close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Führungskraft oder Teammitglied?

EinbettenHerunterladen
Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenk- und Bildungsstätte
Veranstaltungen
Oktober 2014 – März 2015
1
Inhalt
Veranstaltungskalender
Seite 3
Veranstaltungen
Seite 6
Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenk- und Bildungsstätte
Am Großen Wannsee 56-58
14109 Berlin
Tel.: 030 – 8 0 50 01 0
Fax: 030 – 80 50 01 27
E-Mail: info@ghwk.de
Internet: www.ghwk.de
__________________________________________________________________________________
Verkehrsverbindung:
Deutsche Bahn RegionalExpress oder S-Bahn Linie 1 oder 7 bis Bahnhof Wannsee,
von der gegenüberliegenden Straßenseite Bus 114 (Richtung „Heckeshorn“ bis
Haltestelle „Haus der Wannsee-Konferenz“).
__________________________________________________________________________________
2
Programmvorschau
Oktober 2014
Donnerstag
Freitag
Samstag
23. Oktober 2014
24. Oktober 2014
25. Oktober 2014
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
Die Hungerplan-Konferenz – Die Neuordnung Europas
und der Vernichtungskrieg
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
Ort: Deutsch-Russisches Museum BerlinKarlshorst, Zwieseler Str. 10,
10318 Berlin
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
November
2014
Sonntag
2. November 2014
15.30 Uhr
Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt:
Jüdische Viehhändler in Mittelfranken, 1919 – 1939
Dr. Stefanie Fischer
Moderation: Frau Prof. Dr. Monika Richarz
Eintritt: 5,00 Euro
Sonntag
9. November 2014
15.30 Uhr
Requiem eines „B-Mannes“: Geschichten von der
Verfolgung einer “Mischlingsfamilie“
Peter B. Loewenberg
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus
Eintritt: 5,00 Euro
Sonntag
16. November 2014 15.30 Uhr
Muslime in Wehrmacht und Waffen-SS
Stefan Petke
Moderation: Dr. Hans-Christian Jasch
Eintritt: 5,00 Euro
3
Samstag
Sonntag
22. November 2014 12.00 Uhr
23. November 2014 12.00 Uhr
Die Wannsee-Konferenz – Die Verfolgung und
Ermordung der Juden Europas
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
im historischen Konferenzraum der Gedenkstätte
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
Sonntag
30. November 2014 15.30 Uhr
Die Darstellungen des Holocausts in Italien und
Deutschland: Politischer Diskurs, Architektur und Ethik
Dr. des. Tommaso Speccher
Eintritt: 5,00 Euro
Dezember
2014
Dienstag
9. Dezember 2014
18:00 Uhr
Eröffnung der Sonderausstellung
Fundstellen - Spuren von NS-Verfolgten in Berliner Archiven
Januar 2015
Sonntag,
11. Januar 2015
15.30 Uhr
„Räder müssen rollen für den Sieg“ – Albert
Ganzenmüller, Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium
Dr. Alfred Gottwaldt
Eintritt: 5,00 Euro
Dienstag
20. Januar 2015
18.30 Uhr
Veranstaltung zum 73. Jahrestag der Wannsee-Konferenz
Władysław Bartoszewski, Auschwitz-Überlebender und
ehemaliger polnischer Außenminister, Vorstellung
seines Buches “Mój Auschwitz“
Begrüßung: Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters
(angefragt)
Moderation Bundesaußenminister a. D. Joschka Fischer
Ort: Clara-Sahlberg Bildungszentrum, Koblanckstr. 10,
14109 Berlin
Eintritt frei
4
Samstag
Sonntag
24. Januar 2015
25. Januar 2015
12.00 Uhr
12.00 Uhr
Die Wannsee-Konferenz – Die Verfolgung und
Ermordung der Juden Europas
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
im historischen Konferenzraum der Gedenkstätte
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
Februar /
März 2015
Freitag
Samstag
Sonntag
Freitag
Samstag
Sonntag
20. Februar 2015
21. Februar 2015
22. Februar 2015
27. Februar 2015
28. Februar 2015
01. März 2015
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
„Zur Endlösung der Zigeunerfrage“ – Ein fiktives
Symposion, Berlin 1942
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
Karten: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
Ort: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte,
Boltzmannstr. 22, 14195 Berlin
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
5
Sonntag
2. November 2014
15.30 Uhr
Vortrag
Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt:
Jüdische Viehhändler in Mittelfranken, 1919 – 1939
Eintritt: 5,00 Euro
Dr. Stefanie Fischer
Moderation: Frau Prof. Dr. Monika Richarz
Tatsächlich zählt der Viehhandel zu den ältesten Tätigkeitsfeldern von
Juden in Mitteleuropa. In kaum einem anderen Wirtschaftsbereich
erreichten Juden je einen so hohen Anteil wie im Viehhandel. Als
Viehein- und -verkäufer, aber auch als Kreditgeber und Güterhändler,
agierten sie an einer sehr sensiblen Stelle in der Agrargesellschaft.
Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten wurden jüdische Viehhändler
zum negativen Stereotyp in der antisemitischen Propaganda und dann
häufig als „Bauernschlächter“ dargestellt. Die Nationalsozialisten stießen
allerdings beim Versuch, Juden aus dem Viehhandel zu verdrängen, an
die Grenzen ihrer rassistischen Wirtschaftspolitik. Trotz einer
vehementen antisemitischen Propaganda hielten viele Bauern an ihren
vertrauten Handelspartnern, den jüdischen Viehhändlern, fest. Seit
langem bestehende, verlässliche Geschäftsbeziehungen zwischen
Händler und Bauer wurden hierbei allerdings auf eine harte Probe
gestellt.
Worauf basierte also das Vertrauensverhältnis zwischen jüdischen
Viehhändlern und Bauern? Wie lange hielten diese wirtschaftlichen
Beziehungen dem Druck antisemitischer Gewalt stand? Diesen Fragen
geht die Historikerin Stefanie Fischer in ihrem Vortrag nach. Sie
beleuchtet erstmals die Bedeutung der jüdischen Viehhändler für den
ländlichen Raum in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Exemplarisch
wird die bayrische Region Mittelfranken untersucht. Noch bis 1933
lebte dort eine der größten jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich.
Gleichzeitig sorgte in diesem Gau der selbsternannte „Frankenführer“
Julius Streicher mit seiner Zeitung ‚Der Stürmer’ für Pogromstimmung
und ein besonderes Ausmaß an antisemitischer Gewalt.
Dr. Stefanie Fischer: Sie lehrt und forscht im Bereich der deutschjüdischen Geschichte an der Universität Potsdam und unterrichtet an der
Leo Baeck Summer University in Berlin. Zudem ist sie freie Mitarbeiterin
im Haus der Wannsee-Konferenz und im Museum of Jewish Heritage in
New York. Die Wiener Library in London zeichnete ihre Dissertation
„Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt: Jüdische
Viehhändler in Mittelfranken, 1919-1939“ mit dem Fraenkel-Preis aus.
Derzeit arbeitet sie am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.
2014 erhielt Frau Dr. Fischer den Wiener Preis für die Erforschung der
Geschichte des Nationalsozialismus/Irma-Rosenberg-Preis vom Institut
für Zeitgeschichte der Universität Wien.
6
Sonntag
9. November 2014
15.30 Uhr
Vortrag
Requiem eines „B-Mannes“: Geschichten von der
Verfolgung einer “Mischlingsfamilie“
Eintritt: 5,00 Euro
Peter B. Loewenberg
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus
Vortrag in deutscher Sprache
The Nurnberg laws divided Germans not only into Jews and Aryans,
but also those of mixed parentage. This had a harrowing effect upon
people like my parents, the Mischlinge. While most were, at least
temporarily, spared the horrors of mass murder, the so-called half-breeds
were widely stigmatized and marginalized. My talk will set out some of
the experiences of my parents, both Mischlinge 1. Grades, which were
typical of what Mischling experienced. With limits placed on their
educational and employment opportunities, I outline their lives and
struggles to survive the time of Hitler. My parents were aided by well
known members as well as forgotten members of the Bekennede Kirche
and even occasionally by staunch Nazis. I contrast the story of the attack
upon my paternal grandparents’ home in Klein Machnow during
Kristallnacht, as my grandfather Harry Loewenberg was born a Jew, with
the Aryan house of my maternal ancestors in Steglitz.
I describe the stories of my grandparents, father and his sister Barbara.
I go on then to tell the tale of my maternal ancestors and my mother, Irma
Samuels-Dieterich, and how they met as young people in the turmoil of
the Third Reich. I describe how my mother had to cope, not only as a
Mischling, but also with losing her sight as well as the moral judgements
of a post-Victorian society. I briefly touch upon my maternal uncles’ arrest
as well as how my maternal grandfather survived as a Jew in Holland.
I conclude with how my parents strategized to survive the last year of
the war.
Peter Boguslaw Loewenberg born in Salzgitter in 1946, 1953
emigration to the US, 1969 graduation from Clark University in
Worcester, Mass. with B.S. and a major in biology and a minor in history,
then N.Y. University Law School in N.Y.-City receiving a Juris Doctor in
1972. Joining the US-government working for the Dept. of Labor and
Justice before teaching at Antioch Law School for one year, 1975 starting
working for the US Dept. of the Navy and Army as a civilian trial lawyer,
1985 Assistant US Attorney, 1990 federal criminal prosecutor with the
Fraud Section, Criminal Division of the U.S. Dept. of Justice, 1996
assignment with the Office of Special Investigations (“the U.S. Nazi
Hunters”).
After retirement arbitrator for the National Futures Association and The
Financial Regulatory Authority, hearing cases involving. Research in my
family's history and in 1992 publication of a 230 page family history called
“A Chronicle of our Origins“.
7
Sonntag
16. November 2014 15.30 Uhr
Vortrag
Muslime in Wehrmacht und Waffen-SS
Stefan Petke
Eintritt: 5,00 Euro
Moderation: Dr. Hans-Christian Jasch
Im November 1943 bot sich auf dem Truppenübungsplatz Neuhammer
in Schlesien ein sonderbares Bild. Die Ehrenformation einer Waffen-SS
Division, gekleidet in feldgrauen Uniformen mit einem feldgrauen Fes als
Kopfbedeckung und Krummschwertern an den Kragenspiegeln, defilierte
an einem Ehrengast vorbei. Der auf diese Weise gewürdigte Gast, der
mit erhobenem rechten Arm den Vorbeimarsch abnahm, war kein
geringerer als der Großmufti von Jerusalem Hadj Amin al-Husaini. Schon
damals von den zeitgenössischen Medien propagandistisch ins Bild
gesetzt, erscheinen seitdem beide, sowohl der Großmufti von Jerusalem,
wie auch die von ihm besuchte „13. Waffen-Gebirgs-Division der SS
‚Handschar’ (kroatische Nr. 1)“, als die Repräsentanten einer
spektakulären ‚islamischen Kollaboration’ mit dem nationalsozialistischen
Deutschland.
Die von der SS gewünschte Zusammenarbeit mit muslimisch
geprägten Volksgruppen beschränkte sich aber nicht nur auf Muslime
aus der Balkanregion. Auch aus den sogenannten sowjetischen
Orientrepubliken und dem arabischen Raum schlossen sich Personen
den Einheiten der Wehrmacht oder Waffen-SS an. Der Vortrag gibt
zunächst einen Überblick über die Zusammensetzung und den
Aktionsradius dieser seit 1941 auf deutscher Seite entstandenen
Einheiten. Den äußerst unterschiedlichen Gruppierungen, ihren
politischen Erwartungen und Motiven nachzuspüren sowie die Interessen
auf Seiten der Nationalsozialisten an deren militärischer Integration
aufzudecken, ist das Ziel des Vortrages.
Stefan Petke, studierte in Potsdam, Berlin und Damaskus Geschichte,
Politik und Islamwissenschaft. Im Jahr 2009 beendete er sein Studium
mit einer Magisterarbeit über die „13. Waffen-Gebirgs-Division der SS
‚Handschar’ (kroatische Nr. 1)“. Derzeit befindet sich Stefan Petke im
Abschluss seines Dissertationsprojektes bei Prof. em. Wolfgang Benz
zum Thema „Muslime in Wehrmacht und Waffen-SS“.
8
Sonntag
30. November 2014 15.30 Uhr
Vortrag
Die Darstellungen des Holocausts in Italien und
Deutschland: Politischer Diskurs, Architektur und Ethik
Eintritt: 5,00 Euro
Dr. des. Tommaso Speccher
Moderation: Lore Klieber
Um über den Holocaust zu sprechen, nachzudenken und zu schreiben,
bedarf es nicht nur der genauen Betrachtung eines breiten Spektrums an
historischen Ereignissen, individuellen und kollektiven Repräsentationen
sowie epochalen Fragestellungen. Nötig ist auch die Untersuchung von
dessen physischer Darstellung, in Form von Memorialen, Gedenkstätten
und Erinnerungsarchitekturen.
Anhand der Analyse der politischen Themen und architektonischkonzeptionellen Debatten, die den Aufbau zweier bedeutender
nationaler Mahnmale der letzten Jahre (das Museum der Shoah in
Rom und das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin)
begleitet haben, werden in dem Vortrag die politischen wie auch die
philosophischen Kernfragen herausgearbeitet, die sich hinter der
Darstellung des Holocausts innerhalb der heutigen europäischen
Erinnerungskultur definieren: Welche genaue politische Funktion haben
diese Memoriale "dritter Generation"? Wie kann es sein, dass völlig
unterschiedliche nationale Erinnerungskulturen sich auf eine allgemeine
europäische Erinnerungskultur ausrichten? Inwieweit lässt sich überhaupt schon von einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur
sprechen?
In der Analyse der erinnerungspolitischen Phänomene in den beiden
nationalen Kreisen (Deutschlands und Italiens) tritt deutlich hervor, wie
verschieden jeweils die politischen wie auch die sozial-religiösen Beweggründe der Konstruktion von Gedenken an den Holocaust waren und
welches politische Gewicht sie heute noch besitzen: Das kennzeichnende ethisch-politische Profil der deutschen Erinnerungskultur wird
beispielweise verglichen mit der Rolle eines religiös-universalistischen,
vom Katholizismus geprägten Gefühls, das in der italienischen Gedenkkultur präsent ist.
Die Untersuchung des Holocaustdiskurses in einer historischvergleichenden Weise anhand zweier Länder erlaubt es, dessen
epochales Potenzial innerhalb des heutigen post-national definierten
europäischen Kontextes herauszuarbeiten. Der Holocaust, siebzig
Jahren nach den historischen Ereignissen, offenbart sich in dieser ihm
eigenen morphozentrischen politischen Natur.
Dr. des. Tommaso Speccher, Lehrer und Historiker, hat Philosophie in
Italien studiert und seinen Doktortitel im Juli 2014 an der Freien
Universität am Institut für Philosophie erworben. Er ist Autor mehrerer
Bücher und Aufsätze über Erinnerungskultur, Ästhetik und Ethik.
9
Sonntag
11. Januar 2015
15.30 Uhr
Vortrag
„Räder müssen rollen für den Sieg“ – Albert Ganzenmüller,
Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium
Eintritt: 5,00 Euro
Dr. Alfred Gottwaldt
Moderation: Lore Kleiber
Die Biographie von Dr.-Ing. Albert Ganzenmüller (1905-1996) harrt
noch immer der genaueren historiographischen Bearbeitung: Als Schüler
nahm er am „Marsch auf die Feldherrenhalle“ teil, er war ein frühes
Mitglied der NSDAP und ein befähigter Maschinenbauer und
Elektroingenieur. Seine steile Karriere begann bei der Deutschen
Reichsbahn, deren stellvertretender Generaldirektor er bald wurde. Seit
Ende Mai 1942 war er gleichzeitig Staatssekretär unter dem
Reichsverkehrsminister Julius Dorpmüller. In dieser Funktion war
Ganzenmüller an der Deportation der europäischen Juden in Ghettos
und Lager unmittelbar beteiligt. Er prägte den vielfach zitierten Satz
„Räder müssen rollen für den Sieg!“.
Nach dem Kriegsende gelang ihm die Flucht nach Argentinien, wo er
als Berater der Staatsbahnen arbeitete. Nach seiner Rückkehr in die
Bundesrepublik 1955 versuchte er – allerdings erfolglos - eine Pension
als Staatssekretär einzuklagen. Bis 1968 arbeitete Ganzenmüller
schließlich als Transportingenieur bei der Hoesch AG in Dortmund.
Mehrfach aufgenommene Ermittlungen gegen ihn führten zu einer
Anklage beim Düsseldorfer Schwurgericht. Er wurde 1973 wegen
Beihilfe zum Mord an Millionen jüdischer Kinder, Frauen und Männer
beschuldigt. Damit war Ganzenmüller der einzige Reichsbahnbeamte,
gegen den Strafverfahren wegen der Beteiligung am Judenmord
eingeleitet wurde. Durch einen Herzinfarkt entging er der Verurteilung.
Ganzenmüller verstarb 1996 in München.
Seine Berufsbiographie wie auch der Verlauf des späten
Strafprozesses sind kennzeichnend für die Beteiligung der technisch
ausgebildeten Elite an der Organisation des Völkermords in der NS-Zeit
sowie für die mangelhafte Ahndung in der Nachkriegszeit. Der Vortrag
basiert u.a. auf der Auswertung von Publikationen und Korrespondenzen
Ganzenmüllers sowie aufschlussreicher historischer Dokumente aus
dem Düsseldorfer Verfahren.
Dr. Alfred Gottwaldt, Studium der Rechts- und Staatswissenschaften
und der Neueren Geschichte in Frankfurt am Main. Tätigkeit als
Rechtsanwalt. Von 1983 bis 2014 Leiter der Abteilung Schienenverkehr
im Deutschen Technikmuseum. Veröffentlichungen zu Reichsbahnzeit,
Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg. Jüngste Arbeit zum Thema:
Die Reichsbahn und die Juden 1933 – 1945. Antisemitismus bei der
Eisenbahn in der Vorkriegszeit (Wiesbaden 2011).
10
Dienstag
20. Januar 2015
18.30 Uhr
Vortrag / Lesung
Veranstaltung zum 73. Jahrestag der Wannsee-Konferenz
Eintritt frei
Lesung von Władysław Bartoszewski, AuschwitzÜberlebender und ehemaliger polnischer Außenminister,
aus seinem Buch “Mój Auschwitz“
- Begrüßung: Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters (angefragt)
- Moderation Bundesaußenminister a. D. Joschka Fischer
In seinem 2010 von der Krakauer Verlagsgruppe „Znak“
herausgegeben Buch „Mój Auschwitz” berichtet Władysław Bartoszewski
erstmals ausführlich von seiner Zeit, die er 1940/41 als Häftling im
Konzentrationslager Auschwitz verbrachte. Das Buch, das unter der
Schirmherrschaft des Museums Auschwitz-Birkenau erschienen ist,
gliedert sich in ein knappes Vorwort von Bartoszewski, den Hauptteil in
Form eines Gesprächs, das Piotr Cywiński und Marek Zając über
mehrere Monate mit Bartoszewski geführt haben, eine Anthologie von
Texten weiterer Überlebender des Lagers, eine Rede, die Bartoszewski
2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung Auschwitz-Birkenaus
gehalten hat, sowie in einen Essay von ihm, der erstmals als Teil der
deutschen Ausgabe der Ansprache Benedikts XVI. in Auschwitz im Mai
2006 erschienen ist (Reflexionen eines ehemaligen Auschwitz-Häftlings,
in: Wo war Gott? Die Rede in Auschwitz, Herder-Verlag, Freiburg 2006).
Władysław Bartoszewski berichtet davon, wie er am 19. September
1940 im Alter von 18 Jahren ohne Angabe von Gründen in Warschau
verhaftet wurde und in der Nacht vom 21. auf den 22. September als Teil
eines Transportes von insgesamt 1.705 Menschen in Auschwitz ankam.
Bis zu seiner Befreiung am 08. April verbrachte er als Häftling Nummer
4427 insgesamt 199 Tage im Konzentrationslager Auschwitz I (dem so
genannten Stammlager – das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
bzw. Auschwitz II wurde ab 1941 errichtet, ab Frühjahr 1942 erfolgten
dorthin die Massendeportation der jüdischen Bevölkerung aus den unter
deutscher Besatzung stehenden Gebieten). Seine trotz des großen
Zeitabstandes teilweise sehr detaillierten Erinnerungen geben Einblicke
darin, wie der Tagesablauf in dem Lager war, wie er Hilfsarbeiten an den
Krematorien verrichten musste, wie er die beständigen Appelle durch die
deutschen Bewacher wahrgenommen hat, bei denen er nie wusste, ob er
dieses Mal exekutiert werden würde, und wie es letztendlich dazu kam,
dass er als einer von ganz wenigen Gefangenen das Lager im April 1941
wieder verlassen konnte. Wie Bartoszewski ausführt, sind ihm die
Gründe für seine Freilassung bis heute nicht endgültig bekannt –
wahrscheinlich verdankt er seine Befreiung den beharrlichen Interventionen seiner Eltern und dem Polnischen Roten Kreuz, bei dem er
zuvor angestellt gewesen war.
11
Die Erinnerungen Władysław Bartoszewskis sind der Bericht eines
sehr bekannten und in Polen hoch geschätzten Zeitzeugen, der ein Licht
auf das in Deutschland im Vergleich zum Vernichtungslager AuschwitzBirkenau weniger bekannte Schicksal der nichtjüdischen polnischen
Gefangenen im Konzentrationslager Auschwitz wirft. Zudem bieten sie
wichtige Einblicke in den Alltag der damaligen Lagerinsassen und in
ihre Strategien des Überlebens. Das in Polen breit rezipierte Buch wird
mit dem Erscheinen der deutschen Übersetzung sicher auch für die
Forschung und Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland von
Bedeutung sein.
Władysław Bartoszewski ist ein Historiker, Publizist und Politiker.
Während des Zweiten Weltkrieges schloss er sich dem Widerstand
gegen Deutschland an und wurde führender Aktivist im Żegota-Komitee,
das etwa 75.000 Juden rettete. Im September 1940 wurde er als
Gefangener mit der Nummer 4427 ins Konzentrationslager Auschwitz
verschleppt und im April 1941 schwer krank entlassen, 1944 nahm er
am Warschauer Aufstand teil.
In der stalinistischen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete
Bartoszewski kurze Zeit als Journalist, geriet aber ins Visier der
Staatssicherheit und verbrachte sechs Jahre im Gefängnis. 1955
wurde er rehabilitiert und konnte als Historiker und Publizist arbeiten.
Er studierte zwischen 1941 und 1944 an der Tajny Uniwersytet
Warszawski, die im Untergrund arbeitete, und nach dem Krieg vor der
Verhaftung und nach der Freilassung zwischen 1958 und 1962 an der
Universität Warschau. Von 1990 bis 1995 war er polnischer Botschafter
in Wien, ernannt von Präsident Lech Wałęsa. 1995 übernahm er in der
Regierung von Józef Oleksy das Amt des Außenministers, trat jedoch
zurück, als Aleksander Kwaśniewski zum Präsidenten gewählt wurde.
Von Juni 2000 bis September 2001 war er erneut Außenminister Polens,
diesmal in der Regierung von Jerzy Buzek.
Veranstaltungsort:
Clara-Sahlberg Bildungszentrum,
Koblanckstr. 10, 14109 Berlin-Wannsee
Beginn: 18.30 Uhr – Eintritt frei
12
Dienstag
9. Dezember 2014
18:00 Uhr
Ausstellung
Eröffnung der Sonderausstellung
Fundstellen - Spuren von NS-Verfolgten in Berliner Archiven
Lebensläufe sind oft weder geradlinig, noch hinterlassen sie deutlich
lesbare Spuren. Im Nationalsozialismus sorgten Ausgrenzung,
Verfolgung, Mord und Krieg zusätzlich für brutale Brüche und
Verwerfungen – auch in den Aktenbeständen. Heute sind gesetzliche
Sperrfristen für diese Bestände meist abgelaufen. Gleichzeitig steigt
das Interesse an konkreten, nachvollziehbaren Schicksalen von
Verfolgten des Nationalsozialismus.
Adress- und Gedenkbücher in Spezialbibliotheken wie der Joseph Wulf
Mediothek können zwar erste Hinweise zu solchen Schicksalen, doch
keine umfassende Auskunft geben. An dieser Schnittstelle setzt die
Ausstellung Fundstellen - Spuren von NS-Verfolgten in Berliner Archiven
an, die die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Stolpersteine in Berlin und
dem Landesarchiv Berlin erarbeitet hat.
Welche Archive gibt es in unserer Nähe? Welche Aktenbestände
versprechen Hinweise zu welchen Verfolgtengruppen? Welche
Informationen finden sich regelmäßig in Akten, die als Teil der Verfolgung
angelegt wurden? Wie sind die Wiedergutmachungsakten aufgebaut und
was findet sich dort? Eine Annäherung an solche Fragen erfolgt mittels
sechs ausgewählter Biografien Berliner NS-Verfolgter. Rekonstruiert
werden diese Lebensläufe anhand der Aktenbestände, die wir in den
zentralen Archiven der Region ermittelt haben. Natürlich können damit
weder alle Archive umfassend vorgestellt, noch alle Verfolgtengruppen
einbezogen werden. Vielmehr möchten wir praktische und nachvollziehbare Anregungen zu möglichen Fundstellen geben. Recherchen
zu NS-Tätern haben wir in unsere Ausstellung nicht einbezogen, da
dies den räumlichen und inhaltlichen Rahmen gesprengt hätte. Hierzu
wurden zudem bereits Leitfäden und Workshops entwickelt, unter
anderem von der Stiftung Topographie des Terrors und von der
KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
In der die Ausstellung begleitenden Broschüre werden die sechs
Biografien jeweils durch eine umfassende Beschreibung der Quellenlage
ergänzt. Alle Texte liegen in deutscher und englischer Sprache vor.
Eröffnet wird die neue Sonderausstellung am 9. Dezember 2014
um 18:00 in der ersten Etage der Gedenkstätte.
Die Broschüre kann dann für 3,50 Euro vor Ort erworben werden.
13
Programmvorschau
Oktober 2014
Donnerstag
Freitag
Samstag
23. Oktober 2014
24. Oktober 2014
25. Oktober 2014
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
Die Hungerplan-Konferenz – Die Neuordnung Europas
und der Vernichtungskrieg
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
Ort: Deutsch-Russisches Museum BerlinKarlshorst, Zwieseler Str. 10,
10318 Berlin
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
November
2014
Sonntag
2. November 2014
15.30 Uhr
Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt:
Jüdische Viehhändler in Mittelfranken, 1919 – 1939
Dr. Stefanie Fischer
Moderation: Frau Prof. Dr. Monika Richarz
Eintritt: 5,00 Euro
Sonntag
9. November 2014
15.30 Uhr
Requiem eines „B-Mannes“: Geschichten von der
Verfolgung einer “Mischlingsfamilie“
Peter B. Loewenberg
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus
Eintritt: 5,00 Euro
Sonntag
16. November 2014 15.30 Uhr
Muslime in Wehrmacht und Waffen-SS
Stefan Petke
Moderation: Dr. Hans-Christian Jasch
Eintritt: 5,00 Euro
3
Samstag
Sonntag
22. November 2014 12.00 Uhr
23. November 2014 12.00 Uhr
Samstag
Sonntag
24. Januar 2015
25. Januar 2015
Dokumentar-Theater
12.00 Uhr
12.00 Uhr
Die Wannsee-Konferenz – Die Verfolgung und Ermordung
der Juden Europas
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
im historischen Konferenzraum der Gedenkstätte
Eintritt: 12,00 Euro
/ erm. 8,00 Euro
Zum 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz fand in der Gedenkstätte
Haus der Wannsee-Konferenz ein ungewöhnliches, gleichermaßen
wissenschaftliches wie künstlerisches Experiment statt. Über mehrere
Monate hatten sich 15 Historiker mit den 15 Teilnehmern der Konferenz
vom 20. Januar 1942 beschäftigt und – anhand ihrer Forschung und der
Auseinandersetzung mit dem Konferenzprotokoll – ein gemeinsames
Dokumentartheaterstück entwickelt, das sie selbst auch zur Uraufführung
brachten, nicht als Schauspieler, sondern als Historiker, die vor
Zuschauern Ergebnisse ihrer Arbeit zeigen, in der multi-perspektivischen
Form der Montage von Dokumenten und Kommentaren.
Nach fünf ausverkauften
Vorstellungen ging die
Inszenierung von Christian Tietz
als Gastspiel an das Maxim Gorki
Theater, wo sie bis zum 20. Januar
2013 gespielt wurde. Jetzt kommt
es zu vier weiteren Aufführungen,
diesmal wieder am historischen Ort
am Wannsee.
Mit dem Dokumentar-TheaterProjekt zur Wannsee-Konferenz
entwickelte sich das Historikerlabor
e.V. „Die Wannsee-Konferenz“
bildet nun das Mittelstück der
Dokumentar-Theater-Trilogie „Die
Erfindung und Vernichtung des
Untermenschen. Der organisierte
Mord an Juden, Slawen, Sinti und
Roma durch NS-Deutschland.“
Weitere Informationen unter
www.historikerlabor.de
Ort: Haus der Wannsee-Konferenz
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
15
Freitag
Samstag
Sonntag
Freitag
Samstag
Sonntag
20. Februar 2015
21. Februar 2015
22. Februar 2015
27. Februar 2015
28. Februar 2015
01. März 2015
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
19.00 Uhr
Dokumentar-Theater
„Zur Endlösung der Zigeunerfrage“ – Ein fiktives
Symposion, Berlin 1942
Dokumentar-Theater des Historikerlabors e.V.
Karten: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
Eintritt: 12,00 Euro
/ erm. 8,00 Euro
Standen bei der Wannsee-Konferenz und der Hungerplan-Konferenz
die NS-Staatssekretäre im Mittelpunkt der Forschung und Darstellung,
sind es diesmal die Wissenschaftler selbst: Anthropologen, Eugeniker,
Kriminalbiologen, Feldforscher der Rassenkunde.
Lokalen Schwerpunkt bildet Berlin-Dahlem, das „deutsche Oxford“ mit
dem Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik
(Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft) und der Rassenhygienischen Forschungsstelle (Reichsgesundheitsamt). Hier verbanden sich Theorie und Praxis,
hier wurden rassenbiologische Gutachten geschrieben, die zu Deportationen ins Konzentrationslager führten, hier wurden Augen von
KZ-Häftlingen angefordert, wurde Auschwitz zur verlängerten Laborbank
von Dahlem.
Das ermöglicht erstens die Wissenschaftsgeschichte in ihrer internationalen Dimension zu zeigen: Wissenschaftler aus den europäischen
Nachbarländern berichten über die eigene biologistische Forschung und
Politik, die minderwertiges Leben und geborene Verbrecher kennzeichnet
und Parasiten aus dem gesunden Volkskörper ausscheiden will. Zu den
Wissenschaftlern gesellen sich zum zweiten sogenannte Praktiker des
Massenmords: 1942 hat der Genozid an den Sinti und Roma bereits
begonnen, in deutschen und kroatischen Konzentrationslagern, hinter der
Ostfront. Drittens bedeutet ein Symposion eine direkte Ansprache ans
Publikum, eine unmittelbare Konfrontation – zwangsläufig auch mit der
Gegenwart – der vermeintlichen Massen-Armutsmigration und der NichtIntegrierbarkeit der tziganes. Letztlich ermöglicht die offene Form des
Dokumentartheaters nicht nur die Kommentierung von rassistischem
Gedankengut, sondern auch die Einbeziehung der Opferperspektive –
die Wiedergabe der Stimmen derer, die zum Verschwinden gebracht
werden sollten.
Ort: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte,
Boltzmannstr. 22, 14195 Berlin
Eintritt: 12,00 Euro / erm. 8,00 Euro
Karten nur: 030 – 62 73 50 69 oder kontakt@historikerlabor.de
16
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
19
Dateigröße
665 KB
Tags
1/--Seiten
melden