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Hoffnung, das Beste was einem passieren kann - Landesverband

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ApK-unb-2013-12-05_unbeirrbar-Dezember-2013 05.12.13 16:40 Seite 1
Ausgabe Dezember 2013/Nr. 44
Hoffnung, das Beste was einem passieren kann
N
iemand würde sich anstrengen,
Ist es Veranlagung – der eine ist eben
Resignation und Hoffnungslosigkeit. Für
niemand würde Pläne und Ziele
Optimist und der andere Pessimist? Der
einen kranken Menschen ist der Arzt ein
entwickeln, niemand würde umsichtig mit
Schlüssel für das Bewahren von Hoffnung
solcher Partner. Er hat großen Einfluss da-
sich umgehen, wenn er glauben müsste, es
und Zuversicht, ist der Glaube, dass es sich
rauf, ob der Patient positiv oder resignie-
wäre umsonst. Niemand kann auf Dauer
lohnt, zu kämpfen. Und erfolgreich kämp-
rend mit der Krankheit umgeht, ob er auf
ohne Hoffnung leben, von einer annehm-
fen kann nur, wer ein Ziel vor Augen hat,
Besserung hofft, an seine Selbstheilungs-
baren Lebensqualität ganz zu schweigen.
und sei es noch so weit entfernt, und sich
kräfte und Selbsthilfefähigkeiten glaubt,
Von Menschen, die in lebensbedrohlichen
Vertrauen in die eigene Kraft bewahrt hat.
das heißt, ob er aufgibt oder nicht. Kann
Situationen waren, wird erzählt, dass es die
Hoffnung war, die sie am Leben erhalten
Hoffnung braucht Partner
ein Mensch, ob Arzt oder Freund denn
beurteilen, wann die Lage aussichtslos
hat. Sie hatten ein Ziel vor Augen und
Das allein reicht nicht, wenn es da nicht
ist? Ist es nicht immer sinnvoll zu hoffen
glaubten fest an ein gutes Ende. Das ver-
Menschen gibt, die ermuntern und die
und alle seine Kräfte auf ein Ziel zu rich-
lieh ihnen ungeahnte Kräfte.
Hoffnung und Zuversicht für uns und mit
ten? Wer aufgibt hat ganz sicher verloren,
Ein schwerer Schicksalsschlag, eine
uns bewahren, mit denen wir in mutlosen
wer Hoffnung bewahrt, bewahrt sich
schlimme Diagnose, der Verlust eines
Tagen verloren gegangenen Glauben an
Fortsetzung auf Seite 2
Menschen und viele andere Notlagen kön-
eine gute Zukunft wieder hervorholen kön-
nen Menschen in tiefe Verzweiflung und
nen. Weit entfernt davon, ein Glaube an
Resignation stürzen. Manchen gelingt es
Wunder zu sein, braucht Hoffnung, um zu
nie, sich daraus wieder zu befreien, andere
wachsen und fortzubestehen, Verständnis
fassen wieder Mut und Hoffnung und
und
gewinnen aus der erfolgreichen Überwin-
Menschen.
dung sogar an Selbstvertrauen und Ausgeglichenheit. Wie ist das möglich?
Ehrlichkeit
von
nahestehenden
Hoffnung braucht Partner, das sind
Menschen, die wie ich sich wehren gegen
NEUES AUF EINEN BLICK
Inhalt
Hoffnung, das Beste was
einem passieren kann
Seite
1-3
Der Vorsitzende hat das Wort
2
Editorial
3
Interview: Forensik heute und morgen 4-7
Balance zwischen
Selbstsorge und Fürsorge
8
Neuer EX-IN Kurs in München
8
Zwei neue AngehörigenSelbsthilfegruppen
9
Messie-Hilfe-Telefon
9
Neuer Termin für Schwerpunktkur
Weihnachtsurlaub
Wertebündnis Bayern
10
Die von den evangelischen Mütterkurhei-
In der Zeit vom 21.12.2013 bis 06.01.2014
Bayerischer Bezirketag
10
men in Württemberg e.V. in Zusammen-
bleibt die Geschäftsstelle des Landes-
arbeit mit dem Bundesverband der Ange-
verbandes geschlossen. Die Geschäfts-
Die Psychiatrie –
eine Zumutung für die Familie?
10
hörigen Kranken e.V. (BApK) angebotene
stellenleiterin Alexandra Chuonyo macht
Kur für Mütter und Partnerinnen von psy-
Weihnachtsurlaub. Sie wünscht allen
chisch kranken Menschen findet 2014 nicht
Mitgliedern des Verbandes und allen
im Herbst, sondern bereits im Frühjahr
Kooperationspartnern eine angenehme
statt. Der Termin ist vom 02. bis 23.04.2014
Weihnachtszeit und bedankt sich für das
Pflegegeld auch ohne Pflegestufe
in der Frauen- und Mütterkurklinik in Bad
ihr in vielen Gesprächen entgegenge-
Festhalten statt Festschnallen
Wurzach. Interessentinnen für diese Kur
brachte Vertrauen.
Die Schizophrenie ist nicht schizophren 14
müssen sich daher sehr bald anmelden
Im neuen Jahr ist sie wieder für Ihre
Hans und die Hoffnung
15
unter Telefon 0711 /2 29 36 32 42, um sich
Anliegen und die vielfältigen Aufgaben
Abschied von Ruth Friedel
15
einen der begehrten Plätze zu sichern.
des Landesverbandes da.
Schon gelesen/Termine/Impressum
16
Die Psycho-Demo in München
11
Abfallbeseitigung im Gehirn
11
EUFAMI wurde 20: Happy Birthday!
12
Psychotherapeut gesucht
12
Psychotherapie durch die Hintertür
13
13
13-14
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Seite 2
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
D E R V O R S I T Z E N D E H AT D A S W O R T
Liebe Mitglieder,
liebe Freunde und Förderer!
Ich werde oft von Angehörigen gefragt:
„Bestehen denn Chancen auf eine Heilung
der Erkrankung meines Angehörigen? Wird
er/sie wieder gesund?“ Nun ist eine psychische Erkrankung leider nicht vorhersehbar heilbar. Manche Patienten werden tatsächlich wieder gesund – aber im Vorhinein
kann das niemand wissen oder gar garantieren. Diese Frage sollte daher gar nicht gestellt
werden, es gibt keine Antwort darauf. Sinnvoller ist, zu fragen: was kann man tun,
damit der betroffene Mensch möglichst symptomfrei wird und bleibt und wieder eine hohe
Lebensqualität erzielt und aufrechterhalten
kann? Und hierfür gibt es eine ganze Anzahl an Möglichkeiten: medikamentöse
Behandlung, Psychotherapie, das RecoveryKonzept (siehe Juni-Ausgabe von unbeirrbar), Teilnahme an Selbsthilfegruppen,
Psychoedukation, Stressmanagement und
und und. Allerdings: eine Garantie für die
völlige Vermeidung eines Rückfalls gibt es
nicht, auch nicht bei bestmöglicher Nutzung
aller vorbeugenden Maßnahmen. Ich kenne
aber zahlreiche betroffene Menschen, die
gelernt haben, gut mit ihrer psychischen
Erkrankung umzugehen, und die ein weitestgehend „normales“ Leben führen können.
Außerdem schreitet auch die medizinische
Wissenschaft fort. Geben Sie also die
Hoffnung nicht auf!
Die nächste häufige
Frage ist die Frage
nach der Ursache:
„Warum ist meine
Tochter/mein Sohn/
meine Frau krank
geworden?“ Auch darauf werden Sie keine Antwort erhalten. Psychische Erkrankungen sind „multifaktorielle Erkrankungen“,
das heißt, sie haben fast nie nur eine einzige
Ursache (außer vielleicht einen bleibenden
Hirnschaden durch einen Motorradunfall)
sondern ein ganzes Bündel von Ursachen.
Hier spielt u.a. die genetische Veranlagung
mit, die Lebensumstände und das soziale
Umfeld. Unvermeidlich stellt sich in diesem
Zusammenhang die Frage: „Was habe ich
falsch gemacht?“ und damit die Frage nach
der Schuld. Nun, meist haben Sie als Angehöriger gar nichts falsch gemacht, zumindest
nicht absichtlich. Damit erübrigt sich das
Grübeln über eine mögliche Schuld oder Mitschuld. Wir alle machen natürlich Fehler (niemand ist bekanntlich vollkommen), aber
„schuldig“ sind wir deshalb noch lange nicht.
Erst wenn wir wider besseres Wissen die gleichen Fehler immer wieder machen, werden wir
schuldig, denn dann haben wir fahrlässig oder
vorsätzlich gehandelt. Lassen sie sich also
keine Schuldgefühle einreden, weder durch
Betrof fene noch durch die Verwandt- und
Bekanntschaft, die ja manchmal glaubt, alles
besser zu wissen. Reden Sie im Zweifelsfall
mit uns.
Auch werde ich aufgrund des Misstrauens vieler Menschen gegen Psychopharmaka immer
wieder gefragt: gibt es denn nicht „alternative“
Heil- und Behandlungsmethoden? Nun, viele
Leute behaupten, so etwas gäbe es. Dahinter
versteckt sich jedoch ein Milliardenmarkt!
Hier ist daher größte Vorsicht geboten: esoterische Methoden helfen in aller Regel nur dem
Geldbeutel des Anbieters, und auch manches,
was sogar in Apotheken angeboten wird, ist
Mumpitz. Auch wenn eine solche „alternative“ Methode einigen Betroffenen vielleicht
scheinbar oder tatsächlich geholfen hat (Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen), ist
die Gefahr groß, dass sie den meisten Menschen eben nicht hilft, möglicherweise sogar
schadet, oder zumindest unnötig Geld kostet.
Hier hilft nur, sich eingehend zu informieren.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein
frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das
kommende Jahr 2014.
Ihr
Karl Heinz Möhrmann
1.Vorsitzender
FÜR UNS SELBST
Fortsetzung von Seite 1
Hoffnung, das Beste was einem passieren kann
Chancen. Ihm gelingt es verborgene
ist un möglich, die Hoffnung auf Ge -
Arbeitsplatz
Kräfte zu mobilisieren.
nesung in sich zu bewahren, wenn die
Freunden nicht wieder angenommen zu
Erwartungen auf ein Leben nach der
werden und neue nicht zu finden, moti-
Erkrankung so gar nichts Erstrebens-
viert nicht, sich zu bemühen. Die
wertes, gar nichts Verlockendes oder
Hoffnung läuft ins Leere und findet kei-
einer
Sinnvolles bieten. Die Aussicht, sich
nen Platz, auf den sie sich stützen kann.
schweren Erkrankung nicht unterkriegen
gesund zu fühlen, wieder einsteigen zu
Und selbst positive Beispiele prallen an
zu lassen, nämlich einen Sinn darin zu
wollen und zu können, aber von der
dem Menschen ab, wie Hagelkörner an
sehen, sich anzustrengen, zu kämpfen. Es
Gesellschaft abgeschoben zu sein, keinen
der Fensterscheibe.
Hoffnung braucht Zukunft
Und noch etwas gehört dazu, sich von
einem
Schicksalsschlag
oder
zu
finden,
von
alten
Fortsetzung auf Seite 3
ApK-unb-2013-12-05_unbeirrbar-Dezember-2013 05.12.13 16:40 Seite 3
Dezember 2013/Nr. 44
unbeirrbar
Seite 3
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser!
Als eifrige Leser unseres unbeirrbar wissen
Sie es längst: unsere Dezemberausgabe ist
keine, wie viele erwarten könnten, besinnliche, reich mit Bildern von Tannenzweigen
und Kerzen verzierte Weihnachtsausgabe.
Nein, wir sind der Meinung, unsere Themen sind unseren Lesern viel zu wichtig und
der Umfang unserer Verbandszeitung ist zu
gering, als dass wir viel Platz für andere
Themen einräumen könnten, die von ganz
vielen Blättern wochenlang ausführlich, kitschig oder ernsthaft behandelt werden.
Weihnachten ist zweifelsohne für Menschen,
die mit seelischen Beeinträchtigungen zu tun
haben, eine emotional belastende Zeit.
Kaum jemand kann sich dem Sturm von
Gefühlen und Erwartungen, die bereits
Wochen vorher mit immer neuen Geschichten, Bildern, Wunsch- und Geschenkideen den inneren Stress anheizen, entziehen. Den Rat sich abzuschotten, sich nicht
vom gewinnorientierten Weihnachtstrubel
anstecken zu lassen, das ist der Wunsch
derer, die sich für diese Zeitung verantwortlich fühlen, an ihre Leserschaft. Passen Sie
auf sich auf!
„Forensik heute und morgen“, das Interview
mit dem bekanntesten und allseits anerkannten Professor für Forensische Psychiatrie Prof. Norbert Nedopil, ist so etwas, das
nicht in eine Weihnachtsausgabe zu passen
scheint. Für Menschen, die direkt oder indirekt damit zu tun haben, ist es ein Thema für
jeden Tag und jede Stunde und ganz besonders
dann, wenn alle anderen fröhlich und unbeschwert sind. Ist es nicht unser aller
Wunsch, Weihnachten, das Fest, das so viel
Hoffnung und gegenseitiges Verständnis beschwört, mit den Menschen, die uns besonders
nahe stehen, die wir lieben, zusammen zu feiern? Wie schmerzlich mag das für die sein, die
auf wahrscheinlich unabsehbare Zeit voneinander getrennt sind aufgrund einer unverschuldeten Krankheitsentwicklung? Und die sich
noch dazu mit niemandem, auch mit guten
Freunden kaum über ihre Gefühle unterhalten können, ihr Herz ausschütten können?
Auch Weihnachten werden die Medien keine
Pause machen und dick und breit von
Straftaten psychotischer Menschen berichten,
von Menschen, die krank sind und nicht
gleichzusetzen sind mit Verbrechern und
„Charakterkrüppeln“; und die Familien von
Forensikpatienten werden sich noch fester in
ihr Kämmerlein einschließen.
Hoffnung, ein anderes Thema dieser Ausgabe, hat dann in ihren Gefühlen keinen
Platz. Auf was sollen sie ihre Hoffnung
richten; Ziele wie Entlassung, ambulantes
Leben verschwimmen im Nebel von Ungewissheiten. Mit Weihnachtsfloskeln ist ihnen
nicht gedient – Hoffnung braucht ein Ziel.
FÜR UNS SELBST
Fortsetzung von Seite 2
Hoffnung, das Beste was einem passieren kann
Und so greift alles ineinander, und
Anmerkung
eines bedingt das andere. Mit der
Aufforderung, du darfst die Hoffnung
nicht aufgeben, denk positiv, ist dem von
schwerem Schicksal getroffenen Menschen ohne Zukunftsperspektive nicht
geholfen, sie kommt ihm wie Hohn vor.
Er braucht Chancen und ein lohnenswertes Ziel.
Der Landesverband bietet seinen Mitgliedern am
15. Februar 2014 ein Tagesseminar zum
Thema „Hoffnung“ an. Merken Sie sich diesen
Termin vor, wenn Sie sich mit dem Thema näher
auseinandersetzen wollen. Die Einladung zu diesem und allen anderen 2014 angebotenen
Seminaren erhalten Sie in Kürze!
Und aus dem Grund halten wir das
Interview zur Zukunft der Forensik in einer
Weihnachtsausgabe von einem Fachmann,
der nicht billigen Trost nach dem Gießkannenprinzip verteilt, für gut platziert.
Für alle Leser ist wieder etwas dabei in dieser Ausgabe, Wissenswertes, Praktisches
und auch etwas für die Seele.
Das Redaktionsteam verabschiedet sich für
dieses Jahr von seinen Leserinnen und
Lesern, nicht ohne allen ein Weihnachtsfest
zu wünschen, das Ihnen und Ihren
Nahestehenden Kraft und Zuversicht gibt.
Im neuen Jahr werden wir wieder für Sie da
sein.
Uns allen wünschen wir ein Jahr, in dem der
riesige Berg Vorurteile und Stigmatisierung
psychisch kranker Menschen kleiner wird
und die „Teilhabe“ dieser Menschen ein
Stück selbstverständlicher wird. Ohne
Hoffnung darauf, gingen wir in ein graues
Jahr.
Viele gute Wünsche unsererseits begleiten
Sie persönlich und die Ihren.
Ihre
Eva Straub
ApK-unb-2013-12-05_unbeirrbar-Dezember-2013 05.12.13 16:40 Seite 4
Seite 4
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
INTERVIEW
Forensik heute und morgen
E
va Straub im Gespräch mit Prof.
Und die Forensische Psychiatrie kombi-
Dr. med. Norbert Nedopil, Foren-
niert beides sozusagen. Das geht nicht,
sischer Psychiater. Er ist seit 22 Jahren
ohne dass eine Straftat schon begangen
Leiter der Abteilung für Forensische
worden ist, es geht auch nicht, ohne dass
Psychiatrie an der Klinik und Poliklinik für
ein Risiko vorhergesagt worden ist.
Psychiatrie
und
Psychotherapie
der
Ludwig Maximilians Universität München
und Autor zahlreicher wissenschaftlicher
Beiträge und Fachbücher.
Vermehrte Einweisungen in forensisch-psychiatrische Kliniken,
die zwangsweisen Aufenthalte dort werden länger und länger, die Forensiken
Worin unterscheidet sich die
laufen über. Woran liegt das?
Forensik von einer geschlosse-
Es ist tatsächlich so, dass zwischen 1969
nen Station einerseits und von einem
und 2010 ein relativ dramatischer Anstieg
Gefängnis andererseits?
der Einweisungen in die Forensik, also in
Ins Gefängnis kommen Menschen im
den psychiatrischen Maßregelvollzug, pas-
Allgemeinen, wenn sie eine Straftat
siert ist. 2009/ 10 ist der Gipfel erreicht
begangen haben und das Gericht die Tat
worden, und die Einweisungsrate nimmt
für so schwer erachtet, dass im Gesetz
seither wieder ein wenig aber nicht dra-
eine Gefängnisstrafe vorgesehen ist. Das
matisch ab. Tatsächlich ist ein zweiter
ist der Regelweg, alles andere ist die Aus-
Faktor zu berücksichtigen, nämlich dass
Personal dabei, das keine lange Erfahrung
nahme.
die Unterbringungsdauern deutlich länger
hat. Und das hat zu Schwierigkeiten ge-
Maßregelvollzug in der Forensik: Die Aus-
geworden sind. Sie lagen im Jahr 1995
führt. Das unerfahrene Personal ist am
nahmen passieren dann, wenn der Täter
durchschnittlich etwa bei 4 Jahren und lie-
häufigsten von Zwischenfällen betroffen,
bei der Straftat vermindert schuldfähig
gen jetzt bei 7 Jahren, sind also deutlich
sie sind ängstlicher, was auch dazu
oder nicht schuldfähig gewesen ist und
angestiegen. Das hat zu einer Zunahme
geführt hat, dass es mehr Konflikte, wie
wenn gleichwohl von ihm weitere Straf-
der Patienten in den forensischen Kliniken
z. B. Handgreiflichkeiten, gibt.
taten erwartet werden. Um das mal in
in den alten Bundesländern von 3 000 auf
Zahlen zu fassen: Ungefähr zwei Prozent
8 000 bis 9 000 geführt, d. h. die Zahl hat
von denen, die zur Anklage kommen sind
sich mehr als verdoppelt. Die Einrich-
samkeit in der Bevölkerung
vermindert schuldfähig, und weniger als
tungen waren in Bayern ursprünglich
gegenüber psychisch kranken Menschen
0,8 Prozent von ihnen sind schuldunfähig,
gebaut für einen Stand von 800 Betten.
oder haben speziell Ängste vor „den
und nicht alle von denen kommen in den
Ich sagte 1990, mehr brauche man nicht in
Verrückten“
psychiatrischen Maßregelvollzug, wohl
Bayern. Wir haben mittlerweile mehr als
daraus folgenden Forderung nach „Weg-
aber der überwiegende Teil.
2 000 Unterbringungen sowohl in der
sperren für immer“?
Die geschlossene Psychiatrie ist wiederum
Psychiatrie nach § 63 (s. Anmerkung)
Das hat mehrere Gründe, der eine ist: Bei
etwas ganz anderes. Da geht es um Men-
sowie auch in den Entziehungsanstalten
manchen Straftätern, die dann mehr in
schen, die nicht straffällig geworden sind,
zusammengenommen. Das zeigt, dass im
den öffentlichen Fokus geraten sind, spielt
die aber aufgrund einer psychischen
Grunde die räumlichen und auch die per-
das „Wegsperren für immer“ eine Rolle
Krankheit für sich selber oder für andere
sonellen Kapazitäten diesem Ansturm
beim Strafmaß. Auch psychisch Kranke
gefährlich werden können oder ein Risiko
nicht gewachsen waren. Man muss gleich-
begehen schwere Delikte. Man bezog sol-
darstellen können, beispielsweise dadurch,
zeitig sagen, dass das Sozialministerium
che Wegsperrmentalität in der Bevölke-
dass sie sich selber verletzen oder töten
deutlich nachgerüstet hat, indem in den
rung mehr und mehr auch auf sie. Das hat
wollen oder aber dass sie im Straßen-
letzten 15 Jahren forensische Psychiatrien
dazu geführt, dass die nachträgliche und
verkehr sehr Unsinniges machen (Anm.:
ausgebaut worden sind. Die personelle
die unbefristete Sicherungsverwahrung
Störung öffentlicher Ordnung), oder dass
Aufstockung ist auch relativ schnell voran-
eingeführt wurde und dass Rechtsanwälte
sie auf andere Leute zugehen wollen und
gegangen. Für den Staat haben sich die
durchaus denken: bevor mein Mandant in
man das verhindern will, obwohl noch
Kosten für den Maßregelvollzug in den
die Sicherungsverwahrung geht, sehe ich
nichts passiert ist. Das ist also eine prä-
letzten 20 Jahren verdreifacht. Das be-
doch zu, dass er in die Psychiatrie kommt.
ventive Schutzmaßnahme, während die
deutet aber nicht, dass man das Personal
Das hat zu einem Zustrom geführt. Ein
Strafe eine Reaktion der Gesellschaft auf
aus dem Boden stampfen kann. Wenn man
anderer Grund war, dass 1998 auch die
etwas ist, was schon geschehen ist.
so schnell aufstocken muss, ist viel
Entlassungsvoraussetzungen
Gibt es eine verminderte Duld-
zugenommen
mit
der
schärfer
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unbeirrbar
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INTERVIEW
gefasst wurden, was zur verlängerten
dazu, dass viele Patienten unversorgt sind.
Ist in der Gesellschaft weniger
Unterbringungsdauer geführt hat.
Früher wurde ein solcher Patient dichter
Toleranzbereitschaft da, hat die
begleitet. Unterstützt wird der Arzt in sei-
Angst zugenommen?
Gesetzesänderungen beeinflus-
ner Haltung durch die neue Patienten-
Die Toleranz hat sicher abgenommen.
sen den Umgang mit straffälligen
Selbstbestimmungsphilosophie: Folgt der
Auch die kritische Toleranz, d. h. die Zahl
Patienten. Woher kommen die For-
Patient der vom Arzt verordneten Thera-
derjenigen, die sagen, da wäre Toleranz
derungen dazu?
pie nicht, hat man ihn in der Vergan-
angebracht, hat tatsächlich abgenommen.
Der Hintergrund dafür war natürlich auch
genheit ins Krankenhaus eingewiesen.
Jemand der sich nicht normkonform ver-
ein politischer und öffentlicher Druck, der
Heute ist die eigene Entscheidung des
hält, der gerät schneller ins Abseits oder
zu einem relativ rigiden Umgang mit den
Patienten unantastbar.
wird abgeschoben und wird sich dann
Entlassungs- und Einweisungsprozeduren
Eine brisante Mischung, die häufig zu
randständig sozialisieren, d. h. in ein Milieu
geführt hat.
Normverstößen führt, entsteht, wenn wo-
abdriften, wo er mit Drogen oder Alkohol
Zweitens sind mit Blick auf die Patienten
möglich zur psychischen Erkrankung
in Berührung kommt.
auch zwei bedenkliche Dinge passiert, ein-
Alkohol- oder Drogenmissbrauch hinzu-
mal haben sich die Gesetze insofern geän-
kommt. Passiert dann irgendetwas, ist er
dert, dass die Eingriffsmöglichkeiten bei
schnell im Maßregelvollzug.
risikoträchtigen psychisch Kranken verrin-
Es gibt in NRW ein Projekt, das durchaus
Lage in der Forensik führen könnten?
gert worden sind. Dazu gehört, dass das
diesen Überlegungen – nämlich wie ver-
Sie hat sich schon etwas entspannt. Ich
Patientenverfügungsgesetz 2009 in Kraft
hindern wir, dass jemand, der in der Allge-
glaube, dass solche Fälle wie Mollath, dazu
trat. Zum anderen wurden Möglichkeiten
meinpsychiatrie ist, in die Forensische Psy-
führen, dass man zu der Überzeugung
zur Zwangsbehandlung und die Zwangs-
chiatrie kommt – nachgegangen ist mit
kommt, die Schrauben wieder in die ande-
unterbringung deutlich verringert. Das
dem Ergebnis: Es fehlt an niederschwelli-
re Richtung drehen zu müssen, d. h. in der
führte dazu, dass einige Patienten in der
gen Angeboten, es fehlt an nachgehender
Politik ist daraus bereits die Diskussion
Psychiatrie zu gefährlich geworden sind.
Versorgung, es fehlt an der Bereitschaft
entstanden, dass eine zeitliche Befristung
Um die Ruhe und Sicherheit zu wahren,
von Psychiatern und Einrichtungen, Pa-
der Unterbringung im psychiatrischen
wurden die Patienten, die in Krankenhäu-
tienten mit Doppeldiagnosen so zu behan-
Maßregelvollzug eingeführt wird.
sern zum Beispiel einen Papierkorb
deln, dass es angemessen ist. Dazu muss
Zum Beispiel könnte auch nach einer
angezündet haben oder eine Kranken-
man auch wissen, dass diese Patienten
bestimmten Zeit eine Beweislastumkehr
schwester oder Mitpatienten verletzt oder
nicht entsprechend der Behandlungsleitli-
eingeführt werden. Derzeit muss der
sonstige Übergriffe gemacht haben, sehr
nien, die wir alle, auch Ihre Organi-
untergebrachte Patient beweisen, dass er
schnell angezeigt. Dann waren die Vor-
sationen, unterstützt haben, zu behandeln
ungefährlich ist. Nach einer Beweislast-
aussetzungen dafür gegeben, sie in die
sind. Und somit fallen sie aus dem Netz
umkehr müsste dann der Staat beweisen,
forensische Psychiatrie weiterzuleiten.
raus.
dass er gefährlich ist. Das verschiebt den
Welche Lösungen fallen Ihnen ein,
die zur Entspannung der jetzigen
Graubereich, der immer zwischen gefährHat der Anstieg der Forensi-
Spielt bei der Vermeidung von
lich und ungefährlich besteht, und die
schen Unterbringungen in den
Straftaten auch eine Rolle, dass
Entscheidungsrichtung erheblich.
letzten Jahren mit den geringeren
die Beobachtungen der nahstehenden
Personalressourcen in psychiatrischen
Angehörigen so gut wie nie beachtet
Wird es einen Ausbau von Prä-
Kliniken zu tun?
werden? Beim Anschlag auf Lafontaine
ventivmaßnahmen geben?
Ja. Meiner Meinung nach ist der Haupt-
haben die Angehörigen der Täterin lange
Man wird sich sicher Gedanken darüber
grund aber die Budgetierung im Gesund-
vorher schon gewarnt?
machen müssen. Man wird überlegen müs-
heitswesen. Das hat dazu geführt, dass die
Ja. Bei der ganzen Problematik muss man
sen: Wie können wir Menschen erreichen,
Aufenthaltsdauern in den psychiatrischen
aber auch sehen, dass es nicht immer
und was kann man tun für Menschen, die
Krankenhäusern verkürzt worden sind und
Angehörige gibt, die sich kümmern.
krankheitsbedingt in Gefahr geraten,
dass die ambulanten Nachsorgemög-
Oftmals sind die Familien dieser Pa -
Straftaten zu begehen? Das wird schwie-
lichkeiten nicht ausreichen.
tienten, warum auch immer, auseinander-
rig werden. Aber wir müssen auch mit
Die geringere Entlohnung des niederge-
gebrochen, und es gibt keine Ange -
einem gewissen Stolz sagen, dass wir die
lassenen Arztes hat schwere Folgen.
hörigen, die stützen und fördern – die ein-
systematische forensische Nachbehand-
Mancher sagt sich dann, warum soll ich
fach da sind. Unsere Gesellschaft hat sich
lung erreicht haben, die Entlassungen
mich für so wenig Entgelt kümmern, ob
verändert, auch das müssen wir in
möglich macht, die man früher für nicht
der Patient kommt oder nicht. Das führt
Betracht ziehen.
verantwortbar gehalten hat. Es ist nicht
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Seite 6
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
INTERVIEW
nur die Prävention, sondern es ist auch die
ihre Angehörigen erdrückend und tötet
das Leben außerhalb der Forensik nicht
Nachsorge, die zu einer Entschärfung und
die Hoffnung auf ein freies, selbstbe-
klappt. Wie erfolgreich und wie notwendig
Entlastung schon beigetragen hat und
stimmtes Leben. Sehen Sie eine Mög-
diese Einrichtungen sind, zeigt, dass 60%
hoffentlich noch weiter beiträgt.
lichkeit, daran etwas zu ändern?
der Betroffenen, nachdem der Zwang weg
Das Pendel wird nach meiner Beobach-
Schon 1986 wurde einmal eine Be-
ist, freiwillig in dieser ambulanten Nach-
tung umschlagen zu einer weniger rigiden
grenzung des Maßregelvollzugs auf 5 -10
sorge bleiben. Das ist für mich der befrie-
Vorgehensweise mit psychisch kranken
Jahre angestrebt. Es gibt sicher Aus-
digendste Erfolg. Und es ist eine gesell-
Menschen im rechtlichen Bereich.
nahmefälle, weil es Patienten gibt, die län-
schaftliche Errungenschaft. Es ist schließ-
ger brauchen.
lich nicht so selbstverständlich, dass die
Können Angehörige etwas tun,
Das zweite ist, dass Patienten sich immer
Umgebung die forensischen Ambulanzen
und was können sie tun, ihre
wieder selber in Gefahr einer Grenz-
akzeptiert. Die gab es vor 2007, als sie flä-
Patienten davor zu bewahren, in die
überschreitung begeben, weil sie ihre
chendeckend in Bayern eingeführt wur-
Forensik zu kommen?
Medikamente absetzen. Der Patient selber
den, noch nicht.
Auf Kooperation setzen, was langsam in
hält sich für gesund. Er übt Druck aus auf
unserer Klinik eingeführt wird, und was in
die Mitarbeiter in der Forensik und auf
anderen Kliniken bereits funktioniert, wie
seine Angehörigen, um die Medikamente
haft in die Psychiatrie“. Solche
z. B. routinemäßig Behandlungsvereinba-
loszuwerden. Viele nahe Bezugspersonen
oder ähnliche Nachrichten sind nicht
rungen einführen. In Zusammenarbeit mit
sehen nur halbherzig ein, dass ihr psy-
selten in den Medien. Besteht Hoffnung,
dem Patienten, dem behandelnden Arzt
chisch krankes Familienmitglied der Be-
dass die Medien irgendwann mal sensi-
und den Angehörigen wird darin u. a. ver-
handlung bedarf, obwohl sie wissen, dass
bler mit dem Thema umgehen? Und was
einbart, wie Angehörige miteinbezogen
er/sie immer wieder dann, wenn er die
kann getan werden dafür?
werden und wie sie mitwirken können.
Behandlung unterbricht, misstrauisch
Da wird sich, meiner Ansicht nach kaum
Darin heißt es z. B., wenn der Ernstfall wie-
wird, sich verfolgt fühlt und sich dann
etwas ändern. Das zeigen auch viele
der eintritt, z. B. wenn der Patient wieder
wehrt. Wenn mit den Angehörigen ein
Untersuchungen auf dem Gebiet. Eine
suizidal wird, wollen wir alle, dass die
Arrangement getroffen werden könnte, in
davon ergab, wenn der Begriff Psy-
Behandlung in dieser oder jener Form
dem Sinne, dass sie den Ernst der Lage
chiatrie in der Presse vorkommt, dann
durchgeführt wird. Das wäre ein wichtiger
akzeptieren und weil sie die Gefährdetsten
geht
Schritt zur Zusammenarbeit und Entspan-
sind, auch im Eigeninteresse zusagen,
Psychiatrie. Bedauerlich ist dabei, dass
nung für alle drei Seiten, für den Pa-
alles zu tun, um eine durchgehende Be-
auch die seriöse Presse bei einem
tienten, für die Behandler und für die, die
handlung zu unterstützen, wäre eine frü-
schweren Verbrechen mit psychiatri-
mit dem Patienten leben.
here Entlassung denkbar.
schem Hintergrund berichtet, der Täter
„Muttermörder kommt dauer-
es
zu
50 %
um
forensische
werde sein Leben in der „Psychiatrie“
Was ich auch als einen Schritt der BewahSie sprechen sehr engagiert von
verbringen. Ich meine damit, es wird kein
ist, wenn es gelingen würde, dieses
der Nachsorge, die ja auch sicher
Unterschied
Abdriften ins soziale Abseits zu bremsen.
eine große Rolle für das weitere Leben
gemeinpsychiatrie
Konkret heißt das z. B., den psychisch
der Forensikpatienten spielt. Müssten
Psychiatrie.
kranken Patienten vor dem unkontrollier-
ambulante Einrichtungen sehr viel mehr
Eine Untersuchung in der australischen
ten Trinken zu schützen. Ich kann immer
in die Pflicht genommen werden, damit
Presse, die aber sicher in Deutschland
nur warnen: wir wissen, dass sich bei
sie die ehemals forensisch behandelten
zum gleichen Ergebnis käme, ergab, wie
jemand, der psychisch krank ist und viel
Patienten intensiver und enger betreu-
sich Berichterstattungen über einen von
Alkohol trinkt oder Drogen nimmt, das
en? Wie wird oder sollte die Nachsorge
einem psychisch kranken Menschen ver-
Gefahrenpotential, straffällig zu werden,
in der Zukunft aussehen?
übten Mord von jenen, bei denen es um
erheblich erhöht, und die Kooperations-
Die forensische Psychiatrie hat ja Nach-
nicht psychisch kranke Mörder geht,
bereitschaft dieser Patienten sinkt enorm.
sorge-Einrichtungen in Form der „Foren-
unterscheiden. Bei psychisch Kranken fin-
Ich hoffe, dass diese Erkenntnis sich über-
sischen Ambulanzen“ bereits geschaffen.
den mehr Berichterstattungen vor dem
all durchsetzt.
Das ist ein ganz entscheidender Schritt als
Gerichtsurteil statt, und die Überschrif-
Schutz für die Patienten, aber auch für die
ten sind größer. Es sind mehr Bilder
Die Ungewissheit über die Dauer
Behandelnden. Hier finden einmal die
dabei, es wird aufgelistet, welche ver-
ihres Aufenthaltes in der Foren-
nachgehende
die
gleichbaren Fälle es in der Vergangenheit
Kontrolle und auch der Eingriff statt, wenn
gegeben hat. Das alles passiert nicht bei
rung vor einer „Forensik-Karriere“ sehe,
sik ist sowohl für die Patienten wie für
Betreuung
sowie
gemacht
und
zwischen
All -
Foren si scher
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unbeirrbar
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INTERVIEW
einem anderen Mordmotiv. Hier zeigt
Wie ist das Ansehen bei den All-
Ich glaube ich habe mit der forensischen
sich, dass das kommerzielle Interesse der
gemeinpsychiatern?
Nachsorge schon viel zur Verbesserung
In der Regel arbeiten wir gut miteinander.
beigetragen und wünsche mir, dass sie
Natürlich gibt es viele Psychiater, die
weiter ausgebaut wird.
Würde es etwas ändern, wenn
sagen, mit euch „Schmuddelkindern“
Nun gilt mein großer Wunsch auch dem
Sie, der angesehene Professor
möchten wir nichts zu tun haben. Das ist
Ausbau der Vorsorge.
Nedopil, berichtigend protestieren wür-
aber ein in der Psychiatrie recht verbreite-
den dagegen?
tes Verhalten. Die einen sind die ganz tol-
Sehr geehrter Herr Professor Nedopil,
Nein, das änderte überhaupt nichts. Ich
len Psychiater, die nur psychosomatische
ich bedanke mich sehr für dieses aus-
machte mich nur lächerlich! Was hilft,
Patienten, oder jene, die mal Ehekrach
führliche Interview und hoffe mit Ihnen,
ist, wenn ich gelegentlich mal ein
haben, behandeln, und mit was anderem
dass die Forensik innerhalb der Psy-
Interview gebe, und dann die Sachen
machen sie sich die „Finger nicht schmut-
chiatrie den Stellenwert bekommt, der
zurechtrücke. Aber z. B. mit einem be-
zig“: „Ob der Patient suizidal ist, darum
ihrer großen Aufgabe und Verantwortung
stimmten Fernsehsender rede ich gar
brauchen wir uns nicht zu kümmern.“
zukommt. Patienten in der Forensik
nicht mehr. In einer Diskussionsrunde, in
Dann gibt es diejenigen, die gestandenen
haben es vielleicht schwerer als Straf-
der es auch um einen bestimmten Täter
Psychiater, die das Knochengeschäft der
gefangene, wieder auf die Füße zu kom-
ging, bezeichnete ihn ein anderer Psy-
Psychiatrie machen, und dann gibt es
men. Dafür bedarf es gut geschulten
chiater als „tickende Zeitbombe“. Mein
eben die „Schmuddelkinder“, die sich
Personals, damit die Zeit, die die Patien-
Protest und die Richtigstellung fielen bei
auch mit den „Schmuddelkindern der Ge-
ten in der forensischen Klinik verbringen
der Ausstrahlung völlig unter den Tisch,
sellschaft“ befassen. Man sieht sie als
müssen, zu einem therapeutisch wirksa-
und die „tickende Zeit bombe“ wurde
Exoten an, sagt aber, aber bitte macht uns
men und für ihr künftiges Leben zu
breit ausgewalzt. Der Täter ist seit 8 Jah-
nicht auch schmutzig. Forensik ist ein Teil
einem sinnvollen Aufenthalt wird. Ange-
ren draußen, und es ist nichts passiert.
der Psychiatrie. Hier beschäftigt man sich
hörige wollen und können bei der
Aber da kräht dann kein Hahn mehr da-
zwar mit den „Schwierigsten, aber auch
Vorsorge und Nachsorge beitragen, aber
nach. Das schlimme Wort bleibt im
mit den Lohnendsten“.
nicht allein. Die Zukunft wird zeigen, ob
Gedächtnis haften.
Der zweite Wunsch, den ich frei habe: Ich
für sie Zeit und Aufmerksamkeit zur
würde wünschen, dass die aus der
Verfügung gehalten wird, damit sie
Wenn Sie zwei Wünsche für die
Körpermedizin kommenden Kürzungen
dieser Aufgabe gerecht werden können.
Zukunft der Psychiatrie frei hät-
und Beschränkungen wie die Fallpauscha-
Zeitungen im Vordergrund steht.
ten, was würden Sie dann wünschen?
len (DRGs), d. h. die in der Psychiatrie als
Dass die Forensischen Psychiater mehr
PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem
respektiert werden – nicht weil es mein Be-
Psychiatrie und Psychosomatik) bekannt
ruf ist. Es muss aber ein respektabler Be-
sind,
ruf sein, damit sich Leute, die sich dort
Psychische Krankheiten sind nicht so ein-
noch
mal
überdacht
werden.
engagieren wollen, dies auch wirklich
fach zu behandeln wie Blinddarmentzün-
langfristig machen. Das schaffen wir nicht
dungen. Es ist eine Aufgabe für die
mit Werbung, sondern weil es sowohl in
Zukunft, darauf zu achten, dass psychisch
wissenschaftlicher wie auch in kurativer
kranke Menschen zwar auch einen medizi-
und öffentlicher Hinsicht ein respektabler
nischen Therapiebedarf haben, dass sie
Beruf ist. Ich wünsche uns Anerkennung in
aber auch einen anderen Zeitaufwand, ei-
der Gesellschaft für unser Tun und nicht,
nen anderen Zuwendungsaufwand, einen
dass wir mit einem Bein in der Presse und
anderen „man-power-Aufwand“ benötigen
mit dem anderen im Gefängnis stehen. Es
als die Patienten einer mechanistischen
ist ein Unding, dass forensische Psychiater
Organmedizin.
für ihre Gutachtertätigkeit diffamiert werden. So kann man keine jungen Leute für
Und wenn Sie dann noch einen
diesen Beruf gewinnen. Es muss sichtbar
Wunsch frei hätten, was würden
werden, dass Forensiche Psychiatrie ein
Sie, Professor Nedopil ganz persönlich,
wichtiger Beruf ist, der Achtung in der Be-
zur Verbesserung der Forensischen
völkerung genießt.
Psychiatrie beitragen wollen?
Anmerkung
Maßregelvollzug ist „Maßregel der Besserung
und Sicherung durch Unterbringung“. Die
Maßregel ist von der Schuld unabhängig und
wird zum Schutz vor gefährlichen Straftätern
oder zu deren Besserung angeordnet. Daher können Maßregeln der Besserung und Sicherung auch
gegen schuldunfähige erwachsene Straftäter angeordnet werden.
§63 StGB: Hat jemand eine rechtswidrige Tat
im Zustand der Schuldunfähigkeit (§20) oder
der verminderten Schuldfähigkeit (§21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung an,
wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner
Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes
erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind
und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich
ist.
Quelle: Wikipedia
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Seite 8
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
LANDESVERBAND
Balance zwischen Selbstsorge und Fürsorge
S
So lautet der Titel des nächsten
noch viele Talente, Begabungen, Fähig-
tes Wissen gesammelt, das sie gerne an
Seminars, das der Landesverband
keiten und Erfahrungen schlummern, die
andere weitergibt.
anbieten wird für all diejenigen Angehörigen, die sich bereits aktiv in der Angehörigenarbeit engagieren oder es zukünftig tun werden. An einem ganzen
bisher nicht eingebracht wurden.
Keine Selbstaufgabe
in der Fürsorge
Lust bekommen?
Wir hoffen, mit diesem Beitrag eine kleine Innenschau gegeben zu haben in einen
Wochenende werden sich bayerische
Wir können versichern, dass sich nie-
Teilbereich der satzungsgemäßen Aufga-
Gruppen- und Vereinsleiter mit der Frage
mand in der Fürsorge für andere Ange-
ben des Landesverbandes, betreffend „die
beschäftigen „Was kann ich tun, damit mir
hörige aufopfern muss. Die Arbeit kann
Organisation und Förderung selbständiger
mein Selbsthilfeengagement weiterhin
Freude machen, was für all diejenigen der
Zusammenschlüsse von Angehörigen, die
Freude macht?“
Motor ist, die sich bereits seit Jahren oder
auf der Grundlage der gemeinsamen
Dieses Seminar ist ein Angebot in der
Jahrzehnten aktiv ehrenamtlich engagie-
Zielsetzung und Arbeitsweise regional
langen Reihe von Schulungen, die der
ren. Und wer in die Gefahr gerät, die
tätig sind.“
Landesverband bereits durchgeführt hat.
Freude daran zu verlieren, kann bei den
Wir hoffen aber auch, dass sich die eine
Der Landesverband lebt in und mit seinen
Zusammenkünften mit den anderen baye-
oder der andere von Ihnen angesprochen
Angehörigengruppen und -vereinen auf
rischen Angehörigenvertretern auftanken
fühlt und evtl. den Mut für ein Aktivwerden
Ortsebene. Die dort Aktiven leisten die
und neue Energie entwickeln. Über diese
für die gemeinsame Zielsetzung findet. Ist
wichtige Arbeit vor Ort, sei es in den ver-
Treffen entstehen Kontakte und Freund-
nicht die Zeit des Jahreswechsels die Zeit
schiedenen Gremien im psychosozialen
schaften unter den Aktiven, die sich auch
des Umdenkens, des Neubeginns. Wie
Bereich, in der Leitung von Gruppen, in
gegenseitig beraten und unterstützen. Und
wäre es mit dem Neujahrsvorsatz: Nächs-
der Organisation von Vortragsabenden,
da es sich um ehrenamtliches Engagement
tes Jahr werde ich in der Angehörigen-
in der Einzelberatung von neu betroffenen
handelt, kann sich letztendlich jeder selbst
Selbsthilfe aktiv! Ich stehe Ihnen gerne mit
Angehörigen, in der Mitgliederwerbung,
entscheiden, wie viel Zeit und Kraft er
Rat und Tat zur Seite.
in der Einmischung in die Bezirkspolitik, in
dafür einsetzen will. Dankbarkeit von rat-
der Mitarbeit in Anti-Stigma-Kampagnen,
suchenden Angehörigen ist ihm gewiss.
im Kontakt mit der psychiatrischen Klinik
vor Ort und vielem mehr.
All dies könnte der Landesverband mit
Alexandra Chuonyo
Unterstützung durch
den Landesverband
seinen wenigen personellen Ressourcen
Die Ermöglichung des Erfahrungs-
nicht stemmen. Umso dankbarer ist er für
austausches und die Schulungen durch
die vielen Angehörigen, die in ganz Bayern
professionelle Selbsthilfeexperten ist nur
ehrenamtlich tätig sind. Er lässt sie aber
eine Säule der Unterstützung, die der Lan-
auch nicht im Regen stehen, sondern bie-
desverband anbietet. Darüber hinaus ver-
tet in unterschiedlicher Hinsicht seine
schickt der Landesverband fortlaufend per
Unterstützung an. Er versteht das Zusam-
E-Mail Informationen über Entwicklungen
menwirken von Landes- und Ortsebene als
im rechtlichen und politischen Bereich,
ein Geben und Nehmen.
welche die Versorgung psychisch kranker
KURZ NOTIERT
Neuer EX-IN Kurs
in München
I
m Frühsommer 2014 wird es so weit
sein, und der zweite EX-IN Kurs in
München wird starten. Interessenten für
Warum berichten wir darüber? Nicht,
Menschen betreffen. Ganzjährig laufen in
diesen Ausbildungskurs zum Genesungs-
um uns selbst zu loben, sondern um Mut
der Geschäftsstelle Einladungen zu inter-
begleiter in der Psychiatrie müssen sich
zu machen, sich zu engagieren und sich
essanten Tagungen und Veranstaltungen
bis
für die Sache einzusetzen. Auf allen
ein, die an die Gruppen- und Vereinsleiter
Trialogischen Arbeitsgemeinschaft EX-IN
Ebenen gibt es viel zu tun. Viele Ideen kön-
verteilt werden. Die Pressereferentin des
in Bayern (TAG) angemeldet haben.
nen nicht umgesetzt werden, weil niemand
Landesverbandes unterstützt die Öffent-
Daraufhin erfolgt die Einladung zu drei
dafür seine Zeit und sein Wissen zur
lichkeitsarbeit vor Ort. Die Geschäftsstel-
aufeinanderfolgenden und alle drei zu
Verfügung stellt. Die dramatischste Ent-
lenleiterin ist Ansprechpartnerin für alle
besuchenden Bewerberveranstaltungen.
wicklung ist, wenn die oft mühsam aufge-
Fragen und Anliegen, die auf örtlicher
Nähere Informationen über EX-IN finden
bauten Kontakte und Angebote nicht mehr
Ebene entstehen. Sie ist neben dem
Sie unter www.ex-in-by.de. Kursinteressen-
aufrechterhalten können, weil ein „Einzel-
Vorstand die Person, bei der sich alle
ten können sich auch direkt an den
kämpfer“ aus Krankheits- oder Alters-
Themen und Ideen bündeln. Aufgrund
zuständigen Ansprechpartner der TAG
gründen ausscheidet. Wir sind überzeugt
ihrer langjährigen Erfahrung in der Ange-
wenden: Dr. Michael Hermann, E-Mail:
davon, dass in unseren 2 300 Mitgliedern
hörigen-Selbsthilfearbeit hat sie ein brei-
kontakt@dr-michael-herrmann.de
spätestens
März
2014
bei
der
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Dezember 2013/Nr. 44
unbeirrbar
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WAS UNS FREUT – WAS UNS STÖRT
Was uns freut:
Zwei neue Angehörigen-Selbsthilfegruppen
Schwandorf und Weilheim
S
elbsthilfegruppen sind das Herzstück
Mail: n-niebler@t-online.de) und Waltraud
der Angehörigenselbsthilfe. In ihnen
Ettl (Telefon 09672/43 66) freuen sich über
fand die organisierte Angehörigenarbeit
Angehörige aus der Region Schwandorf,
ihren Beginn, aus ihnen heraus entwickel-
die sich der Gruppe anschließen wollen.
ten sich die örtlichen Angehörigenvereine
und auch der Landesverband.
Weilheim
Für viele Angehörige sind sie der Kern
In Weilheim existierte bereits früher ein
ihrer Zugehörigkeit zum Verband, findet
Angehörigenverein, der sich aber 2005
doch in den Gruppen der persönliche
aufgelöst hatte. Einige Jahre lang gab es
Austausch mit anderen statt. In den Grup-
nun in dieser oberbayerischen Region um
pen fühlt sich der einzelne Angehörige mit
Weilheim, Murnau, Garmisch-Partenkirchen
seinen Sorgen und Nöten angenommen
keine Angehörigen-Selbsthilfegruppe mehr.
und verstanden. Freundschaften unter
Diese Lücke konnte nun geschlossen wer-
Angehörigen entstehen durch die Gruppen,
den. Durch Unterstützung der „Oberbaye-
Hilfenetzwerke werden aufgebaut, Erfah-
rischen Initiative der Angehörigen psy-
rungen ausgetauscht und neue Perspek-
chisch Kranker“, deren Hauptziel die
tiven entwickelt. All dies kann die beste
Neugründung von Gruppen ist, und durch
Einzelberatung, kein Seminar und auch
Engagement des Weilheimers Ralf Gisbert
keine Zeitschrift wie
unbeirrbar
ermögli-
formierte sich im Herbst 2013 eine neue
chen, denn dazu braucht es den persönli-
Gruppe. Ralf Gisbert (Telefon: 0881 /53 17,
chen, offenen Austausch mit anderen
E-Mail: ralf.gisbert@web.de) hat zusammen
Angehörigen in einer vertrauensvollen
mit zwei Frauen die Verantwortung für
Atmosphäre wie sie Selbsthilfegruppen
diese Gruppe übernommen. Die Gruppe ist
ermöglichen.
offen für weitere Angehörige und erhofft
Eines der Ziele des Landesverbandes ist
Kommentar:
Was für ein Erfolg! Endlich wieder einmal neue
Gruppen! Der Landesverband freut sich sehr
darüber und bedankt sich bei den Gruppenleitern, denen er jegliche Unterstützung zukommen lassen wird, um die Aufgabe mit Freude
erfüllen und die Gruppen langfristig am Leben
erhalten zu können.
Wohnen auch Sie in einer Region, die wir als
„weißen Fleck“ bezeichnen? Haben Sie nicht die
Möglichkeit, in Ihrer Nähe an einer Gruppe teilzunehmen? Wären Sie evtl. selbst bereit, sich für
den Aufbau einer Gruppe zusammen mit dem
Landesverband stark zu machen? Wenn es so ist,
lassen Sie es uns wissen und gemeinsam aktiv
werden.
Alexandra Chuonyo
eine lebendige Entwicklung.
der flächendeckende Aufbau von Selbsthilfegruppen in ganz Bayern. Daher ist es
eine ganz große Freude, dass in diesem
KURZ NOTIERT
Jahr zwei „weiße Flecken“ auf der Landkarte mit Leben gefüllt werden konnten. In
Messie-Hilfe-Telefon
Schwandorf und Weilheim sind neue
Selbsthilfegruppen entstanden. Zwei unterschiedliche Wege haben zum gleichen Ziel
geführt.
Schwandorf
S
teckt hinter der verwahrlosten Woh-
petente
nung meines psychischen kranken
Thema.
Ansprechperson
zu
diesem
Angehörigen vielleicht das Problem, dass
Das „H-TEAM e.V.“ hat seit seiner Grün-
Schwandorf eine beim Sozialpsychiatri-
er zusätzlich auch noch an dem Messie-
dung 1990 den Aufgabenschwerpunkt in
schen Dienst angesiedelte und von einer
Syndrom leidet oder ist der Zustand „nur“
der „ambulanten Wohnungshilfe“. Die in
Seit einigen Jahren bereits gab es in
Mitarbeiterin des Dienstes geleitete Ange-
seinem Unvermögen, Ordnung und Sau-
über 20 Jahren gesammelte praktische
hörigengruppe. Nun war es endlich so weit,
berkeit zu halten, geschuldet? Das ist eine
Erfahrung in Umgang mit Messies, wird
und die Gruppe wurde in die Selbssttän-
Frage, die sich Angehörige psychisch kran-
nun neu telefonisch an Ratsuchende aus
digkeit entlassen. Die Mitarbeiterin zog sich
ker Menschen oft stellen. Diese und weite-
ganz Deutschland weitergegeben.
aus der Gruppe zurück und aus der profes-
re Fragen, wie man mit der Problematik
Der Landesverband freut sich über diese
sionell geleiteten Gruppe wurde eine
umgehen kann und welche Hilfen es gibt,
Ergänzung des Beratungsspektrums. Be-
Selbsthilfegruppe. Dies war möglich, weil
können bei dem neu eingerichteten bun-
reits zweimal hatte er Seminare zu diesem
sich zwei langjährige Mitglieder des
desweiten Messie-Hilfe-Telefon gestellt
Thema unter der Leitung des Geschäfts-
Landesverbandes, die auch bereits an ent-
werden.
führers vom „H-TEAM e.V.“ angeboten. Bei-
sprechenden Schulungen teilgenommen
Dienstag von 9 bis 12 Uhr und Donners-
de Seminare waren in kürzester Zeit aus-
haben, zur Übernahme der Gruppenleitung
tag von 15 bis 18 Uhr erreichen Sie unter
gebucht, was bestätigt, dass es sich um ein
bereit erklärt haben. Rosemarie Niebler (E-
der Nummer 089/ 55 06 48 90 eine kom-
für Angehörige brisantes Thema handelt.
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Seite 10
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
LANDESVERBAND
Wertebündnis Bayern
W
erte sind Orientierungshilfen im
wurde der Landesverband in das Werte-
Handeln – vor allem im zwischen-
bündnis Bayern aufgenommen.
menschlichen Handeln. Werte bei jungen
Der Landesverband freut sich darüber
Menschen bewusst zu machen und zu
und wird sich als Bündnispartner engagie-
stärken ist das Ziel des „Wertebündnis
ren. Das Ziel, junge Menschen über psychi-
Bayern. Gemeinsam stark für Kinder,
sche Erkrankungen aufzuklären, der Stig-
Jugendliche und junge Erwachsene“ mit
matisierung psychischer Erkrankungen
seinen derzeit mehr als 100 Bündnis-
entgegenzuwirken und die Inklusion psy-
partnern.
chisch erkrankter Menschen in die Ge-
Bayern
sellschaft wirksam zu fördern, wird durch
Kranker e.V. haben wir einen wertvollen
entsprechende Projekte aktiv verfolgt.
und bereichernden Bündnispartner hinzu-
Und seit November 2013 ist der
Landesverband Bayern der Angehörigen
der
Angehörigen
psychisch
psychisch Kranker e.V. einer dieser
Wir können mit Unterstützung auf höch-
gewonnen. Ich danke Ihnen für das
Bündnispartner. Vom bayerischen Minis-
ster Ebene rechnen, schreibt Horst
Interesse und die Bereitschaft, sich in das
terpräsidenten Horst Seehofer persönlich
Seehofer an uns: „Mit dem Landesverband
Wertebündnis Bayern einzubringen.“
A U S B AY E R N
KURZ NOTIERT
Aus „Verband der Bayerischen Bezirke“
wird „Bayerischer Bezirketag“
Die Psychiatrie – eine
Zumutung für die
Familie?
E
ine Ära geht zu Ende: So vertraut
an der Knöbelstraße 10 in München: Ab
war uns der Name „Verband der
5./6. Dezember 2013 wird es dort einen
U
nter diesem provokativen Titel hat
Prof. Dr. Asmus Finzen einen sehr
Bayerischen Bezirke“ und so leicht ging er
neuen Präsidenten, den ersten Präsiden-
uns in der Vergangenheit über die Lippen.
ten des „Bayerischen Bezirketags“, geben.
dem er sich mit der Frage auseinander-
Nun mit Beginn einer neuen Legislatur-
Er wird aus der Mitte der sieben amtieren-
setzt, warum in psychiatrischen Fach-
periode hat sich der Verband einen neuen
den Bezirkspräsidenten gewählt.
kreisen immer noch Diskussionen dazu
Namen gegeben. „Die Umbenennung ist
weit mehr als nur eine Formalie. Sie
festigt vielmehr die Bezirke in ihrem
Manfred Hölzlein
im Ruhestand
interessanten Aufsatz veröffentlicht, in
geführt werden, in wie weit Familien
Konfliktfeld oder Ressource und ob sie nun
Verbündete oder Störenfriede sind.
Status nach außen – und hier vor allem
Seit 2003 hatte den Posten des Präsi-
In einem historischen Abriss von 1911 bis
innerhalb der kommunalen Familie“,
denten des Verbands der Bayerischen
heute stellt er die verschiedenen zentra-
betont der scheidende Präsident des
Bezirke der langjährige Niederbayerische
len psychiatrischen Lehrmeinungen und
bisherigen Verbands der bayerischen
Bezirkstagspräsident, Manfred Hölzlein,
deren zum Teil bis heute wirksamen
Bezirke, Manfred Hölzlein.
inne. Nun geht er nach 10 Jahren in die-
Bedeutungen für Familien dar.
Die Geschicke und die Vernetzung aller
sem Amt und nach 25 Jahren Präsident-
Der Landesverband sendet den Aufsatz
sieben Bezirke laufen nun zusammen im
schaft im Bezirk Niederbayern dieses Jahr
gerne zu. Für Internetnutzer als pdf-Datei
„Bayerischen Bezirketag“ (http://www.bay-
in den Ruhestand. Mit einem feierlichen
per E-Mail, aber auch in ausgedruckter
bezirke.de). Der „Bayerische Bezirketag“
Festakt und mit großer Anerkennung sei-
Form. Anfragen richten Sie bitte an
ist einer von vier bayerischen Kommunalen
ner Verdienste wurde er am 22. November
die
Spitzenverbänden – neben dem Bayeri-
2013 aus seinen Ämtern verabschiedet.
lvbayern_apk@t-online.de oder telefo-
schen Gemeindetag, dem Bayerischen
Der Landesverband Bayern der Ange-
Städtetag und dem Bayerischen Land-
hörigen psychisch Kranker e.V. schließt
kreistag.
http://www.bay-
sich den vielen guten Wünschen an und
bezirke.de/baybezirke.php?id=144 ). Und
verabschiedet sich in großer Dankbarkeit
noch eine große Änderung steht ins Haus
für die langjährige gute Zusammenarbeit.
(Quelle:
Geschäftsstelle
per
nisch unter 089/ 51 08 63 25.
E-Mail
an
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Dezember 2013/Nr. 44
unbeirrbar
Seite 11
A U S B AY E R N
Psycho-Demo in München
„E
ine Demo müsste man mal machen
baum von der MüPE
und damit laut und unübersehbar auf
(Münchner Psychia-
die Diskriminierungen psychisch kranker
trie-Erfahrene) und
Menschen hinweisen!“ Viele von uns ehren-
Eva Straub als Ver-
amtlich Engagierten in der Angehörigen-
treterin der Ange-
Selbsthilfe haben so gedacht.
hörigen-Selbsthilfe.
Und nun, endlich, gab es sie: eine richti-
Während sie sprach
ge Demonstration, und das auch noch mit-
wurden Faltblätter
ten in München zur allerbesten Geschäfts-
vom
zeit. Wortgewaltig und mit großen bunten
band verteilt.
Plakaten wurde die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen angeprangert.
Landesver-
Nach einem Marsch durch die Innenstadt
Ausgrenzung leiden. Die äußerst arbeitsin-
mit Musikbegleitung und unter Aufsicht
tensive Vorbereitung und Durchführung
Diese Demo am 10. Oktober 2013 am
der Verkehrspolizei zog die Truppe dann
dieser eindrucksvollen Demonstration
Odeonsplatz in München und am Gasteig
zum Gasteig. Dort fand die Demo mit einer
wurde in weitem Masse von den beiden
(Münchens Kultur-, Bildungs- und Tagungs-
Abschluss-Kundgebung ihr Ende. Es war
Münchner Clubhäusern geleistet. Dafür sei
zentrum) war ein Eröffnungspaukenschlag
immer noch nass und kalt, als der Zug mit
ihnen gedankt, aber auch der wunderbaren
zum „Internationalen Tag der Seelischen
etwa noch 80 Demonstranten im Hof des
Musikband, die ehrenamtlich einen wichti-
Gesundheit“ und markierte unübersehbar
Gasteig ankam. Trotzdem machten alle
gen Beitrag leistete.
den Auftakt zur „Münchner Woche der
einen frohen und zufriedenen Eindruck.
Gerne wurde anschließend das Angebot
Seelischen Gesundheit“. Der Titel der
Sie hatten durchgehalten, sie fühlten sich
angenommen, sich in den warmen Innen-
Demo „Etikettiert Dosen statt Menschen“
zusammengehörig. Eine solche Stimmung
räumen des Gasteigs die Präsentationen
sagt alles!
ist keineswegs selbstverständlich, wenn es
der zahlreichen Einrichtungen, Gruppen
Leider goss es in Strömen. Trotzdem
um eine Gruppe von Menschen geht, die
und Initiativen anzuschauen.
waren ca. 250 Menschen gekommen –
noch immer unter Stigmatisierung und
Eva Straub und Sybille Gross
gezielt oder angezogen durch die laute,
mitreißende Musik. Die Menschenmenge
war imponierend. Wie sich das gehörte für
eine richtige Demo, schrillten Trillerpfeifen
über den ehrwürdigen Odeonsplatz und
viele Transparente akzentuierten die
BESCHEID WISSEN
Thematik. Schon von weitem hörte man
die schmissige Band, die auf einem Wagen
unter dem Transparent mit der Aufschrift:
Abfallbeseitigung im Gehirn
„Gegen Stigmatisierung von Menschen mit
psychischer Erkrankung“ und direkt vor
den Bögen der Feldherrnhalle stand. Ein
eindrucksvolles Bild! Der Blick über die
Menge zeigte ein Meer von bunten Schirmen und darunter tapfer aushaltende
Demonstranten. Damit das Motto nicht in
„S
chlaf nur noch ein bisschen, das tut
und Alzheimer. Schon länger war bekannt,
Dir gut.“ So haben wir unseren
dass während des Schlafens Erinnerungen
Kindern gesagt, so sagen wir kranken und
besser gespeichert werden können als im
einige als Dosen verkleidete Menschen
älteren Menschen, weil wir es selber x-mal
Wachzustand.
durch die Menge.
erlebt haben, und weil es ein Rat ist, der
Vergessenheit geraten konnte, spazierten
Eine Demo der Solidarität
keinen Schaden anrichten kann.
Ein Forscherteam hat nun ein bisher
unbekanntes System im Gehirn entdeckt,
Nun bestätigt eine in der US-Fachzeit-
das für die Beseitigung von Abfallpro-
am Odeonsplatz
schrift „Science“ veröffentlichte Studie,
dukten im Gehirn zuständig ist. Dieses
außer den offiziellen Vertretern von Stadt
dass an dem Erfahrungswissen etwas dran
System entspricht dem Lymphnetz, das
und Bezirk und den Veranstaltern, „Club-
ist. Beim Schlafen beseitigt das Gehirn
diese Aufgabe im restlichen Körper über-
haus Schwalbennest“ und „Clubhaus Mün-
unter anderem Giftstoffe, die neben ande-
nimmt, welches aber wegen der Blut-Hirn-
chen Giesing“, auch Frau Dr. Schleuning,
ren Auswirkungen auch mitverantwortlich
Schranke zwischen Körper und Gehirn das
Chefärztin vom Atriumhaus, Frau Kirsch-
sein sollen für neurologische Störungen
Gehirn nicht erreicht.
Ans Mikrofon traten
Quelle: DONAUKURIER 21.10.2013
ApK-unb-2013-12-05_unbeirrbar-Dezember-2013 05.12.13 16:40 Seite 12
Seite 12
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
BESCHEID WISSEN
wurde 20: Happy Birthday!
D
ie europäische Angehörigenorgani-
nisses für die Krankheit anzuerkennen und
sation EUFAMI (European Federa-
staatlicherseits zu erfüllen.
LESERBRIEF
Psychotherapeut
gesucht
S
ie schrieben in unbeirrbar September
2013, Sie suchen einen Psycho-
tion of Associations of Families of People
Ihre eigene körperliche und seelische
with Mental Illness) konnte bereits am 19.
Gesundheit muss unterstützt und ge-
Mein Sohn machte im Raum Neu-
Dezember 2012 Geburtstag feiern und auf
schützt werden, auch wenn dafür Mittel zur
fahrn / Eching mit der Diagnose schizoaf-
20 Jahre Bestehen zurückblicken. Der
Verfügung gestellt werden müssen, damit
fektive manische Psychose zweimal eine
Bundesverband der Angehörigen psychisch
Familien beraten und informiert werden
Psychotherapie, die ihm nichts brachte
Kranker e.V. beschreibt EUFAMI auf seiner
und ihnen emotionale und finanzielle Hilfe
oder sogar das Gegenteil bewirkte.
Homepage wie folgt: „EUFAMI vertritt
zuteilwerden kann.
therapeuten für Ihren Sohn in München.
Wenn sich Psychotherapeuten mit psy-
Familien mit psychisch kranken Menschen
Gelder müssen darüber hinaus bereitge-
chischen Krankheiten nicht auskennen, ist
auf europäischer Ebene, insbesondere
stellt werden für Trainingseinheiten zur
es echt ratsam, lieber keine Therapie zu
gegenüber europäischen und internatio-
Früherkennung von Überforderung, zu
machen. Vor allem so weit in die Ver-
nalen Regierungsorganen. Mitglieder sind
Problemlösefertigkeiten und Kommunika-
gangenheit zurückgehen, ist oft nicht
rund 50 Organisationen aus 26 europäi-
tionstechniken. Außerdem sollten die finan-
geeignet, da die Patienten sehr sensibel
schen Ländern.“ Der deutsche Ange-
ziellen Mittel Verwendung finden können
sind und das oft nicht verkraften. Der erste
hörigen-Bundesverband war von Anfang an
für das Erlernen von Interessenvertretung
Therapeut war wohl selbst sehr ernst krank
Mitglied des europäischen Angehörigen-
und zur Förderung von Selbsthilfegruppen.
und starb dann. Der zweite Therapeut woll-
Verbands. Zurzeit wird er dort vertreten
von Janine Berg-Peer, Berlin.
Aus Anlass dieses Jubiläums fand in
Unterstützungsverpflichtung
statt Freiwilligkeit
te, dass mein Sohn mehr aus sich herausgeht, soziale Kontakte lernt, mehr unternimmt, was bewirkte, dass eine volle Manie
Dublin, Irland, im Mai dieses Jahres eine
Die längst, seit 30 Jahren, nachgewiese-
ausbrach. Seither hat mein Sohn keine
große internationale Tagung mit dem Titel
ne (evidence based) positive Wirkung von
Psychotherapie mehr gemacht, sondern
„A perfekt vision for Mental Health 2020“
Familienunterstützung darf vonseiten der
geht zu Treffen der MUEPE (Anmerkung
(„Ein umfassender Blick auf Psychische
Gesetzgeber und Leistungserbringer nicht
der Redaktion: Münchner Psychiatrie-
Gesundheit 2020“) statt. Ergebnis dieser
der Freiwilligkeit überlassen bleiben, son-
erfahrene e.V.), was ihm sehr guttut.
Tagung ist die Dubliner Deklaration mit
dern muss verpflichtend sein. Es ist ein
Leider kenne ich in München keinen
dem Titel „ EUFAMI’s vision for the future
großes Versäumnis, dass dies bisher nicht
Therapeuten. Ich wünsche Ihnen viel Kraft
for families“ („EUFAMI’s Zukunftsvision für
stattgefunden hat.
bei der Suche, den Richtigen zu finden, der
Familien“). Hier einige Gedanken daraus:
Zusammenfassend wird in dem Papier
sich auch mit psychischen Krankheiten
festgestellt, dass es erforderlich ist, psychi-
auskennt. Wollte Ihnen das nur berichten
atrische Versorgungsstrukturen und ihre
aus meiner Erfahrung mit meinem Sohn.
Die zentrale Rolle und die Rechte von
Angebote auch auf Familienmitglieder aus-
Jeder ist anders und braucht seinen indivi-
Familienmitgliedern, die psychisch kranke
zuweiten. Das sei eine Konsequenz aus
duellen Therapeuten, zu dem er Vertrauen
Menschen betreuen und pflegen, müssen in
der Verlagerung von überwiegend statio-
hat und der ihm guttut.
ganz Europa anerkannt und ihnen zuge-
närer auf die gemeindenahe Versorgung
standen werden. Sie sollten als gleichge-
psychisch kranker Menschen.
Die Rolle der Familien
sympathisch war. Man hat ja das Recht
stellte Partner professionell Tätiger in
Entscheidungen bei Planung und Behand-
Kommentar
Familien haben ein Recht zu wählen, wie
stark sie sich engagieren wollen und können bei Pflege und Begleitung. Dies beinhaltet auch das Recht, nicht mit einbezogen zu werden.
Familien sollen weder diskriminiert noch
rechtlich oder finanziell verantwortlich
gemacht werden.
Es ist notwendig, den Unterstützungs-
Für uns Angehörige in Deutschland sind diese
Forderungen der Deklaration unser täglich Brot
bei der Vertretung der Angehörigen-Interessen,
aber in einigen anderen europäischen Ländern
müssen sie wie utopische Wünsche klingen. Die
Unterschiede zwischen den Ländern bei der
Anerkennung und Unterstützung der Angehörigen sind recht groß. Sie allmählich aufzuheben,
auch dafür ist eine europäische Interessenvertretung unverzichtbar.
und Informationsbedarf der Familien bei
der Pflege und hinsichtlich des Verständ-
nach den ersten fünf mal nochmal zu
wechseln, das sollte man lieber tun, bevor
lung ihrer psychisch kranken Angehörigen
einbezogen werden.
Ich selbst machte den Fehler, dass ich
mal zu einem ging, der mir nicht 100 %
Eva Straub
man sich dann doch nicht wohl fühlt.
NN, Name der Autorin dem LV bekannt
Z I TAT
„Es gibt erfülltes Leben trotz vieler
unerfüllter Wünsche.“
Dietrich Bonhöffer (1906 – 1945)
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Dezember 2013/Nr. 44
unbeirrbar
Seite 13
RECHT
Pflegegeld auch ohne Pflegestufe
W
unbeirrbar
Häufig ist jedoch der Hilfe- und Pfle-
7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen
berichtet, ist es nicht ganz einfach,
gebedarf bei Menschen mit psychischen
Kooperation bei therapeutischen oder
ie schon mehrmals in
aber auch nicht unmöglich, dass Men-
Erkrankungen ebenso wie bei dementiell
schützenden Maßnahmen als Folge
schen mit psychischer Erkrankung die An-
erkrankten Menschen mit den von den
einer therapieresistenten Depression
erkennung ihrer Pflegebedürftigkeit durch
Pflegekassen festgelegten Kriterien der
Eingruppierung in eine Pflegestufe erhal-
Pflegebedürftigkeit nicht voll erfasst, da
8. Störungen der höheren Hirnfunktionen
ten und daher auch Pflegegeld oder
sie körperlich vergleichsweise fit sind. Sie
(Beeinträchtigungen des Gedächtnis-
Pflegesachleistungen beziehen können.
brauchen nicht täglich 46 Minuten Hilfe im
ses, herabgesetztes Urteilsvermögen),
Bereich der Grundpflege, die Voraus-
die zu Problemen bei der Bewältigung
setzung sind, um in Pflegestufe 1 einge-
von sozialen Alltagsleistungen geführt
haben;
stuft zu werden.
LESERBRIEF
Psychotherapie durch
die Hintertür
Seit Januar 2013 können aber Menschen mit erheblich eingeschränkter All-
9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus;
10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesab-
tagskompetenz ein monatliches Pflege-
lauf zu planen und zu strukturieren;
geld von 120 Euro oder Pflegesachleistun-
11. Verkennen von Alltagssituationen und
gen bis zu 225 Euro erhalten. Man spricht
inadäquates Reagieren;
12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrol-
dabei von der Pflegestufe 0.
Erheblich eingeschränkte Alltagskompe-
Z
oder Angststörung;
liert emotionales Verhalten;
unächst einmal recht herzlichen
tenz liegt vor, wenn mindestens zwei der
13. Zeitlich überwiegend Niedergeschla-
Dank für die vielen interessanten
folgenden 13 Punkte mit Ja beantwortet
genheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder
Infos, die ich durch Sie bekommen habe,
werden, einer davon aus dem Bereich 10-13.
Hoffnungslosigkeit
insbesondere auch über die Zeitschrift
1. unkontrolliertes Verlassen des Wohn-
thrapieresistenten Depression.
unbeirrbar. Zu Ihrem Artikel „Psychotherapie: beliebter denn je, trotz Barrieren“
(unbeirrbar September 2013/Nr. 43) möchte ich Ihnen ein paar Zeilen schreiben.
Da auch wir schon seit langer Zeit einen
Therapieplatz für meinen chronisch kranken Sohn suchen, war der Tipp mit der
Bestätigung durch den behandelnden Arzt
nach dem Sozialgesetzbuch V hilfreich.
Zwar läuft das Verfahren bei der Kran-
aufgrund
einer
bereiches (Weglauftendenz);
2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen;
3. unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell
Kommentar
gefährdenden Substanzen;
4. tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation;
5. im situativen Kontext inadäquates
Verhalten;
kenkasse noch, aber uns wurde ein positi-
6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen
ver Bescheid in Aussicht gestellt. Der (pri-
und seelischen Gefühle oder Bedürfnis-
vate) Therapeut hat uns noch den Rat
se wahrzunehmen;
Lassen Sie sich von Ihrer Pflegekasse beraten.
Stellen die 120 Euro zumindest eine kleine
finanzielle Anerkennung der von vielen
Angehörigen geleisteten Betreuung und Pflege für
ihr psychisch krankes Familienmitglied dar.
Alexandra Chuonyo
gegeben, von fünf niedergelassenen
Therapeuten Bestätigungen einzuholen,
BESCHEID WISSEN
dass man zwar auf der Warteliste stehe,
aber in absehbarer Zeit (1 , 5 Jahren) keinen Termin bekommen könne. Ich habe
diese Bestätigungen vorgeschrieben und
Festhalten statt Festschnallen
einen frankierten Rückumschlag beigelegt. Das hatte zur Folge, dass die erbetene Bestätigung von allen Therapeuten
zurückgeschickt wurde.
Ein relativ geringer Aufwand, der den
N
icht zur Ruhe kommen wollen trotz
Kliniken ganz ohne Maßnahmen gegen den
neuer strikte Gesetze die Diskussio-
Willen des Patienten. Positiv zu vermerken
nen über Zwangsmaßnahmen in der
ist, dass die Zahl der Zwangsmaßnahmen
Psychiatrie, und das ist gut so.
aber um 30 Prozent zurückgegangen ist.
dringend notwendigen Zugang zu einer
Immer deutlicher stellt sich heraus, es
Welche Maßnahmen, wann und in wel-
psychotherapeutischen Behandlung er-
scheint bei der Einstellung zu Zwangsmaß-
cher Weise angewandt werden, darin unter-
möglicht, wie ich meine.
nahmen keine einhellige Meinung in den
scheiden sich die Kliniken erheblich und
Kliniken zu geben. Über eines aber sind
das, obwohl sie damit immer auf gesetzli-
sich die Experten einig: Es geht nicht In den
chem Boden stehen. Festzustellen ist auch,
NN, Name der Autorin dem LV bekannt
Fortsetzung auf Seite 14
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unbeirrbar
Seite 14
Dezember 2013/Nr. 44
BESCHEID WISSEN
Die Schizophrenie ist nicht schizophren
M
it dem Stoßseufzer „vielleicht tut
Jugend fand alles „schizo“, was unglaub-
plagen muss, dem diese Krankheit die gan-
sich doch noch was“ habe ich den
lich war. Man scheute keine noch so absur-
ze Lebensplanung über den Haufen gewor-
folgenden Satz in einem Artikel in „DER
den Sprachungetüme, wie das „schizophre-
fen hat und der viel darum geben würde,
TAGESSPIEGL“, (24.08.2013) gelesen: „Ich
ne Olympiastadion in München“. Es war die
wenn seine Krankheit nicht als Schimpfwort
kann mir gut vorstellen, dass wir den
Zeit, als der allseits bekannte und an-
für Gott und die Welt gebraucht würde?
Begriff ‚Schizophrenie’ eines Tages gar
erkannte Psychiater Asmus Finzen sein
Und nun kommt aus einer wissenschaft-
nicht mehr brauchen.“ Der Satz stammt
Buch „Der Verwaltungsrat ist schizophren“
lich angesehenen Ecke der Gedanke. den
von Markus Leweke, Arbeitsgruppenleiter
schrieb, 1996.
schwer belasteten Diagnosebegriff fallen
des Exzellenzzentrums für Psychiatrie und
Es schien, als könne man der diskriminie-
zu lassen, weil der von Eugen Bleuler
Psychotherapie am Zentralinstitut für
renden Metapher schizophren nicht bei-
(1857 – 1939) in die Welt gesetzte Krank-
Seelische Gesundheit in Mannheim.
kommen. Rückblickend stelle ich fest, es ist
heitsname nach heutigen Erkenntnissen
Er spricht mir und sicher etlichen Ange-
weniger geworden, aber hin und wieder
nicht mehr passt.
hörigen, vielleicht auch Psychiatrie-Erfah-
stolpert doch ein Politiker in diese ihn selbst
renen aus dem Herzen. Schon vor 20 Jah-
diskriminierende Falle. So betitelte ein
ren, als das Wort „schizo“, so häufig als ne-
Journalist (den mir bekannten Namen nen-
gative Bezeichnung für Unerklärliches und
ne ich nicht) seinen Artikel in einer renom-
Unlogisches, für Unberechenbares und
mierten
Brutales verwandt wurde – mehr als
19. 6. 2012 „Die Schizophrenie des Autofah-
heute –, hatten sich einige „Revolutionäre“
rers“. Verflixt nochmal, da fragt man sich
unter den Angehörigen zusammengetan
doch, was hat eine schwere Krankheit mit
und versucht Mitstreiter zu finden, um den
Autofahren zu tun? Macht Autofahren schi-
Krankheitsbegriff Schizophrenie ganz ab-
zophren? Was sagt die Autoindustrie dazu?
zuschaffen. Politiker, Journalisten, die Wer-
Und wie fühlt sich ein Mensch, der sich u. U.
bung, alles griff nach diesem Wort, und die
ein Leben lang mit dieser Krankheit herum-
überregionalen
Zeitung
am
Kommentar
Liebe Leser und Leserinnen, wäre das nicht die
Gelegenheit für uns Angehörige und vielleicht für
Psychiatrie-Erfahrene erneut sich dafür stark zu
machen, den Begriff Schizophrenie im Rahmen
einer neuen Ordnung psychischer Erkrankungen
zu ersetzen? Mich würde Ihre Meinung dazu
interessieren.
Eva Straub
BESCHEID WISSEN
Fortsetzung von Seite 13
Festhalten statt Festschanllen
dass sich die Anzahl von Zwangsmaßnah-
erst in der Gesellschaft an, wenn sich
men von Klinik zu Klinik selbst bei ver-
Zwang und Gewalt erledigt haben. In seiner
gleichbarer Patientenzusammensetzung
wie in 19 anderen Kliniken werden gute Er-
unterscheiden. Schauen wir über die Gren-
fahrungen gemacht mit dem schmerzfreien
zen Deutschlands ins europäische Ausland,
Festhalten als Alternative zum Festschnal-
dann finden wir noch weitere Zwangs-
len. Diese Methode sei sowohl für den
varianten als die, die in Deutschland einge-
Patienten wie für das Pflegepersonal ein
setzt werden.
Gewinn.
Eine davon fasst nun offenbar auch hier
Fuß. Eindrucksvoll schildert der Chefarzt
der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie
Kommentar
und Psychosomatik Heidenheim, Dr. Martin
Zinkler, wie er es in seiner Klinik fertig
bringt, ohne Isolierungen und Fixierungen
auszukommen. Er setzt auf intensive Gespräche, bevor etwa ein aggressiver Patient, den die Polizei eingewiesen hat, von
seinen Handschellen befreit wird. Nach seiner Überzeugung kommt die Psychiatrie
Schmerzfreies Festhalten statt Fixierung, wenn
man sich das so anhört, könnte man begeistert
zustimmen. Wie immer, es ist nichts ohne gewisse
„Nebenwirkungen“, auch wenn das Neue auf
den ersten Blick sympathisch klingt. Zuerst das
Positive: Mit dem Festhalten wäre ein für alle
Mal das schreckliche Fixieren und Alleinlassen
des Patienten in der Fixierung aus der Welt.
Aber: In England, wo das Festhalten schon länger üblich ist und von deutschen Psychiatern, die in
den englischsprachige Ländern tätig waren, fällt
immer mal in dem Zusammenhang der Begriff
„Niederringen“. Also ich kann mir schon vorstellen, dass auch beim Festhalten unterschiedlich
feinfühlig mit dem Patienten umgegangen werden
kann. Dabei denke ich nicht an Schlagen oder
Boxen. Es soll ja sehr harte Griffe geben!
Ich möchte hier damit zur Diskussion anregen
und jene Angehörige auffordern, die den Unterschied zwischen Festhalten und Fixieren
miterlebt haben, ihre Erfahrungen unbeirrbar
zur Verfügung zu stellen. Das kann auch ohne
Namensnennung bei der Veröffentlichung
geschehen.
Eva Straub
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Dezember 2013/Nr. 44
unbeirrbar
Seite 15
DIE ETWAS ANDERE WEIHNACHTSGESCHICHTE
Hans und die Hoffnung
D
er Abend vor dem Heiligen Abend.
Wir begegneten uns alle paar Tage in der
schachtel und fragte sich, wozu das alles,
Der Christbaum ist geschmückt, es
Institutsambulanz, fällt Hans ein, und jedes
es hat ja doch alles keinen Sinn. Hatte doch
duftet ganz leicht nach Harz und Tannen.
Mal fragte er mich, was ich tue, wie es mir
der Verlauf gezeigt, dass er immer wieder
Hans sitzt am Küchentisch, müde aber mit
gehe und was ich vorhabe. Nie ermahnte er
in schreckliche Krisen geriet. Und dann
einem wohligen Gefühl der Zufriedenheit.
mich, die Tabletten zu nehmen. Einmal er-
lässt er sich auf Gespräche ein, fasst Hoff-
Der Baum ist fertig, und er eigentlich auch.
klärte er mir, was es mit meiner Krankheit
nung, glaubt an sich und eine Zukunft. Er
Dieses Jahr hat seine Mutter den Baum
auf sich hat, und was Therapien rein orga-
spürt, dass der neue Psychiater ihm ver-
nicht allein schmücken müssen, und dafür
nisch bei der neuronalen Vernetzung
traut. Das und die bisherigen Erfolge
war sie sehr, sehr dankbar.
bewirken können. Dieses Interesse an mir,
geben ihm Kraft durchzuhalten.
Hans leidet seit vielen Jahren an einer
diese Aufmerksamkeit, die nur mir galt,
Allmählich wach werdend, aber ganz in
schweren psychischen Erkrankung, die ihn
gab mir Kraft, an eine Zukunft für mich zu
Gedanken versunken sitzt Hans da: Stolz
aber nun schon zwei Jahre in Ruhe gelas-
glauben, eine Zukunft, in der ich mit der
bin ich auf mich und dankbar. Mein Ver-
sen hat. Das heißt, so ganz weg ist sie
Krankheit umgehen lernen würde. In einem
trauen, dass ich es schaffe, wächst. In
nicht, das wäre wohl auch zu viel erwartet.
Gespräch mit meinen Eltern brachte der
Momenten wie diesen frage ich mich, was
Sein behandelnder Psychiater sagte ihm,
Psychiater auch sie dazu, Hoffnung
wohl aus mir geworden wäre ohne den
er leide an einem chronifizierten, unheilba-
zurückzuholen. Sie bemerkten meine klei-
Psychiater und ohne das Mithoffen meiner
ren Wahn – Therapien gebe es keine dage-
nen Fortschritte, und die Krankheits-
Eltern. Nun brauche ich noch eine sinnvol-
gen. Worte von damals wie „austherapiert,
zeichen traten für sie immer mehr in den
le Beschäftigung und auch noch einen
hoffnungsloser Fall, alle Wege sind ausge-
Hintergrund.
Freund, dann habe ich es geschafft! Dieses
schöpft“ schwirren ihm durch den Kopf,
Hans erinnert sich, wie er jeden Morgen
Jahr kann ich mich so richtig auf morgen,
und es fröstelt ihn. Heute hat er seine
den Kampf gegen die Müdigkeit führte.
den besinnlichen Heiligen Abend mit mei-
Krankheit akzeptiert. Vorausgegangen
Jeden Morgen stand er vor der Tabletten-
nen Eltern freuen.
waren viele Jahre, in denen er sich nur
behandeln ließ, wenn es sein musste. Er
stemmte sich gegen die Therapien, weil er
DANK UND ABSCHIED
keinen Sinn darin sah. Eine Krankheitsattacke nach der anderen brachte ihn in
ziemlich schwierige Situationen. Immer
Abschied von Ruth Friebel
wieder Krisen, in immer kürzeren Abständen. Seine Familie hatte längst alle
Hoffnung aufgegeben und aufgehört, nach
neuen Therapiewegen zu suchen.
Nun sitzt Hans am Tisch und zwischen
Schlaf und Wachsein kommen ihm Gedanken über den langen Weg, der ihn von einer
I
rgendwann wird man Abschied neh-
der Münchner Angehörigengruppe Josefs-
men müssen von langjährigen, liebge-
burg behielt sie noch einige Jahre bei.
wonnen Wegbegleitern. Und wenn der Tag
Bei besonderen Gelegenheiten kamen
ausweglosen Krankheitslage und tiefen
dann kommt, trifft es einen doch mit gro-
wir immer mal wieder zusammen und
Resignation bis hierher geführt hat. Nur
ßer Bestürzung. So geht es uns mit Ruth
tauschten Erinnerungen aus – und davon
dumpf ist ihm die eintönige, nur durch
Friebel, die uns für immer verlassen hat.
hatte sie viele. Ruth Friebel war eine ganz
akute Krankheitsperioden unterbrochene
Für sie ist es eine Erlösung von schwerer
besondere Frau, jemand, den man nicht so
Zeit in Erinnerung. Irgendwann traf er in
Krankheit, uns bleibt die Trauer, und es
leicht vergisst, wenn man ihr einmal begeg-
der Institutsambulanz einen für ihn neuen
bleibt der Dank, sie so lange an unserer
net ist.
Psychiater. Dieser erzählte ihm von einem
Seite gehabt zu haben. Schon vor Jahren
Der Landesverband Bayern der Ange-
Patienten, der es geschafft hat, mit seiner
hatte sie sich aus der Vorstandsarbeit des
hörigen psychisch Kranker e.V. bedankt
Krankheit zu leben – gut zu leben, sie zu
Landesverbands zurückgezogen. Seit 1992
sich für ihr großartiges Engagement. Er
akzeptieren und zu akzeptieren, dass sein
war sie im Landesverband und fast von
verdankt ihr sehr viel, und alle, die mit ihr
Leben anders verlaufen werde, als er vor-
Anbeginn an arbeitete sie als Schrift-
zusammengearbeitet und Erfahrungen
hatte. Und dann sagte er den entscheiden-
führerin im Vorstand mit. Immer zuverläs-
ausgetauscht haben, werden sie vermis-
den Satz: „Das können Sie auch, Hans. Wir
sig und immer mit großem Engagement,
sen.
werden uns später gemeinsam an diese
mit Sinn für das Wichtige war sie uns in den
Stunde erinnern.“ Nichts mehr von chroni-
14 Jahren – von 1992 bis 2006 – eine liebe
fiziert, von unheilbar, sich abfinden.
und geschätzte Partnerin. Ihre Tätigkeit in
Du warst eine von uns, wir vergessen
Dich nicht!
Eva Straub im Namen aller,
die Dich kannten und gern hatten.
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Seite 16
unbeirrbar
Dezember 2013/Nr. 44
SCHON GELESEN?
Das Geheimnis der Cellistin
N
eun Geschichten aus seinem Alltag
Erkrankungen Schizophrenie, Angster-
fördern.“ Ich würde sagen, Ja, dazu kann
als Psychiater schildert François
krankung, Depression, bipolare Störung,
das Buch mit Sicherheit beitragen. Selten
Lelord in seinem Buch „Das Geheimnis der
Phobie, Panikstörung, Autismus, Zwangs-
habe ich so „leichte Kost“ zu diesem
Cellistin“ mit dem Untertitel „Beinahe nor-
störung und Burnout zu beschreiben.
Thema gelesen. Besonders die Mischung
male Fälle eines ungewöhnlichen Psy-
Und dies gelingt ihm in unglaublich
zwischen fast romanhafter Schilderung
chiaters“. Ja, François Lelord ist ein
spannender, unterhaltsamer und doch
von Menschen mit psychischen Krank-
besonderer Psychiater, hat er doch seine
informativer Weise, indem er zuerst die
heiten und deren Erklärung macht Lust zu
Berufstätigkeit aufgegeben, um sich mit
Begegnung zwischen Patient und Psy-
lesen. Angehörige können sich mit der
den wirklich großen Fragen des Lebens
chiater schildert und dann Fakten über die
Lektüre einen guten Einblick in andere
wie Glück, Liebe, Freundschaft und Zeit zu
jeweilige Erkrankung anfügt. Diese sind in
Krankheiten verschaffen, mit denen sie
beschäftigen. Dazu hat er die weithin
der 2012 erstmals in deutscher Sprache
selbst nicht konfrontiert sind. Der Spiegel-
bekannten „Hector“-Bücher veröffent-
erschienen Ausgabe um die Entwicklung
Bestseller eignet sich auch als Weih-
licht.
in den letzten 20 Jahren ergänzt worden,
nachtsgeschenk für die Menschen im
„Das Geheimnis der Cellistin“, war das
so dass das Buch auf dem aktuellsten
Bekannten- und Verwandtenkreis, die bis-
erste Buch, das er geschrieben hatte,
Stand bezüglich der Behandlungsmög-
her wenig interessiert und informiert sind.
bereits 1993 in der französisch-sprachigen
lichkeiten ist.
Gelesen von Alexandra Chuonyo
Originalausgabe. Damals praktizierte er
François Lelord schließt sein Vorwort
noch als Psychiater in einem Pariser
mit den Zeilen: „Möge dieses Buch zu
Krankenhaus und war verwundert, wie
einem genaueren Bild von Psychiatrie bei-
„Das Geheimnis der Cellistin. Beinahe
wenig Menschen über die Tätigkeit eines
tragen, möge es die bedürftigen Men-
normale Fälle eines ungewöhnlichen
Psychiaters und psychische Krankheiten
schen dazu bringen, ohne Scheu einen
Psychiaters.“, François Lelord,
wussten. Dies veranlasste ihn anhand von
Psychiater zu konsultieren, und möge es
Piper München Zürich 2012;
Geschichten über Menschen, die ihm als
ein besseres gegenseitiges Verständnis
380 Seiten; ISBN 978-3-492-30013-1;
Patienten begegneten, die wichtigsten
zwischen den Patienten und ihren Familien
9,99 Euro
Impressum
unbeirrbar InfoForum für Angehörige
TERMINE
15. Februar 2014, München: „Hoffnung –
auch für Angehörige psychisch kranker
Menschen möglich?!“, Angehörigenseminar
Info: LV Bayern ApK,
Telefon 089/ 51 08 63 25,
E-Mail: lvbayern_apk@t-online.de
15. März 2014, München: „Verstehen wir
uns richtig? Kommunikation mit
Profis“, Angehörigenseminar
Info: LV Bayern ApK,
Telefon 089/ 51 08 63 25,
E-Mail: lvbayern_apk@t-online.de
29. März 2014, München: „Psychopharmaka: Arten, Wirkung, Nebenwirkungen“, Angehörigenseminar
Info: LV Bayern ApK,
Telefon 089/ 51 08 63 25,
E-Mail: lvbayern_apk@t-online.de
5. April 2014, Aschaffenburg: „Das
Behindertentestament“, Vortrag und
Beratungsmöglichkeit
Info: Eva Mende,
Telefon 06021 /6 07 10
psychisch Kranker in Bayern
Dezember 2013/ Nr. 44
Herausgeber
Landesverband Bayern der
Angehörigen psychisch Kranker e.V.
Pappenheimstraße 7
80335 München
Tel.: 089/ 51 08 63 25
Fax: 089/ 51 08 63 28
E-Mail: lvbayern_apk@t-online.de
www.lvbayern-apk.de
Geschäftszeiten
Mo - Fr: 10 – 14 Uhr
Persönliche Beratung
Nach telefonischer Terminvereinbarung
Bankverbindung
Bank für Sozialwirtschaft, München
Konto 78 18 100
BLZ 700 205 00
Druck und Layout
PROJEKT PRINT
Druck· Satz · Kopie
Admiralbogen 47
80939 München
Die namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder.
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Seele and Geist
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