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Kindbezogene Armutsprävention - Was ist damit eigentlich gemeint?

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Kindbezogene Armutsprävention
- Was ist damit eigentlich gemeint?
Gerda Holz, Frankfurt am Main
Impulsvortrag, anlässlich des 2. Netzwerktreffens der LVR-Koordinationsstelle „Kinderarmut“ am 30.06.2010 in Köln
Drei Grundannahmen
1. (Kinder)Armut ist ein strukturelles (gesellschaftliches) Phänomen
und weniger Folge individuellen (Fehl)Verhaltens
2. Armutsprävention muss entsprechend strukturell umgesetzt
werden und die beiden Ebenen – Verhältnisse und Verhalten –
miteinander verknüpfen.
3. Das erfordert einen neuen – eigenen – Handlungsansatz
einer kindbezogenen Armutsprävention.
Dieser ist ebenen-, ressorts- und institutionenübergreifend
anzulegen und führt auch nur darüber zu nachhaltigen Erfolgen.
Armutsprävention als Handlungsansatz
(nicht nur) für Kommunen
-- Grundverständnis
-- Begriffsklärungen
-- Handlungsansatz
-- Ebenen
-- Präventionskette/-netzwerk
Grundverständnis
„ Konzept der Salutogenese (nach Antonovsky)
Ein Mensch ist nicht entweder gesund oder krank, sondern befindet
sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer bestimmten Position
zwischen Gesundheit und Krankheit
„ Es stehen die fördernden und stärkenden Faktoren im
Vordergrund und bestimmen die Handlungsorientierung
„ Dafür stehen entsprechende Rahmenbedingungen, Strukturen und
Angebote für den Einzelnen/die Gruppen zur Verfügung
(Armutsprävention)
„ Dafür kommen entsprechende Konzepte, Methoden, Instrumente zum
Einsatz (Resilienzförderung)
Prävention verstanden als
„ Förderung von Kompetenzen
(z.B. Gesundheit, Resilienz)
„ Vermeidung und Bekämpfung von Auffälligkeiten
(z.B. von Krankheit, von sozialer Auffälligkeit)
„ Realisierung von Maßnahmen, die Wirkungen im o.g. Sinne
erzielen
„ zum Nutzen des Einzelnen
„ zum Nutzen der Gesellschaft
Prävention im Armutskontext
„ Es ist festzulegen, welche Ebene der Prävention gemeint ist
„ Gesellschaftlich
Armut auf gesellschaftliches Phänomen lässt sind nicht verhindern allenfalls vermindern
„ Individuell
Armut ist als Lebenslage mit komplexen individuellen Wirkungen gesellschaftliche Realität
„ Armut zu bekämpfen/zu mindern ist gesellschaftliche Pflicht,
zentrales sozialpolitisches Postulat und Sozialstaatsgebot
„ Gestaltet wird dies durch Politik und Staat, umgesetzt durch die
sozialen Dienstleister und die dort tätigen Professionellen
„ Wie das geschieht, ist entscheidend für die Handlungsmöglichkeiten
und damit das Verhalten der Betroffenen
Drei Ebenen Armutsprävention
„ Primär
Erweitere Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten zu den
Armutsrisiken vermeidenden Ressourcen
(z.B. Einkommen, Erwerbsarbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit)
„ Sekundär
Individuelle Armutsrisiken sind eingetreten, es sind akute und
potenziell mögliche Auswirkungen zu vermeiden/minimieren
(d.h. Einsatz zusätzlicher ergänzender Ressourcen durch Staat und Gesellschaft, z.B.
Berufsförderung, kostenfreie KiTa-und Schulbildung für betroffene Familien)
„ Tertiär
Gefahr der Verstetigung oder einer „sozialen“ Vererbung abwenden.
(d.h. Einsatz kompensierender und ergänzender Ressourcen, z.B. Ganztagsangebote,
Langzeitbegleitung)
Kindbezogene Armutsprävention …
„ ist ein Konzept
„ das kindzentriert, d.h. aus der Perspektive des Kindes, angelegt ist,
„ das bei der Analyse und Stärkung der Ressourcen und Potenziale eines
Kindes und auf allen gesellschaftlichen Ebenen ansetzt.
„ zielt darauf ab, armen Kindern jene Entwicklungsbedingungen zu
eröffnen, die ihnen ein Aufwachsen im Wohlergehen ermöglichen.
„ ist ein komplexer sozialer und kinder-/jugendpolitischer Prozess,
der ausdrücklich die
„ Verbesserung von Lebensweisen (Handeln und Verhalten),
„ Verbesserung von Lebensbedingungen (Verhältnisse, Strukturen, Kontexte)
umfasst.
Elemente und Charakteristika von (Armuts-)Prävention
„ Alle Kinder sind die Zielgruppe, jedes Kind wird gefördert
„ Schutzfaktoren fördern und Risikofaktoren begrenzen
„ Begonnen wird zum jeweils frühest möglichen Zeitpunkt
„ Lebensweltbezug und Lebensverlaufsbezug, kindzentriert
„ (Arme) Kinder ohne (arme) Eltern gibt es nicht.
„ Zwei Ebenen der Prävention verknüpfen
„ strukturelle Absicherung
„ individuelle Förderung/Stärkung
„ Handlungsform ist die Kooperation von vielen Akteuren
(Professionen, Institutionen, Bürgerschaft usw., z.B. )
„ Strukturformen sind
„ das Präventionsnetzwerk
Runder Tisch im Stadtteil, lokales Bündnis für Familien/Kinder
– Runder Tisch in der Verwaltung – ressortübergreifend
„ die Präventionskette
–
Zur (Armuts-)Prävention werden in der Kommune
gebraucht …
„ allgemeine Infrastruktur
mit Zugang / Nutzung durch alle Gruppen
„ ergänzende Infrastruktur
durch zielgruppenspezifische Maßnahmen
(Wohnen, Gesundheit, Kultur/Bildung, Freizeit, soziale Integration und Teilhabe)
„ kompensierende finanzielle Hilfen
bei (Einkommens-)Armut
Das ist in jeder Kommune vorhanden,
aber unterschiedlich ausgebaut
Richtungen für Strategien einer …
Angebote
ausweiten
Konzepte
verbessern
Direkt
=
M aßnahmen
für das
Kind
Indirekt
= Maßnahmen
für
Eltern/Familie
Ressourcen
ausweiten
Quelle: Eigene Darstellung
Indirekt
= Maßnahmen
für
Umfeld/Sozialraum
Ausgaben
verringern
????
Strukturprinzip kindbezogener Armutsprävention:
Präventionskette durch Netzwerke
Begleitung
Begegnung
Bildung
Beratung
Eltern
Betreuung
Information
Schwangerschaftsbegleitung
Krippe
Kita
Grundschule
Weiterführende
Berufs-
(0-3 J.)
(3-6 J.)
(6-10 J.)
Schule (10-.. J.)
(aus-)bildung
Kind
© ISS-Frankfurt a.M.
Kindbezogene Armutsprävention als
Handlungsansatz von Kommunen
-- Drei Beispiele
„Armen Kindern Zukunft geben“
Arbeitsprogramm gegen Kinderarmut in Nürnberg
„ Oberste Priorität: Infrastruktur und Erwerbstätigkeit
„ Konkrete Handlungsfelder: Was tun in Nürnberg?
1.
2.
3.
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10.
Jedes Kind ist herzlich willkommen
Vernünftige Mahlzeiten für jedes Kind
Gesundheitsförderung von Anfang an
Schulische Teilhabe von Anfang an
Starke Eltern für alle Kinder
Jedem Kind eine helfende Hand
Jedem Kind ein Ferienerlebnis
Sport und Bewegung für jedes Kind
Kultur für alle Kinder
Mehr wissen, besser handeln - Evaluation, Jugendhilfeplanung
„Leitlinien für integrierte Strategien gegen Kinderarmut und zur
Kompensation der Armutsfolgen in Wiesbaden“
(Teil 1)
„ Ziel:
Ein Handlungskonzept gegen die Armut junger Menschen und ihrer
Familien – für materielle und gesundheitliche Sicherung, Bildung, Arbeit
und soziale Teilhabe“
„ Die Handlungsfelder:
„
Materielle Lebenslage
1. Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Sicherung seiner
materiellen Lebensgrundlage
2. Jede Mutter und jeden Vater in der Erziehungskompetenz
unterstützen und stärken
3. Jede Mutter und jeden Vater eine Existenz sichernde
Erwerbstätigkeit eröffnen
„Leitlinien für integrierte Strategien gegen Kinderarmut und zur
Kompensation der Armutsfolgen in Wiesbaden“
(Teil 2)
„
Kulturelle Lage
ƒ Jedem jungen Menschen eine erfolgreiche Bildungsteilhabe
(formal und nonformal) und eine Förderung seiner Begabungen
sichern
„
Soziale Lebenslage
1. Jedem jungen Menschen soziale Teilhabe in Freundeskreis,
Netzwerken, Vereinen etc. ermöglichen
2. Jedem jungen Menschen eine helfende Hand reichen
„
Gesundheitliche Lebenslage
ƒ Jedem jungen Menschen ein unversehrtes und gesundes
Aufwachsen ermöglichen
Beispiel: Mo.Ki – Monheim für Kinder:
Armutsprävention als kommunale Handlungsstrategie
„ Leitlinie:
Es soll möglichst vielen Kindern in Monheim am Rhein eine erfolgreiche
Entwicklungs- und Bildungskarriere eröffnet und gesichert werden
„ Zielsetzung:
Aufbau einer Präventionskette zur Verhinderung von Armutsfolgen
„ Von der Geburt bis zur Berufsausbildung
„ Angepasst an die neuen gesellschaftlichen Realitäten von Familien
„ Begleitung über die verschiedenen institutionellen Übergänge
„ Schaffung von Bildungszugängen
„ Unterstützung von Elternkompetenzen
„ Integration von MigrantInnen
„ Aufbau eines Frühwarnsystems
„ Federführung:
Kommunale Kinder- und Jugendhilfe
(Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familie)
Mo.Ki – Monheim für Kinder
„Förderung und Bildung vom Baby bis zum Azubi“
0 ‐ 3 Jahre
3 ‐ 6 Jahre
6 ‐10 Jahre
0
I
Familie/Krippe
KiTa
10 ‐ 18 Jahre
II
Grundschule
III
Weiterführende
Schule
ab 18 Jahre
IV
Berufs(aus)bildung
Die bisherigen Säulen der Mo.Ki-Kette
„ Mo.Ki – Koordinationsstelle
„ Mo.Ki 0 = bis 3 Jahre
„ Erstbesuch
„ Familienhebamme
„ Treffpunkt
–
–
Cafè und mehr
Familienbildung
„ Mo.Ki I = 3 bis 6 Jahre
„ 5 Kitas als Familienzentrum
„ Mo.Ki II = 6 bis 10 Jahre
„ Übergang Kitas & Grundschule
„ Kindbezogene Förderung über ein spezifische Schulmonitoring
„ Sozialpädagogischer Schwerpunkt mit Elternzentrum
„Mo.Ki – Gesamtnetzwerk“ 2009
Quelle: Darstellung
Herzlichen Dank
für Ihre
Aufmerksamkeit!
Ich freue mich auf die
weiteren Diskussion …
und danach auf …
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