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Da rollt was an - Nordmetall

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C 5003
5 / September 2008
www.nordmetall.de
Das
große Tarifinterview
Seite 4
Das Magazin von
M+E VOR DEM ABSCHWUNG?
Da rollt was an
INHALT / 2
PORTRAIT
Kabel
verpflichtet
In fünfter Generation
leitet Michael Waskönig
das Kabelwerk im Oldenburger Münsterland.
Bei NORDMETALL will er
künftig als Vizepräsident
an den Tarif-Strippen
ziehen.
14
4
8
INTERVIEW
22
HISTORIE
Rot …
KONJUNKTUR
… könnte die Konjunkturampel
werden, wenn der Tarifabschluss
die Abschwächung ignoriert,
sagt NORDMETALL-Präsident
Kramer.
Gelb …
… sind die meisten Radlader
der Firma Ahlmann. Sie ist ein
Beispiel für den plötzlichen
Druck, unter dem die M+EIndustrie steht.
Schwarzweiß …
… sind die meisten Fotos der
Tempo-Fahrzeuge. In Hamburg
gibt es die Industrie-Legenden
jetzt noch einmal live und in
Farbe.
VERBAND:
Dr. Valentin Jug als Vizepräsident verabschiedet
7
SERIE:
Mehrwert Verband / Diesmal: Kostenlose Chefseminare
11
AKTUELL:
Werftenbesuche: NORDMETALL auf Tour de Schiffbau
12
REPORTAGE:
Alles in Butter – die Firma Bock & Sohn
18
MITGLIEDER:
Chef-Fragebogen / Diesmal: Manfred Meise, Hella Bremen
26
KONTAKTE:
Alle NORDMETALL-Adressen auf einen Blick
27
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
VORNEWEG / 3
Liebe Leserinnen und Leser
ICH HABE ES GEAHNT: Als die Bundesregierung vor
einigen Monaten ihren „Armutsbericht“ vorlegte
und dieser von den ersten selbsternannten „Rächern
der Entrechteten“ als Beweis für die soziale Schieflage in unserem Land missbraucht wurde, da war ich
skeptisch: Kann es wirklich sein, dass in Zeiten des
Aufschwungs Armut zunimmt? Die Bundesregierung selbst ist mittlerweile zurückgerudert, und
neue Untersuchungen sprechen auch eine andere
Sprache: Die Behauptung, immer mehr Deutsche litten unter Armut, ist falsch. Das Deutsche Institut
für Wirtschaftsforschung DIW hat im August mitgeteilt: Zwischen 2005 und 2007 ist der Anteil der Personen, die in sogenannter „Einkommensarmut“ leben, gesunken. Dies ist sowohl an den untersuchten
Kennzahlen „Jahreseinkommen“ wie auch „NettoMonatseinkommen“ abzulesen. Von Einkommensarmut spricht man dann, wenn jemand weniger als 60
Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland
verdient. Die Forscher liefern auch einen Grund für
den Rückgang: Im Jahr 2007 gab es im Schnitt
1,1 Millionen Arbeitslose weniger als 2005. Und
Arbeitslosigkeit gelte nun mal als eines der höchsten Armutsrisiken.
Diese Tatsache sollten wir gerade in den nächsten
Wochen im Hinterkopf haben, wenn in der Tarifrunde für 2009 über die Zukunftssicherheit von 3,6 Millionen Arbeitsplätzen in der deutschen Metall- und
Elektroindustrie entschieden wird. Wer in M+E-Unternehmen arbeitet, verdient schon jetzt gutes Geld.
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
NORDMETALL-Vizepräsident
Wolfgang Würst
Die Entgelte der M+E-Beschäftigten sind in den beiden zurückliegenden Jahren doppelt so stark gestiegen wie die der Beschäftigten in den anderen Wirtschaftszweigen. Das M+E-Durchschnittseinkommen
liegt bei rund 43.600 Euro im Jahr. Es gibt keinen
Grund, jetzt einen Schluck aus der Pulle zu fordern,
der tiefer denn je wäre. Denn wer Beschäftigung
aufs Spiel setzt, der nimmt auch Armutsrisiken in
Kauf. Daran sollte unser Sozialpartner kein Interesse haben. Doch wenn ich lese, dass die Gewerkschaft jetzt auch schon Werbeagenturen beschäftigt,
um eine Tarifrunde vorzubereiten, scheint es bei der
IG Metall zurzeit mehr Bedarf für Show als für Sachlichkeit zu geben.
Ihr
Tarifrunde 2009: Interview mit
„Kosten
das
VERBAND / 5
NORDMETALL-Präsident Ingo Kramer
rauf, Aufträge runter –
ist Sprengstoff“
In diesem Monat wird die IG Metall ihre Forderung für die kommende
Tarifrunde aufstellen. Die Gewerkschaftsbosse nehmen den Mund schon
seit einigen Wochen sehr voll. Welche Erwartungen hat der NORDMETALLVerhandlungsführer? „Standpunkte“ sprach mit Ingo Kramer.
HERR KRAMER, die Tarifrunde steht vor der Tür.
Wie würden Sie die Ausgangssituation beschreiben?
Kramer: Die ist kompliziert. Die Konjunktur wird
sich, nach allem was wir wissen und bereits spüren,
deutlich abschwächen. Bei den ersten Firmen ist der
Abschwung schon deutlich sichtbar. Sie berichten
von „erdrutschartigen“ Auftragseinbrüchen gerade
im Ausland. Andererseits arbeiten viele Firmen
noch mit voller Last die alten Auftragsbestände ab.
Die Erwartungen der Beschäftigten sind demnach
mit Blick auf die Vergangenheit und Gegenwart
groß. Aber mit Blick in die Zukunft sind sie schwerer zu erfüllen. Dazu kommt, dass wir bei den Verhandlungen eine große Verantwortung für die gesamte Wirtschaft tragen. Denn unser Abschluss
wird die erste Lohnzahl für 2009 sein. Das hat Signalcharakter.
Die IG Metall hat nun seit Monaten angekündigt,
diesmal mehr zu fordern als 2007. Begründet wird
das mit einem „nach wie vor guten wirtschaftlichen
Umfeld“. Was sagen Sie dazu?
Kramer: Ich weiß nicht, welche Zeitungen die IGMetall-Funktionäre lesen. Ich kenne jedenfalls keine,
die in den letzten drei Monaten noch ein gutes wirtschaftliches Umfeld vorausgesagt hat. Alle Experten
sagen eine Abkühlung für 2009 voraus. Und das will
ich noch mal betonen: Wir verhandeln demnächst einen Abschluss für das nächste Jahr, nicht für dieses!
Und auch unser Sozialpartner kann die Fakten nicht
ignorieren: Die monatelange Aufwärtsbewegung von
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
Euro-Kurs und Rohstoffpreisen hat die deutschen
Unternehmen immer mehr ausgebremst. Die leichte
Entspannung beim Öl ändert nichts daran, dass die
Kostensteigerungen bei vielen die Gewinne gegen
Null fahren lassen. Die Konjunktur-Ampel hat von
grün auf gelb gewechselt, und es liegt auch an den
Tarifverhandlungen, ob eine rote Konjunktur-Ampel
verhindert werden kann.
Das heißt: Eine realistische Forderung müsste unter der von 2007 liegen?
Kramer: Für ihre Forderungen ist die IG Metall
selbst zuständig. Aber man muss natürlich sagen:
Wenn die IG Metall tatsächlich mit der Forderung
überzieht, dann riskiert sie bewusst Arbeitsplätze.
Und das ist keine hohle Floskel. Es ist doch logisch,
dass Unternehmen zu Kosten senkenden Maßnahmen gezwungen sind, wenn sich die Auftragsbücher
leeren. Zu hohe Lohnabschlüsse sind dann Gift, weil
der Abbau der Beschäftigung deutlicher ausfällt. Ein
Abschluss wie 2007/2008 dürfte in 2009 zu einem
spürbaren Personalabbau in der Metall- und Elektroindustrie führen, da die Branche diese Kostensteigerung nächstes Jahr voraussichtlich nicht an die Kunden weitergeben kann. Drastische Kostensteigerungen bei zurückgehenden Auftragsbeständen sind
betriebswirtschaftlich Sprengstoff.
IG-Metall-Chef Huber hat gesagt, er würde in der
Tarifforderung „neben Inflation und Produktivität
auch das Ungerechtigkeitsempfinden der Menschen“
aufgreifen.
VERBAND / 6
Kramer: Daran merkt man, dass die IG Metall immer mehr Probleme bekommt, eine hohe Forderung
vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung zu begründen.
Ein Bestandteil der Gewerkschaftsforderung wird
ja der Inflationsausgleich sein. Hier heißt es: „Wenn
Benzin und Butter teurer werden, brauchen wir höhere Löhne.“ Nachvollziehbar?
Kramer: Die Arbeitnehmer in der M+E-Industrie
hatten seit Jahren keine Reallohnverluste. Seit Juni
2007 haben sich die Tarifentgelte um 6,5 % erhöht
bei einer Inflation von 3,3 Prozent. Unsere Branche
hat den Ehrgeiz, auch zukünftig ihre wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit zu behalten. Und für diese Zukunftsperspektive müssen wir in den kommenden
Tarifverhandlungen streiten.
Aber höhere Löhne würden doch die Kaufkraft erhöhen, betonen die Gewerkschafter immer wieder…
Kramer: Wahr ist: Löhne sind auch Preise. Und zu
hohe Lohnsteigerungen treiben die Inflation weiter
in die Höhe.
Ingo Kramer, 55 Jahre, verheiratet, Vater
von vier Kindern, Dipl.-Wirtschaftsingenieur, seit 22 Jahren geschäftsführender
Gesellschafter (in dritter Generation) der
im Anlagenbau tätigen Firmengruppe
J. Heinr. Kramer mit 260 Mitarbeitern
und Sitz in Bremerhaven. Präsident des
Verbandes NORDMETALL sowie des „Nordverbundes“ (Verein der M+E-Arbeitgeberverbände in Norddeutschland, Berlin und
Brandenburg), Präsidiumsmitglied bei
GESAMTMETALL und BDA, Präsident der
Unternehmensverbände im Lande Bremen
sowie Vizepräsident der IHK Bremerhaven.
Aber dass die Metall-Arbeitgeber zu einer Entgelterhöhung bereit sind, steht doch außer Frage,
oder?
Kramer: Natürlich sollen die Arbeitnehmer ihren
Anteil an guten laufenden Geschäften erhalten. Keiner wird uns in der kommenden Tarifrunde vorwerfen können, zugenähte Taschen zu haben. Aber wie
immer kommt es darauf an, ein vernünftiges Maß zu
finden. Es muss allen klar sein: Die Löhne von morgen müssen aus den Einnahmen von morgen bezahlt werden können.
Was wünschen Sie sich denn vom kommenden
Abschluss?
Kramer: Tarifverhandlungen sind kein Wunschkonzert, sondern sollten den Mitarbeitern ihr Einkommen sichern und die Voraussetzung für rentable Produktion, Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt und damit auch für sichere Arbeitsplätze
schaffen. Seit April 2006, als die Beschäftigung in
der M+E-Industrie erstmals wieder anstieg, sind in
unseren Branchen 230.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Ich setze mich dafür ein, dass die
möglichst alle erhalten bleiben. Das sollte auch das
Interesse der IG Metall sein.
Haben Sie denn Zweifel daran?
Kramer: Es bereitet mir Sorge, dass die IG Metall
sich in all ihrem Tun so sehr von der öffentlichen
Wirkung und vom Ziel der Mitgliederwerbung leiten
lässt. Das kann schnell dazu führen, auf kurzfristigen Erfolg aus zu sein: hoher Abschluss = erst einmal mehr Mitglieder, aber dann doch weniger Beschäftigte! Das heißt: Wer beschäftigungsfeindliche
Tarifabschlüsse fordert, hat am langen Ende vielleicht sogar wieder weniger Mitglieder als zuvor.
Die IG Metall will eine „rasche Einigung“ und
droht ansonsten mit einer „massiven Mobilisierung“. Befürchten Sie einen „heißen Advent“?
Kramer: Ich bin immer für ein rasches Verhandlungsergebnis zu haben, wie ich es auch sonst als
Unternehmer anstrebe. Gut vorbereitet sein, zügig
und konstruktiv nach Lösungen suchen und Konflikte abarbeiten – das ist der Weg. Das Bedürfnis
der IG Metall, die Tarifverhandlungs-Tournee von
Bezirk zu Bezirk quer durch Deutschland langwierig
alljährlich neu aufzuführen, steht der raschen Einigung meistens im Wege.
Vielen Dank für das Gespräch.
■
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
VERBAND / 7
NSCHEN
Ein Gestalter geht
von Bord
Er ist einer der Väter des vereinten NORDMETALL. Das Werk ist
vollbracht – nun hat Dr. Valentin Jug sein Amt als Vizepräsident
des Verbandes niedergelegt. Zeit für ein Dankeschön von Hauptgeschäftsführer Lutz Bauermeister.
ALS DR. VALENTIN JUG am 11. Dezember 2001
zum Vorsitzenden des Vorstandes von Nord-WestMetall gewählt wurde, war NORDMETALL noch „befreundetes Ausland“. Die Schwesterverbände Metall
Unterweser, NORDMETALL und Nord-West-Metall
hatten soeben den Nordverbund e.V. gegründet und
schickten sich an, Tarifpolitik als gemeinsame Aufgabe zu organisieren. Valentin Jug hatte schon an
diesem Schritt maßgeblichen Anteil, denn die Vereinsgründung „Nordverbund“ löste im Nordwesten
heftige Diskussionen aus, in denen er sich als geschickter Moderator auszeichnete.
In der Gremienarbeit, wie auch im kleineren Kreise,
oder gar unter vier Augen war es stets sein erstes
und wichtigstes Anliegen, Klarheit über die Standpunkte zu schaffen, und zwar in schönster Offenheit. „Nichts vertuschen, nichts verschleppen, sondern die Kontroverse, wenn sie denn da ist, klar auf
den Tisch des Hauses packen, damit daraus ein
gemeinsamer Gedanke und ein gemeinsamer Weg
werde“, so könnte das Motto von Dr. Valentin Jug
formuliert werden. Dass der gemeinsame Weg dann
häufig sein ehemals eigener werden sollte, dabei
halfen seine blitzschnelle Auffassungsgabe und ein
fast spitzbübischer Hang zur Querdenkerei.
Als sich ein Zeit- und Gestaltungsfenster überraschend früh öffnete, war es Dr. Jug, der für NordWest-Metall die verbandliche Zukunft im heutigen
NORDMETALL erkannte. Die notwendige Grundübereinstimmung zur Fusion im Norden war rasch
hergestellt, die Aufgaben waren rasch verteilt und
die mentalen Hindernisse, die für einen eher kleinen
Verband sich auf den vielen Feldern der Neugestaltung von Finanzen und Organisation in den Weg
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
stellen wollten, räumte Dr.
Jug souverän, konzernerfahren und mit der Menschenkenntnis aus vielen internationalen Berufsstationen im
Dienste der Sache und zielorientiert aus.
Heute verabschieden wir
einen verdienten Vizepräsidenten von NORDMETALL,
der dem Verband jedoch als
Ehrenmitglied des Vorstandes
weiterhin verbunden bleibt.
Es gibt neben dem Verbandmenschen auch den Genussmenschen Valentin Jug,
der als charmanter Plauderer ein festliches Essen (mit bitteschön
exzellenten
Weinen)
als Gelegenheit nutzt,
weltläufig und scharfsinnig die Fragen der
Zeit zu diskutieren.
Last, not least kann
Valentin Jug Vertrauen und Freundschaft
schenken, die die
Tage geschäftsmäßiger Gestaltung und
Bewältigung von
Alltagsaufgaben
lange überdauern.
Danke!
■ ELBE
M+E-Konjunktur
Drehen wir auch 2009
noch das große Rad?
Die Tarifrunde 2009 startet in harten Zeiten für die M+E-Industrie.
Massive Auftragsrückgänge und gleichzeitig dramatisch steigende
Rohstoff- und Energiekosten setzen viele Betriebe enorm unter
Druck. Es gilt, die erreichten Erfolge der letzten drei Jahre zu retten.
Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein …
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
STORY / 9
AM ENDE KLINGT ES FAST SCHON etwas trotzig.
„Den Optimismus“, sagt Benedict Dunkelberg, „habe
ich noch nicht verloren.“ Zuvor hatte der Geschäftsführer des NORDMETALL-Mitglieds Ahlmann Baumaschinen in Büdelsdorf detailliert die Situation seines Unternehmens geschildert. Fazit: Licht wurde
durch Schatten abgelöst. Nach einer „fantastischen
Boomphase“ mit teilweise zweistelligen Wachstumsraten in den letzten drei Jahren steht das Unternehmen, eine Tochter der französischen Mecalac-Gruppe, jetzt vor schwierigen Zeiten. Explodierende Rohstoffpreise, die weltweite Immobilien- und Finanzmarktkrise, einbrechende Auslandsmärkte und ein
hoher Euro-Kurs machen dem Hersteller von Radladern schwer zu schaffen. „Das trifft uns volle Breitseite“, fasst Dunkelberg die Situation zusammen.
Dabei hatte bis Anfang Juli noch alles nach einem
rekordverdächtigen Geschäftsjahr 2008 ausgesehen.
Die Produkte der Mecalac Ahlmann Gruppe sind gefragt, da sie sich von gängigen Standardprodukten
unterscheiden. Die Radlader gibt es auch als
Schwenk- und Knicklader, die vor allem für Arbeiten
auf engem Raum ausgelegt sind. Zudem kann man
sie auch zum Stapler, Bagger und Werkzeugträger
umrüsten. „Wir sind anders als die Global Player der
Baumaschinenbranche“, sagt Dunkelberg, „denn mit
unseren Spezialmaschinen füllen wir eine Nische
aus.“ Daneben punkten die Ahlmann-Produkte auch
Ahlmann-Geschäftsführer
Benedict Dunkelberg
präsentiert die Herausforderungen der jüngsten
Marktentwicklungen am
konkreten Beispiel
noch im Design. Erst in diesem Jahr haben sie
den renommierten Red-Dot-Award gewonnen. Doch
auch Ahlmann hat eine anstrengende Rosskur hinter sich. Vom unwirtschaftlichen Gemischtwarenladen, der Mitte der 90er Jahre ins Straucheln geriet,
hat einzig der Maschinenbau überlebt. Das hat viele
Arbeitsplätze gekostet. Durch verstärkte
Ein fast fertiges Chassis
nach dem manuellen
Vorschweißen, danach geht
es in den Schweißroboter
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
STORY / 10
und im Herbst muss der Einkauf von Ahlmann
schon 1.100 Euro bezahlen. Dies über höhere Preise
an die Kunden weiterzugeben – unmöglich.
Fotos (4): K1/Pit Junker
WARM ANZIEHEN
In der
RadladerFertigung
Automatisierung konnte seitdem die Produktivität
deutlich gesteigert werden. Mit insgesamt 150 Mitarbeitern („eine phantastische Belegschaft“, so Dunkelberg) produzierte und verkaufte das Familienunternehmen in den letzten Jahren durchschnittlich
600 Radlader pro Jahr zu Preisen zwischen 35.000
und 500.000 Euro. Für dieses Jahr hatte der Vertrieb
schon im Oktober 2007 eine Absatzsteigerung auf
rund 700 Fahrzeuge geplant.
ERDRUTSCHARTIG NACH UNTEN
Dann kam das erste Quartal 2008, „das einfach
sensationell gelaufen ist“ (Dunkelberg). Die Geschäftsführung erhöhte daraufhin ihre Absatzprognose auf 900 Fahrzeuge und erwartete ein Spitzenergebnis in der Firmengeschichte – bis Anfang
Juli. Plötzlich „und für uns alle in der Geschwindigkeit völlig unerwartet, kam es zu erdrutschartig
wegbrechenden Märkten“, schildert Dunkelberg die
Situation. Noch nie habe sich die Wirtschaftslage so
schnell wie in diesem Jahr verändert. Allein der spanische Markt brach aufgrund der Immobilienkrise
innerhalb kurzer Zeit um 70 Prozent ein. Hinzu
kommt die Krise in England, und auch in Deutschland wird weniger im öffentlichen Raum gebaut. Für
die zweite Jahreshälfte erwarten die Büdelsdorfer einen Absatz, der um rund 20 Prozent niedriger ausfallen dürfte als im Vorjahreszeitraum. Die Jahresprognose musste daraufhin wieder auf 700 bis 750
Radlader gesenkt werden.
Doch Dunkelberg kann nicht ausschließen, dass
es noch schlimmer kommt und „die letzten Monate
die Bilanz verhageln“. „Wir brauchen mehr Baustellen“, appelliert der Ahlmann-Geschäftsführer daher
in Richtung öffentliche Auftraggeber.
Sorgen bereitet dem Manager vor allem, dass die
Märkte ausgerechnet zu einem Zeitpunkt einbrechen, da Rohstoffe teurer denn je sind. Kostete beispielsweise ein Tonne Stahl vor vier Jahren noch
430 Euro, so waren es Mitte dieses Jahres 910 Euro,
Fast alle Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie, die viel Stahl verarbeiten, haben unter dieser Kostenexplosion zu leiden. Und Radlader, das
macht ein Rundgang durch die Ahlmann-Produktionshallen deutlich, brauchen aufgrund der notwendigen Stabilität eine Menge Stahl. Als wenn das nicht
schon ausreichen würde, machen der Firma auch explodierende Energiepreise zu schaffen. So sind die
Kosten für Strom in den letzten Jahren um mehr als
30 Prozent und die für Gas sogar um 92 Prozent gestiegen – alles Kosten, die massiv auf den Ertrag
drücken. Sollte die aktuelle Entwicklung beispielhaft
für das kommende Jahr sein, „dann können wir uns
im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen“, so
Dunkelberg.
Auswirkungen auf die Belegschaft sieht der Geschäftsführer erst einmal nicht und wird dabei von
Betriebsrat Dirk Struve, der seit 30 Jahren im Unternehmen ist, unterstützt. Die 150 Mitarbeiter seien
„die absolute Untergrenze“, um die notwendige Mindestmenge von rund 600 Radladern zu bauen. Als
Puffer haben die Arbeitnehmer Stundenkonten, mit
denen auf eine veränderte Auftragslage reagiert
werden kann. Zudem hat das Unternehmen in der
Aufschwungphase 30 Zeitarbeitnehmer eingesetzt,
„auf die wir jetzt unter Umständen verzichten müssen“, sagt Dunkelberg. Doch anders als bei Festangestellten, werden diese Arbeitskräfte nicht auf der
Straße stehen, sondern weiter bei dem jeweiligen
Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt bleiben. „Dieser
Puffer“, so Betriebsrat Struve, „kommt natürlich unseren fest angestellten Mitarbeitern zu Gute.“
Der nächsten Tarifrunde sieht Geschäftsführer
Dunkelberg mit gemischten Gefühlen entgegen.
Auch wenn in seinem Unternehmen der Personalkostenanteil nicht so hoch sei, müsse die Lohnerhöhung doch angemessen ausfallen, um kein „Killerfaktor“ zu werden. Das sieht auch Ulrich Brocker,
Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, nach einem Besuch in Büdelsdorf so.
„Wie viele andere Unternehmen der M+E-Industrie
ist auch Ahlmann sehr gut aufgestellt, um die
schwierige Situationen zu überstehen“, sagt Brocker.
Daher sei man bereit, „Entgeltsteigerungen zu vereinbaren, aber so, dass wir den Abschwung nicht
verstärken.“ Wenn den Tarifparteien ein solches Ergebnis gelingt, sieht auch Ahlmann-Geschäftsführer
Dunkelberg seinen nicht verloren gegangenen Optimismus bestätigt.
■ PJ
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
SERIE / 11
MEHRWERT VERBAND
Folge 5: Kostenfreie Seminare
für die Chefs
Foto: imago
Vorsicht
Kamera?
DER AUFTRITT AUF DER NÄCHSTEN Betriebsversammlung, die Rede zum Firmenjubiläum oder sogar ein Interview mit einem Fernsehteam – es gibt
viele Momente, die selbst beim coolsten Chef das
Lampenfieber ausbrechen lassen. Und oftmals wird
der öffentliche Auftritt, seine Rahmenbedingungen
und die notwendige Vorbereitung ziemlich unterschätzt.
Um Inhaber, Geschäftsführer und Personalverantwortliche fit zu machen für den Auftritt auf der
Bühne, am Rednerpult oder vor der Kamera, bietet
NORDMETALL kostenlose Trainings an – die sogenannten „Chefseminare“. Viele Teilnehmer aus den
Führungsetagen der Mitgliedsunternehmen schwärmen von der Qualität und nachhaltigen Wirkung der
Seminare, die am freien Markt vierstellige Gebühren
kosten würden.
DISKRETE PROFIS
Erfahrene Kommunikationstrainer nehmen die
Teilnehmer dabei zwei Tage lang unter ihre Fittiche
und konfrontieren sie mit besonderen Aufgaben:
„Halten Sie eine Rede vor Ihren Mitarbeitern und
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
kündigen Sie Mehrarbeit an“, könnte so eine Herausforderung lauten. Oder: „Reagieren Sie auf den Anruf der Lokalzeitung, ob etwas an den Gerüchten
über Personalabbau dran ist.“ Die Teilnehmerzahl
bei den Seminaren ist bewusst auf ca. 10 begrenzt,
um eine angenehme und diskrete Trainingsatmosphäre zu schaffen. Unter den Trainern sind ausgebildete Führungskräfte-Coaches, Psychologen, professionelle Medienberater, Journalisten und auch
ehemalige Gewerkschafter. Sie geben wertvolle Erfahrungen weiter, was Chefs richtig oder falsch machen können.
Mal widmen sich die Seminare etwas mehr dem
Schwerpunkt „Pressearbeit“, dann wieder mehr unternehmensinternen Situationen. So stehen Chefs
auf Betriebsversammlungen oft im Kreuzfeuer zwischen Betriebsrat, Gewerkschaftsvertretern, eigenen
Mitarbeitern, Kollegen und manchmal auch Medien.
Auch hier gilt: Vorbereitung ist alles. Und auch die
kann man trainieren.
Viermal im Jahr bietet NORDMETALL die Chefseminare an, in Bremen, Hamburg und auf Schloss
Hasenwinkel. Mitgliedsunternehmen werden jedes
Mal konkret per „Chef-Rundschreiben“ dazu eingeladen.
■ PH
AKTUELL / 12
Besuch bei Werften
Tour de Schiffbau
Die Werften gehören zu den mitarbeiterstärksten
Mitgliedern von NORDMETALL. In diesem Sommer
besuchte Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Klischan
wieder zwei Betriebe – vor der Haustür und am
anderen Ende Europas.
DIE STARKE EUROPÄISCHE Schiffahrtsgruppe
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit Ihrem
Sitz in Hamburg unterhält auch eine Werft in Griechenland: die Hellenic Shipyards in Athen. Auf Einladung des Präsidenten dieser Werft, TKMS-Vorstandsmitglied Reinhard Kuhlmann, konnte jetzt NORDMETALL-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Klischan
diese Werft besuchen. Der Schwerpunkt der Werft
liegt im Bau und Umbau von Fregatten und Korvetten und – zusammen mit dem NORDMETALL-Mitgliedsunternehmen HDW in Kiel – auch im U-BootBereich. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten, die mit
dem internationalen Wettbewerbsdruck in Schiffbau
und Schiffsreparatur zusammenhängen, aber auch
mit den Protesten gegen die Privatisierung ab 2001,
hat Hellenic Shipyards den Umsatz deutlich gesteigert: von 29,8 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 90,5
Millionen in 2005. In Gesprächen mit dem Präsidenten und Personalleiter der Athener Werft wurden
Standortfragen – auch im Zusammenhang mit den
europäischen Themen der Schiffbauindustrie – erörtert. Von besonderem Interesse war eine Diskussion
mit Vertretern des neugewählten Betriebsrates. Der
Bei Hellenic Shipyards in Athen
(v.l.n.r.): Dr. Thomas Klischan,
Reinhard Kuhlmann und
Hellenic-Personalchef Aris Michalis
würdigte weniger die beachtlichen Aufbauarbeiten
von ThyssenKrupp Marine Systems in der Athener
Werft seit dem Jahre 2005, sondern betonte die Sorge um die Zukunft der Arbeitsplätze. So werden die
von der griechischen Marine in Auftrag gegebenen
und fertig gestellten U-Boote vom griechischen Staat
nicht abgenommen und daher auch nicht bezahlt.
Deutlich zahlungskräftiger sind dagegen die Kunden der Lürssen-Werft in Bremen. Der Spezialist für
Luxusyachten fertigt schwimmende Paläste, die
auch Dieter Hundt (kleines Foto, 2.v.l.) beeindruckten. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände war jetzt bei Werft-Chef
und NORDMETALL-Vorstand Friedrich Lürßen zu
Gast (rechts). Mit dabei: BDA-Hauptgeschäftsführer
Dr. Reinhard Göhner (links).
■ PH
AKTUELL / 13
Ulrich Goßlau aus Cuxhaven
Neu im
NORDMETALLVorstand
ER LIEBT KLASSISCHE AUTOMOBILE und das klare
Wort: Ulrich Goßlau (Foto), gelernter Gießereitechniker und Geschäftsführer der Gießerei Schmidt in
Cuxhaven und der Metallgießerei Schmidt in Hemmoor, ist neu in den NORDMETALL-Vorstand eingezogen. Durch das Ausscheiden von Dr. Valentin Jug
aus dem NORDMETALL-Vorstand und die Übernahme seines Vizepräsidentenamtes durch Michael
Waskönig (s. Seite 14) war ein Posten im Vorstand
nachzubesetzen. Die Mitgliedsunternehmen aus
Nordwest-Niedersachsen empfahlen dafür Ulrich
Goßlau. Und die NORDMETALL-Mitgliederversammlung wählte ihn einstimmig.
Der 49-Jährige leitet die Gießerei seit fast 20 Jahren. Sein Großvater und Vater hatten das Unterneh-
men gemeinsam mit dem Gründer namens Schmidt
aufgebaut. Heute produziert es mit ca. 90 Mitarbeitern vor allem Gußteile für den allgemeinen und
Sondermaschinenbau, den Schiffbau sowie für die
Windkraft und Hochspannungselektrik. Zum größten Teil werden diese Gußstücke einbaufertig bearbeitet geliefert.
Goßlau war bereits Vorstand im Vorgängerverband Nord-West-Metall und nach der Fusion Mitglied im Vorstand des NORDMETALL-Bezirkes
Nordwest. Dass er nun die Verbandsarbeit im gesamten Norden mitgestalten kann, findet er hochspannend. Vor allem in der Tarifpolitik will er sich
für Lösungen einsetzen, die zum Alltag in den Firmen passen.
■ PH
Wirtschafts-Zitat
„Hohe Tarifabschlüsse
verschärfen auf kurze
Sicht das Inflationsproblem
und auf lange Sicht die
Beschäftigungssorgen.“
Foto: imago
Prof. Norbert Walter,
Chefvolkswirt der
Deutschen Bank
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
PORTRAIT / 14
Michael Waskönig:
Der neue NORDMETALLVizepräsident
Neue Energie
in der Leitung
Michael Waskönig und seine Produkte haben eines gemeinsam –
sie wirken meist im Verborgenen: seine Energiekabel hinter Wänden
und unter der Erdoberfläche, der Unternehmer in der norddeutschen
Provinz. Das dürfte sich jetzt ändern. Die NORDMETALL-Mitglieder
haben ihn ins Verbandspräsidium gewählt.
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
PORTRAIT / 15
Größter Arbeitgeber
der Region: Die
Werksfläche lässt
es ahnen
Zukunftsinvestition:
Die neue Produktion
für Hochspannungskabel
HIER WIRD DAS OLDENBURGER MÜNSTERLAND
seinen Klischees gerecht: Die Region um Saterland
ist so abgelegen, dass sich über Jahrhunderte eine
eigene Sprache erhielt, der letzte lebendige friesische Dialekt. Unendliche Landstraßen gibt es hier,
links eine Weide bis zum Horizont, rechts ein Kanal.
Viel „Nichts“, spottet der Städter. Und dann plötzlich das Werksgelände von Waskönig + Walter: eine
lange rot geklinkerte Hallenfassade, die gar nicht
mehr aufhören will. Der viele Platz ist nötig, denn
hier entstehen jedes Jahr mehr als 120.000 Tonnen
Energiekabel. Zusammen kommen sie auf eine Länge von 360.000 Kilometern – neunmal um den
Äquator herum!
Abnehmer sind Stromversorger, Anlagenbauer
und der Elektrogroßhandel. Waskönig + Walter ist
einer von nur noch zwei deutschen Mittelständlern
in diesem Markt. Die anderen Wettbewerber sind
große internationale Konzerne. Doch hier im Saterland ist Waskönig der Riese. Michael Waskönig erinnert sich an die 60er Jahre, als sein Vater die Produktion von Wuppertal hier ins Saterland verlegte,
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
40 Kilometer westlich von Oldenburg, 50 Kilometer
vor der holländischen Grenze. „Mehr als Wiese und
Kühe gab es damals hier nicht“, sagt Waskönig.
VOM HUT ZUM DYNAMO
Heute ist sein Unternehmen der größte Arbeitgeber weit und breit – und auch der Chef fühlt sich
mittlerweile hier zu Hause. Vielleicht, weil ihm der
Menschenschlag hier so ähnlich ist. Klar, zuverlässig, ohne große Worte und bescheiden. So sehr, dass
Waskönig auch mal sein eigenes Dienstjubiläum vergisst. Dass er in diesem Jahr sein 30-jähriges in der
eigenen Firma feiern könnte, daran hat er gar nicht gedacht. Und die Überraschung ist nicht gespielt. Doch
fast wäre Waskönig gar nicht hierher gekommen.
Als sein Vater mit dem ganzen Betrieb (der damals
schon 150 Menschen beschäftigte) nach Saterland
übersiedelte, blieb Sohn Michael erst einmal in Wuppertal, um sein Abi zu machen. Danach ging es zum
Wirtschaftsstudium nach Münster und Berlin. Und
anschließend machte er ein Praktikum in einem
Kabelwerk im US-Bundesstaat Georgia. Aus dem
Praktikum wurde eine Festanstellung, aus drei Monaten wurden über zwei Jahre. Michael Waskönig
heiratete in den USA, sein erstes Kind, eine Tochter
kam in Atlanta zur Welt. Doch 1978 ereilte ihn der
Ruf aus Saterland: „Mein Vater sagte mir: Entweder
Du steigst jetzt ins Unternehmen ein oder …“ Die
Familienehre zeigte Wirkung. Kein Wunder, blickt
Michael Waskönig doch auf eine stolze Tradition
zurück.
PORTRAIT / 16
Die Jahresproduktion kommt auf eine Kabellänge,
die 9-mal um den Äquator reichen würde
DIE FÜNFTE GENERATION
Der Gründer Johann Peter Waskönig begann 1873
mit einer Hutdraht-Fertigung. Damen ohne Kopfbedeckung waren damals undenkbar. Aber Waskönig
ging weiter mit der Zeit. Die zunehmende Elektrifizierung machte es attraktiv, mit den Drähten andere
Dinge herzustellen als Hüte: Waskönig stieg in die
Produktion von Dynamodrähten ein. Ein Partner namens Friedrich Walter – dessen Familie die Firmenanteile mittlerweile wieder an die Waskönigs verkauft hat – kam an Bord.
Das Firmenareal in Wuppertal wuchs auf 25.000
Quadratmeter. Doch moderne Fertigungsprozesse
waren in diesem Stückwerk irgendwann nicht mehr
möglich. Und Ausweichflächen gab es in Wuppertal
nicht. In den Vollbeschäftigungszeiten der 60er war
aktive Wirtschaftsförderung für Städte ein Fremdwort. Ein radikaler Firmenumzug war die einzige Alternative. „Damals dachte mein Vater sogar über Irland oder Schottland als neuen Standort nach“, erinnert sich Michael Waskönig. Dass es dann Saterland wurde, hatte eine Vorgeschichte.
Im Auftrag von Philips im holländischen Groningen fertigte man die damals typischen textilummantelten Leitungen für Bügeleisen. Waskönig senior suchte für die Fertigung einen Standort, der
Qualitätssicherung: In einem
prüfung unterzogen
näher an Holland lag: Saterland zum Beispiel. Im
Festsaal einer Gaststätte saßen schließlich 50 Frauen, die die Leitungen in Handarbeit konfektionierten und für den Anschluss an die Bügeleisen vorbereiteten.
NEUE MÄRKTE EROBERN
Zwölf Jahre lang hat Michael Waskönig Seite an
Seite mit seinem Vater im Unternehmen gearbeitet.
Allerdings mit getrennten Zuständigkeitsbereichen.
Kurze Zeit, bevor der Senior aus der Geschäftsführung in den Beirat wechselte, kam Michaels Bruder
Jörg mit in die Geschäftsführung. Ein geschmeidiger
Stabwechsel. „Hut ab“, sagt Michael Waskönig heute,
„hoffentlich bekomme ich das auch mal so hin.“
Dabei haben Michael und Jörg in ihrer Ära schon
Einiges erreicht: Die Belegschaft ist mittlerweile auf
480 Mitarbeiter angewachsen. Mit ihnen macht das
Unternehmen im Jahr rund 350 Mio. Euro Umsatz.
Produziert wird ausschließlich in Saterland. Eine
Standortverlagerung wird immer mal wieder geprüft. Aber solange drei Viertel des Geschäfts in
Deutschland gemacht werden, lohnt sich auch die
Herstellung in Deutschland. Denn Energiekabel sind
schwere Güter, der Transport ist teuer – ein echter
Standortvorteil gegenüber den Konkurrenten aus
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
PORTRAIT / 17
Faraday’ schen Käfig werden die Kabel einer umfangreichen Hochspannungs-
Polen oder Tschechien. Verständlich, dass man vor
chinesischen Kabeln erst recht keine Angst hat bei
Waskönig.
Zurzeit denkt man selbst an die Eroberung neuer
Märkte. Nach Erfolgen mit Nieder- und Mittelspannungskabeln will Waskönig jetzt auch Hochspannungskabel anbieten. Eine neue Halle über drei
Stockwerke ist bereits gebaut. Mit dem neuen Produkt will Waskönig die Firma absichern: „Wir werden mit den Hochspannungskabeln einen möglichen
Rückgang auf den bisherigen Märkten kompensieren können.“ Dabei kommt es vor allem auf den guten Service an. Die Produkte selbst sind durch zahlreiche Normen derart standardisiert, dass es kaum
Qualitätsunterschiede gibt. „Wir heben uns durch
schnelle Reaktionen, Kundenorientierung und Zuverlässigkeit ab“, sagt Waskönig.
Ein Risiko in allen Zukunftsplänen bleiben die
steigenden Rohstoffpreise. So werden Kabel beispielsweise mit Kunststoff ummantelt – und der
entsteht aus Erdöl. „Je höher der Wettbewerbsdruck
und je unsicherer die Konjunktur ist, desto flexibler
müssen wir mit unseren Kosten reagieren können“,
sagt Waskönig. Deshalb fordert er noch mehr Flexibilität auch bei den Arbeitskosten. „Ich würde es mir
sehr wünschen, wenn wir im nächsten Tarifabschluss wieder eine betriebliche und eine konjunk-
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
Kabel verpflichtet: Michael Waskönig ist
Chef in fünfter Generation
turelle Entgeltkomponente vereinbaren könnten“,
sagt der neue NORDMETALL-Vizepräsident.
KEINE LORBEEREN
Auf der Mitgliederversammlung Ende Juni haben
ihn die Unternehmensvertreter einstimmig in die Verbandsleitung gewählt. Eine ungewohnte Situation für
Michael Waskönig: Beifall, Bühne, Mittelpunkt. Er will
kein Tamtam um seine Person. Ehrenämter um der
Lorbeeren willen lehnt er ab. Er hat lange überlegt,
sich mit Bruder und seinem Kollegen in der Geschäftsführung besprochen und nach zwei schweren Situationen im vergangenen Jahr – einer Brandstiftung in der
Firma und einem privaten Schicksalsschlag – eigentlich keine Kraft verspürt, das Amt anzunehmen. Doch
dann dachte er an die Dinge, die ihm auch wichtig
sind: „Ich will dafür kämpfen, dass Deutschland ein
attraktiver Standort bleibt.“ Und bei dem Thema
wird der ruhige Waskönig energischer: „Ich halte
nichts von den Abgesängen auf die Industrie in
Deutschland. Deutschland kann nicht nur eine Denkfabrik und ein Dienstleistungszentrum sein.“ Die Industrie habe sich die wirtschaftliche Gesundung der
letzten Jahre mühsam erarbeitet. „Das darf nicht
wieder kaputtgemacht werden – auch nicht durch
Tarifverträge, die nicht in die Welt passen.“
■ PH
REPORTAGE / 18
Betriebsbesuch: Chr. Bock & Sohn, Norderstedt
Alles in
Butter
Wieder ein Beweis, dass Weltmarktführer oft im Verborgenen
blühen: Das Familienunternehmen „Chr. Bock & Sohn“ hat
34 Mitarbeiter. Doch in seiner Marktnische macht ihm keiner
was vor. Seit 75 Jahren sind die Norderstedter die Experten für
das Verpacken von Speisefetten. Jede Wette: Ihre Frühstücksbutter
lief auch einmal durch eine Bock-Maschine.
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
REPORTAGE / 19
BUTTER IST EIN SENSIBELCHEN! Alles andere lässt
sich so leicht verpacken: Teile aus Stahl oder Plastik
kann man härter ’rannehmen. Ja sogar Schokolade
lässt sich maschinell anfassen, ohne dass die Form
leidet. Aber Butter? Fassen Sie mal mit dem Finger
auf ein frisch ausgepacktes halbes Pfund. Na also!
Wie sorgsam müssen da erst Verpackungsmaschinen mit dem feinfühligen Fett umgehen?
Hier im Norden gibt es Menschen, die diese Technik besser beherrschen als jeder andere auf der
Welt: Das NORDMETALL-Mitglied „Chr. Bock & Sohn“
ist Weltmarktführer für Anlagen zur industriellen
Speisefettverpackung. Zwischen Kuh und Super-
„Verpackungskünstler“: Stephan, Susanne und
Michael Drinkuth, Inhaber in vierter Generation
marktregal muss die Butter oft durch eine Bock-Maschine. Und nicht nur die. Auch Margarine und andere Speisefette, aber auch Marzipan lässt sich mit
den Maschinen aus Norderstedt vor den Toren Hamburgs verarbeiten. Kunden sind Molkereien, Margarinehersteller, aber auch Zulieferer von Bäckereien
und Konditoreien. Die brauchen zum Beispiel Maschinen, mit denen Butterplatten geformt werden
können – zum leichteren Ausrollen von Croissants.
Solche Anlagen gibt es weltweit nur von Bock.
Der Marktführer ist ein klassischer „hidden
champion“ im Familienbesitz. In der Marktnische
gedeiht das Unternehmen seit nunmehr 75 Jahren.
Mittlerweile ist die vierte Generation am Ruder: Die
drei Geschwister Michael und Stephan Drinkuth
sowie Susanne Drinkuth-Koch. Was in anderen Familienunternehmen nicht immer gut geht, ist für die
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
Drei eine Selbstverständlichkeit – einvernehmlich
und mit Freude zusammenzuarbeiten. „Das geht
auch gut, weil jeder von uns einen anderen Schwerpunkt hat“, erklärt Stephan Drinkuth. Er ist der
Techniker im Team. Sein Bruder erledigt Einkauf
und Personal, die Schwester kümmert sich um die
Finanzen. „Unser Vater war als Chef alleine. Wir haben das große Glück, die Last auf mehrere Schultern
zu verteilen“, sagt Michael Drinkuth. Ans Geschäft
gewöhnt wurden die Geschwister bereits zu Kindertagen. „Wir sind nach der Schule oft direkt in die Firma gegangen. Und samstags habe ich Maschinen lackiert“, schmunzelt Stephan.
Mit Bock-Maschinen bekommt jeder sein Fett weg –
hier die Produktion von Butterblöcken
AM ANFANG WAR DAS HALBE PFUND
Die Firmengeschichte beginnt beim Urgroßvater
der drei heutigen Chefs. Christian Bock gründet die
Firma mit seinem Sohn Alfred im Mai 1933. Bock senior hatte sich bereits bei Molkereien und Margarineherstellern einen Namen gemacht. In seiner Werkstatt in Hamburg will er nun selber handgetriebene
Formpressen für Speisefette herstellen. Schon im
Jahr darauf entwickeln Vater und Sohn eine Maschine zur Portionierung handelsüblicher 250-GrammButterblöcke. Im Wirtschaftswunder der 50er präsentiert Bock als Erster eine Maschine, mit der Margarinebecher befüllt werden können. Mittlerweile
geht es bei Bock nicht mehr um solche Produkte für
Privathaushalte, sondern nur noch um die Portionierung und Verpackung industrieller Größen.
REPORTAGE / 20
Die Automatisierung ermöglichte den Kunden attraktive Kapazitätssteigerungen.
So wurde auch aus der Handpresse eine hochautomatisierte Dosier-Station – natürlich aus hochwertigem Edelstahl, um den strengen Hygieneanforderungen zu genügen. Hier läuft das Urprodukt durch
und wird Portion für Portion in die Wickelanlage
weitergegeben. Der Bestseller von Bock ist eine Anlage, die vollautomatisch Speisefette zu Blöcken zwischen einem und 25 Kilogramm verpackt – und das
in verschiedenstem Wicklermaterial.
Vor einigen Jahren erfüllte Bock seinen Kunden
einen weiteren Wunsch: Zusätzlich zu den Wickelmaschinen wurden auch noch Anlagen zur Kartonierung angeboten. Denn wenn das Fett eingewickelt
ist, muss es ja noch versandfertig gemacht werden.
Montagehalle in Norderstedt
Und um jede Lücke zwischen den einzelnen Anlagenkomponenten zu schließen, gibt es mittlerweile
auch passende Transportsysteme „made by Bock“.
Die Entwicklung kennen viele M+E-Unternehmen:
Früher war man Maschinenbauer, heute ist man Systemanbieter. Konstruiert wird auch bei Bock per 3DCAD. Die Fertigung erfolgt CNC-gesteuert. Und die
Qualität zahlt sich aus: Bock-Anlagen sind weltweit
gefragt. Von Russland über Südafrika bis Thailand.
Der am weitesten entfernte Kunde sitzt in Neuseeland. Kein Problem für den Service: Seit Jahren werden sämtliche Anlagen mit einem Modem ausgestattet und können von Norderstedt aus weltweit online
überprüft werden. Das Auslandsgeschäft macht
mittlerweile den größeren Anteil des Umsatzes aus.
„Wir würden uns sehr freuen, wieder einen Auftrag
aus Deutschland zu erhalten“, sagt Vertriebschef
Gerd Ketterer. Aber die Investitionslust in Schwellenländern sei deutlich größer. Und dort würde auch
nicht so lang über Aufträge nachgedacht, sondern
auf kurzem Wege wirtschaftlich gehandelt.
INTERNATIONALITÄT ALS SCHUTZ
Wer weltweit agiert, fürchtet sich weniger vor
deutschen Konjunkturschwankungen: „Irgendwo
auf der Welt geht immer was“, so Stephan Drinkuth
und blickt daher optimistisch ins nächste Jahr. Auch
wenn sich die Materialpreise in den letzten Jahren
fast verdoppelt haben und die Kosten nicht immer
über höhere Verkaufspreise weitergegeben werden
Eine Maschine aus den 40ern: Handbetrieben
wurde hierauf Butter zum halben Pfund
portioniert
konnten, wurde dies erfolgreich über optimierte Fertigungsprozesse und effektivere interne Abläufe
kompensiert. Der Markt ist überschaubar: Etwa 160
Firmen stehen in der aktiven Kundenkartei. Circa
400 Maschinen sind rund um den Globus im Einsatz. 20 baut Bock pro Jahr. Und auch gebrauchte
Maschinen werden in Norderstedt wieder fit gemacht für den Weiterverkauf. Hier zahlt es sich aus,
dass viele Facharbeiter schon lange im Betrieb sind.
Vor Kopien aus China haben die Norderstedter übrigens keine Angst: „Unsere Nische ist zu klein. Und
unser Know-how zu teuer“, sagt Vertriebschef Gerd
Ketterer. Dieses Wissen soll auch in Zukunft im Betrieb gehalten werden. Eigene Auszubildende sind
dabei selbstverständlich. Und die fünfte Generation
gibt es auch schon.
■ PH
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
AUS DEN BEZIRKEN / 21
Hochseilgarten Schloss Hasenwinkel
Die etwas wacklige
„Karriereleiter“
Das NORDMETALL-Tagungsschloss in Hasenwinkel
bei Schwerin ist nicht nur ein beliebter Ort für
Konferenzen und Seminare. Jetzt können Unternehmen hier auch Personalmaßnahmen durchführen, die besonders in Erinnerung bleiben – egal ob
Assessment Center, Weiterbildung oder Incentive.
DAS SCHLOSS VERFÜGT MITTLERWEILE über einen
Hochseilgarten. Die Ausbildungsleiter der NORDMETALL-Mitgliedsunternehmen haben ihn bereits ausprobiert. Anlass war die erste Arbeitskreistagung
2008 der Ausbildungsleiter aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die
Kollegen aus Bremen und aus dem nordwestlichen
Niedersachsen waren als Gäste eingeladen. Höhepunkt der Tagung war die Präsentation des Hochseilgartens. „Es handelt sich um eine spannende Anlage zur handlungsorientierten Teambildung und
zum Führungskräftetraining“, so Hans-Günter Trepte, Leiter der NORDMETALL-Abteilung Arbeitsmarkt
und Berufsbildung.
Der Hochseilgarten folgt dem erlebnis-pädagogischen Ansatz: Hier sollen soziale Kompetenz, Kommunikation, Verantwortung und Vertrauen entwickelt werden. Unter der professionellen Betreuung
von zwei Trainern konnten die Ausbildungsleiter alle Stationen kennenlernen und einzelne davon auch
selbst ausprobieren. Einige haben Schloss Hasenwinkel und den Hochseilgarten für ihre Ausbildungskonzepte bereits vorgesehen.
■ PH
Internet
Mehr Informationen und Kontakt
zum Schloss Hasenwinkel auf
www.tagungsschloss.de.
KULTUR / 22
A u f
3
R ä d e r n
d u r c h
d i e
S t a d t
„Hast Du keinen Tempo-Wagen, wird die Konkurrenz Dich
schlagen“ – der Ton in der Werbung war rauer in den 50er Jahren.
Viele erinnern sich noch an die kleinen Transporter, die mit ihren
knatternden Zweitaktmotoren das Straßenbild optisch und
akustisch prägten. Jetzt gibt es ein Wiedersehen im Museum.
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
KULTUR / 23
DIE MARKE „TEMPO“ ist ein echtes Stück Hamburger Metallindustrie-Geschichte. 1928 baute Firmengründer Oskar Vidal in der Hamburger Kohlehandlung des Vaters gemeinsam mit zwei Schlossermeistern den ersten dreirädigen Lieferwagen, der heute
Kultstatus hat. Genau 80 Jahre später, ab dem 10.
Oktober, ist im Hamburger Museum der Arbeit die
Ausstellung „Tempo! Auf 3 Rädern durch die Stadt"
zu sehen. Die Schau ist in Kooperation mit der
NORDMETALL-Stiftung entstanden und verfolgt die
Spuren der Erfolgstory der Tempo-Wagen, die im
Nachkriegsdeutschland auf vielen Straßen präsent
waren.
der zwanziger Jahre wurde der Transport kleinerer
Gütermengen mit Pferdefuhrwerken, Fahrrädern,
Boten oder mit der sogenannten Schottschen Karre
betrieben. Ging einerseits der Trend in diesen Jahren zum schweren LKW, suchten gleichzeitig Handel
und Gewerbe damals nach einem preiswerten Ausweg, um ihre Transportprobleme zu lösen. Die
Grundausstattung aller Modelle war identisch, die
notwendige Technik kompakt im Fahrerhaus untergebracht. Diese Plattform bot die Basis für individuelle Aufbauten und Sonderanfertigungen. Sie konnten für die Auftraggeber quasi maßgeschneidert
werden. Diese Fahrzeuge, so zeigt es die Ausstel-
Auf über 500 qm zeigt die Ausstellung in einer
inszenierten Stadtlandschaft die Bedeutung dieses
kuriosen Kleinlasters für die deutsche Verkehrsund Kulturgeschichte. Highlights der Ausstellung
sind die Original-Tempo-Fahrzeuge, darunter auch
ein „T6“, „Front 6“, ein „Hanseat“ und ein „Matador“
aus der Sammlung des heute von Mercedes-Benz betriebenen ehemaligen Tempo-Werkes „Vidal & Sohn"
in Hamburg-Harburg.
lung, entwickelten sich rasch weiter. Die technischen Konstruktionen und Errungenschaften der
Lieferfahrzeuge ermöglichten erst eine innerstädtische mobile Versorgung. Es gab kaum etwas, was
ein Tempo nicht transportierte – Obst, Gemüse, Baumaterial und viele andere Waren und Güter. Familien fuhren mit ihrem Tempo in den Urlaub, nutzten
ihr Mobil für Wochenendausflüge und erste Campingfahrten.
Von den klassischen Dreirädern „Hanseat“ und
„Boy“ ging die Entwicklung zu vierrädrigen Kleinlieferwagen wie „Matador“ und „Wiking“. Herausgestellt werden in der kommenden Hamburger Ausstellung auch die herausragenden Leistungen der
Tempo-Chefkonstrukteure Otto Daus (1928-1945)
und Diedrich Bergst (1945-1969).
BEKANNT BIS INDIEN
Hinzu kommt ein „Bajai-Hanseat“ aus der indischen Tempo-Fabrikation in Mumbai. Dort wurden
noch bis ins Jahr 2000 Dreiräder hergestellt – und
zwar auf der historischen Produktionsanlage aus
Harburg. Unter dem Motto „Tempo des Monats“ präsentieren private Sammler und Firmen im Wechsel
ihre fahrtüchtigen Lieblinge und berichten über die
Restaurierungsgeschichte.
Die enorme Vielseitigkeit war Ursache für den
großen Erfolg der Tempo-Fahrzeuge. Bis in die Mitte
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
ANFASSEN ERLAUBT
Bisher unveröffentlichte Fotografien und Dokumente aus dem Firmenarchiv, das im Jahr 2000 an
das Museum der Arbeit übergeben wurde,
KULTUR / 24
führen in die Werks- und
Unternehmensgeschichte
ein. Denn historisch gibt es
auch zwischen MercedesBenz, dem heute europaweit größten Hersteller von
Kleinlastwagen, und den
kultigen „Tempo-Fahrzeugen“ eine Verbindung. Im
Laufe der Jahre wurde aus
dem Tempo-Matador ein
Hanomag, ab 1969 übernahm Mercedes-Benz die
Regie bei der Produktion.
In der Besucher-Werkstatt für kleine und große
Nachwuchs-Ingenieure sind
ein „Tempo Boy“-Fahrgestell, der Motor und die
dazugehörigen Konstruktionsplänen ausgestellt:
Hier gibt es Fahrzeugtechnik zum Anfassen, Zusammenbauen und Ausprobieren. Mit anschaulichen Exponaten und interaktiven
Aktionen werden insbesondere Schülern die Themen „Güterversorgung im
Wandel“ und „Entwicklungen in der Kleinlastwagenbranche“ vorgestellt. An
benutzbaren Dreirad-Lastfahrzeugen lässt sich im
Museum der Arbeit nachvollziehen, was in der modernen Produktion durch komplexe Elektronik weniger anschaulich geworden ist: Wie funktioniert ein
Auto mit drei Rädern im Vergleich zu den Vierrädrigen? Wie muss man es beladen, damit es nicht umkippt? Welcher Antrieb und welche Lenkung funktioniert am besten? Wie lässt sich ein Aufbau herstellen?
ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT
Die technischen Themen sind dabei in einem kulturhistorischen Kontext verortet, damit der Einfluss
von Technik in unserer Gesellschaft deutlicher wird.
Der thematische Bogen ist hierbei weit gespannt. Er
beginnt mit Informationen zur Zeit „vor der Motorisierung“ und reicht bis zum Ausblick in „die Zukunft des Autos“. Zum Ende des Rundgangs werden
dem Besucher nämlich Auto-Prototypen vorgestellt,
die vielleicht schon in einigen Jahren unser Straßenbild prägen. Ähnlich wie der Hanseat, Matador und
Wiking in der Vergangenheit. ■ Mario Bäumer / KP
i
Wann und wo?
Tempo! Auf 3 Rädern durch die Stadt.
Eine Ausstellung in Kooperation mit
der NORDMETALL-Stiftung
10. Oktober 2008 bis 12. April 2009
Museum der Arbeit,
Wiesendamm 3, 22305 Hamburg
(www.museum-der-arbeit.de)
Öffnungszeiten
Montag 13 -21 Uhr
Dienstag - Samstag 10 -17 Uhr
Sonn- und Feiertage 10 -18 Uhr
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
AKTUELL / 25
Grafik des Monats
Lohnerhöhung: Kein Konsumschub im Inland
Verheirateter Alleinverdiener
mit 2 Kindern
Single
Bruttolohnerhöhung
100
100
Lohnsteuer, Kirchensteuer,
Solidaritätszuschlag
20,10
32,50
Sozialbeiträge des Arbeitnehmers
19,90
20,10
Nettolohnerhöhung
59,80
47,40
Ersparnis
6,50
5,10
Konsum von Importwaren
21,40
17,00
Zusätzliche Nachfrage nach
inländischen Konsumgütern
32,00
25,30
Durchschnittlicher Bruttomonatslohn: 2.260 Euro
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln
© 13/2008 Deutscher Instituts-Verlag
Wofür eine Erhöhung des durchschnittlichen Bruttomonatsverdienstes um 100 Euro
im Jahr 2008 verwendet wird, in Euro
Mein
Standpunkt
„Die da oben“ im Schafspelz
DER SCHAFSPELZ DES GEWERKSCHAFTERS ist
blau. Blau wie der Blaumann. Damit der Gewerkschafter nach außen wirkt wie einer von denen, die
er vertreten soll. Doch unterm Schafspelz sitzt der
verwöhnte Wolf, der zähnefletschend nach Privilegien giert – was er sonst so gerne denen vorwirft, gegen die er agitiert.
Gewerkschaftsbosse, die sich gerne über Ungerechtigkeit aufregen, die die Managermoral im Keller
sehen und die gegen Selbstbedienung anschimpfen,
haben ihren Anspruch auf Kritik längst durch eigene
Schäbigkeit verspielt. Da ist Frank Bsirskes kostenloser Luxusflug in die Südsee. Er hat zwar bereut – er
hat sich aber auch beschwert: dass für ihn nicht das
Gleiche gelte wie für Arbeitgebervertreter im Aufsichtsrat, dass er mit anderem Maß gemessen werde.
NORDMETALL Standpunkte 5 / 2008
Ich sag’s doch: Herr Bsirske (Jahreseinkommen:
226.400 Euro) will gar nicht Wortführer der Werktätigen sein, sondern im Kreis des Kapitals „Gleicher
unter Gleichen“. Er kapiert leider nicht, dass es nicht
ums gleiche Maß geht, sondern um unvereinbare
Rollen. Priviligienreiter eignen sich nicht als Moralapostel. Wie wohl sich Gewerkschafter „da oben“
fühlen, bewies auch Ex-IG-Metall-Chef Jürgen Peters,
von dem man hörte, er wolle seinen Stuhl als Aufsichtsrats-Vize von VW partout nicht für Nachfolger
Berthold Huber räumen. Und wenn der hessische IGMetall-Bezirksleiter Schild jetzt BDA-Präsident Hundt
frech als „Repräsentant der Maßlosen“ verunglimpft,
dann wirft er Steine aus dem Glashaus.
■ PH
Sie erreichen mich unter: haas@nordmetall.de
Peter Haas,
StandpunkteRedaktion
MITGLIEDER / 26
Foto: GuS
NSCHEN
Manfred Meise mit Sensoren, die die Sonneneinstrahlung
im Fahrzeugraum messen und die Klimaanlage entsprechend steuern
ChefFragebogen
Heute ausgefüllt von:
Manfred Meise
Alter:
57
Funktion:
Geschäftsführer
bei Fa.:
Hella Fahrzeugkomponenten GmbH
Ausbildung als:
Elektroingenieur
Was sollte ein Arbeitgeber jeden Tag tun?
Seinen Mitarbeitern zuhören und die Wirksamkeit der
installierten Optimierungsprozesse sicherstellen.
Was sollte ein Arbeitgeber nie tun?
Glauben, dass er alles richtig macht, und aufhören,
nach Optimierungspotenzial zu suchen.
Wie erklären Sie Kindern Ihren Beruf?
Mit anderen Menschen hilfreiche Produkte erfolgreich
gestalten, produzieren und vermarkten.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Ingenieur, Psychologe.
Wie würden Sie für eine Tätigkeit in der Metallund Elektroindustrie werben?
Es ist die Branche, die Deutschland erfolgreich
gemacht hat.
Empfehlen Sie ein Buch, das eine Führungskraft
unbedingt gelesen haben sollte.
„Ressource Mensch“ von Kübel, „Das Ziel“ von Goldratt und das „Märchenbuch für Manager“ von J. Fuchs.
Welchen Platz in Norddeutschland würden Sie
einem ausländischen Gast als erstes zeigen?
Marktplatz in Bremen.
Ihr(e) Lieblings-Unternehmer(in)?
Keine(n) spezielle(n).
Was muss die Metall- und Elektroindustrie
unbedingt noch erfinden?
Immer das, was nützlich ist und andere noch nicht
erfunden haben.
Hella
Der Name steht für Licht rund ums Automobil,
doch das Unternehmen kann viel mehr. Der
Automobilzulieferer mit Stammsitz in Lippstadt
entwickelt und fertigt Komponenten und Systeme
der Lichttechnik und der Elektronik. In JointVentures entstehen komplette Fahrzeugmodule,
Klimasysteme und Bordnetze. Hella gehört zu den
100 größten deutschen Industrieunternehmen.
Der Umsatz lag 2007 bei 3,7 Milliarden Euro.
25.000 Menschen sind beschäftigt. Mehr als 3.100
arbeiten in Forschung und Entwicklung. Seit 1961
ist Hella auch in Bremen. Die 100-prozentige
Hella-Tochter beschäftigt 600 Mitarbeiter. Zum
Fertigungsprogramm gehören Sensoren für
Klima, Umfeld, Temperatur und Flüssigkeit, Steller,
Schweinwerferreinigungsanlagen, Schalter und
Motorpumpen. Hinzu kommen Entwicklungskapazitäten für Temperatur-, Klima- und Flüssigkeitssensorik. Bei der intelligenten Niveausensorik
ist Hella Marktführer in Europa. Bremen ist von
einer reinen Fertigungsstätte hin zum weltweit
NORDMETALL Standpunkte
5 / 2008
verantwortlichen Kompetenzzentrum
für Sensorik
im Hella-Konzern geworden.
KONTAKTE / IMPRESSUM / 27
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Seele and Geist
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