close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Kinderarbeit - Was wir tun koennen - Stadt Wuppertal

EinbettenHerunterladen
Kinderarbeit
Was wir tun können
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
1
Wie viele Kinder arbeiten?
Was ist Kinderarbeit?
Was ist Ausbeutung?
Warum arbeiten Kinder?
Ausbeutung beenden
8
11
13
14
16
17
20
21
24
Was Sie tun können
Der größte Konsument:
Die öffentliche Hand
Produkte, in denen ­
Kinderarbeit stecken kann
Was Unternehmen tun sollten
Instrumente gegen Ausbeutung
Fairer Handel
Abkommen mit Gewerkschaften
Gemeinsame Initiativen
Direkte Hilfe für Kinderarbeiter
Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser,
Vorwort
Politik mit dem Einkaufskorb
Kinderarbeit
2
4
4
6
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
26
26
27
27
Blumen
Flower Label Program
TransFair
Fair flowers fair plants (FFP)
28
29
29
30
30
Bekleidung/
Sportbekleidung/Heimtextilien
TransFair
GOTS
Cotton Made in Africa
Good Weave
31
31
Fußbälle und Sportbälle
TransFair
32
32
33
33
Lebensmittel
Fairer Handel
Rainforest Alliance
4C-Initiative
34
34
35
35
Natursteine
Xertifix
Fairstone
SA 8000 und ETI
Weitere Informationen
36
Weiter im Web
Produkte und Verbrauchertipps
Öffentliche Beschaffung
Kampagnen und Initiativen
Jungen, die mit schweren Hämmern
Steine spalten, Mädchen, die gebückt
über Stickereien sitzen, Kinder, die unter
sengender Sonne Baumwolle pflücken
– 115 Millionen Kinder werden weltweit
ausgebeutet, ruinieren ihre Gesundheit
und können nicht zur Schule gehen.
Einige stellen Produkte her, die auch bei
uns zu kaufen sind: T-Shirts und Teppiche, Kaffee, Kakao oder Natursteine.
Doch es ist möglich, die Ausbeutung
von Kindern und Erwachsenen zu beenden und menschenwürdig zu wirtschaften:
1,6 Millionen Kleinbauern und
Plantagenarbeiter in 58 Ländern profi­
tieren durch Existenz sichernde Löhne
und bessere Arbeitsbedingungen vom
Fairen Handel.
15.000 Arbeiterinnen auf Blumen­
farmen erhalten bessere Löhne und
­Sozialleistungen.
In der Textilindustrie ist der massenhafte Einsatz von Kindern in Export­
betrieben zurückgedrängt.
Die Zahl der Kinder in der Teppichproduktion in Indien und Nepal ist um
90 Prozent gesunken.
Auch Deutschlands größter Konsument,
die öffentliche Hand, ist aktiv geworden:
Städte, Gemeinden und Bundesländer
kaufen Pflastersteine, Berufsbekleidung
oder Sportbälle für Schulen. Sie können
jetzt von ihren Anbietern verlangen, dass
Gute Alternativen: Schule und Berufsausbildung
das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
und die grundlegenden Arbeitsrechte
bei der Herstellung gelten. Die Erfahrungen einiger Städte zeigen: Solche faire
Beschaffung ist nicht einmal teurer.
Wir zeigen in dieser Broschüre Handlungsmöglichkeiten auf und bitten Sie
herzlich: Nutzen auch Sie als Konsument
und interessierter Bürger, als ­Mitglied
einer Arbeitsgruppe von terre des hommes
oder als Spender für terre des hommes
ihre Möglichkeiten, Ausbeutung zu beenden und Kinder zu stärken.
Barbara Küppers
Referentin Kinderrechte
1
2
Kinderarbeit
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Kinderarbeit
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Wie viele Kinder arbeiten?
Die Internationale Arbeitsorganisation
(IAO) hat im April 2010 einen Bericht
über die Situation der Kinderarbeiter
vorgelegt. Laut IAO arbeiten in der
Altersgruppe zwischen fünf und 17 Jahren weltweit 306 Millionen Kinder.
215 Millionen dieser Kinder benennt die
IAO als Kinderarbeiter, das heißt diese
Kinder arbeiten regelmäßig mehrere
Stunden. Unter ihnen sind 115 Millionen
Mädchen und Jungen in gefährlicher
Arbeit: Sie arbeiten an gefährlichen
Orten wie Steinbrüchen oder kommerziellen Plantagen, sie leisten Nachtarbeit
oder viel zu lange Arbeitsstunden oder
werden wie Sklaven gehalten.
Erwerbstätige Kinder
306.000.000
davon Kinderarbeiter 215.000.000
Etwa zwei Drittel der Kinderarbeiter
arbeiten unbezahlt. Etwa fünf Prozent
der Kinderarbeiter sind in exportierenden Betrieben beschäftigt.
Kinder schuften in allen Branchen
darunter Kinder in
gefährlicher Arbeit
Kinderarbeit nach Wirtschaftssektoren
Es gibt keine Tätigkeit, die nicht auch
von Kindern verrichtet wird – ausgenommen hochqualifizierte Arbeit. Die
meisten Kinder arbeiten im sogenannten informellen Sektor, also dort, wo
Arbeit selbstorganisiert ist und es weder
Verträge noch Sozialleistungen gibt.
115.000.000
Landwirtschaft
Kinderarbeit in Regionen
Industrie
Dienstleistungen
Weltweit
Nicht definiert
60 %
7 %
25,5 %
7,5 %
Gesamtzahl
der Kinder
(in Mio)
Erwerbstätige
Kinder
(in Mio)
Kinderarbeiter
(in Mio)
1.586.288
305.669
19,3 %
215.269
13,6 %
115.314
7,3 %
174.460 20,4 %
113.607
13,3 %
48.164
5,6 %
14.125 10,0 %
9.436
6,7 %
Landwirtschaft:
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei
Industrie:
Bergwerke und Steinbrüche, Fertigung, Bau
Kinder in gefähr­
licher Arbeit
(in Mio)
Asien und Pazifik
852.895
Lateinamerika
und Karibik
141.043
18.851
13,4 %
Afrika südlich
der Sahara
257.108
84.229
32,8 %
65.064
25,3 %
38.736
15,1 %
Andere Regionen
334.242
28.129
8,4 %
22.473
6,7 %
18.978
5,7 %
Quelle: IAO
Dienstleistungen:
Groß- und Einzelhandel, Gaststätten, Hotels,
personenbezogene Dienste (zum Beispiel Hausmädchen)
3
4
Kinderarbeit
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Kinderarbeit
Was ist Kinderarbeit? Was ist Ausbeutung?
Kinderarbeit ist
nicht grundsätzlich ausbeuterisch:
Ausbeuterische Kinderarbeit hingegen
verletzt die Rechte eines Kindes.
Mädchen und Jungen arbeiten mit und
lernen dabei zum Beispiel durch Mithilfe im elterlichen Haushalt, auf dem
Hof oder im Handwerksbetrieb. Durch
Mithilfe und Arbeit werden wichtige
gesellschaftliche Werte vermittelt wie
zum Beispiel Zusammenarbeit und
Einsatz für die Gemeinschaft. »Arbeit
hilft mir, Mensch zu sein«, so lautet
das Zitat eines arbeitenden K
­ indes in
Lateinamerika. Es besagt: Arbeit kann
ein Mittel zur Selbstverwirklichung
sein und kann materielle und soziale
Bedürfnisse befriedigen.
Viele Kinder verlieren sogar ihr Leben
durch Arbeit: Nach Angaben der IAO
sterben jedes Jahr etwa 22.000 Kinder
und Jugendliche bei Arbeitsunfällen.
Nach der Erfahrung von terre des
hommes gilt: Je weniger Rechte ein
einzelnes Kind in seiner Familie oder
Bevölkerungsgruppe hat, desto größer ist
die Gefahr, dass es ausgebeutet wird.
Eine international anerkannte Definition von ausbeuterischer Kinderarbeit
liegt seit 1999 mit der IAO-Konvention
182 gegen die schlimmsten Formen der
Kinderarbeit vor. terre des hommes geht
bei seiner Arbeit von dieser Definition
und von der Kinderrechtskonvention
der Vereinten Nationen aus. Wichtige
Gesichtspunkte sind die Verfassung und
Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes
und die Frage, ob Arbeit die Bildungschancen beeinträchtigt.
Ausbeuterische Kinderarbeit laut IAO-Konvention 182:
Sklaverei und Schuldknechtschaft und alle Formen der Zwangsarbeit
Arbeit von Kindern unter 13 Jahren
Kinderprostitution und -pornografie
Der Einsatz von Kindern als Soldaten
Illegale Tätigkeiten, wie zum Beispiel Drogenschmuggel
Arbeit, die die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit gefährdet,
also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder
sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.
Laut IAO arbeiten zurzeit 115 Millionen Kinder und Jugendliche
unter solchen ausbeuterischen Bedingungen.
5
6
Kinderarbeit
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Kinderarbeit
Warum arbeiten Kinder?
Materielle Armut ist eine Ursache
für ausbeuterische Kinderarbeit.
Kinderarbeit ist allerdings auch eine
Ursache für Armut: Wer von klein auf
schuftet und niemals zur Schule geht,
wird sein Leben als Tagelöhner fristen.
Hinter dem Begriff der Armut
verbergen sich politische,
soziale und ökonomische Faktoren,
die auch Kinderarbeit verursachen:
Regierungen vernachlässigen Bildungssysteme. Es gibt keine Grundschule
in erreichbarer Nähe. Schulen sind sehr
schlecht ausgestattet, es gibt zu wenig
oder schlecht ausgebildete und unter­
bezahlte Lehrer. Schulgebühren oder
Kosten für Bücher oder Uniformen schließen Kinder aus armen Familien aus.
Pandemien, vor allem HIV/Aids,
breiten sich aus, die Elterngeneration
erkrankt und stirbt. Staatliche oder
private Hilfe ist nicht vorhanden oder
unzureichend. Kinder sind auf sich allein
gestellt.
Behörden und Polizei sind schwach
oder korrupt und profitieren selbst von
ausbeuterischer Arbeit.
Erwachsene sind arbeitslos. Arbeitgeber zahlen keine Existenz sichernden
Löhne.
Wo keinerlei soziale Sicherungs­
systeme, wie zum Beispiel Arbeitslosen­
versicherungen, existieren, müssen
­Kinder die Schule abbrechen und arbeiten, wenn die Eltern ihren Arbeitsplatz
verlieren.
Arbeitgeber stellen sowohl im informellen, als auch im formellen Sektor
Kinder ein, weil sie dann noch niedrigere
Löhne zahlen können und Kinder sich
nicht gewerkschaftlich organisieren.
Frauen und Mädchen werden als
minderwertig angesehen. Als Folge wird
dem Schulbesuch von Mädchen kein
Wert beigemessen, sie gelten von klein
auf als Arbeitskraft ohne Rechte und
ohne Stimme.
In vielen Gesellschaften werden
bestimmte soziale Gruppen diskriminiert
und sind vieler grundlegender Rechte
beraubt. Dies betrifft zum Beispiel
­Kinder aus armen Familien, Kinder aus
Flüchtlingsfamilien, Migrantenkinder,
Ureinwohner, ethnische oder religiöse
Gruppen.
In Gebieten, in denen der Staat selbst
bestimmte Gruppen verfolgt oder diskriminiert, sind Kinder jeglicher Form der
Gewalttätigkeit und Ausbeutung besonders schutzlos ausgeliefert.
7
8
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Ausbeutung beenden!
Was Sie tun können
Wichtig bei allen Anstrengungen
gegen ausbeuterische Kinderarbeit
ist, dass das Wohl jedes einzelnen
Kindes im Mittelpunkt steht und
Kinder ­tatsächlich eine sinnvolle
Alternative bekommen. In der Regel
ist das der Besuch einer Schule
oder eine Aus­bildung.
Kaufen Sie, wo möglich, Produkte
aus Fairem Handel oder mit einem seriösen Sozialsiegel. Diese Kennzeichnungen sind eine Möglichkeit zu erkennen,
unter welchen Bedingungen Produkte
hergestellt wurden.
Die Angabe des Herstellungslandes
auf einem Produkt allein sagt wenig aus:
Denn in jedem Land gibt es Betriebe,
die Kinder ausbeuten und solche, die
das nicht tun. Auch Markenartikel und
teure Designerprodukte können unter
Beteiligung von Kindern und Ausbeutung Erwachsener hergestellt sein.
Sorgen Sie dafür, dass Großverbraucher zu gesiegelten Produkten greifen:
In Kantinen kann TransFair-Kaffee
ausgeschenkt werden, Gewerkschaften,
Vereine oder Pfarrgemeinden sollten
Zu teuer?
Einige Waren aus Fairem Handel sind
teurer als Produkte vergleichbarer
­Qualität aus konventioneller Herstellung.
­Zertifizierte Natursteine, Blumen mit
dem FLP-Siegel oder Good Weave-Teppiche sind nicht teurer. Auch Handels­
unternehmen, die ihre Produktion
seriös ­überprüfen, geben die Kosten
nicht an die Kunden weiter.
Kommunen, die Sozialstandards
in ihrer Beschaffung berücksichtigen,
müssen keine höheren Kosten fürchten:
So meldete die Stadt Freiburg in einer
Pressemeldung über ihre Erfahrungen im
April 2010: »Wichtig für die städtischen
Finanzen: Grundsätzlich konnte keine
Änderung der Angebotspreise festgestellt
werden.«
Und: Ein Produkt, das unter fairen
Bedingungen und ökologisch verträglicher
hergestellt wurde, hat einen »Mehrwert«
für alle Menschen.
nur noch Blumen aus gesiegelter Produktion verschenken und verwenden.
Sportvereine und Schulen können
Bälle aus Fairem Handel anschaffen.
Schreiben Sie an Handelsunter­
nehmen und fragen Sie, wie diese
Firma zu Kinderarbeit steht. Fordern
Sie, dass Handelsunternehmen ihre
Zulieferer verpflichten, die grundlegenden Arbeitsrechte einzuhalten und
Existenz sichernde Löhne zu zahlen.
Solche Nachfragen zeigen Unternehmen, dass Verbraucher auch ein
Interesse daran haben, dass Waren
unter Einhaltung der Menschenrechte
hergestellt werden. Eine vorbereitete
Postkarte finden Sie auf der letzten
Umschlagseite.
Unterstützen Sie Projekte für Kinder­
arbeiter. Vor Ort kann sofort und direkt
geholfen werden, ausbeuterische Kinderarbeit nachhaltig zu beenden: Mit Schulund Ausbildungsprojekten und Einkommensalternativen für Familien.
Setzen Sie sich gemeinsam mit anderen
in ihrer Stadt oder Gemeinde für Sozialund Umweltstandards in der öffentlichen
Beschaffung ein: Die Stadt München hat
im Jahr 2002 den Anfang gemacht und
beschlossen, keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit anzuschaffen. Das
betrifft zum Beispiel Natursteine, Sportbälle, Kaffee und Säfte oder Berufsbekleidung. Laut Bundesgesetz vom April 2009
können soziale und ökologische Kriterien
in öffentliche Ausschreibungen aufgenommen werden (siehe Seite 11).
9
10
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Der größte Konsument:
Die öffentliche Hand
Unterstützen Sie unsere Anwalt­
schaftsarbeit: Gemeinsam mit Gewerkschaften, Bürger- und Verbraucherinitiativen hat terre des hommes das
Netzwerk CorA für Unternehmens­
verantwortung gegründet und fordert
verbindliche Regeln für Unternehmen,
die international tätig sind.
Freiwillige Initiativen der Wirtschaft,
wie die Unterstützung des Fairen Handels oder von Sozialsiegeln oder die
Einführung von Verhaltenskodizes, können für einige Branchen oder an einigen
Standorten zur schnelleren Umsetzung
der grundlegenden Arbeitsrechte führen.
Dieses Engagement ist kein Ersatz
für international verbindliche Regeln,
die für alle gelten und sicherstellen,
dass Unternehmen durch ihr Handeln
Menschen und Natur nicht schaden.
terre des hommes fordert, dass Unternehmen die international anerkannten
Menschenrechte und soziale und ökologische Normen einhalten. Wir setzen
uns, gemeinsam mit dem Netzwerk für
Unternehmensverantwortung CorA,
gegenüber der Bundesregierung und
der Europäischen Union für verbind­
liche Regeln und wirksame Instrumente
ein, mit denen diese Regeln tatsächlich
umgesetzt werden. Dazu gehören die
Stärkung der Kompetenz der IAO, die
Verankerung von Unternehmenspflichten in internationalen Wirtschaftsabkommen, wirksame Sanktionen
und Haftungsregeln, die Stärkung der
Produktverantwortung, die Kopplung
öffentlicher Aufträge an gesellschaftliche
Anforderungen und die Berichts- und
Rechenschaftspflicht.
Bitte beteiligen Sie sich an eMail- und
Postkartenaktionen von CorA:
www.cora-netz.de
Die öffentliche Hand gibt in Deutschland pro Jahr etwa 360 Milliarden
Euro aus, das sind etwa 17 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes. Der Anteil
der Kommunen hieran liegt bei über
60 Prozent, Gemeinden haben als Konsumenten eine große Nachfragemacht:
Wenn bei öffentlichen Ausschreibungen ein Nachweis über den Ausschluss
ausbeuterischer Kinderarbeit und die
Einhaltung der grundlegenden Arbeitsrechte verlangt wird, müssen große und
kleine Unternehmen reagieren, wenn
sie konkurrenzfähig sein wollen.
Die Europäische Union hat 2004
Richtlinien verabschiedet, die die Integration von Sozial- und Umweltstandards in die Beschaffung erlauben.
Seit April 2009 können in Deutschland
soziale und ökologische Kriterien
bei öffentlichen Käufen berücksichtigt
werden.
Bis heute haben bereits die Länder
Baden-Württemberg, Bayern, Bremen,
Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen
und Sachsen-Anhalt sowie 200 Städte
und Gemeinden erklärt, dass sie in ihrer
Beschaffung das Verbot ausbeuterischer
Kinderarbeit berücksichtigen.
Waren, die für öffentliche Belange
beschafft werden und bei deren Produktion Kinderarbeit im Spiel sein kann,
sind Natursteine, Computer, Berufs­
bekleidung, Sportbälle, Kaffee, Tee,
Orangensaft, Kakaoprodukte, Spielzeug
und Blumen.
Umstritten: Friedhofssatzungen
Einige Kommunen haben ihre Friedhofssatzungen geändert und schreiben
die Verwendung von »Grabsteinen
ohne Kinderarbeit« fest. Allerdings
gaben die Oberverwaltungsgerichte
Rheinland-Pfalz und Bayern Steinmetzen recht, die eine Normenkontrollklage angestrengt hatten. Demnach
gehöre der Kampf gegen Kinderarbeit
nicht zum Regelungsbereich von
­Kommunen. Die Stadt Nürnberg klagt
nun gegen dieses Verbot; das Saarland
hat seinen Kommunen Satzungsänderungen erlaubt.
Informationen, Leitfaden
und aktuelle Aktionen unter
www.tdh.de
Servicestelle
Kommunen in der einen Welt:
www.service-eine-welt.de
Deutscher Städtetag:
www.staedtetag.de
Konkrete Hilfe für Beschaffungsämter:
www.kompass-nachhaltigkeit.de
11
12
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Produkte, in denen Kinderarbeit stecken kann
Produkte
Welche Alternative gibt es?
Bekleidung/
Berufsbekleidung
Baumwollanbau, Verarbeitung
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Bleistifte
Rohstoffgewinnung
Verhaltenskodizes
Blumen
Anbau und Ernte
TransFair Siegel,
FLP Siegel
Computer und
Unterhaltungselektronik
Diamanten,
Edelsteine, Strass
Rohstoffgewinnung
Abbau, Schleifen
Verhaltenskodizes
Feuerwerkskörper
Herstellung
Fußbälle/Lederbälle
Herstellung
Handys
Rohstoffgewinnung
Heimtextilien
Baumwollanbau, Verarbeitung
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Kosmetik
Rohstoffgewinnung
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Kunstgewerbe,
Korbwaren
Herstellung
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Lebensmittel
Anbau, Ernte, Verarbeitung
Fairer Handel
Lederwaren
Gerben, Fertigung
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Natursteine
Abbau, Weiterverarbeitung
Sozialsiegel xertifix
oder Fairstone
Spielzeug
Fertigung
ICTI-Verhaltenskodex*
Die Ausbeutung von Kindern ist in fast allen Staaten der Welt verboten.
Ob Regierungen allerdings den politischen Willen aufbringen, die Kinderrechte
tatsächlich umzusetzen, und ob sie dazu in der Lage sind, ist eine andere Frage.
Sportbekleidung/
Sportschuhe
Baumwollanbau, Verarbeitung
Verhaltenskodizes
Tabak
Anbau und Ernte
Deshalb ist Ihr Engagement notwendig!
Teppiche (handgeknüpft) Wolle spinnen, knüpfen, waschen
Tourismus/Gastronomie
Fairer Handel,
Verhaltenskodizes
Sozialsiegel
Good Weave
Putzen, Gepäck tragen, kochen,
spülen, kellnern
* International Council of Toy Industries
13
14
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Was Unternehmen tun sollten
Etwa fünf Prozent der Kinderarbeiter
weltweit arbeiten für den Export, etwa
in der Textilindustrie, auf Plantagen
oder in Steinbrüchen. Solche Kinderarbeit ist ausbeuterisch, denn Kinder
arbeiten an gefährlichen Orten, leisten
überlange Arbeitszeiten oder sind Pestiziden ausgesetzt – und sie besuchen
häufig keine Schule.
Kinderarbeit in Exportindustrien
geht oft einher mit der Arbeitslosigkeit,
Unterbeschäftigung und Unterbezahlung
von Erwachsenen und ist gleichzeitig
ein Hindernis für wirtschaftliche und
gesellschaftliche Entwicklung:
Exportierende Unternehmen haben
aufgrund ihrer Wirtschaftskraft oft eine
starke Lobby. Wo ihnen die Ausbeutung
von Kindern nicht verwehrt oder die
Einhaltung der Gesetze nicht kontrolliert wird, werden auch kleinere und
nicht exportierende Unternehmen nicht
kontrolliert.
Arbeitsintensive Industrien, wie die
Textilindustrie, verursachen mehr Kinderarbeit: Die Nachfrage nach billigen
und willigen Arbeitskräften, die ohne
Klage monotone Arbeit verrichten und
sich nicht organisieren, steigt rapide an.
Ausbeuterische Kinderarbeit schafft
Armut, sowohl individuell als auch
gesamtgesellschaftlich: Kinder, die nicht
zur Schule gehen und keine Ausbildung
absolvieren können, werden ihr Leben
als Tagelöhner und ungelernte Arbeitskräfte fristen. Der Industrie fehlen
­qualifizierte Arbeitskräfte, dem Staat die
Steuerzahler – ein Teufelskreis.
Handlungsmöglichkeiten
Handelsunternehmen, die sich gegen
ausbeuterische Kinderarbeit in
ihrer Lieferkette engagieren, sollten
sicherstellen, dass ihre Maßnahmen
tatsächlich vor Ort wirken: Wichtige
Aspekte dabei sind:
Verhaltenskodizes und Standards
berufen sich auf die grundlegenden
Arbeitsrechte, wie sie die Konventionen
der Internationalen Arbeitsorganisation
(IAO) festschreiben: Das Verbot von
Kinder- und Zwangsarbeit, Gewerkschaftsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, das Verbot der
Diskriminierung.
Existenz sichernde Löhne für
Erwachsene, feste Arbeitsverträge und
die Gewährung von Sozialleistungen,
wie etwa Kranken- oder Arbeitslosenversicherung ermöglichen Familien,
Kinder zur Schule zu schicken und verhindern Kinderarbeit.
Unternehmen prüfen die Einhaltung
des Verhaltenskodex, entweder durch
firmeneigene Audit-Organisationen oder
durch beauftragte Prüfungsunternehmen. Die Ergebnisse werden von unabhängigen Organisationen verifiziert.
Werden bei einer Kontrolle Missstände festgestellt, vereinbaren Unternehmen mit dem Zulieferer konkrete
und an einen Zeitplan gebundene Verbesserungen. Im Falle von Kinderarbeit
muss der Zulieferer die Kinder durch
erwachsene Arbeiter ersetzen. Zulieferer und Handelsunternehmen müssen
sicherstellen, dass die betroffenen Kinder Zugang zu Schul- oder Berufsausbildung bekommen und nicht erneut
in einem anderen Betrieb ausgebeutet
werden. Unternehmen, die bei Missständen einfach den Zulieferer oder das
Produktionsland wechseln, statt sich für
konkrete Verbesserungen einzusetzen,
ändern nichts an der Problematik ausbeuterischer Kinderarbeit.
Sind Staaten aktiv an der Ausbeutung von Kindern als Arbeitskräfte
beteiligt, sollten Unternehmen in solchen Ländern nicht kaufen oder her-
stellen lassen. So zwingt die Regierung
Usbekistans zur Erntezeit Schulkinder
und Studenten, Baumwolle zu pflücken.
(siehe Seite 28).
Handelsunternehmen sprechen sich
öffentlich – auch an Produktionsstandorten – gegen die Ausbeutung von Kindern aus.
Die Etablierung von Sozial- und
Umweltstandards ist ein verbindlicher
Bestandteil der Unternehmenspolitik.
Die Unternehmen sorgen für Transparenz und veröffentlichen regelmäßig
Berichte, die auch Konsumenten zugänglich sind.
Unternehmen nutzen Standards, die
gemeinsam mit Gewerkschaften und
Nichtregierungsorganisationen erarbeitet werden und schließen sich Kontrollorganisationen an, die transparent und
seriös arbeiten.
15
16
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Instrumente gegen Ausbeutung
Fairer Handel
Produktsiegel:
Fairer Handel und Sozial- und
Umweltlabel
Ohne Siegel: Verhaltenskodizes,
Abkommen mit Gewerkschaften und
gemeinsame Initiativen
Manche Produkte tragen ein Siegel, das
Verbrauchern die Orientierung erleichtert, zum Beispiel TransFair oder Good
Weave, Flower Label oder das GOTSLabel für Baumwolle. Die Hersteller
oder die Händler dieser Produkte sind
Lizenznehmer bei den jeweiligen Siegelorganisationen, erfüllen bestimmte
Standards und werden kontrolliert.
Auf den Seiten 17–19 und 26–35
stellen wir Ihnen das Prinzip und die
wichtigsten Akteure des Fairen Handels
und seriöse Sozialsiegel für Teppiche,
Blumen, Natursteine und Bekleidung
vor. Das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit bei der Produktion und Weiterverarbeitung ist für alle diese Initiativen
einer der wichtigsten Standards.
Sehr viele Unternehmen haben heute
einen Verhaltenskodex, mit dem sie sich
selbst und ihre Zulieferer auf die Einhaltung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards verpflichten.
Für Verbraucher ist allerdings kaum
nachzuvollziehen, ob ein bestimmter
Kodex tatsächlich in der Unternehmenspolitik verankert ist, die jeweiligen branchenspezifischen Probleme ausreichend
abdeckt und die Einhaltung seriös
kontrolliert wird. Hinweise bieten die
Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte
einzelner Unternehmen und Berichte
von Nichtregierungsorganisationen
(siehe: Weiter im Web, Seite 36).
Der Faire Handel steht für mehr
­Gerechtigkeit in den internationalen
Wirtschaftsbeziehungen. Faire Preise
ermöglichen es Bauern und Plantagen­
arbeiterinnen, ihre Familien zu
ernähren, die Kinder zur Schule zu
schicken und die Umwelt zu ­schonen.
Fairtrade-­Aufschläge werden für
Gemeinschaftsprojekte, wie Schulen
und Gesundheits­stationen, genutzt, von
denen ganze Regionen profitieren.
Auskunft zu den Herstellungsbedingungen einzelner Produkte geben die Tests
der Stiftung Warentest zu Sozial- und
Umweltverantwortung: Für Produkte
wie Laufschuhe, Funktionsjacken,
­Herrenhemden oder Kaffee liegen
bereits solche Tests vor: www.test.de.
Ein Spezial mit einem Überblick über
die Tests zur Sozial- und Umweltverantwortung findet sich unter der Rubrik:
Tests + Themen, Bildung + Soziales.
Produkte aus Fairem Handel:
Lebensmittel: Ananas, Bananen,
Eiscreme, Fruchtsäfte, Gebäck, Gewürze,
Honig, Kaffee, Kakao, Mango, Reis,
Schokolade, Tee, Wein, Zucker.
Gebrauchsgüter: Accessoires, Bekleidung,
Blumen, Heimtextilien, Glaswaren und
Geschirr, Kunstgewerbe, Spielwaren,
Sportbälle, Taschen.
Die drei Säulen des Fairen Handels
Ökologie
Liste verbotener
Substanzen
Umweltschonender
Anbau
Förderung des
Bio-Anbaus
Verbot gentechnisch ­
veränderter
Organismen
Bio-Aufschlag
Ökonomie
Beratung
Stabile
­Mindestpreise
Fairtrade-Prämie
Langfristige
Handelsbeziehungen
Vorfinanzierung
Soziales
Keine illegale
­Kinderarbeit
Menschenwürdige
Arbeitsbedingungen
Gemeinschaftsprojekte
Versammlungsfreiheit
Diskriminierungsverbot
17
18
Ausbeutung beenden
FAIRTRADE –
Das faire Siegel
Der unabhängige Verein TransFair handelt
nicht selbst mit Produkten, sondern vergibt das internationale
Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte. Derzeit bieten in Deutschland
150 Partnerfirmen rund 1.000 Fairtradegesiegelte Produkte an, die bundesweit
in über 30.000 Geschäften, Weltläden
und Bioläden sowie in über 10.000 gastronomischen Betrieben erhältlich sind.
TransFair gehört zum internationalen Verbund der Fairtrade Labelling
Organisations (FLO), in dem 20 natio­
nale Siegelinitiativen zusammengeschlossen sind. Weltweit arbeiten
870 Kleinbauern­organisationen und
Plantagen unter den FLO-Standards.
Über 1,6 Millionen Kleinbauern und
Arbeiter in 58 Ländern profitieren
direkt. So werden die Lebens- und
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Arbeitsbedingungen von schätzungsweise über sieben Millionen Menschen
verbessert, indem der Faire Handel
langfristig zur Stabilität und Entwicklung von ­wirtschaftlich benachteiligten
Regionen im Süden beiträgt.
In Deutschland unterstützen 36 Mitgliedsorganisationen TransFair, darunter auch terre des hommes.
www.transfair.org
FAIRTRADE-Produkte finden Sie in
den Supermärkten von:
Alnatura, Basic, Bio Company, Blume
2000, Blumen Risse, Budnikowsky
Drogeriemärkte, Citti, Denn’s, Edeka
(E-Center, E-Neukauf, E-Aktiv, Marktkauf), Famila, Globus, Handelshof,
Hit, Ihr Platz, Jibi, Kaiser’s Tengelmann,
Karstadt, Kaufland, Lidl, Metro (Real,
Kaufhof, C & C), Plaza, Rewe (Rewe,
Penny, Toom, Akzenta, Kaufpark,
Vierlinden, Fegros/Selgros), Rossmann
Drogeriemärkte, Spar, Tegut
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Fair Handels-Importeure handeln und
vertreiben faire Produkte. Sie arbeiten
nach international anerkannten Kriterien und vertreiben ihre Produkte über
Weltläden und Bioläden, über Supermärkte und in Online-Shops.
Die größten Fair Handels-Importeure in
Deutschland sind:
gepa – Das Fair Handelshaus:
www.gepa3.org
El Puente: www.el-puente.de
DWP: www.dwp-rv.de
BanaFair: www.banafair.de
Contigo: www.contigo.de
Ausbeutung beenden
Weltläden
Fachgeschäfte für Fairen Handel
In vielen Städten bieten Weltläden
Lebensmittel, Kunstgewerbe und Wohnaccessoires aus Fairem Handel an.
­Weltläden beteiligen sich an politischen
Kampagnen und leisten Informationsund Bildungsarbeit.
Die Adresse des Weltladens in Ihrer
Nähe finden Sie auf der Homepage des
Weltladen-Dachverbandes e.V.:
www.weltladen.de
Wichtige Akteure des Fairen Handels
sind auch die ca. 6.000 Aktionsgruppen
allein in Deutschland, die zum Beispiel in
Kirchengemeinden nach Gottesdiensten
Waren aus Fairem Handel anbieten.
19
20
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Abkommen mit Gewerkschaften
Einige transnationale Unternehmen
haben mit internationalen Gewerkschaftsorganisationen Rahmenvereinbarungen abgeschlossen. Der Verhaltenskodex eines Unternehmens enthält
wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte, Gewerkschaft und Unternehmen
vereinbaren, wie diese Grundsätze verankert und überwacht werden.
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Gemeinsame Initiativen
Folgende Unternehmen aus Branchen,
in denen Kinderarbeit bei ­Zulieferern
vorkommen kann, haben solche
Rahmen­vereinbarungen mit Internationalen Gewerkschaftsorganisationen
geschlossen:
Einige Unternehmen haben sich
gemeinsamen Initiativen angeschlossen.
Keine dieser Initiativen zeichnet Produkte mit Siegeln aus, einige vergeben
Zertifikate. Die bekanntesten sind:
Chiquita, USA,
Nahrungsmittel (IUF)
Daimler/Chrysler, Deutschland,
Automobilindustrie (IMB)
Faber-Castell, Deutschland,
Büroartikel (BWI)
Schwan-Stabilo, Deutschland,
Bürobedarf, Schreibwaren (BWI)
Hennes & Mauritz, Schweden,
Textilien, Handel (UNI)
IKEA, Schweden,
Möbelindustrie (BWI)
Volkswagen, Deutschland,
Automobilindustrie (IMB)
Social Accountability 8000 (Soziale
Verantwortlichkeit) ist ein Standard
und ein Zertifizierungssystem. Seit 1997
setzt sich SAI (Social Accountability
International) dafür ein, dass Unternehmen sich zertifizieren lassen und
die grundlegenden SA 8000 Standards
umsetzen. SA 8000 bezieht sich auf die
allgemeine Deklaration der Menschenrechte, die UN-Kinderrechtskonvention
und grundlegende Arbeitsrechte, wie
sie die IAO definiert. SAI kontrolliert
und zertifiziert Produktionsbetriebe und
beteiligt Gewerkschaften und Nicht­
regierungsorganisationen.
www.sa-intl.org
Die Produktionsbetriebe, die nach
SA 8000 zertifiziert sind, finden Sie hier
(nur in englischer Sprache):
www.saasaccreditation.org/
certfacilitieslist.htm
BWI: Building and Woodworkers International
(Dachverband der Bau- und HolzarbeiterGewerkschaften)
IUF: International Union of Food, Agriculture,
Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and
Allied Workers Association (Internationaler
Bund der Arbeitervertretungen, Nahrungs­
mittel, Landwirtschaft, Hotel, Restaurant,
Catering, Tabak)
IMB: Internationaler Metallgewerkschaftsbund
UNI: Union Network International
(Internationales Gewerkschaftsnetz)
Ausbeutung beenden
SAI und Standard SA 8000
Fair Wear Foundation
Die Fair Wear Foundation (FWF)
wurde in den Niederlanden von
Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen gegründet. Die Stiftung
berät Unternehmen und verifiziert, ob
Verhaltenskodizes umgesetzt werden.
Mit Kontakten zu lokalen Organisationen an den Standorten und dem
Aufbau von Beschwerdeverfahren in
Produktionsstätten geht die FWF den
Weg der Beteiligung. Mitglieder sind die
Kampagne für Saubere Kleidung, Max
Havelaer Niederlande, die Menschenrechtsorganisationen OXFAM/Novib
und der holländische Gewerkschaftsbund FVN. Mitglieds­unternehmen sind
zum Beispiel der Hess Natur Versand,
die Modemarke Mexx, Mammut Sports
Group und viele Hersteller von Berufsbekleidung.
www.fairwear.nl
Fair Labor Association
Die Fair Labor Association (FLA) mit
Sitz in Washington/USA ist ein Zusammenschluss von Handelsunternehmen
und Nichtregierungsorganisationen.
Unter anderem beteiligen sich 194 amerikanische Colleges und Universitäten,
die sicherstellen wollen, dass die Produkte, die ihren Namen tragen, unter
menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Die FLA berät Unternehmen und führt Inspektionen durch.
Überblicke über Inspektionen und
Beschwerde­verfahren sowie Berichte
von Unternehmen werden auf der
Homepage veröffentlicht.
Mehrere Menschenrechtsorganisa­
tionen, darunter solche aus den Produk-
21
22
Ausbeutung beenden
tionsländern, beteiligen sich: Sie sind
Teil des Vorstandes der FLA oder arbeiten an den jeweiligen Standorten mit.
Mitglieder auf Unternehmensseite
sind zum Beispiel: adidas, Asics, Hennes & Mauritz, Nike, Puma.
www.fairlabor.org
Ethical Trading Initiative
Die Ethical Trading Initiative (ETI,
etwa: Initiative für ethischen Handel)
ist eine britische Initiative und engagiert
sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von
Lebensmitteln und Gebrauchsgütern.
Mitglieder sind Gewerkschaften,
Nichtregierungsorganisationen und
50 Unternehmen, die sich verpflichten,
den ETI-Verhaltenskodex umzusetzen.
Die Unternehmen berichten an ETI,
diskutieren Probleme und beschreiben
beispielhaft Lösungswege. ETI vergibt
keine Zertifikate oder Siegel.
Das in Deutschland bekannteste
ETI-Mitglied ist The Body Shop.
www.ethicaltrade.org
BSCI
Die BSCI, Business Social Compliance
Initiative (etwa: Initiative der Wirtschaft zur Wahrnehmung von Sozial­
verantwortung), hat derzeit knapp
500 Mitglieder, darunter Europas größte
Handelsunternehmen. Die Mitglieder
akzeptieren einen gemeinsamen Verhal-
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
tenskodex, der auf der UN-Deklaration
der Menschenrechte, den grundlegenden Arbeitsrechten der Internationalen
Arbeitsorganisation (IAO) und der
UN-Kinderrechtskonvention beruht.
Zulieferer werden von unabhängigen
Inspekteuren auf Grundlage des Standards SA 8000 inspiziert. Dialoge mit
Zulieferern, Runde Tische und Trainingsprogramme sollen die Umsetzung
von Sozial- und Umweltstandards in
den Betrieben verbessern. BSCI vergibt
kein Siegel oder Zertifikat.
BSCI wurde von der Foreign Trade
Association, der außenwirtschaftlichen
Interessenvertretung des europäischen
Handels, gegründet und ist Mitglied des
Global Compact.
Nichtregierungsorganisationen und
Gewerkschaften kritisieren BSCI wegen
mangelnder Transparenz und nicht ausreichender Beteiligung. Immer wieder
sind BSCI-angeschlossene Unternehmen wegen Verletzung von Arbeitsrechten im Blickpunkt: So etwa der Discounter Lidl und die Metro Group, die
von der Organisation OXFAM wegen
Verletzungen grundlegender Arbeitsrechte bei der Lebensmittelherstellung
in Indien kritisiert wird.
Mitglieder des BSCI aus Deutschland, bzw. auf dem deutschen Markt
vertreten, sind zum Beispiel: Brax,
Calida, Lindex, Aldi, Betula, Deichmann Schuhe, DW-Shop (Shop der
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Deutschen Welthungerhilfe), Eberle,
Esprit, Falke, Gant, Gudrun Sjöden,
Hamm Reno Group, Intersport, Kapp­
Ahl, Lidl, M & S Mode, Marc O’Polo,
Metro Group (u. a. Metro, Real, Media
Markt, Saturn) OBI, otto group (u. a.
Otto, Bon Prix, Heine, Baur, Schwab),
Peek & Cloppenburg, Praktiker,
REWE Group, Rossmann Drogerien,
Seiden­sticker, S. Oliver, Tom Tailor.
www.bsci.eu-org
Global Compact
Der Global Compact wurde auf Initia­
tive des ehemaligen UN-General­
sekretärs Kofi Annan 1999 während
des Weltwirtschaftsforums in Davos
ins Leben gerufen. Ziel ist die Umsetzung der zehn Prinzipien, die auf den
wichtigsten UN-Konventionen zu
Menschenrechten, Arbeitsrechten,
Umweltstandards und Anti-Korruption
beruhen. Unternehmen können dem
Global Compact beitreten und sollen
jedes Jahr über Fortschritte berichten.
Die Prinzipien des Global Compact
sind Minimalstandards. Die Einhaltung
und die Berichte der Unternehmen werden seitens des Global ­Compact nicht
überprüft. Es ist nicht ersichtlich, ob ein
Mitgliedsunternehmen die zehn Prinzipien tatsächlich einhält.
Der Global Compact hat weltweit
7.700 Mitglieder, darunter 5.300 Unternehmen. Auf Seiten der Nichtregie-
rungsorganisationen beteiligen sich zum
Beispiel Amnesty International, Trans­
parency International, Germanwatch
und der WWF. Mitglied sind auch die
Städte Bonn und Berlin.
www.unglobalcompact.org
23
24
Ausbeutung beenden
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Ausbeutung beenden
Direkte Hilfe für Kinderarbeiter
Schule statt schuften
Die indische Textilstadt Tirupur
Jeder hat etwas aus Tirupur im Kleiderschrank: In der Boomstadt in Südindien werden T-Shirts, Nachtwäsche
und Unterwäsche für die ganze Welt
hergestellt. Heute arbeiten 500.000
Menschen in der Textilindustrie von
Tirupur. terre des hommes engagiert
sich dort seit 15 Jahren: Damals schufteten 30.000 Kinder unter 14 Jahren in
Fabriken, 200.000 Arbeitsplätze gab
es insgesamt. Die terre des hommesPartner brachten den Skandal der Kinderarbeit an die Öffentlichkeit – und
sorgten mit Einschulungskampagnen
und Abendschulen dafür, dass Kinder
eine Ausbildung bekamen. Heute sind
Tausende Frauen in Selbsthilfegruppen organisiert und erwirtschaften ein
höheres Einkommen. Viele ehemalige
Kinderarbeiter haben eine Berufsausbildung absolviert. So konnte terre
des hommes mit seinen Partnern dazu
beitragen, dass die Zahl der Kinder­
arbeiter in Tirupur auf 5.000 gesunken
ist und die Menschen in vielen Dörfern
und Slums stolz darauf sind, dass alle
Kinder eine Schule besuchen.
Ein Zuhause jenseits der Straße
Chancen für Kinder in Sambia
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung
in Sambia lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Hälfte der Kinder ist
mangelernährt. Sambia hat eine der
höchsten HIV/Aids-Raten im südlichen Afrika. Viele Kinder müssen
mit dem Tod ihrer Angehörigen fertig
werden. Um sich und ihre Geschwister
durchzubringen, brechen sie die Schule
ab und arbeiten oder betteln. Die terre
des hommes-Partnerorganisation CYC
(Community Youth Concern, Gemeindeorientierte Jugendhilfe) sorgt in vier
Provinzen für diese Kinder: Wo es
keine Unterstützung einer Familie gibt,
bietet CYC den Kindern ein Zuhause.
Die Mitarbeiter unterstützen die Kinder, damit sie wieder zur Schule gehen
oder gar nicht erst abbrechen müssen.
Die Schule kommt zu den Schülern
Bildung für arbeitende Kinder in
Guatemala
In Guatemala-Stadt arbeiten Kinder und
Jugendliche auf den Märkten. Sie laden
Waren aus, schleppen Körbe und Kisten
und verkaufen, denn sie müssen zum
Überleben der Familien beitragen. Für
Schule und Hausaufgaben bleibt kaum
Zeit und so brechen viele Kinder früh
die Schule ab. Der terre des hommesProjektpartner, die Organisation Pennat
(Programa Educativo del Niño, Niña y
Adolescente Trabajador, Ausbildungsprogramm für arbeitende Mädchen,
Jungen und Jugendliche), bietet Unterricht, der auch für arbeitende Kinder zu
schaffen ist: Die Klassenzimmer liegen
direkt an den Märkten und der Unterricht orientiert sich an den Bedürfnissen
dieser Kinder. Hier wird niemand ausgelacht, wenn er müde ist oder etwas nicht
versteht. Dabei bietet Pennat wirkliche
Qualifizierung; es gibt Kurse für Grund-,
Mittel- und Oberstufenabschlüsse.
25
26
Politik mit dem Einkaufskorb
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Politik mit dem Einkaufskorb
Politik mit dem Einkaufskorb:
Blumen
Blumen haben oft eine lange Reise
hinter sich, bevor wir sie in die Vase
stellen. 80 Prozent der Schnittblumen
werden über die Niederlande aus
Kenia, Ecuador, Kolumbien, Tansania
und Simbabwe importiert. Die Produktionsbedingungen sind in vielen Fällen
äußerst belastend für die Arbeiterinnen. Die Mehrheit der Beschäftigten
auf Blumenfarmen sind Frauen und sie
verdienen oft nur Hungerlöhne und
haben keine festen Arbeitsverträge, so
dass die Familien auf die Mitarbeit von
Kindern angewiesen sind. Belastungen
durch Pflanzenschutzmittel und die
Entsorgung pestizidbelasteter Abfälle
können zu Gesundheitsproblemen bei
Kindern und Erwachsenen führen.
Internationaler Verhaltendskodex
Der »Internationale Verhaltenskodex
für die sozial- und umweltfreundliche
Schnittblumenproduktion« (ICC, siehe
auch Kasten) wurde von Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften
und Produzenten entwickelt.
In Deutschland werden Blumen,
die unter dem ICC-Standard produziert werden, mit drei unterschied­
lichen ­Siegeln gekennzeichnet:
Flower Label
Program (FLP)
Das Blumensiegel
FLP kennzeichnet
Blumen, die den ICCStandard erfüllen
und im Blumeneinzelhandel verkauft
werden. Mehr als 60 Blumenfarmen
mit insgesamt 15.000 Arbeiterinnen in
Chile, Ecuador, Kenia, Portugal und
Sri Lanka beteiligen sich. Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften haben das Recht, die Prüfung
der Blumenfarmen zu begleiten und
Stichproben durchzuführen.
FLP fördert auch deutsche Blumen­
produzenten, die biologisch anbauen,
die Sozialkriterien des ICC erfüllen
und regional vermarkten.
Etwa 1.000 Floristen in Deutschland
bieten Blumen mit dem FLP-Siegel.
Welche Floristen in Ihrer Stadt FLP
Blumen führen, erfahren Sie hier:
www.fairflowers.de
TransFair
Blumen mit dem
TransFair-Siegel
(siehe auch Seite 18)
werden unter dem
ICC-Standard angebaut. Die FairtradeBlumenfarmen erhalten vom Importeur
zusätzlich eine Prämie, mit der soziale
Projekte finanziert werden. Über die
Verwendung dieses Aufschlags entscheiden Arbeiter und Manager gemeinsam.
Fair flowers
fair plants (FFP)
Das FFP-Siegel orientiert sich am ICC
und am ökologischen
Standard von MPS,
einer Initiative des
niederländischen Blumenhandels für
umweltgerechteren Anbau.
FFP kennzeichnet Blumen aus
den Niederlanden und aus Afrika und
Lateinamerika.
Blumen mit dem TransFair-Siegel gibt
es in Supermärkten und Garten­centern.
Auf der Homepage von TransFair verrät
der »Blumenfinder«, welche Geschäfte
in Ihrer Nähe faire Blumen anbieten:
www.transfair.org
Weitere Informationen und Händler:
www.fairflowersfairplants.com
Internationaler Verhaltenskodex
Der ICC definiert die universellen
Standards:
Keine Kinderarbeit
Keine Zwangsarbeit
Gewerkschaftsfreiheit und Kollektivverhandlungen
Gleichbehandlung von Frauen und
­Männern
Existenz sichernde Löhne
Arbeitszeiten
(maximal 48 Stunden pro Woche)
keine hochgiftigen Pestizide
feste Arbeitsverträge
Umweltschutz (Wasserverbrauch,
Abfallbeseitigung, usw.)
27
28
Politik mit dem Einkaufskorb
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Politik mit dem Einkaufskorb
Bekleidung / Sportbekleidung / Heimtextilien
Bekleidung und Heimtextilien aus
Baumwolle: Kinderarbeit in allen
Produktionsschritten
Die Mehrheit der Kinderarbeiter weltweit arbeitet in der Landwirtschaft,
zum Beispiel auf Baumwollfeldern, in
der Saatgutproduktion, bei Anbau und
Ernte – Kinder schuften, denn sie sind
billiger als Erwachsene. Kinderarbeit
in der Weiterverarbeitung war lange
Zeit an der Tagesordnung: In Spinnereien und Webereien, beim Färben und
Bedrucken, beim Nähen, Verpacken
und Besticken. Inzwischen gibt es erste
Fortschritte, an vielen Standorten ist
Kinderarbeit in Exportbetrieben Vergangenheit. Weit verbreitet ist sie nach
wie vor dort, wo Produkte in Heim­
arbeit bestickt oder bemalt werden.
Die Stiftung Warentest hat die Produktion von Herrenhemden auf Einhaltung
sozialer Standards getestet. Als »Stark
engagiert« wurden die Unternehmen
C & A, Eterna und Peek & Cloppenburg
bewertet.
www.test.de/themen/bildung-soziales/
test/Herrenhemden
Regierung zwingt Kinder zur Arbeit
Besonders in der Kritik ist Usbekistan.
In dem zentralasiatischen Staat zwingt
die Regierung Jahr für Jahr zur Erntezeit
Schulkinder und Studenten, Baumwolle
zu pflücken. Usbekistan ist der größte
Baumwollproduzent der Welt. Einige
Handelsunternehmen, darunter C & A
und H & M, haben ihre Hersteller ver-
pflichtet, keine Baumwolle aus Usbekistan mehr zu verwenden. terre des
hommes begrüßt diesen Schritt, denn
wo Staaten selbst aktiv die Ausbeutung
von Kindern betreiben, sind Gegenmaßnahmen besonders schwierig.
Hier ist ein Boykott notwendig, um die
Regierungen zum Handeln zu veranlassen.
Hinweise auf kleinere Designmarken
und Anbieter von fair hergestellter
Mode im Internet gibt das Suchportal:
www.ecoshopper.de
Fairer Handel
Das TransFair-Siegel
kennzeichnet Bekleidung, die aus fair
gehandelter Baumwolle hergestellt
wurde. Die Weiterverarbeitung (spinnen, weben, färben,
nähen) unterliegt noch nicht den
­Fairtrade-Kriterien, hier erkennt TransFair die Zertifizierung der Betriebe
nach SA 8000 an (siehe Seite 21).
Fairtrade gesiegelte Kleidung gibt es zum
Beispiel von Gardeur und Schiesser.
www.transfair.org
GOTS: Global
Organic Textile
Standard
Das GOTS-Label wird
von der internationalen Arbeitsgruppe
Naturtextilien vergeben, in der auch der deutsche »Inter­
nationale Verband der Naturtextilwirtschaft« vertreten ist. GOTS-gesiegelte
Textilien sind aus biologisch angebauter
Baumwolle oder anderen Naturmaterialien. GOTS verpflichtet und prüft nicht
nur ökologische Standards, sondern
auch Sozialstandards wie die grund­
legenden Arbeitsrechte und das Verbot
von Kinder- und Zwangsarbeit in allen
Produktions­stufen.
www.naturtextil.com
29
30
Politik mit dem Einkaufskorb
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Politik mit dem Einkaufskorb
Fußbälle und Sportbälle
Cotton
Made in Africa
Cotton Made in Africa
fördert den nachhaltigen Anbau und die
Vermarktung afrikanischer Baumwolle. Die
grundlegenden Arbeitsstandards, darunter das Verbot von Kinderarbeit sowie
Boden- und Wasserschutz und die Verminderung von Pestiziden sind Bedingungen für die Baumwollbauern. Bisher
sind nach Angaben von CmiA 150.000
afrikanische Kleinbauern in Benin, Burkina Faso, Mosambik und Sambia in das
Programm integriert. Die Initiative setzt
darauf, dass effizientere Anbaumethoden
die Erträge und die Qualität der Baumwolle verbessern und die Kleinbauern so
bessere Preise erzielen können.
Die Initiative wurde von der Aid
by Trade Foundation von Dr. Michael
Otto gegründet und wird von der Bill
& Melinda Gates Foundation und dem
Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) gefördert. Beteiligt sind die
Welthungerhilfe, der Naturschutzbund
Deutschland NABU und der World Wide
Fund for Nature WWF.
27 Unternehmen bilden bisher die
Nachfrageallianz, unter anderem: otto
group, H.I.S., Mustang, Puma, REWE
Group, S. Oliver, Tchibo und Tom Tailor.
www.cotton-made-in-africa.com
Good Weave –
Teppiche ohne
Kinderarbeit
Das Good WeaveSiegel kennzeichnet
handgeknüpfte oder
getuftete Teppiche
aus Indien und Nepal, die ohne illegale
Kinderarbeit, unter Wahrung der grundlegenden Arbeitsrechte und Berücksichtigung von Umweltstandards hergestellt
werden. Das Siegel Good Weave ist der
Nachfolger des Teppichsiegels Rugmark,
das seit 1995 Teppiche ohne illegale
Kinderarbeit kennzeichnete. Nach wie
vor sind die Rehabilitation von Kinderarbeitern und die Förderung des Schulbesuchs Teil des Konzeptes von Good
Weave.
Wo Sie Teppiche mit dem Good WeaveSiegel finden, erfahren Sie auf der Good
Weave-Homepage:
www.goodweave.de
70 Prozent der Sportbälle aus Leder
kommen aus der Stadt Sialkot in
­Pakistan. Zwischen 40 und 60 Millionen Bälle werden dort jedes Jahr per
Hand genäht. Seit Anfang der 1990er
Jahre öffentlich wurde, dass ein erheblicher Teil der Arbeiterschaft in Sialkot
aus Kindern besteht, ist die Branche in
Bewegung gekommen. 1997 unterzeichneten Hersteller, Handelsunternehmen,
der Weltverband der Sportartikelindustrie, UNICEF und die IAO das AtlantaAbkommen. In den Werkstätten wird
seitdem kontrolliert, und Heimarbeit
ist durch die Einrichtung von Nähzentren abgeschafft worden. Kinderarbeit
ist seitdem in Fußballnähereien nicht
mehr verbreitet. Allerdings scheint in
der Stadt zu wenig für Einschulung und
Ausbildung getan zu werden. Medienberichten zufolge arbeiten Kinder in
Ziegeleien und in der Herstellung von
Operationsbestecken.
Gesiegelt:
Fußbälle und Bälle
aus Fairem Handel
Fußbälle und Sportbälle mit dem TransFair-Siegel wurden
unter Einhaltung
des umfassenden TransFair-Standards
hergestellt. Die Hersteller bekommen
bessere Preise und können in Sozial­
projekte wie Schulen oder Gesundheitszentren investieren. Wir stellen
Ihnen TransFair auf Seite 18 ausführlich
vor.
Sportbälle mit dem TransFair-Siegel
sind eine gute Alternative auch für
Schulen, Vereine und Hobbykicker.
TransFair-Sportbälle gibt es von
­Derbystar und Puma, Informationen
auf www.transfair.org (unter Produkte:
Sportbälle).
Verhaltenskodizes von Unternehmen
Die Stiftung Warentest hat Unternehmen im Jahr 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland auf Einhaltung
von Sozial- und Umweltstandards getestet. Mit »Stark engagiert« wurden die
Unternehmen adidas, Nike und Puma
bewertet. www.test.de
31
32
Politik mit dem Einkaufskorb
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Politik mit dem Einkaufskorb
Lebensmittel
Kaffee, Tee, Südfrüchte, Schokolade, Süßigkeiten
Kinderarbeit auf Plantagen, auf denen
Kaffee, Tee oder Orangen angebaut
werden, ist verbreitet. Kinder werden
entweder statt Erwachsener zur Ernte
angestellt oder sie arbeiten gemeinsam
mit ihren Eltern, die als Wanderarbeiter
von Plantage zu Plantage ziehen.
Mit einem romantischen Bild vom
Leben in der Natur hat Kinderarbeit
auf Plantagen nichts zu tun. Vielmehr
handelt es sich um ausbeuterische
Kinder­arbeit, denn Mädchen und Jungen schuften lang andauernd und oft
in der prallen Sonne, sie sind Giften
(Pestiziden) ausgesetzt, leisten viel zu
schwere Arbeit wie zum Beispiel das
Tragen schwerer Lasten. Auch die Verletzungsgefahr ist groß: Die B
­ lätter von
Zuckerrohr zum Beispiel sind messerscharf. In einigen Gebieten der Welt
ist Schuldknechtschaft vor allem in
der Landwirtschaft verbreitet: Schuldknechte – Erwachsene und Kinder, die
einen Kredit abarbeiten – werden zum
Beispiel in Bangladesch, Pakistan und
Indien eingesetzt.
Die Stiftung Warentest hat einige Kaffees auf Umsetzung von Sozial- und
Umweltstandards getestet. Als »Stark
engagiert« wurden bewertet:
Alnatura, gepa: Café Aha, Lebensbaum:
Café Dia, Aldi Süd: Bio Premium,
­Darboven: Café Intención Ecológico.
www.test.de
Rainforest Alliance
Die Rainforest
Alliance ist eine
unabhängige amerikanische Umweltorganisation mit
einem eigenen Zertifizierungssystem.
Der Standard der Rainforest Alliance
umfasst das Verbot von Kinderarbeit,
grundlegende Arbeitsrechte, Erhaltung
der Ökosysteme und Biodiversität.
Fairer Handel
Kaffee war das erste Produkt des Fairen
Handels. Der Faire Handel setzt den
umfassendsten Standard um und bietet
Kleinbauern Abnahme- und Preisgarantien. Eine breite Palette von Lebens- und
Genussmitteln mit dem Fair­trade-Siegel
finden Sie in Weltläden, Bioläden und in
vielen Supermärkten. Ausführlich stellen
wir Ihnen den Fairen Handel auf den
Seiten 17–19 vor.
Kaffee und Tee aus Fairem Handel
werden inzwischen auch in vielen Kan­
tinen und Restaurants ausgeschenkt.
Bananen, Kaffee, Süßwaren, Kakao und
Tee mit dem Rainforest Alliance-Siegel
gibt es in Deutschland zum Beispiel bei:
Alois Dallmayr, Chiquita, Hussel, Kraft
Foods, McDonald’s, Tchibo, Unilever.
www.rainforest-alliance.org/de
4C-Initiative
Der Common Code for the Coffee
Community (4c) ist ein Basisstandard
für einen nachhaltigen Kaffeeanbau
und will bessere Arbeitsbedingungen
und mehr Umweltschutz auf Plantagen
erreichen, die für den Massenmarkt
produzieren. Der Standard umfasst
die grundlegenden Arbeitsrechte und
das Verbot von Kinderarbeit sowie
das Verbot bestimmter Pestizide.
4C wird vom Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung und dem Deutschen
Kaffee­verband unterstützt, es beteiligen
sich die internationale Gewerkschaft
der Landarbeiter IUF und die Nicht­
regierungsorganisationen OXFAM,
Christliche Initiative Romero und das
Pesticide Action Network (PAN).
4C vergibt kein Siegel, daher ist 4C-zertifizierter Kaffee für Verbraucher nicht
zu erkennen.
www.4c-coffeeassociation.org
33
34
Politik mit dem Einkaufskorb
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Politik mit dem Einkaufskorb
Natursteine
Straßenpflaster, Küchenplatten und Grabsteine
Etwa 60 Prozent der Natursteine,
die in Deutschland genutzt werden,
kommen aus dem Ausland. Haupt­
exporteure sind China und Indien.
Straßenpflaster, Terrassenbelag, Fliesen, Küchenplatten, Brunnen und
Zierfiguren, Grabsteine und Urnen
– Natursteine sind ein Thema beim
privaten Verbrauch und in der öffent­
lichen Beschaffung.
Insbesondere in Steinbrüchen herrschen schlimmste Arbeitsbedingungen:
Kinderarbeit, Hungerlöhne, das Fehlen von Arbeitsschutz und massive
Schädigung der Umwelt sind in vielen
indischen Steinbrüchen und Weiter­
verarbeitungsbetrieben an der Tagesordnung. Laut Win=Win, dem Betreiber
des Siegels Fairstone, sind in China
vor allem mangelnder Arbeitsschutz
und Umweltschäden problematisch.
Xertifix für Natursteine aus Indien
Seit 2005 zertifiziert der Verein xertifix
Natursteine aus Indien. Das Siegel
kennzeichnet Steine, die ohne Kinder­
arbeit und unter Wahrung grundlegen­
der Arbeitsstandards hergestellt werden:
Keine Beschäftigung von Kindern im
Sinne der ILO Konvention 182 und
keine Sklavenarbeiter
Zahlung von wenigstens den
gesetzlichen Mindestlöhnen an die
erwachsenen Arbeiter
Sicherstellung grundlegender
Arbeitsschutzmaßnahmen
Freies Zugangsrecht zu Gewerkschaften
Offenlegung der Aufträge gegenüber
Xertifix e.V. und Xertifix India im
Produktionsland
Bereitschaft, den Betrieb jederzeit
unangemeldet kontrollieren zu lassen
Xertifix sorgt außerdem dafür, dass
betroffene Kinder eine Schulausbildung
erhalten.
Natursteinhändler in Deutschland,
Österreich und der Schweiz führen
bereits das Xertifix-Siegel. Eine Händlerliste finden Sie auf der Homepage:
www.xertifix.de
Fairstone für Natursteine aus China,
Indien, Vietnam und der Türkei
Die Fairstone-Lieferanten verpflichten
sich, keine Kinder- und Zwangsarbeit
zuzulassen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Fairstone hat einen
umfassenden Standard, der Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und -sicherheit
sowie Umweltaspekte festschreibt.
Spätestens nach drei Jahren müssen
Steinbrüche und Weiterverarbeitungsbetriebe den Standard erfüllen. Importeure in Europa sind als »FairstonePartner« gekennzeichnet. Fairstone ist
ein Projekt der Unternehmensberatung
Win=Win, die sich auf die Umsetzung
von Sozial- und Umweltstandards in
Entwicklungs- und Schwellenländern
spezialisiert hat.
Weitere Informationen und
­Händlerlisten bekommen Sie hier:
www.fairstone.win--win.de
Zertifikate und ein europäisches
­Steinsiegel:
Einige Steinbrüche und Weiterverarbeitungsbetriebe sind nach den Standard
SA 8000 (siehe Seite 21) zertifiziert
oder setzen den Standard der Ethical
Trading Initiative um (siehe Seite 22).
Diese Initiativen vergeben kein Siegel.
Ihr Natursteinhändler kann Ihnen
allerdings das Zertifikat zeigen oder Sie
­können auf der Homepage der jeweiligen Organisation nachsehen.
Die Produktionsbetriebe, die nach
SA 8000 zertifiziert sind, finden Sie hier
(nur in englischer Sprache):
www.saasaccreditation.org
Mitglieder der Ethical Trading Initiative
(ebenfalls in englischer Sprache):
www.ethicaltrade.org
In Vorbereitung ist das »Sustainable
Stone Label« (Siegel für nachhaltig produzierte Steine). Die niederländische
Arbeitsgruppe für nachhaltige Steinproduktion strebt ein europäisches Siegel
an. Informationen in englischer Sprache:
www.duurzamenatuursteen.nl
35
36
Weitere Informationen
terre des hommes  Hilfe für Kinder in Not
Weiter im Web
Impressum
Produkte suchen und finden
www.ecoshopper.de
Produktsuche und Preisvergleich, Verbrauchertipps.
Getragen vom privaten Verein Fo.kus, Forschung und Kommunikation für Konsum,
Umwelt und Soziales.
www.verbraucher.org
Homepage des Bundesverbandes Die Verbraucherinitiative e.V. mit Tests, Verbraucher­
tipps und Hintergründen für ökologischen
und sozial verträglichen Konsum.
www.oeko-fair.de
Mit Branchenbuch und Suchfunktion.
www.label-online.de
Welche Siegel gibt es und was sagen sie aus?
Mit einer Einschätzung der Verbraucher­
initiative.
www.ecotopten.de
Seite des Öko-Institutes Freiburg mit den
jeweils besten Anbietern für ökologisch und
sozial fair hergestellte Produkte.
www.nachhaltigkeitsrat.de
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat die
Broschüre »Der nachhaltige Warenkorb –
Einfach besser einkaufen« veröffentlicht.
www.utopia.de
Internetplattform für strategischen Konsum
mit Tipps, Meinung, Unternehmenstests,
Blogs.
Öffentliche Beschaffung:
www.staedtetag.de
www.service-eine-welt.de
www.kompass-nachhaltigkeit.de
www.tdh.de
Kampagnen und Initiativen:
www.tdh.de
Informationen zu Kinderarbeit, Projekte
für Kinder, Informations- und Unterrichts­
material.
www.cora-netz.de
Netzwerk Unternehmensverantwortung
CorA (Corporate Accountability).
www.dgb-bildungswerk.de
Das Bildungswerk des DGB bietet Informationen zu Arbeitsbedingungen in verschiedenen Branchen sowie Kampagnen und
Aktionen.
www.ilo.org
Die Internationale Arbeitsorganisation
IAO bietet umfangreiche Informationen zu
­Kinderarbeit weltweit.
www.fair-spielt.de
Für faire Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie setzt sich die Kampagne
»fairspielt« ein, die von Misereor, der
­Katholischen Frauenbewegung und der
KAB getragen wird.
www.saubere-kleidung.de
Die Kampagne für Saubere Kleidung kämpft
für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie.
www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de
Earthlink.e.V. engagiert sich für die Inte­
gration von Sozial- und Umweltstandards in
die öffentliche Beschaffung und bewertet
­Unternehmen im Hinblick auf Kinderarbeit.
terre des hommes
Hilfe für Kinder in Not
Bundesgeschäftsstelle
Ruppenkampstraße 11a
49084 Osnabrück
Telefon 05 41/71 01-0
Telefax 05 41/70 72 33
eMail info@tdh.de
Internet www.tdh.de
Spendenkonto
700 800 700
Volksbank Osnabrück eG
BLZ 265 900 25
Redaktion
Wolf-Christian Ramm (verantwortlich)
Barbara Küppers
Fotonachweis
Titel: terre des hommes
S. 1: Jörg Böthling/agenda
S. 5: terre des hommes
S. 6/7: Nagender Singh Chhikara
S. 9: B. Küppers / terre des hommes
S. 10: Nagender Singh Chhikara
S. 12: Jörg Böthling/agenda
S. 15: terre des hommes
S. 18: Jörg Böthling/agenda
S. 20: Labor / terre des hommes
S. 23: Jörg Böthling/agenda
S. 24: B. Küppers / terre des hommes
S. 25: C. Kovermann / terre des hommes,
Pennat
S. 29: Jörg Böthling/agenda
S. 33: S. Weyersberg / terre des hommes
S. 34: Jörg Böthling/agenda
Aktionskarte: T. Dom / terre des hommes
Redaktionsassistenz
Cornelia Dernbach
Désirée Meyer-Borgmann
Satz
sec GmbH, Osnabrück
Druck
Rautenberg Druck GmbH, Leer
Auflage: 5.000
Bestellnummer: 401.1187.00
Gedruckt auf Recycling-Papier
terre des hommes ist Träger des
­Spendensiegels des Deutschen Zentral­
instituts für soziale Fragen (DZI).
Das DZI bescheinigt terre des hommes
mit diesem Siegel eine transparente
­Mittelverwendung, eine sachliche und
­wahrhaftige Information und Werbung
und angemessene Verwaltungsausgaben.
terre des hommes
Hilfe für Kinder in Not
terre des hommes Deutschland e.V.
wurde 1967 von engagierten Bürgern
gegründet, um schwer verletzten
Kindern aus dem Vietnamkrieg zu
helfen. terre des hommes ist unabhängig von Regierungen, Wirtschaft,
Religionsgemeinschaften und Parteien
und fördert in 30 Projektländern rund
400 Projekte für notleidende Kinder.
Ziel ist eine »terre des hommes«, eine
»Erde der Menschlichkeit«.
terre des hommes hilft Straßenkindern, verlassenen und arbeitenden
Kindern, kümmert sich um Kinder,
die Opfer von Krieg und Gewalt wurden und sorgt für deren Ausbildung.
terre des hommes unterstützt Jungen
und Mädchen, deren Familien an
Aids gestorben sind, setzt sich ein
für die Bewahrung der biologischen
und kulturellen Vielfalt und für den
Schutz diskriminierter Bevölkerungsgruppen.
terre des hommes richtet seine
Arbeit konsequent an den Kinderrechten aus. Die Projektpartner,
einheimische Initiativen vor Ort,
betreuen kranke oder kriegsverletzte
terre des hommes
Hilfe für Kinder in Not
Ruppenkampstr. 11a
49084 Osnabrück
Telefon 05 41/71 01-0
Telefax 05 41/70 72 33
eMail info@tdh.de
Internetwww.tdh.de
Kinder, organisieren Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche
und unterstützen Familien beim Anbau
von Nahrungsmitteln und der Sicherung ihrer Wasserversorgung. Gemeinsam mit seinen Partnern setzt sich
terre des hommes für eine gerechtere
Politik gegenüber der Dritten Welt ein.
In Deutschland engagieren sich
Menschen in 147 Orten ehrenamtlich
für die Ziele von terre des hommes.
Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit!
Spendenkonto 700 800 700
Volksbank Osnabrück eG
BLZ 265 900 25
Weitere Informationen senden
wir Ihnen gerne kostenlos zu.
Spendenkonto
700 800 700
Volksbank Osnabrück eG
BLZ 265 900 25
Themeninformation
Kinderarbeit
Bestellnummer:
401.1172.01
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
45
Dateigröße
2 094 KB
Tags
1/--Seiten
melden