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Aktion: Tu (Dir) was Gutes! Wer geht schon freiwillig ins Alters- heim

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Aktion: Tu (Dir) was Gutes!
Wer
geht
schon
freiwillig ins Altersheim? Peter Schaier
beispielsweise
–
obwohl er erst 60 ist.
Der
Bürokaufmann
hat viel Zeit und
möchte gerne etwas
Sinnvolles
tun.
Er
engagiert
sich
im
Freiwilligenprojekt
“Aktion: Tu (Dir) was
Gutes”.
Mit
zwei
älteren
Heimbewohnern hat er
im Christian-Griesbach-Haus in Karlsruhe eine Skatrunde aufgebaut. Ein- bis
zweimal pro Woche laden sie zum Spieletreff ein.
Langsam aber sicher etabliert sich das neue Angebot. “Unser Haus ist ein Pflegeheim, die meisten unserer Bewohner sind 75, 80 und älter und tun sich nicht so
leicht damit, neue Angebote anzunehmen”, sagt Haus- und Pflegedienstleiter Rainer Steffen. Auch er war skeptisch, als er von der “Aktion: Tu (Dir) was Gutes” erfuhr, ist jetzt aber davon begeistert.
Im Rahmen des Freiwilligenprojekts des Paritätischen Landesverbandes BadenWürttemberg engagieren sich in Karlsruhe mehr als 40 Erwachsene und Jugendliche im sozialen Bereich. Sie unterstützen MigrantInnen und Migranten, gehen als
Lesepaten in Kindergärten und Schulen, übernehmen die Hausaufgabenbetreuung oder stehen im generationenübergreifenden Ensemble auf der Theaterbühne.
“Wohin mit Tante Käthe?” hieß beispielsweise ein Stück, das fünf Jugendliche und
drei ältere Akteure im Sommer vor Senioren aufführten. So kamen sich Alt und
Jung näher. Jetzt übernehmen zwei Mädchen aus der Theatergruppe Botendienste für ältere Leute im Stadtteil. “Es ist eine der großen Herausforderungen des
demographischen Wandels, das Miteinander von Jung und Alt zu stärken”, sagt
Marianne Feix, Projektkoordinatorin in Karlsruhe.
Nicht ganz so groß, aber immerhin auch plus-minus 30 Jahre, ist der Altersunterschied zwischen den sechs Freiwilligen und den Bewohnern des ChristianGriesbach-Hauses. Anfangs gab es dort Vorbehalte gegenüber den “Ehrenamtlern”. “Die Pflegekräfte rackern sich ab, und die Freiwilligen kommen, und machen
mit den Bewohnern all die netten Dinge, zu denen das fest angestellte Personal
nicht kommt” – so oder ähnlich lauteten kritische Einwände. Doch die Sorge,
“Konkurrenz” ins Haus zu bekommen, ist der Erkenntnis gewichen, dass die Freiwilligen eine Bereicherung sind. “Eine unserer Bewohnerinnen erkennt ihren eigenen Sohn nicht mehr, aber sie freut sich über jeden, der sie besucht und Abwechslung in ihren Alltag bringt”, erzählt Steffen. Jemand wie Maria Stiller ist da
hoch willkommen. Die 58-jährige Freiwillige unterhält sich gerne mit den alten
Menschen und geht mit ihnen spazieren.
Beate Blum-Bay ist Ergotherapeutin, hat aber derzeit keine Anstellung. Einmal in
der Woche kommt sie ins Griesbach-Haus, liest, singt und plaudert mit den alten
Damen und Herren. “ Die Arbeit hier macht mir viel Freude”, sagt sie. Und den
HeimbewohnerInnen ebenfalls.
“Die Kommunikation im Haus hat insgesamt zugenommen”, freut sich Pflegedienstleiter Steffen. “Die Bewohner haben sich jetzt viel mehr zu erzählen. Und
das Pflegepersonal erfährt von den Freiwilligen viel Wertschätzung für seine Arbeit.”
Hannelore Hoffmann, 52 Jahre alt und Medizinisch-Technische Assistentin, begleitet als freiwillige Mentorin die Freiwilligen im Griesbach-Haus. Sie ist eine von
elf Bürgermentorinnen und -mentoren im Freiwilligendienst in Karlsruhe, die dafür
extra ausgebildet wurden. “Wir sind Bindeglied zwischen den Einrichtungen und
den Freiwilligen und schauen auch, wer zu welcher Einsatzstelle passt.”
Melanie Schleifer hat zunächst auch in einem Heim alte Menschen betreut. Inzwischen hat sie die Einsatzstelle gewechselt. Sie hat herausgefunden, dass sie
doch lieber etwas mit Kindern macht. “Es war zwar schön, von den älteren Leuten
deren Jugenderinnerungen erzählt zu bekommen, aber die Arbeit mit den Kindern
liegt mir mehr”, sagt sie. An zwei Tagen in der Woche hilft sie den Erzieherinnen
im Kinderhaus im Hardtwaldzentrum bei der Betreuung der Kleinen, liest Geschichten vor, ißt mit den Kindern und begleitet sie mit den Erzieherinnen bei
Spaziergängen.
Im Stockwerk über dem Kinderhaus hat in den Räumen der Paritätischen Sozialdienste Marianne Feix ihr Büro. Mit einer halben Stelle koordiniert die 57-Jährige seit
Juli 2005 das Projekt in Karlsruhe. Zum Auftakt hat sie alle örtlichen Mitgliedsorganisationen zu einem Infoabend eingeladen und mit Erfolg die Werbetrommel gerührt.
Ursprünglich war das Projekt im Rahmen des Bundesmodellprogramms “Generationenübergreifende Freiwilligendienste” so gedacht, dass die Freiwilligen sich 20 Stunden in der Woche engagieren sollen. “Aber das ist utopisch”, sagt Feix. “Wer kann
und will schon so viel Zeit freiwillig-verbindlich arbeiten?! Wir haben darum einen
Platz auf mehrere Freiwillige mit fünf bis zehn Stunden aufgeteilt.” 50 Euro erhalten
die Engagierten monatlich als Aufwandsentschädigung,
und werden regelmäßig zum Erfahrungsaustausch eingeladen. Ab und an trifft man
sich zu Kino, Theater oder Ausflügen. Einige Freiwillige haben durch ihr Engagement
im Projekt auch neue Impulse für ihr Leben erhalten: Eine ehemalige Dolmetscherin
beispielsweise gibt jetzt Unterricht in einer Schule.
Im Rahmen der “Aktion: Tu (Dir) was Gutes” wurden an fünf Standorten in
Baden-Württemberg in Kooperation mit Freiwilligenagenturen Aktionsbüros
gegründet: in Karlsruhe, Stuttgart, Reutlingen, Freiburg und Offenburg. Sie
vermitteln Interessierte in Freiwilligendienste und begleiten sie bei ihrer Tätigkeit. Einsatzstellen und Freiwillige schließen mit dem Aktionsbüro eine
Vereinbarung, in der eine mindestens drei Monate dauernde Tätigkeit festgelegt wird. Sie sind haftpflicht- und unfallversichert, erhalten Fortbildung
und eine Aufwandsentschädigung. Die klaren Rahmenbedingungen sollen
sowohl für die Einsatzstelle als auch für die Freiwilligen Sicherheit bieten.(www.aktion-tudirwasgutes.de) UB
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