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Klimawandel und kapitalistische Krise und was macht - Nadir.org

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Klimawandel und kapitalistische Krise ­ und was macht die radikale Linke?
Mobilisierungsveranstaltung mit dem Schwerpunkt Klimawandel und industrielle Landwirtschaft
Spätestens seit dem G 8 in Heiligendamm ist der Klimawandel in aller Munde. Kanzlerin Merkel hat sich dort zur obersten Klimaschützerin aufgeschwungen und blumenreiche Absichtserklärungen über die Reduzierung des CO­ 2 Ausstoßes verkündet. Politiker_innen und Manager_innen aus aller Welt blasen in das selbe Horn und warnen vor den verheerenden Folgen des Klimawandels. Die Medien sind voll mit Berichten über die Gletscherschmelze, über den Anstieg der Weltmeere, über die neuen Klimaflüchtlinge, über die Zunahme des Hungers – der Klimawandel scheint für fast alle Horrorszenarien zuständig zu sein. Die Verursacher_innen für diese Misere sind dabei schnell ausgemacht: “es ist der Mensch”, “wir alle sind verantwortlich”, heißt es gleichlautend von den Meinungsmacher_innen. Doch ist dem wirklich so? Auffallend bei der Debatte ist, dass die globalisierte Weltwirtschaft nicht als Verursacherin vorkommt. Dabei ist der Energie­ und Rohstoffverbrauch weltweit in den letzten Jahren genauso schnell gestiegen wie die Profite für die großen multinationalen Konzerne, nämlich ins Unermessliche! Die Verlagerung ganzer Fabriken nach Indien oder China, die Produktion von agrarischen Rohstoffen wie Gensoja oder Palmöl auf gerodeten Urwaldböden tragen ebenso zur Klimaveränderung bei wie die explosionsartgie Zunahme des Weltschiffsverkehrs oder des Flugzeugverkehrs. Doch an dieser Produktionsweise wollen Politiker_innen und Manager_innen nicht rütteln. Solange an der Vorherrschaft des Kapitals aber sich nichts ändert, ist der Absturz vorprogrammiert. Die überkommenen Strukturen mit einer veralteten Produktionstechnologie werden viele Konzerne in die Krise stürzen. Zu dem Thema Klimawandel hat sich die radikale Linke bisher kaum geäußert. Erst neuerdings gibt es eine linksradikale Kritik wenigstens an der Agro­Gentechnik, inzwischen auch ganz praktisch in Form von Feldbefreiungen bzw. ­zerstörungen. Besonders in diesem Jahr, und immer häufiger auch bezogen auf die Agrar­Konzerne. Daran wollen wir anknüpfen: Im Hamburger Hafen sind zahlreiche Lagerhäuser und Fabriken der großen Multis. Die wollen wir besuchen, mit vielfältigsten Aktionen dort unseren Protest und Widerstand im Rahmen des Aktionscamps deutlich machen.
Klimawandel und Landwirtschaft
Wir wollen auf der Veranstaltung für die Beteiligung an dem Aktionscamp Mitte August in Hamburg werben. Es soll um den Zusammenhang von Klimawandel, Globalisierung und Rassismus gehen. Vor allem wollen wir werben für den Aktionstag gegen die industrielle Landwirtschaft. Im Hamburger Hafen steht die derzeit größte Biodieselraffinerie Europas. Diese wird betrieben von dem zweitgrößten Agrarhandelskonzern der Welt: Archer Daniels Midland (ADM). Hier wird Gensoja aus Südamerika und Palmöl von den gerodeten Urwaldflächen Indonesiens für die deutschen Autos verarbeitet. Während des Aktionscamps wollen wir diese Raffinerie blockieren aus Protest gegen die weltweite, kapitalistische Zurichtung der Landwirtschaft. Agrofuels und Biodiesel bedeuten die Herrschaft einiger weniger Konzerne und von ein paar tausend Großbauern – auf Kosten von Millionen Kleinbäuer_innen und erhöhter Lebensmittelpreise.
Desweiteren wollen wir die Frage beantworten was die industriellen Landwirtschaft mit Klimawandel, Agrofuels und Hunger zu tun hat?
Die industrielle Landwirtschaft ist durch den massiven Düngemittel­ und Pestizideinsatz zu einem erheblichen Anteil an der Erderwärmung beteiligt. Die Großplantagenwirtschaft mit der Tendenz zur Monokultur sichert den Großgrundbesitzern hohe Profite. Die Vormachtstellung der Agrochemie wie BASF, Bayer Crop Science, Syngenta, Monsanto, Dupont und der Handelsmultis wie Archer Daniels Midland, Chargill, Bunge und die der Lebensmittelmultis wie Wal­Mart, Metro, Carre Four oder Nestle hat eine hochgradige Abhängigkeit der bäuerlichen Landwirtschaft von diesen Konzernen hervorgerufen und zugleich Hunger und Unterernährung besonders auf dem Lande im Trikont zugespitzt.
Die Machtkonzentration in der Agrokraftstoffindustrie ist atemberaubend. In den letzten vier Jahren haben sich die Investitionen im Bereich der Agrokraftstoffe verachtfacht. Zu den Privatinvestitionen kommen Milliarden an öffentlichen Subventionen für Forschung und Entwicklung. Hinter den Kulissen schmieden riesige Öl­, Getreide­, Auto­ und Gentechnologiekonzerne machtvolle Allianzen: ADM und Monsanto; Chevron und VW; BP, DuPont und Toyota. Diese Firmen kontrollieren die Erforschung, die Produktion und die Vertriebsketten der Nahrungsmittel­ und Kraftstoffsysteme.
In den letzten fünf Jahren sind aus vielen Großbauern “Energiewirte” geworden. Sie produzieren auf riesigen Flächen die Rohstoffe für die Agrofuels. In den USA ist das besonders Mais, in Südamerika Zuckerrrohr und Gensoja, in Indonesien Palmöl und in Europa Raps. Der industrielle Anbau auf Monokulturen beschleunigt die Vergiftung der Böden und des Grundwassers, das sind insbesondere Düngemitel­ und Pestizidrückstände. Die CO2­ Bilanz der industriellen Herstellung von Biodiesel durch Agrofuels ist vernichtend. Es wird bei den meisten Rohstoffen sogar mehr CO2 als bei der herkömmlichen Ölgewinnung produziert. Die Nahrungsmittel­Konsumgewohnheiten werden durch die großen Lebensmittelmultis gelenkt. Der Trend geht hin zu Milchprodukten und erhöhtem Fleischkonsum. Das wiederum befördert die weitere Industrialisierung der Landwirtschaft, mit entsprechender Spezialisierung und Monokulturanbau (z. B. beim Futtermittel). Und zusätzlich eine erhöhte Methanemission durch die Millionen von Rindern, was wiederum die Erderwärmung deutlich erhöht.
Eine klimaschonende Landwirtschaft hat zur entscheidende Voraussetzung die Abkehr von dem auf Kohlenstoff basierenden Düngemittel­ und Pestizideinsatz. Damit wären solche Konzerne wie BASF, ADM oder Monsanto aus dem Spiel. Der freie und ungehinderte Zugang zu Saatgut und Wasser ist für die Bäuer_innen unabdingbar. Ökologisch sinnvoll wäre auch eine radikale Abkehr von der Massentierhaltung. Überhaupt eine deutliche Abkehr von der Fleischproduktion als Haupteiweißquelle für den Menschen, die bekanntlich wesentlich mehr pflanzliche Rohstoffe erfordert als die Nährstoffaufnahme direkt durch Pflanzen. Die Wiederherstellung der “Ernährungssouveränität” für alle Bäuer_innen auf dem Globus ist nicht ohne die Abschaffung der industriellen Landwirtschaft zu haben. Nur eine grundlegende Landreform und radikale Umgestaltung der Anbauweise in Richtung einer klimaschonenden und ökologischen Landwirtschaft kann den Welthunger beseitigen.
Letztendlich stellt sich die Notwendigkeit einer grundlegenden Umstrukturierung der Ökonomie und der Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land und eine Überwindung der kapitalistischen Herrschaft. Aktionsnetzwerk Globale Landwirtschaft
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Seele and Geist
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