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Landausflüge Celebrity Century 22Mar2015[...]

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D
ie Menschheit geht auf eine neue Bewusstseinsstufe zu – das sagen mir in
den letzten Jahren viele Menschen im Gespräch, das lese ich in vielen aktuellen Büchern, das spüre ich in meinem eigenen
Leben, das liegt „in der Luft“ .
Im Rückblick sehen wir: Wir kommen vom
Urbewusstsein der Einheit mit dem Geistigen: „Es hebt meinen Arm, Es denkt in mir“
in der Zeit vor der Geschichte, der prähistorischen Epoche.
Dann der Sprung zum Bewusstsein der sogenannten „Zwitterlichkeit“ zur Zeit des
Alten Testamentes und der Mythen, in dem
sich das Göttliche vom Menschen trennte
und doch immer wieder mischte.
Zuletzt das große Erwachen des individuellen Denkens und der Logik, die sich in
den mediterranen Kulturen, besonders im
antiken Griechenland entwickelten. Und
mit ihnen das Hervortreten des Ich-Bewusstseins.
Diese geistig-seelischen Entwicklungsschritte der Menschheit finden wir heute
noch im Aufwachsen eines jeden Kindes:
wie es sich aus dem „Paradies" des NichtGetrennt-Seins über das „Märchenalter“, in
dem beides gültig ist, Schritt für Schritt zum
individuellen Ich aufschwingt.
Und das Neue? Bewegen wir uns heute auf
die Stufe der Vereinheitlichung des Urbewusstseins mit dem freien Denken zu? Der
individuellen Freiheit innerhalb der geistigen Intuition?
Meiner Überzeugung nach schürfen die
Weltreligionen aus denselben geistigen Urgründen wie die „modernen“ Wege der
geistigen Entwicklung.
In ihnen wird in den letzten 150 Jahren das
„esoterische“ – einem kleinem Kreis zugehörige – Geheimwissen der Religionen immer mehr in die Öffentlichkeit getragen –
es wird „exoterisch“. Einer der Wegbereiter
dafür war Anfang des 20. Jahrhunderts Rudolf Steiner – der heute immer noch inspiriert.
Seit der Jahrtausendwende zeigt sich die
neue Entwicklung immens verstärkt in der
Öffentlichkeit, „esoterische“ Bücher, wie
Tolles „Jetzt“ (1997) oder Byrnes „The secret“ (2006) erreichen ungeahnte Auflagenhöhen. Vermehrt treten charismatische
Redner auf, die Säle und Hallen füllen.
Gleichzeitig erleben wir eine Zeit, in der
die geistigen Kräfte sich deutlich gegen die
Verlockungen des Konsums und die Zerstreuung durch Massenmedien durchzusetzen haben.
ECKEHARD WALDOW
Den Lebenstraum
verwirklichen
Ein Gespräch mit Robert Betz
Robert Betz
Der Kern seiner Arbeit besteht darin,
den Wandel in Menschen, Unternehmen und Organisationen zu fördern, der in dieser Zeit der großen
Transformation ansteht.
Sein zentrales Thema und Anliegen
ist es, die Menschen an den Sinn
von Mensch-Sein, Beziehung/Partnerschaft, Arbeit, Wirtschaft, Gemeinschaft etc. zu erinnern und daran, dass wir alle von Natur aus gut,
d.h. göttliche Wesen voller Liebe
sind. Seine Arbeit unterstützt Menschen darin, aus ihren ‚alten Schuhen’ auszusteigen und das alte Leben eines unbewussten, sich und
andere verurteilenden ‚Normalmenschen‘ hinter sich zu lassen.
Robert Betz entwickelte auf der Basis
von Botschaften der Geistigen Welt
eine neue Form der Psychotherapie,
die er „Die Transformations-Therapie“ nennt, mit der Menschen in die
Lage versetzt werden sollen, in kurzer Zeit Leidenszustände aller Art zu
verwandeln, und insbesondere festgefahrene emotionale Energien wie
Ängste, Wut, Ohnmacht u.a. zu lösen und ihren Körper bei seinem
Heilungsprozess entscheidend zu
unterstützen.
Seine Vorträge werden z.Z. jährlich
von über 50.000 Menschen besucht, er schrieb sieben Bücher, wovon das letzte „Willst du normal
sein oder glücklich“ allein eine Auflage von über 500.000 erreicht hat.
Wenn ein solcher Schritt ansteht, brauchen
wir die „Zauberkraft Phantasie“.
Sie schafft im Wahrnehmen, im Erinnern,
im Vorstellen und Planen jene inneren Bilder, die unser Bewusstsein erfüllen. Der
Förderung dieser Zauberkraft habe ich
mich seit 1989 mit der Zeitschrift „Vorhang
Auf“ verschrieben – und viele andere
schreiben und malen mit.
Wir wollen unsere kindlichen Leser darin
unterstützen, Hindernisse in ihrer Entwicklung aus dem Weg zu räumen und ihnen
die Chance der Freiheit ermöglichen.
In „Vorhang Auf“ nehmen wir viele Impulse der Waldorfpädagogik auf. Auch wir
wollen der geistigen Individualität im Kind
zur eigenen Entwicklung verhelfen.
VORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
2
Auch Psychologe Robert Betz ist ein besonderer „Phantasieförderer“. Er gehört im
deutschsprachigen Raum zu den führenden Protagonisten der „Transformation“.
Wir trafen ihn zu einem Gespräch über
unser Jubiläumsthema in einem Gartenlokal im schönen Kempten – der lockere
Gesprächscharakter wurde im folgenden
Text beibehalten.
Eckehard Waldow: Das Thema unseres
Jubiläumsheftes heißt „ Ein Traum wird
wahr“. Es geht darin um die Lebensträume und die Lebensaufgabe, die der
Mensch in sich trägt. Glaubst du, dass
jeder Mensch einen Lebenstraum hat?
Robert Betz: Bewusst nicht. Aber wahrscheinlich so etwas wie eine sich oben
vorgenommene Aufgabe. Was man
dann als Traum deuten könnte, wenn einer sagt: „Ja, da kommt eine Intuition“
und, dass er sich dieser Aufgabe, die er
sich vorgenommen hat, öffnen kann.
Ich gehe davon aus, wenn einer sagt:
„Da zieht es mich hin“, oder wenn es einen immer in dasselbe Land zieht oder
zu einem Musikinstrument oder Komponisten oder er sich von Irgendwas angezogen fühlt, dass er das Stück für Stück
zu sich zieht. Es gibt wenige Leute, denen mit 20 klar ist, was ihr Lebenstraum
ist. Ich habe auch keine Ahnung davon
gehabt mit 20 oder 30, was ich heute
mache. Und dieses Sich-Entfalten lassen, dass man sich führen lässt, das ist
für mich wichtig.
Ich sage immer, lass dich von deinem
Herzen führen, dein Herz weiß es genau, hat einen Plan; einen Plan der Möglichkeiten; nicht fixiert: du musst dann
und dann da sein usw. Lass Dich führen,
das halte ich für das beste Mittel im Gegensatz zum „Ziele setzen“, was ja fast
alle noch propagieren. Ziele kommen
aus dem Kopf - und das Andere ist einfach eine Information des Herzens. Gehe einfach mal davon aus - das ist ja
noch eine These für die Leute, die es
nicht glauben - dass dein Herz die Informationen hat, dich in deine Lebenstraumerfüllung zu führen, in allen Bereichen, auch privat.
Robert Betz, Eckehard Waldow
kann. Ich glaube, dass die Seele eine
sehr starke Zugkraft hat, die einen dorthin zieht, wo man ursprünglich hin will.
EW: Das setzt sich letztlich durch, auch
wenn man Umwege macht. Wenn wir
wissen, dass es diesen Traum gibt, dann
suchen wir ihn und öffnen uns dafür.
Sich vom Lebenstraum
„finden lassen“
RB: Das mit dem Suchen würde ich
nicht machen, denn es gibt immer wieder Informationen aus der geistigen
Welt: „Suche nicht“. Wenn du zum Beispiel eine Information kriegst, wie: „Da
kommt eine Frau zu mir irgendwann“,
ohne Zeitangabe, dann suche das nicht,
sonst störst du den Prozess. Vieles
kommt einfach auf einen zu, und wenn
du anfängst zu suchen gehst du in den
Kopf, machst Druck, und dann dauert es
länger.
EW: Vieles verdecken wir ja oder lassen
es uns verdecken oder es wird uns verdeckt durch unsere Sozialisation.
EW: Also nicht suchen sondern finden?
RB: Ja, der Traum wird oft ein Bisschen
abgelenkt, für ein paar Jährchen, für
Umwege, aber auch die müssen Sinn
machen.
Wenn ich heute die Begrenzungen aus
der Zeit sehe, in der wir aufgewachsen
sind... sie gehören zum Spiel dazu, damit man sich nachher herausschälen
RB: Finden lassen. Finden heißt, ich lasse es offen, ich vertraue und wenn ich
eine Information bekomme, freue ich
mich schon mal und in der Zeit genieße
ich das Hier und Jetzt. Man geht seinen
Weg, macht was alles Spaß bringt. Das
ist eine Frage des Vertrauens, dass da eine Führung ist, eine Führung des Herzens, des Lebens, dass es dich automaVORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
3
tisch dahinführt. Ab dem Zeitpunkt wo
du sagst, „Da habe ich einen Traum“,
oder ich spüre, da zieht es mich hin,
oder wenn du die Entscheidung fällst:
„Ich will ein glückliches Leben führen“,
dann sagen die Engel: „Da komme ich
dich unterstützen“. Oder wenn du sagst:
„Ich will den Weg meines Herzens gehen“.
Also die bewusste Entscheidung, die halte ich für sehr wichtig. Dass man Kindern zum Beispiel immer sagt: „Geh
nach deinem Herzen“.
Ich sage gerne provokativ: Sag deinem
Kind: „Geh nach deinem Herzen, und
nicht nach uns!“
In dir ist eine Weisheit, in dir ist eine
Führung. Das Kriterium ist: Was Spaß
macht, was Freude macht, was sich
stimmig anfühlt, was mit Freude verbunden ist - das ist der nächste Schritt.
Kinder haben das Recht,
alles Mögliche auszuprobieren
Wobei es bei Kindern und Jugendlichen
sehr wichtig ist, ihnen das Recht zuzugestehen, alles Mögliche auszuprobieren.
Ich bekam von meinem Vater immer
vorgeworfen: „Du machst doch nichts
zu Ende.“ Man fühlt sich als Kind dadurch schlecht. Aber man hat das Privileg auszuprobieren und es auch wieder
sein zu lassen. Man kann doch von einem Zehnjährigen, einem Zwölfjährigen, einem Fünfzehnjährigen nicht erwarten: „Geh stringent deinen Weg.“
So wie man bei manchen Tennisspielern
sagt: „Du fängst mit sechs Jahren an zu
trainieren, dann bist du mit Achtzehn
Wimbledon Sieger.“ Das ist Domestizierung.
Man kann als Jugendlicher alles ausprobieren, und heute gibt es viel mehr junge
Leute, die sehr viel früher spüren, wo es
hingeht. Wir kriegen deutlich neue Kinder, viel selbstbewusstere Kinder, die so
selbstbewusst sind, dass sie zum Teil
von der Schule verbannt werden weil
viele Lehrer ohnmächtig sind, damit
umzugehen, wenn ein Schüler in aller
Ruhe sagt: „Mache ich nicht.“ … Lehrer
sind meistens pädagogisch nicht auf die
neuen Kinder vorbereitet.
EW: Es gibt viele Beispiele von Kindern,
die sehr früh wissen, was ihre Lebensaufgabe ist, zum Beispiel ein junges
Mädchen, das sehr früh wusste, dass sie
Schauspielerin werden will. Der Weg
dahin ist aber schwer. Wenn man sich
heute an einer Schauspielschule bewirbt, werden von 1000 Bewerbern acht
Schauspielschüler aufgenommen. Das
heißt, man wird an mehreren Schulen
abgelehnt. Da ist es ganz natürlich, dass
man beginnt, an sich zu zweifeln. Wenn
man dann aber weitermacht und zum
Schluss vielleicht bei der sechsten Prüfung aufgenommen wird, ist das schon
ein Zeichen, dass man auf seinem Weg
ist. Wenn sich dann, wie in einem mir
bekannten Fall, nach der Ablehnung an
mehreren Schulen herausstellt, dass die
letzte Schule, die die Schülerin genom-
men hat, im Grunde genommen die
Beste ist, dann drückt sich darin auch
etwas aus.
Schauen wir noch einmal auf die Kinder,
die ihren Lebenstraum träumen, traumhaft spüren, die ihn jedoch zunächst
nicht erkennen können. Sie sind negativ
geprägt durch ihre Sozialisation, Eltern,
Schule, Kulturumgebung. Es macht einen wichtigen Teil deiner Vorträge aus,
dieses aufzuzeigen und Wege da hinaus
zu empfehlen. Wie können wir als Eltern
und Lehrer deiner Ansicht nach am besten verhindern, dass wir unsere Kinder
negativ prägen?
Selbsterkenntnis
und Zurücknehmen von Erwartungen
RB: Das hängt davon ab, ob der Erwachsene bereit ist – Vater oder Mutter, oder
beide – selber hinter die eigene Kulisse
zu schauen, sein eigenes Thema „Vater
und Mutter meiner Kindheit“ selber aufzuarbeiten, und in seine eigene Kindheit
noch einmal hinzugehen, noch einmal
hinzugucken. Ich empfehle da meine
Rückführungsmeditationen auf CD. Ich
denke, wenn Eltern das nicht selbst in ihrem „inneren kleinen Kind“ erlebt haben, können sie auch nicht verstehen,
was in ihrem Kind vor sich geht. Wenn
Vater oder Mutter verstehen, dass sie in
sich selbst ein altes kleines Kind haben,
ist es natürlich sehr viel leichter im Äußeren zu verstehen, was im Kind vor
VORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
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sich geht. Und dann gut hinsehen, was
die eigenen Themen sind. So projiziert
man seine eigenen Kindheitstraumata
und Begrenzungen nicht auf das Kind.
Wenn noch das Opferbewusstsein des
Erwachsenen da ist, zusammen mit den
Gefühlen gegenüber den eigenen Eltern,
dann will man das nicht auch so machen. Dann will man seinem Kind etwas
besonders Gutes tun, aber gerade das
geht aus diesem Bewusstsein heraus
dann oft daneben, weil man das Kind
dann schon wieder als potenzielles Opfer seiner Selbst sieht und sich sagt: „Ich
muss jetzt aufpassen, ich darf keinen
Fehler machen. Ich habe ein schlechtes
Gewissen, ich habe Ängste“, und das
lässt einen natürlich nicht sehr natürlich
sein. Aber je klarer, je gesettelter einer
mit sich selbst, mit seinen eigenen Eltern
ist, desto besser ist der Vater, desto besser ist die Mutter. Der/die kann dann
sein Kind als Persönlichkeit sein lassen
und sich sagen: „Ah, er/sie ist ja anders“, eben nicht mit dem Ziel: „Ah, das
ist ja ganz meine Tochter, ganz mein
Sohn.“ Die Erwartungen sollte man zurücknehmen. Die Erwartungen, Wünsche und Forderungen sind die größten
Handicaps, die man sich aber transparent machen und zurücknehmen kann.
Es gibt wahrscheinlich keine Eltern, die
keine Erwartungen haben, denn alle
meinen es ja gut. „Du sollst es einmal
gut haben.“ Selbst Väter und Mütter, die
ihre Kinder schlagen, denken unbewusst
„Ich will, dass er ein guter Mensch
wird“, so pervers das auch klingt.
Das Zurücknehmen der eigenen Erwartungen setzt voraus, dass ich meine Geschichte zumindest anschaue. Dann
kann ich die eigene Persönlichkeit des
Kindes wahrnehmen und sagen: „Ist ja
toll!“ Und dann muss ich es nicht persönlich nehmen, wenn das Kind wütend
ist.
Dass man es nicht persönlich nimmt, ist
ein wichtiger Punkt. Wenn deine Liebe
so weit geht, dass deine Tochter dich
verurteilen kann, wenn deine Tochter
stinkig auf dich sein kann und du trotzdem in der Liebe bleibst…
EW: Ja, es macht Freude selbst zu erleben, wenn man so etwas kann. Das ist es
auch, was wir in der Waldorfpädagogik
machen, sehr genau zu wissen, dass alle
Erziehung erst einmal Selbsterziehung
ist. Was ich in mir verändere, wirkt auf
die Kinder. Wenn ich mich als Lehrer einem „schwierigen“ Kind Abends in meiner Meditation zuwende, sind Probleme, die ich mit diesem Kind hatte am
nächsten Morgen oft wie durch Zauber
verschwunden.
Entscheidung für das eigene Glück
RB: Vor der Vermittlung von irgendetwas halte ich es für Eltern und Lehrer für
am Wichtigsten, dass sie sich dafür entscheiden, ein glücklicher Mensch sein
zu wollen. Wenn sie das ausstrahlen, ist
das die Haupterziehungsleistung. Nicht-glückliche Eltern können ihre Kinder
nicht glücklicher machen als sie selbst
sind. Ich frage in meinen Vorträgen jeden Abend, wer eine glückliche Mutter,
wer einen glücklichen Vater gehabt hat,
und es ist durch die Bank von Hamburg
bis München und Zürich dasselbe: maximal ein Prozent. Daraus kann man einiges schließen. Wenn du unglückliche
Eltern hattest, ergibt sich daraus entweder Mitleid oder Verachtung, in jedem
Fall aber der Entschluss „So will ich
nicht sein, denn was sollen meine Kinder anfangen mit einer leidenden Mutter?“ Siebzig bis achtzig Prozent aller
Frauen sagen sich: „Ich will nicht so
sein.“ Und damit beeinflussen sie unbewusst ihren Lebenslauf, und das nicht
unbedingt sehr günstig, denn was ich
ablehne, in diesem Fall das Schwachsein, das ziehe ich gerade an, weil ich
meine Energie darauf richte.
viele hundert Jahre lang nicht-glückliche
Ahnen. Die, die vertrieben worden sind,
die, bei denen die Bomben gefallen
sind, diese Zeiten waren ja wirklich kein
Zuckerschlecken, und das sitzt uns mit
in den Knochen, aber du hast Recht, dieses Ansprucherheben, glücklich zu sein,
ist wirklich jung.
Wirkung früherer Leben
und des Lebens unserer Ahnen
EW: Wer für seine Lebensanschauung
den Reinkarnationsgedanken akzeptiert,
kann auch das in früheren Inkarnationen
Gelernte und Gefühlte in sein heutiges
Leben mit einbeziehen. Eine christliche
Inkarnation im europäischen Mittelalter
zum Beispiel impliziert Ablehnung von
Sexualität, Selbstgeißelung, Ablehnung
von Wohlstand und vieles mehr, denn
die ursprünglichen Gründe solcher
Maßnahmen waren in dieser Zeit meist
gar nicht mehr wirksam.
RB: Ja, die vielen Gelübte, die wir abgelegt haben, Keuschheitsgelübte, Armutsgelübte, das alles sind Wirkungen der
letzten Inkarnationen. Aber vordergründiger für unsere Bevölkerung sehe ich
das Thema der Ahnenproblematik. Da
muss ich nicht von meinen Inkarnationen ausgehen, sondern ich sage einfach,
jeder hat Familiensysteme, Ahnensysteme und alles was die Frauen und Män-
EW: Dass wir als Eltern, als Menschen
überhaupt glücklich sein „dürfen“, uns
das zuzugestehen, ist ja relativ neu, das
spricht sich in den letzten zwanzig Jahren immer mehr herum. Vorher war es
eigentlich etwas Negatives, dass ich
mich liebe, dass ich glücklich sein darf,
während andere unglücklich sind usw.
Das haben die Kirche und unsere Kultur
als „Egoismus“ stark abgelehnt.
RB: Ja. Eine große Rolle spielt auch die
Lebensweise unserer Ahnen. Wir hatten
VORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
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ner vor dir erlebt haben, sitzt dir in der
Wäsche. Vor einiger Zeit war in der Tagespresse zu lesen, dass man jetzt in der
DNA von Urenkeln traumatische Erlebnisse des Urgroßvaters nachweisen
kann. Ich beziehe in meine Vorträge mit
ein, dass wir die Ahnen einladen, sich
hinter uns zu stellen. Wir sind in unserer
feinstofflichen Struktur mit unserer Ahnengeschichte verbunden, und wenn
wir das jetzt lösen können, ist das schön.
Ich bin davon überzeugt, dass auch die
Ahnen davon profitieren. Viele Ahnen
sind ja auch immer wieder ausgegrenzt
worden. Heute sind das sogenannte
„Randgruppen“. Die fühlen sich einfach
nicht im Kreis der Liebe, und diese Ausgegrenzten hängen praktisch als Störer
im Familiensystem drinnen. Einer der
Enkel oder Urenkel kann das Thema aufgreifen und für die Familie lösen.
Oder das Beispiel Flüchtlingsfamilien.
Da gibt es dritte, vierte Generationen,
die immer noch flüchten, weil sie in ihrer Kindheit gehört haben: „Wir gehören
hier nicht her, wir sind Flüchtlinge.“ Das
geht dann ins Bewusstsein des Kindes,
und wenn das über Generationen gemacht wird, geht das ins Physische über.
Das gilt auch für andere traumatische Erlebnisse. Es gibt immer wieder Fälle, da
ist zum Beispiel der Mann im Alter von
42 Jahren gestorben, sein Sohn auch,
dessen Sohn auch. Da muss jemand aussteigen. Wir können diese Ketten jetzt
wirklich durchbrechen und damit die
Ahnen miterlösen. Das ist wirklich toll,
Kindern auch mal in einen Freizeitpark
fahren, das gehört auch dazu, aber ich
würde das genauso wie Film und Fernsehen aus Liebe zu den Kindern strikt begrenzen. Da würde ich sehr bestimmt
Grenzen aus Liebe setzen, da können
die Kinder protestieren wie sie wollen.
Ich weiß, das tut ihnen nicht gut und darum setze ich aus Liebe diese Grenzen.
Eltern, die Kindern kein Angebot
machen, sollen nicht klagen.
wenn das bekannt wird, und die Ahnen
klatschen Beifall. In den nächsten Jahren
wird es immer bekannter werden, dass
die Ahnen leben, auch wenn die Mediziner das noch nicht akzeptieren. Aber
ein Viertel versteht das schon und sieht
und fühlt das.
Phantasie und Intuition
EW: Unser Verlag nennt sicht gerne
„Verlag zur Förderung der Phantasie“,
jener bildschaffenden Kraft in uns, die
viele Lebensbereiche bedingt.
Was verstehst du unter Phantasie und
welche Rolle spielt sie in deiner Arbeit?
RB: Der Phantasiebegriff wird oft etwas
anders verstanden, als ich ihn sehe. Oft
wird gesagt „Streng deine Phantasie mal
an“, damit Bilder kommen, Vorstellungen also. „Mache dir mal eine Vorstellung von einem See“. Ich sage in einer
geführten Meditation zum Beispiel „Ich
zähle bis drei und dann kommt ein See.“
Da denkt sich der eine: „Ich muss mir
jetzt einen See vorstellen.“ Ich sage lieber: „Du musst dir nichts vorstellen, sondern warte, welches Bild kommt, wie
beim Beginn eines Films. Warte, welches Bild kommt.“ Phantasie ist für mich
so etwas wie eine Medialität, eine Form
von Angebundensein. Ich warte, dass da
etwas kommt, also ohne Anstrengung
kommen lassen.
Wenn ich auf der Bühne stehe bei einem
Vortrag und ich sage mir „Jetzt will ich
mir vorstellen, was ich gleich sage“,
dann habe ich eine Barriere dazwischen, das wäre ein sehr großer Störer.
Was mir wichtig ist in meiner Arbeit, ist
ein Angebundensein. Ich lasse mich führen, ich begebe mich ganz in den Prozess. Das habe ich früher nicht gemacht,
da habe ich mir meine Vorträge vorgeschrieben. Zwanzig Seiten getippt, dann
hatte ich das Manuskript dabei, dann habe ich immer wieder darauf geguckt und
wenn ich mir sicher war, das Manuskript
verlassen und hatte auf der nächsten Seite wieder einen Neubeginn, also immer
einen roten Faden. Das habe ich lange
gemacht, ohne den Ehrgeiz, das Manuskript wegzulegen.Eines Tages habe ich
dann gemerkt: „So, ich kann es weglassen.“ Das war so nach 5 bis 6 Jahren.
Der Unterschied zu damals ist, heute habe ich das Vertrauen. Heute nehme ich
mir ein Thema und dann spreche ich
drei Stunden darüber, frei. Wenn dein
Inneres, wenn dein Herz sich damit verbindet, dann bekommst du über einen
Kanal Impulse. Wenn es mal stockt,
machst du eine Pause, guckst kurz nach
Oben, und in dieser Zehntelsekunde
geht es weiter, wird etwas nachgeschoben.
Ein gutes Umfeld schaffen
Kinder haben ja Phantasie ohne Ende.
Die Frage ist, welches Umfeld müssen
wir schaffen, damit sie Zugang dazu haben. Dazu gehört wichtig das Hinausgehen in die Natur, am Besten ein freies
Durch-die-Natur-Streifen. Ich würde mit
VORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
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Ich kann natürlich immer nur aus subjektiver Empfindung Normen setzen, ich
kann Kinder mit Büchern versorgen oder
selber mit ihnen mal ins Kino gehen, das
ist ganz wichtig. Viele Eltern sagen:
„Mein Sohn sitzt vier Stunden am Computer.“ Und dann frage ich sie: „Wo sitzen Sie?“ - „Vorm Fernseher.“ Wenn die
Eltern kein Angebot machen, dann sollen sie nicht klagen.
Auch bei hyperaktiven Kindern ist das
so, wenn sie Ritalin kriegen, die sind unterfordert, die wollen gefordert werden.
Und dazu haben viele Mütter und Väter
keine Lust, selbst aktiv zu werden. Aus
vielen Gesprächen mit geschiedenen
Vätern weiß ich, dass Kinder geschiedener Eltern vom Vater durch die Bank
mehr haben als sie vorher hatten, als die
Eltern zusammen waren. Wenn die Kinder alle zwei Wochen beim Papa sind,
dann muss der Papa sich was einfallen
lassen an dem Wochenende, und dann
haben sie den Papa das ganze Wochenende. Das haben ganz Viele berichtet,
das ist einfach ganz toll, soviel Papa hatten wir noch nie.
Das ist ein ganz witziges Ergebnis, aber
auf der anderen Seite ist es natürlich genauso wichtig, auf die Belastung der
Kinder zu schauen, wenn die Beziehung
zwischen Vater und Mutter nach der
Trennung noch nicht geklärt ist. Wenn
Spannungen da sind, übernimmt das
Kind die Spannungen von dem Elternteil
bei dem es lebt - und sogar Krankheiten.
Und wenn ein Kind sich einen Knochen
bricht, dann ist es in der Regel so, dass
es vorher einen Bruch auf einer geistigen
Ebene gegeben hat, und in vielen Fällen
war das der Bruch zwischen Vater und
Mutter. Das Kind ist das schwächste
Glied in dieser Kette. Wenn Vater und
Mutter sich streiten, versucht das Kind
sie zusammenzuhalten. Dieses dem
Energiefeld der Eltern Ausgeliefertsein,
davon kann man das Kind wohl nicht
entbinden.
alle unsere Medialität zurück. Und darum sollten wir unseren Kindern Mut
machen, dem was sie sehen zu trauen,
ihrer inneren Stimme zu trauen und ihnen eine Anleitung zu geben, wie sie damit umgehen können.
stärkt werden können in ihrem Fühlen,
gerade wenn sie gesagt bekommen, das
hast du dir nur eingebildet, das sind
Märchen, das ist nur Phantasie... Es gibt
eben verschiedene Ebenen der Wahrheit
und der Wahrnehmung.
EW: Nein, aber man kann, sobald einem
das bewusst wird, das Energiefeld ändern. In der Regel reicht es schon, wenn
einer der beiden Eltern bewusst ist.
Der Löwe
und der liebe Gott
Kinder sehen Engel und Elfen
RB: Ja, im Sinne von Vertrauen schaffen,
das Kind mit einbeziehen und sagen:
„Das ist unsere Sache, aber wir beide
lieben dich, etc.“ Am besten ist auch da
wieder die Meditation, die Verstrickung
durchschneiden in der Meditation und
sich auf Seelenebene mit dem Kind verbinden und ihm da sagen: „Ich bleibe
bei dir, egal was passiert. Hab Vertrauen
in mich.“ Das kommt dann direkt auf der
Seelenebene bei dem Kind an. Das sind
Möglichkeiten, und wenn die bekannter
werden, dann werden das Viele machen.
Phantasie und Medialität
EW: Wichtig ist unser Vertrauen in die
Kräfte der Seele, in die Phantasiekräfte,
in die Intuitionen. Wenn wir Erwachsenen den Mut haben, dazu zu stehen,
können wir darin eine Selbstverständlichkeit an unsere Kinder weitergeben,
statt die Kinder durch unsere Ängste
oder Zweifel in der eigenen Entwicklung
zu behindern.
EW: Ich habe vor 25 Jahren in Heft 1 von
„Vorhang Auf!“ die folgende Geschichte
erzählt, sozusagen programmatisch für
unsere Ziele: Die siebenjährige Anna
begegnet auf dem Weg zur Schule einem Löwen, der an ihr vorbeistreift und
sogar ihre Jacke berührt. Aufgeregt erzählt sie es ihrer Lehrerin, die ihr vorhält, sie übertreibe wieder einmal maßlos und hätte wahrscheinlich nur einen
Hund gesehen. Als Anna begeistert weiterhin den Löwen schildert, wird die
Lehrerin zornig, wirft ihr vor zu lügen
und beauftragt sie, am Abend den lieben
Gott für diese Lüge um Verzeihung zu
bitten. Am nächsten Morgen stellt die
Lehrerin die fröhlich hereinspringende
Anna sofort zur Rede: „Nun? Hast du mit
dem lieben Gott gesprochen?“ - „Ja, Frau
Schlomp!“ - „Und?“ - „Ich habe es ihm
genau erzählt. Und er war auch der Meinung, dass es ein Löwe war!“
RB: Da hatte Anna Gott als Partner.
Ganz süß. - Ja, ich glaube, dass Kinder
durch eine solche Zeitschrift sehr ge-
RB: Eine mediale Freundin von mir hat
bereits als kleines Kind geistige Wesen
gesehen, lief zu ihrer Mutter und rief:
„Mama, Mama, da ist ein Mann in meinem Zimmer!“ Sie hatte das Glück, das
ihre Mutter sagte: „Dann frage ihn, was
er will.“ Das war der Beginn ihrer Medialität. Andere Eltern sagen: „Ach, Unsinn, da ist nichts.“ Das ist der Grund,
warum viele Kinder im Alter von 3-5
Jahren ihre Medialität verlieren. Wir sind
von Haus aus medial, und diese Hochsensibilität kann man fördern, kann man
trainieren.
Wir werden uns in Zukunft alle erinnern,
wir bekommen jetzt, in diesem Zeitalter,
VORHANG AUF • ELTERNTEIL • Heft 100
7
Das dürfen wir als Erwachsene wieder
lernen. dass wir nach Innen gehen und
dort wahrnehmen. Dazu mache ich in
meinen Vorträgen Übungen. Und wenn
ein Drittel, die Hälfte der Teilnehmer
das Feinstoffliche, das Ätherische, den
Energiekörper oder wie man es nennen
will, wirklich wahrnimmt, ist es leichter
diese Ebenen zu akzeptieren.
Für Kinder ist das einfach; frag mal ein
Dreijähriges: „Hast du schon einmal einen Engel gesehen?“ Da antwortet das
Kind: „Ja, du etwa nicht?“ - Oder im
Wald bei den Elfen... Kinder können das
sehen! Sie sind noch offen, medial.
Und das in einer Zeitschrift zu fördern,
ist wichtig. Das fühlen die Kinder: „Da
sagt endlich mal einer das, was ich sowieso die ganze Zeit sehe. Da nimmt
mich einer ernst.“
EW: Robert, ich danke dir für dieses
spannende Gespräch!
Alle Informationen über die Arbeit von
Robert Betz unter www.robert-betz.com
FOTOS: S. 2: ROBERT BETZ
S. 3 - 7: VERA WALDOW
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Seele and Geist
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