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Das Magazin für Senioren und was ist Ihr Hobby ? - Dinslaken

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LebensZeit
Ausgabe Nr. 7
Juni - August 2009
Das Magazin für Senioren
Fotos: Klaus Ulrich, Michael Kotz, Tobias Kotz
... und was ist Ihr Hobby ?
LebensZeit
Vor ...
Liebe Leserinnen und Leser,
sind Sie in Ihrer Kindheit einmal auf
einem „Steckenpferd“ geritten? Ich
kenne das Reiten auf einem Steckenpferd nicht nur aus Erzählungen
meiner Eltern. Als Cowboy verkleidet
war es für uns als Kinder ein Vergnügen, mit einem Holzpferd, genauer
mit einem Holzpferdekopf, der auf
einem Holzstab befestigt war, wild
durch die „Prärie“, Gärten und Wohnungen zu reiten, oft zum Leidwesen
unserer Eltern. Auch wenn in unserer
heutigen Welt solche „Steckenpferde“ weitestgehend aus der Mode gekommen sind, sind andere „Steckenpferde“ absolut „in“. Denn was den
Kindern ihr „Steckenpferd“ war, ist
heute den Erwachsenen ihr „Hobby“.
Laut Herkunftswörterbuch wurde
das Wort „Hobby“ im 20. Jahrhundert aus dem Englischen entlehnt,
es stammt vermutlich von dem englischen Wort „horse“, „Pferd, Pferdchen“, ab. Genaueres weiß man
nicht, aber der Zusammenhang ist
unschwer zu erkennen. Als man im
englischen Sprachraum die Kinder
auf ihren hölzernen „horses“, also
„Stecken-Pferdchen“,
vergnüglich
herumreiten sah, sagte und dachte
man offensichtlich, das muss „Hobby“ sein! Im Wörterbuch liest man,
dass das uralte Bild „vom vergnüglichen Reiten auf einem Holzspielzeugpferdchen als Grundlage für die
Bedeutungsentwicklung diente, die
verallgemeinernd eine Bezeichnung
für jegliche „Beschäftigung zur Erholung und zum Zeitvertreib“ entstehen ließ.“ Genauer: „für Erwachsene
wurde das Steckenpferd (-Reiten) im
übertragenen Sinne von „Lieblingsbeschäftigung“ erst seit dem Jahre
1763 durch die Romanübersetzung
des „Tristram Shandy“ (von Laurence
Sterne) gebräuchlich.
Ich schließe daraus: ob als Kinder,
als Erwachsener oder als Senior und
Seniorin, alle benötigen eine Lieblingsbeschäftigung. Die Kinder als
Entwicklungsmöglichkeit für Fantasie
und Kreativität, die Erwachsenen als
Ausgleich und Erholung gegenüber
der Erwerbsarbeit und die Senioren
als freie, selbst gewählte und durchaus neue und sinnstiftende Tätigkeit im Alltag, die nicht mehr durch
Pflicht, Geld und Leistung bestimmt
sein muss. Wie vielfältig die Motive zur Ergreifung eines Hobby sein
können, zeigen die Berichte, die wir
hier veröffentlichen wollen. Heutige
Senioren gehen vielen unterschiedlichen
„Lieblingsbeschäftigungen“
nach. Die Freizeitindustrie boomt in
diesem Bereich und bietet verschiedenste Möglichkeiten. Sicher kostet
2
.... Wort .......
manches Hobby heute Geld, aber das muss nicht immer so sein. Ich wünsche mir für diese Ausgabe, dass unsere Berichte nicht nur über
einige Hobbys informieren, sondern dass sie Sie vor allem dazu anregen,
sich nach einem – anderen oder auch weiteren - Hobby umzusehen oder
vielleicht das schon begonnene zu intensivieren. Ich bin der Überzeugung,
dass Kreativität, „kindlich“ ausgelassenes Spiel und Neugier auch im Alter
das Leben bunter und lebenswerter machen, vor allem dann, wenn man sein
Hobby mit anderen teilt.
Neben den vorgestellten Hobbys möchten wir in dieser Ausgabe unseren
begonnenen Generationen - Dialog mit FATAL (Schülerzeitschrift des OttoHahn-Gymnasiums) fortführen. Zum Thema Politikverdrossenheit veröffentlichen wir - nun doch noch rechtzeitig vor der Kommunalwahl - eine zweite
„Serie“ von Texten, die aus Platzgründen in Ausgabe Nr. 6 nicht erscheinen
konnten. Diese Texte empfehle ich ebenfalls Ihrer aufmerksamen Lektüre.
In herzlicher Verbundenheit
Ihr
Michael Kotz
In eigener Sache
Mit dieser Ausgabe der „LebensZeit“ haben wir die Nummer 7 auf den Weg
gebracht. Das macht uns stolz. Nicht dass wir uns gegenseitig auf die Schulter klopfen wollen. Vor gut zwanzig Monaten stand Herr Michael Kotz als
„Alleinkämpfer“ an der Front und bemühte sich um die Initiierung einer Zeitung als „Sprachorgan“ für die Seniorenvertretung in Dinslaken. Es war gar
nicht so einfach, aus der „Nullposition“ heraus und nahezu ohne finanziell
fundierte Basis eine „redaktionelle Mannschaft“ auf die Beine zu stellen. Es
erforderte Fantasie und Einsatz, ein „unbekanntes Objekt“ bekannt zu machen. Es zeigte sich bald, dass bei den Senioren, die aktiv bleiben wollen,
viel kreatives Potential vorhanden ist. Eine Mannschaft hat sich gebildet, die
sich rasch harmonisch verstand. Wenn wir zurückblicken, so ist unsere Zeitung von einer Ausgabe zur nächsten sowohl thematisch als auch in Umfang
und Gestaltung immer besser geworden. Das verdanken wir nicht zuletzt der
Pionierarbeit von Herrn Michael Kotz.
Der Grund für mein Vorwort „in eigener Sache“ ist der, dass Ihnen ab der
nächsten Ausgabe eine formelle Änderung im Impressum auffallen wird.
Nicht Kompetenzgründe sondern Veränderungen im persönlichen Umfeld
von Herrn Kotz haben dazu geführt, dass mir die Verantwortung für die Zeitung übertragen wurde. Ich betrachte mich als „Primus inter Pares“.
Wir danken Herrn Kotz für seine bisher geleistete Arbeit und hoffen, von seinen Fähigkeiten weiterhin zu profitieren.
Bei dieser Gelegenheit begrüßen wir die Erweiterung der Redaktion durch
zwei neue Mitglieder: Frau Ruth Wendt, keine Unbekannte, und Herrn Klaus
Ulrich. Beide werden unsere Zeitung bereichern - sowohl in textlicher als
auch fotografischer Gestaltung.
Im Namen der Redaktion
Dr. Mohammed Ali Hariri
In dieser Ausgabe
2
3 4-5
7
8
9
10 -11
12
13
15
16
17
18
19-21
23 24
Vorwort; In eigener Sache; Inhaltsverzeichnis
Aquarellmalen; Vom Umgang mit Pflanzen
Kunstwerk Windel; Durch Singen zu neuem Lebensmut;
Großeltern gesucht
Lohberger Rentnerband e. V. „Gemeine Leute“ - Hobbys im Mittelalter
Die Buchbesprechung: „Malka Mai“ - eine Odyssee
Wie kommt der Honig ins Glas?; Angeln - die unverdächtigste Art .... ; Suche Hundesitter - biete Fotokurs
Wahlrecht - Wahlpflicht - Pro
Lesen - Alte Leser bleiben jung
Eine Zensur findet nicht statt ... ; An die Leser/Innen
Wahlrecht - Wahlpflicht - Contra
Vorsicht „Fallen“!
Politische Senioren - politikverdrossene Jugendliche ?
Ein - E - Mail - Dialog zur Politikverdrossenheit zwi schen Redaktionsmitgliedern von FATAL u. LebensZeit
Veranstaltungen für Juni, Juli, August 2009
Veranstaltungen; Finanzielle Unterstützung; Gemeinnütziger Kulturfond 2009; Impressum LebensZeit
Aquarellmalen
Text: Annemarie Möbs, Foto: K. Ulrich
Das Altwerden ist gar nicht so einfach. Zwar kommt es von selbst,
und man spricht von dem wohlverdienten Ruhestand, aber das sagen vor allem diejenigen, die noch nicht dort angekommen sind.
Ist man nun Rentner-Senior-Ruheständler, weiß man nicht immer
auf Anhieb, mit der so total veränderten Situation etwas Gescheites
anzufangen. Ich hörte mal einen Satz, der diesen „Schwebezustand“
ein wenig beschreibt: Faulenzen macht nur dann Spaß, wenn man
viel Arbeit zu erledigen hat.
Mir ist es von dem Augenblick an gut gegangen, als ich erkannte,
dass ich ein großes Stück Freiheit gewonnen hatte. Freiheit in dem
Sinne, dass ich mich in meinen Leistungen nicht mehr messen lassen musste, dass der Kreis derjenigen, denen ich über mein Tun
Rechenschaft ablegen musste, kleiner geworden war und dass ich
auch Zeit mit anscheinend Nutzlosem zubringen durfte. Darum habe
ich mich damals für einen Lehrgang in Aquarellmalen angemeldet.
Ich habe immer gerne gemalt, war aber ein wenig verzagt, weil
ich erkannte, dass ich gewisse Voraussetzungen nicht beherrschte.
„Können“ hat immer etwas mit „Lernen“ zu tun. Auch die ganz „Großen“ mussten lernen. Nachdem ich mich mit Fluchtpunkt, Horizontlinie, den Parallelen, die in die Tiefe gehen, auseinandergesetzt und
Grundsätzliches über Perspektive kennengelernt hatte, war vieles
viel leichter. Meine Bilder verloren die „Verzagtheit“, ich traute mich,
eine eigene Ansicht umzusetzen. Ganz wichtig war, dass die „Lehrerin“ darauf bestand, das zu malen, was man sieht. Das hieß, man
musste sich von festgefahrenen Mustern trennen.
Ich sehe meine Umgebung seit dem mit anderen Augen. Wenn ich
male, lebe ich in einer anderen Welt, in der Kleinliches draußen bleibt. Ein bisschen Nützliches kommt dabei auch
heraus. Meine Bildchen, die einen Gruß oder einen Glückwunsch begleiten, bereitet immer wieder Freude. Nun sollte
nicht verschwiegen werden, dass man auch ein bisschen Geld locker machen muss. Farben und Pinsel sollten von
guter Qualität sein. Es genügt aber durchaus, mit einer kleinen Ausstattung anzufangen. Das Mischen von Farben ist
ein beglückender Vorgang. Man braucht nämlich nicht eine große Menge „fertiger“ Farben. Wenn man zum Geburtstag oder zu Weihnachten gefragt wird, was man sich denn wünsche, ist hier eine gute Gelegenheit, Zufriedenheit zu
schaffen. Nehmen sie den Pinsel einfach in die Hand und fangen sie an!
Vom Umgang mit Pflanzen
Dieter Thomas Heck hat sich von Deutschland verabschiedet und lebt von nun an in
Spanien und züchtet Orchideen. Konrad Adenauer kultivierte Rosen, um sich von seiner
anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit zu erholen. Von Prinz Charles sagt man, er habe
die Gabe, mit Pflanzen zu sprechen und ihnen zu zuhören. In einem Zeitungsaufsatz
fand ich den Ausspruch eines weltbekannten
Gartenmeisters: „Wenn ich noch einmal auf
die Welt komme, werde ich wieder Gärtner.
Denn für ein einziges Leben war dieser Beruf zu groß.“ In einer Gesundheitszeitschrift
wird behauptet: „Die Liebe zum Grünen
steckt in unseren Genen. Biophilie heißt diese Sehnsucht nach Natur, die Zuneigung zu
allem Lebendigen. Wer sie unterdrückt oder
verkümmern lässt, verkümmert selbst.“
Soweit mein Denken zurück reicht, habe ich
immer eine enge Verbundenheit mit Pflanzen
empfunden. Ich habe voll Spannung erwartet, dass die Stiefmütterchensamen aus den
Blüten des vergangenen Jahres neue Pflänzchen hervor brachten. Spannung, Enttäuschung, Erkennen von Fehlern, Experimentieren, Trauer über Misserfolg waren und sind
die Kennzeichen meines Umgangs mit Pflanzen. Als ich noch sehr klein war, lehrte man
mich das Sprüchelchen:
„Ward ein Blümlein mir geschenket,
hab`s gepflanzt und hab`s getränket,
Text: Annemarie Möbs, Foto: K. Ulrich
Vöglein kommt und gebt fein acht,
gell ich hab es recht gemacht.“
Vielleicht klingt das albern, aber es sagt etwas ganz Wichtiges: Der
Umgang mit Pflanzen ist mit Verantwortung verbunden.
Ich bilde mir zumindest ein, auch mit den Pflanzen in meinen Blumentöpfen oder den Kübeln auf der Terrasse und ebenso mit dem Rittersporn, dem Goldlack oder den Veilchen im Garten kommunizieren zu
können. Der Umgang mit den Pflanzen beschäftigt mich in Gedanken
und verlangt von mir, etwas zu tun. Es ist ein erhebendes Gefühl, in
einen großen Zusammenhang eingebunden zu sein. Das hört sich so
großspurig an. Was ich sagen will: Es macht Spaß, an der Gestaltung
der Natur um mich herum mitzuwirken.
3
LebensZeit
Kunstwerk Windel
In unserem Bücherregal im Wohnzimmer steht als
Kunstwerk eine Windel – natürlich gewaschen und
gestalterisch verändert (s. Foto). Diese Art des Umgangs mit Textilien bezeichnet man als Textilkunst,
und sie ist von kreativen Menschen einfach umzusetzen.
Ich habe Ulrike Wennmann besucht, eine Textilkünstlerin aus Hiesfeld. „Die Textilkunst lebt vom Experiment,“ erzählt sie mir. Ich erfahre, dass sie aus
England und Amerika zu uns gekommen und aus der
Tradition des Patchworkens und Quiltens erwachsen
ist. Irgendwann genügte den Frauen die Gestaltung
mit Stoffen nach den traditionellen Patchwork- und
Quiltvorlagen nicht mehr, sie ließ wenig Raum für
Fantasie, und so begann man, die Stoffoberflächen
zu verändern. Das kann z. B. so aussehen, dass
Stoffe mit dem Bügeleisen zum Schmelzen – oder
wenn sie übereinandergelegt werden – zum miteinander Verschmelzen gebracht werden. Dazu eignen
sich sämtliche synthetischen Stoffe wie Chiffon,
Taft, Vliseline, Gardinenreste. Natürlich gibt es auch
spezielle Stoffe, die beim Schmelzen ganz eigene
Effekte entwickeln, aber die zu kaufen, ist für den
Einstieg in die Textilkunst nicht notwendig. Beim
Arbeiten mit dem Bügeleisen ist es wichtig, unter
und über das Material Backpapier zu legen, sonst
haftet das schöne Kunstwerk unter dem Eisen. Zu
Beginn der Arbeit weiß man meistens nicht, was der
Vorgang am Ende hergibt. „Manchmal,“ schmunzelt
Ulrike Wennmann, „bin ich selbst total überrascht.
Ich nehme dann dieses Zufallsprodukt und arbeite weiter daran.“ Sie zeigt mir kleine Kunstwerke,
manchmal nur ein paar Quadratzentimeter groß, die
sie mit Acrylfarbe bemalt, mit einzelnen Fäden und/
oder Stickstichen, Perlen oder dekorativen Knöpfen
verziert hat. Bei anderen wieder hat sie Stofffarbe
aufgetragen und die Wirkung durch Wischen und
Spachteln mit Stäbchen erzielt.
Eine weitere Möglichkeit ist auch, Stoffe einem „unsachgemäßen“ Waschgang auszusetzen, z. B. bei
erhöhter Temperatur. Was die Waschmaschine am
Text: J. Ulrich, Foto: K. Ulrich
Ende hergibt, wird dann weiterverarbeitet. Wenn
man einer Windel und ungesponnener Wolle einen
Kochwaschgang zumutet, dann kann mit ein bisschen Weiterverarbeitung so etwas entstehen wie
unser „Kunstwerk Windel“.
„Im Grunde muss man keine besonderen Materialien kaufen,“ erklärt Ulrike Wennmann, „für den
Anfang reicht es, das zu nehmen, was die Schubladen hergeben und damit zu experimentieren.“
Dass dieses Hobby nicht nur einem Selbstzweck
dient wird mir klar, als ich mich bei der Künstlerin
umschaue. Die kleinen bis großen Kunstwerke sind
teilweise dekorativ gerahmt und sind so als Unikat
ein ungewöhnliches Geschenk. Wer es klein und
filigran liebt, kann damit auch eine Karte gestalten
und so seinen Glückwünschen einen besonderen
Rahmen verleihen.
Habe ich ihr Interesse geweckt? Versuchen sie’s
doch einfach mal. Wenn sie Fragen haben: In jedem Semester führt Ulrike Wennmann Kurse durch
bei der VHS Dinslaken.
Durch Singen zu neuem Lebensmut
Wenn Katharina Pietz und Gerlinde Eisenhut (in der
Bildmitte) darüber sprechen, wie sie vor ca. 12 bzw.
9 Jahren zum Singen in den evangelischen Kirchen-
4
Text, Foto: M. Kotz
chor Dinslaken - Bruch kamen, dann hört sich das
wie ein Lobgesang an. Ein Lob auf die Kraft der
Musik, des Singens und der Gemeinschaft. „Als
ich in den Chor kam, war ich begeistert. Das gemeinsame Singen trug mich nach dem Tod meines
Mannes durch meine Trauer und die freundliche
Aufnahme durch die anderen Sängerinnen und
Sänger gab mir Geborgenheit“, sagt G. Eisenhut
im Rückblick. „Genau so ist es mir auch ergangen“,
fällt K. Pietz ein. „Wir beide kannten uns flüchtig
vom Kegeln her, aber als mich 4 Jahre später das
gleiche Schicksal traf wie Gerlinde und ich in meiner Trauer zu versinken drohte, da hat sie mich in
den Chor mitgenommen. Sie wusste, was gut für
mich ist, weil sie das selber durchgemacht hat. Nie
hätte ich früher gedacht, einmal in einen Chor zu
gehen. Aber das Singen half mir über den Verlust
hinweg und zudem fand ich schnell nette Kontak-
LebensZeit
te im Chor.“ Beide stimmen überein: „Singen
beflügelt und ist Balsam für die Seele. Das Leben fühlt sich dann leichter an und man selbst
fühlt sich wieder fit.“
Im Laufe der Jahre sind G. Eisenhut und K.
Pietz gute Freundinnen geworden, die jeden
Donnerstagabend um 19.30 Uhr gerne zusammen in den Chor gehen. Das Singen macht
Großeltern gesucht
... steht auf dem Blatt an der Notiztafel im Kindergarten. Großeltern gesucht? „Ja,“ erklärt
mir die Erzieherin, „wir haben hier einige junge Familien, die weit entfernt von ihren Eltern
leben und ein bisschen großelterliche Hilfe und
Unterstützung gebrauchen könnten. Wissen
sie, „fährt sie fort, „Kinder brauchen einfach
Großeltern. Der Umgang mit dieser Generation ist für sie eine wichtige Erfahrung.“ „Ja,“
denke ich, „sie hat Recht, und sind ältere Menschen nicht auch dafür prädestiniert, Großeltern zu sein?“
Mir fallen Ilse und Siegfried Bergmann ein, die
viele Jahre unsere Nachbarn waren. Sie bewohnten in einem Zweifamilienhaus das Erdgeschoss. Eines Tages zog in die obere Etage
ein junges Ehepaar. Bald wurde Jennifer geboren, dann Mona, Jonas und Sina. Von da an verschlossen Bergmann ihre Wohnungstür nicht
mehr. Die Kinder konnten ein- und ausgehen,
wann immer sie wollten, und sie wussten, d.
h. eigentlich fühlten sie es mehr, sie waren immer willkommen. Gelegentlich schleppte ein
Zwerg auch das Bettzeug und die Zahnbürste
mir nach unten. „Kann ich bei euch schlafen?“
Natürlich konnte er. Jonas kam aus der Schule
gestürmt. „Ilse, was kochst du heute? Kann
ich bei euch essen?“ Natürlich konnte er. „Siggi ist im Krankenhaus? Kann ich mitfahren ihn
besuchen? Ich bin auch ganz lieb!“ „Ihr geht
spazieren? Können wir mit? Bitte!“ Ilse und
Siegfried hatten immer Zeit für ihre „Enkelkinder“. „Sie waren nie eine Last für uns,“ erzählt
mir Ilse, „im Gegenteil. Beim Spaziergang mit
ihnen haben wir Kleinigkeiten entdeckt, die
einem Erwachsenen nie auffallen. Durch ihre
vielen Fragen „warum – warum?“ mussten
wir uns mit Dingen beschäftigen, über die wir
vorher nie nachgedacht haben. Das hält den
Kopf fit.“ Bei vier Kindern gab es oft etwas zu
flicken und zu nähen. Auch dabei ist Ilse Bergmann eingesprungen. Sie zeigte Jennifer und
Mona die Grundtechniken des Strickens und
Häkelns. „O Ilse, da hast du aber eine schöne
Weste an! So eine möchte ich auch haben –
soooo gerne!“ Bald trugen Ilse und die drei
Mädchen die gleichen Westen, und alle vier
waren sehr stolz.
Irgendwann zogen die Kinder mit ihren Eltern
auf die andere Rheinseite in ein Haus. Ilse und
Siegfried blieben allein zurück – mit vielen
schönen Erinnerungen und vielen Fotos. D. h.,
so ganz alleine sind sie nicht. Ihre vier, nun
Spaß, aber auch die Kontakte zu den anderen Sängerinnen und Sänger wollen sie nicht missen, denn zwischendurch – und wohl auch mal mittendrin! - kann man
manches loswerden, was einem im Alltag auf der Seele
liegt. Singen verbindet! Wenn beide nach dem Singen
gemeinsam nach Hause gehen, kommen die Lieder wie
von selbst wieder hoch: Singend finden Herzen und Füße
leicht und beschwingt den Weg nach Hause.
Text: J. Ulrich, Foto: K. Ulrich
Ilse u. Siegfried Bergmann mit Mona, Jonas, Jennifer, Sina
zwischen 15 und 20 Jahre alt, kommen sie nicht nur am
Hl. Abend sondern auch zu anderen Gelegenheiten regelmäßig besuchen.
In dieser Geschichte von den „adoptierten“ Großeltern,
bzw. „adoptierten“ Enkeln war es ein glücklicher Zufall,
dass alle im selben Haus wohnten – eine Ausnahmesituation. Aber vielleicht werden ja in ihrem Wohnviertel,
ihrer Nachbarschaft oder ja sogar in ihrem Bekanntenkreis auch „Ersatzgroßeltern“ gesucht. Glauben sie mir,
es macht keinen Unterschied, ob das „richtige“ Enkelkind am Telefon kräht: „Hannah Omas Hause kommen!
Hannah Oma Kuss geben!“ oder ob der „Leihenkel“ sagt:
„Ach Oma Jutta, ich freue mich so, dass du da bist!“
Gönnen sie sich dieses Erlebnis. Enkel vertreiben die
Langeweile und machen den Alltag ein bisschen bunter.
5
LebensZeit
Ihr sicheres Zuhause
 ruhige zentrale Lage
 jeweils 80 Pflegeplätze
 behindertengerechte, barrierefreie Ausstattung
 moderne, freundlich eingerichtete Zimmer mit Dusche und WC
 qualifizierte Pflege und Betreuung, individuelle Beschäftigungsangebote
 Verpflegung aus hauseigener Küche mit Wahlmenü
HEWAG Seniorenstift Dinslaken
Kurt-Schumacher-Str. 154
46539 Dinslaken
Telefon: (02064) 426 – 0
seniorenstift.dinslaken@hewag.de
HEWAG Seniorenstift Hünxe
Bensumskamp 27
46569 Hünxe
Telefon: (02858) 908 – 0
seniorenstift.huenxe@hewag.de
Weitere Standorte in Duisburg, Langenfeld, Emden, Lichtenstein (Sachsen)
Die zentrale Kontakt-Adresse für Informationen via E-Mail lautet: vita_gmbh@hellmich-gruppe.de
Internet: www.hewag.de
HEWAG Seniorenstift GmbH – Ein Unternehmen der HELLMICH-Gruppe
Telefon
(02064) 43 76 56
Mobil
0151 / 12 48 58 99
Fax
(02064) 43 76 60
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LebensZeit
Lohberger Rentner Band e.V.
Um Missverständnissen vorzubeugen ist vorauszuschicken,
dass es sich hierbei nicht um
eine „Musik Band“ handelt, die
„Ohrwürmer“ und alte Schlager
oder unvergessene „ Evergreens“
singt. Hier handelt es sich um
einen „Boccia-Verein“, einmalig
in Dinslaken, eine mediterrane
Sportart, ausgesprochen seniorengerecht.
Die Entstehungsgeschichte ist
erzählenswert: Nach einem Italienurlaub Anfang der achtziger
Jahre macht Helmut Eisermann
Bekanntschaft mit Boccia. Eine
Freizeitgestaltung, die ihm zusagte. Wieder zu Hause initiierte
er eine „lose“ Zusammenkunft
von Freunden und Bekannten,
die dann 1984 begannen, sich
regelmäßig zu treffen, um diesem Hobby zu frönen. Die meisten Bocciaspieler waren Mitarbeiter des Bergbaus. Als „Spielplatz“ bot sich die Bezirkssportanlage an. 1992 wurde daraus
ein eingetragener Verein – kein
„exklusiver Herrenclub“. Frauen
dürfen ebenfalls mitspielen und
mitreden, auch wenn die Felder
getrennt sind. Die Mitgliederzahl
beträgt z.Z. 174 Männer und 40
Frauen. Zum Verein gehört ein
Aufenthaltsraum, in dem man
sich mit den anderen gesellig
unterhält oder erfrischende Getränke zu sich nimmt. Der Jahresbeitrag ist symbolisch und
beträgt nur 2,00 € (zur Deckung
der Haftpflichtversicherung). Das
zeigt, dass „Seniorensport“ und
Freizeitgestaltung erschwinglich
sein können. Alle zwei Wochen,
jeweils freitags, trifft sich die
Mannschaft zum Bocciaspiel und
freitags alle zwei Wochen bei guter Wetterlage wird eine Fahrradtour gemacht.
Die Frauen treffen sich auf der
benachbarten Anlage für Boccia
und Minigolf, jeweils montags
ebenfalls alle zwei Wochen. An
solchen Tagen beköstigen sie
sich mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen oder mitgebrachten belegten Brötchen. Anlässe
zum „Schlemmen“gibt es genug.
Bei 40 weiblichen Mitgliedern hat
immer irgendjemand Geburtstag.
Einmal im Jahr findet auf der An-
Text, Foto: Dr. M. Hariri
lage auch ein
Jugendturnier
statt.
Großeltern, Kinder und
Enkelkinder sind
auf dem Platz.
Beim
Verlassen der Anlage
verriet mir eine
Dame ihr Alter: 68 Jahren,
wonach sie gar
nicht
aussah.
Seit 20 Jahren
sei sie dabei.
Also nach oben keine Altersgrenze. Wie man sieht: „Sich regen bringt
Segen“. Kontaktadresse: Hans Peters. Marthastr. 46. Tel. Fax. 89929.
7
LebensZeit
„Gemeine Leute“
Text: J. Ulrich, Foto: K.Ulrich
Quelle: Internet u. „Geschichte der Stadt Dinslaken 1273 – 1973“, S.51 ff, R. Stampfuß / A.Triller, hrg. von der Stadt Dinslaken
Nein, es sind nicht die rücksichtslosen, ehrlosen
gemeint, die Rede ist hier von den gewöhnlichen
Menschen, den mittelmäßigen, durchschnittlichen, wie sie im Mittelalter in der Stadt lebten
und wie ihre „Steckenpferde“ aussahen.
Eine mittelalterliche Stadt ist nicht zu vergleichen
mit unseren Städten. Dinslaken z. B. umfasste
eine bebaute Fläche von 23 ha, hatte etwa 800
Einwohner und 200 Häuser, verteilt auf Alt- und
Neustadt. Um als vollwertiger Bürger der Stadt
zu gelten, musste man einen Bürgereid ablegen
und eine Eintrittsgebühr bezahlen. Neben den
„Vollbürgern“ gab es die „Pfahlbürger“ oder „Ausbürger“. Sie lebten außerhalb der Stadt, besaßen
aber das Bürgerrecht. Die dritte Gruppe bildeten die „Nichtbürger“ oder „Mitbewohner“. Sie
waren nicht vermögend genug, um das Bürgerrecht erwerben zu können, waren aber an den
gewöhnlichen Arbeiten der Stadt (z. B. den Instandhaltungsarbeiten an der Befestigungsanlage) beteiligt und mussten auch Steuern zahlen.
Gelegentlich liest man auch von einer Dreiteilung
in „Oberschicht“ (Groß- und Fernkaufleute, reiche
Grundbesitzer), „Mittelschicht“ (gemeine Leute
wie Handwerker, Kleinhändler, städt. Angestellte,
Apotheker, Wundärzte) und „Unterschicht“ (die
große Masse der beruflich Unselbstständigen wie
Gesellen und Lehrlinge, Tagelöhner, Hilfsarbeiter,
das Gesinde, die Bettler).
Die größte Schicht mit fast 50 % der Bürger stellten die Handwerker. Besonders angesehen waren
die Goldschmiede und Kürschner, später auch die
Tuchmacher und Wollenweber. Die Handwerker
hatten eine sog. Familienwerkstatt, d. h. alle lebten und arbeiteten unter einem Dach. Die Lehrlinge und Gesellen wohnten in der Familie des
Meisters und wurden auch dort beköstigt. Gearbeitet wurde so lange das Tageslicht ausreichte.
Da auch ansonsten alles zum Leben Notwendige selbst produziert wurde, blieb keine Zeit für
ein „Hobby“, ein „Steckenpferd“ (s. Definition im
Vorwort). Den jüngeren Kindern wurde Zeit zum
Spielen zugestanden (Zeitverschwendung, wie
man fand), aber schon bald mussten auch sie sich
im Haushalt oder auf dem Feld nützlich machen.
Verheiratete Frauen leiteten auch oft den Betrieb
ihres Mannes, wenn er zur Zunft der Kaufleute
gehörte und auf Reisen war. Unter ihnen gab es
auch solche mit einem eigenen Beruf, z. B. Weinhändlerin, Gewürzhändlerin, Krankenpflegerin,
Hutmacherin oder Hebamme. In besonders hohem Ansehen standen die Goldspinnerinnen, die
das Blattgold für die Kirchengewänder und die
kostbaren Gewänder der reichen verarbeiteten.
Frauen der Unterschicht waren meist als Hausgehilfinnen in fremden Haushalten zu finden.
Unverheiratete Frauen arbeiteten oft als Lohnarbeiterinnen z. B. in der Wollweberei, als Wäsche-
8
rin oder Krämerin, die mit Gemüse, Eiern, Mehl,
Käse, Federn oder Garnen handelte. Oft lebten
sie auch als „Anhängsel“ mit auf dem Hof oder in
der Familienwerkstatt und mussten alle anfallenden Arbeiten mit verrichten.
Wie man sieht, waren Frauen aus allen sozialen
Schichten erwerbstätig - vielfach aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Ihre gesellschaftliche Stellung insgesamt erfährt beachtliche Aufwertung,
auch wenn ihre Rechte begrenzt blieben. Da jedoch außer der beruflichen Tätigkeit die Sorge für
Haus, Hof und Garten, die Versorgung der Kinder,
des Gesindes und des Kleinviehs noch zu ihrem
Zuständigkeitsbereich gehörte, war der Tag ausgefüllt und ließ keinen Raum für eine Beschäftigung zur Erholung, zum Zeitvertreib und als
Ausgleich gegenüber der Erwerbsarbeit, wie Herr
Kotz es im Vorwort ausgeführt hat. Lediglich die
wenigen Frauen, meist Witwen, mit einem größeren Vermögen in Renten-, Haus- und Grundbesitz
und natürlich die adeligen Damen mit genügend
Dienerschaft hatten Zeit und Muße zum Musizieren und um feine Stickereien anzufertigen. Aber
diese Herrschaften gehörten eben nicht zu den
„gemeinen Leuten“.
LebensZeit
Die Buchbesprechung
Text: J. Hundrieser, Foto: Internet
„Malka Mai“ - eine Odyssee.
1943, ein kleines polnisches Dorf in den Karpaten:
Auf der Flucht vor den anrückenden deutschen
Soldaten muss die jüdische Ärztin Hanna Mai ihre
Tochter Malka bei Bauern zurücklassen. Für Malka
beginnt eine unglaubliche Odyssee.
Die erzählte Geschichte umfasst den Zeitraum von
September bis Mitte März des darauf folgenden
Jahres. Für Mutter und Tochter ein Weg durch die
Hölle. Als Ärztin fühlt sich die emanzipierte Jüdin
vor Übergriffen durch die Deutschen, die Polen
besetzt haben, sicher. Aber sie irrt sich. So muss
sie überstürzt mit ihren beiden Töchtern, sieben
und sechzehn Jahre alt, in Richtung Ungarn fliehen.
Die Flucht wird zu einem Albtraum. Im Vertrauen
darauf, die jüngere Tochter bald wiederzusehen,
lässt sie sie krank bei einem Bauern zurück. Eine
schwerwiegende Entscheidung, denn die Helfer
überlassen Malka ihrem Schicksal. Sie erlebt,
durchleidet und überlebt Hunger, Kälte, Typhus,
Einsamkeit, Gefängnis und Ghetto.
Es ist eine bewegende und äußerst spannende
Geschichte über Menschen, die plötzlich aus ihrem
Alltag gerissen werden und für die es nur noch
eins gibt - das nackte Überleben. Und obwohl das
Ganze inmitten einer grausamen Mordmaschinerie
spielt, bleiben uns schreckliche Erlebnisse wie das
massenhafte Erschießen von
Menschen und Ähnliches,
weitgehend
erspart.
Im
Gegenteil: immer wieder
passieren auch Dinge, die
eine Ahnung davon geben,
dass auch in all diesem
Elend
Menschlichkeit
möglich ist. Und gerade sie
hinterlassen den stärksten
Eindruck. Mirjam Pressler
hat ein großartiges Buch
geschrieben, eins, das man
nicht so schnell vergisst.
Malka Mai, die heute in Israel unter einem anderen
Namen lebt, hatte ihre Erlebnisse zunächst für
die Dokumentensammlung der Gedenkstätte
Yad Vashem in Jerusalem geschrieben, doch der
Verlag schickte es an Mirjam Pressler, die auch
als Übersetzerin arbeitet. Das als Jugendbuch
geschriebene Werk ist allen Generationen eine
eindrucksvolle und anrührende Lektüre.
Mirjam Pressler. Malka Mai. Weinheim: Beltz und
Gelberg Verlag. EUR 7,90
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Antragstelle
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Verbrauchsabrechnung
Strom · Gas · Wasser · Fernwärme
9
LebensZeit
Wie kommt der Honig ins Glas? Welch ein Verlust an Lebenqualität, würde der Honigliebhaber
auf seinen hoch geschätzten Bissen vom frisch gebackenen Brötchen mit Honigbelag verzichten.
Vor dem Honigregal stehend,
verwirrt durch die Vielfalt dieses hochwertigen Lebensmittels,
macht man sich als Konsument
kaum Gedanken darüber, welchen Weg der Honig nimmt bis er
auf dem Brötchen landet. Es gibt
ihn dünn bis dickflüssig, kandiert, dass man ihn mit dem Messer schneiden muss, verschieden
in Aroma und Farbe. Des Rätsels
Lösung geben uns die Hauptakteure: Die Bienen und die Natur.
Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Biene ein nützliches
Insekt ist, ohne die der Mensch
kaum überleben kann. Ihre Sammelleidenschaft aus Selbsterhaltungstrieb bringt es mit sich, dass
unsere Flora an Vielfalt, Größe,
Qualität und Ertrag davon profitiert. Bei ihrer instinktiven Tätigkeit nach Nahrungssuche (Pollen
und Nektar) für das eigene Volk
befruchtet sie bis zu 80% unserer Pflanzenblüten. Pollen und
Nektar benötigt sie zur Brutfütterung, zur Fütterung der Königin
und zur Herstellung des Honigs
als Vorrat, gelagert in den Waben. Der Mensch macht sich diesen Prozess zu Nutze, indem er
den Bienen Vorarbeiten abnimmt.
Text: Dr. M. Hariri, Fotos: K. Ulrich
Er hängt ihnen fertige Waben in die Beute- oder Wachswände, so
dass sie schnell anfangen können, Honig zu produzieren. Wenn das
Wetter und die Blütenpracht optimale Bedingungen bieten (trockene
Wärme über 15°), dann läuft die Produktion auf Hochtouren. Für „Arbeitskräfte“ sorgt die Königin als „Gebärmaschine“. Bis zu 3000 Eier
täglich legt sie, aus der nach 21 Tagen die Brut schlüpft. Durch die
große Zahl der Arbeitsbienen entsteht eine Überproduktion an Honig,
auf dessen Ernte jeder Imker mit
Freude wartet. Die Honigwaben,
griechischen Amphoren ähnlich,
müssen in hygienisch sauberen
Räumen „entdeckelt“ werden.
Danach werden sie geschleudert.
Der so gewonnene Honig wird
zur Befreiung von Wachsresten
etc. durch ein Feinsieb gegeben
und einige Tage in „Ruhe“ gelassen. Die oben schwimmende
Schaumschicht schöpft der Imker
ab, danach homogenisiert er den
Honig mit einem Quirl und gönnt
ihm wieder einige Tage Ruhe. Erst
dann wird er abgefüllt. Grundvoraussetzung ist es, sich vor der
Ernte von der Reife des Honigs
zu überzeugen. Der Wassergehalt muss bestimmt werden. Hier
herrscht eine europäische Norm,
die an Strenge jedoch vom deutschen Imkerbund übertroffen
wird. „Echter Deutscher Honig“ ist eine geschützte Bezeichnung und
muss die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen. Glas und Banderole sind vereinheitlicht.
Kann man der Biene vorschreiben, wo sie ihre Pollen sammeln soll?
Natürlich nicht. 100% Honig einer Pollenart gibt es kaum, ausgenommen Heide- bzw. Tannenhonig und solche Sorten, die in großen Plantagen gewonnen werden, z.B. Raps. Absolut „rein“ ist der „Kunsthonig“, den wohl jeder aus der Nachkriegszeit kennt. Der echte Bienenhonig enthält verschiedene Pollenarten, deren Verhältnis die Sorte
bestimmt. Das wird analytisch bestätigt. Interessant zu wissen, dass
ca. 20% des deutschen Honigbedarfs in Deutschland gewonnen wird;
der Rest wird importiert. Die Freude unter den Imkern ist immer
groß, wenn ein Hobbyimker für den Nachwuchs gewonnen wird. Ich
habe es zu schätzen gelernt, selbst gewonnenen Honig zum Frühstück zu genießen. Übrigens: diese Qualität ist bezahlbar, sogar erschwinglicher als andere. Guten Appetit. Kontaktadresse für Interessierte: Frau Almut Köhnen. Imkerverein Dinslaken, Bislicher Str. 114,
46487 Wesel/Bislich E-Mail: almutkoenen@web.de.
Angeln –die unverdächtigste Art des Nichtstuns?
Dieser Ansicht stimmt Franz
Miosczka (65) aus Dinslaken
keineswegs zu. In seinen über
30 Angeljahren hat er die verschiedensten Arten des Angelns
kennengelernt. Die Bandbreite
sei nicht zu unterschätzen, sagt
er. Man könne Fliegenfischen in
Bächen und dabei den Fisch „erwandern“, aktiv angeln durch
Spinn- oder Schleppfischen und
10
Text, Fotos: M. Kotz
schließlich still am See „Ansitzen“ und mit
Ruhe und Spannung auf einen Biss warten.
Die Rede vom unverdächtigen Nichtstun passe
also nicht. Fischen sei vielmehr ein Hobby für
mehrere Lebenszyklen, nicht nur für das Alter.
Schon immer fühlte sich Franz Miosczka dem
Wasser und der Natur verbunden. Zum Angeln ist er über Bekannte und andere Wassersportaktivitäten wie Kanufahren und Segeln
gekommen. Wenn er heute beim Angeln, ob bei Tag oder bei Nacht,
die Natur in Ruhe beobachtet kann - natürlich nur solange kein Biss
LebensZeit
erfolgt –, dann ist das
für ihn ein besonderes
Erlebnis. Aber auch
der mit Spannung erwartete und zu beobachtende Biss ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. Sein
allererster Fisch war
– man mag es glauben
oder nicht – ein stolzer
Hecht. Der größte ein
Dorsch in der Ostsee.
Ja, Angeln kann voller
Überraschungen sein.
Als ihm Angelfreunde
während einer kurzen Abwesenheit vom
Angelplatz an einem
Süßwassersee
eine
Scholle an den Haken
hängten, war das sein lustigstes Erlebnis. Heute angelt er
am liebsten auf Aal. Doch er gesteht freimütig, dass er nicht bei
jedem Mal etwas fängt, wenn er
als „Jungrentner“ in Zukunft mit
Sicherheit noch häufiger zu seinem Vereinsgewässer nach Kleve
fährt. Dort angelt er am häufig-
sten.
Der Angelfreund
rät: Wenn jemand mit dem
Gedanken spiele,
Angeln zu seinem Hobby zu
machen, sei es
sinnvoll,
einen
erfahrenen Angler zu finden und
zunächst einmal
zuzusehen
und
dabei festzustellen, ob Angeln
das richtige Hobby für einen sei.
Danach
könne
man sich in Ruhe
auf die Sportfischerprüfung
(Kosten incl. Lehrgang ca. 110 – 150 €) vorbereiten, die jeder Angler in Deutschland ablegen müsse, bevor er zur Angel greifen darf.
Gefragt nach den Kosten für sein Hobby sagt Franz Miosczka: „Wie
bei vielen Hobbys kann man fürs Material und Fernreisen sehr viel
ausgeben, mit normalen Ansprüchen ist das Angeln jedoch ein sehr
preiswertes Hobby. Bei einer Mitgliedschaft im Verein fallen zwischen
200 und 300 € pro Jahr an – Rauchen z. B. ist erheblich teurer.“ Da
hat er Recht. Vermutlich wird sich bei diesem Vergleich wohl noch
manches Hobby als preiswert entpuppen.
Suche Hundesitter – biete Fotokurs
Es begann alles damit, dass wir
eine nette Familie suchten, die
unseren Vierbeiner ab und zu
mal in Pension nimmt. Wir fanden sie in unserem nächsten Bekanntenkreis und auf die Frage:
„Wie können wir euch das denn
wieder gut machen?“ kam die
spontane
Antwort
von Hildegard: „Ich
brauche jemanden,
der mir ein bisschen
Nachhilfe gibt in digitaler Fotografie und
Bildbearbeitung am
PC.“ Der Tauschhandel war schnell perfekt, und Hildegard,
obwohl sich mit großen Schritten dem
Seniorenalter
nähernd, wagte den Einstieg in den
Umgang mit diesem modernen
Medium – mit Erfolg, wie sich inzwischen gezeigt hat.
Mit dieser Episode möchte ich
Folgendes sagen: Denken Sie
nie, Sie sind zu alt, um etwas
Neues zu beginnen! Wenn Sie
fotografieren möchten, weil Sie
vielleicht schon immer Lust dazu
Text: K. Ulrich, Foto: J. Ulrich
hatten aber während des stressigen Berufslebens nicht dazu gekommen sind, dann beginnen sie JETZT! Sie brauchen keine Angst vor
der modernen Technik zu haben. Lassen Sie sich beim Kauf einer
digitalen Kamera nicht verwirren von den vielen Fachausdrücken,
wie z. B. effektive Auflösung, Speichermedium, Blitzsynchronzeit
usw. Erklären Sie dem Verkäufer, für welche Zwecke Sie die Kamera
benötigen und welche Preisvorstellung Sie haben. Alle sog. Pocketkameras können vollautomatisch genutzt werden und sind so den
üblichen Aufnahmesituationen gewachsen.
In vielen Verkaufsketten stehen Automaten
bereit, mit denen Sie die Bilder auf der Speicherkarte betrachten, auswählen und auch
ausdrucken können. Natürlich sind auch in
den Fachgeschäften hilfreiche Verkäufer zur
Stelle, die für Nachfragen und Beratung Zeit
haben.
Sie sehen also, fürs Erste sind keine umfangreichen Fach- geschweige denn PC
Kenntnisse erforderlich.
Sollten Sie allerdings irgendwann einmal
„Blut geleckt“ haben, dann degradieren sie
ihre Erstkamera zur Zweitkamera und gönnen sich eine leistungsfähigere „Digitale“ und bei Gelegenheit in der VHS Dinslaken einen
Anfängerkurs für digitale Bildbearbeitung.
Bald werden Sie bei der Fotopirsch ihre Umwelt mit anderen Augen sehen und entdecken, was ihnen bislang entgangen ist. Je nach
Veranlagung werden Sie möglicherweise auch einen fotografischen
Schwerpunkt legen auf Themen wie z. B. Architektur, Menschen, Tiere, Natur oder Technik.
Sollten Sie Fragen zu diesem Themenbereich haben, rufen Sie mich
doch einfach an: Klaus Ulrich, Tel.: 02064/95663.
11
LebensZeit
Wahlrecht - Wahlpflicht - Pro
Eine tragende Säule der demokratischen Gesellschaft sind
Wahlen. Da ergibt sich für jeden
wahlberechtigten Bürger eine
unschätzbare Gelegenheit, sich
an der politischen Gestaltung
seiner Gesellschaft zu beteiligen.
Das zeugt von einer politischen
Reife, Pflichtbewusstsein und
Verantwortungsgefühl. Sich davon zu drücken, die persönliche
Unzufriedenheit und die politische Verdrossenheit als Alibi zu
missbrauchen, ist in meinen Augen eine Flucht vor der eigenen
Verantwortung.
Seit nahezu 35 Jahren bin ich
deutscher Staatsbürger. Seit dem
bin ich nie einer Wahl fern geblieben: den Europa-, Bundestags-,
Landtags- oder Kommunalwahlen. Für mich haben alle diese
Wahlen die gleiche Gewichtung.
Ich wollte es nie versäumen,
meine „Vertreter“ selbst zu bestimmen. Wenn hinterher etwas
„schief“ läuft, dann muss ich an
die eigene Brust klopfen. Es ist
gut so.
In Deutschland ist das Wahlrecht
im Grundgesetz verankert (Art.
20. Abs. 2 GG). Jeder volljährige
Bürger genießt das Recht, seine politischen Vertreter zu wählen, seinem Gewissen und seiner Überzeugung folgend. Hier
spielen, Gott Lob, persönliche
oder materielle Vorteile, wie es
in manchen Ländern dieser Erde
üblich ist, keine Rolle. Das verdanken wir der demokratischen
Struktur und der politischen Reife unsere Gesellschaft. Das Entsagen des Wahlrechts ist ebenfalls rechtlich geklärt. Eine Ausführung hierüber würde unseren
Rahmen sprengen.
Obwohl es mein „Recht“ ist, halte ich es auch für eine Bürgerpflicht, sich am politischen Leben
aktiv zu beteiligen. Das Grundgesetz verlässt sich auf die politische Reife und Mündigkeit des
Bürgers. Diese persönliche Freiheit veranlasst nicht wenige, der
Wahl fern zu bleiben, was sehr
zu bedauern ist. Damit möchte
ich nicht missverstanden werden, als würde ich dem Zwang
zum Urnengang das Wort reden.
In manchen Ländern dieser Welt
besteht Wahlpflicht, deren Mis-
12
Text: Dr. M. Hariri
sachtung unter Strafe gestellt ist, z. B. Italien, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien etc..
Bald haben wir in Dinslaken eine konkrete Gelegenheit, von unserem
Wahlrecht Gebrauch zu machen: Die Kommunalwahlen stehen vor
der Tür. Hier sehe ich eine große Chance für eingebürgerte Dinslakener, sich am politischen Geschehen zu beteiligen. Es ist grundverkehrt, am Rande der Gesellschaft zu verharren, gebremst durch
überwindbare Hemmungen, wie Sprachbarriere, Kontaktarmut oder
fehlende Motivation, sich am Sozialleben aktiv zu beteiligen. Diesen
Akt der Beteiligung nennt man „aktives Wahlrecht“. Es gibt auch ein
„passives Wahlrecht“, das besagt, sich zur Wahl aufstellen zu lassen,
um selbst am Hebel der Macht zu sitzen. Dafür gibt es rechtliche Voraussetzungen, die ich hier außer Acht lassen möchte. Wen es danach
treibt, solche Aktivitäten zu entfalten, dem steht die Parteienstruktur
zur Verfügung, auch für „Neudeutsche“ versteht sich. Hier muss man
sich nach persönlicher Überzeugung binden und sich hocharbeiten.
Parteilose haben in Deutschland keine Chance. Ungeachtet dessen
wie und für wen man sich entscheidet, sollte man sich die Gelegenheit zur Wahl nicht entgehen lassen. Beweisen sie Ihr bürgerliches
Pflichtgefühl. Seien sie dabei. Ab zur Wahlurne!
LebensZeit
Lesen - Alte Leser bleiben jung
Text: J: Hundrieser, Foto: K. Ulrich
Das gilt für die „jungen Alten“.
Auf
jeder
Reise,
in
jedem
Ferienort, bei jeder kulturellen
Veranstaltung kann man sie
beobachten. Erst recht trifft
man sie in Buchhandlungen und
Bibliotheken, wo sie nicht selten in
doppelter Funktion auftreten: als
engagierte Literaturfreunde und
als vorlesefreudige Großeltern,
die darum bemüht sind, bei ihren
Enkeln die Mängel frühkindlicher
Leseförderung im Elternhaus zu
kompensieren. Man kann diesen Befund als
Bestätigung dafür sehen, dass der eifrige Umgang mit Büchern
lebenslang wie ein Jungbrunnen wirkt. Er trainiert die Fähigkeit, ständig
Neues und Interessantes in sich aufzunehmen und lässt eine erhebliche
Kapazität der Umweltverarbeitung entstehen. Lesen ist nicht nur ein
erprobtes Mittel gegen den Abbau der grauen Hirnzellen, sondern öffnet
Wege in neue und fremde Welten, zu anderen und fremden Menschen
und deren Kulturen, in andere und frühere Zeiten und deren Geschehen.
Der Blick in die Vergangenheit fällt auf. Meinungsforscher haben
ermittelt, dass viele ältere Leser Autobiografien und Lebensschilderungen
berühmter Persönlichkeiten, historische Romane und zeitgeschichtliche
Publikationen mögen. So werden Vergleiche und Wertungen mit der
eigenen Biografie möglich. Auch Reisebücher und Heimatbücher haben die Funktion von
Erinnerungsliteratur: Da sind wir groß geworden, da haben wir glückliche
Tage verbracht, da haben wir mit den Kindern Urlaub gemacht.
Lesen im Alter fördert die Kommunikation durch den Wunsch, über
das Gelesene mit anderen zu sprechen. Es ermöglicht, die eigenen
Denkweisen mit anderen gleichaltrigen oder auch jüngeren Menschen
auszutauschen und möglicherweise auch zu verändern und sich neue
Erfahrungen zu erschließen. Und was kann man sich für das Altern
besseres wünschen, als dass man Lebendigkeit erlebt, mit anderen
kommuniziert und aufgeschlossen bleibt für andere Ansichten und für
Veränderungen.
Dabei haben das Buch, die
Zeitschrift und alle gedruckten
Texte gegenüber dem Fernsehen
und dem Rundfunk für uns
Ältere wichtige Vorteile. Wir
können das Lesen eines Satzes,
einen Kapitels und eines ganzen
Buches wiederholen, wir können
einen Satz, eine Aussage in uns
nachklingen lassen, und wir
können Pausen zum Nachdenken
einlegen. Das ermöglicht ein
vertieftes Verständnis des Textes
und führt zu einer ruhigen Antwort
auf die Frage, welche Bedeutung
die gelesenen Inhalte für uns
haben.
Wenn die Augen altersgemäß
mit den Texten in normaler
Schriftgröße Probleme bekommen,
ist das kein Grund, das Lesen zu
beenden. Es gibt z. B. in jeder
öffentlichen
Bibliothek
einen
umfangreichen
Bestand
an
Büchern in Großdruckschrift. Von
klassischen und anspruchsvollen
Büchern bis hin zum leichteren
Unterhaltungsroman wird jeder in
dieser Buchgruppe etwas finden.
was ihm gefällt.
Neu auf dem Markt ist das
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12cm große und 1cm flache,
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Buchhandlung oder
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Arthur Schopenhauer
Ohne Kortison.
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05.03.2009 17:39:18 Uhr
13
LebensZeit
English Conversation
Einführung und zunächst
leichtere Übungen
Ort:
Altstadt Dinslaken
Zeit: nach Vereinbarung
Preis: 5 Euro / pro Person /
90 Minuten
Anmeldung unter : 02855 / 303340
English Conversation
Einführung und zunächst
leichtere Übungen
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Altstadt Dinslaken
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Anschrift, Telefon, E - Mail - Adresse entnehmen sie bitte
dem Impressum !
LebensZeit
Eine Zensur findet nicht
statt ... oder?
werden uns auch weiterhin erlauben, nach außen eigene Meinungen
zu vertreten, die durch unser Grundgesetz gedeckt und geschützt
sind.
Jürgen Zima
Informationen zum Thema
„Presse- und Meinungsfreiheit“
An unsere Leserinnen und Leser!
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei
zu äußern und zu verbreiten…
Eine Zensur findet nicht statt“.
So steht es jedenfalls in Artikel 5
unseres Grundgesetzes. Die Verwaltung unserer Stadt vertrat zu
den Beiträgen in unserer letzten
Ausgabe allerdings eine andere
Auffassung und griff massiv und
für uns nicht hinnehmbar in den
Text unseres traditionellen Vorwortes auf Seite 2 sowie in die
Erläuterung zur Befragung der in
Dinslaken vertretenen Fraktionen
ein. Dabei enthielt der von uns zur
Veröffentlichung bestimmte Text
keinerlei verunglimpfende oder
geschmacklose Passagen, die
ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze oder
den gesetzlichen Bestimmungen
zum Schutz der Jugend, oder in
dem Recht der persönlichen Ehre
gefunden hätten. Nein, es handelte sich lediglich um gemäßigt
kritische und durchaus legitime
Betrachtungen zum Thema Politik im Allgemeinen und Kommunalpolitik im Besonderen. Das
aber gefiel der Verwaltung nicht,
weil sie offenbar nicht ausschließen mochte, dass unsere - völlig
harmlosen - Meinungsäußerungen dem gegenwärtigen, politischen Platzhirschen nicht doch
zum Nachteil gereichen könnten.
So wurde unter Missachtung jeglichen Demokratieverständnisses
die Redaktion angewiesen, die
entsprechenden Texte umzuformulieren, bzw. ganze Textpassagen wegzulassen. Da zu diesem
Zeitpunkt unser Redaktionsleiter
sich zugleich auch als Angestellter der Stadt Dinslaken in einem
Abhängigkeitsverhältnis befand,
entschieden wir aus zwingenden persönlichen Gründen den
Anweisungen der Verwaltung zu
folgen. Inzwischen sind aber diese Gründe weggefallen, so dass
dieser Kommentar zum Inhalt
unserer letzten Ausgabe jetzt
einfach fällig war. Von Heinrich
Heine stammt übrigens der Satz:
„Die Freiheit der Meinung setzt
voraus, dass man eine hat.“ Wir
Die Redaktion möchte Sie gerne an der Gestaltung der Zeitung aktiv
beteiligen. Von einer Seite für Leserbriefe haben wir abgesehen und
ziehen es vor, Ihnen die Zeitung als Plattform für Ihre schriftstellerischen Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Es geht dabei um
Kurzbeiträge zum Schwerpunktthema der jeweiligen Ausgabe. Das
Thema wird in der vorausgehenden Ausgabe mitgeteilt.
Unser Platzangebot: eine DIN A4 Seite für zwei Beiträge, ein Foto
zum Beitrag ist erwünscht. Natürlich können nicht alle Beiträge berücksichtigt werden, das Redaktionsteam wird jedoch mit Sorgfalt
eine Auswahl treffen.
Einsendeschluss ist sechs Wochen vor Erscheinen der jeweiligen
Ausgabe,d. h. für die Ausgabe Nr. 8 ist das der 21.07.09.
Schwerpunktthema der LZ 8 wird sein: Generationendialog.
Kontaktadressen: Lebenszeitdin@aol.com oder Seniorenbüro der
Stadt Dinslaken Wilhelm-Lantermann-Str. 65, Seniorenzeitung „Lebenszeit“.
Wir freuen uns auf Ihre Mitarbeit.
Die Redaktion
“Wohnen der ZukunftNeue Wege für
ältere Menschen“
Wir planen, bauen und verwalten
- Eigenheime
- Eigentumswohnungen
- Mehrfamilienhäuser
- Seniorengerechten Wohnraum
Wir vermieten und verwalten
zur Zeit über 500 seniorengerechte
Wohnungen
Wohnbau Dinslaken GmbH
Postfach 10 05 04, 46525 Dinslaken
Moltkestr. 4, 46535 Dinslaken
Telefon 02064 6208-0
Telefax 02064 6208-89
www.wohnbau-dinslaken.de
kontakt@wohnbau-dinslaken.de
15
LebensZeit
Wahlrecht - Wahlpflicht - Contra
In Deutschland hat jeder wahlberechtigte Bürger zwei Stimmen, eine Erststimme, mit ihr
wird ein Kandidat direkt gewählt
(relatives
Mehrheitswahlrecht)
und eine Zweitstimme, mit dieser wird die Liste einer Partei
gewählt (Verhältniswahlrecht).
Dabei hat die Zweitstimme die
größere Bedeutung.
Mit der Erststimme wird ein
durch die Partei aufgestellter,
nominierter Kandidat gewählt.
Der Kandidat, der die meisten
Stimmen vor den Kandidaten der
anderen Parteien erringen kann,
zieht mit einem Direktmandat in
den Bundestag ein.
Für die Zweitstimme stellt jede
Partei eine Landesliste auf. In
dieser Landesliste werden die
aus Sicht der Partei wichtigsten
Kandidaten an vorderster Stelle
aufgeführt. In der Reihenfolge,
wie die Kandidaten auf der Liste
stehen, ziehen Sie bei entsprechender Zweitstimmenzahl in
den Bundestag ein. Auf dieser
Liste stehen aber auch Kandidaten, die sich um ein Direktmandat bewerben. So wird sichergestellt, dass ein Kandidat, der für
das Direktmandat nicht die erforderliche Stimmenzahl errungen hat, dennoch in den Bundestag einziehen kann. Hat er ein
Direktmandat bekommen, bleibt
er bei der Liste unberücksichtigt
und der nächste Kandidat der Liste rückt nach.
Sobald das Volk nach diesem
derzeit geltenden „Verhältniswahlrecht“ seine Stimme abgegeben hat, hat es danach nichts
mehr zu sagen. Das ist Fakt.
Von Kurt Tucholsky soll der Ausspruch stammen „Wenn Wahlen
etwas ändern würden, wären
sie längst verboten”. Daher erscheint es nicht verwunderlich,
dass eine Vielzahl der wahlberechtigten Bürger nicht zur Wahlurne gehen. Aber die Gründe für
die Wahlverweigerung liegen
möglicherweise noch woanders.
Eine echte Demokratie ist für
viele Menschen nur vorstellbar
auf der Basis von Volksabstimmungen. Auf kommunaler und
auf Länderebene gibt es das
Bürgerbegehren und den Bürge-
16
rentscheid bereits. Gedacht sind
diese Instrumente der Bürgerbeteiligung vor allem als Korrektiv
zu den Entscheidungen der gewählten Volksvertreter.
Jüngstes Beispiel ist der Berliner
Volksentscheid zur Zukunft des
Flughafens Tempelhof. Es wurde gefragt, ob der traditionsreiche Flughafen für den Flugverkehr geöffnet bleiben soll. Über
500.000 Berliner stimmten dafür,
die erforderliche Quote für eine
Weiterbetreibung des Flughafens wurde somit nicht erreicht.
Schon vor dem Tag des ersten
Volksentscheids in der Geschichte des Bundeslandes Berlin hat
der regierende Bürgermeister
Wowereit angekündigt, ein positives Ergebnis zu ignorieren, da
es ohnehin nur einen empfehlenden Charakter habe; ähnlich
hatte auch Gregor Gysi argumentiert.
Diese Aussagen von entscheidungsbefugten Politikern sind
ein Teil der politischen Verhältnisse in Deutschland. Aber auch
die Medien – allen voran die
Presse des Springer-Verlags haben über Wochen - zum Teil
durch Verbreiten von Unwahrheiten - für ein positives Ergebnis
des Volksentscheids Propaganda betrieben. Es wurde vermutet, dass die Regierung Wowereit
geschwächt werden sollte, um
dann Neuwahlen auszulösen und
den rot-roten Senat zu kippen.
Durch die heutzutage zur Verfügung stehenden, vielfältigen
Informationsmöglichkeiten kann
sich aber jeder Bürger ein genaues Bild über Sachverhalte
machen, über die er abstimmen
soll, so dass die Menschen nicht
mehr so leicht zu täuschen sind.
Trotzdem machen zunehmend
mehr Menschen von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch. Wenn
Politiker wie Wowereit oder Gysi
erklären, dass sie Bürgerentscheide ignorieren werden, dann
darf man sich auch darüber nicht
wundern. Der inzwischen verstorbene Düsseldorfer OB Erwin äußerte mehr als einmal,
dass die Bürger gar nicht in der
Lage und qualifiziert genug seien, komplexe Entscheidungen zu
Text: J. Zima
treffen. Die Politiker suggerieren
dem mündigen Bürger, dass sie
am besten wüssten, was für das
Volk gut ist. Das Schlimme daran
ist, dass viele Bürger das glauben. Die jüngsten Entscheidungen zur gegenwärtigen Finanzkrise belegen dies. Dem Bürger
wird glaubhaft gemacht, dass die
durch eigenes Verschulden abgezockten Banken mit 530 Mrd.
€ versorgt werden müssen, die
notleidende Automobilindustrie
40 Mrd. € zinsgünstige Kredite
erhalten sollen, für Bildung und
Sozialbereiche aber nach wie vor
kein Geld vorhanden ist, und die
2,5 Mrd. € kostende Pendlerpauschale den Staat in den finanziellen Ruin treiben würde.
Auf eine durch das AllensbachInstitut erfolgte Umfrage, antworteten 22% der Bundesbürger, dass sie an Politik besonders
interessiert seien; 48% interessierten sich zwar, „aber nicht
so sehr“ und 30% zeigten überhaupt kein Interesse am politischen Tagesgeschehen. Da darf
es nicht verwundern, wenn Politiker und Politik bildende Wirtschaftsbosse die Mehrheit der
Bevölkerung als dumpfe, verblödete Masse wahrnimmt, die
man im Sinne römischer Imperatoren mit Brot (Konsum) und
Spielen (Entertainment) bei Laune halten kann, aber aus den
politischen Entscheidungen heraushalten muss. In der Tat hat
die Mehrheit von politischen und
wirtschaftlichen Zusammenhängen wenig Ahnung.
Aufgrund dieser tatsächlichen
politischen Zustände in Deutschland ist es doch nicht befremdlich, wenn Bürger sich nicht
mehr an der Wahl beteiligen um
damit eine Art Boykott auszuüben. Wenn man sich mit keiner
der aufgestellten Parteien identifizieren kann, dann ist es doch
konsequenter nicht zu wählen,
als sich für das geringste Übel zu
entscheiden.
Wie wäre es denn, wenn eine
Wahl zur Abwahl einer Regierung
eingeführt werden würde. Wie
hoch wäre dann wohl die Wahlbeteiligung?
LebensZeit
Vorsicht „Fallen“!
Vor einiger Zeit erschien in den
Medien eine Meldung über den
Sturz der 89 jährigen Ehefrau
eines renommierten Bundespolitikers. Aus Rücksicht auf ihren
schlafenden Ehemann hat sie sich
nach dem Sturz im Badezimmer
bei ihrem nächtlichen Toilettengang weder gemeldet noch um
Hilfe gerufen. Stunden lang verharrte sie auf dem harten Boden
bis zum Tagesanbruch. Ihr Glück
war, dass sie sich keine gravierenden Verletzungen zugezogen
hatte.
Aus meiner aktiven Praxiszeit erinnere ich mich an ein ähnliches
Ereignis, das zwar nicht einmalig
aber in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist.
Eines Morgens erhielt ich einen
Anruf von einem meiner Patienten mit der Bitte, vor der
Sprechstunde seine über 80 jährige Mutter zu besuchen, sie sei
gestürzt. Ich fuhr unmittelbar
dort hin. Es war Winter. Die alte
Dame lag auf dem nackten Boden vor ihrem Bett. Sie lebte seit
einiger Zeit allein. Ihr Sohn, der
bis kurze Zeit vor diesem Ereignis mit ihr die Wohnung teilte,
besuchte sie zweimal täglich, auf
dem Weg zur Arbeit und auf dem
Rückweg nach Hause. Die alte
Dame hatte, wie so oft, nachts
das Bedürfnis, auf die Toilette zu
gehen, dabei war sie gestürzt.
Die Folge war ein Knochenbruch.
Sturzgefahr bei Senioren ist ein
ernst zu nehmendes Problem.
Hier gilt es, die Ursachen zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, da Stürze
im Alter manchmal durch Folgekomplikakionen mit dem Leben
bezahlt werden.
Ich halte es für unverantwortlich, wenn ältere, hilfebedürftige Menschen allein wohnen. Sie
sind nicht immer in der Lage,
sich bemerkbar zu machen, auch
wenn sie ein Notrufgerät besitzen. Ich denke hier dabei an einen Schlaganfall mit Sprachverlust, ein Zuckerkoma und anderes.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, möchte ich
einige Faktoren nennen, die einen Sturz begünstigen können:
Kalkarmut (Osteoporose), Gelenkverschleiß (Arthrose), Kreislaufstörung (meistens Bluthochdruck), Herzschwäche, Herzrhythmusstörung mit Schwindel,
Zustand nach Schlaganfall mit
Lähmung, vorausgegangene Unfälle, Sehschwäche, Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes,
Zuckerkrankheit), nicht zuletzt
Demenz.
Wenn diese Faktoren vorliegen
sollten einige Änderungen der
Lebensumstände vorgenommen
und an die körperliche und geistige Fähigkeit angepasst werden, z. B. im Wohnbereich, die zu
einer Sturzminimierung beitragen: Ausreichende Beleuchtung,
wenn möglich stufen- und barrierefreier Wohnbereich, der die
Text: Dr. M. Hariri , Foto: K. Ulrich
Fortbewegung mit Hilfsmitteln
erleichtert, rutschfeste Bodenbeläge (keine Teppichbrücken oder
Matten), festes Schuhwerk, die
richtige Sehhilfe, Trennung von
lieb gewordenen Gegenständen,
die oft im Weg stehen. Eine Bodenvase, die einem immer eine
optische Freude bereitete, könnte unter Umständen ein Hindernis darstellen.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen
lassen sich nicht alle Stürze vermeiden, aber eine Reduzierung
ist möglich. Hierfür gibt es die
Sturzprophylaxe, eine Schulung nach einem standardisierten Schema. Machen sie davon
Gebrauch, und fragen sie ihren
Hausarzt, er informiert sie gerne.
17
LebensZeit
Sind Jugendliche wirklich politikverdrossen, wie es vielfach dargestellt wird,
oder ist dies ein großed Missverständnisses zwischen der Politik und der Jugend? Und sind demgegenüber Senioren politisch durchweg interessiert?
Diesen Fragen wollten FATAL und LebensZeit auf den Grund gehen. Zu diesem Zweck wurde gemeinsam ein für jede Altersgruppe leicht abgewandelter
Texte: Michael Kotz
Fragebogen entwickelt und in den 10. Klassen sowie einigen Oberstufenkursen des OHG’s verteilt und einigen Senioren im Umkreis der Redaktion
Ergebnisse einer Fragebogenvon LebensZeit vorgelegt. Die jugendliche Altersgruppe erschien besonders
aktion unter Jugendlichen bedeutsam, gehören zu ihr doch Schüler, die zum größten Teil als Erstwähler
und Senioren
bei den anstehenden Kommunalwahlen im August wählen dürfen.
Insgesamt wurden 148 Schüler befragt, 83 davon männInsgesamt wurden 64 Senioren / Seniorinnen befragt.
Die Frage nach dem eigenen politischen Interesse wurde lich, 64 weiblich, ein Befragter machte keine Angabe
mit einer Skala von 1 bis 5 versehen, wobei „5“ einem über sein Geschlecht. Das Durchschnittsalter lag bei
großen politischen Interesse entspricht, und „1“ gar kei- 16,5 Jahren.
Im Durchschnitt bezeichneten die Schüler ihr politisches
nem politischen Interesse.
41,5% der Befragten halten sich demnach selber für po- Interesse mit 2,91 auf der Skala zwischen 1 und 5. Auflitisch interessiert (Skala 4) und 30,2% für sehr interes- fällig war hierbei ebenfalls eine sehr große Streuung. Die
siert (Skala 5). Die eigene Altersgruppe hält die Mehrheit Abweichung vom Durchschnittsergebnis war mit 0,9 sehr
(58%) dagegen nur für gelegentlich politisch interessiert hoch.
(Skala 3), 15% halten sie sogar für wenig interessiert Befragt nach dem Interesse ihrer Altersgruppe gaben die
(Skala 2) und nur 17 % für interessiert. Eine Erklärung Befragten einen Durchschnitt von 2,37 an. Hierbei waren
dafür kann sein, dass die Berührungspunkte und die Aus- sich die Befragten deutlich einiger als bei der Frage nach
einandersetzung mit der eigenen Altersgruppe im Alter ihrem eigenen Interesse und zeigten eine geringe Abweinicht mehr so stark ausgeprägt sind wie im Berufsleben. chung innerhalb der Ergebnisse (0,7).
Heutige Jugendliche werden von der überwiegenden Insgesamt sind die Ergebnisse allerdings verbesserungsMehrheit der Senioren politisch für wenig (42%), gele- würdig. Sowohl die Selbsteinschätzungen als auch die
gentlich (27 %) bzw. gar nicht interessiert (15 %) ein- Einschätzungen der Altersgruppe ergaben Ergebnisse
geschätzt. Nur 11 % der Senioren halten Jugendliche für unterhalb dem Mittelwert der Skala. Dies lässt durchaus
politisch interessiert. Diese Einschätzung weicht deutlich auf Probleme im Verhältnis zwischen Jugendlichen und
der Politik schließen. Auch andere Fragen bekräftigten
von der Selbsteinschätzung der Jugendlichen ab.
Zur Kommunalwahl 2009 zu gehen ist für 80 % der Seni- diesen Verdacht. So planen nur 60% der Befragten bei
oren eindeutig „Bürgerpflicht“. Als Wahlkriterien wurden der anstehenden Kommunalwahl tatsächlich wählen zu
am häufigsten Themen (45%, z.B. Soziales, Wirtschaft, gehen. Insgesamt sind Jugendliche schwächer politisch
Finanzen), Personen (30 %) und die Parteien (32%) ge- interessiert als Senioren.
nannt. Trotz des hohen Eigeninteresses an Politik käme Auffällig ist eine große Unzufriedenheit mit der Politik.
es aber nur für 25 % der Befragten in Betracht, selber für Nur 22,5% der Befragten gaben letztlich an, dass die
ein politisches Amt zu kandidieren. Die große Mehrheit Interessen von Jugendlichen in der Politik genügend ver(64 %) schließt dies für sich aus. Die Hälfte der Befrag- treten werden. Auch hier bestätigt sich leider eine beten (51%) schließt auch ein ehrenamtliches pol. Engage- kannte These: Jugendliche sind zwar in starkem Maße
ment für sich aus. Nur 25 % würden sich im kommuna- unzufrieden mit der Politik bzw. mit der Vertretung ihrer
Interessen, sind allerdings nur in einem geringen Maße
len Bereich sozialpolitisch einbringen.
Befragt nach der politischen Interessiertheit in der eige- bereit, selbst durch Wahlen für eine stärkere Vertretung
nen Jugend geben 47 % der Befragten ein deutlich gerin- in der Politik zu sorgen. Die Enttäuschung über bisherige
geres Interesse gegenüber dem jetzigen Lebensalter zu. Politik scheint sich wohl zu entladen in einer PolitikverVielleicht nicht verwunderlich, dass dies 80% der Frauen drossenheit, nach dem Motto „Politiker sind ohnehin alle
angaben, die häufig erst durch den eigenen Beruf, durch gleich“.
Lebenserfahrung, durch den Besuch von Frauengruppen, Ähnlich wie bei den Senioren war auch bei den Jugenddurch die Familiengründung, durch mehr Zeit im Alter lichen nur eine geringe Bereitschaft zu persönlichem
und durch die vielfältigen Informationen in den Medien politischem Engagement festzustellen. Ein weiteres Insich politisch mehr zu interessieren begannen. Hingegen diz könnten Erfahrungen aus der Schule sein. Der groist bei 81% der Männer das pol. Interesse von der Ju- ße Tenor hierbei lautet, dass es schlichtweg wenige bis
gend bis zum Alter hin gleich geblieben. Insgesamt sag- kaum ausreichende Möglichkeiten für Schüler und die SV
ten dies 53 % der Befragten. Trotz dieses Unterschiedes im Schulalltag gibt, allerdings die SV ihre Arbeit innersind 81% der Senioren in ihrer Jugend (ab 21 Jahre) halb dieser Grenzen ordentlich erledigt. Das Gefühl der
zur Wahl gegangen, manche unter Zwang und Druck des Ausgeschlossenheit und Machtlosigkeit wird somit schon
Hitlerregimes, die meisten aber freiwillig. 59 % der Se- früh von vielen Schülern erlebt und wirkt sich wohl neganioren hatten im Laufe ihres Lebens politische Vorbilder, tiv auf das politische Interesse aus.
meistens wurden Bundeskanzler und Bundespräsidenten In einem recht überraschenden Widerspruch steht dazu
der Nachkriegszeit genannt, während 38 % keine pol. das Ergebnis, dass sich 21,6% der Jugendliche dafür
Vorbilder hatten. Für das eigene Wahlverhalten gaben aussprechen, einmal in ihrem Leben für ein politisches
sich – erstaunlicherweise ? – 43 % als Wechselwähler zu Amt zu kandidieren. Diese durchaus beträchtliche Gruperkennen, und – noch? - 55 % als parteigebunden. pe zieht aus den negativen politischen Schulerfahrungen
Als Verbesserung seitens der Politik wünschen sich Se- den andern Schluss, dass es nämlich notwendig ist, dies
nioren/Seniorinnen vor allem Bekämpfung der Altersar- zu ändern, und würde daher für ein Amt kandidieren.
mut, Erhöhung der Renten, günstigere und barrierefreie Diese Gruppe lässt hoffen, dass ein Wandel innerhalb der
Altenwohnungen, Barrierefreiheit in der Stadt (Bahnhof Jugend vollzogen werden kann.
Dinslaken), Senkung der Abgaben, Generationengerech- Politische Vorbilder hingegen haben sich nur in geringem
tigkeit und eine politische Lobby (Partei?) für Senioren, Maße bei Jugendlichen etablieren können. Das politische
weil Senioren sich oft nicht ernst genommen fühlen von Interesse von Senioren wurde von den Jugendlichen
der Politik. Wenige Senioren waren mit dem Status quo durchschnittlich mit einem Skalenwert von 3,89 eingeschätzt.
zufrieden.
Gekürztch nach einem Bericht von B. Steuwer und F. Radczima
18
Jugendliche
Senioren / Seniorinnen
Politische Senioren politikverdrossene
Jugendliche ?
LebensZeit
„Desinteressierte Jugendliche“ gegen „enttäuschte Senioren“
Ein E-Mail-Dialog zur Politikverdrossenheit von J. Zima (LebensZeit) und L. Wolters (FATAL)
J. Zima (63 Jahre): Stimmt es, dass die Jugend heute keine Lust auf
Politik mehr hat? Und wie sieht es bei den älteren
Herrschaften aus? Möglicherweise Raum für Vorurteile und Anschuldigungen…
Leif Wolters (19 Jahre):
Leider habe ich keine Meinung oder auch nur ein
festes Vorurteil über das politische Interesse Ihrer Generation (sagen wir: 55+). Vielleicht dieses:
Die Leute gehen zum überwiegenden Teil aus Gewohnheit wählen, dabei wägen sie entweder nach
dem Prinzip des kleinsten Übels ab oder machen
ihr Kreuz da, wo sie es schon immer gemacht haben. Viele verfolgen noch die Nachrichten, aber ein
wirkliches Interesse ist oft nicht (mehr) vorhanden; teilweise versteht man die Tagespolitik beziehungsweise die damit verknüpfte heutige Wirtschafts- und Medienwelt auch gar nicht.
Naja, Sie haben sicherlich mehr vom mangelnden
politischen Interesse der Jugend zu berichten...
J. Zima: Ihre Meinung zur politischen Einstellung
der „55+-Generation“ trifft auf die überwiegende
Zahl dieser Gruppe durchaus zu. Ich schätze aber,
dass diejenigen, die ohnehin immer dieselbe Partei
wählen –ohne weiter darüber nachzudenken - eher
bei den über 70jährigen anzutreffen sein dürften.
Dass der Bürger – sofern er sich denn überhaupt
an der Wahl beteiligt – sich stets für das kleinste
Übel entscheidet, trifft wahrscheinlich aber auf alle
Generationen zu. Im Grunde genommen wählt jeder die Partei, von der er sich persönlich die meisten Vorteile verspricht. Dabei hast du sicherlich
recht, dass die meisten Leute die teilweise doch
recht komplexen Sachverhalte, Zusammenhänge
und Folgen nicht überschauen. Das gelingt ja selbst
unseren „Fachleuten“ in der Regierung nicht (immer), Stichwort „Finanzkrise“. Was Deine Generation betrifft: Ich habe den Eindruck, dass das politische Interesse bei Jugendlichen, die aus sozial schwachen Verhältnissen kommen und über eine nur unzureichende Bildung verfügen, so gut wie überhaupt nicht vorhanden ist.
Bei den übrigen besteht durchaus grundsätzliches
Interesse, wobei hier vor allem wichtig sein dürfte,
was sie von ihrer Zukunft zu erwarten haben. Die
Parteien beklagen ja, dass ihnen der Nachwuchs
fehlt. Dies muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass das politische Interesse der Jugendlichen
gegenüber früher weiter nachgelassen hat. Nach
meiner Auffassung lehnen junge Leute nicht zuletzt
deshalb Parteiarbeit ab, weil sie glauben, dass es
bei denen vorrangig um Hierarchien und taktisches
Kalkül geht, und um das Klima zu Institutionen,
von denen man profitieren könnte, nicht zu „versauen“. Die politischen Ziele bleiben dabei letztlich
dabei auf der Strecke. Deshalb neigen besonders
die intellektuellen Jugendlichen dazu, sich auf unkonventionelle Art und Weise politisch zu betätigen. Als Beispiele nenne ich „Gorleben“ und den
„G8“-Gipfel. Dass sich solche Aktionen meistens
im Grenzbereich der Legalität bewegen wird dabei
gerne in Kauf genommen, weil sie stets auf Konfrontationskurs zu dem politischen „Establishment“
gehen und erhöhte Aufmerksamkeit bei den Medien erzeugen. Die entscheidende Frage ist aber,
ob solche Aktivitäten wenigstens irgendwann die
parlamentarischen Entscheidungen beeinflussen
werden. Ich persönlich glaube eher nicht. Darum
ist auch die Politikverdrossenheit - oder vielleicht
müsste man besser sagen: Politikerverdrossenheit
– durchaus verständlich.
L.Wolters: Ich glaube fast, Sie beurteilen das politische Interesse meiner Generation positiver als
ich selbst. Die Politikerverdrossenheit ist natürlich
ein bedeutsames Phänomen, nicht nur in meiner
Generation, aber wahrscheinlich gerade dort, weil
es in Deutschland eben keine Politiker mit „Sex Appeal“, um es mal überspitzt auszudrücken, gibt, die
wie Barack Obama die Jugend begeistern können.
Auch stimme ich Ihnen zu, dass bei weniger gebildeten Jugendlichen wenig bis kein Interesse vorliegt, allerdings glaube ich, gerade junge Leute aus
der Unterschicht bilden sich durch ihre Probleme
am Arbeitsmarkt etc. notwendigerweise eine politische Meinung - und wenn diese nur in totaler Ablehnung der aktuellen Situation ohne Hoffnung auf
Verbesserung besteht. Dagegen kann ich bei Gymnasiasten oft ein grundsätzliches Desinteresse für
Politik d .h. die Unwilligkeit, sich überhaupt damit
auseinanderzusetzen, entdecken. Viele scheinen
keine Vorstellung davon zu haben, was sie in Zukunft erwartet und sehen keinerlei Zusammenhang
zwischen politischen Entscheidungen und ihrem eigenen Leben. Vielleicht ein blödes Beispiel, aber
kennen sie die Internet-Kontaktplattform „SchülerVZ“? Dort können Jugendliche in ihrem Profil
unter anderem ihre politische Ausrichtung angeben
und bei fast 90% steht da „unpolitisch“. Es gibt durchaus noch eine Jugendszene, die Politik
zum Lebensinhalt hat. Sie ist ebenso links wie ihre
Vorgänger, kann aber trotz der zahlreichen Spannungsfelder (Klimaschutz, Globalisierung, Auseinanderdriften von arm und reich, Militäreinsätze)
keinen Einfluss über einen begrenzten Kreis heraus
erlangen. Im Gegensatz zu solchen Idealisten stehen Jugendliche, die sich bei Parteien engagieren
und nach meinen Erfahrungen vornehmlich an ihrer eigenen Karriere orientiert sind. Sie kopieren
die bürokratische Arbeitsweise der Parteiführung
und verleiden damit denjenigen, die wirklich etwas
bewegen wollen, die Mitarbeit. Einige Freunde von
mir sind deshalb bei den JuSos ausgetreten, und
die aalglatte Art der Leute von der Jungen Union
(diese 18Jährigen tragen Anzüge!) spricht Bände
über deren Vorstellungen von Politik.
J. Zima: Da habe ich wohl mit meiner Meinung über
das politische Interesse von Gymnasiasten arg daneben gelegen. Ich hätte Desinteresse höchstens
19
LebensZeit
E-Mail-Dialog zur Politikverdrossenheit (Teil 2)
den Mädels zugeordnet. Vielleicht kommt Interesse erst dann auf, wenn die Studienzeit begonnen
hat. Meine Tochter (26 Jahre) hatte während ihrer
Schulzeit mit Politik ebenfalls nichts im Sinn. Nach
einem freiwilligen sozialen Jahr in Brüssel studiert
sie seit 2003 in Oldenburg „Interkulturelle Pädagogik“ und „Sozialpädagogik“, ist politisch links, sehr
aktiv und durchaus erfolgreich im Bereich Migrantenpolitik - ohne dabei Mitglied einer Partei zu sein.
Nachdem sie kürzlich ein zweimonatiges Praktikum
bei den Grünen in Bremen absolviert und einen
Einblick in deren Parteiarbeit nehmen konnte, ist
sie von den Politkern restlos bedient! Sie hat mit
der Migrantenbeauftragten und dem Geschäftsführer heftige Diskussionen geführt über dringend
erforderliche Beschlüsse, z. B. zur Integration,
ärztlichen Versorgung und menschenwürdigen Unterbringung von Migranten. Die beiden bestritten
gar nicht, dass das alles umgesetzt werden müsse,
verwiesen aber darauf, Rücksichten auf die anderen Fraktionen nehmen zu müssen – die ganze Politik sei eben „ein Geben und Nehmen“, d. h. nichts
anderes als eine Kungelei auf breiter Ebene. Kein
Wunder, dass die Parteien über Nachwuchsmangel
und Mitgliederschwund klagen. Dass darüber hinaus die Bürokratie auch dort groteske Züge angenommen hat, konnte meine Tochter übrigens auch
beobachten. Noch etwas zu den unkonventionellen politischen
Aktivitäten: Ich frage mich häufig, warum nicht die
Gymnasiasten angesichts der katastrophalen Zustände an den deutschen Universitäten revoltieren
und auf die Straße gehen. Besteht kein Interesse
daran, entsprechende Demonstrationen zu organisieren? Das wäre doch mal ein Ansatz und aktive
Politik, von existenzieller Bedeutung für Eure Zukunft.
L. Wolters: Über die Rolle von Obama habe ich mir
natürlich auch meine Gedanken gemacht. Als ich
diesen amerikanischen Rummel um den Mann in
den Medien erlebte, dachte ich spontan: „Typisch
USA, Hollywood lässt grüßen.“ Ich glaube, dass es
den meisten Menschen völlig egal ist, was der politisch zu leisten vermag, Hauptsache der Sonnyboy
kommt „cool“ rüber und vermittelt einen smarten
Eindruck. Bezeichnend: Die erstmalige Veröffentlichung eines Politiker-Posters in der „Bravo“. Ich
gebe Ihnen Recht: Auch ich bin überzeugt davon,
dass ein solcher Typ auch bei uns einen entscheidenden Bonus auf einen Wahlsieg hätte.
J. Zima: In Deutschland ist aber kein 47jähriger
„jugendlicher“ Kandidat in Sichtweite: Bevor so einer sich durch die Parteigremien nach oben gedient
hat, ist er in einem Alter, wo die arbeitende Bevölkerung bereits in den Ruhestand eintritt.
L. Wolters: Es ist nun die Frage, ob die Desillusionierung bezüglich politischer Parteiarbeit, die ihre
Tochter ebenfalls erfahren hat, nun etwas Jugendspezifisches ist oder nicht. Schließlich verlieren
20
CDU und vor allem SPD ja seit Jahren Mitglieder in
allen Altersgruppen. Andererseits geht der Altersschnitt der Mitglieder immer weiter hoch (so weit
ich weiß, liegt er in den beiden Parteien fast bei 60).
Eine Erklärung könnte sein, dass viele Leute in einer Zeit eingetreten sind, als die Politik noch mehr
polarisiert hat und wegen der besseren Gesamtsituation einen besseren Ruf hatte als heute. Etwa
in den 70ern. Sie haben sich den schleichenden
Veränderungen der politischen Arbeit seit damals
angepasst und sehen deshalb keinen Grund, aus
ihrer Partei auszutreten. Dagegen besteht für junge Leute, die sich in einer Partei engagieren wollen,
eine gewisse kulturelle Hürde. Aber es ist immer
sehr einfach, „heute“ und „damals“ zu kontrastieren. Anders als ich, haben Sie die Zeit, von der ich
spreche, ja erlebt. Deshalb frage ich Sie: Welche
Hauptunterschiede können Sie zwischen der Art,
wie Politik gemacht und aufgenommen wird, heute
und vor 30, 35 Jahren ausmachen? Zum Protest gegen die Situation an Schulen und
Universitäten: Am 12.11. wurde von der Initiative
„Schulaction“ ein bundesweiter Schulstreik mit Demonstrationen in diversen Städten organisiert, um
unter anderem gegen Zentralabitur in 8 Jahren und
Studiengebühren zu protestieren und eine bessere
Versorgung von Schulen und Universitäten zu fordern. Trotz teilweise harter Strafandrohungen von
Seiten der Schulen für ein Fernbleiben vom Unterricht, beteiligten sich insgesamt 100.000 Schüler.
Leider gab es keine Beteiligung von unserer Schule; ich hatte mit dem Gedanken gespielt, Flugblätter zu verteilen, aber die Resonanz von Seiten der
Mitschüler wäre gering und die der Lehrer unangenehm gewesen.
J. Zima: Sie fragen mich, wie ich die damalige
Zeit erlebt habe, und welche Unterschiede ich zwischen der Politik von heute und der von vor 30-35
Jahren feststellen kann. Zunächst finde ich, dass das politische Geschehen
damals in den 70er Jahren von der gesamten Bevölkerung insgesamt interessierter aufgenommen
und verfolgt wurde. Es wurde weniger polemisiert
als heute, d. h. die Leute haben sich mit der jeweiligen politischen Situation sachlicher und intensiver
auseinander gesetzt. Nach meinem persönlichen
Eindruck waren die Ereignisse auch turbulenter als
in der heutigen Zeit – nimmt man die gegenwärtige Finanzkrise einmal aus. Es war aber auch schon
damals so, dass die ältere Generation besonnener
und konservativer urteilte, und die meisten auf
„ihre“ politische Partei festgelegt waren – im Gegensatz zu den Jüngeren, die sich gegen das „Establishment“ auflehnten und möglichst wenig durch
Anordnungen und Verpflichtungen gegängelt werden wollten. Ich hatte mitunter den Eindruck, dass
viele unter ihnen bereits „dagegen“ waren, bevor
überhaupt etwas passierte. Spektakuläre Protestaktionen der Friedensbewegung, wie Sitzblockaden zum NATO-Doppelbeschluss, Atomraketen in
Deutschland zu stationieren, oder die Proteste der
LebensZeit
E-Mail-Dialog zur Politikverdrossenheit (Teil 3)
Umweltschützer gegen die Errichtung von Atomkraftwerken sind mir noch in guter Erinnerung. Mir
kommt es so vor, als wäre damals die Zahl derer,
die die traditionellen Pfade der politischen Einflussnahme verließen, erkennbar größer gewesen als
in der heutigen Zeit. Es ist nicht zuletzt auch das
Verdienst dieser Aufmüpfigen, dass wir von der
Inbetriebnahme des „schnellen Brüters“ in Kalkar
verschont geblieben sind. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass unsere damaligen Repräsentanten – Brandt, Schmidt,
Strauß, Wehner, Vogel, usw. – anerkannte Persönlichkeiten darstellten, die glaubwürdiger, kompetenter und zuverlässiger waren als die gegenwärtigen Vertreter unserer Republik, denen es offenbar nicht mehr das Geringste ausmacht, wenn
sie nachweislich und öffentlich beim Lügen ertappt
worden sind. Früher wäre so etwas ein handfester
und unverzeihlicher Skandal gewesen, der die politische Karriere abrupt beendet hätte. So gesehen
halten unsere Politiker und deren Politik Schritt mit
dem Volk, das sie regieren. L. Wolters: Wenn Politik heute weniger ernsthaft
betrieben und beurteilt wird, bleibt natürlich die
Frage nach dem „warum“. Sie sprachen davon,
die Politiker hielten Schritt mit dem regierten Volk.
Machen Sie tatsächlich einen „Sittenverfall“ in der
Gesellschaft aus? Ich habe natürlich nicht den Vergleich mit früher, aber ich halte solche Thesen für
zu undifferenziert. Denn Leute, die in einer anderen
„Epoche“ sozialisiert wurden, neigen dazu, spätere
Zeiten mit deren Maßstäben zu messen, wodurch
sie im Vergleich notwendig schlechter dastehen.
Um diese uralte Anekdote aufzuwärmen, schon
Platon (oder war´s Sokrates? einer von beiden...)
echauffierte sich über die niedrige Moral der jüngeren Generation und sagte den Untergang seiner
Kultur voraus. Aus heutiger Sicht ist diese Kritik
überzogen, ging das Leben in Athen doch weiter
wie gehabt.
Ich persönlich denke, die Entwertung der Politik ist
das Ergebnis verschiedener Trends, die ineinander greifen. Einer dürfte die Entwicklung der Medien sein, die nicht mehr primär (natürlich nicht
unbedingt objektive) Informationsquelle wie in
den 70ern sind, sondern mit einem Rundumpaket
Foto: E. Treuberg
meine Generation einlullen. Früher gab es nur eine
Handvoll Fernsehsender, zu deren Programm politische Berichterstattung selbstverständlich dazugehörte. Die zahllosen Kanäle, die dazugekommen
sind, sind überwiegend auf kurzweilige Unterhaltung aus, d. h, das Fernsehen lenkt tendenziell von
der Politik ab und nicht hin. Ein weiterer Punkt aus dem Komplex Medien ist die
generell verbesserte Berichterstattung, Nachrichten werden schneller übermittelt und sind deshalb
kurzlebiger. Die größere Konkurrenz zwischen verschiedenen Informationsquellen sorgt gleichzeitig
für eine Eigendynamik in der Berichterstattung. Das
Ergebnis ist einerseits, dass Politiker sich schneller abnutzen, d.h. Angriffe oder Enthüllungen der
Presse ihr Image ramponieren beziehungsweise sie
gar nicht die Möglichkeit haben, ein solches aufzubauen. Abnutzung ist vielleicht eine gute Metapher,
da „Leute mit Ecken und Kanten“ wie die Polit-Größen ihrer Jugend heute die Ausnahme sind, die Regel bilden „stromlinienförmige“ Gestalten, die ihr
Fähnchen nach dem Winde drehen. Barack Obama,
der es geschafft hat, die Medien für sich zu nutzen,
ist auch keine Ausnahme. Für mich war er immer
der „Teflon-Mann“, an dem nichts von dem Dreck
kleben bleibt, mit dem man ihn bewirft. Weiter sind gerade junge Leute, die die sogenannten Neuen Medien intensiver nutzen, total übersättigt mit Informationen (im weitesten Sinne)
und kaum noch in der Lage oder willig, sich aus
der sie umgebenden Fülle gerade den komplexeren und trockeneren Stoff herauszupicken. Daher
die gleichgültige, oberflächliche oder hysterische
Art, mit Politik umzugehen. Gewissermaßen ist der
schlechtere Ruf der Politik auch ein Produkt des gesellschaftspolitischen Zeitgeistes. Ich benutze das
Wort nicht gerne, aber hier erscheint es mit angebracht. Zumindest bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise wiederholten die meisten „Experten“
und viele Journalisten in einem fort die neoliberale
Lehre, der Markt sei dem Staat überlegen und im
Vergleich zur „freien Wirtschaft“ hatte die Politik
beinahe generell etwas Anstößiges. Viele Workaholics und Hochbegabte gehen (gingen?) deshalb zu
Unternehmensberatungen und Investmentbanken,
anstatt die Politik zu bereichern.
J. Zima: Ich mache tatsächlich einen Sittenverfall
in unserer Gesellschaft aus. Stichworte: Fernsehprogramme bei den „Privaten“ (Dschungelcamp,
Deutschland sucht den Superstar, NachmittagsTalkshows, Big Brother, Gerichts-Shows usw.). Die
Einschaltquoten bei diesen Sendungen sind bemerkenswert. Höflichkeit, Anstand und Moral werden im täglichen Leben bei vielen Menschen zunehmend zu Fremdwörtern. Was sich jüngst in der
Politik, insbesondere in Hessen, abgespielt hat, ist
erschreckend. Die Entgleisungen, die sich manche
Schüler heutzutage gegenüber ihren Lehrern leisten, wären bis vor 20 Jahren nicht vorstellbar gewesen. .....
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Tel.: 02064/605304
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Kosten: 5 €
Kosten: 5 €
DINAMIT GmbH
Tel. 02064/605304
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ist bei der Anmeldung zu entrichten.
Tel. 02064.44 640
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In der Donk 1, 46535 Dinslaken
Einlass: 14.30 Uhr, Beginn: 15.00 Uhr
Diese Ausgabe von LebensZeit ist mit
der Software Adobe InDesign CS 4
erstellt worden, die wir dankenswerterweise durch die Unterstützung des
gemeinnützigen Kulturfondes zur Förderung gruppenspezifischer Kulturarbeit 2009 des Kreises Wesel anschaffen konnten.
Wir danken dem Kreis Wesel für diese Unterstützung und hoffen, dass sie
nicht nur uns, sondern auch unseren
Lesern zu gute kommt. Die Redaktion
Impressum
Überparteilich, überkonfessionell
Herausgeber
Seniorenvertretung Dinslaken
Redaktion
Dr. Mohamed Ali Hariri (verantwortlich)
Tel.: 02064 / 91327
E-Mail: Lebenszeitdin@aol.com
Jens Hundrieser, Michael Kotz,
Armin Mengkowski, Annemarie Möbs, Edda Treuberg, Jutta Ulrich, Klaus Ulrich,
Ruth Wendt, Jürgen Zima
Anzeigenakquise
Armin Mengkowski
Tel.: 02064 / 59132
E-Mail: seniorenzeitung@dinslaken.de
Layout
Michael Kotz
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