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Lesen, was Spaß macht - Zeitungsleser - Weltentdecker 2015

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Donnerstag, 3. Mai 2012 · Nr. 103
Lokales
Lesen, was Spaß macht
Fragen an
Passanten
„Zeitungsleser – Weltentdecker“ – Schüler bestimmen, welchen Artikeln sie sich widmen
ben Lüneburg. Zeitung liest
kaum ein Schüler in der 8 b der
Hauptschule Stadtmitte. Die
15-jährige Kim blättert lieber
durch Zeitschriften oder schaut
Nachrichten im Fernsehen, der
14-jährige Lennart informiert
sich „übers Handy“, Mitschüler
Fabian findet Buchstaben und
Wörter „einfach langweilig“
und Nick hat morgens keine
Zeit, das aktuelle Tagesgeschehen zu verfolgen. „Das wird
sich auf jeden Fall in den nächsten sechs Wochen ändern“, sagt
Studentin Melanie Kleinwort.
Denn während dieser Zeit
nimmt die Klasse teil am Projekt Zeitungsleser – Weltentdecker – und die Landeszeitung
wird zum Unterrichtsmedium.
Vor vier Jahren haben die
Landeszeitung, die Universität
Lüneburg und das Netzwerk
Leseförderung das Projekt gemeinsam initiiert. Auslöser waren die Ergebnisse der PISAStudien, die den Schülern eine
nur durchschnittliche Leseleistung bescheinigten. Uni-Dozent
Ekhard Ninnemann, der gemeinsam mit Klaus Schröder
das Weltentdecker-Seminar an
der Leuphana Universität leitet,
sagt: „Lesen gehört für viele
Schüler nicht mehr zur Alltagskultur, dem wollen wir entgegen
wirken.“ Gestern fiel in insgesamt 27 Klassen der Startschuss
für die fünfte WeltentdeckerProjektrunde. Noch bis zum
15. Juni steht die Landeszeitung
von jetzt an täglich auf dem
Stundenplan von rund 670
Schülerinnen und Schülern.
Um die Kinder und Jugend-
Während der
Lesezeit zu
Beginn des
Unterrichts
finden Patricia
(l.) und Marie
aus der Klasse
8 b der Hauptschule Stadtmitte offenbar
lustige Artikel
in der LZ. Gestern startete
das Leseförderprojekt
„Zeitungsleser
– Weltentdecker“ in die
fünfte Runde.
Foto: t & w
lichen zum Lesen zu motivieren, setzen Lehrer und Studenten, die einmal pro Woche den
Unterricht gemeinsam gestalten, auf den Spaßfaktor: Während der täglichen stillen Lesezeit, dem sogenannten Silent
Reading, darf jeder das lesen,
was ihn am meisten interessiert.
In der 8 b entscheidet sich Patricia für den Wetterbericht,
während Fabian Gefallen am
Sportteil der LZ findet. Interessengeleitetes Lesen nennen
Pädagogen das, Ekhard Ninnemann fasst die Ergebnisse der
Methode zusammen: „Schwellenängste gegenüber dem Medium verwandeln sich oft ins
Gegenteil: Die Schüler bekommen Lust auf Informationen,
fangen an mitzureden.“ Diese
Anschlusskommunikation, das
Interesse und die Kompetenz,
öffentliche Debatten mitzubestimmen ist neben der Leseförderung ein weiteres Projektziel.
Um diese zu erreichen, ist die
Tageszeitung mit ihren unterschiedlichen Rubriken das ideale Unterrichtsmedium. Sport,
Medien, Politik, Kultur und Lo-
kales – wie die LZ aufgebaut ist,
tragen die Achtklässler nach
und nach zusammen. Dafür,
dass die Schüler zu Beginn der
Unterrichtsstunde kaum Interesse an der Tageszeitung gezeigt haben, melden sich jetzt
erstaunlich viele. Und als Melanie Kleinwort abfragt, was die
Jugendlichen am meisten interessiert, findet denn auch jeder
seine Lieblingsrubrik, ganz
oben auf der Beliebtheitsskala
rangieren Medien und Werbung.
Dann hat sich Lehrerin Mei-
ke Bromm auch noch ein Suchspiel für ihre Schüler ausgedacht: Sie sollen das Foto finden, auf dem ihr Schulleiter,
Uwe Wegener, abgebildet ist.
Schnell entdecken die Schüler
den dazugehörigen Artikel, in
dem es um eine Zusammenarbeit von Schulen und Ausbildungsbetrieben der Region geht.
Wieder ist die Unterrichtsbeteiligung groß. So langweilig jedenfalls, wie einige Schüler zunächst vermutet hatten, scheint
die Landeszeitung dann doch
nicht zu sein.
eine der möglichen Erklärungen
dafür, dass die Zahl der bei der
Statistik gemeldeten Arbeitsstellen weiter hoch ist: Insgesamt 2206 freie Jobs finden sich
im Verzeichnis der Agentur, die
Arbeitgeber meldeten 589 neue
Stellen, 674 wurden aus dem
Bestand gestrichen.
Zusätzlich sei der Arbeitsmarkt im April durch Entlassungen und Betriebsschließungen, insbesondere im Einzelhandel, belastet worden. Den
kompletten Bericht gibt es unter
www.landeszeitung.de.
Auch dass es immer mehr
Ganztagsschulen gibt, bereite
dem Team Probleme. „Da sollen
wir ein, zwei Stunden mit Schüler was zu Facebook machen,
das ist albern“, findet GunkelSchwaderer. Projekte, bei denen Schüler sich ausprobieren
und mal Fehler machen dürfen,
seien weniger gefragt. Sein Kollege Christian Seiberth ergänzt:
„Immer und überall heißt es,
dass Medienkompetenz eine
Schlüsselkompetenz sei. Aber
wenn es drauf ankommt, ist
kein Geld da.“
Spätestens ab Sommer ist
Gunkel-Schwaderer also Einzelkämpfer. Wie genau es weitergeht, weiß er nicht. Die Arbeit mit den Jugendlichen dürfte
wohl ein Ende haben, allenfalls
ein Rumpfangebot für Multiplikatoren sei noch möglich.
Zahl der Menschen ohne Job in Lüneburg sinkt, aber Langzeitarbeitslose haben schlechte Karten
Prozent. Gegenüber dem April
des Vorjahres wurden 238 Arbeitslose weniger registriert, die
Arbeitslosenquote ist in den
vergangenen zwölf Monaten
von 5,8 auf 5,7 Prozent gesunken. „Die erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt setzt
sich fort. Gutes Wetter und die
hohe Kräftenachfrage sind die
beste Voraussetzung für die
Frühjahrsbelebung“, erläutert
Bernd Passier, Chef der Agentur
für Arbeit Lüneburg.
Im April haben 1250 Menschen eine Beschäftigung gefun-
den, 478 wechselten in eine
Ausbildung oder eine Qualifizierung. Nur in Lüneburg – zum
Agenturbezirk gehören auch
Buchholz und Winsen – gab es
5915 Arbeitslose. Das ergibt
eine Quote von 6,7 Prozent der
zivilen Erwerbspersonen und
genau
den
NiedersachsenDurchschnitt. Zum Vergleich:
Das wirtschaftsstarke Harburg
liegt bei 5, die Geschäftsstelle
Winsen bei 5,4 Prozent.
Der Rückgang sei einerseits
im Landkreis Harburg, andererseits bei den Beziehern von
Arbeitslosengeld
besonders
stark. Die Kehrseite benennt
der Bericht aber auch: „Die
Arbeitslosigkeit in den Jobcentern der Landkreise sank nur
minimal um 0,1 Prozent oder
um neun Personen. In den Jobcentern werden Leistungen
nach dem Sozialgesetzbuch II
organisiert, zu den Beziehern
gehören viele Langzeitarbeitslose. An ihnen geht der Aufschwung vorbei, weil sie häufig
nicht die von Arbeitgebern geforderten Abschlüsse und Qualifikationen mitbringen. Das ist
Exkursion
ins Alte Land
lz Lüneburg. Der Lüneburger Streuobstwiesenverein bietet im Mai zwei Veranstaltungen an: Eine Exkursion am
Sonntag, 6. Mai, unter dem Titel
„Aufbruch zu längst vergessenen Apfelsorten“ führt zu
Eckart Brand, Pomologe aus
dem Alten Land. Die Teilnehmer gucken sich die Apfelblüte
und das Projekt „Boomgarden“
an. Bei Kaffee und Kuchen
bleibt Zeit, um sich Tipps für
die Pflege eigener Bäume zu
holen. Die Exkursion steht allen
Interessierten offen, Anmeldeschluss ist morgen, Freitag. Der
Ausflug startet um 10 Uhr Am
Schützenplatz 1. Kosten: 10
Euro. Um „Obstbaumschnitt
und Obstbaumpflege“ geht es in
einem Seminar am Sonnabend,
12. Mai, 10 bis 15 Uhr, unter der
Leitung von Eberhard Parnitzke, Bio-Gärtner aus Dahlem, in
Harmstorf bei Dahlenburg. Anmeldeschluss ist der 10. Mai.
Kosten: 30 Euro. Treffen ist in
Lüneburg um 9.15 Uhr, Am
Schützenplatz 1, oder um 10
Uhr vor Ort. Anmeldungen jeweils unter v 40 29 08.
Nicht alle profitieren vom Aufschwung
st Lüneburg. Der Frühling
bringt Schwung in den Arbeitsmarkt. Doch der Aufwind erreicht nicht alle, vor allem bei
den Langzeitarbeitslosen in den
Jobcentern bessert sich die Lage
nur geringfügig. Diese Kernbotschaften vermittelt der Arbeitsmarktreport der Agentur für
Arbeit Lüneburg für den April.
Insgesamt ist die Zahl der bei
der Agentur und in den Jobcentern registrierten Arbeitslosen
gegenüber dem Vormonat um
187 auf 12 203 gesunken. Das
entspricht einem Minus von 1,5
red Lüneburg. Wie barrierefrei ist Lüneburg? Antworten
auf diese Frage suchen 15 Studenten heute in Interviews mit
Passanten in der Innenstadt. Sie
wollen einen Stadtführer für
Menschen mit Beeinträchtigungen erstellen. Bis zum Ende des
Sommers soll er fertig sein.
Der 3. Mai ist Aktionstag zur
Gleichstellung von Menschen
mit Behinderung. In diesem
Jahr steht er unter dem Motto
„Jede Barriere ist eine zu viel“.
Wie berichtet, organisiert unter
anderem der Behindertenbeirat
dazu ein Programm auf dem
Marktplatz, es startet um 10.45
Uhr und endet um 15 Uhr.
Den Aktionstag wollen die
Studenten nutzen, um erste
Aussagen über die Barrierefreiheit Lüneburger Sehenswürdigkeiten zu sammeln. Wichtig ist
ihnen, möglichst viele Perspektiven dazu einzufangen. Von
der Auswertung der Antworten
erhoffen sich die Studenten
wesentliche Impulse für die
Konzeption und Gestaltung des
Stadtführers. Neben spezifischen Kriterien zur Bewertung
von Barrierefreiheit wollen sie
zum Beispiel „Geheimtipps“ berücksichtigen, die einen Ausflug
nach Lüneburg zu einem schönen Erlebnis werden lassen.
Mobile Medienarbeit
steht vor dem Aus
Pädagoge erhält Kündigung – Künftig nur noch ein Rumpfangebot
ahe Lüneburg. Mit einem
Bulli voller Technik sind Christian Seiberth und Georg Gunkel-Schwaderer regelmäßig in
der Region Lüneburg unterwegs,
steuern Schulen, Kitas und Skaterbahnen an, um mit Kindern
und Jugendlichen eigene Filme
zu drehen, Hörspiele aufzunehmen oder Internetseiten zu gestalten. Jetzt steht die mobile
Medienarbeit vor dem Aus, zum
1. August hat Seiberth die Kündigung erhalten.
Das Duo mit dem alten VWBus ist in den Kreisen Lüneburg, Harburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg bekannt als
„Mobired“. Vor 14 Jahren als
Modellprojekt des Landkreises
Harburg gestartet, sind die beiden Medienpädagogen unter
dem Dach der „Sozialistischen
Jugend Deutschlands – Die Falken“ im Unterbezirk Nordniedersachsen tätig. Ihre Arbeit
aber hat mit Politik allenfalls
am Rande zu tun. Vielmehr
wollen sie Mädchen und Jungen
zu einem bewussteren Umgang
mit Medien motivieren – „nicht
aus der Problemsicht und nicht
durch Vorträge und Workshops
mit erhobenem Zeigefinger“,
wie sie deutlich machen, sondern durch aktives Gestalten.
Das Prinzip: Die Kinder machen fast alles selbst, schreiben
zum Beispiel ein eigenes Skript
für ein Hörspiel, das sie dann
spielen und aufnehmen. Die
Pädagogen wirken dabei eher
als Tippgeber im Hintergrund.
Vier Beispiele für ihre Arbeit:
Im Sommer vergangenen Jahres
haben sie mit Achtklässlern der
Hauptschule Stadtmitte Werbeclips gedreht, in denen die
Schüler ihre Schule anpreisen.
2008 haben sie ein Projekt betreut, bei dem Kinder die Lüneburger Spielplätze getestet und
ihre Ergebnisse im Internet veröffentlicht haben. Mit Kindergartengruppen ist das MobiredTeam immer mal wieder unterwegs im Wald, um Bilder für ein
Fotomemory zu erstellen. Und
in Winsen haben sie zusammen
mit Skatern Filme über deren
gewagteste Sprünge gedreht.
Solche Projekte wird es fortan nicht mehr geben, denn es
fehlt an Geld. Gab es früher
noch Fördergeld, etwa über die
Aktion Mensch, wird das ZweiMann-Team heute aus Teilnahmegebühren und vom Verband
der Falken finanziert – und der
Christian Seiberth (l.) und
Georg GunkelSchwaderer
sind nicht
mehr lange als
Duo mit ihrem
VW Bus unterwegs.
Foto: t & w
kürze die Förderung, sagt Gunkel-Schwaderer, der sich mehr
Unterstützung zum Beispiel
vom Land wünschen würde.
„Wir bräuchten für unsere Arbeit 60 000 bis 90 000 Euro im
Jahr.“ Es klingt fast verbittert,
wenn er sagt: „Für einen Brunnen auf dem Platz am Sande ist
Geld da, für die mobile Medienarbeit nicht, das zeigt auch, was
Jugendarbeit wert ist.“
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