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Blutopfer oder Blumenschmuck – was will Gott? - Susanne Borée

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LEBENSART
6
AUSGABE 40 | 3. OKTOBER 2004
| ANDACHT | DANKBARKEIT UND VER ANTWORTUNG
GEFR AGT
Auslegung zu 2. Korinther 9, 6 - 15 von Pastorin Samone Fabricius, Predigttext zum Erntedanksonntag
Kein Sex vor
der Ehe?
„Je gieriger desto klüger“
W
er da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch
ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen
vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus
Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch
reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle
Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten
Werk. Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur
Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn
mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen,
zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.
Es gibt wohl immer noch christliche Gemeinden und Initiativen mit der Regel „Kein
Sex vor der Ehe“. Gibt es für diese Forderung
eigentlich einen biblischen Beleg?
Für „Die Nordelbische“ antwortet DiplomTheologe Carsten Splitt, Kiel:
Weltweit gibt es gleich eine ganze Reihe von Bewegungen, die diese Forderung aufstellen. Etwa die 1993 in den
USA ins Leben gerufene Initiative „Wahre Liebe wartet“.
Sie ruft allerdings nicht nur
zur Enthaltsamkeit vor der Ehe, sondern generell zu einem „verantwortungsvollen Umgang
mit Sexualität“ auf. Dabei argumentiert sie biblisch. Sie beruft sich auf Matthäus 5, 28, also Jesu Deutung des Gebotes „Du sollst nicht ehebrechen“. „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Ein Ausspruch, der
für Anhänger der Bekenntnisinitiative den Verzicht auf vorehelichen Sex zur Konsequenz hat.
Desweiteren verweisen sie auf die Schöpfungsgeschichte (Gen 2,24): Die dortige Schilderung („Ein Mann wird seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“) ist für sie
ein deutlicher Hinweis darauf, dass in Gottes
Schöpfungsordnung Sex seinen Platz in der
Ehe hat. Denn nur in einer Ehe gebe es die in
der Schöpfung festgelegte ganz besonders enge Bindung zwischen Mann und Frau.
Wem das allerdings nicht stichhaltig genug
ist, für den haben die Verfechter der vorehelichen Enthaltsamkeit eine plausible, weil einfache Erklärung. Vorehelicher Sex werde nur
deshalb im Neuen Testament nicht explizit
verboten, weil die Menschen früher ohnehin
so sehr früh geheiratet haben bzw. meist von
den Eltern verheiratet wurden. Wenn zwei
Menschen heirateten, dann meistens nicht
lange nach Eintreten der Geschlechtsreife. So
hätten sie kaum die Gelegenheit zu vorehelichem Sex gehabt.
Wie so oft im Glauben gibt es also auch auf
diese Frage keine einfache Antwort. Aber gerade das ist ja auch das Freiheitliche am
Christsein: Gott gibt uns kein starres Regelwerk, er gibt uns Verantwortung. Dass die
nicht an der Schlafzimmertür endet, sollte uns
allerdings klar sein.
–
2. Korinther 9, 6 - 8. 10f.
B
estimmte Werbesprüche scheinen immer aggressiver zu werden. Was bekommen wir da zu
hören! Ich finde diese Sprüche richtig
ärgerlich; denn sie wollen einem suggerieren, je egoistischer und gieriger, desto klüger und cleverer. Leider kommen
solche Werbestrategien bei den Kunden
gut an, denn die Umsätze steigen.
Das Erntedankfest erinnert uns im
Gegensatz zu solcher Werbung an die
Werte, die wirklich wichtig sind –
für einen selber und für andere. Es geht
darum, dankbar zu sein für alles, was
wir haben. Wir danken Gott für seine
Schöpfung und für die von ihm geschaffene Ordnung von säen und ernten. Wir rühmen nicht uns selber,
wie clever und gerissen wir sind, sondern loben Gott dafür, dass er jedes
Jahr aufs Neue für uns sorgt, denn er
lässt es wachsen, was wir säen. Er gibt
uns die Kraft und die Möglichkeiten,
für unseren Lebensunterhalt zu arbeiten und den Ertrag unserer Arbeit zu
ernten.
Wir in den reichen Industriestaaten
der westlichen Welt haben allen Grund
dankbar zu sein. Die meisten von uns
haben alles, was sie brauchen und noch
viel mehr. Wir können vieles für billige
Preise kaufen, weil die Rohstoffe billig
sind und billige Arbeitskräfte in den armen Ländern unter erbärmlichen Bedingungen und mit kümmerlichem
Lohn leben. Das macht uns verantwortlich für die Armen – in unserem eigenen
Land und in den unterentwickelten
Ländern der Erde.
Diese Verantwortlichkeit ist in der
Christenheit von Anfang an empfunden
worden. In seinem zweiten Brief an die
christliche Gemeinde in Korinth wirbt
Paulus für eine Kollekte, die für die bedürftigen Christen in Jerusalem bestimmt war. Er appelliert an die Dank-
Das ist Gottes Gerechbarkeit und an die Von Samone Fabricius, Pastorin
tigkeit. Er schenkt uns
Nächstenliebe der in Groß Grönau
nicht nur seine Gaben,
Christen und Chrissondern er stellt uns auch eine Aufgatinnen in Korinth.
Sein Ziel ist es in erster Linie, den be: Zum Menschsein gehört es, Gottes
Gaben gerecht miteinander zu teilen.
Notleidenden in Jerusalem zu helfen;
in zweiter Linie will Paulus aber auch Soziale Gerechtigkeit stellt für uns in
erreichen, dass sich in der Gemeinde unseren Land einen hohen Wert dar,
ein Gefühl der Zusammengehörigkeit denn wir wissen, wenn wir in Frieden
mit den anderen christlichen Gemein- und Gerechtigkeit leben wollen, sind
den entwickelt. Christliches Miteinan- wir alle aufeinander angewiesen.
Wir Christen werden von Gott angeder bedeutet ein wechselseitiges Gewiesen, mit allen Menschen auf der
ben und Nehmen. Freiwillig und gern
sollen Christen von ihrem eigenen Welt geschwisterlich in einem wechselÜberfluss abgeben, um Gott die Ehre seitigen Geben und Nehmen zu leben.
So sollen Gottes Gerechtigkeit und seizu erweisen.
ne Gnade erkennbar werden. Wenn wir
Freiwillig und aus Dankbarkeit für
Gottes Fürsorge spenden heute viele teilen, sollen die Menschen spüren,
Menschen für „Brot für die Welt“. Denn dass es freiwillig und fröhlich geschieht
(„den fröhlichen Geber hat Gott lieb“,
sie haben Mitleid mit den Armen und
fühlen sich für sie verantwortlich – ver- Vers 7). Die Menschen sollen sehen, wie
antwortlich gegenüber Gott. Denn Gott allein der Glaube an das Evangelium Jesu Christi reich macht.
gibt genug für alle.
EINSICHTEN
Sie haben Fragen zum Thema Glauben,
Bibel und Theologie? Unsere Autoren beantworten sie gern. Bitte schreiben Sie an:
Die Nordelbische,
Stichwort „Gefragt“
Postfach 3466, 24033 Kiel
G L A U B E N S L E X I KO N
„Erntedank“
Erntedank
[mittelhochdeutsch „ernde“, aus dem
Plural von „arnot“: Erntezeit]
Beim einzigen auf das „Naturjahr“ bezogene Fest des
Kirchenjahres steht die Danksagung für die Ernte und für
die Erhaltung des Lebens im
Mittelpunkt. Da es in Deutschland üblicherweise am ersten Sonntag im Oktober gefeiert
wird, ist die Getreideernte (Ende September,
Anfang Oktober) der zeitliche Bezug.
Durch die Nähe zum 4. Oktober, dem Franziskustag, besteht die Möglichkeit, an Erntedank nicht nur die Früchte der Felder und
Äcker ins Zentrum des Dankens zu stellen,
sondern die Schöpfung als Ganzes. Mit Römer
8 kann etwa auch ihre Erlösungssehnsucht
thematisiert werden. Selbst in Gemeinden mit
städtischem und industriellem Umfeld ohne
jeglichen Bezug zur Landwirtschaft genießt
das Erntedankfest noch immer Bedeutung –
und sie wächst seit Erstarken der Naturschutzbewegung. Das Erntedankfest gehört zu
den ältesten Festen der Menschheit. Die drei
Hauptfeste im Judentum sind ihrem Wesen
nach Erntedankfeste. Passah steht für die erneuerte Herde, das Wochenfest ist Danksagung
für die Getreideernte und beim Laubhüttenfest wird für die erfolgreiche Weinlese gedankt.
Die erneuerte Agende der evangelischen Kirche, das Messbuch der katholischen Kirche
und auch das Common Worship der Church of
England enthalten Gottesdienstvorschläge für
Erntedank.
(che)
Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre
Speise zur rechten Zeit.
Ps 145, 15
Wir Menschen haben gelernt, mit der Natur umzugehen und ihr Erträge abzupressen. Aber wir lernen
auch, wie begrenzt die
Vorräte des Lebens sind,
und wie Du, Gott, daran
leidest, dass ein Teil der
Menschheit zuviel nimmt
von den Reichtümern Deiner Güte. Lass uns maßvoll
werden und Güter gerecht
verteilen.
Text: TG / Foto: ddp
Blutopfer oder Blumenschmuck – was will Gott?
AUSGABE 40 | 3. OKTOBER 2004
| THEMA DER WOCHE |
Von Susanne Borée
G
ott war offenbar zu Beginn
der Bibel kein Vegetarier.
Abels Opfer von „den Erstlingen
seiner Herde und ihrem Fett“
kam bei Gott ungleich besser an
als Kains „Früchte des Feldes“
(1. Moses 4, 3 - 4). Gott scheint
seine Wünsche über die Form
der Dankesfeiern deutlich zu
zeigen. Oder sind es vielleicht
menschliche Vorstellungen, die
sich darin spiegeln?
Auch die Schilderungen
zum Dankopfer in den Kapiteln
drei und acht des 3. Moses sollte man besser nicht vor dem
Frühstück lesen: Die Priester
sollen das Blut des Opferlamms, einem Tier ohne Fehl,
Moses, die Priester und Propheten: Sie alle hatten unterschiedliche Vorstellungen von Dankesfeiern
„ringsum an den Altar sprengen“ (zum Beispiel 3. Moses 3,
8). Die Eingeweide der Opfertiere werden durchwühlt, das
Fett abgelöst. Denn dem Fett
kam ebenso wie dem Blut als
Sitz der Seele besondere Bedeutung zu – den Menschen
war es als Nahrung verboten.
Natürlich finden sich in diesen Zusammenhängen auch
Regeln zum Opfer von Mehl, Öl
und Fladen – dies nimmt aber
nur fünf Verse in den zwei Kapiteln ein und hat viel mehr im
Charakter einer Aufzählung um
der Vollständigkeit willen.
„Ich bin euren Feiertagen
gram und verachte sie und
mag eure Versammlungen
nicht riechen... und mag eure
fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder.“ Mit diesen
Sätzen formuliert der Prophet
Amos (Kapitel 5, 21 - 23) am
markantesten den göttlichen
Protest gegenüber leerer Kultpraxis ohne innere Gesinnung.
Er steht nicht allein. Der Prophet Micha (Kapitel 6, 6 - 7)
sieht es ähnlich.
Zu Jeremia 7, 22 spricht der
Herr: „Ich habe euren Vätern an
dem Tag, als ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt
noch geboten von Brandopfern
und Schlachtopfern.“ Nun ja,
zwar nicht am Tage des Exodus,
wohl aber direkt nach der Einsetzung der Zehn Gebote am Sinai (2. Moses 20,24). Auch der
Bundessschluss wird von Israel
ausdrücklich mit einem „Dankopfer“ gefeiert (2. Moses 24, 5).
Nach und nach scheinen
sich die Vorstellungen von
dem, was Gott gefällt, gewandelt zu haben. Allmählich engen nicht nur die Propheten,
sondern auch Priester blutige
Praktiken beim Dankopfer immer mehr ein – trotz mancher
Ungereimtheiten, die noch
herrschen.
Natürlich fließt auch noch
in der Zeit des zweiten Tempels
das Blut von Lämmern und
Tauben weiter. Doch immer
größere Bedeutung gewinnt
das Laubhüttenfest, das Anfang Oktober als Erntedank gefeiert wird. Offenbar ist Gott
zunehmend Vegetarier geworden. Die Ausschmückung der
Laubhütte geschieht durch
symbolisch aufgeladene Pflanzen und Früchte. Der Ackerbauer hat endgültig den Hirten
überwunden. Doch zieht er für
die Dauer des Festes in eine
unstete Behausung, die ihn
daran erinnern soll, dass man
immer auf der Wanderschaft
ist und nicht verharren darf.
Moses Maimonides, der
bedeutende jüdische Gelehrter des Mittelalters, hält sogar
den Opferkult nur für ein Zugeständnis Gottes an sein Volk
weil Israel aus seinem Umfeld
keine andere Möglichkeit der
Verehrung gekannt hätte. Gott
sei das Opfern nicht wichtig.
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