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Freunde des hässlichen Brötchens, was soll ich sagen - ich bin ein

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Freunde des hässlichen Brötchens,
was soll ich sagen - ich bin ein Mann solider Vorurteile. Und dass kreative
Künstler und abgehobene Intellektuelle sich mit taffen Journalisten nicht
vertragen, ist da ein fester Bestandteil meines Repertoires. Danke, dass Ihr
mich widerlegt habt.
Ich habe gelernt:
1. Fernsehen hat an Autorität verloren, und das ist gut.
2. Fernsehen ist gut, wenn es aktiviert.
3. Geld kann Kreativität verhindern.
4. Verlinkung erzeugt Wellen.
5. Gute Ideen setzen sich durch.
6. Wir sollten der Kunst ein Schälchen Nüsse und Milch rausstellen.
7. Wir sollten tun, was wir selbst gut finden.
8. Humor ist ein guter Geschmacksträger.
9. Menschen, Biografien, Geschichten werden nicht alt.
10. Würde würde gut kommen.
Ich überlege ernsthaft, den Versuch zu machen, aus diesen Zutaten was zu
erdenken. Und eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, nix mehr zu
entwickeln. Die Gründe dafür habe ich ja erläutert.
Danke für die Einladung zu zwei schönen Tagen und interessanten Gesprächen
mit netten und klugen Leuten.
Helmut Rehmsen, Moderator, Journalist, Formatentwickler beim WDR
Meine lieben schönen Schrippen! Meine Herren!
1.) Es war schön.
2.) Es könnte wieder schön sein.
3.) Fernsehen ist toll.
4.) Ich möchte auch etwas Schönes für`s Fernsehen machen!
Im Internet (Riesenmaschine) und in der Zeitung (Der Spiesser) sollte man davon erfahren. Es
reichen 15 Minuten in der Woche (da geht es mir wie Herrn Lehnert).
Meine erlernten Techniken aus dem theaternahen Milieu wendete ich gerne an (für Carsten
Werner), um später im Radio (Owi) zu erzählen, daß es nicht nur Glück, Strategie und
Qualität sind, die entscheiden, ob etwas stattfindet oder nicht (Helmut Rhemsen). Ich möchte
dann solche Fans gewinnen, wie Janine eine ist, und Flagschiff für die Tüchtigen sein, die
sich aus dem Schlammassel der Provinz befreien (liebe Antonie) , um dann als Gastdozent bei
Nomena aufzutauchen und Cora wiedezutreffen, um zu fragen, wie der Laden denn so läuft.
Ach so: Ich möchte dann Meike an meiner Seite haben. Sie ist ja eine tolle Quotenfrau und
ein herrliches Gefäß für die Wünsche der Schauenden.....für die Wünsche der Schauenden.
5.) Es gibt immer Zuschauen (R.M.Rilke in den Duineser Elegien)
6.) Augen sind nicht nur zum Gucken da, die können auch reden ... bitte mitbedenken. (FL
/Terrestrische Wellen)
7.) ....feuilletonistische, sich selbst generierende und reflektierende Metaphernblasen,
ungenaue, aber breite Wortschwallstrassen, die über die Wellen des heissverlegten Tartan
(achten sie auch hier auf den Doppelsinn des Wortes)ins Stolpern geraten und dadurch noch
mehr Fahrt bekommen auf ihrem Weg von vagen Räumen zu noch fragwürdigeren Sälen der
Behauptung, entladen ihre Schmerzen vorzugsweise im Lachen.
Ist dieses doch ein Indiz für ein sterbendes Gefühl, also dafür das da auch mal eines war ( wir
sind im Freudjahr). In das Einmaleins guter Rhetorik gebettet machen sie Spass, diese
Strassen, Blasen und Räume, Säle und Entladungen. Sie halten den Ball über dem Grund der
Ratlosigkeit. Aber das ist ja nur die eine Seite der Medaille, da wäre ja auch noch der
Abgrund, in den immermal Stichstrassen des Bösen verlegt werden.( An dieser Stelle sei
nocheinmal auf den bösen Königspudel in der Sendung "Ars Vie Vendi " hingewiesen)
8.) Fernsehen ist im Kern seines Wesens der verborgene Grund es zu machen.
9.)
10.) Alles kommt wieder. Der Zeppelin will auch wiederkommen. Wenn er aber
wiederkommt, sollte er aus Gold sein, und
nicht so klein und weiss wie in Brand. Also
keine Angst vor den bewährten Wegen, die das Neue geht, wenn es in die Welt will:
Profanisierung des Erhabenen und Evaluierung des Profanen...
11.) Nächstes Treffen auf Sylt in Lyst (wird leider nur mit i geschrieben, ok...). Da wird eifrig
an Algen geforscht und der Nobelpreis, den es ja nun als nächstes zu unterwandern gilt,
begann mit einer Sprengung, an der die Kieselalge entscheidenen Anteil hatte und sie sieht
irgendwie aus wie die Vorlage für die Expoarchitektur der soundsovielten Moderne....das
Leben strahlt sein Geheimnis von provisorischer Pracht dunkelbunt funkelnd, mit jenem
herrlichen Verlauf ins Desolate in uns hinein.
We are such stuff as dreams are made of and ower little live is roundend with a sleep
(Shakespeare/the Tempest)
Wir wollen uns nicht mehr soviel merken
rein paar Dinge gehen klar.
die ins rechte Licht gerückt zu haben
yes, Sir, das war wunderbar ...
(Trinkspruch)
....ich erwähnte es schon an anderer Stelle: die Kieselalge trägt nicht nur den Anfang des
Nobelpreises, sondern auch das Geheimnis vom Umgang mit Licht in sich. Wenn man ihr das
abringen könnte, wäre das einen Nobelpreis für Physik wert und die Riesenmaschine könnte
sich schneller, unvergleichlich grösser und be...... ich halt ja schon die klappe.
Yes, Sir!
Friedrich Liechtenstein, Entertainer
Ich bin in der medialen Pubertät!
Guten abend,
ich laufe durch meine wohnung in einer pause mit meinem radio unterm arm, über
papierberge, und bin ganz froh dass ich es tragen kann und es macht freundliche geräusche.
Und ich möchte nicht der kunst ein schälchen milch vor die türe stellen sondern dem läben.
Läben will isch , sacht sie und öffnet eine flasche bier und raucht ein paar zigaretten, ha isch
läbe (paff paff).
Und auf den bergen steh ich und blicke um mich und es ist ganz caspar friedrich mässig auf
denkreidefelsen im büro, mit dem kleinen radio, sehr unmodern und postromantisch. Blick ich
hinunter, auf den fernseher, der nach einer halben stunde immer sirrt und brummt.
Früher , bei meiner tante tati im erdgeschoss zubesuch , als kind, war es schon immer etwas
verbotenens,fernsehen. und sie feierte auch immer amerikanische weihnachten, hatte
rotgefärbte haare, und immer korallfarbenen lippenstift auf den zähnen. Und überall standen
avonartikel herum, die sie verkaufte, und einen pekinesen hatte sie auch.
Da durfte ich dann sendungen sehen, die ich sonst nie sehen durfte. Operette, mit anneliese
rothenberger, die doll schielte, und ingeborg kallmann, die auch schielte, und ich war ganz
verliebt in die kallmann.. und ich durfte tatis flugzeugschuhe tragen, die es damals noch gratis
gab auf flügen. Eine art strumpfhüttenschuhe, unten schwarz dehnbar und oben hellblauer
lurex. Und ich lief darauf wie auf wolken durch die wohnung und stellte mir vor ich würde
fliegen und sah dabei die schielende rothenberger.
Mann mann, so war fernsehn aufregend und klar das reisen stellte ich mir fast noch
aufregender vor.
Daaaamals war das fernshen ja noch wie sonntagsbraten, und manchmal musste meine
grossmutter bei daktari an der seite sitzen und den knopf halten sonst rutschte das bild weg.
Wenn ich nicht sowieso rauslief, wenn ich die spannung nicht mehr ertrug. Und hinter der tür
gewartet hab wannich wieder reinkommen konnte.
Und jetzt , stimmt es ,dass alle nicht tot, aber auch nicht lebendig sind die mit den medien
verbunden sind. Leben wir wirklich schon in platos höhle, an die wand unserer gefängnisse
gekettet und sehen nur noch die schatten der wirklichkeit vorbeiziehen?
Ist das internet der gral , das orakel von delphi ,ein garten, der boden einer
neuenkulturrevolution oder das fegefeuer, die sintflut, der supersupermarkt, eine streckbank
für autisten?
Liebe gemeindä, auch nach unserem treffen kaaan ich dieese fragen nit beantworten (man
muss auch mal was stehen lassen können)
Aber, ich gestehe, hat das fernsehn nicht eine ordinäre fassination? Muss es nicht ordinär
gierig,rampensäuisch und bunt sein? (pudel, mehrpudel)
Ist das internet nicht genauso ordinär, rampensäuisch, bunt, und ist auch versammelte klugheit
und intellektualität,isme, nicht auch ordinär?
So ist das und ich spucke nicht drauf und zerschlage alles im tempel,, ich freu mich.
ICH BIN IN DER MEDIALEN PUBERTÄT!
Danke onkel sascha und onkel friebe,onkel kathrin, ich schwitze und hab das leben noch vor
mir.
Aber in meinem fernseher und web, zerfliesst es noch wie brei, und war schön von euch was
zwischen die zähne zu kriegen, da ein brocken ,schnapp, und da ein hering , grrr, und endlich
was zu beissen. Ja das war schön.
Es war auch ein bischen wie das treffen von györgy ligeti und den aka-pygmäen in der
philharmonie. Und adorno natürlich. das fernste rückt zusammen,polyphone gesänge. Und
zum frühstück nicht nur für die pygmäen ein eimer honig.
Beim letzten essen zusammen, erzählte friedrich von einem pinguin, den er aus dem
eberswalder zoo in den riesigen palast der republik mitgebracht hatte.
Er lief durch die menschen,tktktkttktk.,lief ganz einfach, und teilte ganz von selbst die menge,
die sehr überrascht überrumpelt, erheitert, ergriffen und berührtwaren, eine frau weinte
sogar.(neeeein es war keine tierschützerin...).
DIESER PINGUIN wär ich gerne, gewesen WÜRDE GERN WERDEN.
Aber jetzt tret ich in meinen, wald , der grossmutter was bringen, zwischen die zähne, ein
medienpubertäres rotkäppschen, und den wein trink ich schon vorher, damit ich in der
richtigen stimmung bin wenn de wolf kommt, wenn e denn kommt, und den kuchen lass´ich
euch. Da könnt ihr euch durchfressen und hoff der himmel auf der anderen seite ist auch noch
blau. Ja im wald, WIE IM FERNSEHN, NUR HIER. Slow slow slow.Vielleicht seht ihr mich
ja mal, wenn ihr nicht damit rechnet, hinter einem baum stehen und winken.
So, dass warn jetzt EKSAKT 10 zeilen, jetzt ist schluss mit den bäumen. Irgendwie muss ja
auch ordnung und man soll ja auch nicht bei rot.....
Winke winke danke
Cora Frost, Entertainerin, Autorin, Musikerin, Regisseurin
Ein Schälchen Nüsse für die Kunst
Den Rat habe ich gleich befolgt und ein kleines Schälchen Nüsse in meine schattige,
heimliche Raucherecke gleich links von dem Studio gestellt, in dem Julia den Weg ins Glück
findet. Die Tür ließ ich allerdings nicht offen, da ich ja schon weiß, daß sie dort nicht
hineinkommen wollen würde, die Kunst. Wir haben da so unsere Verabredungen. (Nur einmal
war sie einfach so inmitten einer unbedeutenden Theatervorstellung vorbeigeschlendert, wie
das eben so ihre Art ist und da stand sie dann, die Hände in den Taschen, hatte mich kurz
besuchen wollen und fragen, wie die Dinge denn so stehen, wenn man den Traumberuf
ausübt. Danach waren Alle derart verstört gewesen, daß der Inspizient zu guter letzt panisch
alkoholdurchtränkt den Vorhang in Fetzen zerbissen hatte. Das Chaos war dementsprechend
groß gewesen, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen, sie hat derlei Besuche dann gelassen.)
Diesmal waren es damaszener Mandeln, die ich sorgsam, jede einzeln, ins Schälchen gelegt
hatte und da widerstand sie nicht länger und kam.
Hockte wartend im Schatten, kaute bedächtig und blinzelte zu den Touristenbummelbahnen
hinüber, die sich stündlich zwischen überdimensional großen Mainzelmännchen und
Pappmacheekingkongs entlangschlängeln. Just als ich sie entdeckte, die ich da zwischen den
Szenen mit schweißverklebten Puderklumpen im Gesicht, immer verzagter werdend, in
immer kürzeren Abständen die Tür aufriß, schepperte es aus den Mikrophonen "Das kommt
nur einmal, das kommt nie wieder" (das Lied setzt immer Minute 23 an ebendieser Ecke ein)
und ich glaubte sie leise seufzen zu sehen. Vielleicht hatte sie ihrer Besuche in den früheren
Filmen gedacht, aber vielleicht waren es auch nur die Mandeln. Die schmecken nämlich
wirklich unglaublich gut.
Wir waren uns eh einig, daß ich den Vertrag der Sitcom nicht würde unterschreiben können,
da er in einem Passus vom Schauspieler verlangt, dieser müsse eine Strafe von 2300Euro
zahlen im Falle daß er sich am Set der Anweisung des Regiesseurs entgegengesetzt bewege.
Das ist nicht gelogen. Auf diese Art möchte ich denn doch nicht arm werden. Das war uns
beiden klipp und klar. Noch dazu könnte nicht einmal eine Mandel aus Damaskus oder
Timbuktu sie unter solchen Bedingungen locken.
Wir haben uns dann kurz über die kleine Sylter Zeit unterhalten. Sie versprach, das nächste
Mal vorbeizuschauen, und läßt Euch herzliche Grüße ausrichten: Veranstaltungen dieser Art
und in dieser Besetzung seien ganz in ihrem Sinne. Und: welches Format auch immer erdacht
werden würde, sie bittet Euch, mich immer maßgeblich miteinzudenken und zu besetzen. Das
könne ich Euch auch ruhig so sagen, das läge in der Natur meines Berufes. Und das mache
mich überhaupt auch jünger.
Sonst umlief ich heute den morgenkühlen Schlachtensee und trotzdem ich es schön finde, daß
die alten Männer dort ordentliche Höschen tragen, wäre ich doch lieber auf Sylt und hörte
Euch weiterhin zu. Da dürften dann auch die Backpflaumenherren nackt bleiben.
Vielen Dank für die Einladung, die gute Zeit und die gute Luft, ToiToiToi für ein Auf-Bald,
Herzliches von
Meike Schlüter, Schauspielerin
endgueltige Abschaffung der Programmzeitschrift!
Gerade komme ich aus Europa zurueck nach sechs Wochen mit nur ein bisschen
Durcheinander. Und genau das ist auch mein Fazit aus der Zukunftstagung
auf Sylt, viel wurde geredet von Quatsch, Aufwand, Qualitaet, Spektakel
usw., aber mittlerweile glaube ich, dass das alles Quatsch (aha) ist.
Denn:
Das Grundelement des Fernsehens sollte Ueberraschung sein. Nicht nur
verlangt dies die endgueltige Abschaffung der Programmzeitschrift, sondern
auch die Fokussierung auf Programmformate, die -wie dieser Sommer- in
unaufhoerlicher Abfolge staendige "What what what" Momente beim Zuschauer
ausloesen: Was, es gibt Tiere mit Quasten am Arsch? Was, stehen da
wirklich Menschen knietief in Fledermaeusen? Was machen eigentlich die
Puhdys auf einer Frank-Zappa-Veranstaltung? So etwa, und nicht die
belanglose Geraeuschkulisse, die man auch in der Strassenbahn hoeren kann.
Was, was, was, wie es in Amerika schon sehr gut funktioniert, dieses
erschuetterte WWWW (hm!) muss die einzige Zielsetzung des Fernsehens sein.
Die zehn Zeilen vorbei, der Sommer beinahe zum Glueck auch. Ausserdem
wuensche ich mir, dass Wehmut ausbleibt, wenn tote Medien eben dann auch
sterben, wenn sie schon tot sind. Niemand will mit seinem Fernseher
oder der Augsburger Puppenkiste ueber Bruecken gehen.
Aleks Scholz, Riesenmaschine.de
Kleine Einheiten
Freunde der Kunst, des Mediums und guter Gedanken,
1.
2.
3.
4.
Rudi Carrell ist tot.
Fernsehen macht müde,
Fernsehen ist out,
Fernsehen ist langweilig und uninteressant.
5.
Irgendwie wollen wir trotzdem alle (ins, ans) Fernsehen und KÖNNTEN ES
BESSER:
6.
Humor als Ton, Authentizität als Form – und Würde würde gut sein.
7.
Entinstitutionalisierung bringt Quote. (Aber wohin mit den Institutionen?)
8.
Kleine Einheiten (Pop-Splits), immer mit der Ruhe (slow-TV) und der Kraft des
Performativen, elitär, banal, jedenfalls individuell: Kiosk-TV wäre dann also mein Vorschlag,
wenn wir sollten und dürften, was wir wollen und können – Menschen Geschichte(n)
sprechen lassen und ihnen in die Augen schauen dabei,Waren und Wahrheiten
zusammenbringen, hässliche Brötchen verknusen und Feinkunst, Unterhaltung aus dem Stand
eben. Das könnte gehen.
9.
Jung sein heißt: Lernen von alten Säcken – natürlich.
10.
Kampf den Programmzeitschriften, die der Tod des Fernsehens sind!
Und nun?
Carsten Werner, freier Produzent, Regisseur und Redakteur
Häßliche Brötchen...
...hat sich ja nun wohl als Auswertungsleitmotiv für unseren Workshop durchgesetzt.
Vielleicht zu recht, weil sich in diesem Bild alles festsetzt, was zu vermeiden ist bei der
künstlerischen, medial produktiven Arbeit:
-
Gewohnheit
Gleichgültigkeit
Geschmacklosigkeit
Ideenlosigkeit.
Ich war erfreut darüber, wie offen, intensiv, dabei aber freundlich und vor allem wie
produktiv sich die Gesprächsrunden gestaltet haben. So positiv hatte ich es nicht erwartet.
Selbst wenn es nur eine glückliche Fügung war, war es ein Experiment, das man in anderer
Form jederzeit wieder wagen kann.
In Bezug auf das Fernsehen hat sich die über die Praxis erworbene Ernüchterung nicht
verzogen, aber ich glaube, eins der wesentlichen Ergebnisse war ja auch, daß es nicht auf das
Medium, sondern auf die Idee, die Besessenheit und die Lust ankommt, ob sich etwas
konkretisiert. Ob als Webblog, Zeitung, Theaterstück oder Fernsehformat.
Machen, woran man glaubt. Selbst im „hohen Alter“ dem Zynismus der Warenwelt nicht
nachgeben, bei allen pekuniären Verlockungen. Das lerne ich. Aus diesen Zutaten ergibt sich
dann die Qualität, die am Ende dann bestehen und überzeugen kann.
Jeder muß dann für sich entscheiden, wo und in welcher Form er das umsetzen möchte.
Wir sollten den Produzenten in uns fördern, dem Konsumenten in uns Zurückhaltung
auferlegen und sehen was dabei raus kommt.
Otmar Willi Weber, freier Moderator und Journalist, Radio Bremen u.a.
"Die Fische veranstalten einen Ornithologenkongress"
Liebe Fernsehenden,
tatsächlich habe ich doch weit mehr gelernt in unseren drei Tagen,
als mir zunächst bewußt war. Oder anders: Der Gedankenanstoß war die
Reise wert. Die Kunst hat ihre Berechtigung.
Was habe ich mitgenommen? Eine Liste spannender Fremdwörter, die ich
teils selbst noch nicht kannte und auch nie (mit Ausnahme in dieser
Mail) verwenden werde (s.u.).
Aber es ist noch mehr. Ich mache es einfach mal an den zwei
Vorschlägen fest, die der SPIESSER diese Tage bei einem großen
namhaften Sender vorlegt, die ich aber aufgrund beschriebener
Erfahrung des "Ideenklaus" nur fragmentarisch anbringen will:
1. Die SPIESSER-Redaktion spielt im Fernsehen Verstecken. Es ist
niemand zu sehen.
2. Die SPIESSER-Redaktion sieht fern. Name der Sendung: Fernsehen.
Sobald es einen Ausstrahlungstermin gibt, melde ich mich bei Euch.
Was ich noch gelernt habe: Ich muss unbedingt mehr Blogs lesen. Habe
bereits damit begonnen. Manche Kommunikation dort mag unsinnig sein
- aber ist das bei Zeitungen und Zeitschriften nicht genau so?
Apropos: Ich habe neulich in einem Kommentar bei der Riesenmaschine
drei hintereinander folgende Punkte entdeckt!!! Wie kann das sein???
Ich war empört, wollte aber auch nicht den motzenden Besserwisser
abgeben ;-)))
Schließlich: Mein einer Satz, der am Ende der Runde nicht fertig war:
"Gescriptet im Kontext schizophrener Realitäten versucht das
ästhetische Phänomen den mit einer Firnis des Profanen überzogenen
Konsens auf der Metaebene zu durchbrechen und dem ambivalenten
Diskurs subtil zu einem interdisziplinären Sujet zu verhelfen, indem
es das Fragment rezepierbarer Cheesiness mit einem additiven Impetus
zum Reflex disparater Impulse kommuniziert."
Und als besondere Doppelung der Hinweis: Den Satz hat ein Praktikant
erstellt. Er bekommt für sein Praktikum selbstverständlich kein
Geld.
Weiter unten auch noch die Übersetzung der einzelnen Begriffe, die
er zusammengesucht hat. Es hat ihm übrigens große Freude gemacht und
wir überlegen gerade, ob wir auf spiesser.de daraus eine Serie
machen.
In diesem Sinne, auf baldiges Wiedersehen (vielleicht im Fernsehen?)
Peter Stawowy, Chefredakteur + Geschäftsführer SPIESSER - die Jugendzeitschrift
Ich will nie wieder eine Eiche sein
Am Anfang steht das Erstaunen. Eine Runde gefüllt mit ganz unterschiedlichen Typen möchte
sich zum Thema Fernsehen austauschen, und es stellt sich heraus, dass niemand so wirklich
an diesem Medium hängt, beziehungsweise es kontinuierlich und mit Freude nutzt.
Dafür fallen den Beteiligten aber doch ganz interessante Aspekte zum Thema ein. Ich lerne,
dass die Bemühungen, durch das Fernsehen ein junges Publikum zu erreichen, tendenziell
eher sinnlos sind, und dass dieses Problem eher über die Qualitätsfrage entschieden werden
kann.
Ich lerne auch, dass es Sinn machen kann, mit seiner Zielgruppe in einen direkten Austausch
zu treten und beispielsweise seine Mitarbeiter aus diesem Kreis zu schöpfen. Genauso kann es
aber auch ein Erfolgsrezept sein, seiner Leserschaft mit einer gewissen Arroganz zu begegnen
und sich im Elitären zu aalen.
Ganz wehmütig werde ich, als ich die ganzen schönen Ideen höre, wie Fernsehen sein könnte
(slow TV gegebenenfalls + Überraschung , Humor als Grundhaltung, authentische Akteure
und die Möglichkeit zur Identifikation, von Experten kommentierte Filme, mehr Mut zu
Originalsprachen, die Wiederauferstehung der Fernsehansager(in), Geschichten im Stil der
oral history und so weiter...) da fällt mir erst so richtig auf, wie scheiße Fernsehen ist.
Ganz glücklich bin ich, dass ich mit Meike Schlüter (alias Dr. Kerstin Herzog) zusammen das
WM Endspiel geguckt habe ohne sie zu erkennen. Ansonsten werde ich von nun an mit der
Algenmetapher von Friedrich Liechtenstein durchs Leben gehen und will nie wieder eine
Eiche sein.
Janine Classen, Dramaturgin und Produktionsleiterin Staatstheater Oldenburg / Junges
Theater Bremen
Heillos gestrichene Pferde
Am aufschlussreichsten zum Thema Fernsehen auf Sylt war eigentlich der
Tag nach dem Workshop - bzw. der Kontrast, der sich ergab aus unseren
hoffnungsfrohen Beispielen aus unterschiedlichen Bereichen, richtigen
Analysen und Überlegungen und zukunftsweisenden Ansätzen, die wir
während des Workshops entwickelten - und dem Realitätsdurchbruch in der
Konfrontation mit dem Team von "Aspekte", das am Mittwoch einen Beitrag
über uns drehte.
Frühmorgens verfrachtete man uns nach Kampen, weil die junge und sehr
blonde Regisseurin nur Kampen kannte und für dort eine Drehgenehmigung
besorgt hatte. Mit von der Partie: Eine unauffällige Tonfrau und ein
bärbeißiger Kameramann des Ö-Re, der allerdings noch nicht ausgebrannt
genug war, um nicht echte Kamerkunst machen zu wollen, und sich selbst
etwas überlegt hatte. Im Vorgespräch am Abend vorher hatten wir gesagt,
dass wir eigentlich nichts mehr zum Thema "Unterwanderung des
Bachmannwettbewerbes durch die ZIA" sagen wollten, weil im Prinzip
niemand je diese Unterwanderung behauptet hatte, sich das Gerücht aber
durch unsere zahlreichen Dementis eher verstärkte als abschwächte. Die
Eröffnung des Interviews lautete erwartungsgemäß "Ich muss aber doch mal
zu den Gerüchten der Unterwanderung fragen". Auf der Website der Sendung
tauchte später als Vorankündigung der Satz auf "Die Zentrale Intelligenz
Agentur unterwandert den Literaturbetrieb."
Gleich nach der ersten Frage zerstritten sich der Kameramann und die
Regisseurin heillos, offensichtlich hatten Sie sich am Abend vorher ein
Konzept überlegt, was sie mit uns anstellen und womit sie uns
überrumpeln wollten. Der Kameramann wollte "das jetzt durchziehen", wie
er ihr zuflüsterte, während sie eher dazu tendierte "spontan zu
improvisieren". Was die Idee im einzelnen war, erfuhren wir nicht,
bekamen aber eine Kamera in die Hand und wurden gefilmt, wie wir uns
gegenseitig filmen. Dann mussten wir sehr weit durch die Brandung
stapfen, um von sehr weit hinten am Strand auf die Kamera zuzulaufen,
das Ganze drei mal, bis wir einen Sonnenstich hatten. Im Beitrag war
wenig davon zu sehen. Das eigentliche Interview war eher kurz und
oberflächlich. Daraus wurden ein paar Stellen verwendet.
In einer Folge der Simpsons werden bei Dreharbeiten für einen Film, in
dem Kühe vorkommen sollen, von der Crew Pferde wie Kühe angestrichen.
Warum sie nicht gleich eine Kuh nähmen, fragt Bart Simpson. Darauf einer
der Filmmenschen: "Kühe sehen im Film nicht aus wie Kühe." Bart lässt
nicht locker und will wissen, was man denn dann macht, wenn im Film
Pferde dargestellt werden sollen. Unwirsche Antwort: "Dann binden wir
einfach ein paar Katzen zusammen."
Wenn fürs Fernsehen einmal nicht mehr Pferde angestrichen werden müssen,
um Kühe darzustellen, und Katzen zusammengebunden werden, um Pferde
darzustellen, lohnt es sich, wieder aktiv über das Medium nachzudenken.
Bis dahin gilt: Weiter im Text! Und im Internet, Theater usw.
Viele Grüße und Danke allen!
Holm Friebe, Zentrale Intelligenz Agentur
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Seele and Geist
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