close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Deutsches Rind bleibt draußen Was fressen Bayerns Tiger? - Archiv

EinbettenHerunterladen
2
POLITIK UND MEINUNG
Hamburger Abendblatt
Klonen von Embryonen
Ethischer Dammbruch
Von ANGELA GROSSE
U
ngeborenes Leben wurde im britischen Unterhaus zum Versuchsmaterial degradiert. Embryonen dürfen gezeugt werden, um Ersatzteile zu liefern.
Egal, ob man einen fünf oder sechs Tage alten Embryo
als schützenswertes menschliches Leben betrachtet
oder nicht: Faktisch wird er seiner genetischen Einmaligkeit beraubt.
Eine Allianz aus Schwerkranken und Forschern,
die in Goldgräberstimmung sind, haben die Politiker
zu diesem ethischen Dammbruch bewogen. Und das,
obwohl es Alternativen gibt. Sie scheinen sogar besser geeignet, das Leid der Kranken schneller zu lindern. Zudem werden keine ethischen und moralischen Grenzen überschritten.
Doch wieder einmal wird jedes ethische Argument
dagegen hinfällig, jede ethische Diskussion als „verstaubter Skrupel“ diffamiert, zeichnet sich auch nur
die Möglichkeit ab, dass Menschen geheilt werden
könnten. Was dabei an Werten auf der Strecke bleibt,
wird gar nicht bilanziert. Doch der Zweck heiligt nicht
die Mittel.
Die Entscheidung im britischen Unterhaus über
Embryonen und im niederländischen Parlament über
aktive Sterbehilfe bedeuten in der Quintessenz, dass
das Leben zur Disposition steht. Aktiv greifen Menschen in den Anfang des Lebens, manifestiert in einem Haufen von Zellen, und das Ende, den Tod, ein.
Die Ehrfurcht vor dem Leben bleibt auf der Strecke.
Doch das ist nicht alles. Mit dem britischen Beschluss ist die Tür zum Klonen von Menschen geöffnet
worden. Der Mensch nach Maß ist nicht mehr nur eine Fiktion auf Kinoleinwänden. Denn die Technik, mit
der einzelne Organe oder komplette Menschen gezüchtet werden können, ist dieselbe. Wer Klonen in
„heilendes“ und „gefährliches“ unterscheidet, vernebelt den klaren Blick auf diese Zukunft.
Deshalb darf am deutschen Embryonenschutzgesetz, das seit 1990 jeden Versuch an Embryonen untersagt, weiterhin nicht gerüttelt werden. Notwendig
ist es aber, sich in der medizinischen Forschung verstärkt auf die vorhandenen Alternativen zu konzentrieren. Sie müssen schnell erforscht werden, damit
Schwerkranke geheilt werden können.
Kurssturz in Amerika
Europas Chance
Von OLIVER SCHADE
ür viele Aktionäre ist ein Traum zu Ende − der
Traum vom schnellen Geld. In HochglanzbroschüF
ren hatten die Unternehmen am Neuen Markt fast alles versprochen: Zukunftstechnologien, unbegrenztes Wachstum, hohe Gewinne. Und Analysten heizten
diese Euphorie noch an, sprachen unverantwortliche
Empfehlungen am Fließband aus. Ein Wort machte
die Runde: kaufen! Wen interessierten Verschuldungsgrade, Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Auftragseingänge, Renditen? Internet ist Zukunft − diese Aussage genügte, um Millionen von Anlegern zu locken.
Monatelang siegte der Glaube über betriebswirtschaftliche Fakten. Spätestens seit gestern ist es damit vorbei. Innerhalb weniger Stunden sackte der
Neue Markt um zehn Prozent in den Keller. Wer Anfang März für 100 000 Mark die so genannten Wachstumswerte kaufte, ist heute im Schnitt um 70 000
Mark ärmer. Eine gigantische Geldvernichtung hat
stattgefunden. Zahlreiche Anleger haben die Börse
mit einer Einbahnstraße ins finanzielle Glück verwechselt. Blauäugig sind sie auf Werbebotschaften
unbekannter Unternehmen und Tipps vermeintlicher
Experten reingefallen. Es wird Zeit, wieder zu hinterfragen, genau zu schauen, wo das eigene Geld hinfließt.
Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa, Asien
und den USA haben Millionen von Aktionären viel
Geld verloren. Jenseits des Atlantiks könnte der Kursrutsch an der Technologiebörse Nasdaq sogar verheerende Folgen für die dortige Volkswirtschaft haben. Denn fast jeder Amerikaner besitzt Aktien, viele
haben sich verschuldet, um spekulieren zu können.
Nun fehlt das Geld für den Konsum. Der zehnjährige
Boom in den Vereinigten Staaten könnte abrupt zu
Ende gehen. Sogar US-Notenbank-Chef Alan Greenspan spricht nun öffentlich von einer möglichen Rezession.
Nutznießer einer solchen Entwicklung könnte Europa sein. Der steigende Euro-Kurs ist ein Indiz dafür.
Die Kapitalgeber scheinen sich vermehrt vom Dollar
abzuwenden. Das Vertrauen in Europas Wirtschaft
wächst. Hoffentlich ist dieser Prozess von längerer
Dauer als die Hausse am Neuen Markt.
Hamburgs Hürde für den Airbus
Mirows Hoffnung
Von ERNST-G. SCHOLZ
o schnell kann es gehen: Wirtschaftssenator Thomas Mirow, bis vor kurzem noch der VorzeigeseS
nator im Hamburger Rathaus, ist in arge Not geraten.
Das Projekt A3XX, das vor allem er mit viel Zähigkeit
und Ausdauer vorangetrieben hat, ist zumindest im
ersten juristischen Testlauf vor dem Verwaltungsgericht gescheitert. Ob der zweite Anlauf vor dem Oberverwaltungsgericht ein besseres Ergebnis bringt −
niemand kann es vorhersagen.
Zwar verweist Mirow auf eine „unendliche Zahl“
von Fällen, in denen die zweite Instanz den Beschluss
der ersten wieder aufgehoben hat. Hier lässt er sich
aber wohl mehr von der Hoffnung auf einen für ihn
guten Ausgang leiten. Denn auch das hat Mirow eingeräumt: Sollte es mit der Produktion des Super-Airbus in Hamburg nichts werden, wäre das für ihn eine
ganz persönliche Niederlage.
Doch dabei dürfte es nicht bleiben. Denn wenn das
Projekt tatsächlich platzten würde − von einem Scheitern des Arena-Baus ganz zu schweigen −, stünde
auch Bürgermeister Ortwin Runde im Regen. Keine
Opposition würde sich die Gelegenheit entgehen lassen, ausgerechnet in einem Wahljahr einen solchen
Flop politisch auszuschlachten. Selbst beim kleineren
Koalitionspartner GAL dürfte klammheimliche Freude über das von Anfang an ungeliebte Industrieprojekt im Mühlenberger Loch aufkommen.
Am meisten betroffen jedoch wären die vielen Menschen, für die der Airbus einen modernen und zukunftssicheren Arbeitsplatz bedeutet hätte. Aber die
fragt ja keiner.
LL
Donnerstag, 21. Dezember 2000
Zum Jahreswechsel steht auch ein Wechsel bei der EU-Ratspräsidentschaft an
S
chade, dass die deutsche
Sprache dieses Wortspiel
nicht zulässt. Im Englischen
ist das Programm der Schweden,
die am 1. Januar turnusmäßig für
ein halbes Jahr die Ratspräsidentschaft in der Europäischen
Union (EU) übernehmen, nämlich
sehr griffig: Es sind die „drei E“
Enlargement, Environment, Employment (Erweiterung, Umwelt,
Beschäftigung).
Schweden gehört seit Januar
1995 zur EU und übernimmt zum
Von MARLIES FISCHER
ersten Mal die Ratspräsidentschaft. Auf der schon eröffneten
Internet-Seite www.eu2001.se
finden sich Informationen über
Ministertreffen, Listen mit Ansprechpartnern, das Arbeitsprogramm der Regierung in Sachen
EU für die nächsten sechs Monate
und Wissenswertes über Schweden an sich. Stockholm will mit
diesem Service bei den Internetnutzern Interesse an und Wissen
über Europa wecken und vertiefen.
Vor allem der EU-Erweiterung
will das Land an der Ostsee neue
Impulse geben. Außenministerin
Jetzt kommen
die Schweden
Anna Lindh sagte kürzlich in
Brüssel, bis zum Gipfel der EUStaats- und Regierungschefs im
Juni in Göteborg solle ein Fahrplan für die Erweiterung stehen,
der möglicherweise bereits Zieldaten für die Aufnahme neuer
Mitglieder
enthalten
werde.
Lindh sprach sich gegen die Idee
eines „Big Bang“ aus, bei dem die
Erweiterungsrunde
möglichst
viele Länder umfassen würde.
Die Erweiterung hänge von den
individuellen Fortschritten der
zwölf Kandidatenländer in den
Verhandlungen mit der EU ab,
sagte die Ministerin. Die EU verhandelt mit Polen, Tschechien,
Ungarn, der Slowakei, Estland,
Lettland, Litauen, Slowenien,
Bulgarien, Rumänien, Malta und
Zypern über einen Beitritt. Mit
den am weitesten fortgeschrittenen Ländern wie Polen, Ungarn
und Estland soll von Januar an
auch über die bisher ausgeklammerten Bereiche Umwelt- und
Agrarpolitik gesprochen werden.
Beim Thema Umwelt wollen
die Schweden erreichen, dass
Umweltaspekte bei möglichst vielen Entscheidungen der EU berücksichtigt werden. Sie sollen
zum Beispiel bei der Vergabe von
EU-Finanzhilfen eine Rolle spielen. Außerdem möchte Umweltminister Kjell Larsson zwischen
der EU und den USA ein Abkommen zur Verringerung der Treibhausgase schließen. Vor drei Wochen war der Klimagipfel in Den
Haag gescheitert, die für vergangenen Montag in Oslo anberaumten Gespräche platzten ebenfalls.
In Sachen Beschäftigung will
Schweden den im vergangenen
Sommer unter portugiesischer
Ratspräsidentschaft beschlossenen Ansatz weiterverfolgen, der
die EU vor allem mittels Informationstechnik zum „dynamischsten und wettbewerbsfähigsten“
Wirtschaftsraum der Welt machen soll. Zugleich soll aber das
europäische „Sozialmodell“ erhalten und gestärkt werden.
Apropos Arbeit: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat da
schon den Ton für die Beitrittsverhandlungen bestimmt, als er
kürzlich in Weiden in der Oberpfalz nahe der tschechischen
Grenze eine Übergangszeit von
sieben Jahren forderte, ehe Arbeitskräfte aus den neuen EUMitgliedsländern das Recht auf
Freizügigkeit erhalten sollen. Als
Spanien und Portugal 1986 der
EU beitraten, wurde ebenso verfahren.
Aus den osteuropäischen Kandidatenländern gab es sofort Proteste, obwohl zumindest Polen,
Tschechien und Ungarn wissen,
dass ihnen Übergangsfristen bevorstehen könnten. Und gerade
Polen will eine Zeitverzögerung
in eigener Sache: Warschau
möchte verhindern, dass Ausländer sofort und ungehindert
Grundstücke und Häuser in Polen
kaufen können.
Schwedens Premier Göran
Persson hat Schröders Vorschlag
als „interessant“ bezeichnet.
„Wir werden uns das genau ansehen“, versprach der Regierungschef.
BSE: Sorgen der EU-Partner − Folgen für Wirtschaft und Verbraucher
Deutsches Rind
Was fressen
bleibt draußen Bayerns Tiger?
dpa/HA Wien − Die BSE-Krise in Rinder“. Daneben wurden nach
Deutschland hat nun auch den Angaben des Statistischen Amtes
EU-Partner Österreich zum Han- 8529 Tonnen Rindfleisch impordeln veranlasst. Ab sofort gilt ein tiert, das einen Wert von 463 MilImportverbot für Rinder und lionen Schilling ausmacht.
Einen Engpass in der RindRindfleisch aus Deutschland.
Doch Deutschland ist nicht allein fleischversorgung durch das Einbetroffen. Österreich, Spanien fuhrverbot erwarten die heimiund Italien lassen derzeit auch schen Experten jedoch nicht.
kein lebendes Rind aus Frank- Denn die ausgefallenen deutreich über ihre Grenzen. Frank- schen Mengen würden durch zureich seinerseits boykottiert nach rückgehende Ausfuhren österreiwie vor britisches Beef − obwohl chischen Fleisches nach Italien
das EU-Embargo lange aufgeho- ersetzt. Zumal die meisten der
ben ist. Von einheitlichem EU- von Deutschland nach Österreich
Krisen-Management ist also nicht
zu reden. Die Angst
vor BSE siegt über
den Gemeinschaftsgedanken.
„Auch in unseren
so friedlichen Regionen geht die Angst
um“,
fasste
die
„Kronenzeitung“ die
Stimmung in Österreich angesichts der
neuen BSE-Fälle im
benachbarten
Deutschland zusammen. „Wenn es zu
flächendeckenden
BSE-Tests in Österreich kommt, sind
böse Überraschungen nicht mehr auszuschließen“, haben
Veterinäre in Tirol
bereits gewarnt.
Die Angst vor der
Infizierung
aus
Deutschland ist vor
allem in den Grenzregionen stark zu
spüren. So zum Beispiel im Kleinen „Trudchen, Hamlet in aktueller Form!“
Walsertal (Bundesland
Vorarlberg),
das wegen seiner Lage und der gebrachten Lebendrinder geErreichbarkeit nur über Oberst- schlachtet und als „Viertel“ und
dorf an das deutsche Wirtschafts- „Hälften“ wieder außer Landes
gebiet angeschlossen ist. Dort ist gebracht wurden.
Und dennoch. Die Verbraucher
der Import von lebenden Rindern
und von Rindfleisch besonders sind verunsichert. So laufen die
groß − und der Verkauf von Rind- Telefone der Wiener Lebensmitfleisch in den Metzgereien prak- tel-Untersuchungsanstalt heiß.
tisch zum Erliegen gekommen. „Mein Kind war letztes Jahr in
Eine ähnliche Lage bietet sich im England. Hat es jetzt BSE?“, ziTiroler Bezirk Reutte, der ge- tierten die „Salzburger Nachrichspannt ins Allgäu jenseits der ten“ einen besorgten Anrufer.
Unterdessen haben die ÖsterGrenze blickt.
Österreich „produziert“ erheb- reicher ihren Speiseplan für
lich mehr Rindfleisch, als die Bür- Weihnachten umgestellt. „Der
ger essen. Diese „Selbstversor- Karpfen hat Saison“, heißt es ergungsquote“ liegt bei 140 Pro- freut bei den niederösterreichizent. Dennoch wurden im letzten schen Fischzüchtern. Schon
Jahr 22 352 Rinder im Wert von macht in Anspielung auf das vom
rund 270 Millionen Schilling römischen Dichter Horaz gepräg(knapp 39 Millionen Mark) aus te Lebensmotto „Carpe diem“
Deutschland eingeführt. Damit (übertragen: Genieße den Augenlieferte der große Nachbar 90 blick) der verballhornte WerbeProzent aller „Lebendimport- slogan „Karpfe diem“ die Runde.
Rind- auf Schweinefleisch ausweichen könne. Das Thema werde sogar bereits von vielen islamischen Geistlichen in ihren Predigten angesprochen. Derzeit
bleibe gläubigen Muslimen nur
übrig, „viel Hähnchen und Truthahn sowie Lammfleisch“ zu essen. Auch bei dem beliebten Döner werde zunehmend Putenfleisch verwendet.
Sogar den bayerischen Tierparks macht die stark gesunkene
Rinder-Schlachtquote zu schaffen. Es fehlt den Zoos an Futter
für ihre Raubkatzen. „Wir können
nicht einfach auf anderes Fleisch bei der
Fütterung umstellen“, sagte die stellvertretende Direktorin des Augsburger
Zoos. Zwei bis drei
Kühe in der Woche
benötigt der Tierpark nach Angaben
von Brigitte Gorgas,
um den Hunger seiner 15 Großkatzen
zu stillen. Alternativen zum Rind gebe
es bei der Fütterung
kaum.
Schweinefleisch sei für die Löwen und Tiger tabu,
da es für Raubkatzen gefährliche Erreger enthalten könne. „Wir können die
Tiere leider nicht
auf Salat oder Katzenfutter aus der
Dose
umstellen“,
sagte Gorgas.
Die deutsche Lederindustrie
Karikatur: SCHOENFELD
schließlich befürchtet einen weiteren
ralsekretär des hessischen Bau- Anstieg der Lederpreise und eine
ernverbandes, Paul Kuhlmann. Gefährdung von Arbeitsplätzen
„Das läuft auf eine doppelte Be- in der Branche. Wenn die
Schlachthöfe weiter auf einem so
strafung hinaus.“
Die Molkereibetreiber freuen niedrigen Niveau schlachteten,
sich dagegen über die unerwarte- sagte der Geschäftsführer des
ten Milch-Übermengen. „Im Mo- Verbandes der deutschen Lederment sind wir über jedes Kilo industrie, Reinhard Schneider.
Rohstoff froh“, sagt Winfried Einige Betriebe hätten bereits mit
begonnen.
In
Meier vom Milchindustrie-Ver- Kurzarbeit
band. Wie bereits bei den vergan- Deutschland gibt es 30 größere
genen Fleischkrisen verkaufe Lederfabriken mit rund 3500 Besich zum Beispiel Käse sehr gut. schäftigten. Vor allem die Auto„Die Leute müssen ja etwas essen und die Möbelindustrie seien auf
und greifen auf Milchprodukte großflächige Ledersorten angewiesen, die nur in Europa und
zurück“, sagt Meier.
Die BSE-Krise sorgt auch bei den USA hergestellt würden. In
den Muslimen in Deutschland für Frankreich, wo die BSE-Krise
große Aufregung. Der Vorsitzen- schon seit längerem die Lederde des Islamrates, Hasan Özdo- herstellung beeinträchtigt, leidet
gan, sagte gestern in Bonn, Musli- die Branche seit mehreren Moname seien durch die BSE-Krise ex- ten unter Lieferengpässen. Die
trem stark betroffen, da man aus Preise für Lederkleidung und Acreligiösen Gründen nicht von cessoires stiegen drastisch an.
HA Hamburg − Die BSE-Krise
führt nicht nur zu einem Absatzeinbruch bei Rindfleisch, sondern
stört auch das ausgefeilte Quoten- und Prämiensystem in der
Landwirtschaft. So muss ein Bauer eine empfindliche Strafgebühr
zahlen, wenn er seine Kühe derzeit nicht verkaufen kann und
deshalb mehr Milch als geplant
produziert. Überschreitet er dadurch auch die zulässige Höchstzahl an Tieren pro Hektar, drohen Prämienverluste. „Es brennt
an allen Ecken“, sagt der Gene-
IM GESPRÄCH
Rosengarten
Rosengarten − die niedersächsische
Gemeinde südlich der Elbe vor den
Toren Hamburgs liegt inmitten einer
Hügellandschaft über dem Elbstromtal. Rosengarten ist ein bevorzugtes
Wohngebiet für großstadtmüde Hanseaten, vor allem für junge Familien.
Auch Schlagerproduzent Dieter Bohlen errichtete hier sein Domizil. Siebzig Prozent der Pendler arbeiten in
Hamburg.
Der Ort ist mit 13 500 Einwohnern,
die auf 6000 Hektar Fläche leben,
recht überschaubar. Unter Landschaftsschutz stehen zwei Drittel der
Fläche, darunter der Hochwildschutzpark Schwarze Berge, der
Forst Rosengarten − Namensgeber −,
ein Mischwald mit Schluchten, höchste Erhebung 155 Meter. Rosengarten
ist ein bekanntes Naherholungsgebiet mit einem engen Netz von Wanderwegen. Seit zehn Jahren regiert
die SPD in Koalition mit den Grünen
und der Wählergemeinschaft. Genauso lange amtiert Dietmar Stadie (SPD)
als Bürgermeister.
vlcor
Nachrechnen beim
Weihnachtsgeld
ddp Hamburg − Die IG Metall empfiehlt den Beschäftigten des Tischlerhandwerks in Norddeutschland, das
Weihnachtsgeld in diesem Jahr genau nachzurechnen. Es bestünden
Befürchtungen, dass einige Tischlermeister versuchen werden, ihren Angestellten weniger Weihnachtsgeld zu
zahlen, als ihnen rechtlich zusteht.
Bis Ende 1999 seien die Beschäftigten des Tischlerhandwerks durch die
Gewerkschaft Holz und Kunststoff
(GHK) vertreten worden. Anfang
2000 habe sich die GHK mit der IG
Metall zusammengeschlossen. Die
Arbeitgeber hätten diesen Wechsel
des Tarifpartners genutzt, um die Tarifverträge zu verschlechtern, hieß
es. Sie hätten mit „Pseudogewerkschaften“, die nicht über Mitglieder
im Tischlerhandwerk verfügen, einen
Tarifvertrag über ein 13. Monatseinkommen abgeschlossen, der eine
deutliche Kürzung des Weihnachtsgeldes vorsehe.
Nach den alten Verträgen erhalte
ein Tischler 75 Prozent eines effektiven Monatsverdienstes als Weihnachtsgeld, nach den neuen „PseudoTarifverträgen“ nur noch 120 tarifliche Stundenlöhne. Übertarifliche
Verdienste, Leistungszulagen und
Überstunden sollen danach nicht
mehr berücksichtigt werden. Das
könnte mehrere Hundert Mark ausmachen, so die Gewerkschaft.
Aha!
„Vorschlag für eine Entscheidung des
Rates zur Änderung der Entscheidung der Kommission vom 3. Mai
2000 zur Ersetzung der Entscheidung
94/3/EG der Kommission über ein Abfallverzeichnis gemäß Artikel 1 Buchstabe a) der Richtlinie 75/442/EWG
des Rates über Abfälle und der Entscheidung 94/904/EG des Rates über
ein Verzeichnis gefährlicher Abfälle
im Sinne von Artikel 1 Absatz 4 der
Richtlinie 91/689/EWG des Rates
über gefährliche Abfälle.“
Aus der Tagesordnung der heutigen Sitzung
des Bundesrats, der letzten in diesem Jahr.
Verleger: Axel Springer (1985†)
Chefredakteur: Peter Kruse
Stellvertretende Chefredakteure:
Jürgen Eckardt, Menso Heyl,
Hans-Jörg Wiedenhaus
Chefs vom Dienst:
Günter Meisling, Peter Meyer; Horst Gleich (Technik)
Verantwortlich für den Inhalt: Politik: Holger Dohmen,
Stellv. Egbert Nießler, Thomas Frankenfeld, Dr. Ruth
Kastner (Reportage). Chefreporter: Jens MeyerOdewald. Berliner Redaktion: Andreas Thewalt, Barbara Möller, Ulrike Brendlin. Europa: Marlies Fischer.
Korrespondent: Frank Ilse. Norddeutschland: Michael
Kluth. Hamburg: Menso Heyl, Matthias Pützstück, Stellv.
Markus Arndt, Ralph-Andre´ Klingel-Domdey, Stephan
Steinlein. Wirtschaft: Hans-Jörg Wiedenhaus, Korrespondenten: Daniela Stürmlinger, Rolf Zamponi. Feuilleton: Helmut Söring, Stellv. Ricarda Främcke. Fernsehen:
Karin Franzke. Sport: Jan Haarmeyer, Stellv. HansEckart Jaeger, Reporter: Dieter Matz, Rainer Grünberg.
Aus aller Welt: Lola Poulakos. Wochenend-Journal und
Hamburg Live: Hans-Juergen Fink, Irene Jung, Jörg
Malke. Von Mensch zu Mensch: Renate Schneider. Wissenschaft: Berndt Röttger. Extra-Journale: Petra Helmensdorfer, Stellv. Mark Hübner. Fotos: Hans Wacker. Auto:
Berndt Masuhr. Reise und Touristik: Ludwig Krüger. Gestaltung: Michael Schmitz. Layout: Rüdiger von Schütz.
Grafik: Rainer Michaelis. Leserbriefe: Jutta Wernicke.
Hamburger Abendblatt online. Verantwortlich: Claus
Herch. Internet-Adresse: www.abendblatt.de
Das HA wird als Zeitung und digital vertrieben und ist im
Internet recherchierbar. Alle Rechte vorbehalten.
Text- und Nachrichtensysteme: Heinz Blum
Produktion: Otto Ninnemann
Vertriebsleiter: Hans-Jürgen Gut
Anzeigenleiter: Peter Müller
Verlagsgeschäftsführer: Michael Meyer-Böhm
Verlag: Axel Springer Verlag AG,
20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1.
Tiermehl aus Napoleons Zeiten
urde bisher geglaubt, die
Verfütterung von Tiermehl
W
sei eine Erfindung des 20. Jahr-
Aufschlussreiches
Tagebuch: der französische Dichter Victor Hugo.
Foto: AKG
<>
Nr. 298
hunderts, eine, die mit industrieller Tierhaltung und dem schnellen Geld zu tun habe, belehrt uns
der französische Dichter Victor
Hugo (1802−1885) eines besseren. Der Gegner Napoleons III.
beschreibt in seinen Tagebüchern, die den Zeitraum zwischen 1846 und 1848 umfassen,
eine gespenstische Szene:
„Englische Zeitungen“, so
schreibt Hugo „berichten, dass in
Seite 2
2
Hull mehrere Millionen Scheffeln
menschlicher Gebeine vom Kontinent angekommen sind. Diese
Gebeine, die mit Pferdekadavern
vermischt sind, wurden auf den
Schlachtfeldern von Austerlitz,
Leipzig, Jena, Friedland, Eylau
und Waterloo gesammelt. Danach wurden sie nach Yorckshire
transportiert, wo man sie zu Puder zermahlen hat, das dann wieder nach Duncaster geschickt
wurde, wo es als Mastfutter verkauft wurde. Auf diese Weise
wurden die letzten Überreste der
Schwarz
E-Blau
E-Rot
Siege des Kaisers an englische
Kühe verfüttert.“ (Quelle: Gesamtausgabe Victor Hugo, Journal de chaque jour, Band VII, Seite 916 am 5. Dezember 1847).
BSE, Rinderwahnsinn − alles
viel älter als bisher angenommen? Erinnern wir uns. In Großbritannien trat die Seuche zuerst
auf, jetzt hat sie auch den Kontinent nicht länger verschont. Wenigstens werden heute Schlachtfelder durch Schlachthäuser ersetzt. Aber das ist nur ein kleiner
Trost.
H.D.
E-gelb
Druck: Axel Springer Verlag AG, Hamburg und Ahrensburg. Erscheint 6mal wöchentlich werktags. Inlandpreise: Frei Haus monatlich 32,10 DM (einschl. 2,10 DM
MWSt.). Das Bezugsgeld ist zu Beginn des Liefertermins
zahlbar. Bei Nichtbelieferung ohne Verschulden des
Verlages oder infolge von Störungen des Arbeitsfriedens bestehen keine Ansprüche gegen den Verlag. Für
unverlangt eingesandtes Material keine Gewähr. Gesamtausgabe: Anzeigenpreisliste Nr. 54, Wirtschaftsraumkombination: Anzeigenpreisliste Nr. 25.
Telefon (040) 347 00
Telefax Redaktion: (040) 34 72 61 10
Telefax Foto-Redaktion: (040) 34 72 64 62
E-Mail Redaktion: briefe@abendblatt.de
Vertrieb: (040) 33 39 40 11
Telefax Vertrieb: (040) 34 71 31 71
E-Mail Vertrieb: vertrieb@abendblatt.de
Anzeigen: (040) 35 10 11
Telefax Anzeigen: (040) 34 72 63 28
E-Mail Anzeigen: anzeigen@abendblatt.de
Anschrift nur für Chiffre-Zusendungen:
Hamburger Abendblatt, Brieffach 3333, 20350 Hamburg
E-Mail Chiffre-Angebote: chiffre@abendblatt.de
L
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
12
Dateigröße
107 KB
Tags
1/--Seiten
melden