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Brahms schöpft tief aus dem Born der Vergangenheit. Alles, was er

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»Brahms schöpft tief aus dem
Born der Vergangenheit.
Alles, was er von den Alten
gelernt hat, ist ihm grundeigen
geworden.«
Philipp Spitta (1892)
C1: Do, 13.10.2011, 20 Uhr | D1: Fr, 14.10.2011, 20 Uhr | Hamburg, Laeiszhalle
Thomas Hengelbrock Dirigent
Johannette Zomer Sopran | Maximilian Schmitt Tenor
Thomas E. Bauer Bariton | NDR Chor
Johann Sebastian Bach „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ – Kantate BWV 140
„Gloria in excelsis deo“ – Kantate BWV 191
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
DAS ORCHESTER DER ELBPHILHARMONIE
9996_SO_C1D1_PROk 2
28.09.11 14:13
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
Das Konzert wird am 19.12.2011 um 20 Uhr
auf NDR Kultur gesendet
Donnerstag, 13. Oktober 2011, 20 Uhr
Freitag, 14. Oktober 2011, 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle, Großer Saal
Dirigent:
Solisten:
Johann Sebastian Bach
„Gloria in excelsis deo“
Kantate zum 1. Weihnachtstag BWV 191
(um 1743/46)
Erster Teil
I. Chor:„Gloriainexcelsisdeo“
Zweiter Teil (post orationem)
II. Duett(Sopran,Tenor):„GloriaPatrietFilioetSpirituisancto“
III. Chor:„Sicuteratinprincipio“
Thomas Hengelbrock
Johannette Zomer Sopran
Maximilian Schmitt Tenor
Thomas E. Bauer Bariton
Gesangstexte auf S. 20
NDR Chor (Einstudierung: Philipp Ahmann)
Pause
Johann Sebastian Bach
(1685 – 1750)
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“
Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis BWV 140
(1731)
I. Choral:„Wachetauf,ruftunsdieStimme“
II. Rezitativ(Tenor):„Erkommt,erkommt,derBräut’gamkommt!“
III. Arie/Duett(Sopran,Bariton):„Wannkömmstdu,meinHeil?“/
„Ichkomme,deinTeil“
IV. Choral(Tenöre):„ZionhörtdieWächtersingen“
V. Rezitativ(Bariton):„Sogehhereinzumir“
VI. Arie/Duett(Sopran,Bariton):„MeinFreundistmein!“/
„Undichbindein!“
VII. Choral:„Gloriaseidirgesungen“
Stefan Wagner Violino piccolo
Kalev Kuljus Oboe
Johannes Brahms
(1833 – 1897)
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
(1884/85)
I.
II.
III.
IV.
Allegronontroppo
Andantemoderato
Allegrogiocoso–Pocomenopresto–TempoI
Allegroenergicoepassionato–PiùAllegro
Einführungsveranstaltungen mit Thomas Hengelbrock am 13.10.2011
und am 14.10.2011 um 19 Uhr im Großen Saal der Laeiszhalle.
Gesangstexte auf S. 18 – 19
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NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
Thomas Hengelbrock
Johannette Zomer
Dirigent
Sopran
Thomas Hengelbrock ist mit dieser Saison neuer Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters.
Unkonventionelle Programmgestaltung, interpretatorische Experimentierfreude, innovative
Musikvermittlung und Lust an der Ausgrabung
vergessener Meisterwerke sind Markenzeichen
seiner Arbeit und machen Hengelbrock zu einer
der interessantesten Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit.
Die holländische Sopranistin Johannette Zomer
studierte Gesang am Sweelinck Konservatorium in Amsterdam, nachdem sie einige Jahre
als Mikrobiologin gearbeitet hatte. Sie gibt
regelmäßig Recitals mit dem Lautenisten Fred
Jacobs sowie dem Hammerklavier-Spezialisten
Arthur Schoonderwoerd. Mit der Compagnia
Vocale Amsterdam trat sie bei bedeutenden
Festivals der Alten Musik auf. Als Solistin arbeitet Johannette Zomer regelmäßig mit international renommierten Orchestern und Dirigenten
sowohl aus dem Bereich der historischen Aufführungspraxis als auch im klassischen und
zeitgenössischen Repertoire zusammen. Überdies ist sie seit langem eng mit der niederländischen Nationale Reisopera verbunden. Sie
gab dort 1996 ihr Operndebüt in „Don Carlos“
und sang danach u. a. in Strauss‘ „Salome“
unter Valery Gergiev und in Ligetis „Le Grand
Macabre“ unter Reinbert de Leeuw. Weitere
Opernengagements waren Pamina in „Die
Zauberflöte“ unter Ton Koopman oder Oberto
in „Alcina“ an der Komischen Oper Berlin.
An der Nederlandse Opera in Amsterdam gab
sie in „Ercole Amante“ von Francesco Cavalli
ihr erfolgreiches Debüt.
In Wilhelmshaven geboren, begann Hengelbrock
seine Karriere als Violinist in Würzburg und
Freiburg. Grundlegende künstlerische Impulse
erhielt er durch seine Assistenztätigkeiten bei
Witold Lutosławski, Mauricio Kagel und Antal
Doráti, ebenso durch seine Mitwirkung in
Nikolaus Harnoncourts Concentus Musicus.
Neben frühen Begegnungen mit zeitgenössischer Musik prägte seine Arbeit auch die intensive Beschäftigung mit der historisch informierten Aufführungspraxis und Musik des 19. und
20. Jahrhunderts. Maßgeblich war Thomas
Hengelbrock daran beteiligt, das Musizieren mit
Originalinstrumenten in Deutschland dauerhaft
auf den Konzertbühnen zu etablieren. In den
1990er Jahren gründete er mit dem BalthasarNeumann-Chor und dem Balthasar-NeumannEnsemble Klangkörper, die zu den international
erfolgreichsten ihrer Art zählen. Neben seinen
eigenen Ensembles stand Thomas Hengelbrock
von 1995 bis 1998 als Künstlerischer Leiter
der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen
und von 2000 bis 2006 dem Feldkirch Festival
vor. Als Musikdirektor war er von 2000 bis
2003 an der Wiener Volksoper tätig. Über ein
Jahrzehnt lang sorgte er mit spektakulären
4
Wiederentdeckungen bei den Schwetzinger
Festspielen für Aufsehen.
Hengelbrock ist heute gleichermaßen als Opernwie als Konzertdirigent international gefragt.
Er dirigiert u. a. an der Opéra de Paris, am Teatro Real Madrid, am Royal Opera House London und ist mit herausragenden Produktionen
im Festspielhaus Baden-Baden zu einem der
wichtigsten Protagonisten geworden. Gastdirigate führten ihn zum Symphonieorchester des
BR, zu den Münchner Philharmonikern sowie
zum Chamber Orchestra of Europe. Mit einer
Neuproduktion von „Tannhäuser“ debütierte
er im Juli 2011 bei den Bayreuther Festspielen. Mit dem NDR Sinfonieorchester und Alice
Sara Ott (Klavier) sowie Lisa Batiashvili (Violine)
unternimmt Hengelbrock vom 3. bis 9. November eine Tournee mit Stationen in Bremen,
Baden-Baden, Frankfurt, Stuttgart und Köln.
Paul McCreesh, mit der NDR Radiophilharmonie sowie mit dem Symphonieorchester des
Bayerischen Rundfunks.
Von Johannette Zomer liegen zahlreiche Einspielungen vor, darunter das Fauré-Requiem
unter Philippe Herreweghe oder Bach-Kantaten
unter Ton Koopman. Ihre CD mit Bach-Solokantaten mit dem Ensemble Florilegium
erhielt den Edison Award 2008 als beste
Barock-Aufnahme.
In den letzten Jahren gastierte Johannette
Zomer in zahlreichen europäischen Musikzentren, sang etwa unter Philippe Herreweghe
in Bachs Weihnachtsoratorium, gab ihre umjubelten Debüts im Hamburger Michel und in
der Kölner Philharmonie, ging mit Concerto
Köln auf Tournee und konzertierte unter
Reinhard Goebel, Gustav Leonhardt, Ivor Bolton,
mit dem Gabrieli Consort & Players unter
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NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
Maximilian Schmitt
Thomas E. Bauer
Tenor
Bariton
Maximilian Schmitt entdeckte seine Liebe
zur Musik bereits in jungen Jahren bei den
Regensburger Domspatzen. Seit 1999 studierte er Gesang an der Berliner Universität der
Künste. 2005 und 2006 war er Mitglied im
Jungen Ensemble der Bayerischen Staatsoper
München und sammelte dort in Meisterkursen
bei Ann Murray und Robert Dean Smith weitere
Erfahrungen. Noch während seiner Zeit im
Jungen Ensemble konnte er am Salzburger
Landestheater als Tamino in der „Zauberflöte“
debütieren. Nach einigen Gastauftritten an der
Bayerischen Staatsoper ist Maximilian Schmitt
seit der Saison 2008/09 Ensemblemitglied
des Mannheimer Nationaltheaters. Zuletzt gab
er dort sein erfolgreiches Debüt als Lenski
(„Eugen Onegin“). Für Ende 2012 ist sein Debüt
als Tamino an der Oper Amsterdam unter
Marc Albrecht geplant.
Thomas E. Bauer wurde im Jahr 2011 mit gleich
drei Preisen ausgezeichnet („Orphée d’Or“
für „Die Winterreise“, „Stanley Sadie Prize“
für Händels „Apollo e Dafne“ und ECHO für
Mendelssohns „Elias“). Er konzertierte mit Orchestern wie dem Boston Symphony Orchestra
unter Bernard Haitink, dem Concentus Musicus
unter Nikolaus Harnoncourt, dem WDR Sinfonieorchester oder dem Concertgebouworkest
Amsterdam. Zukünftige Projekte sind u. a.
Konzerte mit Anima Eterna, mit dem Warsaw
Philharmonic unter Krzysztof Penderecki,
mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter
Riccardo Chailly sowie mit dem Orchester
der Oper Zürich unter Adam Fischer.
Neben seiner Leidenschaft für die Oper hat
Maximilian Schmitt auch als Konzertsänger ein
weit gefächertes Repertoire von Monteverdi
über Mozart bis Mendelssohn. Er sang dabei
unter Dirigenten wie Andrew Manze, Daniel
Harding, Philippe Herreweghe, Marcus Creed,
Trevor Pinnock, René Jacobs, Helmuth Rilling
und mit Orchestern wie der Akademie für Alte
Musik Berlin, Concerto Köln, dem Kammerorchester Basel, den Symphonieorchestern
des BR und MDR, dem Gewandhausorchester
Leipzig oder dem Orchestre de Paris.
Maximilian Schmitt gibt regelmäßig Liederabende mit Gerold Huber. Gemeinsam mit
der Sopranistin Christina Landshamer stellte
6
er ferner einen Duo-Abend für das Wiener
Konzerthaus zusammen, der im Rahmen des
„Spot on Deutschland“-Festivals das deutsche
Kunstlied spiegelte. Anfang 2011 erschien die
Debüt-CD des Duos mit Schumann-Liedern.
Unter der Leitung von René Jacobs ist Haydns
„Schöpfung“ erschienen, außerdem Bachs
Matthäuspassion unter Riccardo Chailly.
Mit dem Theaterensemble „La Fura dels Baus“
ist Thomas E. Bauer europaweit in einer spektakulären Produktion von Orffs „Carmina Burana“
zu erleben. 2009 sang er die Titelpartie in
Peter Ruzickas „Celan“ am Theater Bremen.
2011 gastierte er erstmals bei der Mozartwoche
Salzburg unter der Leitung von René Jacobs.
Bei den Salzburger Festspielen 2006 debütierte
Bauer in Salvatore Sciarrinos „Quaderno di
strada“. Er wirkte darüber hinaus bei zahlreichen Uraufführungen von Krzysztof Penderecki,
Moritz Eggert, Luigi Nono, Wilhelm Killmayer
und Wolfgang Rihm mit und wurde 2003 für
seine herausragenden Leistungen auf diesem
Gebiet mit dem „Schneider-Schott Musikpreis“
ausgezeichnet.
Musique, Paris, oder im Palais des Beaux-Arts,
Brüssel. 2011 gestaltet er erstmals Liederabende mit Roger Vignoles. Seine Diskographie
umfasst u. a. Beethovens 9. Sinfonie unter
van Immerseel, Bach-Kantaten unter Philippe
Herreweghe sowie mehrere Schumann-LiedCDs. Ein Dokumentarfilm „Winterreise –
Schubert in Sibirien“ erzählt von Thomas
E. Bauers abenteuerlicher Recital-Tournee
mit der Transsibirischen Eisenbahn.
Thomas E. Bauer gibt darüber hinaus Liederabende mit dem Hammerflügel-Spezialisten
Jos van Immerseel, zuletzt in der Cité de la
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NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
NDR Chor
Von Bach zu Brahms und zurück
Zum Programm des heutigen Konzerts
In der Spielzeit 2011/2012 steht unter der
Leitung von Chordirektor Philipp Ahmann der
weitere Ausbau der erfolgreichen Abonnementreihe des NDR Chores im Mittelpunkt. Mit
A-cappella-Werken und in der Kooperation mit
verschiedenen Instrumentalensembles zeigt
der Chor die ganze Weite seines Repertoires
bis hin zu Uraufführungen. Gleichzeitig ist dies
ein konsequenter Schritt zur Schärfung seines
Profils und zum Ausbau der Marke NDR Chor.
Der NDR Chor ist als der professionelle Konzertchor des Nordens mit einer großen Programmvielfalt im gesamten Sendegebiet des
NDR präsent – zu seinen Partnern zählen alle
anderen Klangkörper des NDR bis hin zur Big
Band. Innerhalb der ARD führen ihn Einladungen
in dieser Spielzeit zum SWR Sinfonieorchester
Stuttgart, zum WDR Sinfonieorchester und zur
Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken.
Regelmäßig gastiert das Ensemble bei zahlreichen Festivals wie dem Schleswig-Holstein
Musik Festival, den Hamburger Ostertönen,
den Göttinger Händelfestspielen, den Niedersächsischen Musiktagen, dem Festival Mecklenburg-Vorpommern oder dem Rheingau
Musik Festival.
Zwei Kantaten Johann Sebastian Bachs stehen
neben der Vierten Sinfonie von Johannes
Brahms auf dem Programm dieses Konzertabends. Was aber verbindet eine explizit für den
Gottesdienst geschaffene Gattung und eine
dem Konzertsaal zugedachte Sinfonie des
19. Jahrhunderts? Gibt es Berührungspunkte
zwischen den beiden Komponisten mit den
nahezu gleichen Initialen? Als rund 150 Jahre
später Geborener besaß Brahms profunde
Kenntnisse von der Größe und den Werken des
Barockmeisters Bach. Schon als junger Mann
kopierte und sammelte Brahms Werke alter
Meister, die er eifrig studierte. Bachs Kompositionen bewunderte er aufrichtig. 1877 schickte
er Clara Schumann, die ihre rechte Hand wegen
einer Entzündung schonen musste, eine Klavierbearbeitung für die linke Hand von Bachs berühmter Chaconne für Violine solo und schrieb
dazu: „Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf
ein System, für ein kleines Instrument schreibt
der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Wollte
ich mir vorstellen, ich hätte das Stück machen,
empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätte mich
verrückt gemacht.“
Der Blick zurück in die Musikgeschichte, wie
ihn Brahms pflegte und er uns heute selbstverständlich erscheint, war über viele Jahrhunderte nicht fest etabliert. Erst die Epoche des
19. Jahrhunderts wurde durch den Historismus
nachhaltig geprägt. Musikalische Gattungen
in einer zeitlich linearen, historischen Entwick-
8
Ein Komponist mit Leidenschaft für alte Bücher und
Notenausgaben: Johannes Brahms in der Bibliothek seines
Freundes Victor von Miller in Gmunden (Foto von 1894)
lung zu betrachten, kann im positiven Fall
bedeuten, sie aus ihren Anfängen, Entstehungsumständen und ihrer Entwicklung heraus
besser verstehen oder erklären zu können.
Für Komponisten jedoch kann diese Perspektive
den Gedanken nach sich ziehen, mit ihrem
eigenen Werk einen nahezu zwingenden Fortschritt gegenüber den Werken vorangegangener Komponisten erzielen zu müssen.
Brahms selbst hatte dieses Denken verinnerlicht
und es erwies sich als äußerst beschwerlich
9
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
für ihn: Die große Achtung, die er den Sinfonien
seines übermächtigen Vorbilds Beethoven
gegenüber empfand, führte bei ihm dazu, dass
sich die Komposition seiner ersten Sinfonie
vom ersten Gedanken bis zur Uraufführung über
zwanzig Jahre hinzog. Dennoch war Brahms’
grundsätzliches Interesse an der jüngeren und
älteren Musikgeschichte ungebrochen und
fand in den ersten Publikationen der sich im
19. Jahrhundert entfaltenden Musikwissenschaft zahlreiche Anregungen. Schon vor seiner
Geburt hatte die aktive Pflege von Bachs Musik
einen wichtigen Impuls erhalten: 1829 fand
die berühmte Wiederaufführung der Matthäuspassion unter der Leitung des gerade zwanzigjährigen Felix Mendelssohn in der Berliner
Singakademie statt. Später arbeitete Brahms
selbst an den Gesamtausgaben von Couperin,
Händel und Chopin mit und wurde dabei u. a.
als Berater in Fragen der Generalbassaussetzung geschätzt. 1851, zu Beginn von Brahms’
Karriere, erschien der erste Band der BachGesamtausgabe. Die Früchte dieser musikwissenschaftlichen Arbeit studierte Brahms
ehrfürchtig, scheute aber wohl ob des großen
Vorbilds eine namentlich öffentliche Mitarbeit:
„Für eine Beethoven- oder Bach-Ausgabe würde
ich meinen Namen nicht geben, weil ich meine
Redaktionspflicht nicht erfüllen könnte.“ An der
Arbeit des Bach-Forschers und -Biographen
Philipp Spitta (1841 – 1894) nahm er lebhaften
Anteil. Seine Wertschätzung teilte er diesem
einmal, die eigenen Fähigkeiten als Komponist
herunterspielend, mit: „Sehen Sie, komponieren – das kann ich auch, aber wenn ich so
gescheit wäre wie Sie und mehr gelernt hätte,
10
wäre es meine Passion, mich mit Musikforschung zu befassen.“ Im Gegensatz zur beschwerlichen Auseinandersetzung mit dem
Vorbild Beethoven, dessen sinfonische Vorbilder
er weiter entwickeln und zu überwinden suchte,
wirkte das Studium von Bachs Kompositionen
und barocken Kompositionstechniken auf
Brahms inspirierend. Der Finalsatz seiner vierten und letzten Sinfonie zeigt dies deutlich.
Mystisches im lieblichen Klanggewand
und lateinischer Engelsgesang –
Bachs Kantaten BWV 140 und 191
Die zwei vor Brahms’ Vierter Sinfonie erklingenden Kantaten Johann Sebastian Bachs,
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 und
„Gloria in excelsis Deo“ BWV 191, sind beide
während Bachs Amtszeit als Leipziger Thomaskantor entstanden. Allein die früher komponierte Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
lässt sich zuverlässig datieren. Sie ist für den
27. Sonntag nach Trinitatis bestimmt, einen
selten eintretenden Kirchenjahrs-Sonntag.
Das Datum der Uraufführung lässt sich daher
mit dem 25. November 1731 angeben. Die
Kantate wird Bachs zweitem Leipziger Kantatenjahrgang zugerechnet, für den sie als Ergänzung komponiert wurde, da der 27. Sonntag
nach Trinitatis seit 1724/25 nicht vorkam.
Die Datierung von BWV 191, einer lateinischen
Weihnachtsmusik, gestaltet sich schwerer, da
der Anlass für die Komposition unbekannt ist.
Die Bachforschung vermutet, dass sie um
1743/46 entstanden ist. Sie wird dem Kontext
Johann Sebastian Bachs Wohnhaus in Leipzig neben der Thomaskirche (Holzstich um 1890)
lateinischer Kirchenmusik zugeordnet, dem
sich Bach durch intensives Kopieren und Bearbeiten fremder Kompositionen annäherte.
Der Dichter des Kantatentextes von „Wachet
auf, ruft uns die Stimme“ ist unbekannt, doch
sind verschiedene Quellen des Textes herausgearbeitet worden. Ein gleichnamiges dreistrophiges Kirchenlied aus dem „Freudenspiegel
des ewigen Lebens“ (1599) von Philipp Nicolai –
der ab 1601 bis zu seinem Tod 1608 als Hauptpastor an St. Katharinen in Hamburg wirkte –
wurde zum formgebenden Ausgangspunkt der
Kantate. Als Grundlage der Choral-Sätze eins,
vier und sieben bestimmt es den Anfang, die
zentrale Mitte und den Schluss von Bachs Kantate. Nicolais Lied findet sich in verschiedenen
Gesangbüchern, im Evangelischen Gesangbuch
11
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
Rufen („Wach auf“, „Steht auf“, „Macht Euch
bereit“) aufgenommen. Die kürzeste Liedzeile
„Alleluja“ wurde von Bach als Fugato gestaltet,
das den Jubel der bevorstehenden Hochzeit
vorweg nimmt.
„Zion, hört die Wächter singen“ (4) bildet.
Dieser bekannte Choral mit seiner eingängigen
Melodik gehört zu den wenigen Werken, die bei
Bachs Tod bereits im Druck erschienen waren.
Bach selbst reihte ihn an erster Stelle in die
Ausgabe seiner Schüblerschen Orgel-Choräle
ein. Auch Pianisten ist der Choral nicht unbekannt: Eine Transkription Wilhelm Kempffs für
Klavier ist verlegt worden. In Bachs Kantate
wird die geringfügig ausgezierte Choralmelodie
vom Tenor gesungen und von einem eigenständigen Instrumentalsatz begleitet, der
Violinen und Bratschen im Unisono vereinigt
und alternierend mit der Choralmelodie in
den Vordergrund rückt.
Philipp Nicolais Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
(aus: „Freudenspiegel des ewigen Lebens“, 1599)
als No. 147 mit Bachs Choralsatz als No. 535;
Mendelssohn verwendete es auch in seinem
Oratorium „Paulus“. Es bezieht sich u. a. auf
das Gleichnis von den klugen und törichten
Jungfrauen (Matthäus 25, 1 – 13).
In Bachs Kantate steht zwischen den nach
Nicolais Lied gestalteten drei Choralsätzen,
also in den Sätzen zwei und drei sowie fünf
und sechs jeweils eine Verbindung von solistischem Rezitativ und ariosem Duett. Die siebenteilige Form weist somit eine symmetrische
Anlage auf, deren zentrale Mitte der Choral
12
Vom Sonntagsevangelium ausgehend, führt
der Kantatentext von „Wachet auf, ruft uns die
Stimme“ den Gedanken des zu seiner Braut
kommenden Bräutigams aus. Die Vorstellung
von der Vermählung des Messias mit der
menschlichen Seele Zion als personifiziertem
Jerusalem hatte sich aus der Interpretationstradition des Hohelieds Salomons herausgebildet. Der Begriff des Bräutigams in Bachs
Kantate ist also mystisch als Sinnbild für Jesus,
der Begriff der Braut als Sinnbild für die Seele
des gläubigen Christen zu verstehen. Braut und
Bräutigam (Sopran und Bariton) nähern sich
einander vorsichtig in einem streicherbegleiteten Rezitativ (5) an und verleihen ihrem Glück
schließlich in einem fröhlich-tänzerischen
Liebesduett (6) Ausdruck.
Ein titelgebender, groß angelegter Eingangschor eröffnet die Kantate. Schon in der instru-
Johann Sebastian Bach, Gemälde von Elias Gottlob
Haussmann (1746)
mentalen Einleitung wird eine Dialogstruktur
zwischen Violinen und Oboen hörbar, mit der,
wie der Bach-Forscher Alfred Dürr mutmaßt,
Bach vielleicht die Dialogstruktur der gesamten
Kantate – also den Dialog zwischen Jesus und
der Seele – andeuten wollte. Überhaupt ist der
Orchestersatz weitgehend eigenständig mit
nur leichter Anlehnung an die Choralweise gehalten. Als aufsteigender Es-Dur-Dreiklang ist
der Weckruf „Wa-chet auf“ gestaltet, der die
menschliche Seele Zion und die Jungfrauen
zu dem Bräutigam ruft. Er wird vom Sopran,
durch ein Horn verstärkt, vorgetragen. Von den
Männerstimmen wird er in akkordisch kurzen
Ein vom Tenor vorgetragenes, freudig-bewegtes
Rezitativ bereitet die erste Begegnung der
Seele und Jesus vor. Deren erstes gesangliches
Zwiegespräch findet im nachfolgenden Duett
(3) von Sopran und Bass einen sehnsuchtsvollen Ausdruck. Bach sieht für die Begleitung
des Duetts das zu seiner Zeit noch höchste
Instrument der Violinenfamilie vor: ein Violino
piccolo. Die silbrig klingende Begleitung scheint
die erste Begegnung der Liebenden zwischen
Himmel und Erde stattfinden zu lassen. Die
Kantate schließt mit einem weiteren Choral
„Gloria sei Dir gesungen“, wiederum nach einer
Strophe von Nicolais Lied. Lange Haltenoten
und die Melodiestimme im Sopran vermitteln
einen feierlichen Eindruck und rufen unmittelbar einen kirchlichen Rahmen auf.
Die zweite der beiden Bach-Kantaten „Gloria
in excelsis Deo“ BWV 191 ist eine Weihnachtsmusik, die als Textgrundlage eine lateinische
Fassung des Engelsgesangs aus Lukas (2, 14)
verwendet, also eine aus der Weihnachtsgeschichte wohlbekannte Szene: Der Engel
verkündet mit der Menge der himmlischen
Heerscharen den Hirten auf dem Feld das
Gotteslob: „Ehre sei Gott in der Höhe und auf
Erden Friede den Menschen, die guten Willens
sind.“ Die Kompositionen hat Bach aus seiner
berühmten h-Moll-Messe entnommen, das
„Gloria“ sogar unverändert eingefügt. Der zweite
13
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
gar nicht begierig, eine schlechte Nr. 4 zu
schreiben.“ Auch mit Hans von Bülow, dem
Chefdirigenten des Meininger Hoforchesters,
korrespondierte er im September 1885 über
die fertige Sinfonie und brachte damit die
Uraufführung in Meiningen auf den Weg. Diese
fand unter Leitung des Komponisten selbst
am 25. Oktober 1885 im alten Hoftheater
und in Gegenwart des Meiniger Herzogs statt
und wurde zu einem fulminanten Erfolg für
den Wahlwiener.
Satz beruht auf dem „Domine Deus“, das
umtextiert und gekürzt wurde. Der dritte Satz
ist auf Grundlage des „Cum Sancto Spiritu“
entstanden.
Spielarten der Melancholie oder
eine Sinfonie in Herbststimmung –
Brahms’ Vierte
Brahms hätte die eben verklungene BachKantate vermutlich gut gefallen, berichtete
er doch seinem Freund Theodor Billroth nach
der Wiener Erstaufführung der h-Moll-Messe
im März 1885 enthusiastisch: „Einen solchen
Eindruck von Größe und Erhabenheit hast
Du noch nicht gehabt! Man sollte diesem Menschenwerk auch nicht zutrauen, so erheben
und erschüttern zu können. Mir war die Aufführung in jeder Hinsicht eine hohe Freude.“
Im folgenden Sommer 1885 sollte er die
Komposition seiner Vierten Sinfonie, genau
genommen die der Sätze III und IV, in Mürzzuschlag am Fuße des Semmering abschließen.
Seinen Freunden gegenüber hatte er das
Projekt lange geheim zu halten versucht, auch
wenn bereits nach seinem Aufenthalt 1884
im selben Sommerdomizil – währenddessen
waren die Sätze I und II entstanden – gemunkelt wurde, dass er vermutlich an einem neuen
Sinfonie-Projekt arbeite. So erkundigte sich
Elisabeth von Herzogenberg wohl im Oktober
1884 sowie im Januar und Juni 1885 postalisch nach dem Werden seiner Sinfonie und
bat um Zusendung des Manuskripts. Clara
Schumann versuchte ebenfalls brieflich den
14
Die Pianistin und Brahms-Freundin Elisabeth von
Herzogenberg (1848 – 1892)
bis zu ihr gedrungenen Gerüchten im Dezember 1884 auf den Grund zu gehen. Doch erst
Ende August 1885 ging Brahms in einem
Brief an Elisabeth von Herzogenberg auf die
Sinfonie ein: „Dürfte ich Ihnen etwa das Stück
eines Stückes von mir schicken, und hätten
Sie Zeit, es anzusehen und ein Wort zu sagen?
Im Allgemeinen sind ja leider die Stücke von
mir angenehmer als ich, und findet man weniger daran zu korrigieren?! Aber in hiesiger
Gegend werden die Kirschen nicht süß und
eßbar – wenn Ihnen das Ding also nicht
schmeckt, so genieren sie sich nicht. Ich bin
Brahms’ Ankündigung der Sinfonie gegenüber
Elisabeth von Herzogenberg deutet mit Hinweis
auf das herbe Urlaubsklima die Stimmung
der Sinfonie an: Von Beginn bis zum Finalsatz
wohnt ihr ein melancholischer Grundzug inne.
Was Brahms mit Worten nicht zu sagen vermochte, konnte er in „tönend bewegten Formen“ (Eduard Hanslick) zum Ausdruck bringen.
Die in der Sinfonik seltene Tonart e-Moll unterstützt die melancholische Grundstimmung.
Heinz Becker verweist hierzu auf Haydns 1772
entstandene e-Moll-Sinfonie, die als „TrauerSinfonie“ bezeichnet wird.
Brahms’ Vierte Sinfonie zeichnet sich neben
dieser melancholischen Stimmung durch eine
hochartifizielle Machart aus. Sie ist nicht unmittelbar fürs Ohr „fassbar“. Feinste Bezugssysteme lassen sich erst aus der Partitur
herauslesen und verfolgen. Die musikkundige
Elisabeth von Herzogenberg hatte nach dem
Studium einer Partiturreinschrift des ersten
Satzes mit der feinsinnigen Konzeption zunächst ihre Schwierigkeiten. An Brahms schrieb
sie: „Es geht mir eigen mit dem Stück; je tiefer
ich hineingucke, je mehr vertieft auch der Satz
sich, je mehr Sterne tauchen auf in der dämmerigen Helle, die die leuchtenden Punkte erst
verbirgt, je mehr einzelne Freuden habe ich,
erwartete und überraschende, und um so
deutlicher wird auch der durchgehende Zug,
der aus der Vielheit eine Einheit macht.“ Das
Hauptthema des ersten Satzes z. B. scheint auf
den ersten Blick mit einer kleinen Terz abwärts
(h-g) und einer kleinen Sext aufwärts (e-c) zu
beginnen. Auf den zweiten Blick lässt sich aus
demselben Tonvorrat eine dahinter stehende,
abwärts gerichtete Terzenkette (h-g-e-c) lesen.
Diese Terzenketten sind eine Besonderheit der
Vierten Sinfonie. Sie machen sich aber nicht
nur als hinter den Kulissen wirkendes System
bemerkbar, sondern treten auch hörbar im
Sinfonieverlauf auf, so in der 19. und 30. Variation des 4. Satzes.
An Brahms’ letztem sinfonischen Meisterwerk
lässt sich eine intensive kompositorische Be-
Hans von Bülow und Johannes Brahms (Foto von 1889)
15
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
schäftigung des Anfang Fünfzigjährigen mit der
jüngeren und älteren Musikgeschichte nachvollziehen. Der erste Satz, dessen oben näher
beleuchtetes melancholisch-süßes Hauptthema
nach der Wiener Erstaufführung – völlig zu Unrecht – mit dem Text unterlegt wurde: „Es fiel
ihm wieder mal nichts ein“, ist z. B. grundsätzlich am Modell der Sonatensatzform nach
Beethoven orientiert. Allerdings spielt Brahms
mit einer an der Sonatensatzform geschulten
Hörerwartung und kann so für Irritationen beim
Hörer sorgen: Das erste Hauptthema taucht –
statt wie traditionellerweise zu Beginn der
Reprise – bereits zu Beginn der Durchführung
in Originalgestalt und Grundtonart wieder auf.
Da Brahms das thematische Material von Beginn an variiert, hebt sich die Durchführung
nicht mehr durch die „thematische Arbeit“
wie bei Beethoven hervor. Auch im zweiten
Satz verwendet Brahms mit dem Rückgriff auf
Kirchentonarten (Modi) seit dem Mittelalter
vertraute Tongeschlechter. Das mit einem
Hornsolo einsetzende Andante erhält dadurch
ein zeitweise archaisches Gepräge. Grell steht
das burleske Scherzo dagegen, das durch die
Instrumentation mit Triangel und Piccoloflöte
einen leicht militärischen Ausdruck erhält.
Der vierte Satz schließlich zeigt Brahms’ kompositorische Auseinandersetzung mit Bach.
Schon das schicksalhaft anhebende, aus acht
mächtigen Bläserakkorden bestehende Hauptthema zeigt sich mit dem Schlusschor aus
Bachs Kantate „Nach dir, Herr verlanget mich“
BWV 150 verwandt. Zwar ergänzt Brahms das
wenig profilierte, leiterähnliche Thema im Vergleich zu Bach lediglich um eine chromatische
Zwischenstufe. Doch spricht das Erscheinungsjahr 1884 des BWV 150 enthaltenden Bandes
der Bach-Gesamtausgabe gegen eine Zufallsverwandtschaft der Themen. Schließlich begann Brahms gerade in jenem Jahr die Arbeit
an seiner Vierten Sinfonie. Nicht nur auf thematischer Ebene nimmt er im 4. Satz Bezug
auf Bachs Kantate. Auch die hier in Brahms’
eigener Manier in 30 Variationen angewandte
barocke Reihungsform der Chaconne oder
Passacaglia, die sich durch einen ostinaten
(ständig wiederkehrenden) Bass auszeichnet,
hat ihren Ursprung in Bachs Kantate.
Halina Wiederholz
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 4, erste Seite der eigenhändigen Partitur
16
17
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
J. S. Bach: Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
Gesangstexte
I. CHORAL
III. ARIE / DUETT
V. REZITATIV
VII. CHORAL
Wachet auf, ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
wach auf, du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde;
wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohl auf, der Bräut’gam kömmt;
steht auf, die Lampen nehmt!
Alleluja!
Macht euch bereit
zu der Hochzeit,
ihr müsset ihm entgegen gehn!
Seele:Sopran
Wenn kömmst du, mein Heil?
Jesus:Bariton
Ich komme, dein Teil,
Sopran
Ich warte mit brennendem Öle.
Bariton/Sopran
Ich öffne den Saal / Eröffne den Saal
zum himmlischen Mahl!
Sopran
Komm, Jesu!
Bariton
Ich komme;
komm, liebliche Seele!
So geh herein zu mir,
du mir erwählte Braut!
Ich habe mich mit dir
von Ewigkeit vertraut.
Dich will ich auf mein Herz,
auf meinen Arm gleich wie ein Siegel setzen
und dein betrübtes Aug ergötzen.
Vergiß, o Seele, nun
die Angst, den Schmerz,
den du erdulden müssen;
auf meiner Linken sollst du ruhn,
und meine Rechte soll dich küssen.
Gloria sei dir gesungen
mit Menschen- und englischen Zungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schon.
Von zwölf Perlen sind die Pforten,
an deiner Stadt sind wir Konsorten
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat je gehört
solche Freude.
Des sind wir froh,
io, io!
ewig in dulci jubilo.
II. REZITATIV
Er kommt, er kommt,
der Bräut’gam kommt!
Ihr Töchter Zions, kommt heraus,
sein Ausgang eilet aus der Höhe
in euer Mutter Haus.
Der Bräut’gam kommt, der einem Rehe
und jungen Hirsche gleich
auf denen Hügeln springt
und euch das Mahl der Hochzeit bringt.
Wacht auf, ermuntert euch!
den Bräut’gam zu empfangen!
Dort, sehet, kommt er hergegangen.
18
VI. ARIE / DUETT
IV. CHORAL
Zion hört die Wächter singen,
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn,
Hosianna!
Wir folgen all
zum Freudensaal
und halten mit das Abendmahl.
Nr.1,4und7:PhilippNicolai,1599
Nr.2,3,5und6:unbekannterDichter
Sopran
Mein Freund ist mein!
Bariton
Und ich bin dein!
Sopran/Bariton
die Liebe soll nichts scheiden.
Sopran
Ich will mit dir …
Bariton
Du sollst mit mir …
Sopran/Bariton
… in Himmels Rosen weiden,
da Freude die Fülle, da Wonne wird sein.
19
EhreseiGottinderHöhe.
UndaufErdenFriededenMenschen,dieguten
Willenssind.
II. DUETT
Gloria Patri et Filio et Spiritui sancto gloria.
Belcanto
EhreseidemVaterunddemSohnunddem
HeiligenGeist.
SO 29.01.2012 | 20 UHR
ROLF-LIEBERMANN-STUDIO
NDR RADIOPHILHARMONIE | DIRIGENT LAWRENCE RENES
EKATERINA ISACHENKO SOPRAN
ANTONIO POLI TENOR | GORAN JURIC BASS
WERKE VON PUCCINI, DVORAK, GOUNOD
WieimAnfang,soauchjetztundalleZeit
undinEwigkeit.
Amen.
Strings & Singing
III. CHOR
Sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum.
Amen.
Lukas2,14undkleineDoxologie
FR 25.11.2011 | 20 UHR
ROLF-LIEBERMANN-STUDIO
NDR BIGBAND | LEITUNG JÖRG ACHIM KELLER
AMSTEL QUARTET
WERKE VON J.S. BACH, RAVEL, NYMAN
MI 21.03.2012 | 20 UHR
ROLF-LIEBERMANN-STUDIO
WISHFUL SINGING | QUATUOR HERMÈS
WERKE VON DEBUSSY, VIRTAPERKO, CALDARA, HAYDN
PianoPiano
FR 11.05.2012 | 20 UHR
ROLF-LIEBERMANN-STUDIO
NDR CHOR | DIRIGENT PHILIPP AHMANN
CHRISTINA UND MICHELLE NAUGHTON KLAVIER-DUO
WERKE VON GERSHWIN, BRAHMS, CARTER
20
ndr.de/podiumderjungen
Gloria in excelsis Deo.
Et in terra pax hominibus bonae voluntatis.
SINFONISCHES | OPER | OPERETTE | KAMMERMUSIK | CHORMUSIK | MUSICAL | JAZZ
Saxophones
I. CHOR
MIT DEM NDR SINFONIEORCHESTER | DER NDR BIGBAND
DER NDR RADIOPHILHARMONIE | DEM NDR CHOR
Gesangstexte
Junge Stars von morgen
J. S. Bach: Kantate „Gloria in excelsis deo“
FR 30.09.2011 | 20 UHR | LAEISZHALLE
NDR SINFONIEORCHESTER
DIRIGENT MIHKEL KÜTSON
NAREH ARGHAMANYAN KLAVIER
TINE THING HELSETH TROMPETE
LOÏC SCHNEIDER FLÖTE
WERKE VON BIZET, IBERT, LISZT
Saison 2011/2012
Stars der Zukunft
NDR SINF O NIEO RC HE S T ER
Konzertvorschau
NDR SINFONIEORCHESTER
B2 | Do, 20.10.2011 | 20 Uhr
A2 | So, 23.10.2011 | 11 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
Michael Gielen Dirigent
Roland Greutter Violine
Damen des NDR Chores
Wolfgang Amadeus Mozart
Deutsche Tänze KV 600 & KV 605
Claude Debussy
Trois Nocturnes
Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert D-Dur KV 211
Claude Debussy
La Mer
B3 | Do, 17.11.2011 | 20 Uhr
A3 | So, 20.11.2011 | 11 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
Manfred Honeck Dirigent
Rudolf Buchbinder Klavier
Arvo Pärt
Cantus in memoriam
Benjamin Britten
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert C-Dur KV 467
Peter Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74
„Pathétique“
NDR SINFONIEORCHESTER
AUF KAMPNAGEL
KA1a | Fr, 25.11.2011 | 20 Uhr
KA1b | Sa, 26.11.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Kampnagel
DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED
Stefan Geiger Dirigent
„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“
(1926)
Silhouettenfilm von Lotte Reiniger
mit der Originalmusik für großes
Orchester von Wolfgang Zeller
17.11.2011 | 19 Uhr: Einführungsveranstaltung
20.10.2011 | 19 Uhr: Einführungsveranstaltung
23.10.2011 | 11 Uhr: Mit-Mach-Musik parallel zum Konzert
Szenenbild aus dem Film
„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“
KAMMERKONZERT
Di, 18.10.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio
FRANZ LISZT ZUM 200. GEBURTSTAG
Rodrigo Reichel Violine
Frauke Kuhlmann Violine
Torsten Frank Viola
Vytautas Sondeckis Violoncello
Jens Bomhardt Kontrabass
Ludmila Muster Harfe
Julian Riem, Christof Hahn Klavier
Franz Liszt
Malédiction
für Klavier und Streichquintett
Tristia & Orphée
für Klaviertrio
Elegie Nr. 1 & La lugubre gondola
für Cello und Klavier
Am Grabe Richard Wagners
für Streichquartett, Harfe und Klavier
Grand Duo Concertant
für Violine und Klavier
Pester Karneval
(Ungarische Rhapsodie Nr. 9)
für Klaviertrio
Rudolf Buchbinder
Michael Gielen
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Konzerttipp
Hommage à Sofia Gubaidulina
NDR DAS ALTE WERK
Sonderkonzert
Fr, 14.10.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Bucerius Kunst Forum
Ian Karan Auditorium | Rathausmarkt 2
The Boston Camerata
Anne Azéma Sopran und Leitung
„VERGINE BELLA“ – Musikalische
Marienbilder von 1200 bis 1500
Werke u. a. von Guillaume Dufay,
Johannes Ciconia, Peire Cardenal
In Kooperation mit dem Bucerius Kunst Forum
anlässlich der Ausstellung
„Am Anfang der Malerei. Italienische Meister
bis Fra Angelico und Botticelli“
Abo-Konzert 2
Mo, 24.10.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
Accademia Bizantina
Ottavio Dantone Cembalo und Leitung
Johann Sebastian Bach
Orchestersinfonien aus den Kantaten
BWV 21, BWV 35, BWV 42, BWV 156, BWV
146, BWV 169, BWV 196
Arcangelo Corelli
Concerti grossi op. 6 Nr. 2 & 4
19 Uhr: Einführungsveranstaltung
im Kleinen Saal der Laeiszahalle
Sofia Gubaidulina ist die Grande Dame der
Neuen Musik – die bedeutendste russische Komponistin der Gegenwart. Am 24. Oktober 2011
feiert sie ihren 80. Geburtstag. Zu Ehren und
in Anwesenheit der seit fast zwei Jahrzehnten
in der Nähe Hamburgs wohnenden Komponistin widmet ihr der NDR Chor in Kooperation
mit NDR das neue werk einen Konzertabend.
Auf dem Programm stehen zwei zentrale Werke
Gubaidulinas: „Silenzio“, ein stiller Protest gegen jede Gewalt, entstand 1991 während des
gescheiterten Putschversuches gegen Michail
Gorbatschow. Gubaidulinas „Sonnengesang“,
der seinen Ausgang von Franz von Assisis demütiger Verherrlichung der Schöpfung nimmt,
ist Mstislaw Rostropowitsch gewidmet: „Die
ungewöhnliche Kraft und Klangtiefe seines
Instrumentes“, sagt die Komponistin, „haben
mich zu einer sehr wichtigen musikalischen
Geste angeregt.“
Sofia Gubaidulina
So, 30.10.2011 | 18 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio
NDR Chor
Philipp Ahmann Dirigent
Elbtonalpercussion
Ivan Monighetti Violoncello
Elsbeth Moser Bajan
Kathrin Rabus Violine
Christoph Marks Violoncello
Sofia Gubaidulina
Silenzio
Fünf Stücke für Bajan, Violine und Violoncello
Sonnengesang
für Violoncello, Kammerchor und Schlagzeug
Karten im NDR Ticketshop im Levantehaus,
Tel. 0180 – 1 78 79 80 (bundesweit zum Ortstarif,
maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz),
online unter ndrticketshop.de
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25
In Hamburg auf 99,2
Weitere Frequenzen unter
ndr.de/ndrkultur
Impressum
Saison 2011 / 2012
Herausgegeben vom
NORDDEUTSCHEN RUNDFUNK
PROGRAMMDIREKTION HÖRFUNK
BEREICH ORCHESTER UND CHOR
Leitung: Rolf Beck
Redaktion Sinfonieorchester:
Achim Dobschall
Redaktion des Programmheftes:
Julius Heile
Der Einführungstext von Halina Wiederholz
ist ein Originalbeitrag für den NDR.
Fotos:
Philipp von Hessen (S. 4)
Jonas Sacks (S. 5)
Christian Kargl (S. 6)
Marco Borggreve (S. 7)
Klaus Westermann | NDR (S. 8)
culture-images | Lebrecht (S. 9)
IAM |akg/World History Archive (S. 11)
akg-images | Erich Lessing (S. 13)
culture-images | Lebrecht (S. 14)
akg-images (S. 15)
akg-images (S. 16)
Jacques Lévesque (S. 22 links)
Alexander Basta (S. 22 rechts)
Deutsches Filminstitut Dif. e. V. (S. 23)
Bruno Caflisch | ROCHE (S. 25)
Foto: Stefano Stefani | gettyimages
NDR | Markendesign
Gestaltung: Klasse 3b, Hamburg
Litho: Otterbach Medien
Druck: Nehr & Co. GmbH
Nachdruck, auch auszugsweise,
nur mit Genehmigung des NDR gestattet.
Die Konzerte des NDR Sinfonieorchesters
hören Sie auf NDR Kultur
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Hören und genießen
»Brahms schöpft tief aus dem
Born der Vergangenheit.
Alles, was er von den Alten
gelernt hat, ist ihm grundeigen
geworden.«
Philipp Spitta (1892)
C1: Do, 13.10.2011, 20 Uhr | D1: Fr, 14.10.2011, 20 Uhr | Hamburg, Laeiszhalle
Thomas Hengelbrock Dirigent
Johannette Zomer Sopran | Maximilian Schmitt Tenor
Thomas E. Bauer Bariton | NDR Chor
Johann Sebastian Bach „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ – Kantate BWV 140
„Gloria in excelsis deo“ – Kantate BWV 191
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
DAS ORCHESTER DER ELBPHILHARMONIE
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Seele and Geist
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