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HAZ-Leser vergeben den Leinestern

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POLITIK
sonst verordnende Arzt kurzfristig
nicht erreichbar sei und nun dringend Fentanylpflaster benötigt werden. Zum Beweis wird oft eine leere
Originalpackung vorgelegt.
Um im Rahmen der Opioidtherapie die beiden wichtigsten Ziele,
nämlich die adäquate Behandlung
von Schmerzpatienten sowie das
gleichzeitige Verhindern von Missbrauchsfällen durch Opioidabhängige zu verfolgen, kann die Beachtung
der folgenden Punkte hilfreich sein:
● Vor der Verordnung von Opioiden sollten nach Möglichkeit Vorbefunde herangezogen werden, die
auf ein chronisches Schmerzproblem hinweisen.
● Eine Schweigepflichtsentbindung gegenüber dem sonst behandelnden Arzt, gegenüber der Apotheke, bei der die Rezepte eingelöst werden und der Krankenkasse,
um Mehrfachverordnungen von verschiedenen Ärzten auszuschließen.
● Eine orientierende körperliche
Untersuchung muss vor Verordnung
eines Opioids erfolgen. Dabei ist
auf etwaige Einstichstellen an den
typischen Orten, mögliche Operationsnarben und die Plausibilität des
Beschwerdebildes zu achten.
● Werden unbenutzte Pflaster in
der Praxis zurückgegeben, so sind
diese zu vernichten.
Die Verordnung der kleinstmöglichen Packungseinheit an einen
bislang unbekannten Patienten kann
dann zu rechtfertigen sein, wenn die
Angaben plausibel und zum Erscheinungsbild und Untersuchungsbefund des Patienten passen. Grundsätzlich können auch einzelne Pflaster verschrieben werden (7). Zudem
sollte der eigentliche Behandler über
die Verordnung im Rahmen der
Schweigepflichtsentbindung infor▄
miert werden (8).
Dr. med. Beate Erbas
Bayerische Akademie für Sucht- und
Gesundheitsfragen
Prof. Dr. med. Norbert Wodarz
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der Universität Regensburg,
Bayerische Akademie für Suchtund Gesundheitsfragen
@
Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/pp/lit1014
oder über QR-Code
Deutsches Ärzteblatt | PP | Heft 10 | Oktober 2014
REFERIERT
PSYCHISCH KRANKE
Lebenssinn mit Hilfe von Psychotherapie erkennen
Im Gegensatz zu Gesunden sehen psychisch Kranke wenig Sinn im Leben. Dass
dies ein Symptom bei vielen psychischen
Erkrankungen, besonders aber bei Depressionen ist, fanden deutsche Psychologen
heraus, indem sie 214 psychisch erkrankte, stationäre Patienten mit 856 gesunden
Kontrollpersonen verglichen. Beide Gruppen sagten aus, dass ihnen die Familie am
meisten Sinn im Leben vermittelte. Darüber
hinaus waren für die Patienten vor allem
Partnerschaften und Freundschaften sinnstiftend, während die Kontrollpersonen
auch Sinn aus ihrer Arbeit und ihren Freizeitaktivitäten zogen. „Die Psychotherapien,
die mit den Patienten während ihres stationären Aufenthalts durchgeführt wurden,
halfen den Patienten dabei, wieder mehr
Sinn in ihrem Leben zu erkennen“, berichten Volkert und Kollegen. Diese Verbesserung war auch noch sechs Monate später
festzustellen. Der Effekt stellte sich ein, obwohl die Psychotherapien nicht explizit den
Sinn im Leben thematisierten. Aufgrund
des positiven Zusammenhangs zwischen
Lebenssinn und psychischer Gesundheit
fordern die Autoren, den Lebenssinn in psychotherapeutischen Behandlungen stärker
als bisher zu beachten und darauf hinzuarbeiten, dass Patienten wieder Antworten
auf die Frage „Was soll ich mit meinem
Leben anfangen?“ finden können. Anregungen hierzu kann beispielsweise die
„Meaning Therapy“ von Paul Wong geben.
Dieser therapeutische Ansatz betont die
Wichtigkeit von Lebenssinn und Beziehungen und integriert verschiedene Vorgehensweisen, wie zum Beispiel kognitive, psychodynamische und psychoedukative Techniken. Er versteht sich als ganzheitlich und
ressourcenorientiert und kann der positiven
Psychotherapie zugeordnet werden.
ms
Volkert J, Schulz H, Brütt AL, Andreas S: Meaning in
life: Relationship to clinical diagnosis and psychotherapy outcome. Journal of Clinical Psychology 2014;
70(6): 528–35.
SELBSTHILFEMASSNAHMEN
Chancen und Grenzen
Psychologische Selbsthilfemaßnahmen wie
Bücher, Selbsthilfegruppen oder Computerprogramme bieten niedrigschwellige Hilfe.
Sie können auch von Patienten, denen der
Zugang zu Psychotherapie erschwert ist,
genutzt werden und sind bei geringen bis
mittelschweren Krankheitsausprägungen
durchaus wirksam. Psychologen und Psychotherapeuten integrieren sie aus verschiedenen Gründen in Behandlungen,
etwa um Wartezeiten zu überbrücken, um
Verhalten zu festigen (im Sinne von therapeutischen Hausaufgaben) oder um das
Selbstmanagement der Patienten zu fördern. Allerdings gibt es mittlerweile so viele
Selbsthilfemaßnahmen, dass es für Praktiker nicht einfach ist, zu entscheiden, welche sie den Patienten empfehlen sollen.
Die amerikanische Psychologin Samantha
Bernecker von der University of Massachusetts Amherst (USA) hat sich mit diesem
Problem beschäftigt und gibt Ratschläge
für die Auswahl und den Umgang mit
Selbsthilfemaßnahmen: Psychotherapeuten
sollten sich stets auf dem Laufenden halten und mitverfolgen, was alles auf dem
Markt ist. Sie sollten verschiedene Selbsthilfemaßnahmen selbst ausprobieren oder
erlernen. Ihre Wahl sollten sie davon abhängig machen, ob eine Methode empirisch überprüft wurde. Auch Testbesprechungen, Kritiken und der Erfahrungsaustausch mit Kollegen helfen, die Spreu vom
Weizen zu trennen. Darüber hinaus ist es
notwendig, die Selbsthilfemaßnahmen an
jeden Patienten individuell anzupassen, an
seine Motivation und Eigenständigkeit, an
seine Fähigkeiten im Umgang mit Medien
und an sein Krankheitsbild. „Selbsthilfemaßnahmen erleichtern und ergänzen die
psychotherapeutische Arbeit – dennoch
sollten stets Wirkungen, Chancen und Risiken vor ihrem Einsatz abgewogen werden“, meint die Autorin.
ms
Bernecker S: Helping clients help themselves: Managing ethical concerns when offering guided self-help
interventions in psychotherapy practice. Professional
Psychology 2014; 45(2): 111–9.
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Seele and Geist
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