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"Pfade durch Utopia" - was wäre wenn - 2 Aktivismus - Schattenblick

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MA-Verlag
UMWELT / REPORT
Down to Earth ... sondern ein Teil des Problems
IGC 2012 ­ Weltkongreß der
Geographie vom 26. bis 30. August
2012 an der Universität Köln
Interview mit Dorothea Hamilton
über die Folgen des globalen Wandels in den Anden, die neue Christianisierung, Einflüsse der Institutionen, den Wertewandel und andere
unberechenbare Faktoren ... (Seite 8)
Elektronische Zeitung Schattenblick
Donnerstag, 27. Dezember 2012
"Pfade durch Utopia" - was wäre wenn - 2
Aktivismus und Kunst für neue Lebensformen
Interview mit Isabelle Fremeaux und John Jordan
in Hamburg­Altona am 29. August 2012
SPORT / MEINUNGEN
Die Leistungssportgeweihten
grüßen den Kommerz
Mit Schreckensmeldungen wie der,
daß ihm zum siebten Mal innerhalb
von zehn Monaten die Kniescheibe
herausgesprungen sei, wartet Stefan
Kretzschmar heute nicht mehr auf.
Vergessen auch, was der ehemalige
Handballprofi, der 2004 sein
Nationaltrikot an den Nagel gehängt
hatte, kurz vor der WM 2007 im
eigenen Land erzählte: "Ich spüre
auch, dass ich die Belastungen nicht
mehr ewig wegstecken kann. Das
rechte Knie tut schon seit Jahren weh,
da ist kaum noch Knorpel drin, und ich
muss vor jedem Spiel eine Voltaren
einschmeißen, um die Schmerzen
auszuhalten. Der Stress wird von Jahr
zu Jahr größer." ... (Seite 21)
Kriterien eurer Auswahl und die
Gründe dafür, warum ihr bestimmte
Gemeinschaften nicht besucht habt,
Im zweiten Teil des Interviews mit berichten?
Isabelle Fremeaux und John Jordan,
das der Schattenblick anläßlich der Isabelle Fremeaux: Die Auswahl der
Präsentation des Buchs "Pfade durch Projekte wurde auf eine sehr praktiUtopia" [1] und des dazugehörigen sche politische Weise getroffen. So
Films [2] führte, geht es um soziale wollten wir nur Gemeinschaften beFragen des Gemeinschaftslebens und suchen, die nicht auf hierarchischer
ihr eigenes Projekt in der Bretagne. Basis organisiert sind, weil Gurus
SPORT / BOXEN
oder Führer nicht die Art von Politik
SB:
Ihr
habt
etwa
30
Gruppen
oder
an der wir interessiert
Drittes Kräftemessen zwischen Projekte in Europa in die engere repräsentieren,
sind.
Und
es
war
sehr wichtig für
Marco Huck und Ola Afolabi
Wahl für eure Reise gezogen, die ihr uns, eine breite Diversität der ProWBO-Weltmeister trifft erneut auf für "Pfade durch Utopia" unternom- jekte zu haben, um der Mutmaßung
den britischen Rivalen ... (Seite 20) men habt. Könntet ihr etwas über die entgegenzutreten, daß ein bestimmJohn Jordan, Isabelle Fremeaux
Foto: © 2012 by Schattenblick
Elektronische Zeitung Schattenblick
tes wunderwirkendes Konzept, eine
bestimmte Lösung propagiert werden sollte. Uns lag viel daran, die
Gemeinschaften und Projekte eher
als Experimente und Laboratorien
denn als Modellvorstellungen zu betrachten. Daher konzentrierten wir
uns auf die Bereiche Erziehung, Produktion, Sexualität und urbane Umgebungen. Weil die Vielfalt der
vorgestellten Gemeinschaften uns so
wichtig war, mußten wir eine Auswahl treffen. Als wir bereits viele
selbstverwaltete Landwirtschaftsbetriebe ausgewählt hatten, bevorzugten wir eher Projekte, die mit
anderen Themen befaßt sind. Das
führte letztlich zu einem ausgeglichenen Verhältnis.
Es gab auch einige praktische Gründe für unsere Auswahl. So hatten wir
nur sieben bis acht Monate Zeit für
die Reise, weil ich mir ein Jahr von
der Arbeit an der Uni freigenommen
hatte und diesen Zeitraum nicht weiter ausdehnen konnte. Zudem mußten wir in Betracht ziehen, daß wir
nicht zu weit reisen konnten. So weit
ich mich erinnere, gab es kein Projekt, das unsere Anfrage negativ beantwortet hätte.
John Jordan: Am schwierigsten war
es tatsächlich genau zu bestimmen,
wie lange wir bei dem jeweiligen
Projekt bleiben wollten. Da wir nicht
ein Buch über ein Projekt machen,
sondern die Vielfalt der Lebensformen zeigen wollten, da wir aber auch
keine Reise im Schnelldurchgang
nach dem Motto "Je einen Tag in 500
Utopias" unternehmen wollten,
mußten wir eine zeitliche Balance
zwischen den verschiedenen Stationen der Reise finden. Wir gelangten
schließlich zu dem Schluß, daß zwei
Wochen pro Projekt ein guter Zeitraum wäre.
IF: Über einige Ziele haben wir länger nachgedacht. So überlegten wir,
ob wir Indymedia mit auf die Liste
der vorzustellenden Projekte nehmen
sollten. Wir merkten jedoch, daß wir
dazu auch einen konkreten Ort benöSeite 2
tigten, zu dem wir fahren konnten, Can Maseu ist ökologisch, aber liegt
und das war bei Indymedia eher am Rand einer Stadt. Selbst Land
schwierig.
Matters mit ihrem sehr ökologischen
Profil ist eine sozial orientierte GeSB: Habt ihr noch über ein anderes meinschaft, weil die Ethik der PerReiseziel in Deutschland nachge- makultur darauf abstellt, daß
dacht als das Zentrum für experi- Menschen sich umeinander wie um
mentelle Lebensgestaltung (ZEGG) die Erde kümmern. So haben wir das
im brandenburgischen Belzig?
ganze Spektrum abgedeckt.
JJ: Wir dachten über Sieben Linden Wir selbst verstehen uns als ökologinach.
sche Antikapitalisten, unserer Ansicht nach mündet der Kapitalismus
SB: Es gibt hier ja noch einige Land- in ökologische Katastrophen. Uns
kommunen wie etwa Niederkaufun- geht es mehr um die Auswirkungen,
gen oder Tempelhof.
die das auf die Menschen haben
wird, als daß wir einer Art tiefenökoIF: Es gibt hunderte von Landkom- logischen Doktrin anhängen. Ich
munen in Deutschland. Wir haben halte natürlich alles Leben für wertuns letztlich auf das ZEGG konzen- voll, doch wenn wir das Leben auf
triert, weil wir bereits mehrere Land- der Erde zerstören, wird es vermutkommunen besucht hatten. Daher lich in ein paar Millionen Jahren
war es eher Ergebnis eines Aus- wiederkehren. Was uns wirklich beschlußverfahrens, eben dieses Pro- schäftigt, sind die Auswirkungen, die
jekt zu wählen. Wir wollten einfach jede ökologische Katastrophe auf die
nicht das Risiko eingehen, daß das Nahrungsmittel, auf das Land, auf
Buch vermitteln würde, man brauche die Möglichkeit der Menschen, sich
nur aufs Land zu ziehen, eine Kom- zu ernähren und ein gutes Leben zu
mune aufzumachen und alles wäre führen, haben wird. Gleichzeitig sind
bestens. Das wäre zwar keine gefähr- wir der Ansicht, daß ökologisches
liche Botschaft gewesen, aber eben Denken sehr gut dafür ist, miteinanunbefriedigend. Ohnehin wird bei der in Kontakt zu treten und zu erden Vorführungen des Films häufi- kennen, daß wir, wenn wir weiterhin
ger angemerkt, daß wir nicht genü- die natürliche Welt zerstören, uns
gend Gemeinschaftsprojekte in auch gegenseitig unterdrücken werStädten besucht hätten. Dort gibt es den. Diese beiden Dinge sind vollviele Menschen, die auf der Suche ständig miteinander verknüpft. Wir
nach Alternativen sind.
können nicht damit aufhören, uns
gegenseitig zu schaden, ohne damit
SB: Mein Eindruck war, daß ihr viel aufzuhören, der Natur zu schaden.
Wert auf ökologische Projekte, auf Sie lehrt uns zusammenzuleben, gedie Vorzüge des Landlebens und ei- genseitige Hilfe zu gewähren und
ner möglichst wenig zerstörerischen förderliche Beziehungen aufzubauLandwirtschaft gelegt habt. Stimmt en. Indem wir Ökosysteme studieren,
das?
können wir auch unsere eigene Lebensweise untersuchen und gegen
JJ: Das stimmt und stimmt auch wie- eine sozialdarwinistische Vision der
der nicht. Wenn man zum Beispiel Welt stellen, in der Natur als Objekt
Christiania nimmt, dann liegt es in des Wettbewerbs um Ressourcen geeiner nicht sehr umweltfreundlichen handelt wird.
Stadt. Die besetzte Fabrik im serbischen Zrenjanin steht in einer Stadt, SB: Was habt ihr für Erfahrungen
produziert pharmazeutische Artikel damit gemacht, wie die verschiedeund ist ein Industriebetrieb. In Mari- nen Gemeinschaften ihre sozialen
naleda arbeitet man ökologisch, aber Beziehungen gestalten, wie sie mit
der soziale Aspekt ist dort wichtiger, Problemen der Aggression und
www.schattenblick.de
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
stehen lernen, daß Freiheit nicht
bedeutet, daß das Individuum tut,
was auch immer sie oder er gerade
will, sondern daß es um Verantwortung geht. Das hat mehr mit einer
Idee von Liebe zu tun, die den anderen Menschen dazu befähigt, frei zu
sein. Es ist also eine Art dialektischer, aufVerantwortung basierender
Prozeß, jemanden zur Freiheit zu befähigen und dies auch für sich selbst
zu tun. Ich glaube, den Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung zu erkennen und dabei zu
lernen, wie sehr es darum geht, sich
gegenseitig zuzuhören, ist eine der
großartigsten Errungenschaften.
Soziale Beziehungen im Spiegel
des Naturverhältnisses
Foto: © 2012 by Schattenblick
Gewalt umgehen, zu denen es bei engerem Zusammenleben kommen
kann?
IF: Auf so viele verschiedene Weise, als es unterschiedliche Gruppen
gibt. Für mich war es eine der wichtigsten Erkenntnisse zu entdecken,
daß es keine herausragende Form
einer spezifischen Gruppe gab, Verhaltensformen und sozialen Beziehungen, Entscheidungsprozesse
und Gewaltvermeidung zu organisieren. All das erfolgt auf ganz unterschiedliche Weise. Auch wenn
uns einige Dinge mehr eingeleuchtet haben als andere, realisierten
wir, daß es die Angelegenheit jeder
Gemeinschaft selbst ist herauszufinden, wie sie ihre Probleme bewältigt. Ganz allgemein scheinen
mir jene Gruppen, die seit langem
zusammenleben, offener für Veränderungen zu sein als der Rest der
Gesellschaft. Sie lernen geduldig,
mit den Unterschieden zwischen
Menschen umzugehen, und haben
im Kleinen Methoden entwickelt,
wie man Einverständnis erzeugt
und mit Kontroversen umgeht.
Do. 27. Dezember 2012
JJ: Ich denke, Geschwindigkeit ist
der Feind der Demokratie. Je schneller man sich fortbewegt, desto weniger demokratisch geht es zu. Der
Kapitalismus des 21. Jahrhunderts
wird zusehends undemokratisch,
weil es Zeit braucht, zu sprechen, zuzuhören, Entscheidungen zu treffen.
Alle Kommunen hatten unterschiedliche Methoden entwickelt, um mit
sozialen Problemen umzugehen. Einige gingen sehr systematisch vor,
mit strukturierten Treffen und Prozessen, andere hielten sich völlig frei
davon, riefen nicht einmal Gruppentreffen zusammen oder hatten keinen
Sprecher. Wir selbst neigen eher zu
strukturiertem Vorgehen. Tatsächlich
benötigt Anarchismus eine Menge an
Struktur.
SB: Wie verhält sich eine funktionsbezogene Struktur, die man in jeder
Gruppe mehr oder weniger antrifft,
zu dem Anspruch auf ein nicht
hierarchisches Zusammenleben.
JJ: Ich glaube, wir müssen eines im
Umgang mit Nichthierarchie lernen.
Eine der wesentlichen Aufgaben lautet, die individualistischen Tendenzen zurückzunehmen, die der
Kapitalismus in den letzten 200 Jahren entwickelt hat. Wir müssen verwww.schattenblick.de
Während man dies mit persönlicher
psychologischer Arbeit erreichen
kann, gilt es zugleich keine Angst
vor strukturiertem Vorgehen zu haben, die in der libertären Linken sehr
ausgeprägt ist. Wir finden es wichtig
zu betonen, daß man irgendeine Art
von Struktur braucht, daß man Vermittler braucht und zum Beispiel mit
Handzeichen bei der Arbeit kommunizieren kann. Wir bevorzugen klare
und eindeutige Entscheidungsprozesse und sind in dieser Hinsicht von
den 70er Jahren beeinflußt. Damals
hat sich herausgestellt, daß der Verzicht auf Strukturen eine eigene Art
von Tyrannei hervorbringen kann.
Man konnte dabei zusehen, wie die
Machtverhältnisse immer mehr aus
der Balance gerieten, was in gewissem Maße natürlich immer der Fall
ist, wenn einer über mehr Erfahrung
und Wissen verfügt, älter ist, kulturell entwickelter ist, besser sprechen
kann und so weiter.
Ich glaube, wir sollten die Kultur der
Versammlung besser erforschen. Die
Occupy-Bewegung war interessant,
gerade weil sie Strukturen übernommen hat, die sich zum Teil in den
80er Jahren in der deutschen Friedensbewegung entwickelten, zum
Teil von Friedensaktivisten in den
Vereinigten Staaten ausgingen, dann
wieder von der Antiglobalisierungsbewegung genutzt wurden und
schließlich Occupy und die KlimaSeite 3
Elektronische Zeitung Schattenblick
Camps beeinflußten. Viele dieser
Strukturen mit Vermittlungsfunktionen und Handsignalen und Konsensbildung waren großartig, aber es gab
keinen äußeren Rahmen. Jeder konnte an einem Occupy-Treffen teilnehmen, man konnte nach der Hälfte
kommen und gehen oder einfach auftauchen und Entscheidungen treffen,
so daß es nicht wirklich wie direkte
Demokratie funktioniert hat. Man
könnte es vielleicht als Plattform zum
Erproben direkter Demokratie begreifen, aber es hat auch gezeigt, daß man
Grenzen benötigt. Direkte Demokratie heißt nicht nur, diesen Strukturen
Raum zu geben, man benötigt auch eine Art von Umgrenzung, damit man
zu Resultaten gelangt.
IF: Wir brauchen Begrenzungen und
Stabilität. Der Schwachpunkt der
Occupy-Bewegung in London bestand in dem Mangel an Stabilität, in
dem Problem, eine längere Serie von
Versammlungen mit den gleichen
100 Menschen zustandezubringen.
Wenn man eine ständige Fluktuation
von Leuten hat, dann ist es zwar sehr
inspirierend zu sehen, wie sie das erste Mal entdecken, daß sie eine eigene Stimme haben, aber gleichzeitig
mangelt es an Verbindlichkeit. Es
war sehr schwierig, eine starke Bewegung aufzubauen
Meiner Ansicht nach wird zu häufig
der Fehler gemacht, Struktur mit Erzwingung zu verwechseln. Der Unterschied besteht genau darin, daß
Struktur Erzwingung ausschließt.
Ich fand es allerdings sehr interessant an einigen Orten zu erleben, daß
zu viel Formalismus und Strukturierung im Leben der Gruppen wie eine Art von Erzwingung wirkten. Ich
denke, hier wäre ein neuer Lernprozeß erforderlich. Estelle Friedman
hat geschrieben, daß tiefliegende
Formen der Repression, die in diesen
völlig informellen Strukturen, bei
denen es sich nichtsdestotrotz um
Strukturen handelt, nicht erkannt
werden, die Neigung haben, wieder
an die Oberfläche zu kommen. All
die uneingestandenen UnterSeite 4
drückungspraktiken um Gender und Wir beanspruchen keinesfalls, dafür
Klasse sind vorhanden, während ei- die Lösung zu wissen.
ne sichtbare Struktur zumindest in
IF: Ich will noch auf die Frage einFrage gestellt werden kann.
gehen, wie man damit umgeht, wenn
SB: Ihr habt die Kommunebewegung jemand in einer Gruppe kapitalistider 70er Jahre damit charakterisiert, sche und urbane Positionen vertritt.
daß sie sich auf utopischen Inseln Für mich ist das ein permanenter unisolierte und damit den Kämpfen um abgeschlossener Arbeitsprozeß, weil
die Veränderung der Gesellschaft wir selbst von diesen Einstellungen
auswich. Wie sieht euer Konzept da- bestimmt sind. Nur weil man ein Gefür aus, eine Alternative auf dem meinschaftsprojekt gründet, hat man
Land aufzubauen, ohne gleichzeitig es nicht plötzlich mit einem magidiese Form von Rückzug anzutreten? schen Ring umgeben, hinter dem alles verschwindet, wenn man ihn nur
JJ: Ich glaube das Problem bestand einmal durchschritten hat. Es hat
darin, daß es in den 70er Jahren zu sehr viel damit zu tun, sich darüber
einem Bruch in der Bewegung kam. bewußt zu werden, was man tut, und
Die Straßenkämpfer brannten aus, all diese automatischen Reaktionen
während die Utopisten ihre Inseln auf Eigentumsansprüche in Frage zu
bezogen, ein gutes Leben führten stellen. Ich finde an einem solchen
und auf diese Weise nicht so schnell Projekt interessant, Widerständigkeit
ausbrannten. Sie vergaßen jedoch und alternatives Leben praktisch
den Gegner, sie vergaßen, daß sie zur parallel zu entwickeln, offen gegenÜberwindung des Kapitalismus an- über Leuten zu sein, die sich dafür
getreten waren und daß Kommodifi- interessieren, und die eigenen Erzierung ein permanenter Prozeß ist. kenntnisse weiterzutragen.
Auf diese Weise verwandelten sie
sich in Laboratorien, in denen neue Die bloße Idee von Utopia geht in eiliberale Formen der Kapitalverwer- nem fortwährenden Prozeß auf, der
tung Gestalt annahmen. Wenn Pro- eben nicht darauf fixiert ist, in einem
jekte nur Alternativen aufzeigen, Augenblick die ultimative Lösung
dann scheint das unvermeidlich zu herauszufinden. So etwas könnte zur
sein, wie man am zeitgenössischen Folge haben, daß ich jede Bewegung
Kunstbetrieb sehen kann, wo in radi- und jeden Fortschritt aufgebe, weil
kalökologischen Kunstprojekten auf ich ja das perfekte Bewußtsein, die
jeden Widerstand gegen den Kapita- perfekte Gemeinschaft gefunden halismus verzichtet wird, so daß die be. Für mich verändert sich das steherrschenden Verhältnisse lediglich tig und wird niemals Perfektion
in neue Formen gegossen werden.
erlangen, und der Prozeß der Überwindung des Kapitalismus wird sich
Für uns ist es sehr wichtig, daß das vermutlich über Generationen erProjekt selbst beides beinhaltet, das strecken.
Ja und das Nein, das Erschaffen und
den Widerstand. Es ist sehr schwie- SB: Haben sich die Arbeiten John
rig und kostet viel Energie, beides Holloways auf eure Ansichten ausmiteinander zu vereinbaren, aber wir gewirkt?
sind der Ansicht, daß, wenn man nur
eins von beidem macht, die Gefahr JJ: "Change the World Without Tabesteht, entweder auszubrennen oder king Power" war ein wichtiges Buch
wieder vereinnahmt zu werden. In für uns, und wir haben ihn einige
gewisser Weise ist dies für uns der Male sprechen hören. Er arbeitet mit
größte Kampf, diese alternativen Le- vielen unserer Freunde zusammen
bensformen zu entwickeln, während und ist stark von der Zapatista-Beman sich widerständig zeigt und ei- wegung beeinflußt, die für uns ein
ne Gegenkraft zum Bestehenden ist. wichtiger Bezugspunkt ist.
www.schattenblick.de
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
IF: Ich denke, die Schriften der Za- IF: Es besteht seit einigen Monaten,
patistas sind für uns wichtiger als seit wir im Januar dorthingezogen
diejenigen Holloways.
sind. Wir haben es schließlich geschafft, sieben Hektar Agrarland zu
SB: Die Zapatistas folgen einem erstehen, auf dem ein großes, seit
Konzept von Kollektivität, das dem 15 Jahren verlassenes Bauernhaus
Bedürfnis, sich als Individuum zu steht. Es macht also sehr viel Arpräsentieren, keine besondere Be- beit, das Projekt in Gang zu brindeutung zuweist. Das ist für Europä- gen. Wir haben es als Ensemble
er eine völlig ungewohnte Art und sehr spezifischer und gleichzeitig
Weise, sozial zu agieren.
interdependenter Projekte konzipiert, also praktisch als Fortsetzung
IF: Ich habe nie den Eindruck gehabt, der Arbeit, die wir mit dem "Labodaß das Individuelle in der Ideologie ratory of Insurrectionary Imaginaund Kosmologie der Zapatistas ver- tion" begonnen haben, auf dem
worfen wird. Für mich ist es eine sehr Land. Dort soll es permanent etapoetische und mächtige Art, die Indi- bliert werden etwa im Sinn einer
vidualität zurück auf das westliche Schule oder eines Laboratoriums
Bewußtsein zu reflektieren, was sehr für Kunst und Aktivismus. John begut funktioniert. Gleichzeitig sind al- zeichnet es gerne als "Bauhaus für
le Mitglieder der Zapatistas mit ihrem das 21. Jahrhundert".
Vornamen bekannt. Die Verneinung
des Individuums herrscht für mich JJ: Die Frage ist, wie ein postkapitaeher in der traditionellen radikalen listisches postindustrielles Bauhaus
Linken vor, wo tatsächlich der Drang aussehen würde und wie wir über
besteht, das Individuum zu zerstören Kunst in einer solchen Gesellschaft
und durch das Kollektiv zu denken. nachdenken wollen.
Ich glaube, daß die Zapatistas versucht haben, ihre Masken wie Spiegel IF: Neben dem Laboratorium gibt es
zu verwenden.
noch eine selbstverwaltete Autowerkstatt.
JJ: Die funktioniert wie ein Fenster
zur örtlichen Bevölkerung. Jeder
braucht ein Auto, und wir bieten ihnen an, ihr Auto in aller Ruhe mit
Werkzeug, das wir zur Verfügung
stellen, für wenig Geld zu reparieren.
Wir wollen in der Werkstatt auch
Windkraftanlagen bauen und andere
Formen alternativer Produktion entwickeln.
IF: Es gibt zwei weitere Projekte. Eine Landwirtin ohne Land hat sich
uns angeschlossen. Sie will organischen Gemüseanbau betreiben und
die mobile vegane Küche damit beliefern, die ein Mitglied des KollekNicht auf perfekte Lösungen herein­ tivs betreibt. Sie kann dann die
fallen
Verpflegung der Besucher in den
Foto: © 2012 by Schattenblick
Workshops übernehmen, die wir seit
vier Jahren abhalten. Die Projekte erSB: Könntet ihr noch etwas zu eurem gänzen einander, sie sind zugleich
eigenen Projekt in der Bretagne sa- autonom und miteinander verbungen?
den.
Do. 27. Dezember 2012
www.schattenblick.de
JJ: Zudem liegt der Hof in einem
Teil Frankreichs, wo die Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung sehr gut ist, was sehr wichtig
für uns ist. Wir sind keine Fremden,
die dort eine Insel schaffen. Bei der
Arbeit am Buch haben wir festgestellt, daß einige Gemeinschaften
zehn Jahre brauchten, um ein lokales Netzwerk aufzubauen, deshalb
stammen vier Mitglieder des Projekts aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Es ist bereits ein sehr
gutes Netzwerk, was die Zusammenarbeit auf dem Gebiet radikaler
Landwirtschaft betrifft. Wir haben
tatsächlich die Absicht, die Region
in eine Art autonome Zone zu verwandeln nicht nur in Hinsicht auf
Nahrungsmittel, sondern auch andere Dinge. Es ist eine kleine Gruppe, aber sie hat einigen Einfluß.
SB: Kunst ist sehr wichtig für euch.
Seht ihr darin eine Möglichkeit der
Kommunikation oder der Selbstverwirklichung?
JJ: Für uns ist auch die Kunst ein lebenslanger Prozeß. Es geht darum,
Aufmerksamkeit für jeden Aspekt
des täglichen Lebens zu entwickeln.
Im Buddhismus würde man das vielleicht Achtsamkeit nennen, im Christentum nennen wir es
Kontemplation, aber die eigentliche
Idee besteht darin, jede Aktivität in
eine künstlerische Praxis zu verwandeln. William Morris spricht davon,
daß Kunst die Freude an der Arbeit
sei. Ob wir nun darüber nachdenken,
wie wir die Fragen in einem Interview beantworten, ob wir Zeit damit
verbringen, etwas für die Wasserversorgung zu konstruieren, ob wir
Haare schneiden oder auf das Kind
aufpassen, all das läßt sich darunter
fassen. Es ist zudem nicht von Ethik
zu trennen, es geht darum, wie schön
es ist, das richtige zu tun. Eine angemessene Lebensführung ist eine
schöne Kunstpraxis, und das wollen
wir in der Gemeinschaft auf eine
Weise versuchen, die gleichzeitig
praxisbezogen und ästhetisch wertvoll ist.
Seite 5
Elektronische Zeitung Schattenblick
Die Unterrichtung von Kunst ist
vielleicht die kreativste und widerständigste Art, Künstler mit Aktivisten zusammenzubringen. Künstler
verfügen über viel Kreativität, sie
haben einen Sinn für Poesie, aber
auch große Egos und nur sehr geringe Fähigkeiten zu einem kritischen
Umgang mit sozialen Fragen. Viele
Aktivisten haben demgegenüber ein
großes Ausmaß an sozialer Kritikfähigkeit, können sehr gut im Kollektiv arbeiten, haben großen Mut zum
Widerstand, machen sich aber wenig
Gedanken darüber, wie man neue
Möglichkeiten des gesellschaftlichen und politischen Engagements
entwickeln kann. Wir versprechen
uns davon, Künstler und Aktivisten
miteinander in Kontakt zu bringen,
daß daraus neue Formen der politischen Sprache, des politischen Ungehorsams und der Zusammenarbeit
entstehen. Auf der Farm wollen wir
diese Begegnungen längerfristig
möglich machen als etwa in einem
achttägigen Workshop wie hier auf
Kampnagel. Er war großartig, aber
wir wollen dies längerfristig machen,
um tiefer in die Materie einzudringen.
entwickeln, daß es sich bei der Natur
um ein libertäres System gegenseitiger Unterstützung handelt. Davon
können wir lernen, starke selbsttragende Sozialsysteme zu entwickeln,
die kein großes Ausmaß an Energiezufuhr benötigen. Was wir zudem an
der Permakultur schätzen, ist, daß sie
besonderes Gewicht auf die Reduzierung von menschlicher Arbeit wie
auch fossiler Energieerzeugung legt.
Bei vielen ökologischen Projekten
erschöpfen sich die Leute beim Bearbeiten des Bodens und anderen
Verrichtungen. Wir sehen keinen
Grund dafür, beim Versuch, ein umweltverträgliches Leben zu führen,
die Arbeitsstrukturen des Kapitalismus zu reproduzieren. Permakultur
versucht, nur wenig Arbeitskraft in
bereits bestehende und gut funktionierende Systeme der Natur zu
stecken und diese in ihren Funktionen so weit wie möglich auf sich
selbst beruhen zu lassen. Das ist ein
überaus nützliches Prinzip. Gleichzeitig müssen wir natürlich eingestehen, daß wir das kaum beherzigen,
sondern wie idiotische Roboter arbeiten, weswegen wir gerade sehr erschöpft sind.
SB: Habt ihr eine besondere Beziehung zum Konzept der Permakultur? SB: In eurem Film habt ihr die
Schlachtung von Schweinen in LonJJ: Ja, für uns ist es ein sehr nützli- go Mai gezeigt. Dies fand in dem
ches Werkzeug für Philosophie und Buch praktisch keine Erwähnung.
Gestaltung, das wir in vielen Berei- Warum habt ihr Wert darauf gelegt,
chen unseres Lebens benutzen. Es ist dies im Film zu zeigen?
sehr nützlich für den Aktivismus, für
die Landwirtschaft, selbst für das Or- IF: Wir fanden es wichtig , weil es
ganisieren. Man kann viel lernen, das Leben auf einem traditionellen
wenn man die Muster und Prozesse Bauernhof zeigt. Zudem meinen wir,
der Natur, die man im Wald beobach- daß man den Tod von Tieren anten kann, auf den sozialen Aktivis- schauen sollte, weil viele Leute dies
mus und die künstlerische nicht tun. Wir selbst essen Fleisch,
Performance anwendet. Und natür- obwohl wir mit Veganern zusamlich ist es für uns eine Möglichkeit, menleben. In unserer Gesellschaft
ein tieferes Verständnis für Ökolo- wird der Tod oft verleugnet. Er ist ein
gie, Biologie und Wissenschaft zu wesentlicher Motor des Kapitalisentwickeln. Bei jedem Kurs konzen- mus, und wir wollten zeigen, was es
trieren wir uns auf eine bestimmte bedeutet, Fleisch zu essen. Die LeuSpezies. Hier in Hamburg haben wir te sollten nicht wegschauen, sondern
zum Beispiel Ameisen und Pilze un- sich mit Tod und Verfall und dem
tersucht. So kann man als Anarchist Verhältnis zwischen Mensch und
und Libertärer ein Verständnis dafür Tier auseinandersetzen.
Seite 6
www.schattenblick.de
SB: Das kann in der anarchistischen
Bewegung zu größerem Streit führen, wie das Beispiel des anarchistischen Treffens in St. Imier gezeigt
hat, wo die Frage des Verkaufs von
Fleisch für erheblichen Unmut gesorgt hat.
JJ: Es besteht kein Zweifel daran,
daß wir schon aus Gründen des Wasserverbrauchs und des Klimawandels damit aufhören müssen, Fleisch
auf die bisher übliche Weise zu verzehren. Die industrielle Fleischerzeugung ist eine der ökologisch
destruktivsten Produktionsformen,
selbst wenn man nicht nur den
Schutz der Tiere im Sinn hat. Massentierhaltung ist in Sachen Ökologie, Ressourcenverbrauch und
klimaschädlichen Emissionen einfach kriminell. Es gibt auch Forschungsergebnisse, laut denen ein
einziges Schwein in einer Dorfgemeinschaft ökologisch nachhaltiger
sein kann als der Kauf von Tofu, das
mit Soja aus Brasilien produziert
wurde. Die industrielle Fleischproduktion ist zutiefst problematisch.
Ich denke, wenn wir Tiere so behandeln wie bisher, dann wird sich auch
unter den Verhältnissen zwischen
Menschen nichts ändern.
IF: Ich glaube, daß diese Debatte
sehr wichtig ist, weil sehr viel von
dem verdrängt wird, was es eigentlich zu besprechen gibt. Es ist sehr
viel einfacher über den Luftverkehr
zu diskutieren und die Frage, ob man
nicht damit aufhören sollte, Flugzeuge zu benutzen. Aber beim Thema
Ernährung wird etwas sehr intimes
angesprochen, daher wird dies als
Angriff empfunden und die Leute
fühlen sich verletzt. Das Verzehren
von Fleisch ist eine dieser Konsumentenentscheidungen, die enormen
Einfluß haben können. Ich bin zwar
nicht der Ansicht, daß das Konsumverhalten beim Kampf gegen den
Klimawandel eine vordringliche
Rolle spielen sollte, weil es aufeinen
sehr individualistischen Zugang hinausläuft. Aber die Agrar- und Nahrungsmittelindustrien stellen so
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
große Probleme dar, daß die Auseinandersetzung mit ihnen sehr wichtig
ist. Es berührt mich immer zu sehen,
wie aggressiv und respektlos die
zwei Veganer unserer Gemeinschaft
von anderen Leuten behandelt werden.
REDAKTION / IN EIGENER SACHE / HINWEIS
JJ: Sie sind aus verschiedenen Gründen vegan. In einem Fall geht es um
Tierrechte, im anderen Falle um den
Klimawandel, so daß selbst unter ihnen eine gewisse Diversität besteht.
Ich glaube allerdings, daß wir in
zehn Jahren nicht mehr auf die gleiche Art Fleisch essen werden, wie es
heute noch üblich ist. Das wird aufgrund des Wassermangels und anderer Probleme nicht mehr möglich
sein.
Wer trotz Feiertagshektik Zeit und Muße findet, sich lesend den spannenden
und brennenden Themen unserer Zeit zuzuwenden, dem seien die folgenden
Hinweise Anregung und Empfehlung für eine weiterführende Auseinandersetzung:
Schattenblick-Lesetipps für die Feiertage
• Reportagen über Klimawandel, den Weltgeographenkongress 2012,
Umwelt- und Luftverschmutzung, zum Widerstand gegen den Braunkohletagebau und zur Überfischung der Meere etc.
Schattenblick → INFOPOOL → UMWELT → REPORT
• Politische Interviews und Berichte über Konzerte mit Musik von Mikis
Theodorakis und Franz Josef Degenhardt, sowie Auftritte von Achim ReiSB: Isabelle und John, vielen Dank chel, Barbara Thalheim, Peter Gutzeit, Kai Degenhardt... für Musikinteresfür das lange Gespräch.
sierte:
Schattenblick → INFOPOOL → MUSIK → REPORT
Fußnoten:
[1] REZENSION/592: Isabelle Fremeaux / John Jordan - Pfade durch
Utopia (SB) http://www.schattenblick.de/infopool/buch/sachbuch/busar592.html
• Sozialkritische Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst: SchattenblickReportagen "Gefesselte Kunst" zur Tagung radius of art am 9. Februar 2012
in Berlin und "Fluchträume und Grenzen" zur dOCUMENTA (13)
Schattenblick → INFOPOOL → KUNST → REPORT
[2] BERICHT/003: "Pfade durch
Utopia" - Selbstbestimmtes Gemeinschaftsleben in Europa (SB)
http://www.schattenblick.de/infopool/medien/report/mreb0003.html
Teil 1 des Interviews siehe
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prin0152.html
• Politische Reportagen, z.B. 12 Interviews und 14 Berichte zur Veranstaltungsreihe "Kapitalismus in der Krise"
Schattenblick → INFOPOOL → POLITIK → REPORT
POLITIK / REPORT
INTERVIEW/153:
http://www.schattenblick.de/
infopool/politik/report/
prin0153.html
• Quo vadis Sozialarbeit? Interviews und Berichte zum aktuellen Stand der
Diskussion:
Schattenblick → INFOPOOL → SOZIALWISSENSCHAFTEN → REPORT
• Standpunkte und Diskussionen zum Thema Hirntod und Organspende
Schattenblick → INFOPOOL → MEDIZIN → REPORT
• Politische Gedichte und mehr:
Schattenblick → INFOPOOL → DIE BRILLE → LYRIK →
DICHTERSTUBE
Und nun viel Spaß beim Lesen und Stöbern im Schattenblick!
Do. 27. Dezember 2012
www.schattenblick.de
Seite 7
Elektronische Zeitung Schattenblick
UMWELT / REPORT / INTERVIEW
Down to Earth - ... sondern ein Teil des Problems
Interview mit Dorothea Hamilton
über die Folgen des globalen Wandels in den Anden, die neue Christianisierung,
Einflüsse der Institutionen, den Wertewandel und andere unberechenbare Faktoren
IGC 2012 ­ Weltkongreß der Geographie vom 26. bis 30. August 2012 an der Universität Köln
Im Februar 2000 veröffentlichte die
US-amerikanische Umweltorganisation "Conservation International" in
der renommierten Zeitschrift "Nature" [1] eine Liste mit weltweit 25
Gebieten, die sich durch eine extrem
hohe Vielfalt an Pflanzenarten auszeichnen. All diese Gebiete, die als
"Biodiversitäts-Hotspots" bezeichnet werden, sind durch den Globalen
Wandel, einer der Schwerpunktthemen des Weltkongresses der Geographie IGC 2012 in Köln, in ihrer
Existenz stark gefährdet. Die tropischen Anden, Westecuador und Kenia gehören ebenso dazu wie der
brasilianische Cerrado oder der Mittelmeerraum. Auf nur etwa 1,4 Prozent der Erdoberfläche (2,1
Millionen Quadratkilometer) beherbergen diese Hotspots knapp die
Hälfte (44 Prozent) aller bekannten
Pflanzenarten weltweit.
Panoramaansicht
vom Huayna Picchu
über die Stadtanlage in Richtung
Berggipfel Machu Picchu
Foto: 2009 by Martin St­Amant
(S23678)
via Wikimedia Commons
(CC BY­SA­3.0 unported)
Seite 8
Allen voran gehören die tropischen
Anden zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Insbesondere die
Anden in Venezuela, Kolumbien,
Ecuador, Peru und Bolivien stehen in
vielerlei Hinsicht an der Spitze dieser Top 25 Liste: Hier wachsen allein
auf nur 0,2 Prozent der weltweiten
Landoberfläche etwa ein Fünftel (15
Prozent) aller bekannten Pflanzenarten, also ca. 50.000 Gewächse. Auch
der Anteil an endemischen, d.h. nur
hier und nirgendwo sonst auf der
Welt vorkommenden Arten, ist extrem hoch (nahezu sieben Prozent).
Das gleiche gilt für die Nutzpflanzen, die aufgrund der unterschiedlichen Lebensbedingungen in den
verschiedenen Höhenlagen von den
Andenbauern in ihrer ganzen Vielfalt
angebaut werden. 1.300 verschiedene Kartoffelarten aus dem traditionellen Anbau wurden allein in der
Bergregion rund um Cusco, Peru, gezählt.
schen Wäldern weltweit, d.h. in den
Bäumen und den darunterliegenden
Böden, soll mehr Kohlenstoff gebunden sein, als in der Atmosphäre
als CO2 vorliegt und jährlich werden
1,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff
zusätzlich fixiert. Faktoren wie Diversität und Kohlenstoffsenkung
gelten heute als wichtige Ökosystemdienstleistungen - eine Bezeichnung für den hilflosen Versuch, den
Nutzen der Natur als zählbaren Wert
in das vorherrschende Wirtschaftsund Wertesystem zu integrieren, um
den Erhalt und Schutz der ursprünglichen Natur und Vegetation in den
Anden zu rechtfertigen. Angesichts
der Tatsache, daß bereits 75 der tropischen Bergwälder und ParamoGebiete im Andenraum zerstört sind,
scheint das durchaus notwendig zu
sein. Würden die Reste dieser wertvollen Naturräume unter Schutz gestellt, könnte ein großer Teil der
biologischen Vielfalt erhalten werden. Doch nur etwa einem Drittel
Neben solch beeindruckender Diver- wurde dieser Schutz bisher gewährt.
sität spielen die Anden, und hier vor
allem die in den tropischen Zonen Darüber hinaus ist die Andenregion
vorkommenden Waldbestände, im stark durch den globalen Klimawanglobalen Kohlenstoffkreislauf eine del gefährdet. Wichtiger als die gloherausragende Rolle. In den tropi- bale Erwärmung und die Erhöhung
www.schattenblick.de
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
der atmosphärischen CO2-Konzentrationen sind dabei Änderungen der
Niederschläge. Für weite Teile der
Anden werden niedrigere Jahresniederschläge und längere und intensivere Trockenperioden prognostiziert.
Neben ökologischen Veränderungen
(globale Erwärmung, Zunahme von
Extremwetterverhältnissen, Naturkatastrophen ect.) sind durch den
verbesserten Zugang zu dieser Region, der sie wirtschaftlich für einen
größeren Markt interessant werden
läßt, aber auch längst ökonomische
Veränderungen wie ein zunehmender
Monetarismus spürbar.
Gründe genug also, um am letzten
Tag des Kongresses in einer der frühsten Sessions des Tagesprogramms
unter dem Obertitel "Mountain Environment and Rural Livelihoods in
the Tropical Andes: Local Responses
to Global Change" [auf Deutsch:
Bergregion und landwirtschaftliche
Lebensgrundlagen in den tropischen
Anden: Lokale Auswirkungen des
globalen Wandels] die globale Bedeutung der tropischen Anden und
die Herausforderungen, denen diese
Bergregion aufgrund globaler Veränderungen gegenübersteht, zu thematisieren.
angelegten Landwirtschaft in Höhenlagen von 3.000 bis 5.000 Meter
über dem Meeresspiegel und der
"Rolle des vertikalen Austausches
von Nutzpflanzen für die sozio-ökologische Resilienz [2] in den Anden,
als Beispiel des Klimawandels" [3]
(so der Titel des Referats zu ihrer Diplomarbeit) gewissermaßen von den
Bedürfnissen der Menschen und den
globalen bzw., wie sie es nannte, veränderten "institutionellen" Einflüssen überholt, so daß sie es angemessen fand, ihren Ausführungen kurzfristig einen anderen Schwerpunkt zu
geben.
Dorothea Hamilton im Gespräch
Foto: © 2012 by Schattenblick
Die Quechua Gemeinschaften [4], die
Dorothea Hamilton untersucht hat,
sind in der Umgebung von Cusco in
einem sogenannten Potato-Park zusammengefaßt, der mit Hilfe einer peruanischen NGO weitgehend durch
die indigenen Gemeinden als Subsiditätswirtschaft sowie mit Hilfe traditioneller Einrichtungen wie der
regelmäßig stattfindenden "Asambleas" [5] selbst organisiert wird. Die
Erträge reichen in der Regel, um die
eigene Familie oder die Dorfgemeinschaft zu versorgen. Die Referentin
konnte beobachten, wie traditionelles
Wissen hier zunehmend an Bedeutung
verliert, obwohl Institutionen der
NGO bei den Menschen vor Ort genau diesem Trend aus gutem Grund
entgegenzuwirken versuchen.
Die darin vorgestellten Projekte und
Studien aus Peru, Kolumbien und
Argentinien zeigten allerdings eindrücklich, daß sich zumindest in
Feldstudien vor Ort, bei der Sorge
um die Agrarwirtschaft, die Klimaoder die Umweltprobleme dieser nur
dünn besiedelten Region nicht an
den Menschen vorbeidenken läßt
und daß sich aus möglicherweise
notwendigen Anpassungsmaßnahmen wiederum Risiken und Konsequenzen für die Lebensgrundlagen
und Lebenswirklichkeit der indigenen Bevölkerung ergeben. So sah
sich die Geographin Dorothea Hamilton von der Philipps Universität
Marburg bei ihren Untersuchungen
und Befragungen der Menschen vor
Ort bei ihrem ursprünglichen Forschungsvorhaben zu den Auswirkun- So muß sich das traditionelle, auf
gen des Klimawandels in der vertikal Gemeinsinn gründende Ayllu-SyDo. 27. Dezember 2012
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stem [6] gegen die separativen Einflüsse des Globalen Wandels wie
Infrastruktur und Telefonanschlüsse
behaupten. Letztere bringen neben
Umweltverschmutzung und schnelleren Fortbewegungsmöglichkeiten
(Autos) sowohl positive institutionelle Unterstützung wie den Einfluß
von NGO Einrichtungen mit sich,
treiben aber auch gleichzeitig über
die Wertschätzung solcher Einflüsse
den Wertewandel und die Vereinzelung innerhalb der Gemeinschaften
voran.
Letztere wie der zunehmende Bedeutungsverlust von traditionellen
spirituellen Werten oder die Hinwendung zu neuen Religionen hätten, wie Dorothea Hamilton
anmerkte, einen direkten Einfluß auf
den weniger achtsamen Umgang mit
der eigenen Umgebung und spielten
bei sämtlichen Belangen der Gemeinschaft, bei der Solidarität untereinander und bei allen Beziehungen
zwischen Mensch und Umwelt eine
starke Rolle. Stelle man sich die
komplette Abschaffung des gewissermaßen von Natur aus resilienten
Ayllu-Systems vor, mitsamt der von
lokalen Autoritäten (darüber hinaus
nur von solchen Cumoneros, die sich
nicht als "Cristianos" [7] bezeichnen) ausgeübten Rituale für ursprüngliche Quechua Gottheiten,
würden ihrer Meinung nach auch die
letzten Schranken fallen, um die Natur über ihre Kapazität hinaus zum
Zwecke der Wertschöpfung auszubeuten.
Im umgekehrten Sinn sieht sie in
einer Stärkung und Erweiterung der
existierenden traditionellen Einrichtungen sowie in der Anpassung
des Ayllu-Systems an die neuen
Gegebenheiten eine Möglichkeit,
die potentiellen Gefahren durch
globale Veränderungen und Einflüsse insgesamt besser abzupuffern bzw. im Fachterminus der
Geographen: die Störungstoleranz
d.h. Resilienz gegenüber den Gefahren durch den Globalen Wandel
zu vergrößern.
Seite 9
Elektronische Zeitung Schattenblick
ne, die sich in irgendeiner Weise mit
der Problematik negativer Einflüsse
befassen, müßten streng genommen
sich selbst als Faktor in ihre eigenen
sozio-ökologischen oder - ökonomischen Forschungen einbringen und
ihre eigenen Anteile an diesen Entwicklungen kritisch hinterfragen.
Statt von einer beobachtenden Position des Forschers Ratschläge zu erteilen, die keiner hört und niemand
wissen will, sollte man mit den
Menschen vor Ort zusammenarbeiten und ihnen vor allem anderen zuhören.
Im Anschluß an ihren Vortrag ergab
sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit der Geographin, in dem
sie dem Schattenblick Einblicke in
ihre Feldforschung ermöglichte.
Dorothea Hamilton (DH): Ja natürlich. Meine Forschungsgegend liegt
in der Nähe von Cusco in Peru. Cusco war seinerzeit die Hauptstadt des
Inkareichs und damit natürlich auch
ein Hauptziel der Spanier. Auf jeden
Fall brachte das eine Christianisierung mit sich. Dann gab es die Haziendas [9] und die Großgrundbesitzer,
welche die Angehörigen der indigenen Bevölkerung als Zwangsarbeiter
benutzt haben und darüber hinaus
darauf bestanden, der von ihnen mitgebrachten Religion zu folgen. Auf
diese Weise hat sich bereits in den
letzten 500 Jahren ein Synkretismus
gebildet, in dem Maria gleichzeitig
als Mutter Erde verehrt wurde. Auch
heute noch wird in ganz traditionellen Riten wie das Cocablätter-Ritual
auch immer zu Maria gebetet. An-
Toritos de la fortuna, Pisac.
In den letzten 500 Jahren hat sich
aus traditionellem und katholischem
Glauben ein Synkretismus herausge­
bildet, der sich in Symbolen und Ri­
tualen widerspiegelt.
Foto: 2012 by Fernando Coun via
Geolocation (CC BY­NC­ND­3.0 un­
ported)
Allerdings dürften diese Vorschläge
auf keinen Fall von Personen außerhalb des Ayllu-Systems kommen, da
die "Comuneros" [8] hier, vielleicht
historisch bedingt, ein gesundes
Mißtrauen an den Tag legten. Ihrer
Erfahrung nach mögen Ideen von außerhalb zwar für die Welt draußen
gut sein, nicht aber unbedingt auch
für die Comuneros selbst.
Die Referentin im Interview
vor der Mensa
der Universität in Köln
Foto: © 2012 by Schattenblick
So stand für die Referentin am Ende ihrer Ausführungen fest, daß
nicht nur die Auswirkungen der Industrialisierung, des Weltmarktes
und der Zivilisation, die heute unter
den Modebegriffen "Globalisierung
und Globaler Wandel" zusammengefaßt werden, das letzte Dorf in
den Anden erreichen, sondern auch
die vermeintlichen Helfer von außerhalb ein Teil davon sind. All je-
Schattenblick (SB): Sie sprachen in
ihrem Referat von den Veränderungen, die traditionelle Einrichtungen
durch institutionelle Systeme wie
Kirchen oder NGOs erfahren. Wurde die Bevölkerung in der Andenregion, auf die Sie Ihre
Feldforschung konzentrieren, nicht
bereits zu Zeiten der Kolonialisierung schon von der katholischen
Kirche kräftig missioniert?
Seite 10
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ders gesagt kann man Katholizismus
und traditionelle Religion heute nicht
mehr voneinander trennen. Beide
sind zu einer neuen Religion verschmolzen. Das Christentum ist einfach Teil des Ganzen geworden und
unterscheidet sich in seiner Herangehensweise nicht wesentlich von
dem Traditionellen, weil es in beidem, auch im katholischen Glauben,
darum geht, etwas zurückgeben zu
müssen. Der Unterschied zu dem
neuen Verständnis von einer modernen Religion ist, daß diese Rückgabepflicht nicht mehr existiert. Man
ist nur noch Christ, weil man in die
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
Kirche geht und die Bibel liest und
nicht mehr, wenn man bestimmte traditionelle Riten ausübt. Man darf sie
auch gar nicht mehr machen, weil
das in vielen Fällen als "vom Teufel"
angesehen würde. Eine meiner Fragen, die ich nicht mehr untersuchen
konnte, wäre, ob das für die Menschen dort einfach nur heißt: "Ich laß
dann diese Rituale sein. Ich puste
halt eben nicht mehr meine CocaBlätter zu den vier Winden..." oder
ob dies auch insgesamt einen Gesinnungswandel mit sich bringt oder
sich dadurch ihr ganzes Verhältnis
zur Natur ändert.
hat. Ich habe auch nur mit Comuneros [8] gesprochen, die sich Cristianos nennen. Denen zufolge fing es in
einer Comunidad an, in die Kirchenangehörige irgendeiner evangelikalen Bewegung, also Cristianos,
kamen, die dann dort anfingen, eine
kleine Gemeinde aufzubauen. Den
genauen Anfang kenne ich nicht. Ich
weiß auch nicht, woher und wie diese Bewegung Zulauf bekommen hat,
aber mittlerweile existiert heute in
dieser Comunidad ein ziemlich
großes Gebäude, das sehr viele Leute regelmäßig besuchen.
man den Einfluß dieser neuen Institutionen verurteilt. Doch die wohl
schwerwiegendste Veränderung, die
ich bei meinen Untersuchungen feststellen konnte, ist, daß sich die Comuneros, die ursprünglich zu einer
Comunidad [8] gehören, nun in Cristianos und Católicos spalten und
diese Zugehörigkeit als Bestandteil
der eigenen Identität betrachten.
Ich habe das gewissermaßen indirekt
herausbekommen, indem ich allen
die Frage gestellt habe: Nehmt ihr an
einer der anderen Organisationen
teil? Das hätte dann alles mögliche,
also auch verschiedene staatliche
Programme sein können, aber die
Antwort hieß immer: entweder Cristiano oder Católico. Das erklärte alles weitere. Neben dem eigenen
Namen und der Comunidad, aus der
sie stammen, ist die Religionszugehörigkeit bereits eine der drei großen
Dinge, mit denen sie sich identifizieren. Wie genau dieser Prozeß sich
vollzogen hat, konnte ich nicht untersuchen. Das wäre aber eine sehr
spannende Frage.
SB: Gab es bei Ihren Befragungen
denn auch welche, die sich ebenso
klar dazu bekannt haben, ausschließlich alte Naturreligionen auszuüben
oder den traditionellen Glauben an
die alten Götter zu pflegen?
Ayni heißt auch: Wohnraum für alle,
Haustiere inklusive, in Ollantaytambo,
Peru.
Foto: 2008 by Giggel via Panoramio
(CC BY­3.0 unported)
SB: Wie haben es denn die christlichen Fundamentalisten aus den USA
überhaupt schaffen können, die sogenannten Cristianos, die Menschen
vor Ort, zu missionieren? Ist es ihnen
gelungen, an den örtlichen Asambleas teilzunehmen? Haben sie eigene örtliche Versammlungen ausgerufen, oder wie hat diese Missionierung ihren Anfang genommen?
DH: Ich bin mir nicht ganz sicher,
wann und wie es genau angefangen
Do. 27. Dezember 2012
Man darf aber auch nicht die positiven Effekte vergessen, die diese Bewegung mit sich gebracht hat. So soll
es in der Zeit davor - wobei dieses
"Vorher" in den Kontexten immer
schwer zu bestimmen ist - sehr viel
Alkoholismus gegeben haben. An
traditionellen Festen wie dem Karneval sollen sich die Einheimischen
oftmals bis zur Ohnmächtigkeit besoffen haben. Sowohl zu diesen Gelegenheiten aber auch allgemein soll
der Alkoholkonsum inzwischen allein in der Comunidad stark gesunken sein, weil eben diese Cristianos
ganz strikt gegen den Alkohol sind.
DH: Nein, es würde niemand sagen:
"Ich glaube an Naturreligionen." Alle
sind Católicos. Das liegt durchaus am
politischen System, weil man nach
dem peruanischen Gesetz eigentlich
nur katholisch sein kann. Und da die
meisten heute zur Schule gehen, ist
man einfach katholisch. Punkt. Das ist
so miteinander verwoben, gehört so
eng zusammen, daß man diese Identität besitzt. Wenn du die Leute aber direkt fragst: Cristiano oder Católico,
dann heißt es ganz klar: Católico. Das
ist auch zwischen den Menschen dort
eigentlich kein Problem. Aber wenn
man die Gemeinschaft näher kennt,
merkt man halt, daß bestimmte SaAnders gesagt, man muß auch auf chen nur noch von bestimmten Grupsolche positiven Effekte achten, ehe pen separat gemacht werden.
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Seite 11
Elektronische Zeitung Schattenblick
SB: In der Diskussion vorhin wurden
ja unter anderem auch die Argumente angeführt, das sei alles gar nicht so
schlimm und 'Global Change' habe
es doch immer schon gegeben. Dabei wurde an die Kolonialzeit erinnert, die auch vieles verändert habe...
Ist denn die Geographie so neutral
und wertfrei, daß sie die Kolonialzeit
nur als eine weitere Zeitspanne betrachten kann, in der bestimmte Veränderungen stattgefunden haben?
Sollten Geographen oder Wissenschaftler den Einfluß der Kolonialzeit hier nicht eher kritisch
hinterfragen?
DH: Ich würde nicht gerne repräsentativ für die gesamte Geographie
sprechen. Was mich betrifft, versuche ich zunächst immer, die Dinge
wertfrei zu betrachten, sie einfach
von einer möglichst hohen MetaEbene aus als Veränderung zu sehen.
Wenn man von Resilienzsystemen
ausgeht und komplexe Systeme analysiert, dann stellt man Veränderungen fest. Manche sind für den
Zusammenhang unumkehrbar. Es
gibt aber auch resiliente Systeme, die
es schaffen, solche Veränderungen
zum großen Teil abzufedern. Natürlich muß man im Falle der Kolonialisierungseinflüsse ganz genau
schauen, was da passiert ist, was sich
verändert hat oder wie sich die Comunidads daran im Unterschied zu
heute angepaßt haben. Dabei kann
man nicht immer ganz wertfrei bleiben, aber es bringt auch relativ wenig, das Ganze nur negativ zu sehen.
Es ist ja bereits passiert und man
kann es daher als Forschungsgrundlage für weitergehende Fragen nutzen: Warum hat sich damals die
traditionelle Kultur nicht komplett
aufgelöst? Warum sind nicht alle
ausgestorben, obwohl sie die ganzen
eingeführten Infektionskrankheiten
bekommen haben, für die ihr Immunsystem nicht gewappnet war;
obwohl sie plötzlich Kühe und Kuhmilch hatten; und obwohl sich eigentlich auch alles andere in ihrem
Lebensbereich komplett geändert
hat? Was war da der Unterschied zu
Seite 12
dem, was hier heute passiert? Warum
haben die ursprünglichen Einwohner
und ihre Traditionen noch weitere
500 Jahre überlebt? Und warum sieht
es heute so aus, als gäbe es das alles
in 50 Jahren bereits nicht mehr? Das
sind doch die eigentlich interessanten Fragen. Natürlich bringt jede Kolonialisierung immer großen
Schaden mit sich. Den kann ich heute aber nicht mehr nachträglich messen oder quantifizieren. Ich kann
auch keine Aussagen darüber treffen,
was damals hätte geschehen können.
Aber ich kann heute den Unterschied
zu damals untersuchen.
Die Jugendlichen wollen auch ihre
traditionelle Kleidung nicht mehr
tragen.
Foto: 2008 by yvr101 via Panoramio
(CC BY 3.0 unported)
SB: Haben sie denn bereits Hinweise dafür gefunden, daß sich die heutigen Veränderungen sehr von den
früheren unterscheiden?
DH: Die Veränderungen heute sind
anders. Ich bin mir aber nicht sicher,
woran das liegen könnte. Das gehörte bisher nicht in den Bereich meiner
Untersuchungen. Das wäre möglicherweise ein zukünftiges Forschungsprojekt. Ich könnte auch
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nicht sagen, wie schnell der Wandel
fortschreitet. Für die Geschwindigkeit ist hier im wesentlichen die Resilienz [2] der Systeme verantwortlich.
In der Resilienzforschung wird gerne von Schocks gesprochen und das
klingt meiner Ansicht nach immer
nach einem einmaligen, großen
Event. Inwieweit die Kolonialisierung vorher so ein Schock war oder
inwieweit das heute im Vergleich dazu eine langsame oder schnelle Veränderung ist, die viele Bereiche
gleichzeitig erfaßt, weiß ich nicht.
Aber ich würde sagen, vor 500 Jahren ging das sehr viel langsamer voran. Da kam dann zunächst mal einer,
dann haben andere eine Hazienda
hingesetzt und die Einheimischen zu
Fronarbeiten verpflichtet. Dagegen
haben die Comuneros eine Art Doppelsystem entwickelt, indem sie nach
außen hin das gemacht haben, was
von ihnen verlangt wurde, aber intern ihre eigene Kultur und ihr eigenes Leben behielten. Dieses
Doppelsystem existiert in dieser
Form heute nicht mehr. Inzwischen
gibt es durch die Jugend, die ganz
andere Interessen entwickelt, eine
viel graduellere Veränderung. Die
Jugendlichen wollen Konsumgüter
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
wie das Internet oder Handys. Das ist
verständlich. Sie wollen auch ihre
traditionelle Kleidung nicht mehr
tragen, nur noch an Festen und durch
all das geschieht eine sehr viel tiefgreifendere Veränderung als beim
letzten Mal, bei dem es noch eine Art
Widerstand oder Abwehrreaktion
gab: "Wir müssen das, deshalb machen wir es eben zum Schein nach
außen - aber innen verändern wir uns
nicht."
Inzwischen gibt es durch die Jugend,
die ganz andere Interessen ent­
wickelt, eine viel graduellere Verän­
derung.
Foto: 2012 by IRGlover via Flickr
(CC BY­NC­2.0)
SB: Woran läßt sich das erkennen?
DH: Ein großer Teil dieser innerlichen Eigenmächtigkeit ist der Gemeinschaftssinn, und der wird
zunehmend untergraben. So löst sich
vor allen Dingen durch die Individualitäts- und Ökonomisierungsbestrebungen das Konzept des Aynis
[10] langsam auf. Es gibt inzwischen
vieles, was sich leichter aneignen
läßt, um sich damit einen höheren
Standard in der Gesellschaft zu verschaffen als früher. Wenn beispielsweise Reichtum bisher daran
gemessen wurde, wie viele Kartoffelsorten man hatte, dann mußte man
Do. 27. Dezember 2012
sich diese Kartoffelsorten und das
notwendige Wissen dafür über viele
Jahre erwerben. Einen Fernseher
kann man sich aber einfach kaufen.
Und dafür gehen die Männer dann
eben drei Jahre auf dem "Inka-Trail"
arbeiten, tragen das Gepäck der Touristen und kommen dann mit entsprechend viel Geld zurück, um sich
solche Statussymbole wie ein Auto
leisten zu können. Damit können sie
dann wiederum Touristen durch die
Gegend fahren, "Taxi machen".
Dann geht das "Reichwerden" natürlich viel schneller.
Aber eine sehr interessante Frage,
die auch über das hinaus geht, was
ich bisher untersucht habe, die ich
mir jedoch durchaus stelle, ist die zur
Entwicklung in der Jugend. So ist
zum Beispiel auf privaten Photos
ganz aufschlußreich zu erkennen,
wie sich junge Menschen selbst und
ihre Umwelt wahrnehmen und wie
wenig sie sich darin von Jugendlichen der sogenannten zivilisierten
Welt unterscheiden.
Wenn man beobachtet, welche Elemente für die heutige Jugend wichtig werden, bekommt man
gewissermaßen eine Vorstellung von
dem, was auf diese Kultur zukommen wird. Es gibt hier bereits viel
profundere Veränderungen als zu
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Zeiten der Kolonialisierung. Die sind
auch der inzwischen viel stärkeren
Vernetzung geschuldet, die auf drei
Ebenen stattfindet, also institutionell, ökonomisch und infrastrukturell
und sie schreiten einfach sehr schnell
voran.
So gab es zum Beispiel in der spanischen Zeit nur einen etwa vierstündigen Fußweg von der höchsten
Comunidad bis hinunter nach Pisac,
für den man bergauf etwa sechs
Stunden brauchte, wenn man so
schnell lief wie ein Einheimischer.
Seit etwa zehn Jahren gibt es dafür
eine Straße, auf der man diesen Weg
mit dem Auto in einer halben Stunde
schafft. Das heißt, genau genommen
gab es die Straße zur Hälfte schon
seit vierzig Jahren, aber man mußte
dann für den Rest des Wegs immer
noch drei Stunden Fußmarsch berechnen. Allein dadurch war man
viel schlechter an die umliegenden
Siedlungen in tieferen Höhenlagen
angebunden. Das dortige Leben war
in den Comunidads nicht so präsent
wie heute.
Ich habe auch neben meiner eigenen
Forschung beobachten können, welche Bedeutung dieser infrastrukturelle Faktor für die Entwicklung der
Region hat. Dort ist in einer anderen
Comunidad die einzige wichtige
Straße ins Tal hinunter bereits seit einem Jahr durch einen Erdrutsch
blockiert. Für Mitarbeiter der NGOs
ist es somit zu kompliziert, da hinaufzugelangen, obwohl der Weg
bergab im Tempo der Einheimischen
in einer halben Stunde zu schaffen
ist. So kommt es nun, daß die Kinder
zwar weiterhin täglich zu Fuß runter
in die Schule und wieder herauf gehen. Aber bereits die Hausfrau macht
diese Strecke nicht mehr jeden Tag.
Die Folge davon ist, daß die Leute
dort schon merklich weniger spanisch und dafür viel mehr Quechua
sprechen. Sie sind wieder viel mehr
in ihrer eigenen Welt. Also diese
physische Anbindung hat einen ganz
großen Einfluß darauf, wie sich diese Comunidads weiterentwickeln.
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Elektronische Zeitung Schattenblick
SB: Um noch einmal auf die Rolle
der Jugend zurückzukommen, auf
diesem Kongreß wurde viel darüber
gesprochen, welche Bedeutung die
Ausbildung und der Unterricht junger Menschen für eine nachhaltige
Entwicklung hat. Würden Sie das für
Ihr Forschungsfeld ebenfalls bestätigen oder ist die Abkehr von den alten Traditionen in den Anden, die vor
allem von den jungen Leuten dort
vorangetrieben wird, schon etwas,
das sich nicht mehr beeinflussen
läßt?
Trend, daß die Jugend hier auf Dauer
keine Zukunft mehr sieht, bleibt bestehen. Viele zieht es nach Lima, weil
dort das Geld auf der Straße liegt. Relativ wenige sagen: "Ich möchte hierbleiben." Interessanterweise ist das oft
das jüngste Mitglied einer Familie,
das vielleicht vorher noch studieren,
aber dann hierher zurückkommen
möchte, um etwas für die Comunidad
zu machen.
Jugend ist immer kritisch und auch
immer wichtig für eine Region. Ich
glaube, es wird überall auf der Welt
schwierig sein, der Jugend zu zeigen,
daß es dort, wo sie leben, bereits am
schönsten und besten ist und sie diesem Ort wirklich etwas zu geben haben. In den Anden ist das allerdings
DH: Es gibt in den Anden schon sehr noch schwieriger, wenn die jungen
lange die Tendenz, daß die Jugend Leute sehen, daß man in der Stadt
nicht mehr dableiben will. Vor etwa
40 Jahren gab es bereits einen ersten
signifikanten demografischen Anstieg, weil man eine Krankenstation
eingerichtet hatte und die Sterblichkeitsrate danach enorm heruntergegangen ist. Darüber gibt es zwar keine
offiziellen Daten, aber die Leute berichten selbst, daß die Familien vorher etwa zwei Kinder im Durchschnitt
hatten, aber nun plötzlich sechs oder
sieben. Daher mußte ein großer Teil
dieser Menschen einfach gehen und
viele wollten das auch. Einige sind
später wiedergekommen, aber der
In der Stadt liegt das Geld auf der
Straße? Moms N Pops HIP HOP
Shop CD­Laden in Lima
Foto: 2011 by cadillacjr2002 via
Flickr (CC BY­SA 2.0 generic)
Seite 14
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Cusco Geld verdienen kann, ohne
daß man Schafe auf die Weiden führen oder Kartoffeln mit der Hand
ernten muß und daß man dort nicht
jeden Tag "Chunio" [11] essen muß,
also getrocknete Kartoffeln. Das alles scheint für die jungen Leute natürlich äußerst attraktiv.
Wie die Rückmigration dann später
wieder vonstatten geht, damit das
Wissen weitergegeben werden kann,
ist mir nicht klar. Nun kann ich auch
nicht sagen, wieviel Wissensvorsprung ein 17jähriger einem Zwölfjährigen gegenüber hat. Denn aus
meiner Sicht scheint es so, als wäre
das Wissen über die Medizinalpflanzen, über Anbautechniken oder über
die Tiere von Anfang an einfach da
und wird zwar im Laufe der Jahre ein
bißchen mehr, aber es gibt nicht
wirklich eine bestimmte Phase, in
der man den Jugendlichen besonders
viel beibringen sollte, zum Beispiel
über das traditionelle Wissen. Die
Jugendzeit ist hier wie überall aufder
Welt, die Phase, in der man sich öffnet und die unmittelbare Umgebung
und Umwelt um einen herum genau
kennenlernt. Natürlich ist es wichtig,
daß man für die jungen Menschen
Möglichkeiten schafft, ihre Ausbildung hier oder überhaupt irgendetwas vor Ort machen zu können, was
dann tatsächlich auch nachhaltig ist.
Drei Bauern sind zum Kartoffel­
pflanzen nötig.
Foto: 2008 by Giggel via Panoramio
(CC BY­3.0 unported)
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
SB: Wir haben bereits über den Wertewandel und den Verlust des traditionellen Wissens gesprochen.
Haben Sie bei Ihren Befragungen
auch etwas über traditionelle Methoden in der Landwirtschaft erfahren
können? Konnten Sie das ein bißchen vergleichen mit den moderneren Methoden, die heute propagiert
werden? Und wie empfinden es die
Bauern selbst, hat sich für sie irgendetwas deutlich verbessert?
gend subsidiär. Nur wenige verkaufen ihre Erzeugnisse sonntags auf
dem Markt. Aber das ist wenig relevant. Geld bekommt man woanders
her. Aber das "gute Essen" ist sehr
wichtig. Und auch wenn man die
Männer fragt, die auswärts gearbeitet haben, manche für fünfTage und
manche für drei Monate, warum sie
das nicht mehr machen oder warum
sie es nicht gerne machen, dann sagen sie in der Regel: "Weil das Essen
nicht gut ist." Also der Bezug zum
DH: Nun, vor etwa 30 Jahren kamen traditionellen Essen ist sehr groß.
die große Kartoffelfirmen in die Anden und haben dort die - ich weiß
nicht, ob genmanipulierten, aber auf
jeden Fall genetisch verbesserten
Kartoffelsorten, die resistenter klimatischen Schocks gegenüber sind,
mitgebracht. Da gab es dann auf einmal nur noch acht Kartoffelsorten
statt tausend, die nun vornehmlich
angebaut werden. Das hat auch in
vielen Bereichen tatsächlich sehr gut
funktioniert, weil diese Sorten viel
mehr Ertrag bringen. Aber abgesehen davon ist auf diese Weise seit
den 70er Jahren viel von dem traditionellen Wissen verloren gegangen.
Doch die NGO, die hier tätig ist, hat
sich zur Aufgabe gemacht, das traditionelle Wissen zu bewahren und es
intern weiterzugeben.
Natürlich sind die traditionellen Anbaumethoden sehr arbeitsaufwendig.
Um beim Beispiel Kartoffeln zu bleiben, braucht man zum Kartoffelpflanzen immer drei Leute. Einer
nimmt die Grabschaufel, das ist so
ein langer Spaten, und haut sie in den
Boden. Damit wird ein Loch gemacht. Dann kommt eine Frau, die
die Kartoffel reinlegt, die nächste
den Dung und dann wird es wieder
zugemacht. Mit Traktoren kann man
dort gar nicht arbeiten, das würde
nicht gehen, aber in jedem Fall ist es
ein sehr langwieriger Prozeß.
Ein weiteres interessantes Ergebnis
meiner Arbeit ist, daß diese Leute ihr
eigenes Essen als sehr wichtig einschätzen. Die Landwirtschaft ist ja,
wie ich im Vortrag erklärte, vorwieDo. 27. Dezember 2012
Das gute Essen ist sehr wichtig.
Foto: 2012 by IRGlover via Flickr
(CC BY­NC­2.0)
SB: Abgesehen davon, daß man sich
eine solche entschleunigte Zusammenarbeit nicht nur kommunikativ,
sondern auch sehr effektiv vorstellen
kann.
DH: Natürlich, es hängt alles zusammen. Das ist auch die Voraussetzung
für komplexe Systeme. Wenn man
etwas daran ändert, dann ändert sich
alles. Wenn ich mehr nach individuellen Vorteilen strebe, dann brauch'
ich halt die Comunidad nicht mehr
so sehr. Betrachten wir jedoch den
theoretischen Hintergrund der Resilienz, dann gehört es zu seinen Grundannahmen, daß ein System immer
dann stabil ist, wenn es sich auf viewww.schattenblick.de
len verschiedenen Faktoren gründet
und es nicht an einem einzelnen
hängt. Auf diese Weise stehen hier
Stabilität und Effizienz eigentlich in
einem Gegensatz zueinander. Das
heißt, wenn ich alles mit einer einzigen Maissorte oder Kartoffelsorte
bepflanze und es dann einmal in zehn
Jahren ein schlechtes Jahr gibt, also
vielleicht zuviel Frost beziehungsweise zu viel oder auch zu wenig Regen, oder ein andere sogenanntes
"extreme event", dann hat man
plötzlich überhaupt nichts mehr.
Wenn ich einen Hang dagegen wie
früher mit etwa 200 verschiedenen
Nutzpflanzen bepflanze, dann habe
ich in jedem Fall irgendwas zu essen.
Aber das läßt sich eben schlecht mit
der Idee des Kapitalismus, der Effizienz, des Mehrwerts, der für mich
mehr Wert bringt, vereinbaren.
Das führt dann zwangsläufig zur
Frage nach dem sogenannten "endogenous developement" [12], also wie
kann man eine sozio-ökonomische
Entwicklung bewirken, die beiden
Faktoren gerecht wird. Man kann
den Leuten heute nicht mehr sagen:
"Ihr braucht hier doch gar kein
Geld."
Zum Abschluß meiner Untersuchungen habe ich den Leuten dort eine Art
Resümee meiner Arbeit gegeben und
Seite 15
Elektronische Zeitung Schattenblick
zumindest die für sie möglicherweise relevanten Ergebnisse zusammengefaßt. Daraufhin sagten sie mir, daß
es bis vor 40 Jahren hier durchaus
möglich gewesen sei, ohne Geld zu
leben. Heute geht das nicht mehr.
Das Geld muß aber irgendwo herkommen. Und wenn es nicht aus der
landwirtschaftlichen Produktion erwirtschaftet werden kann, weil der
Boden zu karg ist, dann muß es woanders herkommen.
Das verändert die gesamte Lebensphilosophie. Wenn jemand beispielsweise als Taxifahrer oder auf dem
Inka-Trail den Touristen das Gepäck
trägt, erweitert er möglicherweise
durchaus seinen Horizont, aber er
kann dann nicht mehr an den gemeinschaftlichen Asambleas [5] teilnehmen. Wenn dann aber diese
Asambleas nur noch 60% der Mitglieder einer Comunidad repräsentieren und nicht mehr 100%, dann ist
es keine Basisdemokratie mehr. Das
heißt, diese Veränderungen sind sehr
komplex, alles ist davon betroffen.
Deshalb stelle ich in meinem Fazit
auch die Frage, wie man die Institution darin unterstützen kann, sich an
Wer auf dem Inka­Trail für Touristen
arbeitet, kann nicht mehr an den
Asambleas teilnehmen.
Foto: 2005 by Pajaro via Wikimedia
Commons (gemeinfrei)
Seite 16
die neuen Gegebenheiten anzupasFoto: © 2012 by Schattenblick
sen, um nicht in den alten Denkmustern zu verharren. Denn das würde de, aber manchmal tun sie es eben
langfristig gesehen auch nicht mehr doch, weil es so viel einfacher ist und
nachhaltig sein.
bessere Erträge bringt. Von daher
sind dort auch solche AbhängigkeiSB: Sie sprachen von genetisch ver- ten zu finden, aber man findet sie
änderten oder manipulierten Nutz- mehr bei Statussymbolen oder auch
pflanzen. Ist hier eine ähnliche bei der Bildung. Bildung ist zwar eiEntwicklung wie in Afrika zu beob- gentlich kostenlos, aber es müssen
achten, daß die Bauern, die diese Schuluniformen angeschafft werden,
gentechnisch veränderten Pflanzen und dafür braucht man dann wieder
nutzen, gewissermaßen auch Dünger Geld.
und die passenden Pestizide von dem
Saatguthersteller als Gesamtpaket SB: Was heißt das Ayllu-System für
mitkaufen müssen und dadurch in ei- die Andenbewohner selbst? Könnte
es nicht sein, daß ihre Vorstellung
ne Abhängigkeit geraten?
davon ganz anders ist, als man das
DH: Diese verbesserten Kartoffel- aus der Sicht des Wissenschaftlers
sorten wurden bereits in den 70er vielleicht nachvollziehen kann?
Jahren eingeführt. Da gab es meines
Erachtens noch keine grüne Gen- DH: Also die Bauern benutzen den
technik, wie man sie heute versteht. Begriff des Ayllus kaum. In einem
Es gibt zwar tatsächlich durchaus sehr interessanten Buch von Josef
mehr Abhängigkeiten, aber das ist et- Estermann "Andine Philosophie"
was anderes. Denn die Menschen in [13] wird versucht, dieses sehr prakden Anden sind grundsätzlich ganz tische und wenig kopflastige Wissen
gegen Düngemittel und Pestizide der andischen Bevölkerung in einen
eingestellt. In dem traditionellen für europäische Hirne verständlichen
Ayllu-System [6] muß der Wurm so- Zusammenhang zu bringen und dagar einen Teil der Kartoffel haben, durch zu erklären, was hinter der
damit das ganze im Austausch bleibt. "andinen Philosophie" eigentlich
Aber auch das ändert sich langsam. steht. Wissen in den Anden ist vor alAlso nach außen hin sagen die Bau- lem praktisch. Es ist keine Theorie.
ern zwar, wir benutzen keine Pestizi Das heißt, es gibt zwar den Ayllu und
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Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
die meisten wissen auch, daß es das
gibt, aber es interessiert sie nicht
weiter. Für die meisten Menschen
dort ist dieses Konzept total irrelevant wie eigentlich jedes Konzept für
sie irrelevant ist. Was funktioniert,
das funktioniert! Das ist ein ganz
pragmatischer Ansatz. Und auf diese Weise funktioniert es schon sehr
lange und auch sehr gut. Das Wissen
wird mündlich überliefert und ist eigentlich so weitreichend und über
lange Zeiträume gedacht, daß es
nicht nur jetzt angewendet werden
kann. Ich benutze den Begriff nur,
weil ich selber nicht so sehr über
praktisches Wissen lerne, sondern
vor allen Dingen über meinen Kopf,
so daß ich eine solche Übersetzung
bzw. ein solches Hilfsmittel brauche,
um dem Ganzen einen Namen zu geben und es gleichzeitig als eine andere Denkweise zu sehen. Das Ayllu
ist aber nicht nur ein Konzept, das eigentlich Dorf heißt. Manche übersetzen Ayllu auch einfach mit
"Sippenverband", aber das trifft es
auch noch nicht, weil es dabei letztlich um wesentlich mehr geht.
SB: Sie sprachen über die verschiedenen Fremdeinflüsse oder "new actors" [= neue Akteure] wie die
Christianisierung, die Vertreter der
NGOs, neue Kirchen, die Medien,
über die der globale Wandel bis in
die letzten Winkel der Anden getragen wird. Sehen Sie sich als Wissenschaftlerin nicht auch selbst als
Repräsentantin dieses Wandels,
wenn Sie mit Ihren Fragebögen an
die Türen der indigenen Bevölkerung klopfen und Fragen an sie richten, auf die jene nicht unbedingt von
selbst gekommen wären?
DH: Auf jeden Fall. Ich kann nicht
so tun, als würde ich durch meine
Präsenz nichts verändern. Die Menschen hier sind nicht so offen. Es
liegt nicht in ihrer Mentalität, direkt
zurückzufragen. Aber sie sehen natürlich an mir, daß es eine andere
Welt gibt, in der es offenbar wichtig
ist, Fragebögen auszufüllen und in
der man offensichtlich einfach hauDo. 27. Dezember 2012
fenweise Papier beschreibt, um es
hinterher wegzuschmeißen. Manche
haben mich dann schon mal gefragt:
"Ja was machst Du denn jetzt mit
diesen ganzen Fragebögen?" Und ich
habe gesagt: "Nun ja, ich trage das
alles zusammen und gebe dann die
Informationen an die NGO weiter,
damit die weiß, was ihr denkt." Daß
ein solcher Abstraktionsprozeß nötig
ist, konnten sie sich zunächst gar
nicht vorstellen. Aber dann meinten
einige doch: "Ja, das ist gut so, wir
trauen uns manchmal auch nicht, denen direkt zu sagen, was wir denken." Und lernen auf diese Weise,
daß es zwischen "direkt sagen" und
"nicht sagen" noch eine andere, anonymisierte Möglichkeit gibt. Das
bringt ganz neue Konzepte in ihr Leben. Ich weiß zwar nicht, wie viele
von meinen Interviewpartnern das
verstanden haben, aber irgend einen
Einfluß hat es schon auf sie, und
wenn es nur allein das Wissen ist,
daß es Menschen gibt, die daran interessiert sind, was sie machen.
Anmerkungen:
[1] Nature, Vol.403, 853-858 (Februar 2000) - "Biodiversity hotspots
for conservation priorities"
[2] Mit Resilienz (von lateinisch: resilire 'zurückspringen' 'abprallen'),
das sich im Deutschen mit Widerstandsfähigkeit oder Pufferfähigkeit
übersetzten läßt, wird die Toleranz
eines Systems gegenüber Störungen
oder Fehlern beschrieben. Systeme
sollen von innen oder außen kommende Störungen ihres Zustandes
ausgleichen oder unter Aufrechterhaltung ihrer Systemintegrität "ertragen". Mit dieser Herangehensweise
wird allerdings ein ungestörter Ausgangszustand und damit im Grunde
die Geschlossenheit eines Systems
unhinterfragt vorausgesetzt, von dem
jede weitere Dynamik abgeleitet
wird. Auf ländliche Räume oder
Ökosysteme läßt sich diese Ungestörtheit genau genommen gar nicht
übertragen, sie sind an einer Stelle
immer offen. Resilienz ist jedoch ein
SB: Herzlichen Dank für das Ge- sehr populäres Konzept, das nicht
nur in der Katastrophenforschung,
spräch.
Der Globale Wandel und seine Insti­
tutionen (NGOs) sind nicht nur Hil­
fe, sondern verändern die indigene
Bevölkerung und ihre Kultur.
Foto: 2012 by IRGlover via Flickr
(CC BY­NC­2.0)
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sondern auch in vielen anderen Arbeitsbereichen angewendet wird. So
wird der Begriff bei allen denkbaren
Gefährdungen herangezogen, die in
den Bereichen Technik, Ökonomie
sowie Soziales vorkommen und so
Seite 17
Elektronische Zeitung Schattenblick
verwendet, als ließe sich damit ein
analytisches Instrumentarium für
Themen schaffen, die Unsicherheit
in Bezug auf Zukunftserwartungen
signalisieren:
- Strategien zur Eingrenzung und
Bewältigung des Klimawandels
- die Anfälligkeit sogenannter kritischer Infrastruktursysteme gegenüber Havarien, Naturereignisse oder
gewaltsamer Anschläge (Küstenschutz)
- Nebenwirkungen von menschlichen Eingriffen in komplexe Systeme (von Finanzmärkten über
ökologische Systeme bis hin zu Kulturlandschaften)
Darüber hinaus soll Resilienz nicht
nur die Kapazität einer Absorbierung
von Störungen beschreiben, sondern
vor allem die Fähigkeit zur Erhaltung der Identität des Systems. Ein
Beispiel für Resilienz in den Anden
ist für Dorothea Hamilton die große
Agrobiodiversität. Da die Ökosysteme eng miteinander verzahnt sind,
gibt es beispielsweise als Vorbeugung gegen mögliche Störungen z.B.
durch klimatische oder Wettereinflüsse auf allen Höhenlagen verteilt
etwa 1.300 verschiedene Kartoffelsorten. Das garantiert einen Erntevorrat für schlechtere Zeiten und
wird von den Einheimischen als "gutes Leben" bzw. "gutes Essen" verstanden.
[3] Am 30. August 2012 hielt Dorothea Hamilton (Philipps Universität
Marburg) ein Referat mit dem Titel
"The role of vertical exchange for socio-ecological resilience in the Andes, the example of climate change"
auf dem Weltkongreß der Geographie IGC 2012 in Köln.
[4] Quechua sprechende indigene
Dorfgemeinschaften im Andenraum
Südamerikas. Quechua (auch Ketschua), ist eine Gruppe eng miteinander verwandter indigener
Sprachvarietäten, die nur hier geSeite 18
sprochen werden (abgesehen von und wird teilweise sogar gefördert.
Ecuador, wo Quichua (bzw. Kichwa)
[7] Cristianos - deutsch: Christen,
gesprochen wird).
hier vor allem neue, evangelikale
[5] Asamblea (= Versammlung): In Glaubensgemeinschaften.
den peruanischen Anden-Comunidads sind es regelmäßig stattfinden- [8] Cumoneros - hier: Mitglieder eide Treffen aller Mitglieder einer ner Comunidad, der andinen DorfgeGemeinschaft (Comuneros), in de- meinschaft.
nen "basisdemokratisch" über Belange der Gemeinschaft aber auch [9] Hazienda - deutsche Schreibweipersönliche Probleme gesprochen se für spanisch hacienda, ein Landund abgestimmt wird (eine aus der gut in Lateinamerika. Mit der
Bevölkerung hervorgegangene In- Encomienda unterwarf 1503 die spaitiative oder "grass-roots organizati- nische Krone, die das eroberte Land
on"). Diese Einrichtung habe laut als ihr Eigentum betrachtete, die AnDorothea Hamilton eine hohe Rele- gehörigen der Indiovölker der Trivanz für die kulturelle Identität der butpflicht.
Gemeinschaft.
[10] Aini, Ayni oder Ayniy (aus dem
[6] Ayllu-System - Ayllu bedeutet in Quechua) ist eine im Kulturraum der
Quechua sowohl Großfamilie (Sip- Anden und im angrenzenden östlipe) als auch Verwandtschaftsge- chen Tiefland verbreitete, aus präkomeinschaft, im erweiterten Sinne lumbischer Zeit tradierte Form der
jedoch auch die genossenschaftlich Arbeit in gegenseitiger Hilfe. Mitorganisierte Dorfgemeinde oder -ge- glieder der Dorfgemeinschaft (Aylmeinschaft und ist somit die unterste lu) helfen einer Familie bei privaten
politische Einheit in der traditionel- Vorhaben, z.B. dem Hausbau oder
len Gesellschaft der Anden. Der Ayl- Feldarbeiten. Dabei kann jede Familu zeichnet sich durch lie einmal in den Genuß dieser Hilfe
gemeinschaftlichen Besitz an Grund kommen, und Mitglieder jeder Faund Boden aus. Die Felder bzw. Wei- milie helfen anderen Familien. Wähdeflächen werden entweder gemein- rend der Arbeit werden die
sam bewirtschaftet oder jedes Jahr Helfenden mit Essen und Trinken
als "Leihgabe" zur individuellen Be- versorgt. Noch heute ist das Ayni bei
wirtschaftung neu verteilt. Traditio- den Quechua und Aymara in Bolivinell beten die Mitglieder eines Ayllu en, Peru und Ecuador verbreitet.
neben den allgemeinen Gottheiten
der Anden ihre eigene lokale Gott- [11] Um eine längere Haltbarkeit der
Kartoffeln und damit Vorräte für
heit (wak'a) an.
Jahre schlechter Ernten zu erzielen,
Nach der Conquista wurde durch die entzogen die Inkas der Kartoffel
Einführung der Encomienda und durch Ausnutzung von Nachtfrösten
später der Hazienda [9], welche de und Tauphasen die Feuchtigkeit. Sie
facto eine Form der Leibeigenschaft schufen so ein Produkt, das sie Chuwar, die Organisation der Ayllus zer- nio nannten und das jahrelang haltschlagen. Nach der Bodenreform bar war. Vermutlich ist "chunio" das
1969 durch den Präsidenten Juan Ve- erste Kartoffelverarbeitungsprodukt
lasco Alvarado sollten die Ayllus un- überhaupt.
ter dem Namen Comunidad
Campesina wiederbelebt werden und [12] "Endogenous developement" bekamen wieder Autonomie. In dem auf deutsch: endogenes Entwickabgelegenen Forschungsgebiet von lungspotential bezeichnet die EntDorothea Hamilton hat sich die Or- wicklungsmöglichkeiten innerhalb
ganisation des Ayllu bei den Que- einer Region im Gegensatz zu den
chua-Gemeinden bis heute gehalten von außen herangeführten Entwickwww.schattenblick.de
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
lungsressourcen. Die Region wird
somit als Entscheidungs- und Handlungseinheit gegenüber einer mehr
zentral orientierten Raumordnungspolitik aufgewertet. Der Begriff
wurde maßgeblich von Stefan Rist
mitgeprägt, der eigentlich auch als
Referent in diesem Panel des IGC
2012 sprechen sollte.
Siehe hierzu auch die Arbeit von Sarah-Lan Mathez-Stiefel, Sébastien
Boillat und Stefan Rist, "Promoting
the diversity of worldviews: An ontological approach to bio-cultural diversity":
http://www.bioculturaldiversity.net/Downloads/Papers%20participants/Mathez_et_al.pdf
[13] Josef Estermann: Die Menschen, die sich in diesem geographischen, sozialen und kulturellen
Raum verwurzelt fühlen, entwickeln
einen enormen philosophischen
Reichtum, dem Dr. Josef Estermann,
Direktor des missionswissenschaftlichen Instituts Missio e.V. in Aachen
seine Publikation: "Andine Philosophie. Eine interkulturelle Studie zur
autochthonen andinen Weisheit"
nachgeht. Er verfaßte diese Publikation nach acht Jahren intensiven Zusammenlebens mit den andinen
Runa. Estermann versucht darin auf
Begriffe wie andine Rationalität, andine Logik, andine Kosmologie, andine Anthropologie, andine Ethik
sowie andine Theologie einzugehen.
Weitere Berichte und Interviews zum
Weltkongreß der Geographie 2012 in
Köln finden Sie, jeweils versehen
mit dem kategorischen Titel "Down
to Earth", unter
INFOPOOL / UMWELT / REPORT
/ BERICHT und INFOPOOL /UMWELT / REPORT / INTERVIEW.
UMWELT / REPORT
INTERVIEW/046:
http://www.schattenblick.de/
infopool/umwelt/report/
umri0046.html
Do. 27. Dezember 2012
SCHACH UND SPIELE / SCHACH / SCHACH-SPHINX
Trotzig wie ein Fels
Trotzig wie ein Fels erhebt sich der
Grundsatz in die Höhe: Vermeide
Vereinfachungen, wenn der Gegner
bedrückt steht! Denn man hörte oft,
daß so mancher potentieller Verlierer
noch die Siegerstraße betrat, weil der
Abtausch von Material zu seinen
Gunsten ausfiel. Umso mehr klammert man sich an Bruder Fels. Indes,
in gelegentlichen Augenblicken, die
wir Besonnenheit nennen, erkennt
man zu Recht, daß Beharren die entschieden falscheste Politik ist. Da
gewinnt, wer die Reihen lichtet, umso mehr, wenn weitere Komplikationen nur der Gegenseite nützen.
Nehmen wir als goldenes Beispiel
das heutige Rätsel der Sphinx. Auch
ein weniger erfahrener Spieler wird
erkennen, daß der Nachziehende am
Abgrund entlang hangelt und nur
nicht fällt, weil der entscheidende
Stoß noch nicht erfolgt ist. Wie jedoch in Dreiteufelsnamen kann Weiß
kombinatorisch siegen? Betrachten
wir die Details. Spielt er unverschämt scharf 1.Dg5-h6 De8-f7
2.Se7xg6+? Df7xg6+!, so wirft er
die Partie aus dem Fenster. Spielt er
dagegen besonnener 2.Kg1-h1, so
übernimmt der Nachziehende mit
2...Tf8-e8! 3.Tf1-g1 Te8xe7! abermals das Kommando. Ganz offensichtlich stehen einfach zuviele
schwarze Verteidigungsfiguren auf
dem Feld. Mehr noch: Von allen Offizieren befreit, hätte der Führer der
weißen Bauernmacht keine Probleme, den Sieg auf seine Fahne zu
schreiben. Es gilt nur noch, Wanderer, den siegreichen Vereinfachungsweg zu finden!
Janosevic - Kavalek
Harrachow 1966
Auflösung letztes Sphinx­Rätsel:
Symslow, der Lawinen so gerne ins
Rollen brachte, spielte raffiniert
1...Lb7xa8! Die Dame, die er opferte, war nämlich der besagte fehlende
Stein in diesem Erdrutsch hin zum
Sieg: 2.Tb1xb2 Sf3xg5+ 3.Kh1-h2
Lg7xb2 4.Da4xa7 La8-e4 5.a3-a4
Kg8-g7 6.Tf1-d1 Lb2-e5 7.Da7-e7 sonst gewinnt Schwarz mit dem
Aufrollmänover g6-g5, Tf8-h8, h7h5 - 7...Sg5- f3+ 8.Kh2-h3 Tf8-c8!
9.a4-a5 Tc8-c2 10.Kh3-g2 Sf3-d4+
11.Kg2-f1 Le4-f3 12.Td1-b1 Sd4-c6
und gegen die Drohung 13...Le5-d4
war kein Kraut gewachsen.
SCHACH UND SPIELE / SCHACH / SCHACH­SPHINX/04605:
http://www.schattenblick.de/infopool/schach/schach/sph04605.html
Liste der neuesten und tagesaktuellen Nachrichten ...
Kommentare ... Interviews ... Reportagen ... Textbeiträge ...
Dokumente ... Tips und Veranstaltungen ... vom 27. Dezember 2012
http://www.schattenblick.de/infopool/infopool.html
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Seite 19
Elektronische Zeitung Schattenblick
SPORT / BOXEN / MELDUNG
Drittes Kräftemessen zwischen
Marco Huck und Ola Afolabi
WBO­Weltmeister trifft erneut auf
den britischen Rivalen
Am 2. März kommt es in Oberhausen
zum dritten Kampf der Cruisergewichtler Marco Huck und Ola Afolabi. Die beiden vorangegangenen
Duelle verliefen ausgeglichen und
gingen jeweils sehr knapp aus. Huck
behielt in beiden Fällen den WBO-Titel, wobei er zuletzt im Mai 2012 von
Glück reden konnte, dank eines
schmeichelhaften Unentschiedens
nicht vom Pflichtherausforderer als
Champion abgelöst zu werden.
Wie der Trainer des Briten, Abel
Sanchez, bestätigte, habe er mit Tom
Loeffler von K2 Promotions gesprochen, dessen Angaben zufolge der
Vertrag so gut wie besiegelt sei. Die
beiden bislang ausgetragenen Kämpfe seien auf gleicher Augenhöhe verlaufen und unterhaltsam gewesen.
Daher mache es Sinn, ein drittes Duell über die Bühne zu bringen. Er
hoffe sehr, daß Afolabi im dritten
Streich die Oberhand behalten werde, so Sanchez, der auch den in Stuttgart lebenden Mittelgewichtsweltmeister Gennadi Golowkin trainiert.
wieder Tritt fassen, um sich am Ende gegen Eddie Chambers und Steve
durchzusetzen.
Cunningham nicht die allerbeste Figur gemacht. Nach Einschätzung
Mit einer Bilanz von 37 Siegen und Kalle Sauerlands lag Cunningham
19 Niederlagen ist der 37jährige im Grunde sogar einige Runden
Londoner Michael Sprott ein erfah- vorn. Adamek habe seines Erachtens
rener Boxer, den Sauerland schon keine Chance gegen Kubrat Pulev.
des öfteren als Aufbaugegner ver- Nun ist es an der IBF, eine Frist vorpflichtet hat. So stand der Brite mit zugeben, innerhalb derer sich die
Timo Hoffmann, Cengiz Koc, Rene beiden Parteien aufeinen Termin und
Dettweiler, Kubrat Pulev und Ed- Austragungsort einigen. Sollten diemund Gerber im Ring, wobei er nur se Verhandlungen scheitern, käme es
gegen Hoffmann und Gerber die zu einer Versteigerung der AustraOberhand behielt. Dank seines Sie- gungsrechte an dem Kampf.
ges über den zuvor ungeschlagenen
Gerber erhält er nun Gelegenheit,
sich mit Robert Helenius zu messen.
Floyd Mayweather Anfang Mai
gegen Robert Guerrero?
Ausscheidungskampf zwischen
Adamek und Pulev
Tomasz Adamek hat seit seiner Niederlage gegen Vitali Klitschko im
September 2011 vier Kämpfe gewonnen und arbeitet sich damit
Schritt für Schritt an eine Herausforderung Wladimir Klitschkos heran.
Der in New Jersey lebende Pole hat
48 Kämpfe für sich entschieden und
nur zwei verloren. Nach seinem
jüngsten Sieg gegen Steve Cunningham ist der frühere Weltmeister im
Halbschwer- und Cruisergewicht auf
den zweiten Platz der IBF-Rangliste
Robert Helenius bekommt es mit vorgerückt. Vor ihm steht der in 17
Michael Sprott zu tun
Kämpfen ungeschlagene Bulgare
Kubrat Pulev, gegen den Adamek im
Im Vorprogramm des dritten Kampfes kommenden Jahr einen Ausscheizwischen Marco Huck und Ola Afo- dungskampf bestreiten wird.
labi trifft der finnische Schwergewichtler Robert Helenius am 2. März Da Pulev bei seinem Sieg über den
in Oberhausen auf Michael Sprott. riesigen und zuvor ungeschlagenen
Der in 18 Kämpfen ungeschlagene Weißrussen Alexander Ustinow eine
Skandinavier, der beim Berliner Pro- glänzende Vorstellung geboten hat,
moter Sauerland Event unter Vertrag ist man im Hause Sauerland zuversteht, hat seit der Genesung von sei- sichtlich, daß der Bulgare auch Toner schweren Schulterverletzung erst masz Adamek in die Schranken
einen Kampf absolviert. Bei seinem weisen wird. Wenngleich der Pole zu
Comeback gegen den robusten US- den weltbesten Schwergewichtlern
Amerikaner Sherman Williams muß- unterhalb der Klitschkos gehört, hat
te der ehemalige Europameister erst er in seinen beiden letzten Auftritten
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Medienberichten zufolge ist ein Kampf
zwischen Floyd Mayweather jun. und
Robert Guerrero am 4. Mai in Las Vegas
geplant. Da der Pflichtherausforderer
Guerrero mexikanischer Abstammung
ist und das Duell einen Tag vor dem Feiertag Cinco de Mayo ausgetragen werden soll, wäre ein kommerzieller Erfolg
im Bezahlfernsehen garantiert. In sportlicher Hinsicht handelte es sich um einen
der hochkarätigsten Kämpfe, mit dem
der professionelle Boxsport derzeit aufzuwarten hat.
Während Floyd Mayweather in 43
Auftritten ungeschlagen ist, stehen für
seinen mutmaßlichen Gegner 31 Siege, eine Niederlage und ein Unentschieden zu Buche. Der 36jährige
Mayweather ist WBC-Weltmeister im
Weltergewicht, hat bei seinem letzten
Kampf jedoch Miguel Cotto im Halbmittelgewicht bezwungen. Robert
Guerrero ist sechs Jahre jünger, seit
seinem Sieg gegen Selcuk Aydin Interimsweltmeister des WBC und hat
diesen Titel erfolgreich gegen Andre
Berto verteidigt. Dabei überzeugte er
mit einer enormen Schlagfrequenz,
die in der Auseinandersetzung mit
Mayweathers meisterhaftem Konterboxen eine hochklassige Vorstellung
verspricht.
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
SPORT / MEINUNGEN / KOMMENTAR
Die Leistungssportgeweihten grüßen den Kommerz
Mit Schreckensmeldungen wie der,
daß ihm zum siebten Mal innerhalb
von zehn Monaten die Kniescheibe
herausgesprungen sei, wartet Stefan
Kretzschmar heute nicht mehr auf.
Vergessen auch, was der ehemalige
Handballprofi, der 2004 sein Nationaltrikot an den Nagel gehängt hatte, kurz vor der WM 2007 im eigenen
Land erzählte: "Ich spüre auch, dass
ich die Belastungen nicht mehr ewig
wegstecken kann. Das rechte Knie
tut schon seit Jahren weh, da ist
kaum noch Knorpel drin, und ich
muss vor jedem Spiel eine Voltaren
einschmeißen, um die Schmerzen
auszuhalten. Der Stress wird von
Jahr zu Jahr größer." [1]
Inzwischen verdingt sich Stefan
Kretzschmar als Fernsehkommentator und Werbefigur. Ehrenamtlich ist
er als Sportdirektor des Zweitligisten
SC DHfK Leipzig tätig. Als er noch
selbst als Spieler die Knochen hinhalten mußte und unter der Terminhatz im Profihandball litt, da ließ
sich der "Handball-Punk" gern als
rotzfrecher Kritiker der Branche vernehmen: "Am Ende regiert das Geld.
Meine Knie sind hin, meine Arme
auch. Aber die Manager sind nur daran interessiert, wie sie noch mehr
Kohle rankriegen." [2]
Das war einmal. Heute gefällt sich
der Medienstar als scharfer Kritiker
von Nationalspielern, die zwar im
Verein ihre nicht selten angeschlagenen Knochen hinhalten wollen, nicht
aber unter allen Umständen mehr in
der Nationalmannschaft. Die Meldung, daß die Flensburger Rückraumspieler Holger Glandorf und
Lars Kaufmann ihre Teilnahme an
der WM in Spanien (11. bis 27. Januar 2013) wegen Verletzungsproblemen absagten, habe für ihn das
Faß zum Überlaufen gebracht, erklärte der ehemalige WeltklasseLinksaußen empört. "Tendenzen in
Do. 27. Dezember 2012
diese Richtung gibt es schon länger.
Ich weiß nicht, ob jeder sich darüber
im Klaren ist, was für die Nationalmannschaft und den Handball auf
dem Spiel steht", sagte Kretzschmar
dem Sportinformations-Dienst [3]
und twitterte: "Nationalmannschaft
absagen aus gesundheitlichen Gründen, aber jedes Wochenende im Verein 100 Prozent geben. Bedenklich
und charakterlos!" Zu seiner Zeit,
warf Kretzschmar sich in die Brust,
"konntest du uns aufs Spielfeld tragen, und wir haben gespielt, wenn es
für Deutschland ging".
Was allerdings nur die halbe Wahrheit
darstellt, denn natürlich hatte auch Stefan Kretzschmar in seiner Karriere Verletzungen erlitten, bei denen er der
Schmerzen oder möglicher Folgeschäden wegen lieber darauf verzichtete,
sich aufs Spielfeld tragen zu lassen. So
fehlte er etwa im WM-Finale 2003 aufgrund eines Fingerbruchs. Auch darfbezweifelt werden, daß der gebürtige
Leipziger "für Deutschland" die Zähne
zusammengebissen hat. Da auch im
ökonomisierten Sport die sozialen Bezie- hungen Warencharakter angenommen haben, dürfte vielmehr die
Steigerung von Marktwert, Sozialprestige und Medienaufmerksamkeit im
Kalkül gestanden haben. Daß sich unter
den Bedingungen eiskalten Erfolgsdrucks und knüppelharter Leistungsanforderungen auch wärmespendende
Kameradschaftsgefühle im DHB-Team
entwickeln, zumal wenn der Kader steht
und die Stammspieler nicht noch durch
weitere interne Konkurrenzkämpfe belastet sind, sollte nicht verwundern. Als
humaner Faktor des Sports sollte die
Kompensation der Not allerdings nicht
gerade verklärt werden.
Über die steigenden Belastungen und
die damit verbundene Verletzungshäufigkeit wird seit vielen Jahren im
Profihandball geklagt, wo sich im
wesentlichen zwei Sportverwerwww.schattenblick.de
tungssysteme einen Kampf um die
Fleischtöpfe liefern. Die Verbände,
die über die internationalen Turniere
ihre Gelder generieren, veranstalten
jedes Jahr eine EM oder WM. Alle
vier Jahre kommt noch ein Olympiaturnier hinzu. Dazu jede Menge Testund Qualifikationsspiele. Die Profivereine, die auch die Löhne zahlen,
schöpfen indessen ihre Gelder aus
Wettbewerben wie der Bundesliga,
DHB-Pokal und Europacup. Nebenbei finden noch nationale und internationale Test- und Renommierspiele statt. Aufdiese Weise kommen
Spitzenkräfte leicht auf 100 Spiele
pro Saison, ohne daß ihnen Regenerationszeiten verblieben. Obwohl der
Terminkalender aus allen Nähten
platzt, offerierte kürzlich das Europäische Olympische Komitee
(EOC), ab 2015 noch "European Games" mit allem Drum und Dran veranstalten zu wollen. Auch den
Olympiers geht es auf dem Wachstumssektor Sport vor allem um das
Geschäft.
Am Ende der Verwertungskette steht
der Leistungssportler, der die marktförmige Körperausbeutung soweit
verinnerlicht hat, daß er Selbst- und
Fremdbestimmung nicht mehr unterscheiden kann, dafür aber die Moralvorhaltungen des Sports aus dem
Effeffbeherrscht und jenen Charakterlosigkeit vorwirft, die sich nicht vollständig mit dem Produkt - hier "der
Handball", den es voranzubringen gelte - identifiziert haben, selbst wenn
dies aufKosten der Gesundheit geht.
Wer wie Holger Glandorf, der sich
im Frühjahr bei einem Lehrgang der
DHB-Auswahl eine schwere bakterielle Infektion an der Achillessehne
mit der Gefahr einer Amputation zugezogen hatte, woraufhin er dreimal
operiert werden mußte, und der zudem unter ärztlich diagnostiziertem
Bluthochdruck und Kreislaufproblemen leidet, seine körperlichen Reserven nicht vollständig ausschöpft,
Seite 21
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sondern vorerst nur im Verein spielen will, der bekommt nicht nur von
ehemaligen Nationalspielern die
Moralkeule aufs Haupt, sondern
auch vom Bundestrainer. Martin
Heuberger, der unlängst selbst erklärte, daß er sich im Handball die
rechte Hüfte kaputtgemacht habe,
ließ die Öffentlichkeit wissen - wohl
auch als Drohgebärde für andere Abweichler -, daß "er das nötige Feuer
von Holger Glandorf für die Nationalmannschaft vermisse". [4]
Um nicht als "verantwortungsloser
Spieler" in den Augen der Sportfunktionäre und Handballfans dazustehen, war Holger Glandorf
gezwungen, zahlreiche Interviews in
Presse und Funk zu geben. Dort
schwor der 29jährige Weltmeister
Stein und Bein, daß ihn nicht Unlust,
mangelnder Einsatzwille oder Druck
von seiten des Vereins dazu bewogen
habe, der DHB-Auswahl abzusagen,
sondern allein gesundheitliche Gründe. Es habe ihn immer mit Stolz erfüllt, für die Nationalmannschaft zu
spielen. Sobald er genesen sei, stünde er wieder voll zur Verfügung.
Ein Handballsport indes, der mit verkappten, subtilen oder offenen Moralvorhaltungen bis hin zu Nichtberücksichtigungen als Strafe für
fehlende Opferbereitschaft (siehe die
Handschrift von Ex-Bundestrainer
Heiner Brand) arbeiten muß, um seine Bestenauswahl aufzustellen und
soziale Kohäsion zu erzeugen, mag
geeignet sein, aus seinen Elitesportlern das Maximum an Körpereinsatz
herauszupressen. Aber nur so lange,
wie man genug hochgezüchtetes
Menschenmaterial hat, um dieses
"Feuer" am Brennen zu halten. Da
hat der Bundestrainer momentan
schlechte Karten, denn immer mehr
Profispielern geht auf, daß das Motivieren und Antreiben von Spielern
genauso zum Geschäft gehört wie
das Verheizen. Bei allem Idealismus
und bei aller Leidenschaft für den
Sport sind insbesondere Akteure, die
bereits von schwereren Verletzungen
heimgesucht wurden, nicht mehr
Seite 22
länger bereit, für jede soziale Emphase ihren Körper zu malträtieren.
Ihnen reicht das keineswegs knochenschonendere Happening im Verein, um sich im Reigen des gut
bezahlten Erfolgs zu verlustieren.
Neben Christian Zeitz zog sich auch
Torwart Johannes Bitter (zuletzt
Kreuzbandriß) aus gesundheitlichen
Gründen aus der Nationalmannschaft zurück. Im Januar hängte Kapitän Pascal Hens (diverse Knie-,
Rücken-, Fußverletzungen) seine
DHB-Karriere an den Nagel, um sich
fortan nur noch auf seinen Verein
HSV Hamburg zu konzentrieren.
Weitere Topspieler wie Uwe Gensheimer (Achillessehnenriß), Michael Müller (zuletzt Meniskusschaden)
oder Michael Kraus (zuletzt Nasenbeinbruch, Bänderriß, Muskelriß)
oder der bereits erwähnte Lars Kaufmann (Knie) stehen aus Gründen, die
mit Verletzungen zusammenhängen,
ebenfalls nicht zur Verfügung.
Nicht, daß die Profiklubs pfleglicher
mit ihren Leistungsträger umgehen
würden als der Verband, denn auch
dort herrscht aufgrund der Verletzungsträchtigkeit des "High-SpeedHandballs" ständig Not am Mann.
Wenn Stefan Kretzschmar beklagt,
daß die Vereine Einfluß auf die angeschlagenen Spieler ausübten und
ihnen nahelegten, nicht zu spielen,
sondern sich auszukurieren, dann
mag das auf den ersten Blick so aussehen, als seien die Manager und
Vereinsärzte in besonderem Maße
um das Wohl der Spieler besorgt.
Doch weit gefehlt. Der gesunde,
sprich wettkampffähige Spieler stellt
nicht mehr als eine betriebswirtschaftliche Rechengröße dar, dessen
Körperkapital auf jeden Fall vernutzt
werden soll. Modernes Gesundheitsmanagement sowie verbesserte wissenschaftliche Trainingsmethoden
versuchen lediglich, das KostenNutzen-Verhältnis zu optimieren.
Dosierung und Prävention dienen im
Hochleistungssport nur dem Zweck,
die Arbeitskraft des Profispielers so
lange und kostenschonend wie möglich zu verwerten.
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Das wissen auch die Profis. Die seit
Anfang der 1990er Jahre stetig vorangetriebene Kommerzialisierung
und Professionalisierung des Handballsports in Deutschland hat auch
bei Profispielern zu marktgängigen
"Lerneffekten" geführt. Der soziale
und wirtschaftliche Mehrwert, für
die Nationalmannschaft zu spielen,
wird schlicht mit dem Gesundheitsrisiko verrechnet, das der von seinem
Broterwerb abhängige Spieler einzugehen bereit ist. Aufdiese Weise fügt
sich der sportliche "homo oeconomicus" ein in die Rationalität gewinnbringender Ressourcenabwägung,
bis das individuelle Bereicherungsglück erlischt und der euphemistisch
als "Verjüngungsprozeß" oder "Umbruch" beschriebene Austausch verbrauchter durch frische Kräfte seinen
scheinbar natürlichen Lauf nimmt.
Bei Kretzschmar waren es die Knorpel, bei anderen sind es die Bänder
oder Gelenke. Es sollte den Spielern
überlassen bleiben, ohne moralischen
Druck darüber zu befinden, inwieweit
sie sich den unbestreitbaren Härten
des Gewerbes überantworten wollen.
Wenn dabei heraus- kommt, daß das
"Aushängeschild Nationalmannschaft" an Strahlkraft verliert und somit auch das Gesamtprodukt
Handball, dann mag das für die Handballwirtschaft von Schaden sein, nicht
aber für die Physis der Spieler.
Fußnoten:
[1] Interview mit Pascal Hens und Stefan Kretzschmar. 24.01.2007. http://mobil.stern.de/sport/sportwelt/handball-pu
nks-kretzschmar-und-hens-die-lust-aufparty-ist-da-580955.html
[2] http://www.rp-online.de/sport/handball-starkes-geschlecht-will-frauen-raechen-1.1540375. 31.05.2001.
[3] http://www.handelsblatt.com/handball-nationalmannschaft-kretzschmarkritisiert-nationalmannschafts-absagen/7517692.html. 13.12.2012.
[4] Bundestrainer Heuberger muss bei
der WM auf die Flensburger Glandorf
und Kaufmann verzichten. 13.12.2012.
http://www.dhb.de/index.php?id=107&tx_ttnews[tt_news]=3513&cHash=54e35604b4b5cdd
2d164f8d1c2116990.
Do, 27. Dezember 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
REDAKTION / IN EIGENER SACHE / RUNDBRIEF
Liebe Leserin und lieber Leser!
In diesem Jahr an seinem Ende
möchten wir die gelackten Worte und
Gutwunschprothesen, welche zeit­
und kulturgerecht die allgemeine
Kommunikation kontaminieren,
nicht noch durch unser Bemühen er
gänzen, ihnen etwas Konstruktiv­
Kritisches abzugewinnen. Wir, eben­
so wie Sie, brauchen all unsere Kräf­
te, Kreativität und Phantasie, dem
Kommenden im Jahre 2013 mög­
lichst erfolgreich zu begegnen.
Darum belassen wir es gerne dabei,
Ihnen aufrichtig erholsame, kraftfül­
lende und ergiebige Festtage zu
wünschen.
Weihnachtsdämmerung
Die rote Farbe ist nicht schlecht
für das, was unser Streben ist,
drum kommt sie uns auch jetzt grad recht,
ihn auszukehr'n, den ganzen Mist.
Um das Weihnachtsfestversprechen
zu entlarven als infam
und Vernebelungsverbrechen,
Schleierlügen ohne Scham.
Krippe, Stroh und Stallromantik
halten ihre Botschaft vor:
"Seid bescheiden und nicht grantig,
leiht den Engeln euer Ohr,
Dieses steht für arm und weich
und daß ihr ganz uns gehört,
daß wir Herrscher sind und reich
und ihr nicht den Frieden stört."
die euch singen und euch flüstern
hoch vom höchsten Herrscherthron
und den Rest der Liebe lüstern
stehlen für den Gotteslohn.
So singt es der Engel von oben,
derweil uns die Luft ausgeht,
Konflikte und Schadfolgen toben,
die Welt um Linderung fleht.
Lautet der doch: unten bleiben,
damit wir da oben sind,
unser Sklavenheer zu treiben,
euer ist das Christuskind.
Auf dieses Kind ist zu verzichten
im Angesichte uns'rer Not,
denn viele werden sich aufrichten
und ihre Farbe, die ist rot.
Ihre Schattenblick­Redaktion
Do. 27. Dezember 2012
www.schattenblick.de
Seite 23
Elektronische Zeitung Schattenblick
______I n h a l t________________________________Ausgabe 594 / Donnerstag, den 27. Dezember 2012______
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Und morgen, den 27. Dezember 2012
+++ Vorhersage für den 27.12.2012 bis zum 28.12.2012 +++
Leichte Winde, manchmal frisch,
und im ganzen Land kein Eis,
ganz besonders freut 's den Fisch
und auch Jean, den Frosch, wer weiß?
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