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AP 2007: Soll die Politik bestimmen, was Kühe fressen?

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Nr. 2593 vom 21. November 2002
AP 2007: Soll die Politik bestimmen,
was Kühe fressen?
Die Bauern sollen nur noch Direktzahlungen erhalten, wenn ihre Kühe mindestens 90 Prozent Raufutter fressen. Das schlägt die Bio Suisse vor. Mit einer solchen Fütterung würden die Schweizer
international noch weniger konkurrenzfähig, wettern Viehzüchter.
Seite 3
AKTUALITÄT
Die bäuerliche Lohntüte
ist eher halb leer als halb voll
AGRAR-NACHRICHTEN
6
Die Vorstellung des diesjährigen Agrarberichtes ist Anlass
für die übliche Kontroverse um die wirtschaftliche Situation der Bauern. Darüber hinaus zeigte das Bundesamt für
Landwirtschaft aber auch die Zukunftsperspektiven für die
verschiedenen Betriebszweige auf.
Käse: Die Macht liegt nun bei Emmi
8
Emmi kauft definitiv das Käsegeschäft der Swiss Dairy
Food und hält damit rund 45 Prozent des Schweizer
Käsemarktes in den Händen. Das habe nichts mit Macht
zu tun, betonte Emmi-Chef Fritz Wyss an einer Pressekonferenz. Seine Taten sprechen eine andere Sprache.
Höhere Alkoholsteuer –
für die Branche eine Schnapsidee
9
Mit einer höheren Alkoholsteuer möchte der Bund den
steigenden Spirituosenkonsum bremsen. Doch die Branche ist dagegen: Eine Erhöhung nütze nichts, schade
aber den einheimischen Produzenten.
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TVD: Bonus-Malus-System soll Qualität verbessern /
Neuer Direktor im BVET / Emmi will Raclettekäserei
Landquart kaufen / Regionale Lösung für Gossau ist gestorben / Aargauer Milchbauern schlucken Preissenkung /
65 Einsprachen gegen Emmentaler-AOC / Fromarte:
Kontingentierung soll möglichst rasch weg / Verbandsbeschwerderecht in der Gen-Lex soll bleiben / Berner Standesinitiativen: Viehmärkte und Einkommen
INTERNATIONAL
14
EU-Erweiterung kommt am 1. Mai 2004 / COPA und
COGECA fordern Getreide-Importkontingente / Alpenkonvention: Ständiges Sekretariat in Innsbruck
VERANSTALTUNGEN/PUBLIKATIONEN
15
Mekka der Landmaschinen erstmals in Bern / Neue
Zeitschrift für Frauen vom Lande / Jubelbuch der Pro
Specia Rara
MORITZ
BEILAGEN
INFO-GRAFIK
Marktrundschau
Spirituosen:
Mehrkonsum wieder gebremst
Veranstaltungskalender
10
Redaktion: Markus Rediger (mr), Roland Wyss-Aerni (wy), Edith Moos-Nüssli (mo), Jürg Spahr (js)
redaktion@lid.ch
Der LID-Mediendienst erscheint wöchentlich,
der Abdruck ist unter Angabe der Quelle frei;
Online-Archiv unter www.lid.ch,
Redaktionsschluss: Donnerstag, 9.00 Uhr
16
SCHWERPUNKT
3
AP 2007: Soll die Politik bestimmen,
was Kühe fressen?
Die Bauern sollen nur noch Direktzahlungen er-
dass mehr Menschen satt werden, wenn Getreide, Mais
halten, wenn ihre Kühe mindestens 90 Prozent
und Soja nicht zuerst den Umweg über den Kuhmagen
Raufutter fressen. Das schlägt die Bio Suisse vor.
machen.
Mit einer solchen Fütterung würden die Schweizer international noch weniger konkurrenzfähig,
wettern Viehzüchter.
Wiederkäuer wie Kühe, Schafe und Ziegen sollen deshalb
möglichst viel Raufutter fressen, findet zum Beispiel die
Bio Suisse, die Dachorganisation der Schweizer Biobauern. Für sich selber haben die Biobäuerinnen und Bio-
Von Edith Moos-Nüssli
bauern den Kraftfuttereinsatz an der letzten DelegiertenSport ist gesund. Das ist allgemein anerkannt. Nur beim
Spitzensport werden Fragezeichen gemacht, welche
Leistung noch als gesund gelten soll. Für Kühe ist es
versammlung im Oktober begrenzt (siehe Kasten). Sie
möchten aber, dass auch sonst möglichst viele Schweizer
Wiederkäuer so gefüttert werden.
das Natürlichste der Welt Milch zu geben, nachdem sie
ein Kalb geboren haben. Wie viel Leistung noch gesund
ist, wird bei den Milchkühen aber genau so kontrovers
diskutiert wie im Sport. Zwischen Sport und Milchproduktion gibt es noch weitere Parallelen. Der Milchmarkt
ist international, die Viehzüchter stehen miteinander in
Konkurrenz und die Ernährung ist ein wichtiger Erfolgs-
Konkret hat die Bio Suisse in der Vernehmlassung zur
Agrarpolitik 2007 vorgeschlagen, dass ab Mai 2007 nur
noch Bauern Direktzahlungen erhalten sollen, die ihre
Kühe, Schafe und Ziegen mit einem sehr hohen Anteil an
Raufutter füttern, mindestens 90 Prozent. „Die Schweizer
Kuh soll zukünftig dort stehen, wo das Futter wächst“,
begründet die Bio Suisse den Vorschlag. Dafür könnten
faktor.
dann die Milchkontingente aufgehoben werden. Die
Mehr Leistung heisst mehr Essen
Raufutterregel würde verhindern, dass die Milchmenge
Leistung und Ernährung sind bei der Milchproduktion wie
mit mehr Kraftfutter stark gesteigert würde.
beim Spitzensport eng verknüpft. Wer mehr leisten will,
Schweizer sind Raufutter-Weltmeister
braucht mehr Energie, und weil weder der Mensch noch
die Kuh beliebig viel fressen können, braucht es konzentrierte Nahrung – zum Beispiel Kraftfutter im Fall der
Milchkühe. Der Einsatz von viel Kraftfutter ist aber aus
tiergesundheitlichen und ethischen Gründen umstritten.
Der Vorschlag der Bio Suisse würde keine generelle
Kehrtwende einläuten. Heute sind die Schweizer Milchbauern nämlich bereits Weltmeister im Milch produzieren
auf Raufutterbasis. Ein Grund ist der Preis: Zur Zeit bezahlen Schweizer Bauern noch dreimal so viel wie ihre
Anders als die Menschen sind die Kühe keine Allesfressern, sondern Wiederkäuer. Einer ihrer vier Mägen – der
Pansen – ermöglicht es ihnen, Gras zu verdauen und
daraus Milch und Fleisch zu machen. Die Kuh kann so
Flächen für die menschliche Ernährung nutzbar machen,
auf denen aus klimatischen oder topografischen Gründen
weder Getreide noch Kartoffeln angebaut werden können. Futter mit wenig Ballaststoffen wie Getreide dagegen kann den Pansen übersäuern und die Gesundheit der
deutschen Kollegen für das Kraftfutter. Eine genaue
Statistik zum Kraftfutter-Verbrauch der Milchkühe gibt es
zwar nicht, die Schätzungen von Futtermittelherstellern
und Tierernährungsspezialisten liegen zwischen 280‘000
bis 360‘000 Tonnen pro Jahr. Bei gut 700‘000 Schweizer
Milchkühen frisst eine Kuh somit im Schnitt rund 500
Kilogramm Kraftfutter pro Jahr. Die Durchschnittskuh
produziert rund 5‘500 Kilogramm Milch pro Jahr und
frisst dafür rund 5‘500 Kilogramm Trockensubstanz
Kuh beeinträchtigen. Aus ethischer Sicht wird angeführt,
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
SCHWERPUNKT
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Futter. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt fressen
Hochleistungskühe bekommen jedoch schon 800 bis
Schweizer Kühe weniger als zehn Prozent Kraftfutter.
1‘000 Kilogramm Kraftfutter, sie fressen aber auch allgemein mehr (siehe Kasten). Ferner ist die Situation von
Betrieb zu Betrieb verschieden. Wer selber Mais, Rüben
oder Kartoffeln anbauen kann, kann den Kühen energie-
Kraftfutterlimite
für Biokühe
reiche Nahrung vorsetzen, die nicht als Kraftfutter zählt.
Die Zehn-Prozent-Regel würde deshalb die Bergbauern
mo. Kühe, Schafe und Ziegen auf Biohöfen müssen ab
Januar 2004 mindestens 90 Prozent der Futter-Trocken-
am meisten einschränken, die selber nur Wiesen und
Weiden haben.
substanz pro Tierkategorie in Form von frischem, silierten
Der durchschnittlich geringe Kraftfutterverbrauch bedeu-
oder getrocknetem Raufutter erhalten. Das hat die Dele-
tet auch nicht zwangsläufig, dass für die Kuh zur Zeit
giertenversammlung am 16. Oktober 2002 beschlossen.
alles in Ordnung ist. „Das Raufutter entwickelt sich
Heute sind mindestens 60 Prozent Raufutter vorgeschrie-
immer mehr in Richtung Kraftfutter“, sagt Michael Kreu-
ben. Als Raufutter zählen neben Gras, Heu und Silage
zer, Professor für Tierernährung an der ETH Zürich. Wer
auch Getreidepflanzen, die ganz verfüttert werden, Zu-
intensiv wirtschaftet, schneidet das Gras heute sehr jung,
ckerrübenschnitzel, Futterrüben, unverarbeitete Kartof-
wenn es eiweissreich und ballaststoffarm ist. Somit ist
feln, Biertreber und der Abgang aus der Obst- und Ge-
theoretisch eine Milchleistung von 7‘000 bis 8‘000 Liter
müseverarbeitung. Wird beim Mais die ganze Pflanze
pro Jahr aus mindestens 90 Prozent Raufutter möglich.
siliert, gilt die Silage als Raufutter, werden jedoch nur die
Jedoch mit der Folge, dass auch das Raufutter nicht mehr
geschroteten Kolben siliert, zählt sie als Kraftfutter.
ganz dem entspricht, was das Tier für einen gut funktionierenden Pansen brauchen würde. Für die Kuh am
Die Zehn-Prozent-Regel muss jedoch nicht für jede
bekömmlichsten wäre laut Kreuzer ein heute als mittel-
Milchkuh separat eingehalten werden, sondern pro
gut eingestuftes Gras oder Heu. Damit könne eine Kuh
Tierkategorie, also über alle Milchkühe, alle Aufzuchtrin-
aber nur um 5‘000 Kilogramm Milch pro Jahr geben.
der oder alle Schafe. Für Wiederkäuer rechnet die BioSuisse, dass eine Grossvieheinheit (DGVE) im Jahr 5‘500
Kilogramm Futter-Trockensubstanz frisst und dementsprechend 550 Kilogramm Trockensubstanz Kraftfutter
fressen darf. Bei einem Trockensubstanzgehalt von 88
Prozent entspricht das 625 Kilogramm Kraftfutter. Bei
den Milchkühen zählt eine Kuh mit einer Milchleistung
zwischen 5‘000 und 5‘999 Kilogramm als eine DGVE.
Pro 1‘000 Kilogramm mehr oder weniger Milchleistung
steigt oder sinkt der DGVE-Faktor um 0,1. Bei einer
durchschnittlichen Milchleistung von 7‘000 Kilogramm
pro Kuh – jedes Tier zählt als 1,2 DGVE – darf ein Biobauer im Schnitt also jeder Kuh 750 Kilogramm Kraftfutter pro Jahr verfüttern. Die Gesamtmenge darf er individuell zuteilen. Er darf einer einzelnen Kuh auch mehr als
750 Kilogramm Kraftfutter vorsetzen, solange er die
erlaubte Gesamtmenge nicht überschreitet.
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Wirtschaftlich gesehen wäre es für einen grossen Teil der
Schweizer Bauern denkbar, die Milch mit weniger leistungsstarken Kühen zu produzieren. Eine extensive Vollweidestrategie (auch „Low-Input“ genannt) kann finanziell ebenso erfolgreich sein wie eine Hochleistungsstrategie. Das zeigt eine Studie der Gruppe Tierzucht der ETH
Zürich vom Sommer 2001. Die Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen BE propagiert die saisonale Vollweidestrategie als Möglichkeit, billiger Milch zu produzieren.
Das ist aber nicht einfach die Ideallösung, denn die
Schweizer Milchproduzenten stehen wie die Spitzensportler im internationalen Konkurrenzkampf, nicht nur im
Verkauf von Käse, sondern auch von Kühen.
Nur Topkühe sind international konkurrenzfähig
Die Schweiz ist ein traditionelles Viehzuchtland. Vor der
BSE-Krise war Zuchtvieh der zweitwichtigste Exportpos-
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
SCHWERPUNKT
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ten der Schweizer Bauern und in den letzten Jahren
Hochleistungskuh zu züchten, diese aber nicht entspre-
wurde viel unternommen, um die Grenzen für Schweizer
chend ihrem Leistungspotenzial zu füttern. Im Gegenteil:
Kühe wieder zu öffnen. Im Ausland kann man aber mit
Dies erhöht das Risiko für die Kuh an Ketose, einer Stö-
einer 5‘000-Kilogramm-Kuh keinen Staat machen, denn
rung des Kohlehydratstoffwechsels, zu erkranken. Ursa-
die europäischen und amerikanischen Bauern setzen auf
che dieser „Berufskrankheit“ ist also nicht zu viel Kraft-
Hochleistung mit viel Kraftfuttereinsatz. In diesen Länder
futter, sondern zu wenig konzentriertes Futter oder eine
ist Kraftfutter deutlich billiger als in der Schweiz und
falsche Zusammensetzung.
Raufutter wie Heu wegen dem grossen Arbeitsaufwand
zu teuer. Ein Vergleich von repräsentativen Milchwirtschaftsbetrieben zeigt (siehe Grafik), dass in Irland Kühe
auf einem Low-Input-Betrieb (5‘500 kg Milch pro Kuh)
pro Kilogramm Milch mehr Kraftfutter fressen als Schweizer Kühe, die pro Jahr 7‘700 Kilogramm Milch geben.
Wie im Spitzensport war es auch in der Milchwirtschaft
bisher interessant, die Milchleistung der Kühe zu steigern
– über die Züchtung und entsprechende Kompromisse in
der Fütterung. Daran dürfte sich trotz den Vorschlägen
der Bio Suisse vorläufig wenig ändern. Der Bundesrat hat
den Vorschlag nicht in die Botschaft „Agrarpolitik 2007“
Die Schweiz steckt damit im Dilemma: Wenn man in der
aufgenommen und in der Kommission für Wirtschaft und
Zucht mithalten will, muss man auf Hochleistungskühe
Abgaben des Ständerates fand er nur wenig Unterstüt-
setzen, auch wenn rein physiologisch betrachtet eine Kuh
zung. Die grosse Mehrheit fand, das sei ein zu enges
ideal wäre, die nicht mehr Milch gibt, als sie aus mittel-
Korsett für die Schweizer Bauern.
gutem Grundfutter erzeugen kann.
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Weitere Informationen zu Vollweide- und High-Input-Strategie
in „Die ideale Kuh für die Agrarpolitik 2007“ im LIDMediendienst Nr. 2546 vom 13. Dezember 2001.
Nicht nur zu viel,
auch zu wenig Kraftfutter kann krank machen
Wenn man die Milchleistung begrenzen möchte, müsste
man laut Kreuzer nicht bei der Fütterung ansetzen, sondern bei der Züchtung. Denn es macht keinen Sinn, eine
Info-Grafiken zur Bodennutzung in der Schweiz: „Wiesen und
Weiden bedecken drei Fünftel des Landwirtschaftslandes“ im
LID-Mediendienst Nr. 2497 vom 4. Januar 2001 und „Zwei
Fünftel des Landwirtschaftslandes liegt im Berggebiet“ im LIDMediendienst Nr. 2588 vom 17. Oktober 2002.
Schweizer Milchbauern füttern am wenigsten Kraftfutter
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Gramm Kraftfutter pro Kilogramm Milch
Kraftfutterverbrauch repäsentativer Betriebe
Quelle: FAT-Bericht 591/2002; Ergebnisse aus dem IFCN-Netzwerk – Die Zahl hinter den Ländern steht für die Anzahl Kühe auf dem
Betrieb; bio steht für Biolandbau, LI für Low-Input oder Vollweidestrategie.
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
AKTUALITÄT
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Die bäuerliche Lohntüte
ist eher halb leer als halb voll
wy. Die Vorstellung des diesjährigen Agrarberich-
stiegen. Mit Schwankungen: Im letzten Jahr war das
tes ist Anlass für die übliche Kontroverse um die
durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen mit rund
wirtschaftliche Situation der Bauern. Darüber
52‘500 Franken 12‘000 Franken tiefer als im vergleichs-
hinaus zeigte das Bundesamt für Landwirtschaft
weise guten Jahr 2000 und 1‘300 Franken tiefer als im
aber auch die Zukunftsperspektiven für die ver-
schlechteren Jahr 1999. Vom landwirtschaftlichen Ein-
schiedenen Betriebszweige auf.
kommen werden die Zinsen des investierten Eigenkapitals
„Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern meistern die
Herausforderungen der Agrarreform im Allgemeinen
bezahlt und 1,3 Jahreslöhne bezahlt – Im Schnitt arbeiten
pro Betrieb 1,3 Arbeitskräfte auf einem Betrieb.
gut“, sagt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).
Der Schweizerische Bauernverband bemängelt bei der
„Das BLW beschönigt die Situation, um die Behandlung
Darstellung der wirtschaftlichen Situation der Bauernbe-
der AP 2007 im Parlament nicht negativ zu belasten“,
triebe vor allem, dass der Arbeitsverdienst pro Familienar-
findet der Schweizerische Bauernverband. So gegensätz-
beitskraft nicht die nötige Beachtung erhalte. Diese Grösse
lich sind die Kommentare zwei Hauptkontrahenten zur
ist mit den Löhnen in der übrigen Wirtschaft vergleichbar.
Veröffentlichung des neuesten Agrarberichtes. Der
Sie liegt im Dreijahresschnitt 1999/01 bei unter 34‘000
Schlagabtausch hat Tradition, doch diesmal erhält er
Franken, „ein Wert, der selbstredend ist und dessen Er-
besondere Brisanz: Kurz vor der parlamentarischen Bera-
wähnung das BLW lieber vermeidet“, schreibt der Bauern-
tung der Agrarpolitik 2007 geht es darum, wer die bes-
verband dazu. Bötsch erwähnte den Arbeitsverdienst zwar,
seren Argumente hat in der Frage, wie rasch die Liberali-
meinte aber dazu, dieser sei nur ein Indikator neben ande-
sierung der landwirtschaftlichen Märkten in den nächsten
ren wie dem Verschuldungsgrad oder dem Cash-flow.
Jahren vonstatten gehen soll.
Dazu komme, dass auch der Arbeitsverdienst nicht immer
Einkommen schon vor der Agrarreform tief
schlechter werde, sondern schon vor der Agrarreform
relativ tief gewesen sei.
Dass etwas mehr auf dem Spiel steht, wurde deutlich bei
der Vorstellung des Agrarberichtes am Montag, 18. No-
Bauernvertreter sind sauer
vember in Bern. Das Einkommen sei zwar tief im Vergleich
Die bäuerlichen Organisationen sind enttäuscht bis em-
zu den Löhnen in der übrigen Wirtschaft, stellte BLW-
pört. Der Bauernverband weist darauf hin, dass in den
Direktor Manfred Bötsch fest. Dies sei aber nicht eine
letzten zehn Jahren nicht nur die Investitionen und der
Folge der Agrarreform, sondern sei auch davor schon so
Cash-flow gesunken sei, die das BLW als Gründe für das
gewesen. Im April noch hatte Bötsch unumwunden von
tiefere Gesamteinkommen anführt, sondern dass mit der
einem „unerfreulichen Rückgang“ der bäuerlichen Ein-
Teuerung auch die Kaufkraft der Bauernfamilien um ein
kommen gesprochen. Den Tenor in den Medien damals
Fünftel gesunken sei. Die Berner Bauernorganisation Lo-
könnte man mit „Den Bauern geht es tatsächlich nicht so
bag kritisiert das BLW heftig. Den Bauernfamilien gehe es
toll“ umschreiben – Die Zahlen waren nota bene die
seit 1990 keinen Deut besser, obwohl dies doch das Ziel
gleichen wie jetzt im Agrarbericht, diejenigen von 2001.
einer Agrarreform sein müsse. Vielmehr liege das landwirt-
Bötsch argumentierte diesmal, die einzelbetrieblichen
Einkommen seien in der ersten Hälfte der neunziger Jahre
zwar gesunken, in der zweiten Hälfte aber wieder ange-
schaftliche Einkommen und der Arbeitsverdienst auf einem
Rekordtiefstand. Dass die Löhne im Vergleich zur übrigen
Bevölkerung schon vor der Agrarreform tief gewesen
seien, sei keine Entschuldigung.
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
AKTUALITÄT
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Das BLW spiele beim Strukturwandel nicht mit offenen
gebiet zwischen 30 und 50 Hektaren gross sind. Diese
Karten, findet die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für
Betriebe hätten zusammen mit den Mutterkuhhaltern in
die Berggebiete (SAB). So hätte die Anzahl Bauernbetriebe
einem EU-Umfeld die besten Chancen, weil der Wettbe-
zwischen 1990 und 2000 um 2,4 Prozent abgenommen,
werbsdruck am geringsten wäre. Für die Ackerbaubetriebe
was zwar auf den ersten Blick moderat aussehe. Zwischen
dagegen, die unter den heutigen Bedingungen die beste
1999 und 2000 habe der Strukturwandel aber ganze 4,1
Rentabilität
Prozent betragen, was das Bundesamt verschweige. Es
Bedingungen negativ. Der wichtigste Grund dafür ist der
unterscheide auch nicht zwischen Tal- und Bergbetrieben.
Preisunterschied beim Produkt: Die Differenz zwischen
So sei nicht erkennbar, dass in den Berggebieten jede
dem Getreidepreis in der Schweiz und in der EU beträgt
Woche zehn Bauernhöfe verschwinden.
satte 71 Prozent, bei der Milch sind es 26 Prozent.
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Sind Milchproduzenten die Verlierer?
Der
Agrarbericht
ist
online
einsehbar
http://www.blw.admin.ch/agrarbericht3/d
unter
aufweisen,
würde
diese
unter
EU-
Besondere Aufmerksamkeit schenkte das BLW den Milchproduzenten, die stets klagen, sie seien die Verlierer der
Agrarreform. Richtig ist laut dem Bundesamt, dass die
spezialisierten Milchbetriebe im Vergleich zu anderen
Schweinebetriebe
stehen gut da
Betriebstypen im Schnitt ein tieferes Einkommen haben.
Daran sei unter anderem schuld, dass der Anteil von
wy. In einer ETH-Studie zur Konkurrenzfähigkeit der Be-
Milchbetrieben in den Hügel- und Bergregionen relativ
triebszweige wurden im Jahr 2000 insgesamt 1‘820 Be-
hoch sei. Die Milchproduzenten seien aber nicht Verlierer
triebe untersucht. Zusätzlich wurden die Preise für Vorleis-
der Agrarreform, sagte Bötsch und argumentierte gleich
tungen wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Fut-
wie beim Arbeitsverdienst: Die Einkommen der Milchpro-
termittel und für die Produkte wie Milch, Fleisch und Ge-
duzenten seien schon vor der Agrarreform unterdurch-
treide in der Schweiz und in der EU verglichen. Gemessen
schnittlich gewesen. Die Organisation der Schweizer
wurde die so genannte Performance der Betriebe. Dieser
Milchproduzenten hält demgegenüber fest, dass bei den
Indikator zeigt, wieviele flüssige Mittel in Prozent des
Milchproduzenten der grösste Strukturwandel stattgefun-
eingesetzten Gesamtkapitals übrig bleiben, nachdem
den habe. Das BLW selber stellt schliesslich fest, dass der
Fremdarbeit und Familienarbeit entschädigt wurden.
grössere Teil der Milchbetriebe unter den heutigen Rahmenbedingungen eine tiefe, zum Teil sogar negative Rentabilität habe – was die Sicht, die Milchproduzenten seien
Verlierer, letztlich doch nicht so abwegig erscheinen lässt.
Studie zur Konkurrenzfähigkeit der Betriebe
Das Bundesamt für Landwirtschaft hat ferner beim Institut
für Agrarwirtschaft der ETH Zürich eine Studie in Auftrag
Am besten schneiden laut der Studie Rindviehmast-,
Schweine- und Geflügelbetriebe ab, Milchbetriebe der
Talregion mit 30 bis 50 Hektaren, Ackerbaubetriebe mit 20
bis 50 Hektaren und Milch/Ackerbaubetriebe mit 30 bis 50
Hektaren. Am schlechtesten schneiden Milchbetriebe mit
10 bis 20 Hektaren in der Hügel- und Bergregion ab.
Letztere weisen sogar eine negative Performance auf.
gegeben, um die Konkurrenzfähigkeit der Milchprodukti-
Unter EU-Bedingungen reicht es nur noch bei sechs Be-
on, aber auch der anderen Betriebszweige unter heutigen
triebsgruppen für eine positive Performance. Am besten
Rahmenbedingungen und unter EU-Bedingungen zu un-
stehen Milchbetriebe mit 30 bis 50 Hektaren und Schwei-
tersuchen (siehe Kasten). Es zieht aus der Studie folgende
nebetriebe da.
Schlüsse: Eine gute Rentabilität haben Betriebe, die sich
auf Milchproduktion spezialisieren und im Talgebiet zwi-
siehe dazu: Agrarbericht 2002, S. 59ff.
schen 20 und 30 Hektaren gross und im Hügel- und BergSämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
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AKTUALITÄT
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Käse: Die Macht liegt nun bei Emmi
mo. Emmi kauft definitiv das Käsegeschäft der
schäftsbereich wird mit der Übernahme grösser. Neu
Swiss Dairy Food und hält damit rund 45 Prozent
wird das Innerschweizer Unternehmen rund 60 Prozent
des Schweizer Käsemarktes in den Händen. Das
des Schweizer Käses exportieren, mit einem Umsatz von
habe nichts mit Macht zu tun, betonte Emmi-Chef
rund 300 Mio. Franken. Käse ist das wichtigste Export-
Fritz Wyss an einer Pressekonferenz. Seine Taten
produkt der Schweizer Landwirtschaft. Die Hälfte der
sprechen eine andere Sprache.
Schweizer Milch wird verkäst, rund zwei Fünftel des
Im dritten Anlauf gelingt, was Emmi vor neun Monaten
angekündigt hat: Rückwirkend auf den 1. Oktober kaufte
der Luzerner Milchverarbeiter am Dienstag, 19. November die Gerberkäse AG und neun weitere Käsefirmen von
Swiss Dairy Food (SDF), acht davon mit einer Mehrheits-
Käses werden exportiert. In Zukunft soll Emmi im Ausland das Synonym für „Schweizer Käse“ werden. Nicht
nur das Sorgenkind Emmentaler, auch starke Marken wie
„Gruyère“ oder „Tête de Moine“ werden sich dem Firmennamen unterordnen müssen.
beteiligung. Die Verträge wurden von SDF-Sachwalter
Zur Käsemacht wird Emmi auch im Inland. Beim Emmen-
Fritz Rothenbühler und Emmi am Donnerstag unterzeich-
taler übernimmt der Käsehändler nach eigenen Angaben
net, am Freitag stimmte der Nachlassrichter zu und am
70 Prozent der gesamten Produktion, bei Tête de Moine
Dienstag wurden Aktien gegen Geld getauscht. Wie viel
73 Prozent, bei Sbrinz gar 85 Prozent. Sbrinz ist zwar
er noch bezahlen musste, wollte Emmi-Chef Fritz Wyss
eine kleine Sorte, Emmentaler hat an der Gesamtproduk-
an einer Pressekonferenz in Luzern nicht sagen. Klar ist,
tion jedoch einen Anteil von gut 30 Prozent.
dass es deutlich weniger ist als im Februar 2002 ausgehandelt. Das Geschäft sei auch entsprechend weniger
wert, betonte Wyss. „Wir stünden heute nicht schlechter
da, wenn wir zum ursprünglichen Preis gekauft hätten,“
sagte er in Luzern. Wenn die Übernahme im Frühling
möglich gewesen wäre, hätte Emmi den Käsemarkt
etwas ruhiger gestalten können.
Die Emmentaler-Käsereien
bekommen die Macht als Erste zu spüren
Beim Emmentaler setzt der Konzern an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Bis in zwei Jahren will die
Emmi ihre Emmentaler-Käsereien zu hundert Prozent
auslasten. Da die Auslastung zur Zeit bei rund 65 Prozent
liegt, werden in der ganzen Schweiz rund 100 Käsereien
Der aquirierte Umsatz beträgt 340 Millionen Franken.
keinen Käsekaufvertrag mehr bekommen. Wer Emmi
Emmi übernimmt auch die 350 Mitarbeitenden und
seine Emmentaler verkaufen will, muss eine Offerte
schliesst mindestens vorläufig keinen Standort. Die neue
einreichen. Der Käsehändler wird sich darauf seine Part-
Nummer Eins der Schweizer Milchwirtschaft rechnet für
ner aussuchen. Kriterien seien neben dem Preis auch die
2003 mit einem Käseumsatz von 920 Mio. Franken und
Qualität, nicht aber die Erhaltung von Arbeitsplätzen im
einem Gesamtumsatz von 1,67 Milliarden Franken. Für
ländlichen Raum.
dieses Jahr sind 1,355 Mrd. Franken Umsatz budgetiert.
Schweizer Käse = Emmi
Ausserdem hat Emmi die Mitgliedschaft bei der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) auf Ende April
Ob der Konzern die gesetzten Ziele erreicht, muss sich
erst zeigen. Per Ende Oktober 2002 liegt der Umsatz
sechs Prozent unter Budget, wie Wyss in Luzern bekannt
gab. Grund für das schlechte Ergebnis ist vor allem das
Ausland, wo der Umsatz 15 Prozent unter Budget liegt.
Im Ausland verkauft Emmi vor allem Käse. Dieser Ge-
2003 gekündigt und gleichzeitig ein Gesprächsangebot
unterbreitet. Die ES soll sich in Zukunft nur noch die
Marke definieren und überwachen. Den Markt soll sie
den Unternehmen überlassen. Dafür will Wyss noch fünf
bis zehn Rappen pro Kilogramm Emmentaler an die ES
bezahlen. Heute beträgt die Abgabe 65 Rappen.
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
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AKTUALITÄT
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Höhere Alkoholsteuer –
für die Branche eine Schnapsidee
wy. Mit einer höheren Alkoholsteuer möchte der
verweist auch auf Deutschland, wo die kleinen und mittle-
Bund den steigenden Spirituosenkonsum brem-
ren Brenner von tieferen Steuersätzen profitierten.
sen. Doch die Branche ist dagegen: Eine Erhöhung nütze nichts, schade aber den einheimischen Produzenten.
Die Produktion und der Konsum bei einheimischen Bränden sind seit 1999 gesunken. Die Produktion ist um ein
Drittel auf 2,2 Millionen Liter zurückgegangen. Auch der
Der Konsum von Spirituosen hat in den letzten Jahren
Erlös sei in den letzten Jahren stetig gesunken, so dass
zugenommen. Und die Bundesfinanzen sind tiefrot. Zwei
eine kostendeckende Produktion kaum mehr möglich sei,
Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, welche die
heisst es beim Obstverband.
Eidgenössiche Alkoholverwaltung (EAV) aber mit einer
einzigen Massnahme lindern möchte: Mit einer Erhöhung
der Alkoholsteuer.
80 bis 90 Prozent der Brennfrüchte wachsen an Hochstammbäumen. Der Erhalt dieser Bäume wird durch den
Bund gefördert, mit insgesamt 40 Millionen Franken pro
Bis zum Juli 1999 galten für inländische Brände tiefere
Jahr. Die Förderung hat ökologische Gründe, bilden doch
Steuersätze als für importierte. Damit wurde die Inland-
Hochstammbäume für Vögel und andere Tiere einen wich-
produktion geschützt. Seit 1999 werden die gebrannten
tigen Lebensraum. „Die Wirkung dieser Massnahme ist
Wasser aus dem In- und Ausland einheitlich mit 29 Fran-
jedoch gering bis Null“, schreibt der Obstverband. Weil der
ken pro Liter reinem Alkohol besteuert. Seither sind diese
Preiszerfall beim Brennobst wesentlich stärker ins Gewicht
billiger geworden, der Alkoholtourismus hat abgenommen.
falle, würden die Bäume nicht mehr gepflegt und statt
Damit sind auch die besteuerten Mengen Spirituosen um
dessen gerodet, trotz den Anreizen der Agrarpolitik. Zwei
rund 30 Prozent angestiegen, wie die EAV in ihrem Kon-
Massnahmen der Bundespolitik also, die sich gegenseitig
sultationsschreiben an die betroffenen Verbände schreibt.
konkurrieren. Wirkungsvoller wäre aus Sicht der Produzen-
Weil aber auch der Spirituosenkonsum insgesamt gestie-
ten eine Verabeitungszulage , wie sie der Schwyzer Land-
gen ist, möchte die EAV neu einen Steuersatz von 31 bis
wirt und CVP-Nationalrat Toni Eberhard in einer Motion
34 Franken. Dies sei günstiger als in Frankreich, aber
vorgeschlagen hat.
höher als in Österreich, Deutschland und Italien, heisst es.
Branche: Steuererhöhung nützt nichts
Differenzierte Besteuerung nicht möglich
Was die Steuern angeht, schlug der Obstverband vor, die
Gegen die geplante Erhöhung regt sich Widerstand aus der
Alkoholsteuer auf Obstbränden unverändert zu lassen und
Branche. Der Groupement Suisse der Markenspirituosen
nur für in- und ausländische Nicht-Obstbrände zu erhöhen.
und der Schweizer Spirituosenverband erklärten an einer
Die Alkohohlverwaltung betrachtet diesen Vorschlag aber
Pressekonferenz Anfang Oktober, eine Steuererhöhung
als nicht WTO-konform. Obstbrände würden von der WTO
habe keinen Einfluss auf den Konsum. Vielmehr fördere sie
als Substitutionsprodukte für übrige Brände angesehen
erneut den Alkoholtourismus und laufe dem Ziel entgegen,
und dürften deshalb nicht separat behandelt werden,
die Steuererträge zu erhöhen.
meinte Walter Hofer von der Eidgenössischen Alkoholver-
Auch die Brennobstproduzenten wehren sich gegen die
Erhöhung. Sie schwäche die Produzenten, die Destillateure
und den Detailhandel. schreibt der Schweizerische Obst-
waltung gegenüber der „Bauernzeitung“.
€
siehe Infografik: „Spirituosen: Mehrkonsum wieder gebremst“
und Infografik: „Knapp ein Drittel der Schnäpse stammt aus der
Schweiz“ im LID-Mediendienst Nr. 2490 vom 9.11.2001
verband in seiner Zeitschrift „Früchte und Gemüse“. Er
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
INFO-GRAFIK
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AGRAR-NACHRICHTEN
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TVD: Bonus-Malus-System
soll Qualität verbessern
Emmi will Raclettekäserei
Landquart kaufen
LID. Der Bundesrat hat am Mittwoch, 20. November ein
LID. Emmi hat dem provisorischen Sachwalter der Swiss
neues Bonus-Malus-System für die Tierverkehrsdaten-
Dairy Food eine Offerte für die Raclettekäserei im bündne-
bank (TVD) beschlossen. Damit soll die Weil die ungenü-
rischen Landquart unterbreitet. Diese sieht vor, dass die
gende Meldedisziplin der Tierhalter verbessert werden.
Genossenschaft Reifungslager Bündner Käse (GRBK) mit
Der Anreiz besteht darin, dass die Bundesbeiträge an die
der Unterstützung weiterer interessierter Kreise aus dem
Mehrkosten für die Entsorgung von Schlachtabfällen
Kanton Graubünden die Liegenschaft erwirbt und langfris-
nicht mehr den Entsorgungsbetrieben, sondern den
tig an Emmi vermietet. Emmi würde ihrerseits die Be-
korrekt meldenden Rindviehhaltern und Schlachthöfen
triebseinrichtungen kaufen und die Raclettekäserei auf
ausbezahlt werden. Pro korrekte Geburts- und Schlacht-
eigene Rechnung weiter betreiben, teilte das Unternehmen
meldung gibt es 13 Franken. Für fehlende oder mangel-
mit. Die Offerte wurde am Freitag, 15. November einge-
hafte Meldungen wird eine Bearbeitungsgebühr (Malus)
reicht. Alle Mitarbeiter würden von Emmi weiterbeschäf-
erhoben. Sie kann bis zu 75 Franken pro Stunde Auf-
tigt. Der Vollzug der Übernahme ist auf spätestens April
wand betragen. Das auf dem Verordnungsweg beschlos-
2003 vorgesehen. Mit der Übernahme des Käsegeschäftes
sene Anreizystem ist bis zum Inkrafttreten der Agrarpoli-
der Swiss Dairy Food betreibt Emmi in Landquart neu
tik 2007 befristet. Im Rahmen der Agrarreform schlägt
bereits das Reifungslager für Bündner Käse.
€
der Bundesrat vor, die Finanzierung der Schlachtabfälle
an neue Einnahmen aus der Versteigerung der Fleischimportkontingente zu koppeln.
Regionale Lösung für Gossau ist gestorben
Um die TVD finanziell zu konsolidieren, wird die Abgabe
für Ohrmarken von drei auf fünf Franken erhöht und eine
Gebühr von zwei Franken bei der Schlachtung erhoben.
Der Abbau von Doppelspurigkeiten soll die Tierhalter
entlasten. TVD-Daten können zudem in Zukunft auch
anderweitig genutzt werden. Unter anderem sollen sie
Zuchtorganisationen, Labelprogrammen oder dem Bund
bei den Zusatzkontingenten zur Verfügung stehen.
€
LID. Wegen unzureichender Rentabilität einer Weiterführung der Milchabfüllung haben sich die regionalen Investoren von einem Engagement beim SDF-Standort Gossau
zurückgezogen. Im Rahmen des Nachlassverfahrens über
Swiss Dairy Food hatten der St. Galler Regierungsrat Josef
Keller und Vertreter des St. Galler Volkswirtschaftsdepartements mit möglichen überregionalen Investoren Gespräche über eine Weiterführung der Milchabfüllung in Gossau
geführt. Diese Verhandlungen seien geplatzt, teilte die
Neuer Direktor im BVET
Staatskanzlei am Donnerstag, 14. November mit. Grund
LID. Hans Wyss wird neuer Direktor des Bundesamtes für
dafür war die schlechte Wirtschaftlichkeit eines solchen
Veterinärwesen (BVET). Der Bundesrat hat den 42-
Engagements. Auch die Bemühungen, regionale Interes-
jährigen Tierarzt am Mittwoch zum Nachfolger von Ulrich
senten für eine Weiterführung der Milchabfüllung zu ge-
Kihm ernannt, der Berater für die Rinderseuche BSE und
winnen, seien aus den gleichen Gründen gescheitert.
Lebensmittelsicherheit wird. Wyss leitet im BVET die
Die Gewerkschaft VHTL spricht in Zusammenhang mit dem
Bereiche Kommunikation, Bewilligungen und Kontrollen.
Scheitern einer regionalen Lösung von einem Versagen der
Zuvor war er während sechs Jahren stellvertretender
kantonalen Wirtschaftsförderung. Der Kanton habe die
Kantonstierarzt im Kanton Bern. Von 1987 bis 1990
Bedeutung der SDF-Krise zu spät erkannt und sei mitver-
arbeitete er als Redaktor für Schweizer Radio DRS.
€
antwortlich für den Verlust von 200 Arbeitsplätzen.
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€
AGRAR-NACHRICHTEN
12
Aargauer Milchbauern
schlucken Preissenkung
Fromarte: Kontingentierung
soll möglichst rasch weg
LID. Der Aargauer Milchverband (AMV) hat der von der
LID. Die Kontingentierung müsse möglichst schnell abge-
Aargauer Zentralmolkerei (AZM) vorgeschlagenen Milch-
schafft werden, damit die schweizerische Milchwirtschaft
preissenkung um 3,5 Rappen auf 1. Dezember einstimmig
wettbewerbsfähig werde, erklärte Franz Meier, Präsident
und ohne Diskussion zugestimmt. Die Preissenkung sei
des Käserverbandes Fromarte, an der Delegiertenver-
notwendig, damit die Butter- und Milchpulverlager ge-
sammlung vom 13. November in Bern. Um die Milchpro-
räumt werden könnten, erklärte Gregor Emmenegger,
duktion im Berggebiet zu schützen, müssten zwar be-
Direktor der AZM am Freitag, 15. November vor den Dele-
stimmte Rahmenbedinungen gesetzt werden. Aber die
gierten des Aargauer Milchverbandes in Lenzburg. Die
Milch aus dem Berggebiet könne – ob mit oder ohne
Preissenkung sei auch nicht zeitlich begrenzt. „Mit ver-
Kontingente – nur verkauft werden, wenn auf die Her-
nünftigem Augenmass“ müsse man davon ausgehen, dass
stellung von Spezialitäten gesetzt werde und wenn eine
der Milchpreis weiter sinken werde. Der Aargauer Milch-
entsprechende Nachfrage bestehe. Hier setze sich die
verband steht finanziell gut da - mit einem Jahresgewinn
Fromarte mit dem internationalen Projekt für Bergkäse,
von 48‘000 Franken.
Caseus Montanus, ein.
Bei der AZM in Suhr läuft seit MItte November eine neue
Zum Vorschlag des Bundesrates, die Milchmenge auf-
Occasion-UHT-Abfüllanlage mit einer Kapazität von 30
grund eines gemeinsamen Antrags der Branche festzule-
Millionen Liter, um die neu aus der Ostschweiz übernom-
gen, meinte Fromarte-Direktor Anton Schmutz, dies
mene Milch verarbeiten zu können, wie Gregor Emmeneg-
könne nur erfolgreich sein, wenn man sich an den Gege-
ger erläuterte. Ferner ist für das nächste Jahr ein 40 Millio-
benheiten des europäischen und schweizerischen Mark-
nen Franken teures Bauvorhaben geplant. Es sollen veral-
tes orientiere. Dafür sei es wichtig, dass eine rollende
tete Maschinen umgerüstet und das Logistiklager automa-
Planung die Grundlage sei und dass für die wichtigsten
€
Produkte aktuelle Lager- und Verkaufsstatistiken vorlä-
tisiert werden.
gen. Ferner müssten die Massnahmen zur Marktentlas-
65 Einsprachen gegen
Emmentaler-AOC
tung mit Geldern der Schweizer Milchproduzenten auch
LID. Gegen die AOC-Eintragung für Emmentaler sind in der
Strategie den betroffenen Unternehmen nahegelegt
dreimonatigen Einsprachefrist beim Bundesamt für Land-
werden, damit sie akzeptiert werde.
von der gesamten Branche beschlossen werden. Und
schliesslich müsse die beschlossene Preis-Mengen€
wirtschaft 65 Einsprachen eingegangen. Davon stammen
52 aus der Schweiz und 13 aus dem Ausland, wie die
„Schweizerische Milchzeitung“ berichtete. Angefochten
Coop kauft Waro AG
werden sämtliche wichtigen Punkte des vorgesehenen
LID. Coop kauft per 1. Januar 2003 die Waro AG, die zur
Pflichtenhefts wie etwa die schnelle Verarbeitung der
Rast-Holding AG des Denner-Konzerns gehört. Vorausset-
Milch, Vorschriften über die Kulturen oder Richtlinien zur
zung dafür ist die Zustimmung der Wettbewerbskommissi-
Fütterung. Das Gesuch um die AOC-Eintragung wurde von
on. Zur Waro AG gehören 28 Waro-Märkte, 13 Tankstel-
der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland einge-
len und 15 Restaurants. Coop suche nicht nur für die
reicht, die Einsprachefrist ist am 5. November abgelaufen.
Expansion der Supermärkte und Megastores, sondern auch
Unter den ausländischen Gegnern der AOC befinden sich
für die Coop Bau & Hobby-Center und für das Möbelhaus
auch Frankreich, Deutschland, Österreich und Finnland. €
TopTip attraktive, grosse Verkaufsflächen, schrieb das
Unternehmen am 19. November in einer Medienmittei-
Sämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
AGRAR-NACHRICHTEN
13
lung. Durch den Kauf der Waro könne Coop die benötig-
zept des Nationalrates übernommen. Bei geschlossenen
ten Verkaufsflächen auf einmal erwerben und auf Bautä-
Systemen gilt die Gefährdungs-, bei Handel und Verkauf
tigkeiten und langwierige Bewilligungsverfahren verzich-
eine verschärfte Produktehaftpflicht. Die Vorlage kommt
ten. Die Waro-Märkte würden in den Coop-Auftritt integ-
am 5. Dezember ins Plenum.
€
riert, das Waro-Branding würde bis zum 31. Dezember
2003 verschwinden.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Waro AG bietet
Berner Standesinitiativen:
Viehmärkte und Einkommen
Coop Stellen innerhalb der Coop-Gruppe an und nimmt sie
mit der Umstellung ihres Ladens von Waro zu Coop in den
€
Coop Gesamtarbeitsvertrag auf.
LID. Der bernische Grosse Rat hat am Montag, 18. November die Regierung beauftragt, beim Bund eine Standesinitiative zur Aufrechterhaltung der öffentlichen
Verbandsbeschwerderecht
in der Gen-Lex soll bleiben
LID. Das Gentechnikgesetz soll die wissenschaftliche Forschung in der Gentechnik nicht fördern, aber weiter ermöglichen. Bei der Differenzbereinigung des Bundesgesetzes über die Gentechnik im ausserhumanen Bereich be-
Schlachtviehmärkte einzureichen. Der Regierungsrat selber
hatte die Annahme einer entsprechenden Motion empfohlen. In der Botschaft zur Revision des Landwirtschaftsgesetzes spiele der Bund der Bedeutung der öffentlichen
Schlachtviehmärkte – insbesondere deren Überwachung
sowie die Qualitätseinstufung der Tiere –stark herunter,
kritisierte Motionär Christian Oesch (SVP/Eriz).
wegten sich die Räte aufeinander zu, sagte Peter Bieri
Der Berner Regierungsrat erhielt am Montag ferner den
(CVP/ZG) als Präsident der Kommission für Wissenschaft,
Auftrag, eine Standesinitiative zur Verbesserung der land-
Bildung und Kultur (WBK) am Montag, 18. November vor
wirtschaftlichen Einkommen einreichen. Der Grosse Rat
den Medien. Entgegen dem Nationalrat will die Stände-
hat einen entsprechenden Vorstoss gegen den Willen der
ratskommission allerdings das Verbandsbeschwerderecht
Regierung unterstützt, wie die Nachrichtenagentur SDA
beibehalten. Der Nationalrat hatte das Verbandsbe-
meldet. Motionär Walter Balmer (SVP/Rosshäusern) ver-
schwerderecht, das seine Kommission auch auf Konsumen-
langte verschiedene Ergänzungen des Landwirtschaftsge-
ten- und bäuerliche Organisationen ausweiten wollte, mit
setzes, die auf eine Verbesserung der Einkommen in der
84 zu 75 Stimmen gestrichen.
Landwirtschaft abzielen. Die soziale Nachhaltigkeit in der
Das Gentechnikgesetz soll Menschen, Tiere und Umwelt
vor Missbräuchen der Gentechnologie schützen und dem
Wohl von Mensch, Fauna und Flora dienen. Mit 6 zu 5
Stimmen entschied die WBK, dass das Gesetz die Wissenschaft zwar nicht behindern, aber auch nicht unterstützen
soll. Bei den Vorschriften für Freisetzungsversuche von
gentechnisch veränderten Organismen (GVO) präzisierte
die Ständeratskommission, dass Gesuche nachzuweisen
haben, dass eine Verbreitung „nach dem Stand der Wissenschaft“ ausgeschlossen werden kann. Antibiotika als
Marker-Gene sollen wie in der EU nur bis 2008 zugelassen
sein. Diskutiert werden muss noch über die Kennzeichnung
Landwirtschaft sei ein dringendes Thema, begründete der
Präsident der Berner Bauernorganisation LOBAG den
Vorstoss. Ein Drittel der sogenannten Working poor stamme aus der Landwirtschaft. Diese Tatsachen müssten bei
der Weiterentwicklung der Agrarpolitik in Betracht gezogen werden, forderte Balmer. FDP, EVP, GB und GFL
lehnten den Vorstoss ab. Auch die Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch fand, es sei jetzt nicht opportun, eine
Standesinitiative einzureichen. Die bäuerlichen Einkommen
würden in den eidgenössischen Räten ein Thema sein. Die
Motion wurde aber mit 101 gegen 71 Stimmen bei 8
Enthaltungen angenommen.
der GVO, wobei sich die Ständeratskommission an der EURegelung orientiert. Beim Haftpflichtrecht wird das KonSämtliche Beiträge sind unter www.lid.ch zu finden.
LID Mediendienst Nr. 2593 vom 21. November 2002
€
INTERNATIONAL
14
EU-Erweiterung kommt
am 1. Mai 2004
diesem Wirtschaftsjahr habe sich die Situation wegen der
von der Kommission verhandelten Weizen-Importkontingente ab dem kommenden 1. Januar und angesichts
LID. Die zehn Beitrittskandidaten werden am 1. Mai
2004 in die Europäische Union aufgenommen. Auf diesen Termin haben sich die EU-Aussenminister am Montag, 18. November geeinigt. Ursprünglich war der grösste Erweiterungsschub seit dem Bestehen der EU auf den
1. Januar 2004 geplant gewesen. Der dänische Ratspräsident Per Stig Moeller erklärte die fünfmonatige Verzögerung damit, dass den Beitrittskandidaten mehr Zeit zur
Ratifizierung des Beitrittsvertrags gegeben werden soll,
wie der österreichische Agrarpressedienst AIZ meldet.
Das Mandat der jetzigen EU-Kommission wird voraussichtlich bis Ende Oktober 2004 befristet sein. Danach
wird eine neue Kommission geschaffen, in welcher sämtliche neuen Mitglieder durch einen Kommissar vertreten
sein werden.
des bereits importierten Volumens im Vergleich mit dem
Vorjahr noch verschlimmert: Ende Oktober 2002 sei die
EU bereits Nettoimporteur bei Weichweizen gewesen,
während die Getreidebilanz für 2002 ausweise, dass das
Angebot zur Befriedigung der Binnennachfrage ausreiche. Die Präsidien von COPA und COGECA erklärten,
dass Zollkontingente, wie sie jetzt von der Kommission
mit den USA und Kanada ausgehandelt wurden, nicht
jene Regelung seien, die von den Produzenten und ihren
Genossenschaften gewünscht
werden. Kontingente
stellten aber die einzige von der Politik vorgeschlagene
Alternative dar, um Importe zu Dumping-Preisen aus
bestimmten Drittländern in den Griff zu bekommen,
heisst es weiter. Die Präsidien von COPA und COGECA
fordert deshalb die Agrarminister mit Nachdruck auf, das
Die Bewerberländer begrüssten gemäss AIZ in einer
Verhandlungsergebnis bei ihrer Ratstagung Ende No-
ersten Stellungnahme die Verschiebung, forderten aber,
vember zu billigen und unverzüglich umzusetzen.
€
dass sie ihre monatlichen Haushaltsbeiträge erst ab dem
Beitrittsdatum bezahlen müssen, gleichzeitig aber alle
2004 vorgesehen sind,. Die Kandidaten sind nach wie
Alpenkonvention: Ständiges
Sekretariat in Innsbruck
vor mit dem angebotenen Agrarpaket nicht einverstan-
LID. In Innsbruck soll der künftige Sitz des „Ständigen
den und verlangen Nachbesserungen. Der EU-Kommissar
Sekretariates“ sein. Darauf haben sich die Umweltminis-
für die Erweiterung, Günter Verheugen, warnte die Län-
ter der Vertragsstaaten der Alpenkonvention im Rahmen
der Osteuropas vor zu grossen Erwartungen. Die Be-
der 7. Alpenkonferenz in Meran geeinigt. Die Tiroler
schlüsse des EU-Gipfels vom Oktober seien nicht verhan-
Landeshauptstadt setzte sich gegen Mitbewerber wie
delbar, sagte Verheugen. Diese sehen vor, dass die neu-
Grenoble, Lugano, Bozen und Marburg durch, meldet der
en EU-Länder erst 2013 in den Genuss der vollen Agrar-
österreichische Agrarpressedienst AIZ. Den Ausschlag für
€
Österreich gab letztlich die Tatsache, dass es bereits alle
EU-Beiträge erhalten, die im Angebot der EU für das Jahr
beihilfen kommen sollen.
Durchführungsprotokolle ratifiziert habe. Das Sekretariat
COPA und COGECA fordern
Getreide-Importkontingente
wird am 1. Januar 2003 seine Arbeit aufnehmen. Ergänzt
wird es durch eine Aussenstelle in Bozen im Südtirol. €
LID. Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände
COPA und COGECA zeigen sich besorgt über das dramatische Anwachsen von Getreideimporten – insbesondere
von Weizen – aus dem Schwarzmeerraum in die EU. Dies
meldet der österreichische Agrarpressedienst AIZ. In
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VERANSTALTUNGEN/PUBLIKATIONEN
15
Mekka der Landmaschinen
erstmals in Bern
wirtschaftliche Wurzeln, sind selber zu Mehrzahl aber
nicht mehr Bäuerinnen. Zeitschriften, die sich an ein
urbanes, weibliches Publikum zwischen 20 und 35 Jah-
LID. Die Landmaschinenschau Agrama findet dieses Jahr
ren richten, gebe es zur Genüge, teilte der Verlag mit.
erstmals auf dem Messegelände BEA in Bern statt. Für
den neuen Standort sprach, dass er von Bauern aus der
Die Zeitschrift enthält zwei Teile. Ein erster, farbig gestal-
ganzen Schweiz innert nützlicher Frist erreichbar ist.
teter wartet mit Themen aus dem ländlichen Raum auf.
Ebenfalls neu ist, dass der Schweizerische Landmaschi-
In der ersten Nummer steht ein Porträt der Zürcher Re-
nen-Verband (SLV) die Ausstellung nur noch alle zwei
gierungsrätin Rita Fuhrer im Mittelpunkt. Ein zweiter Teil
Jahre organisiert. Bisher war die Agrama abwechslungs-
dient als Nachrichtenorgan des Landfrauenverbandes.
weise in Lausanne und St. Gallen zu Gast. Auf den Zwei-
Die Zeitschrift, die auch am Kiosk erhältlich ist, startet
jahresturnus wurde aus Kostengründen umgestellt. Auch
mit einer Auflage von 65‘000 Exemplaren. Mittelfristig
die Landtechnik sei gefordert, sich dem unabwendbaren
wird eine Auflage von 25‘000 angestrebt.
Strukturwandel zu stellen und mit innovativen Produkten
den neuen und kommenden Ansprüchen der Landwirtschaft gerecht zu werden, schreibt SLV-Präsident Jürg
Minger. Der neue Messeturnus erlaube den Ausstelern,
professioneller und kundenfreundlicher auszustellen,
€
Am Kiosk kostet die Zeitschrift „frauenland/landfrauen“
5.50 Franken pro Nummer. Das Jahresabonnement kostet für
das erste Jahr 20 Franken, nachher 30 Franken. Geplant sind
sechs Ausgaben pro Jahr, die nächste im Februar 2003. Bestelladresse: Schweizer Agrarmedien GmbH, Postfach 127, 3000
Bern 16, Tel. 031 958 33 33, Fax 031 958 33 34, Internet:
www.frauenland.ch
verspricht der Veranstalter. An der Agrama 2002 präsentieren auf rund 37'400 Quadratmetern über 200 Aussteller das gesamte Angebot an Landtechnik vom Pflug bis
zur neusten Mähdrescher-Technik, dazu Traktoren, Stall€
einrichtungen und Informatik.
Die Landmaschinenschau Agrama auf dem Gelände BEA Bern
Expo in Bern dauert von Donnerstag, 28. November bis Montag
2. Dezember, jeweils von 9 bis 17 Uhr. Die Tageskarte kostet
12 Franken, Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren bezahlen
7 Franken. Kollektivbesuche von landwirtschaftlichen Schulen
sind gratis. Weitere Informationen im Internet unter
www.agrama.ch
Neue Zeitschrift
für Frauen vom Lande
Jubelbuch
der Pro Specia Rara
LID. „Tschüpperli, Stiefelgeiss und andere Raritäten“
heisst das Jubelbuch, das Pro Specia Rara im Rahmen
des 20-Jahr-Jubiläums herausgibt. Es gibt Einblick in die
Arbeit der Schweizerischen Stiftung zur Erhaltung des
genetischen und kulturgeschichtlichen Erbes von Tieren
und Pflanzen. Das Buch porträtiert nicht nur die raren
Rassen vom Appenzeller Spitzhaubenhuhn über die
Diepholzer Gans und die Pfauenziege bis zum Wollschwein, sondern auch die Züchter, die sich um diese
Raritäten kümmern. Ferner gibt das 150-Seite dicke Buch
LID. „Frauenland/Landfrauen“ heisst eine neue Zeitschrift
mit schwarzweissen Bildern Tipps zur artgerechten Hal-
für Frauen aus dem ländlichen Raum, die am 19. No-
tung von Bauernhoftieren wie Hühnern, Enten, Schafen,
vember erstmals erschienen ist. Lanciert wurde sie vom
Ziegen und Rindern.
Verlag Schweizer Agrarmedien GmbH und dem Schweizerischen Landfrauenverband. Geplant sind jährlich sechs
€
Das Buch „Tschüpperli, Stiefelgeiss und andere Raritäten“ ist
erhältlich bei Pro Specie Rara, Engelgasse 12a, 9000 St. Gallen,
E-Mail: tiere@psrara.org, Internet: www.psrara.org
Ausgaben im Zwei-Monats-Rhythmus, wie die Herausgeber mitteilen. Geleitet wird die Zeitschrift von der 29jährigen Chefredaktorin Franziska Schwab. „Frauenland/Landfrauen“ richtet sich in erster Linie an Mitglieder
des Landfrauenverbandes. Diese haben meistens land-
Der Mediendienst enthält eine Auswahl der wichtigsten
Meldungen. Weitere Meldungen finden Sie tagesaktuell
unter www.lid.ch
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CARTOON
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(Abdruck gegen Zusendung eines Exemplars erlaubt.)
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Marktrundschau
Nasse Böden: Rüebli bleiben im Boden
mo. Die vielen Niederschläge der letzten Wochen setzen den Gemüsefeldern zu und behindern die Ernte. Die
einzelnen Gebiete sind jedoch unterschiedlich betroffen. Je weiter man nach Westen komme, desto grösser seien
die Schäden, sagt Thomas Wieland vom Verband schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP). Vor allem Rüebli
sind noch im Boden. Einige Produzenten ernten diese nun von Hand, weil die Vollernter nicht in die nassen Felder
fahren können. Auch Lauch und einzelne Salatkulturen verfaulen auf den Feldern. Wieland weist aber darauf hin,
dass in diesem Herbst auch vieles geerntet werden konnte, was in anderen Jahren erfroren ist. Positiv wirkt sich
das kühle, regnerische Wetter auf den Konsum von Herbstgemüse aus. Lauch, grüner Stangensellerie, Chinakohl,
Zuckerhut und Nüsslisalat sind laut VSGP besonders gefragt. Weiterhin vielfältig ist auch das Apfel- und Birnenangebot: Neben den Lagersorten sind auch noch viele Herbstsorten erhältlich.
Chicorée: Von der braunen Wurzel zum gelb-weissen Zapfen
Typisch für Herbst und Winter ist der Chicorée. In der Schweiz beginnt die Ernte Anfang November und dauert bis
im April. Was als weisser Zapfen gratiniert oder in Streifen geschnitten als Salat serviert wird, hat seinen Ursprung
in einer unscheinbaren Wurzel. Wie bei den Zuckerrüben werden die millimeterkleinen Samen einzeln gesät. Anfangs entwickeln sich die Pflanzen langsam, im August decken die grossen Blätter aber das Feld und die Wurzeln
sind bis 1,5 Meter tief in den Boden eingedrungen. Pro Hektare wachsen rund 150‘000 triebfähige Wurzeln.
Wenn diese reif sind und möglichst viele Reservestoffe eingelagert haben, werden sie mit speziellen Wurzelvollerntern aus dem Boden genommen, in die Treiberei transportiert, sortiert und zwischen einem und elf Monaten
kühl gelagert. Damit aus den Wurzeln die weissen Chicoréezapfen wachsen, werden sie in dunklen Räumen bei
hoher Luftfeuchtigkeit angetrieben. Ungefähr drei Wochen dauert es, bis die Zapfen die gewünschte Grösse ha€
ben und geschnitten werden können.
Chicorée mit Hackfleisch
Zutaten: 2 mittlere Zwiebeln, gehackt; 1 Knoblauchzehe, gepresst; 2 EL Öl; 600 Gramm gehacktes Rindfleisch (oder gemischtes Hackfleisch); Fleischgewürzmischung; 1 TL Bratensauce aus der Tube; frischer Rosmarin, fein gehackt; 2 dl Weisswein; 500 Gramm Chicorée; 1 EL Öl; Salz, Pfeffer aus der Mühle; 1 dl Wasser; 200 Gramm Raclettekäse, in Scheiben
Zubereitung: Die Zwiebeln mit dem Knoblauch im Öl glasig dunsten, das Hackfleisch beigeben und gut anbraten. Würzen
und die Bratensauce und den gehackten Rosmarin beigeben. Mit dem Weisswein und nach Bedarf mit etwas Wasser ablöschen. Zugedeckt auf kleinem Feuer köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Chicoréezapfen der Länge nach vierteln. In einer
grossen Pfanne im Öl andünsten, würzen. Der Chicorée darf ruhig anbraten, das verleiht ihm einen guten Geschmack. Mit
dem Wasser ablöschen und zugedeckt weiterkochen, bis der Chicorée gar ist (ca. 10 Minuten). Dann über das Hackfleisch
verteilen und mit den Käsescheiben belegen. Zugedeckt weiterkochen lassen, bis der Käse geschmolzen ist. Dazu Vollkornbrot, Reis, Hirse oder Bulgur servieren. Quelle:
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www.swiss-diva.ch
Veranstaltungskalender LID
Bern, 21. November 2002
November 2002
Mo 18.11. –
So 24.11.
Saint-Vincent im Aostatal, I
1. Olympiade der Bergkäse
www.olympicmountaincheese
s.com
Do/Fr 21./22.11.
Hotel Ambassador, Bern
Beerenseminar Schweizerischer Obstverband
www.swissfruit.ch
Fr 22.11.
9.30
Casino, Bern
Delegiertenversammlung Swisspatat
www.kartoffel.ch
Sa 23.11.
Strickhof, Lindau
Gründungsversammlung Swiss Christbaum
Mo 25.11.
Kursaal Bern
“Freie Wahl des Transportmittels” versus “Just-in-time per
Bahn”? Tagung von Swisscofel und Agro Business Suisse
mail@swisscofel.ch
Do 28.11. –
Mo 2.12.
BEA expo, Bern
Agrama 2002
www.agrama.ch
Fr 29.11.
14.00
BEA expo, Bern
Energie Schweiz: Biogasgewinnung auf dem Landwirtschaftsbetrieb
Dezember 2002
Do 5.12.
15.00
FAM Liebefeld, Bern
FAM-Kolloquium: Hanf-Nebenprodukte als Futtermittel?
Mo 9.12.
9.30
Kursaal, Interlaken
Delegiertenversammlung Schweizerischer Fleckviehzuchtverband
www.fleckvieh.ch
Di 10.12. –
Sa 14.12
Amsterdam
Holland Agro Exposition 2002
www.rai.nl
Sa/So 14./15.12.
BEA expo, Bern
Nationale Geflügelschau 2002, mit Sonderschau „Geflügel und
Kunst“
srgv-info@sgk.org
Mi 8.1. –
Fr 10.1.
CCM, München
Landwirte in der Gesellschaft, Wege zu besserem Image und
Ansehen, DLG-Wintertagung
www.dlg.org/wintertagung
Sa 11.1.
12.00
Kulturhaus, Chur
ÄlplerInnen Treffen
Do 16.1. –
So 19.1.
Palais de Beaulieu, Lausanne
Swiss’Expo 2003
Fr. 24.1.
FAL Reckenholz, Zürich
FAL-Tagung „Stickstoff in Landwirtschaft und Umwelt“
pierre.lavanchy@fam.admin.ch
Januar 2003
www.sar.admin.ch/fal
Neue Veranstaltungen sind grau hinterlegt.
Besuchen Sie auch Agroevent auf www.lid.ch. Dort finden Sie zusätzliche Informationen zu den Veranstaltungen sowie weitere
Veranstaltungen. Auf Agroevent können Sie auch Ihre eigenen Veranstaltungen eintragen.
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