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Der Medizinische Honig in der modernen Wundversorgung Was ist

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XI. Weiterbildung „Wunddiagnostik und Wundmanagement"
der Österreichischen Gesellschaft für vaskuläre Pflege ©
Wiener Medizinischer Akademie, Alser Straße 4,1090 Wien
Der Medizinische Honig in der modernen Wundversorgung
Was ist das Geheimnis vom Gold der Biene
Abschlussarbeit
Autor: Franz Dangl
Betreuer: Mag. Dr. Vlastimil Kozon PhD
Wien, Juni 2009
Inhaltsverzeichnis
0. Zusammenfassung
3
1. Einleitung
4
1. 1. Honig ein Rückblick
4
2. Methoden
7
3. Ergebnisse
7
3.1. Das Geheimnis von Gold der Biene
7
3.1.1. Wirkmechanismen
7
3.1.2. Wasserstoffperoxyd (H2O2)
7
3.1.3. Peroxid-unabhängige Wirkung
8
3.1.4. Osmose
9
3.1.5. Debridement
10
3.1.6. Wirkung auf das Immunsystem
10
3.1.7. Antiinflammatorische Wirkung
10
3.1.8. Geweberegenerierung
11
3.1.9. Geruchsneutralisierende Wirkung
12
3.1.10. Nebenwirkungen und Kontraindikationen
12
3.2. Übersicht über die verfügbaren Honigprodukte
13
3.3. Kommerziell erhältliche Honigprodukte
13
3.4. Medihoney™ Antibakterieller Honig
14
3.5. Medihoney™ Antibakterielles Wundgel
14
4. Diskussion
15
5. Literaturverzeichnis
17
2
0. Zusammenfassung
Das Interesse an alternativen Heilmethoden und speziell an der Volksmedizin ist in
den letzten Jahren stetig gestiegen.
Honig ist wohl eines der ältesten Heil – und Nahrungsmittel der Menschheit, in jedem
Zeitalter wurde er geschätzt. In den letzten 10 Jahren wurde der Medizinische Honig
in der Wundbehandlung mit dessen umfangreicher Wirkung wieder entdeckt.
Meine Arbeit widme ich vor allem Fachleuten aus der Pflege, Ärzten und allen die
daran interessiert sind medizinischen Honig in der modernen Wundversorgung zu
verwenden.
Sie soll das Geheimnis vom Gold der Biene nach heutigem Wissensstand
preisgeben und deren großen Potential über Honig informieren, argumentieren und
zu diskutieren.
Im ersten Teil schildere ich den Beginn der Geschichte des Honigs in der Medizin
und seiner Position in der heutigen Zeit. Der zweite Teil befasst sich mit den
Wirkmechanismen von Honig auf die Wundheilung und dessen antibakteriellen
Eigenschaften. Hier werden auch Belege für die Wirksamkeit von Honig im
Wundmanagement aus der wissenschaftlichen Literatur erörtert, um einen Evidenzbasierten Ansatz sicherzustellen. Einen Überblick über geeignete Honigprodukte mit
Praktische Aspekte der Anwendung von Medizinischen Honig erhalten Sie im letzten
Teil.
Mit dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass der Medizinische Honig, dieses
kostbare Produkt der Natur, einen berechtigten Stellenwert in der heutigen
modernen Wundversorgung hat.
3
1. Einleitung
1. 1. Honig ein Rückblick
Blütenpflanzen aus der Zeit vor etwa 110 Millionen Jahren weisen bereits Merkmale
auf, die auf eine Bestäubung durch Bienen schließen lassen, der Ursprung der
Bienen liegt damit wahrscheinlich schon vor Mitte der Kreidezeit. Die älteste fossile
Biene ist als Trigona prisca bezeichnet und wurde eingebettet in Bernstein im
amerikanischen Staat New Jersey gefunden. Der Fund ist auf ein Alter von fast 80
Millionen Jahren datiert. Bienenprodukte waren bereits in der Steinzeit begehrt. Früh
jedoch, hat der Mensch sich als Sammler den Honig der kleinen Bienen zu Nutze
gemacht und man darf wohl annehmen, dass Honig das erste Süßungsmittel
überhaupt darstellte. So fand man in Spanien ca. 9 bis 10 000 Jahre alte
Höhlenmalerei, die den Menschen als Honigjäger darstellt, Cueva de la Arana
Valencia Spanien. (Bienen-Wikipedia).
"Preparation of Medicine from Honey"
Leaf from an Arabic translation of the
Materia Medica of Dioscorides
(AD 1225 Baghdad, Iraq)
Quelle: Hajar R, (2002): Honey from folklore to medical marvel. Heart Views ,(3- 4).
4
Cueva de la Arana Valencia Spanien
Honigjäger (9000 Jahre alte Höhlenmalerei bei Valencia, Spanien).
Quelle: Klaus Thomaier: Geschichte der Imkerei.
So empfahl zum Beispiel der Prophet Mohammed seinen Anhängern zwei Heilmittel:
Honig und den Koran. (vgl. Hajar, 2002).
Auch im Alten Testament finden sich im ersten Buch Samuel folgende Verse, die
Honig als Heilmittel hervorheben. Seit 1000 v. Chr. wurden in Ägypten, wo Honig als
Speise der Götter galt, Bienenkörbe benutzt.
5
Die heiligen Schriften des Hinduismus, die Veda welche etwa 1200 bis 500 v. Chr.
verfasst wurden, enthalten mehrere Hinweise darauf, dass Honig Wunden heilen
lässt.
Von Ambrosius, einem katholischen Heiligen, ist die Aussage überliefert, Honig
würde Wunden und Ulzera heilen.
Auch in den schriftlichen Zeugnissen der alten Kulturen entdeckt man in vielen
Schriftrollen und Tafeln der Ägypter, der Chinesen, der alten Griechen und Römer
Hinweise auf Honiganwendungen in der Medizin. Die ägyptischen Papyrusrollen von
Kahun, Ebers und Smith (benannt nach dem Fundort bzw. nach den Entdeckern)
beinhalten sehr detaillierte Rezepte und Anwendungshinweise für Honigrezepturen
und Honigverbände aus Leinen. In der griechischen Antike fand der Honig bereits
früh seine medizinische Bedeutung. So erklärt Hippokrates (460-357 v.Chr.), dass
Honigsalben Fieber senken und das Honigwasser die Leistung der Athleten bei den
antiken Olypischen Spielen verbessern können sollte. Der griechische Arzt
Dioskurides schreibt in seinem Werk „De Materia Medica“ (77 v. Chr.) über die
Wirksamkeit von Honig bei tiefen schmutzigen Wunden.
Der 980 n. Chr. geborene große persische Arzt und Philosoph Ibn Sina ‫نيسن‬, auch
als Avicenna bekannt und einer der Väter der modernen Medizin, empfiehlt Honig
zur Behandlung von Wunden.Die medizinische Literatur enthält Hinweise über die
Verwendung von Honig in der Wundbehandlung der russischen Soldaten im ersten
Weltkrieg. Es steht also außer Frage, dass in den verschiedensten Epochen und
Kulturen Honig zur Behandlung von Wunden bekannt war, und dass dieses Wissen
über Generationen hinweg weitergegeben wurde, was ein deutlicher Hinweis auf die
Effektivität der Behandlung ist. Den ersten wissenschaftlichen Nachweis über die
antibakterielle Wirkung des Honigs lieferte van Ketel (1892). Sackett et al.(1919)
beobachteten eine Erhöhung der antibakteriellen Wirksamkeit bei verdünnten
Honigen. Im Jahre 1937 wurde der Begriff "Inhibin", als Oberbegriff für alle
antibakteriell wirksame Inhaltsstoffe im Honig eingeführt . ( vgl. Hajar, 2002).
Die Einführung der Antibiotika hat die Anwendung von Honig schnell zurückgedrängt,
so dass sie in der späteren wissenschaftlichen Literatur als wertlos abgetan wurde.
Dies änderte sich in den vergangenen drei Jahrzehnten, als vermehrt Artikel über die
6
antibakteriellen Eigenschaften des Honigs erschienen. Die zunehmenden Antibiotika
Resistenzen veranlassten zahlreiche Wissenschaftler, diese Wirkung systematisch
zu untersuchen, welche zu einem verstärkten Interesse an der Honigtherapie führte.
(vgl. Hajar, 2002).
2. Methoden
2.1. Beschreibung der Datenerhebungmethoden
Die Datenerhebung erfolgte mittels Literaturrecherche, im Internet auf der Online
Enzyklopädie Wikipedia, durch Fachbücher einer Bibliothek des AKH und Bücher von
der Bibliothek meines Arbeitgebers.
2.2. Beschreibung der Datenauswertungsmethoden
Die Auswertung der Daten erfolgte durch Analyse der Literaturquellen.
2.3. Beschreibung der Datendarstellungsmethoden
Die vorhandenen Daten werden in Textform dargestellt und mit Fotos.
3. Ergebnisse
3.1. Das Geheimnis von Gold der Biene
3.1.1. Wirkmechanismen
Das folgende Kapitel behandelt die pharmakologischen und physiko-chemischen
Eigenschaften von Honig, deren Verständnis unerlässlich sind um Honig in der
Wundversorgung im klinischen Alltag einzusetzen.
7
3.1.2. Wasserstoffperoxyd (H2O2)
Das bis heute wichtigste Inhibin des Honigs, das Wasserstoffperoxid. Durch das
Wundsekret wird der Honig zusehends verdünnt, bis seine Osmolarität theoretisch
nicht mehr ausreichen sollte, um Bakterienwachstum zu hemmen.
Es konnte jedoch an mit Staphylococcus aureus infizierten Wunden gezeigt werde,
dass das Wundgebiet trotz der Verdünnung durch Wundsekret dennoch rasch
bakterienfrei wurde. (vgl. Molan, 2001).
Die Erklärung für dieses offensichtliche Paradoxon ist das Vorhandensein von
weiteren antibakteriellen Eigenschaften. Honig enthält das Enzym Glucoseoxidase
(aus den hypopharyngealen Drüsen der Bienen), welches Glucose zu Gluconsäure
und Wasserstoffperoxyd oxidiert. (vgl. Molan, 2001).
Die je nach Honigsorte schwankende Konzentration an Wasserstoffperoxyd beträgt
etwa 1mmol/l (entspricht einer 0,001%igen Lösung) und ist somit um ein vielfaches
geringer als jene 2 bis 3%igen Wasserstoffperoxydlösungen, die teilweise immer
noch für antiseptische Wundbehandlung verwendet werden.(vgl. Molan, 2001).
Diese niedrige Konzentration an Wasserstoffperoxyd hemmt Bakterienwachstum
ohne dabei die Fibroblasten in ihrem Wachstum zu beeinflussen. Erst bei höheren
Wasserstoffperoxyd konzentrationen tritt auch hier eine Wachstumshemmung auf.
Die antibakterielle Aktivität des Honigs ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen.
Zu meinen sind der hohe Zuckergehalt, ein niedriger pH-Wert und der H2O2-Gehalt
der Honige für seine antimikrobielle Wirkung verantwortlich. Zum anderen zeigte
sich, dass auch andere im Honig vorkommende Substanzen bakterienhemmend
wirken können. (vgl. Molan, 2001).
3.1.3. Peroxid-unabhängige Wirkung
Diese Klasse der Inhibine wurde als "nicht-peroxid Inhibine" bezeichnet, die vierte
Gruppe der im Honig vorkommenden Inhibine. (vgl. Allen, 1991).
Honigsorten unterschiedlicher pflanzlicher Herkunft haben weitere zusätzliche
8
antibakterielle wirksame Komponenten. Eine besonders hohe, vom
Wasserstoffperoxyd unabhängige Wirkung, hat unter Anderen der neuseeländische
Manukahonig (Leptospermum scoparium). Diese phytochemische Komponente UMF
® (Unique Manuka Factor) konnte bislang noch nicht identifiziert werden, seine
Anwesenheit lässt sich jedoch Labortechnisch zweifelsfrei nachweisen.
(vgl. Molan, 2001, und vgl. Bogdanov, 2001).
3.1.4. Osmose
Die hohe Osmolarität hindert das Bakterienwachstum, indem den Keimen Wasser
entzogen wird. Eine Einheit für die osmotische Eigenschaft von Substanzen ist die
Wasseraktivität (aw). (vgl. Molan, 2001).
Reines Wasser hat eine Wasseraktivität aw = 1, ab einem Wert von aw = 0.83
(gesättigte Zuckerlösung; das entspricht 255 g Zucker in 100 ml Wasser gelöst)
überleben nur mehr sporenbildende Bakterien wie Clostridien. Die stark
sterilisierende Wirkung von Honig, dessen aw-Wert durchschnittlich 0,45 beträgt, ist
höher als jene von gesättigten Zuckerlösungen. Der Wassergehalt im Honig bewegt
sich zwischen 15 % bis maximal 21 %.(vgl. Molan, 2001).
Honig kann durch seine starke osmotische Wirkung ein feuchtes Wundmilieu aktiv
aufrechterhalten, indem er Lymphe und Blutplasma aus dem Wundgebiet zieht. Der
so entstehende Flüssigkeitsstrom reinigt die Wunde aus der Tiefe. Dies erklärt die
Beobachtungen aus der Praxis, dass unter Honiganwendung die Wunden von
Schmutzpartikeln und Fremdkörpern gereinigt werden. (vgl. Molan, 2001).
Der osmotisch bedingte Flüssigkeitsfilm verhindert eine Adhäsion des empfindlichen
Granulationsgewebes mit dem Verbandsmaterial. Die Verbände lassen sich leichter
wechseln, und es entstehen deutlich weniger Schmerzen. Die antibakterielle Aktivität
des Honigs ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Zum einen sind der hohe
Zuckergehalt, ein niedriger pH-Wert und der H2O2-Gehalt der Honige für seine
antimikrobielle Wirkung verantwortlich. Zum anderen zeigte sich, dass auch andere
im Honig vorkommende Substanzen bakterienhemmend wirken können.
(vgl. Molan, 2002).
9
3.1.5. Debridement
Durch die im Wundsekret enthaltenen proteolytischen Gewebsenzyme
unterstützenfeuchte Wundverbände das autolytische Debridement. Im Gegensatz zu
herkömmlichen feuchten Wundauflagen wie Beispielsweise Hydrogele, sorgt Honig
wie oben beschrieben durch seine osmotische Wirkung für einen konstanten Strom
an Lymphe und Wundsekret und ersetzt so die verbrauchten Enzyme im
Wundgebiet. Die Proteasen im Gewebe liegen gewöhnlich in inaktiver Form vor,
werden aber durch das im Honig vorhandene Wasserstoffperoxyd oxidativ aktiviert.
(vgl. Molan, 2002).
3.1.6. Wirkung auf das Immunsystem
Die Beseitigung von Infektionen durch Honig beruht nicht nur auf dessen
antibakteriellen Eigenschaften, sondern auch auf einer direkten
immunmodulierenden Wirkung. Ferner zeigt sich, dass der Glucoseanteil im Honig es
den Makrophagen ermöglicht, ihre Energieversorgung auch in unterversorgtem
zerstörtem Gewebe und Exsudat aufrecht zu erhalten.
(vgl. Abuharfeil, 1999 und Tonks, 2001).
3.1.7. Antiinflammatorische Wirkung
Honig wirkt ausgesprochen entzündungshemmend und in weiterer Folge
wundheilungsfördernd. Selbst wenn die Wunde nicht mit Bakterien infiziert ist, gehen
Entzündungszeichen wie Schwellung, erhöhte Temperatur, Rötung und lokale
Schmerzen unter Honigapplikation deutlich zurück. (vgl. Subrahmanyam, 1998).
Obwohl die Entzündung eine normale Reaktion des Organismus auf Infektionen und
Verletzungen darstellt, kann eine verlängerte oder überschießende
Entzündungsreaktion die Wundheilung nicht nur beeinträchtigen, sondern auch das
umliegende Gewebe schädigen und zu hypertropher Narbenbildung führen.
10
Durch die ödematöse Gewebeschwellung einer Entzündung erhöht sich der
Gewebedruck, welcher den Blutfluss in den Kapillaren einschränkt. Die
Diffusionsstrecke zwischen den Kapillaren und den Zellen vergrößert sich und die
Versorgung der Leukozyten und Fibroblasten im entzündeten Wundgebiet mit dem
notwendigem Sauerstoff und Nährstoffen wird eingeschränkt.
Eine weitere Konsequenz einer überschießenden Entzündungsreaktion ist die
Entstehung freier Sauerstoffradikale, welche ein Nebenprodukt der
Phagozytentätigkeit darstellen. Die reaktionsfreudigen Sauerstoffradikale zerstören
Proteine, Nukleinsäuren, Zellmembranen und schädigen so Gewebe.
Sauerstoffradikale locken weitere Leukozyten ins Entzündungsgebiet und verstärken
damit die Entzündungsreaktion weiter. Obwohl Wasserstoffperoxyd eine
Entzündungsreaktion auslösen kann, ist dessen Konzentration im Honig hierfür nicht
hoch genug. Zusätzlich sind im Honig Antioxidantien enthalten, die einer Entzündung
entgegenwirken, indem sie die freien Sauerstoffradikale auffangen.
Eine verlängerte Entzündungsreaktion führt zu Hypergranulation und einer
Überstimulierung von Fibroblasten, die das Kollagen im Narbengewebe produzieren.
Die entzündungshemmende Wirkung des Honigs ist eine plausible Erklärung für die
in der Praxis beobachtete Reduktion der hypertrophen Narbenbildung. Fibroblasten
sind auch für die Wundkontraktion verantwortlich, so erklärt sich auch die Reduktion
von Wundkontrakturen bei Honiganwendung in der Behandlung von Brandwunden.
(vgl. Molan , 2002).
3.1.8. Geweberegenerierung
Der Medizinische.Honig ist eine bioaktive Wundauflage, die eine rasche
Wundheilung und die Entstehung von gesundem Granulationsgewebe ermöglicht
und die Epithelisierung fördert.
Auf Wunden lokal aufgebrachter Honig stimuliert die Kollagen Synthese, verbessert
dessen Elastizität sowie die Vernetzung der Kollagen Fasern.
Der Medizinische.Honig stimuliert die Angiogenese und verbessert somit die
Sauerstoffversorgung im Wundgebiet. Dies ist eine wichtige Eigenschaft für den
11
Heilungsprozess, da sich Granulationsgewebe zunächst um diese neu entstehenden
Kapillaren bildet, die sowohl Sauerstoff als auch Nährstoffe liefern. Der Honig selber
stellt lokal verfügbare Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Aminosäuren, Vitamine und
Mineralien bereit, welche die Wunden schneller heilen lassen. Die hohe Osmolarität
zieht Lymphe aus den intakten, tiefer liegenden Kapillaren in das Wundgebiet und
sorgt somit für eine zusätzliche konstante Zufuhr von Nährstoffen.
(vgl. Molan , 2002).
3.1.9. Geruchsneutralisierende Wirkung
Die übel riechenden Stoffwechselprodukte der Bakterien sind hauptsächlich
kurzkettige Fettsäuren, Ammoniak, Amine, Stickstoff- und Schwefelverbindungen,
welche durch die Verstoffwechselung von Proteinen aus Zelldetritus entstehen. Der
Medizinische.Honig liefert reichlich Glucose, welche die Bakterien gegenüber
Aminosäuren bevorzugt metabolisieren. Diese Umstellung des
Bakterienstoffwechsels auf die Glycolyse von Kohlenhydraten lässt die übel
riechenden Abbauprodukte erst gar nicht entstehen.
(vgl. White, 2005 und Molan, 2002).
3.1.10. Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Honig wird nun seit tausenden Jahren für die lokale Wundbehandlung eingesetzt,
ohne den Ruf von schädlichen Wirkungen bekommen zu haben. (vgl. Molan , 1998).
Ein Autoklavieren des Honigs kommt nicht in Frage, da viele der für die
antibakterielle Wirkung notwendigen Enzyme hitzelabil sind. Eine
Gammabestrahlung mit 25 kGy hat sich daher als Standard durchgesetzt, sie
sterilisiert den Honig, ohne das dieser seine antibakteriellen Eigenschaften statistisch
signifikant einbüßt.
12
Der am Markt erhältliche Medihoney, der für die Wundbehandlung zugelassen ist,
wurde durch Gammabestrahlung sterilisiert. (vgl. Molan, 1996).
Allergie
Allergische Reaktionen auf Honig bei topischer Applikation im Rahmen der
Wundversorgung sind nicht beschrieben. Theoretisch könnten allergische
Reaktionen auf spezifische im Honig enthaltene Pollen oder auf Bienenproteine
auftreten. (vgl. Molan, 1998).
Honig in medizinisch reiner Qualität wird durch ultrafeine Filter gepresst, um einen
Großteil der Pollen zu eliminieren. (vgl. Molan, 2001).
Diabetes Mellitus
Laut Produktinformationen von Medhoney (Vgl. Produktinformationen zu
Medihoney™ Antibakterieller Honig und Antibakteriellers Wundgel.) sind die
Produkte auch für Diabetiker geeignet. Es wurde bisher kein nennenswerter Anstieg
des Blutzuckerspiegels gemessen. (vgl. Molan,1998).
3.2. Übersicht über die verfügbaren Honigprodukte
3.3. Kommerziell erhältliche Honigprodukte
Bis vor kurzem wurde nicht steriler Speisehonig zum Teil unbekannter pflanzlicher
Herkunft zur Wundbehandlung verwendet (vgl. White, 2005). Neuerdings sind
zugelassene sterile Honigprodukte in medizinisch reiner Qualität auch auf dem
europäischen Markt erhältlich.
3.4. Medihoney™ Antibakterieller Honig
Der verwendete Honig besteht aus einer Mischung verschiedener Honige, die einzeln
auf ihre antibakterielle Aktivität getestet wurden. Es werden ausschließlich Chargen
vertrieben, die in hoher Verdünnung das Wachstum von MRSA verhindern konnten.
Der antibakterielle Medizinische Honig besteht zu 100% aus dieser Honigmischung.
13
Indikationen laut Firmenangaben:
- Tiefe Wunden
- Wundhöhlen und Fisteln
- Nekrotische Wunden
- Septische Wunden
- Chirurgische Wunden (vgl. White, 2005) .
3.5. Medihoney™ Antibakterielles Wundgel
Das Wundgel besteht zu 80% aus der oben beschriebenen Honigmischung,
zusätzlich enthalt es natürliche Wachse und Öle, welche dem Produkt eine höhere
Viskosität verleihen, so dass das Wundgel beim Auftragen weniger leicht verläuft. Im
Unterschied zum puren Honig bildet das Wundgel auf der Wundoberfläche einen
nicht-okklusiven Wachsfilm, welcher die Wunde zusätzlich feucht hält und eine
zusätzliche Keimbarriere darstellt. Der Wachsfilm lässt sich beim Verbandswechsel
leicht abspülen, dennoch empfiehlt es sich nicht, das Wundgel bei Wundtaschen,
Fisteln oder tief gespaltene Wunden anzuwenden, um Rückstände, die sich nicht
herausspülen lassen, zu verhindern.
Indikationen laut Firmenangaben:
- Chirurgische Wunden
- Akute und Chronische Wunden
- Verbrennungen
- Beingeschwüre
- Spalthaut entnahmestellen und -transplantationsstellen
- Druckgeschwüre.(vgl. White, 2005).
Die Produkte der Firma Medihoney Pty. Ltd. sind seid Dezember 2004 in Europa als
Medizinprodukte für die Behandlung von chronischen und akuten Wunden CEzertifiziert (CE 0805). Die Informationen zu den Medihoney Produkten sind der
14
Produktinformation entnommen, weitere Angaben sind im Beipackzettel und im
Internet unter www.medihoney.com zu finden. Die höchste nachgewiesene
antibakterielle Wirkung besitzt Manukahonig (Leptospermum scoparium) aus
Neuseeland, der selbst bei 54facher Verdünnung das Wachstum von
Staphylococcus aureus hemmt. (vgl. White, 2005).
4. Diskussion
Honig wird nun seit tausenden Jahren für die erfolgreiche Wundbehandlung
eingesetzt und hat sich in den verschiedensten Kulturen bewährt. Der medizinische
Honig hat zweifelsohne einen großen Stellenwert für die Wundversorgung in der
Volksmedizin und in der häuslichen Pflege. Durch die Zulassung von medizinischem
Honig ist nun der Einsatz von Medizinischen Honig auch im klinischen Alltag möglich
geworden. Eine besondere Herausforderung für den klinischen Alltag stellen die
vermehrt aufkommenden Antibiotika resistenten Erreger dar, selektiert durch genau
jene Produkte, die letztlich den Durchbruch für die westliche Schulmedizin bedeutet
haben. In diesem Zusammenhang zeigt sich die immense Bedeutung von
Medizinischen Honig in der Wundbehandlung, da gezeigt werden konnte, dass die
Antibiotika resistenten Stämme genauso sensibel auf die Honiganwendung
reagierten, wie die Antibiotika empfindlichen Stämme. In der Praxis bedeutet dies,
dass ein Honiganteil von lediglich 10% in der Wunde alle getesteten Bakterien
hemmt, auch die gefürchteten Antibiotika resistenten Stämme. Der Medizinische
Honig in der modernen Wundversorgung zeigt Eigenschaften, die kaum ein anderes
Produkt in dieser Kombination aufweist:
- Antimikrobielle Wirkung, auch an Antibiotika resistenten Erregern
- Fehlende Selektion resistenter Keime
- Stimulation der Granulation und Epithelisierung
- Aktives Aufrechterhalten von feuchtem Wundmilieu
- Wundreinigung durch autolytisches Debridement
15
- Kein Verkleben von Wunde und Verband
- Aufsaugen von Ödemen aus dem Wundgebiet
- Geruchsminderung
- Schmerzlinderung
Zum Abschluss möchte ich aber noch eines erwähnen, dass „der Mensch hinter der
Wunde“ mit allen seinen engagierten Ärzten, Pflegern und WDM mit der richtigen
Ernährung und mit der Ursachenbekämpfung viel wichtiger ist als die moderne
Wundkosmetik.
16
5. Literaturverzeichnis
Abuharfeil N., Al-Oran R., Abo-Shehada M. (1999): The effect of bee honey on the
proliferative activity of human B- and T-lymphocytes and the activity of phagocytes.
In: Food Agric, Immunol.,169-177.
Allen K. L., Molan P.C., Reid G.M. (1991): A survey of the antibacterial activity of
some New Zealand honeys. J. Pharm. Pharmacologie, 43, 817-822.
Bienen-Wikipedia, online im www unter- wikipedia.org/wiki/Bienen-55k
http://fr.wikipedia.org/wiki/Image:Cueva_arana.jpeg (11.5.2009).
Bogdanov S., Blumer P. (2001) Natürliche antibiotische Eigenschaften des Honigs.
Schweiz. Bienen-Zeitung, 124, 18-21.
Hajar R. (2002): Honey from folklore to medical marvel. Heart Views, (3-4).
Molan P. C. (1996): The effect of gamma-irradiation on the antibacterial activity of
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Wounds. World Wide Wounds
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Molan P. C (2002): Re-introducing Honey in the Management of Wounds and Ulcers
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Subrahmanyam M. (1998): A prospective randomised clinical and histological study
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Tonks A., Cooper R.A., Price A.J., Molan P.C., Jones K.P.(2001): Stimulation of tnfalpha release in monocytes by honey, Cytokine , 14 (4), 240-242.
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Waikato Honey Research Unit, What's special about active manuka honey?, online
im www unter URL: http://bio.waikato.ac.nz/honey/special.shtml (14.5.2006).
Waikato Honey Research Unit, The way honey is used as a wound dressing /
practical information, online im www unter URL:
http://bio.waikato.ac.nz/honey/the_way.shtml (20.4.2007).
17
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