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Illustration: Violeta Lopiz
Die Stadtteilzeitung aus dem Reuterkiez
Juni / Juli 2011
Lachen – weinen, spielen – schreien, hauen
– schmusen. Mit Kindern ist immer was
los. Und wer kümmert sich? Kinder und
Familie im Schwerpunkt ab Seite 3
Seite 2
Wenn Du dich im Kiez
engagieren willst:
Der Quartiersrat sucht
neue MitreiterInnen.
Seite 6
Wenn der Körper erzählt:
Die Tänzerin und Choreographin
Ricarda Schuh im Interview
Beilage
Wenn die Sommerferien vor der
Tür stehen: Spaß und Abwechslung
für Kinder und Jugendliche mit
dem reuter - Sommerferienkalender.
kurz & neu
Interview
Den Kiez gestalten
Christine Skowronska-Koch engagiert
sich im Quartiersrat für ihren Kiez. Sie
wohnt schon seit fast 30 Jahren hier.
reuter: Seit wann bist Du dabei?
Skowronska-Koch: Ich mache das seit
Anfang an. Eigentlich schon, bevor
der Quartiersrat ein Quartiersrat war.
Da hieß es noch Bürgerjury.
reuter: Warum ist es für Dich wichtig,
in solchen Gremien mitzuarbeiten?
Skowronska-Koch: Für mich war es
immer wichtig, nicht nur über Projekte von anderen zu entscheiden, sondern auch selbst Dinge zu entwickeln
– auch Ideen einzubringen, die offiziell nicht vorgesehen waren.
reuter: Im Moment seid ihr unterbesezt. Warum sollten noch andere mitmachen?
Skowronska-Koch: Um auf die Entwicklung in so einem Stadtteil – der
vorher viele Probleme hatte, der immer noch viele Probleme hat und der
sich rasant verändert – Einfluss nehmen zu können.
reuter: Mit welchen Themen beschäftigt ihr euch aktuell?
Skowronska-Koch: Leider sind wir ja
gerade so wenig, dass wir oft nicht
beschlussfähig sind und teilweise sogar Sitzungen abbrechen müssen. Zu
einem großen Teil mussten wir uns in
letzter Zeit mit der neuen Geschäftsordnung beschäftigen. Das hat viel
Zeit gekostet.
reuter: Zugegeben, das klingt nicht besonders prickelnd. Gibt es denn kon-
krete Projekte, die Ihr angeschoben
habt, zum Beispiel in einer der AGs?
Skowronska-Koch: Ich bin bei der
AG Wohnumfeld. Wir haben für
Straßenbäume gesorgt, es wurden Fahrradbügel aufgestellt. Auch
Bordsteinabsenkungen und die Kreuzungsumgestaltung in der Reuterstraße gingen auf unsere Initiative zurück.
Wir haben uns auch mit der Neugestaltung von Spielplätzen beschäftigt. Das
ist sehr befriedigend: Man sieht halt
was, und das ist ein schönes Gefühl.
Fragen: Tim Zülch
Projektbeschluss in
Steuerungsrunde
Da der Quartiersrat zweimal nicht abstimmungsfähig war, weil nicht genug Personen
anwesend waren (siehe Artikel auf dieser
Seite), hat nun die sogenannte Steuerungsrunde über Projekte für das laufende Jahr,
unter Berücksichtigung der Ziele des Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzeptes und des Votums des Quartiersrates
entschieden. Der Steuerungsrunde gehören
VertreterInnen der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und des Bezirksamtes an.
Bewilligt wurden folgende Projekte: Stadtteilmediation (20.000 Euro), Made in Neukölln (20.000 Euro) und Lokales Kooperationsnetz der Eigentümer (15.000 Euro).
Zusätzlich wird aus Restmitteln das Projekt
Mieter stärken mit 3.840 Euro gefördert.
Bühne frei
Beteiligung im Kiez
Eine Bühne mit allem drum und dran und
das für wenig Geld. Fünf Jugendliche des Jugendprojekts 44 Kingz & Queenz im Richardquartier machen’s möglich. Zusammen mit
dem Sozialpädagogen Thomas Herr haben
sie eine Bühne entworfen und gebaut. Jetzt
wartet sie auf ihren Einsatz bei Straßenfesten,
Kiezveranstaltungen und vielem mehr.
Neue Räte fürs Quartier
Kontakt und Konditionen:
Telefon: 43 73 92 24, toherr@gmx.de
Offene Redaktion
»Musik« ist das Thema der nächsten
Ausgabe.
Das offene Redaktionstreffen findet
immer montags statt.
Nächstes Mal am 4. Juli, 18 Uhr im
Café Goldberg in der Reuterstraße 40.
Wir freuen uns auf AutorInnen und
FotografInnen - und auf Eure guten
Ideen.
Wer nicht zum Treffen kommen kann,
aber gern einen Artikel schreiben oder
ein Thema vorschlagen möchte, setzt
sich am besten vorher mit uns in Verbindung:
reuter@die-praxis-berlin.de
Telefon: 29 778 689
Der nächste Reuter erscheint am Freitag,
den 5. August. Redaktionsschluss: 20. Juli.
die Redaktion
Gefördert durch die Europäische Union, die
Bundesrepublik Deutschland und das Land
Berlin im Rahmen des Programms »Zukunftsinitiative Stadtteil« Teilprogramm »Soziale
Stadt« - Investition in Ihre Zukunft!
Rauchende Köpfe im Quartiersrat, Foto: Tim Zülch
Zum dritten Mal in Folge war der
Quartiersrat in unserem Kiez nicht
mehr beschlussfähig. Zu den Sitzungen, die acht bis zehn Mal im Jahr
stattfinden, kommen inzwischen zu
wenige Aktive, die sich ehrenamtlich
für ihren Kiez engagieren. Grund genug einmal kräftig die Werbetrommel
für dieses besondere Bürgeramt zu
rühren. Denn tatsächlich können die
Anwohnerinnen und Anwohner durch
das Gremium eine ganze Menge für
ihr Wohnviertel bewegen.
Das 2003 gestartete Quartiersmanagement Reuterplatz gehört zu einem der ersten QM-Gebiete Berlins
überhaupt. Derzeit gibt es berlinweit
35 dieser sogenannten Problemkieze,
die auf diese Art gefördert w
­ erden.
Jährlich stehen in unserem Quartier
Fördermittel aus dem Fonds »Soziale
Stadt« zur Verfügung. Diese Mittel
kommen von der Europäischen Union, dem Land Berlin und der Bundesregierung. Der Quartiersrat, als
eine Art BürgerInnenjury, bewertet
die eingereichten Projektideen und
entscheidet zusammen mit Quartiersmanagement, dem Bezirk und der
­Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Vergabe. Ziel ist, dass
es mit dem Quartier weiter aufwärts
geht. Dieses Jahr ging es immerhin
um mehr als 400.000 Euro.
Schwerpunkte der Projekte sind traditionell die Bildung, die Elternaktivierung in den Schulen, die Gestaltung
des Wohnumfeldes und die Stadtteilkultur. Auch diese Zeitung, der reuter,
gehört zu den geförderten Projekten.
Das BürgerInnengremium, das neben
Anwohnern auch aus Vertretern beispielsweise der Schulen oder der lokalen Wirtschaft besteht, wurde erstmals 2005 im Reuterkiez eingeführt.
Stimmberechtigt ist grundsätzlich
jeder Anwohner und jede Anwohnerin
über 16 Jahre.
In der jeweiligen Sitzung kann aber
nur abstimmen, wer in einer der beiden Sitzungen davor mindestens einmal anwesend war. Die Staatsangehörigkeit spielt hierbei keine Rolle.
Im Gegenteil, das Gremium soll die
BewohnerInnenschaft möglichst umfassend abbilden.
Ulrich Falke
(Anwohner und Mitglied im Quartiersrat)
Infos: Quartiersmanagement Hobrechtstraße 59,
www.reuter-quartier.de, Telefon: 62 73 79 52. Das nächste Treffen des Quartiersrats ist am 7. Juni um
19 Uhr im elele Nachbarschaftsverein e.V., Kottbusser
Damm 79a, Zugang über die Hobrechtstraße 55.
Soziale Stadt
Knapp zwei Monate nachdem der Berliner Senat für die von der Bundesregierung
gestrichenen Gelder im Städtebau in die
Bresche gesprungen ist, kommt eine neue
Hiobsbotschaft: Der Haushaltsentwurf sieht
nun vor, weitere 200 Millionen Euro im Bereich des Städtebaus einzusparen. Aus diesem Topf werden auch viele Kiezprojekte
finanziert. Laut Berlins stellvertretender Bürgermeisterin und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer bedeute dies den
Todesstoß für eine soziale Stadtentwicklung,
die den Menschen Hoffnung und Zukunft
gebe. Hier zeige sich das wahre Gesicht der
konservativ-neoliberalen Koalition, ein zutiefst unsoziales Menschenbild: Fordern ohne
Fördern.
Familienwegweiser
Ob der Kindertreff Kiosk, das Familienhaus
FaNN oder der Kinderbauernhof im Görli.
Jetzt gibt es alles, was für Eltern mit Kindern
im Reuterkiez und drumherum von Bedeutung ist auf einem Flyer. Mit Adressen, Öffnungszeiten und kurzer Beschreibung des
Angebots. Zu bekommen ist der Flyer im
Quartiersbüro in der Hobrechtstraße 59.
thema
Kiezumfrage Eltern
Jörg und
ich haben
es relativ
ausgwogen
geregelt
Beide Kinder gehen, seit
sie ein Jahr sind, in die Kita
Pan direkt um die Ecke. Da
bleiben sie in der Regel bis
15 Uhr, einmal pro Woche
auch bis 17 Uhr. Jörg und
ich haben es relativ ausgewogen geregelt: Ich hole
die Kinder an drei Tagen
von der Kita ab, er an zwei
Tagen, wenn ich späte Arbeitstermine habe.
Wichtig ist auch ein Netzwerk aus Freunden, so dass
wir gegenseitig auf die
Kinder aufpassen, wenn
mal Not am Mann ist,
denn Großeltern wohnen
leider nicht in der Nähe.
Außerdem haben wir zwei
Babysitterinnen im Haus,
wenn wir abends mal was
machen wollen.
Gudula, 38, Ergo- und Kunsttherapeutin wohnt mit Jörg (39) und
ihren Kindern Lucia (4) und Milan
(2) in der Weserstraße
Die Illustrationen zum
Themenschwerpunkt
Familie und zum Sommerferienkalender sind von
der Kinderbuch­illustratorin
Violeta Lopiz gezeichnet.
Sie lebt im Reuterkiez
und in Madrid.
www.violetalopiz.com
Wie haben Sie die Betreuung
Ihrer Kinder geregelt?
Umfrage: Dorothée Quarz
Ich fühle
mich
eigentlich
so, als
wäre ich
allein­
erziehend
Mein Freund hat eine Vollzeit-Stelle und ich bin zu
Hause und betreue Marcel.
Ich fühle mich eigentlich
so, als wäre ich alleinerziehend. Mein Freund
macht mehr sein eigenes
Ding und ist viel draußen
unterwegs. Ich hatte eigentlich einen Kitaplatz ab
Mai, aber dann haben die
mir abgesagt. Jetzt suche
ich weiter, auch nach einer
Tagesmutter, aber die sind
alle ausgebucht. Toll wäre
es, wenn es dieses Jahr
noch mit einem Platz klappen würde.
Mareike*, 27, Einzelhandelskauffrau, wohnt mit ihrem Freund
Thomas (36) und Sohn Marcel (20
Monate) in der Reichenberger­
straße. *Name geändert
Wir
teilen
uns
alles
Wer von
uns beiden
gerade
Zeit hat,
übernimmt
die Kinder
Wir sind beide Künstler
und arbeiten freiberuflich.
Unsere Kinder betreuen
wir gemeinsam zu Hause
– wer von uns beiden gerade Zeit hat, übernimmt die
Kinder. Außerdem kommt
die Oma jeden Monat für
eine Woche aus Slowenien
nach Berlin und kümmert
sich in dieser Zeit viel um
die Kinder. Wir haben ein
halbes Jahr nach einem Kitaplatz für unsere Große
gesucht und jetzt hat es geklappt. Leider gibt es keine
Teilzeitplätze in der Kita –
man muss das Kind immer
bis mindestens 16 Uhr dort
lassen, und das ist uns eigentlich zu lange.
Tina, 34, Künstlerin, wohnt mit
ihrem Freund Michael (44) und
ihren Kindern (1 ½ und 2 ½
Jahre) in der Manteuffelstraße.
Momentan sind wir beide
zu Hause, weil wir beide
gerade unser Studium beendet haben und auf Jobsuche sind. Bis August ist
mein Freund in Elternzeit.
Wir teilen uns alles: Jeder
hat abwechselnd einen Tag
frei und einen Tag komplett mit dem Kind. Sonntag ist Familientag.
Seit April bringen wir den
Kleinen schon stundenweise zur Kinderbetreuung in den Miniclub im
Kinderladen in der Wissmannstraße, allerdings
nur zweimal die Woche für
drei Stunden. Aber es ist
schon mal ein Anfang und
Noah liebt es.
Am liebsten würden wir
ihn aber jetzt schon abgeben. Wir haben mit der
­K ita-Suche zu spät angefangen, darum ist nicht
klar, ob wir noch einen
Platz bekommen. Ich
werde beim Jugendamt
einen Gutschein für eine
Tagesmutter ab August
­an­melden.
Ines, 29, hat Geschichte und
Germanistik studiert und wohnt
mit ihrem Freund Camilo und
Sohn Noah Suati (11 Monate) in
der Donaustraße.
Zur Zeit
kümmert
sich
ihr Papa
um sie
Ich bin
zu Hause
und
kümmere
mich
Zur Zeit kümmert sich
ihr Papa um sie, denn ich
muss meine Doktorarbeit
fertig schreiben. Die ersten Monate war ich dafür
bei unserer Kleinen, und
mein Freund konnte sein
Studium beenden. Ab Mitte Juli wird unsere Tochter
dann in die Kita gehen. Es
war übrigens gar nicht so
leicht, einen Platz zu finden. Die Kitas in unserer
näheren Umgebung waren
seit Monaten ausgebucht.
Wir sind etwas nervös, die
Kleine dann wegzugeben
und hoffen, dass es dort
gut sein wird für sie.
Wir freuen uns aber auch,
wieder beide arbeiten zu
können. Und sie wird es
wahrscheinlich auch super
finden mit all den anderen
Kindern zu spielen und
nicht immer nur mit uns.
Damit wir ab und an mal
etwas freie Zeit haben, gibt
es noch eine Babysitterin.
Außerdem haben wir eine
sehr nette Nachbarin, die
angeboten hat, unsere
Tochter mal zu sitten.
Ich bin zu Hause und kümmere mich um Tara. Wir
suchen seit einem ¾ Jahr
nach einem Kitaplatz und
stehen auf diversen Wartelisten. Mein Freund arbeitet 30 Stunden pro Woche
als Erzieher und ich putze
ein Mal die Woche, sonst
reicht das Geld nicht. Im
Haushalt bleibt bei uns
viel liegen; das erledige
ich dann meist samstags,
wenn mein Freund mit
Tara beim Vater-KindFrühstück ist. Leider haben wir keine Familie hier,
die mal einspringen kann.
Jetzt versuchen wir es mit
einem Babysitter.
Katharina*, 35, Doktorandin,
wohnt mit ihrem Mann und ihrer
10 Monate alten Tochter in der
Hobrechtstraße. *Name geändert
Claudia, 37, Juristin, wohnt mit
ihrem Freund Partviz (53) und
Tochter Tara (2) in der Reichenbergerstraße.
thema
Weserstraße
Spielplatz bekommt neues Gesicht
Axel Kruse vom Grünfächen- und Naturschutzamt versucht die Situation
irgendwie zu ordnen. Zwanzig Kinder
plappern auf ihn ein. Der Herr über
Neuköllns 118 Spielplätze nimmts
gelassen. Hinter ihm hängt an einer
Flipchart der Entwurf für die Neugestaltung des heruntergekommenen
Spielplatzes in der Weserstraße 176.
Die zukünftigen NutzerInnen werden
um Vorschläge gebeten.
Ein Anwohner von gegenüber fndet,
dass man den Autoverkehr auf der
Weserstraße beruhigen muss. Eine
Nachbarin fragt, ob der Bolzplatz ein
Gitterdach bekommt. Axel Kruse geht
geduldig auf die Vorschläge und Fra-
gen ein. Schließlich will er nicht an
den Bedürfnissen der NachbarInnen
und Kinder vorbeiplanen.
Dreck-Weg-Aktion
Eine Rundumerneuerung hat der Platz
allemal nötig. Bis vor kurzem war er
völlig verdreckt. Müll und Scherben
lagen im Sand, die Spielgeräte sind uralt und das Tor zur Straße fehlt. Dieser Zustand gefiel den Streetworkern
von Gangway überhaupt nicht. Im Mai
vergangenen Jahres mobilisierte der
Verein zu einer Dreck-Weg-Aktion.
Mit Erfolg. Viele Kinder, Eltern und
NachbarInnen halfen mit, den Platz
zu säubern. Gangway und das Spiel-
mobil kommen seither zweimal die
Woche. 10.000 Euro gab es dafür vom
Jugendamt und der Kurt-Richter-Stiftung (reuter berichtete).
Wunschzettel für den Spielplatz
Auf dem Spielplatzfest: Es gibt eine
Hüpfburg, der Luftballonkünstler
Peter Dahlmann knotet mit den Kindern zusammen bunte Kuriositäten,
und aus dem Ghettoblaster dröhnt
Hip-Hop. Auf dem Biertisch steht eine
Buttonmaschine. Die Gangway-MitarbeiterInnen schnippeln Obst und
Gemüse für die Gäste aus dem Kiez.
Leider seien nicht so viele gekommen
wie erwartet, bedauert Nastaran von
Gangway. Vielleicht ist 13 Uhr noch
zu früh? In diesem Moment erscheinen MitarbeiterInnen einer Kita in
der Weichselstraße. Sie bringen ihren
Wunschzettel für die Neugestaltung
des Spielplatzes mit. Die hat Gangway vorher in den umliegenden Kitas
und Läden verteilt. »Fast alle sind zurückgekommen«, freut sich Nastaran.
Generell sei die Beteiligung super ge-
wesen, meint auch Cengiz, ebenfalls
Streetworker bei Gangway.
Der Radladen
spendiert den Strom
Auch der Frisör auf der anderen Straßenseite fndet es gut, dass hier endlich was passiert, der Radladen nebenan spendiert den Strom für heute
und die Bäckerei schräg gegenüber
hat Flyer ausgelegt.
Der Kontakt zwischen Gangway und
den Kindern ist gut. Nur die Mädchengruppe ist nicht zustande gekommen.
»Neue Mädchengruppen sind hier immer schwierig«, erklärt Cengiz. Die
Kinder und Jugendlichen seien meist
schon in einer der vielen Einrichtungen im Reuterkiez.
Wenn Axel Kruse wissen will, was auf
den Spielplätzen gebraucht wird, geht
er zu Gangway. Sobald der Plan für
den Umbau feststeht, kann es in einem Jahr losgehen. Immerhin 250.000
Euro hat Axel Kruse für die Spielplatzerneuerung zur Verfügung.
Bernd Kessinger
Binationale Familie
Erziehung ist Zündstoff
Vor ein paar Jahren war mir noch nicht
einmal klar, auf welcher Seite des südamerikanischen Kontinents Kolumbien eigentlich liegt. Jetzt bin ich Mutter
eines temperamentvollen elf Monate
alten Halbkolumbianers. Mittlerweile sind binationale Paare und Familien gar nicht mehr so exotisch und
gehören zum Kiezalltag. Allein mein
Freundeskreis besteht aus mindestens
sechs solcher Paare in den schillerndsten Kombinationen.
gemischten Familie tiefere Dimensionen annehmen. Natürlich knallen dabei öfter unterschiedliche Denk- und
Lebensgewohnheiten
aufeinander,
wobei es schon auf der sprachlichen
Ebene zu Missverständnissen kommt.
Es ist schwieriger, auf einen Nenner
zu kommen.
Hoffen auf einen Kitaplatz
Erziehung, Ernährung und Strukturen im Alltag sind Zündstoff. In
Kolumbien beruft man sich gerne
Vorteile kombinieren
auf das Wissen der Mütter und der
Für mich ist das Leben in so einer Familie. Während ich das Modell
Familie eine enorme Bereicherung: meiner Mutter komplett ablehne und
Menschlich und kulturell kommen tausend Ratgeber und Bücher wälze.
vielfältige Aspekte zusammen, von Die Betreuung ist bei uns ähnlich wie
denen alle proin anderen Famifitieren können. »Es ist schwieriger, auf einen lien geregelt: Die
Nenner zu kommen.«
Neben der mehrersten Monate war
sprachigen Erziehung und den Rei- ich hauptsächlich zu Hause, während
sen ins Heimatland meines Freundes mein Freund sein Studium beendet
wächst unser Kind in zwei kulturellen hat. Jetzt teilen wir uns alles 50/50,
Welten auf. Im besten Fall kombi- weil wir beide zu Hause und auf Jobniert man die Vorteile beider Kulturen suche sind – und hoffen auf einen der
»Papa ist gut für das Eine und Mama heißbegehrten Kitaplätze ab August.
für das Andere« – das kann in einer
Ines Eisenbruch
Ka Schmitz ist Comic-Zeichnerin, Illustratorin und Wendo-Trainerin.
Sie lebt und arbeitet in Berlin. DykeMoms wurde bereits in verschiedenen
Städten ausgestellt. reuter zeigt einen Auszug. www.ka-comix.de
Bitte zuerst so falten:
Dann # 1 bis # 4 Lesen.
Was kreucht und fleucht im Gras.
Insektenspezialist Inox Kapell wird es
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Am 18. & 19. Juni | 13 - 15 Uhr
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OlympiasiegerIn werden wollen - und für
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Juni
August
Von Fair Play
Spielplatz Schinkestraße, Di 15 - 16 Uhr
Spielplatz Hobrechtstraße, Di 16 - 17 Uhr
Spielplatz Weichselstraße, Mi 15 - 17 Uhr
mäßig
Fliegendes Theater
Lagerfeuer, Grillen, Wandern
in der Waldschule Teufelssee
vom 1. - 5. August
Kosten: 75,- Euro inkl. Picknick &
Material, Infos und Anmeldung:
41 76 37 03
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Diavortrag und Nachtwanderung
zu den Fledermäusen im Plänterwald, Kosten: 2,50 Euro pro Kind
Waldschule Plänterwald, Dammweg 1b, Anmeldung: 53 00 09 70
4. und 11. August
beobachten
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r erienwoche
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weg, sondern Ihr bleibt in Berlin? Du denkst,
dass das eine echt öde Zeit wird? Dann hast du Dich
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Sehitlik-Moschee, Anmeldung zum Backen:
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Gärtnern, ernten, kochen, spielen,
forschen, basteln, spielen
Kinder ab 6 Jahren, Familien
Kosten: Keine
Familienpunkt, Priesterweg 12,
Neukölln, Infos: 68 08 59 36,
familienpunkt@kjhv.de
Jeden Donnerstag 15 - 18 Uhr
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thema
Patenprojekt
Ein Stück Verantwortung
Paten schenken Zeit, sie hören zu
und sind Vorbilder. Christine und Jakob haben sich entschieden, eine Patenschaft für den kleinen Fabian zu
übernehmen. Ein Gewinn ist das auch
für Fabians Mutter Manuela, die ihrem Sohn eine richtige Familie geben
möchte.
zurückzubrüllen, bringe ich ihn in schen sich eigene Kinder. Christine
sein Zimmer. Dann kann er sich be- war auch schon schwanger. Bis sie ihr
ruhigen, und ich auch. Wenn ich nach Kind verlor.
fünf Minuten wieder reinkomme, sind
Vertrautes Terrain
wir beide wieder normal.«
Ein Kind sei für den Moment absolut Als Fabian das erste Mal in Christines
ausreichend. Später könnten es auch und Jakobs Wohnung zu Besuch war,
mehr sein. Manuela ist mit Michael, weinte er beim Abschied der Eltern.
dem 23-jährigen Vater ihres Kindes Dann entdeckte er eine Shivastatue,
Manuela ist 22 Jahre alt und wohnt zusammen. Er ist gerade zu Besuch. die die beiden aus Indien mitgebracht
allein mit ihrem eineinhalbjährigen »Manuela war nach Fabian zwei- oder hatten, und hängte sich die GebetsSohn Fabian. Sie
dreimal schwan- kugeln um. Das machte ihn glückwürde gerne Altenger, und wir haben lich. Inzwischen sieht er die fremde
»Wir haben uns
pflegerin lernen.
immer abtreiben Wohnung als vertrautes Terrain. Und
ein Stück Kinder-Energie
Doch im Moment
lassen«, erzählt er. ­Manuela hat jetzt auch mal Zeit für
ins Haus geholt.«
füllen Kind und
»Genau zweimal«, sich.
Haushalt ihren Alltag aus. Manuela verbessert ihn Manuela, »einmal drei Jakob möchte Fabian schon bald in
ist eine zarte Frau, die auf den ersten Monate und einmal sieben Monate sein Atelier mitnehmen. Fabian sei
Eindruck schüchtern wirkt. Ihre Mut- nach Fabians Geburt.«
über seine eigenen Entdeckungen
ter starb, als sie acht war. Bis zur Vollüberrascht, wir Erwachsenen hätten
jährigkeit lebte sie in einer Jugend­ Ein halber Tag
dagegen so vieles schon abgehakt.
einrichtung. In einer Wohnung auf Manuela verfügt über keinerlei Hilfe Ein schöner Moment für Jakob war,
sich selbst gestellt, geriet sie in eine eines familiären Netzwerkes. Doch als Fabian lernte, dass man Legoteile
depressive Krise, fügte sich selbst sie möchte ihrem Kind etwas bieten, zusammensetzen kann.
Schaden zu und kam in eine psycho- was sie selbst nicht hatte: eine echte
somatische Klinik. Erst verschlech- Familie. Deshalb hat ein Patenprojekt »Mein Kind« gibt es nicht
terte sich ihr Zustand, doch langsam im benachbarten Gräfekiez eine Pa- Als Christines Freunde von der Patenging es ihr wieder besser. Als sie mit tenschaft zwischen Fabian und einem schaft erfuhren, sagten sie: »Dann
Fabian schwanger war, nahm sie die Pärchen aus Kreuzberg vermittelt. Seit kannst du dich ja auch mal um unseAufgabe, ein Kind zu erziehen, als gut einem halben Jahr bringt Manue- re Kinder kümmern.« Aber genau das
Herausforderung an. Wenn sie Fabian la Fabian nun alle 14 Tage samstags ist es nicht, was sie will. Sie möchte
sieht, wie er voller Freude durch die zu seinen Paten Christine und Jakob, keine Babysitterin sein, sondern ein
Wohnung flitzt, fährt ihr ein Lächeln wo der Junge einen halben Tag ver- Stück Verantwortung für die Entwickübers sommersprossenbesetzte Ge- bringt. Christine ist Juristin in einem lung eines Kindes übernehmen. Wenn
Ministerium, Jakob arbeitet als frei- sie Fabian zu Manuela zurückbringt,
sicht, und ihre Augen strahlen.
schaffender Künstler. »Fabian ist ein fällt ihr das Loslassen nicht wirkMichael ist zu Besuch.
Wonneproppen«, erzählt sie, »wir ha- lich schwer. Ein »mein Kind« gebe es
Es ist die Herausforderung, Haushalt ben uns ein Stück
nicht, und das sei
Auch später
und Kind gleichzeitig zu meistern. In Kinder-Energie ins
eigentlich befreiihrer Küche kann sie das gut erklären: Haus geholt.« Der wird ihr Blick ein anderer sein end. Auch später,
als der der Eltern.
»Ich stelle ihn auf einen Stuhl, damit 38-jährigen
aus
wenn Fabian mal
er mir beim Abwasch zusehen kann. Bayern und dem
Probleme in der
Oder er hilft mir, die Wäsche in die 48-jährigen aus dem Schwarzwald ist Schule haben sollte, wird ihr Blick ein
Waschmaschine zu tun. Dann schreit klar, das so eine Patenschaft auf ein anderer sein als der der Eltern. Und
er nicht so schnell, und ich kann bes- ganzes Leben angelegt ist – und dass das kann das Gespräch erleichtern.
ser arbeiten. Wenn er doch schreit, sie sich damit längerfristig auf Berlin
Max Schach
weiß ich jetzt damit umzugehen: statt festgelegt haben. Die beiden wün- Die Namen wurden geändert.
Pate werden?
Das Patenprojekt ist ein Projekt der
PiK gGmbH (Pflegekinder im Kiez).
Teilhaben können Familien mit Kindern ab dem ersten Lebensjahr und
Erwachsene, die ehrenamtlich und
langfristig ein Stück Verantwortung
übernehmen möchten.
Das Patenprojekt vermittelt vorwiegend Patenschaften an Kinder physisch und psychisch kranker Eltern,
die ohne ein ausreichendes stabiles
soziales Netzwerk aufwachsen.
Die Patenschaft soll ein ganzes Leben
halten, denn die Kinder haben schon
häufig Beziehungsabbrüche erlebt.
Wer selbst Pate werden will, meldet sich bei Mona Rauscher unter
61 67 50 64.
Regelmäßig finden auch Infoabende
statt. Termine unter:
www.patenprojekt-berlin.de
interview
Ricarda Schuh
Die Kunst des Strahlens
­ örpers ist ja eine andere als die des
K
Alltags. In dem Moment, in dem ich
anfange, mit dem Körper zu erzählen, geht es darum, die Bewegung zu
begreifen. Wenn ich sie fruchtbar machen will, zu Tanzkunst, dann muss
ich sie durchleuchten. Und in diesem
Moment passiert etwas ganz Verrücktes. Die Bewegungen fangen an, sich
zu glätten und zu strahlen. Genau
darin steckt die Poesie, wie bei einem
Dichter, der die Sprache durchleuchtet
nach seinen Rhythmen, nach seinem
Klang, bis er sagen kann: Das ist die
erste Zeile meines Gedichts.
reuter: In welchem Moment kannst du
sagen, jetzt strahle ich?
Ricarda Schuh: Wenn ich das Gefühl
habe, dass alle Antennen meines Körpers mit dem Raum verbunden sind.
Ich glaube, das ist der Moment, in dem
das Denken aufhört. Dann stimmt`s.
reuter: Was meinst Du, wie lange Du
Deinen Beruf noch ausüben kannst?
Ricarda Schuh: Wie lange mein Körper noch irgendwas tut, weiß ich
nicht. Momentan ist er brav. Er reaRicarda Schuh in Show Window Life Exhibition, Videostandbild: Andreas Haltermann giert freundlich, wenn ich ihm eine
Anstrengung zumute. Ich weiß, dass
Tanzen will gelernt sein. Wer sich eine ich damals arbeitete, gab’s Theater­ Ricarda Schuh: Ich habe das Gefühl, das nicht selbstverständlich ist, wenn
Tanzkarriere erträumt, sollte früh an- workshops. Da wurde ich ganz nei- dass ich noch etwas zu sagen habe man auf die 50 zugeht. Statt selbst auf
fangen. Denn mit Ende 20 ist es mit disch auf die Kinder. Bei der Prä- und dass mein Körper noch etwas er- der Bühne zu stehen, wird es in Zudem Bühnenleben in der Regel vorbei. sentation habe ich dann jemanden zählen kann.
kunft also immer mehr darum gehen,
In diesem Alter hat Ricarda Schuh getroffen, der einen Tanzworkshop reuter: Welches Thema beschäftigt den eigenen Erfahrungsschatz weiternach langer Pause wieder mit dem gemacht hat, Celso Sousa Baquil, Dich gerade?
zugeben. Ich finTanzen angefangen – und kann es mit ein Brasilianer. Er hatte eine eigene Ricarda Schuh: Der
de die Arbeit mit
»Das ist der Moment,
47 Jahren immer noch nicht lassen. Tanzgruppe. Und weil man das Tan- spanische DichSeniorInnen zum
wo das Denken aufhört«
Ein Gespräch mit der Choreographin, zen nicht verlernt, war alles innerhalb ter García Lorca
Beispiel ein total
Tänzerin und Tanztheaterpädagogin eines halben Jahres wieder da. Ich hat mal gesagt: »Poesie ist etwas, das spannendes Arbeitsfeld. Das ist jetzt
in ihrem Studio in der Lenaustraße.
konnte mit auftreten. Von da ab ging durch die Straßen zieht.« Es springt die 68er-Generation, die für uns auf
es richtig los. Celso Sousa Baquil wur- mich auf der Straße an, im Alltag. Es die Straße gegangen ist, die Frauenreuter: Wie bist du zum Tanz gekom- de zu einem echten Mentor für mich. kommt mir entgegen. Mich interes- bewegung. Die gehen jetzt in Rente.
men?
Er hat mich zwei Jahre lang gequält siert der Alltag der Menschen und wie Die hören doch nicht Schifferklavier.
Ricarda Schuh: Ich habe als Kind an- und herausgefordert.
sie mit ihm umgehen. Ich nehme also Die wollen Hardrock.
gefangen, Ballett zu machen – bis zur reuter: Wann hast Du Dich entschie- auf, was ich sehe und gebe dem mit
Das Gespräch führte Diana Engel
Pubertät. Ich kann eigentlich erst im den, deine Arbeit als Erzieherin an meinem Körper eine eigene Sprache.
Rückblick sagen, dass das Frauenbild, den Nagel zu hängen?
reuter: Hat dich heute morgen auf
was da verkörpert wurde, schon da- Ricarda Schuh: Mit 29 hatte ich die dem Weg hierher schon etwas angeMittanzen
mals nichts mehr mit mir zu tun hatte: Nase voll. Ich wusste, jetzt muss was sprungen?
das Jenseitige, das Leichte, das ohne passieren, war aber zu alt, um eine Ricarda Schuh (lacht): Ja, ein Sessel,
Tanz-Laboratorium: Zeitgenössischer
Gewicht, sich von Männern durch künstlerische Ausbildung anzufan- direkt vor meiner Haustür. Der völlig
Tanz, Improvisation, Komposition
die Gegend schleppen zu lassen. Also gen. Dann habe ich Theater- und Er- kaputt war. Ein sehr schöner Sessel
das, was im klassischen Ballett im- ziehungswissenschaften studiert. Ich mit einem rotgelben Samtbezug. Und
Die Workshop-Gruppe erarbeitet
mer noch zelebriert wird, das war ja musste mir alles aus verschiedenen ich habe mich sofort gefragt, was der
regelmäßig Aufführungen, die öffentdamals noch nicht
Kisten
kramen: wohl alles erlebt hat. Also, das könnte
lich präsentiert werden.
so sehr gebrochen
Die theoretischen ein Stück werden. Meistens liegen bei
»Mit 29 hatte ich
Zur Zeit ist das Laboratorium offen
durch
moderne
und
pädagogi- mir sehr viele Anlässe auf Halde, und
die Nase voll«
für neue Interessierte mit Erfahrung
Ballett­aspekte. Ich
schen Grundlagen wenn die Gelegenheit günstig ist und
in Tanz-Schauspiel-Improvisation.
habe also aufgehört, habe Erzieherin kamen von dort und parallel habe ich meine Energie reicht, dann greife ich
Mittwoch 18 bis 20 Uhr
gelernt, bin nach Berlin gegangen und immer Workshops bei herausragen- mir das und bearbeite es.
Studio für Tanz, Theater und habe dann hier wieder angefangen zu den Tänzern und Theaterleuten be- reuter: Auf deiner Website steht der
Performance, Lenaustr. 4, 2.OG
tanzen.
sucht. So ging das los.
Satz: »Der tanzende Körper ist begabt
www.ricarda-schuh.de
reuter: Wie kam das?
reuter: Wie kommt es, dass Du immer zur Poesie.« Was meinst Du damit?
Ricarda Schuh: In dem Hort, in dem noch auf der Bühne stehst?
Ricarda Schuh: Die Sprache des
seite
48-Stunden-Neukölln
Ein luxuriöser Bezirk
Maybachufer
Cumbia
im Cafecito
Rhythmische Cumbiaklänge, charaktervoller Flamenco und akustischer
Folk aus Berlin: Mitte Juli lädt das
deutsch-kolumbianische Cafecito am
Maybachufer mit einer tänzerischen
Performance und viel Musik zu seiner
offiziellen Eröffnung ein. Dazu gibt es
selbstgemachte Säfte. Das gemütliche
Café ist ein Ort für den schnellen Kaffee und zum Verweilen. Man trifft auf
nette Leute und ein internationales
Publikum.
Freitag 15. Juli, 18 Uhr
Maybachufer 21
Projekt
SeniorInnen
hautnah!
SeniorInnen bilden einen immer
größeren Teil unserer Gesellschaft.
Das Interesse, das ihnen zukommt,
ist jedoch erschreckend gering. Wir,
­Kristina Schwarzrock und Judith
Evers (Schwarzrock & Salomon),
möchten mit unserem Projekt »SeniorInnen hautnah!« eine Brücke schlagen zwischen SeniorInnen und den
übrigen BewohnerInnen im Kiez.
Wir initiieren Begegnungen, geben
Raum für eine sinnlich-theatralische
Auseinandersetzung inspiriert durch
verschiedene Themen, führen Interviews, sammeln Geschichten rund
um den Kiez und aus dem Leben.
Wir freuen uns über jeden, der etwas
Persönliches dazu beitragen möchte,
über Fotos, Briefe oder Bilder. Seien
auch Sie herzlich willkommen bei unseren Treffen.
Wenn Sie nicht persönlich in Aktion treten möchten, dann werfen Sie
Ihren »Schatz« gerne mit dem Vermerk »SeniorInnen hautnah!« in den
Briefkasten der Stadtmission in der
­Lenaustraße 4. Abschließend werden
wir aus dem gewonnenen Material eine
theatralische Aufführung gestalten.
Judith Evers
Kontakt: Telefon 0163- 6355405
kontakt@schwarzrock-salomon.com
www.schwarzrock-salomon.com
Es ist wieder soweit: Vom 17. bis
19. Juni werden im Reuterkiez an
knapp 90 Orten über 150 Kunst- und
Kulturveranstaltungen
angeboten.
Ein ganzes Wochenende lang kann
gestaunt, erlebt, diskutiert, geschippert und genossen werden. Na, wenn
das kein Luxus ist?
Das Festival 48-Stunden-Neukölln
steht in diesem Jahr unter dem Motto »Luxus« – ein Thema, das gerade
in einem Bezirk, der nicht gerade
für seinen Luxus bekannt ist, einen
Spannungsbogen bilden soll. Was ist
Luxus? Ist Kunst Luxus? Leben KünstlerInnen ein luxuriöses Leben? Alles
Fragen, die an diesem Wochenende
thematisiert und gerne diskutiert
werden können. Vor allem der Zusammenhang zwischen Kunst und der
Gentrifizierung im Bezirk ist den VeranstalterInnen wichtig.
Neu ist dieses Jahr eine Jury, die
48 Highlights aus der Fülle der Veranstaltungen ausgewählt hat. Im
Reuterkiez sind das unter anderem
Veranstaltungen im arm+sexy, im
­ hrenhoch, im Atelier Schmidt und
o
in der Galerie R31. Aus diesen 48 wird
dann in einem Wettbewerb der beste
Beitrag gekürt. Zusätzlich wird es
eine Publikumsabstimmung geben.
Preisverleihung ist am Sonntag um
17 Uhr in der alten Kindl-Brauerei in
der Werbellinstraße.
Hauptorganisator Martin Steffens
sieht die Entwicklung in Neukölln
und die Zukunft des Festivals aber
auch durchaus kritisch. Wie er in einem Interview sagte, sei die Obergrenze für die Veranstaltung erreicht,
und man habe dieses Jahr bereits die
Teilnehmerzahl begrenzen müssen.
Der Raum für Kunst in Neukölln, vor
allem im Reuterkiez, werde knapp.
Nischen wie Zwischennutzungen in
Ladenlokalen nähmen ab, und es gäbe
zu viele KünstlerInnen, die mittlerweile hier leben wollten.
timz
Weitere Infos auf www.48-stunden-neukoelln.de
und www.kunstreuter.de
Theatertag
Profis arbeiten
mit Jugendlichen
Im Juni verwandelt sich der Heimathafen Neukölln für einen Tag in ein
Tanz-, Theater- und Sprachlaboratorium für Jugendliche. Fünfzig Jugendliche aus Neuköllner Theatergruppen,
Schulen und außerschulischen Einrichtungen präsentieren ihre Stücke.
Danach arbeiten sie mit professionellen Schauspielern und Tänzern
in Workshops zusammen. Erwartet
werden die Theaterpädagogin Uta
Plate, der Tänzer Aloisio Avaz und der
Schauspieler Dominik Stein.
Ins Leben gerufen wurde der Theater­
tag durch die Bürgerstiftung Neukölln, die die Kinder- und Jugendtheaterarbeit im Bezirk im Rahmen des
Wettbewerbs »Neuköllner Globus«
fördern möchte. Damit soll eine nachhaltige Förderung der Theaterkultur
in Neukölln etabliert werden.
Für den jährlich stattfindenden Wettbewerb »Neuköllner Globus« wurden
18 Theaterstücke angemeldet, davon
werden drei Gruppen zum Theatertag in den Heimathafen eingeladen.
Die endgültige Preisverleihung findet
dann am 24. Juni um 17 Uhr im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt statt.
ele
Theater- und Präsentationstag:
7. Juni, 10 bis 20 Uhr,
Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141
Impressum
Der neue Kiezchor, Foto: Tim Zülch
Kiezchor
Un poquito cantas
»Erstmal laut gähnen«, rät Chor­leiter
Tobias Döling. Nicht nur vor dem
Sport sollte man nämlich Gelenke und
Muskeln warmmachen, sondern auch
vor dem Singen. Später steht Tobias
Döling mit Gitarre und wippenden
Füßen vor acht Sing-Interessierten,
die zur ersten Chorprobe gekommen
sind, organisiert von der KlingKlangMusikschule am Weigandufer. Tobias
Döling gibt den Takt vor für den lockeren spanischsprachigen Song »un
poquito cantas« und für das bekannte Lied »I like the flowers«. Später
probiert er sogar noch einen Kanon.
Aber das Angebot soll niederschwellig sein, sagt er. Das heißt, jedeR kann
mitmachen, die oder der Lust auf
Singen hat. Auch Eltern mit Kindern
sind willkommen. Döling geht sehr
einfühlsam auf die TeilnehmerInnen
ein. Er korrigiert mit einem Lächeln
falsche Töne und swingt dann weiter
im Takt, ohne ihn je zu verlieren.
Der Chor wird jeden Mittwoch von
16:30 bis 18 Uhr in der Mensa der Rütlischule stattfinden. Die Teilnahme ist
kostenlos.
timz
Kontakt: KlingKlang e.V., Telefon: 623 29 70
Die Kiezzeitung reuter erscheint sechs mal im
Jahr. Sie liegt an vielen Orten im Reuterkiez
kostenlos aus. | Hrsg.: ZEMB GbR, Köpenicker
Straße 187/188, 10997 Berlin, reuter@diepraxis-berlin.de | Redaktion: Diana Engel
(ele), Tim Zülch (timz) | ViSdP: Diana Engel,
Tim Zülch | Layout: www.bildargumente.
de (Susanne Beer, Laura Maikowski) | Druck:
Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft
mbH Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24,
14 473 Potsdam. Die Redaktion übernimmt
keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos oder Illustrationen.
Artikel mit Namensnennung geben nicht
unbedingt die Meinung der Redaktion wieder, und es wird keinerlei Haftung für deren
Richtigkeit übernommen. Jegliche Nutzung
von Beiträgen aus dieser Zeitung bedarf
der Genehmigung durch die Redaktion.
kalender
Juni
Fr
11
Sa
15
Mi
17
Fr
10 Uhr: Frauenfrühstück
im Elele-Nachbarschaftszentrum,
Hobrechtstraße 55
12 Uhr: Tour »Hinter den Fassaden«
Wohnen, Einkaufen und Erholen zwischen
Karl-Marx-Straße und Körnerpark (mit
Besichtigung der kurdischen Mizgeft´a
Selahaddin Eyyubi Moschee), mit Emine
Elci und Halise Wulf, Treff: U-Bahnhof
Karl-Marx-Straße, vor dem Eingang zum
Saalbau
18 Uhr:
Treffen der AG Wohnumfeld
Blaue Tische, Friedelstraße 5
48 Stunden Neukölln
Infos: www.48-stunden-neukoelln.de
und www.kunstreuter.de
21 Uhr: Die hohe Kunst der Pantomime:
Memina ab 23 Uhr Tanzvergnügen,
PoPo Bar, Tellstr. 8
19 Uhr: Berlin’s Queens – Retro-Travestie
Tickets: 47 99 74 77 / info@tikberlin.de,
Theater im Keller, Friedelstr. 55
20
Mo
22
Mi
24
Fr
25
Sa
Sa
16 Uhr: Was krabbelt und fliegt denn da?
Insektenführung mit Inox Kapell,
Kids' Garden, Hobrechtstr. 29 / Friedelstr. 39
FETT de la Musique
In der Pflügerstraße
19
So
48 Stunden Neukölln
Infos: www.48-stunden-neukoelln.de
und www.kunstreuter.de
11 -18 Uhr: Langer Tag der StadtNatur mit
Garten-Aktiv-Blumen-Ralley, Sandburgen
bauen, Insektenführung
Kids' Garden, Hobrechtstr. 29 / Friedelstr. 39
13 Uhr: Familienpicknick auf dem Reuterplatz (bei schlechtem Wetter im Kiosk),
jeder bringt etwas Leckeres & eine Decke
mit, Elterninitiative Reuterkiez
19 Uhr: »Die Hofmeister« von Jakob
Michael Reinhold Lenz, Aufführung des
Theaterprojekts in Zusammenarbeit mit
dem Campus Rütli / Gemeinschaftsschule
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2
12 – 17 Uhr: Sommerfest Fair Play
Sportinteressierte und Vereine eingeladen
Sportplatz von Rot Weiß, Maybachufer
19 Uhr: »Die Hofmeister« von Jakob
Michael Reinhold Lenz, Aufführung des
Theaterprojekts in Zusammenarbeit mit
dem Campus Rütli / Gemeinschaftsschule
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2
48 Stunden Neukölln
Infos: www.48-stunden-neukoelln.de
und www.kunstreuter.de
15 - 16 Uhr: Traumland hinter bunten
Mauern Führung durch den Kids' Garden
Hobrechtstr. 29 / Friedelstr. 39
19 Uhr: »Spiel noch einmal für mich
Habanero« Larry Schuba singt Wirtschaftswunderhits der 50er und 60er,
Tickets: 47 99 74 77 / info@tikberlin.de,
Theater im Keller, Friedelstr. 55
12 Uhr: Lange Tafel: öffentliches
­Spaghettiessen (Besteck mitbringen),
Bergmannstraße, Hungrige aus dem
Reuterkiez sind explizit eingeladen
19 - 24 Uhr: Wohl oder Übel: Hinterglasmalerei von Wolf Hamm (auch 18.6. von
12 - 24 Uhr & 19.6. von 12 - 19 Uhr)
Galerie Pflüger68, Pflügerstraße 68
18
18 Uhr: AG Bildung
Kita Weserstr. 185
26
So
29
Sa
19 Uhr: »Die Hofmeister« von Jakob
Michael Reinhold Lenz, Aufführung des
Theaterprojekts in Zusammenarbeit mit
dem Campus Rütli / Gemeinschaftsschule
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2
04
Mo
15
Fr
17
So
20
Fr
27
So
18 Uhr: Performance und viel Musik
anlässlich der Neueröffnung des
cafecito, Maybachufer 21
11 - 15Uhr: Grüner Tisch für Jung und Alt
genießen Sie die Atmosphäre im Garten
Kids' Garden, Hobrechtstr. 29 / Friedelstr. 39
reuter-Redaktionsschluss
für die August / September-Ausgabe
19 Uhr : »Tausend Meilen von zu Haus«
Larry Schuba singt Freddy Quinn, Tickets:
479 974 77 / info@tikberlin.de,
Theater im Keller, Friedelstr. 55
Regelmäßig
18 Uhr: Treffen der Elterninitiative
Reuterkiez (jeden 1. Montag im Monat),
Elternzentrum der Gemeinschaftsschule,
Rütlistr. 41-45
18 bis 20 Uhr: Studio für Tanz, Theater
und Performance Zeitgenössischer Tanz,
Improvisation, Komposition
Mit Ricarda Schuh, Lenaustr. 4, 2.OG
10 bis 12 Uhr: Kostenlose Sprechstunden
rund um die Geburt,
Praxis Dr. Radisch, Telefon 623 20 83,
Sonnenallee 43 / Ecke Tellstraße
16 Uhr: Frauengesprächsgruppe
Erfahrungsaustausch hinsichtlich
­Erziehung, Familie Schulsituation der
Kinder (alle zwei Wochen: 10. & 24. Juni/
8. & 22. Juli), elele Nachbarschafts­
zentrum, Hobrechtstraße 55 a
18 Uhr: Finnisage der Ausstellung »Das
KZ Columbiahaus und Zwangsarbeit
am Flughafen Tempelhof« mit einem
Vortrag von Thomas Irmer (Historiker) über
Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion,
MedienGalerie, Dudenstraße 10
Weitere Kunst- und Kulturveranstaltungen
im Juni und Juli:
www.kunstreuter.de
18 Uhr: reuter-Redaktionstreffen,
Café Goldberg, Reuterstraße 40
Mo
10
So
16 - 17 Uhr:
Traumland hinter bunten Mauern
Führung durch den Kids' GardenHobrechtstr. 29 / Friedelstr. 39
Mi
19 Uhr: Quartiersrat
Elele-Nachbarschaftszentrum,
Hobrechtstraße 55
19
Do
Di
Juli
Fr
07
10 - 20 Uhr: Theater- & Präsentationstag
der Bürgerstiftung Neukölln
Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141
20 Uhr: Travestieshow »StarDreams«
Tickets: Tel. 47 99 74 77, info@tikberlin.de
Theater im Keller, Friedelstraße 55
Sa
So
19 Uhr: Berlin’s Queens – Retro-Travestie
Tickets: 47 99 74 77, info@tikberlin.de,
Theater im Keller, Friedelstr. 55
20 Uhr: Travestieshow »StarDreams«
Tickets: Tel. 47 99 74 77, info@tikberlin.de
Theater im Keller, Friedelstraße 55
So
05
14 Uhr: Kompositionen renommierter
KlangkünstlerInnen Werke elektro­
akustischer Musik, akusmatischer Musik,
Soundscapes, Hörspiele oder Field Recordings, abgespielt im Loop, ›ohrenhoch‹ der Geräuschladen, Weichselstr. 49
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Seele and Geist
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