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2.2 Was ist Gegenstand der Alten Geschichte? 2.3 - René Scheppler

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Tutorium
– Ren´e Scheppler – Alte Geschichte Uni Konstanz – WS 2003/04 –
2.2 Was ist Gegenstand der Alten Geschichte?
Als engerer Begriff f¨allt das Altertum mit der griechisch-r¨omischen Antike
und allem, was in sie einm¨
undet, zusammen, und erfaßt damit die Geschichte
all der L¨ander, die einmal im orbis romanus vereinigt waren.
(Alfred Heuß, Vom Unbehagen des Althistorikers, in: Symposion f¨
ur Alfred Heuß,
hrsg. v. Jochen Bleicken, Kallm¨
unz 1986, S. 85)
2.3 Chronologiche/Geographische Eingrenzung
• geographisch: allgemein alle Mittelmeeranrainer, dar¨
uber hinaus bedingt Mitteleuropa und Britannien, sofern sie zum R¨omischen Imperium geh¨orten, und im
Osten bis etwa zum Iran, sofern die dortigen V¨olker mit der Mittelmeerwelt in
(meist kriegerischen) Kontakt traten (Achaimeniden, Parther, Sassaniden)
• chronologisch: Beginn: etwa 2000 v. Chr., sobald griechische Geschichte faßbar
wird, man von Griechen und griechischer Sprache sprechen kann. Ende: etwa 6. Jhd.
n.Chr. mit dem Zerfall der politischen Kontinuit¨at des R¨omischen Imperiums, der
Vormacht neuer Religionen, ethnischer Verschiebungen (Sprache!) etc. relevante
Daten: 330, 395, 476, 529, 622, (1453) relevante Personen: Konstantin, Theodosios,
Romulus Augustulus, Justinian, Mohammed
• Alles andere, wie Asien und Afrika, ¨agyptische und vorderasiatische Hochkulturen,
geh¨oren also im strengen Sinne nicht zur Alten Geschichte
• Im 19. Jahrhundert gab es zwar Bestrebungen, alle alten Kulturen mit in die Alte Geschichte einzubeziehen, aber diese im Grunde positive Absicht scheitert am
Umfang und an Definitionsproblemen (ist z.B. ein Sargon von Akkad eher mit
r¨omischen Kaisern vereinbar als Karl der Große?).
Arch¨aologie
Neuzeit
Mittelalter
Byzantinistik
Alte Geschichte
Epigraphik
Numismatik
Papyrologie
Orientalistik
Ur- und Fr¨
uhgeschichte
Philologie
Latein
Griechisch
2.4 Quellenbegriff
Was heißt historisch arbeiten“ im Gegensatz zu philologisch oder kunstgeschichtlich
”
arbeiten?
5
Tutorium
– Ren´e Scheppler – Alte Geschichte Uni Konstanz – WS 2003/04 –
Der Philologe oder Kunsthistoriker geht vom Text oder Monument aus; der
Historiker vom Problem.
(E.C. Welskopf)
• Wissenschaftliche historische Untersuchungen basieren prim¨ar auf Quellen, nicht
auf Sekund¨arliteratur.
• Was nun sind Quellen?
¨
Quellen sind nur die zeitgen¨ossischen Uberlieferungen
aller Art, also schriftliche
(Philologie), materielle (Arch¨aologie) - in der Zeitgeschichte auch m¨
undliche (oral
history).
¨
• Diese Quellen k¨onnen zuf¨allig auf uns gekommen sein (Uberrestquelle)
oder absichtlich f¨
ur die Ewigkeit“ geschaffen worden sein (Traditionsquelle); allerdings
”
lassen sich die beiden nie so eindeutig trennen wie im Folgenden dargestellt:
philologisch
arch¨
aologisch
mu
¨ ndlich
Wertigkeit
Traditionsquelle
Historiographie
Epigraphik, Numismatik
Denkmal
Opas Gedicht
vorgegebene Intention
¨
Uberrestquelle
Briefe
Papyrologie
Kochtopf
Interview
neutrale Alltagsgeschichte
2.5 Umgang mit Quellen
• Unser Wissen beruht alleinig auf Quellen; ihre Eigenart bedingt die Qualit¨at und
Quantit¨at unseres Wissens.
• Quellenarbeit bedarf immer einer eingehenden Quellenkritik (siehe Abschnitt zur
Philologie) und Interpretation.
• Wir haben in der Altertumswissenschaft im Gegensatz zur Neuzeit ein sehr begrenztes Reservoir an Quellen und es ist nur ein winziger Bruchteil des antiken
Materials erhalten. Man kann also nicht wie z.B. in der Zeitgeschichte vom Fehlen einer Quelle auf deren Nichtexistenz schließen; sie kann schlicht und ergreifend
verloren gegangen oder noch nicht gefunden worden sein.
¨
• Eine Ubersetzung
ist keine Quelle: Sie ist eine Prothese wie das k¨
unstliche
”
Gebiss oder die Brille, ein Hilfsmittel, um in beschr¨anktem Umfang etwas zu erreichen, was einem sonst nicht zug¨anglich w¨are“ 1
2.6 Umgang mit Quellen 2
¨
Vergleicht folgende Ubersetzungen
von Plinius, ep. 10,96,5-6:
1
Umberto Eco: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt, Heidelberg 9 2002, S. 70
6
Tutorium
– Ren´e Scheppler – Alte Geschichte Uni Konstanz – WS 2003/04 –
(5) propositus est libellus sine auctore multorum nomina continens. qui negabant esse se Christianos aut fuisse, cum praeeunte me deos appellarent et imagini tuae, quam
propter hoc iusseram cum simulacris numinum adferri, ture ac vino supplicarent, praeterea male dicerent Christo, quorum nihil cogi posse dicuntur qui sunt re vera Christiani,
dimittendos esse putavi. (6) Alii ab indice nominati esse se Christianos dixerunt et mox
negaverunt; fuisse quidem, sed desisse, quidam ante triennium, quidam ante plures annos, non nemo etiam ante viginti.
1. Mir wurde eine anonyme Klageschrift mit zahlreichen Namen zugestellt. Da gab es
”
nun welche, die leugneten, Christen zu sein oder jemals gewesen zu sein. Sie riefen,
meinem Beispiel folgend, die G¨otter an und opferten Deiner Statue, die ich mit den
G¨otterbildern zusammen zu diesem Zweck hatte herbeibringen lassen, Weihrauch
und Wein. Außerdem l¨asterten sie Christus, und zu all dem lassen sich, so heißt
es, wahre Christen sich nicht zwingen. Diese Leute also glaubte ich freilassen zu
m¨
ussen. Andere in dieser Anzeige genannte bezeichneten sich zun¨achst als Christen,
dann widerriefen sie aber. Sie seien es zwar gewesen, h¨atten sich jedoch wieder
abgewandt, einige vor drei, andere vor noch mehr Jahren, manch einer sogar vor
20 Jahren.“
(M. Giebel: C. Plinius Secundus, Epistulae Liber X, Briefe 10. Buch, Der Briefwechsel
mit Kaiser Traian, Stuttgart 1996 (RUB 6988))
2. Eine anonyme, schriftliche Anzeige, die die Namen von vielen Leuten enthielten,
”
wurde mir zugeleitet. Diejenigen, die leugneten, Christen zu sein oder gewesen zu
sein, glaubte ich freilassen zu m¨
ussen, da sie die G¨otter mit von mir vorgesprochenen Worten anriefen und Deinem Bild, das ich zu diesem Zweck zusammen mit
Statuen der G¨otter hatte herbringen lassen, mit Weihrauch und Wein opferten,
außerdem Christus verfluchten, alles Dinge, zu denen man wirkliche Christen angeblich nicht zwingen kann. Andere, die in der Anzeige genannt worden waren,
sagten, sie seien, Christen, und widerriefen es bald darauf; sie seien es zwar gewesen, h¨atten es aber aufgegeben, manche vor drei Jahren, manche vor noch l¨angerer
Zeit, einige sogar vor 20 Jahren.“
(P. Guyot - R. Klein: Das fr¨
uhe Christentum bis zum Ende der Verfolgungen I: Die
Christen im heidnischen Staat, Darmstadt 1993, S. 39 u. 41)
3. Mir wurde eine anonyme Klageschrift mit zahlreichen namen eingereicht. Diejeni”
gen, die leugneten, Christen zu sein oder gewesen zu sein, glaubte ich freilassen zu
m¨
ussen, da sie nach einer von mir vorgesprochenen Formel unsere G¨otter anriefen
und vor Deinem Bilde, das ich zu diesem Zweck zusammen mit den Statuen der
G¨otter hatte bringen lassen, mit Weihrauch und Wein opferten, außerdem Christus
fluchten, lauter Dinge, zu denen wirkliche Christen sich angeblich nicht zwingen
lassen. Andere, die der Denunziant genannt hatte, gaben zun¨achst zu, Christen zu
7
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– Ren´e Scheppler – Alte Geschichte Uni Konstanz – WS 2003/04 –
sein, widerriefen es dann aber; sie seien es zwar gewesen, h¨atten es dann aber aufgegeben, manche vor drei Jahren, manche vor noch l¨angerer Zeit, hin und wieder
sogar vor zwanzig Jahren.“
(Gaius Plinius Caecilius Secundus: Briefe - Epistularum libri decem, Lateinisch - deutsch,
ed. H. Kasten, Darmstadt 1995)
(Beispiel aus: Das Althistorische Proseminar - ein Leitfaden
http://www.gnomon.ku-eichstaett.de/LAG/proseminar/31112.html)
3 Referat/Zitieren
3.1 Referat
3.1.1 Regeln
• Regel 1: Stoffbeherschung; der Referent ist der Experte, der (alles) u
¨ber sein
Thema weiß. Eine gr¨
undliche Vorbereitung ist grunds¨atzlich nicht durch rhetorische
Mitte zu ersetzen.
• Regel 2: Es gibt keine Regel außer Regel Nummer 1. D.h. es gibt kein Schema
”
F“, nach dem ein Referat gehalten werden kann.
3.1.2 Einleitung
• Fragestellung formulieren und den Zuh¨orern mitteilen
• Thema vorstellen; Forschungslage
• Als Einstieg k¨onnte ein Zitat dienen (muss aber nicht sein, wenn nichts Passendes
gefunden wird, dann lieber weglassen!)
• Aufbau des Referates und Vorgehen sollte den Zuh¨orern erkl¨art werden (oder anhand einer Folie dargelegt werden), das erleichtert das Zuh¨oren
3.1.3 Haupteil
• Informationen geben
• Analyse der Fragestellung, Abhandlung des Themas, Argumentation
• Dabei auf den roten Faden und die Schl¨
ussigkeit der Darstellung achten
¨
• Uberlegen:
gehe ich lieber thematisch oder chronologisch vor?
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3.1.4 Schluss
• Knappe Zusammenfassung
• Fazit/Res¨
umee
• Gestellte Frage(n) so gut es geht beantworten; versuchen Thesen in den Raum
stellen
3.1.5 Tips zum Halten
• Grunds¨atzlich ist der freie dem ausformulierten Vortrag vorzuziehen. Wenn schon
ausformuliert, sollte man zumindest den Eindruck einer freien Rede erwecken, also
immer wieder die Leute anschauen, Augenkontakt halten
• Sprecht langsam!!!!!!!!!!!!!
• Hilfsmittel: Karteikarten (Stichwortzettel); sicherer: ausformulierte Halbs¨atze, an
denen man sich orientieren kann, die aber innerhalb des Referats noch ausformuliert
werden m¨
ussen.
• Setzt soweit m¨oglich Karten, Overheadfolien, Dias ein, um das Referat aufzulockern.
• Gen¨
ugend Zeit f¨
ur die Vorbereitung
• Macht einen Probedurchgang!!!!!!!!!!!
3.2 Handout
• Formalia:
– Kopf: Fachbereich; Semester; Veranstaltung; Dozent; Referent; Datum
– Am Ende immer Literaturangaben nach g¨angiger Zitierregel
• Gliederung sollte ersichtlich sein (Orientierung f¨
ur den Zuh¨orer)
• Zentrale Inhalte eures Referats pr¨agnant zusammengefasst.
• Ort, um zentrale Quellen, Bilder, Grundrisse, Landkarten etc. unterzubringen
• Umfang: 1-3 Seiten
3.3 Literaturrecherche-Strategien
• Literaturangaben in Lexika
• Literaturangaben in Handbu
¨ chern
• Nachschlagen in Bibliographien
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• Suchanfrage im Koala
• Suchanfrage in Datenbanken (KVK; S¨
udwestdt. Bib.verband, etc.)
• Literaturangabe in den gefundenen B¨
uchern/Zeitschriftenaufs¨atzen
3.4 Zitieren
• Grunds¨atzlich gilt, ihr k¨onnt so zitieren wie ihr wollt: z.B. Bleicken, Jochen, Geschichte der r¨omischen Republik, M¨
unchen 5 1999. oder: Bleicken, J. 5 1999. Geschichte der r¨omischen Republik, M¨
unchen.
• Allerdings empfehlenswert nach Schema, das ihr im Tutorium lernt.
• Does
– Bei Artikeln aus Zeitschriften o. Sammelb¨anden immer Seitenzahlen angeben
– Auflage nie vergessen
• Dont’s
– Den Verlag angeben
– Bei Zeitschriften den Erscheinungsort angeben
3.5 Zitieren Wissenschaftl. Publikationen
• Monographie: ein Thema, ein Autor
z.B.: Christ, Karl: Geschichte der r¨omischen Kaiserzeit, M¨
unchen 2 1992.
• Sammelband (SB): ein Thema, verschiedene Autoren
z.B.: Hellenkemper, G. (Hg.): Das Wrack - Der antike Schiffsfund von Mahdia,
K¨oln 1994 (in diesem Fall ein ausf¨
uhrlicher Ausstellungskatalog).
• einzelne Artikel: z.B. Gelsdorf, F.: Antike Schiffahrtsrouten in Mittelmeer, in:
Das Wrack - Der antike Schiffsfund von Mahdia, hrsg. v. G. Hellenkemper, K¨oln
1994, S. 751-758.
• Festschrift (FS): Sammelband, hrsg. meist zu Geburtstagen fachlicher Honoratioren; meist inhaltliches Oberthema
z.B.: Trampedach, Kai: Weder B¨
urgersinn noch Staatsgewalt - Das Zoon Politikon
als Balkanidee“ bei Gottfried Benn, in: B¨
urgersinn und staatliche Macht - Fest”
schrift f¨
ur Wolfgang Schuller zum 65. Geburtstag, hrsg. v. M. Dreher, Konstanz
2000, S. 283-302.
• Reihe: Monographien oder Sammelb¨ande unter einem systematischen oder inhaltlichen Oberthema, die in unregelm¨aßigen Abst¨anden erscheinen; ¨ahnlich Handbuch
Zitat wie Monographie oder SB; Angabe der Reihe nur in wichtigen F¨allen; dies
ist h¨aufig bei arch¨aologischen Grabungspublikationen der Fall:
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z.B.: Meyer-Schlichtmann, C.: Die pergamenische Sigillata aus der Stadtgrabung
von Pergamon, Pergamenische Forschungen VI, Berlin/New York 1988.
• Lexikon: fachliches Nachschlagewerk mit namentlich gekennzeichneten Artikeln
(zitierf¨ahig!); manchmal z.Z. noch in Arbeit (Neuer Pauly)
z.B.: Treidler, H.: Laodikeia, KlP 3 (1979), Sp. 482-484.
• Zeitschrift: erscheint in regelm¨aßigen Abst¨anden, Z¨ahlung nach Jahrg¨angen; Hauptorgan der wissenschaftlichen Diskussion; Zeitschriften haben oft eine bestimmte
inhaltliche Ausrichtung; z.T. mit Rezensionen; Zeitschriftentitel werden oft abgek¨
urzt
z.B.: Gruen, E.S.: Rome and the Seleucids in the aftermath of Pydna, Chiron 6
(1976), S. 74-95.
• Internet: Autor, Titel der Homepage (Publikation), www-Adresse (Datum) n¨aheres unter: http://www.spaceless.com/WWWVL/
Bei der Hausarbeit empfiehlt es sich, die entsprechende Passage im Anhang der
Arbeit inkl. Quellenangabe beizuf¨
ugen (nat¨
urlich nicht zu lang).
3.6 Probleme beim Zitieren
• Unterschiedliche Zitiersysteme; DAI (Deutsches Arch¨aologisches Institut) gibt speziell f¨
ur Arch¨aologen Richtlinien zur Zitierweise heraus, die mit denen der Alten
Geschichte nicht immer u
¨bereinstimmen; insbesondere geben die Arch¨aologen nie
den Erscheinungsort an.
• Sollen im Literaturverzeichnis alle benutzten Aufs¨atze eines SB einzeln oder nur
der SB als Ganzes zitiert werden?
Normalerweise alle Aufs¨atze einzeln, es sei denn es sind wirklich alle.
• Wann erfolgt die Angabe von in“?
”
Bei Festschriften, Sammelb¨anden etc., z.B. auch bei ANRW.
Nicht bei Zeitschriften, Lexika etc., z.B. nicht beim HdAW.
• Beim Erscheinungsjahr immer auf die Auflage achten. Diese wird als hochgestellte
Ziffer vor die Jahresangabe geschrieben. Erscheinungsjahr der Erstausgabe macht
nur Sinn bei sehr alten Werken
• ggf. u
ussige Kommata (z.B. hinter Klammern) weglassen. Auch kann die An¨berfl¨
gabe der Abk. S. f¨
ur Seite bei Aufs¨atzen entfallen.
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