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Gratis PC! - oder was?

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Wissenswert
Seit 12. April 2000:
GRATIS! – oder was?
Diesen Mittwoch (12.4.) werde ich nicht so schnell vergessen.
Erstens begann da die IFABO
und zweitens versprach mir
mein TV-Media Abo - das Heft
mit dem TV-Programm für
nächste Woche war in der Post was Exklusives. „Gratis-PC für
jeden“ war in Übergröße, gleich
neben dem Busen der Titelblattschönen zu lesen. Doppelt unübersehbar, sozusagen.
Selbstverständlich dachte ich
sofort daran, auch dieses Mal
wieder „daneben“ zu stehen,
denn all die schönen „Gratis“Angebote gelten ja üblicherweise nur für frischg’fangte Abonnenten. Nein, dieses Mal wollte
man auch mich nicht verärgern.
Ein Beiblatt erklärte, dass ich - so
ich sofort mein Abo um ein weiteres Jahr verlängere - ebenfalls
an dieser Glücksausschüttung
teilnehmen könne. Die da lautet:
1 weiteres Jahr TV-Media
+ ½ Jahr E-MEDIA
+ PC Fujitsu Siemens
+ GRATIS Internet-Zugang
+ Online-Club
Um insgesamt öS 1.990,Erkenntnis Nummer Uno: da
is’ nix gratis, es kostet fast zwei
Blaue. Und dann lese ich weiter,
auch auf der Postkarte, mit der
man bestellen soll und die dann
CPU
RAM
HD
CD-ROM
Modem
Sound
Grafik
Hersteller
weg ist, abgeschnitten, im Kleingedruckten: „… und 3 Jahre monatliche Grundgebühr von öS
282,- plus USt.“
Bitte was ist USt.? Die Mehrwertsteuer? Die nach österreichischem Recht bei Preisangaben gegenüber Endverbrauchern immer inklusive
zu erfolgen hat? Richtig. Man
will also von mir zusätzlich
auch öS 338,40. Monat für
Monat, 36 mal. Ist ja klar,
dass der Mehrwertsteuersatz
da 20% ist.
Was die Sache dann aber
auch für Abo-Neulinge recht
unerfreulich macht: Diese
Gratisbedingungen
gelten
auch für sie. Jeder, der so einen „Gratis-PC“ für sich haben will, ob er jetzt schon ein
Abo hat, oder auch nicht, sich
für News, Format, TV-Media
oder E-Media entscheidet – wegen der vielen bunten Bilderln –
zahlt eine Erstzahlung von ATS
1.990 sowie 36 Raten á ATS
282,- plus USt. Dafür ist man
dann Mitglied im NEWS-Online-Club.
Interessant in dem Zusammenhang ist nur der winzige
Hinweis im gleichzeitig per Post
verteiltem Abo-Werbeprospekt,
dass die Finanzierung durch
News/TV-Media
Celeron 500 MHz
64 MB
10 GB
48x
56k
on board
VGA on board
Fujitsu-Siemens
Bildschirm
17 Zoll (inkl.)
Tastatur & Maus
ja
Betriebssystem
Linux
Software
Star Office
Sonstiges
Win98 gegen Aufpreis
Garantie
1 Jahr daheim
Internet
ja
TA-onlinetarif, Taktabrechnung
18/53 Groschen
notwendig
TA-Festnetzanschluss
Anderes
Abo TV-Media/News/e-Media
Einmalig, Abo & Anzahlung
Zustellung
Raten, 36x
Abschlusszahlung
Summe
Seite 32
1.990,inklusive
12.182,40
14.172,40
Profil
„Siemens Leasing. Wir finanzieren Erfolg.“ erfolgt. Womit sich
die Frage stellt, was da wirklich
gespielt wird. Und – von Gratis
natürlich keine Rede. Das ist bestenfalls ein umbenannter, vielleicht zinsengünstiger Kredit.
WCM-Forum kocht
Unsere Leser haben ob dieses
„Geschenks“ bereits entsprechend in unserem Internetforum reagiert. Nur, die haben alle
PCs und auch WWW-Zugang.
Und alle sonstigen ONUs werden bestenfalls jetzt erreicht.
Vermutlich zu spät, um ihnen
noch die Augen zu öffnen.
Und vorzurechnen, wie we-
‘NoName’ 2000
‘NoName’ 1997
Celeron 500 MHz
64 MB
10 GB
48x
56k
Karte
Diamond A200 8MB
Compaq
Celeron 500 MHz
64 MB
10 GB
40x
56k
Karte
8MB 3D AGP
Grundpreis 8.599,-
Pentium 120
16 MB
1,6 GB
8x
16-bit
2 MB
Preis vor 3 Jahren: 8.990,-
17 Zoll (inkl.)
ja
Win98 2nd Edition
MS Word 2000
Encarta u.s.f.
1 Jahr daheim
AON Puls / gratis
18/53 Groschen
TA-Festnetzanschluss
Abo Profil
17" (2799,-)
240,gratis (Linux)
Star Office (gratis)
15" (3.800,-)
240,-
1.990,0299,7.164,599,10.052,-
je nach Anbieter, bis zu 3 Jahre
diverse „Gratis“-Angebote (z.B. 1012)
freie Providerwahl
Finanzierungsanbegote je nach Anbieter
11.638,-
www.
W C M . atma
13.030,-
nig preiswert dieser Gratis-PC
dann tatsächlich kommt. In der
Tabelle unten haben wir deshalb
auch ein aktuelles Vergleichsangebot eines beliebigen Fachhändlers mit einbezogen und einem Angebot von vor drei
Jahren (Inserate im WCM April
1997) gegenübergestellt. Denn
schließlich wäre, hätte es 1997
eine ähnliche Aktion gegeben,
gerade jetzt die letzte Rate für
Ihren Pentium 120 Rechner
(vergleichbare Leistung, damals
kamen gerade die ersten Pentium 200MMX heraus) fällig!
Und vor allem, welche aktuellen
Programme funktionieren denn
auf so einem Rechner noch? Von
Spielen will ich da gar nicht reden...
Nicht zu vergessen, dass der
Inhalt der dazugehörigen Verträge auch unbekannt ist. Wer weiß,
was sich da nicht alles im Augenpulver versteckt. Habe das letzte
YLine-Angebot noch gut in Erinnerung…
Vorgeschmack E-MEDIA
Da nicht jeder unserer Leser
ein TV-Mediaabo hat, darf ich
einige Zuckerln aus dem GratisPC-Test zum Besten geben:
Hier erfährt man dann endgültig, dass man einen Fujitsu
Siemens Linux Edition bekommt. Sprich, das Ding arbeitet unter dem Linux-Betriebssystem, was für Neulinge ein ganz
besonderes Vergnügen bedeutet.
Wer z.B. als Anfänger doch
lieber in der bekannteren MSWelt bleiben will kann dies auch
tun. Aufpreis öS 500,- exkl. USt.
Auch da ist man konsequent,
denn das Zeug kostet eben 600
Ischlinge mehr. Punktum.
Klassischer Celeron
Weil das Zeug nur die billige
Intel-Celeron-CPU eingebaut
hat, ließen sich die Werbetexter
um so mehr dazu einfallen. Zum
Beispiel „… gilt auch als klassischer Game-Prozessor“, was ja
wohl nur dann stimmt, wenn
128 / Mai 2000
Wissenswert
man klassisch mit „früher“, oder
„zu langsam“ assoziiert, denn gerade für die modernen Spiele ist
Höchstleistung a la Athlon oder
Pentium III angesagt.
Aber es kommt noch viel besser. Nur zwei Seiten weiter ist
der Celeron sogar „… als prototypischer Game-Prozessor“ ausgelobt. Und selbst ist man auch
nicht vor Fehlern gefeit. Am Bild
der Rückseite zeigt ein Pfeil aufs
nicht vorhandene Modem. Wo
ist denn das gute Ding nur?
Für mich interessant war
dann das Bild zum Innenleben.
Denn es ist praktisch ident mit
meiner eigenen Aufnahme vom
IBM-Aptiva (dem YLine-PC)
meiner Frau. Mit einem Unterschied: das Bild steht hier Kopf.
Was ONUs ohnehin nicht auffallen kann…
Zur Preisgestaltung ist zu sagen, dass sie „reell“ ist. Rechner
dieser Ausstattung kosten eben
einmal so viel. Und ob die Ratenzahlung über drei Jahre ein
Vorteil ist, kann nur der Erwerber selbst entscheiden. Technologisch gesehen, ist der PC jedoch schon in einem Jahr
veraltet – und dann darf man
noch zwei weitere Jahre Monat
für Monat dafür zahlen... Und
selbst aufrüsten? Werdens wohl
auf Grund der technischen Gegebenheiten nicht spielen, aber
vielleicht kommt dann eine Gratis-Aufrüstaktion...
2 Tage - 10.000 ...
Wenn das stimmt, die angeblichen 10.000 Bestellungen in
nur zwei Tagen, ist es eine der
erfolgreichsten PC-Vertriebsaktionen der letzten Jahre. Unabhängig davon, ob der Preis gerechtfertigt, die Ankündigungen
moralisch vertretbar, die Verträge konsumentengerecht sind
oder auch nicht sind. Und es
zeigt, wie mächtig gekonnte
Werbung ist, Werber nicht nur
kreativ und tüchtig, sonder auch
moralisch verantwortungsbewusst sein – müssen.
Natürlich hat man bei der
News-Gruppe den Unwillen
bereits bemerkt, der Aktivisten,
Kosumentenschützer und Ombudsmänner am Web austoben
lässt. Und man reagiert darauf –
gar nicht.
Auf dem TV-Mediacover
www.
W C M . atma
vom 17-er-Heft prangt immer
noch der Slogan “Gratis PC für
jeden!”. Diesmal von einem Hasenkopf (Ostern?) flankiert, der
stark an die Elektro-Haas-Marke
erinnert. Dann kommt der übliche Sermon und auf Seite 7 die
haarstäubende Erklärung zum
Leasing-Geheimnis:
“• Die komplette
Leasingkaufrate für Ihren Computer – sie ist
juridisch notwendig,
damit der PC komplett
in Ihr Eigentum übergeht. Es gibt keine Ablösezahlung oder Restkaufrate
wie
bei
anderen so genannten
Gratis-PC-Modellen.
Bei TV-MEDIA gehört
der PC wirklich Ihnen
und ist wirklich gratis denn: ...”
Also, wenn man die ATS
1.990,- als Anzahlung versteht,
und die monatlichen “Mitgliedsbeiträge” als Raten, dann ist es
ein Kreditgeschäft, mit allen damit verbundenen Rechten aus
dem Konsumentenschutzgesetz.
Ob anderweitige Behauptungen
vor Gericht halten (können),
wird wohl dort entschieden,
dürfte aber nur eine Frage des
gesunden Menschenverstandes
sein.
Gibt es eine “Abschlußzahlung”, die einem objektiven
Restwert entspricht, ist es ein
echter Leasingvertrag. Dieser
stellt dann für Konsumenten
aber auch eine völlig andere
Rechtsbasis dar. Und auf die
“Bezeichnungen” selbst kann
man sich nicht verlassen. Immer
schon gibt es im Finanzstrafrecht
den Grundsatz – der auch in anderen Fällen gilt – dass nicht die
“Form” die Grundlage einer
Entscheidung ist, sondern die
Absicht und tatsächliche Auswirkung.
Übrigens, wenn man mir eine
Restrate von sechs Hunderten
vorschreibt, die Sache – der PC
– für mich aber gleich um ein
ganzes Drittel preiswerter wird,
zahle ich diesen Betrag. Gern
und mit Handkuss.
A-ONLINE PC
Wer hat da geplaudert? Das
kann doch kein Zufall sein.
Denn am 13. April startete Profil
mit dem A-ONLINE-PC Angebot. Allerdings mit gehöriger
Zurückhaltung, denn am Cover
ist davon nichts zu sehen. Nicht
sehr clever. Erst im Inneren, und
auf einem Beiblatt mit Bestellkarte, erfährt man mehr.
Groß herausgestellt, und das
zu Recht, wird, dass alle Preise
inklusive Mehrwert-(Umsatz-)
Steuer zu verstehen sind. (Da
muss wirklich wer geplaudert
haben.) Und in Summe ist der
Rechner auch noch
entscheidend günstiger. Um die 10 Blauen
bekommt man ein
Markengerät – Compaq – welches ansonsten in Ausstattung
und Leistung durchaus
dem Siemens/NewsAngebot entspricht.
Was mir sonst noch
beim Durchlesen aufgefallen ist: Die Finanzierung läuft über die
Telefonrechnung, offensichtlich steckt also vor allem
AON dahinter. Und als GratisInternetzugang dient AON Puls,
das allerdings bekanntlich auch
einige Fragen aufwirft. Trotzdem: dieses Bündel ist fair, auch
wenn die TA ihre Onlinetarife
nach – für Benutzer unwirtschaftlichen – Takten abrechnet.
Übrigens, bei beiden Zeitschriften-Angeboten
können
„Chellisten“ nicht mitmachen,
oder sich einen anderen Provider
aussuchen. Ein Telefonanschluß
der TA ist sozusagen unabdingbare Voraussetzung. Und das
Wort „GRATIS“ sollten wir
wohl besser aus dem Sprachgebrauch streichen.
Peter Schrimpf
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