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Bekommen, was man bestellt hat - CSP AG

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Strategie & Praxis
Anforderungsüberwachung
Computerworld 19/8. November 2013
www.computerworld.ch
27
Fokus: Testing
Bekommen, was man
bestellt hat
Das Requirements Engineering ist abgeschlossen, der Vertrag unterschrieben. Man prostet sich euphorisch zu und freut sich, den richtigen Partner
gefunden zu haben. Doch damit die positive Stimmung anhält, müssen die
Ergebnisse laufend an den Anforderungen gemessen werden.
D
er Anforderungskatalog ist bindender
Vertragsbestandteil. Jede einzelne
Anforderung – das können je nach Projektgrösse Hunderte sein – muss geprüft werden: Ist die Aufgabe mit dem System
wirklich umsetzbar? Wenn ja, wie? Wenn nein,
wird die Anforderung noch entwickelt, anders
gelöst oder wird gar auf deren Umsetzung verzichtet? All dies muss in der Detailkonzeptionsphase zur allseitigen Zufriedenheit definiert
und unmissverständlich dokumentiert werden.
In der Regel führt der Software-Lieferant mit
den Fachabteilungen Workshops durch, um alle
Anforderungen im Detail zu klären. Der Auftraggeber hat anschliessend das Detailkonzept zu
prüfen. Knackpunkt ist einerseits, dass die Terminologie geklärt und die Thematik verstanden
wurde. Andererseits muss der Anforderungs­
katalog als Bestandteil des vertraglich bindenden Pflichtenhefts lückenlos ins Detailkonzept
eingeflossen sein. Nur dann kann der Auftraggeber den Katalog mit gutem Gewissen abnehmen, ohne eine böse Überraschung befürchten
zu müssen.
ist der Umsetzungsfortschritt? Welche und wie
viele Fehler sind vorhanden? Wo besteht noch
Klärungsbedarf?
Oft werden die Lieferobjekte jedoch nicht mit
dem richtigen Werkzeug erstellt – im besten Fall
als laufend aktualisierte Excel-Liste, schlimmstenfalls immer wieder aufs Neue von Dokument
zu Dokument übertragen. Um sich diese Arbeit
zu ersparen, lohnt es sich, eine Datenbank mit
einem entsprechenden Kollaborations-Tool zu
führen. Da Microsofts Office SharePoint Server
(MOSS) als Datenplattform in vielen Fällen bereits im Einsatz steht, bietet sich dieses Werk-
Anforderungen & Werkzeuge
Der Anforderungskatalog dient also einerseits
der Evaluation der Software und des Lieferanten. Andererseits ist er die Grundlage für die
Detailkonzeption. Empfehlenswert ist eine
Kategorisierung nach Teilprojekt und Thema.
Die Anforderungen werden mit Status, erwartetem Release etc. versehen. Mit frei erstellbaren
Sichten lassen sich dann beliebige Fragestellungen auswerten, zum Beispiel: Mit welchem
Release wird die Anforderung umgesetzt? Wie
René Stock ist Berater und Projektleiter bei CSP.
Seine Schwerpunkte sind Prozessberatung, ERP-Einführungen und -Testmanagement
Dominic Loher ist Berater und Projektleiter bei CSP.
Seine Schwerpunkte sind Requirements Engineering
& Evaluationen, Prozess-Engineering und IT-Strategie
www.csp-ag.ch
zeug quasi zum Nulltarif an. Als Werkzeug für
das lückenlose Anforderungs-, Leistungs- und
Testmanagement eignet sich die Plattform bestens. Genauso gut können aber auch spezialisierte Kollaborations-Tools wie JIRA, Test-Track
oder andere verwendet werden.
Testfälle & Testverfahren
Zu jeder Anforderung können mehrere Testfälle
erstellt werden. Jeder Testfall muss für den Tester klar und eindeutig beschrieben sein:
Was ist zu tun?
Wann und womit ist es zu tun?
grafik: csp-ag.ch
Von René Stock & Dominic Loher
Bild: istockphoto.com/carebott
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Erfolgsgarant: die lückenlose Überwachung der Anforderungserbringung
Welche Daten sind in welcher Reihenfolge
einzugeben?
Welches Resultat ist zu erwarten?
Als Testprozedere eignet sich ein gestaffeltes Vorgehen, das die auszuführenden Schritte
vorgibt. Die Testverfahren können wie folgt zusammengefasst werden:
Modultest (Whitebox-Test): Hier wird der
Software-Code geprüft. Das Verfahren ist rein
funktionsorientiert und eignet sich für Tests
innerhalb einer Komponente.
Integrationstest (ebenfalls WhiteboxTest): Diese Methode ist rein strukturorientiert
und eignet sich zum Testen der beteiligten
Komponenten.
Systemtest (Blackbox-Test): Hier wird das
Verhalten der Software geprüft. Der Test weist
die vollständige Erfüllung der Anforderung sowie
die Robustheit des Systems als Ganzes nach.
Abnahmetest (ebenfalls Blackbox-Test):
Dieser prüft die vertragsrechtliche Erfüllung der
Anforderung, möglichst mit echten Daten, und
leitet bei positivem Ausgang die Abnahme der
Software ein.
Wichtig sind zudem Regressionstests, um
Auswirkungen von Fehlerbehebungen in bereits
getesteten Teilen der Software festzustellen.
Grundsätzlich kann im Rahmen der Einführung einer Standardlösung vom Software-Lieferanten erwartet werden, dass sowohl die Modulals auch die Integrationstests (Whitebox-Tests)
bereits erfolgreich durchgeführt wurden. Somit
verbleiben für den Auftraggeber die Systemund Abnahmetests (Blackbox-Tests). Darauf
sollen auch die Testfälle ausgerichtet sein: Ein
Tester muss den zu testenden Geschäftsfall
im Kontext der Software verstehen und korrekt
durchführen können.
Je nach Ergebnis führt der Testfall zur Abnahme oder zu einem Fehlerprotokoll, was wiederum im Status des Testfalls festgehalten wird.
Fehlerprotokoll & Bugtracking
Zu jedem Testfall können beliebig viele Fehlerprotokolle erfasst werden. Dazu füllt der Tester
ein Fehlerprotokoll im Kollaborations-Tool aus,
in dem die wichtigsten Informationen erfasst
werden. Dies sind:
Die Fehlerkategorie, z. B. schwer = arbeitsverhindernd, mittel = arbeitsbehindernd, leicht
= Schönheitsfehler
Die Priorität, z.B. dringend = nächste Iteration, bald = bis zur Modul-/Teilabnahme, gelegentlich = bis zur Gesamtabnahme
Die Freigabe des Fehlerprotokolls durch den
Testmanager zur Fehlerbehebung durch den
Lieferanten
Eine exakte Beschreibung des Fehlers, bebildert mit Print-Screens, sodass er jederzeit
reproduziert werden kann
Das Release, also die geplante Auslieferung
der Korrektur
Der Abschluss, also die Abnahme oder Zurückweisung der Korrektur
Im Bugtracking sieht der Lieferant, welche
Fehler er zu beheben hat und welche Fehler­
behebungen zurückgewiesen wurden. Durch
den Eintrag des geplanten Releases, mit dem
die Fehlerkorrektur durchgeführt werden soll,
können die Release-Notes automatisch erstellt
werden.
Abnahme & Vertragserfüllung
Da die Kette vom Anforderungskatalog über die
Detailkonzeption und Testfallerstellung bis
zum Fehlerprotokoll lückenlos ist, kann jede
Anforderung bis zur vollständigen und fehlerfreien Umsetzung überwacht werden. Der Zustand des Systems ist anhand des Testfall­
status’ jederzeit ersichtlich. Sind alle Testfälle
gemäss Anforderungskatalog bestanden und
die Fehlerprotokolle entsprechend abgeschlossen, kann das System als funktionstüchtig abgenommen werden.
Nutzen & Vorteile
Der Vorteil der lückenlosen Anforderungsüberwachung ist offensichtlich: Anforderungen werden einmalig erfasst und dienen der Festlegung
des Funktionsumfangs der Software, der Angebotseinholung, der Umsetzungsüberwachung
der geforderten Funktionalität und dem Fehlerbehebungsmanagement. Schlussendlich ist der
Nachweis und die Historie der Leistungserfüllung die Basis für die Software-Abnahme, die
damit für beide Parteien nachvollziehbar und
akzeptabel ist.
Um die Anforderungen von der Angebotseinholung bis zur Systemabnahme konsequent
zu verfolgen, sollte ein Werkzeug eingesetzt
werden, das die vertraglich vereinbarte Leistungserbringung von Anfang bis Ende dokumentiert. Ob dies durch eine Eigenkreation in
Excel oder ein professionelles KollaborationsTool gelöst wird, ist nicht massgebend. Wichtig
ist, dass die Anforderungen gelistet und konsequent auf ihre Erfüllung hin überwacht werden – analog einer Buchhaltung, die den tagesaktuellen Geschäftsgang wiedergibt.
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