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Alexandra Zepter WAS DER GERMANE OPTIMAL FINDET - GAGL

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Alexandra Zepter
WAS DER GERMANE OPTIMAL FINDET
Die Theorie der Optimalität stellt ein generatives Grammatikmodell bereit, das von Prince
& Smolensky (1993) im Datenbereich der Phonologie und Morphologie entwickelt wurde
und in jüngster Zeit auch das Forschungsinteresse von generativen Syntaktikern erweckt hat
(Grimshaw 1993, 1995 et al).
Das Modell definiert einen Apparat, der Grammatikalität über einen Algorithmus berechnet,
wobei er die Prinzipien eines Sprachsystems in eine Ordnung zueinander stellt. Die Ordnung
betrifft den Vorrang einzelner Prinzipien vor anderen, da wo eine Struktur logisch nicht
gleichzeitig alle geforderten Bedingungen erfüllen kann.
Ein solches Konzept relativer Priorität, das die Verletzbarkeit von Prinzipien zugunsten der
Beachtung anderer systematisiert, bietet eine Möglichkeit, sprachspezifische Variationen über
(a) dieselben und (b) möglichst allgemeine Prinzipien zu erklären, da die Spezifität des
Phänomens nicht auf eine spezifische Regel sondern auf eine besondere Ordnung von
generellen Regeln zurückgeführt wird.
Dabei bietet das Optimalitätsmodell allein das metatheoretische Systemgerüst für Prinzipien,
deren Inhalte es selbst nicht definiert, und deren Allgemeinheit jede Ermittlung somit noch
einlösen muß. Eine syntaktische Anwendung bedarf Konzepten, die aus anderen Modellen
generativer Syntaxforschung entnommen werden können.
Ziel dieses Aufsatzes ist die optimalitätstheoretische Analyse der folgenden zwei Phänomene:
a.
b.
Verbzweit im germanischen Hauptsatz und
Fehlen von Verbzweit im germanischen Nebensatz.1
Punkt 1 gibt Beispiele der relevanten Daten. Dabei werden drei Konstruktionstypen unterschieden und die hier generell zu beobachtenden linearen Abfolgen in Muster zusammengestellt. Diesen syntaktischen Oberflächen ist später jeweils eine optimale Struktur zuzuweisen, die sich aus einer sprachspezifischen Geboteordnung begründet. Punkt 2 erinnert an
'Dieser Aufsatz stellt einen Ausschnitt aus meiner Magisterarbeit vor, in der ich mich, aufbauend insbesondere
auf die Arbeiten von Grimshaw 1993, 1995 und auch Vikner 1995, um eine Anwendung der Optimalitätstheorie auf
den syntaktischen Bereich der satzinitialen Konstituentenabfolgen deutscher Deklarativ- und Interrogativsätze bemüht
habe.
Ermittelt und analysiert wurden die relevanten Strukturen über den einordnenden und abgrenzenden Vergleich mit
den anderen germanischen sowie den romanischen Sprachen. Der Phänomenbereich umfaßte damit Verbzweit,
Residuales Verbzweit im Englischen (mit dem in diesem Zusammenhang auftauchenden do-support) sowie in
Abgrenzung Nicht-Verbzweit im Romanischen; dann die Differenzen und Parallelen innerhalb der Verbzweitsprachen, die im Nebensatzkontext auftauchen, sowie entsprechend die Differenzen und Parallelen mit dem Englischen
und Romanischen. Die constraints bzw. Gebote, die vorgestellt werden, sollen in diesem Sinne mehr erklären als
den im folgenden angesprochenen Datenausschnitt.
Außerdem sei vorgreifend bemerkt, daß ein zweites Ziel der Arbeit darin bestand (auch im Sinne Grimshaws und
anderer), eine Satzstruktur zu analysieren, deren funktionaler Projektionsbereich kontextabhängig variabel ist und
in der den funktionalen Köpfen weder kategorialer per-se-Status noch Selektionsfähigkeit zugeschrieben wird.
Zum Terminus 'Gebot': Die Optimalitätstheorie kennt nur einen Regeltyp, den constraint. Constraint wird im
folgenden als Gebot übersetzt, was den Typus relativ genau umgreift: alle Regeln sind so konzipiert, daß sie eine
wohldefinierte strukturelle Handlung entweder vorschreiben oder verbieten; vgl. u.a. Prince & Smolensky 1993:128.
Ich verdanke den Übersetzungsvorschlag Daniel Büring.
Cr-O
einige der konstitutiv wichtigen Aspekte des optimalitätsspezifischen Konzepts und nennt die
Grundlagen der hier entworfenen syntaktischen Anwendung. Punkt 3 bringt die Analyse und
Punkt 4 schließt mit einem kurzen Fazit. In dem Appendix unter 5 werden alle Gebote noch
einmal in einer geordneten Liste zusammengestellt.
1.
Wer steht an zweiter Stelle?
Die Beispiele in (1) zeigen das V<?rZ>zwez7phänomen, das sich im Hauptsatz in allen germanischen Sprachen mit Ausnahme des Englischen einheitlich beobachten läßt: In subjektinitialen
Sätzen folgt das finite Verb in der Konstituentenabfolge an zweiter Stelle. Voranstellung
einer Topikphrase, Adverbialphrase oder einer Wh-Phrase löst Inversion aus und das
Finitum resultiert wieder auf Platz zwei.
(1)
dt:
a.
b.
Der Chef fegt die rechte Hälfte der Platte.
'Der Chef die rechte Hälfte der Platte fegt.
c.
d.
e.
Diese Platte fegt der Chef oft am Abend.
'Diese Platte der Chef oft am Abend fegt.
'Diese Platte der Chef fegt oft am Abend.
f.
g.
h.
Wann macht der Chef eine kleine Pause?
"Wann der Chef eine kleine Pause macht?
"Wann der Chef macht eine kleine Pause?
Im folgenden werden drei Konstruktionstypen unterschieden, alle drei erfüllen im Hauptsatz
die Verbzweitstruktur:
a.
b.
c.
deklarative subjektinitiale Sätze
deklarative nichtsubjektinititale Sätze (Topik-, Adverbial-eingeleitet)
interrogative Wh-Sätze
Betrachten wir die drei Konstruktionstypen im Nebensatzkontext (Beispiele 2-4), verändert
sich das Bild in zweierlei Hinsicht. Zum einen gilt in allen Verbzweitsprachen: Die Hauptsatzstrukturen können nicht einfach eingebettet werden. Im deklarativen Fall taucht obligatorisch der Komplementierer auf, und zwar an absoluter Spitze. Gleichzeitig verzichtet das
finite Verb in allen Fällen, also auch in den interrogativen Sätzen ohne Komplementierer,
auf seine Zweitstellung; d.i. im Nebensatzkontext finden wir kein Verbzweitphänomen.
(2)
dt:
a.
b.
c.
d.
Helge erwartet, daß der Chef öfter mal Pause macht.
'Helge erwartet, daß der Chef macht öfter mal Pause.
'Helge erwartet, der Chef macht öfter mal Pause.
'Helge erwartet, der Chef öfter mal Pause macht.
e. Der Chef bedauert, daß diese Platte Helge oft nur oberflächlich fegt.
f. 'Der Chef bedauert, daß diese Platte fegt Helge oft nur oberflächlich.
g. 'Der Chef bedauert, diese Platte fegt Helge oft nur oberflächlich.
h. 'Der Chef bedauert, diese Platte daß Helge oft nur oberflächlich fegt.
171
i. Helge fragt sich, was der Chef beim Plattenfegen denkt,
j . 'Helge fragt sich, was der Chef denkt beim Plattenfegen,
k. 'Helge fragt sich, was denkt der Chef beim Plattenfegen.
1. 'Helge fragt sich, was daß der Chef beim Plattenfegen denkt.
(3)
da:
a. Det var en overraskelse at Helge gerne (Adv) ville laese den her bog.
Es war eine Überraschung daß Helge gerne
wollte lesen dieses hier Buch.
b. 'Det var en overraskelse at Helge ville gerne laese den her bog.
c. 'Det var en overraskelse Helge gerne ville laese den her bog.
"Es war eine Überraschung, daß Helge gerne dieses Buch lesen wollte."
(Beispiel nach Vikner 1995:143)
d. Han vidste ikke hvorfor Helge ofte (Adv) havde laest den her bog.
Er wußte nicht warum Helge oft hatte gelesen dieses hier Buch.
e. 'Han vidste ikke hvorfor Helge havde ofte laest den her bog.
f. 'Han vidste ikke hvorfor havde Helge ofte laest den her bog.
g. 'Han vidste ikke hvorfor at Helge ofte havde laest den her bog.
"Er wußte nicht, warum Helge dieses Buch oft gelesen hatte."
(4)
isi:
a. Yfirmaöurinn veit ekki aö Helgi lofaöi oft (Adv) Manu I>essum hring.
Chef-der weiß nicht daß Helge versprach oft
Maria diesen Ring.
b. 'Yfirmaöurinn veit ekki aö Helgi oft lofaöi Mariu tessum hring.
c. 'Yfirmaöurinn veit ekki Helgi lofaöi oft Manu I>essum hring.
"Der Chef weiß nicht, daß Helge Maria diesen Ring oft versprach."
d. Yfirmaöurinn veit ekki aö Pessum hring lofaöi Helgi oft Manu.
Chef-der weiß nicht daß diesen Ring versprach Helge oft Maria.
e. 'Yfirmaöurinn veit ekki aö Pessum hring Helgi lofaöi oft Mariu.
f. 'Yfirmaöurinn veit ekki aö I>essum hring Helgi oft lofaöi Mariu.
g. 'Yfirmaöurinn veit ekki I>essum hring lofaöi Helgi oft Mariu.
h. 'Yfirmaöurinn veit ekki Pessum hring aö Helgi lofaöi oft Mariu.
"Der Chef weiß nicht, daß diesen Ring Helge Maria oft versprach."
i. Yfirmaöurinn spuröi hvaö Helgi lofaöi oft Mariu.
Chef-der fragte was Helge versprach oft Maria.
j . 'Yfirmaöurinn spuröi hvaö lofaöi Helgi oft Manu,
k. 'Yfirmaöurinn spuröi hvaö Helgi oft lofaöi Mariu.
1. 'Yfirmaöurinn spuröi hvaö aö Helgi lofaöi oft Mariu.
"Der Chef fragte, was Helge Maria oft versprach."
Darüber hinaus ist eine Differenzierung zwischen den verschiedenen germanischen Sprache
zu beobachten, eine kleine Gruppe fällt durch ein abweichendes Muster auf:
Die Beispiele unter (4) zeigen, daß das Isländische das finite Verb in allen drei relevanten
Konstruktionstypen zumindest kurz bis über das sententiale Adverbial hinweg bewegt, bei
der Topikkonstruktion sogar noch über das Subjekt hinweg (Verbdritt; embedded V2). Ganz
analog verhält sich das Jiddische.
Sehen wir von der OV-VO-Differenz ab, zeigt der gesamte Rest der germanischen Verbzweitsprachen einheitlich eine deutlichere Opposition zum Verbzweitmuster: In allen drei
Konstruktionstypen bleibt das finite Verb hinter dem sententialen Adverbial zurück. Die
deutschen Beispiele in (2) repräsentieren OV, die dänischen in (3) entsprechend VO.2
Zusammengefaßt ergeben sich die Muster in (5).
Muster:
(5)
Hauptsatz
Nebensatz
Gruppe AGenn: Isländisch, Jiddisch
a. DPSubj - finV - AdvP
b. XP - finV - DPSubj - AdvP
c. Kompl - DPj,,,, - finV - AdvP
d. Kompl - XP - finV - DP^,,- - AdvP
e. Wh - DPs^ - finV - AdvP
Gruppe BGenn: OV-Sprachen (Deutsch), festlandskandinavische VO-Sprachen
f. DPSubj finV - AdvP
g. XP - finV - DPSubj - AdvP
h. Kompl - DPs^ - AdvP - finV
i. Kompl - XP - DP^bj - AdvP - finV
j . Wh - DPs^ - AdvP - finV
Der Analyse stellen sich die folgenden Fragen:
Welche Strukturen sind den drei Konstruktionstypen in Haupt- und Nebensatz jeweils
zuzuordnen?
Welche germanische Geboteordnung erklärt sowohl das Auftreten des Verbzweitphänomens im Hauptsatz als auch dessen Abwesenheit im Nebensatz?
Welche Differenzierung in der Geboteordnung erklärt die Teilung der germanischen
Sprachen und bleibt dabei gleichzeitig der strukturellen Übereinstimmung gerecht?
a.
b.
c.
Ich werde die Gebote, die die optimalitätstheoretische Erklärung benötigt, im Laufe der
Analyse einzeln einführen, und zwar immer dann, wenn sie durch den jeweiligen Kontext
relevant werden. Hier nur soviel: Es gibt eine ganze Menge von undominierten Geboten
(UnG), die alle ohne relative Ordnung an der Spitze der Geboteordnung stehen und alle stets
2
Die abweichenden Muster der Einbettungen unter Brückenverben werden von der Analyse nicht diskutiert.
173
beachtet werden;3 und eine Reihe von konfligierenden Geboten, die also den aktiven Kon
flikt austragen.
Das Verbzweitbedingungsgefüge erklärt sich in diesem Sinne vorzugsweise aus dem Zusammenspiel von vier Geboten: Zwei Gebote, die die generelle Direktionalität der X-barStruktur determinieren und zwei Gebote, die allgemein strukturrestringierend wirken.
2.
Optimalitätstheorie, GB-Modell, Erweiterte Projektion
Vor Einstieg in die Analyse sollen kurz einige grundlegende Aspekte der Optimalitätstheorie
skizziert werden. Der mit dem Modell vertraute Leser mag die Punkte 2.1.-2.3. überspringen. Punkt 2.4. bringt die vorausgesetzten Annahmen der syntaktischen Anwendung.
2.1.
Die beste aller möglichen Alternativen
Das Modell der Optimalität stellt einen Berechnungsapparat zur Verfügung, der grammatische Strukturen mit Hilfe eines vergleichenden Algorithmus erzeugt.
(6)
a.
b.
GEN (Inj
H-EVAL (Out;, 1 < i < oo)
-*
-»
{ Outx, Out2, ... }
Out«,,
(Prince & Smolensky 1993:4)
Der Apparat umfaßt zwei Funktionen: Eine erste, minimal restringierte Funktion GEN
(Generator) greift auf eine Eingabestruktur respektive -menge (= Input) zu und gibt eine
infinite Menge möglicher Ausgabestrukturen zurück - das sind die Kandidaten (= candidate,
competitor). Bei der Generierung der Vergleichsmenge können niemals Merkmale getilgt
werden. Eine zweite Funktion H-EVAL (Harmony Evaluation) umgreift die Geboteordnung
und den eigentlich machtvollen Algorithmus, der über Grammatikalität entscheidet. H-EVAL
vergleicht die Kandidaten und ermittelt die optimale Ausgabestruktur, die allein grammatische Struktur (= real Output).4
'in allen analysierten Verbzweit- und Nicht-Verbzweitsprachen ist diese Menge identisch. Daß die UnG in den
betrachteten Sprachen respektive in Hinsicht auf den Datenbereich undominiert sind, heißt allerdings nicht, daß sie
generell undominiert sind.
Wen die Fülle an Prinzipien erschreckt, der mag bedenken, wieviele Konzepte und Regeln jedes generative
Grammatikmodell implizit voraussetzt, ohne dies oftmals ausdrücklich kenntlich zu machen. Eine der Vorzüge der
Optimalitätstheorie ist, daß sie uns explizit zeigt, was wir annehmen, um ein Phänomen zu erklären.
4
In Hinsicht auf die Funktion GEN ist zu beachten: GEN soll möglichst wahllos beliebige Strukturen erzeugen,
über deren Wohlgeformtheit die postderivationell zugreifenden Gebote entscheiden. Solange GEN aber eine
Operation darstellt, ist diese trivialerweise nicht völlig regelfrei zu konstituieren. Während jedes Gebot per
Definition potentiell dominierbar und damit verletzbar sein soll, bilden solche strukturerzeugenden Regeln über GEN
einen Systemteil universal absoluter Prinzipien.
174
2.2.
Das Gebot - generell, verletzbar und universal
Die Funktion H-EVAL kennt nur einen einzigen Regeltyp, das Gebot:
a. Alle Gebote haben unabhängig von ihrer aktuellen Plazierung in einer gegebenen Hierarchie denselben Status und sind zumindest potentiell verletzbar.
b. Ein Gebot fordert oder verbietet eine spezifische strukturelle Konfiguration - im ersten
Fall verletzt eine Struktur das Gebot, wenn sie die entsprechende Konfiguration nicht
realisiert, im zweiten Fall, wenn sie sie realisiert. Die Konzeption des kategorischen Imperativs bedingt, daß alle Gebote generell sind. Die interne Struktur eines Gebots ist immer
absolut. Gerade indem es für alle möglichen Fälle gilt, kann es verletzt werden.
c. Alle Gebote sollen im Idealfall universal sein. Eine spezifische Sprache entsteht über eine
spezifische Ordnung der Gebote. Formal abgebildet wird die Priorität über eine Dominanzrelation: Gebot A > > Gebot B. Konfligieren A und B, d.i. ist die gleichzeitige Beachtung
logisch nicht möglich, muß eine Sprache mit entsprechender Ordnung im relevanten Minimalkontext B zugunsten von A verletzen.
Ein Beispiel: Nehmen wir in grober Vereinfachung an, A stünde für "Das Objekt steht auf
S-Struktur linksadjazent zum finiten Verb" und B für "Das Objekt steht auf S-Struktur
rechtsadjazent zum finiten Verb" sowie zwei Sprachen Ovisch und Vobisch, die auf syntaktischer Ebene nur die Gebote A und B kennen. Im Ovischen gilt A > > B, im Vobischen
dagegen B > > A. In Folge sind im Ovischen allein die Sätze grammatisch, die das Objekt
dem finiten Verb voranstellen, während das Vobische nur die umgekehrte Oberflächenabfolge kennt.
Parametrisierung ist in diesem Sinne ausschließlich ein Effekt von Modifikation der Hierarchie und nicht von Modifikation der Inhalte bestimmter Regeln. Eine sprachspezifische
Grammatik ist die Wirkung einer spezifischen Geboteordnung.
2.3.
Evaluierung der Geboteordnung - optimal ist, wer der Hierarchie gerecht wird
Gegeben eine Geboteordnung und eine aktuelle GEN-Ausgabe werden alle möglichen
Kandidaten auf ihre Verstöße hin parallel überprüft.
Die Auswertung der Gebotehierarchie als solche ist ein sequentieller Prozess. Sie beginnt
beim höchstgeordneten Gebot, steigt sukzessive abwärts und bricht in dem Moment ab, wo
sich in Hinsicht auf das gerade betrachtete Gebot ein Kandidat findet, der im Vergleich mit
allen anderen Kandidaten weniger Verletzungen aufweist. Die tiefer geordneten Gebote
werden von dem Berechnungsapparat nicht mehr ausgewertet.
Der Funktionsablauf läßt sich wie folgt beschreiben: Die Menge von Verstößen, die ein
Kandidat in Hinsicht auf ein Gebot aufweist, wird als eine Liste von Markierungen gedacht
(jeder Verstoß eine Markierung). Beginnend beim obersten Gebot werden zuerst alle Kandidaten auf die entsprechend zugehörige Liste hin verglichen. Dabei zählt der Algorithmus
nicht, sondern er entfernt Markierungen: Ein Kandidat x ist nicht harmonischer als ein
Kandidat y, weil er das höher geordnete und zuerst betrachtete Gebot insgesamt nur dreimal,
Kandidat y es aber insgesamt fünfmal verletzt, sondern allein deshalb, weil er hinsichtlich
des besagten Gebots weniger Markierungen aufweist. Man kann sich den Mechanismus, der
nicht zählt, wie folgt klarmachen. Würden wir die relevanten Markierungen in zwei Hüte
werfen, nebeneinander stellen und jeweils gleichzeitig aus beiden Hüten eine Markierung
ziehen, dann würden wir beim Hut des Kandidaten x zuerst den leeren Boden erreichen.
175
Ohne die entfernten Markierungen im Kopf summiert zu haben, wüßten wir, daß Kandidat
x weniger Verletzungen begeht.
Faßten wir bei beiden Hüten in demselben Berechnungschritt ins Leere, hätten wir eine Pattsituation. Um zu erfahren, welcher Kandidat der endgültig harmonischere ist, müßten wir
zum nächstwichtigsten Gebot absteigen und die hier relevanten Listen respektive Hüte
vergleichen.
Insgesamt gilt also: Der Kandidat einer Vergleichsmenge ist der harmonischste, der die am
höchsten geordneten Gebote weniger oft verletzt als alle anderen Kandidaten. Nur diese
optimale Struktur ist grammatisch, alle anderen Strukturen sind ungrammatisch.
Plastisch darstellen läßt sich der Kandidatenvergleich mit Hilfe einer Gebotetafel (Constraint Tableau). In entsprechender Tafel werden auf der horizontalen Achse die Gebote in absteigender Hierarchie vom Koordinatenmittelpunkt
nach rechts geordnet; auf der vertikalen Achse reihen sich die Kandidaten. In den Feldern, die über Spalten und
Reihenbildung resultieren, werden die einzelnen Markierungen notiert.
Dabei ist zu beachten: Im Vergleich mit dem Berechnungsapparat zeigt die Gebotetafel zuviel Information, denn sie
notiert alle Markierungen hinsichtlich der aufgeführten Geboteordnung. In diesem Sinne ist sie eventuell irreführend,
denn sie könnte den falschen Eindruck erwecken, daß eine Grammatik der Optimalität Verletzungen "zählt". Die
Gebotetafel ist aber gerade durch den Informationsüberschuß besonders hilfreich für die Einsicht in die Interaktion
der Hierarchie. Die simultane Gegenüberstellung der Kandidaten sowie ihrer Markierungslisten macht die Dominanzrelationen transparent, die über Grammatikalität entscheiden.
Theoretisch muß man sich die Tafel bis ins Unendliche ausgedehnt denken, da die Menge der Kandidaten infinit ist.
In der aktuellen Auswertung müssen wir jedoch niemals alle Kandidaten betrachten, da das Gros möglicher
Strukturen aus logischen Gründen ausscheidet: Kandidaten, die sich nur dadurch unterscheiden, daß sie ein
bestimmtes Gebot ad infinitum mehrfach verletzen, werden von den entsprechend geringer markierten Kandidaten
harmonisch gebunden.5
Gebotetafel (Muster)
«"
Kandidaten
Gebot A
Gebot B
Struktur x
*
**!
Struktur y
*
Struktur z
**!
Gebot C
*#*
*
Jedes Sternchen in den Feldern steht für eine Verletzung bzw. Markierung.
Ein Ausrufezeichen bedeutet: "Die links neben mir notierte Markierung führt zum Ausscheiden der Struktur dieser
Reihe, da mindestens ein Kandidat mit parallel evaluierter leerer Liste existiert."
Die graue Schattierung grenzt die Felder aus, die für die grammatische Entscheidung nicht mehr relevant sind und
deren Listen von dem Berechnungsapparat nicht verglichen werden.
Der Zeigefinger markiert den optimalen Kandidaten, die reale Ausgabe.
2.4.
Optimale Erweiterte Projektionen
Wie kann eine syntaktische Anwendung von OT aussehen? Bevor wir uns noch über die
Gebote und ihre Ordnung Gedanken machen, müssen wir im Vorfeld zwei Punkte klären:
a.
Wie soll die Eingabe für die syntaktische Ebene aussehen?
'Vgl. zum Ausschluß durch harmonische Bindung Prince & Smolensky 1993:129f.
176
b.
Welche Arten von Kandidaten erzeugt die GEN-Funktion, d.i. wie sehen die Strukturen aus, die die Geboteordnung vergleichen soll?
2.4.1. Keine syntaktische Eingabe ohne abstrakten F-Kopf
Was die syntaktische Eingabe anbelangt, ist man sich im optimalitätstheoretischen Diskurs
bis dato relativ uneinig. Ich bin als Arbeitshypothese von einer Definition ausgegangen, die
Grimshaw 1995 vorgeschlagen hat,6 allerdings in leicht modifizierter Form:
(7)
Syntaktische Eingabe: Elementmenge, die das flektierte Verb, seine obligatorischen
und optionalen Argumente, semantisch interpretierbare flektierte Auxiliare und eine
abstrakte Tempus- und Verbmodusspezifikation umgreift. Jede semantisch interpretierbare syntaktische Einheit ist Bestandteil der Eingabe.
Bei der Definition ist zu beachten:
a. Die Eingabemenge umfaßt das flektierte Verb und seineflektiertenArgumente.
b. Semantisch gehaltvolle Komplementierer oder Konjunktionen zählen zum Eingabematerial, aber nicht der affirmativ spezifizierte deklarative Komplementierer that bzw. daß etc.
Der deklarative Komplementierer ist für GEN frei verfügbar.
c. Es gibt in allen Fällen eine abstrakte Tempusspezifikation, die als funktionaler Kopf (F°)
resultiert.7
Was die Relation zwischen lexikalischem V-Kopf und funktionalem F-Kopf anbelangt, wird
das Konzept der Erweiterten Projektion von Grimshaw (1991) vorausgesetzt.
(8)
Erweiterte Projektion: Lexikalische X°/XP sind selegiert, während funktionale X°/XP
Projektionen einer lexikalischen Basis darstellen.
Das Konzept der Erweiterung ermöglicht die Konstanz des kategorialen Status der Gesamtprojektion, die in Größe kontextabhängig variieren kann, und definiert eine erste Restriktion
über die GEN-Funktion.
2.4.2. Zwang, Freiheit und Willkür der GEN-Funktion
Die GEN-Funktion greift auf die Eingabemenge zu und verkettet die Elemente zu möglichen
syntaktischen Strukturen, den Kandidaten der Vergleichsmenge.8
6
Vgl. Grimshaw 1995:2.
'Dieser Punkt weicht von Grimshaw ab: In Grimshaws Konzeption von 1995 kann die englische VP ohne jede
funktionale Erweiterung bleiben. Tempusspezifikation sowie Prüfung der morphologischen Formen wird in diesen
Fällen ausschließlich morphologisch organisiert, in den anderen Fällen aber syntaktisch; vgl. Grimshaw 1995:9.
'Generiert die GEN-Funktion D- respektive S-Strukturen oder aber Derivationen? Es ist wichtig sich klarzumachen, daß der optimalitätsspezifische Apparat mit beiden Konzepten kompatibel ist, solange das strikte Verbot
jeglicher Informationstilgung gilt.
Im GB-Modell sind D- und S-Struktur Repräsentationsebenen, auf die jeweils unterschiedliche Prinzipien zuzugreifen
vermögen. In einem optimalitätsspezifischen Modell ist die gesamte Geboteordnung postderivationell auszuwerten.
177
Die Kandidaten können beliebig komplex sein, restringiert wird GEN über die folgenden
Bedingungen:
a. X-bar-Theorie: Die Funktion GEN erzeugt x-bar-theorie-kompatible Strukturen.9
b. FP ist projiziert von V°. Es ergibt sich die Minimalsatzstruktur (mit unspezifizierter
Direktionaütät und unspezifizierter Anzahl der VP-Schalen):
FP
i
F'
F°
VP
V'
V°
jyp
v°"x
c. In Hinsicht auf die maximale Größe der Struktur ist GEN unbeschränkt; Struktur wird
erzeugt über:
- Verkettung von Eingabeeinheiten
- move a
-funktionale Erweiterung; in Ableitung von F°.
Definition und Erläuterung der möglichen funktionalen Erweiterungen sei bis zur konkreten
Analyse zurückstellt. Hier ist der folgende Aspekt hervorzuheben: Syntaktische Positionen
(Köpfe, Spezifikatoren etc.) sind nur dann existent, wenn entsprechende Einheiten (abstrakt
oder overt) von GEN verkettet respektive über Bewegung erzeugt werden.
d. Ein Komplementierer etabliert generell keine autonome funktionale Projektion. Das heißt,
es gibt keinen C-Kopf. Stattdessen wird der Komplementierer als modusspezifizierende
funktionale Einheit verstanden, die kontextabhängig auftritt und nur in die syntaktische
Struktur gelangen kann, indem sie an den in allen Kontexten präsenten F-Kopf adjungiert.
e. Keine Beschränkung in Hinsicht auf Direktionaütät.
Zum Aspekt der Direktionaütät soll sofort noch etwas mehr gesagt werden. Als Fazit ist
festzuhalten:
In Kombination beider Modelle kommen damit alle Gebote erst auf S-Struktur zum Einsatz. Das heißt jedoch nicht,
daß bestimmte Gebote nicht explizit auf die D-Struktur rekurrieren könnten. Solange keinerlei Information der
"Überführungsgeschichte" von D- zu S-Struktur ausgestrichen wird, ist erstere stets rekonstruierbar. Andererseits
bedeutet D-Struktur - sobald wir von einer Eingabeelementmenge ausgehen und den GEN-Mechanismus sowohl Dals auch S-Struktur erzeugen lassen - in Hinsicht auf besagte Generierung nichts anderes als ein derivationeller
Zeitpunkt.
Insgesamt halte ich es für konzeptuell eindeutiger, die Kandidaten als Derivationen zu erfassen, auch dann, wenn
die Lokalisierung einer "d-strukturellen Zwischenstation" für bestimmte Funktionen, wie etwa die Verteilung der
thematischen Relationen, durchaus notwendig bleiben mag.
*Es gelte ein X-bar-Modell, das allein binär verzweigte Strukturen kennt; Kayne (1984), Larson (1988).
178
Die GEN-Funktion erzeugt aus der syntaktischen Eingabe eine potentieü infinite Vergleichsmenge von Kandidaten, die erweiterte Projektionen derselben lexikalischen Basis darstellen.
Syntaktische Positionen werden entweder über Verkettung oder über Bewegung erzeugt. Der
grammatisch potente Apparat, die Geboteordnung der Funktion H-EVAL, vergleicht die
Gesamtderivationen.
Besagte Geboteordnung muß auch die Optimalität der internen Struktur der Verbalphrase
auswerten, d.i. es müssen z.B. "Linking-Gebote" existieren, die die Verteilung der thematischen Relationen organisieren.10 Die Analyse wird diesen Teil jedoch ausklammern und eine
Basis-VP voraussetzen; bis auf einen Teilaspekt, der die Direktionaütät der Struktur und insbesondere des obligatorischen funktionalen Kopfes betrifft.
Generell soll GEN nicht über Verzweigungsrichtungen spezifiziert sein. Die Direktionaütät
der einzelnen Projektionen der optimalen Kandidaten wird über drei Gebote gesteuert: die
Lokalisierungsgebote.
Die Lokalisierungsgebote sind so konzipiert, daß sie mehrere Effekte haben: An erster Stelle
bestimmen sie, welche Direktionalitätsverteilung eine X-Phrase aufweist, ein Punkt, den die
X-bar-Theorie als solchen offenläßt. Darüber hinaus können sie noch mehr und erklären
derart das Verbzweitbedingungsgefüge, aber dazu kommen wir anschließend. Insgesamt gibt
es drei Konzeptwerte:
(9)
Komplement-Rechts (C-R):
Das Komplement steht auf S-Struktur am äußersten rechten Rand seiner lokal gültigen Projektion.
Spezifikator-Links (Sp-L):
Der Spezifikator steht auf S-Struktur am äußersten linken Rand seiner lokal gültigen
Projektion.
Kopf-Links (K-L):
Jedes maximale X° steht auf S-Struktur am äußersten linken Rand seiner lokal gültigen Projektion.
Bei einer Ordnung Spezifikator-Links > > Kopf-Links ergibt sich das Bild in (10).
(10)
Restriktion über Direktionaütät: C-R, Sp-L, K-Ln
C-R
Sp-L
K-L
*
«" a. [xp XP-Spec X° XP-Komplement]
*
b. [ w XP-Spec XP-Komplement X°]
*!
c. [xp XP-Komplement X° XP-Spec]
*!
*
d. [xp X° XP-Komplement XP-Spec]
*!
*
*
"Vgl. zur Li«fa7ig-Theorie im GB-Modell u.a. Marantz (1984), Kiparsky (1989), Grimshaw (1990), Büring
(1992).
"Die gestrichelte Linie zwischen zwei Geboten bezeichnet das Fehlen einer relativen Ordnung.
179
Gegeben eine Eingabe mit Komplement, Spezifikator und Kopf, die von GEN zu einer
Menge von XP-Kandidaten verarbeitet wird, so resultiert die XP (a) mit linkem Spezifikator
und links vom Komplement stehenden Kopf als die optimal verzweigende. Dabei ist die
relative Ordnung von Komplement-Rechts egal, das Gebot muß nur existent sein: a und b
verletzen beide Kopf-Links, aber b noch zusätzlich Komplement-Rechts.
Das heißt: Bei einer Ordnung Spezifikator-Links > > Kopf-Links sorgen die Lokalisierungsgebote dafür, daß stets die erweiterten Projektionen gewinnen, die alle ihre Spezifikatoren
auf die linke Seite stellen und ihre Köpfe links vom Komplement generieren.
In allen Verbzweitsprachen soll gelten Spezifikator-Links > > Kopf-Links. Dies hat zur
Folge, daß alle Köpfe linksperipher stehen und daß in den OV-Sprachen nicht die Direktionaütät der funktionalen Köpfe eine Abweichung von der optimalen XP bedeutet, sondern
allein die der lexikalischen V-Köpfe. Die Idee hier ist: Es gibt einen Gebotezusammenhang,
der innerhalb der Verbalphrase der OV-Sprachen den V-Kopf auf die rechte Seite zwingen
kann - ansonsten sehen die Satzstrukturen in allen germanischen Sprachen in Hinsicht auf
Direktionaütät genau gleich aus: alle funktionalen Köpfe stehen links vom Komplement.12
Ich setzte in diesem Sinne die Basisverkettung in (11) voraus. Die Subjekt-DP wird in VPSpec basisgeneriert. Ein sententiales Adverbial muß x-bar-theoriekonform an die respektive
an eine VP-Grenze adjungieren.
(11)
Optimale Basis-Satzstruktur (OV):a
FP
F°
VP
Die Frage nach der Direktionalitätsbegründung hat uns bereits in den Operationsbereich der
syntaktischen Geboteordnung geführt. Der nächste Punkt 4 analysiert die in 1 vorgesteUten
Daten bzw. Muster zuerst des nichtsubordinierten, anschließend entsprechend des subordinierten Kontextes. Dabei wird sich zeigen, daß dieselben Lokalisierungsgebote, die die
von der X-bar-Theorie nicht determinierte Richtungsverteilung einer XP organisieren,
darüber hinaus maßgeblich an der Erklärung der Verbzweit-Zusammenhänge beteiligt sind.
l2
Die Optimalität der linksköpfigen X-Phrase inkludiert die Präferenz linksköpfiger funktionaler Phrasen, so daß
entsprechende Prinzipien für eine "universale Linksköpfigkeit funktionaler Phrasen" entfallen können; vgl. z.B. das
Theorem über Uniforme Linearisierung von Merkmalsprojektionen in Haider 1993:57.
"Desiderat ist die Ermittlung eines einzelnen Gebots, das die VP-interne Direktionaütät determiniert. Betreffendes Gebot wäre über Komplement-Rechts zu ordnen, damit die optimale Struktur die einhergehende Verletzung
toleriert. In diesem Fall könnte sich der OV-VO-Kontrast auf einen entsprechend singulären Gebotekonflikt
reduzieren. Da die relative Ordnung von Komplement-Rechts für das germanische Bedingungsgefüge peripher ist,
wird das Gebot für eine klarere Einsicht in die relevanten Zusammenhänge im folgenden ausgeklammert.
180
3.
Weil Germanen Köpfe bevorzugen
(12)
Notation:
a.
b.
c.
e.
F° steht für den abstrakten Original-F-Kopf und auch für die rekursive Erweiterung.
tF meint die Spur eines reprojizierten abstrakten F-Kopfes; d.i. F°-tF-Kette.
Bei Komplementierer-Adjunktion an einen rekursiv erweiterten oder reprojizierten F-Kopf steht als Kürzel
nur der Komplementierer.
Bei Reprojektion des F-Kopfes mitsamt eines vormalig adjungierten V-Kopfes wird die Verbkette notiert:
finVrt-t,.
UnG = {ECP, GS, SM, OpS, *FinR, SFL}
3.1.
Der einsame Germanenspezifikator
d.
Sp-L > > *FR
3.1.1. Subjektinitiale Hauptsätze (SFL, Sp-L, K-L, *KA)
(13)
dt:
Der Chef fegt die rechte Hälfte der Platte.
Wir beginnen mit der Analyse der deklarativen subjektinitialen Sätze. Der Beispielsatz in
(13) zeigt das relevante Muster: Das finite Verb steht an zweiter Stelle und bei Voraussetzung der Basis-Struktur in (11) muß Bewegung stattgefunden haben. Das heißt, wir
brauchen Gebote, die Anhebung motivieren.
Zuerst zu den beteiügten undominierten Geboten. Die Analyse setzt voraus, daß alle besprochenen deklarativen und interrogativen Satztypen auf syntaktischer Ebene obügatorisch drei
Funktionen realisieren müssen:
a.
b.
c.
Tempus und Kongruenz (Gebot Generelle Satzfunktionen GS)
Zuweisung des Nominativkasus (Gebot Subjekt-in-F-Lizenzierung SFL)
Realisierung eines Satzmodus (Gebot Satzmodus SM)
Das erste Gebot über Tempus und Kongruenz bildet noch keinerlei Anhebungsmotivation,
denn es ist so konzipiert, daß es mit der Basisverkettung abgeleistet werden kann.
Ich gehe davon aus, daß sowohl in allen germanischen als auch romanischen Sprachen die
zeitliche und modale Verortung eines Satzes konstitutiver Teil der Syntax ist. Deshalb wird
ein obligatorischer funktionaler Kopf angenommen, der die abstrakt kodierte Spezifikation
enthält und diese gegen die morphologische Form des Verbs prüfen (checken) muß. Genauso
gehe ich davon aus, daß die Subjekt-DP ihre Person- und Numerusspezifikation dem Verb
"mitteilt" und daß diese Kongruenz die Finitheit des Satzes voraussetzt. Entgegen der
üblichen Annahmen des GB-Modells und auch des Minimalistischen Programms formuliert
das Gebot GS jedoch ein alternatives Konzept hinsichtlich der strukturellen Reaüsierung:
Prüfung, d.i. checking, fordert keine Kopfadjunktions-Konfiguration sondern vielmehr die
Rektionskonfiguration. Zur plastischen Darstellung betrachte man noch einmal die in (11)
abgebildete Basisstruktur. Der F-Kopf, der die abstrakte Information des Tempus und
Verbmodus enthält, üzenziert die morphologische Abbildung am finiten Verb über lokale
Rektion. Der [+tense] spezifizierte V-Kopf kongruiert mit seinem Spezifikator, der SubjektDP, unter ebendieser lokalen Rektion von F0.14
14
Vgl. Iatridou 1988 für einen ähnlichen Ansatz über Kongruenzrealisierung unter Rektion des T-Kopfes.
181
Das GS-Gebot bietet eine Konzeption, die die syntaktische Realisierung der relevanten
Funktionen befriedigend einlöst und gleichzeitig von allen zur Diskussion stehenden Sprachen einheitlich respektiert werden kann. Es entfallt die Suche nach einer adäquaten Begründung für Anhebung vs. Absenkung respektive overte vs. coverte Verbbewegung. Dabei
schließt das GS-Gebot nicht die Möglichkeit aus, daß sowohl V-Kopf als auch Subjekt-DP
in die FP anheben und dort Kongruenz leisten, denn auch in diesem Fall bleibt die Forderung der lokalen Rektion gewahrt. Das Wichtige ist, daß die Funktionen Tempus und
Kongruenz noch keine Bewegung erzwingen.
Eine solche Bewegungsmotivation findet sich erst in der zweiten obligatorischen Funktion,
der Nominativzuweisung. Kasus Nominativ wird von dem abstrakten F-Kopf an dessen
Spezifikator zugewiesen. Das bedeutet, die Subjekt-DP muß nach Spec-FP bewegt werden,
um Kasus zu erhalten.15
Die dritte kontextunabhängige Satzfunktion betrifft den Satzmodus, jeder Satz hat eine entsprechende Spezifikation zu leisten. Allerdings existiert ein unmarkierter Fall (deklarativ,
affirmativ) und dieser wird über die Lizenzierung der Subjekt-DP realisiert. Das heißt: Im
subjektinitialen deklarativen Satz fällt die korrekte Satzmodusspezifikation mit der Nominativzuweisung zusammen und erfüllt sich mit der Subjektanhebung.
Was zum markierten Fall zu sagen ist, wird erläutert am relevanten Beispiel des Interrogativsatz. Aufgerufen wird er erst dann, wenn sich ein modusmarkierter Operator in der
Eingabe befindet.
Fazit hinsichtlich der obligatorischen Satzfunktionen: SFL gibt uns eine Begründung dafür,
daß der optimale Kandidat die Subjekt-DP aus der VP herausheben muß. Was noch fehlt, ist
eine Motivation für V-zu-F-Bewegung, denn genau dann ergäbe sich als Resultat eine
Struktur, die mit dem Verbzweitmuster kompatibel ist: Eine einfache F-Phrase mit der
Subjekt-DP in FP-Spec und dem finiten Verb in F°.
Diese Motivation für Verbbewegung findet sich nun wiederum bei den Lokalisierungsgeboten. Der relevante Aspekt: Alle drei Gebote bewerten die jeweilige Einheit nach ihrem sstrukturellen Standort.
Das bedeutet, die Spur eines Kopfes verletzt Kopf-Links nicht, selbst wenn die entsprechende Projektion über einen Spezifikator verfügt. Und: Kopf-Links begutachtet jedes maximale
X° auf S-Struktur, d.i. ein komplexer Kopf, der über Adjunktion zustandekommt, zählt insgesamt als ein Kopf.
Die folgende Gebotetafel für den Beispielsatz in (13) zeigt den relevanten Kontrast zwischen
den beiden Kandidaten b und c: Wenn wir, wie in der Struktur c das finite Verb nach F°
bewegen, haben wir statt zwei separater Köpfe einen komplexen Kopf in F, der Kopf-Links
nur einmal verletzt.
Jedoch: Verbbewegung ist nicht völlig kostenlos. Adjungiert der V-Kopf an den F-Kopf,
bedeutet dies einen Verstoß gegen das Gebot 'Kopfadjunktion, das entsprechende Operation
offiziell verbietet.
15
Dabei ist zu beachten, daß nur die Subjekt-DP anheben muß, Verbbewegung ist nicht erforderlich.
182
(13') dt:
Der Chef fegt die rechte Hälfte der Platte.
UnG
a.fpp F° [yp Chef ..P. fegt]]
Sp-L
K-L
*KA
*
* ! SFL
*FR
.
b . U Chef} F° [yp tj ..P. fegt]]
**|
"& c.fpp Chefj fegti [ „ tj ..P. tj]
*
*
*
*
*!
*
*
d.[ FP Chefj fegt; [FP tj tj [ w tj .P. tj]]
e.tn, fegti [pp Chef] t, [ w tj .P. tj]]
f.[FP F° [FP Chefj tF [yp tj .P. fegt]]]
*! SM
g.[ FP daß [Fp Chefj tF [ w tj .P. fegt]]]
h.[pp F° [pp Chefj fegtj Ivp tj .P. 1j]]
*!*ECP,SM
i.[Fp daß [pp Chefj fegtj [ w tj .P. tj]]
j.[ F p F° [yp tj ..P. fegt] Chefj
*
*
*!*ECP,SM
*!
*
*
*
*
*
**t
*!
*
Bei einer Ordnung Kopf-Links > > 'Kopfadjunktion erhalten wir das erwünschte Ergebnis.
Die optimale Struktur ist beim subjektinitialen Deklarativsatz eine einfache F-Phrase; im
linksperipheren F-Spezifikator steht das Subjekt, im linken F-Kopf das an F° adjungierte
finite Verb; insgesamt ein Kopf-Links- und ein 'Kopfadjunktions-Verstoß.
Was den Ausschluß der anderen Kandidaten anbelangt: In a erhält das Subjekt keinen
Nominativkasus, b zählt, wie oben angesprochen, auf S-Struktur zwei Köpfe, die gegen
Kopf-Links verstossen. Spezifikator-Links erzwingt die linke Lokalisierung von FP-Spec
(vgl. j). Die Erläuterung der verbleibenden Kandidaten sei zugunsten der Betrachtung des
nächsten Konstruktionstyps zurückgestellt. Die relevanten Konzepte sind dort am positiven
Fall leichter zu entwickeln.
3.1.2. Topikinitiale Hauptsätze (OpS, Sp-L, *FR, ECP)
Voranstellung einer Topik- oder Adverbialphrase löst in den Verbzweitsprachen Inversion
aus. Das finite Verb steht auch hier an der zweiten Stelle.
(14)
dt:
Diese Platte fegt der Chef oft am Abend.
Das erste durch den Kontext neu hinzutretende Gebot ist das undominierte Operator-Skopus.
Die Analyse faßt Wh-Phrasen und alle Phrasen, die Teil des Themas sind, d.i. TopikPhrasen sowie thematisch relevante Adverbiale, als syntaktische Operatoren auf. Alle
Operatoren sind als solches inhärent markiert. Während die syntaktische Domäne des
Rhemas den VP-internen Bereich umfaßt, umgreift die des Themas entsprechend den VPexternen. Alle Operatoren müssen deshalb die VP verlassen.
183
(15)
Operator-Skopus (OpS):
Ein syntaktischer Operator hat auf S-Struktur Skopus in Form von C-Kommando
über die erweiterte Projektion.
Ein modusmarkierter Operator nimmt Skopus im Spezifikator der höchsten erweiterten Projektion.
Die Topik-Phrase in (14) ist ein syntaktischer Operator, der auf S-Struktur in einer adäquaten C-Kommando-Position stehen muß. Laut Skopus-Gebot können sich Operatoren
darin unterscheiden, ob sie modusmarkiert sind oder nicht. Nur modusmarkierte Operatoren
verlangen explizit die Spezifikatorposition. Da die Topik-Phrase modusunmarkiert ist, kann
sie theoretisch wählen zwischen einer Adjunkt- und einer Spezifikatorposition. Weil Operator-Skopus ein undominiertes Gebot ist, muß sie aber einer der beiden Positionen erhalten.
Um zu verstehen, wie sich die Verbzweitsprache entscheidet, müssen wir erneut die Lokaüsierungsgebote betrachten.
Das relevante Gebot ist jetzt Spezifikator-Links: Spezifikator-Links fordert, daß sich der
Spezifikator am äußersten linken Rand seiner Projektion befinden muß, und das bedeutet
nicht nur, daß er links und nicht etwa rechts von Kopf oder Komplement Position nimmt,
sondern darüber hinaus, daß kein anderes Material links neben ihm stehen darf, d.i. Spezifikator-Links ist verletzt durch jedes Adjunkt.
Wenn wir den Operator adjungieren, verletzten wir Spezifikator-Links. Aber welche andere
Möglichkeit gibt es, dem Operator z.B. eine eigene Projektion einzuräumen?
An dieser Stelle werden die Konzepte der funktionalen Erweiterung relevant. Bei Definition
der GEN-Funktion wurden dieser drei Möglichkeiten der Strukturerzeugung eingeräumt:
Anbindung von Eingabeelementen, move a und funktionale Erweiterung. Per Annahme
umfaßt letztere zwei Modi: Rekursion und Reprojektion.
(16)
F(unktionale)-Rekursion:
F-Rekursion erzeugt eine neue funktionale Kopfposition: Die F-Phrase erweitert sich
um einen F-Kopf, der die F-Phrase zum Komplement nimmt.
Der rekursiv erweiterte F-Kopf ist leer und enthält keine abstrakte Information.
FP
F°
FP
F°
VP
Rekursion entspricht dem Konzept des traditioneüen GB-Modell bis auf einen Unterschied:
Ein über Rekursion erzeugter F-Kopf zählt als strukturelle Ableitung.
(17)
F(unktionale)-Reprojektion (FR):
Der F-Kopf hebt an und eröffnet eine höchste erweiterte Projektion. Bei der Reprojektion verläßt der F-Kopf seine Basisposition unter Zurücklassen einer Spur.
FP
Das Wichtige: Im Gegensatz zu dem in allen Kontexten obligatorisch präsenten und über
Eingabeverkettung generierten F-Kopf, zählen alle Köpfe, die über funktionale Erweiterung
genau dieses abstrakten Kopfes erzeugt werden, als derivierte leere Kategorien; sie unterliegen damit dem ECP, das gleichfaüs undominiert gilt.
(18)
Empty Category Principle (ECP):
Eine derivierte leere Kategorie ist streng kopfregiert.
Während also der abstrakte F-Kopf in seiner Basisposition keine strukturelle Identifikation
verlangt, wird das ECP bei dessen Rekursion oder Reprojektion aktiviert. Und das bedeutet,
daß im Hauptsatzkontext, wo keinerlei Rektion von oben möglich ist, die Erzeugung einer
zusätzlichen Projektion mit Platz für einen Spezifikator zuerst einmal ausgeschlossen scheint.
Jedoch, nicht ganz, denn eine Alternative ergibt sich wie folgt: Da Reprojektion eine
Erweiterung mit Hilfe von Bewegung darstellt, kann sie mehr als nur den abstrakten F-Kopf
erfassen.
Die Reprojektion involviert stets den F-Kopf mitsamt seines beliebigen Inhalts zum Zeitpunkt der Derivation. Wird zuvor der V-Kopf angehoben und an F° adjungiert, ergreift die
Reprojektion den komplexen Kopf, der das ECP nicht tangiert.
(19)
Günstigerweise zeigte bereits der Kontext ohne Operator, daß V-zu-F-Bewegung für Optimalität sowieso notwendig ist, um das höher als 'Kopfadjunktion geordnete Kopf-Links minimal
zu verletzen. Das verbleibende Hindernis: Das Gebot 'F-Reprojektion verbietet dieselbige
und deshalb muß, um eine adäquate Ableitung zu gewährleisten, die Ordnung SpezifikatorLinks > > 'F-Reprojektion gelten. Wir schauen uns dies an dem Beispiel aus (14) an.
185
(14') dt:
Diese Platte fegt der Chef oft am Abend.
fegt F° der Chef
A
F'
F-Reprojektion
UnG
Sp-L
K-L
a.[pp Chefj F° [yp oft[yp tj Platte..fegt]]]
*! OpS
**
b.[pp Chefj fegtj [ w oft[yp tj Platte., tj]]
*! Ops
*
*KA
i 'FR
*
1
c.[pp P.k[pp Chefj F° [yp o.lv, tj t*. fegt]]]]
*!
**
d.[Fp P. k [ FP Chefj fegt, [y, o.[vp t,-t,.. tj]]]]
*!
*
*
i
« " e.[pp P. k fegtiU Chefj tj [ w o.[yp tj t,.. tj]]]
*
*
i
f.[pp P. k daßfpp Chefj fegt; [y, 0.[yp tj t,.. t;]]]]
**i
**
i
*
i
g.[Fp P. k F° [pp Chefj fegtj [yp o.[vp tj t,.. tj]]]
*! ECP
**
h.[pp P. k F° [pp Chefj tF [y, o.[yp tj t^fegt]]]]
*! ECP
#*
*
i
*
**|
i.[pP daßtppP.k tp[pPChefj tF [yp o.[yp tj ^..fegt]]]]
*
*
l
j.[ F p daß[ FP P. k fegtifppChefj tj [ w o.[yp tj ^ tj]]]]
*
**t
I
k.[ F pP. k fegtifppt/ [ppChefj tF [yp o.[yp t,^]]]]]
*
*
1 **t
Der optimale Kandidat e ist eine einmal reprojizierte F-Phrase, die einmal 'Kopfadjunktion,
einmal *F-Reprojektion und nur einmal Kopf-Links verletzt, obwohl die erweiterte Projektion
jetzt insgesamt drei Projektionsetagen umfaßt, jede mit eigenem Spezifikaor.16
Zum Ausschluß der anderen möglichen Kandidaten: a und b scheitern an der Notwendigkeit
der Anhebung der Topik-DP in eine adäquate C-Kommando-Position. c und d adjungieren
16
Zur Stellung des sententialen Adverbials: Ein thematisch nicht relevantes Adverbial erhält bei Adjunktion an
VP eine harmonisch unverfängliche Position, da das Subjekt für Kasus stets nach FP-Spec geht und somit innerhalb
der VP kein Spezifikator-Links-Verstoß droht. Die Kopf-Links-Markierung ist von der Adjunktion unabhängig, denn
sie wird durch die Subjektverkettung per se ausgelöst.
186
den Operator und erfüllen besagte Bedingung auf Kosten einer Spezifikator-Links-Verletzung, was seinerseits zum Ausscheiden der Strukturen führt.
Und das folgende wird jetzt offensichtlich: Wir können nicht einfach wild rekursiv erweitern
oder abstrakt reprojizieren, weü uns das ECP einen Geboteriegel vorschiebt (vgl. g und h);
darüber hinaus ist F-Reprojektion an sich selbst bereits markiert (harmonische Bindung von
"Doppeldeckerstrukturen" wie f und in Tabelle (13') d).
Was den Ausschluß der Kandidaten anbelangt, die den frei verfügbaren deklarativen Komplementierer einsetzen, wird dieser zu verstehen sein, sobald entwickelt ist, was im Nebensatzkontext geschieht. Wir werden dann erneut darauf zurückkommen.
Im aktiven Gebotekonflikt haben wir bis dato die Verbzweitordnung Sp-L > > K-L > >
*KA; 'FR abgeleitet, wobei die relative Ordnung von 'Kopfadjunktion und 'F-Reprojektion
noch offensteht.
3.1.3. Interrogative Hauptsätze (SM)
In den Verbzweitsprachen besteht kein struktureller Unterschied zwischen topik- und wheingeleiteten Konstruktionen: Die interrogativen Wh-Sätze erhalten dieselbe Strukturzuweisung (vgl. erneut den Strukturbaum in (14')).
Die optimaütätsspezifische Begründung: In Differenz zu den beiden anderen Konstruktionstypen taucht an dieser Stelle zum ersten Mal ein Fall von expliziter Satzmodusspezifikation
auf. (20) zeigt das vollständige Modusgebot mit-seiner Unterscheidung von unmarkiertem
und markiertem Fall.
(20)
Satzmodus (SM):
Eine Satzstruktur realisiert die Funktion Satzmodus.
Satzmodus - der unmarkierte Fall:
Jede Satzstruktur spezifiziert einen Satzmodus.
Die Lizenzierung einer Subjekt-DP über Nominativkasus-Zuweisung realisiert den
Satzmodus [+deklarativ; + affirmativ].
Explizite Satzmodusspezifikation:
Der markierte Satzmodus fordert die explizite Satzmodusspezifikation.
Die Domäne einer expliziten Satzmodusspezifikation ist die jeweils höchste erweiterte
Projektion.
Domänenverschiebung:
Jeder reprojizierte oder rekursiv erzeugte F-Kopf eröffnet eine neue Domäne, in der
explizite Satzmodusspezifikation zu leisten ist.
Eine explizite Satzmodusspezifikation leisten
a.
ein funktionaler Kopf, der ein satzmoduspezifizierendes Merkmal trägt.
b.
ein Spezifikator.
Von einer Wh-Phrase nimmt die Analyse an, daß sie modusmarkiert in die Eingabe gelangt
und damit dem Operatorengebot in (15) zufolge Skopus im höchsten Spezifikator verlangt.
Nun hat der topikinitiale Fall gezeigt, daß die Verbzweit-Geboteordnung im Hauptsatzkon-"
text jedem Operator, egal ob modusmarkiert oder nicht, sowieso die höchste Spezifikatorposition zuweist.
Es ist die Stärke des Spezifikator-Links-Gebots, durch die jeder Operator ganz unabhängig
von den Erfordernissen seiner Konstitution eine eigene erweiterte Projektion erhält. Wirkung
187
ist dann eine Identität der Komplexität von Strukturen mit modusunmarkiertem und modusmarkiertem Operator.
Fazit: Alle Verbzweitsprachen (Gruppe A^n,, und BoenJ generieren im Hauptsatzkontext,
d.i. ohne übergeordneten Matrixsatz, dieselben syntaktischen Strukturen.
Subjektinitiale Deklarativsätze sind einfache F-Phrasen.
Deklarativsätze mit initialer Topik- oder Adv-DP sind einmal reprojizierte F-Phrasen.
Interrogativsätze sind einmal reprojizierte F-Phrasen.
Es gibt nur linksperiphere funktionale Köpfe.
Die Optimalität der Strukturen bedingt sich aus der Geboteordnung :17
{ECP, GS, SM, SFL, Op-Skop} > > [Sp-L > > K-L] > > 'FR; *KA.
Optimale Verbzweit-Strukturen wollen:
a.
b.
"Lieber Reprojizieren als XP-Adjungieren!"
"Maximale Zusammenführung der Köpfe der erweiterten Projektion zu einem komplexen Kopf!"
3.2.
Finitheitsabschirmung
In Punkt 1 hatten wir festgestellt, daß der Nebensatzkontext sich in zweierlei Hinsicht vom
Hauptsatz unterscheidet:
a. DasfiniteVerb verzichtet generell auf seine Zweitstellung. Im deklarativen Kontext taucht
obügatorisch ein Komplementierer auf, und zwar an absoluter Spitze ohne Möglichkeit zu
einer Spezifikatorgenerierung. Im Wh-Kontext ist besagter Komplementierer ungrammatisch;
trotzdem wird auch hier das finite Verb von der zweiten Position verdrängt.
b. Was die Fluchtposition des Finitums anbelangt, spalten sich die Verbzweitsprachen in
zwei Gruppen: Das Isländische und Jiddische (Ao,^) bewegt das Verb in allen drei Konstruktionstypen zumindest kurz bis über das sententiale Adverbial hinweg; in allen übrigen
Sprachen (B^) bleibt das Finitum stets hinter dem Adverbial zurück.
Was geschieht im subordinierten Kontext? Die Analyse entwickelt:
a.
b.
Generell bringt der subordinierte Kontext ein weiteres Gebot ins Spiel.
Die Festlegung der relativen Ordnung der zwei Gebote *FR und *KA favorisiert zwei
unterschiedliche Generierungsstrategien, die in allen drei Konstruktionstypen durchgehalten werden, und derart die Differenz zwischen den zwei germanischen Gruppen
erklären kann.
Das relevante neue Konzept, das im Nebensatz auftaucht ist die Finitheitsabschirmung. Das
entsprechende Gebot gilt in allen betrachteten Sprachen undominiert:
17
Die geschweiften Klammern bedeuten: Die Gebote dieser Menge stehen in keiner Ordnung zueinander. Die
eckige Klammer markiert, daß Sp-L > > K-L als Pärchen ein komplexes Gebot bilden.
188
(21)
Tndikativische-Finitheit-von-Matrix-V-regiert ('Finitheit-regiert; *FinR):
Ein finiter verbaler Kopf, der das Merkmal [-Hndikativ] trägt, wird auf S-Struktur
nicht von einem seiegierenden verbalen Kopf lokal regiert.
'Finitheit-regiert differenziert die Situation im Nebensatz von der des Hauptsatzes durch die
folgende Schwierigkeit: Jede direkte Einbettung eines optimalen Hauptsatzes setzt das finite
Verb der lokalen Rektion des übergeordneten Matrixverbs aus, da sich das Finitum in allen
drei Konstruktionstypen im obersten Kopf der erweiterten Projektion befindet; die unmittelbare Einbettung provoziert damit eine Verletzung des Gebots 'Finitheit-regiert.
Wenn nun einerseits 'Finitheit-regiert beachtet bleiben, andererseits aber insgesamt noch
immer so wenig wie möglich Kopf-Links-Verstöße resultieren sollen, dann hat der Generierungsapparat theoretisch zwei Möglichkeiten. In (22) findet sich eine Gegenüberstellung für
den einfachen Fall einer Eingabe ohne Operator:
(22)
a.
a. Wie im Hauptsatz wird V-zu-F-bewegt. Um die lokale Rektion zu vermeiden brauchen
wir einen Kopf, der zwischen Matrix-V und eingebettetem fin-V interveniert. Wir müssen
also eine neue erweiterte Projektion eröffnen. Reprojektion scheidet aus, da sie das finite
Verb mitnimmt, aber wir können rekursiv erweitern.
Auch hier verbleibt eine Schwierigkeit: Zwar tangiert der derivierte Kopf nicht das ECP, da
ja gerade er jetzt von Matrix-V lokal regiert wird, aber es droht ein Verstoß gegen das
Modusgebot (vgl. erneut (20)).
Wichtig für den Zusammenhang hier ist der Aspekt der Domänenverschiebung. Entsprechende Klausel besagt, daß wir nicht einfach eine zusätzliche Projektionsebene etablieren können,
ohne hier den Satzmodus zu spezifizieren, wann immer besagte Projektion als die höchste
der Struktur resultiert; und dies gilt auch dann, wenn der gegebene Satzmodus keinen
markierten Fall darstellt.18
Dabei kann die expüzite Realisierung außer über einen Operator nur durch einen funktionalen Kopf geleistet werden, der ein satzmodusspezifizierendes Merkmal trägt, d.i. durch einen
Komplementierer. An dieser Stelle kommt der qua Hypothese frei verfügbare deklarative
Komplementierer ins Spiel, er hat den richtigen Modus.19
18
Die Implikation "markiert -» explizit" besagt nicht, daß eine explizite Spezifikation stets den markierten Fall
abbildet, sondern nur, daß der markierte Fall die explizite Spezifikation erzwingt.
"Zur Erinnerung: Es wurde gleichfalls vorausgesetzt, daß jeglicher Komplementierer nur über Kopfadjunktion
an den F-Kopf in die Derivation gelangen kann.
189
Wenn wir in a nicht dem Modusgebot zum Opfer fallen wollen, müssen wir den Komplementierer an den rekursiv erweiterten F-Kopf adjungieren. Die Gesamtstruktur verletzt
nur einmal Kopf-Links (wie im Hauptsatz) aber zweimal 'Kopfadjunktion (einmal mehr als im
Hauptsatz).
b. (22b) zeigt,daß wir noch eine zweite Möglichkeit haben: Wir verzichten auf V-zu-FBewegung. Hier gilt: Würden wir die Struktur als solche einbetten, bliebe zwar 'Finitheitregiert unverletzt, wir erhielten aber insgesamt zwei Kopf-Links-Verstöße - zuviele! Jedoch:
Gerade ohne V-zu-F-Bewegung steht die Möglichkeit zur funktionalen Erweiterung über
Reprojektion offen, die ebenfalls einen Kopf-Links-Verstoß aufhebt, diesmal in der SubjektFP. b reprojiziert also den abstrakten F-Kopf und läßt V in situ zurück.
Auch hier ergibt sich der gleiche Zusammenhang in Hinsicht auf ECP und Modus: Das ECP
wird nicht aktiviert, aber ein Komplementierer ist für das Modusgebot zu adjungieren. Die
Gesamtstruktur in b verstößt einmal gegen Kopf-Links, einmal gegen 'Kopfadjunktion (beides
wie im Hauptsatz) und einmal gegen 'F-Reprojektion (im Hauptsatz nicht).
Die Harmoniedifferenz ist offensichtlich: Wir haben einen Gebotekonflikt, der genau die
beiden Gebote betrifft, deren relative Ordnung für die Hauptsatzsituation der Verbzweitsprachen irrelevant ist.
Eine Sprache mit 'F-Reprojektion > > 'Kopfadjunktiön entscheidet sich für die a-Derivation: Maximale V-Anhebung plus direkte Finitheitsabschirmung durch den Komplementierer,
der die explizite Modusspezifikation garantiert. 'F-Reprojektion > > 'Kopfadjunktion soll
für das Isländische und Jiddische (A&J) gelten.
Eine Sprache mit 'Kopfadjunktion > > 'F-Reprojektion wählt die b-Derivation: V-in-situ
plus maximale F-Anhebung. Wieder übernimmt der Komplementierer die explizite Satzmodusspezifikation. 'Kopfadjunktion > > 'F-Reprojektion gilt in den germanischen OV-und
in den festlandskandinavischen Sprachen.
Zwei Aspekte sind an dieser Stelle hervorzuheben:
a.
b.
Der Kontrast zwischen Rekursions- und Reprojektionsstrategie wird in allen thematisierten Nebensatztypen durchgehalten. Die Oberflächendifferenzierung zwischen den
Verbzweitgruppen A^.^ und B^n,, reduziert sich auf den relativen Ordnungsunterschied von 'Kopfadjunktion und 'F-Reprojektion.
Die Differenz der beiden Gruppen läßt sich in diesem Sinne auf eine singulare Geboteumstellung reduzieren.
Beide Ordnungen erzeugen im nichtsubordinierten Kontext dieselben optimalen
Strukturen, die in Punkt 4.1 abgeleiteten Verbzweitstrukturen. Auch unter der
Annahme, daß der deklarative Komplementierer tatsächlich in allen Kontexten frei
verfügbar ist, wird er im nichtsubordinierten Kontext nicht zum Einsatz kommen, da
die entsprechenden Strukturen harmonisch gebunden werden: In beiden Ordnungen
ergibt sich jeweüs eine zusätzliche Geboteverletzung, entweder 'Kopfadjunktion oder
*F-Reprojektion.
Die folgenden zwei Punkte 4.3 und 4.4 demonstrieren zuerst am Beispiel des Isländischen,
dann des Deutschen, wie die optimalen Nebensatzstrukturen unter den beiden Geboteordnungen jeweils im einzelnen aussehen. Für alle drei Konstruktionstypen werden Gebotetafeln
und optimale Strukturbäume erstellt.
190
3.3.
Der Isländer räumt die VP leer: Spec-L > > K-L > > *FR > > *KA
3.3.1. Deklarative Nebensätze ohne Operator
Die optimale Derivation eines subordinierten Satzes ohne Operator haben wir in der obigen
Gegenüberstellung bereits entwickelt. (23) zeigt jetzt noch ein konkretes isländisches Beispiel
mit Gebotetafel. Die beiden konfligierenden Strukturen a und b finden sich in Kandidaten d
und e wieder. Bei der isländischen Ordnung 'F-Reprojektion > > 'Kopfadjunktion gewinnt
die Struktur d mit V-zu-F-Bewegung plus direkter Finitheitsabschirmung; denn zwei
'Kopfadjunktions-Markierungen sind harmonischer als ein 'F-Reprojektions-Verstoß.
(23)
isi:
Yfirmaörinn veit ekki aö Helgi lofaöi oft Mariu I>essum hring.
Der Chef
weiß nicht daß Helgi versprach oft Maria diesen Ring.
UnG
Sp-L
K-L
*FR
*KA
a.[pp Helgij F° [yp oft[yp tj lofaöi Mariu..]]]
**j
b.[pp Helgij aö [yp oft[yp t, lofaöi Mariu..]]]
**!
*
*
*
^d.tpp aö[FP Helgij lofaöij [yp o.[yp tj tj Mariu..]]]]
*
**
e.[FP aö[FP Helgij tF [yp o.[yp tj lofaöi Mariu..]]]]
*
f.[pp aö[pp Helgij F° [yp o.[yp tj lofaöi Mariu..]]]]
**t
*
*
c.[pp Helgij lofaöij [yp oft[yp tj tj Mariu..]]]
*! "FinR
g.[pp F°[pp Helgij lofaöij [yp o.[yp tj tj Mariu..]]]]
*! SM
*
h.[pp F°[FP Helgij tF [yp o.[yp tj lofaöi Mariu..]]]]
*! SM
*
*!
*
*
4.3.2. Deklarative Nebensätze mit Operator
In (24) sehen wir, was im Isländischen geschieht, wenn sich ein modusunmarkierter Operator in der Eingabe befindet. Die Verbdrittstruktur wird erzeugt, indem wir wieder die
gleiche Strategie der direkten Finitheitsabschirmung verfolgen: Wie im Hauptsatz wird dem
Operator eine eigene Projektion über Reprojektion des komplexen V-F-Kopfes eingerichtet,
der die Spezifikator-Links-Verletzung vermeidet und gleichzeitig die Kopf-Links-Verstöße
auf eins minimiert. Das finite Verb befindet sich derart im höchsten möglichen Kopf und
muß durch einen rekursiv erweiterten F-Kopf vor lokaler Rektion von Matrix-V geschützt
werden. Auch in diesem Fall wird der Komplementierer adjungiert, um die nötige explizite
Moduspezifikation zu gewährleisten.
191
(24)
isl:
Yfirmaörinn veit ekki aö Pessum hring lofaöi Helgi oft Mariu.
Der Chef
weiß nicht daß diesen Ring versprach Helgi oft Maria.
FP
F°
FP
Komp F° DP'Topic
F°'
FP
3
finV F DPSubj
F'
F-Reprojektion
UnG
a.fpp Helgij F° [yp tj lofaöi. .hring.]]
Sp-L
*FR
*KA
**
*! OpS
b.[FP hringjpp Helgij F° [yp tj lofaöi..t^]]]
K-L
*!
**
c.[pp hringk F° [pp Helgij F° [yp tj lofaöi..t,.]]]
**l*
d.[FP hringk F° [pp Helgij lofaöi, [yp t- 1;..^.]]]
**l
*
*
*
*
«s-f.tpp aö[pp hringk lof.j [pp H.j tj [yp tj V.1k.ll]]
*
*
**
g.fpp aö[pp hringk tF [pp H.j tF [yp tj lofaöi..t^]]]]
*
**i
*
e.[pp hringk lofaöij [pp Helgij tj [yp tj t ^ . ] ] ]
*! 'FinR
**
h.[pP hringk aö [FP Helgij lofaöij [yp tj tj..^.]]]
**l
i.[pp hringk aö [pp Helgij tP [ w tj lofaöi..tj]]
**l
*
j.[pp F°[Fp hringk tF [FP H.j tF [yp tj lofaöi..t^]]]]
*! SM
*
**
k.[Fp F°[pp hringk lof.j [FP H.j t; [yp tj tj..!*]]]]
*! SM
*
*
*
*
f zeigt den optimalen Kandidaten. Dabei ist folgendes zu beachten: Der optimale Kandidat muß
einmal reprojizieren, wenn der Operator eine eigene Projektion erhalten und gleichzeitig keinen
zusätzüchen Kopf-Links-Verstoß auslösen soU. Die Kandidaten c und d zeigen sehr gut den
Kontrast: Wenn wir ganz einfach rekursiv erweitem, ohne das finite Verb mitzunehmen, dann
haben wir eine zusätzüche Projektion mit einem separaten Kopf, die Kopf-Links verletzt.20
^In diesem Zusammenhang ist zu beachten: Steht das finite Verb, wie in der optimalen Struktur höher als das
tiefste F° (respektive dessen Spur), dann kann es nur durch Reprojektion dorthin gelangt sein, denn: Sobald V
einmal an den untersten F-Kopf adjungiert hat, kann es nicht mehr exkorporieren und nur mehr "mitangehoben"
werden, sobald sich F° bewegt. Der F-Kopf kann sich aber nur entweder rekursiv erweitern oder reprojizieren. Und
nur im zweiten Fall verläßt er seine Position unter Zurücklassung einer Spur. Das heißt: Nur der V-Kopf kopfad192
3.3.3. Interrogative Nebensätze
Der interrogative Kontext bringt im Unterschied zur deklarativen Topikkonstruktion eine
weitere Modifikation ins Spiel: Der Operator ist, wie angenommen, diesmal ein modusmarkierter, der explizite Satzmodusspezifikation leisten muß. In diesem Sinne gilt:
a. Der Operator, die Wh-Phrase, verlangt die absolut höchste Spezifikatorposition in der
erweiterten Projektion.
b. Der Modus kann nicht mit Hilfe des deklarativen Komplementierers spezifiziert werden.
Da gleichzeitig im subordinierten Kontext für Finitheitsabschirmung zu sorgen ist, werden
beide Gruppen jeweils zwei Kopf-Links-Verstöße in Kauf nehmen müssen.
Betrachten wir den Isländer, der generell lieber köpf adjungieren als reprojizieren wül.
(25)
isl:
Hann spuröi hvaö Helgi lofaöi oft Mariu.
Er fragte
was Helgi versprach oft Maria.
FP
Wh
finV F°AdvP
tv
UnG
a.[pp Helgij F° [yp tj lofaöi..hvaö.]]
*!* OpS,SM
b.[pp hvaöjpp Helgij F° [y, t- lofaöi..t^]]]
*! SM
Sp-L
K-L
*FR
*KA
**
*
*#
***!
c.[pp hvaö,, F° [pP Helgij F° [yp tj lofaöi..t,,.]]]
*#
«S'd.Ipp hvaö,, F° [pp Helgij lofaöij [yp tj t^t,.]]]
*
e.[Fp hvaö,, lofaöij [pp Helgij t; [VP tj t;..^]]]
*! "FinR
*
*
*
f.[pp aö[pp hvaök lof.j [pp Helgij tj [yp t- V-W-llH
*! SM
*
*
**
g.[pp hvaök F° [pp Helgij tF [yp tj lofaöi..t,,.]]]]
**
*!
h.[pp hvaök aö [„, Helgij lofaöij [ w tj t;..^]]]
**
i.[pp hvaök aö [pp Helgij tF [yp tj lofaöi.t,,.]]]
**
*!
**|
j.[pp F°[pp hvaö,, tF [pp Helgij tF [yp tj lof..^.]]]]
*! SM
*
**
k.[pp F°[pp hvaö, lof.j [pp Helgij tj [yp tj t,..^.]]]l
*! SM
*
*
*
*
jungiert an den F-Kopf. Der F-Kopf kann nicht an seine eigene rekursive Erweiterung adjungieren, weil er sich nur
bewegen kann, indem er reprojiziert.
193
Der optimale Kandidat d bewegt das finite Verb kurz über das sententiale Adverbial hinweg in
die untere Subjekt-FP. Für die Finitheitsabschirmung wird einmal rekursiv erweitert; der
Spezifikator dieser höchsten FP kann die Wh-Phrase aufnehmen, die hier den Modus spezifiziert. Der derivierte leere F-Kopf genügt dem ECP, weil er lokal von Matrix-V regiert wird.
Insgesamt resultieren zwei Kopf-Links-Verstöße (in den zwei funktionalen Projektionen) und eine
*Kopfadjunktions-Verletzung.
Daß die zusätzüche Kopf-Links-Markierung im interrogativen Kontext unumgängüch ist, zeigen
die Kandidaten e, f, j und k: e bettet den optimalen Hauptsatz ein und verstößt gegen 'Finitheitregiert. f deriviert die Analogie zur optimalen subordinierten Topikkonstmktion und endet mit
dem falschen Moduswert, j und k spezifizieren keinerlei Satzmodus, weil sich in der obersten
Projektion nur der rekursiv erweiterte respektive der reprojizierte F-Kopf befindet.
Fazit: Alle optimalen Nebensatztypen der Verbzweit-Gruppe A^,,,, verwenden dieselbe
Generierung zur Vereinbarung von Finitheitsabschirmung, Satzmodusspezifikation und
Minimierung der Kopf-Links-Verstöße: Das finite Verb wird soweit wie möglich in den
funktionalen Bereich angehoben und dann in einer dem Kontext angemessenen Form über
einen rekursiv erweiterten F-Kopf vor lokaler Rektion von Matrix-V° geschützt. Die Generierung resultiert aus der relativen Ordnung *FR > > *KA.
Kopf-Links-Markierungen werden vermieden durch Aufhebung der Köpfe in der unteren
lexikalischen Etage!
3.4.
Deutsche Distanz zwischen zwei Köpfen: Spec-L > > K-L > > *KA > > 'FR
3.4.1. Deklarative Nebensätze ohne Operator
Wir erinnern uns an die GegenübersteUung in (22): Bei einer Eingabe ohne Operator und einer
Ordnung *Kopfadjunktion > > *F-Reprojektion ist im subordinierten Kontext die b-Derivation
optimal: Favorisiert wird eine Generierung, die den abstrakten F-Kopf reprojiziert und das finite
Verb in seiner Basisposition zurückläßt: In den festlandskandinavischen VO-Sprachen resultiert
die postadverbiale, in den OV-Sprachen entsprechend die satzfinale SteUung.
(26) zeigt für ein deutsches Beispiel die Gebotetafel. Der optimale Kandidat ist jetzt e, der
den Konkurrenten d harmonisch bindet, indem er dieselbe Kopf-Links-Markierungszahl mit
weniger 'Kopfadjunktions-Verstößen erzielt.
(26)
dt:
Helge erwartet, daß der Chef öfters mal Pause macht.
UnG
Sp-L
K-L
*KA
a.[Fp Chefj F° [yp oft [yp tj Pause macht]]]
**t
b.[pp Chef] daß [yp oft [yp tj Pause macht]]]
**!
*
*
*
d.[Fp daß[FP Chefj machtj [yp oft[yp tj Pause tj]]]]
*
**|
"S'e.lpp daß[pp Chefj tF [yp oft[yp tj P. macht]]]]
*
*
f.[pP daß[pp Chefj F° [yp oft[yp tj Pause macht]]]]
**|
*
c.[pp Chef] machtj [yp oft [yp tj Pause tj]]]
194
*! 'FinR
g.fpp F° [pp Chefj tF [yp oft[yp tj P. macht]]]]
*! SM
*
h.[pp F° [pp Chefj macht; [yp oft[vp tj Pause t;]]]]
*! SM
*
*FR
*
*
*
3.4.2. Deklarative Nebensätze mit Operator
Der Isländer verletzt in seiner eingebetteten Topikkonstmktion einmal Kopf-Links, einmal
'F-Reprojektion und zweimal 'Kopfadjunktion. Wie sieht jetzt im Kontrast der optimale
deutsche Kandidat aus? (27) zeigt den Strukturbaum und eine Geboteauswertung.
(27)
dt:
Der Chef bedauert, daß diese Platte Helge oft nur oberflächlich fegt.
FP
F°
FP
Komp F° DPTopic
k
F-Reprojektion A
tp
F-Reprojektion
finV
UnG
a.[pp Helge, F° [yp tj ..Platte fegt]]
Sp-L
*KA
*FR
**
*! OpS
b.[pp Plattejpp Helgej F° [ w tj ..t* fegt]]]
K-L
*!
**
c.[ F , Platte,, F 3 [Fp Helgej F° [ w tj ..tt fegt]]]
**l*
d.[pp Platte F° [p, Helgej fegtj [yp t, . \ t;]]]
**|
*
*
*
*
f.[pp daß[pp Platte fegtj [pp H.j tj [yp tj ..tt tj]]]
*
**j
*
'S'g.tpp daß[pp Platte »p U H.j tp [yp tj ..tt fegt]]]]
*
*
**
h.[pp Plattet daß[pp Helgej fegtj [yp tj ..tt t;]]]
**|
**
i.[pp Platte,, daßfpp Helg^ tF [yp tj ..tt fegt]]]
**|
*
e.[pp Platte,, fegt; [ „ Helg^ tj [yp tj ..tt tj]]]
*! *FinR
j.[pp F° [Fp Plattet tF [pp H.j tF [yp tj ..tt fegt]]]]
*! SM
*
k.[pp F° [pp Plattet fegt, [pp H.j tj U tj \
*! SM
*
tj]]]]
*
**
*
*
Der Siegerkandidat g verletzt einmal Kopf-Links, einmal 'Kopfadjunktion und zweimal *FReprojektion. Das heißt: Optimal ist jetzt die Derivation, die das Minimum von einer KopfLinks-Markierung erreicht, indem sie den abstrakten F-Kopf einmal reprojiziert, um dem
Operator eine eigene Projektion einzuräumen, und dann denselben ein zweites Mal reproji195
ziert, um die drohende zweite Kopf-Links-Verletzung zu umgehen. Auch hier folgt die
Adjunktion des Komplementierers für das Modusgebot.
Dabei ist der folgende Aspekt wichtig. Vergleicht man die Komplexität der optimalen
Struktur in (27) mit der isländischen in (24) so zeigt sich: Beide sind identisch komplex.
Beide richten dem Operator genau wie im Hauptsatz eine eigene Projektion ein. Einzig die
Anhebung des abstrakten F-Kopfes plus V-in-situ erzeugt in der Gruppe ^^ den Oberflächeneffekt scheinbarer Adjunktion.
3.4.3. Interrogative Nebensätze
Auch im dritten Konstmktionstyp bestätigt sich sowohl die Parallele der Komplexität der
optimalen isländischen und deutschen Struktur als auch die Konstanz des B^^-spezifischen
Vorzugs der Reprojektion vor Kopfadjunktion.
(28)
dt:
Helge fragt sich, was der Chef beim Plattenfegen denkt.
FP
Wh
F
F°
A
tF
VP
F-Rq?«i*taioo
^
AdvP
tsubj
/
\
VP
"
finV
UnG
a.[pp Chefj F° [yp ^ ... was denkt]]
*!* OpS,SM
b.[pp wasjp, Chefj F° [yp t- ..tt denkt]]]
*! SM
Sp-L
K-L
*KA
TR
*#
*
**
c.[pp wast F° [pp Chefj F° [yp tj ..tt denkt]]]
***|
d.[Fp wast F° [pp Chefj denkt; [ w tj ..tt t;]]]
**
*!
e.[FP wast denktj [FP Chefj tj [yp tj ..tt tj]]
*! 'FinR
*
*
*
f.[pp daß[pp wast tF [pp Chefj tF [yp tj .tt denkt]]]]
*! SM
*
*
**
"3"g.[FP wa^ F° [pp Chefj tF [yp tj ..tt denkt]]]]
**
h.[pp wast daß [pp Chefj denktj [yp tj ..tt tj]]]
**
*i*
i.[pp wast daß [pp Chefj tF [yp tj ..tt denkt]]]
**
*!
*
*
*
j.[ F P F°[pp wast denktj [„ Chefj tj [vp t, ..tt tjffl
*! SM
*
k.fpp F°[pp wast tF [pp Chefj tF U tj . \ denkt]]]]
*! SM
*
196
*
**
Optimal ist jetzt die einmal reprojizierte F-Phrase, Kandidat g: Statt die oberste Wh-Projektion über Rekursion bereitzustellen, wird der abstrakte F-Kopf angehoben; das finite Verb
bleibt in situ. Insgesamt haben wir auch hier zwei Kopf-Links-Verstöße, jetzt in der VP und
in der oberen FP; diesmal sind sie kombiniert mit einer 'F-Reprojektions-Verletzung.21
Zum Schluß sei noch auf einen wichtigen Punkt hingewiesen, der beide Gruppen betrifft:
Beide Geboteordnungen leiten den Doubly-filled-Comp-F'ilter ab, d.i. die Unmöglichkeit der
Besetzung des Spezifikators, sobald sich ein Komplementierer in der Kopfposition befindet.
Die Kandidaten h und i in Tabelle (24) sowie h und i in (27) zeigen für die Topikkonstmktion Strukturen mit dem Komplementierer an einen F-Kopf adjungiert, in dessen
Spezifikator sich der Operator befindet: Sie scheitern am Kopf-Links-Gebot. Der Zusammenhang hier: Der Komplementierer ist überhaupt nur da interessant, wo ein subordinierter
Kontext ihn erzwingt, dann aber nur in einer Verwendung, die sich noch immer um eine
minimale Anzahl spezifikatorumrankter Köpfe bemüht.
Analoges ergibt sich auch in der interrogativen Wh-Konstruktion: Die Kandidaten h und i in
(25) sowie h und i in (28) differenzieren sich von den jeweils optimalen Strukturen nur
durch die zusätzliche Komplementierer-Adjunktion; der Komplementierer erfüllt jedoch in
diesem Falle keinerlei Funktion und somit werden besagte Kandidaten mit zusätzlicher
'Kopfadjunktions-Markiemng harmonisch gebunden.
Insgesamt ist es niemals interessant, den deklarativen Komplementierer an einen F-Kopf zu
adjungieren, in dessen Spezifikator ein Operator steht. Denn: der Einsatz des Komplementierers ist nur da akzeptabel, wo der Kontext uns zwingt, für die Einsparung von Kopf-LinksVerletzungen einen zusätzlichen Geboteverstoß in Kauf zu nehmen ('Kopfadjunktion in
Gmppe AQ.^ und 'F-Reprojektion in Gmppe B^). Wenn wir den Komplementierer so
einsetzen, daß kein Markierungsgewinn in Hinsicht auf ein Gebot (Kopf-Links) erzielt wird,
dann bleibt der entsprechende Kandidat harmonisch gebunden; entsprechender Markierungsgewinn fehlt in einer Spezifikator-Komplementierer-Projektion.
4.
Fazit
Die Ergebnisse der Verbzweitanalyse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
(29)
Germanische Geboteordnungen:
Ac,™:
{ECP, GS, SM, OpS, "FinR, SFL} > > [Sp-L > > K-L] > > "FR > > *KA
B^:
{ECP, GS, SM, OpS, *FinR, SFL} > > [Sp-L > > K-L] > > "KA > > "FR
21
Die Unvermeidbarkeit zweier Kopf-Links-Markierungen hat genau denselben Grund wie in Gruppe A Genn : Der
interrogative Modus verlangt den Wh-Operator in der höchsten Projektion. Soll die oberste Projektion einen
Spezifikator haben, ist die minimale Anzahl einer Kopf-Links-Verletzung nur dann möglich, wenn das finite Verb
bis in den höchsten Kopf angehoben wird. Dies aber wiederum ist im subordinierten Kontext aufgrund von
"Finitheit-regiert verboten.
197
(30)
V2 = [Spec-L > > K-L] > > 'FR A *KA
-»
Zwei Bedingungen für das Verbzweitphänomen:
a. Kopf-Links > > 'Kopfadjunktion
b. Spezifikator-Links > > 'F-Reprojektion
Nur so erhält der grammatische Apparat sowohl in subjektinitialen als auch operator-eingeleiteten Sätzen die Möglichkeit, das finite Verb aus dem lexikalischen in den funktionalen
Bereich zu heben; im ersten FaU erzeugt dies die zweite Satzposition, im zweiten Fall
ermöglicht es die F-Reprojektion für die erneute Zweitstellung nach dem Operator.
Solange Spezifikator-Links > > Kopf-Links als Pärchen ein komplexes Gebot bilden,
resultiert aus den zwei Bedingungen eine strukturell komplette Verbzweit-Sprache.
Die relativen Ordnungen 'F-Reprojektion > > 'Kopfadjunktion entgegen 'Kopfadjunktion
> > 'F-Reprojektion favorisieren unterschiedliche Oberflächenstrukturen, sobald die erweiterte Projektion in den lokalen Rektionsbereich eines übergeordneten Matrixverbs gerät und
sobald sich ein Komplementierer in der Eingabe befindet.
(31)
V2-Differenz:
Eine V2-Grammatik [[Spec-L > > K-L] > > 'FR > > *KA], die maximale Verbanhebung auch im Nebensatz durchhält, wird durch Geboteumstellung von 'FR und
'KA in eine V2-Grammatik [[Spec-L > > K-L] > > 'KA > > *FR] überführt, die
besagte Verbanhebung im Nebensatz aufgibt.
• In den Verbzweit-Sprachen will das finite Verb aus strukturell formalen Gründen in den
funktionalen Bereich bewegt werden. Die Bildung eines komplexen Kopfes vermindert die
Zahl der Köpfe, die sich nicht am äußersten linken Rand ihrer Projektion befinden. Oberflächenwirkung ist die präadverbiale Stellung des finiten Verbs.
• Eine Verbzweit-Sprache bevorzugt Strukturen, die ihre Spezifikatoren linksperipher lokalisieren und vermeidet deshalb XP-Adjunktion der Operatoren durch funktionale Erweiterung.
Weil gleichzeitig komplexe Köpfe favorisiert werden, enthält der Kopf der für den Operator
eröffneten Projektion im Hauptsatz stets das finite Verb. Oberflächeneffekt ist das Verbzweit-Charakteristikum der generellen Inversion.
• Bei der syntaktischen Verkettung eines Komplementierers sind für eine Verbzweit-Sprache
zwei Generierungen möglich, die beide bis auf einen Unterschied gleich harmonisch sind:
Die erste realisiert Kopfadjunktion statt Reprojektion und resultiert in einer VerbdrittOberfläche (embedded V2).
Die zweite reprojiziert statt zu kopfadjungieren und erzeugt eine postadverbiale Finitumstellung, da das Verb in seiner Basisposition verharrt.
Der Vorzug für eine der beiden Generierungen bedingt den Kontrast innerhalb der Verbzweit-Sprachen.
• Komplementierer stehen stets satzinitial und lizenzieren keinen Spezifikator, weil eine
Projektion generell harmonischer ist, wenn sie auf den Spezifikator verzichtet.
198
! Die Grammatikalität der satzinitialen Stellung des Komplementierers und der Zweitstellung
des finiten Verbs bedingt sich aus demselben syntaktischen Harmonieprinzip: Optimal ist
eine Projektion, deren Kopf linksperipher steht. Dies favorisiert sowohl den Verzicht auf
einen Spezifikator als auch die Anhebung eines Kopfes innerhalb der erweiterten Projektion.
5.
Appendix: Gebote (Constraints)
(in Reihenfolge der deutschen Geboteordnung)
Undominierte Gebote (UnG)
ECP
Empty Category Principle:
Eine derivierte leere Kategorie ist streng kopfregiert.
-»In Modifikation zum ECP der Relativierten Minimalität: nicht nur Spuren, sondern generell alle abstrakten Köpfe,
die über strukturelle Ableitung erzeugt werden; auch abstrakt reprojizierte und rekursiv erweiterte F-Köpfe.
GS
Generelle Satzfunktionen:
Eine Satzstruktur realisiert die Funktionen Tempus und Kongruenz.
Tempus und Kongruenz:
Der Tempus und Verbmodus spezifizierte F-Kopf determiniert die morphologische Form des Kopfes V„
den er lokal regiert.
Der von einem [-Kense] spezifizierten F-Kopf lokal regierte Kopf V; realisiert mit seinem Spezifikator
Person-/Numeruskongruenz.
Ein Kopf X regiert einen Kopf Y genau dann lokal, wenn X Y c-kommandiert, und kein Kopf Z interveniert, so daß Z Y c-kommandiert und Z nicht X c-kommandiert.
SFL
Kasus Nominativ - Subjekt-in-F-Lizenzierung:
Die Subjekt-DP erhält Nominativkasus im A-Spezifikator des [+tense] spezifizierten funktionalen Kopfes
der erweiterten Projektion.
Der [+tense] spezifizierte basisgenerierte F-Kopf lizenziert einen A-Spezifikator.
SM
Satzmodus:
Eine Satzstruktur realisiert die Funktion Satzmodus.
Satzmodus - der unmarkierte Fall:
Jede Satzstruktur spezifiziert einen Satzmodus.
Die Lizenzierung einer Subjekt-DP über Nominativkasus-Zuweisung realisiert den Satzmodus [+deklarativ;
+affirmativ].
Explizite Satzmodusspezifikation:
Der markierte Satzmodus fordert die explizite Satzmodusspezifikation.
Die Domäne einer expliziten Satzmodusspezifikation ist die jeweils höchste erweiterte Projektion.
Domänenverschiebung:
Jeder reprojizierte oder rekursiv erzeugte F-Kopf eröffnet eine neue Domäne, in der explizite Satzmodusspezifikation zu leisten ist.
Eine explizite Satzmodusspezifikation leisten
a.
ein funktionaler Kopf, der ein satzmoduspezifizierendes Merkmal trägt.
b.
ein Spezifikator.
-* Tempus und Verbmodus werden von der abstrakten Information im originalen F-Kopf determiniert, der die
morphologische Abbildung am finiten V-Kopf über lokale Rektion lizenziert.
Der [+tense] spezifizierte V-Kopf kongruiert mit seinem Spezifikator, der Subjekt-DP, die dem Kopf ihre Personund Numerus-Merkmale mitteilt; Tempus- und Kongruenzprüfung in Basisposition!
Nominativkasus erhält die Subjekt-DP über die Spezifikator-Kopf-Konfiguration in der Original-FP.
199
Die Lizenzierung des Subjekts realisiert simultan den unmarkierten Satzmodus [-(-deklarativ; + affirmativ]. Ein nicht
deklarativer Satzmodus ist in der jeweils höchsten erweiterten Projektion zu spezifizieren; jede Eröffnung einer
zusätzlichen Projektionsebene über F-Reprojektion oder F-Rekursion involviert die Satzmodusfunktion.
OpS
Operator-Skopus:
Ein syntaktischer Operator hat auf S-Struktur Skopus in Form von C-Kommando über die erweiterte
Projektion.
Ein modusmarkierter Operator nimmt Skopus im Spezifikator der höchsten erweiterten Projektion.
-* Zu den syntaktischen Operatoren zählen Wh-Phrasen, Topik-Phrasen und thematisch relevante Adverbialphrasen. Alle Operatoren sind als solches inhärent markiert.
Alle syntaktischen Operatoren haben satzmodusspezifiziernde Kraft.
Ein modusmarkierter syntaktischer Operator (z.B. Wh-Phrase) verlangt die explizite Satzmodusspezifikation.
'FinR
'Indikativische-Finitheit-von-Matrix- V-regiert ("Finitheit-regiert):
Ein finiter verbaler Kopf, der das Merkmal [+indikativ] trägt, wird auf S-Struktur nicht von einem
seiegierenden verbalen Kopf lokal regiert.
Konfligierende Gebote
C-R
Komplement-Rechts:
Das Komplement steht auf S-Struktur am äußersten rechten Rand seiner lokal gültigen Projektion.
Sp-L
Spezifikator-Links:
Der Spezifikator steht auf S-Struktur am äußersten linken Rand seiner lokal gültigen Projektion.
K-L
Kopf-Links:
Jedes maximale X° steht auf S-Struktur am äußersten linken Rand seiner lokal gültigen Projektion.
-» Spezifikator-Links ist genau dann verletzt, wenn ein basisgenerierter oder ein über Bewegung erzeugter Spezifikator beliebiges syntaktisches Material an seiner linken Seite findet. Nicht nur weiter links stehende Köpfe oder
Komplemente bewirken einen Spezifikator-Links-Verstoß, sondern insbesondere alle XP-Adjunkte; Harmonieprinzip:
"Vermeide Linksadjunktion".
Kopf-Links ist genau dann verletzt, wenn ein basisgenerierter oder ein über Bewegung oder Ableitung erzeugter
Kopf beliebiges syntaktisches Material an seiner linken Seite findet; Kopf ist definiert als maximales X°, d.i.
komplexe Köpfe zählen als ein Kopf. Harmonieprinzip: "Vermeide Spezifikatoren".
Komplement-Rechts wirkt in umgekehrter Analogie; Harmonieleitsatz: "Vermeide rechte Köpfe und Rechtsadjunktion".
Da Spuren auch mit einem linken Spezifikator keinen Kopf-Links-Verstoß bedeuten, gilt ein weiteres Harmonieprinzip: "Bewege den finV-Kopf innerhalb der erweiterten Projektion soweit wie möglich nach oben." Die
sukzessive Anhebung baut einen komplexen Kopf, der auf S-Struktur das Kopf-Links-Gebot nur einmal involviert.
*KA
'Kopfadjunktion:
Kopfadjunktion ist verboten.
'FR
'F-Reprojektion:
Die Erzeugung eines erweiterten funktionalen Kopfes über Reprojektion ist verboten.
200
6.
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