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Kinder- und Jugendhilfe
Hünenburg
Ev.-luth. Stiftung Hünenburg
Melle - Riemsloh
Neues von Unterwegs
Von uns – mit uns – über uns
Ausgabe No. 14 ● Winter 2008/2009
Editorial
02
Auf ein Neues!
● Frank Mattioli-Danker
„Gemeinsam Leben!“
03
Die Aussenwohngruppe LOGO
● Nicolé Adämmer
Urlaubsgrüsse
06
„Ich möchte LOB!“
07
Das Modell der Leistungsorientierten Bezahlung
● Reinhard Kortus & Tom Brodhuhn
Leben und Lernen auf der Burg 10
Das Kant. Jugendheim Aarburg (Schweiz)
● Tom Brodhuhn
Kinder…
12
Wir bieten Ausbildung und
sind in Ausbildung
13
Kompetenztraining/Ausbildungsbegleitungstreffen
● Frank Mattioli-Danker, Tom Brodhuhn
Mehr als nur Schule
15
Projekte und Werkstätten der Ferdinand-Rohde-Schule
Legal – Egal? Illegal – Skandal! 16
Zwischen Wegsehen und Überreagieren
● Anne Behrendt
Impressum
Inhalt
Herausgeber:
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Redaktion & Layout: Tom Brodhuhn
Antigewalttraining für Mädchen 20
Fotos: Sebastian Ahrens, Hendrik Bode,
Tom Brodhuhn, Frank Mattioli-Danker,
Ralf Propach, Anja Schmidt, Christina Seiler,
Andreas Szulta, Frank Wiemann, privat,
www.fotolia.de
Burglogo: Heiko Heise-Grunwald
● Frank Wiemann
Nds. Landesarmutskonferenz
21
Armut bekämpfen – Benachteiligungen abbauen
● Martin Fischer, Horst-Peter Ludwigs
Der Weg nach Bologna
Druck:
Gemeindebriefdruckerei
Martin-Luther-Weg 1
29393 Groß Oesingen
22
Eine Zwischenbilanz
● Tom Brodhuhn
Lachen auch Sozialarbeiter?
23
Nächste Ausgabe: Sommer 2009
Was erlaubt Partizipation?
24
Nr.14 Dezember 2008
Hünenburg 2008
Anforderungen an die Rahmenbedingungen im
alltäglichen beruflichen Handeln von Fachkräften
● Frank Mattioli-Danker, Tom Brodhuhn
Abschied nach 33 Jahren
28
Doris Diekmann verlässt die Hünenburg
● Klaus-Jürgen Alder-Meyer
Spendenkonto:
Vater
Sparkasse Melle
Kto.-Nr. 501 197
BLZ 265 522 86
Neues von Unterwegs – 14/2008
29
Ein Leserbrief
Sonst noch was?
Seite 1
30
Editorial
Auf ein Neues !
Liebe Freunde der Hünenburg,
ein neues Jahr hat begonnen und (hoffentlich
für uns alle) geruhsame und Zuversicht spendende Feiertage liegen hinter uns.
Im Gegensatz zu früheren Jahren haben wir
uns diesmal bewusst für ein Erscheinen des
Rundbriefs nach den Weihnachtsferien entschieden, um ihn mit seinen Inhalten nicht in
all den Wurf- und Werbesendungen untergehen zu sehen, die Sie alle erfahrungsgemäß im
Laufe der letzten Tage und Wochen erreicht
haben dürften.
Mit Mut und Kraft wollen wir uns nun also dem
neuen Jahr 2009 zuwenden, nicht jedoch,
ohne Ihnen über das zu berichten, was sich
seit dem Erscheinen des letzten Rundbriefs im
vergangenen Sommer in und um die Kinderund Jugendhilfe Hünenburg ereignete.
Ein aufregendes, manchmal aufreibendes,
aber auch fachlich und betriebswirtschaftlich
erfolgreiches Jahr 2008 mit einem stabilen
und engagierten Personalstamm, dem ich
herzlich danken möchte, liegt hinter uns.
Da viele – bunt bebilderte - Großveranstaltungen eher in den Sommermonaten stattfinden
(und somit über diese bereits ausführlich
berichtet wurde), möchten wir den vorliegenden Rundbrief eher konzeptionellen und fachpolitischen Aspekten widmen, mit denen wir
uns im Laufe der zurückliegenden sechs Monate beschäftigt haben:
Nach einer Darstellung der Arbeit in der Außenwohngruppe LOGO im Herzen Melles sowie
der damit in engem Zusammenhang stehenden Jugendwerkstatt, beschreiben wir verschiedene, fest in die konzeptionellen Strukturen der Gesamteinrichtung verankerte Modelle, von denen wir hoffen, dass sie Schule
machen mögen:
der regelmäßigen einrichtungsinternen Ausbildungsbegleitung motivations- und somit qualitätssteigernd ausgewirkt.
Neben der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Anforderungen des päd. Alltags,
der stets neue Modifizierungsprozesse der
eigenen Arbeit einfordert und so innerhalb der
Hünenburg zu einer erneuten Thematisierung
des Umgangs mit drogenkonsumierenden
Jugendlichen, gewaltbereiten Mädchen (Antigewalttraining) sowie der Möglichkeiten gelingender Partizipation führte, haben wir auch
öffentlich Position bezogen für unsere und die
Interessen unserer Klientel, so beispielsweise
im Rahmen der niedersächsischen Landesarmutskonferenz, dem Fachtag des Deutschen
Vereins für Fürsorge in Frankfurt oder während
einer Studienreise in die Schweiz.
Besonders dankbar sind wir für Reaktionen
von Ihnen, so dass wir mit Freude auch einen
Leserbrief veröffentlichen können, der uns als
Reaktion auf einen Artikel des vergangenen
Rundbriefs erreichte.
Abschließend möchte ich all denen herzlich
danken, die es mit Ihrer Unterstützung und
Ihren Spenden möglich machen, unsere Arbeit
für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen erfolgreich umsetzen zu können.
Ich wünsche Ihnen und uns ein Jahr 2009, das
Glück, Erfolg und Gesundheit, neue Herausforderungen und Phasen der Ruhe bringen möge!
Herzlichst,
Ihr
So hat sich nicht nur das inzwischen fest
implantierte Modell der Leistungsorientierten
Bezahlung ( LOB ) sondern auch das Angebot
Seite 2
Frank Mattioli-Danker
Geschäftsführer
Neues von Unterwegs – 14/2008
„Gemeinsam Leben !“
Die Aussenwohngruppe LOGO
Grundsätzlich handelt es sich um Jugendliche
und junge Erwachsene1, die zur Selbstständigkeit geführt und in diese, zur Anpassung in die
Gesellschaft, begleitet werden.
Leben im Herzen Melles:
Die Außenwohngruppe Logo
Die AWG Logo blickt auf eine einrichtungsgeschichtlich lange Tradition zurück.
Vor etwa 30 Jahren mietete die Ev.-luth.
Stiftung Hünenburg das ehemalige Gutshaus am Engelgarten in Melle, um dort
die erste Außenwohngruppe der Einrichtung anzusiedeln. Das damalige Konzept
richtete sich an eine gemischtgeschlechtliche Zielgruppe, was in den bewegten
70er Jahren seitens der Jugendämter mit
Bedenken verbunden war. „Dieses Unternehmen war zu der damaligen Zeit ein
Wagnis“ berichtet die Mitarbeiterin Ulrike
Behnke.
Das Wagnis hat sich gelohnt. Gegenwärtig
nennen 9 Menschen die AWG Logo ihr Zuhause. Diese Formulierung ist im Zusammenhang
mit dieser Wohngruppe von besonderer Bedeutung. Denn die aktuelle Konzeption bezieht
sich größtenteils auf Jugendliche und junge
Erwachsene, die den größten Teil ihres Lebens
in Jugendhilfeeinrichtungen verbracht haben
und in dieser Wohn- und Betreuungsform
einen gesicherten und langfristigen Heimatplatz erhalten können.
Neues von Unterwegs – 14/2008
Die Mitarbeiter Ulrike Behnke und Hendrik
Bode konkretisieren dies: „Die Bewohner der
AWG weisen psychische Erkrankungen auf,
haben oft große Ängste.“ Diese Einschränkungen sind gravierend, reichen jedoch für die
Unterbringung in der Behindertenhilfe nicht
aus. Ebenso, so heben die Mitarbeiter hervor,
finden in der Wohngruppe auch vormals straffällig gewordene Menschen ihren Platz, den sie
in ihrem ehemaligen sozialen Umfeld verloren
haben2.
Das Axiom der Wohngruppe besteht im „Gemeinsamen Leben“. Die Mitarbeiter stehen für
diese pädagogische Haltung und praktizieren
sie in ihrem Angebotsverhalten: sie beziehen
die Bewohner in ihrem Freizeit- und Privatleben mit ein und lassen sie daran teilhaben3. In
der Praxis zeigt sich dies auf verschiedenen
Ebenen. Ein Mitarbeiter bewohnt zum Beispiel
ein Appartement in dem Gebäude der Wohngruppe. Auch die einmal wöchentlichen Gruppendienste durch die Werkstattleitung sind
exemplarisch dafür, dass die Mitarbeiter insgesamt persönlich und fassbar auftreten. Die
grundsätzliche Erfüllung der Pflichtschulzeit ist
bezüglich einer Aufnahme in die AWG Logo
vorausgesetzt. Die tägliche Berufstätigkeit ist
Pflicht.
Seite 3
Unterbringungen erfolgen gem. §27, §34, §35a und §41
SGB VIII sowie §53ff und §67ff SGB XII. Die Leistung von
Eingliederungshilfe in begründeten Einzelfällen setzt eine
Einzelvereinbarung nach §93 SGB XII voraus.
2 Bewohner, die zu ihren Familien Kontakt haben und halten,
werden durch die Mitarbeiter bei diesen unterstützt und bzgl.
der jeweiligen Themenschwerpunkte begleitet.
3 Konzeption der AWG Logo, Stand November 2008
1
Da sich die Eingliederung der jungen Erwachsenen in den regulären Arbeitsmarkt aufgrund
ihrer psychischen Erkrankungen nahezu unmöglich gestaltet, ist der überwiegende Teil
der Bewohner in der einrichtungsinternen
Jugendwerkstatt unter der Anleitung des
Werkstattleiters Sebastian Ahrens beschäftigt.
Blick in einen Bereich der Jugendwerkstatt
Hier gilt es den Fähigkeiten und Möglichkeiten
der Bewohner entsprechend, neben Schlüsselqualifikationen wie beispielsweise diversen
handwerklichen Fähigkeiten, Handlungskompetenzen zu vermitteln, um sich eigenständig
mit Situationen auseinandersetzen, sie gestalten und bewältigen zu können. Zu diesem
Zweck besteht zwischen der Wohngruppe und
der Werkstatt eine unmittelbare Vernetzung.
Ferner tauschen sich Wohngruppe und Werkstattmitarbeiter über jeweils in den Bereichen
erstellte Tagesberichte aus. „Die Tagesdokumentation der Werkstatt erreicht uns, bevor
der erste Bewohner auf der Wohngruppe
eintrifft.“1 Auf diese Weise ist ein gegenseitiger
Austausch gewährleistet, der es den Bewohnern unmöglich macht, unangenehme Situationen, Begebenheiten oder Konflikte zu umgehen. Sie sind gefordert, sich diesen aktiv zu
stellen und sie in der Folge ihren Fähigkeiten
entsprechend zu meistern. Ulrike Behnke weist
hier eindringlich darauf hin, dass die enge
Zusammenarbeit zwischen Wohngruppe und
Werkstatt Kritik seitens der Bewohner hinsichtlich ihrer Arbeit nicht ausklammert: „Die
Bewohner sind hier zuhause und da muss man
auch mal über die Arbeit meckern können.“
Partizipation und Meinungsäußerung sind im
Sinne der Verselbständigung gewissermaßen
das Gegenüber zu den alltäglichen Verpflichtungen. Für den einen mehr, für den anderen
weniger, gehören diese „Freiheiten“ sicherlich
zu den großen Vorzügen der AWG Logo. Jedes
Gruppenmitglied ist Teil des Ganzen und verfügt über eine Stimme, die nicht nur gehört
werden will sondern auch gehört werden soll.
Regelmäßige Gruppenbesprechungen tragen
dafür Sorge. Die erste Gelegenheit des Tages
besteht hierfür bei der rituellen, dennoch
freiwilligen Kaffeerunde im Anschluss an den
Arbeitsalltag: „Die Gruppenmitglieder haben
die Möglichkeit anzukommen und von ihrem
Tag zu erzählen.“2 Verpflichtend hingegen sind
die im Anschluss an das Abendessen stattfindenden Gruppenbesprechungen. „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können eigene
Themen ansprechen und parallel werden ihnen
Teambeschlüsse mitgeteilt.“ „Jeder muss
lernen, derartige Situationen aushalten zu
können und sowohl eigene wie auch die Interessen anderer vertreten zu können.“3 Auch
Neuaufnahmen werden binnen dieser Gruppentreffen besprochen und im gemeinsamen
Verbund entschieden.
Neben diversen lernpsychologischen Methoden
wie dem kognitiven Lernen und dem Modellund Verstärkungslernen nutzen die Mitarbeiter
der AWG vor allem gruppendynamische Prozesse. Die Bewohner leben miteinander, sie
„leben gemeinsam“.
2
1
Interview Ulrike Behnke und Hendrik Bode
Seite 4
3
Ebd.
Ebd.
Neues von Unterwegs – 14/2008
Jeder ist verantwortlich und es wird gegenseitige Unterstützung vorausgesetzt und erwartet.
Hendrik Bode überträgt diesen Leitsatz auf die
Praxis: „Es beginnt beim morgendlichen Aufstehen. Die Jugendlichen stehen in gegenseitiger Verantwortlichkeit. Wer verschläft, wird von
den anderen geweckt.“ Die stringente Einhaltung fester Strukturen geht jedoch über die
Vermittlung von Sozialkompetenzen hinaus.
Vielmehr gilt es, einen normalen und klar
strukturierten Tagesablauf vorzugeben. „Strukturen sind für unsere Bewohner besonders
wichtig“, so Hendrik Bode. „ Die hier lebenden
Menschen genießen Schutzraum und gewisse
Freiheiten, die zum Erwachsen-Sein einfach
dazu gehören. Dazu gehört aber auch ein
gewisses Regelwerk.“ Ulrike Behnke ergänzt
dies: „Kleinste Veränderungen in den wohl
durchdachten Strukturen müssen vorab angekündigt werden, um den Bewohnern Gelegenheit zu geben, sich darauf vorzubereiten und
sich darüber austauschen.“ Die Wohngruppenmitglieder leben einen immer wiederkehrenden Alltag, der es ihnen ermöglicht, den
Anforderungen des täglichen Lebens zu begegnen. Diese beginnen beim morgendlichen
Aufstehen, führen über einen ´normalen`
Arbeitsalltag und der darauf folgenden Hygiene, bis zum pünktlichen Abendessen, der sich
anschließenden obligatorischen Gruppenbesprechung und der eigenverantwortlichen Gestaltung
eines
angemessenen
Tag-NachtRhythmus. Darüber hinaus sind die Jugendlichen für die Erfüllung eben dieser Anforderungen selbst verantwortlich. Lebenspraktische
Inhalte, wie beispielsweise der Großeinkauf,
inklusive der vorangehenden Erstellung der
Einkaufsliste und der Bestimmung von Mengen wie auch der Einkauf selbst, werden durch
die jungen Erwachsenen idealerweise selbst
organisiert und durchgeführt. Auch das Kochen
obliegt der Verantwortung der Bewohner.
Lernbehinderungen, psychische Erkrankungen
Neues von Unterwegs – 14/2008
oder unzureichende Sozialisationserfahrungen
erschweren den Bewohnern die Umsetzung
dieser Eigenverantwortlichkeiten radikal. Daher ist es an den Mitarbeitern der Wohngruppe, ihren Klienten die notwendigen Hilfestellungen zu geben, sie zu erinnern und zu unterstützen. Dabei gilt es, identische Lerninhalte
immer wieder von neuem zu vermitteln, da die
Bewohner aufgrund ihrer Behinderungen
immer wieder Rückschritte durchlaufen. Hierbei treten abermals lerntheoretische Methoden in den Vordergrund.
Bei der AWG Logo handelt es ich um eine
Wohngruppe, die sich über diverse Merkmale
hervorhebt: gemeinsames Leben in Struktur
und Alltag unter gleichbleibenden Bedingungen in einem gegenseitigen Geben und Nehmen und unter Anleitung der mitarbeitenden
Persönlichkeiten. Der Alltag ist durch ein Gros
an Eigenverantwortlichkeit gekennzeichnet,
was damit einhergehende Regeln ebenso mit
einschließt wie gewisse Freiheiten. Deutlich ist
aber auch, dass es sich bei den Bewohnern um
junge Erwachsene handelt, die aufgrund ihrer
psychischen Erkrankungen und Behinderungen
auf die Unterstützung und Hilfe der Wohngruppenmitarbeiter angewiesen sind. Das auf sie
abgestimmte System der Wohngruppe ermöglicht ihnen das Gefühl, Teil eines Ganzen zu
sein und ihren Teil zum gesellschaftlichen
Leben beisteuern zu können. Dies ist die
eigentliche Besonderheit der AWG Logo: die
Wohngruppe nimmt sich junger Erwachsener
an, die ohne Hilfe unter der Last alltäglicher
und gesellschaftlicher Anforderungen untergehen würden.
Unser herzlicher Dank gilt den Mitarbeitern Ulrike
Behnke und Hendrik Bode für ihre Bereitschaft, aus
ihrer täglichen Arbeit in der AWG Logo zu berichten.
Seite 5
Nicolé Adämmer
Erziehungswissenschaftlerin
Mitarbeiterin der sozialpäd. Wohngruppe „Südhaus“
Urlaubsgrüsse
Sommer 2008
Seite 6
Neues von Unterwegs – 14/2008
„Ich möchte Lob !“
Das Modell der Leistungsorientierten Bezahlung
„(1) Zielvereinbarungssysteme ermöglichen die angemessene Teilhabe von Arbeitnehmerinnen an
der Wertschöpfung. Sie gehen davon aus, dass Arbeitnehmerinnen grundsätzlich erfolgsorientiert
arbeiten. Hierzu können entsprechende Dienstvereinbarungen abgeschlossen werden.
(2) Durch die Dienstvereinbarung ist folgendes zu regeln:
Verfahrensweise bei der Planung der Ziele und der Kontrolle der Zielerreichung;
Information über den jeweiligen Zielerreichungsgrad;
Kompetenz und Verantwortung der Arbeitnehmerinnen bei der Zielerreichung;
Verteilungsschlüssel bei der geschaffenen Wertschöpfung.
(3) Die auf Grund von Zielvereinbarungen ermittelten Leistungsentgelte stellen Zusatzentgelte zu
den Tabellenentgelten dar.
(4) Für Arbeitsplätze im gewerblichen Bereich, deren Arbeitsergebnisse nach Zeit und Menge
messbar sind, kann durch Dienstvereinbarung ein Leistungsentgeltsystem eingeführt werden.
(5) In dem Leistungsentgeltsystem sind folgende Tatbestände zu regeln:
Form der Messung und betroffener Personenkreis. Hierbei sind die Bezugsgrößen so festzulegen, dass bei menschengerechter Gestaltung der Arbeitsbedingungen die für diese Arbeiten geeigneten Arbeitnehmerinnen unabhängig vom Geschlecht und Lebensalter bei normaler Arbeitsleistung auf Dauer und ohne gesteigerte Anstrengung das jeweilige Tabellenentgelt gemäß Eingruppierungskatalog erreichen können.
Zuschlagsatz für die Bereitschaft in einem Leistungsentgeltsystem zu arbeiten.
(6) Zur praktischen Umsetzung von Ziel- und Leistungsvereinbarungen ist ein paritätischer Bewertungsausschuss einzurichten.
Größe, Zusammensetzung und Kompetenz des Bewertungsausschusses wird zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitervertretung vereinbart. Der Ausschuss kann fachlich erfahrene, mit den Betriebsverhältnissen vertraute Arbeitnehmerinnen der jeweiligen Abteilung oder Gruppe des Betriebes hinzuziehen.
(7) Bei Nichteignung kann die Einigungsstelle angerufen werden.“1
Als eine der ersten Jugendhilfeeinrichtungen Niedersachsens bietet die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit
circa einem Jahr auf Grundlage einer einrichtungsintern zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung (MAV) entwickelten Dienstvereinbarung2
das Modell der Leistungsorientierten Bezahlung auf Grundlage des für sie
gültigen Tarifwerks (AVR-K) an.
1
2
§ 25 AVR-K (Stand: 01.01.2008); vgl. auch § 18 TVöD-Bund (Stand 13.09.2005)
In der Dienstvereinbarung sind folgende Aspekte geregelt:
Einführungs- und Umsetzungsmodalitäten
Beschreibung der Intention von LOB
Definierung der Leistungsprämie
Definition der Messeinheiten der Zielerreichung
Verfahrensdarstellung
Bestimmung der Höhe des Finanzvolumens
Definition der Grundsätze der Verteilung
Beschreibung der Informations- und Beteiligungsrechte der MAV
Regelung der Tätigkeit der Betrieblichen Kommission (BK).
Neues von Unterwegs – 14/2008
Seite 7
Ziele von LOB
„LOB ist eine
Möglichkeit des
Zuverdienstes in
Verbindung mit
intensiver Beziehungsarbeit.“
„Bei LOB handelt
es sich in der
Regel um Gruppenaktivitäten
über den regulären Wohngruppenalltag hinaus.
Gruppen- und Sozialkompetenzen
der Jugendlichen
können im separaten Setting
gefördert werden.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter focussierend dient
das Modell Leistungsorientierter Bezahlung der
Personalentwicklung und –führung,
Stärkung der ind. Leistungsfähigkeit und –steigerung,
Erreichung persönlicher Entwicklungsziele,
der Motivationssteigerung (finanz. Anreiz für Einzelne oder
Gruppen & Selbstverwirklichungsmöglichkeit) sowie der
Stärkung von Eigenverantwortung und Führungskompetenz.
Als Einrichtungsinteressen verfolgt die Hünenburg mit
der Installierung des LOB-Modells Interessen der
Qualitätsverbesserung,
Auffindung von Einsparungspotentialen,
Effizienz- und Effektivitätssteigerung,
Entgeltgestaltung auf tarifrechtlicher Basis im Dienst der
Verfolgung strategischer Ziele.
(Mitarbeiterzitate)
Formen von LOB
Die über das vereinbarte tarifliche Entgelt hinausgehenden Zahlungen an einzelne Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter oder auch Gruppen bzw. ganze
Teams können ausgeschüttet werden als z.B. monatlich wiederkehrende, zeitlich befristete Zahlung
(Leistungszulage), Einmalzahlung auf Basis einer
Zielvereinbarung, die die/der ArbeitnehmerIn bzw.
die projektdurchführende Gruppe erfüllt hat (Leistungsprämie) oder auch als Erfolgsprämie im Sinne
einer Einmalzahlung, die in Abhängigkeit von einem bestimmten wirtschaftlichen Erfolg gezahlt
wird.
Zahlungen können beispielsweise vorgenommen
werden bei herausragendem Engagement, welches
über die eigentlichen Anforderungen hinausgeht,
zusätzlichen Arbeitsleistungen, bei wirtschaftlichem Umgang mit Ressourcen oder nach Erfüllung
zuvor definierter Leistungsmerkmale (an alle, die
sie erfüllen).
Um der dem Modell innewohnenden Gefahr der
Konkurrenz oder gar Teamspaltung entgegen zu
wirken, entschied sich die Einrichtung, ihr LOBModell als projektbezogenes Modell zu begreifen:
Erbrachte Arbeitsleistungen im Rahmen eines
Projektes werden gesondert vergütet.
Seite 8
„LOB offeriert die Umsetzung
außerordentlicher Aktivitäten
und speziell für mich als Mitarbeiter die Chance meine individuellen Fähigkeiten und Stärken
gezielt einzubringen. Außerdem
ergibt sich eine Abwechslung zu
dem beruflichen
Alltagsgeschehen.“
„Als ich den Antrag für LOB
gestellt habe, hatte ich
zunächst Schwierigkeiten damit,
mich selbst darzustellen und
meine Idee gut zu verkaufen. Im
Nachhinein hat dies jedoch mein
Selbstbewusstsein gegenüber
meiner Arbeit gestärkt.“
„LOB stellt eine individuelle
Entfaltungsmöglichkeit für Mitarbeiter mit zusätzlichen finanziellem Bonus dar, der motivierend wirkt. Es gibt jedoch nicht
nur Geld, sondern auch
Anerkennung durch Jugendliche,
Kollegen und Leitung.“
(Mitarbeiterzitate)
Neues von Unterwegs – 14/2008
Der Weg zu(r) LOB
Idee zu einem Projekt
von einem
Mitarbeiter bzw. einer
Gruppe
Antrag für LOB
Einreichung des Antrags
(Verwaltung)
Betriebliche Kommission
(BK), paritätisch besetzt
aus Arbeitgeber- und
Arbeitnehmervertretern,
entscheidet über den
eingereichten Projektantrag und formuliert
Empfehlung an die
Geschäftsführung
Geschäftsführung trifft Entscheidung
Mitarbeiter erhält „Projektvertrag“ (Regelung der
Konditionen der Zielerreichung, den er im Sinne
einer Einverständniserklärung gegenzeichnet)
Projektdurchführung
Feststellung der Zielerreichung durch die BK
während und nach
Projektdurchführung
(Information an die
Geschäftsführung)
Ausschüttung des zuvor
schriftlich vereinbarten
Betrages
Der Antrag wird abgelehnt
Einspruch/Beschwerde
an die BK
BK gibt erneute
Empfehlung an die
Geschäftsführung
Geschäftsführung
entscheidet
Abschließend sei an dieser Stelle allerdings auch noch freimütig auf zwei Schwachstellen des gegenwärtigen Modells in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
hingewiesen, auf die trotz aller Bemühungen bis dato noch keine befriedigenden Antworten gefunden wurden:
Da das LOB-Modell in erster Linie als projektbezogenes Instrument der Motivationssteigerung (inhaltliche – „Ich kann mich beruflich in einem eigenen Projekt verwirklichen und das tun, was mir und anderen Spaß macht!“ - und finanzielle Anreize) verstanden wird, kann eine Ablehnung seitens der Betrieblichen Kommission (BK) rasch
als frustrierend für den einzelnen Mitarbeiter, potentiell Unfrieden stiftend und hinsichtlich der Gesamteinrichtung letztlich das Modell behindernd interpretiert werden. Kurz:
Der Umgang mit unzureichenden oder abzulehnenden Anträgen (z.B. Anträge für
Selbstverständliches oder bereits Dagewesenes) setzt ein hohes Maß an Verantwortungsbereitschaft und Weisheit der Kommission voraus.
Weiterhin wurde bisher keine befriedigende Lösung gefunden für die zeitliche Problematik, die sich aus dem Modell ergibt: Da vorgesehen ist, dass die jeweiligen Projekte
während und nicht außerhalb der Dienstzeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
durchgeführt werden, erhalten diese nach erfolgreicher Projektdurchführung eine
Zusatzzahlung, während die „treu Dienenden“, die nicht zuletzt die Aufgaben der im
Projekt Beschäftigten zu kompensieren haben, leer ausgehen.
Reinhard Kortus
Vorsitzender der Betrieblichen Kommission (BK) der Hünenburg
Tom Brodhuhn
Fachbereichsleiter der Hünenburg, Mitglied der BK für die Arbeitgeberseite
Neues von Unterwegs – 14/2008
Seite 9
Leben und Lernen auf der Burg
Das Kant. Jugendheim Aarburg (Schweiz)
In Deutschland sicherlich längst zu
einem Museum umfunktioniert, befindet sich bereits seit 1893 (damals
noch „Zwangserziehungsanstalt“ genannt) ein Jugendheim in den prunkvollen Räumlichkeiten der Burg und
Festung Aarburg im schweizerischen
Kanton Aargau.
In Ergänzung zum Workshop „Wie viel
Bildungs- und Integrationschancen dürfen/müssen Einrichtungen der Jugendhilfe und des Jugendstrafvollzugs bieten“,
welcher im Rahmen des zurückliegenden
13. Kinder- und Jugendhilfetages in Essen
eine interessierte und engagierte Zuhörerschaft fand, besuchte eine Delegation
aus Deutschland, in der neben Abgesandten anderer Institutionen auch Mitarbeiter
der Hünenburg vertreten waren, im November dieses Jahres verschiedene Jugendhilfeeinrichtungen in der Schweiz.
Im Kant. Jugendheim Aarburg, früher eine
„Zwangseinrichtung für Jugendliche, Verbrecher und Taugenichts“, wie Heimleiter
Hans Peter Neuenschwander zu berichten
wusste, leben und arbeiten Jugendliche
und junge Erwachsene, die strafrechtlich
in Erscheinung traten und aufgrund ihrer
massiven Handlungsweisen einer halboffenen oder geschlossenen Unterbringung
bedürfen (als im Jahr 2006 eine Sanierung der Burganlage erforderlich wurde,
verleitete ein hoher Baukran insgesamt
17 Jugendliche zu waghalsigen Ausgängen, die zum Glück zu keinen ernsthaften
Unfällen führten).
Das pädagogische Handeln fußt auf zwei
wesentlichen Pfeilern: „Förderung: In
genauen Abklärungen werden die Bedürfnisse und die Möglichkeiten der Jugendlichen erfasst, und zwar in den Bereichen soziale Entwicklung und Ausbildung. Mit einem sehr differenzierten,
lösungsorientierten Vorgehen wird der
Jugendliche in kurz-, mittel- und langfristigen Zielen auf den Abschluss und den
Austritt vorbereitet. Diese Arbeit funktioniert nur über starke Beziehungen. Es
muss dem Jugendlichen wohl sein, damit
er sich auf die Ziele einlassen kann.
Seite 10
Neues von Unterwegs – 14/2008
Orientierung geben und Grenzen setzen:
Die Bezugspersonen auf der Wohngruppe, im Betrieb und in der Schule sind
Fachleute, welche die Umsetzung der
Zielsetzungen auch planen und realisieren können. Sie stecken zusammen mit
dem Jugendlichen den Orientierungsrahmen ab. Falls der Jugendliche die Grenzen nicht einhalten kann, werden Interventionen und disziplinarische Massnahmen konsequent und nachvollziehbar
umgesetzt. Dabei leben wir im Jugendheim ein gemeinsames Leit- und Menschenbild und gemeinsame pädagogische Haltungen und Strukturen. Diese
Klarheit gibt dem Jugendlichen Sicherheit
und Schutz. So akzeptieren wir auch
keine Gewalt, weder gegen Bewohner
noch gegen Mitarbeitende oder Außenstehende. Gerade in der aktuellen Diskussion um die Verhärtung in der Jugendgewalt empfehlen wir unser internes Vorgehen zur Übernahme:
Ein besonderes Highlight stellte der „Chor
auf Bewährung“ dar: Jugendliche im
Massnahmenvollzug bildeten zusammen
mit externen Sängerinnen einen Chor und
bereiteten sich auf ein grosses Konzert
vor, welches zum Abschluss des viermonatigen Projekts im Kursaal Bern stattfand. Das ganze Projekt, durchgehend
von Kameras begleitet, wurde auf SF 2 in
einer sechsteiligen Staffel ausgestrahlt.
Das Publikum reagierte positiv – mit rund
200.000 Zuschauern erreichte das Format eine überraschend hohe Quote.2
- Beziehungsaufnahme, Integration und
Förderung des Jugendlichen.
- Durch die Ausbildung Perspektive und
Zukunftschance vermitteln.
- In der Therapie Geschehenes reflektieren und verstehen sowie alternative
Verhaltensformen einüben.
- Opfer schützen und bei Gewaltanwendung klar, eindeutig und strafend reagieren.“1
Neben Lehrkräften, einem Psychiater und
einer Psychologin begleitet päd. Fachpersonal die Jugendlichen sowohl in den
einzelnen Wohngruppen als auch den
jeweiligen Betrieben: Außer einem Atelier
können die jungen Erwachsenen u.a.
auch in den Bereichen Bau, Gärtnerei,
Malerei, Schlosserei oder Schreinerei
tätig werden.
Bericht des Kant. Jugendheims Aarburg, Abt. Strafrecht,
2006-2007
Tom Brodhuhn
Fachbereichsleiter der Hünenburg
Mitglied der Projektgruppe
„Jugendhilfe und Jugendstrafvollzug“
1
Neues von Unterwegs – 14/2008
2
vgl. ebd.
Seite 11
Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt,
sondern ein Feuer,
das entzündet werden will.
Francois Rabelais (um 1494 - 1553)
Kinder …
Kinder - die lebenden Botschaften, die wir
einer Zeit übermitteln, an der wir selbst
nicht mehr teilhaben werden.
Neil Postman (*1931)
Kinder - kleine Wesen, die sich nicht so
benehmen dürfen wie ihre Eltern im gleichen Alter.
Autor unbekannt
Kind - eine Art Lebensversicherung die einzige Art der Unsterblichkeit,
derer wir sicher sein können.
Sir Peter Ustinov (1921-2004)
Das sicherste Mittel, Kinder zu verlieren,
ist, sie immer behalten zu wollen.
Adolf Sommerauer (1909-95)
Dass wir wieder werden wie die Kinder,
ist eine unerfüllbare Forderung. Aber wir
können zu verhüten suchen, dass die Kinder werden wie wir.
Erich Kästner (1899-1974)
Der Erwachsene achtet auf Taten,
das Kind auf Liebe.
Aus Indien
Die Fragen eines Kindes sind schwerer zu
beantworten als die Fragen
eines Wissenschaftlers.
Alice Miller (*1923)
Die Kinder finden im Nichts das Gesamte,
die Erwachsenen im Gesamten das Nichts.
Giacomo Leopardi (1798-1837)
Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie
widersprechen ihren Eltern, kleckern mit
dem Essen und ärgern ihre Lehrer.
Sokrates (um 470 - 399 v.Chr.)
Es gibt bei uns zwei Arten zu reisen:
erster Klasse oder mit Kindern.
Autor unbekannt
Es gibt keine großen Entdeckungen
und Fortschritte, solange es noch ein
unglückliches Kind auf Erden gibt.
Albert Einstein (1879-1955)
Es ist ein Unterschied, ob man von
Kindheit an lernt, die Hände zu falten
oder sie zur Faust zu ballen.
Hellmut Walters (1930-85)
Kinder... das einzige, was in einem
modernen Haushalt noch mit der Hand
gewaschen werden muss.
Autor unbekannt
Kinder müssen mit Erwachsenen
sehr viel Nachsicht haben.
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44)
Kinder und Uhren dürfen nicht beständig
aufgezogen werden,
sie müssen auch gehen.
Jean Paul (1763-1825)
Nicht Philosophen stellen die radikalsten Fragen, sondern Kinder.
Hellmut Walters (1930-85)
Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt,
ist ein Mensch!
Erich Kästner (1899-1974)
Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht,
die Blumen des Tages und die Augen
der Kinder.
Dante Alighieri (1265-1321)
Seite 12
Sind die Kinder klein, müssen wir
ihnen helfen, Wurzeln zu fassen.
Sind sie aber groß geworden,
müssen wir ihnen Flügel schenken.
Aus Indien
Neues von Unterwegs – 14/2008
Wir bieten Ausbildung und sind in Ausbildung !
Kompetenztraining/Ausbildungsbegleitungstreffen
Ausbildung zum Bürokaufmann:
Die Auszubildenden der Verwaltung
Wissen und Fähigkeiten der Berufsausbildung
und der ersten Berufsjahre genügen in den
meisten Fällen nicht mehr, um eine unter
Umständen jahrzehntelange Berufslaufbahn
im Kontext vollstationärer Jugendhilfe unter
stetig wechselnden Arbeitsbedingungen und
den Ansprüchen einer sich ständig im Wandel
befindlichen Gesellschaft sinnvoll zu durchlaufen.
So fördert die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg seit etlichen Jahren die Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
um die innere Qualität der Einrichtung und die
jeweiligen Kompetenzen der Einzelnen zu
stärken und stetig „zeitgemäß“ und anforderungsorientiert zu verbessern, nicht zuletzt
jedoch auch, um neues Personal adäquat in
den Kanon bzw. das Betriebsklima der Gesamteinrichtung einführen zu können oder
evtl. noch vorhandene Ausbildungsdefizite und
„Startschwierigkeiten“ im häufig belastenden
Bereich vollstationärer Jugendhilfe zu beseitigen.
Wurden im Rahmen der Ausbildung allumfassendere, sowohl praktische als auch theoretische Kenntnisse erworben, geht es im Rahmen des Kompetenztrainings in erster Linie
darum, dieses entstandene Wissen „einrichtungskompatibel“ zu machen.
Neues von Unterwegs – 14/2008
Sowohl für diejenigen, die sich in berufsbegleitender1 oder verschulter Ausbildung (zum
Erzieher oder Sozialpädagogen) an Berufsschulen oder Fachhochschulen befinden als
auch für die, die als Berufsanfänger neu in die
Einrichtung kommen, bietet die Einrichtungsleitung ein so genanntes Kompetenztraining
oder Ausbildungsbegleitungstreffen an [neu in
die Einrichtung eintretenden Mitarbeiterinnen
oder Mitarbeitern mit einschlägiger Berufserfahrung bietet die Einrichtung dagegen ein
gesondertes Mentoring (Einführung in die
Struktur der Einrichtung durch bereits vorhandenes berufserfahrenes Personal, wobei
dieses jeweils nicht aus dem Bereich stammt,
in dem die/der neue Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter tätig wird, um eine allumfassende,
insbesondere jedoch „unbefangene“ Einführung gewährleisten zu können).2
Circa drei- bis viermal jährlich lädt die Geschäftsleitung die neu in der Einrichtung
Tätigen oder in Ausbildung befindlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen einer
Tagesveranstaltung3 in den Konferenzraum
der Einrichtung. Die Teilnahme ist verpflichtend, kann jedoch als Dienstzeit angerechnet
werden.
Um gewährleisten zu können, dass im Rahmen der Veranstaltung auch die Themen
bearbeitet werden, die aktuell zu bewältigen
sind oder drängen, werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils circa vier Wochen
z.B. Studium der Sozialpädagogik an der niederländischen
Fachhochschule in Enschede (für diejenigen, von denen sich
durch ihre Weiterbildung ein inhaltlicher oder struktureller
Nutzen für die Einrichtung – z.B. Besetzungsmöglichkeit einer
bis dato vakanten Stelle – ergibt, übernimmt die Einrichtung
z.T. auch Teile der jeweiligen Studiengebühren bzw. gewährt
ein diesbzgl. Darlehen).
2 Alle neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung
erhalten über die Möglichkeiten des Kompetenztrainings oder
Mentorings hinaus neben dem Tarifwerk weiterhin ein so
genanntes Einführungsheft, welches neben der Historie und
dem methodischen und ideologischen Selbstverständnis auch
die wesentlichen Strukturen und Ansprechpartner der diakonischen Einrichtung illustriert, und die „Landkarte der Diakonie“, welche die anderen diakonischen Einrichtungen im Kreis
Melle präsentiert, um auch auf dieser Ebene bewußtseinsbildend (= „’Ich’ nicht nur als Teil der Kinder- und Jugendhilfe
Hünenburg, sondern als Teil der Diakonie in und um Melle“) zu
wirken.
3 i.d.R. samstags, da sich dieser Tag im Schichtdienstrahmen
der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung als wenigsten belastet
vom „Alltagsgeschäft“ erwies.
1
Seite 13
zuvor gebeten, der Geschäftsführung ihre
Wunschthemen zu nennen (schriftliche Einreichung).
Förderung von Aus- und Weiterbildung
(im oder außerhalb des Kontextes der
Einrichtung)
Förderung von Teamfähigkeit und Kooperation
Bearbeitung und Kompensation gemachter belastender Berufserfahrungen im
pädagogischen Alltag
Abbau vorhandener Ausbildungsdefizite
Erweiterung der individuellen Fachlichkeit (Kompetenzsteigerung)
Erhöhung der Professionalität
Erwerb der Möglichkeit, an Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Binnenstruktur der Einrichtung teilhaben zu
können (z.B. Erhalt einer Gruppenleiterposition nach erfolgreich absolviertem
Sozialpädagogikstudium).
Umsetzungsformen und Ziele
Abhängig von den jeweiligen Fragenstellungen
(und nach Abwägung eigener zeitlicher Ressourcen) unterrichten entweder die Vertreter
der vernetzt tätigen Einrichtungsleitung selbst4
oder aber es werden Dozenten und Referenten
zu bestimmten Themengebieten (Umgang mit
drogenkonsumierenden Jugendlichen, Aggressionen und Gewalt, Aufarbeitung von Missbrauchserlebnissen, rechtliche Grundlagen der
Arbeit, Führungsstile, Ich-Stärkung oder in etlichen Prozessen notwendige „Entschleunigung“ der eigenen Arbeit, um nur einige mögliche Themen zu nennen) geladen.
Für die Einrichtung:
Umgesetzt entweder als Plenumsveranstaltung oder Arbeit in Kleingruppen, deren Arbeitsergebnisse den anderen Teilnehmerinnen
und Teilnehmern in der zweiten Hälfte der
Tagesveranstaltung präsentiert werden, verfolgt das Kompetenztraining oder Ausbildungsbegleitungstreffen somit folgende Ziele:
Für die neuen MitarbeiterInnen:
„Betroffenenaustausch“ (Wie wird die
Arbeit bei euch umgesetzt? Welche Ausbildungserfahrungen macht ihr?)
Ermöglichung des Treffens von anderen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen
man aufgrund des dezentralen Charakters der Einrichtung – manche Wohngruppen liegen bis zu 15 Kilometer voneinander entfernt - ansonsten nur selten begegnen würde (Vernetzung und
Erweiterung der Austauschmöglichkeiten
und Bewusstseinsbildung auf kollegialer
Ebene)
Partizipationsmöglichkeit und Möglichkeit der professionellen Ausgestaltung
der eigenen Arbeit durch a) weiteren
Wissenserwerb und b) Anbietung der
Möglichkeit der Bearbeitung zuvor selbst
eingereichter Themen („Ich lerne das,
was ich meiner Meinung nach noch wirklich benötige und nicht nur, was andere
meinen, das ich wissen sollte.“)
Einführung in die Struktur der Gesamteinrichtung
Erhöhung der Professionalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Aufbau eines eigenen, stabilen Personalstamms
Festere Anbindung des Personals an die
Einrichtung
Vernetzung des Personals untereinander
(Erhöhung des „Wir- und Loyalitätsgefühls“)
Modifizierung erworbenen theoretischen
und praktischen Wissens, um es „einrichtungskompatibel“ zu machen
Implantierung „unserer Art“ zu arbeiten
(Integration in den betrieblichen Ablauf
sowohl auf konkret inhaltlicher als auch
und v.a. ideologischer Grundlage) = Identifizierung mit der Einrichtung
Erweiterung der Planbarkeit mit vorhandenem Personal (z.B. adäquatere Korrekturmöglichkeiten bei Wegfall eines Personalfalls oder Besetzung einer neu geschaffenen Stelle bei z.B. Neueröffnung
einer Wohngruppe aus „den eigenen
Reihen heraus“).
Frank Mattioli-Danker
Geschäftsführer der Hünenburg
Tom Brodhuhn
Fachbereichsleiter der Hünenburg
i.d.R. sind jeweils zwei der insgesamt drei Leitungskräfte
anwesend.
4
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Neues von Unterwegs – 14/2008
Mehr als nur Schule!
Ein Ort zum Leben Lernen:
Projekte, AG’s und Werkstätten der Ferdinand-Rohde-Schule
Töpfer-AG
„Die Reise nach Amerika“: Theater-AG
Mofa-AG
Basteln in der Grundschule
Gemeinsames Kochen
Holzwerkstatt: „Wir bauen ein Gartenhaus!“
Neues von Unterwegs – 14/2008
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Legal Egal?
Illegal Skandal!
© Sven Hoffmann – Fotolia.com
Zwischen Wegsehen
und Überreagieren
Welche Kompetenzen benötigen
Mitarbeiter der stationären
Jugendhilfe im Umgang mit
drogenkonsumierenden
Jugendlichen?
Drogenkonsumierende Jugendliche werden von gängigen Jugendhilfeeinrichtungen
eher zögerlich in eine Regelwohngruppe aufgenommen, da nach wie vor Unsicherheit
darüber herrscht, in welcher Form - erzieherisch, therapeutisch oder sanktionierend –
mit ihnen umgegangen und gearbeitet werden soll und kann. Ein begünstigendes
„Hilfsmittel“ für die Entscheidung, einen konsumierenden Jugendlichen doch in einer
Regelwohngruppe aufzunehmen, ist vor allem die Zielvereinbarung mit dem Jugendlichen, wobei die anderen am Hilfeprozess beteiligten Personen selbstverständlich mit
einbezogen werden, den Konsum schrittweise und den Möglichkeiten des Jugendlichen entsprechend abzubauen, um ein drogenfreies Leben zu führen.
Gelingt es dem Jugendlichen nicht, wird er als nicht gruppenfähig erachtet und zum
Schutz der anderen Jugendlichen aus der Hilfemaßnahme entlassen oder vielleicht von
vorn herein gar nicht erst aufgenommen.1
Im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Saxion Hogeschool in Enschede (NL)
bekamen wir2 vom Arbeitskreis „Jugendhilfe, Sucht und Drogen im Altkreis Steinfurt“3
den Auftrag, uns mit dieser Thematik inhaltlich auseinanderzusetzen.
vgl. Heckmann/ Hilgemann/ Brinker; 2007; S. 11f
In unserer Forschungsgruppe waren vertreten: Corinna Rolf (Sozialpädagogin/ Suchtberatung - Caritas Osnabrück), Jana Horstmeyer (Sozialpädagogin/ Ev. Jugendhilfe Münsterland), Anne Behrendt (Sozialpädagogin/ Sozialwissenschaftlerin/ Jugendhilfe
Hünenburg Melle)
3 Sucht-Drogenberatung, Caritasverband Steinfurt; Ev. Jugendhilfe Münsterland e.V. Steinfurt; CJD – Christliches Jugenddorf
Burgsteinfurt; Jugendamt Kreis Steinfurt; Ambulante Erziehungshilfen Steinfurt; Terra Nova Jugendhilfe Ochtrup
1
2
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Neues von Unterwegs – 14/2008
Der Hauptanlass der (Forschungs-) fragestellung lag einerseits in den vielfältigen Vermittlungsschwierigkeiten der Jugendämter, Jugendliche im Alter von 13-18 Jahren mit
bekanntem Drogenkonsum in Regelwohnwohngruppen der stationären Jugendhilfe
unterzubringen. Andererseits beklagte die
Arbeitsgruppe4 die immer wiederkehrende
Hilflosigkeit und mangelnde Handlungs- und
Methodenkompetenz der Jugendhilfe-Mitarbeiter in ihrer Arbeit mit drogenkonsumierender Klientel, wobei die in den Jugendhilfeeinrichtungen oftmals fehlenden professionellen Unterstützungsmaßnahmen bzw. Fortbildungsangebote nicht vergessen werden
dürfen.
Da laut einer Repräsentativbefragung der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)5 Cannabis die meist verbreitete
illegale Droge in Deutschland ist, was auch
die subjektiven Empfindungen unseres Auftraggebers binnen seines pädagogischen Alltags in der stationären Jugendhilfe widerspiegelt, entschieden wir uns, die Forschung
auf den Cannabiskonsum von Jugendlichen
einzugrenzen.
Ziel dieses Forschungsprojektes war für uns,
für Mitarbeiter in der stationären Jugendhilfe
professionelle sowie praktische Handlungsund Methodenkompetenzen zu ermitteln und
gleichzeitig wirksame Rahmenbedingungen
bzgl. der Fortbildung und Vernetzung mit
anderen (Drogen-)beratungsstellen zu konzipieren, um sowohl den Drogenkonsum als
eine weitere Problemstellung in ihrer Arbeit
mit verhaltensauffälligen Jugendlichen zu
begreifen, als auch mit den drogenkonsumierenden Jugendlichen empathisch umgehen
und bestenfalls ihren Konsum effektiv verringern zu können.
Doch welche Fähig- und Fertigkeiten benötigen Mitarbeiter der stationären Jugendhilfe,
um mit drogenkonsumierenden Jugendlichen, die in Regelwohngruppen untergebracht werden (sollen), professionell umzugehen bzw. zusammen zu arbeiten?
Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus Vertretern des
Kreis JA Steinfurt, der Ev. Jugendhilfe Münsterland, des
Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD) Steinfurt, der Terra
Nova, der Sucht- und Drogenberatungsstelle des Caritasverbandes Steinfurt sowie dem Westfälischem Jugendheim
Tecklenburg.
5 Internet: www.bzga.de/ 2008
Diese Frage haben wir versucht, mithilfe
verschiedener Interviewformen6 zu beantworten und sowohl Mitarbeiter der stationären
Jugendhilfe, als auch solche der Jugendämter zu ihren bisherigen Kenntnissen, Erfahrungen, Wünschen und Widerständen im
Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen interviewt, um uns gemeinsam mit
ihnen „auf den Weg der Erkenntnis [zu]
machen“7.
Ein bedeutendes Ergebnis dieser Forschungsarbeit, welches sich während des
Datenerhebungsprozesses herausstellte, war,
dass prinzipiell die persönliche Einstellungsfrage der Mitarbeiter zu dieser (Drogenkonsum-)thematik geklärt sein sollte, da sonst
eine effektive und effiziente Arbeit mit dieser
Klientel kaum denkbar und praktizierbar ist.
Denn die berufliche (Wert-)haltung eines Mitarbeiters, welche jeweilige Interessen, Einstellungen und auch den Willen der Fachkraft
mit einschließt, spiegelt sich unabdingbar im
Umgang mit den verhaltensauffälligen und/
oder drogenkonsumierenden Jugendlichen
wider und gilt nach unseren Forschungsergebnissen als fundamentale bzw. grundlegende Voraussetzung für die Arbeit mit
dieser Klientel.
© Peter Galbraith – Fotolia.com
Wenn man in der allgemeinen stationären
Jugendhilfe und durch die Forschungsergebnisse bestätigt davon ausgeht, dass die dort
lebenden Jugendlichen als so genannte
Symptomträger innerhalb ihres Familiensystems natürlich in ihrer Entwicklung gefördert
und im Reifungsprozess zu gesellschaftsfähigen Mitgliedern begleitet werden sollen,
4
Neues von Unterwegs – 13/2008
Hierzu nutzten wir sowohl problemzentrierte Interviews, wo
das Forschungsthema als Basis und Fokus der Befragung
fungiert, als auch Experten-Interviews, wo der Befragte als
Experte bzgl. der zu erforschenden Problemstellung im
Vordergrund steht.
7 Schaffer; 2002; S. 65
6
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muss aber auch in und mit den Herkunftssystemen gearbeitet werden, so dass sowohl die
Familie wie auch der junge Mensch Unterstützung erhalten, z.B. in Form von regelmäßigen Tagungen für Eltern von drogenkonsumierenden Jugendlichen oder Elternmotivationsseminaren, die praktische Übungen
beinhalten, um den Eltern (päd.) Handwerkszeug im Umgang mit ihren Kindern zielgerichtet vermitteln zu können. Dieser systemische Ansatz gilt für die Jugendlichen in der
stationären Jugendhilfe im Allgemeinen und
somit im Speziellen für die hier, in dieser
Forschung, primäre Zielgruppe der drogenkonsumierenden Jugendlichen.
Ebenfalls gilt der „empathische Ansatz“ als
Kernkompetenz für das Arbeiten mit allen
Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe,
muss aber auch übertragbar für Suchtstrukturen im Allgemeinen und illegale Handlungen, z.B. beim Cannabiskonsum, im Speziellen sein. In diesem Kontext soll auch die
Beziehungsfähigkeit der Mitarbeiter Berücksichtigung finden, da diese im Umgang mit
drogenkonsumierenden jungen Menschen
von (den von uns interviewten) Mitarbeitern
in besonderer Weise getestet wird. Denn bei
dieser Problematik spielt nicht nur die „normale“ pubertäre Abgrenzung zu Erwachsenen
eine Rolle, sondern der Konsumdruck steht
über ihrem Beziehungsbedürfnis, sowohl
gegenüber den Erwachsenen, als auch den
Gleichaltrigen.
Allerdings stellen wir in unserer sozialpädagogischen Praxis häufiger fest, dass die so
genannte „Ansteckungsgefahr“, d.h. dass der
Drogenkonsumierende andere Jugendliche
werbend beeinflusst und z.B. Cannabis
zwecks gemeinsamen Konsums mit in die
Wohngruppe schleust, eingedämmt werden
muss und dies auch zu einem vorzeitigen
Abbruch der Maßnahme führen kann. Somit
ist es immer wieder ein „Drahtseilakt“, die
Mitwirkungsbereitschaft dieser Klientel als
Grundlage für ihren Aufenthalt in der stationären Jugendhilfe verpflichtend zu machen
und zielführend im Hilfeplan zu dokumentieren. Jedoch schützt die Jugendlichen das SGB
VIII (§ 36, § 37), da dort die sorgeberechtigten Personen eher zur Mitwirkungsbereitschaft aufgefordert und in die Pflicht genommen werden, als der junge Mensch
selbst.
Ein weiterer Aspekt, der sowohl für die in der
stationären Jugendhilfe lebenden jungen
Menschen als auch für Drogenkonsumierende im Speziellen gilt, ist die Akzeptanz des
Konsumenten bei gleichzeitiger ablehnender
Haltung gegenüber dem illegalen Konsum
(Akzeptanz versus Toleranz). Dadurch begegnet man dem jungen Menschen mit Klarheit
und wertschätzenden Kompetenzen.
Das in der Zusammenarbeit mit drogenkonsumierenden Jugendlichen entstehende
Spannungsfeld der Toleranz seitens der
Mitarbeiter ist außerdem abhängig von ihren
sowohl sozialisatorischen als auch biografischen Erfahrungen und ihren daraus entwickelten Schlussfolgerungen im Umgang mit
Drogenkonsumenten. Sowohl als „Forscher“
als auch als Sozialpädagogen empfehlen wir
an dieser Stelle spezielle Teamberatung, die
diese Thematik unter Fokussierung dieses
Spannungsbogens regelmäßig bearbeitet.
Außerdem war ein weiteres Ergebnis dieser
Arbeit, dass unabhängig von der individuellen
beruflichen Haltung eines Mitarbeiters sanktionierende Maßnahmen, im Sinne von
Drogenscreenings, begleiteter Ausgang, kein
autonomer Umgang mit Geld, verschärfte
Zimmerkontrollen bis hin zu Taschenkontrollen, laut den Aussagen der Interviewten im
Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen eingesetzt werden müssen, um eine
adäquate und konsequente Hilfeleistung zu
gewähren (Strafe & Kontrolle).
Diese „autoritäre“ Methodik kann aber nur
flankierend zu den oben genannten Methoden eingesetzt werden, damit Willkür und
persönliche Antipathien ausgeschlossen werden können. Aus diesem Grund sind in dieser
pädagogischen Arbeit regelmäßige Kontrollsupervisionen ein Muss zum Schutze der
Klienten.
Neben der internen Beratung und Kontrolle
sollten sowohl den Jugendlichen als auch
den Mitarbeitern externe Projekte, wie z. B.
„Skoll“8 und „Candis“9, bzw. Fortbildungsangebote zur Verfügung gestellt werden. Diese
Netzwerkstellen können hilfreich sein, um
weiterführende Hilfsangebote zu planen,
damit kurzfristige Anschlussmaßnahmen
daran anknüpfen und durchgeführt werden
können, die sowohl in die Richtung der Verschärfung ( Drogenkonsum entwickelt sich
Dies ist ein Selbstkontrolltraining, das im Rahmen von
zehn Sitzungen den Drogenkonsum analysiert, einen
individuellen Trainingsplan erstellt und alternatives Verhalten und Denken mit den Betroffenen übt.
9 Dies ist eine Kurzzeittherapie, die auf drei Behandlungsmodulen basiert: 1) Motivationstherapie; 2) kognitivbehaviorale Verhaltenstherapie; 3) Problemlösungstraining.
8
Seite 18
Neues von Unterwegs – 13/2008
zur Drogensucht ) wie auch der Lockerung
(Aufgabe des Konsums und dadurch evtl.
Zukunftsplanung) gestaltet werden können.
(Können) und den Motiven sowie Interessen
(Haltungen) konstruiert.10
Die pädagogische Kunst für Mitarbeiter im
Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen besteht also darin, dass sie ihr Können, Wissen und ihre professionelle Haltung
unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen
persönlichen wie auch beruflichen Erfahrungen sowie den institutionellen Rahmenbedingen fall- und kontextbezogen anwenden.
Diese drei Kompetenzdimensionen bieten
© Peter Galbraith – Fotolia.com
Zudem stellten wir fest, dass die Fachkräfte
der stationären Jugendhilfe mehrheitlich
dafür plädierten, drogenkonsumierende Jugendliche mit einem nicht signifikanten
Anteil innerhalb der Wohngruppen unterzubringen. Hingegen befürworteten die Mitarbeiter der Drogenhilfe eine separate Unterbringungsform, d. h. dass sich die Problematik
der Klientel ausschließlich auf den Drogenkonsum konzentrieren sollte. Aus unserer
sozialpädagogischen Sicht vertreten wir die
Meinung, dass nicht gleich jeder drogenkonsumierende junge Mensch in eine Spezialgruppe verlegt werden sollte, sondern dass
dies erst bei Drogensucht notwendig und
angebracht ist. Wobei natürlich die oben
genannte „Ansteckungsgefahr“ einen wichtigen Stellenwert zum Schutze der anderen
Jugendlichen erhalten muss.
Diese Grundlagenforschung vertiefte und
enunzierte Aussagen zur beruflichen Haltung
im Spannungsfeld von Empathie und Kontrolle als auch zur Methodenvielfalt und zum
Handlungsrepertoire für Mitarbeiter in der
stationären Jugendhilfe im Umgang mit
drogenkonsumierenden Jugendlichen.
somit den Orientierungsrahmen, um in der
Sozialen Arbeit professionell handeln zu
können!
Literatur
Heckmann, I., Hilgemann, M., Brinker, E.: Jugendhilfe & Suchthilfe: ein aktives Bündnis im Kreis Steinfurt. In: Jugendhilfe aktuell - Fachzeitschrift des
LWL - Landesjugendamtes Westfalen (2007)
Schaffer, H.: Empirische Sozialforschung für die
Soziale Arbeit. Freiburg. Lambertus Verlag (2002)
Von Spiegel, H.: Methodisches Handeln in der
Sozialen Arbeit. München. Reinhardt Verlag (2004)
Internetquellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(2008). Eine Arbeitshilfe für www.drugcom.de
Cannabiskonsum von Jugendlichen als Herausforderung für die pädagogische Arbeit. Online im
Internet:
http://www.bzga.de/?uid=1022d0d8059399bab2
106d72823403d0&id=suchtpraevention
(14.03.2008)
Schlussendlich spiegelt sich die Kompetenz
eines Menschen bzw. einer Fachkraft in der
Art und Weise wider, wie er seine persönlichen Stärken situativ aktivieren und diese
auch auf beruflich unterschiedliche Situationen übertragen bzw. mit diesen kombinieren
kann. Nach Spiegel ist dieser Kompetenzbegriff relational, da er sich sowohl aus den
charakterlichen Merkmalen des Individuums
als auch aus den beruflich erforderlichen
Kenntnissen (Wissen), den Fähigkeiten
Anne Behrendt
Sozialwissenschaftlerin M.A.
Sozialpädagogin B.A.
Lehrerin der einrichtungsinternen
Ferdinand-Rohde-Schule &
Assistentin der Geschäftsleitung
10
Neues von Unterwegs – 14/2008
Seite 19
vgl. Spiegel; 2004; S. 82
© Roland – Fotolia.com
Anti-Gewalt-Training
für Mädchen
„Das Friedvolle um dich herum
entspringt dem Frieden in Dir…!“
Seit inzwischen einigen Jahren bietet die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg einen
Trainingskurs für gewaltbereite Jungen an.
Vor gut einem Jahr wurde mit der Mädchenwohngruppe „Sonnenblick“, welche sechs
Mädchen ein Zuhause bietet, nun die zweite geschlechtsspezifisch arbeitende Wohngruppe für Mädchen eröffnet und damit verbunden erneut die Diskussion entfacht,
dass auch für die Zielgruppe der Mädchen und jungen Frauen ein sozialer Trainingskurs für auffallend gewaltbereite Jugendliche benötigt wird.
So habe ich mir gemeinsam mit einer Kollegin Gedanken gemacht, in welcher Form sich
Mädchen aggressiv zeigen.
Sicherlich steht bei Mädchen nicht die nach
außen gerichtete Aggression (körperliche
Gewalt gegen eine andere Person) im Vordergrund, sondern eher ein rational aggressives Verhalten, welches dazu dient, andere
auszugrenzen oder Beziehungen zu (zer)stören.
In einem Programm mit Themenschwerpunkten aus den Bereichen der Biographiearbeit, des Umgangs mit Gefühlen, einer
thematischen Auseinandersetzung mit eigenen Formen von Gewalt, Übungen zum Umgang, sich adäquat zu wehren sowie einem
hohen Anteil gruppendynamischer Arbeit und
Gruppenaktivitäten sollen die Mädchen und
jungen Frauen lernen, sich und ihrer Umwelt
gewaltfreier zu begegnen.
Mädchenspezifische Gewaltformen sind also
eher Intrigieren und Mobben, wenngleich
auch zunehmend feststellbar ist, dass im
Rahmen einer „offensichtlich missverstandenen Emanzipation“ auch die körperliche
Gewaltbereitschaft von Mädchen zunimmt,
um eigene Ziele durchzusetzen (= je ähnlicher ich vermeintlich einem Jungen bzw.
seinen Verhaltensweisen bin, um so emanzipierter bin ich!“).
Im Anschluss an die derzeit laufende erste
Staffel (insgesamt 12 Sitzungen) wird diese
evaluiert, um das Anti-Gewalt-Training für
Mädchen endgültig fest verankert in den
konzeptionellen Kanon der Gesamteinrichtung aufzunehmen.
Seite 20
Frank Wiemann
Dipl.-Sozialpädagoge
Anti-Gewalt-Trainer
Neues von Unterwegs – 14/2008
Armut bekämpfen – Benachteiligung abbauen
Landesarmutskonferenz Niedersachsen
„Wenn es die Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld II, Wohngeld-, Kindergeld
nicht geben würde, dann hätten wir statt
13 Prozent 26 Prozent Arme“, lautete
das zusammenfassende Fazit von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD)
angesichts der Vorstellung des 3. Armuts- und Reichtumsberichtes 2008 der
Bundesregierung.
„Armut bekämpfen – Benachteiligung
abbauen“ – unter diesem Motto stand
der Fachtag der Landesarmutskonferenz (LAK) Niedersachsen in Hannover
am 16.09.2008, einer Folgeveranstaltung des LAK-Fachtags vom März 2007.
„Annähernd 100 Teilnehmer/innen aus
dem ganzen Bundesgebiet und hochrangige Referenten zeigen, dass das
Thema Armut und Benachteiligung nach
wie vor von zentraler Bedeutung für die
gesellschaftliche Diskussion ist“, freute
sich Martin Fischer (Diakonisches Werk
Hannovers), Sprecher der LAK Niedersachsen und LAK-Sprecher Horst-Peter
Ludwigs (nieders. Flüchtlingsrat) ergänzte: „Unser Ziel, ein Forum zur Aufklärung
über die Ergebnisse des Armuts- und
Reichtumsberichtes zu schaffen, haben
wir erreicht. Die Veranstaltung war ein
ausgezeichneter Impuls, um mit Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung
und Verbänden und mit Betroffenen
gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“
Vier gut besuchte Workshops folgten
auf die Expertenreferate zu den Themen:
1. Abbau von Benachteiligung
in Bildung und Ausbildung
2. Moderne Familienpolitik /
Beseitigung von Kinderarmut
3. Stärkung der Integration von
Zuwander/innen
4. Armut und Gesundheit.
Neues von Unterwegs – 14/2008
In seiner Funktion als Vorsitzender der
Ausbildungskommission des Deutschen
Berufsverbands für Soziale Arbeit
(DBSH) moderierte Frank MattioliDanker den ersten Workshop und konnte als Geschäftsführer der Kinder- und
Jugendhilfe Hünenburg mit eigener
Förderschule für emotionale und soziale
Entwicklung etliche Beispiele aus der
Praxis einbringen, die die fachlich geführte Diskussion belebten.*
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion, die sich mit der Beteiligungsmöglichkeit von Betroffenen der
Armutsbekämpfung befasste.
„Das ist die zentrale Aufgabe der LAK
Niedersachsen für die nächste Zukunft“,
skizzierte LAK-Sprecher Martin Fischer
die mittelfristige Perspektive für die
LAK, „eine stärkere Kooperation von
LAK Niedersachsen und Selbsthilfegruppen und Verbänden von Betroffenen.“
Horst-Peter Ludwigs, Sprecher der LAK
Niedersachsen, fasst weitere Forderungen als Ergebnis der Veranstaltung
zusammen: „Notwendig sind neben
einer armutsfesten Grundsicherung und
einem Bildungssystem, in dem jedes
Kind Chancen hat, auch eine regionalisierte jährliche Sozialberichterstattung
und eine Förderung der Landesarmutskonferenz Niedersachsen.“
Seite 21
Martin Fischer
Sprecher der LAK Niedersachsen
Horst-Peter Ludwigs
Sprecher LAK Niedersachsen
Nieders. Flüchtlingsrat
Pressemitteilung vom 16.09.08
*Ergänzung: Tom Brodhuhn
Der Weg
nach Bologna
Eine
Zwischenbilanz
Hochschullehrerinnen und
-lehrer, VertreterInnen der
öffentlichen und freien
Träger, Referenten für
Aus-, Fort- und Weiterbildung, Mitglieder von Akkreditierungsagenturen
und VertreterInnen von
Berufsverbänden und Gewerkschaften trafen sich
im Oktober dieses Jahres
in Steinbach, um eine
kritische Überprüfung der
strukturellen und inhaltlichen Entwicklung der mit
dem Bolognaprozess eingeleiteten Veränderungen
der Hochschulausbildung
für soziale Berufe vorzunehmen, einen Erfahrungsaustausch zwischen
den zentralen Akteuren zu
ermöglichen und künftige
Entwicklungs- bzw. Handlungsperspektiven im Reformprozess der Ausbildung herauszuarbeiten.
Mit dem Bologna-Prozess
veränderte sich in den letzten
Jahren die Hochschulausbildung für soziale Berufe
rasant. Dabei sind sowohl die
inhaltlichen
Kompetenzen,
Qualifikationsstandards, Ausbildungsstrukturen als auch
die Ausrichtung fachlichcurricularer Profile an den
Hochschulen dramatischen
Veränderungen unterzogen.
Kernpunkt des Bologna-Prozesses war und ist hierbei die
Einführung gestufter, modularisierter
Bachelorund
Masterstudiengänge
sowie
die Forderung nach einer
stärkeren Praxisorientierung
der Ausbildung für soziale
Berufe.
Nach
fast
zehnjährigem
Reformprozess war es an der
Zeit, eine kritische Zwischenbilanz zu ziehen und gemeinsam die eingeschlagene
Richtung sowie die sich entwickelnde Vielfalt an Studienangeboten und –strukturen
zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren.
Der Deutsche Verein und
Fachbereichstag Soziale
Arbeit als Promotoren der
Weiterentwicklung
der
Ausbildung für soziale
Berufe diskutierten gemeinsam mit eingangs
benannten Vertreterinnen
und Vertretern der Sozialen Arbeit die folgenden
Kernpunkte des Reformprozesses:
a) Neukonstituierung der
Studienlandschaft: Freiheiten
und Begrenzungen durch die
Studienreform
Angeregte Diskussion: Was sind die
Grundkompetenzen Sozialer Arbeit?
b) Verständigung über Kompetenzbereiche und Qualifizierungsstandards
Seite 22
c) Anspruch und Wirklichkeit
der Modularisierung.1
Als geladener Referent
beantwortete Frank Mattioli-Danker die Frage
„Was kann oder muss
anders werden?“ mit
einem Hinweis nicht nur
auf eine vorzusehende
und auszubauende Praxispflicht für die Studierenden, sondern auch für
die Dozenten (die i.d.R.
die alten blieben).
Weiterhin skizzierte er aus
Sicht eines freien Trägers auf
Grundlage der seitens des
Deutschen Berufsverbandes
für Soziale Arbeit (DBSH)
entwickelten Schlüsselkompetenzen2 die Grundqualifikationen, die Studierende
erwerben bzw. über welche
diese verfügen müssten.
Diese seien u.a.:
- Auf konzeptionellen
Grundlagen basierende
Fähigkeiten, lösungsorientiert und reflektierend
wirken zu können (Feedback-Methoden &
Diagnostik),
- Betriebswirtschaftliche
Kompetenzen,
- Beratungskompetenzen,
- Fähigkeiten, sich und die
eigene Arbeit adäquat
präsentieren zu können,
- Fähigkeiten, Teams und
Netzwerke auf- und
auszubauen.
Tom Brodhuhn
Fachbereichsleiter der Hünenburg
vgl. Veranstaltungsankündigung
In Buchform erschienen: „Schlüsselkompetenzen der Sozialen Arbeit für
die Tätigkeitsfelder Sozialarbeit und
Sozialpädagogik“
[Hrsg.:
Friedrich
Maus, Wilfried Nodes & Dieter Röh
unter Mitarbeit von Frank MattioliDanker und Uwe Schulz Wallenwein],
Schwalbach/Ts. 2008 (ISBN 978-389974437-8)
1
2
Neues von Unterwegs – 14/2008
„Bitte nicht helfen – ich hab’s schon schwer genug!“
 Lachen auch Sozialarbeiter? 
Sozialpädagogische Telefonseelsorge (Mitschnitt eines Gesprächs zwischen einem
verschlafenen Mann und einem Sozialpädagogen der Telefonseelsorge):
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
Mann:
Soz.:
„Ja, hallo?“
„Hallo, hier ist die Telefonseelsorge. Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“
„Wie bitte?“
„Hier ist die Telefonseelsorge. Wir rufen vorsichtshalber rund, ob jemand
Suizidabsichten hat.“
„Was – um drei Uhr morgens?“
„Das ist genau die richtige Zeit für sowas. Da sind die meisten Leute gefährdet. Sie zum Beispiel! Sie haben doch offensichtlich Schlafstörungen.“
„So ein Quatsch. Ich habe keine Schlafstörungen.“
„Na hören Sie mal, andere Leute schlafen um diese Zeit und hängen nicht am
Telefon rum.“
„Aber Sie haben mich doch angerufen!“
„Warum sprechen Sie eigentlich so leise? Ich kann Sie kaum verstehen.“
„Es ist wegen meiner Frau. Ich will sie nicht wecken.“
„Ach, Sie haben Geheimnisse vor Ihrer Frau? Es klappt wohl nicht so recht in
Ihrer Ehe, hm?“
„Blödsinn. Natürlich klappt es!“
„Aber Sie haben sich nichts mehr zu sagen, oder? Still und stumm liegen Sie
neben ihr im Bett. Verstehen Sie das unter ‚klappen‘?“
„Es ist drei Uhr morgens!“
„Ich weiß. Und während ihre Frau schläft – notgedrungen – weil Sie ihr ja
nichts zu sagen haben, gehen Sie unruhig auf und ab, weil Ihre Probleme Sie
nicht schlafen lassen.“
„S i e lassen mich nicht schlafen!“
„So, jetzt erregen Sie sich! Ein einfacher Telefonanruf erregt Sie, während Ihre
Frau Sie schon seit Wochen kalt lässt. Sie haben offensichtlich einen Haufen
Probleme: Wirtschaftliche, sexuelle, gesundheitliche…“
„Ich bin bei bester Gesundheit!“
„Mit Schlaflosigkeit und Erregungszuständen? Bleiben Sie ganz ruhig, Sie sind
hochgradig suizidgefährdet. Merken Sie denn nicht, dass Sie am ganzen Leib
zittern?“
„Ja, weil ich seit fünf Minuten im Pyjama auf dem Flur stehe!“
„Was suchen Sie denn auf dem Flur, machen Sie nichts Unüberlegtes!“
„Unser Telefon steht nun einmal im Flur.“
Haben Sie Schlaftabletten im Haus?“
„Weiß ich nicht. Die verwahrt meine Frau.“
„Dann wecken Sie Ihre Frau, Menschenskind! Sofort wecken! Sie soll die
Schlaftabletten in Sicherheit bringen! Machen Sie doch keine Dummheiten
jetzt. Überlegen Sie es sich noch einmal. Das Leben kann so schön sein. Für
Sie natürlich nicht, krank wie Sie sind, verzweifelt, depressiv, aber machen
Sie sich keine Sorgen, ich rufe Sie später noch einmal an. Jetzt muss ich
Schluss machen, es ist schon ziemlich spät.“
(Autor unbekannt)
Neues von Unterwegs – 14/2008
Seite 23
Was erlaubt Partizipation?
Anforderungen an die Rahmenbedingungen im alltäglichen
beruflichen Handeln von Fachkräften
Kaum eine Jugendhilfeeinrichtung kann
und wird sich zum einen heute noch dem
Gedanken der Partizipation verschließen1, zum anderen nehmen diverse
Rechtsgrundlagen Freie Träger besonders
in die Pflicht, da sie Handlungs- und Gestaltungsspielräume bieten, die verantwortungsbewusst in den Alltag umzusetzen sind. Dabei stellt sich nicht nur die
Frage nach dem adäquaten Vorgehen
bzgl. der Umsetzung partizipierender
Mechanismen und Umgangsformen auf
struktureller, personeller und zwischenmenschlicher Ebene des täglichen Miteinanders, sondern auch die nach einer
angemessen Prüfung der jeweils installierten Mechanismen (So sehr, wie jede
Einrichtungsleitung die Frage nach Partizipation bejahen dürfte, so schwierig
bleibt die Qualität evaluierende Prüfung,
ob konzeptionell Erwünschtes auch tatsächlich die individuellen Lebenswirklichkeiten der AdressatInnen erreicht).
Vorab scheint bedenkenswert, dass jedem Erziehungsprozess ein gewisses Maß
an machtvoller Hierarchie anzuhaften
scheint, das sich in den Gedanken und
Handlungsweisen der agierenden Personen als grundsätzliches Erziehungsverständnis niederschlägt und welches sich
mit zunehmenden Fähig- und Fertigkeiten
der zu erziehenden Individuen angemessen verändern muss, um Beteiligung zu
ermöglichen.
Zusätzlich zu diesem Grundsatzphänomen schafft der Bereich Sozialer Arbeit
ein weiteres Spannungsfeld, sollen doch
die in ihm befindlichen zu begleitenden
Kinder und Jugendlichen nicht nur angemessen beteiligt, sondern auch kontrolliert (und da wo nötig begrenzt) werden.
Kurz: Für freie Träger stellt das Auffinden
der Schnittmenge von Partizipation und
Kontrolle in einem Kontext sozialer Ungleichheit2 eine besondere Herausforderung nicht zuletzt im Sinne einer durchaus moralischen Frage „Wollen wir Betroffene wirklich verstehen und beteiligen?“ dar.
Schaffung adäquater Strukturen
Einrichtungsleitungen kommt diesbzgl.
ein besonderes Maß an Verantwortung
zu, haben sie doch nicht nur Sorge zu
tragen für ein adäquates grundsätzliches
Selbstverständnis sowie eine angemessene inhaltliche sowie personelle Struktur
und Konzeption (und nicht zuletzt Kontrolle der umzusetzenden Inhalte in) der
Gesamteinrichtung, sondern sollten sich
auch über ihre Vorbildfunktion im Klaren
sein, welche sie im Kontext der Einrichtung innehaben: Wirkt Leitung nicht wie
selbstverständlich beteiligend3, werden
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese
Haltung kaum übernehmen und im pädagogischen Alltag leben.
2 vgl. Bürger in Gabriel & Winkler 2003, S.55
Neben der grundsätzlichen ethisch-moralischen
3 z.B. durch das Installieren von Arbeitskreisen oder
Korrektheit der Forderung nach Partizipation spielt
der Druck des Aufgreifens gegenwärtiger fachlicher,
Projektgruppen zur Ausarbeitung spezifischer Arbeitspolitischer und gesamtgesellschaftlicher Strömungen
inhalte innerhalb der Einrichtung, wodurch Mitarbeiwie z.B. die derzeitige Diskussion um den adäquaten
terinnen und Mitarbeiter nicht nur ernst- und angeUmgang mit Kindeswohlgefährdung oder die Aufarnommen werden, sondern anzunehmen ist, dass sie
beitung missbräuchlicher Vorgehensweisen in Einrichdiese ge- und erlebte Partizipation als selbstverständtungen der Jugendhilfe in den 60er und 70er Jahren
liches Modell auch in ihre jeweilige Arbeit mit den
dabei eine gewichtige Rolle.
AdressatInnen übertragen (=Kongruenz).
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Neues von Unterwegs – 14/2008
1
So scheint es unerlässlich, strukturelle
Vorgaben zu machen4, die Partizipation
nicht nur ermöglichen, sondern geradezu
einfordern: Ein regelmäßig tagendes
Heimparlament, kontinuierlich stattfindende Gruppenabende oder die Bereitstellung eines Beschwerde- und/oder
Feedbackmanagements (z.B. Kummerkasten) sind diesbzgl. nur einige Beispiele
hinsichtlich der Implantierung einer Kultur des Beteiligtwerdens.
Das Installieren partizipierender Instrumente (Strukturqualität) ist dabei ebenso
wichtig wie die stete Überprüfung der
einzelnen Maßnahmen und Vorgänge
(Prozessqualität), um den Terminus „Partizipation“ nicht nur zu einer wohlklingenden Worthülse im konzeptionellen Kanon
der Einrichtung verschwinden zu lassen
und garantieren zu können, dass erwünschte Ziele auch tatsächlich in die
Realität umgesetzt werden. Im Rahmen
des Implantierens und regelmäßigen
Evaluierens partizipierender Mechanismen sind Freie Träger im Kontext ihrer
die Einrichtung strukturierenden Arbeit in
der Pflicht, auch personelle Möglichkeiten
zu schaffen, die Partizipation erlauben,
die die potentielle Haltung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sinne eines
„Ist ja eine schöne Idee, aber wer soll das
denn noch alles machen?“ vermeiden
helfen: Für Besprechungen wie z.B. die
o.a. Sitzungen eines Heimparlaments
muss ausreichend Personal vorhanden
sein, um zum einen einen zeitlichen
Rahmen zu schaffen, der einzelnen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern die Teilnahme am Parlament (Begleitung der
gewählten oder benannten Kinder oder
Jugendlichen) im Rahmen ihrer Dienstzeit
ermöglicht und zum anderen BezieEs sei eingeräumt, dass das Setzen von Strukturen aus
Leitungsperspektive nicht gerade einen partizipierenden
Charakter besitzt, doch schafft sie – gekoppelt an ein prozessorientiertes Evaluationssystem, welches regelmäßig prüft, ob
Eingefordertes auch tatsächlich umgesetzt wird – Sicherheit
im Sinne unumgänglicher Strukturen und lässt sich z.B.
dadurch relativieren, dass Leitung zwar die Vorgaben eindeutig
vorbestimmt, der Ausgestaltung der umzusetzenden Partizipationsinhalte jedoch nur noch beratend zur Seite steht, sollte
dies gewünscht oder notwendig sein.
4
Neues von Unterwegs – 14/2008
hungskontinuität als Grundlage eines
vertrauensvollen Miteinanders garantiert.5 Letztlich ist gar denkbar, motivierende Anreize zu schaffen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch und
insbesondere Kinder und Jugendliche für
partizipierende Modelle zu gewinnen:
So sehr beispielsweise Betroffene auch
im Alltag beteiligt werden wollen, so sehr
schrecken sie häufig aus Angst oder
Desinteresse vor Sitzungen oder anders
gearteten Treffen zurück. Bevor es aus
diesen oder ähnlichen Gründen gar nicht
erst zum Aufleben partizipierender Strukturen kommt, sollten Muster entwickelt
werden, die Mitwirkung und Beteiligung
honorieren.
Zwischenbilanzierend kann an dieser
Stelle ausgesagt werden, dass die Vorbildfunktion der jeweiligen Einrichtungsleitung sowie das Einsetzen und Evaluieren adäquater Strukturen – gestützt
durch zeitliche, personelle, sowie inhaltliche Komponenten bis hin zu Belohnungssystemen – wesentliche Säulen des Umsetzens partizipierender Inhalte in der
Landschaft Freier Träger sind. Nur unter
diesen Rahmenbedingungen scheint es
möglich, Partizipation in den pädagogischen Beziehungsalltag zu transferieren.
Partizipation im päd. Alltag
Sind die Gefüge der Einrichtung so gestaltet, dass sie Partizipation ermöglichen, ja
geradezu einfordern, kann vermutet
werden, dass bei entsprechender Personalauswahl und –führung sich dieses
Bewusstsein der Beteiligung als gelingen-
So ist nicht nur die im niedersächsischen Rahmenvertrag als
„Kann-Leistung“ beschriebene AdressatInnenbeteiligung im
Sinne einer freiwilligen Selbstverpflichtung mit in die mit dem
Öffentlichen Träger zu vereinbarenden Leistungs- und Entgeltbeschreibungen aufzunehmen, es ist auch darauf zu achten,
dass mit Verweis auf partizipierende Mechanismen und
Strukturen innerhalb der Einrichtung ein entsprechender
Personalschlüssel verhandelt wird. Ob dies jeweils gelingt,
scheint fraglich, ohne an dieser Stelle detaillierter Gründe
hierfür benennen zu wollen.
5
Seite 25
de Interaktion zwischen Jugendlichen und
Einrichtung auch in der täglichen Beziehungsarbeit von z.B. vollstationären
Wohngruppen widerspiegelt: Struktur
führt zu Kultur, einem (Betriebs)klima
bzw. einer Mentalität gegenseitigen Respekts.
Haben betroffene Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, über die
Beteiligung ihrer Person im Rahmen der Hilfeplanung gem. § 36
SGB VIII hinaus Einfluss auf ihre
Lebensplanung zu nehmen?
Können sie das eigene Alltagsleben
in der Gruppe mitgestalten? Werden ihre persönliche Integrität und
ihre Privatsphäre ge- und beachtet?
Sind Gruppenregeln zwar vorgegeben, doch werden sie erläutert, als
angemessen empfunden bzw. können sie im Rahmen eines gemeinsamen
Aushandlungsprozesses
modifiziert werden?6
Dürften sie gar mitentscheiden,
wer mit ihnen zusammenlebt (Einbeziehung in Belegungskultur der
Einrichtung) oder wer sie erzieht
(Einbeziehung in Personalentscheidungen)?
„Auf der Basis einer gemeinsamen Bestandsaufnahme der Gründe für die bestehende ‚Zwangsgemeinschaft’ und
einer Klärung der Rollen der Beteiligten
sind Ziele zu definieren und Wege zu ihrer
Erreichung zu vermitteln … Dabei gilt die
Maxime, alle Schritte möglichst gemeinsam abzustimmen.“7 Wie herausfordernd
jedoch die Beantwortung einiger dieser
Fragen ist – jede/r möge sich im Stillen
prüfen, zu welchen Schritten sie/er im
erzieherischen Kontext tatsächlich bereit
ist, wodurch deutlich wird, dass Partizipation nicht nur eine Frage struktureller
Ausgestaltung sondern auch uns insbesondere charakterlicher Haltung ist – wird
6
7
an einigen Beispielen deutlich: Wie auf
gleicher Augenhöhe agieren, wenn z.B.
ein Jugendlicher den Schulbesuch verweigert, da er der Auffassung ist, dass
dies nicht Teil seiner Lebensplanung sein
sollte? Was, wenn Jugendliche längere
Ausgangszeiten für sich reklamieren,
doch notwendige Kontrollansprüche diesem Wunsch widersprechen?
Was, wenn Kinder die Aufnahme eines
weiteren Kindes in die Gruppe ablehnen,
diese jedoch – betriebswirtschaftlich bedenklich – seit einiger Zeit unterbelegt
ist?
Wie mit der Ablehnung eines neuen Personalfalls umgehen, nachdem dieser sich
nicht nur der Einrichtungsleitung und den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des
Teams, sondern auch den Jugendlichen
präsentierte?
Gibt man der Klientel damit „zuviel Macht
an die Hand“ oder entscheiden Kinder
und Jugendliche – durch Mobbing, aggressives oder verweigerndes Verhalten
etc. - nicht letztlich eh, wer geht und wer
bleibt?
Zum Anforderungsprofil
Zweifelsohne genügt es nicht, adäquate
Strukturen zu schaffen, um Partizipation
zu ermöglichen, jegliche Form von Beziehungsarbeit steht und fällt mit den in ihr
tätigen Personen. Sicherlich ist jede Einrichtung gehalten, adäquates Personal
nicht nur auszuwählen, sondern auch im
Rahmen der eigenen Arbeit binnenstrukturell fort- und weiterzubilden, mit den
Einrichtungsmethoden und -zielen vertraut zu machen und eine größtmögliche
Übereinkunft zwischen den individuellen
Haltungen und dem Wirken und Sein der
Einrichtung herzustellen. Neben diesen
einrichtungsinternen
Vorgehensweisen
müssen jedoch bereits im Kontext der
Ausbildung bestimmte Weichen gestellt
werden, damit Partizipation in der sich an
die jeweilige Ausbildung anschließenden
Tätigkeit favorisiert und gelebt wird.
vgl. Sierwald in Dialog Erziehungshilfe 2/3-2008, S. 35 ff.
Kähler 2005, S.101 f.
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Neues von Unterwegs – 14/2008
Zur Veranschaulichung, wie mit dem
Thema „Partizipation“ im Rahmen der
Ausbildung umgegangen wird, exemplarisch drei unkommentierte Interviewauszüge, die – wenn auch sicherlich nicht
repräsentativ – die Bandbreite der Meinungsvielfalt und Haltungen bzgl. des
Themas aufzeigen:
„Das Thema Partizipation von Klienten kam in
unserer Ausbildung nicht speziell vor. Es wurde
ausschließlich im allgemeinen Bereich des
Themas Erziehung behandelt. Dabei wurde
nicht referiert, sondern es entwickelte sich
eher zufällig eine Diskussionsrunde in der
Klasse.“
(Erzieher, 30 Jahre alt, Vorausbildung zum
Tischler, Erzieherausbildung in Niedersachsen)
„Das Thema wurde lediglich im Bereich der
Erziehungshilfe angerissen. Seitens des Lehrers wurde uns vermittelt, dass Partizipation
von Klienten nur in solchen Einrichtungen
erfolgen kann, wo Klienten und Betreuer auf
gleicher Augenhöhe sind. Da dies in der Erziehungshilfe nicht der Fall sei, wurden wir als
Schüler geradezu ‚ermahnt‘, in der Erziehungshilfe niemals Partizipation anzuwenden, da
dort nicht die notwendigen Grundvoraussetzungen gegeben seien. Etwas einschränkend
gab der Lehrer in der sich anschließenden
Diskussionsrunde jedoch noch an, dass in
Teilbereichen Partizipation möglich sei, zum
Beispiel bei der Auswahl von Hobbys.“
(Erzieher, 28 Jahre alt, Vorausbildung zum
Koch, Erzieherausbildung in Nordrhein-Westfalen)
„Ich absolvierte ein vierjähriges berufsbegleitendes Studium in den Niederlanden. In dem
war alles vollkommen ‚autoritär‘ und klar geregelt, von Partizipation keine Spur. Allerdings
hatte ich vier Jahre ‚Gruppendynamik‘ als
Pflichtfach: Jede zu verfassende Arbeit musste
im Team erarbeitet und dann der Gesamtgruppe vorgestellt werden. Nur, wenn mindestens
51% aller Beteiligten den entwickelten Inhalten zustimmten, galt die Arbeit als bestanden.
Ich habe also gesehen und gelernt, wie Menschen in Gruppen funktionieren und das war
sicherlich auch ein Teilausschnitt gelebter
Partizipation.“
(Sozialpädagoge, 40 Jahre alt, Vorausbildung
zum Bürokaufmann und Erzieher, Ausbildung
zum Sozialpädagogen)
Neues von Unterwegs – 14/2008
Aus Sicht Freier Träger sollte der Ausbildungskanon im Bereich Sozialer Arbeit
folgendes enthalten, um im späteren
Berufsleben Partizipation als selbstverständliches Instrument pädagogischen
Handelns begreifen und einsetzen zu
können:
Bereits im Rahmen der Ausbildung müssen demokratische und gruppendynamische Prozesse er- und gelebt werden
können, um zu erfahren, was direkte
Beteiligung bedeutet. Weiterhin gilt es,
theoretische Grundlagen zum Thema zu
vermitteln: Forschungsfragen zu diesem
Gegenstand sollten ebenso wie die rechtlichen Grundlagen bearbeitet bzw. vermittelt werden, um neben „menschlichem Gespür“ auch ein Basiswissen
hinsichtlich der Rechtsbasis zu erhalten.
Begrüßenswert wäre ein Praxissemester,
in dem sich ausschließlich mit dem Thema „Partizipation“ zu beschäftigen und
dies auch in einer schriftlichen Ausarbeitung zu dokumentieren wäre, um zu
erreichen, dass der Gedanke der Beteiligung gelingt und nicht erst später in die
Köpfe und nicht zuletzt Herzen des Personals getragen werden muss, sondern
dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Beziehungsarbeit gestalten können, die
den Gedanken der Beteiligung als Ausdruck gegenseitiger Achtung und Wertschätzung bereits verinnerlicht hat.
Literaturangaben
Bürger, Ulrich: Heimerziehung im Kontext sozialer
Ungleichheit. In: Gabriel, Thomas, Winkler, Michael
(Hg.): Heimerziehung – Kontexte und Perspektiven.
Reinhardt Verlag. München 2003.
Günder, Richard: Praxis und Methoden der Heimerziehung. Entwicklungen, Veränderungen und
Perspektiven der stationären Erziehungshilfe. Lambertus-Verlag. Freiburg im Breisgau 2007.
Kähler, Harro: Soziale Arbeit in Zwangskontexten. Wie
unerwünschte Hilfe erfolgreich sein kann. Reinhardt
Verlag. München 2005.
Sierwald, Wolfgang: Projekt „Gelingende Beteiligung
im Heimalltag“. In: Dialog Erziehungshilfe 2/3.2008,
S. 35ff.
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Frank Mattioli-Danker
Geschäftsführer der Hünenburg
Tom Brodhuhn
Fachbereichsleiter der Hünenburg
Abschied nach 33 Jahren
Doris Diekmann in den Ruhestand verabschiedet
Angestellt am 01.12.1975 als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin war Frau Doris Diekmann mehr als 30 Jahre für die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg tätig, bevor sie im
Rahmen einer kleinen Feierstunde zum 01. November 2008 in die Freizeitphase des
zuvor vereinbarten Altersteilzeitmodells und somit in den wohlverdienten Ruhestand
ging.
Thorsten Aubke, technischer Koordinator der Einrichtung, würdigte nicht nur das Engagement Frau Diekmanns über die vergangenen Jahre, in denen sie als Reinigungskraft
sowohl in nahezu jeder Wohngruppe als auch der einrichtungseigenen Schule arbeitete, sondern hob insbesondere hervor, dass sie mit einer Betriebszugehörigkeit von
nahezu 33 Jahren schon länger mit der Hünenburg verbunden wäre als er alt sei.
Im Namen aller Kinder und Jugendlichen, Kolleginnen und Kollegen sagen wir herzlichen Dank und wünschen alles Gute für die kommenden Jahre und all das, was in
ihnen kommen mag!
Im Kreis einiger Kolleginnen: Doris Diekmann (3. v. links) mit dem technischen Koordinator Thorsten Aubke
und Fachbereichsleiter Jochen Janke während ihrer Verabschiedung.
Klaus-Jürgen Alder-Meyer
Vorsitzender der MAV
„Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft.“
Salvador Dalí (1904-89), span. surrealist. Maler
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Neues von Unterwegs – 14/2008
gut geht, ist alles in Ordnung, wenn nicht, ist
es die Schuld von Papa.
Vater
Wenn sie groß sind und der Vater sagt was,
heißt es: „Du hast keine Ahnung!“ Die Frau
hat immer die Liebe der Kinder und – wenn
sie will – die des Mannes.
Ein Leserbrief
Bei einer Scheidung ist es natürlich, dass die
Kinder zur Frau kommen. Der Vater ist
immer der Böse, aber er muss immer den
Unterhalt zahlen, denn es sind ja seine
Kinder und so ist es unmöglich, eine neue
Familie zu gründen. Die Frau dagegen hat
weniger Probleme, eine neue Familie zu
gründen.
Ein Mann lernt eine Frau kennen und lieben,
meistens heiratet man, weil freudiger Nachwuchs erwartet wird.
Grosse Hochzeit, alle sind sehr freundlich
und voller Erwartung. Die Familie wird gegründet, der Frau werden alle Wünsche
erfüllt.
Wenn die Kinder groß sind, die Ehe immer
noch besteht und der Vater Sachen macht,
die er immer schon machen wollte, heißt es,
der Alte ist verrückt.
Wenn das Kind geboren ist, dreht sich alles
nur um das Kind und alle reden dazwischen:
Eltern und Schwiegereltern.
Der Vater geht immer brav zur Arbeit, zu
Hause regelt alles die Frau und abends hört
man die Neuigkeiten des Tages. Wenn der
Kleine schreit, nimmt Vater ihn in den Arm.
Nacht liegt er zwischen uns und für Liebe ist
wenig Gelegenheit.
Ein Vater
P. S.: Jetzt nehme ich meine Digitalkamera
und mein Motorrad. Ich treffe mich jetzt
noch mit zwei anderen armen Vätern. Wir
sind alle zusammen mehr als 200 Jahre alt
und unsere Motorräder haben mehr als
2.000 ccm. Alle unsere Kinder halten uns
für die „Verrückten Drei“.
Die ersten Silben sind „Mama“, die ersten
Schritte sind die in die Arme der Mama.
Wenn man bei den Schwiegereltern wohnt,
ist es noch schlimmer: Alle reden dazwischen, wissen es besser und sagen immer,
wir hätten keine Ahnung. Es gibt den ersten
Ärger.
(Der Autor ist uns namentlich bekannt)
Der Leserbrief erreichte uns als Reaktion auf den Artikel
„Wie ein Schiff ohne Segel – Gelingende Elternarbeit im
Kontext vollstationärer Jugendhilfe“, der im Rundbrief No.
13 (Sommer 2008) erschien.
Die Frau blieb meistens zu Hause, bis die
Kinder in den Kindergarten gehen. Später,
wenn sie in die Schule gehen, geht die Frau
halbe Tage arbeiten. Um die Schule und die
Hausaufgaben kümmert sie sich, der Vater
hört abends, dass sie keine Hausaufgaben
gemacht haben und muss Krach machen,
später heißt es nur noch „Das sage ich
Papa!“ und so gibt es Krach.
Wenn es zwei sind, ist es noch schlimmer:
Dreirad, Roller fahren, Rad fahren, und Auto
fahren wird mit dem Vater gelernt, der Vater
muss zur Schule und zu Besprechungen. Die
Ehe dreht sich nur um die Familie und die
Arbeit.
Dann ist das Problem, was sie lernen wollen
(oder weiter zur Schule gehen?): Wenn es
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Den Weg in die Schule erleichtern …
Im wahrsten Sinne des Wortes war die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg als
Träger der einrichtungseigenen Ferdinand-Rohde-Schule in den vergangenen
Wochen bemüht, ihren Schülerinnen und Schülern den Weg in die Schule,
den Weg hin zum Lernen, zu erleichtern.
Im Zentrum der Schule für emotionale und soziale Entwicklung entstand
- leider nicht immer, ohne den Unterrichtsablauf zu stören –
neben einer notwendig gewordenen Fensterrenovierung
sowie einem Neuanstrich des Innenbereiches
ein neuer Treppenaufgang, der die bisherige,
marode gewordene Treppe ersetzte.
Seite 30
Neues von Unterwegs – 14/2008
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Ev.-luth. Stiftung Hünenburg
mit Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung
Leitung und Verwaltung
Geschäftsführer:
Frank Mattioli-Danker
Fachbereichsleiter: Jochen Janke
Fachbereichsleiter: Tom Brodhuhn
Postfach 11 40
49310 Melle
Tel.: 05226 / 98 61 – 0
Fax.: 05226 / 98 61 - 11
Email: huenenburg@aol.com
www.huenenburg.com
Angebot
Standort
Ansprechpartner
Familienanaloge
Wohngruppe (FWG)
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Jochen Janke
Tel.: 05226 / 98 61 – 21
Sozialpäd. Wohngruppe
„Südhaus“
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Thorsten Aubke
Tel.: 05226 / 98 61 – 33
Jungenwohngruppe
Oldendorf (JWG)
Osnabrücker Straße 153
49324 Melle
Tom Brodhuhn
Tel.: 05422 / 75 26
Mädchenwohngruppe
„Libellen“ (MWG I)
Kampingring 2
49328 Melle
Dagmar Feller
Tel.: 05427 / 66 15
Mädchenwohngruppe
„Sonnenblick“ (MWG II)
Meller Berg 33
49324 Melle
Iris Griese
Tel.: 05422 / 9 289 161
Außenwohngruppe
LOGO
Engelgarten 33
49324 Melle
Jochen Janke
Tel.: 05422 / 53 31
Mobile Betreuung
„Plackehaus“
St. Annener-Straße 21
49328 Melle
Jochen Janke
Tel. 05226 / 98 61 - 21
Ferdinand-Rohde-Schule
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Lilo Fischer-Windels
Tel.: 05226 / 98 61 – 36
Jugendwerkstatt
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Sebastian Ahrens
Tel.: 05226 / 98 61 – 30
Therapeutischer Dienst
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Björn Süfke &
Stefan Reinisch
Tel.: 05226 / 98 61 - 29
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