Dienstleister
gar nicht mehr in Betracht gezogen. Darüber hinaus gilt es dem Anwender und damit dem Kunden
Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die seinem Bedarf entsprechen und einfach sowie intuitiv
zu bedienen sind; ohne dass er sich damit länger auseinandersetzen muss, um diese zu nutzen – sprich
ohne Training oder Lesen von Online-Hilfen.
Auch die Finanzdienstleistungsbranche macht sich
darüber Gedanken, wie diese Einflüsse Einzug halten,
welche Auswirkungen sie für Kunden als auch Berater haben werden und welche Anforderungen daraus
für Produkte, Services, Backoffice, Anwendungen und
25
finanzdienstleistungen
StraSSeninterview
„Für mich sind
auch in Zukunft mein Job
und meine Altersvorsorge besonders wichtig. Glücklicherweise kann ich sehr gut
einschätzen, welche Angebote passend für mich sind.
Allerdings finde ich es erschreckend, wie wenig junge
Menschen sich um private Altersvorsorge kümmern. Auch
in meinem Umfeld wird dieses
Thema oft nicht richtig ernst
genommen.“
Finn Lucchesi (19),
Student der Nanowissenschaften
StraSSeninterview
„Es kommt zukünftig noch
entscheidender
darauf an, nachhaltig und längerfristig zu denken. Wir müssen uns bewusst sein, wie wir
diese Welt den nachfolgenden Generationen hinterlassen – unseren Kindern und
Enkelkindern. Entwicklungsprozesse müssen, zum Schutz
der Umwelt, nachhaltiger
gestaltet werden. Die heutige
Gesellschaft ist zum größten
Teil durch eine Wegwerfmentalität gekennzeichnet. Deshalb müssen wir ein breiteres
Bewusstsein dafür schaffen.“
Angelika Krause (49),
Justizfachangestellte
26
Infrastruktur resultieren. Betrachtet man den Finanzdienstleistungsmarkt, wird ersichtlich, dass ein genereller Absicherungsbedarf gegen zahlreiche Risiken
und zur Sicherung des eigenen Vermögens besteht.
Daraus folgt ein Bedürfnis nach adäquat aufbereiteten Informationen zu diesen komplexen Themen.
Gleichzeitig wird erwartet, dass die entsprechenden
Informationen sowohl jederzeit als auch überall zur
Verfügung stehen. Für den Kunden und Berater spielt
es keine Rolle, auf welchem Device oder in welchem
Netzwerk er diese Informationen abruft. Für ihn stehen Usability und auf ihn zugeschnittene Inhalte im
Mittelpunkt. Welcher Anbieter hier bedarfsorientierte Lösungen bieten kann, wird sowohl die Bindung
zu etablierten Kunden stärken, als auch den Zugang
zu jüngeren technikaffinen Kundenschichten besser
erschließen können.
Der Kunde möchte es einfach bedienbar und personalisiert haben – die Anwendung soll am besten
schon erahnen, was der Anwender als Nächstes
braucht oder machen möchte. Wer diese Kunst beherrscht, wird auch die Kundenbindung stärken und
schnell auch neue Kunden der neuen Generationen
gewinnen können und bestehenden den Zugang erleichtern. Deshalb bedarf es neuer IT-Strategien und
eines anderen Umgangs mit den neuen Technologien, die mehr Flexibilität erlauben und dennoch den
notwendigen Investitionsschutz bieten. Dabei muss
aus meiner Sicht der Fokus stärker auf die optimale
Kommunikation und Interaktion von Kunden, Beratern und auch Mitarbeitern mit den neuen Devices
via Oberflächen gerichtet werden. In-Memory-Datenbanken, Netzwerke und Hardware werden im
Hinblick auf die Datenvolumina und die damit verbundenen Performancefragestellungen nur indirekt
eine Rolle spielen. Doch wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um einen infrastrukturtechnischen
Pflichtbeitrag, der erwartet wird. Es nicht zu haben
ist unverzeihlich: es zu haben aber auch keinerlei
Grund für Lob und Anerkennung.
Es gilt also in der Anwendung zu bestehen und in
der Kür zu glänzen. Wer sich hier richtig positioniert
und eine Anwendung zur Verfügung stellt, die den
Ansprüchen an die neuen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Kunden und Berater sowie Backoffice
im Sinne einer interaktiven Wertschöpfungskette
der nächsten Generation gerecht wird, stärkt seine
Marktposition nachhaltig. Auf diesem Wege lässt sich
gleichzeitig auch der Effekt des viralen Marketings zufriedener Kunden und motivierter Berater optimieren.
Diesen Weg gehen wir mit unserer IT-Strategie und
stellen uns den neuen Anforderungen sowie Möglichkeiten mit der notwendigen Risikoorientierung,
um so Raum für Neues zu schaffen. So arbeiten wir
sehr eng zusammen mit etvice und weiteren Technologievorreitern sehr eng daran, unsere IT-Strategie-
Roadmap für die nächsten Jahre umzusetzen. Hierzu
gehört neben der Konsolidierung von bestehenden
Anwendungen im künftigen mit uns entwickelten
cheops 3.0 mittels neuer Technologie ebenso die Anpassung der bestehenden Online-Strategie als auch
perspektivisch die Überlegungen, weitere (Backend-)
Systeme zu konsolidieren, um sie so noch enger zu
integrieren und somit noch mehr Daten den Kunden
online zur Verfügung stellen zu können – bis über
Unternehmensgrenzen hinaus in und aus der Cloud.
Hierzu zählt auch der Schritt, die Arbeitsplätze der
Berater und Mitarbeiter weiter auszubauen, was wir
gerade mit der Windows-8- und Sharepoint-Einführung als auch der Lync-Evaluierung verfolgen, um so
nachhaltig die neuen Interaktionsmöglichkeiten insbesondere im Kontext mit den neuen Endgeräten zu
gewährleisten. Neben dem Ziel, die Bedürfnisse unserer Kunden zu befriedigen, möchten wir sie ebenso mit den Möglichkeiten der neuen Technologien
für MLP begeistern. Als weitere Option untersuchen
wir, welche Komplemente sich durch die neuen Kommunikations- und Interaktionsplattformen (OmniChannel) ergeben, um in Zukunft sowohl den Berater
als auch den Kunden mittels hybriden und bedarfsgerechten nativen Apps endgeräteunabhängig zu
unterstützen. Wir stärken damit unsere Geschäfts-
strategie, beim Kunden die Nummer eins zu bleiben
beziehungsweise zu werden. Dafür müssen zum Beispiel folgende Fragen beantwortet sein:
Welche Funktion bietet dem Kunden einen Mehrwert entweder durch Information, Arbeitserleichterung oder kontextbezogene Interaktion mit dem Berater oder auch dem Backoffice? Welche Bedürfnisse
können beim Kunden entstehen, zum Beispiel „mal
schnell ne Videokonferenz mit meinem Berater“
oder neue Kundenseminarformate? Hilft die Einbindung von Social-Media-Plattformen? Kann ich dem
Kunden durch intelligente Suchmaschinen auf sein
persönliches Informationsverlangen mit Standardlösungen individuelle Informationen anbieten? Wie
erfolgt künftig der Informationsaustausch mit den
neuen Devices – sicher und datenschutzkonform?
Konsumverhalten ist wie die unterstützende Technologie schnelllebiger geworden. Wir können in kürzester Zeit vieles online erledigen. Gleichzeitig wird
die Auseinandersetzung mit der unermesslichen
Breite des Onlineangebots schnell zum Zeitfresser
für den Nutzer und gerade die Zeit ist für uns heute
ein sehr kostbares Gut. Zudem sind Finanz- und Vermögensthemen von Haus aus komplex und werden
durch die fortschreitende Regulierung zusehends
komplexer. Zeitoptimierung wird deshalb für die
Nutzer immer wichtiger. Eine Lösung bestehenden
aus mehrwertbringenden Bausteinen, die intelligent integriert und interagierend sind, wird so auch
das Thema Work-Life-Integration für alle Beteiligten
entscheidend voranbringen. Dadurch können mit
weniger Zeitaufwand Finanzdienstleistungsaspekte
erledigt und die persönliche Vermögensstrategie optimal erstellt werden. Neue Prozesse, Dienstleistungen und Systeme können so geschaffen werden, um
die dann notwendige Integration auf allen Ebenen
durchgängig zu gewährleisten. Nur so können wir
auch übermorgen unsere Kunden zielführend unterstützen.
„Ich freue mich, dass etvice uns auf diesem Weg begleitet und möchte an dieser Stelle auch im Namen
von MLP die Gründer von etvice zu ihrem Firmenjubiläum des zehnjährigen Bestehens beglückwünschen. Allen Kolleginnen und Kollegen von etvice
wünsche ich weiterhin viele erfolgreiche Jahre und
spannende Projekte, die die Zukunft nachhaltig
gestalten oder auch erst ermöglichen werden.“
Klaus Strumberger
CIO MLP Finanzdienstleistungen AG
27
kultur
des Nationalsozialismus begründet. Ich hoffe, dass
niemals wieder eine Generation das Gefühl haben
wird, die Elterngeneration solch entsetzlicher Taten
beschuldigen zu müssen.
Wer ohne Jugend ist,
sollte in die S-Bahn nach
St. Pauli steigen
O-Ton einer Schriftstellerin, die die
Zukunft in der Jugend sucht – und findet
Die bekannte Hamburger Schriftstellerin Cornelia Franz denkt optimistisch an das
Übermorgen, weil sie im Gespräch mit denen ist, die das Morgen gestalten werden:
den Jugendlichen
Ja, das stimmt, in meinen Büchern sind viele Protagonisten auf der
Suche. Sie spüren etwas nach, versuchen ihren Weg zu finden, Geheimnisse zu entwirren oder haben selber Geheimnisse. Auch wenn
unser Leben heute viel durchsichtiger geworden ist, so gibt es doch
immer noch Dinge im Leben der Menschen, die sie lieber geheim
halten. Als Autorin interessieren mich Einzelschicksale – der einzelne,
konkrete Mensch mit seiner Geschichte, seinen Geheimnissen und
seinen Konflikten. Und auch, wenn jede Geschichte, jede Biografie,
wieder anders und besonders ist, so läuft es doch immer wieder
auf die ewigen Lebensthemen hinaus: Was macht mich als Mensch
aus? … Wie schaffe ich es, ein ehrliches, gutes Leben zu führen? …
Wie gehe ich mit anderen Menschen um, mit dem, was sie mir mitgeben oder was sie mir antun? … Wie mit meiner eigenen Schuld?
Manchmal bin ich als Wirtschaftsunternehmen Cornelia Franz, was
ich als selbstständige Schriftstellerin ja bin, auf der Buchmesse wie
erschlagen und denke „Warten die jetzt ausgerechnet auch noch
auf mein Buch?“. Doch das irritiert mich letztendlich nicht wirklich.
Denn so ist das nun mal: Solange es Menschen gibt, gibt es auch
Geschichten zu erzählen und Bücher zu schreiben. Das erschöpft
sich nie und ist immer wieder neu und spannend. Ich denke, das ist
das Besondere an Büchern: Dort steht das Individuum im Fokus und
28
das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Das Individuum wird seine Bedeutung auch übermorgen nicht verlieren. Und Literatur wird
trotz aller neuer Medien weiterleben.
Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, meiner eigentlichen literarischen Heimat, sind es oft im Kern immer wieder
ähnliche Themen, die Kinder und Jugendliche seit Generationen
umtreiben. Diese geradezu zeitlosen Grundlinien beschreibe ich.
Es geht um Selbstfindung, um das Entdecken der Welt und des eigenen Wegs, die Ablösung von der Familie, um Freundschaft und
erste Liebe. Das ist oft alter Wein in neuen Schläuchen. Manchmal
kommen diese Themen nur in einem Gewand daher, in dem man sie
vielleicht nicht sofort erkennt. Und natürlich werden sie von Generation zu Generation anders „verkleidet“ und interpretiert. Das Besondere, das Einzigartige an der Zeit, in der man selbst lebt, erkennt
man oft erst im Rückblick. Meine Jugend in den 1960er und 70er
Jahren war geprägt von einer insgesamt revolutionären Stimmung.
Wir hatten das Gefühl, die Welt verbessern zu müssen, und glaubten an das Bessere im Menschen und in der Welt. Deshalb suchten
wir uns neue Lebensformen, die uns besser erschienen als die unserer Eltern. Sicher waren die revolutionäre Stimmung und unser
Aufbegehren gegen gesellschaftliche Konzepte in den Nachwehen
Ich finde es total spannend mitzuerleben, wie sich
die nächsten Generationen entwickeln – die Erwachsenen von morgen und übermorgen. Dabei ist
es unabdingbar, dass man das Gute nicht nur im Alten sieht, sondern auch in der Zukunft. Oft bleiben
Menschen ihrer eigenen Jugendzeit verhaftet und
schimpfen deswegen über die heutige Jugend – über
ihre Musik, ihren Kleidungsstil und ihre Trends. Mit
Sätzen wie „Früher war alles besser“ wurde bisher
jede junge Generation gemaßregelt, was meiner
Meinung nach erstens ein völlig ahistorischer Blick
ist und zweitens oft einfach nur von Unkenntnis
zeugt. Um eben dies zu vermeiden, muss man natürlich erst einmal mit Jugendlichen und ihrer Art
zu leben, in Berührung kommen. Nein, nein, man
braucht sich dafür nicht undercover in eine Disco
oder auf eine Party zu schleichen. Allein beim Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahren in
der U-Bahn, in der S-Bahn, auch nachts, auf Strecken
durch Hamburg-St.-Pauli oder Berlin-Mitte, bietet
sich die Möglichkeit, Jugendliche zu erleben, alive
and kicking. Es wird zum Problem und führt zu immer größer werdender Distanz, wenn Jugendliche
kaum noch im Leben heutiger Erwachsener und auch
im Leben heutiger Führungskräfte auftauchen. Ich
selbst fahre viel Bus und Bahn und höre so auf ihre
Sprache, ihre Themen, ihre Musik – und abgesehen
davon habe ich durch meine beiden Kinder tagtäglich Jugendliche im Haus. Junge Menschen werden
zu einem raren Gut in unserer Gesellschaft. In Anbetracht des demografischen Wandels wird es immer
weniger Kinder und Jugendliche geben. Wir haben in
Deutschland mit 1,4 eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Wir haben in der Weltstadt Hamburg
bei 1,8 Millionen Einwohnern die Situation, dass fast
sieben von zehn Haushalten Ein-Personen-Haushalte
sind. Unsere Zukunftsträger, die jungen Menschen,
werden weniger, weshalb wir uns umso intensiver
mit ihnen beschäftigen sollten. Denn wer verstehen
möchte, was übermorgen wichtig ist, kann dabei die
Erwachsenen von morgen nicht außer Acht lassen.
Bei ihnen können die Antworten liegen, nach denen
wir heute suchen.
Die Modebranche setzt die Nähe zur Jugend bereits
seit Generationen bewusst um. Sie nimmt relativ
schnell Ideen der Jugendkultur auf und versucht
neue Trends mitzugestalten. Auch die Stadtentwicklung folgt, zumindest hier in Hamburg, zum Teil
dem, was junge Menschen für sich entdeckt haben.
Viertel wie Eppendorf oder später Ottensen waren
mal Orte der jungen Generation, bevor sie von den
Etablierten übernommen wurden. Auch die Werbung
orientiert sich seit langem an den Jungen in unserer
Gesellschaft. Und auch die Wirtschaft wird nicht
darum herumkommen, sich in Zeiten des Fachkräftemangels gezielt an den Nachwuchs zu richten. Die
Unternehmen werden sich zunehmend um junge
Menschen kümmern und auf ihre Art zu denken und
zu leben eingehen müssen. In den USA bestehen bereits stärkere Kooperationen zwischen Wirtschaft
und Bildungsträgern, Unternehmen und den Jugendlichen. Ich habe den Eindruck, sie tauschen sich mehr
aus. Dabei sind Unternehmer, ebenso wie ich als Kinder- und Jugendschriftstellerin, darauf angewiesen,
den jungen Generationen zu vertrauen und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wer etwas Nachhaltiges, etwas Neues schaffen möchte, benötigt Begeisterungsfähigkeit und Zukunftsglaube – beides
Eigenschaften, die ein positives Weltbild verlangen.
Mich bewahren mein Schreiben und mein Interesse
an Jugendlichen davor, Pessimistin zu werden oder
gar zu verbittern. Ich bin neugierig und wünsche mir,
sehr alt zu werden, so dass ich die Zukunft erleben
kann. Ich sage allen daher gern: Wenn wir nicht rückständig und engstirnig werden wollen, müssen wir
Älteren die Jugend erleben. Auch gern nachts um
halb eins in der S-Bahn auf St. Pauli.
Verrat
Ins Nordlicht blicken
Jan, 17, entdeckt auf
einer Auktion Gemälde,
die früher einmal im
Besitz seiner Eltern
waren. Wieso hat seine
Mutter vor Jahren behauptet, die Bilder seien
verbrannt? Und warum
wehrt sein Vater alle
Fragen ab? Jan beginnt
selbst nachzuforschen
– und kommt einem
Familiengeheimnis auf
die Spur, das mit der
NS-Zeit zu tun hat.
Grönland im Jahr 2020:
eine immer grüner
werdende Insel, das
ewige Eis dramatisch
geschmolzen. Der junge
Bildhauer Jonathan
Querido macht sich von
Deutschland auf in seine
alte Heimat – und muss
sich dabei seinem eigenen dunklen Geheimnis
stellen.
Cornelia Franz wurde 1956
in Hamburg geboren. Nach
dem Studium der Germanistik
und Amerikanistik und vielen
abenteuerlichen Reisen machte sie eine Ausbildung zur
Verlagsbuchhändlerin und arbeitete mehrere Jahre als Verlagslektorin für Reiseführer
und Kunstbücher. Seit 1993
schreibt sie Jugend- und Kinderbücher, Romane und Reiseführer – und ist eine erfolgreiche Schriftstellerin geworden,
die darüber schreibt, was war,
was ist und was bleibt.
29
news
Vision und Mission –
wenn Beratung und Verkauf von
Finanzprodukten Freude bereiten
etvice und Morgen & Morgen bündeln
Fähigkeiten in neuer Qualität
Warum etvice als einer der technologischen Vorreiter in der Beratungssoftware auch in Zukunft ein innovatives Unternehmen sein wird,
erläutert Gründer und Vorstandsvorsitzender Marc M. Engel.
Die etvice Holding AG setzt die Trends um, die ihrer Zeit voraus sind.
Dabei steht Qualität von Entwicklungen an oberster Stelle. Kundenorientierte Produktentwicklung ist die stete Basis des Softwareund Beratungsunternehmens. Um in diesem Bereich noch weitere
Entwicklungen voranzutreiben, konnte etvice einen hochrangigen
Kooperationspartner gewinnen, der diese Philosophie ebenso lebt.
Für seine Software Cheops vertraut etvice zukünftig der Datenqualität des unabhängigen Analysehauses MORGEN & MORGEN aus
Hofheim am Taunus.
Die etvice Gruppe feiert 2013 ihr zehnjähriges Bestehen. In dieser
Dekade hat sich das mittelständische Unternehmen zu einem technologieführenden Hersteller und Betreiber von Standardsoftware für
Finanzdienstleister in Deutschland entwickelt. Das etvice Produkt
Cheops ist nicht mehr aus dem Beratungsalltag vieler Mitarbeiter von
Versicherungsunternehmen und Finanzdienstleistern wegzudenken.
Erste Projekte zeigen, dass der Erfolg auch in der Bankwirtschaft
eine ähnliche Entwicklung nehmen wird. Aus Gründen wie Usability,
Qualität, Prozesseffizienz, Integrationstiefe und Umsetzung regulatorischer Anforderungen wird Cheops immer selbstverständlicher in
Vertriebsabläufe von Finanzdienstleistern integriert.
Auf diese Erfolge werden wir mit unserer Agenda 2015 aufbauen
und die etvice Gruppe in ihrer Marktpositionierung breiter aufstellen. etvice wird auch in den nächsten Jahren Wachstum durch
Innovation generieren. Unsere Vision ist, den Bereiche Individualsoftwareentwicklung zusätzlich zum Cloudcomputing und Lizenzgeschäft für Standardsoftware zu einer weiteren tragenden Säule
auszubauen und etvice damit zu einem führenden Hersteller und
Betreiber von Softwaresystemen für Versicherungen, Banken und
Finanzdienstleister in Europa zu machen.
Die Umsetzung dieser Strategie wird es unseren Kunden umfassend
ermöglichen, einen nachhaltigen und individuellen Nutzen aus der
Zusammenarbeit mit etvice für ihr jeweiliges Geschäft zu ziehen.
Durch die Individualisierung des Standardprodukts Cheops und
durch effizient erstellte Individuallösungen unter Verwendung von
Standardkomponenten erhalten etvice Kunden einen erweiterten
Investitionsschutz und eine differenzierte Anpassung an ihre spezifischen Unternehmensprozesse.
Dabei setzen wir auch in Zukunft auf bestqualifizierte Mitarbeiter,
nachhaltige Unternehmenswerte und Höchstleistung für unsere
Kunden. Denn wir sind zutiefst von unserer Mission überzeugt, dass
die etvice Softwaresysteme Beratung und Verkauf von Finanzdienstleistungen für Anbieter und Nachfrager zu einem qualitativen und
emotionalen Erlebnis machen – eben Freude bereiten!
Impressum
Herausgeber
Worte des Bundespräsidenten an
Führungskräfte der Wirtschaft
etvice media publication – gegründet 2012
In der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der etvice
und MORGEN & MORGEN steht vor allem die gesicherte Datenqualität im Vordergrund. Es handelt sich um die Integration der
von MORGEN & MORGEN nachkalkulierten Tarifdaten, die über den
Webservice des anerkannten Analysehauses in die fallabschließende
Beratungssoftware Cheops integriert werden.
Ausgabe Ein Zitat sagt mehr als tausende
Worte. Daher zitieren wir an dieser
Stelle. Der, um den es geht, ist ein
Mann der Zukunft, der die Zukunft
von der Gegenwart ableitet. Der Bundespräsident Joachim Gauck sagte so
auf dem Führungstreffen Wirtschaft
2012 im November in Berlin vor Entscheidern zur Frage, was Verantwortung in der Gegenwart für die Zukunft ist, Folgendes:
etvice Magazin No. 2
Adresse etivce Holding AG, Langereihe 49, 22941 Jersbek,
Germany, Tel.: +49 (0)4532-26 60 9-0,
Fax: +49 (0)4532 26 60 9-122
info@etvice.com, www.etvice.com
Vorstandsvorsitzender / V. i. S. d. P.
Diplom-Mathematiker Marc M. Engel
Konzeption/Redaktion Rafael Robert Pilsczek M. A.
(Inhaber von ppr-hamburg.com)
Autoren/ Redakteure Marc M. Engel, Cornelia Franz, Bastian Funk
BA, Selina Härtel M. A., Falk Hößler BA, Hilka H.
Diese vorgenommene Nachkalkulation ermöglicht erst die wirkliche Vergleichbarkeit von einzelnen Tarifen und birgt so zahlreiche
Vorteile im Beratungsgespräch mit den Kunden. Ein weiterer Vorteil
der einzigartigen Nachkalkulation ist es, dass auch Tarife im marktweiten Vergleich angezeigt werden können, die von Versicherern
ansonsten weder über einen Webservice noch über Rechenkerne
zur Verfügung gestellt werden.
Jeworrek M. A., Pia Angelika Müller, Rafael Robert
In der gemeinsamen Konzeption der beiden Firmen ging es vor allem
darum, Versicherer-Individualitäten abzubilden und zugleich einen
tarifübergreifenden Vergleich zu ermöglichen. Das ist gelungen.
Fotos
Pilsczek M. A., Klaus Strumberger
Marketingleitung Dipl.-Kffr. Uta Engel
Gestaltung Sandor, Lille Hummelsiep
Quelle Photocase / Foto S. 2 Miss X, S. 10 Saimen.,
S. 16 linsenmonster, S. 28 phoenixie
2013 Benutzung unter Lizenz von Shutterstock.
com / Foto S. 2,4,5 © design36, S. 13 © ollyy, S. 15
©violetkaipa, S. 26 ©ra2studio
Druckerei Saxoprint
Lektorat Claus Rosenau M. A.
„Wir sehen lieber auf die Gegenwart. Wenn es um Folgen für die
Zukunft geht, blenden wir Verantwortung gern aus oder nehmen –
mehr oder weniger bewusst – in Kauf, dass unsere Entscheidungskriterien von heute den Anforderungen von morgen nicht entsprechen.
Wir haben den Preis unseres Handelns vom Augenblick der Entscheidung entkoppelt und damit zwei Dinge getrennt, die zusammengehören: die Freiheit, etwas zu tun, und die Verantwortung, für
etwas geradezustehen.
Ich wünsche mir, dass wir unsere Vorstellungen von Verantwortung
hinterfragen und – wo nötig – Verantwortung überzeugender wahrnehmen, Verantwortung verankern im Hier und Heute. Und dabei
die Zukunft mit einkalkulieren! Verantwortung darf kein Geschäft
zu Lasten Dritter sein. Wer sie übernimmt, muss bereit sein, sie sofort
und nachhaltig zu tragen.
Indem ich die Verantwortung für die Zukunft so hervorhebe, übersehe ich nicht die bereits gelingenden Seiten der Gegenwart, im
Gegenteil: Diese Seiten will ich stärken. Und ich weiß, dass in der
deutschen Wirtschaft – nicht nur dort! – Verantwortung schon heute
an vielen Stellen vorbildlich gelebt wird.“
Joachim Gauck
Bundespräsident
Alle Rechte vorbehalten.
Insbesondere dürfen Nachdruck, Aufnahme in
Online-Dienste und Internet und Vervielfältigung
auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur
nach vorheriger schriftlicher Zustimmung durch
etvice erfolgen.
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4. deutsche etvice nutzerkonferenz
05./06. juni 2013
denk2013 | Hotel Steigenberger Treudelberg, Hamburg | www.etvice.de
www.etvice
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Seele and Geist
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