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Betreuung und Pflege in der Familie. Was tun? - Kölner Bündnis für

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Betreuung und Pflege
in der Familie
Was tun?
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Impressum
Herausgeber:
Arbeitskreis Kölner Behörden im
Kölner Bündnis für Familien
Text:
Ralf Axmann, Gabriele Schilling,
Diana Schmüser, Jacqueline Krosch
Druck & Layout:
LVR-Druckerei,
Ottoplatz 2, 50679 Köln,
Tel: 0221 809-24 18
Auflage: 2000
Stand: 3. Auflage, Mai 2013
Sprecherin:
Sabine Sacher,
Bundesamt für Familie und
zivilgesellschaftliche Aufgaben
Sibille-Hartmann-Str. 2-8,
50969 Köln,
Tel: (0221) 36 734 427
E-Mail: sabine.sacher@bafza.bund.de
Haftungshinweis:
Trotz sorgfältiger inhaltlicher
Kontrolle übernehmen wir keine
Haftung für die Inhalte externer
Links. Für den Inhalt der verlinkten
Seiten sind ausschließlich deren
Betreiber verantwortlich.
2
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Inhalt
Kontakt zum örtlichen Pflegestützpunkt aufnehmen ........................................5
Antrag auf Pflegeeinstufung stellen ...................................................................6
Vorbereitung auf die Begutachtung: Pflegetagebuch .........................................7
Pflegeleistungen durch das Sozialamt ...............................................................8
Einen Pflegekurs besuchen ................................................................................9
Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsrecht ........................9
Beantragung eines Schwerbehindertenausweises .........................................12
Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege ..................................................12
Rentenversicherungspflicht bei Reduzierung der Arbeitszeit .........................15
Checkliste zur Auswahl eines ambulanten Pflegedienstes .............................17
Welche Kriterien können Ihnen zur Beurteilung dienen? ................................17
In eigener Sache: Der Arbeitskreis Kölner Behörden .....................................20
3
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Ältere Menschen möchten am liebsten in ihrer gewohnten Umgebung
bleiben, auch wenn sie plötzlich
nicht mehr allein zurecht kommen
können.
So werden in Deutschland tatsächlich mehr als zwei Drittel aller
Betreuungs- und Pflegebedürftigen,
also etwa 1,5 Millionen Menschen,
zu Hause betreut und gepflegt, wobei
die Pflegeleistungen überwiegend
von Frauen erbracht werden.
In vielen Fällen ist dies nur mit
professioneller Unterstützung eines
ambulanten Pflegedienstes möglich.
Dieses Informationsblatt soll einen
Überblick und eine erste Hilfestellung für betreuende und pflegende
Angehörige des öffentlichen Dienstes
im Kölner Raum zur Beantwortung
der drei wichtigsten Fragen geben
Worauf muss ich achten?
An wen kann ich mich wenden?
Wie kann ich Betreuung,
Pflege, Familie und Beruf
vereinbaren?
4
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Kontakt zum
örtlichen Pflegestützpunkt
aufnehmen
Mit der Betreuungs- und/oder
Pflegebedürftigkeit tritt eine massive
Veränderung der gesamten Lebenslage der betroffenen Menschen ein.
In NRW verpflichtet das Landespflegegesetz jeden Kreis bzw. jede
kreisfreie Stadt eine neutrale Stelle
zur Pflegeberatung für Betroffene und Angehörige einzurichten.
Pflegekassen sind verpflichtet, für
ihre Versicherten ein individuelles
Fallmanagement zur Verfügung zu
stellen. Sie beraten und unterstützen
Betroffene bei der Organisation
der Pflege ihrer Angehörigen. Dies
umfasst die Vermittlung von Pflegediensten, Haushaltshilfen, Einkaufsservice usw.. Sie sind dabei nicht
auf bestimmte Behinderungen oder
Krankheiten spezialisiert.
Die sonstige Struktur und Organisation des Unterstützungssystems
ist je nach Gemeinde und Kommune
unterschiedlich. In manchen gibt es
sogenannte „Pflegestützpunkte“.
In Köln können Sie sich an das Zentrale Seniorenberatungstelefon der
Stadt Köln wenden. Es hat Zugriff auf
eine Datenbank zum Unterstützungssystem und kann Ihnen weiterhelfen.
Eine weitere zentrale Anlaufstelle
und Ansprechpersonen finden Sie in
der Seniorenberatung der Bezirkssozialämter. Von dort aus können
gegebenenfalls auch Hausbesuche
durchgeführt werden. In den Stadtbezirken führen die Wohlfahrtsverbände die Senioren- und Pflegeberatung durch.
Die örtliche Pflegeberatungsstelle
berät die Pflegebedürftigen, von
Pflegebedürftigkeit Bedrohte und
ihre Angehörigen. Ratsuchende
erhalten nach Wunsch Informationen
über die rechtlichen Rahmenbedingungen, das vorhandene Pflegeangebot, Beratung über die im konkreten
Einzelfall erforderlichen Hilfen und
Finanzierungsmöglichkeiten sowie
Unterstützung bei der Auswahl der
geeigneten Pflegeanbieter.
Die Beratung erfolgt in der Regel
durch geschultes und erfahrenes
Personal trägerunabhängig, neutral
und kostenlos.
5
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
TIPP:
Die Stadt Köln hat unter der
Rufnummer (0221) 221-27
400 für alle Fragen zu Unterstützungsmöglichkeiten im
Pflegefall ein zentrales Beratungstelefon für Senioren und
Menschen mit Behinderung
eingerichtet. Weitere Informationen finden Sie im Internet
unter www.stadt-koeln.de
Hinweise zum Thema Pflege
als auch zum Thema Pflegeleistungen erhalten Sie
ebenfalls über das Kuratorium
Deutsche Altershilfe
Anschrift:
An der Pauluskirche 3
50677 Köln
Telefon: (0221) 221-93 18 47-0
www.kda.de
Antrag auf
Pflegeeinstufung stellen
Um von der Pflegeversicherung
Leistungen in Anspruch nehmen zu
können, ist zunächst eine Pflegeeinstufung erforderlich. Derzeit gibt
es vier Pflegestufen, in welchen
Leistungen gewährt werden:
Weitere Adressen von Pflegeberatungsstellen der Kommunen in NRW finden Sie bei
der Landesstelle Pflegende
Angehörige
Anschrift:
Gasselstiege 13
48159 Münster
Telefon: (0800) 22 04 400
(gebührenfrei)
www.lpfa-nrw.de
Auch die Pflegeberatungsstelle
Ihrer Kreisstadt, die Pflegekassen, die Alzheimer-Gesellschaft und die Wohnberatung
nennen Ihnen Ansprechpersonen
in Ihrer Stadt.
Pflegestufe 0 = Personen mit
dauerhaft erheblich eingeschränkter
Alltagskompetenz, die zwar einen
Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen
Versorgung haben, jedoch noch
nicht die Voraussetzungen für eine
Einstufung in die Pflegestufe I
erfüllen;
6
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Pflegestufe I = erheblich pflegebedürftige Personen, die bei Körperpflege, Ernährung oder Mobilität
mindestens einmal täglich Hilfe
benötigen (im Tagesschnitt mindestens 90 Minuten);
Pflegestufe II = schwer pflegebedürftige
Personen, die mindestens dreimal zu
verschiedenen Tageszeiten der Hilfe
bedürfen (im Tagesschnitt mindestens
drei Stunden);
Pflegestufe III = schwerstpflegebedürftige Personen, die rund um die
Uhr Hilfe benötigen (im Tagesschnitt
mindestens fünf Stunden).
TIPP:
Der Antrag auf Pflegeeinstufung sollte bei der
entsprechenden Pflegekasse möglichst frühzeitig
nach Eintritt des Pflegefalls
gestellt werden, denn der
Leistungsbeginn erfolgt
bereits mit dem Datum der
Antragstellung.
Das entsprechende Antragsformular kann bei der
Pflegekasse telefonisch
angefordert werden. Hierbei
kann Sie der Pflegedienst
(ambulant/stationär) unterstützen.
Vorbereitung auf die
Begutachtung: Pflegetagebuch
Die Pflegekassen beauftragen den
medizinischen Dienst der Krankenkasse mit der Feststellung der
Pflegebedürftigkeit. In der Regel
macht dieser einen Hausbesuch bei
den Pflegebedürftigen. Neben einer
körperlichen Untersuchung und
Sichtung eventueller ärztlicher und
pflegerischer Befunde, wird sehr
genau nach dem individuellen Hilfebedarf gefragt.
Im Vordergrund steht der Hilfebedarf
bei der Grundpflege (Körperpflege,
Mobilität und Ernährung). Die hauswirtschaftliche Versorgung wie
Einkaufen, Kochen etc. wird nachrangig bewertet. Behandlungspflege wie z.B. das Verabreichen von
Medikamenten und Injektionen wird
bei der Pflegestufenermittlung nicht
anerkannt.
Um die Ermittlung eines angemessenen individuellen Hilfebedarfs zu
gewährleisten, ist das Führen eines
Pflegetagebuchs zu empfehlen. Ein
konkreter Beratungstermin muss
innerhalb von zwei Wochen nach
Antragsstellung durchgeführt werden.
Die Begutachtung soll innerhalb von
fünf Wochen nach Antragstellung
erfolgen und das Gutachten muss
der antragstellenden Person übermittelt werden.
7
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Muster Pflegetagebuch
TIPP:
Nähere Informationen zu
diesem Thema sowie ein
Muster des Pflegetagebuchs
gibt es im Internet bei:
www.deutsche-alzheimer.de
unter Informationsmaterialien, Informationsblätter
(Downloads), Broschüren,
Pflegetagebuch.
Anschrift:
DAlzG
Friedrichstr. 236
10969 Berlin
Telefon: (030) 25 93 795-0
Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung und andere
nützliche Informationen finden
Sie unter entsprechender
Schlagwortsuche im Internet.
Pflegeleistungen durch das
Sozialamt
Ansprüche und Leistungen der
Sozialhilfe kommen nur in Betracht,
wenn Sie keine Leistungen der
Pflegeversicherung erhalten oder
diese unzureichend sind.
Das Sozialgesetzbuch XII sieht in
folgenden Fällen für Pflegebedürftige
die „Hilfen zur Pflege“ vor, die den
Leistungen der Pflegeversicherung
ähnlich sind:
voraussichtlich weniger als
sechs Monate hilfebedürftig
(z.B. nach einem Unfall),
hilfebedürftig, aber nicht bzw.
noch nicht erheblich pflegebedürftig (sog. Pflegestufe 0),
8
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Hilfebedarf bei Verrichtungen,
die nicht zu dem engen Katalog
des Pflegebedürftigkeitsbegriffes
der Pflegeversicherung gehören
(zum Beispiel Kommunikationsförderung),
nicht pflegeversichert oder die
Vorversicherungszeiten nicht
erfüllt.
Unterstützung vom Sozialamt wird
nur dann bewilligt, wenn die Betroffenen wegen niedrigem Einkommen
und Vermögen als finanziell bedürftig
gelten. Leistungen werden nur auf
Antrag gewährt.
Einen Pflegekurs besuchen
Ein allgemeiner Pflegekurs umfasst
in der Regel 24 Unterrichtseinheiten,
also 18 Zeitstunden. Ein Schwerpunkt des Pflegekurses ist die Vermittlung von fachlichen Kenntnissen.
Großen Raum nehmen dabei praktische Übungen ein.
Die meisten Pflegekassen haben
vor Ort Vertragspartner wie Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder private
Anbieter. Die Pflegekurse sind für
pflegende Angehörige häufig kostenlos.
Möglicherweise gibt es am Ort aber
auch Anbieter, mit denen die Pflegekasse keinen Vertrag hat, die dem
Interessenten jedoch geeigneter
erscheinen. Dann sollte vor der
Anmeldung mit der Pflegekasse
besprochen werden, ob sie auch für
diesen Kurs die Kosten trägt. Weitere
Angebote haben z.B. auch Krankenkassen und private Anbieter.
Patientenverfügung,
Vorsorgevollmacht und
Betreuungsrecht
Bild: „Pflegekurs“ © V. Daum/Bergmannsheil
Der Besuch eines Pflegekurses
erleichtert den Umgang mit dem zu
pflegenden Angehörigen und verringert damit die eigenen körperlichen
und psychischen Belastungen.
Die Patientenverfügung ist eine
Willenserklärung zur medizinischen
und pflegerischen Behandlung im
Falle der Unfähigkeit zur Willensäußerung. Jeder kann, aber niemand
muss eine Patientenverfügung machen.
Wichtig ist, dass jede schriftliche
Patientenverfügung für alle Beteiligten
verbindlich ist.
9
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Entscheidend ist der mutmaßliche
Patientenwille. Informieren Sie
sich im Vorfeld oder lassen Sie sich
fachkundig beraten und besprechen
Sie sich mit Ihren Angehörigen oder
einer Vertrauensperson (siehe Seite
10).
Die Patientenverfügung ist von der
Vorsorgevollmacht zu unterscheiden,
da in Letzterer nicht der eigene Wille
zum Ausdruck gebracht wird,
sondern ein Dritter ermächtigt wird,
an Stelle des einwilligungsunfähigen
Patienten zu entscheiden.
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ergänzen sich gegenseitig,
während sich das Betreuungsrecht
und die Betreuungsverfügung
schwerpunktmäßig mit der Auswahl
der Person beschäftigen, die im Pflegefall als Betreuer oder Betreuerin
eingesetzt werden soll.
10
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
TIPP:
Weitergehende Informationen,
Muster und Broschüren erhalten
Sie unter folgenden Adressen:
Broschüre „20 Fragen zum
Thema Häusliche Pflege“,
Landesstelle pflegende
Angehörige,
Anschrift:
Gasselstiege 13,
48159 Münster,
Telefon: (0800) 22 04 400
(gebührenfrei)
www.lpfa-nrw.de
Broschüren „Patientenverfügung“ und „Betreuungsrecht“
des Bundesministeriums der
Justiz
Anschrift:
Mohrenstraße 37,
10117 Berlin
Telefon: (030) 18 580-0
www.bmj.bund.de
Broschüre „Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und
Betreuungsverfügung“ (kostenpflichtig) der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen,
im Internet unter
www.vz-nrw.de
Anschrift:
Mintropstr. 27,
40215 Düsseldorf
Telefon: (0211) 380 90
Broschüre „Christliche Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung“ der Ev. Kirche in
Deutschland,
Anschrift:
Herrenhäuser Str. 12,
30419 Hannover
Telefon: (0511) 27 960
Download: www.ekd.de/
patientenverfuegung/
44664.html
Zentrales Vorsorgeregister
der Bundesnotarkammer für
Vorsorgevollmachten,
Betreuungsverfügungen und
Patientenverfügungen
Anschrift:
Postfach 08 01 51
10001 Berlin
Telefon: 0800-35 50 500
(gebührenfrei)
www.vorsorgeregister.de
11
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Beantragung eines Schwerbehindertenausweises
Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege
Die Feststellung einer Schwerbehinderteneigenschaft kann für den
Pflegebedürftigen finanzielle Vorteile
bringen. Ein Schwerbehindertenausweis ist nötig, um als Behinderter
folgende Leistungen in Anspruch
nehmen zu können:
steuerliche Erleichterungen
Vergünstigungen im Personen-,
Nah- und Fernverkehr
Vergünstigungen beim Wohnen
Schutz durch das
Schwerbehindertengesetz
In Zeiten einer sich verändernden
Gesellschaft mit einer größeren
Anzahl älterer Menschen betreuen
und pflegen immer mehr Berufstätige ihre Angehörigen. Aufgrund
niedriger Geburtenraten ist zudem ein
Mangel an qualifizierten Fachkräften
prognostiziert. Diese Entwicklung
wird auch häufig unter dem Begriff
des „demografischen Wandels“
zusammengefasst.
TIPP:
Seit dem 01.01.2008 liegt die
Zuständigkeit für die Beantragung des SB-Ausweises
und die Feststellung über die
Schwerbehinderteneigenschaft
bei den kreisfreien Städten und
Gemeinden.
Wohin Betroffene ihren Antrag
richten, entnehmen Sie der
Übersichtsliste auf der Seite
www.lvr.de
In Köln ist das Bürgeramt
Mülheim zuständig:
Anschrift:
Boltensternstraße 10
50735 Köln
Tel.: (0221) 93 334-200
Auf der Internet-Seite der
Stadt Köln
www.stadt-koeln.de
finden Sie unter der Rubrik
Bürger-Service interessante
Links zu diesem Thema.
Unter www.elsa.nrw.de haben
Sie auch die Möglichkeit,
Anträge online zu stellen.
12
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Dies sind nur einige der Argumente,
warum ein Arbeitgeber ein Interesse
daran hat und haben sollte, seine
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Spagat zwischen Beruf und Familie
zu unterstützen.
Nur Arbeitgeber, die die Wünsche
von Frauen und Männern nach einer
besseren Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, Karriere und Familie
berücksichtigen und fördern, können
sich mittel- und langfristig motiviertes, engagiertes und qualifiziertes
Personal sichern.
Daher ist es sinnvoll, mit dem Arbeitgeber über Möglichkeiten der Realisierung von Erwerbstätigkeit und
Betreuungs-/Pflegeverantwortung
zu sprechen, auch, um ungünstige
Auswirkungen auf den Arbeitsplatz
zu vermeiden.
Bild: Pflegezeitgesetz © AGV-Vers
Seit dem 1. Juli 2008 haben Angehörige von Pflegebedürftigen nach dem
Pflegezeitgesetz (PflegeZG) einen
Anspruch auf Pflegezeit.
Für die Dauer von bis zu sechs Monaten
können Sie sich von der Arbeit
freistellen lassen, allerdings ohne
Gehaltsbezug.
Für die schnelle Organisation von
Hilfe für pflegebedürftige Angehörige
haben Arbeitnehmer zusätzlich den
Anspruch auf eine Arbeitsbefreiung
von bis zu 10 Tagen.
Empfehlenswert ist in jedem Fall,
dass Sie Ihren Arbeitgeber und Vorgesetzte über Ihre neue Lebenssituation informieren und nach betrieblichen Maßnahmen für erwerbstätige
Pflegende fragen, wie z.B.:
Freistellung (Pflegezeit)
Teilzeit, Beurlaubung (Voraussetzungen, Auswirkungen)
Flexibilisierung von Arbeitszeiten (z.B. Anwesenheitszeiten,
Sonderregelungen, Arbeitszeitkonten, komprimierte Arbeitswoche oder andere Arbeitszeitmodelle)
Flexibilisierung der Arbeitsorganisation (Umorganisation
von Arbeitsabläufen)
Alternierende Heimarbeit oder
Telearbeit
Zielvereinbarungen (überprüfen
und ggf. verändern)
Finanzielle Unterstützung (zinsloses Darlehen, z.B. für einen
notwendigen Umzug).
Bundesbeamtinnen und -beamten,
die Anspruch auf Besoldung haben,
13
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
ist auf Antrag Urlaub ohne Besoldung oder Teilzeitbeschäftigung zu
bewilligen,
1. wenn sie
a) mindestens ein Kind unter 18
Jahren tatsächlich betreuen oder
pflegen oder
b) nach ärztlichem Gutachten eine
pflegebedürftige sonstige Angehörige oder einen pflegebedürftigen
sonstigen Angehörigen tatsächlich
betreuen oder pflegen und
2. wenn zwingende dienstliche
Belange der Bewilligung nicht
entgegenstehen (§92 Bundesbeamtengesetz).
Landesbeamtinnen und -beamten
mit Dienstbezügen ist auf Antrag,
wenn zwingende dienstliche Belange
nicht entgegenstehen, Teilzeitbeschäftigung bis zur Dauer von fünf
Jahren oder ein Urlaub ohne Dienstbezüge bis zur Dauer von drei Jahren
mit der Möglichkeit der Verlängerung in der Weise zu bewilligen, dass
die Arbeitszeit bis auf die Hälfte der
regelmäßigen Arbeitszeit ermäßigt
wird, wenn er/sie
1. mindestens ein Kind unter 18
Jahren oder
2. einen pflegebedürftigen sonstigen
Angehörigen tatsächlich betreut
oder pflegt.
Der Antrag auf Verlängerung ist
spätestens sechs Monate vor Ablauf der genehmigten Freistellung
zu stellen (§ 66, 71 Landesbeamtengesetz NW).
TIPP:
Unter www.bmg.bund.de
finden Sie unter der
Rubrik Pflege viele
Informationen, unter
anderem die Broschüren:
Pflegebedürftig. Was nun?
– Die ersten Schritte zur
schnellen Hilfe
Ratgeber zur Pflege – Alles,
was Sie zur Pflege wissen
müssen
Pflegen zu Hause – Ratgeber
für die häusliche Pflege
Das Bürgertelefon des
Bundesministeriums für
Gesundheit erreichen Sie unter:
Telefon: (030) 340 60 66-02
Hier erhalten Sie vielfältige
Informationen zu diesem
Thema.
Mit dem Familienpflegezeitgesetz
ist am 06.12.2011 für Beschäftigte
(nicht Beamtinnen und Beamte) eine
Alternative zur vollständigen Freistellung ohne Entgeltzahlung nach
dem PflegeZG geschaffen worden.
Familienpflegezeit ist die Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit
für die Dauer von max. 24 Monate bei
einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von durchschnittlich 15 Stunden
pro Woche.
14
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Der Einkommensverlust wird dabei
zum Teil durch eine Aufstockung des
Arbeitsentgeltes durch den Arbeitgeber kompensiert. In der Nachpflegezeit wird dieser „Gehaltsvorschuss“
wieder mit dem Regelentgelt verrechnet, bis er komplett abgearbeitet ist.
Die Familienpflegezeit setzt eine
schriftliche Vereinbarung zwischen
Arbeitgeber und Beschäftigten
voraus. Auf die Familienpflegezeit
besteht aber kein Rechtsanspruch.
Zur Absicherung des Rückzahlungsrisikos muss der/die Beschäftigte
eine Familienpflegezeitversicherung
abschließen.
Eine Übernahme für Beamtinnen und
Beamte befindet sich bei Redaktionsschluss noch im Gesetzgebungsverfahren.
Weitere Infos unter:
www.familien-pflege-zeit.de
Rentenversicherungspflicht
bei Reduzierung der
Arbeitszeit
Wenn Sie Ihre Arbeitszeiten reduzieren, sollten Sie wissen, dass
die Verpflichtung zur Zahlung der
Rentenversicherungsbeiträge in der
Regel bei der Pflegekasse des
Pflegebedürftigen oder einem
anderen Leistungsträger liegt.
Diese Versicherungspflicht ist für die
Pflegeperson durchaus von Vorteil.
Die Beitragshöhe richtet sich nach
dem Grad der Pflegebedürftigkeit
und dem sich daraus ergebenden
Umfang an Pflegetätigkeit (§ 19 SGB XI).
Eine Rentenversicherungspflicht
der Hauptpflegeperson besteht in
der Regel, wenn
ein pflegebedürftiger Angehöriger nicht erwerbsmäßig wenigstens 14 Std./Woche in seiner
häuslichen Umgebung gepflegt
wird,
der Wohnsitz oder gewöhnliche
Aufenthalt in Deutschland
oder einem anderen Staat des
europäischen Wirtschaftsraumes
liegt,
der Pflegebedürftige einen
Anspruch auf Leistungen aus der
sozialen oder privaten Pflegeversicherung hat,
die Pflegeperson nicht mehr als
30 Std./Woche erwerbstätig ist,
wobei bei einem kurzfristigen
Überschreiten dieser Grenze
die Rentenversicherungspflicht
bestehen bleibt.
15
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Auch bei Beamtinnen und Beamten
kann eine Pflegetätigkeit einen
Rentenanspruch begründen, allerdings nur dann, wenn die erforderlichen Mindestzeiten für einen
Rentenanspruch zusammenkommen,
was meistens aber nicht der Fall
ist. Ansonsten kann für die Zeit ein
Pflegezuschuss zum Ruhegehalt
gewährt werden, sofern aufgrund
der Teilzeit oder Beurlaubung der
eigene Versorgungsanspruch unter
der Beitragsbemessungsgrenze des
SGB liegt.
TIPP:
Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung
erreichen Sie unter
Telefon: (0800) 10 004 800
(gebührenfrei).
Broschüre „Rente für
Pflegepersonen: Ihr Einsatz
lohnt sich“ der Deutschen
Rentenversicherung zur
Bestellung unter o.g.
Rufnummer oder zum
Download unter www.deutscherentenversicherung.de
16
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Checkliste zur Auswahl
eines ambulanten Pflegedienstes
Folgende Fragen können als Hilfestellung im Gespräch mit einem Pflegedienst im Sinne einer „Checkliste“
genutzt werden. Einzelne Kriterien
sollten je nach persönlichem Interesse unterschiedlich gewichtet werden.
Die Fragen sind so angelegt, dass
die Betroffenen sie im Sinne einer
Definition eigener Prioritäten für sich
selbst beantworten sollten, andere
Fragen können dem Gesprächspartner
in der Einrichtung direkt gestellt
werden.
Wie finden Sie einen ambulanten
Pflegedienst in Ihrer Nähe?
Sie können Namen und Anschriften
erfragen z.B. über
Ihre Krankenkasse/Pflegekasse
eine Beratungs- und Koordinierungsstelle (BeKo-Stelle)
das Telefonbuch
die Kirchengemeinde
Empfohlenes Vorgehen bei der
Auswahl eines Pflegedienstes
Führen Sie mit mehreren in Frage
kommenden Pflegediensten ein
unverbindliches Gespräch.
Überlegen Sie im Vorfeld, worauf
Sie im Gespräch besonders achten
wollen.
Stellen Sie im Gespräch mit dem
Pflegedienst gezielte Fragen zur
Versorgung und Pflege.
Benutzen Sie für das Gespräch
einen durch Sie vorher festgelegten
Fragenkatalog.
Führen Sie das Gespräch wenn
möglich nicht allein, sondern
zusammen mit einer Person
Ihres Vertrauens.
Welche Kriterien können
Ihnen zur Beurteilung
dienen?
Information und Beratung
Bin ich mit der ersten
Kontaktaufnahme zufrieden
(Verbindlichkeit, Höflichkeit,
Freundlichkeit)?
Erhalte ich bei der Kontaktaufnahme die gewünschten
Auskünfte?
Stellt der Pflegedienst ein
Informationsblatt zur Verfügung (Leistungsangebot,
Kooperationspartner)?
Hat der Dienst eine Zulassung
von der Krankenkasse?
Hat der Dienst eine Zulassung
von der Pflegekasse?
Wird mir eine kostenlose
Beratung angeboten (zu Hause
oder ggf. im Krankenhaus)?
Werde ich nach meinen Wünschen
und Bedürfnissen gefragt?
Wird mir für Rückfragen eine
Ansprechpartnerin bzw. ein
Ansprechpartner genannt?
Ist der Pflegedienst zur vereinbarten Zeit zu mir gekommen?
17
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Bin ich insgesamt mit dem
Gespräch zufrieden?
Verträge und Kosten
Hat der Dienst eine Vereinbarung
zur Kostenübernahme mit dem
örtlichen Sozialhilfeträger?
Erhalte ich über die geplanten
Hilfen einen kostenlosen Kostenvoranschlag?
Wird mir der Kostenvoranschlag
bei Bedarf erläutert?
Erhalte ich Auskunft darüber,
wer was zu zahlen hat (Pflegekasse, Krankenkasse, Sozialamt)?
Muss ich einen Eigenanteil
der Kosten übernehmen?
Wird ein Pflegevertrag
abgeschlossen?
Gibt es im Pflegevertrag einen
Haftungsausschluss?
Stellt mir der Dienst einen
Mustervertrag einschließlich
Entgeltverzeichnis zur
Verfügung?
Ist die Kündigungsfrist des
Pflegevertrages für den
Pflegedienst geregelt?
Ist die Kündigungsfrist des Pflegevertrages für mich geregelt?
Erhalte ich genügend Zeit, um
den Vertrag prüfen zu können?
Erhalte ich auf Wunsch eine
Kopie der Abrechnung mit den
Pflegekassen?
Kann ich meine Rechnung per
Überweisung bezahlen oder
muss eine Einzugsermächtigung
erteilt werden?
Gibt es „Ruhensregelungen“
wenn ich mal vorrübergehend in
ein Krankenhaus muss?
Kann der Pflegedienst alle benötigten Leistungen anbieten oder
vermitteln?
Wird bei Bedarf der Wohnungsschlüssel so verwahrt, dass nur
berechtigte Personen Zugang
erhalten und dadurch Missbrauch ausgeschlossen werden
kann?
Personal
Wird die Pflege so gestaltet, dass
vorhandene Fähigkeiten gefördert werden? (z.B. genügend Zeit
beim Waschen, Anziehen, Gehen)
Bietet der Dienst für meine Pflege
feste Bezugspersonen an?
Kann ich auf Wunsch von einer
Pflegekraft meines Geschlechts
gepflegt werden?
Werden ärztlich verordnete
Leistungen ausschließlich von
examinierten Pflegekräften
ausgeführt?
Gibt es einen Ansprechpartner
oder eine Ansprechpartnerin für
Anregungen und Beschwerden?
18
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
Pflege, Versorgung &
individuelle Beratung
Können meine persönlichen
Gewohnheiten berücksichtigt
werden (Essenszeiten, Schlafgewohnheiten)? Werde ich über
Schwankungen der Einsatzzeiten
informiert? Wenn ja, wie?
Werden bei der Besprechung
meiner Situation alle Betroffenen
beteiligt (z.B. Angehörige,
Bekannte, Nachbarn usw.)?
Ist meine Versorgung im Bedarfsfall auch nachts sichergestellt?
Ist meine Versorgung im Bedarfsfall auch an Wochenenden
und Feiertagen sichergestellt?
Kann ich im pflegerischen Notfall
jemanden vom Pflegedienst
sofort erreichen?
Wird die Pflegeplanung und
Pflegedokumentation in meiner
Wohnung aufbewahrt?
Werde ich über weitere Hilfen
beraten (Hilfsmittel bzw.
Pflegehilfsmittel, Wohnraumanpassung, Wohnungsumbau
Werden Schulungskurse für
Angehörige und sonstige an
einer ehrenamtlichen Pflegetätigkeit interessierte Personen
angeboten?
Können bei Bedarf weitere
Kontakte hergestellt werden,
z.B. zu einem Besuchsdienstkreis, zu Selbsthilfegruppen
usw.?
Ist der Pflegedienst zertifiziert?
Quelle:
www.diakonie-friedrichsdorf.de
19
Betreuung und Pflege in der Familie
Was tun?
In eigener Sache:
Der Arbeitskreis Kölner
Behörden
Familien sind die soziale Mitte unserer
Gesellschaft. Gesellschaftliches
Engagement ist notwendig, um diese
Struktur zu sichern und darüber
hinaus die Lebensbedingungen für
Familien zu verbessern. Eine nachhaltige Familienpolitik ist vor Ort auf
Allianzen unterschiedlicher Einrichtungen aus Politik und Wirtschaft
angewiesen.
Die Lokalen Bündnisse, z.B. das Kölner
Bündnis für Familie, sind Netzwerke,
die mittels eigener Aktionen und
Maßnahmen Familien stärken und
somit den demografischen Wandel vor
Ort mitgestalten wollen.
Im Kölner Bündnis für Familien hat
sich ein Arbeitskreis entwickelt, der
sich als „Arbeitskreis Kölner Behörden im Kölner Bündnis für Familien“
das Ziel gesetzt hat, nachhaltige
Lösungen für mehr Familienfreundlichkeit in den Behörden selbst zu
schaffen.
Dem Arbeitskreis gehören
folgende Behörden an:
Agentur für Arbeit
Bezirksregierung Köln
Bundesamt für Familie und
zivilgesellschaftliche Aufgaben
Bundesfinanzdirektion West
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Deutsches Institut für
Medizinische Dokumentation
und Information
Hauptzollamt Köln
Landschaftsverband Rheinland
Oberfinanzdirektion Rheinland
Stadtverwaltung Köln
Zollkriminalamt
Jobcenter Köln
Der Arbeitskreis Kölner Behörden
möchte auch in Zukunft im Hinblick
auf die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie praktische Hilfestellung
leisten. Daher informieren wir auch
weiterhin über die Vielfalt an Angeboten, die Ihnen eine Hilfestellung
und Orientierung geben sollen.
20
Betreuung und Pflege in der Familie
Agentur für Arbeit Köln
Bezirksregierung Köln
Was tun?
Agentur für Arbeit Köln
www.arbeitsagentur.de
Bezirksregierung Köln
www.bezreg-koeln.nrw.de
Bundesamt für Familie und
zivilgesellschaftliche Aufgaben
www.bafza.de
Bundesfinanzdirektion West
Hauptzollamt Köln
www.zoll.de
Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung
www.bzga.de
Deutsches Institut für Medizinische
Dokumentation und Information
www.dimdi.de
Landschaftsverband Rheinland
www.lvr.de
21
Betreuung und Pflege in der Familie
Oberfinanzdirektion
Rheinland
Was tun?
Oberfinanzdirektion Rheinland
www.ofd-rheinland.de
Zollkriminalamt
www.zollkriminalamt.de
Jobcenter Köln
www.jobcenterkoeln.de
Polizeipräsidium
www.polizei-nrw.de/koeln
Stadt Köln
www.stadt-koeln.de
22
Stark für ein familienfreundliches
Köln.
www.familien-in-köln.de
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