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MA 27 Layout – Was wird benötigt - WienDenktZukunft

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10/2007
WIENER STRATEGIE FÜR
FORSCHUNG, TECHNOLOGIE
UND INNOVATION
Oktober 2007
www.wiendenktzukunft.at
INHALTSVERZEICHNIS
Executive Summary .......................................................................................................................................6
1.
Einleitung................................................................................................................................................9
2.
Die aktuelle Situation von Forschung, Technologie und Innovation in Wien.........................................13
2.1
2.2
Entwicklungen in Forschung, Technologie und Innovation .................................................................13
Der Beitrag der Wiener FTI-Politik ......................................................................................................21
3.
Herausforderungen für Forschung, Technologie und Innovation in Wien bis zum Zeithorizont 2015 ...23
4.
Die Wiener FTI-Strategie und ihre Bausteine .......................................................................................27
4.1 Leitprinzipien der Wiener FTI-Politik ...................................................................................................27
4.2 Die Ausrichtung der Wiener FTI-Politik...............................................................................................29
4.2.1 Fünf strategische Handlungsfelder ..................................................................................................29
4.2.2 Zielsetzungen ..................................................................................................................................30
4.3 Die Handlungsfelder der Wiener FTI-Politik im Detail.........................................................................32
4.3.1 Humanressourcen: Kluge Köpfe für Wien........................................................................................33
4.3.2 Thematische Schwerpunkte: Sichtbar und relevant.........................................................................37
4.3.3 Forschung trifft Stadt: Kommunikation, Lernen und Öffentlichkeit ...................................................47
4.3.4 Treibhaus für Forschung und Innovation: Neues möglich machen ..................................................51
4.3.5 Forschungs- und Innovationsstandort in Europa: Wien als internationaler Netzwerkknoten............56
Anhang 1: Mitwirkende bei der Strategieerstellung ......................................................................................61
Anhang 2: ProponentInnen ..........................................................................................................................66
Seite 2 von 67
Wien zu einer der wichtigsten europäischen Forschungsmetropolen machen, und der Stadt
damit einen bedeutenden Platz in der Wissensgesellschaft der Zukunft sichern – kein
geringeres Ziel hat sich die Wiener Forschungs-, Technologie- und Innovationsstrategie
gesetzt. Nach einer einjährigen, intensiven Entwicklungsphase liegt nun das Leitbild für die
Wissensregion Wien sowie die Rolle der Stadt in deren Entwicklung vor. Im Dialog von
Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erarbeitet, umfasst sie Einzelstrategien und Maßnahmen
für insgesamt fünf Handlungsfelder, in denen Wien wesentliche Impulse für den
Wissensstandort setzen wird.
Mehrere Entwicklungsgruppen, eine Reihe hochrangiger ProponentInnen und vor allem eine
Hundertschaft hochkarätiger ExpertInnen aus den Bildungsinstitutionen,
Forschungseinrichtungen und Unternehmen dieser Stadt stellten sicher, dass der
Strategiefindungsprozess auf einer breiten Basis stand. Zwei Konferenzen und ein Dialogforum
ermöglichten darüber hinaus die Einbindung der interessierten Öffentlichkeit. In diesem Sinn gilt
der Dank der Stadt Wien all jenen, die mit ihrem Wissen, ihrer Tatkraft und ihrem guten Willen
zur Entstehung der FTI-Strategie beigetragen haben. Nur durch dieses aktive Engagement
wurde es möglich, dass heute die Weichen für eine zukunftsweisende Weiterentwicklung der
Wiener Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik gestellt sind.
Dabei wird Wien alles daran setzen, um im Rahmen der zur Verfügung stehenden
Möglichkeiten die vorhandenen Potenziale in Forschung, Technologie und Innovation zu nutzen
und weiter zu stärken. Auch bekennt sich die Stadt zu einer weiteren Steigerung der
Anziehungskraft Wiens auf die besten Köpfe – durch Maßnahmen, die auf die Förderung
einzelner Forscher und Forscherinnen ebenso abzielen wie auf die Schaffung eines Umfelds, in
dem Innovation und Kreativität zur vollen Entfaltung kommen können. Auch weiß Wien um die
Verantwortung, die daraus entsteht, dass neue Technologien weitreichende Folgen für unser
Zusammenleben haben können. Nicht zuletzt deshalb ist es der Stadt ein besonderes Anliegen,
dass speziell solche Vorhaben gefördert werden, die sowohl zur Stärkung des
Wirtschaftsstandortes beitragen als auch einen wahrnehmbaren gesellschaftlichen Nutzen für
die WienerInnen mit sich bringen.
Bereits in den kommenden Monaten startet die Stadt die ressortübergreifend und langfristig
angelegte Umsetzung der FTI-Strategie. Der bei der Entwicklung gewonnene Schwung und das
Engagement aller Beteiligten wird weiter genutzt werden, um die ins Auge gefassten
Maßnahmen schrittweise umzusetzen, an der Weiterentwicklung der Strategie zu arbeiten und
so Wien zu DER zentraleuropäischen Forschungsmetropole zu machen.
Dr. Michael Häupl
Landeshauptmann und Bürgermeister von Wien
Seite 3 von 67
Der Magistrat der Stadt Wien definiert sich als kundenorientierter Dienstleistungskonzern. Er ist
in hohem Maße für die Lebens- und Standortqualität der Stadt verantwortlich. Für eine
Metropole wie Wien bedeutet dies nicht nur die reibungslose Bereitstellung der technischen
Infrastruktur, sondern auch das zielgruppenorientierte Angebot von Dienstleistungen in
unterschiedlichsten Bereichen, von Bildung, Soziales und Gesundheit bis Umwelt und Kultur.
Die Rahmenbedingungen für die Erbringung dieser Dienstleistungen ändern sich ständig. Für
den Magistrat ist es daher essenziell, immer am laufenden Stand der Technik, der Forschung
und der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sein.
Um die Lebensqualität zu sichern und Wien als dynamischen Wirtschaftsstandort zu behaupten,
brauchen wir Weltoffenheit und Innovationsfreude, Flexibilität und Lernbereitschaft. Das gilt für
den ökonomischen und technischen Bereich ebenso wie für Bildung, Kultur, Ökologie und nicht
zuletzt das soziale Klima.
Forschung, Technologie, Innovation und wissenschaftliche Erkenntnisse auf nachhaltig hohem
Niveau bilden eine entscheidende Grundlage. Die Wiener FTI-Strategie zielt darauf ab, den
eingeschlagenen Weg Wiens zu einem führenden zentraleuropäischen Wissenschafts- und
Forschungsstandort konsequent weiterzuverfolgen.
Ich halte den regen geistigen Austausch zwischen Stadtverwaltung und Wiener Scientific
Community für äußerst wichtig und wünsche allen Beteiligten bei der Umsetzung der Wiener
FTI-Strategie, die im Magistrat durch die Magistratsabteilung 27 – EU-Strategie und
Wirtschaftsentwicklung begleitet wird, viel Erfolg.
Dr. Ernst Theimer
Magistratsdirektor und Landesamtsdirektor von Wien
Seite 4 von 67
Wien ist mit tiefgreifenden Veränderungen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und
internationalen Umfeld konfrontiert, die allesamt nach einem forcierten Ausbau von
Forschungskapazitäten und Innovationsfähigkeit rufen. Damit die Wiener Wirtschaft auch
künftig mit Ideen und High-Tech-Anwendungen global wettbewerbsfähig bleibt, benötigen wir
eine Standortentwicklung, die nachhaltig, forschungsbasiert und innovationsorientiert ist. Die
Ausbildung spielt dabei eine zentrale Rolle: Wir müssen im Bildungssystem alle Anstrengungen
unternehmen, um Innovationsfähigkeit, Kreativität und internationales Denken von jungen
Menschen zu fördern. Damit sichern wir das künftige Wohlergehen Wiens in der
Wissensgesellschaft. Ebenso gilt es das interkulturelle Potential unserer Stadt verstärkt zu
nutzen. Brain Circulation statt Brain Drain, das Kommen und Gehen kluger Köpfe, ist die
Chance für Wien, die sich aus der weiteren Internationalisierung der Forschung ergibt.
Mag.a Renate Brauner, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und
Wiener Stadtwerke
Eine urbane Kultur, die Kreativität und Neuerung in den Mittepunkt stellt, benötigt ein offenes
Meinungsklima, bei dem ein Mehr an Innovationsbereitschaft und Technologieakzeptanz mit
einem Mehr an kritischer Reflexionsfähigkeit einhergeht. Dass mit dem technologisch
Möglichen verantwortungsbewusst umgegangen werden muss, ist auch einer der Gründe,
warum die Stadt schwerpunktmäßig die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften fördert. Nur
sie können jene kulturelle und soziale Reflexion des technologischen Wandels sicherstellen, die
notwendig ist, damit die Wissensökonomie gesellschaftliche Akzeptanz findet. Ein ständiger
Dialog mit der Bevölkerung wird deshalb die Umsetzung der Wiener FTI-Strategie begleiten.
Dr. Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft
Das Ziel, die Standortentwicklung der Universitäten und anderer FTI-Einrichtungen optimal zu
gestalten, gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer partnerschaftlichen Stadtentwicklung in
den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Dabei geht es aber nicht nur um die konkrete
Förderung von wissenschaftlichen Stärkefeldern in einem attraktiven Umfeld: Wien kann im
Wettbewerb der Forschungsstädte mit seiner Lebensqualität punkten, die die Stadt für
erfindungsreiche und innovative Köpfe äußerst attraktiv macht. Für ein solches Umfeld sind
nicht nur Universitäten und High Tech-Firmen verantwortlich, sondern auch Kunst und Kultur,
Schulen und Einrichtungen zur Kinderbetreuung sowie ausgezeichnete Verkehrsverbindungen
und eine intakte Umwelt.
DI Rudolf Schicker, Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr
Seite 5 von 67
Executive Summary
Wien ist ein wichtiger Standort für Wissenschaft, Forschung, Technologieentwicklung und
Innovation in Europa und Wien kann diesbezüglich auf eine lange Tradition zurückblicken.
Angesichts einer sich beschleunigenden Innovationsdynamik kommt der Fähigkeit, Wissen zu
generieren, zu verarbeiten und sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich nutzbringend
einzusetzen eine größere Bedeutung zu als je zuvor. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt
Wien zur Aufgabe gesetzt, unter die führenden europäischen Metropolen für Forschung,
Technologie und Innovation (FTI) aufzurücken. Um diese Aufgabe systematisch anzugehen,
wurde im November 2006 der FTI-politische Strategieprozess „Wien denkt Zukunft“ gestartet,
an dessen Ende strategische Handlungsfelder und Maßnahmenvorschläge für die FTI-Politik
der Stadt bis zum Jahr 2015 stehen sollen.
Diese Perspektive spiegelt sich in den folgenden Leitzielen für den Forschungs- und
Innovationsstandort wider, die zum Start des Strategieprozesses formuliert wurden und zu
deren Erreichung die Wiener FTI-Strategie wichtige Beiträge leisten wird:
•
„Steigerung der Forschungsquote in Wien auf 4%“
•
„22.000 Beschäftigte im F&E-Bereich"
•
„800 F&E-betreibende Unternehmen"
•
„Akademikerquote 20%"
•
„Teilnahme von 200 Wiener kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) an Projekten
des 7. Rahmenprogramms der EU"
•
„Steigerung des Frauenanteils in der betrieblichen Forschung um 100 %“
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen der Stadt, des Bundes
und anderer FTI-AkteurInnen aus den Bereichen Wissenschaft und Wirtschaft. Auf dem Weg
dorthin sind fünf zentrale Herausforderungen zu bewältigen:
•
Die Potenziale für Forschung, Technologie und Innovation nutzen: Eine zentrale
Zukunftsaufgabe besteht in der Schaffung der notwendigen Voraussetzungen, damit
talentierte junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft einen vielversprechenden
Karriereweg als WissenschafterInnen in einer in räumlicher und wissenschaftlichtechnischer Hinsicht optimal ausgestatteten Infrastruktur in Wien einschlagen können.
Seite 6 von 67
•
Die Qualität und Sichtbarkeit von FTI steigern: Angesichts des sich verschärfenden
Wettbewerbs zwischen den wichtigsten FTI-Standorten in Europa und weltweit wird es
immer wichtiger, durch Spitzenleistungen und klare Schwerpunkte Sichtbarkeit zu
erlangen.
•
Die gesellschaftliche Einbettung von FTI sicherstellen: Neue Technologien
durchdringen zunehmend unseren Alltag, und städtische Ballungsräume sind die
Brennpunkte dieser Entwicklung. Ein sozial verträglicher Umgang mit neuen
Technologien setzt voraus, dass in Wien Räume der Kreativität und der
Auseinandersetzung geschaffen werden, um mit diesen neuen Möglichkeiten
experimentieren und sich mit ihnen kritisch auseinandersetzen zu können.
•
Die Dynamik von Forschung- und Innovation beschleunigen: Die Dynamik von
Forschung und Innovation in räumlicher und inhaltlicher Hinsicht kann sich nur dann
entfalten, wenn in Wien stimulierende Rahmenbedingungen herrschen, die in
abgestimmter Art und Weise von verschiedenen Politikfeldern und -ebenen gesetzt
werden.
•
Die internationale Einbindung von FTI ausbauen: Europa wird in wachsendem Maße
der Bezugsrahmen für FTI in Wien und erfordert eine enge Einbindung in internationale
Forschungsnetzwerke. Gleichzeitig bietet der CENTROPE-Raum die Möglichkeit, sich
gemeinsam im europäischen und globalen Umfeld zu positionieren.
Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen von vier thematischen Panels und weiteren
öffentlichen Veranstaltungen zahlreiche Maßnahmenvorschläge entwickelt, mit denen neue
Impulse für FTI in Wien gegeben werden können. Sie lassen sich in fünf zentralen
Handlungsfeldern für die FTI-Politik der Stadt Wien bündeln, auf die die Stadt Wien ihre
Maßnahmen in den kommenden Jahren konzentrieren wird:
•
Humanressourcen − Kluge Köpfe für Wien: Im Zentrum dieses Handlungsfeldes steht
die Verbesserung der Perspektiven und Rahmenbedingungen für hochqualifizierte und
mobile NachwuchswissenschafterInnen, unter besonderer Berücksichtigung von
Gender-Aspekten.
•
Thematische Schwerpunkte − sichtbar und relevant: Hier steht die Aufgabe im
Vordergrund, die Stärkung bestehender und die Entwicklung einer begrenzten Anzahl
neuer Forschungs- und Innovationsschwerpunkte sowohl in inhaltlicher als auch in
räumlicher Hinsicht voranzutreiben.
Seite 7 von 67
•
Forschung trifft Stadt − Kommunikation, Lernen und Öffentlichkeit: Mithilfe neuer
und weiterentwickelter Maßnahmen werden ein kritischer Dialog mit der Öffentlichkeit
über FTI und die Vermittlung von Einsichten in Wiener FTI sowohl innerhalb Wiens als
auch auf internationaler Ebene verstärkt.
•
Treibhaus für Forschung und Innovation − Neues möglich machen: Durch die
Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen wird der „kreative Humus“, der die FTILandschaft in Wien bereits heute auszeichnet, weiter verbessert.
•
Forschungs- und Innovationsstandort in Europa − Wien als internationaler
Netzwerkknoten: Wien als international vernetzten Standort für Forschung und
Innovation weiter zu stärken, ist die Kernaufgabe in diesem Handlungsfeld. Der
Einbettung in die CENTROPE-Region wird dabei ein zentraler Stellenwert zukommen.
Innerhalb dieser Handlungsfelder wurde auch eine Reihe von Maßnahmen identifiziert, deren
Umsetzung bereits im kommenden Jahr erfolgen wird − die „Startprojekte“:
•
Durch die Einrichtung von „Junior Groups“, d.h. eine Förderung von
Nachwuchsgruppen in den Forschungsschwerpunkten der Stadt sollen die
Rahmenbedingungen für „kluge Köpfe“ nachhaltig verbessert werden.
•
Die bisherigen Forschungsschwerpunkte in Wien (insbesondere in den Life Sciences, in
den Informations- und Kommunikationstechnologien, sowie in den Creative Industries)
werden ergänzt durch ein neues „Impulsprogramm Gesellschafts-, Sozial- und
Kulturwissenschaften (GSK)“.
•
Durch die Initiative „Spitzenstandorte für Spitzenforschung“ soll die inhaltliche und
räumliche Komponente mittels FTI-Standortentwicklungskonzepten in Zukunft besser
aufeinander abgestimmt werden.
•
Durch ein Bündel von Maßnahmen wird unter dem Dach der Initiative „Forschung trifft
Stadt“ der Dialog zwischen den verschiedenen an Wissenschaft, Forschung,
Technologie und Innovation interessierten Personen und Organisationen erweitert und
vertieft.
•
Durch die Aktualisierung der betrieblichen Förderrichtlinien der Stadt Wien „ZIT 08plus“
werden wichtige Querschnittsbelange der FTI-Politik (z.B. Fokus auf Innovation und
Dienstleistungen, Gender-Mainstreaming, etc.) stärkere Berücksichtigung finden.
•
Der Austausch von Personen wird als zentraler Beitrag zum Zusammenwachsen der
CENTROPE-Region gesehen. Es wird daher ein „CENTROPE Mobilitätsprogramm“
initiiert werden.
Seite 8 von 67
1.
Einleitung
Wissen, Forschung und deren praktische Umsetzung in Form neuer Technologien und
innovativer Produkte bzw. Prozesse sind die Basis für eine erfolgreiche Zukunft der Stadt Wien.
Die auch im internationalen Vergleich sehr gute Positionierung Wiens als Stadt der Wissenschaft, Forschung und Innovation ist das Ergebnis von Aktivitäten und Investitionen der vergangenen Jahre. Durch ihre aktive Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik (FTI-Politik)
hat die Stadt in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen, Wien zu einem wichtigen
europäischen Wissensstandort zu machen. Um die Attraktivität des Standortes Wien zu erhalten und darüber hinaus noch zu verbessern, müssen aber weitere Maßnahmen in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Innovation und Bildung getätigt werden.
Als Stadt der Wissenschaft und Forschung kann Wien auf eine lange Tradition verweisen. Zehn
Universitäten, zahlreiche wichtige und auch international renommierte
Forschungsorganisationen, eine hohe Konzentration von Bildungseinrichtungen und nicht
zuletzt eine Ballung industrieller Forschungs- und Innovationskompetenzen sind in der Stadt
beheimatet und tragen zum Renommee als Wissensstandort bei.
Im Vergleich dazu besitzt die FTI-Politik in Wien erst eine kurze Geschichte. Aufbauend auf den
frühen Bemühungen der Wissenschafts- und Wirtschaftsförderung wurden in den neunziger
Jahren des vergangenen Jahrhunderts die FTI-politischen Aktivitäten intensiviert. Diese
Entwicklung fand parallel zu ähnlich gelagerten Initiativen in anderen europäischen Metropolen
statt. In den letzten zehn Jahren hat die Stadt Wien eine Vielzahl von erfolgreichen forschungs-,
technologie- und innovationspolitischen Maßnahmen gesetzt, und dies auf der Grundlage langfristiger Überlegungen zur Zukunft der Stadt. Gleichzeitig hat sich in Wien eine vielgestaltige
FTI- und förderpolitische Landschaft herausgebildet. Trotz allem hat sich ein Bedarf an
Reflexion über die wichtigsten FTI-politischen Herausforderungen der Zukunft ergeben,
verbunden mit einer Konsolidierung und Erweiterung der entsprechenden Handlungsfelder und
Maßnahmen, die von den verschiedenen FTI-politischen Institutionen der Stadt getragen
werden.
Vor diesem Hintergrund wurde im Frühjahr 2006 der Anstoß für den FTI-politischen
Strategieprozess „Wien denkt Zukunft“ gegeben. Im Zuge der Erarbeitung der FTI-Strategie
sollte geklärt werden, welche strategische Orientierung vor dem Hintergrund der bestehenden
Herausforderungen am besten geeignet ist, das Ziel, Wien zu dem zentraleuropäischen Forschungs-, Technologie- und Innovationsstandort zu entwickeln, zu erreichen. Die Aktivitäten in
diesen Bereichen sollen noch besser aufeinander abgestimmt werden, wodurch zusätzliche
Synergien sowie eine weitere Verbesserung der Effektivität und Effizienz der Maßnahmen erreicht werden können. Zugleich soll allen regionalen AkteurInnen in Politik, Wissenschaft und
Forschung, Wirtschaft und Verwaltung ein Rahmen zur koordinierten Vorgangsweise angeboten
werden.
Seite 9 von 67
Dieser Rahmen ist auch an außenstehende AkteurInnen (Bund, angrenzende Regionen,
internationale Institutionen) im Sinne einer Orientierungshilfe adressiert. Und schließlich dient
die Strategie dazu, für die Öffentlichkeit die entsprechenden Anstrengungen Wiens
transparenter zu machen.
Unter Berücksichtigung der bisherigen Aktivitäten, von bereits vorliegenden empirischen Befunden, aber vor allem unter Einbindung von ExpertInnen aus den betroffenen Themenfeldern
wurden in Workshopreihen und im Rahmen breiter angelegter Veranstaltungen Handlungsfelder
identifiziert und konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Mit der Federführung bei der Entwicklung dieser FTI-Strategie wurde die MA 27 – EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung beauftragt. Die enge Abstimmung mit den relevanten AkteurInnen im Magistrat (MA 7 – Kultur und
MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung) bzw. mit dem Zentrum für Technologie und Innovation ZIT und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF spiegelte sich in der Projektorganisation wider. Im Zentrum des Strategieprozesses standen vier
Panels, die sich mit folgenden Kernthemen auseinandergesetzt haben: 1
•
Panel 1: Wirtschaft - Forschung, Technologie und Innovation (FTI) im Unternehmenssektor; Leitung Maga. Edeltraud Stiftinger/ Dr. Claus Hofer
•
Panel 2: Wissenschaft - Forschungsschwerpunkte und Wissenstransfer; Leitung
Dr. Michael Stampfer
•
Panel 3: Gesellschaft - Wissenschaft und Gesellschaft; Leitung Univ.-Prof. Dr. HubertChristian Ehalt
•
Panel 4: Stadt - Stadtentwicklung für den Forschungsstandort Wien; Leitung DI Thomas
Madreiter
Panelübergreifend wurden zusätzlich vier Querschnittsthemen behandelt: Gender-Aspekte,
Humanressourcen, EU-Politik und Vernetzung. Diese vier Querschnittsthemen wurden sowohl
in allen Panels aufgegriffen als auch in den übergreifenden Veranstaltungen (insbesondere dem
Public Forum im Februar 2007) behandelt. Die Ergebnisse aus den Panels wurden unter Berücksichtigung konzeptiver Überlegungen, unterschiedlichster analytischer Befunde zu FTI in
Wien und politischer Prioritäten im vorliegenden Endbericht zusammengeführt.
Der partizipative Charakter des Strategieprozesses manifestierte sich in den Panels, in die
mehr als achtzig ExpertInnen aus verschiedensten Bereichen involviert waren, sowie in den an
die breitere Öffentlichkeit gerichteten Veranstaltungen, zu deren Unterstützung auch eine WebPlattform eingerichtet wurde (www.wiendenktzukunft.at).
1
Eine Liste der Mitwirkenden in den Panels findet sich im Anhang
Seite 10 von 67
Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Michael Häupl, von Vizebürgermeisterin Renate
Brauner und der Stadträte Andreas Mailath-Pokorny und Rudolf Schicker erfolgte die Umsetzung des gesamten Prozesses, unterstützt durch die Austrian Research Centers, Bereich systems research (wissenschaftlich) und das Europaforum Wien (organisatorisch).
Der Prozess wurde zum einen durch einen Projektbeirat begleitet, durch den die FTI-politischen
Aktivitäten der Stadt Wien in einer umfassenden Perspektive (Unternehmensförderung, Wissenschaftsförderung, Stadtentwicklung) berücksichtigt werden konnten. Zum anderen unterstützte
eine Gruppe von hochrangigen ProponentInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik den
Prozess und trug sowohl zu dessen Orientierung als auch zu dessen Sichtbarkeit bei. 2
Auftaktveranstaltung
Panel 1
FTI im
Unternehmenssektor
Panel 2
Forschungsschwerpunkte
und Wissenstransfer
Panel 3
Wissenschaft und
Gesellschaft
Panel 4
Stadtentwicklung für den
Forschungsstandort
„Public Forum“
Panelbericht
Integratives Konzept
für die FTI-politische
Strategie Wiens
Panelbericht
Panelbericht
FTI-Strategie Wien
Panelbericht
Analysen zu FTI
in Wien
Abschlussveranstaltung
Abbildung 1: Überblick über den FTI-politischen Strategieprozess „Wien denkt Zukunft“
2
Eine Liste der ProponentInnen findet sich im Anhang
Seite 11 von 67
Die im vorliegenden Bericht zusammengefassten Ergebnisse des Strategieprozesses bauen
zunächst auf einer knappen Analyse jüngerer Entwicklungen im Bereich Forschung,
Technologie und Innovation in Wien auf (Kapitel 2). Es werden danach die wesentlichen
Herausforderungen für die Zukunft herausgearbeitet, denen sich Wien im Bereich FTI in den
kommenden Jahren stellen wird (Kapitel 3). Anschließend werden die Kernbestandteile der FTIStrategie dargelegt, d.h. Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen (Kapitel 4). Als erste Schritte
werden dabei sechs Startprojekte vorgestellt, deren Umsetzung im Jahr 2008 gestartet wird.
Seite 12 von 67
2.
Die aktuelle Situation von Forschung, Technologie und Innovation in Wien
2.1
Entwicklungen in Forschung, Technologie und Innovation
Forschung und Entwicklung in Wien stehen an der Spitze in Österreich
Innerhalb Österreichs ist Forschung und Entwicklung stark in Wien konzentriert. So
repräsentiert Wien rund 40% aller F&E-Beschäftigten und F&E-Ausgaben in Österreich (vgl.
Tab. 1), bei einem Bevölkerungsanteil von etwa einem Fünftel. Die Stärke des Wiener
Wissenschaftsstandortes basiert auf einem Mix von universitärer, außeruniversitärer und
anwendungsorientierter Forschung und auf vielfältigen Vermittlungsinitiativen, die
wissenschaftliche Ergebnisse in die Praxis und in die breitere Öffentlichkeit tragen.
Wien
F&E-Einrichtungen
F&E-Beschäftigte (VZÄ)
F&E-Ausgaben
nach Durchführungssektoren
davon Unternehmenssektor
davon öffentlicher Sektor
(Hochschulen und Staat)
Privater gemeinnütziger Sektor
Anteil in
Österreich
1.007
29 %
17.383
40 %
2.184 Mio. €
42 %
1.257 Mio. €
35 %
909 Mio. €
54 %
18 Mio. €
83 %
Tabelle 1: Anteil Wiens an F&E-Einrichtungen, -Beschäftigten und -Ausgaben
(Stand 2004). Quelle: Statistik Austria 2007
Seite 13 von 67
Das Geld für F&E kommt aus vielen Quellen
Hinsichtlich der Bedeutung Wiens ist zwischen der Durchführung von F&E einerseits und ihrer
Finanzierung andererseits zu unterscheiden. Bundesweit sind die wichtigsten Geldgeber für
F&E die Unternehmen, danach folgt der Bund (vgl. Tab. 2). In Wien ist die Bedeutung des
Bundes allerdings relativ größer als in Österreich insgesamt und liegt im Gegensatz zum
gesamtösterreichischen Durchschnitt knapp über jener der inländischen Unternehmen. Dieser
Befund ist nicht zuletzt auf die Präsenz vieler Universitäten in Wien zurückzuführen. Nicht zu
unterschätzen ist die Finanzierung von F&E aus dem Ausland, die vorwiegend von
multinationalen Konzernen geleistet und in Forschungseinrichtungen in Wien eingesetzt wird.
Auch hier ist Wien in höherem Ausmaß betroffen als andere Bundesländer.
Wien
Österreich
Nationale Unternehmen
32,6 %
47,2 %
Ausland (inkl. internat. Org. ohne EU)
25,3 %
17,7 %
Bund (inkl. sonst. öffentl. Sektor 3 )
36,1 %
29,0 %
Länder und Gemeinden
3,1 %
4,1 %
Privat gemeinnütziger Sektor 4
0,8 %
0,5 %
EU (Organisation)
2,0 %
1,7 %
Tabelle 2: Anteile an der Finanzierung von F&E in Wien und Österreich
(Stand 2004) Quelle: Statistik Austria 2007
Die Bedeutung von Ländern und Gemeinden bei der Finanzierung von F&E ist in Österreich
generell verhältnismäßig gering. Die F&E-Finanzierung durch die Stadt Wien macht ungefähr
ein Zehntel des Betrages aus, den der Bund für F&E in der Stadt ausgibt. Rechnet man die
Stiftungsmittel der Stadt Wien, die die Statistik dem privaten gemeinnützigen Sektor zurechnet,
zu den Ausgaben der Stadt dazu, hat Wien einen Anteil von knapp 4% an der öffentlichen
Finanzierung von F&E in Wien. Die Einflussmöglichkeiten der Wiener FTI-Politik mittels
finanzieller Instrumente auf das FTI-Geschehen in der Stadt sind überschaubar, sie werden
aber durch andere Maßnahmen (z.B. infrastrukturelle und planerische) verstärkt.
3
4
Überwiegend bestehend aus Basismitteln der FFG und FWF
Inklusive der Fonds der Stadt Wien (z.B. WWTF)
Seite 14 von 67
Wien im Spitzenfeld der wissenschaftlichen Performance
Publikationen sind der wichtigste Indikator zur Erfassung der wissenschaftlichen
Leistungsfähigkeit einer Institution und damit auch des Standorts, an dem sie angesiedelt ist.
Wien ist in dieser Hinsicht in der Spitzengruppe europäischer Regionen zu finden (siehe
Tab. 3) 5 . Bemerkenswert ist hierbei insbesondere, dass es seit Mitte der neunziger Jahre zu
einer überdurchschnittlichen Steigerung des Publikationsanteils gekommen ist. In besonders
starkem Maße tragen hierzu die Publikationen im Bereich der Medizinforschung bei; aber auch
die Mathematik, Biologie und die Ingenieurwissenschaften spielen eine wichtige Rolle.
Rang
Regionen
Biologie
Medizin- angew.
Chemie Physik
forschg. Bio/ökol.
Geowiss.
Ingen.
-wiss.
alle
Mathematik Diszipl.
1
London (UK)
4,97
6,41
1,49
1,61
1,87
2,11
2,71
1,95
3,93
2
Paris intra-muros (FRA)
3,17
3,07
1,35
1,60
2,14
2,50
1,38
3,87
2,50
7
München (DEU)
1,82
1,81
1,40
1,36
2,20
2,36
1,60
0,95
1,77
9
Rom (ITA)
1,72
1,78
0,95
1,05
2,13
1,91
1,61
1,84
1,65
11
Berlin (DEU)
1,63
1,71
1,13
1,59
2,41
0,90
1,21
1,40
1,61
14
Grande couronne
parisienne (FRA)
1,27
0,32
1,21
1,65
3,56
1,56
1,80
3,17
1,40
15
Helsinki (FIN)
1,47
1,34
2,10
1,10
1,08
1,57
1,45
0,82
1,35
16
Stockholm (SWE)
1,70
1,53
0,65
1,13
0,95
1,12
0,99
0,58
1,27
20
Wien (AUT)
1,06
1,53
1,10
0,82
0,99
0,86
1,01
1,17
1,16
22
Amsterdam (NLD)
1,27
1,65
0,68
0,53
0,77
1,15
0,87
0,90
1,14
0,87
1,56
0,30
0,76
0,64
1,01
1,09
0,93
1,06
43,70
43,10
33,60
33,10
40,20
40,40
36,10
37,80
39,90
25
Petite couronne
parisienne (FRA)
Summe der 25 bestgereihten Regionen
Tabelle 3: Publikationsanteil von europäischen Städten an Gesamtpublikationen der EU25 nach
Disziplinengruppen (in %) (Stand 2004)
Quelle: Observatoire des Sciences et des Techniques, (OST), Paris
5
Der Indikator bedarf mitunter genauer Interpretation, da die Verwendung von NUT2 Regionen in der Regel ein viel
größeres Gebiet als die in der Tabelle angegebene Stadt einbezieht. Die Daten für München beziehen sich etwa
auf die gesamte Region Oberbayern mit mehr als 4,2 Mio. Einwohnern − Für Wien als eine eigene NUT2-Region
werden daher aufgrund der engen räumlichen Definition eher geringere Werte ausgewiesen.
Seite 15 von 67
F&E-intensive Tätigkeiten wachsen in Industrie und Dienstleistungen
In der Wiener Wirtschaft lassen sich deutliche F&E-Schwerpunkte erkennen. Im
Dienstleistungssektor, der inzwischen rund fünf Sechstel zur Wirtschaftsleistung in Wien
beiträgt, trägt vor allem der Bereich der wissensbasierten Dienstleistungen („Knowledge Intensive Business and Public Services“ KIBPS) zur F&E-Leistung bei. Hierunter weisen neben den
F&E-Dienstleistungen i.e.S. insbesondere Unternehmensberatung, Datenverarbeitung und
Software eine hohe Dynamik auf. In diesen Branchen, aber auch in vielen anderen
Dienstleistungsbranchen, wächst die Beschäftigung seit einigen Jahren überdurchschnittlich.
Im produzierenden Bereich ist F&E insbesondere in den Branchen Schienenfahrzeugbau,
Pharma, Mess-/Kontrolltechnik, Nachrichtentechnik, Fahrzeugbau und Medizintechnik
konzentriert. Von ihnen zeigen allerdings nur die erstgenannten drei Branchen ein
Beschäftigungswachstum. Insgesamt finden sich nur wenige Branchen mit geringer F&EIntensität, deren Beschäftigung wächst. 6 Hieran zeigt sich, dass im produzierenden Sektor eine
höhere F&E-Neigung für eine dynamische Entwicklung oftmals unverzichtbar ist.
Kooperationsneigung in der angewandten Forschung nimmt zu
Auch im Bereich der wissenschaftlichen Forschung, die für betriebliche Innovation
bedeutsam ist, lassen sich Schwerpunkte feststellen. Aufgrund des großen und reichhaltig
diversifizierten Universitätssektors ist Forschung und Wissenschaft in Wien sehr umfassend
vertreten. Für die Innovationsleistung besonders relevant sind jene Forschungsbereiche, in
denen besonders stark mit Unternehmen in gemeinsamen F&E-Projekten kooperiert wird. Die
Autonomisierung des universitären Bereiches und die vielfältigen neuen Typen von Akteuren im
Bereich der Forschungs- und Forschungsförderung bewirken, dass es neue interessante
Konstellationen für Transferprozesse zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung,
Lehre und Vermittlung an die Öffentlichkeit gibt.
Die meisten mit der Wirtschaft kooperierenden Forschungseinheiten in Wien finden sich in den
naturwissenschaftlichen, medizinischen und sozialwissenschaftlichen Wissenschaftszweigen.
Konkret sind dies Mathematik/Informatik, Biologie, Chemie, klinische Medizin und
Wirtschaftswissenschaften. Berücksichtigt man darüber hinaus die Zahl der gemeinschaftlich
betriebenen F&E-Projekte, dann gewinnen Disziplinen wie Architektur und
Elektrotechnik/Elektronik an Gewicht. Generell finden sich im Bereich der technischen
Wissenschaften eher wenige, dafür aber sehr aktive Forschungseinheiten.
6
Vgl. Pretschuh, J. & Bieber, R. (2006): Schlüsselbranchen im urbanen Innovationssystem, Forschungsbericht
ARC-sys/ZIT-0008
Seite 16 von 67
Aktive Profilbildung von F&E-Schwerpunkten wird unterstützt
Den beschriebenen Spezialisierungen entsprechend, diese aber auch weiter schärfend, wurden
in Wien in den letzten Jahren FTI-Schwerpunkte von der Politik aktiv unterstützt, zum Beispiel
auch in Form von Clusterinitiativen. Am sichtbarsten hat sich hierbei wohl der Bereich Life
Sciences mit mehreren Standorten und entsprechenden Spezialisierungen (z.B. in der
Mikrobiologie), unter anderen am Vienna Biocenter und dem Biotech Zentrum Muthgasse,
entwickelt. Die Teilbereiche innerhalb dieses unter dem Begriff Life Sciences
zusammengefassten Schwerpunktes sind (noch) sehr forschungsnah, industrielle
Anwendungen sind häufig erst im Entstehen. Anders sieht das im Schwerpunkt IKT aus, der
stark von einigen Großunternehmen geprägt wird. Innerhalb des Schwerpunktbereichs IKT
lassen sich eine Reihe von hochklassigen Spezialisierungen in Wien identifizieren (z.B.
innerhalb der Medizintechnik oder im Bereich der Computergraphik/Visualisierung). Der
Automotive Cluster Vienna Region (ACVR) ist stark produktionsorientiert. Ein weiterer
Schwerpunkt an der Schnittstelle Kunst − Wirtschaft − Technologie entsteht im Bereich der so
genannten Creative Industries, insbesondere in Bezug auf neue Medien, im Umfeld von St.
Marx. Unterstützt durch die Stadt konnte dieser sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich
entwickeln.
Im wissenschaftlichen Bereich findet sich eine Reihe expliziter Schwerpunkte, z.B. in der
Mathematik, wo man sich insbesondere um die Nutzbarmachung neuer mathematischer
Erkenntnisse in anderen Forschungsfeldern bemüht, oder in der Physik (u.a. Quantenphysik),
wo sich derzeit mit Unterstützung der Stadt Wien neue Entwicklungen mit einem breiten
Spektrum interessanter Anwendungsmöglichkeiten herausbilden. Die Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften (GSK) besitzen in Wien eine bedeutende und für Kultur, Forschung,
Wissenschaft und Gesellschaft wichtige Tradition. Die lange Historie von Wien als Kunststadt
hat viele Aktivitäten der Kunst- und Kulturreflexion gleichermaßen inspiriert und beeinflusst, und
auch heute sind Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in und für Wien wichtig. In einigen
Bereichen (z.B. Widerstandsforschung, genderorientierte Forschungen, Cultural Studies,
Architekturforschung) gibt es in Wien Top-Institutionen und WissenschafterInnen, deren Arbeit
durch die Stadt kontinuierlich unterstützt wurde.
Seite 17 von 67
Internationale Kooperationen für Innovationen in der Wirtschaft haben Ausbaupotential
Während einige der wissenschaftlichen Schwerpunkte international große Beachtung finden –
das Beispiel der Biotechnologie ist hier sicher das erfolgreichste – hat sich die Wiener
Wirtschaft im Bereich FTI international bislang nur eher eingeschränkt positionieren
können. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass die Innovationspartner primär aus
Wien und Österreich stammen. 7 Aber Wien liegt im internationalen Vergleich bei den
Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt im vorderen Mittelfeld (siehe Abb. 2) großer
Stadtregionen. 8 Dies gilt für Hochtechnologiepatente ebenso wie für das gesamte Spektrum der
angemeldeten Patente und bezieht sich auf die Patentanmeldungen pro Million Einwohner.
400
350
Hochtechnologie
alle Patentanmeldungen
Anmeldungen relativ
300
250
200
150
100
50
Lissabon -Lisboa
Warschau - Mazowieckie
Neapel - Campania
Athen - Attiki
Sevilla - Andalucia
Prag
Valencia - Comunidad Valenciana
Budapest
Madrid - Comunidad de Madrid
Rom - Lazio
Lille - Nord - Pas-de-Calais
Florenz - Toscana
Barcelona - Cataluña
Bremen
Brüssel - Région de Bruxelles
London
Amsterdam - Noord-Holland
Utrecht
Turin - Piemonte
Berlin
Mailand - Lombardia
Kopenhagen - Dänemark
Bologna - Emilia-Romagna
Wien
Hamburg
Hannover
Lyon - Rhône-Alpes
Düsseldorf
Paris - Île de France
Helsinki - Etelä-Suomi
Köln
Stockholm
Rotterdam - Zuid-Nederland
Frankfurt am Main - Darmstadt
Stuttgart
München - Oberbayern
0
Abbildung 2: Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt pro Mio. Einwohner (2003)
Quelle: Eurostat
7
8
Vgl. Kaufmann, A. (2005): Räumliche Struktur der Innovationsnetzwerke von Wiener Firmen, Forschungsbericht
ARC-sys/ZIT-0011
Ähnlich wie im Falle der Publikationsanteil von europäischen Städten (vgl. Abb. 2) gilt auch hier, dass aufgrund der
Verwendung von NUT2 Regionen unterschiedlich große Gebiete betrachtet werden. Die Daten für Wien werden
daher (z.B. im Vergleich zu München) tendenziell unterschätzt.
Seite 18 von 67
Eine der Quellen für patentierbares Wissen ist die vorwettbewerbliche Forschung, die in Wien
vorwiegend an den Universitäten stattfindet. Aufgrund der Europäischen
Forschungsrahmenprogramme konnte hier im letzten Jahrzehnt ein Aufholprozess in Bezug auf
internationale Vernetzung eingeleitet werden. Wien zeigt in diesen Programmen besondere
Spezialisierungen bei Telekommunikation, Informationsverarbeitung, der (grünen)
Biotechnologie und im Bereich Transport 9 .
Wien definiert sein Verhältnis zum zentraleuropäischen Raum neu
Durch die EU-Osterweiterung rückte die Region Wien ins Zentrum Europas. Im Jahr 2003 wurde von 14 Städten bzw. Regionen im Vierländereck Tschechien, Slowakei, Ungarn und Österreich gemeinsam beschlossen, die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Europa-Region
Mitte, CENTROPE (Central European Region), zu betreiben. Innerhalb von CENTROPE zeichnet sich die Region Wien-Bratislava durch eine Besonderheit aus: Die geringe Entfernung von
nur 60km zwischen zwei Hauptstädten ist einzigartig in Europa. Die Integration der beiden
Stadtregionen Wien und Bratislava mit ihren ökonomischen Potenzialen bietet die Chance zur
Stärkung der regionalen Märkte. Neben der CENTROPE-Region im engeren Sinne sind auch
die Städte Prag und Budapest von Bedeutung für die Entwicklung in Zentraleuropa.
Die Kaufkraft hat sich in der CENTROPE-Region und in den Städten Prag und Budapest in den
letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Nach BIP in Kaufkraftparitäten sind die Regionen Prag
und Bratislava – die beiden reichsten Regionen der neuen EU Mitgliedsländer in Mitteleuropa –
gleichauf mit Teilen Niederösterreichs. Das nominelle BIP hingegen, das als Maß für die wirtschaftliche Leistung der Region im globalen Wettbewerb herangezogen wird, liegt in den Nachbarregionen nach wie vor weit unter dem EU-Durchschnitt. Es ist also noch großer Aufholbedarf
in den neuen Mitgliedsstaaten gegeben, der trotz ihrer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung noch einige Jahre bestehen bleiben wird.
Deutlich geringere Unterschiede lassen sich zwischen den Vergleichsregionen bezüglich ihrer
Branchenstruktur feststellen. Wien weist im Vergleich zu den anderen Teilregionen einen geringeren Anteil der Industrie aber einen höheren Anteil von Dienstleistungen am regionalen BIP
auf. Am anderen Ende des Spektrums ist die Region Südmähren angesiedelt, in der die Industrie mit mehr als 30% den höchsten Anteil am BIP aufweist. Generell zeichnet sich ab, dass sich
in Zukunft die Konkurrenz der Regionen zunehmend auch auf den Dienstleistungssektor verlagern wird und sich dadurch die bereits heute sehr starken wirtschaftlichen Verflechtungen weiter verstärken werden.
9
Vgl. Kubeczko, K., Paier, M., Roediger-Schluga, T. und Schartinger, D. (2006): F&E-Positionierung –
Internationaler Vergleich ausgewählter Stadt-Umland Regionen. Forschungsbericht ARC-sys/ZIT-0012
Seite 19 von 67
Alle vier CENTROPE-Staaten − d.h. auch Österreich − weisen zum EU-Durchschnitt einen
Rückstand im Qualifikationsgrad der Bevölkerung auf (siehe Abb. 3). So kommen in Bezug auf
den Anteil der Personen mit tertiärer Ausbildung (an der Bevölkerung 25 bis 64 Jahre) die vier
Staaten Zentraleuropas im EU-Ländervergleich am hinteren Ende zu liegen. 10 Die steigende
Nachfrage nach hochqualifiziertem Personal für die Wachstumsbereiche in den Nachbarregionen (insbesondere durch den hohen Anteil an Direktinvestitionen von multinationalen Konzernen) wird daher in den nächsten Jahren u.U. zu Knappheiten am Arbeitsmarkt bei Fachkräften und bei anderen höher qualifizierten Berufsgruppen führen. 11
25,0%
EU 15 (23,1%)
20,0%
EU 25 (21,9%)
18,3%
16,7%
15,0%
12,3%
12,8%
10,0%
5,0%
0,0%
Österreich
Ungarn
Tschechien
Slowakei
Abbildung 3: Qualifikationsniveaus in den CENTROPE Regionen: Tertiäre Ausbildung in
Zentraleuropa in % der Bevölkerung im Alter von 25−64 Jahren, 2004
Quelle: EC, 2005
10
Vgl. Palme, G. und Feldkircher, M. (2006): Wirtschaftsregion "Centrope Europaregion Mitte": Eine Bestandsaufnahme, WIFO
11
Vgl. Kubeczko et al. (2006): Private sector R&D in the new Member States. Final Report: ETEPS AISBL,
Dezember 2006.
Seite 20 von 67
Die F&E-Ausgaben als zukunftssichernde Investitionen sind in der CENTROPE-Region sehr
ungleich verteilt. Wien ist die bei weitem aktivste Teilregion. Der ungarische Teil der Region ist
am wenigsten aktiv in F&E. Auch der slowakische Teil, obwohl Hauptstadtregion, ist deutlich
weniger aktiv in F&E als die Stadt Wien. In Bezug auf die sektorale Differenzierung der Ausgaben (für Hochschulen, Akademie der Wissenschaften, betriebliche Forschung) unterscheiden
sich die Länder deutlich voneinander. In der Tschechischen Republik und der Slowakei dominieren die F&E-Ausgaben des Wirtschaftssektors. Nur in den Stadtregionen Prag und Bratislava
liegt der staatliche Sektor aufgrund des Beitrags der großen Institute der Akademie der Wissenschaften vor dem Wirtschaftssektor. F&E-Ausgaben für den Hochschulsektor sind in Bratislava
besonders gering (0,1% des BIP), da – wie auch in vielen anderen mittel- und osteuropäischen
Ländern – die wissenschaftliche Forschung primär an den Akademien und nicht an den Universitäten angesiedelt ist. Die Ausgaben für Hochschulen konzentrieren sich in Tschechien und der
Slowakei im Wesentlichen auf ein oder zwei Standorte (Prag und Brünn, bzw. Bratislava). Anders ist die Situation in Ungarn. Hier sind die Universitäten breiter über die Regionen verteilt,
weshalb die F&E-Ausgaben im Hochschulsektor in vielen Regionen vor jenen des privaten Sektors liegen. Im landesweiten Durchschnitt entspricht die sektorale Verteilung der F&E-Ausgaben
Ungarns der typischen Struktur in den zehn neuen Mitgliedsstaaten. Tschechien und die Slowakei weichen durch ihre hohen Ausgaben in die betriebliche F&E vom Durchschnitt der zehn
neuen Mitgliedsstaaten leicht positiv ab.
2.2
Der Beitrag der Wiener FTI-Politik
Die Stadt Wien hat in den letzten zwanzig Jahren das Spektrum an
Forschungsförderungseinrichtungen deutlich erweitert. Allein in den letzten zehn Jahren wurden
mehrere thematisch ausgerichtete Forschungsförderungsfonds unterschiedlicher Größe
gegründet. Diese Fonds haben zur Herausbildung von international wahrgenommenen
Schwerpunkten und Clustern beigetragen. Im Besonderen kommt Wien im Bereich der flexiblen
programm- und projektbezogenen Förderungen eine wichtige Rolle als Impulsgeber zu.
Die Stadt hat seit den frühen neunziger Jahren eine aktive FTI-Politik entwickelt, die sich
spezieller, auf regionaler Ebene zur Verfügung stehender Instrumente bedient, was den
eigenständigen Charakter dieses regionalen Politikfeldes unterstreicht. Dieser Aufbau einer
eigenständigen FTI-Politik manifestiert sich nicht zuletzt in der Schaffung neuer Institutionen,
die mit speziellen FTI-politischen Aufgaben betraut wurden (z.B. ZIT, WWTF, departure, etc.).
Hervorzuheben sind folgende Bereiche, in denen durch die Stadt Wien besondere Impulse
gesetzt werden konnten:
•
Punktuelle FTI-Projektförderung: Wie die Beispiele der Förderung der Creative
Industries oder auch der Mathematik zeigen, besteht in fokussierten Bereichen durchaus
die Möglichkeit eigenständige Impulse zu setzen, und zwar sowohl im angewandten als
Seite 21 von 67
auch im grundlagennahen Bereich. Trotz der verhältnismäßig überschaubaren
finanziellen Fördermöglichkeiten der Stadt im Vergleich mit der Bundespolitik übernimmt
Wien bei der direkten FTI-Förderung eine ergänzende bzw. regionalspezifisch
fokussierte Rolle.
•
Fokus auf kleinere Unternehmen: Wien konnte durch Maßnahmen im Bereich der
wirtschaftsnahen Forschung vor allem für kleinere Unternehmen die Möglichkeiten für
F&E verbessern, und zwar sowohl mittels der Beteiligung an oder der Kofinanzierung
von Technologie- und Kompetenzzentren als auch durch die direkte Förderung von FTIProjekten.
•
Aufgreifen stadtspezifischer Themen: Eine Reihe stadtspezifischer Themen sind im
Rahmen der von Wien finanzierten Forschung aufgegriffen und auch im Dialog zwischen
Stadt, BürgerInnen und Wissenschaft thematisiert worden. Eine solche eigenständige
Rolle lässt sich beispielsweise in Bezug auf städtische Infrastrukturtechnologien
ausmachen oder auch im Bereich der gesellschafts- und kulturwissenschaftlichen
Forschung (z.B. betreffend Fragen der Urbanität, der Stadtökologie und stadtbezogener
Geschichtsthemen).
•
Vernetzung und Dialog: Durch die aktive Gestaltung eines Dialogs zwischen
Forschung, Wirtschaft, Stadt und BürgerInnen konnten wichtige Vorbereitungen für FTIpolitisch relevante Initiativen getroffen und so wichtige Beiträge zu einem reflexiveren
Umgang mit Forschung und Wissenschaft geleistet werden. Dies umfasst städtische
Planungsprozesse ebenso wie offene Foren zu stadtrelevanten Themen. Beispielhaft
seinen hier die Wiener Vorlesungen, das Projekt „University meets public“, die
Aktivitäten des Architekturzentrums Wien und des Dokumentationsarchivs des
österreichischen Widerstandes genannt, bei denen aktuelle und stadtrelevante
Forschungsergebnisse in eine größere Öffentlichkeit kommuniziert werden.
•
Infrastrukturmaßnahmen: Durch infrastrukturelle Maßnahmen und die Widmung und
Nutzung von Gebäuden und Flächen konnten wichtige Beiträge zur Realisierung
konkreter Vorhaben geleistet werden. Dies ist insbesondere für die Entwicklung von
Schwerpunkten und den zugehörigen Standorten wichtig, aber auch für die
Entwicklungskonzepte der wesentlichen F&E-treibenden Einrichtungen (z.B.
Universitäten, Forschungszentren, etc.).
•
Herausbildung von Schwerpunkten: Unter Nutzung infrastruktureller und finanzieller
Instrumente, aber auch durch die geschickte Moderation zwischen den Interessen der
beteiligten FTI-AkteurInnen, konnten sich mehrere sichtbare FTI-Schwerpunkte in Wien
herausbilden. Campus Vienna Biocenter (Life Sciences), Media Quarter Marx (Creative
Industries) oder das TechGate (u.a. IKT) sind Beispiele in unterschiedlichen
Entwicklungsstadien für diese Art von Engagement.
Seite 22 von 67
3.
Herausforderungen für Forschung, Technologie und Innovation in Wien
bis zum Zeithorizont 2015
Trotz unzweifelhafter Erfolge der Wiener FTI-Politik, eingebettet in weitere Maßnahmen auf
nationaler und europäischer Ebene, steht FTI in Wien vor einer Reihe wichtiger Aufgaben, um
seine Position als einer der Top-Standorte für FTI in Europa verbessern zu können und mit Hilfe
von FTI zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Entwicklung der Stadt beizutragen. Diese
Aufgaben sind nicht nur aus einer wirtschaftlichen Perspektive von zentraler Bedeutung,
sondern sie sind auch vor dem Hintergrund einer raschen und tiefgreifenden Durchdringung
unseres Alltags durch neue Technologien zu sehen, die sich in metropolitanen Regionen
besonders frühzeitig und deutlich manifestiert. Innovationsdynamik ist somit das Ergebnis der
Verbindung gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen, und sie bringt einen
wachsenden Bedarf an sozialer Kreativität und sozialen Innovationen mit sich. Konkret lassen
sich fünf zentrale Herausforderungen erkennen, denen sich Wien in den kommenden Jahren
stellen muss.
Die Potenziale für Forschung Technologie und Innovation nutzen
Wien ist der wichtigste Standort für FTI in Österreich. Der weitere Ausbau des FTI-Standorts ist
geplant und wird zusätzliche Ressourcen erfordern. Ressourcen sind hierbei nicht vornehmlich
im Sinne zusätzlicher Fördermittel zu interpretieren, sondern vor allem im Hinblick auf die
Qualität und Quantität entsprechend qualifizierter Personen, die im Bereich FTI tätig werden
können, sowie in Bezug auf die Infrastrukturen, die für Forschung zur Verfügung stehen. Nicht
zuletzt angesichts absehbarer demographisch-sozialstruktureller Veränderungen bedarf ein
weiterer Ausbau wissensintensiver Tätigkeiten in Wien besonderer Anstrengungen auf
mehreren Ebenen. Das beginnt in den Schulen, geht über die berufliche Aus- und
Weiterbildung sowie die universitäre Ausbildung, bis hin zur Schaffung von adäquaten
Weiterentwicklungsmöglichkeiten für F&E-Personal und WissenschafterInnen. Die niedrige
AkademikerInnenquote, insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, der niedrige
Anteil von Frauen in der Forschung, aber auch die Defizite bei der Nutzung der Kompetenzen
von MigrantInnen mit höherer Ausbildung zeigen, dass Potenziale für FTI ungenutzt bleiben.
Benachteiligungen aus sozialen (z.B. Herkunft), kulturellen (z.B. Geschlecht) oder rechtlichen
(z.B. MigrantInnen) Gründen müssen beseitigt, Arbeitsbedingungen und Karrieremöglichkeiten
im Vergleich zu anderen Berufen verbessert werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei die
Vereinfachung der Mobilität, sowohl für nach Wien kommende als auch für von Wien
fortgehende ForscherInnen. Die Ursachen für Benachteiligungen sind aber häufig bereits im
Bereich der primären und sekundären Ausbildung zu suchen, aufgrund derer in jungen Jahren
Talente für die Forschung verloren gehen. Untersuchungen zu den genannten Faktoren, die
sich retardierend auf die Entwicklung
Seite 23 von 67
intellektueller und wissenschaftlicher Potentiale auswirken können unterstreichen das hohe
Maß an Aufmerksamkeit, das die Stadt im Vergleich zu anderen FTI-AkteurInnen Fragen der
Wissensentwicklung und -kommunikation widmet.
Die infrastrukturelle Ausstattung ist ein wesentlicher Inputfaktor für die Entwicklung von FTI in
Wien, zu deren Verbesserung die Stadt wichtige Beiträge leisten kann. Neben den baulichen
Infrastrukturen sind hier insbesondere technisch-wissenschaftliche „High-end“ Infrastrukturen
zu nennen, die häufig die finanziellen Möglichkeiten einer Institution übersteigen und daher
schwer zu realisieren sind.
Die Qualität und Sichtbarkeit von FTI steigern
Der Europäische Forschungsraum verstärkt für eine Metropole die Notwendigkeit, mit ihrer
Forschungsspitze sehr sichtbar zu sein. Die Unterschiede zwischen den Standorten werden
generell deutlich ausgeprägter werden, ebenso wie das Bemühen um Profilierung. Die
Entwicklung des Europäischen Forschungsraumes macht daher stärkere räumliche und
thematische Zusammenballungen notwendig, um in einem größeren Forschungsmarkt
erkennbar zu sein und eine überdurchschnittlich gute Entwicklung nehmen zu können.
Sichtbarkeit ist meist dann gegeben, wenn (bestehende) Exzellenz in ausgewählten Themen so
weit entwickelt wird, dass auch entsprechende Größenordnungen entstehen können. Wien ist
auf der globalen Forschungslandkarte noch wenig sichtbar. Es bedarf daher der Fokussierung
der Förderung von Forschung, Technologie und Innovation auf zentrale thematische
Schwerpunkte. Gleichzeitig muss allerdings die Anpassungsfähigkeit der Wiener FTILandschaft an neue Herausforderungen erhalten bleiben, um sich nicht vor zukünftigen
Entwicklungen zu verschließen. Diese Balance gilt es zu gewährleisten. Neben dem weiteren
Ausbau erfolgreicher Schwerpunkte muss daher auch der Gestaltung eines Prozesses zur
Auffindung und Anschub-Unterstützung für sich neu entwickelnde Schwerpunkte mit hohem
Zukunftspotenzial erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang die Bündelung der Verantwortung für derartige strategische Agenden und
Prozesse.
Durch die Konzentration von Ressourcen auf einige wenige Felder kann die Sichtbarkeit und
Qualität der Forschung im zentraleuropäischen Forschungsraum gesteigert werden. Hierbei
kann auf bestehende erfolgreiche Schwerpunkte wie Life Sciences und IKT aufgebaut
werden. Deren Weiterentwicklung muss vor allem auf Qualität und Größe der Schwerpunkte
abzielen, aber auch auf die Bereitstellung einer geeigneten Infrastruktur, um die international
erforderliche Sichtbarkeit zu erreichen.
Seite 24 von 67
Die gesellschaftliche Einbettung von FTI sicherstellen
Die rasche Entwicklung hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft trägt dazu bei, dass neue
Technologien zunehmend unseren Alltag durchdringen. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der
nicht von neuen technologischen Entwicklungen betroffen ist. Gerade städtische Ballungsräume
fungieren häufig als Vorreiter beim Einsatz neuer Technologien. Ein reflexiver Umgang mit
diesen neuen Entwicklungen ist essenziell, um eine nachhaltige und den Bedürfnissen der
Bürgerinnen und Bürger entsprechende Nutzung dieser neuen Möglichkeiten sicherzustellen.
Dies kann auch die Infragestellung von tradierten Interpretationen der Rolle und Aufgabe von
Forschung und Wissenschaft umfassen, bzw. auch von jenen Institutionen, die diese
Interpretationen tragen. Wien kann in Bezug auf derartige Aufgaben auf seine lange
gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Tradition zurückgreifen, um zu einer nachhaltigen
gesellschaftlichen Einbettung von Forschung und Technologie beizutragen. Wien war ein Ort,
an dem aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse auch in gesellschaftlichen und intellektuellen
Feldern angewendet wurden. Die Psychoanalyse z.B. wurde in unterschiedlichen Schulen (u.a.
Karl und Charlotte Bühler) in Wien angewendet. Die Rolle einer Nachdenk- und Versuchsstation
zur Reflexion kultureller und gesellschaftlicher Entwicklungen wurde in Wien in der Ersten und
in der Zweiten Republik durch unterschiedliche institutionelle und personelle AkteurInnen
(„Wiener Kreise“) in kreativer Weise wahrgenommen. Daran kann Wien anknüpfen und sich
auch in der Gegenwart als Nachdenkstation und Beobachtungswarte für soziale Entwicklungen
und Innovationen profilieren. Dieses Feld der Bewertung von Kontexten, von Voraussetzungen
und von Folgen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien wird wichtiger werden
und bedarf daher neuer Formen und Instrumente der Bewertung und Steuerung. Auf dieser
Grundlage kann sich eine Kultur entwickeln, die sich sowohl durch ein höheres Maß an
Risikobereitschaft als auch durch kritische Reflexion auszeichnet.
Dementsprechend bedarf es intensiver Bemühungen, um offene Debatten über
wissenschaftliche Erkenntnisse und ihres Nutzens (aber auch ihrer potenziellen Gefahren) in
möglichst weiten Teilen der Gesellschaft anzustoßen. Im Sinne eines transdisziplinären und
problemorientierten Verständnisses von Wissenschaft wird es daher notwendig sein, die
Gesellschaft außerhalb der Scientific Community in partizipativ und vorausschauend
angelegten Prozessen einzubeziehen. Hierbei ist an den Dialog mit der Wirtschaft ebenso zu
denken wie mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern.
Voraussetzung für diese Art von Dialog ist ein höheres Bewusstsein für den Stellenwert von FTI
und der Zugang zu entsprechenden Informationen. Eine Kommunikationsagenda über FTI
„nach innen“ ist daher ebenso notwendig wie eine Kommunikationsagenda „nach außen“.
Seite 25 von 67
Die Dynamik von Forschung- und Innovation beschleunigen
Veränderung und Dynamik sind zentrale Eigenschaften von Forschung und Innovation. Die
Rahmenbedingungen und Impulse, die in Bezug auf FTI gesetzt werden, müssen dazu
beitragen, dass eine solche Dynamik ermöglicht wird. Eine kluge Abstimmung und Kohärenz
FTI-politischer Maßnahmen und Bedingungen ist daher wichtig, um widersprüchliche Signale zu
vermeiden. Diese Anforderung an FTI-politische Maßnahmen und Initiativen besteht sowohl
innerhalb der Stadt Wien als auch über die Stadtgrenzen hinaus.
Innerhalb Wiens betrifft dies insbesondere die Schaffung eines einfachen Zugangs zu all
jenen Informationen und Unterstützungsleistungen, die dazu beitragen sollen, dass sich die
Forscherinnen und Forscher auch tatsächlich auf ihre zentrale Aufgabe konzentrieren können.
Aber auch bei der Abstimmung zwischen den Zielen einer langfristig, auf die Entwicklung von
attraktiven und erweiterungsfähigen FTI-Standorten ausgerichteten Politik einerseits und
dem Wunsch existierende Flächen mittelfristig möglichst wirtschaftlich zu nutzen andererseits
wird ein Spannungsfeld gesehen, das konstruktiv genutzt werden muss. Es geht hierbei nicht
nur um die optimierte Koordination der Aktivitäten verschiedener Bereiche der Wiener
Stadtverwaltung, sondern auch um die optimierte Abstimmung zwischen Verwaltung und
ausgegliederten Betrieben (z.B. bei innovationsorientierter Beschaffung), sowie um die
Einbindung nicht unter dem direkten Einfluss der Stadt Wien stehender öffentlicher und privater
FTI-Organisationen.
Die internationale Einbindung von FTI ausbauen
In einzelnen Themenfeldern haben sich Wiener FTI-AkteurInnen international bereits gut
positionieren können. Für weite Teile der FTI-Szene − wissenschaftlich wie wirtschaftlich − trifft
dies aber noch nicht ausreichend zu. Dabei lassen sich drei wesentliche Ebenen unterscheiden.
Erstens geht es um die Positionierung im unmittelbar Wien umgebenden Raum über
Ostösterreich hinaus, der Teile Tschechiens, der Slowakei und Ungarns umfasst (CENTROPERegion). Hier stehen vor allem Fragen der grenzüberschreitenden Kooperation im eher
produktionsnahen FTI-Bereich im Vordergrund. Zweitens geht es auf europäischer Ebene
darum, Kooperationen sowohl in betrieblichen F&E-Netzwerken als auch in wissenschaftlichen
Forschungsnetzwerken zu intensivieren. Auf dieser Ebene findet derzeit ein Prozess der
Differenzierung und Spezialisierung der wichtigsten Forschungs- und Innovationsstandorte
statt, insbesondere innerhalb der Länder der Europäischen Union. In diesem europäischen
Kontext muss sich Wien in ausgewählten Feldern ebenso positionieren wie auf der dritten, der
globalen Ebene. Dort sind vor allem die wissenschaftlichen Netzwerke der
Grundlagenforschung, aber auch die F&E-Netzwerke in globalisierten Industrien (z.B.
Automobil, Luftfahrt, Pharma) wichtige Handlungsfelder.
Diese drei Ebenen sind nicht unabhängig voneinander. Ob Wien eine wichtige internationale
und europäische Drehscheibenfunktion im Bereich FTI erlangen kann, wird auch davon
abhängen, ob es gelingt, im zentraleuropäischen Raum dauerhafte Partnerschaften zu
entwickeln und diese als sichtbare SpielerInnen auf der internationalen FTI-Landkarte zu
etablieren.
Seite 26 von 67
4.
Die Wiener FTI-Strategie und ihre Bausteine
4.1
Leitprinzipien der Wiener FTI-Politik
Mission Statement
Wien hat sich zum Ziel gesetzt, eine der zentralen europäischen Forschungsmetropolen zu werden.
Daher sieht sich die Stadt in der Verantwortung als Initiatorin und Moderatorin forschungs-,
technologie- und innovations- (FTI-)politischer Initiativen, um im Zusammenspiel mit anderen
Akteuren
… die Nutzung und Weiterentwicklung der FTI-Potenziale vor Ort voranzutreiben,
… die Anziehungskraft für die besten Köpfe und Ressourcen weiter zu steigern,
… Wien unter den führenden FTI-Standorten in Europa zu positionieren,
… in kreativer und verantwortlicher Art und Weise mit den technologischen und sozialen Aspekten
von Innovation umzugehen.
Unter Berücksichtigung der spezifischen Möglichkeiten und Anforderungen der Wiener FTI-Politik
sollen durch sichtbare und eigenständige Impulse die Initiativen anderer FTI- und Politikakteure in
kohärenter Weise verstärkt und ergänzt werden.
Es sollen dabei insbesondere solche FTI-Vorhaben unterstützt werden, die zur Stärkung des
Wirtschaftsstandortes beitragen und einen wahrnehmbaren gesellschaftlichen Nutzen für die
BürgerInnen nach sich ziehen.
Eine solche Vorstellung von der FTI-politischen Rolle der Stadt Wien ist nicht
selbstverständlich, sondern spiegelt die Konzentration der Stadt auf jene Aufgaben wider, für
die ein begründeter Handlungsbedarf gegeben und für deren Umsetzung die urbane Ebene die
am besten geeignete ist. Die urbane FTI-Politik kann und soll die Politiken anderer Akteure und
insbesondere des Bundes nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Dieses Selbstverständnis
der Rolle und der Aufgaben der FTI-Politik der Stadt Wien lässt sich in sechs Leitprinzipien
zusammenfassen:
•
Wien gibt den Takt vor: Durch Themensetzung, Leitbilder, Informationszugang und
öffentlichen Diskurs trägt die Stadt zur Orientierung und zur Koordinierung von FTIpolitisch wichtigen Projekten „vor Ort“ bei. Insbesondere in Bezug auf stadtrelevante
Themen (z.B. FTI für urbane Infrastrukturen, thematische Schwerpunkte) betreibt sie
aktives Agenda-Setting. Durch moderierendes Eingreifen treibt sie die konkrete
Realisierung von vielversprechenden Initiativen voran und trägt zu einer effizienten
Nutzung unterschiedlicher Impulse bei.
Seite 27 von 67
•
Wien bringt einen Mehrwert: Die Stadt gibt gezielte Impulse, um Wiener Spezifika zu
adressieren („Politik der Nadelstiche“), die von anderen Politikebenen nicht oder nur
unzureichend adressiert werden (können). Konkret bedeutet dies die Ergänzung der FTIpolitischen Impulse des Bundes und der EU in thematischer, struktureller oder
räumlicher Hinsicht und die Verstärkung der Initiativen anderer FTI-AkteurInnen (z.B.
Universitäten, Industrie, Politik).
•
Wien macht sichtbar: Die Stadt Wien konzentriert sich mit ihren Maßnahmen auf jene
Felder, die im Rahmen ihrer Strategie als thematische Schwerpunkte identifiziert wurden
und die zur Sichtbarkeit des Forschungs- und Innovationsstandortes beitragen. Dies
bedeutet, dass auch bei Querschnittsmaßnahmen (z.B. zur Stärkung der
Humanressourcenbasis, der Infrastruktur oder zur Vernetzung in CENTROPE) jene
Impulse bevorzugt werden, die zu einer Stärkung der Schwerpunkte der Stadt beitragen.
•
Wien setzt auf Qualität: Die Wiener FTI-Politik ist bei der Umsetzung ihrer Maßnahmen
dem Qualitätsprinzip verpflichtet und will durch ihre Maßnahmen Spitzenleistungen in
Forschung und Innovation unterstützen. Dies manifestiert sich nicht zuletzt auch in den
Kriterien und Prozessen, die bei der Umsetzung dieser Maßnahmen zum Tragen
kommen (z.B. Auswahlmechanismen, Förderrichtlinien).
•
Wien geht auf Bedürfnisse ein: FTI-politische Initiativen der Stadt Wien zeichnen sich
dadurch aus, dass sie einen expliziten Bezug zu den Bedarfslagen ihrer BürgerInnen
und wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen im städtischen Umfeld herstellen.
•
Wien vernetzt: Die Wiener FTI-Politik bringt aktuelle Gesellschaftsprobleme und
exzellente Forschungskapazitäten näher aneinander und kommuniziert das
wissenschaftlich fundierte Nachdenken über Gesellschaftsdynamik und -wandel in die
Öffentlichkeit. Wien stärkt damit eine kritische Analyse im Netzwerk der AkteurInnen und
Betroffenen.
Seite 28 von 67
4.2
Die Ausrichtung der Wiener FTI-Politik
4.2.1 Fünf strategische Handlungsfelder
Die Gesamtheit der in Wien wirksamen und von mehreren Ebenen getragenen FTI-politischen
Maßnahmen dient dazu, die Prozesse von Forschung und Innovation nachhaltig zu verbessern.
Die Stadt Wien kann dabei im Rahmen ihrer Kompetenzen Impulse setzen, die entlang des
Spektrums von „Push-Faktoren“ im Bereich der Wissenschaft (z.B. F&E Förderung, punktuelle
Förderungen in Ergänzung nationaler) über die Beschleunigung des Transferprozesses
(punktuelle Maßnahmen wie Lizenzierungsinitiative, Venture Capital) bis hin zu „Pull-Faktoren“
im Bereich des Bedarfs und der Verbesserung der Innovationspotenziale von der
Nachfrageseite her (z.B. Beschaffung, Nachfrage nach innovativen Lösungen) reichen. Weitere
Impulse können bei den organisatorischen, infrastrukturellen und institutionellen Bedingungen
des Forschungs- und Innovationsprozesses (z.B. Stadtplanung, Netzwerke) eingeordnet
werden (vgl. Abb. 4).
Vor diesem Hintergrund hat der FTI-Strategieprozess „Wien denkt Zukunft“ fünf zentrale
strategische Handlungsfelder identifiziert, auf die die Stadt Wien in den kommenden Jahren
ihre FTI-Politik konzentrieren wird:
•
Humanressourcen: Kluge Köpfe für Wien
•
Thematische Schwerpunkte: Sichtbar und relevant
•
Forschung trifft Stadt: Kommunikation, Lernen und Öffentlichkeit
•
Treibhaus für Forschung und Innovation: Neues möglich machen
•
Forschungs- und Innovationsstandort in Europa: Wien als internationaler
Netzwerkknoten
Seite 29 von 67
Die Handlungsfelder werden in der Folge im Hinblick auf Ziele und Maßnahmen näher erläutert.
Wesentlich ist dabei, dass die Maßnahmen in den verschiedenen Handlungsfeldern die
thematischen Schwerpunkte der Stadt unterstützen und deren Weiterentwicklung flankieren.
Potenziale für
FTI nutzen
Qualität und
Sichtbarkeit
Gesellschaftl.
Einbettung
Dynamik von
F&I
Internationale
Einbindung
Herausforderungen
Inhaltliche u. geographische Ausweitung
Grundlagen
-forschung:
wissensch.
u. technologische
Möglichkeiten
Angebotsseitige
Prozesse
Produktion u.
Vernetzung v.
Wissen
Nachfrageseitige
Prozesse
Wirtschaftl. u
gesellschaftl.
Nachfrage:
- Stadt
- Wirtschaft
- BürgerInnen
des Handlungsraums der FTI-Politik
Handlungsfelder
Humanressourcen
Thematische
Schwerpunkte
Forschung
trifft Stadt
Treibhaus für
Forsch. & Innov.
F&I-Standort in
Europa
Abbildung 4: Herausforderungen und Handlungsfelder der Wiener FTI-Politik
4.2.2 Zielsetzungen
Bereits zu Beginn des Strategieprozesses hatte die Stadt Wien mehrere Leitziele formuliert, die
für den Zeithorizont 2015 verfolgt werden. Diese Leitziele konnten im Zuge des
Strategieprozesses ergänzt, verfeinert und in ihrer Mehrzahl als Zielsetzungen innerhalb der
fünf Handlungsfelder ausformuliert werden (vgl. Tab. 4). Die Zielsetzungen sind jeweils so
formuliert, dass sie mittels geeigneter Indikatoren erfasst werden können und so einem
Monitoring zugänglich sind. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Stadt auf sich im Laufe
der Zeit ergebende Abweichungen rechtzeitig reagieren kann, nicht zuletzt auch durch eine
Intensivierung FTI-politischer Maßnahmen. Diese Indikatoren besitzen nicht nur Signalwirkung
für die FTI-Politik der Stadt Wien, sondern auch für den Bund, für die EU, sowie für national und
international agierende Unternehmen und Investoren.
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Handlungsfelder
Humanressourcen: Kluge Köpfe
für Wien
Thematische Schwerpunkte:
Sichtbar und relevant
Forschung trifft Stadt: Kommunikation, Lernen und Öffentlichkeit
Treibhaus für Forschung und
Innovation: Neues möglich
machen
Forschungs- und
Innovationsstandort in Europa:
Wien als internationaler
Netzwerkknoten
Zielsetzungen
•
Steigerung der Zahl von Beschäftigten in F&E auf
mindestens 22.000 Beschäftigte
•
Verdoppelung der Zahl der Forscherinnen im
betrieblichen Bereich
•
Steigerung der AkademikerInnenquote auf mind.
20%
•
Ausbau der Kapazität der bestehenden
Schwerpunktstandorte
•
Schaffung mehrerer sichtbarer neuer
Schwerpunktstandorte
•
Etablierung neuer Dialogforen zu zentralen
stadtbezogenen Zukunftsthemen
•
Steigerung der Anzahl transdisziplinärer
Forschungsvorhaben
•
Umsetzung räumlich und inhaltlich integrierter
FTI-Entwicklungskonzepte für alle
Schwerpunktstandorte
•
Steigerung der Anzahl F&E betreibender
Unternehmen in Wien auf 800
•
Steigerung der Zahl internationaler FTIKooperationen und jener mit CENTROPEPartnern
•
Erhöhung der Zahl der Beteiligungen von Wiener
KMUs am EU-Rahmenprogramm auf mind. 200
•
Steigerung des „incoming“ und „outgoing“ F&EPersonals aus bzw. nach CENTROPEPartnerregionen
Tabelle 4: Handlungsfelder und Zielsetzungen der Wiener FTI-Strategie bis 2015
Insgesamt sollen nachfolgend vorgeschlagene Maßnahmen zur Erreichung des Ziels, die Forschungsquote auf mindestens 4% zu steigern, beitragen.
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4.3
Die Handlungsfelder der Wiener FTI-Politik im Detail
In den fünf prioritären Handlungsfeldern der Wiener FTI-Politik werden in den kommenden
Jahren neue Maßnahmen angestoßen sowie bestehende Maßnahmen, die sich als erfolgreich
herausgestellt haben, weitergeführt. Den Handlungsfeldern sind insgesamt sechs Startprojekte
zugeordnet, die – stellvertretend für weitere Maßnahmen – als sichtbare und rasch zu
realisierende Initiativen die Agenden in den Handlungsfeldern vorantreiben sollen (vgl. Abb. 5).
Die strategischen Handlungsfelder der Wiener FTI-Politik bauen einerseits auf bestehenden
Initiativen auf, ergänzen und arrondieren diese aber im Lichte neuer Erkenntnisse und
Herausforderungen für das Forschen und die Innovation in Wien. Häufig sind zielführende
Maßnahmen auch nicht alleine von Seiten der Stadt Wien zu initiieren und durchzusetzen,
sondern erfordern komplementäres Handeln von Seiten privater und anderer öffentlicher
AkteurInnen.
Handlungsfelder
Humanressourcen:
Kluge Köpfe für Wien
Thematische Schwerpunkte:
Sichtbar und relevant
Forschung trifft Stadt:
Kommunikation, Lernen, Öffentlichkeit
Treibhaus für Forschung & Innovation:
Neues möglich machen
Startprojekte
Junior Groups: Nachwuchsgruppen in den
Forschungsschwerpunkten der Stadt
Impulsprogramm GSK: Schaffung eines
sichtbaren Schwerpunktes
Spitzenstandorte für Spitzenforschung:
Integrierte FTI- und Standortkonzepte
Wiener Forschung im Dialog: Neue Formen
des Austauschs für Praxis und Alltag
ZIT `08 plus: Novellierung d. angewandten
Forschungs- und Innovationsförderung
Forschungs- u. Innovationsstandort:
Wien als internation. Netzwerkknoten
CENTROPE Mobilitätsprogramm: Stärkung
des wissenschaftlichen Austausches
Abbildung 5: Handlungsfelder und Startprojekte der Wiener FTI-Strategie
Um die wachsende Komplexität verschiedenster Einflüsse auf das Forschungs- und
Innovationsgeschehen in der Stadt Wien zu überblicken, werden in Zukunft die Informationen
über die wesentlichen FTI-relevanten Handlungsstränge kontinuierlich – und damit auch
vergleichbar – sichtbar gemacht werden. Zu diesem Zweck wird eine Geschäftsstelle
eingerichtet, deren Auf
Seite 32 von 67
gabe es ist, die Realisierung der Strategiemaßnahmen zu dokumentieren, die weitere
Vernetzung der FTI-AkteurInnen zu unterstützen, die FTI-Strategie weiterzuentwickeln und
Lobbying für den FTI-Standort Wien zu leisten.
Ihre Dokumentationsfunktion wird dabei das Berichtswesen zu Forschung und Innovation in
Wien im Allgemeinen sowie die Berichterstattung zur Strategieumsetzung (z.B. Einrichtung
eines Monitoringsystems, Auswertung der Erkenntnisse, Erarbeitung von Empfehlungen) im
Speziellen umfassen.
Durch ihre Funktion als Informationsdrehscheibe innerhalb des Magistrats für FTI-relevante
Fragen und Anliegen und darüber hinaus zwischen dem Magistrat und der Scientific Community
in Wien wird sie deren weitere Vernetzung unterstützen. Darüber hinaus wird die
Geschäftsstelle bei der weiteren Strategieentwicklung durch die koordinative und konzeptive
Bearbeitung themenübergreifender Empfehlungen der FTI-Strategie unterstützend tätig sein.
Dazu wird auch Grundlagenarbeit wie die Beobachtung der europäischen und internationalen
FTI-Landschaft und ihrer Entwicklung sowie die Fortführung der Analyse der Stärken und
Schwächen der Wiener FTI-Landschaft im internationalen und zeitlichen Vergleich zählen.
Damit wird sie dazu beitragen, stets über ein aktuelles Bild der Situation und der Perspektiven
des Forschungs- und Innovationsstandortes Wien zu verfügen.
Die Geschäftsstelle wird weiters zur Strategieumsetzung beitragen, indem sie eine vertiefte
themenspezifische Unterstützung der politischen EntscheidungsträgerInnen anbietet. Eine
wichtige Funktion wird ihr auch im Lobbying zukommen. Hier soll sie vor allem die Grundlagen
für das Lobbying zugunsten des FTI-Standorts Wien, für die spezifische Öffentlichkeitsarbeit
und das Standortmarketing liefern.
4.3.1 Humanressourcen: Kluge Köpfe für Wien
Der Bereich der Humanressourcen wurde in mehreren Panels als eines der zentralen
Handlungsfelder der Zukunft erkannt. Die Aufmerksamkeit galt bislang zumeist den
Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten sowie den Spitzenkräften in Forschung
und Entwicklung. Um längerfristig Engpässe zu vermeiden und die vorhandenen Potenziale und
Talente besser nutzen zu können, muss in sehr frühen Phasen der Bildung und Ausbildung
angesetzt werden, sowie bei der Rekrutierung bislang vernachlässigter Bevölkerungsgruppen.
Auch die Höher- und Weiterqualifizierung älterer Beschäftigter besitzt einen großen Stellenwert.
Die sich abzeichnenden Defizite qualitativer und quantitativer Natur betreffen somit das
gesamte Bildungssystem von den Grundschulen bis zu den Universitäten, und sie erfordern ein
Handeln auch in anderen Politikfeldern als der FTI-Politik (vgl. auch im Handlungsfeld 3
„Wissenschaft und Gesellschaft“ die Maßnahmen zum Stichwort Forschung trifft Schule).
Weitere Potenziale können durch Maßnahmen des Gender Mainstreaming erschlossen werden,
sowohl in Forschung, Technologie und Innovation im engeren Sinne als auch bei der
Qualifikation und Ausbildung.
Seite 33 von 67
In vielen der genannten Bereiche sind primär der Bund und andere AkteurInnen außerhalb der
FTI-Szene in der Verantwortung. Allerdings hat die Stadt Wien bereits mit ihren bisherigen
Maßnahmen gezeigt, dass gezielt und erfolgreich stadtspezifische Maßnahmen gesetzt werden
können. Während mit den vom WWTF ausgeschriebenen Stiftungsprofessuren exzellenten
Spitzenkräften die Möglichkeit zur mittel- bis längerfristigen Entfaltung geboten wird,
ermöglichen die von der Stadt Wien vergebenen Einzelstipendien spezifische
Forschungsarbeiten, die unser Verständnis wichtiger Stadtthemen verbessern. Beispielhaft
seien hier das „Urban Fellowship“ der Stadt Wien für exzellente StadtforscherInnen, die
„Ustinov Professur für Vorurteilsforschung“ und die von der Kulturabteilung vergebenen
Forschungsstipendien zu Analysen der Entwicklung von Stärken und Schwächen der Wiener
Wissenskultur genannt.
In den kommenden Jahren werden durch weitere gezielte Maßnahmen neue Akzente gesetzt.
Hochqualifizierten NachwuchswissenschafterInnen wird die Möglichkeit geboten werden, sich
mit eigenständiger Forschung bevorzugt in den Schwerpunkt-Themenfeldern der Stadt zu
etablieren. Ebenso wird das Potenzial von MigrantInnen zur aktiven Teilnahme an Forschung,
Technologie und Innovation zum Gegenstand einer eigenen Initiative. Der Zugang von Frauen
wird durch eine Anpassung der Förderrichtlinien des ZIT, die konsequent den Prinzipien des
Gender Mainstreaming folgt, verbessert.
Im Handlungsfeld Humanressourcen wird die Stadt Wien die folgenden Maßnahmen setzen:
•
Junior Groups (Startprojekt): Durch gezielte Fördermaßnahmen, angelehnt an das
Modell der Stiftungsprofessuren, werden NachwuchswissenschafterInnen die Chance
bekommen, eigenständige Arbeitsgruppen aufzubauen. Hierdurch soll die derzeit noch
bestehende Lücke unterhalb der Ebene der erfahrenen WissenschafterInnen
geschlossen und ein durchgängiges Angebot über den gesamten Karrierepfad gemacht
werden. Exzellente junge ForscherInnen erhalten so die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in
Junior Groups interdisziplinär zu vernetzen. Die Junior Groups werden bevorzugt in den
bestehenden und neuen (siehe hierzu das geplante GSK-Impulsprogramm)
Schwerpunktfeldern der Stadt angesiedelt sein. Als Startprojekt (vgl. untenstehende Box
mit weiteren Details) kann eine solche Initiative nach dem Modell der wettbewerblichen
Prozeduren des WWTF umgesetzt werden.
•
Doktoratsfellowships für WissenschafterInnen mit Migrationshintergrund:
Doktoratsprogramme stellen das wichtigste Instrument zur Verbesserung der Ausbildung
von JungwissenschafterInnen in Österreich dar. Die mit der hier beschriebenen
Maßnahme zu fördernden Personen entstammen einer als besonders förderungswürdig
identifizierten Zielgruppe in Wien – namentlich Personen mit Migrationshintergrund;
denkbar sind jedoch auch andere, speziell abzugrenzende Zielgruppen (z.B.
Doktoratstudierende aus der CENTROPE-Region, vgl. Handlungsfeld 5 „Forschungsund Innovationsstandort in
Seite 34 von 67
Europa“). Die Auswahl der jeweiligen Doktoratsprogramme und die inhaltliche
Ausrichtung der Fellowships ist an die Schwerpunktsetzungen der Stadt gekoppelt und
wird über einige Jahre beibehalten werden. Das auch im internationalen Vergleich
hochwertige Programm wird mittels Ausschreibungen nach dem Wettbewerbsprinzip
umgesetzt.
Begleitend dazu wird die internationale Sichtbarkeit starker Wiener
ForscherInnengruppen durch die Unterstützung von kleinen und fachspezifischen
Symposien und Workshops verstärkt.
•
Gender Mainstreaming: Wie aus internationalen Vergleichen bekannt, bestehen in
ganz Österreich auch in der Forschung erhebliche Defizite im Bereich der Gleichstellung
der Geschlechter. Laut der F&E-Erhebung der Statistik Austria von 2004 liegt Österreich
mit einem Frauenanteil von 11 Prozent in der betrieblichen Forschung deutlich unter
dem EU-Durchschnitt von 18 Prozent. Der Frauenanteil in Wiener Unternehmen liegt mit
rund 17 Prozent zwar über dem österreichischen, aber immer noch unter dem EUDurchschnitt.
Wien wird hier durch die Implementierung neuer Modalitäten im Rahmen der von der
Stadt Wien finanzierten Ausschreibungen eine Vorreiterrolle übernehmen, indem bei
allen Aktivitäten zur Förderung der betrieblichen Forschung frauen- und
gleichstellungsfördernde Prinzipien implementiert werden und indem die Verfügbarkeit
angemessener Kinderbetreuung sichergestellt wird.
Der Beitrag zur Verwirklichung gendergerechter Prinzipien in der Forschung besteht zum
einen in der Phase der Evaluierung von Förderprojekten in Form der Beurteilung der
beantragen Projekte auf gleichstellungspolitische Effekte und des Aufbaus eines
ExpertInnenpools mit ausgewiesener Gender-Kompetenz für Jurys. Andererseits werden
die Projekte einem entsprechenden Monitoring unterzogen. Die laufende Erfassung
disaggregierter und gendersensitiver Daten sowie ihre Aufbereitung und Analyse
unterstützen das Gender Budgeting der Stadt Wien. Konkret werden diese Prinzipien bei
der Novellierung der Förderrichtlinien des ZIT festgeschrieben werden.
Ergänzend sind auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Entwicklung
frauenfördernder Maßnahmen und bei der Prüfung der eigenen Projektvorhaben auf
genderrelevante Aspekte durch einen Leitfaden und persönliche Beratung zu
unterstützen.
Seite 35 von 67
Startprojekt 1: Finanzierung von Junior-Groups in den Schwerpunktthemen der Stadt
Mit dem vorgeschlagenen Instrument zum Aufbau von Junior Groups werden eigenständige
ForscherInnengruppen, die von sehr jungen, aussichtsreichen ForscherInnen geleitet werden,
finanziert. „Wiener“ und von außen kommende JungwissenschafterInnen mit hohem Potenzial
erhalten dadurch einen deutlichen Impuls für ihre akademischen Karrieren, da sie bereits in
jungen Jahren die Möglichkeit zu eigenständigem Forschen in einem von Ihnen geleiteten
Team erhalten. Damit sind die Junior Groups eindeutig unterhalb der bewährten
Stiftungsprofessuren positioniert und tragen dazu bei, eine Lücke für die gezielte Förderung von
Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten zu schließen. Zudem wird die internationale
Sichtbarkeit und Attraktivität für weitere ForscherInnen und Gruppen erhöht. Die zu fördernden
Junior Groups sind in Wiener Schwerpunkten mit Wachstumspotenzial anzusiedeln. Weiters ist
die Einbindung der Junior Groups in ein bereits vorhandenes und etabliertes wissenschaftliches
Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Das Tandem „(aufnehmende) Institution – Person“ spielt somit
eine wichtige Rolle. Die Auswahl der zu fördernden Junior Groups hat streng nach dem Prinzip
der wissenschaftlichen Qualität der Antragstellenden und jedenfalls im Rahmen von
Ausschreibungen nach dem Wettbewerbsprinzip zu erfolgen.
Pro Jahr sollen zumindest zwei Junior Groups gefördert werden. Damit wird das Instrument der
Stiftungsprofessuren, das sich an erfahrenere ForscherInnen richtet, um eine entsprechende
Nachwuchsförderung ergänzt. Begleitend dazu wird die internationale Sichtbarkeit solcher
starker Wiener ForscherInnengruppen durch die Unterstützung von kleinen und
fachspezifischen Symposien und Workshops verstärkt.
Neben den oben genannten Maßnahmen wurden im Rahmen des FTI-politischen
Strategieprozesses weitere Ansatzpunkte diskutiert, beispielsweise die Verbesserung von
Einstiegs- und Rahmenbedingungen für die mobile Scientific Community, da mobile
wissenschaftliche Fachkräfte für den Forschungsstandort Wien immer wichtiger werden. Durch
ihre Mobilität könnten diese WissenschafterInnen in der Folge als BotschafterInnen und
MultiplikatorInnen zur weiteren Entwicklung der Reputation Wiens als Forschungsmetropole
beitragen. Um den sich abzeichnenden Defiziten in Bezug auf attraktive und bedürfnisgerechte
Wohnangebote für mobile ForscherInnen und StudentInnen gegenzusteuern („temporäres
Wohnen“), wurden Möglichkeiten der Kooperation zwischen Wohnungswirtschaft, Universitäten
und Forschungsstätten sowie unterstützende Serviceangebote für „Scientific Visitors“ diskutiert.
Seite 36 von 67
Ein zentrales Element der Humanressourcenproblematik im Bereich FTI ist die Modernisierung
des Bildungssystems. Diese Problematik ist unter anderem durch unterschiedliche
Kompetenzen und eine große Zahl verschiedener AkteurInnen geprägt. Eine solche
Konstellation erfordert ein hohes Maß an Kompetenzlösungsenergie und -phantasie auf allen
Ebenen.
Wenn es um die Verbesserung des Zugangs von hochqualifizierten AusländerInnen zum
österreichischen Arbeitsmarkt geht, ist der Bund gefordert. Bislang werden zwar zahlreiche
ausländische Studierende an österreichischen Hochschulen ausgebildet, der Zugang zu einem
Arbeitsplatz in Österreich bleibt ihnen jedoch häufig versperrt. Es wird daher gefordert, dass
ausländische AbsolventInnen eines Studiums automatisch als Schlüsselarbeitskräfte eingestuft
werden.
Ein wichtiges Argument, um die nachwachsende Generation für einen Beruf im Bereich
Forschung und Wissenschaft zu begeistern, ist zweifellos die Karriereperspektive, die sich dort
bietet. Hier ist neben den öffentlichen Trägern insbesondere auch die Wirtschaft gefordert,
attraktive Angebote für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu entwickeln.
4.3.2 Thematische Schwerpunkte: Sichtbar und relevant
In Wien haben sich in den letzten Jahren einige ebenso nach innen wie nach außen sichtbare
Schwerpunkte der Forschung etabliert. Im Bereich der Life Sciences, mit Standorten wie der
Bohrgasse haben sich Teilsegmente herausbilden können, die international hochrenommiert
sind. Ähnliches lässt sich für Teilbereiche der Informations- und Kommunikationstechnologien
feststellen, z.B. zu Themen wie e-government, Medizintechnik oder Computergrafik/visualisierung. Ein noch junger, aber bereits sehr erfolgreicher Schwerpunkt bildet sich im
Bereich der Creative Industries heraus. Gleiches gilt für die Mathematik mit ihrer
Ausstrahlungswirkung auf zahlreiche anwendungsorientierte Forschungsfelder. Hinsichtlich
seiner Größe zählt sie allerdings zu den eher kleineren Schwerpunkten. Dies gilt auch für einige
Themen, die mittelfristig an Bedeutung gewinnen könnten, wie z.B. die international große
Beachtung findenden Forschungsarbeiten zur Quantenphysik und Quantenoptik. Ein nicht
zuletzt aus historischen Gründen für die Identität der Stadt Wien wichtiges Themenfeld liegt –
als Teil der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften – im Bereich der Kunst-, Architekturund Kulturreflexion. Aufgrund der internationalen Wahrnehmung Wiens als Kunst- und
Kulturstadt bieten sich hier gute Chancen und Möglichkeiten, dieses Themenfeld auch
wissenschaftlich weiter zu akzentuieren.
Die bisher in Wien entstandenen Schwerpunkte haben aus unterschiedlichen Quellen ihre
wichtigsten Impulse bezogen. Während sich die Life Sciences durch ein hohes Maß an
Wissenschaftsbasierung auszeichnen, sind die Creative Industries ein stark von den
Bedürfnissen der NutzerInnen inspirierter Schwerpunkt. Im Bereich der IKT lassen sich beide
Arten von Impulsen finden. Andere mögliche ImpulsgeberInnen für Forschungsschwerpunkte
sind gesellschaftliche
Seite 37 von 67
Anliegen, die oftmals eine besondere Virulenz in städtischen Ballungsräumen besitzen. Solche
oft auch als „missionsorientiert“ bezeichnete Themen sind beispielsweise mit den Aufgaben der
Infrastrukturbereitstellung (Energie, Wasser, Verkehr) verknüpft.
Neben der Festigung und dem Ausbau der bestehenden Schwerpunkte gilt es auch
Bedingungen zu schaffen, die die Entstehung und das Wachstum neuer vielversprechender
Schwerpunkte begünstigen. Dabei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass sich eine Stadt wie
Wien im internationalen Umfeld nur mit wenigen Schwerpunkten profilieren kann – zu viele
Schwerpunkte sind keine Schwerpunkte.
Die räumliche Konzentration von Forschungsaktivitäten kann sowohl für die Sichtbarkeit nach
außen als auch für die Schaffung eines fruchtbaren wissenschaftlichen Austauschs nach innen
vorteilhaft sein. Eine enge Verknüpfung bei den langfristigen planerischen Aufgaben der
Stadtentwicklung zeigt sich mit dem jüngst entwickelten Universitätsstandortkonzept, das die
mittel- bis längerfristigen Perspektiven für die Weiterentwicklung bestehender und die
Erschließung neuer Standorte für die Wiener Universitäten zusammenfasst.
•
Fortführung bestehender erfolgreicher Schwerpunkte: Die sich bislang erfolgreich
entwickelnden Forschungs- und Innovationsschwerpunkte in Wien werden auch in
Zukunft weiterentwickelt und ausgebaut. Viele dieser Schwerpunkte weisen eine sehr
hohe Dynamik auf und zeichnen sich durch die Existenz mehrerer inhaltlich
herausragender Teilbereiche aus.
In Bereich Life Sciences / medizinische Forschung existiert ein sehr großer und zusammenhängender Wiener Schwerpunkt, der durch seine internationale Sichtbarkeit und die
hohe Qualität und Produktivität in der Forschung überzeugt. Durch die Unterstützung
dieses Schwerpunkts durch die Stadt Wien konnten bestehende „Hotspots“ der Forschung weiter gestärkt und konsolidiert werden. Es ist zu erwarten, dass Wien als Forschungs- und Produktionsstandort für Life Sciences bzw. Medizin weiter wachsende Bedeutung in Europa erlangen wird. Neben dem Vienna Biocenter in der Bohrgasse sind
auch das AKH (Medizinische Universität), das Biotech Zentrum Muthgasse (Universität
für Bodenkultur) oder die Veterinärmedizinische Universität wichtige Zentren mit Wachstumspotenzial. Internationale Sichtbarkeit kann vor allem durch eine Spezialisierung auf
einzelne Teilgebiete der sehr breiten Felder Life Sciences und Medizin erreicht werden.
Hierfür sind klar definierte inhaltliche Konzepte zu entwickeln (vgl. Entwicklungskonzept
für den Standort Campus Vienna Biocenter).
Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind neben den Life Sciences
ein weiteres Stärkefeld in Wien, mit deutlich stärkerer Nähe zur Anwendung. So wurden
in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre bewusste Maßnahmen in diese Richtung gesetzt.
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Dies trifft etwa auf das Technologiezentrum „TechGate“ mit einer großen Zahl einschlägiger Unternehmen und Kompetenzzentren zu. Eine zukünftige Herausforderung für
Wien und für Österreich liegt in der Stärkung der wissenschaftlichen Forschung in den
IKT. Es gibt bereits zahlreiche, sehr gute Forschungsgruppen und -einrichtungen, die international sichtbar und vernetzt sind und die ihre Ergebnisse auch wirtschaftlich erfolgreich verwerten. In den kommenden Jahren werden weitere IKT-„Hotspots“ – im Sinne
einer fokussierten Förderung – eingerichtet und (auch räumlich) ausgebaut werden. Diese werden durch eine thematische Schwerpunktsetzung für IKT-Spitzenforschung ergänzt, ggf. unter Nutzung bestehender bzw. geplanter Instrumentarien (Projektförderungen, Stiftungsprofessuren, Junior Groups).
Der Bereich Creative Industries / Medien bildet ebenfalls ein Wiener Stärkefeld, das
zwar weniger forschungsintensiv i.e.S., dafür aber im immer wichtiger werdenden Bereich der innovativen Dienstleistungen angesiedelt ist. Man findet in Wien einen dichten
Besatz an kleinen und jungen Unternehmen in Ergänzung zur historisch geprägten Kulturstadt Wien mit ihren traditionellen Kulturindustrien. Auch die Förderszene konzentriert
sich stark auf die Anwendungs- und Unternehmensseite der Creative Industries bzw.
Medien (v.a. durch departure, aber auch durch die ZIT). Vom Wissenschaftsförderer
WWTF gibt es bereits einen flankierenden interdisziplinären Schwerpunkt „Science for
creative industries“. Hier wird für die Zukunft eine Konsolidierung des Standortes
St. Marx erfolgen, wo die Chance besteht, ein räumlich und inhaltlich abgestimmtes
Konzept zu realisieren.
Daneben bestehen auch in den Kulturwissenschaften − anknüpfend an wichtige und international einflussreiche Traditionen − eine Reihe anwendungsorientierter Stärken, beispielsweise in Psychotherapie und Psychoanalyse (wo Wien wieder eine der führenden
Städte im deutschsprachigen Raum geworden ist) oder im Bereich der historischanthropologischen Gesellschaftsanalysen. Auch die Bedeutung und Qualität von Kunst
und Theater in Wien hingen und hängen eng mit der Qualität kulturwissenschaftlicher
Reflexion zusammen. Bei der Nutzung kulturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse
steht naturgemäß weniger der wirtschaftliche Verwertungsaspekt im Vordergrund als
vielmehr die Gestaltung sozio-kultureller und individueller Veränderungsprozesse, nicht
zuletzt auch jener, die eng mit technologischem Wandel verknüpft sind.
Das Thema Mathematik − Modellierung − Simulation ist definitionsgemäß stark wissenschaftlich dominiert, auch wenn zahlreiche Branchen in Produktion und Dienstleistungen
avancierte Modelle und Simulationen entwickeln bzw. einsetzen. Die Mathematik in
Wien blickt auf eine stolze Vergangenheit zurück und zeichnet sich auch heute als generisch gewachsene, forschungsintensive Nische mit internationaler Sichtbarkeit aus. Es
lässt sich eine gewisse räumliche Konzentration rund um die TU und in der Nordbergstraße (Wirtschaftsuniversität und Universität Wien) ausmachen. Der WWTF unterstützt
Seite 39 von 67
mit seinem Schwerpunkt „Mathematik und …“ Kooperationen zwischen der Mathematik
und zahlreichen Anwendungsdisziplinen in Form von Projekten, Nachwuchsförderung
und Stiftungsprofessuren. Dies unterstreicht die Bedeutung dieses Schwerpunktes für
die Stadt Wien, zumal eine weitere Aufwertung formalwissenschaftlicher und mathematischer Aspekte in einer Reihe von zukunftsträchtigen Forschungsfeldern erwartet wird.
In Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit und auch auf die Reihe an potenziellen
Anwendungsfeldern stellt die Physik ein deutliches Stärkefeld dar, mit einigen sichtbaren
Spitzen. Sie könnte in Zukunft, ähnlich wie die Mathematik, eine wichtige Rolle als
forschungsintensiver Bereich mit hoher internationaler Sichtbarkeit, mit Relevanz für
andere Forschungsbereiche wie Life Sciences oder IKT sowie mit einem teils erst
längerfristig zu erwartenden Anwendungsbezug einnehmen. Bereits 2003 wurde von
Seiten der Stadt Wien die Gründung des Instituts für Quantenoptik und
Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unterstützt.
Generell handelt es sich ebenfalls um ein Thema, das für zukünftige, neue
Schwerpunktsetzungen der Stadt im Auge behalten und hinsichtlich seines
Entwicklungspotenzials im Detail geprüft werden wird.
•
Forschungs- und Innovationsschwerpunkte zu urbanen Herausforderungen –
Pilotumsetzung im Bereich Energie und Umwelt: Schwerpunktsetzung in Wien fand
bislang primär in wissenschaftsgetriebenen Themenbereichen (Life Sciences,
Mathematik) statt oder in Bezug auf mögliche Anwendungsfelder (Creative Industries,
IKT). Als dritter Typ möglicher FTI-politischer Schwerpunktsetzung gilt grundsätzlich
auch die Ausrichtung auf Themen, die von besonderem öffentlichem Interesse sind. Aus
Sicht einer Großstadt geht es hierbei insbesondere um zukünftige Herausforderungen,
die die Stadt oder die Region als ganzes betreffen und umfassende Systemlösungen
erfordern. Beispiele hierfür sind die Energieversorgung, Verkehrssysteme, die
Wasserversorgung, das Gesundheitssystem, aber auch regionale Aspekte des
Klimawandels.
Das Thema Energie und Umwelt genießt großes öffentliches Interesse und hohe
Priorität in der europäischen und nationalen Politik. Auch der Gemeinderat der Stadt
Wien hat das Thema als wichtiges Anliegen Wiens bestätigt (siehe z.B. die Beschlüsse
zum Wiener Klimaschutzprogramm oder das städtische Energieeffizienzprogramm).
Neben dem öffentlichen Interesse, das diesem Thema entgegengebracht wird, zeichnet
es sich auch dadurch aus, dass die Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung
unmittelbar und lokal zur Geltung gebracht werden können.
Dieses Thema ist an der Schnittstelle zwischen FTI-Politik einerseits und Energiepolitik,
Umweltpolitik, Verkehrspolitik und Wohnbaupolitik andererseits angesiedelt und durch
entsprechende Maßnahmen aus diesen Politikfeldern erreichbar. So ist z.B. die hohe
Altbausubstanz in Wien ein Spezifikum, deren energetische Sanierung sehr viel kostet.
Seite 40 von 67
Es gibt bereits Unternehmen und Forschungseinrichtungen (TechBase, Universität für
Bodenkultur), die in diesem Bereich erfolgreich tätig sind. Weiterer Forschungsbedarf
wird deutlich festgestellt. Es steht allerdings noch ein Diskussionsprozess mit
VertreterInnen der Energie-, Umwelt-, Verkehrs- und Wohnbaupolitik aus, um
gemeinsam Aufgaben und Zielvorgaben zu definieren.
Grundsätzlich wurde festgehalten, dass ein Forschungsschwerpunkt zur Entwicklung
ganz neuer Technologien, sowie zur Weiterentwicklung noch nicht marktfähiger
Technologien (z.B. Wasserstoff) nur nach genauer Analyse der nationalen und
internationalen Kulisse ein Thema für Wien sein soll.
In den kommenden Jahren wird daher im Bereich Energie und Umwelt eine erste
Pilotinitiative für einen derartigen, auf urbane Herausforderungen ausgerichteten FTISchwerpunkt starten, in dessen Rahmen auch neue Instrumente der FTI-Politik erprobt
werden können (z.B. innovationsorientierte Beschaffung, vgl. Handlungsfeld 4
„Treibhaus für Forschung und Innovation“). Beispielhafte Themen und Ansatzpunkte aus
heutiger Sicht sind: Umweltforschung im Sinne eines interdisziplinären, auch sozioökonomische Aspekte umfassenden, Ansatzes, die Unterstützung bestehender Wiener
Stärken in Bereichen wie Solarenergie und Energieeffizienz, sowie AwarenessMaßnahmen für die Beschleunigung der Diffusion innovativer Lösungen. Durch
Kofinanzierungen von Projekten des Bundes mit besonderer Bedeutung für Wien kann
deren Effektivität im Sinne der Schwerpunktentwicklung gesteigert werden.
•
Impulsprogramm Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (Startprojekt): In
Verbindung mit der im Handlungsfeld 3 verankerten Initiative "Forschung trifft Stadt" (vgl.
dort) wird ein Impulsprogramm in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK)
eingerichtet. Dieses Impulsprogramm bietet eine Kombination von projekt- und
personenbezogener Förderung exzellenter Forschung im GSK-Bereich. Durch
Bündelung und Stärkung dieses traditionsreichen Forschungsgebiets kann der Beitrag
der GSK im Hinblick auf die Bewältigung der anstehenden, häufig mit den Wirkungen
neuer Technologien verbundenen, Veränderungen in unserer Stadt deutlich besser
genutzt werden als bislang. Die GSK besitzen das Potenzial, eine Schlüsselrolle für die
reflexive Behandlung derartiger Themen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und
Gesellschaft einzunehmen. Derzeit sind die GSK in Wien allerdings stark zersplittert,
was zum Teil mit Besonderheiten der GSK zu tun hat, wie etwa dem besonders hohen
Stellenwert von EinzelforscherInnen und Denkschulen, zum Teil aber auch auf
strukturelle und institutionelle Defizite in der disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit
zurückzuführen ist. Eine Fokussierung wird dabei auf bestimmte problemorientierte
Thematiken erfolgen, die in transdisziplinärer Kooperation zu bearbeiten sein werden.
Beispielhaft seien hier die Themen Migration, neue Medien und kulturelle Identität,
Gender-Aspekte, Demographie/Ageing, Mobilität/Tourismus/Reisen genannt. Diese
neue Initiative wird in Form eines Startprojektes rasch umgesetzt werden.
Seite 41 von 67
•
Sichtbare Standorte mit FTI-strategisch verankertem Nutzungskonzept
(Startprojekt): Inhaltlich verwandte Forschungsaktivitäten müssen zwar nicht
zwangsläufig räumlich konzentriert sein, räumliche Nähe begünstigt aber die
wechselseitige Befruchtung zwischen unterschiedlichen Teildisziplinen und regt zum
Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis an. Wichtig ist hierbei, dass die
Realisierung entsprechender Standorte in ein wissenschaftliches Entwicklungskonzept
der jeweiligen Trägerorganisationen integriert ist. Darüber hinaus trägt die räumliche
Konzentration an – idealerweise auch architektonisch attraktiven – Standorten zur
innerstädtischen wie internationalen Sichtbarkeit wichtiger Forschungsfelder bei. Dies
zeigen u.a. die Beispiele Campus Vienna Biocenter (CVBC) und
Media Quarter Marx (MQM). Für deren weitere Expansion und für die Schaffung neuer
Standorte wird durch planungsseitige Vorhaltung entsprechender Flächen Sorge
getragen werden, die den Anforderungen von Forschung und Wissenschaft genügen:
gute Erreichbarkeit, stimulierende architektonische Gestaltung, technische und
wissenschaftliche Infrastrukturen, aber auch ein interessantes und attraktives
Lebensumfeld.
Um Wien als Forschungsstandort weiter zu stärken, wird daher die Schaffung derartiger
Forschungs-Hotspots weiter forciert. Bestehende Standorte werden weiter ausgebaut,
von den Räumen über die Köpfe bis zu den Inhalten. Dabei sind die Besonderheiten der
Forschungsfelder zu berücksichtigen. Forschung im Bereich Life Sciences und Medizin
ist sehr kostenintensiv (Labors, Geräte, Personal, etc.). Dies macht die Fokussierung auf
einige wenige, starke Orte ebenso unumgänglich wie die stark kooperative Natur der
Forschung in diesem Bereich. In Schwerpunktfeldern wie beispielsweise den Creative
Industries, IKT oder den GSK gelten andere Anforderungen, die bei der Planung der
Standorte zu berücksichtigen sind.
Eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung räumlich und inhaltlich fokussierter
Entwicklungskonzepte ist eine gute Koordination der unterschiedlichen bodenpolitischen
Instrumente der Stadt Wien im Hinblick auf die strategische Entwicklung von FTIStandorten (vgl. Handlungsfeld 4 „Treibhaus für Forschung und Innovation“). Die integrierte Realisierung derartiger Konzepte erfordert klare Entscheidungsverantwortlichkeiten, einen gut abgestimmten Plan und einen straff geführten Prozess, um unter Einbindung verschiedenster AkteurInnen eine maßgeschneiderte Lösung für konkrete Standorte zu schaffen. Auf eine ausgewogene Balance zwischen FTI-politischen Strategieerfordernissen und berechtigten wirtschaftlichen Verwertungsinteressen im Hinblick auf die
Flächennutzung wird dabei zu achten sein.
Seite 42 von 67
•
High-end Infrastrukturen: Für die Standortentscheidung internationaler ForscherInnen
mit hohem Potenzial ist – neben einem anregenden persönlichen Forschungsumfeld –
die Ausstattung mit hochwertigen Technologien ein immer wichtiger werdendes Kriterium. Bislang ist die Finanzierung von (Groß-)Geräten und technischer Infrastruktur jedoch oftmals an spezifische Forschungsprojekte und damit an einzelne ForscherInnen
bzw. Forschungsgruppen gekoppelt. Durch die Einrichtung eines eigenen Instruments
der Stadt werden Möglichkeiten geschaffen, mit denen sich auch Kofinanzierungsmodelle mit anderen Geldgebern gestalten lassen. Das vorgeschlagene Instrument dient der
Finanzierung von High-end Infrastrukturen und gibt gleichzeitig einen deutlichen Impuls
zur innerstädtischen Vernetzung und Zusammenarbeit in der Wissenschaft. Die zu
Grunde liegende Idee besteht darin, die Finanzierung von kostenintensiver technologischer Infrastruktur für die Wissenschaft – dort wo das Sinn macht – von der individuellen
Projektfinanzierung loszulösen. Eingebettet in entsprechende Standort- und Entwicklungsstrategien der Universitäten und Forschungsorganisationen werden dann im Rahmen von dem Wettbewerbsprinzip folgenden Ausschreibungen derartige Förderungen
für High-end Infrastrukturen vergeben.
Seite 43 von 67
Startprojekt 2: Impulsprogramm Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
Die GSK und ihre Forschung haben in Wien eine lange und erfolgreiche Tradition und sind für
die Identität und das Profil Wiens ebenso wichtig, wie für kritische Analyse und die Reflexion
über Zukunftsentwürfe. In den vergangenen Jahren waren die GSK in den Prämissen von
Forschungspolitik und der öffentlichen Wissenschaftsrezeption gegenüber der Technik und den
Naturwissenschaften nicht gerade bevorzugt, weisen aber im universitären Bereich eine hohe
Basisfinanzierung auf. Gleichzeitig gibt es in einigen Teilen der Wiener GSK deutliche
Verbesserungspotenziale, was konsequente Internationalität, Offenheit für Leistungsvergleiche
oder Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs betrifft. Die stolze Tradition der Stadt in
diesem Themenfeld ist in der Tat würdig eine Stärkung zu erfahren, durch die zugleich ein
Nutzen für die Stadt erwächst, der sich in höherer Reputation des Standortes, nutzbaren
Forschungsergebnissen und der Stärkung einer kritischen Öffentlichkeit niederschlägt. Durch
die Einrichtung des Impulsprogramms zur Förderung der Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften (GSK) werden bereits vorhandene Stärken und Potenziale in den Wiener
GSK gefördert und gebündelt. Internationalität und disziplinenübergreifende Forschung, die der
Kleinteiligkeit der Wiener GSK entgegenwirken, stehen im Vordergrund.
Die konkreten Ziele des vorgeschlagenen Impulsprogramms lauten: (i) Steigerung der
Qualitäts- und Außenorientierung in den GSK; (ii) Stimulierung der interdisziplinären Forschung
zu gesellschaftlich relevanten Themenbereichen; (iii) Stärkung der Humanressourcen vor einem
internationalen Hintergrund – Stichworte „Brain Circulation“ (vor allem incoming) und „High
Potentials“ (junge WissenschafterInnen sollen rasch selbstständige Arbeitsmöglichkeiten
haben); (iv) Profilierung der Stadt in zweierlei Hinsicht: Erstens Erhalt politikrelevanter
Forschungsergebnisse und Aufbau von Beratungskapazitäten und zweitens Profilierung von
Wien als Stadt der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften; schließlich (v) Beitrag zur
Verbesserung der Karrierechancen von Frauen in den GSK.
Dies wird im Rahmen von Themenstellungen (jeweils zwei Jahre offen) erfolgen, deren
Bearbeitung und kritisch-diskursive Begleitung hohe Relevanz für die Stadt aufweisen, und die
sich an die Initiative „Forschung trifft Stadt" anlehnen können (vgl. Handlungsfeld 3).
Beispielhaft seien Themen wie Migration, kulturelle Identität, neue Medien, Lebenszyklus,
Mobilität, Tourismus genannt. Ein international zu besetzender Programmbeirat hat eine starke
Rolle sowohl bei der Themenfindung als auch in der Organisation der internationalen
Begutachtung von Förderansuchen und der Förderempfehlung.
Im Rahmen der gewählten Themenschwerpunkte werden in jährlichen Ausschreibungen
folgende Instrumente zum Einsatz gebracht:
•
Fellowship Grants: Das Instrument der Fellowship Grants dient dazu, hervorragende junge
wie auch erfahrene WissenschafterInnen – vorzugsweise aus dem Ausland – für eine
gewisse Zeit an eine Wiener Forschungsinstitution zu holen und so einen Impuls zur
weiteren Entwicklung und Internationalisierung des Wissenschaftsfeldes zu setzen. Eine
deutliche Anbindung der Fellows an die Wiener Forschung und Lehre ist sicherzustellen.
Fellows, die relevante stadtbezogene Forschungen durchführen („urban fellows“), sind nach
Möglichkeit in die Aktivitäten im Rahmen des Startprojekts 4 „Wiener Forschung im Dialog“
einzubinden.
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•
Forschungsprojekte: Mit diesem Instrument werden bestehende GSK-ForscherInnengruppen in Wien gestärkt und ihre internationale Sichtbarkeit wird erhöht. Sie erhalten im
Rahmen eines größeren und qualitativ herausragenden Forschungsprojektes die
Möglichkeit, einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion in ihrem
Forschungsfeld zu leisten, der nicht nur in Wien sondern v.a. auch international Beachtung
findet. Typischerweise werden diese ein- bis dreijährigen Projekte von einem
(disziplinenübergreifenden) Projektteam durchgeführt.
•
Stiftungsprofessuren: Mit diesem Instrument werden herausragende WissenschafterInnen
aus dem Ausland für eine bestimmte Zeit nach Wien geholt und in Folge dauerhaft etabliert.
Das Instrument sieht die Finanzierung einer herausragenden Person plus einer kleineren
Forschungsgruppe für einen Zeitraum von mindestens drei bis maximal fünf Jahren vor.
Diese Personen sind in ein qualitativ herausragendes Arbeitsumfeld in Wien einzubetten.
•
Vienna Summer Schools/Sommerakademien: Hier wird JungwissenschafterInnen die
Möglichkeit geboten, intensiv mit international führenden WissenschafterInnen aus ihrem
Fachbereich zusammenzuarbeiten und so ihre eigenen Forschungsvorhaben
voranzutreiben und internationale Kooperationen aufzubauen. Diese internationalen
FachvertreterInnen werden für einen ein- bis zweiwöchigen Zeitraum nach Wien eingeladen.
Im Rahmen der Sommerakademien wird insbesondere auch jenen ForscherInnen, denen
ein Fellowship Grant zugesprochen wurde, die Möglichkeit zum Austausch und zur
Vernetzung gegeben. Um die Durchführung können sich Institutionen bewerben, die über
für die Organisation notwendige Infrastruktur verfügen.
Startprojekt 3: Spitzenstandorte für Spitzenforschung
In den letzten Jahren sind bereits einige wichtige FTI-Standorte in Wien entstanden, an denen
inhaltlich gebündelte und aufeinander bezogene Forschung stattfindet. Dies betrifft
insbesondere das Campus Vienna Biocenter, das Biotech Zentrum Muthgasse, das TechGate
und das Media Quarter Marx. An einigen dieser Standorte werden derzeit Vorbereitungen für
den weiteren Ausbau getroffen. Auch an anderen Standorten entstehen derzeit Zentren, an
denen sich thematisch verwandte Forschungsaktivitäten zu konzentrieren beginnen,
beispielsweise am TechBase oder dem BRC Höchstädtplatz.
Um die mittel- bis längerfristige Weiterentwicklung bzw. Erschließung dieser Standorte
sicherzustellen, werden transparent geführte Planungsprozesse benötigt, die die inhaltliche und
die räumlich-architektonische Dimension einer FTI-Standortentwicklungsstrategie integrieren.
Voraussetzung hierfür ist die Abstimmung zwischen Stadtentwicklung und FTI-Strategie, sowie
zwischen Bundes- und Länderfinanzierung, die Einbindung in die Strategien der institutionellen
Träger (z.B. Universitäten, Forschungseinrichtungen) und operativ auch ein kohärenter Einsatz
bodenpolitischer und FTI-politischer Instrumente (vgl. Handlungsfeld 4 „Treibhaus für
Forschung und Innovation“). Wettbewerbliche Elemente (z.B. zwischen alternativen Konzepten
und Trägerschaften) sind in einem solchen Prozess mit planerischen und koordinativen
Elementen zu kombinieren. Zentral ist hierfür die Integration des räumlichen
Entwicklungskonzepts in ein überzeugendes inhaltliches Konzept für den zukünftigen
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Forschungsstandort. Dieser Ansatz gilt sowohl für die Erschließung neuer Standorte als auch
für den Ausbau bestehender.
Bei der Entscheidung über die Mittelbereitstellung (Investments oder Förderung) für einen
Standort wird auf ein hochkarätig besetztes Beratungsgremium zurückgegriffen. Dieses
Gremium beurteilt zum einen die Qualität der Gesamtkonzepts (insbesondere die Frage nach
der Einbettung des Standortkonzepts in die Forschungsstrategien der jeweiligen
Trägerorganisationen) und zum anderen das durchzuführende Projekt. Im Vordergrund hat
immer zu stehen, dass keine isolierten Insellösungen umgesetzt werden, sondern Projekte mit
einem Mehrwert für eine Vielzahl von AkteurInnen am Standort bzw. für das jeweilige Stärkefeld
insgesamt.
Zwecks Verstärkung eines integrierten FTI-Standortentwicklungskonzepts sollen dabei auch
neue Instrumentarien zum Einsatz kommen, z.B. die Förderung von High-end Infrastrukturen
und/oder die Schaffung eines gezielten Förderprogrammes und/oder die Einrichtung von Junior
Groups/Stiftungsprofessuren.
Das Budget für ein solches Startprojekt ist derzeit noch nicht abschätzbar, weil es abhängig von
den konkreten Einzelfällen ist, und unterschiedlichste Instrumente zum Einsatz gebracht
werden können. Es ist aber auf jeden Fall über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit einem
substanziellen Ressourceneinsatz von Seiten der Stadt Wien zu rechnen.
Neben den oben genannten Maßnahmen wurde im FTI-politischen Strategieprozess auch über
die zukünftige Entwicklung von international sichtbaren Schwerpunkten diskutiert. Zu deren
Entwicklung wurde die Schaffung von Bedingungen, unter denen neue Themen entstehen bzw.
junge, noch kleine, Forschungsfelder zu größeren heranwachsen können als sehr wichtig
angesehen. In diesem Zusammenhang wurde das Potenzial von Themenplattformen diskutiert,
die die über ein Netzwerk von Akteuren aus Forschung und Praxis verteilten
Wissensressourcen besser mobilisieren, sich neuer vielversprechender Themen annehmen,
deren Potenziale ausloten und – sofern notwendig und sinnvoll – FTI-politischen
Handlungsbedarf auf regionaler oder nationaler Ebene identifizieren helfen könnten. Dies wurde
anhand einiger neuer Themen wie Umwelttechnologien, nachhaltige Energienutzung, Wohnbau
oder Gesundheit und Ernährung reflektiert. Genau diese Bereiche markieren vor dem
Hintergrund von sozialen und ökologischen Herausforderungen einige der Spitzenthemen für
Forschung und Innovation in den kommenden Jahrzehnten.
Ein wichtiger weiterer Diskussionspunkt war der wachsende Koordinierungsbedarf zwischen
FTI-politischen AkteurInnen. Die Entstehung und Konsolidierung von
Forschungsschwerpunkten ist das Resultat des synergetischen Zusammenwirkens zahlreicher
AkteurInnen: Universitäten, Forschungsreinrichtungen und Unternehmen als den wesentlichen
forschungstreibenden AkteurInnen, Unternehmen, Verwaltung und BürgerInnen als den
NutzerInnen von Forschungsergebnissen sowie EU, Bund und Land als jenen AkteurInnen, die
wesentliche Rahmenbedingungen
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und Anreize für Forschung definieren. In diesem Zusammenhang ist eine gute Koordination
zwischen den Maßnahmen dieser AkteurInnen essenziell, um erfolgreiche Schwerpunkte
realisieren zu können. Dies betrifft insbesondere finanzielle Zusagen (Bund, Unternehmen) aber
auch die inhaltliche und instrumentelle Ausrichtung. Es wurde dabei auch angesprochen, dass
der Stadt Wien als dem Standort, an dem diese Schwerpunkte realisiert werden, neben den
materiellen Beiträgen, die die Stadt leisten kann, eine besondere Verantwortung als
Moderatorin und ggf. Initiatorin zukommt, auf deren Betreiben hin konkrete Projekte oft erst in
Angriff genommen werden.
4.3.3 Forschung trifft Stadt: Kommunikation, Lernen und Öffentlichkeit
Unsere Lebens- und Alltagswelten werden in zunehmenden und sich beschleunigendem
Maßen von den Ergebnissen von Forschung, Technologieentwicklung und Innovation
durchdrungen. Fragen nach der Einbettung von Forschung und Innovation in die Gesellschaft
werden immer wichtiger, um den rasanten gesellschaftlichen und technologischen Wandel
kritisch zu reflektieren und in einer gesellschaftlich vertretbaren Form mitzugestalten. Die
großen Metropolen als Brennpunkte dieses Transformationsprozesses müssen daher auch im
Sinne ihrer Reflexionsfähigkeit Pionierarbeit leisten. Sie benötigen daher Räume, in denen im
Sinne eines „Nachdenklabors“ die aktuellen Tendenzen kritisch beobachtet und über neue
soziale Lebensentwürfe in einer zunehmend technisierten Welt reflektiert werden kann. Aktuelle
Forschungsansätze in den GSK-Wissenschaften bieten wichtige Ansatzpunkte, um diesen
Fragen kreativ und mit sozialer Phantasie nachzugehen.
Bereits bisher war die Stadt Wien bemüht, wichtige und stadtrelevante gesellschaftliche und
kulturelle Anliegen in wissenschaftlicher Form zu thematisieren, beispielsweise im Rahmen von
Stipendien und Förderungen für geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche
Forschungsvorhaben. Im Bereich der Cultural Studies, der Geschichts-, Kultur- und
Genderforschung arbeiten in Wien SpitzenforscherInnen. Diese Leistungen können durch
gezielte Förderung sichtbarer gemacht werden. Zugleich handelt es sich hier um Themen, die
aufgrund ihrer Bedeutung in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollen. Ergänzend hierzu
dienen die Wiener Vorlesungen dem wissenschaftlich fundierten Austausch mit einem breiteren
interessierten Publikum. Diese aufklärerische Funktion von Wissenschaft bedarf der
Verstärkung und wird in Form konkreter Maßnahmen seitens der Stadt Wien vorangetrieben
werden.
Ziel dabei ist, durch einen kritischen und wissenschaftlich fundierten Dialog zwischen den
verschiedenen Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Bevölkerung und anderen
Stakeholdern auf deren jeweilige Wissensressourcen zuzugreifen, sie miteinander zu vernetzen
und so die Voraussetzungen für einen reflexiven und transdisziplinären Umgang mit den
zukünftigen Chancen und Risiken nicht nur von Forschung und Innovation sondern auch von
sozio-kulturell determinierten Veränderungen urbanen Lebens zu schaffen.
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Dieser Aufgabe widmet sich die „WienAkademie – Forschung trifft Stadt“. Sie verfolgt die
Aufgabe, die Forschungskapazitäten der Wissenschaften auszubauen und die
Forschungsfragen der Gesellschaft an die Wissenschaften in einen kontinuierlichen Dialog zu
bringen. Im zweijährigen Wechsel wird die Stadt Wien drängende aktuelle
Gesellschaftsprobleme in das Zentrum der Aktivitäten rund um die WienAkademie stellen.
Beispielhaft seien hier Themen wie Migration, Arbeit in der Gesellschaft, Individualisierung,
neue Medien, Demographie genannt. Die WienAkademie bestellt für jeden dieser biennalen
Themenschwerpunkte einen Kurator/eine Kuratorin, der/die im Thema ausgewiesen ist und
über entsprechende Erfahrung verfügt.
Ergänzt durch das bereits vorgestellte Impulsprogramm GSK (vgl. Handlungsfeld 2
„Thematische Schwerpunkte“) wird die „WienAkademie – Forschung trifft Stadt“ dazu beitragen,
die Kenntnis und das Verständnis wichtiger Veränderungsprozesse im urbanen Kontext zu
vertiefen und gleichzeitig mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen. Die WienAkademie zielt
somit darauf ab, den Beitrag von Wissenschaft und Forschung zur Bearbeitung von zentralen
Zukunfts- und Gegenwartsfragen der Stadt zu verstärken.
Voraussetzungen für den mittels der WienAkademie angestrebten Dialog sind ein hoher Grad
an Informiertheit und ein entwickeltes Bewusstsein über den Stellenwert, den FTI für eine Stadt
wie Wien besitzt, und dies auch jenseits der sichtbaren Symbole. Durch entsprechende lokale
Maßnahmen ist die Stadt Wien bestrebt, einen prägenden Einfluss auf den Umgang mit und
das Bewusstsein für Forschung und Innovation auszuüben. Eine Kommunikationsagenda über
Wissenschaft, Forschung und Innovation in Wien wird dem Ausdruck verleihen.
Den GSK wird dabei eine Schlüsselaufgabe zugewiesen, insbesondere im Hinblick auf die
Umsetzung eines problemorientierten („Mode 2“) statt eines disziplinären Zugangs im Bereich
des Förderungs- und Wissensmanagements in Wien.
Im Handlungsfeld wird die Stadt Wien die folgenden Maßnahmen setzen:
•
Wiener Forschung im Dialog (Startprojekt): Während das Impulsprogramm GSK
primär der Durchführung vertiefender Forschungsarbeiten und der Qualifikation von
WissenschafterInnen gewidmet ist, zielt die Initiative „Wiener Forschung im Dialog“
darauf ab, den Wissensaustausch und die gemeinsame Reflexion über Zukunftsfragen
der Stadt zu verbessern. Erreicht werden soll dies durch einen Intensivierung des
Dialogs von Wissenschaft und Forschung mit anderen Akteursgruppen, insbesondere
mit PraktikerInnen aus Verwaltung und Wirtschaft, mit den BürgerInnen und – besonders
wichtig – mit den Schülerinnen und Schülern in Wien. Konkret manifestieren sich die
Ergebnisse dieses Dialogs in neuen Formen transdisziplinärer Zusammenarbeit, aber
auch in so konkreten Dingen wie der Weiterentwicklung von Förderprogrammen im
Sinne städtischer und gesellschaftlicher Anliegen.
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•
Kommunikations- und Awareness-Agenda nach innen und außen: Um das Wissen
über und Bewusstsein für den FTI-Standort Wien sowohl in der Bevölkerung als auch
international zu steigern, wird die Stadt Wien die Entwicklung und Umsetzung einer
Kommunikations- und Awareness-Agenda vorantreiben.
Mit Hilfe dieser Kommunikations-Agenda soll ein kontinuierlicher Dialog über FTI in Wien
etabliert werden. Ein beständiger „Sound of Science“ statt eines einmaligen „Tons“ ist
das Ziel, bei dem der Wert von Bildung und Wissen an sich, sowie Leistungen und
Zielsetzungen der Forschungs- und Innovationsstadt Wien nach innen und nach außen
transportiert werden. Während die Notwendigkeit und die zentralen Zielsetzungen einer
gesamthaften FTI-Kommunikations-Agenda auf der Hand liegen, sind konkrete
Umsetzungsstrategien, ihre Mittelausstattung sowie ggf. die Ansiedlung von „Motoren“
für diese Agenda im Detail auszuarbeiten. Zur Unterstützung von Handlungsfeld 5
„Forschungs- und Innovationsstandort in Europa“ wird speziell auf gezielte AwarenessMaßnahmen gesetzt werden, die darauf abzielen, die Bedeutung der Region
CENTROPE stärker im Bewusstsein von EntscheidungsträgerInnen und BürgerInnen zu
verankern. Die Etablierung einer solchen „Kommunikationsstrategie für den FTI-Standort
Wien“ wird die folgenden fünf Elemente berücksichtigen:
o Ein Netzwerk für eine dauerhafte Kommunikations-Agenda;
o Differenzierte, zielgruppenadäquate Strategien;
o Neue Instrumente für eine „Wissenschaft zum Anfassen“, anknüpfend an den Wiener
Vorlesungen, den Kindervorlesungen und „University meets public“;
o Kommunikation der Wissenschafts- und Forschungsstadt Wien nach außen;
o Sichtbarmachen der Wissenschafts- und Forschungsstadt Wien im Stadtraum.
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Startprojekt 4: Wiener Forschung im Dialog
Als zentraler Bestandteil der „WienAkademie – Forschung trifft Stadt“ und ausgerichtet auf
deren zweijährig wechselnde Kernthematik wird ein abgestimmtes Bündel von Maßnahmen
umgesetzt werden, das dem Vernetzungs- und Dialogprinzip verpflichtet ist, und zwar in Bezug
auf verschiedene Akteursgruppen:
•
Forschung trifft Bevölkerung – Technologie-Awareness, Tagungen und biennale
Themenausstellung: Als Teil des Dialogs mit den Wiener Bürgerinnen und Bürgern, aber
auch als nach außen sichtbare Events sind die Durchführung mehrere Tagungen und
insbesondere eine biennal stattfindende große Themenausstellung geplant. Die
Themenausstellung ist dem auf zwei Jahre angelegten inhaltlichen Schwerpunkt der
„WienAkademie – Forschung trifft Stadt“ gewidmet. Diese Maßnahmen werden flankiert
durch weitere Veranstaltungen, die dazu beitragen, ein kritisches Bewusstsein für die
zentrale Rolle von Forschung und Innovation in der Stadt zu stärken. So ist beispielsweise
für das Jahr 2008 bereits ein großes Event unter dem Titel „Forschung lebt in Wien“ in
Vorbereitung, in dessen Rahmen wissenschaftliche Forschung und Technologie in
attraktiver Form sichtbar gemacht und an ein breites Publikum vermittelt werden soll. Diese
Art von Event wird in der Folge mit jährlich wechselnden Fokusthemen weiterverfolgt
werden.
•
Forschung trifft Schule - WienAkademie und Schule: Ziel dieser Maßnahme ist die
Verstärkung des Bildungsauftrags der Stadt in Bezug auf den Stellenwert von Wissenschaft
und Forschung und die dabei verwendeten Methoden und Zugangsweisen. Dies soll durch
eine Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Forschungseinrichtungen
erreicht werden. Jährlich werden Themen in Abstimmung mit den Rahmenthemen von
„WienAkademie – Forschung trifft Stadt“ für Fachbereichsarbeiten und wissenschaftliche
Arbeiten im Kontext Schule ausgeschrieben. Kooperationen zwischen Schule, Wiener
Vorlesungen, wissenschaftlichen Einrichtungen (z.B. Österreichische Akademie der
Wissenschaften, Universitäten, Austrian Research Centers) und Institutionen, die an der
Schnittstelle Wissenschaft – Wirtschaft arbeiten (z.B. Industriellenvereinigung,
Wirtschaftskammer) sorgen dafür, dass SchülerInnen sehr früh mit den kreativen
Arbeitsfeldern von Wissenschaft und Forschung konfrontiert werden, aber auch mit den
darin behandelten Herausforderungen.
•
Forschung trifft Praxis - BürgerInnenforum Forschung trifft Stadt: Ziel dieser Maßnahme ist
zum einen die Verstärkung des Wissensaustauschs über neue Forschungsergebnisse,
insbesondere jene, die im Rahmen der „WienAkademie – Forschung trifft Stadt“ erarbeitet
wurden. Zum anderen wird durch die Schaffung neuer Schnittstellen zwischen Wissenschaft
und Gesellschaft, wie sie beispielsweise durch Dialogplattformen und Foresight-Prozesse
realisiert werden können, ein reflexiver, kreativer und vorausschauender Umgang mit neuen
sozialen und technologischen Entwicklungen in der Stadt etabliert werden. Hierbei werden
nicht nur „Fachleute“ zu Wort kommen, sondern insbesondere auch jene, die als direkt
betroffene „Laien“ in der Stadt leben und arbeiten.
•
Forschung trifft Verwaltung - Forum StadtWissenschaft: Die Arbeiten der ForscherInnen und
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jene der Stadtverwaltung werden durch das Forum StadtWissenschaft in einen
kontinuierlichen Austausch miteinander gebracht. Zielsetzung ist die themenbezogene
Wissens- und Ergebniskommunikation zwischen Wissenschaft und Verwaltung. Konkret ist
vorgesehen, Arbeitsgruppen aus ForscherInnen und MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung
und so ein dauerhaftes Forum zu wichtigen, die Stadt und Gesellschaftsentwicklung
betreffenden Themen zu bilden. Dadurch wird die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen
den Geschäftsgruppen und Fachabteilungen der Stadt Wien um ein Dialogelement mit der
universitären und außeruniversitären Forschung erweitert. Neben der Wissens- und
Ergebniskommunikation zwischen Stadt und Forschung werden dabei auch stadtbezogene
Themen entwickelt, die beispielsweise in Diplomarbeiten, Dissertationen und
Forschungsaufträgen vertiefend bearbeitet und deren Ergebnisse in der Folge der
Öffentlichkeit präsentiert werden können.
Abhängig von der jeweils gewählten inhaltlichen Ausrichtung von „Wiener Forschung im Dialog“
können sich substanzielle Synergien mit anderen thematischen Bausteinen der Wiener FTIStrategie ergeben. Denkbar ist eine Ankopplung an die CENTROPE-Thematik, aber auch der
Versuch, eine breitere transdisziplinäre Perspektive auf Fragen der Life Sciences einzunehmen.
4.3.4 Treibhaus für Forschung und Innovation: Neues möglich machen
Ein zentrales Anliegen der Wiener FTI-Politik besteht darin, in der Stadt ein Klima zu schaffen,
das Forschung und Innovation begünstigt. Ein „kreativer Humus“ wird benötigt, auf dessen
Grundlage innovatives Schaffen gedeihen kann. Gerade das lokale Umfeld ist von Seiten der
Stadt in vielfacher Hinsicht gestaltbar. Durch eine gezielte Stadt- und
Standortenwicklungspolitik, die die Entstehung von kreativitätsfördernden Milieus begünstigt,
aber auch durch die Möglichkeiten, die das Beschaffungswesen bietet, bestehen zahlreiche
Handlungsmöglichkeiten, die die Stadt Wien aufgreifen wird. Andere Rahmenbedingungen
werden zwar durch den Bund bestimmt (z.B. indirekte steuerliche Förderung, direkte
Projektförderungen), durch eine klar definierte Arbeitsteilung zwischen Bund und Stadt,
insbesondere in der Forschungs- und Innovationsförderung, können aber Überlappungen
vermieden und so zu einer Verbesserung der Kohärenz und Effizienz von bundes- und
stadtpolitischen Maßnahmen beigetragen werden.
Wien verfolgt seit vielen Jahren eine aktive Boden- und Standortentwicklungspolitik. Initiativen
wie die rollierende Weiterentwicklung der Stadtentwicklungspläne oder auch das jüngst
erarbeitete Standortkonzept für die Wiener Universitäten sind dafür ebenso Beleg wie der
Campus Vienna Biocenter in der Bohrgasse, der Standort Media Quarter Marx oder der Bereich
um das
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TechGate. Darüber hinaus wird durch eine aktive Abstimmung zwischen FTI-politischen und
wirtschaftlichen Verwertungsinteressen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für FTI
beigetragen. Bislang wenig genutzt wurde das große Beschaffungsvolumen, das die Stadt Wien
jährlich bewegt und das gezielt im Sinne eines nachfrageseitigen Instruments zur Stimulierung
von Innovationen eingesetzt werden kann.
Zu den besonderen Stärken metropolitaner Regionen zählen die kurzen Wege und die guten
Zugangsmöglichkeiten zu anderen Akteuren. Diese besonderen Qualitäten von lokalen
Netzwerken sind aus der Perspektive F&E-treibender und innovierender Einrichtungen nicht nur
deshalb wichtig, weil sie einen schnellen Zugang zu Informationen erlauben, sondern auch weil
sie eine direkte Mitwirkung an Abstimmungs- und Verhandlungsprozessen ermöglichen. Auch in
Bezug auf dieses lokale Informations- und Netzwerkmanagement spielt die Stadt Wien eine
zentrale Rolle, indem sie zur Schaffung forschungs- und innovationsfreundlicher Bedingungen
beiträgt.
Konkret wird die Stadt vier Maßnahmen umsetzen, mit deren Hilfe das Klima für Forschung und
Innovation in Wien weiter verbessert werden soll:
•
Abgestimmte Rollen in der betrieblichen F&E-Förderung: Um Doppelgleisigkeiten
zwischen Förderinitiativen auf Bundes- und Landesebene zu vermeiden, ist eine
akkordierte Arbeitsteilung zwischen den jeweiligen Fördereinrichtungen erforderlich. Ein
erster wichtiger Schritt in Richtung auf die Verbesserung der Abstimmung zwischen
Bund und Land wird ab dem Jahr 2008 mit der Novellierung der Förderrichtlinien des ZIT
(Startprojekt „ZIT 08 plus“) gesetzt werden. Im Grundsatz wird dabei durch die
Fokussierung städtischer Unternehmensförderungen auf Innovation und jener des
Bundes auf Forschung eine klarere Ausrichtung auf die Bedarfe unterschiedlicher
Zielgruppen erreicht. Aber auch im Hinblick auf innovierende KMUs (in Abgrenzung zu
F&E-treibenden) werden im Rahmen von ZIT 08 plus für strategisch ausgerichtete
Innovationsaktivitäten und innovative Dienstleistungen neue Fördermöglichkeiten durch
die Stadt Wien eröffnet.
•
Bodenpolitische Koordination zwischen Stadtentwicklungsplanung und
Forschungsförderung: Universitäre und außeruniversitäre FTI-Einrichtungen sowie
forschungsorientierte Unternehmen sehen sich unter den Erfordernissen von
Standorterweiterung, -verlagerung und -konzentration mit zum Teil erheblichem
Flächenbedarf konfrontiert. Dies gilt für diverse Einzelstandorte, aber auch für einige
größere, zusammenhängende Standorte in Wien. Der Nachfrage nach geeigneten
Standorten und Reserveflächen in qualitativer und räumlicher Hinsicht muss schnell und
unkompliziert entsprochen werden – und zwar im Rahmen einer strategisch angelegten,
mittel- und längerfristigen stadtstrukturellen Orientierung. Dabei sind für größere,
zusammenhängende FTI-Standorte – zum Teil mit thematischer Spezialisierung – klare
Konzepte zu entwickeln, welche eine höhere Planungssicherheit für FTI-AkteurInnen
und InvestorInnen bieten.
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Dementsprechend wird die Stadt Wien eine strategische Kooperation zwischen
Stadtplanung bzw. Stadtentwicklung einerseits und Förderern andererseits etablieren,
um auf diese Weise die mittel- bis längerfristigen räumlichen und infrastrukturellen
Voraussetzungen für Forschung und Innovation zu sichern. Dieser Zielsetzung
entsprechend wird das bestehende bodenpolitische Instrumentarium der Stadt (z.B.
Stadtplanungsabteilungen, WWFF, Wohnfonds Wien, Wien Holding, MA 69) angepasst,
ausgebaut und neu abgestimmt. Hierbei werden die folgenden drei Elemente als
wesentlich angesehen, die in der Folge noch einer weiteren Konkretisierung bedürfen:
o Bereitstellung eines koordinierten Angebots potenzieller FTI-Standorte: diese
Koordination zählt zu den zentralen planerischen Verantwortlichkeiten der Stadt,
o Potenzialabschätzung und Qualitätssicherung in der FTI-Standortentwicklung: dies
umfasst insbesondere die Einbettung der Standortkonzepte in die strategischen
Entwicklungspläne der wissenschaftlichen Trägerorganisationen,
o Klare Verantwortlichkeiten: bei der Entwicklung konkreter FTI-Standorte wird eine
eindeutige Federführung bestimmt.
•
FTI-Netzwerkmanagement als Serviceleistung der Stadt: Die Koordinierung im Bezug auf bodenpolitische Instrumente der Stadt dient primär der Schaffung langfristig stabiler Rahmenbedingungen für die FTI-Standortentwicklung. Darüber hinaus gilt es aber
auch ein breit ausgerichtetes und engmaschiges Netzwerk von städtischen und stadtnahen Einrichtungen zu schaffen, die ihre Serviceleistungen im Interesse des Wissensstandorts Wien und der hier verankerten FTI-AkteurInnen anbieten. Der Zugang zu diesen Leistungen, aber auch die Kommunikations- und Abstimmungsprozesse im Netzwerk mit den FTI-Einrichtungen über deren tatsächlichen Bedarf an Unterstützung durch
die Stadt sollen von einer solchen Anlaufstelle übernommen werden. Die Knoten dieses
Netzwerks für den FTI-Standort Wien werden darüber hinaus nicht nur nach innen (d.h.
in die Stadt und die Wiener FTI-Einrichtungen hinein), agieren, sondern auch nach außen hin (z.B. im Hinblick auf den internationalen Auftritt von Wien als Stadt der Forschung und Innovation) Marketing- und Vermittlungsleistungen bündeln. Diese Maßnahme zielt somit darauf ab, die Kommunikationsprozesse im Netzwerk durch die Schaffung einer operativen Schnittstelle zwischen der Stadt, den FTI-Einrichtungen und dem
internationalen und nationalen Umfeld zu beschleunigen und zu vereinfachen.
•
Entwicklung von Prozessen und Instrumenten für eine innovationsorientierte
Beschaffung: Wenn eine Stadt verstärkt Innovationen nachfragt, kann sie damit nicht
nur ihre Dienstleistungen modernisieren und Kosten sparen, sondern auch innovativen
Unternehmen neue Marktchancen eröffnen. Die öffentliche Nachfrage nach innovativen
Dienstleistungen und Produkten bringt neben dem Nutzen für die AnwenderInnen auch
einen Anreiz für Unternehmen, verstärkt innovative Lösungen zu entwickeln. Diese
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Grundüberlegung hat bereits in den letzten Jahren europaweit eine breite Debatte
ausgelöst. Sie ist besonders relevant für die kommunale Ebene, da dort – beispielsweise
in Bereichen wie der Energie- und Wasserversorgung, dem öffentlicher Verkehr, bei ITDiensten und öffentlichen Bauvorhaben – die wesentlichen öffentlichen
Nachfragevolumina umgesetzt werden. Wie bereits in anderen europäischen Regionen
praktiziert, können durch innovationsorientierte Nachfragemechanismen beachtliche
Innovationsimpulse ausgelöst werden. Mit der Novellierung der Vergaberichtlinien der
EU und deren Umsetzung in Österreich wurden die entsprechenden prozeduralen und
rechtlichen Möglichkeiten dafür verbessert.
Die Stadt Wien setzt pro Jahr ein Volumen von rund 3,6 Mrd. € im Rahmen der
öffentlichen Beschaffung um (vor allem für IKT, Energieversorgung, Bauwesen,
Verkehrssysteme). Wenn auch nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon für die
nachfrageseitige Unterstützung von innovationsorientierten Projekten eingesetzt wird,
lassen sich substanzielle Impulse für FTI auslösen. Als Begleiteffekt ergibt sich, dass
diejenigen Unternehmen, die auf nachfrageseitige Anreize reagieren, durch die
Realisierung von Referenzprojekten in Wien die Möglichkeit haben, ihre Innovationen
besser sichtbar zu machen.
Auf dem Weg zur Umsetzung einer innovationsorientierten Beschaffungspolitik sind
einige wichtige Vorarbeiten zu leisten. Daher wird ein Prozess der inter-institutionellen
Abstimmung zwischen jenen Bereichen der öffentlichen Verwaltung, die das Gros der
Beschaffungsvorgänge abwickeln (Bau, Infrastrukturen, Verwaltung, ...), eingeleitet
werden. Flankierend hierzu wird ein Netzwerk von ExpertInnen und PraktikerInnen der
innovativen Beschaffung in Wien geschaffen, in das die entsprechenden
Magistratsabteilungen eng eingebunden sein werden. In diesem Rahmen wird eine
Überprüfung und Adaptierung bestehender Verfahrensregeln für Beschaffungsprozesse
durchgeführt werden, um im Einklang mit den neuen europäischen und nationalen
Richtlinien rechtliche und administrative Hindernisse für eine innovationsorientierte
Beschaffung abzubauen und durch innovationsorientierte Anreize zu ersetzen (z.B.
durch Einführung neuer Kriterien und Prozessschritte). Als drittes Element dieser
Initiative ist geplant, ausgewählte Pilotprojekte zur innovationsorientierten Beschaffung
umzusetzen und zu evaluieren, um auf der Grundlage erster Praxiserfahrungen die
neuen Verfahrensregeln zu verbessern. Hierbei kann auf bestehende Erfahrungen mit
Projekten wie ÖkoKauf Wien aufgebaut werden, das auf eine nachhaltigkeitsorientierte
Beschaffungspraxis ausgerichtet ist.
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Startprojekt 5: ZIT 08 plus
Die Novellierung der Förderrichtlinien für die angewandte Forschungs- und
Innovationsförderung des ZIT zielt darauf ab, die bisherige Förderpraxis der Stadt weiter zu
verbessern und insbesondere neue Angebote zu ermöglichen. Hierbei werden zum einen durch
Anpassungen bei den Begutachtungskriterien eine höhere Risikobereitschaft unterstützt und
Prinzipien des Gender Mainstreaming mehr Geltung verschafft. Zum anderen können auf der
Basis der neuen Richtlinien auch bislang nicht im Fokus stehende Adressatenkreise
angesprochen werden, beispielsweise durch die Unterstützung der Antragstellung für EUProjekte durch KMUs.
Konkret werden ab 2008 die folgenden Neuerungen eingeführt:
•
Thematische Anpassung der F&E-Calls, durch die zum einen eine bessere Arbeitsteilung
mit dem Bund erreicht werden soll und in deren Rahmen sich die Stadt Wien stärker auf die
betriebliche Innovationsförderung konzentrieren wird. Zum anderen können neben den
technologischen Stärken in Zukunft auch urbane Herausforderungen zu Themen von F&ECalls werden.
•
Innovationsförderung für KMUs und DienstleisterInnen, die bislang häufig durch das Raster
der betrieblichen Forschungsförderung gefallen ist. Dadurch können auch Unternehmen, die
zwar innovationsaktiv sind, aber keine eigene F&E betreiben, Förderungen beantragen. Bei
diesem Adressatenkreis ist Innovation zumeist kein separater (z.B. in einer
Forschungsabteilung) gegliederter Prozess, sondern voll in die betrieblichen Abläufe
integriert.
•
Anbahnung internationaler und nationaler Kooperationen, insbesondere für KMUs. Durch
diese Maßnahme soll die Einstiegsschwelle für KMUs, sich an regionalen, europäischen
oder internationalen Forschungskooperationen zu beteiligen, herabgesetzt werden (vgl.
Handlungsfeld 5 „Forschungs- und Innovationsstandort in Europa“).
•
Verstärkung der Bedeutung des Gender Mainstreamings bei der betrieblichen Förderung,
das beispielsweise durch Boni für von Frauen geleitete Projekte, durch die Berücksichtigung
von Gender Mainstreaming-Aspekten bei der Antragsbeurteilung, durch eine
gendergerechte Besetzung von Jurys und den Aufbau eines genderdifferenzierenden
Monitoring-Systems umgesetzt werden wird.
•
Weitere Neuerungen beziehen sich auf die Unterstützung des internen Innovations- und
Wissensmanagements durch Wissensbilanzen und die Förderung von Maßnahmen, die sich
explizit an die breite Öffentlichkeit richten und geeignet sind, das Technologieverständnis
und -bewusstsein zu erhöhen.
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Weiters kam im Rahmen des FTI-politischen Strategieprozesses zur Sprache, dass für eng
begrenzte Zielgruppen in Wien der Zugang zu Venture Capital nach wie vor ein
Innovationshindernis darstellen könnte. Genannt wurden Mikro-Unternehmen, spezielle
Verzögerungen in der Umsetzung, aber auch die Verwertung von Forschungsergebnissen,
insbesondere der universitären Forschung. Oft würden vielversprechende
Forschungsergebnisse noch eines weiteren Schrittes hin zur Prototypenentwicklung bedürfen,
um in der Folge über Lizenzen eine wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen. Als Instrument
wurden in diesem Zusammenhang sogenannte „Ignition Grants“ diskutiert, durch die
Universitäten und grundlagenorientierte Forschungseinrichtungen besser in die Lage versetzt
werden könnten, funktionsfähige (und damit leichter lizenzierbare) Prototypenanwendungen zu
realisieren.
4.3.5 Forschungs- und Innovationsstandort in Europa: Wien als internationaler
Netzwerkknoten
Forschung und Innovation in der wissensbasierten Gesellschaft sind international. Der Zugang
zu den besten Quellen des Wissens, der Austausch mit anderen und die Kommerzialisierung
der Ergebnisse des eigenen Wissens finden auf der europäischen und zunehmend auch auf
globaler Ebene statt. Um auf internationaler Ebene als einer der führenden Forschungs- und
Innovationsstandorte anerkannt zu werden, ist neben dem Ausbau von sichtbaren
Schwerpunkten auch die internationale Vernetzung der Wiener FTI-Organisationen wesentlich.
Hiervon sind auch kleinere Unternehmen betroffen, wenn sie an internationalen Wissensflüssen
und Märkten partizipieren wollen.
Es sind bereits heute Wiener F&E-AkteurInnen prominent in den europäischen F&EProgrammen präsent; allerdings erfolgt die Vernetzung vornehmlich über einige wenige große
universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen, mit unterschiedlichen Gewichtungen je nach
Forschungsfeld. 12 Die Beteiligung von Wiener Unternehmen, insbesondere von KMUs, bedarf
hingegen noch einer Ausweitung. Über F&E-Kooperationen hinaus gilt es bei dieser Zielgruppe
aber auch, die Präsenz auf neuen internationalen Märkten auszuweiten.
Ein zweiter zentraler Ansatzpunkt, um Wissens- und Netzwerkressourcen der Stadt für das
Wachstum von Wiener Stärkefeldern zu nutzen, liegt in der Stärkung der
Kooperationsbeziehungen zu den Regionen im Umland bzw. den angrenzenden
Nachbarstaaten, sowie im gesamten zentral- und osteuropäischen Raum. Die Einbindung
Wiens in die entstehende Europa-Region CENTROPE und die damit verbundene
wechselseitige Abstimmung von Entscheidungsprozessen der Nachbarregionen in Südmähren,
der Westslowakei und Westungarn können als Mechanismus genutzt werden, um
grenzüberschreitende Forschungs-, Innovations- und
12
Vgl. Wagner-Luptacik, P. & Heller-Schuh, B. (2007): Detailanalysen zu Wiener F&E-Netzwerken WissenschaftWirtschaft, Working Paper, ARC-sys/ZIT-0026
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Bildungskooperationen zu initiieren und zu koordinieren. Durch Qualifizierungspakete und
inhaltliche Schwerpunkte, die in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten in den
Nachbarländern angeboten werden – und für die Mittel der europäischen Regionalpolitik
mobilisiert werden können – kann Wien zu einem Ort werden, an dem „Central European
Research“ betrieben wird. Zu gewinnen ist bei einer solchen Strategie nicht nur eine
gesamtregionale Bündelung von FTI-Ressourcen, sondern auch eine herausragende
Positionierung im europäischen Forschungs- und Bildungsraum sowie zusätzliche
Wahrnehmbarkeit in den USA, Japan und Asien.
Die Wiener Universitäten und auch zahlreiche Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre
Kontakte in den CENTROPE-Raum intensiviert. Dennoch wird das Potenzial, das dieser Raum
besitzt, bislang nur unzureichend genutzt. Dies manifestiert sich nicht zuletzt in dem eher
geringen Interesse, das von Seiten junger WissenschafterInnen einem Forschungsaufenthalt in
Wien entgegengebracht wird.
In Rahmen der zunehmenden Internationalisierung von FTI in Wien wird die Stadt daher einen
besonderen Schwerpunkt auf den Ausbau der Beziehungen in den CENTROPE-Raum legen.
Neben einem gezielten Paket zur Hebung der Mobilität von jungen WissenschafterInnen (vgl.
auch Handlungsfeld 1 „Humanressourcen“) werden Maßnahmen angestoßen, um die
Vernetzung in und den Kenntnisstand über CENTROPE zu verbessern. Maßnahmen in
anderen Handlungsfeldern, insbesondere auch die internationale Seite der Wiener
Kommunikations- und Awareness-Agenda, werden hierbei flankierend eingesetzt.
Konkret setzt die Stadt folgende Maßnahmen:
•
CENTROPE Mobilitätsprogramm (Startprojekt): Als Maßnahme, die zum einen ein
hohes Maß an Sichtbarkeit und Symbolkraft besitzt, zum anderen aber auch den
langfristigen Charakter des Ausbaus der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in
CENTROPE unterstreicht, wird die Stadt Wien ein CENTROPE Mobilitätsprogramm
einrichten. Das Zusammenwachsen des CENTROPE-Raums wird einen Zeitraum von
dreißig oder mehr Jahren in Anspruch nehmen. Erst eine neue Generation von
Studierenden und NachwuchswissenschafterInnen, die in diesem Raum ausgebildet
wurden und gearbeitet haben, wird ihn mit Leben erfüllen können. Auch wirken junge,
gut ausgebildete Menschen als Multiplikatoren, die ihre Erfahrungen an andere
weitervermitteln. Wien kann dabei eine wichtige Drehscheibenfunktion übernehmen. Mit
dieser Maßnahme zielt die Stadt darauf ab, Risiken abzufedern, die sich für
Gaststudierende und GastwissenschafterInnen in Wien stellen. Neben existierenden
aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Hemmnissen stehen oft kaum kalkulierbare bzw.
finanzierbare Lasten einem Standortwechsel nach Wien im Weg. Es wird daher ein
kompaktes Unterstützungspaket für Studierende und ForscherInnen aus den
zentraleuropäischen Ländern geschnürt werden, das den Aufenthalt in Wien
kalkulierbarer und finanzierbar macht.
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•
Forschen über CENTROPE: Die Kenntnisse und das Verständnis der verschiedenen
CENTROPE-Partnerregionen sind noch zu wenig ausgeprägt. Über die konkreten
Rahmenbedingungen und Inhalte von FTI ist noch wenig bekannt, und
dementsprechend auch über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im CENTROPERaum. Die Institutionen und ihre Aufgaben auf der jeweils anderen Seite der Grenze
bleiben oft diffus und unklar. Die Stadt Wien wird daher ein Projekt „Forschen über
CENTROPE“ initiieren, das dem Ziel dient, die Potenziale zukünftiger Formen der
Kooperation im Detail besser zu erkennen und das die Grundlagen liefert, um diese
Kooperationen in der Folge mit entsprechenden Maßnahmen bedienen zu können.
•
Internationalisierungsunterstützung für KMUs: Die Internationalisierung von Wiener
F&E-Einrichtungen und größeren Unternehmen ist in den vergangenen Jahren deutlich
forciert worden. Im Bereich der – in Wien sehr bedeutsamen – KMUs wird die
Internationalisierung nicht nur in Bezug auf F&E bzw. Innovation, sondern auch im
Hinblick auf Märkte als große Hürde wahrgenommen, die dem raschen Wachstum
aufstrebender Unternehmen entgegensteht. Zusätzlich zu den bisherigen
Unterstützungen für die Anbahnung internationaler Kooperationen von KMUs (z.B. durch
die Internationalisierungsförderung des WWFF) ist ein weiterer Ausbau der Maßnahmen
notwendig und sinnvoll. Ein erster Schritt wird mit der Verbesserung der Möglichkeiten
für Anbahnungsfinanzierungen für Projekte des EU-Rahmenprogramms im Rahmen der
Novellierung der Förderrichtlinien des ZIT („ZIT 08 plus“) gesetzt.
•
Bewerbung als EIT-Standort: Mit der Initiative, sich um den Sitz des European Institute
of Technology (EIT) zu bewerben, setzt die Stadt Wien ein deutliches Signal im Hinblick
auf eine weitere Europäisierung des Forschungsstandorts. Durch eine erfolgreiche
Bewerbung können weitere Initiativen ausgelöst werden, durch die sich die Einbindung
Wiens in die geplanten Wissens- und Innovationsgemeinschaften im Rahmen des EIT
verstärken ließe.
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Startprojekt 6: CENTROPE Mobilitätsprogramm
Mit dem CENTROPE Mobilitätsprogramm als langfristig ausgerichteter Maßnahme wird das Ziel
verfolgt, zum Zusammenwachsen der grenzüberschreitenden Region beizutragen. Es versucht
dies über das Heranziehen einer neuen Generation von Studierenden und WissenschafterInnen
zu erreichen, die CENTROPE als ihre intellektuelle Heimat begreifen und dieses Verständnis
auch weiterzuvermitteln in der Lage sind. Durch Anreize, Welcome-Maßnahmen und die
Abfederung von Risiken und Unsicherheiten, die mit einem Aufenthalt in Wien verbunden sind,
sollen die Schwellen für einen Gastaufenthalt herabgesetzt werden. Wien wird dabei als
Vorreiterin zunächst nur für jene Angebote werben, die die Stadt selbst anbieten kann.
Mittelfristig könnte das Mobilitätsprogramm in äquivalenter Weise aber auf die wichtigsten
Standorte in den Nachbarregionen ausgeweitet werden.
Die Stadt wird hierfür ein kompaktes Unterstützungspaket für Studierende und ForscherInnen
aus den zentraleuropäischen Ländern schnüren, das den Aufenthalt in Wien kalkulierbar und
finanzierbar macht. Leistungen werden neben Stipendien insbesondere auch Informations- und
Vermittlungsangebote umfassen, die auf die spezifische Situation der betreffenden Bezug
nehmen (vgl. auch Handlungsfeld 1 „Humanressourcen“). Als Analogie bietet sich u.a. das
amerikanische Fulbright-Programm an, das dem bilateralen Austausch von StudentInnen und
ProfessorInnen dient. Konkret werden folgende drei Elemente verfolgt:
•
Doctoral Schools: Um den Zustrom und Austausch von Studierenden aus CENTROPE zu
erhöhen, werden grenzüberschreitende PhD- bzw. Doktoratsprogramme mit dem
zentraleuropäischen Raum eingerichtet.
•
Summer Schools: Als zweites Instrument werden gemeinsame Summer Schools
eingerichtet, die Themen von Interesse für die CENTROPE-Region behandeln.
•
Stipendien und Gastprofessuren: Erfahrenen WissenschafterInnen wird die Möglichkeit
eröffnet werden, längere Forschungsaufenthalte an anderen CENTROPE-Standorten
wahrzunehmen.
Die beiden Instrumente setzen am zentralen Hebel Humanressourcen für Wissenschaft und
Forschung an, gleichzeitig handelt es sich um Maßnahmen mit hohen potenziellen
Multiplikatoreffekten. Die Ausschreibungskriterien der zu fördernden Stipendien, Doctoral
Schools und Summer Schools werden an thematische Schwerpunkte der Stadt angekoppelt
sein oder das Thema CENTROPE selbst in den Mittelpunkt stellen. Instrumentell kann an
Maßnahmen des Handlungsfelds 1 „Humanressourcen“ angeknüpft werden.
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Neben den oben genannten Maßnahmen wurde im FTI-politischen Strategieprozess auch die
Bedeutung, grenzüberschreitender Plattformen mit FTI-Bezug für die Entwicklung der
CENTROPE-Region hervorgehoben („CENTROPE-Partnerschaften“). Im Mittelpunkt stand die
Weiterentwicklung konkreter Formen des Austausches und der Zusammenarbeit. Betont wurde
etwa die Öffnung von Förderprogrammen für Partner aus den Nachbarregionen und die
Zusammenarbeit beim Aufbau miteinander kompatibler Förderinstrumentarien.
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Anhang 1: Mitwirkende bei der Strategieerstellung
1.
Anton Amann, Universität Wien, Institut für Soziologie
2.
Eugen Antalovsky, Europaforum Wien
3.
Ursula Baatz, Universität Wien, Institut für Philosophie und ORF Hörfunk
4.
Christian Bartik, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
5.
Herbert Bartik, Europaforum Wien
6.
Wilhelm Behensky, FH Campus Wien
7.
Nadja Bergmann, L&R Sozialforschung
8.
Thomas Berndt, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
9.
Gudrun Biffl, WIFO Österreichisches Wirtschaftsforschungsinstitut
10.
Barbara Blaha, Österreichische HochschülerInnenschaft Bundesvertretung
11.
Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Universität Wien, Institut für Wirtschafts- und
Sozialgeschichte
12.
Susanne Brandsteidl, Stadtschulrat für Wien, Präsidium
13.
Eva Buchinger, ARC Austrian Research Centers
14.
Wolfgang Cerny, ARC Austrian Research Centers GmbH
15.
Rupert Corazza, Stadtschulrat für Wien
16.
Eva Czernohorszky, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
17.
Jens S. Dangschat, Technische Universität Wien, Department für Raumentwicklung,
Infrastruktur- und Umweltplanung
18.
Hubert Dürrstein, BOKU-Universität für Bodenkultur
19.
Henrietta Egerth, FFG-Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH
20.
Hubert Christian Ehalt, Magistrat der Stadt Wien, MA 7, Kultur und Wissenschaft
21.
Josef Ehmer, Universität Wien, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
22.
Hans Emrich, Emrich Consulting
23.
Norbert Erlach, Architekturbüro Erlach
24.
Stefan Ehrlich-Adam, EVVA-Werk, Spezialerzeugung von Zylinder- und
Sicherheitsschlössern
25.
Ulrike Felt, Universität Wien, Institut für Wissenschaftstheorie und
Wissenschaftsforschung
26.
Peter Fleissner, Technische Universität Wien, Institut für Gestaltungs- und
Wirkungsforschung
27.
Josef Fröhlich, ARC Austrian Research Centers GmbH
Seite 61 von 67
28.
Christian Gallei, Visual Artist
29.
Andre Gingrich, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für
Sozialanthropologie
30.
Michaela Glanz, WWTF Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds
31.
Emmanuel Glenck, FFG-Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH
32.
Herbert Gottweis, Universität Wien, Institut für Politikwissenschaften
33.
Sonja Hammerschmid, Austria Wirtschaftsservice, Life Science Austria (LISA)
34.
Christian Härtel, Magistrat der Stadt Wien, MA 18 - Stadtentwicklung und
Stadtplanung
35.
Michael Hecht, Fellner, Wratzfeld & Partner Rechtsanwälte GmbH
36.
Siegrun Herzog, Europaforum Wien
37.
Josef Hochgerner, ZSI - Zentrum für Soziale Innovation
38.
Johannes Höhrhan, IV Vereinigung der Österreichischen Industrie Wien
39.
Claus Hofer, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
40.
Andrea Holzmann-Jenkins, Wissenschaftszentrum Wien
41.
Manfred Horvat, Konsulent
42.
Gernot Hutschenreiter, WIFO-Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
43.
Harald Isemann, IMP-Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie GmbH
44.
Fredy Jäger, Siemens Österreich AG, Unternehmensentwicklung
45.
Brigitte Jank, Wirtschaftskammer Wien
46.
Brigitte Jilka, Wien Holding GesmbH
47.
Johann Jurenitsch, Universität Wien
48.
Dieter Kaiser, Wiener Kreditbürgschaftsgesellschaft m.b.H.
49.
Peter Kampits, Universität Wien, Institut für Philosophie
50.
Alexander Kaufmann, ARC Austrian Research Centers GmbH
51.
Hermann Knoflacher, Technische Universität Wien, Institut für Verkehrsplanung und
Verkehrstechnik
52.
Markus Kommenda, ftw. Forschungszentrum Telekommunikation Wien BetriebsGmbH
53.
Helmut Konrad, Universität Graz
54.
Robert Korab, Raum & Kommunikation Korab KEB
55.
Klaus Kubeczko, ARC Austrian Research Centers GmbH
56.
Rüdiger Lainer, Rüdiger Lainer + Partner Architekten ZT GmbH
Seite 62 von 67
57.
Angelika Lantzberg, Magistrat der Stadt Wien, MA 7 - Kultur und Wissenschaft
58.
Konrad Paul Liessmann, Universität Wien, Institut für Philosophie
59.
Michael Ludwig, SPÖ-Wien, Wiener Landtag
60.
Johannes Lutter, Europaforum Wien
61.
Thomas Madreiter, Magistrat der Stadt Wien, MA 18 - Stadtentwicklung und
Stadtplanung
62.
Gottfried Magerl, Technische Universität Wien, Institut für Elektrische Mess- und
Schaltungstechnik
63.
Gunther Maier, Wirtschaftsuniversität Wien
64.
Sabine Masek, Europaforum Wien
65.
Peter Mayerhofer, WIFO-Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
66.
Maria Mesner, Universität Wien, Projekt Lehrentwicklung
67.
Kurt Mittringer, Magistrat der Stadt Wien, MA 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung
68.
Gerald Murauer, Gerald Murauer & Partner Strategic Consulting
69.
Helmut Naumann, Wirtschaftskammer Wien, Wirtschaftspolitische Abteilung
70.
Thomas Neubauer, Symena Software & Consulting GmbH
71.
Thomas Neuroth, ftw. Forschungszentrum Telekommunikation Wien Betriebs-GmbH
72.
Helga Nowotny, Scientific Council des ERC
73.
Thomas Oliva, IV Vereinigung der Österreichischen Industrie
74.
Gabriela Ondrejkovics Fernandes, FH St. Pölten
75.
Gottfried Pirhofer, Zukunfts.Station Wien
76.
Marianne Popp, Universität Wien, Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik
77.
Andreas Prybila, Wirtschaftskammer Wien, Abteilung Verkehrspolitik und Stadtplanung
78.
Kurt Puchinger, Magistrat der Stadt Wien, MD-BD Gruppe Planung
79.
Oliver Rathkolb, Ludwig Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und
Öffentlichkeit
80.
Michael Rauhofer, INiTS- Universitäres Gründerservice Wien GmbH
81.
Bernd Riessland, WWFF-Wiener Wirtschaftsförderungsfonds
82.
Eveline Ronge, Marketing Communications
83.
Edith Saurer, Universität Wien, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
84.
Susanne Schelepa, L&R Sozialforschung
85.
Arnold Schmidt, Technische Universität Wien, Institut für Photonik
86.
Walter Schmidt, AFFIRIS GmbH
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87.
Wendelin Schmidt-Dengler, Universität Wien, Institut für Germanistik
88.
Christof Schremmer, ÖIR - Österreichisches Institut für Raumplanung
89.
Andreas Schwarcz, Universität Wien, Institut für Geschichte
90.
Sonja Sheikh, KMU Forschung Austria
91.
Barbara Sporn, Wirtschaftsuniversität Wien, Department Universitätsführung und
Innovation
92.
Michael Stampfer, WWTF Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds
93.
Edeltraud Stiftinger, Siemens
94.
Sybille Straubinger, Wiener Landtag
95.
Susanne Strobl, Magistrat der Stadt Wien, MA 7 - Kultur und Wissenschaft
96.
Petra Stuiber, Der Standard
97.
Dorothea Sturn, FFG-Österreichische Forschungsförderunges.m.b.H.
98.
Emmerich Talos, Universität Wien, Institut für Staats- und Politikwissenschaft
99.
Klaus Taschwer, Falter Verlags GmbH, heureka
100. Gunther Tichy, Konsulent / Foresightexperte
101. Brigitte Tiefenthaler, Rat für Forschung und Technologieentwicklung
102. Tanja Tötzer, ARC Austrian Research Centers GmbH
103. Robert Triendl, Konsulent / Technologieberater
104. Elisabet Unger, Magistrat der Stadt Wien, MA 27 - EU-Strategie und
Wirtschaftsentwicklung, Referat Technologie und Forschung
105. Andrea van Oers, Magistrat der Stadt Wien, MA 27 - EU-Strategie und
Wirtschaftsentwicklung, Referat Technologie und Forschung
106. Alexandra Vogl, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
107. Petra Wagner-Luptacik, ARC Austrian Research Centers GmbH
108. Christine Wanzenböck, Magistrat der Stadt Wien, MA 27 - EU-Strategie und
Wirtschaftsentwicklung, Referat Technologie und Forschung
109. Matthias Weber, ARC Austrian Research Centers GmbH
110. Manfried Welan, Universität für Bodenkultur
111. Verena Winiwarter, ZUG - Zentrum für Umweltgeschichte
112. Ruth Wodak, Universität Wien, Institut für angewandte Sprachwissenschaften
113. Kurt Woletz, Fachhochschule Technikum Wien, Management, Wirtschaft, Recht
114. Alexander Wolffhardt, Europaforum Wien
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115. Christian Wurm, Magistrat der Stadt Wien, MA 27 - EU-Strategie und
Wirtschaftsentwicklung, Referat Technologie und Forschung
116. Gabriele Zimmermann, Büro des Stadtrats für Stadtentwicklung und Verkehr
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Anhang 2: ProponentInnen
1. Christoph Badelt, Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz
2. Johannes Bardach, Geschäftsführer Frequentis GmbH
3. Knut Consemüller, Vorsitzender Rat für Forschung und Technologieentwicklung
4. Brigitte Ederer, Vorstandsdirektorin Siemens AG Österreich
5. Alexander von Gabain, Vorstand Intercell AG
6. Alfred Hochleitner, Präsident Industriellenvereinigung Wien
7. Brigitte Jank, Präsidentin Wirtschaftskammer Wien
8. Georg Kapsch, Vorstandsvorsitzender Kapsch Gruppe
9. Helga Nowotny, Vizepräsidentin Scientific Council des ERC (European Research
Council)
10. Peter Schuster, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Seite 66 von 67
Projektleitung
Stadt Wien, Magistratsabteilung 27, EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung,
Referat Technologie und Forschung
Kontakt: Christian Wurm, Andrea van Oers, Elisabet Unger, Christine Wanzenböck
1010 Wien, Doblhoffgasse 6
T +43-1-4000 27021 F +43-1-4000 9927021
christian.wurm@wien.gv.at; www.wien.at/forschung
Panel 1 – Forschung, Technologie und Innovation (FTI) im Unternehmenssektor
Claus Hofer, ZIT - Zentrum für Innovation und Technologie
hofer@zit.co.at; www.zit.co.at
Panel 2 – Forschungsschwerpunkte und Wissenstransfer
Michael Stampfer, WWTF - Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds
michael.stampfer@wwtf.at; www.wwtf.at
Panel 3 – Wissenschaft und Gesellschaft
Hubert-Christian Ehalt, Stadt Wien, MA 7 Kultur, Referat Wissenschaft
hubert.ehalt@wien.gv.at; www.magwien.gv.at
Panel 4 – Wissenschaft und Stadtplanung für den Forschungsstandort
Thomas Madreiter, Stadt Wien, Leiter MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung
thomas.madreiter@wien.gv.at; www.magwien.gv.at
Wissenschaftlicher Partner
systems research, Austrian Research Centers GmbH – ARC
Kontakt: Matthias Weber, Alexander Kaufmann, Klaus Kubeczko
1020 Wien, Tech Gate Vienna, Donau-City-Strasse 1
T +43-50550-4560 F +43-50550-4599
matthias.weber@arcs.ac.at; www.systemsresearch.ac.at
Veranstaltungsmanagement, Beratung und Kommunikation
Europaforum Wien, Zentrum für Städtedialog und Europapolitik
Kontakt: Eugen Antalovsky, Alexander Wolffhardt, Sabine Masek
1060 Wien, Rahlgasse 3/2
T +43-1-5858510-0 F +43-1-5858510-30
institut.efw@europaforum.or.at; www.europaforum.or.at
Graphik, Künstlerische Gestaltung
Christian Gallei, www.gallei.at
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