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Darum schütze, was du liebst - Buecher.de

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LOUISE ANDERSON
Darum schütze, was du liebst
Buch
Erin Paterson stammt aus einer einflussreichen schottischen Familie.
Von ihrem Großvater hat sie eine der angesehensten Anwaltskanzleien
Glasgows übernommen und führt sie mit großem Engagement und
kompromisslosem Kampfgeist. Sie lebt in einer Luxuswohnung im Herzen der Stadt und ist eine angesehene und einflussreiche Frau. Doch die
perfekte Fassade zeigt Risse, denn in ihrer Familie regiert der Unfrieden.
Ihr Vater, geschwächt von einem Schlaganfall, hat ihrer herrschsüchtigen
Mutter nur noch wenig entgegenzusetzen. Ihre jüngere Schwester Brontë
ist eine psychisch labile Frau und verantwortungslose Mutter, die sich lieber in den Szenelokalen Glasgows aufhält, als sich um ihren kleinen
Sohn zu kümmern. Und von ihrem Bruder Leland wird nicht mehr gesprochen, seit er sich kurz nach seinem glänzenden Studienabschluss
scheinbar grundlos das Leben nahm. Aber auch Erins eigenes Leben gerät zunehmend außer Kontrolle. Die Beziehung zu ihrem Freund Alex
wird immer unglücklicher und hat ihren traurigen Tiefpunkt, als sie ihn
eines Morgens in flagranti mit ihrer Haushaltshilfe erwischt. Noch am
selben Tag wird Lucy Grant, eine alte Schulfreundin ihrer Schwester, brutal ermordet. Nur wenige Stunden vor ihrem Tod hatte sie versucht, Erin
anzurufen. Sofort steht Erin unter polizeilicher Beobachtung. Als dann
noch in ihre Wohnung eingebrochen und diese vollkommen verwüstet
wird, sieht alles danach aus, als bestehe zwischen ihr und dem Mörder
eine geheime Verbindung. Und tatsächlich: Kurze Zeit später beginnt der
Täter, Erin verschlüsselte Nachrichten zukommen zu lassen. Nachrichten, die darauf hinweisen, dass der Mörder Erins Vergangenheit gut
kennt. So gut, dass Erin gezwungen ist, sich mit einem lange unangetasteten Familiengeheimnis zu befassen, an das sie am liebsten niemals
mehr gerührt hätte …
Autorin
Louise Anderson wurde 1966 geboren. Sie wuchs in Glasgow auf und
zog nach dem Studium mit ihrem Mann in die USA. 1991 kehrte sie nach
Glasgow zurück, wo sie seither mit ihrem Mann und ihren beiden
Kindern lebt.
Louise Anderson
Darum schütze,
was du liebst
Roman
Aus dem Englischen
von Elvira Willems
Die Originalausgabe erschien 2004 unter dem Titel
»Perception of Death«
bei Hutchinson, London.
Das Shakespeare-Zitat auf S. 426 wurde zitiert nach
der Übersetzung von Schlegel/Tieck.
Umwelthinweis:
Alle bedruckten Materialien dieses Taschenbuches
sind chlorfrei und umweltschonend.
Einmalige Sonderausgabe September 2007
Copyright © der Originalausgabe 2004
by Louise Murray-Anderson
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2006
by Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Published by Arrangement with Louise Murray-Anderson
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur
Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen
Umschlaggestaltung: Design Team München
Umschlagfoto: buchcover.com/doublepointpictures
Druck und Einband: GGP Media GmbH, Pößneck
Printed in Germany
ISBN: 978-3-442-46610-8
www.goldmann-verlag.de
Prolog
Nicht das, was tatsächlich geschieht, ist wichtig, sondern die
Art und Weise, wie wir es wahrnehmen. Wir alle sind Zeugen
derselben Ereignisse, und doch sehen wir sie vollkommen
unterschiedlich. Wir sehen sie jeweils aus unserer eigenen
Perspektive. Während wir womöglich den schlimmsten Tag
unseres Lebens durchmachen, wird uns klar, dass andere
Menschen überall auf der Welt ebenfalls Katastrophen erleiden.
Wir erkennen sie in den Babys, die jede Minute in Afrika
sterben, in einem Schüler, der seine Klassenkameraden erschießt, und in einem Erdbeben in Eurasien, doch im Allgemeinen halten wir uns nicht allzu lange damit auf. Wir spenden all jenen Geld, die am lautesten trommeln, und applaudieren Wohlfahrtseinrichtungen für ihre Bemühungen. Die
Welt ist zu groß, um über sämtliches menschliches Elend
nachzudenken. Nur wenn es sich in unserem eigenen Haus
einnistet, befassen wir uns ernsthaft damit.
Ich sorge mich wirklich um die Welt, doch ich sorge mich
mehr um die, die ich liebe, als um die, denen ich nie begegnet bin.
Unsere Leben verlaufen linear. Während ich unter der Dusche stehe, putzen Sie sich gerade die Zähne. Während mein
Nachbar sich Butter auf den Toast schmiert, ziehe ich mein
Kostüm an. Während der Zeitungsjunge zur Schule läuft,
trinkt der Schülerlotse Tee aus einer Thermoskanne. Unsere
Leben verlaufen linear und bildlich gesprochen parallel. Tausende von dünnen Linien, so eng zusammengedrängt, dass
die Abstände dazwischen nicht erkennbar sind.
Während Alex es mit Mrs. McCaffer trieb, schenkte ich mir
eine Tasse frischen Kaffee ein, und Lucy Grant tat ihren letz5
ten Atemzug. Ein sorgfältig choreographiertes Ballett, jedes
Ereignis scheinbar für sich, und doch kollidieren sie mit jedem neuen Schritt und jeder Änderung des Tempos miteinander.
… Schnittwunde vorn am Hals, durch die Luftröhre, Speiseröhre und Kehlkopf durchtrennt wurden … Abtrennung des Frenulum linguae, Zunge entfernt … Abschürfungen, blaue Flecken
und Quetschungen des Mons und der Lippen … Beweise für Vergewaltigung … Beweissicherungs-Set benutzt …
Ich freute mich auf den Freitag und das Ende der Woche.
Das hatte ich schon als Kind immer getan. Zeit zum Entspannen. Ich hatte einen Pakt mit mir geschlossen, während der
Woche hart zu arbeiten und am Wochenende abzuschalten,
doch das funktionierte nicht. Je fleißiger ich war, desto mehr
Müll landete bei mir. Wenn ich tüchtig und gewissenhaft
war, verleitete das andere nur zur Nachlässigkeit. Ich wollte
gern faul sein, doch in meiner Verzweiflung, mich als würdig
und als jedem Mann ebenbürtig zu erweisen, lud ich mir versehentlich eine Last auf. Ich war der Dreh- und Angelpunkt
der von meinem Großvater gegründeten Kanzlei. Und ich
verhätschelte meine Familie so sehr, dass sie ohne mich
nicht zurecht kam. Das dachte ich jedenfalls.
Ich war mir vollkommen bewusst, dass viele Menschen
mich wegen meiner kurz angebundenen und konfliktfreudigen Art nicht mochten. Wäre ich ein Mann, würde man mich
als geradlinig und sarkastisch charakterisieren. Mir war auch
klar, dass ich nicht nur mit einem silbernen Löffel im Mund
auf die Welt gekommen war, sondern mit einem ganzen Besteckkasten voll Silberzeug, massivem Silber, einschließlich
passender Teekanne und Zuckerzange.
Der Morgen, an dem Lucy Grant vergewaltigt und ermordet wurde, veränderte einiges für mich, doch nicht, weil ich
plötzlich verstand, dass das Leben kurz und kein »Probedurchlauf« war. Ich machte mich nicht auf, um mich selbst
zu finden, wie all diese anderen fünfunddreißigjährigen Karrierefrauen. Ich erstand kein ausrangiertes Sperma und fing
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auch nicht an, Jäckchen zu stricken. Ich ließ mir nicht radikal
die Haare schneiden und trat nicht dem VSO bei, um Freiwilligendienst in einer Entwicklungshilfeorganisation zu leisten. Ich tat nichts Reaktionäres. Ich schaffte alles spielend.
An jenem Freitagmorgen Anfang Oktober, an dem Lucy
Grant starb, kollidierte mein linearer Kurs nicht nur mit einem oder zwei, nein, gleich mit drei anderen. Und als unsere
jeweiligen Linien aufeinander stießen und voneinander abprallten, waren wir gezwungen, uns anzusehen. Und keinem
von uns gefiel, was er sah.
Es gibt Dinge im Leben, die man lieber nicht wissen will –
Dinge, die besser bleiben sollten, wo sie sind.
7
8
1
Es war ein prächtiger Morgen, und ich genoss den flotten
zehnminütigen Fußmarsch zum Büro. Die klare Sonne und
der Puderzuckerfrost gaben mir das Gefühl, ich könnte überall sein. Es war eines meiner heimlichen Vergnügen, so zu
tun, als ginge ich durch die Straßen von Boston oder New
York. Ein Gefühl, das durch die kürzlich eröffneten Starbucks
Coffeeshops noch verstärkt wurde.
Mit dem Wagen fuhr ich nur bei besonders schlechtem
Wetter ins Büro. Ich hatte einen eigenen Parkplatz, doch
durch das Stadtzentrum zu fahren war die reinste Qual. In
ihrer Weisheit hatten die Stadtväter die Straßen mit Busspuren und Fahrradwegen versehen. Das ging vielleicht in europäischen Metropolen mit funktionierendem öffentlichem
Nahverkehrsnetz und einem etwas milderen Klima, doch in
Glasgow führte es lediglich dazu, dass die gleiche Menge Verkehr noch langsamer vorankam.
Im Laufe der letzten Wochen war ich jeden Tag später zur
Arbeit gekommen. Schuld daran war mein Freund, was mich
genauso wütend wie traurig machte. Ich war gezwungen gewesen, so lange herumzutrödeln, bis es so aussah, als machte
er sich endlich auf den Weg zur Arbeit, bevor ich gehen
konnte.
Er besaß die erforderliche Bildung, die Herkunft und gutes
Aussehen, doch mit seiner beruflichen Motivation haperte es
gewaltig. Offen gestanden hatte ich festgestellt, dass er ein
fauler Mistkerl war.
In den ersten Monaten, als ich in meiner Naivität noch geglaubt hatte, er besäße Potenzial, hatte ich ihm einen Job als
Personalberater bei einem meiner vielen Kontakte besorgt.
Eigentlich war er nicht als Personalberater ausgebildet, doch
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meiner Ansicht nach war dazu auch keine besondere Vorbildung notwendig. Man führte im Auftrag potenzieller Arbeitgeber Vorstellungsgespräche mit potenziellen Angestellten.
Wie schwer konnte so etwas schon sein?
Alex schien ganz gut zurechtzukommen, doch kürzlich
waren Berichte über vierstündige Mittagspausen, Tage, an denen er gar nicht erschien, und andere unerfreuliche Dinge zu
mir durchgesickert. Ich hatte ihn satt. Der Lack war ab, und
das Innere hatte sich als mächtig glanzlos erwiesen. Und ich
hatte den Verdacht, dass dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit
beruhte.
Obwohl ich schon seit meinem Studienabschluss in der
Anwaltskanzlei meines Großvaters arbeitete, empfand ich immer noch ein wenig Stolz, als ich die steinernen Stufen hinaufeilte und an den eleganten georgianischen Säulen vorbei die mit Marmor verkleidete Lobby des Paterson Building
betrat. Es war 1875 für meinen Ururgroßvater, einen der ersten Tabakbarone Glasgows, erbaut worden und beherbergte
jetzt die Kanzlei Paterson, Paterson & Co.
William, der Pförtner, öffnete die Tür und grüßte mich.
Ich erwiderte seinen Gruß, während er den Aufzug holte. Er
arbeitete seit vierzig Jahren für uns und wusste, dass es unklug wäre, mit mir Smalltalk betreiben zu wollen. In diesen
kostbaren Augenblicken war ich damit beschäftigt, im Geiste
Listen abzuhaken und Strategien zu entwerfen. Es war kein
peinliches Schweigen – zumindest nicht für mich –, sondern
in seiner ritualisierten Wiederholung lag etwas Beruhigendes.
Mein Büro, das vor mir meinem Vater gehört hatte, lag im
obersten Stock neben dem Besprechungsraum. Der Aufzug
führte in ein Großraumbüro für die Assistenten und Sekretärinnen. Dort herrschte bereits geschäftiges Treiben.
Ich grüßte meine Mitarbeiter, ehe ich auf direktem Weg in
mein Büro marschierte. Der Freitag war immer ein merkwürdiger Tag. Der Beginn eines neuen Arbeitstags und gleichzeitig das Ende einer Arbeitswoche. Das passte nicht so recht zu10
sammen; das Gefühl, sich allmählich aufs Wochenende einzustellen und gleichzeitig das Versprechen eines lohnenswerten Tages. Ich wusste, dass ich mit der Vorstellung, am Freitag
könnte ebenso viel Arbeit erledigt werden wie an jedem anderen Tag, allein stand.
Meine Handtasche war ziemlich gut bestückt, und die Tatsache, dass ich meine Haarbürste nicht finden konnte, sagte
mir, dass es höchste Zeit war, sie endlich einmal auszuräumen. Ich mag es gern, wenn alles makellos und aufgeräumt
ist, also blieb mir nichts anderes übrig, als den Inhalt der
Handtasche in meinen Ausgangskorb zu kippen. Die Bürste
fand sich natürlich ganz unten, unter meinem Psion, meiner
Brieftasche, meinem Schminktäschchen, dem Wohnungsschlüssel, dem Hausschlüssel meiner Eltern, dem Autoschlüssel, den Büroschlüsseln und meinem Handy.
Nachdem ich mich auf Vordermann gebracht hatte, ging
ich in die Küche, um mir eine Tasse Kaffee zu holen. Ich glaube nicht an schlechte Vorzeichen oder ähnlichen Unsinn,
aber das Küchenfenster sprang plötzlich auf und erschreckte
mich, sodass ich mir heißen Kaffee über die Hand schüttete
und mich verbrühte.
Während ich kaltes Wasser über die Stelle laufen ließ, setzte ich meine gewohnt grimmige, sachliche Miene auf, von
der meine Kollegen gelernt hatten, dass man sich ihr nur auf
eigene Gefahr näherte.
Anschließend trat ich mit dem Kaffee an meinen Schreibtisch und kramte gerade in den Sachen aus meiner Handtasche herum, als Michael McCabe an meine offene Tür klopfte.
»Morgen, Erin.« Um eine freundliche Miene bemüht, betrat er mein Reich.
»Morgen, Michael.« Ich tat dasselbe, jedoch mit sichtlich
geringerer Anstrengung.
»Hattest du gestern Abend die Möglichkeit, die Einzelheiten im Vergleichsverfahren Murphy gegen Broadwood zum
Abschluss zu bringen?«
11
»Ist alles in meiner Aktentasche.«
»Und wir verlangen fünfhunderttausend?«
Ich rutschte auf meinem Stuhl herum. Seit wann interessierte Michael sich so für meine Fälle?
»Ich glaube, ja.«
»Gut, gut. Sie kommen um zehn.«
»Ich weiß.« Natürlich wusste ich das. Ich hatte den Termin
schließlich vereinbart. Michael zögerte noch einen Augenblick, also zog ich eine Augenbraue hoch.
»Kann ich dir irgendwie helfen?«
»Nein. Nein. Viel Glück«, sagte Michael mit aufgesetzter
Freundlichkeit und ging.
Das hatte nichts mit Glück zu tun. Ich war eine gute Anwältin. Eine verdammt gute sogar. Ich machte meine Hausaufgaben. Michael benahm sich merkwürdig, andererseits
war er immer irgendwie seltsam, wenn er in meiner Nähe
war. Wir bemühten uns, einander aus dem Weg zu gehen –
wie sich zwei Seniorpartner aus dem Weg gehen konnten, die
einmal ein Paar gewesen waren. Einstige gegenseitige Bewunderung und romantisches Interesse waren in Argwohn
und Abneigung umgeschlagen. Er war ein Arschloch, aber er
war auch ein guter Anwalt, und auch wenn ich froh darüber
gewesen wäre, wollte ich doch nicht, dass er wegging. Aber
ich wunderte mich über sein plötzliches Interesse an dem
Broadwood-Vergleich. Schließlich lief die Auseinandersetzung bereits seit drei Jahren.
Fünfhunderttausend Pfund schienen nicht genug zu sein
für den Verlust eines Ehemanns und Vaters, doch es war die
übliche Summe für einen Unfall dieser Art. Die vermeintliche Fahrlässigkeit der Broadwood Ltd. hatte Mr. Murphy
das Leben gekostet.
Nur um sicherzugehen, dass ich nichts Wesentliches vergessen hatte, öffnete ich meinen Aktenkoffer und kramte in
den Akten herum. Hammersmith gegen Duguid & Masters
Ltd., Morris gegen Donald, McGowan gegen Francinelli &
Söhne. Kein Murphy gegen Broadwood Ltd.
12
Ich suchte noch einmal, knallte den Deckel zu und schaute auf meine Uhr. Fünf vor neun. Ich konnte in meine Wohnung zurück, die Akte holen und in einer halben Stunde wieder da sein.
In der Eile kippte ich den Kaffee über den Tisch und die
Computertastatur. Ich atmete tief durch, schnappte mir meine Schlüssel und den Regenmantel und eilte zurück zum
Aufzug.
»Karen, ich muss noch mal weg«, erklärte ich meiner Assistentin seufzend im Vorbeigehen, »außerdem habe ich Kaffee
über meine Tastatur gekippt. Könnten Sie jemanden bitten,
dort sauber zu machen?«
»Sicher, Miss Paterson. Wann werden Sie zurück sein?«,
rief Karen hinter mir her.
»Halbe Stunde.«
Ich merkte, dass ich recht schroff gewesen war, doch ich
hatte heute Morgen keine Zeit für Nettigkeiten.
Auf den Straßen drängten sich Büroangestellte, Verkäuferinnen und Friseurinnen, die zur Arbeit hasteten. Der zähe
Strom der Fußgänger verlangsamte mein Vorankommen,
und ich musste mich unter ständigen Entschuldigungen an
ihnen vorbeidrängeln.
Als ich das Ende der Straße erreichte, blickte ich zu dem
Haus hinüber, in dem meine Wohnung lag. Das Sonnenlicht
brach sich in den Fenstern und wärmte den hellgelben Sandstein. Das ganze Gebäude strahlte Wärme und Schönheit
aus. Es war ein modernisiertes, viktorianisches Lagerhaus am
modernisierten Ufer des Flusses, der durch das Herz der modernisierten Stadt floss.
Sie hatten hervorragende Arbeit geleistet, besonders bei
den Penthouse-Wohnungen, von denen eine mir gehörte. Es
war ein exklusives Gebäude mit nur zwölf Apartments, die
ausnahmslos von Berufstätigen bewohnt wurden. Wir gingen einander aus dem Weg, waren aber immerhin zivilisiert
genug, um dem Gebäude ein Gefühl oberflächlicher Gemeinschaft zu verleihen.
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Ich griff in die Tasche meines Regenmantels und zog den
Haustürschlüssel meiner Eltern heraus. Na, super.
Ich klingelte bei der Hausmeisterin, Mrs. McCaffer, doch
dort rührte sich nichts. Entmutigt probierte ich es bei sämtlichen anderen Bewohnern, bis ich bei den beiden Penthouse-Wohnungen angekommen war.
Ich atmete tief durch und drückte auf die Klingel von Penthouse Nummer zwei. Ein Teil von mir wünschte, dass niemand da war, während sich der andere verzweifelt danach
sehnte, ins Haus zu gelangen.
»Ja?«
»Hi. Hier ist Erin Paterson. Ich habe meinen Schlüssel vergessen, und Mrs. McCaffer ist nicht da. Könnten Sie mir bitte
die Tür aufmachen?«
Eine merkwürdige Pause folgte. Typisch für Paul Gabriel,
meinen unmittelbaren Nachbarn, der sich gern als eine Art
Witzbold betrachtete.
»Okay, aber der Aufzug funktioniert nicht«, sagte er
schließlich.
»Danke«, murmelte ich, ging aber trotzdem zuerst einmal
zum Aufzug. Mir zu erzählen, der Aufzug wäre kaputt, war
genau die Art von kindischem Streich, die zu Paul passen
würde.
Ich starrte die Treppe an. Körperliche Bewegung war mir
verhasst, jederzeit und auf welche Art auch immer. Sport
war Quatsch.
Alles war mir lieber, als mich körperlich zu betätigen. Ich
hatte keinerlei Bedürfnis, mich unten im Fitnessraum zu
Tode zu schwitzen und auch noch so zu tun, als würde ich es
genießen, wo ich mich nach nichts mehr sehnte als nach einem Glas Wein. Um mir meine perfekte Figur Größe 36 zu
bewahren, hatte ich einen revolutionären Diätplan. Ich aß
wenig.
Ich machte mich an den Aufstieg in den fünften Stock. Bereits im dritten schnappte ich nach Luft, und am Haaransatz
sammelten sich kleine Schweißperlen. Ich schälte mich aus
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dem Regenmantel und ließ ihn auf dem Treppenabsatz im
dritten Stock liegen, wild entschlossen, die letzten beiden
Etagen hinaufzulaufen. Ich hatte herausgefunden, dass ich
mich schneller erholte, wenn ich mich über einen kurzen
Zeitraum sehr anstrengte. Doch aus Angst, die langweiligen
Fitnessapostel um mich herum würden mir in ermüdenden
Details auseinander setzen, das hätte etwas mit der kardiovaskulären Erholungszeit zu tun, hatte ich es nie jemandem
erzählt.
Ich atmete tief durch und hastete, immer zwei Stufen auf
einmal nehmend, die Treppe hinauf. Das war ein großer Fehler. Kurz vor dem vierten Stock blieb ich mit dem Absatz meines linken Gucci-Schuhs hängen und riss ihn mir ab. Als ich
in meinem Stockwerk ankam, stieß ich leise Flüche aus. Und
um meine Verärgerung komplett zu machen, wartete Paul
Gabriel auf mich.
Ich hatte keine Ahnung, warum er sich die Mühe machte,
denn ich hatte ihm definitiv nichts zu sagen.
Er lehnte auf eine, wie er wahrscheinlich fand, ungezwungen lässig-elegante Art in seinem Türrahmen. Zugegeben, er
war sehr attraktiv. Anfang vierzig mit ersten grauen Haaren,
groß – mindestens einen Meter achtzig – und fit. In jedem
Sinn des Wortes.
»Alles in Ordnung?«
»Ja. Danke«, japste ich.
Er sah mir zu, wie ich, obwohl mir ein Fünfzentimeterabsatz fehlte, so elegant wie möglich an ihm vorbeihinkte.
Ich holte meinen Ersatzschlüssel aus dem Topf mit dem großen Farn, der im Flur zwischen unseren Wohnungen stand.
Obwohl offensichtlich war, was passiert war, fühlte ich mich
verpflichtet, irgendetwas zu sagen.
»Ich habe meinen Schlüssel vergessen.«
Er nickte selbstgefällig.
Privilegierte New Yorker machten es richtig: Der einzige
Nachteil an diesem Gebäude war, dass man gegen potenzielle Nachbarn kein Veto einlegen konnte. Dass ein schäbiger
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Schreiberling wie er sich hier eine Wohnung leisten konnte,
ging über mein Begriffsvermögen hinaus.
»Danke, dass Sie mich reingelassen haben«, sagte ich und
schloss meine Wohnungstür auf.
»Möchten Sie reinkommen und eine Tasse Kaffee trinken?«, fragte er unvermittelt.
»So gerne ich Ihnen Gesellschaft leisten würde, aber manche Leute müssen arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt
zu verdienen. Vielen Dank, aber, nein.«
»Sie sind doch nicht immer noch sauer über den Zeitungsartikel, oder?«
Ich zuckte die Achseln. »Überhaupt nicht. Schließlich
herrscht ja Pressefreiheit.«
Er hatte einen Artikel über dubiose, auf Schadenersatz
spezialisierte Anwälte geschrieben, die »kein Gewinn, kein
Honorar« versprachen, dafür aber verlangten, dass man exorbitante Versicherungen abschloss, und hatte es gewagt, meinen Namen zu erwähnen. Er hatte mich nicht direkt als skrupellos bezeichnet, aber allein die Tatsache, dass er mich in
seiner Schmähschrift erwähnte, hatte gereicht. Ich gehörte einer der renommiertesten und führenden Kanzleien Schottlands an. Wir arbeiteten natürlich nicht so. Wir kassierten einen Prozentsatz der Streitsumme.
Er grinste. »Das haben Sie damals nicht gesagt! Sie haben
mich einen boshaften, schlecht informierten, billigen Schreiberling genannt!«
Ich klimperte mit den Wimpern. »Es tut mir Leid. Ich bin
wirklich spät dran.«
»Kommen Sie schon«, drängte er, »kommen Sie rein und
trinken Sie eine Tasse Kaffee. Begraben wir das Kriegsbeil.«
Träum weiter, dachte ich, sagte jedoch energisch: »Es tut
mir Leid. Nein. Ich komme zu spät zu einem Termin. Ich
muss gehen.«
»Eine winzige Tasse Kaffee?«
»Welchen Teil des Worts ›Nein‹ verstehen Sie nicht?«
»Spüre ich da etwa Feindseligkeit?«
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»Freut mich, dass Sie überhaupt etwas spüren. Nein. Ich.
Möchte. Keinen. Kaffee.«
Ich betrat meine Wohnung und versuchte, die Tür hinter
mir zuzuknallen. Sie schloss sich jedoch nicht, sondern flog
wieder auf, doch gnädigerweise folgte er mir nicht.
Ich ging hinüber zu meinem Computer, während ich mir
die kaputten Schuhe von den Füßen trat, doch die Akte Murphy gegen Broadwood war nirgends zu sehen.
Gereizt blickte ich mich in meinem Wohnzimmer um.
Die Luft roch verbraucht und fast ein wenig nach Schweiß.
Die ganze Südseite meiner Wohnung besteht aus raumhohen Türen, die auf eine große Terrasse hinausführen. Wenn
ich müde, frustriert oder schlecht gelaunt bin, was die meiste
Zeit der Fall ist, hilft mir normalerweise frische Luft. Ich öffnete also eine Tür und trat auf Strümpfen nach draußen.
Von der Ecke meiner Terrasse schaute ich über die Stadt,
atmete langsam und tief ein und aus und versuchte, dem
schwachen Sonnenschein ein bisschen Wärme abzuringen.
Ich schaute auf die Uhr und fluchte. Es war zwanzig nach
neun.
Also ging ich wieder hinein und suchte verärgert nach der
Broadwood-Akte, bis ich sie unter einer Zeitschrift auf dem
Couchtisch fand. Ich war mir sicher, dass ich sie nicht dort
hingelegt hatte. Sorgfältig legte ich sie auf meinen Computertisch und eilte in mein Schlafzimmer, um ein neues Paar
Schuhe zu holen. Der Anblick, der mich empfing, war höchst
erstaunlich.
Eine nackte Frau, die rittlings auf Alex saß, sprang mit einem spitzen Schrei von ihm herunter. Es war Mrs. McCaffer.
Ich stand in der Tür und blinzelte befremdet, während die
beiden sich auf dem Bett wanden und nach Laken griffen,
um ihre Blöße zu bedecken.
»Raus hier«, presste ich mühsam hervor.
»Erin, es ist nicht, wie du denkst …«
Wie bitte? Mrs. McCaffer war also versehentlich gestolpert
und hatte sich dabei auf ihm aufgespießt?
17
»Raus. Alle beide«, zischte ich und taumelte in mein Ankleidezimmer.
Ich lehnte mich an ein Regal, bis ich wieder einen klaren
Gedanken fassen konnte. Das Herz hämmerte mir in der
Brust. Ich war vollkommen vor den Kopf gestoßen.
Ein neues Paar Schuhe suchen. Alex und Mrs. McCaffer?
Wer hätte das gedacht? Neue Schuhe. Ein anderes Paar Schuhe suchen. Das war ein Trick, den ich mir für Krisensituationen beigebracht hatte. Mich auf eine banale Aufgabe zu konzentrieren und mich ganz bewusst von dem zu lösen, was
um mich herum vorging.
Dr. Eunice McKay, meine Therapeutin, hätte sich auf ihrem gepolsterten Sofa umgedreht, wenn sie von diesem Ablenkungsmanöver gewusst hätte. »Sie müssen sich Ihren Gefühlen stellen«, warnte sie mich stets. Doch sie mit absoluter
Distanz zu behandeln, war der sicherere Weg, da ich so die
Kontrolle zurückgewann.
Meine Schuhe waren sorgfältig nach Stil und Farbe sortiert. Es war viel zu einfach, ein anderes Paar schwarze Schuhe mit Absätzen zu finden.
»Erin, wir müssen darüber reden. Es ist nicht meine
Schuld«, hörte ich Alex’ Stimme.
Ich setzte mich auf den Stuhl im Ankleidezimmer und zog
mir die Schuhe an. Mein Puls raste, und auf der Oberlippe
sammelte sich Schweiß. Für den Bruchteil einer Sekunde
schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf die arme
Mrs. Murphy und ihre zwei kleinen Jungen und darauf, dass
man ihnen vor drei Jahren den Vater genommen hatte. Sie
brauchten mich in bester Verfassung. Dafür bezahlten sie
mich. Ich musste mich zusammenreißen. Mrs. Murphy
brauchte mich.
Zwischen Alex und mir war es seit Monaten vorbei. Ich
wollte es mir nur nicht eingestehen. Wie auch? Mein Stolz
stand auf dem Spiel. Er hatte mit einer anderen Frau geschlafen. Das war die Ausrede, die ich gebraucht hatte.
Ich verließ das Ankleidezimmer.
18
»Erin, wir müssen reden. Wir müssen darüber reden, worum es dabei in Wirklichkeit geht.«
»Es gibt nichts zu reden!«, fuhr ich ihn an. »Raus hier. Wir
sind fertig. Verlass meine Wohnung. Ich will, dass deine Sachen bis heute Abend verschwunden sind.«
»Du kannst mich nicht so einfach rausschmeißen. Ich
habe ein Recht, hier zu sein.«
Er warf das Laken zurück und griff nach seinen Boxershorts.
Auf Mrs. McCaffers Gesicht lag ein selbstgefälliger Ausdruck, und das ging mir wirklich auf die Nerven. Eine mickrige, kleine Kuh wie sie wagte es, mir gegenüber selbstgefällig
zu sein? Mir? Der Frau, die laut dem Sunday Herald vom letzten Jahr auf der Liste der begehrenswertesten Frauen Schottlands an zehnter Stelle stand?
Mit mehr Gelassenheit, als ich in Wahrheit empfand,
schlenderte ich zur Tür.
»Meiner Meinung nach hast du deine Rechte verwirkt. Entweder du gehst freiwillig, oder ich werfe dich raus.«
»Du kannst mich nicht zwingen!«, brüllte Alex.
Ich war es nicht gewohnt, dass Männer mich anschrien.
Und ich war sehr geübt darin, ekelhaft zu Alex zu sein, denn
ich hielt sämtliche Karten in der Hand. Es war meine Wohnung, mein Auto, mein Geld. Ich war überrascht, dass er zurückbrüllte. Normalerweise versuchte er, mich versöhnlich
zu stimmen, indem er sich entschuldigte. Doch an diesem
Morgen nicht.
»Du kannst mich nicht rumschubsen! Du kannst mich zu
gar nichts zwingen.«
Ich gab keine Antwort, sondern griff nach meinen Schlüsseln.
»Erin, du wirst jetzt nicht gehen. Du bleibst hier und klärst
das Ganze …«
Er knirschte mit den Zähnen und stellte sich mir in den
Weg. Ich sah, dass er wütend war, konnte aber nicht sagen,
ob aus Angst, mich zu verlieren, oder weil er fürchtete, vor
die Tür gesetzt zu werden.
19
»Das ist meine Wohnung. Ich will dich hier nicht mehr sehen. Ich will, dass du verschwindest.«
Ärgerlicherweise klang meine Stimme hoch und schrill.
Emotionale Konfrontationen hatten diese Wirkung auf mich.
Einen Rechtsstreit konnte ich spielend gewinnen, doch bei
persönlichen Konflikten verlor ich den Boden unter den Füßen. Nervös machte ich ein paar Schritte rückwärts.
»Du dämliche, eingebildete, frigide Kuh! So schnell wirst
du mich nicht los! Wir sind noch nicht fertig miteinander.
Du bist eine arrogante, verzogene, beschissene Eigenbrötlerin. ›Fass mich nicht an, ich mag das nicht!‹«
Schritt für Schritt kam er mir nach, während ich den Rückzug in Richtung Terrasse antrat. Ich war besorgt und verängstigt.
»Alex, es ist vorbei. Bitte geh. Ich kann dafür sorgen, dass
du gehst, wenn es sein muss. Das willst du doch nicht, oder?
Eine große Szene?«
Er lachte mir ins Gesicht.
»Du sorgst dafür? Kümmert Daddy sich darum? Schmeißt
Daddy mich raus? Nur wenn der alte Scheißkerl lange genug
lebt!«
Sein Speichel landete in meinem Auge.
»Schmeißt Daddy den bösen Alex raus? Bringt Daddy alles
in Ordnung?«, höhnte er weiter.
»Halt die Klappe, Alex! Halt endlich die Klappe! Wage
nicht, so über ihn zu reden.«
Er lächelte triumphierend auf mich hinab. »Glaubst du,
dein Vater schert sich auch nur einen Dreck um dich? Du
könntest ihm nicht gleichgültiger sein. Was von seinem
verdammten Hirn noch übrig ist, kümmert sich nur noch
um beschissene Enten! Er ist Geschichte! Ist es das, was
nicht stimmt, Erin? Daddy liebt dich nicht mehr so wie früher?«
Bevor ich wusste, was ich tat, hatte ich die schwere Bronzestatue der Seated Female Figure gepackt und ihm damit eins
übergezogen.
20
Er sank auf die Knie und bedeckte eine Gesichtshälfte mit
den Händen.
»Gütiger Himmel … Gütiger … Gütiger … Gott …«, stöhnte er.
Am liebsten hätte ich ihm den Schädel eingeschlagen. Ich
wollte die Statue in seinem weichen, blonden Haar sehen.
Ich wollte, dass er den Schmerz spürte, den mein Vater empfand. Ich stieß ihn auf den Rücken und beugte mich über
ihn.
»Wenn du noch einmal so über meinen Vater sprichst,
bringe ich dich um. Wenn du dich hier noch einmal blicken
lässt, bringe ich dich um. Das ist mein verdammter Ernst, ich
bringe dich um. Hast du mich verstanden?«
Ich trat ihm kräftig in die Rippen, und er stöhnte wieder.
Ich sah, dass zwischen seinen Fingern Blut hervorquoll.
»Sieh zu, dass du bis heute Abend verschwunden bist.«
Ich schleuderte die Bronzestatuette nach ihm und schaute
flüchtig zu Mrs. McCaffer hinüber, die mittlerweile ein Kleid
mit geschmacklosem Leopardendruck übergestreift hatte
und aus meinem Schlafzimmer herübergaffte.
Ich ignorierte sie und griff nach meinen Unterlagen, musste jedoch feststellen, dass Paul Gabriel mir den Weg versperrte. Sein Gesicht war aschfahl. Er starrte auf Alex, der sich auf
dem Fußboden krümmte.
»Sie sollten einen Krankenwagen rufen«, sagte er.
»Sie haben versucht, die beiden zu decken!«
Ich schob mich an ihm vorbei, doch er packte mich am
Arm.
»Erin. Ich denke, Sie sollten einen Krankenwagen rufen. Er
ist verletzt!«
Ich riss mich los.
»Leckt mich am Arsch! Leckt mich doch alle am Arsch!«
Im dritten Stock hob ich meinen grauen Seidenregenmantel vom Treppenabsatz auf und warf einen Blick auf meine
Armbanduhr. Aus meiner Kehle drang ein Geräusch. Tränen
traten mir in die Augen. Jetzt würde ich laufen müssen, um
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pünktlich zur Einigung im Fall Broadwood wieder im Büro
zu sein.
Weinen und Laufen. Zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen.
2
Mr. Broadwood, der geschäftsführende Direktor von Broadwood Ltd., Mat Cohen von der Kanzlei Cohen Freidmann,
mein Assistent Douglas Simpson und Michael McCabe saßen bereits um den Tisch im Konferenzraum, als ich, Entschuldigungen murmelnd, hereinfegte. Wir kamen sofort zur
Sache.
Sie schwadronierten weiter über die Einigung und führten
zum hundertsten Mal die Einzelheiten auf. Ich sah, dass sie
sich ein wenig über mein augenscheinliches Desinteresse ärgerten.
Die Sonne schien herein, und auf ihrer Seite des Tischs
wurde es warm und ungemütlich. Ich hätte die Jalousien herunterlassen können, doch ich wollte, dass sie schwitzten. Ich
wollte, dass sie so sehr schwitzten wie Bernadette Murphy in
den letzten drei Jahren.
Arme Mrs. Murphy. Angst vor Anwälten, Angst vor der Zukunft ohne ihren Danny, Angst davor, was aus ihr und den
beiden Kleinen werden sollte. Diese Einigung lag seit zwei
Jahren auf dem Tisch, und erst jetzt, nachdem ein Gerichtstermin angesetzt worden war, waren sie bereit, sie tatsächlich
zu unterschreiben. Es widerte mich an.
Es ärgerte mich auch, dass Michael weiterhin an der Besprechung teilnahm. Er hatte nur einspringen sollen, bis ich
wieder zurück war. Das hier war meine Bühne; ich brauchte
keinen Souffleur.
»Gentlemen, ich glaube, wir haben genug gehört.« Ich
lächelte wohlwollend in die Runde. Mat Cohen und Mr.
Broadwood entspannten sich sichtlich.
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Seele and Geist
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