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Grasland Schweiz: Was heisst das für den Landwirt? - OFFA

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MEDIEN-INFO
6. Internationale Fachmesse für Nutztierhaltung, landwirtschaftliche
Produktion, Spezialkulturen und Landtechnik
St.Gallen, 23. – 26. Februar 2006
Fachtext
Grasland Schweiz: Was heisst das für den
Landwirt?
Grasland richtig zu bewirtschaften ist nicht so einfach, wie es aussieht. Schon beim Mähen gibt
es viele Dinge zu beachten.
Ein Handmäher brachte es früher auf 4-5 Aren pro Stunde. Handgeführte Motormäher
bringen es auf etwa 50 Aren pro Stunde. Mit vom Traktor betriebenen Kreiselmähern lassen sich heute etwa fünf bis dreizehn Hektaren pro Stunde mähen. Die Sonderschau
„Grasland Schweiz: Mähen ist komplexer, als man denkt!“ dokumentiert diese Entwicklung. Pferdegezogene Gespanne aus dem Agrotechnorama der Agroscope FAT Tänikon
sind ebenso zu sehen wie modernste Mähmaschinen, seien es Kreiselmäher mit Aufbereiter oder hydrostatisch angetriebene Motormäher. Im Vordergrund steht heute weniger
die Höchstleistung als die Qualität und die richtige Handhabung der Maschinen.
Am Hang mähen und mit scharfen Messern
Eine bleibende Herausforderung für die Hersteller von Mähmaschinen ist der Einsatz am Hang.
Mähwerke an Traktoren lassen sich bis zu einer Hangneigung von 40 Prozent (18 Grad), Motormäher sogar bis zu einer Hangneigung von 100 Prozent (45 Grad) einsetzen. Die Kunst der
Konstruktion liegt darin, die Maschinen möglichst leicht zu bauen und den Schwerpunkt möglichst tief zu halten. Dies geht soweit, dass ein neuer Motormäher sich statt auf Rädern auf einer
Walze bewegt, in welcher der Motor eingebaut ist.
Mähen mit einer Mähmaschine sieht kinderleicht aus. Doch es braucht Kraft. Um das an der
Sonderschau zu zeigen, haben Techniker der FAT den Antrieb eines Scheibenmähwerkes auf
Handbetrieb umgebaut. Jetzt wird es klar, was es heisst, mit scharfen statt mit stumpfen Messern zu mähen. Das Mähen mit scharfen Messern spart bis zu fünfzehn Prozent an Energie und
schont erst noch die Pflanzen. Die Messer der Finger- und Doppelmesserbalken sollte man
nicht mit dem Winkelschleifer schärfen, dazu gibt es spezielle Schleifapparate mit der richtigen
Winkeleinstellung. Bei Messern von Kreisel- und Scheibenmähwerken ist ein Nachschleifen
wegen möglicher Materialermüdungen nicht empfehlenswert.
Weiden statt mähen
Eine wirtschaftlich interessante Alternative zum konventionellen Mähen ist die optimierte Weidebewirtschaftung. Anstatt zu mähen, überlässt man die Arbeit den Kühen. Die Kuh frisst etwa
100 Kilogramm Gras am Tag. Vorne ist der „Mähbalken“ hinten der „Düngerstreuer“. Gemäss
Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) können auf diese Weise in der Schweiz auf einer Hektare
Weide bis zu 15'000 Kilogramm Milch pro Jahr produziert werden. Wiese ist nicht gleich Wiese.
Ihr Pflanzenbestand ändert sich je nachdem, wie sie gedüngt und genutzt wird, berichtet Agroscope FAL Reckenholz. Eine Fromentalwiese wird im Frühling spät und das Jahr über nur noch
ein- oder zweimal gemäht und nur mässig gedüngt. Sie ist reich an Tier- und Pflanzenarten.
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Futterertrag und -qualität sind verhältnismässig gering. Wird das Wiesland früh und häufig gemäht sowie regelmässig gedüngt, entsteht eine ertragreiche, aber artenarme Raigraswiese mit
hohem Futterwert.
Unfälle vermeiden
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BUL setzt zusammen mit kantonalen Fachstellen an der
Sonderschau Wegweiser für sichere Maschinen. Einerseits kommt es auf die Maschine selbst
an, andererseits auf deren Handhabung. Ein Landwirt, der sicher gehen will, dass seine neue
Maschine die Sicherheitsstandards in der Schweiz und in Europa erfüllt, muss beim Kauf eine
Konformitätserklärung CE verlangen. Auch ein Zusatz im Kaufvertrag „Ausrüstung gemäss
Schweizerischem Strassenverkehrsgesetz“ kann vor unliebsamen Überraschungen schützen.
Unfälle mit dem Motormäher kommen häufig in Hanglagen vor, insbesondere beim Wenden.
Der Fahrer verliert den Halt und die Maschine rollt davon. Alle neuen Motormäher müssen stehen bleiben; sie dürfen nicht wegrollen. Eine sogenannte „Totmann-Schaltung“ sorgt für den
Stillstand, sobald die Bedienungsperson die Lenkstangen loslässt. Kreiselmähern sieht man die
Gefahr nicht an. Doch sie können Steine weit wegschleudern und – je älter die Klingen oder
deren Halterungen sind – desto eher kann sich auch einmal ein Messer lösen. Der Blachenschutz um das Mährwerk ist deswegen nicht umsonst. Beim Umgang mit Kreisel- und Scheibenmähwerken ist darauf zu achten, dass sich keine Personen in der Umgebung befinden.
Gefährdete Personen sind auf die Gefahr aufmerksam zu machen.
Ökologisch denken - Fauna schonen
Grasland ist nicht nur Futter für die Kühe, sondern auch Lebensraum für wildlebende Tierarten
– vom Feldhasen über die Blindschleiche bis zur Wildbiene. Kreiselmäher und Mähaufbereiter
sind zwar sehr schlagkräftige Maschinen, aber können – wenn sie zu tief eingestellt sind – einen Teil der Wiesenfauna zerstören. Bei ökologischen Ausgleichsflächen und anderen naturnahen Lebensräumen sollte man nach Möglichkeit auf das Kreiselmähwerk mit Aufbereiter verzichten. Hier ist das herkömmliche Messerbalkenmähwerk von Vorteil. Durch eine höhere Einstellung der Mähwerke gibt man den Tieren eine Chance, den Messern zu entkommen. Auch
beim Ausmähen von Böschungen, Randstreifen und Krautsäumen mit der Motorsense ist Aufmerksamkeit geboten.
Um Wildtiere zu schützen, sollte man die für das Mähen vorgesehene Wiese am Vortag
verblenden, das heisst, die Tiere aus der Wiese vertreiben und von ihr fern halten. Um Kleinlebewesen zu schützen, ist es von Vorteil, entweder frühmorgens oder abends zu mähen. In dieser Zeit sind die Tiere noch wenig aktiv. Eine Fauna schonende Bewirtschaftung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Aufmerksamkeit erfordert.
Weitere Informationen
Olma Messen St.Gallen
Tier&Technik
Splügenstrasse 12, Postfach, CH-9008 St.Gallen
Tel. +41 71 242 01 99 / Fax +41 71 242 01 02
tier.technik@olma-messen.ch / www.tierundtechnik.ch
St.Gallen, Januar 2006
Autor: Michael Götz (Dr. Ing. Agr.), LBB-Landw. Bauberatung GmbH,
Säntisstrasse 2a, CH-9034 Eggersriet, migoetz@paus.ch, www.goetz-bauberatungen.ch
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Bildlegenden (Bilder auf CD-ROM "Bilder_Grasland")
(Bei Abdruck bitte Fotograf angeben)
Abbildung 1
Alle neuen Motormäher müssen stehen bleiben, sobald kein Kontakt zur Bedienungsperson
besteht, und sie dürfen nicht wegrollen.
(Foto: BUL)
Abbildung 2
Frontheck-Mähwerk. So können in kurzer Zeit grosse Flächen gemäht werden.
(Foto: Gallus Steiner, LZSG)
Abbildung 3
Mähen am Hang ist nicht so leicht, wie es aussieht.
(Foto: BUL)
Abbildung 4
Oldtimer-Motormäher im Agrotechnorama Tänikon
(Foto: M. Götz)
Abbildung 5
Neues und stark abgenutztes Messer eines Kreiselmähers
(Sammlung Agroscope FAT-Tänikon, Foto: M. Götz)
Abbildung 6
Ein neuer hydrostatisch gelenkter Motormäher, der sich statt auf Rädern auf einer Walze bewegt. Für einen möglichst tiefen Schwerpunkt ist der Motor in der Walze eingebaut.
(Foto: Firma Brielmaier, D-Friedrichshafen)
Abbildungen 7 und 8
Wird eine Wiese während Jahren gleich bewirtschaftet, entsteht ein für den Standort und die
Bewirtschaftung spezifischer Wiesentyp. Dieser zeichnet sich durch typische Pflanzen- und
Tierarten aus.
Eine Raigraswiese (Abb. 7) entsteht, wenn häufig gemäht wird, eine Fromentalwiese, wenn
selten gemäht wird (Abb. (8).
(Fotos: FAL, Walter Dietl)
Abbildung 9
Aus einer optimierten Weidewirtschaft lässt sich einwandfreier Käse herstellen.
(Foto: ALP, Olivier Bloch)
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