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Ethnographische Gesprächsanalyse nach Arnulf Deppermann 1

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Universität des Saarlandes
Philosophische Fakultät, Neuere deutsche Sprachwissenschaft
Hauptseminar: Grammatik und Pragmatik der lautsprachlichen Kommunikation
Dozent: Bistra Andreeva, Tanja Augustinova
Thema: Ethnographische Gesprächsanalyse nach Arnulf Deppermann
Referenten: Laura Scheriau, Anna Dudziec
WiSe2008/2009
27.10.08
6. Warum braucht man bei der Konversationsanalyse ethnographisches Wissen?
A. Deppermann skizziert anhand eines Beispiels sieben „Einsatzstellen ethnographischen
Wissens“.
1. Sensibilisierung auf Phänomene
-
Ethnographische Gesprächsanalyse nach Arnulf Deppermann
„Bemerken eines Aspekts“, z.B. stilistischer Gebrauch von Jugendsprache („biffke“,
„assikippe“)
2. Schließung von Interpretationslücken
1. Was ist Konversationsanalyse?
-
eine Forschungsrichtung, in der Gespräche untersucht werden
-
die zu untersuchenden Gespräche werden besonders in Hinblick auf ihren
-
sequentiellen Charakter untersucht
Sprecherzuordnung: Bei mehr als zwei Interaktionspartnern sehr schwierig, man
muss a) wissen wie viele Sprecher es sind und b) mit den Stimmen vertraut sein
-
Referenzklärung: ohne spezifisches Wissen meist kein Bezug („die hier“ =
Österreicher in Innsbruck)
2. Nach welchen Analysekriterien werden Gespräche untersucht?
-
Handlungscharakter
-
Methodizität
-
Sequenzialität
-
Interaktivität
-
Reflexivität
-
Fachsprachen oder esoterische Gruppensprachen: Lexik und Semantik können
unbekannt sein. („baffelo“ = Schuhmarke „Buffalo)
3. Schutz vor Fehlinterpretationen
-
Vermeintliche Interpretationen ohne ethnographisches Wissen zu erstellen kann zu
Fehlinterpretationen führen. (Bsp.: „normale klamotten“ meint hier nicht im
allgemeinen Sinne normale Kleidung (deskriptiv) sondern für die Jugendlichen
akzeptable Kleidung (normativ)
3. Was ist das display – Konzept?
-
Sinn und Ordnung in der Interaktion werden hergestellt und erkennbar gemacht
-
Mangel der display - Konzeption: Sinn und Bedeutung lassen sich nicht alleine durch
4. Vertiefung von Interpretationen
-
Vor allem biographische / gruppengeschichtliche Aspekte (sog. „running gags“) sind
ohne ethnographisches Wissen und eine Vertiefung der Interpretation nicht
das Ablesen und das Hören erschließen, sie müssen vielmehr interpretiert werden
verstehbar („schluchtenscheißer“ = altmodisches Alpländer Stereotyp mit Dirndl
4. Typen von gesprächsexternem Wissen:
und Lederhose)
-
Alltagswissen: z.B. über grammatische Regeln, Praktiken des Sprechens, etc.
-
ethnographisches Wissen, z.B. Wissen über soziale, räumliche, historische und andere
Gegebenheiten
-
theoretisches
Wissen:
z.B.
über
konversationsanalytische
Konstrukte
Forschungsansatz, der Wert darauf legt, dass das methodische Vorgehen auf die
Verhältnisse
Teilnehmer gehen davon aus, dass alle Interaktionspartner Wissen, Beurteilung und
Wahrnehmungen teilen
6. Kalibrierung von Interpretationen
5. Was ist Ethnographie?
besonderen
-
und
Untersuchungsergebnisse
-
5. Kriterien für die Entscheidung zwischen Interpretationen
des
Untersuchungsfeldes
Auseinandersetzung mit ihnen entwickelt wird
abgestimmt
und
in
der
-
Frage nach dem Abstraktionsniveau und der Wahl der geeigneten Prädikate
-
Bsp: Das Gespräch erscheint als Fall einer Orientierungsroutine
7. Validierung
-
Ethnographisches Wissen ist wichtig für diesen Schritt: bestätigen, falsifizieren,
-
„Natürlichkeitsrating“
modifizieren von Daten, die zur Interpretation dienen
Konversationsanalyse anhand eines Beispiels:
Bsp. 1)
30
31
32
33
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35
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37
38
39
40
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49
Denis:
Knut:
Denis:
Knut:
Denis:
Knut:
Denis:
Frank:
Frank:
Denis:
Frank:
Frank:
Denis:
aber wEnigstens, (.)
ham die hier auch (,) normale klamotten, (.)
<<acc>die biff ä:h, (.) die biffken.> (.)
die schluchtenscheißer. (--)
HE::, (.)
kuckt mal ob irgend einer
jemand <<lachend> en bAffelo sieht,> (---)
hähä. (.)
ja=n kaN↑Acke. (--) H↑Ä, (.)
was? (.) wo?
=<<lachend> isch W↑EISS es net,> (.)
<<p> hastu ein [ges,>]
[ja, ] (.)
isch hab AUch kanacken gesehn,
da da oben, (.)
ja da oben haben die zwo, (.) so da gestanden.
a, (.) a, (.) am, (.) am lift mit schIschu
ich dacht so
<<konstant fallende Intonation> N↓Ä::::hh.>
=hey, was das für ne Assikippe, hähäHAHA? (--)
entnommen aus: Arnulf Deppermann „Ethnographische Gesprächsanalyse: Zu Nutzen und Notwendigkeit von
Ethnographie für die Konversationsanalyse“, in: Gesprächsforschung Ausgabe 1, Seite 96 – 124
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