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Die GEW diskutiert Was ist pädagogische Arbeit wert?

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Was ist pädagogische Arbeit wert?
Die GEW diskutiert
Tarifierung
der Lehrereingruppierung
Gewerkschaft
Erziehung
und Wissenschaft
Impressum
Herausgeber
GEW-Hauptvorstand
Reifenberger Straße 21
60489 Frankfurt/Main
Tel.
069/78973-0
Fax
069/78973 – 102
E-Mail: info@gew.de
www.gew.de
Verantwortlich
Ilse Schaad, Vorstandsbereich Angestellten- und Beamtenpolitik
Ulf Rödde, ViSdP
Redaktion
Ilse Schaad, Peter Jonas, Stefanie Eßwein
Gestaltung
Fleck · Zimmermann | Visuelle Kommunikation, Berlin
Druck
MEDIALIS, Berlin
GEW-Shop-Nr. 1202
www.gew-shop.de
März 2007
2
Inhalt
Was ist pädagogische Arbeit wert?
Tarifierung der Lehrereingruppierung
Vorwort .................................................................................................................................................................4
Was ist pädagogische Arbeit wert? · Ilse Schaad .....................................................................................................5
Grundsätze zur Eingruppierung von Lehrkräften ..................................................................................................8
Forderungen zur Eingruppierung von Lehrkräften · Ilse Schaad · Peter Jonas .......................................................9
Angestellte Lehrkräfte – Vergütung statt Besoldung · Andreas Hamm ................................................................17
Bachelor- und Masterabschlüsse in der Lehrer/innenbildung · Matthias Jähne ................................................... 20
Lehrer/innenbildung im Überblick ......................................................................................................................23
Unsichtbare Lehrerleistung – Vor- und Nachbereitung · Prof. Dr. Hans-Geotg Schönwälder .............................25
Vom Tauschwert pädagogischer Arbeit · Reiner Schölles .....................................................................................27
Entgelttabellen TVL ............................................................................................................................................29
Tabellenentgelt für Lehrkräfte ............................................................................................................................. 30
Übersicht zum Tarifergebnis TV-Länder .............................................................................................................31
Antrag auf Mitgliedschaft ....................................................................................................................................33
Unsere Anschriften ..............................................................................................................................................35
3
Vorwort
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
vor einigen Monaten hat die GEW in ihrer Reihe: „Die
GEW diskutiert“ ihre Vorschläge für die neue Entgeltordnung im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes vorgelegt. Die zweite Broschüre stellt nun die Vorschläge für eine Entgeltordnung für Lehrtätigkeiten zur
Diskussion. Seit ca. 50 Jahren haben die Arbeitgeber
die Vergütung der angestellten Lehrkräfte einseitig diktiert. Im Rahmen des Tarifvertrags öffentlicher Dienst
für die Länder konnte die GEW erstmals durchsetzen,
dass künftig auch für Lehrkräfte die Entgeltordnung
tarifvertraglich vereinbart wird. Unbestrittenes Ziel
der tariflichen Neuordnung sollte der Erhalt der „Wertebenen“ für alle Tätigkeitsbereiche sein.
Die Frage der Wertigkeit verschiedener Tätigkeiten und
die hierfür verlangte Ausbildung sind untrennbar miteinander verbunden. Das war in der 60er und 70er Jahren nicht anders. Der Unterschied zwischen damals und
heute: Damals waren Lehrerinnen und Lehrer fast ausschließlich verbeamtet und die vom Gesetzgeber einseitig festgelegte Besoldungsordnung wurde mittels
Arbeitgeberrichtlinien auf die – wenigen – Angestellten
übertragen.
Mit dem steigenden gesellschaftlichen Stellenwert der
Bildung ging eine schrittweise Aufwertung der Lehrerausbildung einher. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg
ging ein Volksschullehrer mit Mittlerer Reife und einer
der heutigen Fachschulausbildung vergleichbaren Ausbildung an eine Grund- und/oder Hauptschule. Lediglich Gymnasiallehrkräfte mussten auch damals schon
eine Universität besuchen. Die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus schlugen sich dann auch in einer entsprechenden Einordnung in den gehobenen bzw. den
höheren Dienst nieder.
Anfang der 70er Jahre kam in allen Bundesländern Bewegung in die Lehrerbildung – und in das Besoldungsgefüge. Die Reform der Lehrerbildung war eng verknüpft mit
der gesellschaftlichen Debatte um Chancengleichheit
und damit mit der Frage der Schulstruktur.
Sowohl die „kleinen“ Grundschüler/innen als auch die
Arbeiterkinder, die überwiegend in den Volksschulen
bzw. Hauptschulen unter sich blieben, sollten von gut
ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden. Die
Lehramtsausbildungen im Westen wurde für alle Lehrämter „akademisch“ und in fast allen Bundesländern in
die Universitäten integriert. In den östlichen Bundesländern wurde die Fachschulausbildung für Grundschullehrkräfte erst mit der Wende aufgegeben.
4
Die Absolventen der neuen Bildungsgänge wurden
ebenso wie die vorhandenen Lehrkräfte höheren Besoldungsgruppen zugeordnet.
Dennoch konnte der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften
in den alten Bundesländern immer weniger gedeckt werden. Es herrschte Vollbeschäftigung. Gleichzeitig mit den
steigenden gesellschaftlichen Bildungsansprüchen kamen
die geburtenstarken Jahrgänge der 60er Jahre in die Schule. Mit Zulagen, Zwischenstufen und ähnlichen Vergünstigungen versuchten die Bundesländer, sich gegenseitig
Lehrkräfte abzuwerben. Das Interesse an einer bundesweiten Vereinheitlichung der Besoldung nahm zu.
Im Mai 1969 appellierte der Deutsche Bundestag an die
Kultusministerkonferenz, sich bis zum 31. Dezember
1970 über eine „sachgerechte und gleichmäßige Gestaltung der Lehrerbildung“ zu einigen.
Dieser Auftrag wurde bis heute nicht erfüllt – im Gegenteil. Stärker als die Einsicht, dass eine Vereinheitlichung
der Lehrerbildung und der Besoldung notwendige Voraussetzung für die Sicherung und Entwicklung einer
guten Bildungsqualität ist, war der Wunsch nach Erhalt
der Drei-Klassen-Gesellschaft in Schulstruktur, Lehrerbildung und Besoldung.
Heute jedoch gibt es keine Berechtigung mehr, die Bezahlung von Lehrkräften nur über die Beamtengesetze zu definieren. Ca. ein Drittel aller Lehrkräfte sind Angestellte und
haben einen Anspruch darauf, tarifvertraglich vereinbarte
Eingruppierungsregelungen – wie alle anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst auch – zu haben.
Die Verhandlungen über eine neue Entgeltordnung
sollen noch in diesem Jahr beginnen – zuerst für den
Bereich der Kommunen und des Bundes. Danach wird
erst für den Länderbereich – in dem bis auf wenige Ausnahmen die Lehrkräfte beschäftigt sind – verhandelt.
Diese Zeit muss die GEW nutzen, um ihre Forderungen zu diskutieren und ihre Mitglieder zu mobilisieren.
Die Arbeitgeber haben ihre Privilegien zur einseitigen
Festlegung der Lehrerrichtlinien erst nach massivem
Widerstand aufgegeben. Eine bessere Eingruppierung
kann die GEW nur durchsetzen, wenn die angestellten
Lehrkräfte sich gewerkschaftlich organisieren, sich an
der Diskussion um die „richtigen“ Forderungen beteiligen und im entscheidenden Moment auch bereit sind,
aktiv für die Forderungen einzutreten.
Februar 2007
Ilse Schaad
Leiterin des Vorstandsbereiches Angestelltenund Beamtenpolitik in der GEW
Was ist pädagogische Arbeit wert?
Bildung und Erziehung sind zu gesellschaftlichen
Megathemen geworden, mit denen insbesondere in
Wahlkampfzeiten gepunktet wird. Sätze wie „Unsere
Zukunft beginnt morgens um acht“, „Mehr Mäuse für
die Schule“ oder „Hurra, heute wieder keine Stunde ausgefallen“ als Bildunterschrift auf einem Plakat, auf dem
jubelnde Kinder aus dem Schulgebäude stürmen, sind
jedem in Erinnerung. Alle Parteien bedienen sich des
Themas, die Wahlsieger wollen aber regelmäßig nichts
mehr wissen von ihren zugkräftigen Parolen, wenn es
daran geht, Wahlversprechen einzuhalten. Da wird im
Wahlkampf von „Unterrichtsgarantie Plus“ gefaselt,
der Wähler/die Wählerin hofft darauf, dass nicht nur
garantiert wird, dass der Unterricht stattfindet, sondern
dass hinter dem „Plus“ – was denn sonst – eine Qualitätssteigerung steckt. Nach gewonnener Wahl wird
schnell deutlich, dass nur die Fortsetzung der alten Politik unter neuer Überschrift gemeint war.
In Hessen entpuppt sich das großartig angekündigte Programm als schlichtes Verwahrprogramm durch
schlecht bezahlte Personen, deren pädagogische Qualifikation auf einfache Weise festgestellt wird: „Die Lehrbefähigung der Aushilfen entsteht durch die Auswahl
der Schulleitung“, so ein Frankfurter Schulamtsleiter.
In Rheinland-Pfalz geraten nach der Wahl nicht alle
Versprechen im Bildungsbereich in Vergessenheit. Bei
der Umsetzung durchaus begrüßenswerter Vorhaben
kann sich Zufriedenheit trotzdem nicht einstellen:
finanziert werden die Verbesserungen nämlich durch
schlichte Einkommensabsenkungen der Beschäftigten
in Bildungseinrichtungen. Die Beispiele ließen sich aus
allen Bundesländern mühelos ergänzen.
Diese Politik der permanenten Qualitätsverschlechterung
hält seit 16 Jahren in allen Bundesländern an. Immer
unter Hinweis auf so genannte „Ausstattungsvorsprünge“ im Nachbarland, das im letzten Schuljahr X% Stellen
abgebaut hat, wird die Spirale der Verschlechterungen
ununterbrochen weiter gedreht. Nach und nach wurde so
die Arbeitszeit der Lehrkräfte durch Pflichtstundenerhöhung, Frequenzerhöhung und Änderung der Stundentafel (Streichung von Anrechnungsstunden, von Teilungsund Förderstunden, von Altersermäßigung, Kürzung der
Stundentafel pro Fach) um rund 25 Prozent erhöht. So
müssen z.B. Lehrkräfte mit den Fächern Deutsch und
Englisch in Berlin, die 1992 ca. 100 Schüler/innen pro
Schuljahr (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe)
unterrichtet haben, heute ca. 190 Schüler unterrichten.
Zweck und Ziel dieser Maßnahmen waren immer Haushaltssanierungen, die auf dem Rücken der Beschäftigten
ausgetragen wurden. In keinem Bereich des öffentlichen
Dienstes wurden so viele Stellen abgebaut wie im pädagogischen Bereich. Die öffentlichen Arbeitgeber bedienen sich hier ihrer Doppelrolle als Gesetzgeber, in der sie
einseitig die Arbeits- und Einkommensbedingungen des
Personals festlegen können.
Kein Zweifel, dass dabei die Qualität Schaden nehmen
musste. Gleichwohl ist es den Regierungen gelungen,
insbesondere mit Unterstützung unkritischer Berichterstattung in Medien, in weiten Teilen der Bevölkerung
den Eindruck zu erwecken, diese Kürzungsmaßnahmen
blieben ohne Auswirkungen auf die Bildungsqualität,
teilweise wurden sie sogar als Verbesserung des pädagogischen Angebots verkauft. In Berlin war das jährliche Rundschreiben, mit dem drei Pflichtstundenerhöhungen, jährliche Frequenzsteigerungen, Wegfall von
Teilungsstunden, Altersermäßigung u.v.a.m. verkündet
wurde, pikanterweise mit dem Titel „Rundschreiben
über die pädagogischen Verbesserungen im Schuljahr
X“ versehen.
Die Gewerkschaft stärken
Was von hoher Bedeutung für den Bestand und die Zukunft der
Gesellschaft ist, muss noch lange nicht Wert geschätzt werden; schon
gar nicht in Euro und Cent. Der Markt ist blind und in ihm setzen
sich die Kapitalstärksten - auf Kosten der Schwächeren - durch.
Eine Regulierung, z .B. über höhere Steuern auf große Einkommen
und Spekulation, ist daher zwingend. Aber noch haben die wenigen
Spitzenverdiener einen zu mächtigen Einfluss auf die Politik.
Die Landeshaushalte sind die Messlatte für die Bezahlung der
pädagogischen Arbeit. Ihr Zustand spiegelt den Spielraum für
Veränderungen wider. Seit vielen Jahren wird dieser dank massiver
Steuererleichterungen für Begüterte und Gewinne kleiner. Die Folge:
Dem wachsenden privaten Reichtum steht die Armut öffentlicher
Kassen gegenüber. Für die öffentlichen Bediensteten bleiben
– trotz Wachstum des Bruttosozialprodukts – nur Gehalts- und
Versorgungskürzungen.
In diesem Sinne definiert sich der „Wert der Arbeit der Pädagoginnen
und Pädagogen“ an dem Einfluss, den diese in den gesellschaftlichen
Verteilungsprozessen geltend machen können. Je stärker ihre
Gewerkschaft, die GEW, desto eher kann es gelingen, den großen
Graben zwischen den hohen Ansprüchen an
die Pädagogen und ihrer Bezahlung durch gute
Tarifverträge zu schließen.
Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft
5
Eine derart perfekte Verdrehung der Tatsachen war
nur möglich vor dem Hintergrund einer durch Vorurteile gegenüber „den Lehrern“ geprägten öffentlichen
Meinung. Nicht erst durch die markigen Sprüche des
Exkanzlers von den „faulen Säcken“ wurde der Luftraum über den Stammtischen besetzt. Bereits 1970 veröffentliche der „Stern“ unter der
Überschrift „Lehrer X“ Berichte über saufende, pöbelnde, sexuQuasi unbezahlbar
Pädagogische Arbeit ist
ell gestörte oder tablettensüchtige
so viel wert, dass sie quasi
Lehrerexistenzen in der deutschen
unbezahlbar ist. Viele
Schule – natürlich immer unter
Pädagoginnen und Pädagogen
Hinweis darauf, dass der Informant
reiben sich für ihren Beruf
gefleht hatte, „um Himmels Wilauf, riskieren dabei ihre
len nicht Namen zu nennen“. Die
Gesundheit und haben
Flucht in die Anonymität hat sich
erhebliche Probleme, auch mal
– wie sich jüngst wieder in dem
abzuschalten. Zwar nagen sie
inhaltlich und sprachlich erschütnicht am Hungertuch, doch
ternden „Lehrerhasserbuch“ gezeigt
hat - bis heute gehalten, obwohl
zu den Spitzenverdienern
sich alle gerne und jederzeit von
in diesem Land zählen sie
derartigen Verhaltensweise in andebeileibe nicht. Will man den
ren historischen Zusammenhängen
Pädagoginnen und Pädagogen
distanzieren. Jeder Bürger/jede Bürdie Wertschätzung erweisen,
gerin der 80 Millionen starken bundie sie verdienen, muss sich
desrepublikanischen Bevölkerung
das auf jeden Fall auch in
scheint nur Lehrkräfte zu kennen,
einer dem Wert ihrer Arbeit
die am ersten Ferientag in Urlaub
entsprechenden Entlohnung
fahren, am letzten zurückkommen,
niederschlagen.
nachmittags auf dem Tennisplatz
Rosemarie
herumtollen, ein Haus bauen oder
Seggelke,
ähnlichen privaten Vergnügungen
Vorsitzende der
nachgehen.
GEW Berlin
Zusammenfassend müssen wir heute feststellen, dass das Ansehen von
Lehrerinnen und Lehrern auf den
unteren Rängen der Beliebtheitsskala angesiedelt ist
– nur wenig oberhalb von Politikern. Die Diskrepanz
zwischen dem Wert von „Bildung“ und dem Ansehen
der Bildungsarbeiter ist also nicht zu übersehen.
Qualität und Arbeitsbedingungen
In einem solchen medial verminten Umfeld erstmalig
in der Geschichte der Bundesrepublik Tarifverhandlungen über eine Entgeltordnung für Lehrkräfte zu führen, wird für die GEW eine schwierige Aufgabe werden.
Immerhin geht es in diesen Verhandlungen darum,
den Wert pädagogischer Art in eine reale Bezahlung
6
umzusetzen. Bewältigen kann die GEW diese Aufgabe
nur, wenn die Beschäftigten – immerhin ca. 300.000
angestellte Lehrkräfte in der Republik – sich aktiv ins
Geschäft einmischen. Ein wesentlicher Teil der Auseinandersetzung muss sich mit der Frage beschäftigen, was
in dieser Gesellschaft die pädagogische Arbeit von Lehrkräften und sozialpädagogischen Mitarbeitern wert ist.
Die GEW ist die größte Lehrkräfte und sonstige pädagogisch Beschäftigte organisierende Gewerkschaft, an
ihr ist es, eine öffentliche Debatte anstoßen, in der es
darum geht, dass die Qualität der Lern- und Erfolgschancen von Kindern und Jugendlichen untrennbar
mit der Qualität der Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals verbunden ist.
Es geht aber um mehr als um ein angemessenes Niveau
der Bezahlung – es geht gleichermaßen um die Struktur.
Und hier zeigt sich um so mehr die enge Verknüpfung
mit bildungspolitischen Fragen. Seit den 50er Jahren
folgte die Bezahlung und die Festlegung der Arbeitszeit
bei Lehrkräften einer schlichten Ideologie:
Kleine Kinder – kleines Gehalt – mehr Stunden.
Große Kinder – größeres Gehalt – weniger Stunden.
Dass diese Ideologie überholt ist, scheint sich inzwischen auch in politischen Kreisen herumzusprechen.
Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und Erziehung wird allenthalben beteuert. In der Lehrerbildung
wird von Fachleuten zu Recht gefordert, neue Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses durchlässiger und
für alle Schulstufen- und –formen auf gleichem Niveau
zu organisieren. Daraus würde auch eine einheitliche
Festlegung der Arbeits- und Vergütungsbedingungen
für Lehrkräfte folgen. Die GEW fordert „Eine Schule
für alle“ – nur konsequent ist es, dann auch eine niveaugleiche, wenn auch nicht inhaltsgleiche Lehrerausbildung und gleiche Bezahlung zu fordern.
Einheitliche Lehrerausbildung
Schulstruktur, Lehrerbildung und Lehrerbezahlung stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang. Mit
der Föderalismusreform sind gerade in diesen Bereichen
– Bildungspolitik, Laufbahn- und Besoldungsrecht – den
Ländern die Regelungskompetenzen übertragen worden.
Für die GEW gilt es nun, die größtmögliche Einheitlichkeit zu wahren oder herzustellen. Dazu gehört die Forderung nach einer einheitlichen Lehrerbildung, die mit
einem Master-Abschluss endet und in dem die Anforderungen für die verschiedenen Schulstufen durch unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, nicht aber durch
unterschiedlich lange Studiengänge oder Abschlüsse
sicher gestellt werden. Sofern aus laufbahnrechtlichen
Gründen an einem Referendariat festgehalten wird, muss
dieser für alle gleich lang sein und zu einer einheitlichen
Zuordnung in die Entgeltgruppe 13 bzw. bei Verbeamtung in A 13 höherer Dienst führen.
Diese Ziele werden sich nur durchsetzen lassen, wenn
es die Ziele der Lehrerinnen und Lehrer und der Lehramtsstudierenden sind und wenn diese bereit sind, für
die Durchsetzung dieser Ziele aktiv zu werden.
Anfang 2006 haben die Ärzte – bisher in Tarifauseinandersetzungen eher unauffällig – den jahrelangen Verschlechterungen ihrer Arbeits- und Einkommensbedingungen entschlossen Widerstand entgegengesetzt. Der
Versuch der Politik, das ärztliche Personal als egoistisch
und nicht „dem Gemeinwohl“ verpflichtet darzustellen,
misslang. Gesundheitswesen und medizinisches Personal genießen weiterhin hohes Ansehen in der Bevölkerung. Es gab überwiegend Verständnis für die Streiks
und den damit verbundenen Tarifzielen einer Verbesserung von Arbeitszeiten und Einkommen.
Die Beschäftigten im Bildungswesen haben es hinsichtlich des Ansehens in der Öffentlichkeit erheblich schwerer. Patient ist man tendenziell lebenslang.
Das Gesundheitswesen lässt man nie hinter sich – im
Gegenteil. Einen Arzt, der einem nicht passt, kann man
außerdem meist wechseln, seine Lehrkräfte hingegen
hat man sich in der Regel nicht ausgesucht. Jeder ist
irgendwann mal Schulkind; irgendwann ist die Schulzeit vorbei und fortan kann man alles, was man nicht
erreicht hat, „der Schule“ oder „der Lehrerin“ anlasten.
Deshalb müssen wir aber nicht verschämt in Deckung
gehen. Im Gegenteil. Auch Pädagogen können den Wert
ihrer Arbeit darstellen und sie wären klug beraten, für
ihre Forderungen einzutreten. Erfolg in Tarifverhandlungen hängt davon ab, dass man seine Forderungen
durchsetzen kann. Dazu gehört auch die Bereitschaft, in
allen Schulen – mit Eltern, mit Politikern, mit Journalisten – über den Wert der pädagogischen Arbeit zu diskutieren. So schwer ist es nämlich nicht: Wer Qualität will,
muss dafür auch einen angemessenen Preis bezahlen.
Gute Arbeit in der Schule setzt voraus, dass gute Arbeitsbedingungen herrschen und die Schule demokratisch
verfasst ist.
Gute Arbeit in der Schule setzt aber auch voraus, dass
der Wert der pädagogischen Arbeit in der Öffentlichkeit anerkannt wird und für die Leistung auch angemessen bezahlt wird.
Ilse Schaad
7
Grundsätze zur Eingruppierung
von Lehrkräften
Die Bundestarifkommision und der Koordinierungsvorstand der GEW haben für die Mitgliederdiskussion
zu den Tarifforderungen zur Eingruppierung von Lehrkräften an allgemein- und berufsbildenden Schulen folgende Grundsätze beschlossen:
æ Lehrkräfte sind in Abhängigkeit von ihrer Ausbildung und der entsprechenden Tätigkeit eingruppiert.
æ Eine darüber hinausgehende Differenzierung der
Eingruppierung von Lehrkräften nach Schulformen
und Schulstufe erfolgt nicht.
æ Lehrkräfte, die nicht über die Qualifikation, die
für die jeweilige Lehrtätigkeit erforderlich ist, verfügen, sind nach einer entsprechenden Lehrtätigkeit von … Jahren – zusätzlich gegebenenfalls auch
in Abhängigkeit von der Erfüllung von Ausgleichsmaßnahmen – in die Entgeltgruppe eingruppiert,
in die sie bei Besitz der erforderlichen Qualifikation
von Anfang an eingruppiert wären.
æ Die Eckeingruppierung erfolgt in die Entgeltgruppe
13. In diese Entgeltgruppe sind Lehrkräfte eingruppiert, die
æ als Lehrer tätig sind,
æ und die über eine abgeschlossen Lehrerausbildung verfügen.
æ Lehrkräfte mit einer Ausbildung nach dem Recht
der DDR sind in die Entgeltgruppe eingruppiert, die
dem jeweiligen Abschluss entspricht. 1
æ Lehrkräfte sind bei auszuübender höherwertiger
Tätigkeit oder auch bei besonderen schulbezogenen
Aufgaben, wie zum Beispiel Fachleiterinnen/Fachleiter, Fachbereichsleiterinnen/Fachbereichsleiter,
Hauptseminarleiterinnen/Hauptseminarleiter, pädagogischer Koordinatorinnen/pädagogische Koordinatoren, Rektorinnen/Rektoren, Konrektorinnen/Konrektoren und Schulleiterinnen/Schulleiter,
entsprechend höhergruppiert.
æ Die vor dem In-Kraft-Treten der Entgeltordnung
für Lehrkräfte gegenüber der Eingruppierung aufgrund des bisherigen Eingruppierungsrechts (Ver1
Das gilt auch für Lehrkräfte mit einer nach dem Recht der DDR
bestimmten Ausbildung, die im Schuldienst eines Bundeslandes, in
dem bis zum 3.10.1990 das Grundgesetz gegolten hat und im Westteil Berlins beschäftigt werden.
8
æ
a)
b)
c)
d)
e)
f)
g)
æ
2
gütungsordnung) günstigere Eingruppierung wird
von dem In-Kraft-Treten der Entgeltordnung für
Lehrkräfte nicht berührt. Sie gilt als einzelvertraglich vereinbarte Entgeltgruppe fort. Eine Kündigung zum Zwecke der Herabgruppierung ist ausgeschlossen (Sicherung des Besitzstandes).
Die Eingruppierung von Lehrkräften2 erfolgt nach
den Tätigkeitsgruppen:
pädagogische Unterrichtshilfen und vergleichbare
Beschäftigte
Lehrkräfte sowie Leiterinnen und Leiter von Schulkindergärten und Vorschulklassen
Fachlehrerinnen/Fachlehrer, Fachpraxislehrerinnen/Fachpraxislehrer, Werkstattlehrerinnen/Werkstattlehrer, Technische Lehrerinnen/Technische
Lehrer und Fachlehrerinnen/Fachlehrer für arbeitstechnische Fächer an berufsbildenden Schulen
Fachlehrerinnen/Fachlehrer an Sonder-/Förderschulen
Lehrerinnen/Lehrer im allgemeinbildenden und
berufstheoretischen Unterricht an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen und an Sonder-/
Förderschulen
Lehrkräfte mit zusätzlichen oder besonderen Funktionen, wie zum Beispiel Fachleiterinnen/Fachleiter,
Fachbereichsleiterinnen/Fachbereichsleiter, Fachseminarleiterinnen/Fachseminarleiter, Hauptseminarleiterinnen/Hauptseminarleiter
Leitungspersonal, wie zum Beispiel Schulleiterinnen/Schulleiter und deren Stellvertreterinnen/Stellvertreter, Rektorinnen/Rektoren, Konrektorinnen/
Konrektoren, Abteilungsleiterinnen/Abteilungsleiter.
Bewährungsaufstiege und sonstige Aufstiege sind
vorenthaltener Lohn. Die Lehrkräfte mit einem entsprechenden Aufstieg nach heutigem Recht sind
deshalb in die Entgeltgruppe eingruppiert, deren
zugeordnete Vergütungsgruppe der Aufstiegsvergütungsgruppe entspricht.
Zu den Lehrkräften gehören auch Freundschaftspionierleiterinnen/
Freundschaftspionierleiter, Erzieherinnen/Erzieher, Kinderdiakone, Heilpädagoginnen/Heilpädagogen, Logopädinnen/Logopäden,
Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, wenn die Vermittlung von
Kenntnissen und Fertigkeiten im Rahmen eines Schulbetriebes ihrer
Tätigkeit das Gepräge gibt.
Forderungen zur Eingruppierung
von Lehrkräften
Erstmals mit Abschluss des neuen Tarifvertrages für
die Länder 2006 hat die GEW die seit gut 40 Jahren
bestehenden Beschlüsse von Gewerkschaftstagen über
den Abschluss eines Tarifvertrages zur Entgeltordnung
für Lehrkräfte durchsetzen können. Bisher konnten die
Arbeitsgeber dies alleine regeln.
Der Blick nach vorn
Die GEW und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder haben vereinbart, dass sie im Rahmen der Verhandlungen der Entgeltordnung auch Verhandlungen über
Tarifierung der Eingruppierung von Lehrkräften führen werden. Der Zustand, dass der Arbeitgeber in seiner
Doppelrolle als Gesetzgeber über die Vergütungsgruppe,
in die die einzelne Lehrkraft eingruppiert ist, entscheidet,
wird mit einer Entgeltordnung für Lehrkräfte beendet.
Im öffentlichen Dienst der Länder bedeutet die Eingruppierung, dass die/der Beschäftigte auf der Grundlage von Tätigkeitsmerkmalen ihrer/seiner Tätigkeit
einer bestimmten Vergütungsgruppe zugeordnet ist.
Der Vergütungsgruppe war wiederum nach BAT/BATO eine bestimmte Grundvergütung zugeordnet. Daran
hat sich auch nach dem In-Kraft-Treten des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L)
nichts geändert. Nach wie vor erfolgt die Eingruppierung in eine Vergütungsgruppe, die wiederum über
Zuordnungstabellen einer Entgeltgruppe des TV-L
zugeordnet wird. Wenn die heutigen Vergütungsordnungen durch die noch zu vereinbarende Entgeltordnung abgelöst sein werden, erfolgt die Eingruppierung
auch für Lehrkräfte unmittelbar in die Entgeltgruppe
des TV-L. Die Eingruppierung bleibt das zentrale Element und gewichtiger Faktor für die Höhe des monatlichen Entgelts.
Die Bedeutung der Eingruppierung für die Arbeits- und
Vergütungsbedingungen ergibt sich mittelbar aus einer
Reihe von Veränderungen des neuen Ländertarifrechts
gegenüber dem BAT/BAT-O. Zum einen ist mit dem
Wegfall von Bewährungs- und Fallgruppenaufstiegen
eine Höhergruppierung außerhalb der Übernahme von
höherwertigen Tätigkeiten nicht mehr möglich. Das
bedeutet, dass die jeweilige bisherige „Wertebene“, die
auch durch die Bewährungs- und Fallgruppenaufstiege
charakterisiert war, nur noch durch eine Entgeltgruppe, in die die/der Beschäftigte eingruppiert ist, abgebildet und gesichert werden muss. Die Beschäftigten
müssen deshalb in die Entgeltgruppe eingruppiert sein,
deren Beträge einen nach altem Recht bereits zurückge-
Lippenbekenntnisse
Pädagoginnen und Pädagogen
wissen, was unsere Arbeit wert
ist. Die Gesellschaft weiß es
auch: Bildung und Erziehung
der jungen Generation ist das
Wichtigste für die Zukunft jedes
und jeder Einzelnen und dieser
Gesellschaft. Verantwortliche
Politiker in Regierungen und
Parlamenten schätzen unsere
Arbeit offenbar wenig. Denn
außer Lippenbekenntnissen und
Phrasen in Talkshows und im
Wahlkampf kommt nicht viel.
Oder weshalb brauchen wir
unsere ganze gewerkschaftliche
Kraft und die Solidarität
aller im Bildungsbereich
Beschäftigten, um uns gegen
die Verschlechterung unserer
Arbeitsbedingungen, die
Erhöhung der Arbeitszeit und
den Abbau von Bezahlung
unserer Arbeit
zu wehren?
legten Bewährungs- bzw. Fallgruppenaufstieg abbildet. Zum anderen
hat die Ablösung des „Senioritätsprinzips“ für Beschäftigte mit langen Ausbildungszeiten eine deutliche Verminderung ihrer Bezahlung
gegenüber dem BAT/BAT-O verursacht. An die Stelle der Bezahlung nach Lebensaltersstufen, die
erst bei einer Einstellung nach vollendetem 31. bzw. vollendetem 35.
Lebensjahr eine Minderung vorsah,
ist die Bezahlung nach Berufserfahrung getreten. Das bedeutet, dass
Beschäftigte, die ihre Ausbildung
erst mit dem 29. Lebensjahr und
später beenden, das Gleiche verdienen werden wie Beschäftigte, die
ihre Ausbildung viel früher abgeschlossen haben.. Das Ziel, Tätigkeiten mit höheren Anforderungen an
Qualifikation und Verantwortung
auch höher zu bewerten, wird somit
unterlaufen. Eine längere Ausbildungsdauer führt nun zu dauerhaften Nachteilen beim Einkommen..
Die GEW hat in den Verhandlungen alles versucht, um bei längeren Ausbildungszeiten im Allgemeinen und für Zeiten
des Referendariats im Besonderen einen Anspruch auf
Zuordnung zur Stufe 2 bzw. Stufe 3 zu tarifieren. Die
Arbeitgeber haben diese Forderungen zurückgewiesen,
weil sie höherwertige Tätigkeiten geringer als bisher
bezahlen wollen. Es ist deshalb ein Hauptziel der GEW,
mit der Tarifierung der Eingruppierung von Lehrkräften einer Abwertung akademischer Berufe in dem für
die Gesellschaft bedeutenden Bereich der Bildung entgegenzuwirken. Gute Bildung hat ihren Preis. Dazu
gehört auch eine Bezahlung der Lehrkräfte, die ihrer
Qualifikation und Verantwortung gerecht wird.
Das neue System der
Eingruppierung
im öffentlichen Dienst
Die Verhandlungen über die Entgeltordnung zum TV-L
sind noch nicht aufgenommen. Fest steht aber, dass die
zurzeit noch bestehenden Vergütungsordnungen durch
eine Entgeltordnung zum TV-L ersetzt werden sollen.
9
Klaus Bullan,
Vorsitzender der
GEW Hamburg
Was ist pädagogische Arbeit wert?
Eine Frage, die wir wertfrei kaum werden beantworten wollen.
Schließlich vertreten wir bei der Wertmessung klare Interessen:
Unsere eigenen materiellen und die zukunftsbezogenen einer
fortschrittlichen Gesellschaftsentwicklung. In diesem Sinne können
wir von echter Wertarbeit sprechen, sind doch Bildungs- und
Erziehungsprozesse komplex wie notwendigerweise hochgradig
professionell angelegt. Eine starke Professionalität der Pädagogen
ist mithin wertvoll, unterstützt sie die Menschen letztlich darin,
ihre Persönlichkeiten zu entwickeln. Das ist bekanntermaßen nicht
jedem recht, insbesondere nicht den Lohndrückern in Parlamenten
und Geschäftsführungen mit einem verengten Bildungsbegriff.
Eine angemessene Wertschätzung unserer Arbeit
bezieht sich damit immer auch auf die Interessen
der Bewerter. Wir sind deshalb gefordert, Bündnisse
zu schließen, die unsere materiellen und ideellen
Wertvorstellungen stützen.
Bernd Winkelmann, Vorstandsteam der GEW Bremen
Innerhalb der Gewerkschaften steht die Forderungsdiskussion im Hinblick auf die neue Entgeltordnung erst am
Beginn. Dennoch zeichnen sich in der gewerkschaftsinternen Diskussion eine Reihe von Gesichtspunkten ab,
durch die das künftige Eingruppierungsrecht gekennzeichnet sein soll. Unter anderem gehören hierzu:
æ Das neue Eingruppierungsrecht muss diskriminierungsfrei sein. Es darf Beschäftigtengruppen, denen
wie zum Beispiel in den sozialen Berufen vorwiegend Frauen angehören, bei gleichem Ausbildungsniveau nicht schlechter stellen als z.B. Beschäftigte
des so genannten technischen Dienstes.
æ Das neue Eingruppierungsrecht muss den künftigen Entwicklungen im Anforderungsniveau in Ausbildung und Tätigkeit Rechnung tragen.
æ Auch künftig muss es dabei bleiben, dass sich die
Eingruppierung unmittelbar aus dem Tarifvertrag
ergibt. Dem Arbeitgeber dürfen keine Spielräume
zu einer „eigenständigen“ Eingruppierung eröffnet
werden. Der Grundsatz der Eingruppierungsautomatik muss im neuen Eingruppierungsrecht auch
für Lehrkräfte gelten: Die/der Beschäftigte ist in die
Vergütungsgruppe (später Entgeltgruppe) eingruppiert, deren Tätigkeitsmerkmalen die nicht nur vorübergehend auszuübende Tätigkeit entspricht.
æ Zur Eingruppierung stehen 15 Entgeltgruppen „zur
Verfügung“. Die Beträge der Entgelttabelle, die
unter Zugrundlegung von angenommenen Beschäftigungsverläufen aus den Vergütungstabellen des
BAT/BAT-O abgeleitet worden sind, berücksichtigten bestimmte Qualifikationsniveaus. Diese sind
æ eine in der Regel drei bzw. zweieinhalb jährige
Berufsausbildung, ab Entgeltgruppe fünf,
æ eine Fachhochschulausbildung oder Bachelor,
ab Entgeltgruppe neun,
æ eine wissenschaftliche Hochschulausbildung
æ oder akkreditierte Masterausbildung, ab Entgeltgruppe 13.
10
æ Die künftige Eingruppierung darf auch unter
Berücksichtigung des Wegfalls von Bewährungsund Tätigkeitsaufstiegen zu keinem Verlust innerhalb der „Wertebene“ führen. Die neue Entgeltordnung darf die Beschäftigten gegenüber der
Eingruppierung aufgrund der alten Vergütungsordnungen nicht schlechter stellen. Erreicht werden soll dies unter anderem über so genannte „Ferner – Tätigkeiten “ bei den Tätigkeitsmerkmalen,
mit denen die Tarifvertragsparteien außerhalb der
Eingruppierung nach Grund- und Zusatzmerkmalen eine eigene unmittelbare Eingruppierung dieser
Tätigkeiten vornehmen.
æ Es soll eine grundlegende Eingruppierungssystematik mit einer Eingruppierung nach Grund- und
Zusatzmerkmalen geben. Die Grundmerkmale knüpfen an die Ausbildungsanforderungen der
jeweiligen Tätigkeit an. Mit den Zusatzmerkmalen
werden Anforderungen aus besonderen Schwierigkeiten, an die Selbständigkeit, an die soziale Kompetenz, an die Verantwortung sowie die
physischen und psychischen Belastungen erfasst.
Die Eingruppierung ergibt sich aus zwei Schritten.
Zunächst wird die Entgeltgruppe ermittelt, die sich
aus den Grundmerkmalen ergibt. In einem zweiten
Schritt wird geprüft, ob ein oder mehrere Zusatzmerkmale erfüllt sind. Ist dies der Fall, ist die/der
Beschäftigte eine oder mehrere Entgeltgruppe oberhalb der Entgeltgruppe, die im ersten Schritt ermittelt worden ist, eingruppiert. Unmittelbar eingruppierungswirksame Beispiele sollen eine Orientierung
geben.
æ Das tarifliche Eingruppierungssystem soll aus einer
bundeseinheitlichen allgemeinen Entgeltordnung
(AT) bestehen, die durch ebenfalls bundeseinheitliche spartenspezifische oder spartenübergreifende
berufsgruppenspezifische Entgeltordnungen (BT)
ergänzt wird. Darüber hinaus soll es auch möglich
sein, für bestimmte Tätigkeiten landesbezirkliche
Entgeltordnungen zu tarifieren.
æ Bewertungsgrundlage für die Eingruppierung ist
die auszuübende Tätigkeit. Soweit zusätzlich hierzu auch eine bestimmte abgeschlossene Ausbildung
gefordert wird, ist ein eigenständiges Merkmal für
die Eingruppierung in die entsprechende Entgeltgruppe erfüllt.
æ Die künftigen tarif lichen Eingruppierungsvorschriften sollen einfach handhabbar, überschaubar
und insbesondere rechtssicher sein.
æ Das Eingruppierungssystem muss durchlässig sein,
das heißt, dass die Entlohnung von Beschäftigten,
die eine bestimmte Tätigkeit mit einem bestimmten
Kompliziertheitsgrad auszuüben haben, nicht an –
wenn auch unsichtbaren – „Laufbahngruppengrenzen“ endet.
Anforderungen an ein tarifliches
Eingruppierungsystem
Die Frage ist, ob diese vorgenannten Kennzeichen
einer künftigen Entgeltordnung auch auf die Eingruppierung von Lehrkräften übertragen werden können.
Dem wird man bei einer Reihe von grundsätzlichen
Gesichtspunkten unbesehen zustimmen können. Die
GEW betritt mit der Tarifierung der überholten „Lehrerrichtlinien“ Neuland. Zwar gibt es eine umfängliche
Rechtsprechung zur Eingruppierung von Lehrkräften,
die sich jedoch im Wesentlichen damit befasst, ob in
diesem oder jenem Fall die Eingruppierungsmerkmale
der Richtlinien und sonstigen arbeitgeberinternen Eingruppierungsregelungen erfüllt sind. Wie ein rechtssicheres, diskriminierungsfreies und für die Bewertung
des Kompliziertheitsgrades der Tätigkeit einfach handhabbares System der Eingruppierung von Lehrkräften
aussehen soll, ist dagegen noch weithin offen. Fraglich ist vor allem, ob die ansonsten für den öffentlichen
Dienst verbreitete tätigkeitsbezogene Eingruppierung
auch für Lehrkräfte anwendbar ist. Dies ist zu bejahen,
wenn die tätigkeitsbezogene Eingruppierung, wie es
auch bei einer Reihe von anderen Beschäftigtengruppen im öffentlichen Dienst üblich ist, auf die Funktion abstellt. Eingruppierung nach Funktion bedeutet
in diesem Sinne ein Absehen von einer analytischen
Bewertung der Tätigkeit der jeweiligen einzelnen Lehrkraft. Es ist abzusehen, dass der methodische Ansatz
der Eingruppierung nach Grundmerkmalen und tätigkeitsbezogenen Zusatzmerkmalen bei Lehrkräften zu
keinen befriedigenden Ergebnissen führt. Tätigkeitsbezogene Zusatzmerkmale, wie Anforderungen an Verantwortung und soziale Kompetenz sowie besondere
Schwierigkeiten und physische/psychische Belastungen
sind bei Lehrkräften bereits durch die Grundmerkmale erfasst und somit für eine über das jeweilige Grundmerkmal hinausgehende Eingruppierung „verbraucht“.
Für die Arbeitgeber war in der Vergangenheit die Feststellung der „Wertigkeit“ der Tätigkeiten von Lehrkräften immer eine Frage nach der „Wertigkeit“ von
Lehrämtern. Dieser Bezug zum Beamtenrecht hat die
Sichtweise auf lehramtsbezogene Tätigkeiten verengt.
In den letzten dreißig Jahren war die GEW zweimal
gefordert, sich in besonderer Weise in die Diskussion
und Auseinandersetzung um die Wertigkeit von Lehrämtern einzubringen. Zum einen betraf dies die Auseinandersetzungen um die Vereinheitlichung des Besoldungsrechts in der ersten Hälfte der siebziger Jahre und
zum anderen ging es Mitte der neunziger Jahre um die
Überleitung der Lehrkräfte mit einer Ausbildung nach
dem Recht der DDR in das Vergütungs- und Besoldungssystem des
öffentlichen Dienstes. Trotz aller
Unterschiede in den Ausgangsbedingungen, Positionen und Forderungen war in diesen Auseinandersetzungen für die GEW eines
gemeinsam: Die Eingruppierung
von Lehrern muss die Qualifikation berücksichtigten und es muss
verhindert werden, dass Lehrer
schlechter bezahlt werden als andere Beschäftigte des öffentlichen
Dienstes mit einem vergleichbaren
Qualifikationsniveau.
Diese Zielstellung ist nach wie vor
aktuell und hat für die Tarifierung
der Eingruppierung von Lehrkräften höchste Priorität.
Einheitliche
ausbildungsbezogene
Eingruppierung
Die Eingruppierungsautomatik
des Tarifrechts für den öffentlichen Dienst setzt eine Entgeltordnung voraus, deren Tätigkeitsmerkmale alle möglichen Tätigkeiten
im öffentlichen Dienst erfassen.
Dies muss auch für die Gruppe von
Lehrkräften gelten, da andernfalls
von den Gerichten bei Eingruppierungsklagen von Beschäftigten eine
so genannte planmäßige Tariflücke
angenommen wird, was zur Abweisung der Klage führt. Die Eingruppierung von Lehrkräften muss deshalb hinreichend abstrakt sein, um
alle möglichen Tätigkeitsfelder zu
11
erfassen. Sie muss andererseits konkret sein und für die Anwender der
Tarifnormen einen Anhalt dafür
geben, wie Lehrkräfte, die in der
Entgeltordnung nicht ausdrücklich
bezeichnet sind, eingruppiert sind.
Das ist eine wichtige Voraussetzung
auch dafür, dass den Gerichten der
Weg der sinngemäßen Lückenfüllung bei der Eingruppierung von
Lehrkräften eröffnet wird.
Soweit die Eingruppierung von
einem bestimmten tätigkeitsbezogenen Merkmal abhängig ist, sollen
die auch für die anderen Bereiche
des öffentlichen Dienstes geltenden zeitlichen Anforderungen maßgeblich sein. In der Regel bedeutet
dies bei einer funktionsbezogenen
und nicht nach einzelnen Arbeitsvorgängen erfolgenden Bewertung,
dass die Lehrkraft in die entsprechende Vergütungsgruppe eingruppiert ist, wenn zeitlich mindestens
die Hälfte der Tätigkeiten anfallen,
die eine entsprechende Eingruppierung zur Folge haben, es sei denn,
dass in der jeweiligen Eingruppierungsregelung für Lehrkräfte ein
anderes zeitliches Maß geregelt ist.
Dies kann jedoch nur in eingeschränktem Maß für höherwertige
Tätigkeiten oberhalb der Entgeltgruppe 13 gelten, da auch hier die
Funktionsbestimmung überwiegt.
Die Beschäftigtengruppe Lehrkräfte umfasst diejenigen, bei denen
die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten im Rahmen
eines Schulbetriebes (und Hochschulbetriebes) die Tätigkeit prägt.
Lehrkräfte sind somit nicht nur
Lehrkräfte an allgemein bildenden und beruflichen Schulen, sondern zum Beispiel auch pädagogische Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter
und pädagogische Unterrichtshilfen. Auch die Gruppe der Lehrer/
innen im engeren Sinne unterglie-
12
dert sich im Hinblick auf ihre derzeitige Eingruppierung in eine Vielzahl von Fallgruppen, von denen die
Differenzierung nach Schularten bzw. Stufen besonders auffällt. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich,
dass das Spektrum der Eingruppierung von Lehrkräften von der Vergütungsgruppe VI b bis zur Vergütungsgruppe I b reicht. Das entspricht den Entgeltgruppen 6
bis 14 des TV-L. Inwieweit eine solche Differenzierung
noch zeitgemäß ist, ist fraglich. Sie ist jedenfalls nicht
ausschließlich durch eine funktionsbezogene Bewertung der jeweiligen Lehrertätigkeit begründet. Zu nennen sind auch Unterscheidungen, die durch verschiedene bildungspolitische Ansätze der Länder begründet
und solche, die schlichtweg dem Arbeitsmarktsegment
von Lehrkräften geschuldet sind. Nicht zuletzt sind die
Unterscheidungen der Wertigkeit nach den schulartbezogenen Lehrbefähigungen hervorzuheben mit dem
Ergebnis, dass Lehrkräfte mit einer Lehrbefähigung für
Grundschulen bzw. die Primarstufe bis auf wenige Länder niedriger eingruppiert sind als Lehrkräfte mit einer
Lehrbefähigung für Gymnasien bzw. die Sekundarstufe II. Eine solche Bewertung lässt darauf schließen,
dass an Lehrkräften mit der Befähigung für das Lehramt an Gymnasien höhere Anforderungen im Hinblick
auf Qualifikation und Verantwortung gestellt werden
als an Lehrkräfte, die „nur“ die Befähigung für die Primarstufe oder die Sekundarstufe I besitzen. Dass es sich
hierbei um ein tradiertes bildungspolitisches Verständnis handelt, das sachlich nicht gerechtfertigt ist, liegt
auf der Hand. Die Unterschiede in den Tätigkeitsinhalten rechtfertigen für sich keine hierarchische Bewertung wie es derzeitig der Fall ist.
Die Eckeingruppierung
für Lehrkräfte
ist die Entgeltgruppe 13
Ein Hauptziel der GEW bei der Tarifierung der Eingruppierung von Lehrkräften ist, von einer schulart- bzw.
stufenbezogenen Lehrbefähigung als Tätigkeitsmerkmal
zu abstrahieren und die Eingruppierung nach Tätigkeitsgruppen, Qualifikationsniveau und Verantwortung zu differenzieren. Den Kern bilden die Qualifikationsebenen, die auch im Entgeltsystem des TV-L
vorgegeben sind. Danach sind Lehrkräfte in allgemeinund berufsbildenden Schulen mit einer abgeschlossenen Lehrerausbildung (Master/Referendariat oder 1. und
2. Staatsexamen) in die Entgeltgruppe 13 als Eckeingruppierungeingruppiert und zwar unabhängig von der
Schulart und der Stufe, in der sie tätig sind. Dazu gehören auch Lehrkräfte, die über eine abgeschlossene und
anerkannte entsprechende Lehrerausbildung aus einem
Land der europäischen Union verfügen. Die Entgeltgruppe 13 für die Eingruppierung von Tätigkeiten, die in der
Regel eine universitäre Hochschulausbildung erfordern,
entspricht der Vergütungsgruppe II a BAT/BAT-O. Sie
korrespondiert im Besoldungsrecht mit der Besoldungsgruppe A 13 als Eingangsamt für die Laufbahngruppe
des höheren Dienstes. Dieses System geht davon aus, dass
die Tätigkeit von Lehrern eine eigenständige Ausbildung
erfordert, die grundsätzlich nicht durch eine Bewährung
in der Tätigkeit ersetzt werden kann. Sie geht weiterhin
davon aus, dass Lehrer, die Unterricht an einer allgemein
bildenden oder berufsbildenden Schule erteilen, anderen
Beschäftigten, die im Beamtenverhältnis der Laufbahngruppe des höheren Dienstes zugeordnet sind, entlohnungsmäßig gleichgestellt werden. Damit wird wieder
eine Forderung aufgegriffen, die für die GEW bereits in
den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf
der Tagesordnung stand, nämlich Lehrer/innen grundsätzlich der Laufbahngruppe des höheren Dienstes zuzuordnen.
Funktionsbezogene
Eingruppierung
in die Entgeltgruppen 14 und 15
In die Entgeltgruppen 14 und 15 sollenLehrkräfte eingruppiert werden, denen bei gleichzeitiger Erfüllung der
Voraussetzungen für die Eingruppierung in die Entgeltgruppe 13 höherwertige Aufgaben übertragen worden
sind. Neben Leitungstätigkeiten sollen hierzu unter
anderem auch Aufgaben mit Teilverantwortung für den
jeweiligen Fachbereich, für die Schulentwicklung, Evaluationsaufgaben und die einzelne Schule überschreitende Koordinierungsaufgaben gehören. Werden diese
Aufgaben wahrgenommen, ohne dass auch die Voraussetzungen für eine Eingruppierung in die Entgeltgruppe 13 erfüllt sind, sind die betreffenden Lehrkräfte eine
Entgeltgruppe tiefer, d.h. in die Entgeltgruppe 13 bzw.
14 eingruppiert.
Die Entgeltgruppe 12
als Qualifikationsgruppe
Unterhalb der Entgeltgruppe 13 sollen Lehrkräfte eingruppiert werden, die entweder über keine oder unvollständige Ausbildung als Lehrer/innen verfügen oder die
ihre Ausbildung als Lehrer/innen in
einem Fachhochschul- bzw. Bachelorstudiengang erworben haben.
Eine besondere Bedeutung gilt der
Entgeltgruppe 12, der nach heutigem Recht die Vergütungsgruppe III
bzw. II b mit Aufstieg in die Vergütungsgruppe II a (BAT) entspricht.
In sie sollen künftig diejenigen Lehrkräfte mit einer universitären Hochschulausbildung als Master, mit 1.
Staatsexamen oder mit Diplom eingruppiert werden, wenn sie eigenständig Unterricht an allgemein- und
berufsbildenden Schulen erteilen,
denen jedoch eine Voraussetzungen
für die Eingruppierung in die Entgeltgruppe 13 fehlt.
Die Ausgestaltung der Entgeltgruppe 12 als Qualifikationsgruppe ist
vor allem dem Umstand geschuldet,
dass der Arbeitgeber, wie zum Beispiel bei Seiteneinsteigern, Lehrkräfte, denen die Ausbildung als Lehrer
fehlt, uneingeschränkt zur eigenständigen Erteilung von Unterricht
in Anspruch nimmt, ohne sie wie
entsprechende Lehrer zu bezahlen.
Hier ist der Mangel der hinreichenden Ausbildung nicht der jeweiligen Lehrkraft zuzuschreiben, sondern primär dem Arbeitgeber. Er ist
nach der heutigen Eingruppierung
in doppelter Hinsicht Nutznießer,
indem er das Arbeitsvermögen dieser Lehrkräfte im vollen Umfang
zur Abdeckung des Unterrichtsbedarfs in Anspruch nimmt und sie
andererseits schlechter bezahlt als
entsprechend ausgebildete Lehrer.
In der Regel besitzen diese Lehrkräfte keine oder keine vollständige Ausbildung als Lehrer/innen, z.B. fehlt
ihnen das Referendariat bzw. die 2. Staatsprüfung.
Hierzu gehören auch Lehrkräfte aus einem EU-Land,
deren Ausbildung im Heimatland als Lehrerausbildung
nicht voll anerkannt ist.
Die Funktion der Entgeltgruppe 12 als Aufstiegsgruppe
ist nicht identisch mit den bisher in BAT/BAT-O geregelten Vergütungs-/Fallgruppen, aus denen ein Bewäh-
13
rungs- oder Fallgruppenaufstieg möglich war. Zwar ist
für die in diese Entgeltgruppen eingruppierten Lehrkräfte auch ein Aufstieg in die Entgeltgruppe 13 vorgesehen,
der sich jedoch nicht primär wie beim Bewährungs- oder
Fallgruppenaufstieg in einer zeitlich bestimmten Bewährung in der
Tätigkeit erschöpft. Vielmehr soll
Wertschätzung fehlt
für diese Lehrkräfte der Aufstieg in
Vor dem Hintergrund
die Entgeltgruppe 13 grundsätzlich
hoher Wertschätzung von
von einer zusätzlichen berufsbegleiKindern, Jugendlichen und
jungen Erwachsenen ist
tenden Qualifizierung mit Testat
pädagogische Arbeit eine
bzw. von einem erfolgreich absolvierder wertvollsten Tätigkeiten
ten Anpassungslehrgang abhängig
überhaupt. Gesellschaftliche
sein. Dabei ist der Arbeitgeber verWertschätzung von jungen
pflichtet, entsprechende MaßnahMenschen und pädagogischer
men anzubieten und zu gestatten.
Arbeit sind unauflösbar
Unterlässt er dies nach Ablauf einer
bestimmten Zeitspanne nach dem
miteinander verbunden.
In-Kraft-Treten der Entgeltordnung,
Unser Bildungswesen ist auf
sind diese Lehrkräfte in Abhängigbeiden Seiten jedoch nicht
keit von der Dauer ihrer Tätigkeit
von solcher grundlegenden
als Lehrkraft in die Entgeltgruppe
Wertschätzung geprägt. Seine
13 eingruppiert. Hinsichtlich der
Ausrichtung an Auslese und
Dauer der Tätigkeit, die hier geforzunehmender Testeritis, mit
dert werden kann, sollen die entInkaufnahme von Beschämung
sprechenden europäischen Richtund damit Beschädigung
linien zugrunde gelegt werden, die
junger Menschen, ist eine
fehlenden Ausbildungsteile durch
Seite. Die andere: Das
die doppelte Zeit einer BerufsausPersonal wird umso schlechter
bezahlt, je umfangreicher der
bildung jedoch nicht mehr als vier
pädagogische Anteil an seiner
Jahre, vorsehen. Andererseits bleibt
Ausbildung
eine Lehrkraft in die Entgeltgruppe
ist.
12 eingruppiert, wenn und soweit sie
trotz zumutbarer berufsbegleitender
Maßnahme bzw. AnpassungslehrJochen Nagel,
Vorsitzender der
gangs es ablehnt, an derselben bzw.
GEW Hessen
demselben teilzunehmen bzw. diese/
ihn nicht erfolgreich abschließt.
Die Eingruppierung von
Lehrkräften mit Fachhochschulbzw. Bachelorabschluss
Das nach Qualifikationsebenen untergliederte Bezahlungssystem des TV-L sieht für die Eingruppierung von
Beschäftigten mit Fachhochschul- bzw. Bachelorabschluss die Entgeltgruppe 9, 10, 11 und 12 vor. Dem
entspricht es, dass Lehrkräfte mit einer Fachhochschulbzw. Bachelorausbildung, die eigenständig Unterricht
14
erteilen, in die Entgeltgruppe 12 eingruppiert sind.
Hierzu gehört insbesondere die große Gruppe von Fachlehren, die fachpraktischen und teilweise berufstheoretischen Unterricht an einer beruflichen Schule erteilen,
wenn die Qualifikationsanforderungen erfüllt werden.
Weitere Gruppen von Lehrkräften, die in die Entgeltgruppe 12 eingruppiert sind, sind die als Lehrer ausgebildeten Lehrkräfte mit einer Lehrbefähigung für ein
allgemeinbildendes Fach und die an Sonder-/und Förderschulen als Lehrer tätigen Lehrkräfte, die nicht über
die für eine Eingruppierung in die Entgeltgruppe 13
geforderte Ausbildung als Sonderschullehrer verfügen.
In die Entgeltgruppe 11 sind Lehrkräfte mit einer in
einem Fachhochschul- oder Bachelorstudiengang
erworbenen Ausbildung eingruppiert, deren Ausbildung jedoch nicht auch zum Erwerb der Lehrbefähigung führt. In diesem Sinne erfüllt die Entgeltgruppe
11 wie auch die Entgeltgruppe 12 die Funktion einer
Qualifikationsgruppe. Insoweit gelten die Voraussetzungen der Entgeltgruppe 12.
In die Entgeltgruppe 10 sind Lehrkräfte mit einer Fachhochschul- bzw. Bachelorausbildung eingruppiert, die
nicht als Lehrer tätig sind oder Unterricht nicht eigenständig erteilen. Ferner sind in diese Gruppe Lehrkräfte mit einer Fachschulausbildung und einschlägigen
Zusatzqualifikationen, wie zum Beispiel für sonderund heilpädagogische Aufgaben eingruppiert.
Eingruppierung von Lehrkräften
ohne einschlägige Fachhochschul/Bachelorausbildung bzw. ohne
einschlägige Zusatzqualifikation
für sonder- und heilpädagogische
Aufgaben
Lehrkräfte mit einer Fachschul- oder Meister-/Technikerausbildung, die an Sonder- und Förderschulen als
pädagogische Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter oder als
pädagogische Unterrichtshilfen an Sonder- und Förderschulen bzw. an berufsbildenden Schulen zum Beispiel
als Werkstattlehrer tätig sind, sind in die Entgeltgruppe
9 eingruppiert.
In die Entgeltgruppe 8 sind Lehrkräfte mit einer Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und
berufs- bzw. sonderpädagogischer Zusatzausbildung,
die im fachpraktischen Unterricht an einer berufsbildenden Schule oder im Unterricht an einer Sonder-/
Förderschule tätig sind, eingruppiert.
Die Eingruppierung von
Lehrkräften mit einer Ausbildung
nach DDR-Recht
Lehrkräfte mit einer Ausbildung nach DDR-Recht leisten seit nunmehr fast 16 Jahren eine erfolgreiche Arbeit
im neuen Schulsystem, die qualitativ der Tätigkeit von
Lehrkräften mit einer nach neuem Recht bestimmten
Ausbildung in nichts nachsteht. Soweit erforderlich,
wurde eine Ergänzungsausbildung absolviert, so dass
schon heute für die Mehrzahl der Lehrkräfte mit einer
Ausbildung nach DDR-Recht im Tarifgebiet Ost keine Eingruppierungsunterschiede gegenüber den nach
neuem Recht ausgebildeten Lehrkräften mehr vorhanden sind. Dies und der Umstand, dass es sich beim Beitritt der DDR zur BRD um einen historisch einmaligen Vorgang handelt, rechtfertigt es, dass Lehrkräfte
mit einer Ausbildung nach DDR-Recht grundsätzlich so einzugruppieren sind, wie entsprechende Lehrkräfte, die über Ausbildung nach dem Recht der Länder im Tarifgebiet West oder im Tarifgebiet Ost nach
neuem Recht verfügen. Lehrkräfte mit einem vor dem
3.10.1990 erworbenen Abschluss als Lehrer an einer
Universität, Technischen Hochschule, Ingenieurhochschule oder Pädagogischen Hochschule sind deshalb
ohne Einschränkung in die Entgeltgruppe 13 eingruppiert. Dies gilt auch bei entsprechenden Ausbildungen
zum Diplomingenieurpädagogen, Diplomagrarpädagogen, Diplommedizinpädagogen, Diplomökonompädagogen, Diplomgartenbaupädagogen, Diplomhandelslehrer, Diplomgewerbelehrer und Diplomingenieur mit
berufspädagogischer Ausbildung.
Lehrkräfte mit einer Ausbildung als Lehrer für untere Klassen und einer Lehrbefähigung in den Fächern
Deutsch und Mathematik und einem Wahlfach sind
in die Entgeltgruppe 12 eingruppiert. Sie unterrichten eigenständig in den Klassen 1 bis 4 bzw. 5 und 6
verfügen auch über eine der Fachhochschul-/Bachelorausbildung vergleichbare Ausbildung. Dies gilt auch
für Ingenieurpädagogen im berufspraktischen und
teilweise berufstheoretischen Unterricht. Auch für
die übrigen Lehrkräfte, die nach DDR-Recht ausgebildet sind, darf es gegenüber der oben dargestellten
Eingruppierung keine ausbildungsbedingten Abweichungen geben.
Die neuen tarif lichen Eingruppierungsregelungen
für Lehrkräfte gelten im gesamten Bundesgebiet einheitlich. Deshalb verbietet es sich, die heutige Praxis,
wonach Lehrkräfte mit Ausbildung nach DDR-Recht
im Tarifgebiet West schlechter eingruppiert sind als
die anderen vergleichbaren Lehrkräfte, fortzusetzen. Die tariflich erschöpfend geregelte Eingruppierung von Lehrkräften darf deshalb nicht mehr danach
unterscheiden, ob es sich um eine Ausbildung nach
dem Recht der DDR oder um eine Ausbildung nach
dem Recht der Länder im Tarifgebiet West oder nach
neuem Recht im Tarifgebiet Ost handelt.
Das Verhältnis zur Eingruppierung
von Nicht-Lehrkräften
An Schulen sind nicht nur Lehrkräfte tätig, sondern
auch andere Beschäftigtengruppen wie Schulsozialarbeiter, Psychologen, Diplomheilpädagogen, Diplompädagogen, Jugendleiter/innen und Erzieher/innen.
Soweit sie nicht als Lehrkräfte tätig sind, erfolgt ihre
Eingruppierung nach dem Eingruppierungsrecht, das
für sonstige Beschäftigte des öffentlichen Dienstes gilt.
Deshalb müssen Verwerfungen zwischen den Eingruppierungen weitgehend vermieden werden. Das betrifft
zum Beispiel im besonderen Maße Schulsozialarbeiter, deren vorgesehene Eingangseingruppierung in Entgeltgruppe 9 den Anforderungen an Qualifikation und
Verantwortung von Schulsozialarbeitern nicht gerecht
wird.
Bundeseinheitliche vs.
landesspezifische Regelung
Der Bildungsbereich ist fast ausschließlich zu einer
eigenen Angelegenheit der einzelnen Länder geworden, bei der es allenfalls im Rahmen des Notwendigen
eine länderübergreifende Abstimmung und Koordination gibt. Dies gilt insbesondere für die Gestaltung des
Schulsystems eines Bundeslandes und damit zusammenhängend auch für den Zuschnitt der Tätigkeitsfelder von Lehrkräften und für die sich daraus ergebenden
Ausbildungsanforderungen. Dass sich dieser Differenzierungsprozess künftig beschleunigt, ist nicht auszuschließen, zumal mit der Föderalisierung im Bereich
des Beamten- und Besoldungsrechts die Freiräume der
Länder zur Gestaltung des Laufbahn- und Besoldungsrechts gewachsen sind. Es liegt auf der Hand, dass die
Länder diese Freiräume für sich und besonders für die
Lehrkräfte, die eine Hauptgruppe der Länderbeschäftigten ist, nutzen wollen. In der bundeseinheitlich geltenden Entgeltordnung für Lehrkräfte müssen deshalb
genügend Spielräume geschaffen werden. So entsteht
15
ein Maßstab, der in landesspezifischen tariflichen Eingruppierungsregelungen angewandt und konkretisiert, aber in keinem Fall unterschritten wird. Kommt
es in diesen Fällen zu keinen landesspezifischen Eingruppierungsregelungen, ist diese Lücke sinngemäß auf
der Grundlage der bundeseinheitlichen Wertungen zu
schließen.
Erhalt von Besitzständen
Im tariflichen Überleitungsrecht für die Länder ist vorgesehen, dass nach dem In-Kraft-Treten der Entgeltordnung alle Beschäftigten auf der Grundlage des neuen Eingruppierungsrechts eingruppiert werden. Sollten
sich daraus korrigierende Rückgruppierungen ergeben, ist die Differenz im Entgelt zwischen der bisherigen Eingruppierung und der neuen Eingruppierung als
Besitzstandszulage fortzuzahlen. Dabei wird die Besitzstandszulage um Stufensteigerungsgewinne ganz oder
in Intervallen abgebaut. Diese Verfahrensweise kann
für die Eingruppierung von Lehrkräften nicht angewandt werden, weil ihre derzeitige Eingruppierung
nach Grundsätzen erfolgt, die außerhalb des tariflichen Eingruppierungsrechts liegen. Hierzu gehört das
Fehlen von Bewährungs- und Tätigkeitsaufstiegen für
„Erfüller“ und deren Eingruppierung im Gleichklang
mit der beamtenrechtlichen Bewertung von entsprechenden Lehrämtern. Dies rechtfertigt und gebietet es,
Lehrkräfte mit einer am Tag des In-Kraft-Tretens der
Entgeltordnung höheren Eingruppierung nicht neu einzugruppieren, wenn die Neueingruppierung eine niedrigere Entgeltgruppe als bisher zur Folge hätte.
Ilse Schaad
Peter Jonas
16
Angestellte Lehrkräfte –
Vergütung statt Besoldung
Ausgangslage
Ob Lehrer Beamte sein müssen, wird immer wieder diskutiert und auch zu Recht bezweifelt. Bei der Gründung
der Bundesrepublik stand dies aber außerhalb jeder
Diskussion. Neben den Polizisten waren für den parlamentarischen Rat die Lehrer die Beamten schlechthin.
Das ergab sich aus dem verfassungsrechtlich geschützten Bildungsauftrag der Schule im Artikel 7 GG.
Aber auch sonst war das Tarifrecht des öffentlichen
Dienstes anfangs stark von den entsprechenden beamtenrechtlichen Bestimmungen geprägt. So sind die Eingruppierungsregelungen des BAT dem Laufbahnrecht
entliehen, die Systematik der Ortszuschläge entspricht
der der Beamtenbesoldung.
Damit ist es fast folgerichtig, dass die wesentlichen
Arbeits- und Bezahlungsbedingungen der Angestellten, die im Normalfall Beamte waren, nicht tariflich,
sondern wie bei den Beamten einseitig vom Arbeitgeber
festgelegt wurden. Das betrifft in erster Linie Lehrerinnen und Lehrer. Die entsprechenden Regelungen beziehen sich neben der Arbeitszeit und Urlaub insbesondere
auf die Eingruppierung.
Eingruppierung
Ursprünglich waren im BAT allerdings nur die Lehrkräfte in den Vergütungsgruppen Ia bis III von den allgemeinen Eingruppierungsregelungen ausgenommen. Es
handelte sich damit also in erster Linie um Angestellte
in der Tätigkeit von Studienräten des höheren Dienstes,
Realschullehrern und Schulleitungen. Ab dem 1. Januar 1966, also fünf Jahre nach Inkrafttreten des BAT,
galt die Anlage 1a generell nicht mehr für die angestellten Lehrkräfte. Durch die Einführung der Vorbemerkung Nr. 5 zu allen Vergütungsgruppen waren sie von
der Anlage 1 a ausgenommen, falls nicht ein besonderes
Tätigkeitsmerkmal für sie vereinbart worden ist. Besondere Tätigkeitsmerkmale gab es für Lehrkräfte an allgemein bildenden und beruflichen Schulen nicht, sondern
nur für spezielle Gruppen wie z.B. Schwimmlehrer bei
der Bundeswehr.
Die Eingruppierung der Lehrkräfte und ihre Bewährungsaufstiege wurden nun durch Richtlinien der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) beschrieben. Die
Bundesländer haben diese Richtlinien entweder inhaltsgleich übernommen oder den besonderen Bedingungen des jeweiligen Landes angepasst. So wurden z.B.
in Hamburg angestellte Lehrkräfte, die die Laufbahn-
voraussetzungen erfüllten, noch bis
Ende der 80er Jahre entsprechend
der Beamtenbesoldung vergütet,
weil diese Mitte der 50er Jahr deutlich besser war als die Vergütung
vergleichbarer Angestellter.
Im Zuge der Tarifentwicklung und
der immer häufigeren Abkoppelung
der Beamten von Tariferhöhungen
änderte sich dieses Verhältnis, so
dass ein Überwechseln in die BATVergütung erkämpft werden musste.
Die Richtlinien wurden laufend
ergänzt z.B. um die Eingruppierung
der Lehrkräfte für muttersprachlichen Unterricht gemäß der KMKVereinbarung vom 8. April 1976.
Insbesondere die Einstellung nicht
vollausgebildeter Lehrkräfte in Zeiten des Lehrermangels machten die
Richtlinien insgesamt unübersichtlich und widersprüchlich, zum Teil
gerieten sie auch in Widerspruch zu
den tariflichen Eingruppierungen
der Anlage 1a, z.B. bei der Zuordnung sozialpädagogischer Fachkräfte zum Eingruppierungstarifvertrag
Sozial- und Erziehungsdienst.
Schließlich hatte die Ausgrenzung
der Lehrkräfte aus der Anlage 1a
noch weitere Nachteile zur Folge,
so z.B. den Ausschluss und später
die nur teilweise Einbeziehung der
Lehrkräfte in die Tarifverträge über
die allgemeine Zulage.
Ein Zweihundertstel …
Gute Bildung und Erziehung
sind Ziel und Ergebnis
professioneller pädagogischer
Arbeit in allen Lebens- und
Entwicklungsphasen von
Kindern, Jugendlichen und
Erwachsenen. Insofern hat
pädagogische Arbeit für die
gesamte Gesellschaft ihren
Wert und sollte entsprechend
vergütet werden. Besonders der
überholte Grundsatz: „Kleine
Kinder – kleines Gehalt“
muss durchbrochen werden.
Maßstab für die Vergütung
pädagogischer Arbeit
müssen die Entgeltgruppen
12 und 13 (bei Pädagogen
mit abgeschlossener
Hochschulausbildung) sein.
Mein Zu-Satz: Ein
Zweihundertstel des
derzeitigen Deutsche-BankChef-Gehaltes ist für die
Arbeit eines Pädagogen,
eingedenk seiner Bedeutung,
wohl nicht zu viel verlangt –
oder?
Jürgen Röhreich,
Vorsitzender der
GEW Thüringen
GEW und Tarifpolitik
Die Beschäftigung der GEW mit Eingruppierungsfragen
der Lehrkräfte ging einher mit dem Umbau der Organisation zu einer Tarifgewerkschaft. Dieser Prozess begann
mit dem Gewerkschaftstag in Kiel 1971. Die Satzung
selbst und noch mehr die Beschlüsse der Gewerkschaftstage spiegeln diese Entwicklung im Laufe der 70er Jahre
wieder. Neben allgemeinen Forderungen nach besserer
Besoldung, besserer Ausbildung und kürzeren Arbeitszeiten beschäftigten sich die Gewerkschaftstage der GEW
auch bald mit Tariffragen. 1980 beschloss der Gewerkschaftstag, den Hauptvorstand zu beauftragen, sich für
17
die Einbeziehung der angestellten Lehrkräfte und Schulassistenten in die Anlage 1a einzusetzen. Alle folgenden
Gewerkschaftstage bis 1993 haben diese Linie bestätigt.
Durch die tarifliche Verweisung auf das Besoldungsrecht
im BAT-O konnte sogar ein kleiner Erfolg erzielt werden. Mit der Vereinbarung zum TV-L, die Eingruppierung angestellter Lehrkräfte tariflich festzuschreiben, ist
ein weiterer Schritt getan worden.
Nimmt man die politischen Grundlagen des TV-L ernst,
wäre eine weitere reine Verweisung auf das Beamtenrecht
völlig systemwidrig, da das erklärte Ziel des neuen Tarifrechtes die Loslösung vom Beamtenrecht ist.
Ungerechtigkeiten im System
der Eingruppierungsrichtlinien
Die TdL-Richtlinien unterscheiden zwischen Erfüllern
und Nicht-Erfüllern.
Erfüller sind angestellte Lehrkräfte, die die Laufbahnvoraussetzungen für ein Beamtenverhältnis erfüllen,
aber aus persönlichen Gründen nicht Beamte werden
können. Diese Gründe sind in der Regel: Überschreiten von Altersregeln, Nicht-EU-Staatsbürgerschaft und
gesundheitliche Eignung. Einige Bundesländer praktizieren eine generelle Einstellung der Lehrkräfte im
Angestelltenverhältnis.
Diese Lehrkräfte (Erfüller) werden in die Vergütungsgruppen eingruppiert, die den Besoldungsgruppen der
Beamten entsprechen. Sie werden auch bezüglich der
Höhergruppierungen durch Zeit, Übernahme von Aufgaben oder Funktionsstellen so behandelt, wie die entsprechenden Beamten. Die Eingruppierung folgt mithin eng den beamtenrechtlichen Bestimmungen.
Anders bei den Nicht-Erfüllern: Sie verfügen über Qualifikationen, die keine Laufbahnbefähigungen darstellen.
Dies kann dadurch begründet sein, dass für diese Tätigkeiten Beamte überhaupt nicht vorgesehen sind wie z.B.
bei pädagogischen Unterrichtshilfen. In der Mehrzahl
der Fälle liegt der Grund aber darin, dass entsprechende
Abschlüsse (z.B. das zweite Staatsexamen) nicht vorliegen.
Die Bandbreite der Qualifikationen reicht von Personen
mit Hochschulabschlüssen über andere abgeschlossene
Berufsausbildungen bis hin zu solchen Personen, die die
Lehrertätigkeiten ohne einen Abschluss ausüben.
In den Eingruppierungstarifverträgen in der Anlage 1a
zum BAT besteht der Grundsatz, dass, wenn eine für
die Tätigkeit erforderliche Qualifikation nicht erbracht
wird, die Eingruppierung eine Stufe unterhalb der Normaleingruppierung erfolgt.
18
Dieses Prinzip wird in den TdL-Richtlinien zur Eingruppierung der Lehrkräfte durchbrochen.
Die Eingruppierung orientiert sich an den Kriterien
Ausbildungsniveau und Schulform. Dadurch entstehen
Eingruppierungen, die eine Stufe unter der Regeleinstufung der Erfüller liegen, aber auch solche, bei denen
es zu einer Differenz von mehreren Stufen bei der gleichen Tätigkeit kommt. So erhalten Lehrkräfte an Gymnasien, die ein Fach unterrichten, eine Vergütung zwischen BAT III und Vb je nach Qualifikationsniveau.
Im Fall der Gymnasien und beruflichen Schulen ist
aber für Nicht-Erfüller auch die Vergütungsgruppe IIa
der Erfüller erreichbar, wenn sie über ein abgeschlossenes Hochschulstudium in zwei Fächern verfügen und
diese auch unterrichten. Das Ablegen einer zweiten
Staatsprüfung wird in diesem Fall nicht gefordert.
Zusätzlich ist für bestimmte Qualifikationen an Gymnasien und beruflichen Schulen die Vergütungsgruppe
BAT IIb festgelegt worden, die einer stringenten systematischen Eingruppierungsregelung ebenfalls widerspricht.
GEW: Lehrertätigkeit
angemessen bezahlen
Naturgemäß hat die GEW sich in den späten 60ern
und frühen 70ern Jahren in erster Linie mit der Besoldung der Lehrkräfte beschäftigt.
Die Eingruppierung der angestellten Lehrerinnen und
Lehrer folgte auf Grund der tariflichen Sonderbestimmungen der Besoldungsordnung. Anfang der 70er Jahre trat die GEW für eine besondere Lehrerbesoldung
ein, die sogenannte L-Besoldung.
Sie sollte vier Gruppen umfassen.
L1 Lehrkräfte mit einer pädagogisch fachlichen Ausbildung auf der Basis eines Realschulabschlusses.
L2 Lehrkräfte mit fachgebundener oder allgemeiner Hochschulreife und einem Kurzstudium bzw.
einem Studium an einer anderen als einer wissenschaftlichen Hochschule.
L3 Lehrkräfte mit abgeschlossenem wissenschaftlichen
Studium und Vorbereitungsdienst.
L4 Lehrkräfte der Gruppe L3 mit zusätzlichen Qualifikationen
Die Gruppe L 3 sollte etwas über dem Niveau der Besoldungsgruppe A 13 angesiedelt sein. Grundsätzlich vertrat die GEW die Auffassung, dass “eine einheitliche
Lehrerbesoldung, die alle im Amt befindlichen Lehrer
mindestens in die Eingangsgruppe des höheren Diens-
tes einreiht“. Im Grundsatz sollten also alle tätigen Lehrer mit einer abgeschlossenen Lehrerausbildung in das
neue System übergeleitet werden.
Für die Zukunft forderte die GEW, dass Voraussetzung
für die Tätigkeit als Lehrerin und Lehrer ein mindestens achtsemestriges wissenschaftliches Studium vorgesehen werden sollte.
Die GEW-Vorschläge spielten in der öffentlichen Diskussion zwar eine große Rolle, wurden in der Praxis
aber nur ansatzweise umgesetzt. So führte Hamburg
eine einheitliche achtsemestrige wissenschaftliche Ausbildung für die Lehrerin und Lehrer aller Schulstufen
mit anschließendem Referendariat ein und leitete die
vorhandenen Lehrkräfte nach längeren gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen auch in das neue Amt A 13
über. Die Bezahlung der hamburgischen Studienräte an
Volks- und Realschulen erfolgte nach der Besoldungsgruppe A13 (BAT II a). In den übrigen Bundesländern
wurden die auf der Kultusministerkonferenz diskutierten Reformvorschläge entweder nur im Ansatz oder
überhaupt nicht weiter verfolgt.
Durchlässigkeit fördern –
Tätigkeit als Kriterium
für Eingruppierung
Mitte der 90er Jahre entwickelte sich in der GEW
neben der Diskussion um eine qualifizierte Lehrerausbildung eine Diskussion über die Bezahlung angestellter Lehrkräfte auf Grund ihrer Tätigkeit. Maßgeblich
dafür war zum einen die Erfahrung der Zuordnung der
Lehrerinnen und Lehrer mit Ausbildung in der DDR
in das Bezahlungssystem der Bundesrepublik Deutschland West sowie die seit Jahrzehnten als ungerecht empfundene unterschiedliche Bezahlung von Lehrkräften
mit unterschiedlicher Qualifikation.
Die gleichzeitig stattfindenden Anwerbeversuche der
Bundesländer für sogenannte Seiteneinsteiger haben
diese Debatte erneut verschärft, da häufig Personen
betroffen waren, die in ihrem Ausgangsberuf in der
sogenannten freien Wirtschaft eindeutig höhere Einkommen erzielen konnten als mit einer auf dieser Qualifikation aufbauenden Lehrertätigkeit.
Die durch die Regelung des TV-L größer gewordene
Differenz zwischen Beamten und angestellten Lehrerinnen und Lehrer bzgl. der Bezahlung tut ein Übriges,
diese Diskussion wieder aufzunehmen.
In der GEW werden derzeit Modelle diskutiert, nach
denen es möglich sein muss, dass Lehrerinnen und Leh-
rer ohne entsprechende Formalqualifikationen, die am
deutschen Beamtenrecht orientiert sind, im Laufe ihres
Berufslebens durch Tätigkeit und Zusatzqualifikationen die gleiche Bezahlung erlangen können, die Lehrerinnen und Lehrern mit einer entsprechenden Lehrerausbildung von Anfang an erhalten.
Andreas Hamm
19
Bachelor- und Masterabschlüsse
in der Lehrer/innenbildung
Der im Jahr 1999 eingeleitete
„Bologna-Prozess“ hat zur umfassendsten Studienstrukturreform an
deutschen Hochschulen seit Ende
der 60er Jahre geführt. In Bologna
und den bisher drei Folgekonferenzen haben sich die europäischen Bildungsminister zum Ziel gesetzt, die
Mobilität der Studierenden zu erhöhen, allgemeine und vergleichbare Abschlussgrade zu schaffen und
die Qualität der Hochschulbildung
durch gemeinsame Standards sowie
durch Evaluations- und Akkreditierungsverfahren zu erhöhen.
Im Unterschied zu den bisherigen
Diplom-, Magister- und Staatsexamensabschlüssen besteht das neue
Studiensystem im Wesentlichen aus
zwei Studienstufen: Dem undergraduate und dem graduate.
Die erste Stufe (Bachelor/BA) muss
Andreas MeyerLauber, Vorsitzenein Vollzeitstudium von mindesder der GEW Nortens drei Jahren umfassen und zu
drhein-Westfalen
einem eigenständigen berufsqualifizierenden Abschluss führen.
Dieser ist auch Voraussetzung für
die Aufnahme eines Masterstudiums. In Deutschland haben sich die Länder darauf
verständigt, dass ein Masterabschluss (TCMA) eine
fünfjährige Gesamtstudiendauer erfordert. Die neue
Studienstruktur ist gekennzeichnet durch die Gliederung der Studieninhalte in Module (Modularisierung),
durch studienbegleitende Prüfungen und die Vergabe
von Kreditpunkten im Rahmen des Europäischen Kreditpunktesystems (ECTS). Ein stärkerer Praxisbezug,
mehr internationale Elemente sowie neue Lehr- und
Lernformen sollen dazu führen, dass Studierende in
größerem Umfang und schneller als bisher ihr Studium erfolgreich abschließen. In dieser Beziehung hat die
Bundesrepublik erheblichen Nachholbedarf. Während
im OECD-Durchschnitt 35 Prozent eines Altersjahrganges ein Studium abschließen, sind es in Deutschland nur 20,6 Prozent. Allerdings ist die Umstellung
auf das System mit Bachelor- und Masterstudiengängen
mit einer erheblichen Zunahme der Arbeitsbelastung
der Studierenden verbunden. Für einen Masterabschluss
nach fünf Jahren sind insgesamt 300 Kreditpunkte zu
erwerben. Für einen Kreditpunkt ist ein Studienauf-
Niedriglöhne demontieren
Motivierte und selbstbewusste
Lehrkräfte führen Schülerinnen
und Schüler zu einem besseren
Ergebnis. „Proud to be a
teacher“ setzt eine angemessene
und Respekt zollende
Eingruppierung und Bezahlung
voraus. Niedriglöhne hingegen
führen zur Demotivation.
Warum noch ein langes
Studium und ein Referendariat
durchstehen, wenn danach keine
entsprechende Wertschätzung
durch die öffentliche Hand
folgt? Die Wertschätzung des
Lehrberufs in Sonntagsreden
ist gestiegen. Jetzt muss den
Worten das Gehalt folgen.
20
wand von 30 Zeitstunden eingeplant. Pro Jahr müssen
60 Punkte erworben werden, entspricht 1.800 Stunden.
Das ist bis auf acht Wochen „Urlaub“ eine durchgängige
40 Stundenwoche. Es wundert nicht, dass Studierende
in den neuen Studiengängen über eine hohe Belastung
klagen, die ihnen kaum noch Zeit für familiäre Verpflichtungen, Kindererziehung, notwendige Erwerbstätigkeit oder hochschulpolitisches Engagement lässt.
Vieles liegt bei der Umstellung in den Hochschulen im
Argen. Dennoch ist der Prozess unumkehrbar. Nach
Angaben der Hochschulrektorenkonferenz waren zum
Stichtag 1. September 06 bereits 45 Prozent aller Studiengänge an deutschen Hochschulen auf BA bzw. MA
umgestellt.
In der Lehrer/innenbildung ist die Modularisierung
des Studiums und die mögliche Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge vor allem durch die Ende
der 90er Jahre erstarkte Diskussion um inhaltliche und
strukturelle Defizite bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern befördert worden. So hatte eine von
der KMK eingesetzte Kommission im Jahr 1999 festgestellt, dass sämtliche Studienelemente stärker als bisher
am späteren Berufsfeld ausgerichtet sein müssen und die
Beliebigkeit des Studienangebots bzw. des Studierens
sowohl auf Seiten der Lehrenden wir der Studierenden
dringend überwunden werden muss („Perspektiven der
Lehrerbildung in Deutschland“, Abschlussbericht der
von der KMK eingesetzten Kommission, Bonn 1999).
Defizite in der Ausbildung
Vor dem Hintergrund der veränderten beruf lichen
Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer sowie des
bevorstehenden Generationswechsels der Lehrkräfte
wurden von KMK, Wissenschaftsrat und verschiedenen
von den Ländern eingesetzten Kommissionen zahlreiche Vorschläge für eine bessere Ausbildung unter stärkerer Verzahnung aller Phasen der Lehrerbildung formuliert. Bei der Defizitbeschreibung waren sich nahezu
alle Expert/innen einig: Die Universitäten bilden mehr
Fachwissenschaftler/innen als Lehrer/innen aus, die
Verbindung zum anschließenden Referendariat ist nicht
vorhanden und die Weiterbildung im Beruf ist eher sporadisch denn professionsbezogen. Die Ausbildung dauert zu lange, der staatlich dominierte Prüfungsmarathon kommt einem zweiten Studium gleich.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass gerade die Lehrer/
innenbildung in vielen Ländern zum Vorreiter bei der
Einführung des neuen gestuften Studiensystems wur-
de. Damit bestand auch die große Chance, die äußerst
unterschiedlichen Studiensysteme und Studiendauern
für Lehrerinnen und Lehrer anzugleichen und so für
eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse und deren
gegenseitige Anerkennung zu sorgen, eines der wesentlichen Ziele des Bologna-Prozesses. Es bestand die Hoffnung, die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern
grundsätzlich einheitlich zu gestalten und nicht mehr
am gestuften und hoch selektiven deutschen Schulsystem auszurichten.
Länderförderalismus
Die Schulleistungsvergleiche wie PISA bestätigten die
Einschätzung, dass gerade die Schülerinnen und Schüler in den unteren Jahrgängen die am Besten ausgebildeten Lehrkräfte benötigen.
Bei der Umsetzung hat sich allerdings wieder einmal
gezeigt, dass die Länder in Gestalt der Kultusministerkonferenz (KMK) nicht willens und in der Lage sind,
die starke Differenzierung in der Lehrer/innenbildung
zu überwinden. Im Unterschied zu allen anderen Studiengängen hat die KMK im Bereich der Lehrer/innenbildung zugelassen, dass ein Masterabschluss auch mit
weniger als 300 Kreditpunkten erreicht werden kann.
Ihr sog. „Quedlinburger Beschluss“ von Juni 2005 stellt
eine Kapitulation vor dem Länderföderalismus dar. Für
die Anerkennung der neuen Abschlüsse formulierte die
KMK wenige windelweiche Voraussetzungen, die den
Ländern großzügige Gestaltungsfreiheiten belassen:
æ ein integratives Studium an Universitäten oder
gleichgestellten Hochschulen von mindestens zwei
Fachwissenschaften und von Bildungswissenschaften in der Bachelorphase sowie in der Masterphase,
æ schulpraktische Studien bereits während des Bachelor-Studiums,
æ keine Verlängerung der bisherigen Regelstudienzeiten (!) und
æ die Differenzierung des Studiums und der Abschlüsse nach Lehrämtern.
Darüber hinaus wurde die Erwartung ausgesprochen,
dass die Länder alle Lehramtsstudiengänge modularisieren, die Module an ländergemeinsamen Standards
ausrichten und die Studiengänge akkreditieren und
begleitend evaluieren.
Ausdrücklich festgelegt wurde, dass lauf bahnrechtliche Regelungen der Länder von der Reform „unberührt“ bleiben. Es gibt keine Einigung über die Dauer des Masterstudiums, keine Einigung über die Dauer
des Referendariats und letztlich auch keine Vorgabe,
dass ein Masterabschluss zwingende Voraussetzung für
den Zugang zum Referendariat ist. Die Länder können
selbst entscheiden, ob sie in der Lehrer/innenbildung
überhaupt das gestufte Studiensystem einführen.
Bunter Strauß
Schaut man sich den aktuellen Umsetzungsstand in
den einzelnen Ländern an, blickt man demzufolge auf
einen bunten Strauß von Modellen. Bayern, BadenWürttemberg, Hessen und das Saarland haben bisher
keine generelle Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse geplant. Hamburg und Schleswig-Holstein
planen die Umstellung 2007/08, Mecklenburg-Vorpommern 2008/09 sowie Thüringen ohne genaue Zeitangabe. Modellversuche an einzelnen Standorten gibt es
in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Durchgängig eingeführt haben bisher das neue Studiensystem Berlin,
Brandenburg, Bremen, und Rheinland-Pfalz sowie Niedersachsen (bis
auf die Universität Osnabrück).
Dabei ist festzustellen, dass für alle
Lehrämter ein Bachelor-Studium
von sechs Semestern vorgeschrieben
ist. Das anschließende Masterstudium als Voraussetzung für das Referendariat dauert allerdings lediglich
bei den Studienräten vier Semester.
Bei allen anderen Lehrämtern sind
zwei und in wenigen Fällen auch
drei Semester für die Masterphase
veranschlagt. Lediglich Sachsen hat
bei seinem Modellversuch in Leipzig
in allen Lehrämtern ein viersemestriges Masterstudium. Die Ausbildung von Sonderschullehrer/innen
ist bisher nur in Berlin mit lediglich
zwei Semestern Masterphase vorgesehen (in Rheinland-Pfalz mit drei
und ansonsten mit vier Semestern).
Noch unterschiedlicher entwickelt
sich die Dauer des an den Lehramts-Masterabschluss anschließenden Referendariats. Von zwölf über
15, 18 bis zu 24 Monaten ist alles
vertreten, wobei verschiedene Zeiten schulpraktischer Ausbildung aus
21
dem Studium angerechnet werden.
Dort, wo bisher nicht auf BA und
MA umgestellt wird, variieren die
Regelstudienzeiten wie bisher zwischen sieben und zehn Semestern;
für die Grund- und Hauptschulen
in Baden-Württemberg sogar nur
sechs Semester.
Diese Gemengelage hat gravierende Aus wirkungen auf den
Zugang künftiger Lehrerinnen
und Lehrer zum Schuldienst anderer Länder und auf deren besoldungs- und vergütungsrechtliche
Einordnung. Schon bisher behalten
sich die Ländern trotz grundsätzlicher gegenseitiger Anerkennung der
Abschlüsse vor, welche Lehramtsausbildungen ohne Weiteres zum
Zugang zum Referendariat und
danach zum Schuldienst berechtigen. Grund- und Hauptschullehrer/innen aus Baden-Württemberg
Annett Lindner,
Vorsitzende der
können davon ebenso ein Lied sinGEW Mecklengen wie Lehrer/innen mit einem
burg-Vorpommern
Fach (typischerweise Grundschule) aus Berlin oder Sonderpädagoginnen. Statt mit dem neuen Studiensystem die bundesweite Mobilität
von Lehrerinnen und Lehrern zu erhöhen, werden die
unterschiedlichen Systeme unter neuem Namen fortgeschrieben. Die Erfüllung der für die Anerkennung der
neuen Abschlüsse formulierten Kriterien (s.o.) wird wie
bisher nicht dazu führen, dass auch eine Einstellung im
anderen Bundesland problemlos möglich ist.
Bildung ist Treibstoff
PISA belegt die derzeitige
bildungspolitische Schwindsucht. Und Sonntagsreden
mehr oder weniger prominenter
Politiker lassen in erster Linie
den journalistischen Blätterwald
rauschen. Wenn Politik
Bildung wirklich als Treibstoff
gesellschaftlicher Entwicklung
begriffe und entsprechend
handelte, würde deutlich Licht
am Ende des Tunnels sichtbar.
Das Ziel pädagogischer Arbeit
liegt letztlich in der Befähigung
der Schüler zum selbstständigen
lebenslangen Lernen, verbunden
mit dem Erwerb sozialer
Kompetenz. Und das muss uns
etwas wert sein.
Niedrige Eingangsstufe
Bei der Bezahlung der Lehrkräfte steht zu befürchten,
dass unterhalb der Gruppe der Studienräte bzw. Lehrer in der Sekundarstufe (Sek) II der Druck in Richtung Absenkung der Eingangseinstufung wächst. Kul-
tus- und Finanzministerkonferenz haben sich darauf
verständigt, dass ein Bachelorabschluss zum gehobenen Dienst berechtigt, ein Masterabschluss grundsätzlich zum höheren Dienst. Allerdings sind für Masterabschlüsse 300 Kreditpunkte bzw. ein fünfjähriges
Gesamtstudium erforderlich, was aber im Bereich der
Lehrer/innenbildung i.d.R. nur für die Studienräte
umgesetzt wird. Es ist absehbar, dass die Lehrer/innen
mit nur einem ein- oder anderthalbjährigen Masterstudium nicht dem höheren Dienst zugeordnet werden sollen. Galt z.B. in Berlin bisher eine gleiche Studien- und
Referendariatsdauer bei Studienräten, Lehrern in der
Sek I und Sonderpädagog/innen mit der anschließenden einheitlichen Einstufung in A 13 bzw. BAT II a,
so dürfte das künftig kaum zu halten sein. Der Grund:
Nur die Studienräte haben eine zweijährige Masterphase und ein zweijähriges Referendariat.
Die Voraussetzungen für eine möglichst einheitliche
Eingruppierung der Lehrkräfte, unabhängig davon, in
welchen Schulformen und Schularten sie unterrichten,
sind damit nicht besser geworden. Dazu kommt, dass
die Diskussion um einen Lehramtsbachelorabschluss
(ohne Masterstudium) in einigen Ländern erneut aufgeflammt ist, was das Bezahlungsniveau weiter drücken
würde.
Die Forderung der GEW nach einer Eckeingruppierung
im TV-Länder in Entgeltgruppe 13 für alle Lehrerinnen
und Lehrer wird nur schwer durchsetzbar sein, solange
die Länder abweichend von allen anderen Hochschulausbildungen (auch an der Fachhochschule!) bei der
Lehrer/innenbildung einen Masterabschluss mit weniger als 300 Kreditpunkten oder gar nur einen Bachelorabschluss zulassen. Die GEW muss sich weiter dafür
stark machen, dass die Ausbildung der Lehrerinnen und
Lehrer losgelöst von der Schulstruktur nach einheitlichen und vergleichbaren Standards erfolgt. Das vorherrschende Prinzip, wonach für „kleine Schüler/innen die
Lehrkräfte mit kleinem Master und kleinem Gehalt“
ausreichen, muss durchbrochen werden.
Matthias Jähne
Anmerkung zu Tabellen auf den folgenden Seiten:
Zusammenstellung der GEW BERLIN, Redaktion: Matthias Jähne,
Verkürzungen der Referendariatszeit werden i. d. R. durch die
Stefan Müller | Quelle: www.berufswahl.de; KMK-Übersicht über den
Anrechnung von schulpraktischen Anteilen aus dem Studium oder von
Stand der Reformmaßnahmen in der Lehrerbildung | Stand: 04.07.2006
berufspraktischen Erfahrungen (berufsbildender Bereich) vorgenommen
(bisher nicht veröffentlicht).
22
Lehramt
Staatsexamen
Dauer (Semester)
BA/MA
Referendariat
(Monate)
Baden-Württemberg
Grund- und Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufliche Schulen (Höheres Lehramt)
Sonderschule
6
7
10
9 bzw. 10
8
Bayern
Grundschule, Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufliche Schulen
Sonderschule
8
8
10 (bzw. 11 bei Fächerverbindung Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt)
10
10
Berlin
Amt der Lehrerin/des Lehrers
Amt der Lehrerin/des Lehrers mit fachwissenschaftlicher Ausbildung in zwei Fächern
Amt der Studienrätin/des Studienrats (allgemeinbildend)
Amt der Studienrätin/des Studienrats mit beruflicher Fachrichtung
Amt des Lehrers an Sonderschulen
Brandenburg
Sekundarstufe I, Primarstufe
Gymnasium
Berufliche Schule
Sonderpädagogik
18
18
18
18
18
Umstellung geplant
7/3 (an 5 Standorten umgestellt)
24
24
24
24
24
6/2
6/2
24 geplant: 12
24 geplant: 12
6/4
6/4
6/2
24
24
24 geplant: 12
6/3
6/4
24
24
derzeit in Brandenburg kein Angebot
24
in Brandenburg nur Vorbereitungsdienst & Zweite Staatsprüfung
Bremen
Elementar- bzw. Grundschule (1.-4. Klasse)
Sekundar- bzw. Gesamtschule (5.-10. Klasse)
Gymnasium & Gesamtschule (5.-13. Klasse)
Berufsbildende Schule
Förderzentren/Sonderschule
6/2
6/2
6/4
6/4
6/4
24 ab 1.1.2008: 18
24 ab 1.1.2008: 18
24 ab 1.1.2008: 18
24 ab 1.1.2008: 18
24 ab 1.1.2008: 18
Hamburg
Grund- & Mittelstufe, Realschule
Oberstufe
Oberstufe – Berufliche Schulen
Sonderschule
9,5
9,5
9,5
9,5
Hessen
Grundschule
Haupt- & Realschule
Gymnasium
Berufliche Schule
Förderschule
7
7
9
9
9
Mecklenburg-Vorpommern
Grund- & Hauptschule
Haupt- & Realschule
9
9
allg. Umstellung ab WS 2008/09
24
6/4 (Modellversuch in Greifswald für Deutsch, Englisch, 24
Gymnasium
9
6/4 (Modellversuch in Greifswald für Deutsch, Englisch, 24
Berufliche Schulen
Sonderpädagogik
9
9
allg. Umstellung ab WS 2008/09
Umstellung ab WS 2007/08
Umstellung ab WS 2007/08
Umstellung ab WS 2007/08
Umstellung ab WS 2007/08
(bzw. 10,5 bei Bildender Kunst oder Musik als Unterrichtsfach
18 (geplant: 12)
18 (geplant: 12)
18 (geplant: 12)
18 (geplant: 12)
24
24
24
24
24
6/4 (Darmstadt)
Französisch & Geschichte) allg. Umstellung ab WS 2008/09
Französisch & Geschichte) allg. Umstellung ab WS 2008/09
24
24
allg. Umstellung ab WS 2008/09
23
Niedersachsen
Grund-, Haupt- & Realschule,
Schwerpunkt Grundschule
Grund-, Haupt- & Realschule,
Schwerpunkt Haupt- & Realschule
Gymnasium
Berufsbildende Schule
Sonderpädagogik
Nordrhein-Westfalen
Grund-, Haupt- & Realschule
& entspr. Gesamtschule
Gymnasium u. Gesamtschule
Berufskolleg
Sonderpädagogik
Lehramt
Staatsexamen
Dauer (Semester)
BA/MA
8 (nur noch Osnabrück)
6/2 (Modellversuch, Umstellung geplant)
18
8 (nur noch Osnabrück)
6/2 (Modellversuch, Umstellung geplant)
18
9 (nur noch Osnabrück)
6/4 (Modellversuch, Umstellung geplant)
6/4 (Modellversuch, Umstellung geplant)
6/4
18
18
18
7
6/2 (Modellversuch, Umstellung geplant)
24
9
9
9
6/4 (Modellversuch, Umstellung geplant)
6/4 (Modellversuch, Umstellung geplant)
6/4 (Modellversuch, Umstellung geplant)
24
24
24
6/2
6/2
6/4
6/4
6/4
15
15
15
15
15
Rheinland-Pfalz
Grund- & Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufsbildende Schule
Förderschulen
Saarland
Primarstufe & Sekundarstufe I
(Klassen 5-9)
Hauptschule & Gesamtschule
Realschulen & Gesamtschulen
Gymnasium & Gesamtschule
(Klassen 5-13)
Berufliche Schule
Sonderschule
Sachsen
Grundschule
Mittelschule bzw. Höheres
Lehramt Gymnasium
Förderschulen
Berufsbildende Schule
Sachsen-Anhalt
Grundschule
Sekundarschule
Gymnasium
Berufsbildende Schule
Förderschule
Schleswig-Holstein
Grund- & Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufsbildende Schule
Sonderschule
Thüringen
Grundschule
Regelschule
Gymnasium
Berufsbildende Schule
Förderschule
(Aufbaustudium Sonderpädagogik)
24
Referendariat
(Monate)
(im Saarland kein Studienangebot, nur Angebot des Vorbereitungsdienstes)
24
7
7
9
24
24
24
9
24
24
(im Saarland kein Studienangebot)
7 (Dresden)
8 (Mittelschule/Dresden)
9 (Gymnasium/Dresden)
9 (Dresden)
6/4 (Leipzig)
6/4 (Leipzig)
24 (geplant 18)
24 (geplant 18)
6/4 (Leipzig)
24 (geplant 18)
24 (geplant 18)
7
8 (bzw. 9 bei Musik oder Kunsterziehung)
9 (bzw. 10 bei Musik oder Kunsterziehung
9
6/4 (Modellversuch)
9
7 (Kiel)
9 (Kiel)
9 (Kiel u. Flensburg)
6/2
6/2 (Flensburg) Umstellung in Kiel: WS 2007/08
6/4 (Umstellung WS 2007/08)
6/4 (Umstellung WS 2007/08)
6/4 (Flensburg)
24
24
24
24
24
24
24
24
24
24
6/3 (Erfurt)
24 (geplant: 18)
8 (Jena)
6/3 (Erfurt) (allg. Umstellung geplant: 6/3)
24
9 (Jena)
Umstellung geplant: 6/3
24
9
Umstellung geplant: 6/3
24
5 (Präsenz- oder Vollzeitstudium)
24
6 (berufsbegleitendes Teilzeitstudium) Zulassungsvoraussetzung: erste Staatsprüfung
für Lehramt an Grundschulen, Regelschulen oder gleichwertig
Unsichtbare Lehrerleistung –
Vor- und Nachbereitung
Bei Fritz Reuter findet sich die Aussage, fünf Jahre seien
eine lange Zeit, wenn man sie von vorne sieht; fünf Jahre sind eine kurze Zeit, wenn man sie von hinten sieht.
Wie steht es da mit 55 Jahren? Vor 55 Jahren nämlich –
genauer 57 – schrieb Heinrich Roth einen Aufsatz über
„Die Kunst der rechten Vorbereitung“ 1 Wir wollen die
Erkenntnisse Roth´s zunächst nur in Erinnerung rufen.
Auf aktuelle Bildungspolitik gewendet ist leider auch
eine sich vermutlich vernichtend selbst beantwortende
Frage zu stellen.
Heinrich Roth entwickelt ein Spektrum der rechten
Vorbereitung mit fünf Sektoren,
1. Das Bereithalten der Sache um die es geht, den Stoff
als Kulturgut.
2. Die pädagogische Besinnung auf das Bildsame der
Inhalte, um die es gehen soll.
3. Die psychologische Besinnung auf die Schüler und
die eigene Stellung als Lehrer dazu.
4. Aus all dem folgt die Besinnung auf die mögliche
und die angebracht scheinende Methode, den Weg
der Vermittlung.
5. Abschließend stellt sich die Frage nach der konkreten Planung der einzelnen Unterrichtsstunde – ob das
überhaupt sinnvoll und möglich ist.
Der erste Sektor, so kann man meinen, sollte sich aus
den Fachstudien der Lehramtsstudenten ergeben. So
war und ist es wohl auch nach wie vor gedacht. Doch
Roth will hier tiefer gründen. Er lehnt den Ausdruck
der Beherrschung des Stoffes eines Faches ab. Vielmehr
gehe es um ein eigenpersönliches Verhältnis zu einem
in einem Fachstudium aufgehobenen Kulturgut, das
ein Lehrer als von den Inhalten ergriffener Fachlehrer,
als Person vertritt. Fachliche Überzeugung steht damit
gegen Fachkenntnis ohne persönlichen Bezug. Diese
Auffassung begründet nebenbei die allgemeine Fortbildungsverpflichtung für Lehrerinnen und Lehrer. Die
schulrechtliche Formalisierung dieser bis vor kurzem
nur allgemein angewiesenen Pflicht wandelt allerdings
den Charakter des Selbstverständnisses von Lehrern als
Fachvertreter. Sie führen als Anweisung aus, was sie vorher aus sich heraus hatten tun sollen.
Mit dem zweiten Sektor, dem Bezug auf die Besinnung
des Bildungswerts der Inhalte, die es zu unterrichten
gilt, verweist Roth auf die Notwendigkeit, sich als Lehrer der Bedeutsamkeit der zu vermittelnden Inhalte für
die Schüler/innen bewusst zu werden. Dem schließt sich
logisch zwingend im dritten Sektor das Vergegenwärtigen der Leistungsmöglichkeiten der jeweils zu unterrich-
tenden Schüler/innen an – ergänzt
um die Einschätzung der lehrereigeNicht unterschiedlich
nen Möglichkeiten, dem gerecht zu
bewerten
werden.
Pädagogische Arbeit kann
Die im vierten Sektor des Spekund darf nicht von Land zu
Land bzw. von angestellten
trums genannte Aufgabe besteht
zu beamteten Lehrkräften
darin, die Lehre in der unter den
unterschiedlich bewertet
eingeräumten Arbeitsbedingungen
werden. Der Wert pädagogischer
im Groben zu strukturieren. Das
Arbeit richtet sich nach den
meint, sich der allgemeinen ArbeitsTätigkeitsfeldern, in denen
bedingungen zu vergewissern, in der
die Kolleginnen und Kollegen
die einzelnen Lehrerinnen und Leheingesetzt werden. Deshalb
rer ihren Unterricht gestalten sollen
und das auf ihre Art und Weise.
brauchen wir tarifvertragliche
Im fünften und letzten Segment,
Regelungen, die in der ganzen
der konkreten Unterrichtsplanung
Bundesrepublik Geltung haben
einzelner Unterrichtsstunden steht
(sollten/müssen). Einseitige
der Verlauf des jeweils aktuellen
Festlegungen der Arbeitgeber
Unterrichts zur Entscheidung an.
können und wollen wir nicht
Nicht umsonst verwendet Roth auf
mehr akzeptieren, denn der
die beiden letzten Sektoren den gröWettlauf nach unten hat
ßeren Anteil an Textraum. Hier
schon längst eingesetzt (siehe
geht es um die Vielfalt denkbarer
Regierungserklärung von Kurt
Idealtypen von Unterricht. Die finBeck (SPD), Ministerpräsident
von Rheinland-Pfalz, vom 30.
det ihre sachliche Basis in den zuvor
Mai 2006).
zu unterstellenden Qualifikationen und aktualisierten Überlegungen. Roth fragt, was von der VerTilman Boehlkau,
Vorsitzender der
fahrensweise im voraus festgelegt
GEW Rheinlandwerden kann. Das Wesen der Kunst
Pfalz
der Vorbereitung sieht Roth darin,
„… lebendige pädagogische Situation en, die aus sich selbst heraus ein
Erkenntnisgefälle zum Gegenstand
hin erzeugen …“ zu schaffen.2 Er warnt vor ungeplantem Vorstoß in ein unbekanntes Land, eben jede neue
Unterrichtstunde ebenso wie vor dem Verzicht auf situationsgerechte Wendigkeit. Jede Lehrerin, jeder Lehrer
kennt das aus eigenem Erleben.
Arbeitsanforderungen
Was also hat uns Heinrich Roth heute zu sagen, was
schon vor 55 Jahren jeder Praktiker hat wissen können
bzw. die meisten vermutlich eigentlich gewußt haben ?
„Ja, so müßte Unterricht geplant und realisiert werden,
aber …“. Das in Erinnerung zu rufen und gleichzeitig die
Arbeiten Roths wieder ins Bewußtsein zu rücken, veranlasste zu diesen Ausführungen. Der Grund dafür ist es
25
noch nicht! Roth, der das Wort von
der mittlerweile anscheinend in Vergessenheit geratenen realistischen
Wende der Erziehungswissenschaft
geprägt hat, dokumentiert mit seiner Analyse gerade seinen Realismus. Im Grunde beschreibt Roth
im Sinne der Arbeitswissenschaften
und insbesondere des Konzepts von
Rohmert/Rutenfranz die schwierige
informatorisch mentale Arbeitsanforderung eines normalen Lehrers.
Das begründet die Rückbesinnung
auf einen Qualitätsstand, der schon
einmal erreicht war – und haben
die tonangebenden Bildungspolitiker unserer Tage, die mit diesen
Erkenntnissen in ihrem Studium
eigentlich konfrontiert worden sein
müßten, daraus gelernt ? Diese Frage ist der Grund für unsere Rückbesinnung, auch wenn die Antwort auf
der Hand zu liegen scheint, nämlich
„nichts“. So bleibt denn nur zu sagen,
was sie hätten lernen bzw. beherzigen können und sollen.
Vorbereitung
braucht Zeit
Dass u.a. Unterrichtsvorbereitung
Zeit braucht ist unübersehbar.
Unsere Sprache über Schule und
Studium ist voll von Zeitbegriffen
– von Semestern über Schuljahre, Unterrichtsstunden bis zu Pausen und Ferien. Guter Unterricht,
so wie von Heinrich Roth beschrieben, ist offenkundig das Produkt
schwieriger reflexiver Vorleistung
und ergänzender Nachbesinnung.
1
Roth, H.; Die Kunst der rechten Vorbereitung in „Die Sammlung“
5 Jg., 3.Heft März 1950 wieder abgedruckt in: H. Roth, Pädagogische Psychologie des Lehrens und Lernens, Hannover 1966 9.te Auflage S.119-129
26
Gemeint ist pädagogische Leistung! Davon einfach
mehr zu verlangen, indem die Anzahl der Pflichtstunden heraufgesetzt und die Anzahl der Schüler pro Klasse erhöht wird, dokumentiert schlichtweg fachliche
Inkompetenz der bildungspolitisch Verantwortlichen.
Selbst geborene Pädagogen brauchen Zeit, pädagogisch
zu arbeiten, und gerade die wird ihnen verweigert. Man
mag sich geniale Augenblicksideen wünschen, fruchtbare Momente am laufenden Band, auf Dauer durchzuhalten sind sie nicht.
Notwendige Arbeits- und Lernzeit kann man auf verschiedene Weise verweigern. Man verlangt mehr im
gleichen Zeitraum, man verringert mit der Steigerung
der Schülerzahlen je Klasse die je Schüler zuwendbare
Lehrerzeit, man verringert bei gleich bleibender Leistungsanforderung an die Schüler die Anzahl der Fachstunden. Und damit ist das Thema noch keineswegs
ausgereizt. Die pädagogische Fantasie der besonderen
Art in und aus den Bildungsverwaltungen kann auch
auf schlimme Dinge gerichtet sein.
Roth charakterisiert die Notwendigkeit des besonderen
Fachbezugs der Lehrer/innen als Qualitätsgarantie für
lebendigen Unterricht. Ist eigentlich bekannt, in welchem Umfang fachfremder Unterricht erzwungen wird?
Welcher Fachlehrer kann, ja muss manchmal, – und
letztlich immer öfter – am Sinn seines Faches und seiner Fachorientierung zweifeln, wenn dessen Bildungsbedeutung von operationalistischen Testpunktwerten
á la TIMSS oder PISA dysfunktionalisiert wird. Von
Bildungsverwaltungen vorgegebener Operationalismus
entfremdet jeden in den Schulgesetzen gemeinten Bildungsprozess zu oberflächlichen Behaltensleistungen.
So stellt sich Hänschen und Fränzchen und auch Willilein Schule vor. Doch dafür lohnt sich der ganze Aufwand eigentlich nicht. Zudem ist seine Wirksamkeit
trotz aller Bildungsbemühungen ernsthaft zu befragen.
Sinnentleerung durch Testeritis sind Heinrich Roths
Vorstellungen gegenüber zu stellen : Ideal versus Wirklichkeit. Das ist das Anliegen in diesen Ausführungen.
Prof. Dr. Hans-Geotg Schönwälder
2
Roth, H.; Die Kunst der rechten Vorbereitung, a.a.O, S.128; gesperrter Text im Original.
Vom Tauschwert pädagogischer Arbeit
Pädagogische Arbeit wird in unserer Gesellschaft von
vielen Personen geleistet: Im privaten Bereich leisten
Eltern, Großeltern, Geschwister und Verwandte pädagogische Arbeit, indem sie als Familienangehörige Kinder beaufsichtigen, erziehen und unterweisen. Professionelle pädagogische Arbeit leisten in den Kindergärten
Erzieherinnen und Erzieher, in den allgemein bildenden Schulen und den Berufsschulen speziell dafür ausgebildete Lehrkräfte. Ihnen allen wird auch von allen
Seiten bescheinigt, wie wertvoll und überaus wichtig
die von ihnen geleistete Arbeit sei. Insbesondere Politiker loben alle gesellschaftlichen Kräfte, die sich an
der Erziehung der nachfolgenden Generationen beteiligen. Gelobt wird viel (insbesondere vor einer anstehenden Wahl), denn es ist kostengünstiger die pädagogisch
Engagierten zu loben als sie (leistungsgerecht) zu bezahlen. Diese simple Kausalkette sind sogar Politiker bereit
zu verstehen.
Zumindest aber wer außerhalb seines privaten Umfeldes
professionell einer pädagogischen Arbeit nachgeht, hat
Anspruch auf angemessene Bezahlung seiner Tätigkeit.
Was in diesem Zusammenhang als „angemessen“ anzusehen ist, wird von den gesellschaftlichen Kräften ausgehandelt. Dabei ist die Höhe der Bezahlung wohl auch als
Gradmesser gesellschaftlicher Wertschätzung der Arbeit
der verschiedenen Personengruppen anzusehen. Es gilt
die Faustformel: Je jünger die Zielgruppe, desto geringer
die Bezahlung! Kindergärtner/innen verdienen weniger
als Grundschullehrer/innen, diese wiederum weniger als
Gymnasiallehrer/innen. D.h.: Die gesellschaftliche Wertschätzung pädagogischer Arbeit steigt mit zunehmendem
Alter der Kinder und Jugendlichen.
Was leisten Lehrer?
Was aber leisten z.B., um bei meiner eigenen Profession
zu bleiben, Lehrerinnen und Lehrer in unseren Schulen
für das Geld, das sie bekommen? Welche Gegenleistung
erbringen sie also dafür?
Zunächst einmal leisten Lehrkräfte gesellschaftlich relevante pädagogische Arbeit. Sie leisten sie im Interesse der
Gesellschaft und im Interesse jedes Einzelnen. So tragen
sie z.B. zur Lebensvorbereitung der Schülerinnen und
Schüler bei und sorgen für die Vermittlung kultureller
Werte, die zum Erhalt und zur Weiterentwicklung unserer Kultur notwendig sind. Auch die Vermittlung allgemeiner Gepflogenheiten des sozialen Umgangs, die für
Heranwachsende notwendig sind, um sich in den alltäglichen privaten und öffentlichen Situationen des gesell-
schaftlichen Lebens zurechtzufinden,
wären hier zu nennen.
Vom faulen Sack
Bereits die beiden, hier nur ansatzzum Helden
weise da rgestel lten Au fgaben
machen deutlich, wie breit das von
„Vom faulen Sack zum Held
Lehrkräften abgedeckte Spektrum
des Alltags – Proud to be a
pädagogischer Arbeit und wie notteacher?“ Diesen Text hat sich
ein engagierter GEW-Kollege
wendig und wertvoll es auch für die
aufs T-Shirt gedruckt. Er
Gesellschaft insgesamt ist. In seizeigt die ganze Bandbreite der
nem Strukturplan für das BildungsWertschätzung pädagogischer
wesen hat der Deutsche Bildungsrat
Arbeit. Während Politikerinnen
bereits 1970 die Vielfalt des Berufsund Politiker am Sonntag das
bildes der Lehrkräfte unter AufgaHohelied der pädagogischen
bengesichtspunkten strukturiert
und dabei die fünf Aufgaben LehArbeit singen, kürzen sie am
ren, Erziehen, Beurteilen, BeraMontag die Gehälter und
ten und Innovieren herausgearbeierhöhen die Arbeitszeit. Damit
tet. Weitere zu nennende Aufgaben
diskreditieren sie die Arbeit
wären das Beaufsichtigen und Veraller im Bildungsbereich
walten sowie das Dokumentieren
Beschäftigten. Dennoch ist es
der eigenen Arbeit.
umso wichtiger, dass wir unsere
Die genannten Grobkategorien lasInteressen selbstbewusst und
sen sich nach Durchsicht der Schuloffensiv vertreten.
gesetze, Verordnungen und Erlasse
der Bundesländer weiter unterteiRainer Dahlem,
Vorsitzender der
len. So lassen sich leicht über 50
GEW Badeneinzelnen Aufgaben identifizieren,
Württemberg
die Lehrkräfte in Ausübung ihres
Amtes erledigen müssen: Unterricht
vor- und nachbereiten, Unterricht
erteilen, Klassenarbeiten, Tests,
Hausaufgaben und Mappen korrigieren, Prüfungen
vorbereiten und durchführen, Unterrichtsgänge, Klassenfahrten und andere Schulveranstaltungen vorbereiten und durchführen, Schüler und Eltern informieren
und beraten, Lernentwicklung der Schüler dokumentieren, Förderpläne erstellen, in Gremien der Schulentwicklung mitarbeiten usw.
Da Lehrkräfte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes
sind, gilt auch für sie eine Jahresarbeitszeit von ca. 1770
Stunden (das entspricht der Jahresarbeitszeit im öffentlichen Dienst bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von
40 Std.). In dieser Zeit müssen sie alle ihnen obliegenden Aufgaben erledigen (können). Eine Modellrechnung soll das Ausmaß pädagogischen Engagements
verdeutlichen. Dabei wird von folgenden Modellannahmen ausgegangen:
40 Unterrichtswochen im Schuljahr, 26 Pflichtstunden
pro Unterrichtswoche, eine Lehrkraft unterrichtet acht
27
Lerngruppen mit jeweils 25 Schülern, im Schuljahr
werden pro Lerngruppe 5 Klassenarbeiten geschrieben.
Somit kann folgende Modellrechnung aufgestellt werden: Die Unterrichtszeit in einem Schuljahr beträgt ca.
780 Stunden (40 x 26 x 0,75), für die eigene Fortbildung
können (z.B. in Bremen) 30 Stunden angesetzt werden.
Somit verbleiben von der Jahresarbeitszeit noch ca. 960
Stunden zur Erledigung aller anderen Aufgaben.
Eine Lehrkraft erteilt im Schuljahr ca. 1040 Unterrichtsstunden (40 x 26) und korrigiert ca. 1000 Klassenarbeiten (8 x 25 x 5). In den verbleibenden 960 Stunden muss sie daher
æ 1040 Unterrichtsstunden vor- und nachbereiten,
æ 1000 Klassenarbeiten korrigieren,
æ die Lernentwicklung von 200 Schülern beobachten
und ggf. schriftlich dokumentieren,
æ 200 Schüler und deren Eltern beraten,
æ an Konferenzen und sonstigen Schulveranstaltungen teilnehmen und
æ auch noch die übrigen Aufgaben, die in Gesetzen,
Verordnungen und Erlassen explizit genannt werden, erledigen.
Ob in der verbleibenden Zeit von 960 Stunden wirklich alle noch außerhalb des Unterrichts anfallenden
Aufgaben und Arbeiten tatsächlich (und mit dem an
die Lehrkräfte zu stellenden Qualitätsanspruch) erledigt werden können, muss an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Hier genügt die Frage danach.
Es bleibt aber festzustellen, dass Lehrkräfte ein hohes
Arbeitspensum absolvieren.
Bei gleichzeitiger Intensivierung der Arbeit und realen Gehaltseinbußen findet de facto eine Entwertung
pädagogischer Arbeit statt. Der Tauschwert pädagogischer Arbeit sinkt. Gesellschaftlich gesehen handelt es
sich dabei um eine Neupositionierung und Neubewertung der Arbeitsleistung von Lehrkräften: Im Vergleich
zur Vergangenheit ist die geleistete Arbeit heute nicht
mehr so viel wert wie früher; die Arbeitsleistung wurde
objektiv entwertet. Zumindest subjektiv müssen Lehrkräfte dies als Geringschätzung ihrer Arbeitsleistung
empfinden.
Reiner Schölles
28
Entgelttabellen TVL
Entgelttabelle TV-L West
Gültig für die Zeit vom 1. November 2006 bis 31. Dezember 2007
Entgeltgruppe
Grundentgelt in Euro
Entwicklungsstufen in Euro
Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
15
3.384
3.760
3.900
4.400
4.780
14
3.060
3.400
3.600
3.900
4.360
13
2.817
3.130
3.300
3.630
4.090
12
2.520
2.800
3.200
3.550
4.000
11
2.430
2.700
2.900
3.200
3.635
10
2.340
2.600
2.800
3.000
3.380
9
2.061
2.290
2.410
2.730
2.980
8
1.926
2.140
2.240
2.330
2.430
2.4933)
7
1.8004)
2.000
2.130
2.230
2.305
2.375
6
1.764
1.960
2.060
2.155
2.220
2.2855)
5
1.688
1.875
1.970
2.065
2.135
2.185
4
1.602
1.780
1.900
1.970
2.040
2.081
3
1.575
1.750
1.800
1.880
1.940
1.995
2
1.449
1.610
1.660
1.710
1.820
1.935
1
Je vier Jahre
1.286
1.310
1.340
1.368
1.440
6)
Stufe 6
Entgelttabelle TV-L Ost
Gültig vom 1. November 2006 bis 31. Dezember 2007
Entgeltgruppe
Grundentgelt in Euro
Entwicklungsstufen in Euro
Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
15
3.130
3.478
3.608
4.070
4.422
14
2.831
3.145
3.330
3.608
4.033
13
2.606
2.895
3.053
3.358
3.783
12
2.331
2.590
2.960
3.284
3.70
11
2.248
2.498
2.683
2.960
3.362
10
2.165
2.405
2.590
2.775
3.127
9
1.906
2.118
2.229
2.525
2.757
8
1.782
1.980
2.072
2.155
2.248
2.306 3)
7
1.6654)
1.850
1.970
2.063
2.132
2.197
6
1.632
1.813
1.906
1.993
2.054
2.1145)
5
1.561
1.734
1.822
1.910
1.975
2.021
4
1.482 6)
1.647
1.758
1.822
1.887
1.925
3
1.457
1.619
1.665
1.739
1.795
1.845
2
1.340
1.489
1.536
1.582
1.684
1.79
1
Je vier Jahre
1.190
1.212
1.240
1.265
1.332
Stufe 6
2
29
Tabellenentgelt für Lehrkräfte
(für Überleitung 1. November 2006 und für Neueinstellung ab 1. November 2006)
Tarifgebiet West
gültig für die Zeit vom 1.November 2006 bis 31.Dezember 2007
Die Beiträge der Entgelttabelle West sind in den Entgeltgruppen 9 bis 13 um 72,00 Euro und in den Entgeltgruppen 5,6 und 8 um 64,00 Euro
gemindert worden.
Entgeltgruppe
Grundentgelt in Euro
Entwicklungsstufen in Euro
Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
13
2.745,00
3.058,00
3.228,00
3.558,00
4.018,00
12
2.448,00
2.728,00
3.228,00
3.478,00
3.928,00
11
2.358,00
2.628,00
2.828,00
3.128,00
3.563,00
10
2.268,00
2.528,00
2.728,00
2.928,00
3.308,00
9
1.989,00
2.218,00
2.338,00
2.658,00
2.908,00
8
1.862,00
2.076,00
2.176,00
2.266,00
2.366,00
2.429,00
6
1.700,00
1.896,00
1.996,00
2.091,00
2.156,00
2.221,00
5
1.624,00
1.811,00
1.906,00
2.001,00
2.071,00
2.121,00
Hinweise zum Tabellenentgelt für Lehrkräfte (West):
Angestellte im allgemeinen Verwaltungsdienst bekommen nach BAT
zum 31. Oktober 2006 eine allgemeine Zulage in Höhe von 114,60 Euro
bzw. 107,44 Euro im Monat. Studienräte bekommen eine „Studienratszulage“, die in ihrer Höhe etwa der allgemeinen Zulage von 114,60 Euro
entspricht. Die übrigen Lehrkräfte erhalten nach BAT zum 31. Oktober
2006 eine um ca. 72 Euro bzw. 64 Euro niedrigere allgemeine Zulage. Die
Stufe 6
Tabelle enthält die für Lehrkräfte um 72 Euro bzw. 64 Euro geminderten
Beträge der Entgelttabelle des TV-L. Sie gelten sowohl für die Überleitung als auch für die ab 1. November 2006 neu eingestellten Lehrkräfte.
Im TVÜ-L wurde vereinbart, dass diese Minderung stufenweise mit
den nächsten zehn Gehaltsanpassungen abgeschmolzen wird, so dass
am Ende Lehrkräfte das gleiche Tabellenentgelt erhalten wie die übrigen
Beschäftigten der Länder.
Tarifgebiet Ost
gültig für die Zeit vom 1.November 2006 bis 31.Dezember 2007
Die Beträge der Entgelttabelle Ost sind in den Entgeltgruppen 9 bis 13 um 66,60 Euro und in den Entgeltgruppen 5,6 und 8 um 59,20 Euro
gemindert worden
Entgeltgruppe
Grundentgelt in Euro
Entwicklungsstufen in Euro
Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
13
2.539,40
2.828,40
2.986,40
3.291,40
3.716,40
12
2.264,40
2.523,40
2.893,40
3.217,40
3.633,40
11
2.181,40
2.431,40
2.616,40
2.893,40
3.295,40
10
2.098,40
2.338,40
2.523,40
2.708,40
3.060,40
9
1.839,40
2.051,40
2.162,40
2.458,40
2.690,40
8
1.722,80
1.920,80
2.012,80
2.095,80
2.188,80
2.246,80
6
1.572,80
1.753,80
1.846,80
1.933,80
1.994,80
2.054,80
5
1.501,80
1.674,80
1.763,80
1.650,80
1.915,80
1.961,80
Stufe 6
Hinweise zum Tabellenentgelt für Lehrkräfte (Ost):
Angestellte im allgemeinen Verwaltungsdienst bekommen nach BATO zum 31. Oktober 2006 eine allgemeine Zulage in Höhe von 106,01
Euro bzw. 99,38 Euro im Monat. Studienräte bekommen eine „Studienratszulage“, die in ihrer Höhe etwa der allgemeinen Zulage von
106,01 Euro entspricht. Die übrigen Lehrkräfte erhalten nach BATO zum 31. Oktober 2006 eine um ca. 66,60 Euro bzw. 59,20 Euro
niedrigere allgemeine Zulage. Die Tabelle enthält die für Lehrkräf-
30
te um 66,00 Euro bzw. 59,00 Euro geminderten Beträge der Entgelttabelle Ost des TV-L. Sie gelten sowohl für die Überleitung als
auch für die ab 1. November 2006 neu eingestellten Lehrkräfte.
Im TVÜ-L wurde vereinbart, dass diese Minderung stufenweise mit
den nächsten zehn Gehaltsanpassungen abgeschmolzen wird, so dass
am Ende Lehrkräfte das gleiche Tabellenentgelt erhalten wie die übrigen
Beschäftigten der Länder.
Übersicht zum Tarifergebnis TV-Länder
Tarifgebiet West
EG 14-15
Überleitung BAT C TV-L: IIa mit ausstehendem Aufstieg nach Ib-I , I-bI
Beschäftigte: Leitungsfunktionen, Koordinatoren, Wissenschaftler
EG 12 - 13
Überleitung BAT C TV-L: IIa (wenn Nichterfüller: IIa nach Aufstieg aus III oder IIb,
III oder IIb mit ausstehendem Aufstieg nach IIa) 6)
Beschäftigte: IIa ohne Aufstieg nach Ib-I
LK an Gym, BbSLK an R, S (teilweise GH) (wenn IIa), Wissenschaftler
EG 9-11
Überleitung BAT C TV-L: Vb bis III
(bei III ohne Aufstieg nach IIa) IIb
Beschäftigte: LK an GH (teilweise S), PM in Vb (FöS)
EG 1- 8
Überleitung BAT C TV-L: X bis Vc
Beschäftigte: Erzieher/innen, PM in Vc
(GS, GanztagsS usw.)
LK als Nichterfüller, (soweit VIb oder Vc)
Juli 2006
November 2006
Januar 2007
September 2007
November 2007
November/
Dezember 2007
Januar 2008
November 2008
November/
Dezember 2008
Einmalzahlung I
Urlaubsgeld 1)
Jahressonderzahlung 2)
Einmalzahlung II
Einmalzahlung III
Jahressonderzahlung 3)
150,00 €
255,65 €
95%
310,00 €
450,00 €
95%
100,00 €
255,65 €
80%
210,00 €
300,00 €
80%
50,00 € (EG 12: 100,00 €)
255,65 €
50%
60,00 (EG 12: 210,00 €)
100,00 (EG 12: 300,00 €)
50%
50,00 €
255,65 €
35%
60,00 €
100,00 €
35%
Leistungsentgelt 4)
Tabellenerhöhung
Jahressonderzahlung 5)
ca. 12%
2,9%
95%
ca. 12%
2,9%
80%
ca. 12%
2,9%
50 %
ca. 12%
2,9%
35%
Leistungsentgelt 4)
ca. 12%
ca. 12%
ca. 12%
ca. 12%
1) Das Urlaubsgeld wird letztmalig an die Bestandsbeschäftigten
gezahlt, die der Nachwirkung des bisherigen Urlaubsgeldtarifvertrages unterliegen.
2) Gilt nur für Bestandsbeschäftigte, deren Arbeitsverhältnis bereits am
30.6.2003 bestanden hat und die seit diesem Zeitpunkt hinsichtlich
der Zuwendung der tariflichen Nachwirkung unterliegen.
3) Nach dem 30.6.2003 neu eingestellte Beschäftigte: Falls ihnen vor
dem 1.11.2006 eine niedrigere oder gar keine Zuwendung zustand,
bekommen sie die Differenz 2007 nur zur Hälfte ausgeglichen.
4) Nähere Regelungen über die Ausgestaltung des Leistungsentgelts
werden in landesbezirklichen Tarifverträgen vereinbart. Dabei kann
auch vereinbart werden, dass das Gesamtvolumen des Leistungsentgeltes zusätzlich zur Jahressonderzahlung auf alle Beschäftigten
gleichmäßig verteilt ausgeschüttet wird. Kommt kein TV zustande, erhalten die Beschäftigten mit dem Tabellenentgelt des Monats
Dezember 12 % des für den Monat September desselben Jahres
jeweils zustehenden Tabellenentgelts ausgezahlt.
5) Gilt spätestens ab diesem Zeitpunkt für alle Beschäftigten, eröffnet aber auch landesbezirkliche Kündigungsmöglichkeiten zum
31.12.2008.
6) Lehrkräfte mit einer Ausbildung nach dem Recht der DDR gelten
gemäß TV-L als Erfüller
31
Tarifgebiet Ost
EG 14-15
Überleitung BAT C TV-L: IIa mit ausstehendem Aufstieg nach Ib-I , I-bI
Beschäftigte: Leitungsfunktionen, Koordinatoren, Wissenschaftler
EG 12 - 13
Überleitung BAT C TV-L: IIa (wenn Nichterfüller: IIa nach Aufstieg aus III oder IIb,
III oder IIb mit ausstehendem Aufstieg nach IIa) 6) ,
IIa ohne Aufstieg nach Ib-I
Beschäftigte: LK neuen Rechts an Sek, Gym, FöS und BbS (Sek nur, wenn IIa),
LK mit DDR-Ausbildung an Sek, Gym, FöS, BbS (wenn IIa)
EG 9-11
Überleitung BAT C TV-L: V b bis III
(bei III ohne Aufstieg nach IIa)
IIb
Beschäftigte: LK an GS, Ein-Fach-LK, Sek-LK
neuen Rechts, LK als Nichterfüller, PM in Vb (FöS)
EG 1- 8
Überleitung BAT C TV-L: X bis Vc
Beschäftigte: Erzieher/innen, PM in Vc
(GS, GanztagsS usw.)
LK als Nichterfüller, (soweit VIb oder Vc)
Juli 2006
November 2006
September 2007
November 2007
November/
Dezember 2007
Januar 2008
Mai 2008
November 2008
November/
Dezember 2008
Januar 2010
Einmalzahlung I
Urlaubsgeld 1)
Jahressonderzahlung 2)
Einmalzahlung III
Jahressonderzahlung 3)
150,00 €
255,65 €
71,5 %
450,00 €
71,5 %
100,00 €
255,65 €
60 %
300,00 €
60 %
50,00 € (EG 12: 100,00 €)
255,65 €
45 %
100,00 (EG 12: 300,00 €)
45 %
50,00 €
255,65 €
30 %
100,00 €
30 %
Leistungsentgelt 4)
Ost-West-Angleichung
Tabellenerhöhung
Jahressonderzahlung 5)
ca. 12 %
ca. 12 %
100%(100% nur für Vb)
2,9%
2,9%
71,5 %
60%
ca. 12 %
2,9%
45 %
ca. 12 %
2,9%
30%
ca.12%
100%
ca.12%
100%
Leistungsentgelt 4)
Ost-West-Angleichung
ca.12%
-
Abkürzungen:
EG Entgeltgruppe, PM Pädagogische Mitarbeiter/innen, GS Grundschule,
GanztagsS Ganztagsschulen, LK Lehrkräfte, S Sonderschulen,
GH Grund- und Hauptschulen, Gym Gymnasium, FöS 0 Förderschulen,
Bbs Berufsbildenden Schulen, R Realschulen
Stand 13.12.2006
32
ca.12%
100%
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Antrag auf Mitgliedschaft
Persönliches
Berufliches
Frau / Herr Nachname (Titel)
Berufsbezeichnung 1) für Studierende: Berufsziel
Vorname
Diensteintritt / Berufsanfang
Straße, Nr.
Tarif-/Entgelt-/Besoldungsgr. Stufe Bruttoeinkommen € monatlich
gültig seit:
Postleitzahl, Ort
Betrieb / Dienststelle 2)
Geburtsdatum
Nationalität
Träger des Betriebs / der Dienststelle
gewünschtes Eintrittsdatum
Telefon
Straße, Nr. des Betriebs / der Dienststelle
bisher gewerkschaftlich organisiert bei von bis (Monat/Jahr)
Fachgruppe
Postleitzahl, Ort des Betriebs / der Dienststelle
Beschäftigungsverhältnis
Name/Ort der Bank
—
—
—
—
—
—
—
Kontonummer
Bankleitzahl
Jedes Mitglied der GEW ist verpflichtet, den satzungsgemäßen
Beitrag zu entrichten und seine Zahlungen daraufhin regelmäßig
zu überprüfen. Änderungen des Beschäftigungsverhältnises mit
Auswirkungen auf die Beitragshöhe sind umgehend der Landesgeschäftsstelle mitzuteilen. Überzahlte Beiträge werden nur für
das laufende und das diesem vorausgehende Quartal auf Antrag
verrechnet. Die Mitgliedschaft beginnt zum nächstmöglichen
Termin. Der Austritt ist mit einer Frist von drei Monaten schriftlich
dem Landesverband zu erklären und nur zum Ende eines
Kalendervierteljahres möglich.
angestellt
beamtet
in Rente
pensioniert
ABM
arbeitslos
Sonstiges
—
—
—
—
—
Honorarkräfte
beurlaubt ohne Bezüge
teilzeitbeschäftigt mit — Std./Woche
im Studium
Vorbereitungsdienst/Berufspraktikum
befristet bis —— —— ————
Mit meiner Unterschrift auf diesem Antrag ermächtige ich die
GEW zugleich widerruflich, den von mir zu leistenden Mitgliedsbeitrag vierteljährlich von meinem Konto abzubuchen. Die
Zustimmung zum Lastschrifteinzug ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Wenn mein Konto die erforderliche Deckung nicht
aufweist, besteht seitens des kontoführenden Geldinstituts keine
Verpflichtung zur Einlösung.
Unterschrift
Ort, Datum
wird von der GEW ausgefüllt
GEW-KV/-OV
Dienststelle
Tarifbereich
Beschäftigungsverhältnis
Bitte senden Sie den ausgefüllten Antrag an den für Sie
zuständigen Landesverband der GEW bzw. an den Hauptvorstand.
Die Anschriften finden Sie auf Seite 35.
✃
Vielen Dank! Ihre GEW
Fachgruppe
Kassiererstelle
Mitgliedsbeitrag €
Startmonat
Die uns von Ihnen angegebenen personenbezogenen Daten
sind nur zur Erfüllung unserer satzungsgemäßen Aufgaben auf
Datenträgern gespeichert und entsprechend den Bestimmungen
des Bundesdatenschutzgesetzes geschützt.
Fachgruppe
~
~
~
~
~
~
~
~
~
~
~
~
Erwachsenenbildung
Gesamtschulen
Gewerbliche Schulen
Grundschulen
Gymnasien
Hauptschulen
Hochschule und Forschung
Kaufmännische Schulen
Realschulen
Schulaufsicht und Schulverwaltung
Sonderschulen
Sozialpädagogische Berufe
1) Berufsbezeichnung
Geben Sie hier bitte Ihren Beruf oder Ihre Tätigkeit an,
eingetragen werden sollen auch Arbeitslosigkeit oder
Ruhestand.
2) Betrieb/Dienststelle
Hierunter versteht die GEW den
jeweiligen Arbeitsplatz des Mitglieds.
Im Hochschulbereich bitte den Namen der Hochschule/
der Forschungseinrichtung und die Bezeichnung
des Fach-bereichs/Fachs angeben.
Bitte ordnen Sie sich einer dieser Fachgruppen zu.
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