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GOOGLE – THE WORLD BRAIN. WAS PASSIERT WENN DIE

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GOOGLE – THE WORLD BRAIN.
WAS PASSIERT WENN DIE GANZE WELT ZUM INDEX WIRD?
Zur Entwicklung, Auswirkung und Bedeutung von Google
für unsere Informationsgesellschaft.
Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades
Bachelor of Arts in Publizistik
Vorgelegt dem: Fachbereich 02 – Sozialwissenschaften, Medien und Sport der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
von:
Dominique Sarah Joana Facciorusso
aus Worms
August 2013
Erstgutachterin:
Frau Dr. Melanie Magin
Zweitgutachterin:
Frau Prof. Dr. Birgit Stark
Abstract
Suchmaschinen wie Google nehmen eine immer größer werdende Bedeutung in
unserem beruflichen wie privaten Alltag ein. Die vorliegende Arbeit nähert sich der
Frage, welche individuellen und gesellschaftlichen Folgen eine allumfassende
Erfassung allen menschlichen Wissens hat. Hierzu wird zunächst in einem theoretischen
Diskurs geklärt, in welchem gesellschaftlichen Wandel wir uns derzeit befinden. Im
anschließenden Kapitel erfolgt eine kurze Einführung in die Entstehung, Funktion und
Bedeutung des Internets sowie der Suchmaschinentechnologie. Dort wird vor allem
festgehalten, welche Neuerungen und gesellschaftsrelevanten Bedeutungen die
jeweilige Technologie mit sich bringen. Da es sich bei Google um den derzeitigen
Marktführer der Suchmaschinenbranche handelt, richtet sich der Fokus im weiteren Teil
der Arbeit auf dieses Unternehmen. Es wird hier detailliert auf die technische und
ökonomische Dominanz des Unternehmens eingegangen und dessen wichtigste
Dienstleistungen und Produkte vorgestellt. In dieser Arbeit wird deutlich gemacht, dass
die Geschäftstätigkeiten und Interessen von Google weit über die reine Suchfunktion
hinausgehen und dem Konzern folglich eine enorme Relevanz in unserer Gesellschaft
zu Teil wird. Im fünften Kapitel soll die Suchmaschine der Zukunft unter Google
vorgestellt werden. Hierzu werden aktuelle technologische Entwicklungen aufgegriffen,
die für das Unternehmen von großer Bedeutung sind oder in Zukunft sein werden. Diese
sind das Cloud Computing, das Internet der Dinge und die Forschung an künstlicher
Intelligenz. Trotz der Potentiale, die der Suchmaschine inhärent sind, werden hier vor
allem die mit Google verbundenen individuellen und gesellschaftlichen Problematiken
erarbeitet. Diese werden ohne Anspruch auf Vollständigkeit in sechs eigens
aufgestellten Dimensionen vertieft. Ziel der Arbeit ist es, einen kritischen Diskurs und
ein Problembewusstsein gegenüber Google zu schaffen, um den Nutzer für einen
sensibleren Umgang mit der Suchtechnologie, dem Internet und vor allem mit den
Themen Autonomiewahrung, Datenschutz und Privatsphäre zu stärken.
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung .................................................................................................. 1
2.
Informations- oder Wissensgesellschaft? ............................................... 3
3.
Die Schnittstelle Mensch-Maschine ........................................................ 6
4.
5.
6.
3.1
Zur Entstehung, Funktion und Bedeutung des Internets .................. 7
3.2
Zur Entstehung, Funktion und Bedeutung von Suchmaschinen ....... 9
Google: Von der Garage zum Informationsmonopol ............................ 13
4.1
Technische Dominanz ....................................................................... 13
4.2
Marktdominanz ................................................................................. 15
4.3
Der Datensammler ............................................................................ 18
Google - The World Brain: Die Suchmaschine der Zukunft ................ 23
5.1
Cloud Computing .............................................................................. 24
5.2
Das Internet der Dinge ...................................................................... 26
5.3
Google und Künstliche Intelligenz .................................................... 27
Folgen für das Individuum und die Informationsgesellschaft .............. 31
6.1
Chancen ............................................................................................. 31
6.2
Risiken ............................................................................................... 32
7.
Fazit und Ausblick .................................................................................... 40
8.
Literaturverzeichnis..................................................................................... 41
1
1. Einleitung
„There is no practical obstacle whatever now to the creation of an efficient index to
all human knowledge, ideas and achievements, to the creation, that is, of a complete
planetary memory for all mankind. [...] This is no remote dream, no fantasy. It is a
plain statement of a contemporary state of affairs.“ 1
- Herbert G. Wells in „World Brain“ (1938).
Herbert G. Wells, einer der frühen Erfinder der Science-Fiction, beschreibt in seinem
Sammelwerk „World Brain“ einen Wissensapparat, der alles umfassen soll, was künftig
gelernt wird und je gelernt wurde, sprich die Aufzeichnung allen vorhandenen Wissens.
Heute, nach mehr als siebzig Jahren, klingt dies keinesfalls mehr nach einem ScienceFiction, sondern nach einem fester werdenden Bestandteil unseres Alltags, unserer
Realität. Mit der Erschaffung des Internets und des World Wide Web hat sich in den
letzten Jahrzehnten ein Großteil unserer Verhaltensweisen, unserer sozialen und
geschäftlichen Vernetzung auf den Online-Bereich verlagert. Mit der Digitalisierung ist
eine paradoxe Situation entstanden: Einerseits verlangt es uns heute nach immer mehr
Wissen und andererseits drohen wir in den Datenfluten des Webs zu ertrinken.
Suchmaschinen sollten dem Orientierungslosen daher als Navigationssystem durch die
dynamische und stets expandierende Datenlandschaft des Internets dienen, um digital
vorhandene Informationen zugänglich und damit nutzbar zu machen.2 Im Jahr 2012
waren laut der ARD/ZDF Online-Studie fast 76 Prozent der deutschsprachigen
Bevölkerung online. Davon nutzten 83 Prozent mindestens einmal wöchentlich die
Dienstleistung von Suchmaschinen, bei den 14-29 Jährigen liegt der Wert sogar bei 96
Prozent.3 Die Zahlen verdeutlichen, wie bedeutend das Internet und die Suchmaschinen
als ihr Katalogisierungssystem für die Informationsbeschaffung in unserer heutigen
Gesellschaft sind, geschäftlich wie privat. Umso relevanter ist es, dass der Markt derzeit
durch einen einzelnen Bewerber dominiert wird: Google. Nach einem kometenhaften
1
Vgl. Wells, Herbert G. (1938): World Brain. Verfügbar unter: http://freeread.com.au/@RGLibrary/Vgl. Becker, Konrad und Stalder, Felix (Hrsg.) (2010): Deep Search. Politik des Suchens jenseits von
Google. Innsbruck: Studien Verlag, S. 7.
3
Vgl. Mende, Annette/ Oehmichen, Ekkehardt und Schröter, Christian (2013): Gestaltwandel und
Aneignungsdynamik des Internets. Befunde aus den ARD/ZDF-Onlinestudien 1997 bis 2012. In: Media
Perspektiven, Heft 1, 2013, S. 35 f.
2
2
Aufstieg beherrscht die Suchmaschine mit circa 96 Prozent4 nicht nur die deutschen,
sondern mit 80 Prozent5 auch die weltweiten Suchanfragen aller Internetnutzer. Es gilt
jedoch zu beachten, dass die Bedeutung dieser Suchmaschine weit über die
ursprüngliche Suchfunktion hinausgeht. Mit der zunehmenden vertikalen Ausdehnung
der Geschäftstätigkeiten auf Sekundär- und Drittmärkten,6 festigt Google mit dem Kauf
strategisch wichtiger Unternehmen und dem Ausbau innovativer Technologien auch
dort seine globale marktbeherrschende Stellung. Das Unternehmen fungiert somit als
eine wichtige Schnittstelle zwischen Individuum und Information, die über die mediale
Wahrnehmbarkeit von Inhalten gebietet. 7 Im digitalen Zeitalter hat Google folglich
nicht nur einen Einfluss auf die öffentliche Kommunikations- und Meinungsbildung,
sondern es bestehen zudem enorme Abhängigkeiten zwischen Mensch und Maschine,
die unsere ganze Art zu Leben bereits jetzt entscheidend mitbestimmt.
Experten zufolge befinden wir uns aber gerade mal am Beginn eines neuen Zeitalters, in
dem künftig immer mehr Daten ihren Weg ins Netz finden und die physische Welt
immer mehr mit der des World Wide Web verschmelzen wird.8 Einige glauben, dass in
nicht allzu ferner Zukunft so ziemlich alles, was man digitalisieren kann, auf einer
einzigen Plattform gespeichert wird: dem Google-Netz.9 Es drängt sich somit zu Recht
die Frage auf, was passiert wenn die ganze Welt zum Index wird? Wie sieht die
Suchmaschine der Zukunft aus und welche Rolle spielt Google in der Umsetzung eines
solch allumfassenden Wissensapparates? Welche Investitionen und Innovationen sind
seitens Google bereits erfolgt, welche sind in Planung? Was hat die Erschaffung
Künstlicher Intelligenz mit Google zu tun? Welche Auswirkungen lassen sich für das
Individuum und für unsere Gesellschaft bereits jetzt beobachten, welche sind künftig
noch zu erwarten? Diese Fragen sollen unter anderem im Folgenden geklärt werden.
Trotz aller positiven Aspekte, die Google zweifellos mit sich bringt, ist hier ein
kritischer Blick notwendig.
4
Vgl. Schmidt, Holger (2012, 12.03.): Suchmaschinen: Googles Marktanteil steigt auf 96 Prozent in
Deutschland. Focus. Verfügbar unter: http://www.focus.de/digital/internet/netzoekonomieblog/suchmaschinen-googles-marktanteil-steigt-auf-96-prozent-in-deutschland_aid_723240.html [04.07.2013].
5
Vgl. Mende/ Oehmichen und Schröter (2013), S. 34.
6
Vgl. Paal, Boris (2012): Suchmaschinen, Marktmacht und Meinungsbildung. Baden-Baden: Nomos
Verlagsgesellschaft, S. 5.
7
Vgl. ebd., S. 23.
8
Vgl. Battelle, John (2006): Die Suche. Geschäftsleben und Kultur im Banne von Google & Co.
Kulmbach: Börsenmedien, S. 298.
9
Vgl. ebd., S. 299.
3
Zu Beginn werden die Begriffe „Wissens-„ und „Informationsgesellschaft“ analysiert,
um einen theoretischen Diskurs unseres gegenwärtigen gesellschaftlichen Wandels zu
schaffen. Es folgt eine Einführung in die Entstehung, Funktion und Bedeutung des
Internets sowie der Suchmaschinentechnologie. Da es sich bei Google um den
weltweiten Marktführer von Suchmaschinen handelt, wird dieser Gegenstand der Arbeit
sein. Zunächst sollen die technische und marktwirtschaftliche Dominanz von Google
sowie die wichtigsten Dienstleistungen, Tools und Funktionen des Unternehmens
vorgestellt werden. Anschließend wird die Suchmaschine der Zukunft unter Google
vorgestellt, bevor die gegenwärtigen wie auch künftigen Folgen für Individuum und
Gesellschaft herausgearbeitet werden. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der
wichtigsten Kernaussagen der Arbeit.
2. Informations- oder Wissensgesellschaft?
„How did I come to know what I know about the world and myself? What ought I to
know? What would I like to know that I don't know? If I want to know about this or
that, where can I get the clearest, best and latest information?“10
- Herbert G. Wells in „World Brain“ (1938).
In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Unzählige Etikettierungen tummeln sich
in der zeitgenössischen Sozialwissenschaft um ihre Identität: Konsum-, Risiko- und
Dienstleistungsgesellschaft oder vielleicht doch eher eine informationstechnologiebasierte Wissensdienstleistergesellschaft mit industriellem Kern? 11 Zunächst sollen
diese Bezeichnungen eine besondere Sicht auf die gesellschaftliche Wirklichkeit
ausdrücken, deren Phänomene als neuartig gedeutet werden.12 Am häufigsten wird der
Wandel
unserer
Gesellschaft
mit
den
Schlagworten
„Informations-“
„Wissensgesellschaft“ belegt, oftmals auch unter synonymer Verwendung.
10
13
oder
Diese
Vgl. Wells (1938).
Vgl. Hömberg, Walter (2008): Wissen ist Macht!? Medien – Kommunikation – Wissen. In: Raabe,
Joannes et al. (Hrsg.): Medien und Kommunikation in der Wissensgesellschaft. Konstanz: UVK
Verlagsgesellschaft, S. 29.
12
Vgl. Raabe, Johannes et al. (2008): Einleitung. In: Dies. (Hrsg.): Medien und Kommunikation in der
Wissensgesellschaft. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, S. 10.
13
Vgl. Kübler, Hans-Dieter (2009): Mythos Wissensgesellschaft. Gesellschaftlicher Wandel zwischen
Information, Medien und Wissen. Eine Einführung, 2., durchgesehene und erweiterte Auflage.
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 7.
11
4
beiden Ausdrücke sind jedoch nicht in einem Atemzug zu nennen. Vielmehr bedarf es
hier einer klaren Abgrenzung. Doch hier ist man sich im wissenschaftlichen Diskurs
einer einheitlichen Begriffsbestimmung nicht zwingend einig. Es scheint nahezu
paradox, dass trotz der so populären und selbstverständlichen Verwendung der Begriffe
kaum Wissen darüber existiert, was eine Informations- bzw. Wissensgesellschaft
eigentlich ist.14 Der Begriff „Wissensgesellschaft“ wurde durch den amerikanischen
Politologen Robert Lane erstmals verwendet und theoretisch begründet. In einem
Aufsatz prognostizierte dieser im Jahr 1966 mit einem Bedeutungszuwachs von
wissenschaftlichem Wissen einen gleichzeitigen Niedergang von irrationaler Politik und
Ideologien.15 Auch nach dem Soziologen Nico Stehr befinden wir uns zweifelsohne auf
dem Weg zur Wissensgesellschaft.16 In der wissenschaftlichen, wie auch öffentlichen
Debatte ist der Begriff jedoch heftig umstritten. Skeptiker wie der Sozial-, Kultur- und
Medienwissenschaftler Hans-Dieter Kübler sprechen bspw. vom „Mythos der
Wissensgesellschaft“.17
Demnach war die Produktion, Speicherung und Vermittlung von Wissen seit jeher Teil
der menschlichen Entwicklung. So sei jede Gesellschaft im Prinzip auch immer eine
Wissensgesellschaft gewesen. Was sich dabei jeweils nur geändert habe, seien die
Dimensionen der Zugänglichkeit, Beschleunigung, Formen, Vervielfältigung, Quantität,
Dokumentation und Speicherung, nicht aber die Qualität und Relevanz von Wissen.18
Ohne Zweifel haben Technologien wie der Chip, das Internet, das World Wide Web
oder auch Suchmaschinen den Zugang zur Information und den Speichern des Wissens
grundlegend verändert. 19 Aber bedeutet dies, dass unsere Gesellschaft dadurch
tatsächlich eine „wissendere“ geworden ist? Sprich, dass sich dieses „Mehr-Wissen“ als
neuartiges Phänomen von der vorigen Gesellschaftsform klar unterscheiden lässt?
Zunächst einmal gilt: Am Anfang gibt es einfach nur Daten, die für sich genommen
bedeutungslose Punkte in Raum und Zeit sind. Beziehen sich diese Daten auf einen
logischen und systematischen Kontext, sprich sie können zu anderen Daten in
14
Vgl. Bittlingmayer, Uwe und Bauer, Ullrich (2006): Strukturierende Vorüberlegungen zu einer
kritischen Theorie der Wissenschaft. In: Dies. (Hrsg.): Die „Wissensgesellschaft“. Mythos, Ideologie oder
Realität. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 13.
15
Vgl. Stehr, Nico (1994): Arbeit, Eigentum und Wissen. Zur Theorie von Wissensgesellschaften.
Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 14, 26 f.
16
Vgl. ebd., S. 524.
17
Vgl. Kübler (2009).
18
Vgl ebd., S. 7 f.
19
Vgl. Hömberg (2008), S. 36.
5
Beziehung gesetzt werden, dann erst entsteht Information. 20 Ohne menschliche
Vernunft, Sinneszuweisung und Bewertung bleibt sie jedoch bedeutungslos und somit
unbrauchbar. Wissen entsteht erst aus der Kontextualisierung von Information, sprich
der Einordnung von Informationen in einen Sinnzusammenhang. Da dieser Kontext
aber perspektivenabhängig ist,21 kann es kein absolutes Wissen und folglich auch keine
„Wissensgesellschaft“ als solche geben. Die Speicherkapazitäten des menschlichen
Gedächtnisses sind im Gegensatz zu denen der heutigen Computer stark begrenzt. Ein
Mensch kann während eines sechzigjährigen Lebens im Durchschnitt nur etwa 150 bis
225 Megabyte dauerhaft abspeichern. 22 Sprich ein Vielfaches weniger als die Menge,
die auf einer normalen Festplatte eines Computers Platz findet.23 Hält man unseren
begrenzten Bytes die gigantische Größenordnung an Informationen entgegen, die die
Digitalisierung mit sich gebracht hat und weiterhin bringen wird, so lässt sich wohl
schwerlich von einer „Wissensgesellschaft“ sprechen. Trotz der Abwendung von dem
Begriff, soll hier aber nicht der wachsende Stellenwert des Wissens als Ressource
aberkannt werden.
Mithilfe intelligenter Netzwerke sowie Informations- und Kommunikationstechnologien
lassen sich heute Informationen besser denn je verbreiten, speichern und auffinden. In
dieser stetig ansteigenden Informationsflut gewinnt Wissen in unserer Gesellschaft
immer mehr an Bedeutung.24 Jedoch fußt dieses Wissen, wie bereits erläutert, auf
zuverlässiger Information und einer bedeutungsgerechten Beurteilung des Menschen.
Somit lässt sich weniger das „Mehr-Wissen“, sondern der erhöhte Bedarf an
zuverlässiger Information als neuartiges Phänomen unserer Zeit identifizieren. Daher
soll in der hier vorliegenden Arbeit von einer Informationsgesellschaft gesprochen
werden. Nach David Brooks, einem populären Kolumnist der New York Times, besteht
die Magie des Informationszeitalters nicht in der Möglichkeit mehr, sondern weniger zu
wissen.25 Durch die stetig zunehmende Nutzung digitaler Speicher und internetbasierter
Suchmaschinentechnologien wird unser Gedächtnis gewissermaßen ausgelagert. Nicht
mehr das Wissen selbst wird memoriert, sondern sein Auffindungsweg.
20
Vgl. Haber, Peter (2005): „Google-Syndrom“. Phantasmagorien des historischen Allwissens im World
Wide Web. In: Epple, Angelika und Haber, Peter (Hrsg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die
historische Erkenntnis. Version 1.0. Zürich: Chronos (Geschichte und Informatik, 15), S. 75 f.
21
Vgl. ebd., S. 76.
22
Vgl. ebd., S. 35.
23
Vgl. ebd., S. 35.
24
Vgl. Hömberg (2008), S. 34; Kübler (2009), S. 17.
25
Vgl. Carr, Nicholas (2010): Wer bin ich, wenn ich online bin... Und was macht mein Gehirn so lange?
Wie das Internet unser Denken verändert. München: Blessing, S.283.
6
3. Die Schnittstelle Mensch-Maschine
„Our world is changing and it is changing with an ever-increasing violence. An old
world dies about us. A new world struggles into existence.“26
- Herbert G. Wells in „World Brain“ (1938).
Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber was Wells beschreibt ist stets dasselbe
Phänomen, welches eine kulturtechnische Veränderung begleitet.27 Die Veränderung ist
meist von der Angst geprägt, dass der Mensch in den Hintergrund gedrängt wird und
irgendwann nicht mehr wichtig sein könnte. So kritisierte Sokrates bspw. die Schrift
dafür, dass sie das Gedächtnis verkümmern lasse.28 Es ist die Angst vor dem Verlust
eines bestimmten Aspekts der Wirklichkeit, einer eingespielten Form des Umgangs mit
dieser.29 Betrachtet man den Faktor des befürchteten Verlustes kognitiver Fähigkeiten,
so erklärt der Medienphilosoph Prof. Dr. Frank Hartmann, dass das Gehirn schon immer
auf seine Entlastung ausgelegt war.30 Träume helfen uns bspw. dabei die Eindrücke des
Tages zu verarbeiten und die Interaktion mit anderen Menschen mittels Kommunikation
entlastet ebenfalls unser Gehirn. Streng genommen gibt es so etwas wie ein einzelnes
Gehirn oder einen eigenen Kopf gar nicht, so Hartmann weiter. Denn „jedes Gehirn ist
Teil eines Netzes, es interagiert ständig mit anderen Gehirnen. Das ist der Grund,
warum Menschen Sprache entwickelt haben und warum sie ständig kommunizieren.“31
Da Menschen kognitiv nicht fähig sind, sich an alles exakt zu erinnern, haben sie ihr
Wissen schon immer in künstliche Gedächtnisse ausgelagert und daher Datenträger
bzw. Medien entwickelt. 32 Beispiele hierfür wären unter anderem die Erschaffung von
Bibliotheken, die Erfindung der großen Enzyklopädie oder des Mikrofilms. 33 Die
globale Vernetzung der Computer setzt somit nur eine Entwicklungslinie fort, die
bereits vor Urzeiten begonnen hat. Denn „nicht in seinem Kopf existiert der Mensch,
26
Vgl. Wells (1938).
Vgl. Hartmann, Frank (2012): Virtualität und Wirklichkeit – Eine philosophische Betrachtung. In:
Schwartmann, Rolf (Hrsg.): Leben im Schwarm – Wie das Internet uns verändert. Frankfurt a.M.: Peter
Lang (Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, 3), S. 55.
28
Vgl. ebd., S. 55.
29
Ebd., S. 55.
30
Vgl. ebd., S. 55.
31
Ebd., S. 56.
32
Vgl. ebd., S. 56.
33
Vgl. Haber (2005), S. 78 f.
27
7
vielmehr ist seine Existenz ein Außer-sich-Sein, für das er immer wieder neue mediale
Formen entwickelt.“ 34
In den folgenden Unterkapiteln sollen daher die Entwicklung, die Funktion und die
Bedeutung des Internets sowie der Suchmaschinen als Fortsetzung dieser Auslagerung
behandelt werden. Hierbei interessiert vor allem der Aspekt des Neuen, der diesen
technischen Entwicklungen inhärent ist.
3.1 Zur Entstehung, Funktion und Bedeutung des Internets
Das Internet entwickelt sich aus dem 1969 eingesetzten ARPANET, einem Projekt der
Defensive Advanced Research Project Agency (DARPA). Die DARPA wird im Jahr
1957 als Grundlagenforschungseinrichtung durch das US-Verteidigungsministerium
gegründet. Ein entscheidendes Ziel der Agentur ist unter anderem die Entwicklung
eines dezentralen Computernetzwerks zur Beschleunigung des Wissens- und
Informationsaustausches.35 Vint Cerf und Robert Kahn, einer der wichtigen “Väter des
Internets“, stellen 1973 das Transmission Control Protocol (TCP/IP) vor. Das
Internetprotokoll ermöglicht die Verbindung zwischen technisch unterschiedlichen
Computer-Netzwerken und entwickelt sich später zum Standard für den Datenaustausch
im Internet. 36 Es gilt als entscheidender Faktor beim Aufbau des weltweiten Internets.37
Tim Berners-Lee, ein Informatiker am Schweizer Kernforschungszentrum CERN,
entwickelt 1989 das World Wide Web (WWW, kurz: Web), das zur massenhaften
Durchsetzung des Internets führte. 38 Das Web wird häufig mit dem Internet
gleichgesetzt, was jedoch nicht richtig ist. Mit dem Begriff des Internets ist ein
weltumspannendes Netz von vielen einzelnen Computernetzwerken gemeint. 39 Mit
Diensten40 wie etwa E-Mail, Chat, Internettelefonie oder dem bekanntesten Dienst, dem
World Wide Web wird diese Infrastruktur erst zum Leben erweckt.41
Im Folgenden soll die Frage geklärt werden, was das Neue an dem Medium Internet ist
und wie sich die Bedeutung bzw. das Potential des Internets beschreiben lässt.
34
Hartmann (2012), S. 56.
Vgl. Warnke, Martin (2011): Theorien des Internets zur Einführung. Junius: Hamburg, S. 29 ff.
36
Vgl. ebd., S. 44 f.
37
Vgl. ebd., S. 47.
38
Vgl. ebd., S. 50.
39
Vgl. Frickel, Claudia (2009, 13.03.): Internet versus World Wide Web. In: Focus Online. Verfügbar
unter:
http://www.focus.de/digital/internet/internetgeschichte/tid-13637/vor-20-jahren-internet-versusworld-wide-web_aid_379722.html [16.07.2013].
40
Alle diese Dienste bauen auf den TCP/IP-Protokollstandards auf.
41
Vgl. Frickel (2009, 13.03.).
35
8
Das Internet vereint technische Optionen vieler älterer Medien, wie Multimedialität,
Interaktivität, Partizipation, Personalisierung, Archivierung oder auch die globale
Zugänglichkeit. Nach dem Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Christoph
Neuberger lässt sich das Potenzial des Internets in drei Dimensionen darstellen: die
Sozialdimension, Kanal- und Zeichendimension sowie Raum- und Zeitdimension. 42
Mit der Sozialdimension beschreibt Neuberger, dass das Internet verschiedene Arten der
Kommunikation verbindet, die durch die Nutzerzahl (one to one, one to many und many
to many), die Zugänglichkeit der Mitteilung (öffentlich und privat) sowie die Richtung
der Kommunikation (ein- und zweiseitig) bestimmt sind. Bisher konnten diese meist nur
getrennt in unterschiedlichen Einzelmedien oder in der Face-to-Face-Kommunikation
realisiert werden, so Neuberger.43 Das Internet vereinfacht den kommunikativen Zugang
zur Öffentlichkeit, da es jedem ohne großen Aufwand möglich ist als Kommunikator
aufzutreten. Im Gegensatz zu traditionellen Massenmedien erlaubt das Internet einen
flexiblen Wechsel zwischen der Rolle als Kommunikator und Rezipienten.44 Weiterhin
beinhaltet das multimediale Internet das Kanal- und Zeichenrepertoire älterer
Einzelmedien, wie bspw. Text und Fotografie aus dem Printbereich, Video und
Animation aus dem Film und Audio aus Funk wie auch Film. 45 Es sind hier völlig neue
Kombinationen der einzelnen Elemente möglich. Vor allem das Bewegtbild im Netz
sowie crossmediale Beziehungen zwischen Internet und traditionellen Massenmedien
sind immer häufiger zu beobachten. Infolge der technischen Konvergenz lösen sich hier
die Grenzen zwischen den einzelnen Medien immer weiter auf. 46 Beispiele dafür sind
das Webradio, Mediatheken oder auch smarte Fernsehgeräte. Die Raum- und
Zeichendimension beinhaltet die erweiterte Möglichkeit der Kommunikation in Raum
und Zeit. Das Internet verbindet demnach die Stärken eines Online-Mediums
(permanente und schnelle Verbreitung) mit denen eines Offline-Mediums (zeitlich
flexible Nutzung und Speicherfähigkeit). Internetbeiträge können, egal wann und wo sie
verfasst wurden, miteinander verknüpft werden und sind zudem über mobile Endgeräte
überall und zu jeder Zeit verfügbar.47
42
Vgl. Neuberger, Christoph (2012): Strukturen der Öffentlichkeit im Internet – Eine Skizze. In:
Schwartmann, Rolf (Hrsg.): Leben im Schwarm – Wie das Internet uns verändert. Frankfurt a.M.: Peter
Lang (Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, 3), S. 21.
43
Vgl. ebd., S. 21.
44
Vgl. ebd., S. 21 f.
45
Vgl. ebd., S. 22.
46
Vgl. ebd., S. 22.
47
Vgl. ebd., S. 22.
9
Weiterhin sind nach Neuberger die Faktoren Multioptionalität und Dezentralität als
Merkmale des Internets zu nennen. Die Multioptionalität beschreibt das enorme
technische Potential des Internets, die zu einer bisher nicht gekannten Formbarkeit eines
Mediums und folglich einem Überschuss an Möglichkeiten führt.
48
Mit der
Dezentralität ist die erweiterte Partizipation an der Öffentlichkeit durch das Internet
gemeint. Neben journalistisch-professionellen Akteuren wird das Internet auch von
einem aktiven Publikum und Akteuren mit kommerziellen sowie anderen partikularen
Interessen gestaltet.49
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Internet seit seiner massenhaften
Verbreitung für einen grundlegenden Wandel unserer Gesellschaft verantwortlich ist.
Unter anderem kommt ihm als Werkzeug der Informationsbeschaffung in allen Lebensbereichen eine herausragende Rolle zu.50 Es ermöglicht durch seine unterschiedlichen
Informationsangebote die Entstehung unterschiedlicher Ansichten und Denkweisen und
unterstützt die freie Meinungsäußerung.51 Trotz der positiven Aspekte, die das Internet
impliziert, sehen sich die Rezipienten mit einer Fülle an Daten konfrontiert, die zu einer
quantitativen (Informationsflut) wie auch qualitativen (Informationsmüll) Überforderung
führt. Im Gegensatz zum grenzenlosen Web, herrscht auf der Seite der Rezipienten eine
Knappheit an Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen. 52 Aus diesem Grund sind im
Internet Instrumente erforderlich, die den Nutzern den Zugang zu Informationen nicht
nur erleichtern, sondern oftmals erst zugänglich machen: Suchmaschinen.
3.2 Zur Entstehung, Funktion und Bedeutung von Suchmaschinen
Trotz der Etablierung des World Wide Web, nutzen Anfang der 90er Jahre vorwiegend
Wissenschaftler und Techniker das Internet, um Daten auf öffentlichen Computern zu
speichern. Wenn man allerdings nicht die exakte Adresse oder den Dateinamen kannte,
war es fast unmöglich diese Archive aufzufinden.53 Das Suchprogramm Archie war
1990 die erste Suchmaschine im Internet, mit der es möglich war, Dateien und Ordner
nach den gewünschten Begriffen auszulesen. Allerdings verfügte Archie, genau wie sein
48
Vgl. Neuberger, Christoph (2012), S. 23.
Vgl. ebd., S. 23 f.; 27.
50
Vgl. Elixmann, Robert (2011): Datenschutz und Suchmaschinen. Neue Impulse für einen Datenschutz
im Internet. Berlin: Duncker & Humblot (Beiträge zum Informationsrecht, 29), S. 23.
51
Vgl. Paal (2012), S. 5.
52
Vgl. ebd., S. 28.
53
Vgl. Battelle (2006), S. 33.
49
10
Nachfolger Veronica über keine semantischen Fähigkeiten, sprich sie erkennen den
Namen des Dokuments, nicht aber seinen Inhalt.54 Mit der massenhaften Verbreitung
des Webs stieg auch der Bedarf an neuen Suchdiensten. Der WebCrawler leitet 1994
eine neue Generation mächtigerer Suchmaschinen ein. Er ist die erste Suchmaschine,
die den gesamten Text der gefundenen Seiten indiziert und somit einen wichtigen
Beitrag zur Weiterentwicklung der Suche leistet. 55 Im Jahr 1995 entstehen einige
weitere wichtige Webadressen wie Lycos, Excite und Yahoo. Bei Yahoo handelt es sich
ursprünglich um einen Verzeichnisdienst, in dem Links nach Kategorien und
Unterkategorien geordnet werden. Später bietet Yahoo ebenfalls eine Suchfunktion an,
überlässt diese jedoch Partnerunternehmen wie AltaVista und später Google.56 Mit der
Strategie, die Suchfunktion ins Zentrum zu stellen, ist AltaVista Mitte der 90er Jahre die
erfolgreichste Suchmaschine im Web,57 bevor sie 199858 von Google abgelöst wird. Die
Page-Rank-Technologie verhilft Google zu einem Erfolg, den bis heute keine andere
Suchmaschine für sich verbuchen konnte.59
Nun stellt sich natürlich die Frage, was eigentlich die grundlegende Funktionsweise
einer Suchmaschine ist. Eine textorientierte Suchmaschine wie Google besteht aus drei
Hauptteilen: dem Crawler, dem Index und dem Laufzeitsystem.60 Am Anfang steht
immer die Benutzeranfrage. Der Weg zum Ergebnis beginnt mit dem Crawler. Bei
einem Crawler handelt es sich um ein spezielles Softwareprogramm, das im Web eine
Webseite öffnet, sie analysiert und zu den dort hinterlegten elektronischen
Querverweisen (Links) springt.61 Hinter diesen Links verbergen sich wiederum andere
Webadressen, die vom Crawler aufgesucht, analysiert und abgespeichert werden. Ein
Crawler wählt somit permanent Adressen an und berichtet was er dort gefunden hat.
Jeder neu gefundene Link wird in eine Liste, den sogenannten Index62 aufgenommen.63
Dieser ermöglicht später das Auffinden von Webseiten anhand von Wörtern, Links oder
54
Vgl. Battelle (2006), S. 54.
Vgl. ebd., S. 55 f.
56
Vgl. ebd., S. 80 f.
57
Vgl. ebd. S. 59.
58
Vgl. Reppesgaard, Lars (2008): Das Google-Imperium. Google kennt dich besser als du denkst.
Hamburg: Murmann, S. 15.
59
Vgl. Patzwald, Klaus (2005): Suchmaschinenlandschaften. In: Lehmann, Kai und Schetsche, Michael
(Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens. Bielefeld: transcript Verlag, S. 76.
60
Vgl. Battelle (2006), S. 33.
61
Vgl. ebd., S. 32 f.
62
Der Index ist ein „als separate Datei gespeichertes Verzeichnis von Adressen“ (Duden (2013a): Index.
Verfügbar unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Index [17.07.2013]).
63
Vgl. Battelle (2006), S. 33 f.
55
11
Ankertexten64. Je mehr Seiten der Crawler analysiert, umso vollständiger wird der
Index. Je umfassender der Index ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die aufgelisteten
Webseiten auch die für die Suchanfrage relevanten Ergebnisse enthalten.65 Nachdem die
Daten des Crawlers analysiert, indiziert und markiert sind, werden sie in den
sogenannten Laufzeitindex übertragen. Hierbei handelt es sich um die Datenbank, die
dem Suchmaschinennutzer die passende Ergebnisliste liefert, sprich die Relevanz und
Rangfolge der Suchergebnisse verwaltet.66 Der Laufzeitindex fungiert somit als eine
Brücke zwischen dem Hintergrund der Suchmaschine (Crawler und Index) und dem
Vordergrund (Suchfeldeingabe und Schnittstelle Mensch-Maschine).67
Wie eingangs bereits erläutert, haben sich Suchmaschinen als ein unverzichtbares
Werkzeug unserer alltäglichen Suche nach Informationen etabliert. Ohne die
komfortable Volltextsuche ist es heute kaum noch denkbar, wie sich der Zugang zu den
benötigten Informationen im Web gestalten ließe.68 Somit gewinnen Suchmaschinen als
Universalschnittstelle zwischen uns und der digitalen Welt eine weit über das reine
Internet hinausgehende Bedeutung und werden folglich zu einer Schlüsseltechnologie in
der realen Welt.69 Sie dienen beispielweise der Freiheit der Informationsbeschaffung
und sind zugleich auch Plattformen für die Verbreitung von Informationen wie auch
Meinungen. Folglich fungieren sie in unserer globalen Informationsgesellschaft als ein
wichtiges Instrument zur Verwirklichung der Meinungsäußerungsfreiheit und des freien
Austauschs von Informationen und Ansichten.70 Weiterhin haben Suchmaschinen aber
auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Die Online-Suche hat sich innerhalb kürzester Zeit
zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt.71 Beispiele hierfür sind der OnlineAnzeigenmarkt oder auch die Suchmaschinenoptimierung, sprich die Verbesserung der
Rangposition von Webseiten in der Ergebnisliste. Die Grenze zwischen Optimierung
64
Hinter dem Text bzw. Wort verbirgt sich ein Link, der mit der Maus angeklickt werden kann.
Vgl. Battelle (2006), S. 34.
66
Vgl. ebd., S. 32 ff.
67
Vgl. ebd., S. 35.
68
Röhle, Theo (2010a): Der Google Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets. Bielefeld:
transcript Verlag, S. 11.
69
Vgl. Mattern, Friedemann (2008): Suchmaschinen – eine kurze Einführung. In: Ders. (Hrsg.): Wie
arbeiten Suchmaschinen von morgen? Informationstechnische, politische und ökonomische Perspektiven.
München: acatech, S. 11 f.
70
Vgl. Weichert, Thilo (2009): Datenschutz bei Suchmaschinen. In: Lewandowksi, Dirk (Hrsg.):
Handbuch Internet-Suchmaschinen. Nutzerorientierung in Wissenschaft und Praxis. Heidelberg: AKA
Akademische Verlagsgesellschaft, S. 285.
71
Vgl. Mattern (2008), S. 14.
65
12
und Manipulation ist allerdings fließend.72 Weiterhin kommt den Suchmaschinen durch
ihre meinungs- und marktmächtige Stellung73 eine machtpolitische Bedeutung zu: Zum
einen erfüllen sie durch die Filterung, Reduktion und Bearbeitung der Informationen
eine sogenannte Gatekeeperfunktion. Metaphorisch betrachtet, steht die Suchmaschine
wie ein Torwächter zwischen den Information im Web und dem Suchenden. Eine
Beeinflussung des Index oder Algorithmus, die die Ergebnislisten steuern, kann somit
als hochsensibler Eingriff in die internetbasierte Kommunikation und folglich als
Einschränkung der Informations- und Meinungsvielfalt gesehen werden.74Zum anderen
sind die Markteintrittschancen für neue Suchmaschinenbetreiber aufgrund des
erforderlichen technologischen Know-Hows und der hohen Kosten für Infrastruktur
sowie Forschung und Entwicklung sehr gering.75 Das heißt, der Suchmaschinenmarkt
ist derzeit von einer monopolartigen Struktur geprägt, allen voran: Google. Dem
Unternehmen kommt aufgrund seiner Stellung daher eine bedeutende gesellschaftliche
Verantwortung zu, der es sich nicht einfach entziehen kann.76 Die Konzentration der
Selektionsfunktion in wenigen Händen, bzw. in den Händen von Google birgt
grundsätzlich das Risiko des Missbrauchs. 77 Bereits des Öfteren war der Konzern
Gegenstand datenschutzrechtlicher, gesellschaftspolitischer wie auch ökonomischer
Kritik und sorgt auch weiterhin für öffentliche Debatten. Die aktuellsten sollen im
angehenden Teil der Arbeit themenspezifisch Beachtung finden.
Im Folgenden soll zunächst der Google-Konzern vorgestellt werden. Zum einen wird
hier auf seine technische und ökonomische Dominanz aufmerksam gemacht, indem vor
allem das Page-Rank-Verfahren kurz erläutert und anschließend seine strategisch
wichtigsten Übernahmen genannt werden. Zum anderen werden die wichtigsten
Dienstleistungen, Tools und Funktionen von Google vorgestellt. Hierbei soll
verständlich gemacht werden, dass die Geschäftstätigkeiten und Interessen des
Unternehmens weit über die reine Suchfunktion hinausgehen und Google folglich in
unserer Gesellschaft einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert einnimmt.
72
Vgl. Mattern (2008), S. 15.
Vgl. Paal (2012), S. 20.
74
Vgl. Schulz, Wolfgang und Held, Thorsten (2007): Der Index auf dem Index? Selbstzensur und
Zensur bei Suchmaschinen. In: Machill, Marcel und Beiler, Markus (Hrsg.): Die Macht der
Suchmaschinen/ The Power of Search Engines. Köln: Halem Verlag, S. 71; Paal (2012), S. 20; 46.
75
Vgl. ebd., S. 16.
76
Vgl. ebd., S. 16.
77
Vgl. ebd., S. 16.
73
13
4. Google: Von der Garage zum Informationsmonopol
„Meine Eltern brachten mir bei, dass viele der größten Wissenschaftler aller Zeiten
erfolgreich waren, weil sie die vorherrschende Meinung ignorierten und ihren
eigenen Instinkten folgten. Ich verstehe jetzt, dass es im Unternehmertum nicht
anderes ist. Die Leute, die mit den herrschenden Ansichten brechen, verursachen
anderen Unbehagen. Aber sie sind es, die die Welt verändern.“78
- Larry Page, Mitbegründer und CEO von Google.
4.1 Technische Dominanz
Was war also an Google anders als an den vorigen Suchtechnologien? Keines der
Unternehmen hatte sich bisher mit der Linkauswertung befasst.79 Das entscheidend
Neue bei Google ist das sogenannte Page-Rank-Verfahren, das eine Bewertung der
Webseiten anhand von „Backlinks“ und anderen Qualitätskriterien berücksichtigt.80 Für
die Erstellung einer Trefferliste leitet sich der Rang der angezeigten Ergebnisse folglich
nicht nur von der Anzahl der Links zu einer Seite ab, sondern auch aus welcher Quelle
die Links stammen. Je beliebter die verlinkte Seite, desto wertvoller der Link und desto
höher klettert die Webseite in der Ergebnisliste.81 Jeder Verweis auf eine Seite wird von
den Google-Gründern sozusagen als eine Wahlstimme im demokratisch strukturierten
Web betrachtet.82 Der Page-Rank hat demnach den Anspruch objektiv zu sein und eine
reale Topologie des Webs widerzuspiegeln. 83 Verinnerlicht man die Aussage des
Informatikers und Gesellschaftskritikers Joseph Weizenbaum, dass nicht alle Aspekte
der Realität berechenbar sind, so kann festgehalten werden, dass die Ergebnislisten von
Google dem Gebot der Popularität, nicht aber zwingend der “Wahrheit“ gehorchen.84
Man erinnere sich hierfür nur an die bereits erwähnten Suchmaschinenoptimierer, die
78
Zitiert nach Brandt (2010), S.189.
Levy, Steven (2012): Google Inside. Wie Google denkt, arbeitet und unser Leben verändert.
Heidelberg (unter anderem): mitp, S. 30.
80
Vgl. Mende/ Oehmichen und Schröter (2013), S. 34.
81
Vgl. Levy (2012), S. 30.
82
Vgl. Patzwald (2005), S. 76.
83
Vgl. Stalder, Felix und Mayer, Christine (2010): Der zweite Index. Suchmaschinen, Personalisierung
und Überwachung. In: Becker, Konrad und Stalder, Felix (Hrsg.): Deep Search. Politik des Suchens
jenseits von Google. Innsbruck. Studien Verlag, S. 112.
84
Vgl. Lovink, Geert (2010): Die Gesellschaft der Suche. Fragen oder Googeln. In: Becker, Konrad und
Stalder, Felix (Hrsg.): Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google. Innsbruck. Studien Verlag,
S. 53 ff.
79
14
für eine bessere Beachtung von Webseiten sorgen sollen. Die Gleichsetzung von
Bedeutung mit Beliebtheit ist daher der Kern der Kritik am Page-Rank-Verfahren.85
Zudem herrscht auch keine Transparenz darüber, nach welchen genaueren Kriterien der
Algorithmus bei seiner Bewertung der Links vorgeht. 86 Da der Page-Rank das
Herzstück von Google ist, bleibt dieser weiterhin ein gut gehütetes Geheimnis. Nun
besteht aber die große Frage darin, wie man mit Suchmaschinen Geld verdienen kann,
ohne seine Nutzer missmutig zu stimmen: kontextabhängige Werbung. Werbekunden
können so ihre Anzeigen auf bestimmte Stichworte schalten, die dann nur den Nutzern
angezeigt werden, deren Suchanfrage diese Stichwörter auch enthalten. Diese Technik
wurde ursprünglich von Bill Gross, dem Gründer der Suchmaschine Goto.com
entwickelt. 87 Google kopiert im Grunde die Goto-Methode und führt im Jahr 2000
seinen neuen Dienst AdWords ein, 88 der künftig passende Anzeigen neben den
Suchergebnissen platziert. Den dritten großen technischen Vorsprung erreicht Google
durch die Übernahme des Unternehmens Applied Semantics, das ein Anzeigensystem
namens AdSense entwickelt hat.89 Die Platzierung dieser Anzeigen erfolgt ähnlich wie
bei AdWords, allerdings werden sie nicht auf von Google betriebenen Seiten platziert,
sondern auf Seiten Dritter.90 Der Unterschied zu AdWords besteht darin, dass nicht
mehr die Suchanfragen der Nutzer entscheidend sind, sondern der Inhalt von
Internetseiten.
Google hat sich zwar zum Synonym für alle Suchmaschinen etabliert, doch wären seine
Gründer ohne die Technologien im Bereich der Onlinewerbung keinesfalls zu einem
weltweit bedeutenden Unternehmen herangewachsen.91 Das Schalten von Werbung ist
für den Suchgiganten folglich die zentrale Einnahmequelle. Im Jahr 2012 beträgt der
Anteil der Werbeeinnahmen bei Google über 96 Prozent an den Gesamteinnahmen.92
85
Vgl. Rieder Bernhard (2010): Demokratisierung der Suche? Von der Kritik zum gesellschaftlich
orientierten Design. In: Becker, Konrad und Stalder, Felix (Hrsg.): Deep Search. Politik des Suchens
jenseits von Google. Innsbruck. Studien Verlag, S. 155.
86
Die Relevanz einer Seite wird aus weit über 100 Faktoren bestimmt (vgl. Battelle (2006), S. 35).
87
Vgl. Röhle, Theo (2010b): Macht. Die Demontage der Gatekeeper. Relationale Perspektive zur Macht
der Suchmaschinen. In: In: Becker, Konrad und Stalder, Felix (Hrsg.): Deep Search. Politik des Suchens
jenseits von Google. Innsbruck. Studien Verlag, S. 142.
88
Vgl. Battelle (2006), S. 152.
89
Vgl. Brandt, Richard (2010): Googles kleines Weißbuch. Die Managementstrategien der wertvollsten
Marke der Welt. München: Finanz Buch Verlag, S. 90.
90
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 64.
91
Vgl. ebd., S. 57.
92
Vgl. Mende/ Oehmichen und Schröter (2013), S. 34.
15
4.2 Marktdominanz
Wie eingangs bereits erläutert, beherrscht die Suchmaschine den deutschen wie auch
weltweiten Suchmaschinenmarkt. Ein Vergleich zwischen Deutschland und den USA
zeigt, dass Googles Vormachtstellung auf dem deutschen Markt besonders ausgeprägt
ist.93 Auch die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: Seit 2004 ist Google
börsennotiert94 und belegt bereits acht Jahre später Platz fünf der zehn wertvollsten
Unternehmen der Welt.95 Seine Dominanz bezieht sich heute aber nicht mehr alleine auf
das
ursprüngliche
Geschäftsmodell
der
Suchfunktion.
Durch
eine
offensive
Zukaufpolitik hat sich Google immer mehr zu einem Portal entwickelt, das für seine
Nutzer verschiedene, meist kostenlose Dienste anbietet. 96 Diese Ausbreitung der
Geschäftstätigkeiten hat größtenteils ein Vorrücken in andere Medienmärkte wie auch
Fremdmärkte zur Folge. Da es sich bei Google Inc. um ein enorm kapitalstarkes97 und
äußerst innovatives Unternehmen handelt, sind hohe Investitionen in neue Projekte und
Übernahmen möglich, die dort wiederum eine oligopol- bzw. monopolartige Stellung
bedeuten können. Beispiele hierfür wären folgende: Durch die Übernahme von
Blogger.com (2003) wird Google einer der größten Anbieter von Software und
Speicherplatz für Webtagebücher. Über 90 Millionen Menschen nutzen weltweit diesen
Dienst. 98 Der Kauf des Smartphone-Betriebssystem Android (2005), das in über
900.000 Millionen Geräten unterschiedlichster Hersteller steckt,
99
hat Google
mittlerweile zum Marktführer in der Branche gemacht. 100 Mit der Übernahme des
populärsten Videoportals YouTube.com (2006) gewinnt Google im Onlinevideo-Bereich
eine ähnliche Monopolstellung wie bei der Internetsuche.101 Zum Zeitpunkt, zu dem
Google das Anzeigennetzwerk DoubleClick (2007) übernimmt, hat dieses Unternehmen
93
Vgl. Röhle, Theo (2010a), S. 20.
Vgl. ebd., S. 21.
95
Vgl. o.V. (2012, 26.09.): Die Dominanz der High-Tech-Aktien. In: Boerse.ARD.de. Verfügbar unter:
http://boerse.ard.de/anlagestrategie/branchen/apple-google-microsoft-facebook-wertvollste-unternehmender-welt100.html [23.07.2013].
96
Vgl. Mende/ Oehmichen und Schröter (2013), S. 34.
97
Der Umsatz von Google Inc. beträgt 2012 über 50 Milliarden und der Gewinn über 10,7 Milliarden
US-Dollar (vgl. Nguyen, The-Khoa (2013, 23.01.): Google Inc. macht 2012 über 50 Milliarden USDollar Umsatz. In: PC Magazin. Verfügbar unter: http://www.pc-magazin.de/news/google-inc-2012-50milliarden-us-dollar-umsatz-starkes-werbe-q4-1468903.html [23.07.2013]).
98
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 23.
99
Vgl. Kremp Matthias (2013, 15.05.): Google-Chef Page fordert mehr Innovationen. In: Spiegel
Online. Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/liveticker-zur-google-praesentation-auftrittvon-larry-page-a-900055.html [23..07.2013].
100
Vgl. Klasen, Oliver und Hagen, Hans (2012, 20.07.): Google macht Gewinn ohne Ende. In:
Süddeutsche.de. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internetunternehmen-googlemacht-gewinn-ohne-ende-1.1417530 [23.07.2013].
101
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 23 f.
94
16
bereits eine marktdominierende Stellung im Online-Werbemarkt. 102 Obwohl die
Suchfunktion die Kernkompetenz von Google beinhaltet, wird sehr deutlich, dass man
es hier nicht nur mit einer Medienkonzentration im Suchmaschinenmarkt zu tun hat.
Nach dem Medienwissenschaftler Manuel Puppis ist mit Medienkonzentration die
Zusammenballung ökonomischer (Unternehmensumsatz) und publizistischer Größen
(Auflage oder Reichweite) gemeint, bei der folglich die ökonomischen (Anzahl
selbstständiger
Unternehmen)
oder
die
publizistischen
Einheiten
(Anzahl
selbstständiger Titel oder Sender) abnehmen.103 Puppis unterscheidet hier zwischen vier
Formen
der
Medienkonzentration:
horizontale,
vertikale,
multimediale
und
konglomerate Konzentration. Die horizontale Konzentration ist ein Zusammenschluss
von Medienunternehmen innerhalb eines Wirtschaftszweigs, sprich die Unternehmen
gehen der gleichen Tätigkeit nach. 104 Betrachtet man hier Google nicht als eine
Suchmaschine, sondern als ein im Wirtschaftszweig Werbung agierendes Unternehmen,
so ließe sich folgendes Beispiel einer horizontalen Konzentration bringen: Google ist
bisher mit AdWords und Adsense auf das Geschäft mit kleinen und mittleren
Werbekunden spezialisiert. Mit dem Kauf von DoubleClick wird es zur uneinholbar
dominanten Plattform für alle Arten von Online-Werbung.105 Wenn sich Unternehmen
auf vor- und nachgelagerten Märkten zusammenschließen, spricht man von einer
vertikalen Konzentration. Sprich ein Unternehmen, dass sich eigentlich mit der
Distribution beschäftigt, kauft den Produktionsbetrieb oder umgekehrt.106 Bei Google
wären Beispiele solch einer Abnehmer-Lieferanten-Situation die Übernahme des
Satellitensystems Keyhold (2003),107 um den Bildbestand für den bei Google Search
integrierten Geobrowserdienst Google Earth zu nutzen. Mit dem weltweit bisher
größten Bücher-Scan-Projekt Google Books plant Google bis zum Jahr 2015 fünfzehn
Millionen Bücher zu digitalisieren.108 Auch hier besteht die Gefahr einer Monopolstellung, indem Google online über den Informationszugang unzähliger Bücher gebietet.
Um es mit den Worten des Google Book-Chefs in Spanien, Luis Collado auszudrücken:
102
Vgl. Weichert (2009), S. 288.
Vgl. Puppis, Manuel (2007): Einführung in die Medienpolitik. Konstanz: UVK Verlag, S.78.
104
Vgl. ebd., S. 78 f.
105
Vgl. Levy (2012), S. 424.
106
Vgl. Puppis (2007), S. 79.
107
Vgl. Levy (2012), S. 433.
108
Vgl. Reitz, Tobias (2010, 09.04.): Google Books: Richter setzt Streitparteien unter Druck. In: Zeit
Online.
Verfügbar
unter:
http://www.zeit.de/digital/2009-10/google-book-settlement-vergleich
[30.07.2013].
103
17
„Das gesamte kulturelle Erbe, alles Wissen, alle Kenntnisse, zu denen der Mensch im
Laufe der Geschichte gelangt ist, liegt in Büchern. Gäbe es keine Bücher im Netz,
wären die Möglichkeiten des Internets, Information und Wissen zugänglich zu
machen, natürlich beschränkt.“ 109
Googles aktuelle Übernahme des israelischen Start-Up Unternehmens Waze (2013),
wäre als ein weiteres Beispiel zu nennen. Mit Waze erweitert das Unternehmen seinen
Navigationsdienst mit einer kostenlosen App, die den Verkehrsfluss seiner bisher 50
Millionen Nutzer in Echtzeit überträgt, so dass sie sich gegenseitig über den aktuellen
Verkehrsstatus informieren können.110Mit der multimedialen bzw. mediendiagonalen
Konzentration ist der Zusammenschluss von Medienunternehmen verschiedener
Medientypen gemeint. Diese Konzentrationsform gewinnt nach Puppis zunehmend an
Bedeutung. 111 Dies lässt sich an Google wieder sehr gut veranschaulichen: Die
Entwicklung des Betriebssystems Android (2005) und des Webbrowsers Google
Chrome (2008),112 sowie der Kauf des Handyherstellers Motorola (2012)113 oder auch
das Projekt Google TV (2007) 114 sind nur vier von vielen Beispielen. Mit seinen
strategischen Investitionen versucht sich Google energisch als dominierende Größe im
Software-, Telefon- und Fernsehbranche zu etablieren. Die konglomerate bzw.
branchendiagonale Konzentration beschreibt die Fusion von Medienunternehmen mit
Unternehmen außerhalb des Mediensektors.115 Auch hier wieder ein hervorragendes
Beispiel: Auf den Straßen einiger amerikanischer Bundesstaaten dürfen seit dem letzten
Jahr autonome computergesteuerte Autos fahren. Was das mit Google zu tun hat? Das
Unternehmen hat das Fahrzeug entwickelt und in Kalifornien für dementsprechende
Gesetzesänderungen gesorgt.116 Google Health (2008) ist als ein weiteres Beispiel zu
nennen. Der Bedarf an online verfügbarer Gesundheitsinformation ist groß und mit
diesem Portal erhalten registrierte Nutzer ein Werkzeug diese zu verwalten. Es ist
zudem möglich, ein Profil über seinen eigenen aktuellen Gesundheitszustand
109
Zitiert nach der Dokumentation des Regisseurs Lewis, Ben (2013): Google and the World Brain.
Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?v=49ib-bN40cI [02.08.2013].
110
Vgl. Briegleb, Volker (2013, 11.06.): Google bestätigt Übernahme von Waze. In: heise online.
Verfügbar unter: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-bestaetigt-Uebernahme-von-Waze1886736.html [24.07.2013].
111
Vgl. Puppis (2007), S. 79.
112
Vgl. Brandt (2010), S. 19.
113
Vgl. Klasen und Hagen (2012, 20.07.).
114
Über Breitbandverbindungen an das Internet angeschlossene Fernsehgeräte (vgl. Levy (2012), S. 340).
115
Vgl. Puppis (2007), S. 78.
116
Vgl. o.V. (2012, 26.09.).
18
anzulegen.117 An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass Brins Ehefrau Anne Wojcicki
die Mitbegründerin des visionären Start-Up Unternehmens 23andMe ist, das sich mit
DNA-Analysen befasst und hohe Investitionen von Google erhält. Jeder kann dort
entgeltlich seine Speichelproben mithilfe von Genchips unter anderem auch nach
Krankheitspotenzialen entschlüsseln lassen.
Brin und Page sehen Google vorrangig als ein Suchunternehmen und bestreiten, dass es
sich zu einer anderen Unternehmensform entwickle. Googles Sprecher, David Krane
formulierte es einmal so: „Wie beschäftigen uns mit der Suche. Doch behalten wir uns
das Recht vor, ‚Suche’ so zu definieren, wie wir es wollen.“.118 Zusammenfassend ist
aber festzustellen, dass die Interessen des Monopolisten weit über die reine
Suchfunktion hinausgehen. Seine Geschäftstätigkeiten in nahezu alle kommunikationsund informationsgeladenen Märkten, sind im Grunde nicht mit dem Anspruch einer
objektiven Suchmaschine zu vereinen. Aber um sich dem selbst erklärten Ziel zu
nähern, alle Informationen der Welt zu organisieren und jedem zu jeder Zeit zugänglich
und nützlich zu machen, 119 muss Google praktisch allwissend werden. Nach dem
Journalisten Lars Reppesgaard liegt das eigentliche Bedrohungspotential folglich nicht
zwingend in der monopolartigen Dominanz im Such- und Werbegeschäft, sondern in
Googles Rolle als größten privatwirtschaftlichen Datensammler der Welt und dem darin
liegenden Missbrauchspotential.120
4.3 Der Datensammler
Neben dem bereits erwähnten Index, der die vom Crawler aufgespürten Weblinks
verwaltet, existiert auch noch ein zweiter Index. Dieser zweite Index organisiert nicht
die öffentlich verfügbaren Informationen unabhängiger Anbieter, sondern die
Information über die Nutzer. Diese personalisierten Daten werden vom Suchgiganten
seit seinen Anfängen eigens erhoben und sind keinem sonst zugänglich. 121 Durch die
Verknüpfung der beiden Indexe erhofft Google eine Optimierung seiner Kernaufgaben,
indem er den Nutzern passendere Suchergebnisse und den Werbekunden relevantere
Nutzer liefern kann.122 Auch wenn Google die Erstellung sogenannter Nutzerprofile
117
118
119
120
121
122
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 196 f.
Zitiert nach Brandt (2010), S.145.
Vgl. Google Inc. (2013a): About. Verfügbar unter: http://www.google.de/intl/de/about/ [05.07.2013].
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 31; 248.
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 113 f.
Vgl. ebd., S. 113.
19
anfangs bestreitet, so zwingt ihn später die kalifornische Gesetzgebung zur Aufklärung
seiner Datenschutzpraktiken.123 Daher weist Google 2004 darauf hin, dass sie „unter
Umständen die von [uns] eingeholten Informationen mit denen von anderen GoogleServices oder Drittanbietern“ zusammenfassen, „um die Nutzererfahrungen zu
optimieren [...].“124 Seit 2012 gibt es bei Google eine neue Datenschutzerklärung, die
besagt, dass ab dato alle Nutzerdaten aus den Google-Diensten mithilfe sogenannter
Data-Mining-Instrumente125 gesammelt analysiert werden.126 Ein Nutzerprofil entsteht
so durch die Zusammenführung der nutzerbezogenen Daten aus Suchhistorie, den über
60 verschiedenen Google-Diensten sowie den freiwilligen Angaben (Name, Alter,
Geschlecht, Adresse) für die Verwendung der Login-Dienste. 127 Wer der neuen
Regelung nicht zustimmt, kann auf Login basierende Google-Dienste auch nicht mehr
nutzen. Den Preis, den wir für die überwiegend kostenlosen Dienste also zahlen, sind
unsere privaten Daten. Denn je detaillierter unser Nutzerprofil, umso zielgerichteter
können Werbekunden Anzeigen schaltet und somit jede Menge Geld sparen.
Wie ein solches Nutzerprofil technisch entsteht, soll hier nur kurz angesprochen
werden. Google verwendet Methoden wie das Click-Tracking, Log-Files, Java-Scripts,
Web-Beacons oder auch Cookies, um Daten seiner Nutzer zu sammeln. Hierbei werden
jede Suchfeldeingabe, alle auf dem Server getätigten Klicks, die IP-Adresse der Nutzer,
die Cookie-ID, Raum- und Zeitangaben der Anfrage sowie Computereinstellungsdaten
von Google insgesamt 18 Monate gespeichert. 128 Die Cookies dienen hierbei der
Übermittlung der Nutzerinformation an die Suchmaschine und ermöglichen zusammen
mit der IP-Adresse eine Wiedererkennung des Nutzers bei erneutem Gebrauch der
Anwendungen.129 Die bisherige Lebensdauer von Google-Cookies (zuvor bis 2038) hat
der Konzern auf jeweils 24 Monate beschränkt. Aber keine der beiden Fristen stellt eine
tatsächliche Einschränkung für die Datenspeicherung von Google dar, da bei jedem
erneuten Gebrauch eines Google-Dienstes die Frist von Neuem beginnt.130
123
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 119.
Zitiert nach ebd., S. 119.
125
Software mit der große bzw. gigantische Datenmengen nach statistischen Auffälligkeiten analysiert
werden können (vgl. Reischl, Gerald (2008): Die Google Falle. Die unkontrollierte Weltmacht im
Internet. Wien: Ueberreuter Verlag, S. 74 f.).
126
Vgl. Stöcker, Christian/ Lischka, Konrad und Reißmann, Ole (2012, 28.02.): Super Profil: Google
widersetzt
sich
Europas
Datenschützern.
Herv.
d.
Verf..
Verfügbar
unter:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/super-profilgoogle-widersetzt-sich-europas-datenschuetzern-a818176.html [25.07.2013].
127
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 115.
128
Vgl. ebd., S. 115; Elixmann (2012), S.150; Reischl (2008), S. 45 ff.
129
Vgl. Elixmann (2012), S. 48.
130
Vgl. Weichert (2009), S. 287.
124
20
An dieser Stelle soll noch einmal Googles Interesse an der Übernahme von DoubleClick
erläutert werden. Zum einen besaß das Unternehmen die meisten Erfahrungen mit dem
Beobachten von Nutzergewohnheiten, weil es praktisch seit Beginn der Internet-Ära
Cookies verschickte.131 Darüber hinaus erwarb das Unternehmen im Jahr 2006 das
Marktforschungsinstitut Abacus Alliance, das über eine umfassende Datenmenge mit
individualisierten Offline-Informationen über Verbraucher verfügte.132 Durch den Kauf
von DoubleClick besitzt Google den mächtigsten Cookie im Internet und erweitert so
seinen Umfang der gesammelten Nutzerinformationen um die Daten aller InternetNutzer.133 Google kann folglich das Verhalten von fast allen Internet-Nutzern, egal ob
sie über ein Google-Konto verfügen oder nicht, langfristig aufzeichnen und
gegebenenfalls mit anderen Daten zwecks Profilbildung verknüpfen.
Der Medienwissenschaftler Felix Stalder und die Kulturtechnologin Christine Mayer
unterscheiden hier drei Arten der Profilbildung, die zusammen ein umfassendes
Persönlichkeitsbild ergeben. Die Datenkrake Google erfasst den Nutzer demnach als
Wissensperson, soziale Person und physische Person.134 Das Unternehmen beobachtet
zunächst die Wissensperson, mit ihren Interessen und Informationsnutzungsmuster.
Hierzu speichern die Google-Server, wonach wir suchen (Google Search, Google
Toolbar, Google Web History), welche Webseite wir besuchen (Google Chrome,
Android, Web Accelerator), welche Dateien wir auf unserem Computer haben (Google
Desktop), was wir lesen und mit Lesezeichen markieren (Google Books, Google
Scholar, Google News, Google Notebook, Google Bookmarks, Google Chrome, Google
Reader135), oder was wir in unseren E-Mails (GMail), Arbeitsdateien und persönlichen
Dokumenten online (Google Docs) und offline (Google Desktop), Blogs (Blogger) wie
auch Chats (Google Talk) schreiben.136 Mit der Entstehung des Webs 2.0 wurde klar,
dass Nutzer nicht nur auf der Suche nach Informationen sind, sondern offline wie online
auch soziale Beziehungen pflegen. Zur Profilerstellung einer sozialen Person speichern
131
Vgl. Reischl (2008), S. 50.
Vgl. ebd., S. 52.
133
Vgl. Levy (2012), S. 424 ff., Herv. i. O.
134
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 115.
135
Der Google Reader wurde zum 01. Juli eingestellt. Somit erhofft sich das Unternehmen, dass mehr
Nutzer auf das bisher weniger erfolgreiche soziale Netzwerk Google+ wechseln werden (vgl. Fuest,
Benedikt (2013, 30.06.): Google schließt heute Nacht seinen Reader. In: Die Welt. Verfügbar unter:
http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article117583971/Google-schliesst-heute-Nacht-seinenReader.html [27.07.2013]).
136
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 115 ff.
132
21
Dienste wie Google Groups, GMail, Google Talk oder Friends Connect alle externen
Texte, Bilder, Fotos sowie Video- und Audiodateien, die hochgeladen werden. 137
Zudem werden auch verwaltete Kontaktlisten und Gruppen, verfolgte Themen und
Nachrichten, sowie persönlich erstellte oder bearbeitete Seiten gespeichert. Im GoogleGedächtnis landet auch mit wem wir uns vernetzen (Google+, orkut) oder wo, wann und
warum wir Freunde und berufliche Kontakte treffen (Google Calendar). Es interessiert
auch, wo wir welche Produkte online suchen, was wir dafür ausgeben und mit welcher
Kreditkarte wir einkaufen (Catalog Search, Product Search). 138 Weiterhin wird
zunehmend versucht, Informationen über die Nutzer als physische Personen in ihrer
realen Umgebung zu erfassen. Bei Google Health können wir Daten über unsere
Blutgruppe, Allergien, Impfungen, unsere Krankheitsgeschichte oder auch ärztliche
Behandlungsunterlagen und Testergebnisse einpflegen und verwalten.139Auch hier soll
nochmals auf die finanzielle Verflechtung zu 23andMe aufmerksam gemacht werden.
Genau wie sein Investor sammelt das Unternehmen reichlich sensible Informationen
über seine Nutzer.140 Dieses Engagement ist für Google wichtig, da 23andMe ein Gebiet
erschließt, das dem Datensammler bisher nicht zugänglich war: das menschliche
Erbgut.141 Des Weiteren weiß Google bereits wo wir wohnen (Google-Konto, Google
Maps), wo wir sind und wohin wir gehen (Google Maps, MyLocation, Google Latitude,
Waze), wie unser Haus aussieht (Google Maps, Google Street View), wer unser
Mobilfunkanbieter ist und welches Handy wir besitzen (Android, Dodgeball,). 142
Google erstellt auch sogenannte „Audio-Fingerabdrücke“ und weiß sogar wie wir
aussehen. Googles Wissenschaftler haben ein System entwickelt, dass es ermöglicht
anhand des Mikrofons in unserem Computer Umgebungsgeräusche zu erfassen, zu
analysieren und für Personalisierungszwecke zu verwenden. Wenn wir uns bspw. eine
Serie anschauen, kann das System das Programm identifizieren und uns theoretisch auf
diese Serie zugeschnittene Anzeigen zusenden.143 Wer über ein Konto bei der sozialen
Plattform Google+ verfügt, kann seit 2011 seine Zustimmung dazu erteilen, Bilder
anhand der Gesichtserkennungs-Software „Find my Face“ automatisch analysieren zu
137
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 118.
Vgl. ebd., S. 119.
139
Vgl. ebd., S. 119.
140
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 190 ff.
141
Vgl. ebd., S. 193.
142
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 119.
143
Vgl. Carr, Nicholas (2009): The Big Switch. Der große Wandel. Die Vernetzung der Welt von Edison
bis Google. Heidelberg: mitp, S. 186.
138
22
lassen.144 Die Datenbrille Google Glass gilt hinsichtlich der Erfassung des Nutzers als
physische Person als das wohl aufsehenerregendste Internet-Projekt der näheren
Zukunft. In ihr ist eine Minikamera und ein Bildschirm integriert. Man kann so Fotos
und Videos aufnehmen, ohne, dass Umstehende etwas davon mitbekommen. Zudem
kann man mit ihr telefonieren und navigieren. Bisher ist zwar aus datenschutzrechtlichen Gründen noch keine Gesichts- und Stimmerkennungs-Software in den
Brillen integriert, aber es ist technisch möglich. Das Start-Up Unternehmen Lambda
Labs hat eine Funktion zur Erkennung von Personen und Gegenständen für Google
Glass entwickelt. Die Technologie kann laut den Softwareentwicklern Befehle wie
„Merk dir das Gesicht!“ oder „Finde Freunde in der Menge!“ umsetzen. 145
Man weiß weder was genau Google mit diesen hochsensiblen Daten macht und noch
weniger, was damit in Zukunft ferner gemacht werden könnte.146 Umfragen haben
gezeigt, dass sich viele Menschen jedoch nicht darüber bewusst sind, in welchem
Umfang das Unternehmen Informationen über ihr Nutzerverhalten, ihre Persönlichkeit,
ihr Einkaufsverhalten oder ihre Interessen und Bedürfnisse aufzeichnet. 147 Viele
verstehen Google immer noch als Suchmaschine und nicht als ein milliardenschweres
Unternehmen, das mit personalisierter Werbung hohe Profite erwirtschaftet. Es soll
festgehalten werden, dass hier zwar von Google die Rede ist, aber dass sich das
Unternehmen im Prinzip nicht von anderen Suchmaschinen wie Yahoo!, Online-Läden
wie Amazon oder Netzwerkplattformen wie Facebook unterscheidet. Was Google aber
so besonders macht ist zum einen die Menge, die enorme Breite und hohe Qualität der
gespeicherten Daten und zum anderen seine über das Suchgeschäft hinausragende
Monopolstellung.148 Nach der Aussage von Eric Schmidt, dem Vorstandsvorsitzenden
von Google, verfolgt das Unternehmen das Ziel, „100 Prozent der Daten eines
Benutzers“ zu speichern, um eine sogenannte „transparente Personalisierung“ zu
erreichen.149 Dahinter steht die Absicht, dass die Suchmaschine der Zukunft nicht mehr
unsere Fragen entgegen nehmen muss, sondern aufgrund präziser Onlineprofile wie ein
144
Vgl. Reißmann, Ole und Stöcker, Christian (2011, 08.12.): Google startet Gesichtserkennung. In:
Spiegel Online. Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/find-my-face-google-startetgesichtserkennung-a-802557.html [27.07.2013].
145
Vgl. DPA-AFX (2013, 02.06.): Google: Keine Gesichtserkennung mit Datenbrille. In: Frankfurter
Allgemeine Zeitung. Verfügbar unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/schutz-derprivatsphaere-google-keine-gesichtserkennung-mit-datenbrille-12205164.html [30.07.2013].
146
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 120.
147
Vgl. ebd., S. 114.
148
Vgl. ebd., S. 114 f.
149
Zitiert nach Carr (2009), S. 187.
23
feinfühliger Feedback-Mechanismus agiert und uns bereits Antworten liefert, bevor wir
danach fragen.150
Wie bereits erwähnt, hat Google nicht nur die Absicht, die Informationen der Welt zu
organisieren und allen zugänglich und nützlich zu machen,151 sondern wie bisher klar
gemacht werden sollte, auch das enorme Potential dies in die Tat umzusetzen. Wells
World Brain ist somit kein Theorem, sondern scheint mit dem Aufkommen von Google
seine Erfüllung zu finden. Dabei macht es den Eindruck, dass sich das Unternehmen
gerade mal am Anfang seiner in alle Bereiche eindringenden Geschäftsstrategie
befindet. Denn alles was einen Informationswert hat, muss in den Index von Google.152
Wo aber führt dieser Weg hin? Dem technisch Möglichen scheinen noch lange keine
Grenzen gesetzt. Wie sieht folglich das Google von morgen aus? Welches Ziel streben
die beiden Unternehmer an? Diese Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden.
5. Google - The World Brain: Die Suchmaschine der Zukunft
„This Encyclopaedic organisation need not be concentrated now in one place; it
might have the form of a network. It would centralise mentally but perhaps not
physically. [...] It would constitute the material beginning of a real World Brain.
[...] On the one hand this organisation should be in direct touch with all the original
thought and research in the world; on the other it should extend its informing
tentacles to every intelligent individual in the community – the new world
community.“153
- Herbert G. Wells in „World Brain“ (1938).
Bis vor 20 Jahren wäre es in technischer wie auch ökonomischer Hinsicht wohl kaum
vorstellbar gewesen, dass Milliarden weltweit verteilter Daten innerhalb einer Sekunde
jedem Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen.154 Wells und die Google-Gründer wären
sich hinsichtlich ihrer Vision eines weltverändernden Wissensapparates sicherlich sehr
einig gewesen. In deren Vorstellung ist mit dem Streben nach Allwissen ein in der
150
151
152
153
154
Vgl. Carr (2009), S. 187 f.
Vgl. Google Inc. (2013a).
Vgl. Battelle (2006), S. 298.
Vgl. Wells (1938).
Vgl. Mattern (2008), S. 12.
24
Menschheit weit zurückliegender Traum verbunden: Eine Zivilgesellschaft155 durch den
direkten Zugriff auf das gesamte Wissen der Welt.156 Für die meisten Nutzer ist Google
heute nicht einfach nur eine Suchmaschine, sondern bereits die Wissensmaschine des
21. Jahrhunderts.157 Jedoch handelt es sich um eine vergleichsweise junge Technologie.
Neben Texten, Bildern und Videos finden immer häufiger andere Daten wie bspw.
eingescannte Bücher, medizinische Datenbanken oder auch in Echtzeit generierte Daten
über den Zustand von Produkten, den Aufenthalt von Personen oder Gegenständen, den
Weg ins Netz. 158 Die Suche in solchen semantisch komplexen Datenbeständen,
erfordert somit intelligentere Mechanismen, damit aus den Daten auch künftig
brauchbare Informationen und folglich Wissen und Wert generiert werden können.159
5.1 Cloud Computing
Als Experten im Jahr 2000 bereits das Ende des Internets ausrufen, verstehen Larry
Page und Sergey Brin dessen enormes Potential und erkennen, was über die Suche
hinaus noch alles möglich ist.160 Die Google-Infrastruktur ist mittlerweile so groß, dass
eine einzige Aufgabe (z.B. Suchanfrage) auf verschiedene Google-Computer aufgeteilt
wird, die sich aber bei der Bearbeitung wie ein einziger Computer verhalten
(Parallelschaltung).161 Das Unternehmen hat somit nicht nur ein riesiges Netzwerk für
den Informationstransfer aufgebaut, sondern auch eine neue Art von Computer
geschaffen: den „Netzwerk-Supercomputer“. Er ist der mit Abstand größte und
leistungsstärkste Computer der Welt. Sein Gehirn ist durch Glasfasernerven über den
ganzen Globus miteinander verbunden, die ihn als Einheit funktionieren lassen.162 Je
mehr Menschen sich an dieses globale Gehirn anzapfen, desto besser funktioniert es und
desto wertvoller wird es. 163 Den Begriff des Cloud Computing hat Googles
Vorstandvorsitzender Eric Schmidt geprägt. Demnach nimmt die Datenverarbeitung
keine feststehende konkrete Form mehr an, sondern vollzieht sich in der „Wolke“ von
155
Gesellschaftsform, die durch selbstständige, politisch und sozial engagierte Bürger und eine
gewaltfreie Konsensfindung geprägt ist. (vgl. Duden (2013b): Zivilgesellschaft. Verfügbar unter:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Zivilgesellschaft [28.07.2013]).
156
Vgl. Haber (2006), S. 73 f.
157
Vgl. ebd., S. 85, Herv. i. O.
158
Vgl. Mattern (2008), S. 19.
159
Vgl. ebd., S. 19.
160
Vgl. Brandt (2010), S. 146.
161
Vgl. ebd., S. 146.
162
Vgl. ebd., S. 146.
163
Vgl. Carr (2009), S. 156.
25
Daten, Software und Hardware des Internets.164Alle unseren vernetzen Geräte (Handy,
PC, Spielkonsole, Navi, etc.) bilden einzelne Moleküle dieser Wolke. Es findet
sozusagen eine Umkehrung von Microsofts erfolgreicher Mission statt, jedem von uns
einen Computer mit passender Software auf den Schreibtisch zu ermöglichen. Googles
Ziel, alle Informationen der Welt zugänglich zu machen, erfordert alle denkbaren
Dienste zu entwickeln und online anzubieten, die auf einer Computerplattform
theoretisch möglich sind.165 Der Fokus verschiebt sich von der teuren Hardware und der
dort installierten Software (wie bei Microsoft) hin zu den (für Privatnutzer) kostenlosen
Apps166 des Cloud Computing. Das Internet ist sozusagen unser persönlicher Computer
geworden, den man noch besser an unsere persönlichen Anforderungen anpassen kann,
als das mit einem Laptop oder PC jemals möglich war.167 Denkt man diesen Prozess
weiter, könnte sich Google zu einem ernsthaften Konkurrenten der weltweit führenden
Anbieter von Geschäftssoftware wie etwa Microsoft, SAP oder Oracle entwickeln.168
Konzernspezifische Softwareprogramme, Speicherplatz und Hardware zu zahlen, kostet
die Unternehmen viel Geld. Somit ist es nicht verwunderlich, dass mittlerweile immer
mehr von ihnen mit der Verwendung der Google Apps, ihre Geschäftssysteme in die
Computerwolke verlegen.169 Bei den wirklich großen Weltkonzernen überwiegt jedoch
die Skepsis, aufgrund der enormen Sensibilität ihrer Daten und dem damit verbundenen
Missbrauchspotential. Trotzdem könnte Google im Zuge dieses Prozesses zum
tragenden Computer der Welt werden, indem er Nutzer dazu bringt, seine Version des
Cloud Computing zu nutzen.170 Denkt man den Prozess für Google erfolgreich zu Ende,
dann ergäbe sich hier nicht nur ein gigantischer Zuwachs an Daten und Risiken des
Missbrauchs, sondern auch eine enorme Welle der Arbeitslosigkeit für einen ganzen
Unternehmenszweig. Denn wie zuvor die Elektrifizierung setzt die Computerisierung
hier den jahrhundertelangen Trend fort, menschliche Arbeit durch Maschinen zu
ersetzen.171 Ein enorm wichtiger Datenzuwachs ergibt sich zudem aus einem weiteren
Grund. Momentan haben weltweit circa zwei Milliarden Menschen Zugang zum Netz
und in den nächsten Jahren kommen weitere fünf Milliarden Nutzer hinzu, v.a. über
164
165
166
167
168
169
170
171
Vgl. Brandt (2010), S. 134.
Vgl. Battelle (2006), S. 298 f.
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 216.
Vgl. Carr (2009), S. 135.
Vgl. Reppesgaard (2008), S. 216.
Vgl. ebd., S. 220.
Vgl. ebd., S. 222 f.
Vgl. Carr (2009), S. 159.
26
Mobilgeräte.172 Googles Rolle in dieser globalen Vernetzung ist eine entscheidende.
Alle jetzigen Nicht-Nutzer sind potentielle Googler. Somit ist der Konzern natürlich
daran interessiert, sich an diesem Aufbau stark zu beteiligen. Einem Zeitungsbericht
zufolge, verhandelt Google zurzeit mit mehreren Regierungen über den Netzaufbau in
Schwellenländern Afrikas und Asiens. Zudem ist Google auch an Entwicklungen für
neue Mikroprozessoren und billigere Smartphones mit dem Android-Betriebssystem für
Entwicklungs- und Schwellenländer interessiert.173 Alle, die bald einen Online-Zugang
erhalten, sollen dies im optimalen Fall über Googles Hard- und Software realisieren.
5.2 Das Internet der Dinge
Das Internet der Dinge steht für eine Vision, in der die Welt des Internets und die reale
uns umgebende Welt miteinander verschmelzen werden. Aufgrund der Mikrochipentwicklung, die immer kleinere, günstigere und energieärmere Mikroprozessoren
ermöglicht, kann die Informationsverarbeitung in Gegenstände eindringen, die auf den
ersten Blick keine elektronisch Geräte darstellen. Mit dieser Technik ausgestattet und an
das Internet angebunden, erhalten alltägliche Dinge eine völlig neue Qualität. 174 Stellen
Sie sich folgendes Szenario vor: Sie wollen schnell Butter für die Sauce Hollandaise
einkaufen gehen, aber wo sind die Haustürschlüssel? Sie könnten sie googeln. Aber
lohnt sich überhaupt der Gang zum Supermarkt, oder ist die Butter dort bereits
ausverkauft? Falls ja, wo können Sie welche in Ihrer Nähe einkaufen, am besten Bio?
Oder hat das der Kühlschrank bereits via Internetbestellung selbst erledigt? Fehlanzeige,
die Anzeige ihres Kühlschranks sagt, dass Sie aufgrund Ihrer erhöhten Cholesterinwerte
lieber keine Butter essen sollten und empfiehlt ihnen Rezepte diverser cholesterinarmer
Saucen auf Chefkoch.de. Das klingt nach Science Fiction? Mit dem Internet der Dinge
eröffnen sich weitreichende und bis dato ungeahnte Möglichkeiten. Es ist zum Beispiel
möglich, den Zustand von Geräten und Dingen aus der Ferne zu ermitteln oder es lassen
sich aktuelle Daten über physische Objekte und Vorgänge sammeln.175 Genau wie wir
Menschen das Internet nutzen, kommunizieren bald auch Dinge auf irgendeine Art
172
Vgl. Reißmann, Ole (2013, 28.04.): Buch „The New Digital Age“: Google-Männer wollen die Welt
retten. In: Spiegel Online. Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eric-schmidtkritik-des-buchs-the-new-digital-age-a-896503.html [30.07.2013].
173
Vgl. Diekmann, Florian (2013, 25.05.): Afrika und Asien: Google will mobiles Internet in
Schwellenländern
aufbauen.
In:
Spiegel
Online.
Verfügbar
unter:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-will-mobiles-internet-in-schwellenlaendern-ausbauen-a901829.html [30.07.2013].
174
Vgl. Mattern, Friedemann und Flörkemeier, Christian (2010): Vom Internet der Computer zum
Internet der Dinge. In: Informatik Spektrum, Heft 33 (2), 2010, S. 107.
175
Vgl. ebd., S. 107.
27
miteinander, verwenden Dienste, stellen Daten bereit und generiere dadurch einen
Mehrwert.176 Im zukünftigen Internet der Dinge werden bspw. auch Alltagsgegenstände
über das Internet ansprechbar und kontrollierbar sein. 177 Der RFID-Chip (Radio
Frequency ID), der mithilfe eines Funk-Lesegeräts die Identifikation und Lokalisation
von Gegenständen ermöglicht und daher vor allem in der Warenlogistik seit vielen
Jahren verwendet wird, ist ein Beispiel für den Fortschritt der Chiptechnologie.178
Smarte Hochleistungschips werden heute längst in Alltagsgegenständen eingebaut, ohne
dass darüber viele Worte verloren werden. Sie stecken in Form von hochkomplexes
Computersystem
in
neueren
Autos,
in
Kreditkarten,
Reisepässen
oder
im
Personalausweis, einfach überall.179 Diese Entwicklungen entgehen auch nicht einem
Datenimperium wie Google. Nicht vorstellbar, welche Informationsmengen durch den
Chip in und auf jedem Gegenstand und Ding generiert würden. Wer hätte ein größeres
Interesse, wenn nicht Google diese Daten zu indizieren, zu verwalten und zugänglich zu
machen? Überall wo es einen Chip gibt, kann und wird es wahrscheinlich auch eine
Suchfunktion geben.180 Wenn Google in Zukunft in Anbetracht solcher Entwicklungen
seinen Nutzern eine perfekte Suche garantieren will, dann muss die Google-Suche
überall stattfinden und sie muss mit allem verbunden sein.181
5.3 Google und Künstliche Intelligenz
Das Problem der Suche ist Experten zufolge erst zu fünf Prozent gelöst, was bedeutet,
dass uns dort wie auch im Internet noch das Interessanteste bevorsteht.182 Wie aber geht
es weiter und wo soll die Reise hingehen? Stellen Sie sich vor, Sie könnten der
Suchmaschine der Zukunft jede beliebige Frage stellen und würden nicht nur eine
richtige Antwort bekommen, sondern Ihre richtige Antwort erhalten. Eine Antwort, die
den Zusammenhang und die Absicht ihrer Frage erkennen kann. Eine Antwort, die mit
ungeheurer Präzision berücksichtigt, wer Sie sind und warum Sie fragen. 183 Diese
Antwort kann auf das gesamte Wissen der Welt zugreifen und sich in der für Sie
perfekte Form zeigen, egal ob im Text-, Video-, Bild- oder Audioformat. Die
176
Vgl. Mattern und Flörkemeier (2010), S. 108.
Vgl. ebd., S. 116.
178
Vgl. ebd., S. 114 f.
179
Vgl. Fischermann, Thomas und Hamann, Götz (2011): Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte
Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, S. 17.
180
Vgl. Battelle (2006), S. 304.
181
Vgl. ebd., S. 304.
182
Vgl. ebd., S. 302.
183
Vgl. ebd., S. 302.
177
28
Suchmaschine der Zukunft kann zwischen einfachen Fragen wie „Was ist ein Atom?“
und komplexen Frage wie „Unter welchen Umständen entstand die erste atomare
Waffe?“ unterscheiden.184 Auf die meisten Fragen gäbe es zwar nicht die objektiv
richtige Antwort, aber aufgrund eines Datenpools an Aufzeichnungen über Ihre Person
wäre es die perfekte Antwort für Sie.185 Die Suchmaschine der Zukunft ist eigentlich
keine Suchmaschine mehr, sondern eine intelligente Antwortmaschine.186 Sie ist die
Summe aller menschlichen Intelligenz. Sie versteht, was wir wollen und ist fähig
jegliche Art von Informationen eigenständig zu interpretieren.187 Sie ist auch fähig
eigenständig Lösungen für Probleme zu finden, ihre Umgebung wahrzunehmen und bis
zu einem gewissen Grad autonome Entscheidungen zu treffen.188 Sie ist der perfekte
Übermensch, der wirklich alles weiß und uns besser kennt, als wir uns selbst.
Die Erschaffung einer solchen künstlichen Intelligenz oder, um es in Wells Worten
auszudrücken, eines World Brain, ist das eigentliche Ziel von Google.189 Die Mission
sei demnach erst dann erfüllt, wenn sich die Suchmaschine selbst zu einer künstlichen
Intelligenz entwickelt habe, woran ein Team an Wissenschaftlern bereits seit längerem
arbeite. 190 Es soll an dieser Stelle deutlich gemacht werden, dass dieses Ziel von
bedeutenden Konzernen wie IBM, Microsoft, Yahoo und diversen anderen ebenfalls
verfochten wird und dementsprechend ähnliche Projekte existieren.191 Google geht aber
noch einen Schritt weiter. Page und Brin haben sich bereits in diversen Interviews dazu
geäußert, dass Google vorhabe, die Suchfunktion in das menschliche Gehirn zu
integrieren.192 Es wäre direkt mit dem Wissen der Welt verbunden. Man brauche nur an
184
Vgl. Battelle (2006), S. 302.
Vgl. ebd., S. 302.
186
Vgl. Wahlster, Wolfgang (2008): Von Suchmaschinen zu Antwortmaschinen: Semantische
Technologien und Benutzerpartipation im Web 3.0. In: Mattern, Friedemann (Hrsg.): Wie arbeiten
Suchmaschinen von morgen? Informationstechnische, politische und ökonomische Perspektiven.
München: acatech, S. 59.
187
Vgl. Carr (2009), S. 257.
188
Vgl. Beck, Susanne (2012): Roboter und Cyborgs – erobern sie unsere Welt? Eine nichtfuturologische Einführung in die Thematik. In: Dies. (Hrsg.): Jenseits von Mensch und Maschine.
Ethische und rechtliche Fragen zum Umgang mit Robotern, Künstlicher Intelligenz und Cyborgs. BadenBaden: Nomos (Robotik und Recht, 1), S. 14 f.
189
Vgl. Battelle (2006), S. 303; Carr (2009), S. 246; Carr (2010), S. 271; Levy (2012), S. 88.
190
Zitiert nach Carr (2009), S. 246 ff.
191
V.a. IBM setzt jüngst (2011) mit seinem Supercomputers Watson neue Maßstäbe in der künstlichen
Intelligenz-Forschung. In der Quizshow Jeopardy besiegt Watson zwei menschliche Gegner, die die
bisher besten Spieler der Show waren. Für das Ratespiel ist nicht nur reines Wissen, sondern auch
komplexe Reaktions- und Assoziationsfähigkeit erforderlich. Weitere Informationen unter: IBM (o.J.):
IBM Watson: Ushering in a new era of computing. Verfügbar unter: http://www03.ibm.com/innovation/us/watson/ [31.07.2013].
192
Vgl. Carr (2009), S. 246; Carr (2010), S. 271; Levy (2012), S. 88.
185
29
etwas zu denken und erhält sogleich die Antwort, so Page. 193 Der Intellekt des
menschlichen Gehirns werde folglich durch künstliche Intelligenz erweitert,194 wenn
nicht sogar von ihr ersetzt. Nach eigenen Prognosen lasse sich der Traum der Gründer,
eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und dem Internet herzustellen, etwa
2020 verwirklichen. 195 Auch Bill Gates hält die Verbindung von Computer und Mensch
für unvermeidlich und versucht genau wie Google im Bereich der Mensch-ComputerSchnittstelle eigene Pionierarbeit zu leisten. Bereits im Jahr 2004 reichte Microsoft ein
Patent für eine Methode und eine Apparatur ein, mit der sich mithilfe des menschlichen
Körpers Energie und Daten übertragen lassen sollen.196 Ein britischer Professor namens
Kevin Warwick setzt ebenfalls seit Jahren seinen Ehrgeiz daran, die Technologie der
künstlichen Intelligenz voran zu treiben, indem er sich selbst als ersten Cyborg in die
Geschichtsbücher einzuschreiben gedenkt.197 Es lassen sich etliche weiterer Beispiele
bringen,198 die, um es in den Worten des MIT Professors Edward Fredkin zu sagen, die
künstliche Intelligenz als „nächste[n] Schritt der Evolution“199 kaum mehr bestreiten
lassen. Auch die Rechtswissenschaftlerin Dr. Susanne Beck hält es in absehbarer
Zukunft für technisch möglich, dass die Verbindungen zwischen menschlichem Gehirn
und Maschine derart optimiert wird, so dass wir unter anderem mittels unserer
Gedanken Computer bedienen, auf das Internet zugreifen und miteinander
kommunizieren können.200 In Anbetracht der Fortschritte, die bereits jetzt im Bereich
der Robotik, künstlichen Intelligenz und der Maschinisierung des Menschen zu
verzeichnen sind, fordert Beck, sich mit den daraus resultierenden gesellschaftlichen
Veränderungen stärker auseinanderzusetzen.201
Zusammenfassend soll festgehalten werden, dass die derzeitige Entwicklung der
Computertechnologie es in naher Zukunft scheinbar möglich machen wird, fast alles
digital festzuhalten, wer wir sind und was uns umgibt. Die Geschichte des Internets legt
uns nahe, dass sich die Geschwindigkeit der Datenströme weiter erhöhen wird. Dabei ist
193
Zitiert nach Levy (2012), S. 88.
Zitiert nach Carr (2009), S. 246.
195
Zitiert nach ebd., S, 251.
196
Hierzu soll die menschliche Haut als eine Art elektrischer Leiter genutzt werden, über die man ein
Netzwerk von Geräten mit einem einzelnen Körper verbinden kann (vgl. ebd., S. 250).
197
Seit über zehn Jahren trägt Warwick operativ eingeführte Chips in seinem Körper, die dem Zweck der
Wissenschaft dienen sollen (vgl. Palm, Goedart (2004): Cyber Medien Wirklichkeit. Virtuelle
Welterschließung. Hannover: Heise Verlag, S. 214 f.).
198
Mehr aktuelle Informationen: Kucklick, Christoph (2013): Big Data. Der vermessene Mensch. In:
GEO Magazin, Heft 08, 2013, S. 80-98.
199
Zitiert nach Carr (2009), S. 249.
200
Vgl. Beck (2012), S. 12.
201
Vgl. ebd., S. 9.
194
30
es von enormer Bedeutung, alle gespeicherten Informationen in Anbetracht der weiter
anwachsenden Datenmenge finden zu können. Das Internet der Dinge sei hier nur als
ein Beispiel genannt. Für Datenbestände dieser Größenordnung sind intelligente
Lösungen von größter Wichtigkeit, um in Zukunft Herr des digitalen Abbilds der Welt
werden zu können. Wenn irgendjemand bisher den Anspruch erheben kann, eine
intelligente und populäre Suchmaschine geschaffen zu haben, dann ist das allen voran
Google. Wie hier deutlich werden sollte, strebt das Unternehmen weitaus höhere Ziele
an, als „nur“ das Wissen der Welt zu erfassen. Mehr noch, Google versucht (bzw. ist im
Begriff) nicht nur die allgegenwärtige digitale Schnittstelle zur Online-Welt zu werden,
sondern sich zu einem eigenen, selbst denkenden Organismus zu entwickeln, zur
künstlichen Intelligenz. Diesen Stein der Weisen gedenkt Google direkt in unser Gehirn
einzusetzen, um uns auf eine höhere Stufe der Evolution zu katapultieren.
„Wohin das führen wird? Wer weiß das schon?“202 meint dazu Larry Page. Interessant.
Bei solchen Aussagen steigen Erinnerung in unsers Gedächtnis, wie bspw. das ohne
sich die Erlaubnis einholende, Privathäuser und anfangs auch Personen ablichtenden
Google Street View Projekt, bei dem auch noch „unbeabsichtigt“ etliche Gigabyte an
vertraulichen Daten von ungeschützten WiFi-Geräte eingefangen wurden. 203 Oder
Googles GMail-Dienst, der zwecks Werbeoptimierung die privaten Nachrichten seiner
Nutzer abscannt, um mehr über den Empfänger und den Absender zu erfahren.204 Wie
war das nochmal mit dem Motto „Don´t be evil“205?
Im folgenden Kapitel sollen daher die durch Google ausgelösten individuellen wie
gesellschaftlichen Folgen herausgearbeitet werden. Der Fokus soll hierbei trotz nicht
abzuerkennender Potentiale, auf den Risiken liegen. Ziel der Arbeit soll es sein, neben
der offensichtlichen Euphorie für das Unternehmen, einen kritischen Diskurs und ein
Problembewusstsein gegenüber Google zu schaffen.
Dieses Kapitel soll über die
gegenwärtige und künftige Rolle und Verantwortlichkeit von Google in unserer
Informationsgesellschaft, sowie über unsere Beziehung zu dem Unternehmen und
seinen Dienstleistungen reflektieren.
202
Zitiert nach Carr (2009), S. 246.
Vgl. Levy (2012), S. 435 f.
204
Vgl. ebd., S. 220.
205
Google Inc. (2013b): Code of Conduct. Verfügbar unter: http://investor.google.com/corporate/codeof-conduct.html [01.08.2013].
203
31
6. Folgen für das Individuum und die Informationsgesellschaft
„Die Vernetzung der Welt ist per se weder negativ noch positiv, sondern ein
infrastruktureller Fakt, der gewaltige Chancen bietet. Am Ende ist es damit wie mit dem
Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht.“206
- Helmut Martin-Jung, Autor der Süddeutschen Zeitung.
6.1 Chancen
Wie bereits erläutert wurde, dienen Suchmaschinen wie Google der informationellen
Selbstbestimmung, indem wir als Nutzer kostenlos Informationen beschaffen und
verbreiten können. Oft ermöglichen sie sogar erst deren Auffinden. Google fungiert
somit als ein wichtiges Instrument zur Verwirklichung der Meinungsäußerungsfreiheit
und des freien Austauschs von Informationen und Ansichten.207 Dies ist vor allem für
Länder von Bedeutung, in denen die Bevölkerung durch autoritäre Systeme unterdrückt
und mit propagandistischer Berichterstattung manipuliert wird. Weiterhin ermöglich uns
das Page-Rank-Verfahren eine Orientierungshilfe in den undurchschaubaren Fluten des
Webs und berücksichtig dabei sogar unsere Interessen. Viele der verschiedenen GoogleFunktionen sind nicht umsonst so erfolgreich, erweisen sie sich doch für seine Nutzer
als dienlich und erleichtern deren Alltag. Kaum vorzustellen, wer heute noch ein
Telefonbuch und einen Stadtplan zur Hand nimmt, um zu schauen, wo sich die
nächstliegende KFZ-Werkstadt befindet. Auch die Entwicklung des Cloud Computing
bietet enorme Chancen. Man denke nur an die Schonung der Ressourcen aufgrund der
Materialersparnisse der Hardware und der Schonung des Geldbeutels durch nicht mehr
benötigte teure Software. Viele, die bisher vom Internet abgeschnitten und finanziell
benachteiligt sind, hätten so möglicherweise bessere Zugangsvoraussetzungen für die
Nutzung des Internets und der damit verbundenen Potentiale. Auch das Internet der
Dinge kann sich über die Warenlogistik hinaus, wie etwa in Form einer umfassenderen
Informationsmöglichkeit im Alltäglichen als überaus praktisch erweisen. Bereits heute
lassen sich mit unserem Handy Artikel im Supermarkt einlesen, die uns via Internet
weitere Produktinformationen auf unserem Display anzeigen. Es könnten künftig
206
Vgl. Martin-Jung, Helmut (2007): Suchmaschinen und Qualitätsjournalismus. In: Machill, Marcel und
Beiler, Markus (Hrsg.): Die Macht der Suchmaschinen – The Power of Search Engines. Köln: Halem,
S.190.
207
Vgl. Weichert (2009), S. 285.
32
praktische Zusatzinformationen ermittelt werden, wie eine auf das Profil zugeschnittene
Allergiewarnung. 208 Betrachtet man das von Google verfolgte Endziel, künstliche
Intelligenz zu erschaffen, so ließe sich auch hier ein großer Mehrwert feststellen. Es gibt
Bereiche, wie etwa das Gebiet der Suche, in denen das menschliche Denkvermögen
faktisch an seine Grenzen stößt. Beispiele hierfür wären komplexe Fragestellungen oder
etwa Mustererkennungen.209 Es ist zeit- und kostensparender in solchen Bereichen, den
Maschinen das „Denken“ zu überlassen. Zumal intelligente Systeme aufgrund von
präziser, schneller und lernfähiger Rechenleistung, komplexe Problematiken lösen oder
Optimierungen entwickeln können, wie es ein Mensch nicht vermag. Möglicherweise
könnte ein Chip in unserem Körper, der alle gesundheitsrelevanten Informationen über
uns enthält, bei wichtigen Entscheidungen helfen, falls wir keine Auskunft mehr geben
können.210 Oder besser noch, er könnte uns dabei helfen, die komplexen Leistungen zu
vollbringen, die bisher den Maschinen vorbehalten war. Überall wäre Google die
intelligente Schnittstelle, die Prozesse vereinfacht, Schranken und Ungleichheiten
aushebelt und uns zu einer „humaneren“ Welt verhilft, indem „Computer die Dinge
machen, die wir wirklich wollen“. 211 Die Frage, die aber hier zwangsläufig aufkommen
muss: Kann man einem Konzern, der im Begriff ist die ganze Welt unter seinem
digitalen Mantel zu vereinen, nur Euphorie und Vertrauen entgegen bringen? Sollte uns
der Umstand, dass dieser eine Konzern in Zukunft eine noch entscheidendere Rolle
einzunehmen gedenkt, als es heute bereits der Fall ist, nicht eher beunruhigen?
6.2 Risiken
Autonomie gehört zu einer der zentralen Kompetenzen der europäischen Kultur.
Selbstbestimmt handeln zu können, ist demnach eine bis in die Gegenwart einzulösende
Forderung der europäischen Aufklärung. Nach Immanuel Kant gilt der Mensch dann als
autonom bzw. frei, wenn sein Handeln nicht durch materielle oder sonstige Interessen
fremdbestimmt wird. Sein Wille soll demnach nur durch das von der Vernunft
bestimmte allgemeine (moralische) Gesetz geleitet werden.
212
Selbstbestimmtes
Handeln steht in Abhängigkeit zu dem, was wir wissen, sprich welche Informationen
208
Vgl. Mattern und Flörkemeier (2010), S. 112.
Vgl. Kucklick (2013), S.86.
210
Vgl. Beck (2012), S. 11.
211
Eric Schmidt zitiert nach Fischermann und Hamann (2011), S. 130.
212
Vgl. . Kuhlen, Rainer (2005): Macht Google autonom? Zur Ambivalenz informationeller Autonomie.
In: Lehmann, Kai und Schetsche, Michael (Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des
Wissens. Bielefeld: transcript Verlag, S. 386.
209
33
bzw. welches Wissen uns zur Verfügung stehen. Außerdem steht unsere Autonomie eng
in Zusammenhang mit der Privatheit, sprich der individuellen Kontrolle darüber, was
andere über einen wissen und in welchem Umfang und unter welchen Umständen sie
dieses Wissen verwenden dürfen.213 Dies ist für die eigene Autonomie entscheidend, da
man sich seinem Gegenüber nur dann selbstbestimmt verhalten kann, wenn man weiß,
was dieses über einen selbst weiß. Die Frage soll in der vorliegenden Arbeit daher nicht
sein, ob uns Google autonom macht. Die Frage soll hier vielmehr lauten, ob uns Google
überhaupt autonom lässt?
214
Im Folgenden sollen bestehende wie potentielle
Problematiken für das Individuum und unsere Gesellschaft herausgearbeitet werden.
Hierbei werden die derzeitige und künftige Entwicklung der Suchmaschine, sowie die
weiteren Dienste und Geschäftstätigkeiten des Unternehmens berücksichtigt. Die Arbeit
versucht Google im Spannungsverhältnis zwischen Übersicht und Autonomieverlust der
Nutzer zu betrachten. Die Problematiken werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in
folgende sechs Dimensionen begrenzend zusammengefasst:
1. Rechtliche Dimension (Datenschutz, Privatsphäre und Überwachung): In Deutschland
gibt es wieder Demonstrationen zum Thema Datenschutz. So etwas hat es das letzte
Mal vor der damaligen Volkszählung, in den 1980er Jahren gegeben.215 Das Internet
dringt in all unsere Lebensbereiche vor und macht navigierende Dienste, wie Google
unersetzlich. Das Unternehmen wirft jedoch immer öfter datenschutzrechtliche Fragen
auf, die auf eine Gesetzgebung aus einer Prä-Internet-Zeit treffen. 216 Wie bereits
ausführlich erläutert, verfügt Google über ein detailliertes Psychogramm über uns und
verfolgt nahezu jeden unserer Schritte im Web. Das Unternehmen legitimiert dies mit
der Verbesserung des Page-Rank-Systems und der kontextsensitiven Werbung. Auch
wenn die Nutzer im Gegenzug alle seine Dienste kostenlos nutzen können, so werden
sie im Wesentlichen zum reinen Konsumenten degradiert, um Googles Existenz zu
garantieren. Die Loyalität gilt den Werbetreibenden, nicht den Nutzern. Darüber hinaus
sollte man sich aber die Frage stellen: Was macht Google in Zukunft mit unseren
Daten? Was ist, wenn das Unternehmen irgendwann ge- oder verkauft wird? Es wäre
nicht das erste Mal, dass ein als unsterblich geltendes Unternehmen irgendwann von der
213
Vgl. Kuhlen (2005), S. 386.
Vgl. ebd., S. 387.
215
Vgl. Fischermann und Hamann (2011), S. 235.
216
Vgl. Rogall-Grothe, Cornelia (2013): Perspektiven eines europäischen Privacy-Rechts. In: Hill,
Hermann/ Martini, Mario und Wagner, Edgar (Hrsg.): Facebook, Google und Co. Chancen und Risiken.
Baden-Baden: Nomos (Verwaltungsressourcen und Verwaltungsstrukturen, 23), S. 11.
214
34
Bildfläche verschwindet.217 Wer garantiert, dass unsere dauerhaft gespeicherten Daten
auch dann noch in Sicherheit sein werden? Das Missbrauchspotential geht hierbei aber
nicht nur von der Unternehmensseite aus. Auch Regierungen haben ein großes Interesse
an unseren Daten, wie der aktuelle Fall um Edward Snowden zeigt. Der externe NSAAngestellte legt mit seiner Enthüllung über das Spähprogramm “Prism“ offen, in
welchem Ausmaß der US-Geheimdienst Daten über sämtliche Aktivitäten von
Internetnutzern sammelt und diese gezielt ausspähen kann. Hierzu wertet die NSA unter
anderem die Nutzerdaten großer Internetkonzerne wie Google und Facebook aus. 218
Google bestreiten einen direkten Zugriff der Geheimdienste auf seine Server. Auch das
FBI verfügt bspw. über ein Programm, mit dem es das Mikrofon unseres Smartphones
mit Android-Betriebssystem aktivieren kann, um Gespräche aufzuzeichnen. 219 Das
gleiche ist auch bei Laptops möglich. Die Nutzer bekommen in beiden Fällen nichts
davon mit. Zu dem Programm wollte sich Google bisher nicht äußern.220 Die rechtliche
Grundlage hierfür bietet der Patriot Act, der als Reaktion auf die Anschläge vom 11.
September 2001 in den USA im selben Jahr noch verabschiedet wurde. Das Gesetz
revidiert bestehende Statuten zur Privatsphäre und staatlichen Überwachung und
erweitert die Befugnisse der US-Bundesbehörde auf den Bereich des Internets, was dort
ein Ende der Anonymität zur Folge hat. Somit können die USA bei Verdachtsfällen
persönliche Daten von jedem Internetnutzer bei Unternehmen wie Google verlangen.
Das Gesetz verbietet den Unternehmen, seine Nutzer darüber in Kenntnis zu setzen und
verschleiert folglich die Aktivitäten der amerikanischen Regierung. 221 Auch in
Deutschland
bedarf
die
derzeitige
Entwicklung
einer
Neuformulierung
des
Datenschutzrechts. Der Zweck des Bundesdatenschutzgesetzes ist es, „den Einzelnen
davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in
seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird“. 222 Der Mensch, nicht seine Daten
steht somit im Mittelpunkt der Gesetzgebung. Es geht um den Schutz der
Persönlichkeitsrechte und der Privatsphäre. Bei der aktuellen Gesetzeslage wird jedoch
217
Microsofts möglicher Software-Einbruch aufgrund der Computer Cloud, sei als ein Beispiel genannt.
Vgl. Schwarze, Till (2013, 17.06.): NSA-Skandal: Snowden kündigt weitere Enthüllungen an. In: Zeit
Online. Verfügbar unter: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-06/snowden-guardian-interview
[05.08.2013].
219
Vgl. Valentino-Devries, Jennifer und Yadron, Danny (2013, 02.08.): US-Sicherheitsbehörde: FBI
setzt bei Überwachung auf Hackermethoden. In: Süddeutsche.de. Verfügbar unter:
http://www.sueddeutsche.de/digital/us-sicherheitsbehoerde-fbi-setzt-bei-ueberwachung-aufhackermethoden-1.1737333 [05.08.2013].
220
Vgl. ebd.
221
Vgl. Battelle (2006), S. 238 ff.
222
Dejure (2010): BDSG. Verfügbar unter: http://dejure.org/gesetze/BDSG/1.html [05.08.2013].
218
35
nicht konsequent berücksichtigt, inwiefern die Persönlichkeitsrechte durch neue
Unternehmen wie Google oder auch Regierungen beeinträchtigt werden. Der Fokus
liegt im geltenden Recht auf der Datenverarbeitung und nicht, wie sich diese konkret
auf die Betroffenenrechte auswirken können.223 Mit jedem unserer Schritte, die Google
zunehmend speichert und in seinem Langzeitgedächtnis aufbewahrt, entgleitet uns
immer mehr die Kontrolle über unsere Daten. Nach Ansicht vieler Kritiker, geht es hier
um das Ende der Privatheit.224 Von Google selbst geht zwar bisher keine direkte Macht
über den Nutzer aus, aber es besteht die Gefahr der Überwachung durch Zentralorgane
wie bspw. einem Staat oder Arbeitgeber. Zudem gibt es eine Form der Überwachung,
bei der verschiedene soziale Akteure einander beobachten.225 So interessant Google
Glass auch sein mag, so sollten wir uns überlegen, ob wir eine Gesellschaft wollen, in
der Menschen mit Überwachungskameras auf dem Kopf herumlaufen. Komplexe
Informationssysteme wie das von Google, sind zudem durch technische und
menschliche Fehler störanfällig. Aufgrund der Datenkonzentration bei Google, wäre ein
Vorfall umso folgenreicher.226
2. Wirtschaftliche Dimension (Cloud Computing und soziale Produktion): Wie bereits
deutlich gemacht, bedeutet das unter anderem von Google stark im Aufbau betriebene
Cloud Computing, eine Verdrängung menschlicher Arbeit durch Maschinen. Anders als
bei der Industrialisierung, die den Fabrikarbeiter in die Büros verdrängte, erschafft die
Computerisierung und somit auch Google aber keine derart große Klasse an neuen
Arbeitsplätzen, die die durch sie zerstörte ersetzen könnte.227 Konzerne wie Google
markieren somit einen wichtigen Wandel. Wegen ökonomischer Vorteile des Cloud
Computings, haben künftig auch traditionelle Unternehmen keine andere Wahl, als ihr
Geschäft in eine Online-Version umzuwandeln. Folglich werden unzählige Angestellte
entlassen, indem Computer und Software die Menschen ersetzen.228 Noch lassen sich
aber Aufgaben, die Flexibilität, Kreativität, allgemeines Problemlösungsvermögen und
komplexe Kommunikation erfordern, nicht computerisieren. Eine Lösung dafür hat
Google längst erkannt: soziale Produktion. Diese Arbeiten werden kostenlos durch
Beiträge der Nutzer auf Blogs (Google ist der größte Anbieter), Netzwerken (Google+)
223
224
225
226
227
228
Vgl. Rogall-Grothe (2013), S. 14.
Vgl. Hill (2013), S. 10.
Vgl. Stalder und Mayer (2010), S. 121.
Vgl. ebd., S. 121.
Vgl. Carr (2009), S. 159.
Vgl. ebd., S. 157 f.
36
oder Plattformen (YouTube) ausgeführt. Die Nutzer stiften ihre Arbeit in Form
nutzergenerierter Inhalte, woraus Google Dienstleistungen erstellen kann.229 Die Folge
dieser Geschenkökonomie ist unter anderem, dass immer mehr Unternehmen das
Potential der kostenlosen Arbeit erkennen und die Masse der Internetnutzer als globale
Quelle von Billigarbeit nutzen. 230 Der Begriff „Crowdsourcing“ beschreibt dieses
Phänomen, wonach das Internet und somit auch Google, die Produktionsmittel in die
Hände der Massen legt, ihnen aber das Eigentum an deren Produkten vorenthält.231
3. Machtpolitische Dimension (Ideologieverstärkung und Gefährdung der Demokratie):
Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt, daher neigen wir von Natur aus dazu, eine starke
Vorauswahl an Ideen und Mensch zu treffen, mit denen wir uns auseinandersetzen.232
Der Mensch neigt zudem zur Präferenz gleichgesinnter Menschen und Ansichten.
Forscher fanden heraus, dass je intensiver Menschen mit anderen Menschen ähnlicher
Auffassungen zusammentreffen, dies die Extremität ihre Ansichten verstärkt. Man
spricht hier von einer sogenannten „ideologischen Verstärkung“. 233 Berücksichtigt man,
so die Forscher weiter, wie leicht man im Internet auf gleichgesinnte Menschen und
Ideen trifft, so sei folglich die ideologische Verstärkung auch dort zu finden. Filter- und
Personalisierungstechnologien, wie sie von Google verwendet
werden, verstärken
vermutlich diesen Effekt.234 Es wird vermutet, dass das Internet die Menschen mit
unterschiedlichen Ansichten nicht nur voneinander trennen, sondern die Unterschiede
sogar verstärken wird. Dies könne langfristig die allgemeine Kompromissbereitschaft
und die Konsensbildung gefährden, die den Kern einer demokratischen Regierung
bilden, so die Prognose der Forscher.235 Auch aus einem weiteren Grund könnte Google
die Demokratie gefährden: Nach Puppis haben Medienstrukturen einen entscheidenden
Einfluss darauf, wie und welche Medieninhalte entstehen. Demnach erhöht eine
Vielzahl an ökonomisch selbstständigen Einheiten, die Chance inhaltlicher Vielfalt und
wirkt folglich vorherrschender Meinungsmacht entgegen. 236 Nach Puppis sind die
meisten Erfahrungen in unserem Leben medienvermittelt. Medien haben demnach eine
Informationsfunktion, stellen Öffentlichkeit her, sind für unsere politische Meinungs229
Vgl. Carr (2009), S. 160 f., Herv. d. Verf.; 166.
Vgl. ebd., S. 166.
231
Vgl. ebd., S. 167.
232
Vgl. ebd., S. 187 f.
233
Vgl. ebd., S. 191.
234
Vgl. ebd., S. 192.
235
Vgl. ebd., S. 192 f.
236
Vgl. Puppis (2007), S. 29 f.
230
37
und Willensbildung notwendig und üben eine Kontrollfunktion gegenüber Machthabern
aus. Somit sind sie für das Funktionieren moderner Demokratien überlebenswichtig.237
Google wird hier in diesem Kontext als ein Massenmedium verstanden. Mit seiner
Monopolstellung in der Suchmaschinen-, Software-, Telefon- und bald Fernsehbranche,
seinem Page-Rank-Verfahren und kommerziellem Interesse an Werbekunden, gefährdet
Google folglich die inhaltliche Vielfalt und damit auch das der Demokratie zugrunde
liegende Prinzip.
4. Gesellschaftliche Dimension (Nutzerkompetenz und Monokultur): Die meisten
Nutzer haben keine Kenntnis darüber, in welchem Umfang Google ein Nutzerprofil
über sie erstellt und wie dieses weiterverarbeitet wird.238 Man kann gewiss behaupten,
dass sich auch die meisten Nutzer über Gesetze wie den Patriot Act nicht bewusst sind.
Betrachtet man das Verhalten, so zeigen Untersuchungen, dass Nutzer im Umgang mit
Suchmaschinen wenig kompetent sind. Zudem ist ihr Verhältnis zu den Suchmaschinen
durch Kritiklosigkeit und ein fehlendes Problembewusstsein geprägt.239 Die meisten
betrachten nur die erste Seite der Ergebnisliste und haben keinerlei Kenntnis über die
zusätzlichen Suchoptionen, die Google bereithält. Zudem verwenden sie auch meist nur
eine Suchmaschine und prüfen die Informationen nicht durch eine zweite oder dritte
unabhängige Quelle.240 Was Google nicht indiziert, existiert für viele wissenspraktisch
nicht. Google erfasst aber bei Weitem nicht das gesamte Web in seinem Index. 241 Somit
werden dem Nutzer viele potentiell relevante Ergebnisse nicht angezeigt. Weiterhin gilt
es zu beachten, dass die Informationsgesellschaft ein bisher westlich geprägtes Konzept
ist und bei weitem nicht die globale Wirklichkeit darstellt.242 In vielen Teilen der Erde
zeigt aber die Realität, dass das Wissen weiterhin monopolisiert ist und viele Menschen
vom Nutzen der Informationsverbreitung ausgeschlossen sind.243 Sollte Google sein
Vorhaben umsetzen und diesen Regionen einen Internetanschluss ermöglichen, so bleibt
trotzdem die Frage, inwiefern die kulturelle Vielfalt dieser Länder in dem stark anglo237
Vgl. Puppis (2007), S. 82 f.
Vgl. Machill, Marcel/ Beiler, Markus und Zenker, Martin (2007): Suchmaschinenforschung.
Überblick und Systematisierung eines interdisziplinären Forschungsfelds. In: Machill, Marcel und Beiler,
Markus (Hrsg.): Die Macht der Suchmaschinen/ Power of Search Engines. Köln: Halem Verlag, S. 12 f.
239
Vgl. ebd., S. 30.
240
Vgl. ebd., S. 30; nach Paal s.g. „Lock-In-Effekt“ (vgl. Paal (2012), S.47).
241
Das s.g. Deep Web ist ein Vielfaches größer als das World Wide Web (vgl. Patzwald (2005), S. 81).
242
Vgl. Lehmann, Kai (2005): Der lange Weg zur Wissensgesellschaft. In: Schetsche, Michael/
Lehmann, Kai und Krug, Thomas (Hrsg.) Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens.
Bielefeld: transcript, S. 39.
243
Vgl. ebd., S. 39.
238
38
amerikanisch geprägten244 Angebot der Google-Produkte berücksichtigt wird. Auch in
Europa wird zunehmend die Kritik laut, dass die Auswahl der Werke für Google Books
oder die Erfassung wissenschaftlicher Artikel der Literatursuchmaschine Google
Scholar, unter nicht einzusehenden Kriterien erfolgt und diese hauptsächlich das angloamerikanische geistige und kulturelle Gedankengut beinhalten.245
5. Soziale Dimension (Neue Öffentlichkeit): Netzwerkmedien, wie das Internet und
Google, schaffen eine neue Öffentlichkeit. Unser soziales Handeln wird zunehmend
medial ausgetragen.246 Wir kommunizieren und interagieren über die Suchmaschine,
das Google-Handy, Dienstleistungsfunktion wie Google-Talk und Sozialplattformen
wie Google+, bald auch über das Google-TV und die Google-Cloud. Unsere wissensund meinungsbildenden Informationen erhalten wir ebenfalls über Google, wie über die
Suchfunktion, Google News, Google Books oder über die unzähligen Blogs. Nach den
Soziologen Schetsche, Lehmann und Krug werden die klassischen Kontaktsituationen
immer mehr verschwinden. 247 Politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche
Akteure werden sich der diversen digitalen Kanäle bedienen, um die dort herrschende
Öffentlichkeit und folglich die gesellschaftliche Wirklichkeit prägende Onlinewelt zu
beeinflussen, so die Prognose der Soziologen.248 Weitere Befunde zeigen bereits eine
Reizüberflutung und Verkümmerung sozialer Kompetenzen bei Jugendlichen, durch die
stetig wachsende Internetnutzung. Demnach sind Fähigkeiten wie Gefühle zu äußern,
Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, aufmerksames Zuhören oder der
Umgang mit sachlicher Kritik dort nur noch unterentwickelt vorhanden.249 Weiterhin
besteht nach Experten bereits jetzt und künftig noch verstärkt, ein mit dem Web und
folglich auch mit Google verbundener sozialer Druck. Wer daran nicht teilnimmt, ist
folglich nicht sichtbar, habe keine Identität und sei kein Teil der Gesellschaft.250
244
Vgl. Jeanneney, Jean-Noël (2006): Googles Herausforderung für eine europäische Bibliothek.
Deutsche Erstausgabe. Berlin: WAT, S. 22; Fischermann und Hamann (2011), S. 35.
245
Vgl. ebd., S. 23.
246
Vgl. Schetsche, Michael/ Lehmann, Kai und Krug, Thomas (2005): Die Google-Gesellschaft. Zehn
Prinzipien der neuen Wissensordnung. In: Dies. (Hrsg.) Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel
des Wissens. Bielefeld: transcript, S. 22.
247
Vgl. ebd., S. 22.
248
Vgl. ebd., S. 22.
249
Horn, Silvio (2013): Facebook - Gefahr oder Chance? In: Hill, Hermann/ Martini, Mario und Wagner,
Edgar (Hrsg.): Facebook, Google und Co. Chancen und Risiken. Baden-Baden: Nomos
(Verwaltungsressourcen und Verwaltungsstrukturen, 23), S. 157 f.
250
Vgl. Hill, Hermann (2013): Einführung. In: Hill, Hermann/ Martini, Mario und Wagner, Edgar
(Hrsg.): Facebook, Google und Co. Chancen und Risiken. Baden-Baden: Nomos (Verwaltungsressourcen
und Verwaltungsstrukturen, 23), S. 9.
39
6. Neurologische Dimension (Auswirkung auf unser Gehirn): Das Internet bietet keinen
Anreiz, innezuhalten und tiefer über irgendetwas nachzudenken, damit sich in unserem
Gedächtnis daraus Wissen entwickeln kann.251 Auch Google ist nicht darauf aus, dass
wir seine Dienste so wenig wie möglich nutzen, verdient es doch genau damit sein
Geld. Und in der Tat, viele finden es leichter etwas zum dritten Mal zu googeln, statt es
sich einfach zu merken. Folglich werden wir immer abhängiger von dem, was Google
weiß. Erst entwickelt es sich zu unserem Gedächtnis, dann zu unserer Identität. 252
Heute schon fühlen sich viele ohne technische Hilfsmittel nicht vollständig. Vor allem
Handys haben sich bei vielen zu einer Erweiterung des Ichs entwickelt und sind Teil des
Bewusstseins geworden. So lässt sich beobachten, dass die Menschen mit der Technik
in einer Weise verschmolzen sind, wie es vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar
gewesen wäre. 253 Untersuchungen zeigen, dass das Internet oberflächliches Lesen,
zerstreutes Denken und flüchtiges Lernen fördert und das Gehirn grundlegend neu
strukturiert. 254 In diesem Kontext ließe sich Google sogar als ein Katalysator begreifen,
dessen regelmäßiger Gebrauch, nach Ansicht des Neuro-Wissenschaftlers Prof. Dr.
Merzenich, neurologische Folgen habe.255 Durch Google müssen wir ständig Links
bewerten, damit verbundene Entscheidungen hinsichtlich der Navigation treffen und
parallel unzählige sensorische Stimuli empfangen. Unser Kopf wird zum reinen
Informationsentschlüssler und so von der eigentlichen Aufgabe, sich mit dem Inhalt
auseinanderzusetzen, abgelenkt.256 Das Gehirn ist überfordert, die Auffassungsgabe und
Konzentration beeinträchtigt und das Verständnis bleibt so oberflächlich.257 Weiterhin
wird intensiv an Gehirn-Computer-Schnittstellen geforscht, die es ermöglichen mittels
neuronaler Nervenimpulse einen Computer oder andere Geräte zu steuern. Hier sollte
jedoch dringend erörtert werden, welche Konsequenzen Chips im Gehirn für die
Autonomie und die Persönlichkeit des Betroffenen haben können. Das Bestreben nach
solch einer Verschmelzung ist möglicherweise der Fluch einer „PflichterfüllerGeneration“, die sich einzig nach dem Schema „(nicht) funktionieren“ betrachtet.258
251
Vgl. Carr (2009), S. 264.
Vgl. ebd., S. 261 f.
253
Vgl. Fischermann und Hamann (2011), S. 149 f.
254
Vgl. Carr (2010), S. 184; 190; 191.
255
Vgl. ebd., S. 190.
256
Vgl. ebd., S. 193 f.
257
Vgl. ebd., S. 194; 198.
258
Vgl. Brunhöber, Beatrice (2012): Individuelle Autonomie und Technik im Körper. In: Beck, Susanne
(Hrsg.): Jenseits von Mensch und Maschine. Ethische und rechtliche Fragen zum Umgang mit Robotern,
Künstlicher Intelligenz und Cyborgs. Baden-Baden: Nomos (Robotik und Recht, 1), S. 104.
252
40
7. Fazit und Ausblick
Es sollte hier deutlich gemacht werden, dass Google nicht nur gedenkt, das Wissen der
Welt zu erfassen, sondern aufgrund der Monopolstellung in diversen informations- und
kommunikationsbasierten Märkten auch das enorme Potential besitzt, den wellsschen
Wissensapparat wahr werden zu lassen. Diese vom Unternehmen energisch betriebene
Informationserfassung betrifft nicht nur unsere eigene Person sowie jede Form von
Text-, Bild-, Audio- und Videodatei, sondern künftig auch alle Gegenstände der Welt.
Der bereits eingesetzte Prozess des Cloud Computing wird auch in Zukunft immer mehr
Nutzer und Wirtschaftszweige ergreifen. Doch der verniedlichende Begriff der „Cloud“
täuscht darüber hinweg, dass unsere Daten und die ganzer Branchen nicht in irgendeiner
Wolke landen, sondern auf Googles Rechnern. Sie sind greifbar und dadurch
manipulierbar. Auch die vom Unternehmen angestrebte Verschmelzung von Mensch
und Technik, löst bei manchen Unbehagen aus. Denn die Optimierung des Gehirns birgt
im Grunde eine gewisse Menschenfeindlichkeit gegenüber des „gewöhnlichen“
Intellekts. Der aktuelle Stand der Forschung verstärkt dieses Gefühl, da sich so die
Vision von Google weniger in den Bereich des Science-Fiction verorten lässt, sondern
vielmehr ein Zukunftsbild im wellsschen Sinne darstellt. Doch ob wir nun irgendwann
einen Chip in unseren Köpfen haben oder nicht, so füttern wir in jedem Fall den SuperComputer zunehmend mit menschlicher Intelligenz. Konzerne wie Google erleichtern
uns so, viele zuvor sehr zeit- und kostspielige Prozesse, aber eben auch unser Gehirn.
Auch wenn die Wissensauslagerung eine Tradition des Menschen ist, so muss doch
festgehalten werden, dass durch Google unsere Autonomie in einem Maße
beeinträchtigt wird, wie es vorher nicht möglich war.
Die Prognosen sollen hier nicht ausschließlich vernichtend ausfallen und auf eine rein
pessimistische und technophobe Sichtweise schließen lassen. Vielmehr wurden Fakten
dargelegt, die die Nutzer für einen bewussteren Umgang mit dem Internet und Google
sensibilisieren sollen. Denn unsere Verantwortung sollte nicht, mit dem Betätigen des
Startknopfs am Computer oder mit dem Klick im Internet abgegeben werden. Da aber
die meisten Nutzer keine Kenntnisse über den Umstand oder die Art der Verarbeitung
ihrer Daten haben, scheint hier dringend eine Stärkung der Nutzerkompetenz durch das
Bildungswesen notwendig. Des Weiteren ist auch der Gesetzgeber dazu angehalten,
eine zeitgemäße und vorausschauende Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen
zum Thema Datenschutz, Privatsphäre und Kartellrecht vorzunehmen. Hierbei muss der
Mensch als Schutzbedürftiger erneut in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden.
41
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