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Bestandsaufnahme - Was Sie über Ihre - Wassernetz NRW

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Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Bestandsaufnahme - Was Sie über Ihre
Gewässer wissen müssen
Christoph Aschemeier
Wassernetz NRW
Inhalt
1
Einführung - Was ist die Bestandsaufnahme? ..................................................................... 1
1.1
Wozu brauchen wir eine Bestandsaufnahme? ..................................................................... 1
1.2
Was sagt die WRRL? .................................................................................................................... 1
1.3
Wie wurden die Daten erhoben? .............................................................................................. 2
1.4
Die Vorgehensweise in NRW ..................................................................................................... 3
2
Von Ebenen und Versionen - Welche Dokumente gibt es? ............................................. 4
2.1
Flussgebiete in NRW - die C-Ebene ........................................................................................ 5
2.2
Teileinzugsgebiete im Überblick - die B-Ebene ................................................................... 5
2.3
Flussgebietseinheiten nach WRRL - die A-Ebene ............................................................... 5
2.4
Bestandsaufnahme in NRW - Versionen und Quellen ....................................................... 6
3
Lesehilfe - der Umgang mit der Bestandsaufnahme .......................................................... 7
3.1
Allgemeine Beschreibung (Kapitel 1) ...................................................................................... 7
3.2
Ist-Situation (Kapitel 2) .............................................................................................................. 8
3.3
Menschliche Tätigkeiten und Belastungen (Kapitel 3) .................................................... 17
3.4
Auswirkungen der menschlichen Tätigkeiten und Entwicklungstrends (Kapitel 4) .... 22
3.5
Erheblich veränderte und künstliche Gewässer (Unterkapitel 4.2.3 und 4.2.3) ........... 23
3.6
Verzeichnis der Schutzgebiete (Kapitel 5) ........................................................................... 25
3.7
Mitwirkung der Öffentlichkeit (Kapitel 6) ........................................................................... 26
3.8
Ausblick (Kapitel 7) .................................................................................................................... 26
4
Alles im grünen Bereich? ......................................................................................................... 26
5
Die wirtschaftliche Analyse - ein besonderer Teil der Bestandsaufnahme .............. 27
5.1
Ziele der wirtschaftlichen Analyse ....................................................................................... 28
5.2
Bearbeitung in NRW .................................................................................................................. 28
5.3
Aufgabe erfüllt? - Ein Fazit aus Sicht der Umweltverbände ......................................... 29
6
Nach der Bestandsaufnahme - die nächsten Schritte ................................................... 30
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Bestandsaufnahme - Was Sie über Ihre
Gewässer wissen müssen
Bestandsaufnahme auf einen Blick:
- Zustand der Gewässer im Jahr 2004
- keine neue Erhebung von Daten, sondern Zusammenstellung der
vorhandenen Informationen
- nur Fließgewässer >10 km2 und Stillgewässer >50 ha
- Ca. 80% der Fließgewässer in NRW erreichen voraussichtlich nicht
den guten ökologischen Zustand.
- Ca. 65% der Grundwasserkörper in NRW sind chemisch oder
mengenmäßig gefährdet.
- Die wirtschaftliche Analyse weist viele Mängel auf.
1
Einführung Was ist die Bestandsaufnahme?
1.1 Wozu brauchen wir eine Bestandsaufnahme?
Informationen über die Gewässer in unserem Land gibt es reichlich. Bislang sind sie aber
über viele Stellen verstreut und nur schwer zugänglich. Eine Zusammenstellung bietet einen
verbesserten Überblick über die Situation in den Flussgebieten und erleichtert zukünftige
Planungen.
1.2 Was sagt die WRRL?
Die Bestandsaufnahme gehört zu den zwingend in der WRRL vorgeschriebenen Arbeitsschritten für die Umsetzung. Art und Umfang werden ausführlich im Artikel 5 und den Anhängen dargestellt. Neben den Daten zu den Gewässern und den Einwirkungen des Menschen darauf sind auch wirtschaftliche Daten (wirtschaftliche Analyse) zu erheben.
Die Bestandsaufnahme musste bis zum 22.12.2004 fertiggestellt und anschließend nach
Brüssel berichtet werden. Dies ist im März 2005 erfolgt.
1
EU: Wasserrahmenrichtlinie Artikel 5:
Merkmale der Flussgebietseinheit, Überprüfung der Umweltauswirkungen
menschlicher Tätigkeiten und wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung
(1) Jeder Mitgliedsstaat sorgt dafür, dass für jede Flussgebietseinheit oder
für den in sein Hoheitsgebiet fallenden Teil einer internationalen Flussgebietseinheit
eine Analyse ihrer Merkmale,
eine Überprüfung der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den
Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers und
eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung entsprechend den
technischen Spezifikationen gemäß den Anhängen II und III durchgeführt und spätestens vier Jahre nach Inkrafttreten dieser Richtlinie
abgeschlossen werden.
(2) Die Analysen und Überprüfungen gemäß Absatz 1 werden spätestens
13 Jahre nach Inkrafttreten dieser Richtlinie und danach alle sechs Jahre
überprüft und gegebenenfalls aktualisiert.
1.3 Wie wurden die Daten erhoben?
Die Richtlinie gibt nur eine grobe Struktur vor, welche Daten erhoben werden müssen. Daher wurden ergänzend dazu durch internationale Expertengruppen Leitfäden erarbeitet, die
sogenannten CIS-Guidance-Dokumente. Durch die Anwendung der Empfehlungen aus diesen Leitfäden soll eine internationale Vergleichbarkeit gewährleistet werden. Trotzdem hat
es bei der Durchführung der Bestandsaufnahme zahlreiche Abweichungen gegeben. Die CISDokumente können im Internet heruntergeladen werden. Allerdings gibt es nicht für alle
Leitfäden deutsche Übersetzungen. Anhänge und zusätzliche Informationen sind in vielen
Fällen nur in Englisch verfügbar. Man muss diese Dokumente nicht lesen, um die
Bestandsaufnahme zu verstehen. Allerdings enthalten sie viele nützliche Informationen darüber, wie bestimmte Begriffe aus der Richtlinie zu verstehen sind. Eine gute Zusammenfassung bietet eine Broschüre des Umweltbundesamtes, die allerdings zurzeit nur noch im Internet zu haben ist.
BMU (Hrsg.): Die Wasserrahmenrichtlinie Neues Fundament für den Naturschutz - Langfassung
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3044.pdf
Für die Bestandsaufnahme wurden nur wenige Daten neu erhoben. Hauptsächlich wurden
die schon bestehenden Informationen gesammelt und entsprechend den Anforderungen der
Richtlinie aufbereitet. Nur wenige Daten sind daher auf dem aktuellsten Stand. Mit der 2007
anlaufenden Monitoringphase werden die fehlenden Informationen ergänzt. Dazu gehören
vor allem die von der Richtlinie geforderten Untersuchungen ökologischer Faktoren, für die
zunächst einmal Verfahren entwickelt werden mussten.
2
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
CIS-Guidance-Dokumente
Die wichtigsten Dokumente finden Sie auf:
http://www.flussgebiete.nrw.de
(-> Ergebnisse/Darstellungen ->Dokumente)
Für die Bestandsaufnahme wichtig sind:
No. 2 - Identification of water bodies
No. 3 - Pressures and impacts
No. 10 - Reference condition of inland waters
LAWA-Arbeitshilfe zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie,
Stand 30.04.2003:
http://www.lawa.de/pub/kostenlos/wrrl/Arbeitshilfe_30-04-2003.pdf
Die Bestandsaufnahme betrachtet allerdings nicht alle Gewässer, da dies die Kapazität der
Behörden überschreiten würde. Die meisten Staaten haben sich daher darauf geeinigt, dass
erst Gewässer ab einer bestimmten Mindestgröße betrachtet werden. In Deutschland und
den meisten weiteren Staaten sind dies Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von mehr als
10 km2 und Stillgewässer mit mehr als 0,5 km2 (= 50 ha) Fläche. In NRW hat das dazu
geführt, dass von insgesamt ca. 50.000 Kilometern Fließgewässer nur etwa 13.000 Kilometer in den Bestandsaufnahme dokumentiert wurden.
Berichtspflichtige Gewässer:
Fließgewässer > 10 km2 Einzugsgebiet
Stillgewässer > 0,5 km2 (50 ha)
1.4 Die Vorgehensweise in NRW
Zuständigkeiten
Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurde das Gebiet von NRW in insgesamt 12
Arbeitsgebiete unterteilt. Diese Gebiete orientieren sich an den Einzugsgebieten der jeweils
namensgebende Flüsse wie zum Beispiel Lippe oder Sieg. Verantwortlich für die Durchführung der Arbeiten ist jeweils ein Staatliches Umweltamt (StUA), in dem eine sogenannte
Geschäftsstelle angesiedelt ist. Das Arbeitsgebiet und der Zuständigkeitsbereich des StUAs
müssen dabei nicht identisch sein, so dass für die Bestandsaufnahme oft mehrere Ämter
zusammenarbeiten mussten.
Die Datensammlung und Auswertung erfolgte vor allem durch die zuständige Geschäftsstelle. Einige Informationen wurden jedoch von Landesbehörden (Umweltministerium, Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik - LDS, Landesumweltamt - LUA) zentral erhoben
und ausgewertet. Diese Ergebnisse wurden dann den Geschäftsstellen zur Verfügung gestellt.
Dazu gehört zum Beispiel die Vorauswertung für die Einstufung der erheblich veränderten
Gewässer oder die Analyse von Grundwasserdaten. Auch die wirtschaftliche Analyse wurde
in wesentlichen Teilen zentral erarbeitet und von den Geschäftsstellen ergänzt.
3
Eine ausführliche Darstellung, wie die Umsetzung der WRRL in Nordrhein-Westfalen organisiert ist, finden Sie im Einleitungsteil dieses Handbuchs.
Der Leitfaden
Um eine vergleichbare Bestandsaufnahme in allen Teilgebieten zu gewährleisten, wurde in
NRW ein eigener Leitfaden zur Durchführung erarbeitet. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung waren auch die Naturschutzverbände daran beteiligt. Der Leitfaden orientiert sich
im Wesentlichen an den CIS-Dokumenten und dem LAWA-Leitfaden, weist jedoch an einigen Stellen auch NRW-spezifische Besonderheiten auf. In den Ergebnisberichten wird die
Vorgehensweise am Beginn der einzelnen Kapitel kurz zusammengefasst, die komplette Version des Leitfadens steht im Internet zum Download zur Verfügung.
NRW-Leitfaden zur Bestandsaufnahme:
http://www.flussgebiete.nrw.de/ergebnisse_darstellungen/wichtige_do
kumente/leitfaden_bestandsaufnahme_nrw.pdf
Die Vorgehensweise in NRW wird auch in den jeweiligen Einführungskapiteln in den Bestandsaufnahmen zusammengefasst.
2
Von Ebenen und Versionen Welche Dokumente gibt es?
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme wurden in verschiedenen Fassungen und Versionen
veröffentlicht. Dabei ist zu erkennen, dass der Detaillierungsgrad mit der Vergrößerung des
betrachteten Gebietes extrem abnimmt. Wenn Sie also nicht gerade am Rhein oder an der
Weser wohnen, sind die Chancen gering, dass der Bericht für die jeweilige Flussgebietseinheit auf das Gewässer vor Ihrer Haustür Bezug nimmt. Dies wird jedoch dann besonders
wichtig, wenn die Bewirtschaftungspläne mit ihren hoffentlich konkreten Maßnahmenvorschlägen zur Stellungnahme anstehen. Bislang hat NRW mit der Veröffentlichung der Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsgebieten einen sehr bürgerfreundlichen Weg beschritten.
Helfen Sie durch Ihr Interesse an diesen Berichten und entsprechende Nachfragen an die
Behörden, dass dies auch in Zukunft so bleibt.
2.1 Flussgebiete in NRW - die C-Ebene
Die in NRW verwendete Organisationsstruktur spiegelt sich auch in den Berichten wider. Für
jedes Arbeitsgebiet wurde ein eigener Bericht erstellt, der konkrete Daten zu allen Gewässern
enthält, für die eine Berichtspflicht (vgl. Seite 3) besteht. Soweit möglich wurden dabei auch
die Informationen aus den Nachbarbundesländern und -staaten berücksichtigt. Es gibt
jedoch auch Arbeitsgebiete, zum Beispiel die Sieg, in denen größere Datenlücken existieren,
weil die "Nachbarn" nicht alle Daten zur Verfügung gestellt haben.
In diesem Kapitel wollen wir Ihnen die Berichte dieser Ebene genauer vorstellen.
4
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
2.2 Teileinzugsgebiete im Überblick - die B-Ebene
In einigen Regionen wurden die Daten aus den Teilbereichen zu größeren Einheiten zusammengefasst. Für den Rhein wurden so sieben Teilflussgebiete abgegrenzt: Alpenrhein/
Bodensee, Hochrhein, Oberrhein, Neckar, Main, Mittelrhein, Mosel/Saar, Niederrhein und
Deltarhein. NRW hat Anteile an den beiden letztgenannten Einheiten. Entsprechende
Abgrenzungen gibt es auch für die Ems, die Maas und die Weser.
Für diese Gebiete wurden unter der jeweiligen Federführung eines Bundeslandes bzw. eines
Nachbarstaates (zum Beispiel Niederlande) die Berichte der C-Ebene zusammengefasst. Bei
der Aggregation gehen jedoch zwangsläufig Detailinformationen zu den einzelnen Gewässern verloren.
Diese Berichte wurden an die Europäische Kommission weitergeleitet und bilden zusammen
mit den Berichten der A-Ebene (siehe unten) den dort vorliegenden Kenntnisstand.
2.3 Flussgebietseinheiten nach WRRL - die A-Ebene
Die Wasserrahmenrichtlinie fordert die integrierte Betrachtung auf der Ebene der sogenannten Flussgebietseinheiten (FGE). In der Praxis entspricht dies dem Einzugsgebiet der
großen Ströme in Europa samt ihrer Nebengewässer. Die Berichte für diese Ebene beinhalten die für die Bewirtschaftung der FGE relevanten übergeordneten Aspekte, für die zur
Umsetzung der in der WRRL festgelegten Ziele eine Koordination aller Anliegerstaaten in der
internationalen FGE erforderlich ist. Dabei erarbeiteten in der Regel die einzelnen Mitgliedsstaaten (gegebenenfalls auch kleinere Untergliederungen wie die Bundesländer) die
Grundlagen. Diese wurden dann auf der Ebene der bereits vorhandenen übergeordneten
Organisationen wie die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) oder die
Flussgebietsgemeinschaft Weser zusammengefasst.
Die WRRL sieht vor, dass die Bewirtschaftungspläne für die Flusseinzugsgebiete, wie sie in den A-Berichten dargestellt werden, erstellt werden und den verbindlichen Rahmen bilden. Die Öffentlichkeitsbeteiligung
nach WRRL bezieht sich zunächst einmal auf diese Planungsebene.
Rhein
Die Federführung bei der Zusammenstellung der Berichte hatte die IKSR, die Internationale
Kommission zum Schutz des Rheins. Der Teil A konzentriert sich vor allem auf eine zusammenfassende Berichterstattung zum Rhein und zu seinen großen Nebenflüssen wie Mosel,
Neckar, Main und anderen, soweit diese ein Einzugsgebiet von mehr als 2.500 km2 aufweisen.
Maas
Die deutschen Anteile am Einzugsgebiet der Maas sind nur gering. Rur, Schwalm, Niers und
einige kleine Flüsse liegen in NRW. Federführend für den A-Bericht ist die Maas-Kommission
mit Sitz in Lüttich.
5
Ems
Das Flussgebiet der Ems liegt in Deutschland und den Niederlanden. Der A-Bericht wurde
durch die internationale Koordinierungsgruppe Ems erarbeitet. Der zweisprachig gehaltene
Bericht fällt mit 122 Seiten sehr knapp aus und enthält im Wesentlichen zusammenfassende Karten, Tabellen und Texte, die nur wenige Hinweise auf konkrete Belastungen im Gebiet
darstellen.
Weser
Das Flussgebiet der Weser liegt ausschließlich in Deutschland. Insgesamt sieben Bundesländer haben Anteile daran. Die einzelnen Berichte wurden in der Flussgebietsgemeinschaft
Weser (FGG Weser) zusammengeführt, die den flussgebietsweiten Teil A erstellt hat.
Die Berichte stehen im Internet zur Verfügung:
Bestandsaufnahme Rhein
http://www.iksr.org
Bestandsaufnahme Maas
http://www.meuse-maas.be/dce.asp
Bestandsaufnahme Ems
http://wasserblick.net/servlet/is/36427/
Bestandsaufnahme Weser
http://www.arge-weser.de/wrrl/bericht_2005.html
2.4 Bestandsaufnahme in NRW - Versionen und Quellen
Die "Dokumentation der wasserwirtschaftlichen Grundlagen"
Die von den Geschäftsstellen zusammengetragenen Ergebnisse wurden in einer Reihe von
Dokumenten zusammengestellt, die in ihrer Gliederung von den späteren Ergebnisberichten
abweichen. Für viele Arbeitsgebiete sind diese Dokumente noch im Internet abrufbar. Dabei
haben Sie unter anderem Zugriff auf Detailkarten, die in den späteren Ergebnisberichten
nicht mehr vorhanden sind, zum Beispiel Darstellungen zum Sauerstoffhaushalt oder einzelner Nährstoffparameter. Die Stellungnahmen der Umweltverbände in NRW zu den Bestandsaufnahmen wurden auf der Grundlage dieser Version verfasst.
Die "Dokumentation" steht in der Regel noch auf den Internetseiten der
jeweiligen Arbeitsgebiete zur Verfügung.
www.<flussgebietsname>.nrw.de
Sie finden die Dateien meist in einem Unterbereich mit dem Namen "Dokumentation der wasserwirtschaftlichen Grundlagen", "Endbericht" oder
"Offenlegung". Dort stehen PDF- und Grafikdateien zur Verfügung.
6
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Die Ergebnisberichte
Die Karten und Texte der oben beschriebenen "Dokumentation" wurden nachträglich durch das Land zu sogenannten "Ergebnisberichten" umgearbeitet. Dabei entstanden Dokumente im Umfang von ca. 200-300 Seiten. Die
Karten wurden auf das Format A3 standardisiert. Bei der
Bearbeitung wurden in einigen Arbeitsgebieten nicht alle
Tabellen und Karten der Ausgangsversion übernommen.
Da die Ergebnisberichte durchgehend in Farbe gehalten
sind, wurden nur wenige Exemplare gedruckt. Im Wassernetz-Büro steht pro Einzugsgebiet jeweils ein Exemplar
zur Einsicht zur Verfügung. Auch der Download aus dem
Internet ist möglich, allerdings liegt die Dateigröße dort
zwischen 60 und 300 MB.
Bezugsmöglichkeiten
Wichtigste Bezugsquelle für alle Bestandsaufnahmen ist das Internet. Hier finden Sie
Dokumente und Karten zum Download. Für die Flussgebiete liegen zum Teil auch
Kurzfassungen in gedruckter Form vor. Die Ergebnisberichte aus NRW sind ausschließlich in
elektronischer Form verfügbar. Angesichts der Dateigröße können Sie versuchen, entsprechende CDs über die zuständige Geschäftsstelle zu bekommen. Alternativ können Sie dort
oder im Wassernetz-Büro Einsicht in die gedruckten Unterlagen nehmen.
Alle Ergebnisberichte finden Sie auf den zentralen Wasserrahmenrichtlinieseiten des Landes Nordrhein-Westfalen unter:
www.flussgebiete.nrw.de.
3
Lesehilfe der Umgang mit der Bestandsaufnahme
Die Grundlage für die folgende Betrachtung sind die Ergebnisberichte aus den Arbeitsgebieten in NRW (siehe oben), denn sie weisen die größte Detailschärfe auf. Hier finden Sie in vielen Fällen auch "Ihr" Gewässer wieder, wenn es zu den berichtspflichtigen Gewässern (vgl.
Seite 3) gehört.
In den Ergebnisberichten sind neben den Daten bereits umfangreiche Erläuterungen zu den
verwendeten Parametern und den Anforderungen der Richtlinie enthalten. Auf den folgenden Seiten finden Sie daher keine Darstellung der Grundlagen, sondern wir wollen versuchen,
Fakten hervorzuheben, die aus der Sicht des Naturschutzes von besonderer Bedeutung sind.
Dabei orientieren wir uns an der Kapitelreihenfolge, die Sie in den Ergebnisberichten vorfinden.
3.1 Allgemeine Beschreibung (Kapitel 1)
Dieses Kapitel gibt eine kurze allgemeine Beschreibung des Arbeitsgebiets. Hier finden Sie
Informationen über die Zuständigkeiten und die Zugehörigkeit zu den Verwaltungseinheiten
(Staaten, Bundesländer, Kreise).
7
Wichtig sind vor allem die Daten zur Hydrografie und zur Geografie, denn sie bilden die
Grundlage für die spätere Zuordnung der einzelnen Gewässer zu einem bestimmten Gewässertyp. Die Karte K 1-1 zeigt die berichtspflichtigen Oberflächengewässer. Das ist nur ein Teil
aller im Gebiet vorhandenen Gewässer. In Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt ca. 50.000
Kilometer Fließgewässer, von denen bei der Umsetzung der Richtlinie aber nur ca. 15.000
Kilometer betrachtet werden! Die in der Karte angegebenen Gewässer werden zum Teil noch
in weitere Wasserkörper untergliedert und in natürliche, erheblich veränderte und künstliche Wasserkörper unterteilt. Die zugehörigen Darstellungen finden Sie in den Karten K 2.1.1
und K 4.2.-1.
Für die bedeutenden Gewässer im Arbeitsgebiet sind wichtige Daten in Gewässersteckbriefen tabellarisch zusammengefasst. Das Land plant, längerfristig für alle Gewässer solche
Steckbriefe zusammenzustellen und im Internet zu veröffentlichen.
Ein eigener Abschnitt ist den Fließgewässerlandschaften gewidmet. Diese bilden eine wichtige Grundlage für die Einordnung der Gewässer in den richtigen Gewässertyp und damit für
die die Definition des guten ökologischen Zustands. Wir erläutern Ihnen diese wichtigen
Fachbegriffe in einem eigenen Beitrag (Von Landschaften und Typen - Wie sieht Bach im
guten Zustand aus?).
Einen wichtigen Faktor für die Bewertung der Gewässer stellt auch die Landnutzung dar. Die
Karten basieren auf den sogenannten ATKIS-Daten (Amtliches TopographischKartographisches Informationssystem), die in der Regel aus dem Jahr 2002 oder früher stammen. Die Daten geben eine gute Übersicht über die Situation im Gebiet, können aber lokal
deutlich vom Ist-Zustand abweichen. So werden die Braunkohleabbauflächen im ErftEinzugsgebiet nicht als Tagebaufläche, sondern als Industrie- und Gewerbefläche charakterisiert. Abweichungen sind auch in der Unterscheidung zwischen Acker- und Grünlandflächen zu erwarten. Die Landnutzungsdaten gehen auch in die Einschätzung der Nitratbelastung und der Auswaschungsgefährdung ein.
3.2 Ist-Situation (Kapitel 2)
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Ausgangssituation für die Bestandsaufnahme im jeweiligen Arbeitsgebiet. Welche Gewässertypen gibt es? Wie werden die Wasserkörper eingeteilt? Wie ist der aktuelle biologische und chemische Zustand der Gewässer?
Inhaltlich ist dieses Kapitel in einen Teil für Oberflächengewässer und einen weiteren Teil für
Grundwasser untergliedert.
Fließgewässertypen
Von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Maßnahmenplanung ist die Einordnung
der Fließgewässer in die verschiedenen Fließgewässertypen. Grundlage sind die bereits angesprochenen Fließgewässerlandschaften. Je nachdem, ob ein Gewässer im Mittelgebirge
oder im Tiefland verläuft, wie der Untergrund oder die umgebende Landschaft beschaffen ist,
bildet sich eine charakteristische Tier- und Pflanzenwelt aus (vgl. auch Kapitel 5).
Die verschiedenen Gewässertypen im Arbeitsgebiet werden in einer (leider sehr kleinen) Karte und einer Tabelle zusammengefasst. Eine genaue Zuordnung des Gewässertyps für jeden
Wasserkörper finden Sie in der Tabelle 2.1.2-2.
8
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Weiterführende Informationen zu Fließgewässerlandschaften und -Typen
finden Sie im LUA-Merkblatt 36, Fließgewässertypenatlas NordrheinWestfalens.
Wasserkörper
Der Wasserkörper (Wk) ist die entscheidende Bezugsgröße bei der Umsetzung der Richtlinie.
Für jeden Wasserkörper muss der Zustand ermittelt werden und gegebenenfalls sind Maßnahmen zur Verbesserung einzuleiten. Ein eigener CIS-Leitfaden (Nr. 2, vgl Seite 3) gibt
Empfehlungen, wie die Abgrenzung der einzelnen Wasserkörper erfolgt. In den verschiedenen Bundesländern, gibt es aber deutlich unterschiedliche Vorstellungen davon, wie groß ein
Wasserkörper sein muss.
Ein Fließgewässer kann in verschiedene Abschnitte unterteilt werden. Diese richten sich vor
allem nach dem Gewässertyp (insbesondere längere Gewässer können ihren Typ im Längsverlauf wechseln) und menschlichen Eingriffen (Talsperre, die eine Unterbrechung bildet).
Die nachfolgende Abbildung gibt eine Vorstellung davon, wie die verschiedenen Abschnitte
abgegrenzt werden.
Die Abgrenzung von Wasserkörpern folgt
natürlichen und anthropogenen Ursachen.
(Quelle: UBA 2004)
Dabei ist es wichtig, dass die Abgrenzung der Wasserkörper den aktuellen Verhältnissen
gerecht wird. Bei sehr großen Abschnitten können zum Beispiel naturschutzfachlich besonders wertvolle Bereiche leicht übersehen werden. Beachten Sie außerdem, dass bei der zukünftigen Überwachung (Monitoring) meist nur ein kleiner Bereich (repräsentative Messstelle) untersucht wird und die Ergebnisse auf den gesamten Wasserkörper übertragen werden. Die Gefahr von Fehleinschätzungen ist also besonders groß.
Durchschnittliche Wasserkörperlängen im bundesweiten Vergleich. In NRW liegen die Wasserkörperlängen zwischen 1 und 60 km. (Quelle UBA 2004)
9
Auf der anderen Seite können zu kleine Wasserkörper dazu führen, dass viele Gewässerstruktur-Probleme über die Ausweisung als erheblich veränderte Gewässer (vgl. Seite 20)
gelöst werden. Aus gewässerbiologischer Sicht müssen aber die Wasserkörper eines Flusses
ein möglichst ununterbrochenes Kontinuum bilden, damit sich Fauna und Flora ungestört
ausbreiten können.
Biologische Gewässergüte
Bereits seit über dreißig Jahren wird in Deutschland die biologische Gewässergüte mit Hilfe
des Saprobiensystems bestimmt. Untersucht wird dafür meist das sogenannte Makrozoobenthos. Dies sind im Wasser lebende wirbellose Tiere, die man noch mit dem bloßen Auge
erkennen kann. Je nach Belastung des Wassers mit biologisch abbaubaren, organischen
Substanzen stellt sich eine Lebensgemeinschaft ein, die an die jeweiligen Bedingungen angepasst ist. Dabei spielt vor allem das Sauerstoffangebot eine große Rolle.
Seit dem Beginn der Untersuchungen hat sich die biologische Gewässergüte in den meisten
Gewässern deutlich verbessert. Heute werden die meisten Gewässer in die Güteklassen II
(mäßig belastet) bzw. II-III (kritisch belastet) eingestuft. In den Karten sind diese Gewässer
dunkelgrün bzw. hellgrün dargestellt. In einigen Regionen (zum Beispiel Emscher) gibt es
jedoch auch heute immer noch stark verschmutzte Gewässer, erkennbar an der gelben bis
roten Signatur.
Die "grünen" Gewässergüteklassen (Quelle: Wikipedia)
Güteklasse II (mäßig belastet, Kartierung in dunkelgrün):
Mäßige Verunreinigung und noch gute Sauerstoffversorgung. Sehr
große Artenvielfalt und Individuendichte: Algen, Schnecken, Kleinkrebse, Insektenlarven, insbesondere große Flächen mit Wasserpflanzen. Ertragreiche Fischgewässer. Mittel- und Unterläufe großer Flüsse
und sommerwarme Flachlandbäche. Saprobienindex 1,8-2,3, Sauerstoffgehalt mehr als 6 mg/l, BSB5 2-6 mg/l, Ammonium bis 0,3 mg/l.
Güteklasse II-III (kritisch belastet, Kartierung in gelbgrün):
Belastung mit organischen sauerstoffzehrenden Stoffen bewirkt kritischen Zustand. Fischsterben wegen Sauerstoffmangels möglich, Artenrückgang bei Makroorganismen, Massenentwicklungen auch von
Algen. Saprobienindex 2,3-2,7, Sauerstoffsättigung zum Teil weniger
als 50%, BSB5 5-10 mg/l, Ammonium bis 1,0 mg/l.
Obwohl das Makrozoobenthos eine der biologischen Qualitätskomponenten ist, deren Untersuchung von der WRRL gefordert wird, reichen gute Ergebnisse der Gewässergüteuntersuchung allein nicht aus, um die Anforderungen der Richtlinie zu erfüllen. Hauptsächlich
liegt dies daran, dass für den Saprobienindex nur ein Teil der tatsächlich im Gewässer vorkommenden Organismen bewertet wird.
Ein guter Wert für die biologische Gewässergüte lässt daher nur eingeschränkte Schlüsse auf
den ökologischen Zustand zu. Die Bestandsaufnahme trägt dem Rechnung, indem in der
abschließenden Bewertung zusätzliche Faktoren (vor allem die Gewässerstrukturgüte) einbezogen werden. Daraus resultiert dann zumeist die Vermutung, dass der gute ökologische
Zustand bis 2015 nicht erreicht werden kann.
10
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Biologische Qualitätskomponenten:
Die WRRL fordert die Untersuchung verschiedener Lebensgemeinschaften
in den Oberflächengewässern. Dazu gehören Fische, Makrozoobenthos
(Wirbellose Tiere), Makrophyten ("höhere" Wasserpflanzen) und Phytobenthos (Algen).
Für die Bewertung werden neben dem Vorkommen einzelner Arten auch
ihre Häufigkeit und die gesamte Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft betrachtet..
Aus biologischer Sicht ist anzunehmen, dass das zukünftige Monitoring, das sich an den
Anforderungen der WRRL ausrichtet, diese Vermutung unterstützen wird. Besonders die
Fischfauna (siehe unten) weist an vielen Gewässerabschnitten erkennbare Defizite auf.
Gewässerstruktur
Bis vor einigen Jahren wurden an vielen Gewässern Ausbau- und Unterhaltungsmaßnahmen
in großer Zahl durchgeführt. Dadurch haben sie ihren naturnahen Charakter verloren. In vielen Fällen wurden sie zu begradigten Kanälen, deren wichtigste Funktion die schadlose
Abfuhr auch der größten Wassermassen ist. Die strukturelle Vielfalt der natürlichen Gewässertypen ging ebenfalls verloren. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft in diesen Gewässern, in denen mittlerweile anspruchslose Allerweltsarten dominieren.
Die Berkel weist zwischen Vreden und Stadtlohn in den meisten Abschnitten noch eine
naturnahe Linenführung und gute Strukturgütewerte (>3) auf. (Bild: C. Aschemeier)
Die Berkel in Vreden: Monotone Linienführung, ausschließlich Sand in der Gewässersohle und intensive Umfeldnutzung begründen
die schlechte Strukturgüteklasse (>5).
(Bild: C. Aschemeier)
Ein Maß für die Abweichung eines Fließgewässers vom natürlichen Zustand ist die Gewässerstrukturgüte. Bei der Kartierung werden zahlreiche Parameter wie Laufkrümmung, Vielfalt der Gewässersohle, aber auch die Umlandnutzung erfasst. Wie bei der Gewässergüte
erfolgt abschließend die Einteilung in sieben Gütestufen, die im Farbspektrum zwischen blau
(sehr guter Zustand) bis rot (vollständig naturfern) dargestellt werden.
11
Vergleicht man die Karten von biologischer Gewässergüte und Gewässerstrukturgüte fallen
sofort die Unterschiede, aber auch Übereinstimmungen auf:
Viele biologisch "gute" Gewässerabschnitte haben eine schlechte Strukturgüte. Dies ist
ein deutliches Indiz dafür, dass die biologische Bewertung vor allem auf Organismen
setzt, die nur wenig von einer naturnahen Gewässergestaltung abhängig sind. Tatsächlich sind vor allem die Indikatoren für die Güteklasse II-III in der Regel weit verbreitet
und haben keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum (Flussflohkrebs, Zweiäugiger Plattegel, Langfühlerige Schnauzenschnecke). Hier ist zu erwarten, dass dieser
Eindruck durch das verbesserte Monitoring gestützt wird.
Ist jedoch die Strukturgüte positiv bewertet, erreicht auch die biologische Gewässergüte
meist eine Einstufung von II oder besser. Abweichungen treten eigentlich nur dann auf,
wenn es in dem betreffenden Gewässerabschnitt gleichzeitig Einleitungen aus Kläranlagen oder anderen Quellen gibt. Die größere Strukturvielfalt ermöglicht es auch spezialisierten Organismen mit höheren Ansprüchen an ihren Lebensraum (zum Beispiel gute
Sauerstoffversorgung durch hohe Strömungsgeschwindigkeit und Turbulenzen) hier zu
leben.
Zukünftig kommt gerade der Gewässerstrukturgüte eine große Bedeutung bei der Planung
der Maßnahmen zu. Diese Maßnahmen sind sehr teuer und verändern unter Umständen
auch die Nutzungsmöglichkeiten für die Gewässer. Vermutlich wird dies zu verstärkten Bemühungen führen, solche Gewässer als erheblich verändert einzustufen. Die damit verbundenen Einschränkungen bei den Anforderungen an den Gewässerzustand sind jedoch aus
naturschützerischer Sicht sehr bedenklich.
Bei Gewässern mit schlechter Strukturgüte droht die Ausweisung als erheblich verändertes Gewässer. Die damit verbundenen Güteziele sind
deutlich geringer als bei natürlichen Gewässern.
Fischfauna
Die Erfassung und Auswertung der Fischfauna im Rahmen der Bestandsaufnahme entspricht
ebenfalls nicht den Anforderungen der WRRL und weist einige Defizite auf:
Die WRRL fordert die Untersuchung von Artenzusammensetzung, Häufigkeit und
Altersstruktur der vorhandenen Fische. Solche Daten liegen bei den bisherigen
Untersuchungen in der Regel nicht vor.
Die vorhandenen Bestandsdaten sind zum Teil schon mehrere Jahre alt (bis zu zehn) und
konzentrieren sich häufig auf die großen Gewässer oder Bereiche, in denen Defizite
untersucht wurden.
Daten über die historische Verbreitung von Fischarten sind sehr selten. Dabei spielen sie
vor allem eine große Rolle bei der Frage, welche Wanderfischarten (Lachs, Aal, usw.) früher in den Gewässern heimisch waren.
Für die Bewertung der Fischfauna in der Karte 2.1-4 wurde daher zusätzlich Expertenwissen
in Form sogenannten "Runder Tische" herangezogen. In einigen Arbeitsgebieten waren daran auch Vertreter der Naturschutzverbände beteiligt. Diese Expertengruppen waren jedoch
zum Teil nur sehr klein und mussten unter hohem Zeitdruck arbeiten.
12
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Für viele Gewässer gibt es daher bislang noch keine (sichere) Bewertung der Fischfauna.
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Ergebnisse und der Daten aus der Gewässerstruktur kann angenommen werden, dass zukünftig viele dieser Gewässer keinen guten Zustand
bezüglich der Fischfauna erreichen werden.
Fische sind eine wichtige und empfindliche Indikatorgruppe. Die WRRL
stellt große Ansprüche an die Fischfauna, damit der gute ökologische Zustand erreicht werden kann. Achten Sie daher besonders darauf, dass die
Fische im Rahmen des Monitoring untersucht werden. Eine Beschränkung
auf die Langdistanzwanderfische (Lachs, Aal) ist nicht ausreichend.
Chemisch-physikalische Parameter
Eine ausführliche Beschreibung dieser Parameter und ihrer Bedeutung befindet sich am Beginn des Kapitels. In den nachfolgenden Karten werden zum einen punktuelle Messergebnisse dargestellt und zum anderen die Einhaltung von (NRW-spezifischen) Schwellenwerten
dokumentiert. Die Ergebnisse stammen in der Regel aus dem Jahr 2002, können sich also
mittlerweile noch einmal verändert haben.
In den großen Karten (A3) werden die Konzentrationen mehrerer Stoffe im Gewässer an ausgewählten Untersuchungsstellen kombiniert dargestellt. Dies wird auch als Immission
bezeichnet. Dabei gibt es für die Messwerte unterschiedliche Angaben:
90. Perzentil:
90% aller vorhandenen Messwerte sind kleiner als der angegebene Wert.
Mittelwert:
Alle vorhandenen Werte werden gemittelt. Liegt eine Konzentration unter der
Bestimmungsgrenze, wurde zur Berechnung der halbe Grenzwert verwendet.
einzelne Konzentrationsangaben:
zum Beispiel bei Schwermetallen, die relativ selten untersucht werden
In den kleinen Karten im Text wird ein Vergleich mit bestimmten Grenzwerten vorgenommen, um eine erste Bewertung der Immissionen zu bekommen. Dazu wurden die Ergebnisse
der punktuellen Messungen auf die Wasserkörper übertragen. Allerdings gilt diese Vorgehensweise nur für NRW. Daher können in diesen Karten Angaben zu Gewässern aus anderen
Bundesländern oder Staaten fehlen oder sind nur in Form von punktuellen Bewertungen vorhanden. Trotzdem geben gerade diese Karten ein gutes Bild über die Belastungssituation.
Zu den einzelnen Karten noch folgende Hinweise:
Nitrat und Phosphat sind wichtige Pflanzennährstoffe. Sie sind nicht nur für den unmittelbaren Zustand der Wasserkörper verantwortlich, sondern müssen auch auf höheren Ebenen
bis hin zum Schutz der Meere betrachtet werden. Obwohl die Konzentrationen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, müssen sie in der Summe immer noch als zu hoch
angesehen werden. Zur Zeit wird in der Wasserwirtschaft heftig darüber diskutiert, wie die
Konzentrationen dieser Stoffe zukünftig bewertet werden. Fest steht, dass es bei der Umsetzung der Richtlinie keine festen Grenzwerte geben wird, sondern nur sogenannte Orientierungswerte. Eine Überschreitung der Orientierungswerte hat jedoch keine unmittelbaren
Folgen und zieht so lange keine Maßnahmen nach sich, wie keine weiteren Auswirkungen
nachweisbar sind.
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Zukünftig gelten für die allgemeinen chemischen und physikalischen Parameter "nur noch" Orientierungswerte. Vergleichen Sie daher genau die
Konzentrationen und Einstufungen aus der Bestandsaufnahme mit den
Angaben aus dem Bewirtschaftungsplan.
Ammonium gelangt vor allem aus Kläranlagen und der Landwirtschaft in die Gewässer. Es
wird unter sauerstoffreichen Bedingungen schnell von den Bakterien abgebaut. Reicht der
Sauerstoff im Wasser jedoch für den Abbau nicht aus, kann es auch zu gefährlichen Sauerstoffdefiziten kommen. Bei höheren pH-Werten wirkt Ammonium stark giftig auf Fische.
Zudem verstärkt es die Eutrophierung der Gewässer. Eigentlich sollten heute keine problematischen Ammonium-Konzentrationen mehr auftreten. Achten Sie daher darauf, dass spätestens in den Bewirtschaftungsplänen noch vorhandene Ammoniumbelastungen durch entsprechende Maßnahmen verringert werden.
Die Wassertemperatur spielt für viele Organismen eine große Rolle. So sinkt der Sauerstoffgehalt mit steigender Wassertemperatur stark ab. Einige Fischarten sind auf niedrige Wintertemperaturen angewiesen, damit ihre Brut überleben kann. Auch die Entwicklung vieler
wirbelloser Tiere wird durch die Wassertemperatur beeinflusst. Dabei spielen nicht nur die
absoluten Wassertemperaturen eine Rolle, sondern auch die langfristige Erhöhung der
Durchschnittstemperaturen, vor allem in unbeschatteten, begradigten und durch Querbauwerke gestauten Gewässern. Die Bewertung der Wassertemperaturen muss kritisch hinterfragt werden, denn sie basiert nur auf wenigen Werten. Vor allem die Maximal- und Minimalwerte werden nicht systematisch erfasst, da die Laboranten meist nur zu einer bestimmten (Arbeits-)Zeit am Gewässer sind. Die Temperaturgrenzwerte sind aktuell nur für die Einhaltung der Vorgaben der EU-Fischgewässerrichtlinie von Bedeutung. Nicht alle Gewässer in
NRW sind entsprechend eingestuft und die Einstufung ist nicht immer logisch. Ab 2013 geht
die Fischgewässerrichtlinie in der WRRL auf. Alle Gewässer müssen dann entsprechend ihrem
Gewässertyp und der zugehörigen Fischregion die Grenzwerte der Fischgewässerrichtlinie
einhalten. Sie sollten daher die Angaben aus der Bestandsaufnahme mit denen aus dem
Bewirtschaftungsplan vergleichen. Gegebenenfalls sind Maßnahmen zur Einhaltung der
Grenzwerte nötig, zum Beispiel an Kraftwerken (Beschränkungen der Einleitungsmengen).
Fischgewässerverordnung (FischGewV): Verordnung zur Umsetzung der
Richtlinie 78/659/EWG des Rates vom 18.Juli 1978 über die Qualität von
Süßwasser, das schutz- oder verbesserungsbedürftig ist, um das Leben
von Fischen zu erhalten.
Der pH-Wert als Maß für den Säuregehalt des Wassers wird in starkem Maße durch die
Geologie und den Boden in der Gewässerumgebung beeinflusst. Er gehört damit zu den Faktoren, die die Lebensgemeinschaft der verschiedenen Gewässertypen bestimmen. Menschliche Einflüsse äußern sich vor allem in der Versauerung kleiner Gewässer durch Einträge aus
der Luft und in der Veränderung der pH-Werte durch Einträge aus den umgebenden Flächen. Daneben können indirekte Belastungen, die vom Menschen verursacht werden, Auswirkungen auf den pH-Wert haben. Vor allem kleinere, nährstoffreiche und strömungsarme
Gewässer sind davon betroffen. Durch die Photosynthese verändern Wasserpflanzen und
Algen den pH-Wert der umgebenden Wassers. An warmen sonnenreichen Tagen kann sich
so der Wert im 24-Stunden-Verlauf um mehr als eine Einheit verändern. Besonders gefährlich ist dies wenn gleichzeitig Ammoniumbelastungen vorhanden sind, denn bei pH-Werten
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
über acht und hohen Temperaturen wandelt es sich in das giftige Ammoniak um. Wie bei der
Temperatur und beim Sauerstoffgehalt werden die Extremwerte und kurzfristige Schwankungen durch die Messungen nur unzureichend erfasst. Auswirkungen auf die Ökologie sind
damit trotz der Einhaltung der Qualitätskriterien möglich.
Der Sauerstoffgehalt der Gewässer ist neben der Temperatur vor allem von der Gewässerstruktur und dem Sauerstoffverbrauch beim Abbau organischer Stoffe abhängig. In natürlichen Gewässern gelangt durch Turbulenzen viel Sauerstoff in das Wasser. Die Sauerstoffproduktion der Pflanzen und der Verbrauch durch Abbauprozesse stehen in einem ausgewogenen Verhältnis. Durch Sauerstoffmangel sind heute besonders die kleineren ausgebauten
Gewässer, vor allem in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiete gefährdet. In den
Sommermonaten unterliegt der Sauerstoffgehalt hier starken Schwankungen. In den oft
unbeschatteten Bächen produzieren Algen und Wasserpflanzen am Tag sehr viel Sauerstoff,
so dass die Konzentrationen auf weit über 100% steigen können. In der Nacht wird allerdings auch viel Sauerstoff verbraucht, so dass in dem warmen Wasser die Konzentrationen
gefährlich absinken können. Vermutlich sind manche Fischsterben auf diesen kurzfristigen
Effekt zurückzuführen. Die gängige Untersuchungspraxis kann diese Probleme nicht nachweisen, denn in der Regel erfolgen die Messungen nur während der Tagstunden. Auch hier
sind also die Bewertungen in den Bestandsaufnahmen kritisch zu hinterfragen.
Chlorid gelangt in Form verschiedener Salze in die Gewässer. Neben natürlichen Ursachen
(Solequellen) verursacht vor allem der Mensch höhere Konzentrationen. Chlorid stammt
unter anderem aus dem Bergbau (in NRW vor allem aus der Steinkohle) oder aus der Industrie (Sodaproduktion). Auch unterhalb von Kläranlagen können die Werte stark ansteigen,
denn Salz wird im Klärprozess nicht zurückgehalten. Obwohl sehr hohe Konzentrationen
notwendig sind, damit Chlorid giftig wirkt, werden die Lebensgemeinschaften schon durch
geringere Konzentrationen beeinflusst. Da die natürlichen Quellen in der Regel bekannt sind,
weisen erhöhte Chloridkonzentrationen immer auf einen (vielleicht noch nicht erkannten)
Einfluss des Menschen hin.
Viele der hier beschriebenen Parameter sind leicht zu untersuchen.
Einfache Messgeräte oder Untersuchungsmittel sind leicht zu beschaffen,
zum Beispiel aus dem Bereich der Gartenteichpflege oder aus dem Aquarienhandel. Auch Biologische Stationen verfügen manchmal über entsprechende Messgeräte. Im Rahmen von Aktionstagen oder Exkursionen
kann man so einen eigenen Eindruck gewinnen.
In einigen Schulen gibt es bereits Projekte, bei denen solche Daten nicht
nur erhoben, sondern im Internet gesammelt und ausgetauscht werden.
http://www.flussnetzwerke.nrw.de
Spezifische synthetische und nicht synthetische Schadstoffe
In diesem Abschnitt finden Sie Informationen über Stoffe, die vor allem über die Tätigkeit
des Menschen in die Gewässer gelangen. In einzelnen Fällen sind sie jedoch auch aus natürlichen Ursachen (Geologie, Einträge aus der Umgebung) im Wasser vorhanden. Das Vorkommen dieser Stoffe bedeutet jedoch immer auch eine Beeinflussung der Lebensgemeinschaft im Wasser und sollte durch entsprechende Maßnahmen soweit wie möglich
reduziert werden.
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Der Untersuchungsumfang wird im Wesentlichen durch die Wasserrahmenrichtlinie bestimmt. In den Anhängen zur WRRL sind zahlreiche Stoffe aufgeführt, die zu berücksichtigen sind.
Für die spätere Bewertung verteilen sich die hier betrachteten Stoffe auf zwei Gruppen:
Einige Schwermetalle (Cu, Cr, Zn), Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien und weitere Stoffe (laut Anhang VIII WRRL) gehen ebenfalls in die Bewertung des ökologischen
Zustands (ökologischer Zustand Chemie) ein.
Die übrigen Stoffe, die in den Anhängen IX und X der WRRL aufgeführt sind, werden
dagegen zur Bewertung des chemischen Zustands heran gezogen. Diese Stoffe gelten als
besonders schwierig (prioritär) und müssen daher möglichst schnell aus dem Wasser verschwinden.
Auch für diese Stoffgruppen wurde in NRW eine Vorab-Bewertung anhand aktueller Grenzwerte vorgenommen, die von den Nachbarländern nicht übernommen wurde. Sie ist wasserkörperscharf in den kleinen Karten dokumentiert. Im Vergleich mit den kommenden Bewirtschaftungsplänen ist es wichtig zu kontrollieren, ob es Änderungen in der Einstufung gegeben hat und worauf diese gegebenenfalls zurückzuführen sind.
Eine detaillierte Diskussion aller Karten und Tabellen ist aufgrund des Umfangs nicht möglich. Zudem differieren die dargestellten Parameter, je nach den Gegebenheiten in den einzelnen Arbeitsgebieten.
Grundwasser
Für das Grundwasser sieht die Wasserrahmenrichtlinie die Einhaltung bzw. Erreichung eines
guten chemischen und mengenmäßigen Zustandes vor. Ökologie spielt bei der Betrachtung
des Grundwassers also keine Rolle. Im Kapitel Ist-Situation werden ausschließlich Lage und
einige beschreibende Daten zu den Grundwasserkörpern dargestellt. Informationen zum
chemischen und mengenmäßigen Zustand finden Sie erst in den folgenden Kapiteln.
Die Grundwasserkörper werden in den Ergebnisberichten nur grob charakterisiert. In den
Dokumentationen der wasserwirtschaftlichen Grundlagen (vgl. Seite 6) finden Sie für jeden
Grundwasserkörper einen umfangreichen Steckbrief mit weiteren Daten.
Die Einteilung der Grundwasserkörper richtet sich nach den geologischen Grundlagen. Meist
stimmen sie in etwa mit den Einzugsgebieten der Fließgewässer überein. Abweichungen sind
aber möglich. Die Grundwasserkörper in NRW sind von 0,1 km2 bis über 500 km2 groß. Dies
liegt im Durchschnitt der Ausweisungen aller Bundesländer. Vor allem die großen
Grundwasserkörper bergen die Gefahr, dass sich lokale Belastungen nicht auf die Gesamteinschätzung des betroffenen Grundwasserkörpers auswirken. Dies betrifft insbesondere die
Bewertung von Altlasten (die flächenmäßig oft nur geringe Anteile am Grundwasserkörper
haben) oder die Auswirkungen von Wasserentnahmen.
Kleinräumige Belastungen (zum Beispiel Altlasten, Wasserentnahmen,
Abgrabungen) haben oft keine Auswirkung auf die Zustandsbewertung
der (großen) Grundwasserkörper. Daher herrscht die Meinung vor, dass in
diesen Fällen das Verschlechterungsverbot nicht verletzt wird.
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Zu den Vorschriften der WRRL gehört auch, dass chemische und/oder mengenmäßige Belastungen des Grundwassers sich nicht auf die damit verbundenen Landökosysteme auswirken
dürfen. Solche Gebiete werden in einem eigenen Kapitel (Kapitel 5, Verzeichnis der Schutzgebiete) dokumentiert, ohne dass die Belastungen bewertet werden.
3.3 Menschliche Tätigkeiten und Belastungen (Kapitel 3)
In diesem Kapitel werden die Belastungsursachen (Emissionen) im jeweiligen Arbeitsgebiet
betrachtet. Sie finden hier Angaben zu den Verursachern für die im vorherigen Kapitel dargestellten Gewässereigenschaften, also beispielsweise die Einleitungen aus kommunalen
Kläranlagen (KOM) oder Industrie und Gewerbe (IGL), aber auch zu diffusen Quellen, Altlasten oder den Veränderungen der Gewässerstruktur.
Achten Sie genau auf die Legende zu den Säulendarstellungen der Messwerte. Der größte Wert, der in der jeweiligen Karte dargestellt wird, legt
die Skalierung der Säule fest. Gibt es nur einen einzigen sehr großen
Wert, können die übrigen Werte in der Karte optisch kaum noch unterschieden werden. Die Darstellung auf den verschiedenen Karten und zwischen den verschiedenen Ergebnisberichten ist daher nur eingeschränkt
vergleichbar.
Kommunale Einleitungen
Hier finden Sie die Informationen über die Einleitungen aus den Kläranlagen und anderen
kommunalen Einleitungen, v. a. Regenwassereinleitungen. In den Karten finden Sie eine
Darstellung der Nährstoff- und Schwermetallfrachten sowie von AOX (Adsorbierbare Organisch gebundene Halogene(X)) und TOC (Total Organic Carbon). Alle weiteren Stoffe werden
ausschließlich im Text angesprochen, dort sind allerdings oft nur exemplarisch Konzentrations- oder Frachtangaben enthalten.
Die Karten der Kläranlagen-Emissionen enthalten punktscharfe Daten zu den einzelnen
Kläranlagen. Damit ist zumindest eine eingeschränkte Zuordnung zu den Konzentrationsangaben und Bewertungen aus dem Kapitel "Ist-Zustand" möglich. Gerade die Frachten der
Nährstoffe erscheinen im ersten Moment sehr hoch. Da es aber keine expliziten Angaben zu
den Frachten aus diffusen Quellen gibt (die zum Teil um ein Vielfaches höher liegen) lassen
sich verschärfte Anforderungen hier oft nur schwer realisieren. Insgesamt sind die Reinigungsleistungen der Kläranlagen in diesem Bereich schon als sehr hoch anzusehen.
Die Angaben in den Karten zu den Regenwassereinleitungen können dagegen meist nicht
direkt einem Gewässer zugeordnet werden. Die hier angegebenen Werte wurden nicht gemessen, sondern aus Modellen errechnet. Einen gewissen Anhaltspunkt, in welche Gewässer
die Stoffe vorrangig gelangen, erhalten Sie über die in den Karten angegebenen Standorte
der Regenbehandlungsysteme. Stoffe aus Mischsystemen gelangen über die jeweiligen Kläranlagen in die Gewässer. Bei großen Regenmengen besteht allerdings die Gefahr, dass ungereinigtes Wasser über Entlastungen direkt in die Vorfluter gelangt. Trennsysteme müssen
nicht an Kläranlagen angebunden sein. Sie entwässern auch in die Oberläufe und kleinen
Gewässer und können dort erheblichen hydraulischen Stress verursachen.
In diesem Kapitel ist auch eine Zusammenstellung der Wassermengen versteckt, die in die
Gewässer eingeleitet bzw. aus ihnen entnommen werden. Die Karte beinhaltet neben den
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kommunalen auch industrielle und andere Einleitungen und Entnahmen. Bei Einleitungen ist
insbesondere auf das Verhältnis zwischen Einleitungsmenge und Wasserführung im Gewässer zu achten. Dabei sind weniger die Spitzenwerte wichtig - ein Wert von mehr als 100.000
% bei Kläranlageneinleitungen in die Oberläufe kleiner Bäche ist möglich - als vielmehr
Überschreitungen in mittleren Dimensionen. Gerade diese Einleitungen können die natürlichen Gewässerverhältnisse erheblich stören und verhindern unter Umständen die
Erreichung des guten Zustands.
Die Darstellung der Entnahmen beschränkt sich auf Oberflächengewässer. Aufgeführt sind
nur dauerhafte Entnahmen mit mehr als 50l/s, also vor allem Kühlwasserentnahmen für
Kraftwerke und Wassergewinnungen. Zeitweilige Entnahmen, zum Beispiel durch Bewässerung in der Landwirtschaft, sind hier nicht zu erkennen.
Industriell-gewerbliche Einleitungen
Hier finden Sie Informationen zu industriellen und gewerblichen Direkteinleitern (also denen, die ihre Abwässer nicht zu einer kommunalen Kläranlage leiten) sowie zu Kühlwasserund Sümpfungswassereinleitungen. Auch hier beschränken sich die Karten auf die Nährstoffe, Schwermetalle sowie AOX und TOC. Quantitative Angaben zu anderen relevanten Stoffen
fehlen. In einigen Arbeitsgebieten gibt es Betriebe, die die zulässigen Einleitungsmengen
nach der IVU-Richtlinie überschreiten (zum Beispiel Einzugsgebiet Rheingraben-Nord). Diese Firmen werden in einer Tabelle zusammengefasst, die die Art der Belastung dokumentiert, aber ebenfalls keine konkreten Frachtangaben enthält.
IVU-Richtlinie:
Richtlinie 96/61/EG des Rates vom 24. September 1996 über die integrierte Vermeidung und Verminderung der UmweltverschmutzungWeitere
Informationen und die Richtlinie finden Sie hier:
http://ec.europa.eu/environment/ippc/index_de.htm
Kühlwasser- und Sümpfungseinleitungen werden in diesem Abschnitt textlich und tabellarisch angesprochen. Ihre Menge ist in der Karte K 3.1-7 mit den kommunalen Einleitungen
zusammengefasst. Gerade bei den Kühlwassereinleitungen werden zurzeit nur die großen
Anlagen (vor allem Kraftwerke erfasst). Weitere Einleitungen stammen zum Beispiel aus
Klimaanlagen, die bei Hochhäusern einen erheblichen Wärmeeintrag produzieren. Es ist davon auszugehen, dass dies in Ballungsgebieten in der Summe ebenfalls zu erheblichen Belastungen führen kann.
Diffuse Verunreinigungen (Oberflächengewässer)
Als Quellen für diffuse Verunreinigungen werden die Landwirtschaft (Nährstoffe, Pflanzenschutzmittel), Altlasten und gegebenenfalls weitere Quellen genannt. Konkrete Angaben zu
einzelnen Einträgen (Stoffe, Mengen) fehlen jedoch. Einige weitere Informationen finden Sie
in der "Dokumentation der wasserwirtschaftlichen Grundlagen" (vgl. Seite 6) unter dem
Punkt "Diffuse Quellen". Eine Einschätzung der aufgebrachten Stickstoffmengen findet sich
im Kapitel 3.2.2 bezogen auf die Grundwasserkörper.
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Wasserentnahmen (Oberflächengewässer)
Bei Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern ist besonders auf das Verhältnis zwischen
Entnahme und zur Verfügung stehender Wassermenge zu achten. Die zugehörige Karte sowie die Tabelle stehen jedoch an einer anderen Stelle im Ergebnisbericht, bei den Einleitungen im Kapitel 3.1.1.4 (Karte 3.1-7).
Querbauwerke
Querbauwerke wie Talsperren, Mühlenwehre oder die sogenannten Kulturstaue in den landwirtschaftlichen Gewässern beeinflussen deutlich die Gewässerstruktur. Sie gehen auch in
die Gewässerstrukturgütebewertung (vgl. Seite 8) ein. Die in der Karte dargestellten
Querbauwerke basieren auf dem Querbauwerks-Informationssystem (QUIS) in NRW sowie
gegebenenfalls auf den Daten der anderen Länder. Zum Zeitpunkt der Auswertung war jedoch nur eine Bewertung der Querbauwerke in Gewässern mit mehr als 20 km2 Einzugsgebiet möglich, so dass Abweichungen zur tatsächlichen Situation wahrscheinlich sind.
Auch hier lohnen sich Exkursionen. Vergleichen Sie doch einmal die in der
Karte aufgeführten Querbauwerke mit der Situation vor Ort. Sind alle
Bauwerke (vor allem in den Oberläufen) vorhanden? Wie ist die Passierbarkeit? Gibt es Wanderhilfen und wenn ja, können sie genutzt werden?
Sprechen Sie auch die Angelvereine an. Vielleicht kann man ja gemeinsam die Passierbarkeit der Hindernisse untersuchen oder Maßnahmen zur
Verbesserung in Gang setzen.
Grundwasser
Entsprechend den Definitionen der WRRL sind für das Grundwasser (nur) der gute chemische und der gute mengenmäßige Zustand zu erreichen. Anders als bei den Oberflächengewässern werden hier in der Bestandsaufnahme Ist-Zustand und Belastungsanalyse miteinander verschnitten. In den Karten dieses Kapitels werden für bestimmte Fragestellungen flächendeckend Belastungen für Grundwasserkörper in die Karten eingetragen. Dies ist noch
keine Bewertung im Sinne der Bestandsaufnahme, diese erfolgt erst im nachfolgenden Kapitel.
"Belastung mit" führt nicht zwingend zu der Einstufung "Zielerreichung
gefährdet". Machen Sie sich unbedingt ein eigenes Bild vom Gefährdungsgrad und ziehen Sie bei Ihren Anforderungen an den Grundwasserzustand die Daten aus diesem Kapitel heran.
Zur Prüfung des chemischen Zustands werden punktuelle Belastungsquellen (vor allem Altlasten), diffuse Quellen (Auswirkungen der Besiedlung und Landwirtschaft) sowie gegebenenfalls weitere anthropogene Einwirkungen (meist auffällige chemische Befunde) untersucht.
Für die punktuellen Belastungen wurde ein Kataster grundwasserrelevanter Schadstoffquellen herangezogen. Es enthält vor allem Altlastenstandorte, Unfallorte und andere langfristige Einträge wassergefährdender Stoffe. Alle Orte werden in einer Karte dargestellt, konkrete Angaben zu den Belastungen sind jedoch nicht zugänglich.
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Das Vorhandensein solcher Standorte führt jedoch nicht zwingend dazu, dass sie für die
Zustandsbewertung von Bedeutung (signifikant) sind. Dies ist nach der Bestandsaufnahme
erst dann der Fall, wenn mehr als ein Drittel der Fläche (!) des Grundwasserkörpers von solchen Standorten überdeckt ist.
Die Bewertung der punktuellen Quellen (Altlasten, Unfälle, ...) führt meist
nicht zu einer Einstufung des Grundwasserkörpers als gefährdet.
Die WRRL kann damit nicht als "Hebel" für Sanierungsforderungen herangezogen werden. Sie sollten jedoch darauf achten, ob es nicht eine direkte Auswirkung auf ein Fließgewässer oder ein grundwasserabhängiges
Ökosystem gibt.
Für den chemischen Zustand des Grundwassers spielen vor allem die Belastungen aus diffusen Quellen eine große Rolle. Als wesentliche Eintragspfade werden Siedlungsflächen (zum
Beispiel defekte Kanalisationen) und die landwirtschaftliche Nutzung (Nährstoffe, Pflanzenschutzmittel) ausgemacht. Für die Einflüsse aus Siedlungsbereichen spielt auch hier der Flächenbezug eine ausschlaggebende Rolle. Erst wenn mehr als ein Drittel des Grundwasserkörpers von Siedlungsfläche überdeckt ist, wird eine mögliche Gefährdung angenommen. Die
lokalen Auswirkungen, zum Beispiel auf die Trinkwasserversorgung bestimmter Räume, werden damit in vielen Fällen nicht durch die Anwendung der WRRL berücksichtigt.
Die Auswirkungen der Landwirtschaft werden zurzeit nur auf den Eintrag von Nitrat geprüft. In NRW kommen dabei direkte und indirekte Bewertungsverfahren zum Einsatz. Im
ersten Fall werden die Nitratkonzentrationen in den Grundwassermessstellen ausgewertet.
Ab einem Mittelwert von 25 mg/l gilt eine Gefährdung des chemischen Zustands als gegeben. Zusätzlich wird der durchschnittliche Stickstoffauftrag aus organischem Dünger (vor
allem Gülle!) betrachtet. Überschreitet dieser 170 kg/Jahr, wird ebenfalls eine Gefährdung
des chemischen Zustands angenommen. Die Grundlage für diese Vorgehensweise liegt in den
Anforderungen der Nitratrichtlinie. Andere Bundesländer haben sich für andere Formen der
Bewertung entschieden.
Die Anforderungen an den Nährstoffeintrag haben in der Bestandsaufnahme 2004 dazu
geführt, dass für den größten Teil der Grundwasserkörper eine Gefährdung des chemischen
Zustands angenommen wird. Mittlerweile (2006) zeichnet sich ab, dass es mit der Vorlage
der Bewirtschaftungspläne zu einer drastischen Veränderung kommen wird. Der Entwurf der
Grundwasserrichtlinie sieht einen Grenzwert für den Nitratgehalt von 50 mg/l vor. Maßnahmen gegen eine Zunahme bis zu diesem Wert (Trendumkehr) müssen erst bei Konzentrationen von über 37,5 mg/l (75% des Grenzwerts) erfolgen. Wird die Richtlinie so verabschiedet, wird dies zu massiven Veränderungen in der Bewertung der Grundwasserkörper
führen.
Im Zuge der Überarbeitung der Grundwasser-Tochterrichtlinie wird sich
voraussichtlich die Bewertungsgrundlage ändern. Ein Nitrat-Grenzwert
von 50 mg/l lässt die Zahl der gefährdeten Gebiete drastisch sinken.
Relevant wird diese Änderung bei der Erstellung der Bewirtschaftungspläne. Sprechen Sie diese Veränderungen in Ihrer Stellungnahme an,
wenn es dadurch zu einer Verringerung der als gefährdet eingestuften
Grundwasserkörper kommt.
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Ob das in NRW herangezogene Kriterium des Stickstoffauftrags erhalten bleibt, ist ebenfalls
noch nicht abzusehen. Die Umsetzung der Nitratrichtlinie in deutsches Recht (Düngeverordnung des Bundes) sieht zurzeit vor, dass für bestimmte Nutzungsformen noch höhere Stickstoffmengen (bis 240 kg/ha/Jahr) zulässig sind.
Weitere chemische Belastungen, die nicht eindeutig punktuellen oder diffusen Quellen zugeordnet werden können, werden im Abschnitt "Andere Belastungen" zusammengefasst.
Auffällig sind vor allem viele Belastungen durch Ammonium, die in der Regel immer auf
Einträge aus der Landwirtschaft zurückzuführen sind. Da Ammonium eigentlich gut von
Pflanzen aufgenommen und auch schnell im Boden abgebaut wird, kann man annehmen,
dass es vor allem aufgrund überhöhter Düngemengen in den Untergrund gelangt ist.
Diese sonstigen Belastungen werden in einer Tabelle beschrieben und diskutiert. Achten Sie
darauf, dass viele Belastungen für die Bewertung nach WRRL keine Rolle spielen, da Sie als
"lokal" eingestuft werden. Auch hier spielt die Größe der Grundwasserkörper leider eine negative Rolle. Dazu kommt, dass manche Belastungen nur durch wenige Messstellen repräsentiert werden. Hier sollten Sie prüfen, ob diese Fälle bei der nachfolgenden Bewirtschaftungsplanung überprüft wurden.
Für die Beurteilung der mengenmäßigen Belastung der Grundwasserkörper wurden die
Messergebnisse aus den Messstellen des Landesgrundwasserdienstes ausgewertet. Auch
Daten Dritter können einfließen, zum Beispiel aus dem Erftverband, der für sein Gebiet pauschale Daten zur Verfügung stellte. Die Darstellungen in den Ergebnisberichten sind stark
komprimiert, so dass Sie gegebenenfalls auch in die Dokumentation der wasserwirtschaftlichen Grundlagen (vgl. Seite 6) sehen sollten. Dort finden Sie ausführlichere Wasserbilanzen.
Zur Bewertung wurden die Grundwasserganglinien einer Trendanalyse unterzogen. Die WRRL
sieht vor, dass bei einem dauerhaft sinkenden Grundwasserstand (-1cm/Jahr), Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen. Solche Messstellen sind in den Karten orange eingefärbt.
Messstellen mit gleich bleibendem oder positivem Trend sind grün. Beachten Sie, dass auch
hier eine "Mittelung" über den gesamten Grundwasserkörper erfolgt. Lokale Veränderungen
haben daher auch hier meist keinen Einfluss auf die Gesamtbewertung. Allerdings sind für
den guten mengenmäßigen Zustand weitere Bedingungen zu erfüllen:
Grundwasserabhängige Landökosysteme, zum Beispiel Feuchtwiesen und Bruchwälder und
direkt abhängige Gewässer, wie Quellbäche oder grundwasserabhängige Bäche im Flachland, dürfen durch sinkende Grundwasserspiegel nicht gefährdet werden. Bedenken Sie aber, dass diese Belastungen erst seit 2000 mit Inkrafttreten der Richtlinie berücksichtigt
werden.
Örtliche Wasserentnahmen haben meist keinen Einfluss auf den mengenmäßigen Zustand des (gesamten) Grundwasserkörpers. Prüfen Sie aber, ob
es durch sinkende Grundwasserstände zu Veränderungen an Feuchtgebieten oder Quellen kommt. Seit 2000 dürfen hier keine neuen Belastungen
hinzukommen.
Auf der Karte der mengenmäßigen Belastungen (K 3.2-3) können Sie die lokalen Trends in
der Entwicklung der Grundwasserstände erkennen. Eine Häufung der orangefarbenen Punkte
zeigt, wo Sie besonders aufpassen müssen. Für einige Bereiche in NRW gilt es, noch eine
Besonderheit zu beachten: In Bergsenkungsgebieten kommt es ebenfalls zu massiv ne-
21
gativen Trends. Diese sind allerdings auf die Senkung des gesamten Gebietes, bezogen auf
Normal-Null (NN) zurückzuführen. Durch zuströmendes Grundwasser kann es in diesen tief
liegenden Gebieten zu Wasserständen kommen, die oberflächennah oder gar über der Oberfläche liegen. In solchen Gebieten muss das Wasser in die Vorfluter gepumpt werden. Insbesondere Auswirkungen auf grundwasserabhängige Ökosysteme lassen sich daher aus den
Karten nicht ablesen.
3.4 Auswirkungen der menschlichen Tätigkeiten und
Entwicklungstrends (Kapitel 4)
Dies ist das entscheidende Kapitel der Bestandsaufnahme, denn hier werden die Daten aus
den vorherigen Kapiteln zu einer vorläufigen Bewertung zusammengefasst. Da die Daten der
Bestandsaufnahme im Wesentlichen nicht nach wasserrahmenrichtlinien-konformen Methoden erhoben wurden, gibt es noch keine Einstufung in die Zustandsskala nach WRRL.
Stattdessen wird "abgeschätzt", mit welcher Wahrscheinlichkeit es nach dem Kenntnisstand
von 2004 möglich ist, dass die jeweiligen Wasserkörper einen guten Zustand nach den Vorgaben der Richtlinie erreichen. Das dazu angewendete Verfahren wird in der Einleitung zu
diesem Kapitel sehr ausführlich und gründlich beschrieben.
Oberflächengewässer
Für die Bewertung werden alle vorhandenen Informationen und Untersuchungsergebnisse
drei Zustandsklassen zugeordnet:
Zielerreichung wahrscheinlich
Zielerreichung unklar
Zielerreichung unwahrscheinlich
Die umfangreichen Tabellen in diesem Kapitel zeichnen ein differenziertes Bild, welche Faktoren zu der integrierten Bewertung eines Wasserkörpers beigetragen haben. Insbesondere
diese Tabellen werden bei der Aufstellung der Maßnahmenplanung herangezogen werden
müssen, um die passenden Maßnahmen für den einzelnen Wasserkörper auszuwählen.
Am Fuß dieser Tabellen ist auch bereits die integrale Gesamtbewertung der Wasserkörper
aufgeführt, die auch in den Karten und Abbildungen am Ende dieses Abschnitts dargestellt
wird. Sehr eindeutig lässt sich hier ablesen, dass in vielen Fällen die Gewässerstruktur zu
einer negativen Gesamtbewertung geführt hat. Aber auch chemische Defizite sind an vielen
Gewässern noch vorhanden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die zahlreichen
grauen Bereiche (Zielerreichung unklar), die besonders bei den chemischen Parametern, aber
auch der Fischfauna ins Auge fallen.
Schon jetzt kann man aus der Einstufung der einzelnen Gewässerkörper erste Vermutungen
über den Maßnahmenbedarf und das weitere Vorgehen im Rahmen des ersten Bewirtschaftungsplans ableiten:
Zielerreichung wahrscheinlich (grün)
lässt vermuten, dass an diesen Gewässern voraussichtlich keine Maßnahmen stattfinden
werden. Im Rahmen des Monitorings werden an diesen Strecken wahrscheinlich nur so
viele Parameter untersucht, wie für eine WRRL-konforme Zustandseinstufung nötig sind.
Hier ist besonders auf die Ergebnisse der biologischen Untersuchungen zu achten.
Entscheidend wird dabei sein, ob diese Wasserkörper die Anforderungen für den guten
22
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
ökologischen Zustand sicher erfüllen. Liegen die Ergebnisse an der unteren Grenze, ist
zu befürchten, dass bei neuen Belastungen schnell das Verschlechterungsverbot verletzt
wird.
Daher ist bei diesen Gewässern besonders wichtig, ob wirklich alle Belastungen berücksichtigt werden. Gibt es hier neue Einflüsse, zum Beispiel Baugebiete in der Aue oder
Einleitungen sollten spätestens bei der Bewirtschaftungsplanung berücksichtigt werden.
Zielerreichung unwahrscheinlich (rot)
bedeutet nicht, dass diese Gewässer bereits hoffnungslos zerstört sind. Maßnahmenbedarf ist aber aus unserer Sicht in jedem Fall gegeben. Das Monitoring fällt hier meist
umfangreicher aus, damit die Basis für die Maßnahmenplanung erweitert und der
Zustand dokumentiert wird. Es ist aber nicht auszuschließen, dass durch die geänderten
Bewertungsverfahren auch eine Verbesserung möglich ist.
Das Land hat im Jahr 2006 beschlossen, die Einstufung der Gewässer als "erheblich verändert" zu überarbeiten. Daher ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Gewässer mit
strukturellen Defiziten in diese Kategorie eingestuft werden und dass damit verringerte
Umweltziele gelten. In diesem Fall sind im Rahmen der Bewirtschaftungsplanung die
übrigen Parameter (zum Beispiel chemische Belastungen) besonders zu beachten, denn
diese sind in jedem Fall zu verbessern.
Zielerreichung unklar (grau)
zeigt an, dass für diese Gewässer nicht genug Daten für eine verlässliche Einstufung vorlagen. In den nächsten Jahren müssen diese Gewässer intensiv untersucht werden. In
vielen Fällen dürfte auch hier Handlungsbedarf gegeben sein. Prinzipiell bestehen
bezüglich des weiteren Vorgehens die gleichen Bedenken wie bei der Einstufung
"Zielerreichung unwahrscheinlich". Auch hier muss bei neuen Belastungen besonders
darauf geachtet werden, dass das Verschlechterungsverbot nicht verletzt wird.
3.5 Erheblich veränderte und künstliche Gewässer
(Unterkapitel 4.2.3 und 4.2.3)
Die Ausweisung künstlicher und erheblicher veränderter Gewässer ist von großer Bedeutung
für die zukünftige Maßnahmenplanung. Es ist damit zu rechnen, dass bei als "erheblich verändert" eingestuften Gewässern die mangelhafte Gewässerstruktur über lange Zeit erhalten
bleibt (vergleiche auch Kapitel "Von Landschaften und Typen" in diesem Handbuch).
Bei der Ausweisung der erheblich veränderten Gewässer in der Bestandsaufnahme von 2004
ist darauf zu achten, dass die in NRW gewählten Kriterien von denen der WRRL abweichen.
Bewertet wurden vor allem die tatsächlichen hydromorphologischen Veränderungen (Faustformel: Gewässerstrukturgüte > 5) in Kombination mit einer Bewertung der Irreversibilität.
Dabei wurden nur "harte" Einschränkungen wie Bebauungen, Verkehrsflächen oder die Nutzung als Schifffahrtsrinne als unveränderbar angenommen. Einschränkungen der Nutzung
(vor allem der Landwirtschaft) wurden nicht berücksichtigt. Dies hat aus Sicht der Naturschutzverbände zu einer begrüßenswerten Reduktion des Anteils erheblich veränderter Gewässer geführt. Dennoch fallen in ganz NRW bereits mehr als 20% der Fließstrecken in diese Kategorie.
Im Jahr 2006 hat das Land beschlossen, die Einstufung zu überarbeiten und die Nutzungen
zu berücksichtigen. Bis zur Drucklegung dieses Handbuchs sind die genauen Kriterien und
23
ihre Auswirkungen jedoch noch nicht bekannt. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass insbesondere im Tiefland der Anteil erheblich veränderter Gewässer massiv ansteigt.
Die Einstufung als erheblich verändertes Gewässer ist kein Freibrief. An
ihnen müssen alle Maßnahmen zur Verbesserung des Zustands durchgeführt werden, die die Nutzung nicht signifikant beeinträchtigen. Auch
unterliegen sie natürlich dem Verschlechterungsverbot der WRRL.
Einfacher ist es bei den künstlichen Gewässern. Hier gilt die Faustformel: "Künstliche Gewässer liegen an Stellen, an denen es zuvor keinen Wasserkörper gegeben hat." Unter diese
Kategorie fallen somit in jedem Fall die Schifffahrtskanäle und Entwässerungsgräben, aber
nicht die Gewässer, die (wenn auch vor langer Zeit) verlegt oder begradigt wurden.
Grundwasser
Die Bewertung der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen fällt verhältnismäßig knapp
aus. Auch hier wird nur eine Wahrscheinlichkeit angegeben: "Zielerreichung wahrscheinlich" oder Zielerreichung unwahrscheinlich". Allerdings ist die Einstufung hier schon mit
einer klaren Handlungsperspektive verbunden, die kritisch gewertet werden muss:
Zielerreichung wahrscheinlich
Hier ist für die Zukunft "nur noch" ein Überblicksmonitoring vorgesehen, das eine vergleichsweise geringe Dichte aufweist. Damit ist eine weitere Aufklärung der Bedenken,
wie sie für verschiedene Grundwasserkörper bestehen, sehr unwahrscheinlich.
Zielerreichung unwahrscheinlich
Der Ansatz, diese Wasserkörper einem intensiven Monitoring zu unterziehen, ist richtig.
Wünschenswert aus unserer Sicht ist, dass dieses Monitoring auch dann durchgeführt
wird, wenn sich die Bewertungsgrundlagen aus politischer Sicht ändern. Dies gilt insbesondere für die Nitratbelastung, die bei Inkrafttreten der Grundwassertochterrichtlinie
(vgl. S. 20) möglicherweise neu bewertet wird.
Eine ausführliche Diskussion der in der Bestandsaufnahme diskutierten Grundwasserbelastungen haben wir schon im vorherigen Kapitel (ab Seite 19) vorgenommen. Im Vergleich zwischen den Karten zur Zielerreichung und den Karten der dokumentierten Belastungen fällt
auf, dass diese Karten in vielen Fällen voneinander abweichende Bewertungen zeigen. Dies
ist auf die Bewertungskriterien zurückzuführen, die in der Vorrede des Kapitels dokumentiert
werden. So spielt bei der Bewertung des mengenmäßigen Zustands auch die wasserwirtschaftliche Bedeutung (Wird hier Trinkwasser entnommen? Wie ergiebig sind die
Grundwasserleiter?) eine zusätzliche Rolle. Auch der bereits angesprochenen Flächenbezug
(vgl. Seite 20) der Belastungen führt oft dazu, dass Grundwasserkörper insgesamt positiv
eingeschätzt werden.
Ausdrücklich wurde die Beeinträchtigung grundwasserabhängiger Biotope (siehe unten)
nicht in die Bewertung des mengenmäßigen Zustands aufgenommen. Hier wird auf das kommende Monitoring verwiesen. Die Einhaltung dieses Kriteriums muss bei der Prüfung der
Bewirtschaftungspläne deshalb sorgfältig überprüft werden.
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Bei Grundwasserkörpern mit der Einstufung "Zielerreichung wahrscheinlich" ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Hier sollten Sie in der
Stellungnahme zum Bewirtschaftungsplan gegebenenfalls ausdrücklich
auch auf lokale Probleme (Altlasten, Wasserentnahmen) hinweisen. Sammeln Sie vor allem auch Hinweise auf Belastungen grundwasserabhängiger Biotope durch Wasserentnahmen.
3.6 Verzeichnis der Schutzgebiete (Kapitel 5)
Dieser Teil der Bestandsaufnahme hat ausschließlich beschreibenden Charakter und wird
nicht zur Bewertung der Gewässer herangezogen. Erst für die Bewirtschaftungsplanung werden einige der hier dargestellten Informationen relevant, vor allem bei der Beurteilung des
Grundwasserzustands. Die Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass es durch Entnahme
oder Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser nicht zur signifikanten Beeinträchtigung wasserabhängiger Land-Ökosysteme (zum Beispiel Bruchwälder, Feuchtwiesen, Quellen) kommen darf. Leider sind in der Karte 5.5-1 nur die wasserabhängigen FFH- und Vogelschutzgebiete verzeichnet. Darüber hinaus gelten die Vorschriften der WRRL, aber auch für
alle übrigen grundwasserabhängigen Ökosysteme. Diese sind in der Regel alle im Biotopkataster erfasst und zum Teil auch als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Beachten Sie, dass
nur die nach 2000 eingetretenen Beeinträchtigungen berücksichtigt werden, und auch dies
nur dann, wenn sie auf eine signifikante Entnahme, zum Beispiel durch ein Wasserwerk,
zurückzuführen sind.
Als grundwasserabhängiges Ökosystem wird ein Lebensraum bezeichnet,
bei dem die Existenz typischer Lebensgemeinschaften von einem oberflächennahen Grundwasserstand abhängig ist.
Die Schädigung eines grundwasserabhängigen Ökosystems ist als signifikant zu bewerten, wenn die Gefahr besteht, dass aufgrund der anthropogenen Veränderung des Grundwasserzustands der zuvor erfasste
Biotoptyp als solcher nicht erhalten bleibt.
Sind Ihnen lokale Schädigungen solcher Gebiete durch Wasserentnahmen bekannt, sollten
Sie die zuständigen Behörden darauf hinweisen.
Ein umfangreiches Forschungsprojekt zum Thema grundwasserabhängige
Ökosysteme hat der Erftverband durchgeführt. Die Projektberichte finden
Sie unter:
http://www.erftverband.de/projekte/pro_forschung/lawa/lawa.shtml
Aufschluss über die Behandlung von Feuchtgebieten im Rahmen der
WRRL finden Sie auch in einem speziellen CIS-Guidance "Wetlands". Die
deutsche Fassung finden Sie hier:
http://www.umweltdaten.de/wasser/Feuchtgebiete_WRRL_Endfassung
_deutsch.pdf
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3.7 Mitwirkung der Öffentlichkeit (Kapitel 6)
Die in diesem Kapitel zusammengestellten Informationen entsprechen dem, was Sie auch in
unserem Handbuch finden. Aus der Sicht der Naturschutzverbände haben allerdings die Aktivitäten, seitens des Landes und der Geschäftsstellen über Wasserrahmenrichtlinie zu informieren, deutlich abgenommen. Zurzeit (2006) findet im Wesentlichen nur eine Beteiligung der Fachöffentlichkeit statt.
3.8 Ausblick (Kapitel 7)
Dieses Kapitel enthält auf einer Seite keine wesentlichen Informationen.
4
Alles im grünen Bereich?
Mit Blick auf die integrierten Zustandsbewertungen der Fließgewässer muss diese Frage eindeutig mit "Nein" beantwortet werden. Zu viele Gewässer verfehlen zum jetzigen Zeitpunkt
die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie, auch wenn dies in vielen Gewässern "nur"
auf einzelne Faktoren - vor allem die Gewässerstruktur - zurückzuführen ist. Die Erfolge bei
der Verbesserung der Kläranlagentechnik und der Verminderung chemischer Belastungen
können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die naturnahe Gestaltung vieler Gewässer mittlerweile verlorengegangen ist. Inwiefern dies die zukünftige Bewertung der Gewässer nach
WRRL-konformen Verfahren und Kriterien beeinflusst, kann nicht vorausgesagt werden.
Abzusehen ist, dass in den nächsten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Zustand der Fließgewässer zu verbessern. Daher ist zu befürchten, dass
es verstärkte Bemühungen geben wird, diesen Aufwand bereits im Vorfeld zu minimieren. Ein
Weg, der sich schon jetzt (2006) abzeichnet, ist die Ausweisung erheblich veränderter
Gewässer. Vorreiter sind hier einige Nachbarländer, vor allem Niedersachsen und die Niederlande. Nordrhein-Westfalen wird sich hier anpassen und die Anteile vor allem in den
Tieflandregionen deutlich erhöhen. Weitere Probleme gehen vom kommenden MonitoringProzess aus, an dessen Ende die Zustandseinstufung steht. Hier wird es vor allem darauf
ankommen, in welcher Weise punktuelle Ergebnisse (aus den Messstellen) in geeigneter
Form auf den gesamten Wasserkörper übertragen werden. Es besteht wie beim Grundwasser
zukünftig die Gefahr, dass Belastungen weggemittelt werden.
Auch für das Grundwasser bleiben aus Sicht des Naturschutzes zum Teil mehr Aufgaben, als
die Einschätzungen der Bestandsaufnahmen erwarten lassen. Wie bereits dargestellt, führen
vor allem die immer noch großen Flächen dazu, dass viele Belastungen sich nicht in der Bewertung der gesamten Wasserkörper niederschlagen. Damit verbleibt die Verantwortung, auf
lokale Probleme aufmerksam zu machen und gegebenenfalls für Veränderungen zu sorgen,
weiterhin ein Teil der lokalen Arbeit der Naturschutzgruppen.
Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit den kommenden Bewirtschaftungsplänen
bleibt in jedem Fall die Beschäftigung mit der Bestandsaufnahme. Diese Daten sind an die
EU-Kommission gemeldet und alle zukünftigen Änderungen der Bewertungen müssen sich
daran messen lassen.
Die nachfolgende Checkliste fasst wichtige Fragen zusammen und gibt Anregungen für die
weitere Arbeit.
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
Checkliste
Ist die Einstufung "Zielerreichung wahrscheinlich" aus Ihrer Sicht
richtig?
Sind die Einleitungen vollständig erfasst? Gibt es Gewässerabschnitte, die durch intensive Land- oder Forstwirtschaft beeinträchtigt werden?
Altlasten wie Deponien und Firmengelände belasten die Gewässer.
Kennen Sie Standorte, die nicht in den Karten verzeichnet sind?
Werden in der Karte alle bekannten Stauanlagen dargestellt?
Die Bestandsaufnahme wurde Mitte 2004 abgeschlossen. Gibt es
seitdem neue Belastungen?
Sind alle Schutzgebiete dokumentiert? Gibt es Feuchtgebiete, die
durch sinkende Grundwasserstände gefährdet sind?
Hat es bei Ihnen in letzter Zeit Fischsterben oder auffällige
Ereignisse (Schmutzwasser, Schaumbildung) auf den Gewässern
gegeben?
Gibt es Bereiche, die nicht als "erheblich verändert" eingestuft werden sollten?
5
Die wirtschaftliche Analyse ein besonderer Teil der Bestandsaufnahme
Die Wasserrahmenrichtlinie fordert neben der Betrachtung der biologischen und chemischen
Zustände auch die Berücksichtigung wirtschaftlicher Faktoren. Damit sollen vor allem zwei
Anforderungen erfüllt werden:
Zum einen soll zukünftig der verantwortungsvolle Umgang mit dem Wasser auch durch
finanzielle Anreize gelenkt werden. Dafür sind angemessene und kostendeckende Preise
für die sogenannten Wasserdienstleistungen und Wassernutzungen erforderlich. Diese
sollen nicht nur die Kosten für technische Schritte wie Wasseraufbereitung,
Weiterleitung oder Abwasserbehandlung enthalten, sondern auch die Auswirkungen der
Wassernutzung auf die Umwelt enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Schädigungen der
Schutzgebiete oder die Kosten bei einer langfristigen Gefährdung von Süßwasserreserven (Umwelt- und Ressourcenkosten).
Zum anderen müssen die wirtschaftlichen Auswirkungen der zukünftigen Bewirtschaftungsplanung und der dazugehörenden Maßnahmen auf die Nutzer quantifiziert werden. Nur so kann geprüft werden, ob es zum Beispiel durch Nutzungseinschränkungen
oder Renaturierungsmaßnahmen zu unverhältnismäßigen Belastungen der Nutzer
kommt.
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WRRL, Art. 9
"Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen
Die Mitgliedstaaten berücksichtigen unter Einbeziehung der wirtschaftlichen Analyse gemäß Anhang III und insbesondere unter Zugrundelegung
des Verursacherprinzips den Grundsatz der Deckung der Kosten der
Wasserdienstleistungen einschließlich umwelt- und ressourcenbezogener
Kosten.
Die Mitgliedstaaten sorgen bis zum Jahr 2010 dafür,
dass die Wassergebührenpolitik angemessene Anreize für die Benutzer
darstellt, Wasserressourcen effizient zu nutzen, und somit zu den
Umweltzielen dieser Richtlinie beiträgt;
dass die verschiedenen Wassernutzungen, die mindestens in die
Sektoren Industrie, Haushalte und Landwirtschaft aufzugliedern sind,
auf der Grundlage der gemäß Anhang III vorgenommenen wirtschaftlichen Analyse und unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips
einen angemessenen Beitrag leisten zur Deckung der Kosten der
Wasserdienstleistungen.
Die Mitgliedstaaten können dabei den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Kostendeckung sowie die geographischen
und klimatischen Gegebenheiten der betreffenden Region oder Regionen
Rechnung tragen."
5.1 Ziele der wirtschaftlichen Analyse
Die wirtschaftliche Analyse (WA) soll die notwendigen Daten für die Bewertung ökonomischer Auswirkungen der Wasserrahmenrichtlinie liefern. Für die Phase der Bestandsaufnahme waren dies vor allem Wirtschaftsdaten aus den Einzugsgebieten, wie Bevölkerungszahlen, Einkommensquellen, Struktur der Wirtschaft usw. Dazu kommen Daten über die wichtigsten Wassernutzungen und die Mengen an Wasser und Abwasser. Um die Entwicklung der
nächsten Jahre (bis 2015) abzuschätzen, sollten zusätzlich Trendbetrachtungen durchgeführt werden, die zur Erstellung eines sogenannten Baseline Scenarios dienen.
Inhalte und Vorschläge zur Verfahrensweise für die Wirtschaftliche
Analyse gibt das CIS-Guidance-Dokument: "Economics and the environment"zu finden auf:
http://www.flussgebiete.nrw.de (-> Ergebnisse/Darstellungen >Dokumente)
5.2
Bearbeitung in NRW
Entsprechend der übrigen Bestandsaufnahme sollten auch die wirtschaftlichen Analysen in
den jeweiligen Arbeitsgebieten entstehen. Tatsächlich wurden jedoch die wesentlichen Teile
durch eine zentrale Auswertung auf Landesebene erstellt (Landesumweltamt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik), beziehungsweise
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Kapitel 6: Bestandsaufnahme
Handbuch Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
durch Dritte (Landwirtschaftskammern) zentral erarbeitet. Die Ergebnisse wurden dann den
Geschäftsstellen für eine lokale Überarbeitung zur Verfügung gestellt.
Durch diese Form der Bearbeitung wurden die wirtschaftlichen Analysen erst unmittelbar vor
Ablauf der Bearbeitungsfrist (Ende 2004) fertiggestellt. Im Gegensatz zur übrigen Bestandsaufnahme war vor der Weiterleitung zur EU-Kommision keine Stellungnahme durch Dritte
möglich. Erst Anfang 2006 wurde die wirtschaftliche Analyse veröffentlicht und die
Fachöffentlichkeit um Stellungnahme gebeten. Diese Vorgehensweise wurde allgemein kritisiert und hat aus Sicht der Naturschutzverbände dazu geführt, dass die Qualität der WA
deutlich schlechter ist als die der übrigen Bestandsaufnahme.
Die wirtschaftlichen Analysen finden Sie als eigenständige Datei in der
Online-Version(!) der Ergebnisberichte auf:
http://www.flussgebiete.nrw.de
5.3 Aufgabe erfüllt? Ein Fazit aus Sicht der Umweltverbände
Die Erarbeitung einer wirtschaftlichen Analyse ist sowohl für die Wasserwirtschaft wie auch
für alle anderen Beteiligten weitgehendes Neuland. Obwohl mittlerweile fast in allen Lebensbereichen Daten elektronisch erfasst werden, zeigen die Berichte, dass es eklatante Datenlücken und Probleme bei der Zusammenfassung gibt. Mit den vorliegenden Berichten
konnte die gestellte Aufgabe aus unserer Sicht nicht zufriedenstellend gelöst werden. Dies
sind unsere wichtigsten Kritikpunkte:
Mangel an konkreten Zahlen
Die vorliegende WA ist in vielen Aussagen sehr textlastig, stattdessen fehlen Tabellen
und Abbildungen, mit denen konkrete Daten dargestellt werden. Hier haben die Bearbeiter nicht ausreichend von den Möglichkeiten Gebrauch gemacht, die die CISDokumente empfehlen, insbesondere die Darstellung und Fortschreibung der vorhandenen Zahlen ("business as usual" beziehungsweise "worst-case").
ungenügender Bezug auf das Arbeitsgebiet
Die Betrachtung der konkreten Arbeitsgebiete wird sehr inhomogen gehandhabt.
Insbesondere im Baseline-Scenario ist dies der Fall. Daraus resultiert die Frage, inwieweit die vorliegende Analyse mit den Geschäftsstellen abgesprochen wurde.
Signifikanz
Vielfach wird darauf verwiesen, dass eine Belastung nicht signifikant für das Arbeitsgebiet und damit eine weitere Betrachtung unnötig sei. Aus unserer Sicht kann dies dazu
führen, dass Sachverhalte unterschätzt werden, beziehungsweise dass die Aufstellung
konkreter Maßnahmenpläne erschwert wird.
Letztendlich muss aber im Prinzip jeder Wasserkörper in den guten Zustand versetzt
werden. Damit ist auch immer eine Betrachtung der ökonomischen Auswirkung im lokalen Raum nötig. In jedem Fall ist für jeden Ausschluss eine detaillierte Darstellung der
Signifikanzkriterien notwendig, damit eine spätere Überprüfung möglich ist.
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Eine konkrete Stellungnahme der Umweltverbände zu der wirtschaftlichen Analyse eines Arbeitsgebiets finden Sie im Internet auf:
http://www.wassernetz-nrw.de
In einem internationalen Vergleich hat das Europäische Umweltbüro (EEB) die wirtschaftlichen Analysen in verschiedenen Flussgebieten Europas verglichen und bewertet. Dabei sind
die meisten der oben angesprochenen Mängel auch in anderen Ländern zu finden. Insbesondere moniert das EEB die enge Auslegung des Begriffs der Wasserdienstleistungen und
hat deshalb im Sommer 2006 eine EU-Beschwerde veranlasst.
EEB (2006): Making economics work for the environment
http://www.eeb.org/activities/water/200605-EEB-WWF-snapshot-IIIWFD-economics.pdf
6
Nach der Bestandsaufnahme die nächsten Schritte
Die Bestandsaufnahme hat trotz der Fülle an vorliegenden Daten erhebliche Informationsdefizite deutlich gemacht. Eine Einstufung der Gewässer und des Grundwassers in die von
der WRRL vorgesehenen Zustandsklassen war damit nicht möglich. Insbesondere bei der biologischen Bewertung müssen die endgültigen Verfahren noch entwickelt und angewandt
werden.
Die Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass alle Verfahren bis Ende 2006 einsatzbereit sein
müssen. Im Laufe von ca. zwei Jahren müssen dann alle Wasserkörper zumindest so weit
untersucht sein, dass eine Einstufung des Zustands möglich ist. Zusammen mit der fortgeschriebenen wirtschaftlichen Analyse liefert dieses Monitoring außerdem die notwendigen
Hinweise, welche Maßnahmen zur Erreichung des guten Zustands nötig sind.
Ende 2008 sollten daher zusammen mit dem Entwurf der Bewirtschaftungspläne überarbeitete Fassungen der Bestandsaufnahmen vorgelegt werden. Im Rahmen der vorgeschriebenen
Öffentlichkeitsbeteiligung haben wir anschließend sechs Monate Zeit, uns zu diesen Unterlagen zu äußern. Angesichts der Fülle an Daten ist diese Zeit sehr kurz während die Festlegungen aus den Plänen anschließend für lange Zeit die Richtschnur für das Handeln der
Behörden darstellen.
Es ist zu erwarten, dass für die Bewirtschaftungspläne in großem Umfang auf die bereits
jetzt vorliegenden Daten zurückgegriffen wird. Vor besonderer Bedeutung wird es aber sein,
zu überprüfen, wie sich die Einschätzungen gegenüber 2004 verändert haben und ob dies
möglicherweise auf politische Vorgaben zurück zu führen ist. Wir haben ja bereits an einigen Stellen in diesem Text darauf hingewiesen. Eine weitere wichtige Aufgabe wird es sein,
schon jetzt anhand der vorliegenden Informationen eigene Vorstellungen zum zukünftigen
Zustand der Gewässer zu entwickeln. Nur so wird es möglich sein, im Rahmen der Stellungnahmen Schwachpunkte in der Maßnahmenplanung aufzudecken und eigene konstruktive
Ideen einzubringen.
Die Naturschutzverbände in NRW werden die Entwicklung weiterhin kritisch begleiten. Es ist
geplant, Informationen zu den kommenden Umsetzungsschritten ebenfalls in dieses
Handbuch aufzunehmen. Aktuelle Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage
www.wassernetz-nrw.de.
30
Kapitel 6: Bestandsaufnahme
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