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Der KV und seine Luxemburger Was kommt, wenn der

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SEPTEMBER 2007
AM
AKADEMISCHE
MONATSBLÄTTER
Zeitschrift des Kartellverbandes
katholischer deutscher Studentenvereine KV • 119. Jahrgang • Nr. 7
Der KV und seine Luxemburger
TITELTHEMA Seite 180
Marl, Sitz des KV-Sekretariats
DAS INTERVIEW Seite 186
Was kommt, wenn der
Diplomingenieur geht?
FORUM Seite 204
KV-MEHRWERT
Der KV ist eine starke Gemeinschaft, die einen Mehrwert bietet!
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Heft
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2:
3:
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5:
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"Carl Sonnenschein" (1876-1919)
"Die Blutzeugen des KV" *
"Wissenschaft und Ethik"
"Korporiert? - Warum?"
"Der Komment" *
"Die Universität heute eine Herausforderung an die Seelsorge" *
7: "Unser Einsatz für die Grundwerte"
8: "Christliche Politik im 20. Jahrhundert"
9: "Verschlungene Pfade Der Weg des KV zur Lebensfreundschaft"
10: "KV-Brauchtum Wie es entstand und was es bedeutet"
11: "Sind wir ein katholischer Verband?"
Heft 12: "Renten aus dem Kapitalmarkt Perspektiven für die Rentenreform"
Heft 13: "Bildungspolitik als Standortfaktor im
Zeichen der Globalisierung"
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Verbum Peto (Die kleine Reihe)
Heftnummer/Titel
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Michael F. Feldkamp
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Franz Ludwig Knemeyer
Wolfgang Löhr
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Tel. 02365/57290-10 Fax 02365/57290-51 email: bestellung@kartellverband.de
Liebe Kartellbrüder,
liebe Leserinnen und Leser,
In der Ausgabe 3 dieses Jahres haben wir über die Einweihung der neuen Räume des KV-Sekretariats in Marl
berichtet. Durch die Verlagerung der Geschäftsstelle
vom etwas abgelegenen Hof Feuler in das Zentrum des
Marler Ortsteils Hüls sind wir jetzt in der Ruhrgebietsstadt unübersehbar geworden. Da bot es sich an, ein
wenig über diese Stadt zu berichten. Deshalb hat Kb
Michael Kotulla ein Gespräch mit der, wie es so schön
heißt, ersten Bürgerin Marls, der Bürgermeisterin geführt, die bereitwillig Auskunft gegeben hat. Sie ziert dieses Mal das Titelbild.
Schon seit Längerem versuchen wir, die Kenntnisse übereinander zu vertiefen.
Dieses Mal berichten wir über einige Luxemburger, die KVer gewesen sind. Dass
darunter auch zwei luxemburgische Ministerpräsidenten erscheinen, werden die
wenigsten Kartellbrüder wissen. Einer von ihnen, Emile Reuter, hat luxemburgische
Geschichte geschrieben. Da die KV-Akademie kürzlich unser Nachbarland und die
sie umgebende Region besucht hat, haben wir den Bericht darüber dieser Ausgabe der AM beigegeben. Außerdem informieren wir über das Rhetorikseminar in
Göttingen. Die beiden Verfasser des Artikels empfehlen mit Nachdruck dieses Seminar und fordern ihre Kommilitonen auf, von diesem nützlichen Angebot Gebrauch zu machen.
Die Sprachglossen von Kb Klemens Weilandt erfreuen sich großer Beliebtheit. Diesmal erzählt er ein persönliches Erlebnis. Mit der Pflege der Sprache beschäftigen
wir uns schon länger. Inzwischen ziehen andere Zeitschriften nach. Die „Zeit“ vom
26. Juli 2007 gibt in ihrem Feuilleton einen „Schadensbericht“ und widmet der
„verkauften“ deutschen Sprache, die zum Sanierungsfall geworden ist, drei Seiten.
Wir werden in unserer Verbandszeitschrift weiterhin zu einem „bewussten Sprachgebrauch“ (Dieter E. Zimmer) anraten und Unsinnigkeiten aufspießen.
Aus den zahlreichen Leserbriefen, die bei der Redaktion eingegangen sind, haben
wir dieses Mal zwei ausgewählt, die sich mit dem Titelthema unserer Mai-Ausgabe
befassen, in der Kb Peter Querling fragte, ob der KV ein „Marketing“ braucht. Die
Diskussion darüber haben wir schon vor einem Jahrs entfacht, als wir den KV als
Produkt darstellten. Dieser Begriff hat inzwischen schon in der Theologie als „heiliges Produkt“ (A. Halbmayr) Fuß gefasst.
Ferner sei auf den Beitrag von Kb Siegfried Koß verwiesen, der darauf aufmerksam macht, dass der renommierte „deutsche Diplomingenieur“ bald der Vergangenheit angehört. Er sieht die Gefahr eines GAMs, eines Größten Anzunehmenden
Murkses, auf uns zukommen.
Schließlich hielten wir es für geboten, darauf aufmerksam zu machen, wie unserem Kartellbruder, Papst Benedikt XVI., Geschichten „angehangen werden“, mit
denen er nichts zu tun hat. Mag die eine oder andere Anekdote noch harmlos sein,
so grenzt es an Ehrabschneidung, wenn ihm jetzt eine Mitgliedschaft in der NSDAP
unterstellt wird.
Über ein angeregtes Leserecho würde sich besonders freuen
Euer
EDITORIAL
AUS DEM INHALT
TITELTHEMA
Der KV und seine Luxemburger 180
GEISTLICHES WORT
Geht die Saat auf?
185
Uta Heinrich
186
Hauptstadtseminar Berlin
Würzburger KV-Tage
Bericht Luxemburg Seminar
Das treffsichere Wort
Würzburger KV-Tage
206
206
195
196
197
Von Papageien und anderen
Tauchern
198
Hansjörg Häfele
Wilhelm Mette
Adolf Düppengießer
Albrecht Frank
Paul Raming
191
193
193
194
192
DAS INTERVIEW
KV-AKADEMIE
GLOSSE
ZUR PERSON
AUS DEM KV
Grotenburg-Lusatia im
Heiligen Land
Carl Sonnenschein Preis
Generationswechsel bei Arnulf
Keine Veränderung bei der
En-Bloc-Zahlung
ÜBER DEN KV HINAUS
Christliches Bekenntnis zu
Europa
KV-SEKRETARIAT
FORUM
Leserbrief Norbert Nolde
Leserbrief Peter Goßner
Er kann sich nicht wehren
Was kommt, wenn der
Diplomingenieur geht?
188
192
197
197
184
184
200
202
202
204
IMPRESSUM
Akademische Monatsblätter
Herausgeber: Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV).
V.i.S.d.P: Dr. Wolfgang Löhr, c/o KV-Sekretariat.
Kommissionsvertrag: Verband alter KVer e.V., KV-Sekretariat, Postfach 20 01 31, 45757 Marl, Hülsstr. 23, 45772 Marl, Telefon (02365) 5729020, Telefax (02365) 5729051,
am@kartellverband.de.
Anzeigenverwaltung: KV-Sekretariat, Anschrift wie oben. Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 18.
Druck: Bonifatius GmbH, Druck Buch Verlag, Paderborn.
Die AM werden im Rahmen der Verbandszugehörigkeit allen Kartellangehörigen ohne besondere Bezugsgebühr geliefert.
Redaktion: Dr. Wolfgang Löhr (v.i.S.d.P), Timo Hirte, Siegfried Koß, Michael Kotulla, Klaus Gierse, Hans-Joachim Leciejewski, Reinhard Nixdorf, Harald Stollmeier.
Koordination: KV-Sekretariat.
Die Akademischen Monatsblätter erscheinen zehnmal im Jahr. Es wird gebeten Manuskripte an die oben genannte E-Mail-Adresse zu senden. Die Redaktion setzt das Einverständnis
zu etwaigen Kürzungen und redaktionellen Änderungen voraus. Die mit Namen versehenen Beiträge geben die Meinung des Verfassers und nicht unbedingt die der Redaktion wieder.
Die Beiträge sind grundsätzlich in ehrenamtlicher Mitarbeit geschrieben. Der Abdruck ist nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Hinweis nach § 4 Abs. 3 PD-SVD.
Gegen das übliche Verfahren der Anschriften-Weitergabe durch die Deutsche Post AG kann der Zeitschriftenempfänger jederzeit Widerspruch beim KV-Sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 Marl, einlegen.
ISSN 0002-3000
Internet-Adresse: www.kartellverband.de / am@kartellverband.de / Ausgabe: 08/2007: Auslieferung: 19. Oktober 2007
179 AM
Der KV und seine
Luxem
TITELTHEMA
Wolfgang Löhr
Zwei
Zwei luxemburgische
luxemburgische Premierminister
Premierminister waren
waren KVer
KVer
Es gehört zum Grundwissen der KVer, dass aus den Reihen ihres Verban-
des ein Papst, zwei Reichskanzler, zwei Bundeskanzler, elf Ministerpräsidenten,
zahlreiche
Kardinäle,
Bischöfe,
Minister,
Staatssekretäre,
Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister, neben vielen Gelehrten und
bekannten Akademikern etc. etc. hervorgegangen sind. Völlig unbekannt
war bisher, dass in diese Auflistung der Politiker ebenfalls zwei luxem-
burgische Premierminister, die in schwierigsten Zeiten an der Spitze der
Regierung standen, gehören. Überhaupt ist fast unbeachtet geblieben,
dass eine Anzahl Luxemburger KVer gewesen sind, und wir auch heute
noch Luxemburger zu den Unsrigen zählen.
Ebenso wie D. M. Nepper wurde Victor Ferrant (1856-1942)
von der luxemburgischen Regierung nach Bonn an die Landwirtschaftliche Akademie geschickt, wo er, vielleicht von seinem Landsmann Nepper gekeilt, Anschluss an die
Rheno-Borussia fand. Er blieb ihr Mitglied, auch als er in seiner Heimat Karriere machte. Von Haus aus war er Müller. Durch
einen Unfall musste er diesen Beruf aufgeben. Daraufhin trat
er 1890 in den Service Agricole ein, den er von 1902 bis 1940
leitete. Seit 1887 war er ferner Konservator der naturwissenschaftlichen Sektion des Großherzoglichen Instituts und ab
1910 Konservator des späteren naturhistorischen Museums in
Luxemburg, dessen Gründungsvater er ist. Obgleich Autodidakt, hat er dieser Institution mit Hartnäckigkeit, Idealismus
und Leidenschaft ein internationales Ansehen verschafft. Sein
besonderes Interesse galt der Vogelwelt. Allein 18 Tiere sind in
der Zoologie nach ihm benannt. Nach seiner Pensionierung
blieb er in Diensten des Museums als conservateur honoraire
bis zu seinem Tod 1942.
Als weiterer Luxemburger sei Camille Wampach (18841958) vorgestellt:
Bis 1920 erscheint er im KV-Jahrbuch, damals als „Privatgelehrter“ in Koblenz, wo er wahrscheinlich im Staatsarchiv
forschte. Mit seinem achtbändigen „Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien bis zur
burgundischen Zeit“, das von 1935 bis 1951 erschien, hat
AM 180
Quelle: wikipedia (c) F. Hein
Nur ein
Luxemburger im
Biographischen
Lexikon
In unserem Biographischen Lexikon ist nur ein luxemburgischer KVer vermerkt: Dominique-Marie Nepper (1866-1916).
Die luxemburgische Regierung hatte ihn, einen jungen Kaplan,
1895 nach Bonn zum Studium der Agrarwissenschaft geschickt, wo er Mitglied der Arminia wurde. Ein Jahr später
gründete er mit einigen Studenten an der Landwirtschaftlichen
Akademie in Bonn-Poppelsdorf die Rheno-Borussia. Bis zu seinem Tod hat er diese Korporation als sein „geistiges Kind“, wie
es im Semesterbericht von 1916 heißt, betrachtet.
In Schengen/Luxemburg erinnern dre
mburger
TITELTHEMA
drei Stelen an das Schengener Abkommen von 1985 mit dem Wegfall der innereuropäischen Grenzkontrollen.
181 AM
Quelle: wikipedia (c) Vincent de Groot
TITELTHEMA
Luxemburg ist ein Land der Burgen und Schlösser. Hier das Schloss Vianden.
er sich hohes Ansehen verschafft. Es ist heute noch für
die frühe Zeit des Klosters
Echternach von großer Bedeutung. Außerdem hat er
1953 ein Buch über den angelsächsischen Missionar Willibrord herausgebracht, der
697/98 Echternach gegründet
hat.
Camille Wampach hatte 1908
die Priesterweihe empfangen,
wurde dann zunächst Präfekt
am Echternacher Collège, ehe
Camille Wampach
er 1909 zum Studium nach
(1884-1958)
Berlin ging, wo er der Askania
beitrat. 1916 wurde er an der
heutigen Humboldtuniversität mit einer Arbeit über die
Grundherrschaft des Klosters Echternach zum Dr. phil.
promoviert. 1921 kehrte er nach Luxemburg zurück und
übernahm eine Pfarrstelle. 1931 wurde er Lehrbeauftragter an der Universität Bonn und erhielt 1935 den Professorentitel. Als er sich weigerte, den 1935 gestifteten
Joseph von Görres-Preis, der ein Instrument nationalsozialistischer Kulturpolitik war, anzunehmen, wurde 1942
sein Lehrauftrag widerrufen und ihm der Professorentitel
abgesprochen. Seit 1946 war er wieder Mitglied des
Lehrkörpers der Bonner Universität und zugleich Direktor
des Luxemburger Staatsarchivs. Zu seinem 70. Geburtstag ist ihm ein Band der Rheinischen Vierteljahrsblätter,
dem Organ des Instituts für rheinische Geschichtskunde
in Bonn, als Festschrift gewidmet worden. Vier Jahre später ist er in Luxemburg gestorben. Warum er nach 1920
die Askania verlassen hat, ist bisher nicht bekannt.
AM 182
Quelle der Portraitbilder: Nationalarchiv Luxemburg
Von den beiden luxemburgischen Premierministern,
die KVer waren, hat Hubert Loutsch (1878-1946) nur
knapp drei Monate die Regierung geführt. Er gehörte der
Carolingia in Aachen an. Am 3. November 1915 ernannte
ihn Großherzogin Marie Adelheid zum Chef einer konservativen Regierung, die sich nicht auf eine Mehrheit der
Abgeordneten stützen konnte. In der Abgeordnetenkammer war die Linke in der Überzahl. Die von der Regierung
wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage verfolgte
Rationierungspolitik war höchst unpopulär. Die Großherzogin schrieb Neuwahlen aus, aus der die Linke zwar geschwächt hervorging, aber
immer noch stärkste Formation mit 27 von 52 Sitzen
blieb. Am 11. Januar 1916
verlor die Regierung ein Vertrauensvotum, woraufhin Hubert
Loutsch
zurücktrat.
Luxemburg war im Ersten
Weltkrieg zwar neutral, aber
von deutschen Truppen widerrechtlich besetzt. Das
Land war damals über seine
politische Zukunft tief gespalten. „Bei der darbenden Arbeiterschaft“, stellte Michael
Hubert Loutsch
Erbe fest (Belgien - Nieder(1878-1946)
lande - Luxemburg, Stuttgart
1993) seien die vermeintlich
„im Überfluss lebenden Bauern, die für schwarz eingekaufte Lebensmittel fast jeden Preis“ hätten fordern können, geradezu gehasst worden. Der Großherzogin Marie
Adelheid warf man nach dem Krieg eine prodeutsche Hal-
TITELTHEMA
tung vor. Sie hatte gezwungenermaßen Kaiser Wilhelm
II. empfangen, als von August bis September 1914 in Luxemburg das deutsche Hauptquartier eingerichtet worden war. Hubert Loutsch wurde 1920 Präsident der
Versicherungsgesellschaft „La
Luxembourgeoise“. Von 1925
bis 1934 war er Mitglied der
Abgeordnetenkammer für die
„Union nationale indépendante“. Er starb 1946 in Brüssel. Im letzten KV-Verzeichnis
vor der Auflösung des Verbands aus dem Jahr 1931 ist
er noch verzeichnet.
Abschließend bleibt zu fragen, warum so manche
Luxemburger in einen deutschen Korporationsverband
eintraten. Die Antwort ist einfach: Luxemburg hatte keine
eigene Universität, deshalb war man veranlasst, im
Quelle: wikipedia (c) Jean-Noel Lafargue
Sehr viel länger als Hubert Loutsch stand Emile Reuter (1874-1973) an der
Spitze der luxemburgischen
Emile Reuter
Regierung. Er hatte von 1894
(1874-1973)
bis 1898 Jura studiert und
war in Straßburg der Frankonia beigetreten. 1911 wurde er zum ersten Mal in die Abgeordnetenkammer gewählt und gehörte drei Jahre
später zu den Gründungsmitgliedern der Rechtspartei,
der auch Hubert Loutsch angehört hatte. Am 28. September 1918 wurde er Premierminister und versah außerdem die Ministerien für Äußeres und Inneres.
Während seiner Regierungszeit kam es zur Staatskrise:
Ein Komitee aus Liberalen und Sozialisten rief die Republik aus. Ein Volksaufstand in der Hauptstadt schlug am
9./10. Januar 1919 fehl, da die Alliierten das großherzogliche Palais schützten. Am 15. Januar trat Großherzo-
gin Marie Adelheid zu Gunsten ihrer Schwester Charlotte
(1919-1964) zurück. In dem vom Premierminister Reuter
anberaumten Referendum vom 28. September 1919
stimmten 77,8 % der Wahlberechtigten für den Erhalt der
Monarchie. Das war ein großer politischer Erfolg für Reuter. Der gewünschte wirtschaftliche Anschluss an Frankreich kam nicht zustande. 1922 schloss Luxemburg eine
Zollunion mit Belgien. Während der Regierung Emile Reuters wurde ferner das Frauenwahlrecht eingeführt, die
Rechte der Monarchie beschnitten und die Unabhängigkeit des Landes in die Verfassung geschrieben. 1925 trat
Emile Reuter, der zu den bedeutenden luxemburgischen
Staatsmännern gehört, zurück. Sein Wunsch, zwei Eisenbahngesellschaften unter belgischer Führung zusammenzufassen, war abgelehnt worden. Danach nahm er das
Amt des Präsidenten der luxemburgischen Abgeordnetenkammer bis zur deutschen Besetzung während des
Zweiten Weltkriegs und erneut nach der Befreiung wahr.
1944 gehörte er zu den Mitgründern der Christlichen
Volkspartei. 1957 ging er als Botschafter seines Heimatlandes an den Hl. Stuhl. 1973 ist er hochbetagt in Luxemburg gestorben. Während er noch im letzten
KV-Jahrbuch vor der NS-Zeit aufgeführt worden ist, erscheint er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr im KVMitgliederverzeichnis. Der Kontakt war wohl durch den
Krieg und die Einverleibung Luxemburgs in das deutsche
Reichsgebiet am 1. August 1940 für immer zerstört worden.
Das Fort Thüngen ist ein Teil der Befestigungsanlagen der Stadt Luxemburg.
183 AM
ÜBER DEN KV HINAUS
Ausland zu studieren. Seit 1969 gab es das Centre Universitaire de Luxembourg, das ein erstes Universitätsjahr
in verschiedenen Disziplinen (Recht, Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Pharmazie, Geisteswissenschaften,
Naturwissenschaften) und zwei Universitätsjahre Betriebswirtschaft und ein juristisches und pädagogisches
Postgraduiertenstudium ermöglichte. Erst 2003 ist die
Universität Luxemburg gegründet worden. Sie umfasst
zur Zeit drei Fakultäten (Sciences/Technologie/Communication/Droit‚ Economie/Finance, Lettres/Sciences Humaines/Arts/Education) und wird von über 3.000
Studenten besucht, die 116 Professoren unterrichten. Unterrichtssprachen sind Französisch und Englisch. In der
luxemburgischen Öffentlichkeit wurde über das Konzept
der Hochschule intensiv diskutiert und nach der Bedeutung der Geisteswissenschaften für die Einrichtung gefragt. Wer mehr über diese multinationale Universität
wissen möchte, sehe sich die Website www.uni.lu an. Korporationen gibt es an ihr nicht.
Christliches Bekenntnis
zu Europa
Mit einem klaren Bekenntnis zu den christlichen Fundamenten Europas endete am Sonntag, 20. Mai 2007,
die 130. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine (UV)
in Trier. In einem Appell an die damalige EU-Ratspräsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, unterstrichen die Delegierten ihre Forderung, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung aufzunehmen. Zugleich verpflichteten sich die Ortsverbände nach ihren viertägigen Beratungen, die Vertiefung und
Sicherung des christlichen Wertefundaments Europas zum Querschnittsthema der gesamten Verbandsarbeit zu machen. Als Vorbild gilt dem ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband
Deutschlands darin das Lebenswerk und Erbe des UV-Mitglieds Robert Schuman.
Als prominente Redner sprachen bei den Festveranstaltungen der
Generalversammlung der Trierer
Ortsbischof Dr. Reinhard Marx (UV,
EM d Ost) und der ehemalige luxemburgische Ministerpräsident und Präsident der EU-Kommission Dr.
Jacques Santer. „Europa ist nicht zu
verstehen ohne das Christentum“,
erklärte Bischof Marx beim Festkommers am Freitag vor rund 400 katholischen Akademikern. Der christliche
Glaube sei mehr als eine historische
Dimension. Das Christentum sei vielmehr eine „positive Vision auch für
das 21. Jahrhundert“. „Wir haben
etwas Kostbares zu sagen“, unter-
strich Marx die Wichtigkeit der Botschaft Jesu, der „sich wirklich ganz in
den Dreck der Welt gelegt hat“. Daraus ergebe sich auch ein ganz besonderes Menschenbild. Marx warnte vor
einer „neoantiken Welle“ und einem
„primitiven Kapitalismus“, der dazu
führe, dass „Arme, Kranke und
Schwache“ mehr und mehr an den
Rand der Gesellschaft gedrängt würden. „Die Werte des Christentums
sind die, die sich auf den Menschen
beziehen“, erteilte Marx neoliberalen
Tendenzen eine Absage. Europa
müsse mehr sein, als nur Ökonomie,
es müsse eine „geistige Vorstellung
von Europa“ geben. Marx erinnerte
daran, dass Europa „im Tiefsten ein
geistiges Projekt“ sei. „Wenn wir nur
das Materielle in den Mittelpunkt stellen, ist Europa nur eine im Nirgendwo
verlaufende Spätkultur, die den Weg
des Niedergangs beschreitet“, sagte
Bischof Marx. Einer „Religion als Privatangelegenheit“ erteilte der Bischof
eine Absage. „Wir wollen niemand
unseren Glauben aufzwingen“, sagte
Marx, „aber wir sagen ‚Nein’ zu
einem weltanschaulich indifferenten
Land“. Die Christen in Europa rief der
Trierer Bischof auf, sich im europäischen Einigungsprozess zu engagieren.
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AM 184
<<
Geht die Saat auf?
GEISTLICHES WORT
<<
In jener Zeit sprach Jesus:
Mit dem Reich Gottes ist es so,
wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst,
und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
zuerst den Halm,
dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist,
legt er die Sichel an;
denn die Zeit der Ernte ist da.
(Markus 4,26-29)
Ein Gleichnis gegen alle Religionsund Glaubensdidaktik? Der Samen
der Gottesherrschaft: Er wird gesät,
und der Sämann kann sich beruhigt
schlafen legen – die Saat geht von allein auf.
Wer einen Garten besitzt oder in der
Landwirtschaft tätig ist, kennt dieses
Wunder. Es lohnt sich, es noch einmal
ins Bewusstsein zu rufen:
Das Samenkorn, klein und unscheinbar, wird in die dunkle Erde gelegt. Damit scheint alles getan. Wie
durch ein Wunder, wie durch eine unsichtbare Kraft entwickelt das Samenkorn seine Dynamik. Unter dem
Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit
bricht die Schale des Korns auf. Ein
Trieb bildet sich, der ganz von allein
den Weg zum Licht antritt. … Der
junge Trieb durchbricht die Erde und
kommt ans Tageslicht. Das erste Mal
wird er für die Augen sichtbar. Noch
zart, ist er biegsam und kann sich
dem Wind ergeben. … Doch von Tag
zu Tag wird er stärker, härter, und widersteht mit seinem hölzernen Stängel dem Wind. … Mit Zunahme der
Größe bildet sich die Ähre und in der
Ähre die Frucht, die Getreidekörner.
Die Zeit der Ernte ist da und die
Pflanze bringt reiche Frucht, die wiederum zum Segen werden kann. –
Welch ein Wunder!
Der Gärtner weiß: Das Wachsen
kann er nicht bewirken. „Gott aber
lässt wachsen“, wie auch Paulus sagt
(vgl. 1 Korinther
3,6). Das ist das
Geheimnis der Gottesherrschaft,
die
Jesus verkündet: Ihr
Kommen, ihr Wirken ist nicht von unserem Tun abhängig. Der Sämann
kann sich beruhigt schlafen legen. Ist
damit all unserem vielfältigen Tun in
Verkündigung,
Religionsunterricht
und Katechese eine Absage erteilt?
Zumindest wird unser Tun relativiert. Denn warum ist dann in unserem Land so wenig an Früchten der
Gottesherrschaft wahrzunehmen?
Der Gärtner weiß auch: Damit die
Saat aufgeht, braucht es den richtigen Boden und das richtige Klima.
Nicht alles wächst überall gleich gut.
Nicht alles wächst zu jeder Zeit gleich
gut. Vielleicht ist es mit dem Glauben
genauso. Vielleicht ist das Klima in
unserem Land nicht derart, dass die
Saat der Gottesherrschaft aufgehen
kann.
Gesät wird ständig und überall. Nachdem Gott selbst in Jesus Christus zu
säen begonnen hat, tun es heute
seine Zeuginnen und Zeugen allerorten: in Schule und Gemeinde, in Jugendarbeit
und
Medien.
Aber
vielleicht fehlt es da und dort an der
richtigen Pflege, dass der kleine
Trieb, der soeben die Erde durchbrochen hat, gleich wieder vertrocknet
(wie zum Beispiel nach der Erstkommunion). Vielleicht ist der Wind zu
stark, dass sich der Glaube im Ju-
gendalter nicht durchsetzen und weiter wachsen kann. Möglicherweise
aber auch verschläft der Sämann
den Zeitpunkt der Ernte und das
Korn kann seine Kraft nicht entfalten und an andere weitergeben.
Letztlich wissen wir
nicht, wie der Glaube
sich im Einzelnen
entfaltet,
„der
Mann weiß nicht
wie“, trotz aller
Religionspädagogik und Religionspsychologie. Wir wissen
um förderliche klimatische Bedingungen – nicht mehr,
aber auch nicht weniger. Unsere Aufgabe als
Glaubende oder mit der Verkündigung Beauftragte kann nur sein, ein
Klima zu schaffen, in dem Glaube
wachsen und reifen kann. Wir brauchen Orte mit einer Atmosphäre, in
der Gott sein Werk verrichten kann.
Unsere Kartellvereine können solche
Orte sein. Unsere Familien, unsere
Gemeinden, unsere Arbeitsorte können solche Orte sein.
Seht selbst, wo ihr überall säen und
pflegen könnt!
Kb Patrik C. Höring (Arm)
185 AM
DAS INTERVIEW
Die Industriestadt
Marl,Mar
Sit
Die Industriestadt
AM: Frau Bürgermeisterin,
seit einigen Monaten befindet
sich das KV-Sekretariat im
Zentrum Ihrer Stadt. Viele
unserer Mitglieder kennen
Marl nicht, werden das Sekretariat aber zunehmend für
Veranstaltungen nutzen. Bitte
charakterisieren Sie für uns
kurz Ihre Stadt.
Uta Heinrich,
Bürgermeisterin der Stadt Marl.
Geboren am 7. August 1951 in Erlangen
1973-1979
Studium der Rechtswissenschaften
an der Georg-August-Universität in
Göttingen
Referendarausbildung
1979
1980
6 Monate Amtsgericht Bielefeld
3 Monate Staatsanwaltschaft Bielefeld
6 Monate Oberkreisdirektor Reckling-
hausen
6 Monate bei Rechtsanwälten in Marl
3 Monate Berufszivilkammer beim
1982-1983
Prüfungen
1970
1972
Landgericht Essen
6 Monate 16. Zivilkammer beim Land-
gericht Essen
College-Preparatory-Diploma der Kimball-High-School in Royal-Oak,
Michigan, USA
Reifeprüfung im mathemathischen-
naturwissenschaftlichen Zweig des
Elsa-Brandström-Gymnasiums
1979
1984
Hannover
1. Juristische Staatsprüfung beim
Landesjustizprüfungsamt Hannover
2. Juristische Staatsprüfung beim
Landesjustizprüfungsamt Düsseldorf
Beruflicher Werdegang
1984-1989
1990-1998
Tätigkeit als Rechtsanwälting, zugelas-
sen am Amtsgericht in Marl und Landgericht Essen
Geschäftsführerin des Einzelhandels-
verbandes Westfalen West und des Ver-
eins zur Förderung der Gladbecker
Wirtschaft
seit 1. Oktober 1999
AM 186
Hauptamtliche Bürgermeiste-
rin der Stadt Marl
Uta Heinrich: Marl ist
eine Industriestadt im Grünen mit einer in seiner Geschichte bemerkenswerten
Einwohnerentwicklung. 1900
hatte Marl 4000 Einwohner.
Die Zeche Auguste-Victoria brachte
einen starken Bevölkerungszuzug,
besonders aus Osteuropa. 1936 erhielt Marl die Stadtrechte und hatte
bereits 40 000 Einwohner. Die chemische Industrie, die sich hier ansiedelte, ließ die Bevölkerung nochmals
steigen; heute leben in Marl über
90 000 Menschen. Marl war auf
Grund der industriellen Entwicklung
traditionell eine reiche Stadt und
konnte sich eine hervorragende Infrastruktur leisten. Wir haben beispielsweise als erste Stadt nach dem
Krieg ein neues Theater gebaut. Als
kultureller Glanzpunkt ist der AdolfGrimme-Preis zu nennen, der vom
Deutschen Volkshochschulverband
seit 1964 in Marl vergeben wird.
AM: Welche Stärken hat Marl und wo
sehen Sie Probleme?
Uta Heinrich: Marl ist eine Einpendlerstadt; dies ist zweifelsohne
unsere Stärke. Täglich kommen
16 000 Menschen in unsere Stadt,
um hier zu arbeiten. Unser Chemiepark, die Zeche Auguste-Victoria und
unsere vielen mittelständischen Betriebe stellen ca. 30 000 Arbeitsplätze zu Verfügung. Wir werden
weitere Industrieflächen ausweisen,
um diesen Trend zu verstärken. Als
Problem sehe ich, dass in der Vergangenheit über unsere Verhältnisse
gelebt wurde, so dass wir heute trotz
der guten Wirtschaftsentwicklung unseren Haushalt nicht ausgleichen
können. Insbesondere die beiden
großen Fraktionen im Rat haben die
Quelle der Hintergrundbilder: Wikipedia
notwendigen mutigen Entscheidungen nicht getroffen. Ich werde alles
tun, um mit dem Berater des Regierungspräsidenten das Steuer herumzureißen. Dies wird aber nicht zum
Stillstand führen, sodass dringende
Investitionen laufen werden, zum
Beispiel auf dem Sektor der Schulenund Ganztagskindergärten.
AM: Gibt es Konzepte der Stadtentwicklung, um die Arbeitslosenquote
zu senken und die Jugend in der
Stadt zuhalten?
Uta Heinrich: Trotz unserer
guten Wirtschaftsdaten haben wir
eine zwölfprozentige Arbeitslosigkeit.
Dies hat seinen Grund in unserer Bevölkerungsstruktur. Trotz der vorhandenen Arbeitsplätze haben viele
Menschen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch versuchen wir,
insbesondere den jungen Menschen
eine Chance zu geben.
AM: Das Ruhrgebiet weist erhebliche
Strukturveränderungen auf. Wie hat
sich das hier in Marl ausgewirkt?
Uta Heinrich: Der Strukturwandel hat bisher Marl direkt noch nicht
getroffen: Wir haben noch eine Zeche
mit 4000 und einen Chemiepark mit
10 000 Arbeitsplätzen. Aber wir leben
in einem eng verwobenen Raum.
Wenn zum Beispiel in Gelsenkirchen
eine Zeche geschlossen wird, hat das
Auswirkungen auf die Zuliefererbetriebe hier und auf unsere Kaufkraft
und die Anzahl der Arbeitsplätze in
Marl.
AM: Wer das Ruhrgebiet durchreist,
merkt es oft gar nicht, wenn er die
verschiedenen Stadtgrenzen überschreitet. Wo Kommunen so nah beieinanderliegen, gibt es dort auch eine
interkommunale
Zusammenarbeit
und wenn ja, auf welchen Gebieten?
Uta Heinrich: Die Wirtschaftförderung ist mit dem Kreis, seinen Gemeinden und der Emscher-LippeAgentur der große Bereich interkommunaler Zusammenarbeit. Wir unterstützen uns gegenseitig bei einzelnen
Leitprojekten, zum Beispiel unter-
DAS INTERVIEW
Sitz
des KV-Sekretariats
arl, Sitz
des KV-Sekretariats
stützen wir Gelsenkirchen im Energiesektor und Gelsenkirchen uns im
Chemiebereich.
AM: Selbst wenn das Kirchturmsdenken nicht mehr so sehr ausgeprägt ist, wo muss es Ihrer Meinung
nach eigene kommunale Bereiche
geben? Wo liegen die Konkurrenzen
der einzelnen Städte?
Uta Heinrich: Die kommunale
Selbstverwaltung, zum Beispiel im
kulturellen und sozialen Bereich,
darf nicht aufgegeben werden. Ich
halte von der immer wieder ins Gespräch gebrachten Ruhrmetropole
gar nichts. Marl wäre trotz der vergleichsweise guten Finanzkraft und
der vielen Arbeitsplätze eindeutig
der Verlierer.
AM: Das über Jahrzehnte rot gefärbte Ruhrgebiet ist seit den letzten beiden Kommunalwahlen unterschiedlich, aber dennoch politisch
aufgemischt. Sie selbst kommen
meines Wissens aus der CDU, wurden bei der letzten Kommunalwahl
aber als unabhängige Kandidatin
gewählt. Wie ist es dazu gekommen?
Uta Heinrich: Ich bin seinerzeit
vom Vorsitzenden der CDU gebeten
worden, zu kandidieren, was ich zunächst ausschloss. Letztlich war ich
dann doch bereit und habe einen
sehr aktiven Wahlkampf gegen den
damaligen Bürgermeister der SPD
geführt. 1999 wurde die CDU stärkste Fraktion und ich Bürgermeisterin. Sehr bald musste ich feststellen, dass meine Partei der Bürgermeisterin in wichtigen kommunalpolitischen Feldern nicht folgte.
Ich wurde aus der CDU ausgeschlossen und mache seitdem als
Unabhängige weiter.
AM: Kommen Sie als unabhängige
Bürgermeisterin mit den Mehrheitsverhältnissen im Rat besser klar, als
wenn Sie einer der im Rat vertretenen Parteien angehörten?
Uta Heinrich: Wenn sich die
Parteien an Sachpolitik orientieren
und mit der Bürgermeisterin Mehrheiten suchen würden, wäre das
ideal. In diesem Umfeld wäre meine
Position als Unabhängige stärker.
AM: NRW hat vor einigen Jahren
die Direktwahl der Bürgermeister
gesetzlich festgelegt. Hat sich diese
Reform Ihrer Meinung nach bewährt?
Uta Heinrich: Meiner Meinung
nach hat sich das Modell bewährt.
Vorher saß der Stadtdirektor ausschließlich in der Verwaltung und
der ehrenamtliche Bürgermeister
hatte nur repräsentative Aufgaben.
Der Bürgermeister nach der neuen
Gemeindeordnung ist draußen bei
den Menschen und erfährt deren
Probleme. Die Lösung der Probleme
ist über die gestärkte Position des
Bürgermeisters eher zu erreichen.
AM: Ich hatte schon anfangs erwähnt, dass wir, insbesondere für
unsere studentischen Mitglieder, in
unserem Sekretariat Seminare
durchführen wollen. Junge Menschen, und nicht nur die, wollen sich
nach der Arbeit ein wenig entspannen. Was bietet Marl auf diesem
Sektor?
Uta Heinrich: Sorry, Marl ist
keine Studentenstadt und hat deshalb auch nicht die gewünschte studentische Infrastruktur. Doch was
ich vorhin zur Zusammenarbeit bei
der Wirtschaftsförderung sagte, gilt
hier in des Wortes eigentlicher Bedeutung. Um uns herum gibt es genügend interessante Angebote.
AM: Eine persönliche Frage zum
Schluss. Macht Ihnen das Bürgermeisterinnenamt
immer
noch
Freude und werden Sie sich bei der
nächsten Kommunalwahl noch einmal um dieses Amt bewerben?
Uta Heinrich: Eindeutig zu beiden Fragen ja.
Frau Bürgermeisterin Heinrich, ich
bedanke mich sehr für dieses offene
Gespräch und wünsche Ihnen für
Ihre vielfältigen Aufgaben ein herzliches Glück Auf.
Das Interview führte Michael Kotulla.
Kb Michael Kotulla im Gespräch mit Uta Heinrich.
187 AM
Sie wird uns unverges
AUS DEM KV
Israel-Pilgerfahrt der Grotenburg-Lusat
Tel Aviv, Nazareth, 20. Januar 2007
Mit unserem Pilgerführer und Bundesbruder Robert Jauch geht es von
Tel Aviv aus über Jaffa, wo wir kurz
die Kirche St. Peter des dortigen
Franziskanerklosters
besichtigen,
nach Tiberias. Den Abend verbringen
wir bei St. Peters-Fisch, auch Tilapia
genannt, und Maccabee Bier direkt
am See.
Nazareth, 21. Januar 2007
Am nächsten Morgen gehen wir zur
Pfarrkirche von Kana, dem Ort des
Wunders der Weinverwandlung. Dort
halten wir eine kurze Morgenandacht.
Danach fahren wir nach Nazareth, wo
wir unseren Gottesdienst bei den
In der Verkündigungsgrotte.
AM 188
Kleinen Brüdern Jesu feiern.
Der Weg führt uns hinauf in die „Salvatorian Sisters’ School“, wo uns die
Salvatorianerschwestern zu Kaffee
und Kuchen einladen; nach dem kargen Frühstück in der Casa Tiberias
für alle eine echte Wohltat. Die
Schwestern berichten von den
schwierigen Verhältnissen für die
Christen im Land: Einerseits ist in
den letzten Jahren der Anteil der
Christen in Israel auf wenige Prozent
zurückgegangen und andererseits
haben junge Christen ohne eine exzellente Schulbildung kaum Möglichkeiten, sich eine erfolgreiche Existenz
aufzubauen.
Die Besichtigung der Verkündigungskirche mit der Verkündigungsgrotte
rundet das Programm in Nazareth ab.
Dieser Ort erinnert an das Gespräch
Mariens mit dem Engel, der ihr mitteilt, dass sie den Sohn Gottes gebären wird. In der Verkündigungsgrotte
ist das Wort aus dem Prolog des Johannesevangeliums »Verbum caro
factum est« (1,14) bezeichnenderweise mit »Verbum caro hic factum
est (Das Wort ist hier Fleisch geworden)« wiedergegeben.
Die Rückfahrt führt uns an eine der
beiden Stellen am Jordan, die als
Taufort Jesu ausgewiesen werden.
Zusammen mit unseren Bundesbrüdern Robert und Maximilian erneuern
wir unser Taufversprechen: »Jeder
gläubige Empfang eines Sakraments
ist die Erneuerung des Taufversprechens«, sagt P. Robert. Und P. Maximilian fügt hinzu: „Taufen kann jeder,
wenn die Absicht der Aufnahme in die
Schar der Gläubigen vorhanden ist,
und dies ’im Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes’
geschieht.“
Akko, Haifa, 22. Januar 2007
Am nächsten Morgen geht es nach
Messe in St. John.
essen bleiben
AUS DEM KV
atia in das Heilige Land
Akko, der Kreuzfahrerstadt. Sie diente viele
Jahrzehnte als Brückenkopf der Ritter im Heiligen
Land. Die Spuren dieser
Zeit sind auch heute noch
unschwer an den gigantischen
Festungsanlagen
und Kreuzfahrerhallen zu
erkennen.
Wir beginnen den Tag mit
einer Messe in der kleinen
Kirche St. John aus dem
17. Jahrhundert. Sie ist im
Kreuzfahrerstil an der
Stelle eines älteren Kirchenbaus errichtet.
Der Weg führt weiter
durch die eindrucksvolle
Karawanserei. Danach besichtigen wir die Franziskanerschule im islamisch geprägten
Akko. Wir schlendern durch den
Bazar, kosten Granatapfelsaft bei
einem Kölner Muslim und verpflegen
uns mit köstlichem Falafel. Wir werfen einen Blick in die Al-JazzarMoschee, bevor es weiter geht zur
gigantischen Templer-Festung. Das
Programm des heutigen Tages wird
durch einen Besuch der modernen
Hafenstadt Haifa abgerundet.
See Genezareth, Jordantal, 23. Januar 2007
Der vierte Tag führt uns rings um den
See Genezareth an den Stationen
Jesu vorbei in Richtung Jerusalem.
„Ufokirche“ über dem Haus des
Simon Petrus.
Zuerst gehen wir den Berg der Seligpreisungen hinauf. Die dortige Kirche
wurde erstaunlicherweise von Mussolini erbaut. Robert erklärt uns: „Natürlich kann man immer kritisch
fragen, ob Jesus genau hier war und
die Wunder vollbracht hat. Aber
darum geht es nicht. Wichtig ist nicht
diese exakte Sicherheit, sondern der
eigene Glaube und das Wissen, nahe
an Jesu Wegen dran zu sein.“ Nicht
weit entfernt steht in Tabgha die
Brotvermehrungskirche der Benediktiner und gleich um die Ecke am Seeufer die sogenannte Primatskapelle.
Unter freiem Himmel unweit des
Ufers feiern wir einen unvergesslichen Gottesdienst.
<<An den
>>
Wirkungsstätten Jesu
Der Weg führt uns weiter zur Wirkungsstätte Jesu, hinein nach Kafarnaum, seiner Lieblingsstadt. Hier
schwebt eine „Ufokirche“ über dem
Haus des Simon Petrus. In der Synagoge aus dem 3. oder 4. Jahrhundert hören wir noch eine Lesung,
bevor uns der Bus in Richtung syrische Grenze in den Kibbuz En Gev
südlich der Golanhöhen bringt. Auf
der Weiterfahrt machen wir Station in
Jericho, einer Oase im palästinensischen Autonomiegebiet. Unser Ziel
ist das Österreichische Hospiz in Jerusalem.
Jerusalem I, Klagemauer, 24. Januar
2007
Der Mittwoch beginnt nach der Messe
im Österreichischen Hospiz mit einem
Besuch der Ecce-Homo-Gerichtsstätte, in der meist unterirdisch diverse Baudenkmäler aus römischer
Epoche zu bestaunen sind. Weiter
geht es zu den Bethesda-Teichen und
der faszinierenden Kreuzfahrerkirche
Sankt Anna. Von hier aus beginnen
wir, die Via Dolorosa zurücklaufend,
den Kreuzweg. Diesen gehen wir betend von einer Station zur nächsten.
Es ist einfach unglaublich, auf diesen
Spuren des Herrn zu wandeln, wo er
sein Kreuz trug. Ein einmaliger Weg,
der jeden von uns bis heute tief beeindruckt hat. Endstation ist die Grabeskirche. Nun geht es auf den
Zionsberg: hier fanden das letzte
Abendmahl sowie das Pfingstwunder
statt, und hier entschlief die Gottesmutter am Ort der Dormitiokirche.
Robert führt uns in den Abendmahlssaal, der datiert allerdings mit seinen
gotischen Gewölben aus der Kreuzritterzeit und ist seit dem 16. Jahrhundert in jüdischem Besitz. Der Weg
führt uns zurück durch das jüdische
Viertel zur Klagemauer, die durch das
Abendrot in eine unwirkliche Atmosphäre getaucht wird.
Der Tag schließt mit einer detailreichen Führung in der Grabeskirche
durch Robert.
Tempelberg, Totes Meer, Masada,
25. Januar 2007
Am Donnerstag fahren Maximilian
und Robert zur Gedenkstätte Yad
Vashem, andere nach Masada. Die
Straße führt uns hinunter zum Toten
Meer und an ihm entlang nach En
Gedi, einer Oase unweit des Sees.
Ein paar Kilometer weiter erhebt sich
majestätisch ein 400 Meter hoher
Plateaufelsen: Masada. Wir wandern
in der glühenden Sonne den steilen
Pfad hinauf.
Auf der Rückfahrt stoppen wir in En
Gedi am Toten Meer und genießen
Ein kühles Bad im Toten Meer.
189 AM
AUS DEM KV
An der Klagemauer.
ein herrliches Bad kurz vor Sonnenuntergang. Man kann einfach machen, was man will, Unterzugehen im
Toten Meer, ist schlicht unmöglich
Jerusalem II, Ölberg, 26. Januar
2007
Am Freitag starten wir bei herrlichem
Wetter früh den steilen Weg auf den
Ölberg hinauf. Wir halten eine Morgenandacht vor der Himmelfahrtskapelle. Nach der Besichtigung
der Vater-Unser-Kirche feiern
wir gemeinsam die hl. Messe in der
Dominus-Flevit-Kirche. Das Besondere an dieser Kirche mit der tränenförmigen
Kuppel
ist
deren
Ausrichtung nach Westen. Der Blick
geht hier aus dem Innenraum über
den Altar hinaus, hinweg über den
Tempelberg in Richtung der Grabeskirche in die Altstadt
Jerusalems.
Auf
dem Weg hinab ins
Kidrontal haben wir
Gelegenheit, einen
Blick über den jüdischen Friedhof zu
werfen.
Es geht weiter an
der russisch-orthodoxen Maria-Magdalena-Kirche vorbei
zum Garten Getsemani am Fuße des
Ölbergs. Dort faszinieren die uralten
knorrigen
Olivenbäume, unter denen Jesus zum Vater
betete: “Lass diesen Kelch an mir
vorübergehen.“ Neben der Getsemani-Grotte steigen wir hinab in die
dunkle Krypta der zerstörten Abteikirche St. Marien im Tal Josaphat.
Hier werden das Grab Mariens und
das Grab Josefs von der griechischorthodoxen und der armenischen Kirche betreut. Niemand nimmt Anstoß
daran, dass wir „Fremden“ hier ein
Lied zu Ehren Mariens anstimmen.
<<Mehrere Jahrtausende
Geschichte türmen
sich auf
>>
Die vorletzte Station führt uns zu St.
Petrus in Gallicantu. Hierhin wurde
Jesus nach seiner Gefangennahme
auf dem Ölberg zum Verhör abgeführt. Wir beten in einem der engen
Verliese unter der Krypta der Kirche
den Psalm 88. Keiner unter uns, dem
die Beklemmung nicht in die Knochen
gefahren wäre.
Bethlehem, 26. Januar 2007
Wir verlassen diese großartige Stadt
mit Wehmut. Mehrere Jahrtausende
Geschichte türmen sich hier übereinander, treten in unterschiedlichsten
Schichten und Ausprägungen zutage.
Dazwischen und über allem die drei
großen Religionen mit ihren unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen; sie geben der Stadt ihr
einzigartiges Gesicht. Dieses immerwährende Wechselspiel von Toleranz
und Ignoranz, von Miteinander und
Gegeneinander gibt es wohl an keinem anderen Ort noch einmal.
In der Geburtskirche feiern wir den
letzten gemeinsamen Gottesdienst
dieser Pilgerfahrt. Der Weg zum Flughafen führt uns zurück über den
Grenzposten; von dieser Seite unüberwindbar für jeden Palästinenser
ohne Ausnahmegenehmigung. Hier
prangt auf der Mauer die Antwort der
palästinensischen Jugend in Graffiti:
eine Arafat-Karikatur und daneben in
großen Lettern: „to exist is to resist“.
Jost Wunderlich (GroLu), Steffen Janetzko (Pr), P. Maximilian Segener
SDS (GroLu), Fotos: Jost Wunderlich
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Orientierungspunkte
Am 6. März 2007 vollendete Kb Dr. Hansjörg
Häfele (Al) sein 75. Lebensjahr. Nach dem Abitur studierte er in Tübingen Jura und trat der
Alamannia bei, deren Senior er zweimal
wurde. Er schloss Studium und Ausbildung mit
dem Zweiten juristischen Staatsexamen ab
und erwarb in Tübingen den Grad eines Dr. jur.
Danach ging er für kurze Zeit in den Staatsdienst. 1965 zog er für die CDU in den Bundestag ein. Von 1978 bis 1982 war er Finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 1982 bis 1989 versah er das
Amt eines Parlamentarischen Staatssekretärs
im Finanzministerium. 1990 schied er nach 25
Jahren parlamentarischer Arbeit aus dem Bundestag aus und ließ sich als Rechtsanwalt nieder.
Im vergangenen Jahr hielt er bei
seiner Korporation anlässlich des
135. Stiftungsfestes eine bemerkenswerte Rede, in der er Orientierungspunkte für eine zukunftsgerichtete
Politik gab. Notwendig sei vor allem
das Verlassen von Illusionen, Utopien
und Ideologien. Erforderlich sei eine
Fundamentalkorrektur, nicht bloß Reparaturen an Reformruinen oder weitere Reformhuberei. Als wichtigste
Aufgabe nannte er, die Staatsverschuldung zu beenden. Die Schulden
des Gesamtstaates seien inzwischen
auf über 1,5 Billionen Euro angewachsen. Die öffentliche Diskussion
bestehe weitgehend darin, diesen erschreckenden Krankheitsbefund zu
vernebeln. Beliebt sei die politische
Ablenkung mit „weichen“ Themen.
Etwa: Wo kann man „sozial“ noch
mehr tun? Wie kann man den Familien noch mehr helfen? Eine zukunftsgerichtete Politik müsse sich
dagegen das strenge Ziel setzen,
jahrzehntelang die Schuldenlast hartnäckig abzubauen. Damit entstehe
wieder Vertrauen in den Staat. Doch
der Staat müsse nicht nur sparen, er
habe sich auf die Setzung von guten
Rahmenbedingungen zu beschränken, ohne sich für alles und jedes auf
dieser Welt für zuständig zu halten.
Es ginge im Kern um das Problem der
Freiheit. Der Spötter Bernard Shaw,
so Kb Häfele, erkannte die Spannung: „Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit; das ist der Grund, weshalb
sich die meisten Menschen vor ihr
fürchten“. Das Versprechen des
ZUR PERSON
Hansjörg Häfele bei seiner Rede anlässlich des
135. Stiftungsfestes.
Wohlfahrtsstaates sei die Crux der
Demokratie. Deshalb hätten es
„linke“ Politiker immer leichter. Sie
seien die „Gutmenschen“.
Heute liegen nach seiner Meinung
die Erfahrungen mit dem Wohlfahrtsstaat klar zutage: das Schwinden
oder die Lähmung der Vitalität, der
Dynamik der Gesellschaft. Die schöpferische Kraft der Freiheit versiege.
Kb Häfele plädierte für eine Wiederherstellung der bürgerlicher Werte,
die „jenseits von Angebot und Nachfrage“ liegen. Selbstverständlich hätten wir „sozial“ zu sein, das heiße
gemeinschaftsbezogen. Selbstverständlich hat der Unternehmer, seiner
Meinung nach, um das Wohl seiner
Mitarbeiter besorgt zu sein. Selbstverständlich hat der Mitarbeiter seine
Leistungskraft dem Unternehmen zu
leihen, und er hat sein Unternehmen
und die Allgemeinheit nicht auszunutzen. Selbstverständlich muss sich
der Bürger vom Gemeinsinn leiten
lassen und nicht allein von gesundem
Egoismus. Eine gute Zukunft hänge
letztlich von der geistig-kulturellen
Verfasstheit unseres Volkes ab. Es
könne sein, dass die europäischen
Wohlfahrtsstaaten versänken. Die
Geschichte zeige genügend Beispiele
für den Niedergang von Kulturen und
Zivilisationen. Um mit geistigen Fehlentwicklungen fertig zu werden,
müssten wir die Erblast der 68er abtragen. Dazu gehörten die Übertreibungen der antiautoritären Erziehung
und der egozentrischen Selbstver-
wirklichung. Ihre Folgen spürten wir
täglich. Stattdessen forderte Kb Häfele die Pflege der Sekundärtugenden
Pflichtbewusstsein, Disziplin, Höflichkeit und Anstand. Abstreifen müssten
wir auch die Illusionen der „multikulturellen Gesellschaft“. Wenn wir
schon Einwanderungsland seien, so
könnten wir erwarten, dass unsere
deutschen Spielregeln eingehalten
würden. Gegenüber anderen Kulturen müssten wir bei aller Toleranz
Selbstbehauptung zeigen. Ein gesunder Patriotismus solle wieder als natürlich empfunden werden. Wir
könnten wie andere Kulturnationen
stolz auf unser Land sein.
Dann erinnerte Kb Häfele an
Georg Picht, der 1964 den „Bildungsnotstand“ verkündet habe, obgleich
unser „Duales Ausbildungssystem“,
das für die meisten bestimmend sei,
weltweit als vorbildlich gelte. Die
deutschen Universitäten, die im 19.
und Anfang des 20. Jahrhunderts in
weiten Bereichen Weltspitze und Vorbild für andere gewesen seien, seien
überreformiert. Er forderte Alamannia und den KV auf, gegen den Strom
zu schwimmen, der häufig genug die
falsche Richtung suche. Es sei attraktiv, eine Minderheit zu sein, welche
den Sauerteig für eine gute Zukunft
bilden könne.
Hubert Kotzur (Al)
191 AM
ZUR PERSON
<<Dem KV blieb er treu
<<
Kb Dr. med. Paul Raming (Blt) verstorben
Am 11. Mai 2007 starb nach längeren Beschwerden des Alters unser
Bb Paul Raming, 80 Jahre alt.
Kb Paul Raming
Aus dem behüteten Elternhaus in
Osnabrück, einem Arzthaushalt, kam
er schon vor Beendigung seiner Gymnasialzeit 1944 zur Marine und erlebte das Kriegsende im Ostseeeinsatz. Nach dem Abitur begann
Paul sein Medizinstudium in Kiel. Dort
fand er früh zum KStV Baltia und
kam bald in Chargenränge bis zum
Senior. Am Ende der vorklinischen
Jahre wechselte er nach Freiburg und
wurde in den KStV Germania-Hohentwiel aufgenommen, fand auch
dort gleich Freunde und chargierte
nach zwei Semestern Fuchsmajor.
Paul legte hervorragende Examina ab
und ging nach Staatsexamen und
Promotion zur Weiterbildung zurück
in seine Heimat an die Osnabrücker
Klinik. Als Facharzt für Innere Krankheiten praktizierte er in eigener Praxis in Bad Rothenfelde, erreichte
durch sein hervorragendes ärztliches
Können ein großes Einzugsgebiet und
war über viele Jahre zusätzlich als
Chefarzt einer Reha-Klinik im Ort
tätig.
1955 heiratete er seine Jugendliebe Lydia Nollmann aus Bad Rothenfelde. Aus der Ehe gingen fünf
Kinder hervor. Leider war die erste
Tochter behindert. Auch das dritte
Kind, eine Tochter, erkrankte im
Kleinkindesalter und bedurfte bis
zum Tod im Alter von 19 Jahren der
Dauerpflege. Die Eltern kümmerten
sich intensiv um diese Kinder. Paul
fand neben seiner ärztlichen Tätigkeit
eine neue Aufgabe und schuf den
Verein für heilpädagogische Hilfe Bad
Rothenfelde e.V. Das ist ein Frühförderungszentrum am Kleinen Berg,
ein Kindergarten am Springhof und
eine Susanne-Raming-Schule, staatlich anerkannte Tages-Bildungsstätte
(www.vhph-rothenfelde.de). Bis zu
seinem Tod hielt er den Vorsitz im
Aufsichtsrat. Dank wurde ihm im Vorjahr erstattet durch die Verleihung
des Bundesverdienstkreuzes.
Dem KV blieb er treu, wenn auch
die aktiven Verbindungen zu seinen
Korporationen langsam abklangen.
A-Philister wurde er in der Baltia, Kiel
lag seiner Heimat näher als das ferne
Freiburg. Bis zum Tod aber blieb er
dem Unterzeichneten und damit auch
der Gm-Ho in Freundschaft verbunden.
Bernd Kuhnen
ZUR PERSON
<<Ein beliebter Priester und Lehrer
<<
Kb Dr. Adolf Düppengießer (Flg) ist gestorben
Nach seinem Abitur in Stolberg,
wo er 1931 geboren worden war, studierte er in Bonn Theologie, trat dem
Flamberg bei und wurde 1959 in Aachen zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren wirkte er ab 1962 als
Priester und Pädagoge in Krefeld, wo
er zu den Säulen des KV-Ortszirkels
gehörte. Er erwarb nach seinem
Theologiestudium die Lehrbefähigung
für die Fächer Religion und Deutsch.
1975 wurde er zum Studiendirektor
ernannt und arbeitete bis 1982 als
Fachleiter für katholische Religion am
Studienseminar I. in Düsseldorf unter
dem Seminarleiter Kb Oberstudiendirektor Dr. Wilhelm Schreckenberg.
1981 erschien im Druck seine Dissertation mit dem Titel „Der ‚Gründlich
geborene Heide’ . Religion, Theologie
und Kirche bei Winckelmann“. Nebenher befasste er sich auch mit der
Geschichte der Krefelder Katholiken
und der des Bistums Aachen. Bis zu
seiner Pensionierung 1991 unterrichtet er ab 1982 an der Bischöflichen
Maria - Montessori - Gesamtschule in
Krefeld. Zugleich versah er von 1986
bis 1995 das anstrengende Amt des
Krefelder Regionaldekans. Wenn er
gerufen wurde, stand er bereit, auch
nachdem seine Gesundheit immer
stärker ihren Tribut forderte. Zuletzt
war er Subsidiar an der ChristusKönig-Kirche in Krefeld-Verberg. Er
wird als ein beliebter Priester, Lehrer
und überzeugter KVer in Erinnerung
bleiben.
L.
Kb Adolf Düppengießer
Foto: Lothar Strücken
Am 19. Juni 2007 verstarb nach schwerer Krankheit in Kamp-Lintfort
Kb Dr. Adolf Düppengießer (Flg) im Alter von 76 Jahren.
<<Ein aufmerksamer Leser der AM
<<
Kb Dr. Wilhelm Mette (Nbg) gestorben
Am 4. Juli 2007 starb in Mülheim an der Ruhr ganz unerwartet Kb Wilhelm Mette im Alter von 79 Jahren.
Kb Wilhelm Mette
Er hatte in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert, wo er dem
KStV Nibelung beigetreten war. Seine
Studien beendete er mit dem Titel
Diplom-Kaufmann und promovierte
anschließend zum Dr. rer. pol. Danach wurde er Steuerberater und
Wirtschaftsprüfer. Mehr als vierzig
Jahre lang war er als Mitbegründer
der renommierten Duisburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Fasselt
- Mette & Partner“ tätig. Hauptsächlich beriet er große und mittelgroße
Unternehmen, darunter viele Familienunternehmen, und betätigte sich
als Prüfer und Berater von Unternehmen der öffentlichen Hand. Mit vielen
Mandanten stand er – auch nach seinem offiziellen Ausscheiden als Seniorpartner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – über Jahrzehnte in vertrauensvollem beruflichen wie privaten Kontakt.
Noch vor wenigen Monaten
schrieb Kb Mette an die Redaktion
der AM, die er mit Aufmerksamkeit
las, wie ihn in jungen Jahren Kb
Franz Meyers (Flg, Nbg) beeindruckt
habe. Seine Volksnähe und Unkompliziertheit hatten es ihm besonders
angetan. Er erinnerte sich an ein
staatsmännisches Referat seines
Bundesbruders in Duisburg, bei dem
der damalige Innenminister ohne
allen Personenschutz nur mit einer
Aktentasche „bewaffnet“ erschien.
Im Gedächtnis geblieben war ihm
ferner ein Besuch bei Meyers, den er
und ein anderer Bundesbruder um
eine Rede baten und zur Antwort erhielten: „Worüber soll ich sprechen?
Ein Rechtsanwalt kann über alles
reden.“
Kb Mette hinterlässt seine Frau,
vier Kinder und zwei Enkelkinder. Er
starb friedlich in dem Bewusstsein,
dass der Tod die Pforte zum ewigen
Leben ist.
W. L.
193 AM
ZUR PERSON
<<Albrecht Frank (Ale)
<<
Alemannia trauert um einen ihrer profiliertesten Alten Herren
Kb Albrecht Frank war das älteste von drei Kindern des Alemannen
und Oberstudiendirektors Wilhelm Frank und seiner Frau Franziska.
In Speyer geboren, wuchs er nacheinander auch in Edenkoben und
seit 1934 in Bamberg auf, wo er von 1935 - 1943 das Neue Gymnasium absolvierte. Nach kriegsbedingt vereinfachtem Abitur war er
Soldat von August 1943 an und wurde im Februar 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Das Studium der Altphilologie (Griechisch, Latein, Geschichte) begann Kb Frank im WS 1946/47
an der phil.-theol. Hochschule in Bamberg, setzte es 1947 - 1949 an
der Universität Erlangen fort und wechselte schließlich an die LMU
München, denn er war 1948 in die Stiftung Maximilianeum aufgenommen worden!
Kb Albrecht Frank
Im Wintersemester 1949/50 trat
er in die Alemannia ein. Kb Albrecht
Frank hatte im Februar 1947 mit
sechs anderen in Bamberg die K.St.V.
Mainfranken im KV wiederbegründet
und war dort im SS 1947 Fuchsmajor
gewesen. Im SS 1950 übernahm er
auch bei Alemannia die Chargia des
Fuchsmajors.
Im Wintersemester 1950/51, in
dem Eminenz Kardinal Michael von
Faulhaber am 14.1.1951 dem nach
den Kriegsschäden wieder instandgesetzten
Alemannenhaus
seinen
Segen gab, war Albrecht Frank Senior Alemannias, im SS 1951 und im
Wintersemester 1951/ 52 MKV-x,
schließlich 1952/53 Vorortspräsident
mit dem Vorort Alemannia. Die Akademischen Monatsblätter 66/1953
S. 17 bestätigen ihm, er habe mit imponierender Sicherheit und überlegener Umsicht den KV-Jubiläumskommers (zum hundertjährigen Bestehen
des KV) geleitet.
Inzwischen hatte Kb Frank 1951
das erste und nach seiner Referendarzeit am Wilhelmsgymnasium München das Zweite Staatsexamen für
das Lehramt an Höheren Schulen
sehr erfolgreich abgelegt. Von 1952
bis 1956 war er im Schuldienst tätig.
Danach trat er in den Auswärtigen
Dienst über. 1959 schloss er die Di-
AM 194
plomatisch-Konsularische Hauptprüfung ab. Ein Jahr vorher hatte Kb
Frank den Bund der Ehe mit Frau Brigitte, geb. Kawohl, geschlossen, aus
der die beiden Söhne Ludwig und
Wolfgang hervorgingen. Für das
junge Ehepaar begann dann 1959 die
Zeit der großen, weiten Umzüge.
<<Lange Jahre im
<<
Immer im Kontakt
>>
Auswärtigen Dienst
Als Vizekonsul wurde Albrecht
Frank zuerst an das Konsulat in
Cleveland/Ohio versetzt, von dort
wechselte er 1961 als Legationsrat
an die Botschaft in Buenos Aires mit
fünfmonatiger Abordnung an die Botschaft in Lima (1963). 1965 kehrte er
als Legationsrat und Vortragender
Legationsrat ins Auswärtige Amt zurück.
1965-1967 war er Beauftragter
für gesellschaftspolitische Bildung im
KV, anschließend von 1991-1993
stellvertretender Vorsitzender des
KV-Altherrenbundes. Bis zu seinem
Lebensende führte Kb Frank den Vorsitz des Ortszirkels „Weinbiet“ Neustadt / Weinstraße.
Die letzten beiden Jahrzehnte seiner aktiven Tätigkeit führten Albrecht
Frank wieder in drei verschiedene
Erdteile: 1970-1974 als Botschaftsrat
(Kulturreferent) an die Botschaft in
Mexiko, 1974-1977 als Botschaftsrat
und Vertreter des Botschafters nach
Lagos/Nigeria, 1977-1981 als Botschaftsrat (Kulturreferent) an die
Botschaft in Madrid, 1981-1984 als
Generalkonsul nach Sevilla, zuletzt
1984-1990 als Generalkonsul nach
Zagreb.
zum KV>>
Obwohl
diese langjährigen Aufenthalte im Ausland für die
Familie große
Belastungen
bedeutete,
hielt Kb Frank
auch aus der
Ferne
die
Ve r b i n d u n g
zu seinen Bundesbrüdern stets aufrecht. In seiner Heimat, der Pfalz,
fand er 1990 in Wachenheim ein passendes Heim für den wohlverdienten
Ruhestand. Von dort besuchte er regelmäßig die Stiftungsfeste und wiederholt die Familientage Alemannias.
In seinem ganzen Lebenslauf hat er
sich mit Leib und Seele als echter
Alemanne erwiesen, der aufgrund
seiner immer vorgelebten Überzeugungen und Prinzipien seinen Bundesbrüdern
ein
stets
treuer,
zuverlässiger Freund und unbeugsamer Hüter der Tradition des KV war.
Am Tag nach Christi Himmelfahrt
haben eine stattliche Anzahl von Kartellbrüdern aus der Pfalz und einige
Alemannen mit der Chargia Kb Albrecht Frank in Edesheim zur letzten
Ruhestätte begleitet.
Christian Pajatsch (Ale)
Luxemburg-Seminar
KV-AKADEMIE
Begegnungen mit einer europäischen Region
Der Titel des Seminars der KV-Akademie vom 14. bis 18. April 2007 hätte besser gelautet: „Begegnung
mit einer europäischen Region“. 30 Kartellbrüder, Damen und Gäste hatten sich am 14. April mittags bei
der Karl-Arnold-Stiftung in Königswinter bei Bonn eingefunden, um dann auf dem schnellsten Weg per
Bus nach Luxemburg zu fahren. Nach einer Einführung durch den Reiseleiter der Arnold-Stiftung, Herrn
Stricker, im Hotel, wurde spontan der Besuch der Vorabendmesse (Samstag) in Dommeldange, einem
kleinen Vorort von Luxemburg organisiert. Schon bei dieser heiligen Messe erlebten wir Europa: Gebete
und Lieder wurden auf Deutsch, Französisch oder Luxemburgisch gesprochen und gesungen, der Pfarrer
predigte, nachdem er unsere Gruppe besonders begrüßt hatte, auf Deutsch.
Am Sonntag stand dann Lothringen auf dem Programm. Wir besuchten zunächst die Schlachtfelder und
das Beinhaus von Verdun.
Die Schlachtfelder von Verdun.
Über 700.000 junge Deutsche und
Franzosen haben dort vor nicht einmal 100 Jahren in einem sinnlosen
Krieg in weniger als einem Jahr ihr
Leben verloren. An diesem Ort wird
deutlich, wie wichtig ein friedliches
Zusammenleben in Europa ist. Konflikte zwischen europäischen Ländern
dürfen nie wieder durch Krieg ausgetragen werden.
Ein Besuch in Metz rundete diesen
Tag ab. Wir wurden von einer charmanten, kunsthistorisch versierten
Führerin durch die Stadt begleitet.
Höhepunkt dabei war zweifellos die
Besichtigung der Kathedrale mit ihren
beeindruckenden Chagall-Fenstern.
Der Montag begann mit einem Besuch bei der Europäischen Kommission, die auch in Luxemburg im
„Bâtiment Jean Monnet“ einen Verwaltungssitz hat. Eine intensive Diskussion folgte auf die gute Darstel-
lung der Entwicklung der Europäischen Union. Die Frage des Beitritts
der Türkei wurde dabei wieder einmal
erörtert, wobei der Referent eine
durchaus schlüssige Begründung für seine ablehnende Haltung hatte, die
für die meisten Seminarteilnehmer neu war: Die
Türkei könne ihre Brükkenfunktion
zwischen
Europa und der islamischarabischen Welt nur dann
überzeugend
wahrnehmen, wenn sie nicht einer
der beiden Seiten eindeutig zugeordnet werden
könne. Gerade von den
arabischen Staaten würde
sie als Mittler nicht mehr
akzeptiert, wenn sie Teil
des „Christenclubs Europa“ sei.
Der Nachmittag gehörte dem Kennenlernen der Stadt Luxemburg.
Dabei durften wir den Staatsbesuch
des spanischen Königspaares miterleben. Der eine oder andere Seminarteilnehmer konnte sogar einen
Blick auf König Juan Carlos und die
Königin werfen.
Der Landtag des Saarlandes stand
dann am Dienstagmorgen auf dem
Programm. Im Gespräch mit drei Abgeordneten wurden wir auf die besondere Situation des Saarlandes,
vor allem auch auf den Strukturwandel, aufmerksam gemacht. Nachmittags erlebten wir eine interessante
Führung durch das Weltkulturerbe
Völklinger Hütte. Kohle und Stahl
haben noch in der ersten Hälfte des
vergangenen Jahrhunderts für Wohlstand in der Region gesorgt. Der
Stahl aus dem Saarland und aus
Lothringen war nicht zuletzt aber
auch wichtig für die Vorbereitung der
beiden Weltkriege, unter denen die
Menschen in Frankreich und Deutschland gelitten haben.
Wie Konflikte in Europa heute gelöst werden, erfuhren wir dann am
Morgen des letzten Seminartages, als
wir an einer Sitzung des Europäischen Gerichtshofes teilnehmen durften. Die Europäische Kommission
hatte Griechenland wegen eines Vertragsverstoßes verklagt. Dabei ging
es um die Besteuerung des Verkaufs
von importierten Gebrauchtwagen. Nach der
Sitzung erläuterten uns
wissenschaftliche Mitarbeiter die Rolle des Generalanwalts am Gerichtshof und die Arbeitsweise
des Gerichts.
Mit vielen neuen Eindrükken ging es dann nachmittags über Königswinter
nach Hause.
Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.
Quelle Hintergrundbild: Fotolia
195 AM
KV-AKADEMIE
Das treffsichere Wort
Rhetorikseminar bei Winfridia-Göttingen vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2007
Getreu unserem Wissenschaft-Prinzip, die stetige Weiterentwicklung der Aktivitas zu fördern, haben wir
uns schon zu Beginn des Semesters entschlossen das umfassende Angebot der KV-Akademie zu nutzen.
Und was liegt da näher, als ein Rhetorikseminar mit Kb Michael Kramer (Lu, Albi), einem nicht nur in der
Wirtschaft renommierten Kommunikations-Trainer zu verpflichten.
Kb Kramer stellte sich dabei schon
im Vorfeld engagiert und professionell bei einem Besuch auf dem Winfidenhaus auf die Gruppe ein. So
konnten wir am Folgetag morgens
früh mit konkreten rhetorischen
Übungen beginnen.
Im Mittelpunkt des Seminars
stand die freie Rede und die Gewinnung sowie Verbesserung rhetorischer Kompetenzen. Ziel war es,
jedem Teilnehmer, seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend, Ratschläge und Konzepte an die Hand zu
geben. Wichtig war der persönliche
Lernerfolg, der regelmäßig herausgearbeitet und besprochen wurde.
Dabei simulierten wir sowohl Alltagssituationen, als auch Szenen aus Studium und Beruf.
Dadurch bekam jeder die Gelegenheit, mehrere kurze Reden zu
spontan vorgegebenen Themen zu
halten, die dann systematisch von
unserem Trainer analysiert wurden.
Im Mittelpunkt der Analyse standen
rhetorische Stärken und Schwächen
des Vortragenden, sowie die Außenwahrnehmung. Dies bezog sich sowohl auf Wortwahl, Stilmittel und
Körpersprache, als auch auf das äußere Erscheinungsbild jedes Teilnehmers. Kb Kramer unterbreitete
konkrete Verbesserungsvorschläge
und verstand es, immer jeden Teilnehmer zu Höchstleistungen zu motivieren. So manch einer entdeckte
eine verborgene Leidenschaft für feurige Rhetorik, die sonst häufig nur
auf Conventen geübt werden kann.
Ein weiterer interessanter Aspekt
des Seminars war die gezielte Anwendung von Rhetorik als Marketinginstrument. Dabei erstellte Kb
Kramer mit seinem Geschäftspartner
und Co-Referenten Marc-Alexander
Glunde von Leguan-Consult zunächst
eine Analyse der Außenwirkung unserer Korporation. Anschließend wurden zusammen mit der Aktivitas in
kleinen Arbeitsgruppen mehrere Konzepte für zukünftige Veranstaltungen
und einer gemeinsamen Identität
(Corporate Identity, CI) entwickelt.
Hierzu schufen wir einige Ansätze,
Identitätszeichen (Farben, Wappen,
Zirkel, Haus, etc.) zukünftig stärker
als Wiedererkennungszeichen einzusetzen.
So unterschiedlich die Erwartungen und Voraussetzungen der Teilnehmer auch waren, Kb Kramer
vermittelte jedem ein persönliches
Erfolgserlebnis. Wir können dieses
Seminar mit Nachdruck empfehlen
und danken Michael Kramer für seine
professionelle Unterstützung.
Johann Kruse A-Me, Wf
Moritz Strate Wf, Pal
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Ohne Sondernummern. 2 Gesprächsziel ist in der gleichen Profesional Group VPN eingetragen. 3 Gültig für innerdeutsche Gespräche ins Festnetz, ohne Sondernummern. 4 E-Plus verrechnet
die monatliche Gutschrift pro Mobilfunkkarte ausschließlich mit dem jeweiligen monatlichen Rechnungsumsatz für mobil abgehende nationale Sprach-, Fax und/oder Datenverbindungen in
Fest- und/oder Mobilfunknetze („Nutzung”). Sollte der Rechnungsumsatz bezüglich der Nutzung die Höhe der gewährten Gutschrift nicht erreichen, so verfällt der Restbetrag der Gutschrift
von E-Plus. Nichtgenutztes Guthaben auf dem Kundenkonto wird demnach nicht in den darauffolgenden Rechnungsmonat übertragen.
AM 196
AUS DEM KV
Generationswechsel bei Arnulf
Thorsten Kiefer ist neuer Vorsitzender des Altherrenvereins ArnulfSaarbrücken.
Der langjährige Philistersenior Peter
Nest sagte seinem Nachfolger volle
Unterstützung zu. Im Namen des
Vereins dankte der frühere Vorsitzende Günter Meiser Peter Nest für
seinen Einsatz; er habe den Verein
unter schwierigen Bedingungen zusammengehalten. Der Altherrenverein Arnulf will bald wieder eine
Aktivitas errichten. Zu diesem Zweck
ist u. a. der Erwerb eines Studentenwohnheims geplant.
Harald Stollmeier
Keine Veränderung
bei der En-Bloc-Zahlung
Mit überwältigender Mehrheit beschloss die Vertreterversammlung
2007 die Beibehaltung des bisherigen
Einzugsverfahrens für den KV-Beitrag: Die En-Bloc-Zahlung durch den
Verein bleibt freiwillig, und der Beitragsrabatt für die En-Bloc-Zahler
bleibt zu den bisherigen Bedingungen
erhalten.
Der Hauptausschuss 2006 hatte
den KV-Rat beauftragt, einen Beschluss zur verpflichtenden En-BlocZahlung für alle Kartellvereine vorzubereiten. Vorausgegangen war eine
Debatte über die signifikant schlechtere Zahlungsmoral der Einzelzahler,
die nicht abbuchen lassen.
Eine Erhöhung des Verbandsbeitrags war übrigens nicht geplant; sie
wird auch noch einige Jahre lang unnötig sein. Allerdings hatte der KVRat die Einführung der En-Bloc-Zahlungspflicht für alle Kartellvereine mit
der mittelfristigen Abschaffung des
Beitragsrabatts gekoppelt. „Das war
nur ehrlich“, erläuterte der KV-Ratsvorsitzende Karl Kautzsch, “es ist unlogisch, ein Verhalten zu prämieren,
zu dem es keine erlaubte Alternative
gibt.“
Harald Stollmeier
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ZUM THEMA:
„Deutschlands Teamgeist vor der großen gesellschaftlichen
Herausforderung - demographische Entwicklung mit Konsequenzen.“
Wenige junge, viele alte Menschen in Deutschland!
So wird die Zukunft unserer Gesellschaft aussehen.
Mit Ursachen und Konsequenzen befassen sich die
38. Würzburger KV-Tage.
197 AM
GLOSSE
Von Papageien und anderen Tauchern
Von Papageien und anderen T
Klemens Weilandt
Umweltschutz ist seit einigen Jahrzehnten für nicht wenige Mitmenschen das politische und das ethische Maß aller Dinge. Warum auch nicht, könnte gefragt werden. Eben, warum auch nicht, wo doch fast
überall das Maß und die Maßstäbe abhanden gekommen sind.
ganz wesentlich seine Kultur, sie ist,
wie Josef Kraus sehr treffend formuliert hat, die „via regia zur Kultur“.
Unser alltägliches Miteinander ist
ohne gepflegte Sprache als Instrument einer sinnvermittelnden und
sinnstiftenden, störungsfreien und
Verständigung sichernden Kommunikation letzten Endes nicht vorstellbar.
Sprache ist ein Umweltfaktor von
höchster Wichtigkeit – wie unsere Gewässer eben!
Wird das der WWF auch begreifen?
Schaut man in das WWF-Magazin
2/2007, müssen einem Zweifel kommen. Es genügt der Bezug auf einen
verhältnismäßig kurzen Beitrag unter
der alarmierenden Überschrift „SeeQuelle: Wikipedia
vögel sterben schwarzen Tod“. Natürlich ist der Autor ein Experte. Wo
Der Papageitaucher fällt durch sein schwarz-weißes Federkleid
kommt Umweltschutz ohne Experten
aus? Sein Expertentum ließ ihn nicht
und seinen roten Schnabel auf.
von ungefähr und geradezu selbstverDer WWF – Worldwide Fund for Nature – ist unter Um- ständlich neben Trottellummen und
Eiderenweltschützern eine anerkannte, eine noble Adresse. Also ten auch Papageientaucher erwähnen.
trat ich ihm vor mehr als dreißig Jahren bei, um mit meinen Beiträgen und der einen oder anderen Spende seine
Papageientaucher? Welche Seevögelspezies war das
Arbeit zu unterstützen.
denn? Die ersten Glieder einer Assoziationskette tauchten
Die Verbandszeitschrift, das WWF-Magazin auf, kam dafür (!) wie von selbst auf: Krabbentaucher – diese Seevögel
regelmäßig ins Haus. Wie jede Zeitschrift ist auch das tauchen tatsächlich nach Krabben; Korallentaucher –
WWF-Magazin auf Sprache als Verständigungsmedium diese asiatischen Menschen tauchen tatsächlich nach Koangewiesen.
rallen; Perlenfischer – diese Fischer sind tatsächlich auf
Perlen aus, anders als das Perlhuhn; Papageifisch – ein
Dass die deutsche Sprache einer gleichgültigen, nach- Fisch tatsächlich so bunt wie ein Papagei, ohne einer zu
lässigen, nicht selten zerstörerischen Umwelt ausgesetzt sein oder hinter einem her zu sein.
ist, vor der sie geschützt werden muss, im Sinne eines
Umweltschutzes der besonderen Art, das allerdings ist
Aber Papageientaucher? In welchen Meerestiefen, unden Umweltschützern des WWF ganz offensichtlich kein auslotbaren offenbar, sollten diese Taucher Papageien
Anliegen.
nachstellen?
Es taten sich Abgründe des (Un-)Verständnisses auf. Aber
Der Schriftsteller Botho Strauss hingegen, als Um- die Antwort hatte ein einfaches, lediglich Beiträge zahweltschützer à la WWF bisher nicht in Erscheinung getre- lendes WWF-Mitglied schließlich doch zur Hand. Der
ten, erkannte das Problem. „Wir müssen unsere Sprache schwarze Tod drohte den Papageitauchern, einer Seevoschützen wie unsere Gewässer“ (FAZ, 13. November gelart aus der Familie der Alken mit einem Schnabel, der
2006). Und Edda Moser, die großartige Sängerin, hatte den Schnäbeln verschiedener Papageiarten sehr ähnlich
einen Monat zuvor (FAZ, 6. Oktober 2006) mit der dra- sieht, nicht zuletzt wegen seiner Farbenpracht.
matischen Aussage „Die deutsche Sprache verendet wie Sprache ist also doch nicht so abgrundtief rätselhaft und
ein krankes Tier“ den richtigen Ton getroffen.
bar jeder Logik, wie immer wieder behauptet wird. Mit
Umwelt und Naturschutz – sie hat inzwischen auch un- den grammatischen Kategorien Subjekt und Objekt
sere Sprache bitter nötig. Unsere Sprache ist ein Teil un- kommt man gelegentlich zum Ziel, man muss nur einserer Natur, sie ist ein bedeutender Faktor der Identität tauchen in das Regelwerk unserer Sprache. In gedruckter
eines jeden Menschen und seines Volkes, sie konstituiert Form ist sie natürlich der „schwarzen Kunst“ ausgeliefert,
AM 198
--
GLOSSE
n Tauchern
während Seevögel, also auch (Papagei)Taucher, vom
„schwarzen Tod“ bedroht sein können, anders als Papageien, die sich dem Element Wasser bisher noch nicht anvertraut haben. Aber muss das ein WWF-Experte wissen?
Bei seinem Expertentum musste sich kein Leser mehr
wundern, dass er folgenden schönen Satz zustande
brachte: „Auch die Havarie des…kostete vielen Seevögeln
das Leben.“
Ich, das WWF-Mitglied, wurde durch das Verb kosten
daran erinnert, dass mich meine Mitgliedschaft im Laufe
der Zeit eine Menge Geld gekostet hatte. Das sollte umgehend ein Ende haben.
Also kündigte ich meine Mitgliedschaft, nicht ohne die
entsprechende Begründung.
Was dann kam, ist ein Glanzpunkt logischen Denkens und
sprachlichen Feingefühls. Natürlich, so antwortete mir der
für „Öffentlichkeitsarbeit“ (nicht von mir!) zuständige Mitarbeiter des WWF, sei meine Kündigung sehr zu bedauern, zumal nach mehr als dreißig Jahren treuer
Mitgliedschaft. Man gebe aber die Hoffnung nicht auf,
dass ich eines Tages zum WWF zurückkehren würde.
Und dann: Gewiss sei Papageitaucher der in Fachbüchern
übliche Name des Seevogels. Aber im Internet, zum Beispiel bei Google (!), finde man durchaus schon „Papageientaucher“. Das Argument kam so überfallartig, dass ich,
obwohl es doch um Sprache ging, für einige Zeit sprachlos war.
Dann aber kam die Erleuchtung. Das ist also des Rätsels
Der Papageitaucher lebt in Nordeuropa, Kanada
und in der Arktis.
Quelle: Wikipedia
Lösung für sämtliche unserer sprachlichen Probleme: Es
muss nur etwas oft genug und von möglichst vielen,
möglichst globalisiert (Internet!) und noch dazu bei einer
Autorität wie Google falsch benutzt werden, dann ist es
richtig! Vor allem für Öffentlichkeitsarbeiter! Den dialektischen Umschlag von Quantität in Qualität, hier haben
wir ihn. Kalle Marx hat das leider nicht mehr erlebt, welch
ein Jammer. Aber, bitte, nicht für Marx und die Marxisten!
Es ist ein Jammer für unsere deutsche Sprache.
Oder werden die Papageien doch noch zu Meeresbewohnern, um von Tauchern gejagt zu werden? Dann wäre
die deutsche Sprache endlich in der Obhut von Umweltschützern. Fürwahr, das wär´s!
Auf denn, ihr Papageien, die Evolution ist noch nicht zu
Ende.
Die deutsche Sprache wird es euch danken. Sie ist sehr
bescheiden geworden.
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FORUM
Leserbrief zum Titelthema der
AM-Ausgabe Mai 2007:
„Marketing für den KV?“
Völlig zu Recht stellt mein Bundesbruder Peter Querling die Produktanalyse an den Anfang der
klassischen
Marketingmethode.
Schließlich muss der Verkäufer, der
andere von der Qualität seines Produktes überzeugen will, zunächst
einmal selbst davon überzeugt sein
und also das Produkt wirklich gut
kennen. Der Versuch, andere ohne
oder sogar gegen die eigene Überzeugung zu überzeugen, ließe sich
doch wohl nur als Betrugsversuch zutreffend bezeichnen.
Umso mehr wundere ich mich,
dass bei ihm die Produktanalyse ganz
entschieden zu kurz kommt. Die
Frage, was der KV ist, wird nicht beantwortet. Stattdessen ist viel die
Rede von den Vorstellungen/Vorurteilen einer nicht näher bestimmten
Zielgruppe. Dabei misst er offenbar
dem Begriff katholisch eine besonders negative (!) Bedeutung bei, insofern er diesen ausschließlich als
konfessionelles Abgrenzungskriterium sieht. Er behauptet ferner, ein
ökumenisch orientierter KV hätte bei
heutigen Studenten eine völlig andere (mehr oder weniger, positiv oder
negativ?) Ansprache und Resonanz.
Es erscheint deshalb unerlässlich,
vorab zu klären, was die Begriffe „katholisch“ und „ökumenisch“ wirklich
bedeuten, ehe wir uns der Frage zuwenden, was der KV ist und an welche Zielgruppe er sich richtet.:
Das Adjektiv katholisch stammt, wie
ich bereits an AM1/2007, S.7, dargelegt habe vom griechischen ´katholikós´und bezeichnete einen Lehrsatz,
der allgemeine Anerkennung beanspruchte. In der christlichen Literatur
taucht der Begriff erstmals um das
Jahr 112 bei Ignatius von Antiochien
auf in der berühmten Aussage: „Dort,
wo der Bischof ist, ist auch die Gemeinde, wie dort, wo Christus ist,
auch die katholische Kirche ist.“ Die
Kirche ist also schon immer, d.h.
lange vor und nicht erst seit der Reformation, katholisch.
Darum wiederhole ich noch ein-
mal, dass Katholischsein, Katholizität,
nicht in die konfessionelle Enge führt,
sondern in weltumspannende, durch
Jahrhunderte hindurch, von der Urkirche bis in eine ferne Zukunft, reichende christliche Weite; und dies in
doppelter Hinsicht, nämlich sowohl
quantitativ als auch qualitativ; quantitativ (äußerer Universalismus) insofern, als sich die Botschaft des
katholischen Glaubens als Angebot,
als Einladung an alle Menschen aller
Zeiten, aller Rassen, Völker, Nationen
und Kontinente richtet; qualitativ (innerer Universalismus) insofern, als es
„kein religiöses Phänomen gibt, das
in Bezug auf die Ausgestaltung des
Glaubens so vielfältig wäre wie der
Katholizismus in seinem Reichtum an
religiösen Formen, in seiner Ausrichtung auf das schlichte Volk wie auf
die höchsten geistigen Ansprüche, in
seiner Reichhaltigkeit an verschiedenen Ordensidealen und Lebensweisen, wie auch in seiner Mannigfaltigkeit an Formen sowohl des kontemplativen wie des aktiven Lebens.
(L. Scheffczyk, Katholische Glaubenswelt, S. 105)
Das Adjektiv ökumenisch ist abgeleitet vom Partizip Präs. Pass. oikouméne (zu ergänzen: gê=Erde)
des griechischen Verbs oikéo (=wohnen) und bedeutet also die „bewohnte Erde“ oder der ganze „Erdkreis“. Das zeigt, dass die beiden Begriffe katholisch und ökumenisch im
Grunde inhaltlich übereinstimmen,
zumal schon der hl. Ambrosius (339-
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
--
FORUM
397), Bischof von Mailand, in einer
Erklärung zu Psalm 118 schreibt:
„Der ganze Erdkreis ruht im Schoß
der Kirche; denn alle Menschen, ohne
Rücksicht auf Ursprung, Rasse oder
Lebenslänge, sind zur Einheit mit
Christus berufen.“
Es scheint so, als ob man daraus
folgern könnte, dass der KV dann ja
ohnehin ökumenisch orientiert sei,
und man dies nur noch öffentlich
sichtbar machen müsse. Dem steht
aber entgegen, dass Ökumene gegenwärtig hierzulande vielfach völlig
anders verstanden wird, nämlich sozusagen als „Dach“ über oder als
„Kammer“ um die Konfessionen.
Dabei werden als Konfessionen in
einer weiteren Engführung lediglich
die römisch-katholische und die
evangelische (sprich: lutherische, allenfalls noch calvinistische) verstanden. Orthodoxe, Anglikaner, Altkatholiken u.a. bleiben dagegen völlig
außer Betracht. Oft wird damit noch
die Vorstellung verbunden, man
könne Ökumene „von unten“ herbeiführen, indem man die zweifellos vorhandenen Gemeinsamkeiten pflegt,
die eben unbezweifelbar noch bestehenden schwerwiegenden Unterschiede (Sakramente, Eucharistie,
Weihepriestertum, Kirche, Apostolizität, Tradition) einfach außer acht
lässt. Während die Pflege der Gemeinsamkeiten und infolgedessen
eine entsprechende Zusammenarbeit
auf allen Gebieten, bei denen dies
möglich ist, durchaus zu begrüßen ist
und Unterstützung verdient, kann
dies nicht für die Außerachtlassung
der Unterschiede gelten, weil daraus
bestenfalls eine „weichgespülte“
Ökumene des kleinsten gemeinsamen Nenners entstehen kann,
schlimmstenfalls ein völlig entkerntes
Christentum, dessen Fassade über
kurz oder lang in sich zusammenstürzen müsste, weil uns, also der
Kirche, die Katholizität abhanden gekommen wäre. Das bedeutet, dass
eine solche Ökumene, weil inhaltsleer, sich selbst ad absurdum führt.
Zur Frage, was der KV ist, könnte
ich mich darauf beschränken, auf die
KV-Satzung zu verweisen. Das erscheint mir jedoch nicht ausreichend,
weil es mir weder um einen rein formaljuristischen Aspekt noch um eine
rechtspositivistische Argumentation
geht. Vielmehr betrachte ich die Sat-
zung, soweit sie sich zum Wesen des
KV äußert als juristische Ausformung
des Willens der Gründer und der darauf beruhenden Tradition des KV.
Daraus folgt, dass die Prinzipen „Religion, Wissenschaft, Freundschaft“
dem Wesen des KV immanent, also
formal und inhaltlich unabdingbar
sind. Aus dem ersten Prinzip „Religion“ ergibt sich zudem, dass Katholizität für den KV konstitutiv ist. Dies
wird noch dadurch unterstrichen,
dass die Satzung in § 18 Abs.3 zwar
die Aufnahme nichtkatholischer Christen zulässt, dies aber auf eine begründeten Ausnahmefall beschränkt
und zusätzlich an die Voraussetzung
eines im Sinne des Grundsatzes „Religion“ aktiven Vereinslebens knüpft.
Außerdem hat jeder Kartellverein,
Das Kreuz symbolisiert Religion,
der Stern Wissenschaft und die
Kette Freundschaft.
der von dieser Ausnahmeregelung
Gebrauch macht, eine regelmäßige
Berichtspflicht.
Wenn man bedenkt, dass es nichtkatholischen Christen, die ihr anderes Verständnis von Christentum
ernst nehmen, schwer fällt, in den
meisten Fällen sogar unmöglich sein
dürfte, ihr Leben nach dem Prinzip
„Religion“ im katholischen Sinne auszurichten, dann erscheint diese Regelung mehr als sinnvoll. Damit ist
zwar auch eine gewisse Abgrenzung
verbunden, aber allenfalls am Rande,
keinesfalls jedoch Diskriminierung,
Überheblichkeit oder gar Feindschaft.
Vielmehr bedeutet es, dass derjenige, der zu uns kommen, zu unserer
Gemeinschaft gehören will, auch bereit sein muss, nach den Regeln zu
leben, die für uns alle verbindlich
sind. Das gilt selbst dann, wenn wir
gelegentlich feststellen müssen, dass
nicht einmal wir jederzeit in der Lage
sind, unserem eigenen Anspruch in
vollem Umfang zu genügen, solange
wir die Verbindlichkeit des Anspruchs
nicht grundsätzlich in Frage stellen.
Wer aber die Katholizität zugunsten
einer falsch verstandenen Ökumene
aufgeben will, der legt die Axt an die
Wurzel des KV.
Seit einigen Jahren zitiert das KVJahrbuch rückseitig Ricarda Huch mit
den Worten: „Tradition heißt nicht die
Asche bewahren, sondern das Feuer
weitertragen!“ Damit kann aber kein
schnell verlöschendes emotionales
Strohfeuer gemeint sein, vielmehr
nur ein geistiges Dauerfeuer. Unter
diesem Gesichtspunkt ist es gewiss
eine reizvolle, wenn auch nicht
leichte Aufgabe, nichtkatholische
Christen davon zu überzeugen, dass
sie nichts verlieren, wohl aber vieles
hinzugewinnen können, wenn sie sich
uns mit allen Konsequenzen anschließen, also auch den katholischen
Glauben annehmen, weil sie dann die
ganze Fülle der Wahrheit und Schönheit des christlichen Glaubens erfahren
können.
Das
setzt
aber
zuallererst voraus, dass wir selbst
davon überzeugt sind. Weil eine solche Überzeugung in der Regel nicht
einfach vom Himmel fällt, erfordert
sie von uns erhebliche Anstrengungen, unseren Glauben immer besser
kennen und leben zu lernen.
Andererseits entscheidet jeder für
sich, ob er zu uns gehören und damit
zugleich unsere Prinzipien für sein
Leben als verbindlich anerkennen will
oder nicht. Das gilt selbstverständlich
auch für katholische Christen. Uns
bleibt nur, diese Entscheidung zu respektieren, selbst dann, wenn sie uns
nicht gefällt.
Nunmehr steht auch die Zielgruppe fest, die wir ansprechen können: katholische und eventuell
nichtkatholische Christen, die bereit
sind, ihr Leben mit uns an den Prinzipien „Religion, Wissenschaft, Freundschaft“ auszurichten, wobei dem
Katholizitätsprinzip eine besondere
Schlüsselrolle zukommt. Diejenigen,
welche am liebsten im Hotel „Mama“
studieren, weil das am bequemsten
ist, dürften in der Regel wegen fehlender Bereitschaft zu Engagement
nicht zur Zielgruppe gerechnet werden können. Für die anzuwendende
Marketingstrategie ist es außer201 AM
FORUM
dem nicht gleichgültig, ob ein völlig
neues „Produkt“ am Markt eingeführt
werden soll oder ob ein bereits vorhandenes „Produkt“ sich am Markt
behaupten muss. Der KV ist zweifellos bei der zuletzt genannten Kategorie einzuordnen und kann wegen
seiner Prinzipien nicht ohne Traditionsbruch in die zuerst genannte
überführt werden.
Leserbrief zum Titelthema der AM-Ausgabe Mai 2007:
„Marketing für den KV?“
Mit Interesse habe ich den Artikel
Marketing für den KV gelesen.
Schon vor ca. 30 Jahren existierten
ähnliche Gedanken. Eine Modernisierung des KV ist längst überfällig.
N. Nolde (Sv)
Er kann sich nicht wehren
Als unser Kartellbruder Kardinal „taz“: „Ja, das wussten wir. Denn das
Ratzinger zum Papst gewählt worden haben wir uns schließlich selbst auswar, da dachten sich drei Redakteure gedacht.“ Auch Günther Grass dachte
der „taz“ in Berlin, die witzig sein sich etwas aus und schrieb in seinem
wollten, etwas aus und behaupteten, jüngsten biografischen Werk „Beim
dass der Papst nachts heimlich „Ha- Häuten der Zwiebel“ von einem Prienuta“ esse, gerne die Fernsehsen- steramtskandidaten namens Joseph,
dung „Drei Engel für Charlie“ sähe mit dem er im Erdloch im Kriegsgeund als Student scherzhaft „Habemus fangenenlager Bad Aibling geknobelt
Kartoffelmus“ gerufen habe. Eigentlich
war so dick aufgetragen worden, dass
niemand daran zweifeln konnte, dass die
drei Geschichten erfunden waren. Aber
bald darauf waren
sie dem „Berliner
Kurier“ eine Story
wert.
Immerhin
hatte er den Ruf
nach Kartoffelmus
durch eine Vorliebe
für Weizenbier ersetzt, was ja der
Wahrheit nahe kommen mag. Der „KuQuelle: privat
rier“ musste sich
den anschließenden
Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch
Spott der „taz“ geim September 2006 in Altötting.
fallen lassen. Aber
nichtsdestotrotz erhabe. Er nennt zwar den Papst nicht
schien jetzt die „erfundene Wahrheit“ beim Namen, aber alle Welt wollte in
gar in einer Anekdotensammlung, die dem Kriegskameraden den heutigen
mit der Frage wirbt “Wussten Sie, Papst erkennen. Er war ja in dem gedass der Heilige Vater während be- nannten Kriegsgefangenenlager insonders stressiger Arbeitsphasen terniert gewesen, worüber er in
nachts heimlich ‚Hanuta’ aß, oder seiner 1997 erschienenen Biografie
dass er als Student in der Mensa rief berichtete. Dort schilderte er auch,
‚Habemus Kartoffelmus’?“ Darauf die wie ein SS-Offizier während seiner
AM 202
Vor allem müssen endlich Frauen
Vollmitglieder werden können. Eine
Initiative der Verbandsspitze ist erforderlich.
Peter Goßner (Lu, Bar)
Zeit im Reichsarbeitsdienst versuchte, ihn und seine Kameraden
zum „freiwilligen“ Eintritt in die Waffen-SS zu zwingen. Er und einige andere hätten das Glück gehabt, sagen
zu können, sie wollten katholische
Priester werden. Sie seien zwar verhöhnt und beschimpft worden, doch
dadurch von „der Drohung dieser
verlogenen ‚Freiwilligkeit’ und allen
ihren Folgen“ befreit worden. Dennoch dichtete die britische Presse ihm
an, er sei Mitglied der NSDAP gewesen. Als der Kabarettist Dieter Hildebrandt in einem Interview nach
seiner Zugehörigkeit zur NSDAP gefragt wurde, teilte er mit, er habe nie
einen Aufnahmeantrag unterschrieben. Er sei Luftwaffenhelfer gewesen
wie der Papst, und der „hätte auch in
die Partei übernommen werden können.“ Aus dieser vagen Andeutung
machte dann die „Zeit“ in ihrer Ausgabe vom 5. Juli (S. 48) eine Tatsachenbehauptung. „Sowohl Grass als
auch Hildebrandt legen Wert darauf,“
so lesen wir, „dass Joseph Ratzinger
Wehrmachtsangehöriger und NSDAPMitglied war.“ Übrigens hat Grass nie
behauptet, der Papst sei in der Partei
gewesen. Die „Zeit“ fährt dann fort,
dies hieße, dass „im Grunde Gott“
verstrickt gewesen sei. Das ist theologischer Unsinn, weil hier der Papst
mit Gott gleichgesetzt wird.
Wie sagte doch Dieter Hildebrandt in
dem Interview: „Irgendetwas bleibt
immer hängen!“.
Wolfgang Löhr
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KV
203 AM
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<<Was kommt, wenn der Diplomingenieur geh
FORUM
„Insgesamt gibt es etwa 2150 Ingenieurstudiengänge, davon sind gut 600 auf Bachelor umgestellt
worden, gut 480 zu Master-Studiengängen.“ So beschrieb am 7. Juli 2007 Jürgen Kaube in der FAZ die
augenblickliche Situation des Ingenieurstudiums in Deutschland. Titel der Analyse: „Das Ende des
Dipl.-Ing.“
An der TU München ist es in manchen Fächern noch möglich, auf den Diplomabschluss hin zu studieren.
Die Fakultät für Maschinenbau in Karlsruhe kündigte die Umstellung vom Diplom auf den Bachelor- und
den Masterabschluss für 2008 oder 2009 an. Die TU Darmstadt nimmt schon seit dem Wintersemester
2005/06 keine Erstsemester mehr in den Diplomstudiengang Maschinenbau auf.
„Wie kommt es“, so fragt Kaube,
„dass ein Studienmodell, für das uns
das Ausland bewunderte, im Zuge
einer Hochschulreform abgeschafft
wird?“ In der Erklärung der Bildungsminister von Italien, Großbritannien,
Frankreich und Deutschland von
1998 ging es um eine Harmonisierung der europäischen Hochschulsysteme. Dabei hatten die Franzosen
ganz andere Absichten als die Deutschen. Sorgten sich jene um die weitere internationale Anerkennung
ihrer Abschlüsse, ging es den Deutschen um eine deutliche Verkürzung
der Studiendauer. So zeichnete sich
die Lösung ab, die allen entgegenkam: ein Studium von nur sechs Semestern mit Bachelorabschluss und
u.U. mit Ergänzung durch ein noch
kürzeres Studium mit Masterabschluss. Das war das Aus für den
Dipl.-Ing.
Die Sorge ist nicht unbegründet,
dass die Verkürzung von den bisher
vorgeschriebenen mindestens acht
Studiensemestern (plus Prüfungssemestern) auf nunmehr sechs einiges
an Qualitätseinbußen bei der Ausbildung bedingt. Es muss gestrafft werden. Süffisant bemerkt dazu Jürgen
Kaube: „Die Ideologen der Reform
sprechen von ‚Entschlackung’, so als
seien Ingenieure dafür bekannt, ihre
Studenten mit unnützem Wissen zu
behelligen.“
Wie soll, so fragt man doch zu
Recht, in Werkstoffkunde gestrafft
werden? Will man künftig vielleicht
nur die verarbeitungstechnischen Eigenschaften eines Werkstoffs und die
mechanischen (wie Zugfestigkeit,
Elastizität und Härte) „lernen“ lassen
und um die chemisch-physikalischen
AM 204
Eigenschaften (wie Dichte, Schmelzpunkt, Korrosionsverhalten) straffen?
Ist da nicht der größte anzunehmende Unfall (GAU) programmiert?
Soll man aus der Baustoffkunde künftig nur die natürlichen Baustoffe
(Holz, Stein etc.) „lernen“ dürfen, die
künstlichen (Glas, Keramik etc.) um
der Straffung des Studiums willen
aber nicht? Da zeichnet sich der
größte anzunehmende Murks ab
(GAM).
„Employable, but not professional“, anstellungsfähig, aber nicht
akademisch gebildet, so lautet die
Formulierung der neun führenden
deutschen Technischen Universitäten,
„die den Arbeitgebern signalisiert,
dass universitäre Bachelors dringend
innerbetrieblich weitergebildet werden müssen, wenn sie auf dem Niveau eines Fachhochschul[!]-Ingenieurs alten Typs ankommen sollen“
(Kaube).
Momentan sind mehrere Modelle
der Studienzeitverkürzung in der Diskussion: sechs Semester (B) und vier
(M); sieben und drei; fünf und fünf.
Der bayerische Wissenschaftsminister Kb Dr. Thomas Goppel (Nm-W,
Erw, Alb, Ale) denkt an acht und zwei
Semester – in jedem Fall also zehn
Semester bis zum Master. Kaube
fragt keck, wo da denn der Gewinn
aus der Straffung sei, wenn Ende der
1990-er Jahre schon „durchschnittlich 10,5 Hochschulsemester in den
Ingenieurwissenschaften als unzumutbar lang dargestellt“ wurden.
Am 17. Juli 2007 gab der Verein
Deutscher Ingenieure in einer Pressemitteilung
bekannt,
dass
in
Deutschland 24000 Ingenieursstellen
Quelle der Hintergrundbilder: Fotolia (c) Marcus Lorenz
unbesetzt sind – 27 % mehr als
2006. Der Rektor der TH Aachen,
Burkhard Rauhut, machte in diesem
Zusammenhang auf einen hochbrisanten Aspekt der Reform aufmerksam: Bei Ingenieurmangel in der
Wirtschaft „hätte gerade der Erfolg
des Bachelormodells fatale Folgen.
Denn begabte junge Ingenieure, die
schnell in den Beruf wechseln, fallen
als Masterstudenten und Doktoranden aus für die Forschung, auf der
ein Gutteil der industriellen Innovation beruht“ (Kaube).
Eine Neuerung im Zuge der Reform, die mindestens freundliches Interesse verdient, wird an der TU
Darmstadt zum Wintersemester
2007/08 für Maschinenbauer eingeführt: Unter den 30 Pflichtbereichen,
die dort der Student zu bewältigen
hat, heißt einer „Philosophie für Maschinenbauer“. Darüber mokiert sich
Kaube erkennbar: „Dass es deutschen Ingenieuren bis dato erheblich
an dergleichen Qualifikationen gefehlt hat, war jedenfalls nicht bekannt.“
Hier sei Kaube heftig widersprochen. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob jeder diplomierte oder
promovierte Ingenieur ein ausreichend ausgeprägtes ethisches Bewusstsein um seine Arbeit hat. Unter
den deutschen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern findet man viele
Macher vom Schlage eines Wernher
v. Braun, aber nur wenige Philosophen vom Schlage eines Carl Friedrich
v.
Weizsäcker.
Nicht
sozial-ethische Folgenabschätzung
technischer Neuerungen scheint relevant, sondern die Kalkulation wirtschaftlicher Folgekosten. Zwar hält
eht?
<<
ökologisches Nachhaltigkeitsdenken
allmählich Einzug ins Denken von Ingenieuren, doch bin ich auch hier
nicht sicher, ob das schon Verantwortungsethik ist oder doch auch bloß
Wirtschaftlichkeitsdenken, z.B. im
Hinblick auf Ressourcenverknappung.
Ich meine, dass das, was Kaube
zu belächeln scheint, „Philosophie für
Maschinenbauer“, wichtig und geradezu notwendig ist. Nicht ohne Grund
durfte oder musste noch bis vor kurzem jeder Student des Höheren Lehramts (Sek. I/Sek. II) – ob mit der
Fächerkombination Sport und Erdkunde oder mit Lateinisch und Geschichte
–
mindestens
sechs
Semester Philosophie studieren und
mit dem Examen Philosophicum abschließen. Ingenieurstudenten brächte ein zweisemestriger Gang durch
22.9.-23.9.2007:
10. Gründungsfest der Studentenkorporation TAUTITO an der KTU
Kaunas/Litauen
Kontakt:
KV-Kontaktstelle Litauen,
Kb Werner Sandhaus,
Tel.:0541/122597,
werner.sandhaus@gmx.de
29.9.2007:
Tagesausflug des OZ Alter Peter
München nach Kelheim und
Weltenburg
Kontakt:
OZ Alter Peter München
Bernd Gondro OZx
Tel.: 089/805692
27.10.2007:
100. Stiftungsfest des OZ Kiekenberg
zu Bottrop
Kontakt:
FORUM
die Ethik von Immanuel Kant bis
Hans Jonas reichhaltiges Kapital, im
Wert beständig und in der Wirkung
nachhaltig – ingenieurmäßig gedacht
und ausgedrückt.
Ein früher Großversuch, das „Aachener Modell“, nämlich die angestrebte Verzahnung von Ingenieurwissenschaften mit Humanwissenschaften und dem Zwischenbereich
Medizin, ist leider gescheitert. Die
1965 gegründete Philosophische Fakultät der Technischen Hochschule
Aachen hat bis heute eine nennenswerte Bedeutung für das Ingenieurstudium nicht erlangen können. Die
jetzt bevorstehende bundesweite Reform bietet in dieser Hinsicht wenigstens eine Chance zur Korrektur –
siehe Darmstadt.
KV-Ortszirkel Kiekenberg,
Kb Hermann-Josef Hake,
Tel.: 02041/7719707
kiekenberg@onlinehome.de
27.10.2007:
100 Jahre OZ Cambodunum
Kempten/Allgäu
Kontakt:
KV-Ortszirkel Cambodunum,
Kb Dr.med. Manfred Kallabis
Tel.: 0831/934 00
8.11.-11.11.2007:
80. Stiftungsfest des K.St.V.
Abraxas-Rheinpreußen zu Dresden
Kontakt:
K.St.V. Abraxas-Rheinpreußen,
Tel.: 0351/41749966,
www.abraxas-rheinpreussen.de
10.11.2007:
94. Stiftungsfest des K.St.V.
Der Verfasser, Siegfried Koß (GroLu), studierte an der Philosophischen
Fakultät der Technischen Hochschule
Aachen zwölf Semester Anglistik, Geschichte, Literaturwissenschaft, Pädagogik und Philosophie.
Winfridia-Köln
Kontakt:
K.St.V. Winfridia-Köln,
Tel.: 0221/4002694
bwe.vierkotten@t-online.de,
www.winfridia.de
10.11.-11.11.2007:
Niederrheinkommers mit Vorortsübergabe in Xanten/Schützenhalle
Kontakt:
KV-Ortszirkel Xanten Kanonikus
Kb Tanko Franz Scholten
Tel: 02801/70712
www.kanonikus.de
15.11.2007:
Akademischer Empfang der Katholischen
Korporationen
Münchens
(KKM) CV, KV, UV
Kontakt:
B.Gondro KKM-x
Tel: 089/805692
Weitere aktuelle Informationen und Termine im Internet: www.kartellverband.de
205 AM
NACHRICHTEN
Immer aktuell
Seit kurzem gibt es ein wissenschaftliches Bibellexikon im Internet,
das ständig erweitert wird und jetzt
schon 230 Fachbeiträge umfasst. Es
will umfangreiches und zuverlässiges
Hintergrundwissen vermitteln. Als
Ziel werden über 2.000 Artikel angestrebt. Es ist unter www.wibilex.de
kostenlos abrufbar und wird von der
evangelischen Deutschen Bibelgesellschaft herausgebracht.
Beispielhaft
Vor hundert Jahren wurde der Hildegardis-Verein gegründet, der seit seiner Gründung mehr als 1.300
Studentinnen gefördert hat. Mit zinslosen Studiendarlehen unterstützt er
christliche Frauen aller Alters- und
Berufsgruppen im Studium und in der
Ausbildung. Seit 2004 gibt es auch
Familienstipendien zur besseren Vereinbarkeit von Elternschaft und Ausbildung. Der Verein ist Mitglied der
KAD und finanziert seine Zuwendungen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden
und aus einer Erbschaft. Vorsitzende
des Hildegardis-Vereins ist Gisela Muschiol. Er hat seinen Sitz in Bonn.
Seine E-Mail-Adresse lautet:
post@hildegardis-verein.de.
den Markt. Es wird viermal im Jahr
erscheinen. Herausgeber ist die Düsseldorfer City-Seelsorge. Es will ein
lebendiges Dokument des Glaubens
sein, fühlt sich der Schönheit verpflichtet und verbreitet christliches
Gedankengut in einer verständlichen
Sprache. „Wir möchten die Ästhetik
und die poetische Kraft des katholischen Glaubens sichtbar machen“,
sagte Brigitte Härtel, welche die Idee
für die neue Zeitschrift hatte. Das
Konzept dazu entwarf sie mit dem
Dominikanerpater Antonin Walter,
der als theologischer Berater auftritt.
Der Start glückte: 20.000 Exemplare
wurden in Düsseldorf und Umgebung
verteilt. Viele Abonnenten konnten
daraufhin gewonnen werden. Fast
zwei Drittel stammen nicht aus Düsseldorf. Das Einzelheft kostet 2 €. Die
Zeitschrift kann unter inhouse@inhousemedien.de bestellt werden.
Marktwirtschaft
Schön katholisch
Im Frühjahr 2007 kam ein schick
aufgemachtes katholisches LifestyleMagazin mit dem Namen „Theo“ auf
AM 206
Kb Abtprimas Notker Wolf OSB
(EM d Ale) ist für sein konsequentes
Eintreten für Freiheit und Eigenverantwortung mit dem Wolfram-Engels-Preis der Stiftung Marktwirtschaft in Berlin ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 20.000 € dotiert. In seinem zum Lesen dringend
empfohlenen Buch „Worauf warten
wir?“ (rororo, 11. Aufl. 2007, 12 €),
fordert er mehr Mut zum Markt. Er
traut den Menschen mehr Eigenverantwortung zu. Für ihn ist der Markt
keine abstrakte Größe, sondern ein
Gefüge, das aus einzelnen Menschen
besteht, die zu verantwortlichem und
moralischem Handeln angehalten
sind. In der FAZ sagte er neulich:
Es geht nicht um eine Ethik der Wirtschaft, sondern um die Ethik derer,
die in der Wirtschaft tätig sind.“ Ein
besonders spannendes Kapitel seines
kurzweiligen Buchs sind die Überlegungen auf einem chinesischen
Bahnhof. Die Schrift, die den zutreffenden Untertitel „Ketzerische Gedanken zu Deutschland“ trägt, ist
eine schonungslose Analyse unserer
Gesellschaft. Der Autor stellt die
deutschen Besitzstandswahrer schonungslos bloß und plädiert für einen
mutigen neuen Aufbruch.
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KV-Sonderdruck 13: "Was im KV gedacht, getan und gelitten wurde"
KV-Sonderdruck 14: "Islam - Bedrohung und Herausforderung"
KV-Sonderdruck 15: "Juden - Unsere Älteren Brüder im Glauben"
KV-Sonderdruck 16: "Hochschulpolitik für die Welt von morgen"
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Das deutsche Studententum
Das Prinzip "Religion" kath. Studenten und Akademikerverbände
Das KV-Archiv in Mönchengladbach
Politischer Katholizismus und Katholisches Verbandswesen
Biographisches Lexikon des KV, Teil 1
Biographisches Lexikon des KV, Teil 2
Biographisches Lexikon des KV, Teil 3
Biographisches Lexikon des KV, Teil 4
Biographisches Lexikon des KV, Teil 5
Biographisches Lexikon des KV, Teil 6
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5,50
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5,50
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