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Berliner Budget Bulletin 02/2013 - In welchen Fällen darf ich was

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In welchen Fällen darf ich was verordnen?
Regress vermeiden:
Therapie der Diarrhö
Akute Diarrhö, besonders auch bei Kindern, ist häufig Grund
von Arztkonsultationen. Da die Arzneimittelrichtlinie die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie zu GKV-Lasten stark
einschränkt, soll hier ein Überblick gegeben werden, welche
Arzneimittel in welchen Fällen verordnungsfähig sind.
Wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Rehydratation
durch die orale Gabe einer Glukose-Elektrolytlösung, sinnvoll
besonders bei heftigem Durchfall oder zusätzlichem Erbrechen. Als Fertigarzneimittel
zugelassene Präparate, wie z.B.
Elotrans® oder Oralpädon®,
sind bei Kindern unter 12 Jahren verordnungsfähig. Oft genügen auch entsprechende Ernährungsempfehlungen (Brühe, Tee, verdünnter Fruchtsaft
u. Ä.), manche Kinder mögen
den Geschmack der Lösungen
ohnehin nicht.
Zusätzlich möglich ist die Verordnung eines Präparates mit
E. coli Stamm Nissle 1917
(Mutaflor®) bei Säuglingen
und Kleinkindern oder die Verordnung von Saccharomyzes
boulardii bei Kleinkindern und
Kindern unter 12.
Nicht auf ein Kassenrezept
dürfen alle übrigen Durchfallmittel, die beispielsweise Lactobazillen (Lacteol®, Paidoflor®
u.a.), Apfelpektin und Kamille
(Diarrhoesan®), Smektit (Colina®) oder andere als die in Anlage III der Arzneimittelrichtlinie als Ausnahme genannten
Wirkstoffe enthalten.
Die akute Diarrhö im Erwachsenenalter wird meist symptomatisch mit Motilitätshemmern (Loperamid) behandelt.
Adsorbenzien, wie medizini-
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sche Kohle, kommen eher bei
Vergiftungen infrage. Beides
ist für die Indikation akute Diarrhö rezeptfrei erhältlich und
deshalb keine Kassenleistung.
Für Motilitätshemmer lässt die
Arzneimittelrichtlinie folgende
Verordnungsmöglichkeiten zu:
n
nach kolorektalen Resektionen in der postoperativen Adaptationsphase,
n
bei schweren und länger
andauernden Diarrhöen,
auch wenn diese therapieinduziert sind,
sofern eine kausale oder spezifische Therapie nicht ausreichend ist. Bei diesen Indikatio-
nen sind dann die rezeptpflichtigen
Loperamid-Präparate
(Altersgrenze lt. Zulassung beachten) verordnungsfähig. Andere Durchfallmittel sind keine
Kassenleistung.
Der verschreibungspflichtige
Wirkstoff Racecadotril (Tiorfan®, nur für Kinder, nicht für
Erwachsene zugelassen) ist lt.
AMR für alle ausgeschlossen.
Kerstin Klimke
Hinweise zur Verordnung
von Vitamin D
Nach Anlage I der Arzneimittelrichtlinie (AMR) gelten für
die Erstattungsfähigkeit von nicht verschreibungspflichtigen apothekenpflichtigen Arzneimitteln mit Vitamin D für
Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren bzw. Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen ab 18 Jahren folgende
Voraussetzungen:
Calciumverbindungen (mindestens 300 mg Calcium-Ion/
Dosiereinheit) und Vitamin D
(freie oder fixe Kombination)
sind erstattungsfähig:
n
n
nur zur Behandlung der
manifesten Osteoporose (Vorhandensein von
Frakturen ohne adäquates
Trauma),
nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich
einer mindestens sechsmonatigen
Steroidtherapie in einer Dosis von
wenigstens 7,5 mg Pred-
nisolonäquivalent bedürfen,
n
bei
Bisphosphonat-Behandlung gemäß Angabe
in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender
Notwendigkeit.
Am 5. April 2013 ist eine Änderung der Anlage I in Kraft
getreten. Bei ausreichender
Calciumzufuhr über die Nahrung ist Vitamin D jetzt auch als
Monopräparat unter den zuvor
genannten Bedingungen verordnungsfähig.
Sollte Vitamin D in keiner der
o. g. Indikationen angewendet
werden, sind apothekenpflichtige Arzneimittel (z.B. Vigantoletten®) vom Patienten selber zu bezahlen.
Die Verordnung von rezeptpflichtigen Vitamin-D-Präparaten ist nur zu Kassenlasten
möglich, wenn das rezeptpflichtige Präparat in einer
Indikation angewendet wird,
die das nicht rezeptpflichtige
Präparat nicht hat (z. B. Dekristol® 20.000 I.E.zur einmaligen
Anwendung bei der Anfangsbehandlung von Vitamin-DMangelzuständen).
Zu beachten sind jedoch stets
andere Wege der Zufuhr von
Vitamin D (Nahrung und Sonnenlicht) sowie die allgemein
schlechte Datenlage einer Vitamin-D-Gabe (Budget Bulletin
2/2011 u. 4/2011).
NT/red
KV-Blatt / Berliner Budget-Bulletin 02/2013
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Gesundheitswesen
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