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Hebammenausbildung in Österreich: Was bringt die Akademisierung?

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ausbildung – Österreich
Hebammenausbildung in Österreich:
Was bringt die Akademisierung?
Martina König, MHPE, und Mag. Monika Brumen, FH-Bachelor-Studiengang Hebamme, Innsbruck
Autoren-PDF für private Zwecke
In Österreich gibt es derzeit drei Generationen von Hebammen, welche unterschiedliche
Ausbildungen absolviert haben. Fünf Jahre nach der Akademisierung der Ausbildung
­erfolgt eine Bestandsaufnahme:
Welchen Einfluss haben die unterschiedlichen Ausbildungsstätten auf die praktischen
und theoretischen Kenntnisse der werdenden Hebammen? Und welche Veränderungen
im geburtshilflichen Alltag sind von akademisch ausgebildeten Hebammen zu erwarten?
Hebammen­
ausbildung bis 1994
In den Jahren von 1971–1994 ­wurden
Hebammen in 2-jährigen Lehrgängen
an Bundeshebammen­lehranstalten ausgebildet. Laut Hebammen-Ausbildungsverordnung waren damals mindestens
509 Theoriestunden vorgesehen. Es
wurden hauptsächlich medizinische Inhalte unterrichtet, die Begriffe Wissenschaft und Forschung tauchten in der
Ausbildungsverordnung nicht auf.
Auch eine genaue Anzahl der Prakti­
kumsstunden fand sich im Gesetz
nicht. Für die praktische Ausbildung
war ein Zeitraum von mindestens
6 Wochen veranschlagt, „die übrige für
die praktische Ausbildung zur Verfügung
stehende Zeit ist der A usbildung(…) zu
widmen.“ Während der Ausbildungszeit
herrschte Internatspflicht, Ausnahmen
mussten bei der Aufnahmekommission
beantragt werden [1].
Bewerberinnen, die älter als 35 Jahre
waren, wurden nur nach entsprechendem Beschluss der Aufnahmekommission zur Ausbildung zugelassen. Virgil
Ritter von Mayrhofen, Professor an der
K. und K. Universität Innsbruck von
1851–1867, argumentiert in seinem
Lehrbuch der Geburtshilfe für Heb­
ammen, dass die Erlernung so vieler
Dinge ein „treues Gedächtnis“ erfordert,
was ab einem Alter von 35 Jahren wohl
kaum mehr möglich sei [2].
Bis auf wenige Ausnahmen (Sanitätsrecht, Sozialversicherungsrecht, Grundzüge der sozialen Fürsorge und Vor­
nahme der Nottaufe) waren für alle
Unterrichtsfächer ÄrztInnen vorgesehen. Der Absatz 2 in der oben genannten Ausbildungsverordnung entschärfte den entsprechenden Paragrafen,
indem hier Hebammen, Krankenschwestern und „dipl. Assistentinnen
der physikalischen Medizin“ zugestanden wird, dass auch sie mit dem Unterricht für die Fächer „Allgemeine Krankenpflegetechniken, Instrumenten- und
Gerätelehre“ und „Schwangeren- und
Wöchnerinnenturnen“ betraut werden
dürfen [1]. Es dürfte relativ schnell klar
werden, dass hier ein Transfer zwischen
Theorie und Praxis nicht stattfand.
Die Schülerinnen begannen ihr
Praktikum ohne jegliche Vorbereitung
darauf und sammelten Erfahrungen
durch Zusehen, learning by doing und
learning by error.
Laut Ausbildungsverordnung mussten
die Schülerinnen 30 Geburten unter
König et al., Hebammenausbildung in Österreich: Was bringt die Akademisierung? | die hebamme 2012
Aufsicht und Anleitung der Hebamme,
einschließlich Dammschutz, betreuen
und am Ende ihrer Ausbildung eine
mündliche Diplomprüfung in den
­Fächern Geburtshilfe I und II, Frauenkrankheiten, Kinderheilkunde und
Recht ablegen [1].
Hebammenakademien
1993 wurde beschlossen, das geltende
Hebammenrecht, welches aus dem Jahr
1925 stammte und 1963 wiederverlautbart wurde, völlig neu zu gestalten.
Einerseits war dies notwendig, da das
bestehende Gesetz nicht mehr dem internationalen Standard, insbesondere
nicht dem Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum [EG-Richt­
linie 80/155/EWG] entsprach, andererseits sollte durch die Aktualisierung der
Ausbildungsinhalte eine qualitative und
quantitative Verbesserung der Ausbildung geschaffen werden.
Mit der Verabschiedung der Hebammen-Ausbildungsverordnung 1995 [4]
traten einige Änderungen in Kraft: Aus
den Hebammenlehranstalten wurden
Hebammenakade­
mien, aus den Hebammenschülerinnen wurden Heb­
ammenstudentinnen, die Dauer der
Aus­bildung wurde auf drei Jahre fest­
Ausbildung – Österreich
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gelegt und die Zugangsvoraussetzungen wurden dahin­
hegend abgeändert, dass Bewerberinnen nun die Allgemeine Reifeprüfung benötigten.
E r s t k l a s s i g f ü r u n s e r e P a t i e nte n
Die Kreiskliniken Reutlingen GmbH ist Trägerin des Klinikums
am Steinenberg Reutlingen, der Ermstalklinik Bad Urach, der
Albklinik Münsingen sowie des MVZ Gammertingen mit insgesamt
810 Betten und versorgt jährlich ca. 36.000 stationäre und ca. 80.000
ambulante Patienten. Das Klinikum am Steinenberg ist zudem Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen.
Unser Anspruch ist, erstklassig für unsere Patienten zu sorgen. Wir
suchen Sie, um unseren Patienten weiterhin ein Höchstmaß an
medizinischer Behandlungsqualität zu bieten. Sofern Sie uns hierbei
unterstützen wollen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung.
Für unseren Kreißsaal im Klinikum am Steinenberg suchen wir zum
nächstmöglichen Zeitpunkt befristet für Mutterschutz und Elternzeit
eine/-n
Hebamme/Entbindungspfleger
Ihr Aufgabengebiet:
• BetreuungvonRisikoschwangerschaftenundGeburten
• EngeZusammenarbeitmitdemPerinatalzentrum(Level1)
• ÜberwachungvonMedizingeräten
• AssistenzbeigeburtshilflichenärztlichenMaßnahmen
• Vor-undNachsorgebeiSectio
• SicherstellungeinermodernengeburtshilflichenDiagnostikmit
apparativerÜberwachungderGeburtsowiepsychologischeBetreuung der Kreißenden
• BetreuungderMütternachEntbindungaufderWochenstation
• DokumentationderGeburt
Vielfach wurden Befürchtungen geäußert, dass
durch die „Akademi­sierung“ ein Verlernen der handwerklichen Fertigkeiten eintreten könnte und vor allem, dass
Hebammen in zwei Klassen geteilt werden.
Unsere Anforderungen:
• AbgeschlosseneAusbildungalsHebamme/Entbindungspfleger
• KenntnisseundsichereAnwendungmodernermedizinischerÜberwachungsmethoden
• KenntnissealternativerMöglichkeiten(Akupunktur,Homöopathie)
• Teamfähigkeit,FlexibilitätundEngagement
• ArbeitimSchichtdienst
• Serviceorientierter, freundlicher Umgang mit Patientinnen
und Angehörigen
Es geschah jedoch weder das Eine noch das Andere. Es entstand keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ von Hebammen,
alle Hebammen besaßen die gleichen Kompetenzen und erhielten dieselbe Entlohnung, unabhängig davon, welche Art
der Ausbildung sie hatten. Die hohe Zahl an Praxisstunden
gewährleistete, dass die Absolventinnen ein entsprechend
großes Wissen in der praktischen Geburtshilfe bereits während der Ausbildung erlangten.
Unser Angebot:
• LeistungsgerechteVergütungnachTVöD-K
• AlleSozialleistungendesöffentlichenDienstesundzusätzliche
Altersversorgung
• UmfassendeKinderbetreuungsmöglichkeitenzurVereinbarkeitvon
Beruf und Familie
• Fort-undWeiterbildungsangebote
• BetrieblichesGesundheitsmanagement
• WeitereattraktiveAngebotezurGestaltungvonPrivat-undBerufsleben
Allerdings war das Curriculum sehr ­
restriktiv gehalten.
Wieder waren T
­ heorie und Praxis voneinander getrennt
und ein Hinführen der Studentinnen auf den praktischen
Unterricht in Form von praktischen Übungen war kaum
möglich. Immerhin wurden den Hebammen mehr Kompetenzen in der Lehre zugestanden, als noch während der
zweijährigen Ausbildung.
Ausführliche
Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter
AusführlicheInformationenfindenSieaufunsererHomepageunter
‚Beruf & Karriere’. Bei Fragen steht Ihnen Frau Fuhrmann unter der
07121/200-3950 gerne zur Verfügung.
Tel.-Nr.07121/200-3950gernezurVerfügung.
Kreiskliniken Reutlingen GmbH - Personalabteilung
Steinenbergstraße 31 · 72764 Reutlingen
E-Mail: karriere@kreiskliniken-reutlingen.de
Die Leitung der Ausbildung war zweigeteilt: die fachspezifische und organisatorische Leitung wurde von einer Hebamme übernommen, für die medizinisch-wissenschaftliche
Leitung war eine FachärztIn vorgesehen.
Fachhochschule
Im Jahr 2005 wurde wiederum eine ­Änderung der Heb­
ammenausbildung beschlossen [6], welche nun ein Fach-
Anzeige
Autoren-PDF für private Zwecke
Die Gesamtstundenanzahl der Ausbildung betrug nun
4780 Stunden, wobei 1530 Stunden für den theoretischen
und 3250 Stunden für den praktischen Unterricht vorgesehen waren [4]. Erstmals waren auch Fächer wie ­Psychologie,
Kommunikationstraining, Hebammenkunde und Sexual­
erziehung im Lehrplan verankert. Und auch der Wissenschaftlichkeit wurde unter der Rubrik „EDV, Dokumenta­
tion und w issenschaftliches Arbeiten“ mit insgesamt
60 Unterrichtseinheiten Rechnung getragen [4]. Die genaue
Aufschlüsselung des Curriculums sah allerdings für die Wissenschaft nur 28 Stunden vor, die restlichen Inhalte betrafen Hardware, Software und Dokumentation [5]. Das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit war aber, im Gegensatz
zu den Medizinisch-technischen Akademien, nicht vorgesehen. Diese Entwicklung wurde, vor allem in Hebammenkreisen, nicht nur positiv gesehen.
www.kreiskliniken-reutlingen.de
König et al., Hebammenausbildung in Österreich: Was bringt die Akademisierung? | die hebamme 2012
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ausbildung – Österreich
hochschulstudium für Hebammen vorsah. Hier wurde erstmals von einer
exakten Stundenvorgabe, sowohl im
theoretischen als auch im praktischen
Bereich, Abstand genommen. Vielmehr
wurden Mindestanforderungen formuliert und es blieb jedem Studiengang
offen, eigene Schwerpunkte zu setzen.
Autoren-PDF für private Zwecke
Erstmals stand nicht ausschließlich die reine Wissensvermittlung im
Vordergrund, sondern dass die Studierenden im Rahmen des Studiums Kompetenzen erlangen, die sie dazu befähigen sich auf einem sehr breiten Feld im
Rahmen der Geburtshilfe und allen angrenzenden Disziplinen zu bewegen.
Nicht nur das Erlangen von fachlichmethodischen Kompetenzen standen
im Zentrum, vielmehr wurden die
­wissenschaftlichen Methoden und die
Sozialkommunikativen Kompetenzen
entwickelt und um ein Vielfaches erweitert.
Die Ausbildungsverordnung gibt vor,
dass die theoretische Ausbildung mit
der Praxis koordiniert wird und in­
einandergreifend zu erfolgen hat [7].
Die fachspezifischen Inhalte werden in
dieser Neuverordnung ausschließlich
von Hebammen mit entsprechender
Qualifikation vorgetragen. Den Fach­
ärzt­Innen obliegt nach wie vor die Vermittlung rein medizinischer Inhalte.
Erstmalig liegt die Leitung des Studienganges ausschließlich in der Verantwortung der Hebammen.
Und wieder löste die Veränderung der Hebammenausbildung starke
Emotionen aus.
Vorurteile wurden entwickelt mit den
Befürchtungen, dass die Studentinnen
das „Handwerk“ nicht mehr ausreichend erlernen würden und im folgenden Berufsleben ihren Fokus auf die
Wissenschaft und Forschung legen und
nicht mehr an der Basis mitwirken
würden.
Das Fachhochschulstudiengesetz [8]
brachte eine Neuverteilung von Theorie
und Praxisstunden. Dadurch reduzierten sich die reinen Praxisstunden deutlich. Jedoch waren im theoretischen
Unterricht vermehrt praktische Übungen vorgesehen, um die Studierenden
effektiv auf das Praktikum vorzubereiten. So wird gewährleistet, dass die Studentinnen bereits mit entsprechenden
Grundkenntnissen ins Praktikum kommen. Dadurch wurde erstmalig der
Transfer von Theorie und Pr axis gewährleistet. Diese Entwicklung wird
von den Mentorinnen der unterschiedlichen Praktikumsstellen mittlerweile
sehr positiv wahrgenommen.
Nach fünf Jahren der Akademisierung
des Hebammenberufes ziehen wir ein
positives ­Resumee und sind der Überzeugung, dass die akademische Heb­
amme die Geburtshilfe in ihrer Entwicklung langfristig auf Grund ihrer
neuen Fertigkeiten und Fähigkeiten
­positiv beeinflussen wird.
Was bewirkt die
­Akademisierung?
3 EG-Richtlinie 80/155/EWG http://eurlex.
europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?
uri=CELEX:31980L0155:DE:NOT
Durch die akademische Ausbildung lernen Hebammen die Geburtshilfe zu hinterfragen, zu analysieren
und professionell zu argumentieren.
●● Wie
Jana Meinke in ihrer Diplom­
arbeit [9] treffend schreibt: „Als Resultat der Heb­ammenwissenschaft
haben wir heute mehr artikula­
tionsfähige Hebammen, die in Auseinandersetzungen günstigere Positionen einnehmen.“
●● Als Dozentinnen ist es uns ein großes Anliegen, in unserer Bachelor­
ausbildung altes Hebammenwissen
weiterzuvermitteln und parallel
dazu die Fähigkeit zu stärken, sich
auf neue Erkenntnisse einzulassen.
●● Des weiteren plädieren wir für eine
gegenseitige Unterstützung, die in
ein wertschätzendes Miteinander
münden soll, damit die Hebammengenerationen voneinander profitieren können.
●● Mittlerweile lässt sich eine Tendenz
erkennen, dass Hebammen der Akademisierung gegenüber offen sind
und Weiterbildungsangebote auf
wissenschaftlichem Niveau annehmen, um damit ihre Professionalität
weiterhin zu stärken.
König et al., Hebammenausbildung in Österreich: Was bringt die Akademisierung? | die hebamme 2012
Literatur
1Hebammen-Ausbildungsverordnung,
BGBl. Nr. 443/1971
http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/
BgblPdf/1971_443_0/1971_443_0.pdf
2 Mayrhofen, Virgil v. [1854]: Lehrbuch
der Geburtshilfe für Hebammen, Verlag
Wagner’sche Innsbruck
4Hebammen-Ausbildungsverordnung,
BGBl. Nr. 599/1995
http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/
BgblPdf/1994_310_0/1994_310_0.pdf
5 Österreichisches Bundesinstitut für
­Gesundheitswesen [1996]: Curriculum
Hebammen, Wien 1996, 251–257
6 BGBl. I Nr. 70/2005
http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/
BgblAuth/BGBLA_2005_I_70/BGBLA_
2005_I_70.pdf
7FH-Hebammenausbildungsverordnung
– FH-Heb-AV 2006
http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/
BgblAuth/BGBLA_2006_II_1/BGBLA_
2006_II_1.pdf
8 Hauser, Werner [2011]: FHStG – Fachhochschul-Studiengesetz – Kommentar;
6. Auflage Verlag Österreich Wien 2011
9 Meinke, Jana [2010]: „Hebammenwissenschaft“ in Deutschland – Eckpunkte
einer begrifflichen Klärung, Diplom­
arbeit, Charité, Berlin
Anschrift der Autorin:
Martina König, MHPE
Leiterin des Lehr- und Forschungs­
personals
FH-Bachelor-Studiengang Hebamme
Fhg-Zentrum für Gesundheitsberufe
Tirol
Innrain 98, A-6020 Innsbruck
E-Mail: martina.koenig@fhg-tirol.ac.at
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