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KUN D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
D 2,20 E URO
F R E I TAG , 24. OKTOBER 2 014
KOMMENTAR
Zippert zappt
Der russische
Rubel verliert
rasant an Wert
S
THEMEN
Sanktionen gegen
Russland wirken
Tiefergelegt in Usbekistan
Es ist ein weiteres Kapitel in einer unendlichen Pannenserie: Die
Bundeswehr versucht seit vier Monaten vergeblich, einen im Juni
mit Triebwerkschaden notgelandeten NH90-Transporthubschrauber aus Termez in Usbekistan wieder nach Deutschland zu bringen.
Nächste Woche beginnt der nächste Bergungsversuch – mit ungewissem Ausgang. Aus dieser Havarie hat die Bundeswehr Konsequenzen gezogen: Die komplette NH90-Flotte wird überprüft und
ist nur unter strengen Auflagen einsatzfähig. Für den Heimatbetrieb
Seite 5
reicht das, nicht aber für Auslandsmissionen.
„Wir lassen uns nicht von
Terroristen einschüchtern“
Bundestagspräsident Norbert Lammert ruft nach Anschlag in Kanada zur
Verteidigung der Freiheit auf. Täter von Ottawa galt als Sicherheitsrisiko
Sport
Plötzlich ist
Lukas Podolski
bei Arsenal
unersetzlich
Seite 18
Feuilleton
In Großstädten
werden Bürotürme
zu Wohnungen
umfunktioniert
Seite 21
Wirtschaft
Auf welchen Inseln
sich die Reichen
wohlfühlen
N
ach dem Anschlag auf das
kanadische Parlament in Ottawa mit zwei Toten hat
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) dazu
aufgerufen, Demokratie und Freiheit weltweit zu verteidigen. Der Angriff habe „auch
allen liberalen und demokratischen Gesellschaften“ gegolten, schrieb Lammert in einem Solidaritätsbrief an den Präsidenten
des kanadischen Unterhauses, Andrew
Scheer. „Unsere gemeinsame Haltung
bleibt deshalb klar und fest: Wir werden
uns nicht von Terroristen einschüchtern
lassen“, heißt es in dem Schreiben. „Wir
werden wachsam bleiben und wir werden
unsere Werte, unsere Freiheit und unsere
Demokratie verteidigen“, betonte Lammert. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des getöteten Soldaten und bei
den Verletzten.“
Auch Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über
den Anschlag. „Wir fühlen mit denjenigen,
die Angehörige verloren haben“, sagte er
während seines Aufenthalts in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Er hoffe, dass der
Anschlag schnellstmöglich aufgeklärt werde. Der Attentäter soll der 32-jährige Michael Zehaf-Bibeau sein, der am Mittwoch im
Regierungsviertel einen Soldaten erschoss
und später selbst durch die Kugel eines Sicherheitsmannes im Parlament starb. Der
mehrfach vorbestrafte Zehaf-Bibeau sei in
Kanada geboren und aufgewachsen, habe
aber auch einige Zeit in Libyen verbracht,
hieß es. Ein Freund berichtete gegenüber
der kanadischen „Globe and Mail“, der
Mann habe sich „vom Islam angezogen“ ge-
fühlt. Zudem beschrieb er ihn als „geisteskrank“, weil er überall in der Welt den Teufel am Werk gesehen hätte. Der Mann sei
erst kürzlich als „Reisender mit hohem Sicherheitsrisiko“ eingestuft worden, berichtete die Zeitung. Er soll außerdem auf einer
Liste von 90 Personen stehen, die wegen
Terrorgefahr beobachtet würden.
Premier Stephen Harper, der sich zum
Zeitpunkt des Anschlags im Parlament befand, nannte die Tat „brutal und gewalttätig“. Während einer Fernsehansprache
kündigte er ein stärkeres Engagement im
Kampf gegen den internationalen Terrorismus an. Kanada lasse sich nicht einschüchtern, sagte er. Harper war nach den ersten
Schüssen sofort in Sicherheit gebracht
worden. US-Präsident Barack Obama rief
zur Wachsamkeit angesichts der Attacke
auf. Die US-Botschaft in Ottawa wurde geschlossen, und die Sicherheitsvorkehrungen am Grab des Unbekannten Soldaten
auf dem Nationalfriedhof Arlington bei
Washington wurden verstärkt. Es war der
zweite Anschlag in Kanada in dieser Woche. Am Montag hatte ein mutmaßlicher
Islamist zwei Soldaten mit einem Auto
überfahren. Ein Soldat starb, der Täter
wurde erschossen.
KEINE GEFÄHRDUNG
Das Attentat im kanadischen Ottawa hat
vorerst keine Auswirkungen auf die
Sicherheitslage in Deutschland. Das
Innenministerium versicherte, derzeit
habe man keine Hinweise auf konkrete
Anschlagsplanungen oder einen bevorstehenden Anschlag. Es gebe lediglich
eine „abstrakt hohe Gefährdung“, weil
das Land im Fokus des dschihadistischen
Terrorismus stehe. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht keinen Anlass zur
Sorge. „Es gibt eine gute Erkenntnislage
durch unsere Nachrichtendienste“, sagte
der Vorsitzende Rainer Wendt dem
Fernsehsender n-tv.
Siehe Kommentar und Seite 6
Seite 4
forum@welt.de
Seite 13
Grüne sind
unzufrieden mit
Fraktionsduo
Göring-Eckardt und
Hofreiter droht das Aus
BERLIN –
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Sie wollte nur ein paar Chicken Wings
welt.de/ebook
Aus Liebeskummer verbrachte eine Chinesin eine Woche in einer Fast-Food-Filiale
Seite 15
Punkte
K
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Dax
EURO
Kanada
ist nah
Bei den Grünen wächst die
Unzufriedenheit mit der Spitze. „Es
gibt eine gewisse Spannung“, heißt es
in der Führung der Grünen-Bundestagsfraktion. „Bei einigen macht sich
so etwas wie Vorfreude bemerkbar“,
sagt ein Fraktionskollege aus der
zweiten Reihe. Die Unzufriedenheit
mit dem Führungsduo aus Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ist
inzwischen so groß, dass eine Auswechslung der beiden Fraktionsvorsitzenden im Herbst nächsten Jahres
hinter den Kulissen bereits durchgespielt wird. Göring-Eckardt ist vielen
zu blass und kühl geblieben, auch zu
beliebig in ihren Positionen. Bei Hofreiter stören sich viele an seinem ungelenken Auftreten. Als größter Konkurrent des Bayern gilt Finanzexperte
Gerhard Schick, der dem linken Parteiflügel angehört und den Fraktionsvorsitz schon länger anstrebt. Für Göring-Eckardt könnte Britta Haßelmann das Ruder übernehmen. Die
Parlamentarische Geschäftsführerin
wird wegen ihrer ausgleichenden Art
in beiden Lagern geschätzt.
Mit Russlands Währung geht
es bergab. Seit Monaten fällt der Wert
des Rubel im Vergleich zum Euro immer tiefer. 100 russische Rubel waren
am Donnerstag nicht einmal mehr
1,90 Euro wert. Gegenüber dem Dollar
ist der Wertverlust noch größer. Lange musste man rund 30 Rubel für einen Dollar geben, inzwischen sind dafür rund 42 Rubel fällig. Mittlerweile
wird der Verfall des Wechselkurses für
die Wirtschaft des Landes zu einem
Problem. Denn mit dem Fall des Rubel sinken auch die Einnahmen aus
dem Verkauf von Erdöl ins Ausland,
einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Gleichzeitig jedoch
macht die schwache Währung Importe teuer. Die innovationsschwache
Wirtschaft des Landes aber ist auf
Hightechprodukte aus dem Ausland
angewiesen. Putin hat es – anders als
versprochen – nicht geschafft, Russland weniger abhängig vom Rohstoffverkauf zu machen. Als Grund für den
Verfall der Währung nennen Experten
vor allem den Konflikt um die Ukraine, verbunden mit den Sanktionen
des Westens gegen Moskau. ams
Seite 12
DAX
C LE ME N S WE RGIN
anada ist Europa in vielerlei
Hinsicht ähnlicher als dem großen Nachbarn USA. Das Land
hat eine dreimal niedrigere Mordrate
als die Vereinigten Staaten, Schusswaffen sind ein viel kleineres Problem. Auf dem Rasen vor dem Parlament spielen Bürger gerne Frisbee,
und kanadische Politiker kommen in
der Regel ohne Sicherheitspersonal
aus. Man hält sich viel zugute auf eine
Kultur der zivilen Gelassenheit.
Diese Gelassenheit wurde am Mittwoch empfindlich erschüttert. Der
Angriff auf das kanadische Parlament
und der Mord an einem Soldaten –
das war auch ein Schlag gegen Kanadas Kultur der Offenheit. Das zerstört
die Illusion, die Kanada wie viele europäische Nationen pflegte, dass man
zu den Unschuldigen in der Weltpolitik gehört und deshalb die Internationale der Radikalen weniger zu fürchten habe als Amerika, das durch seine
Macht und sein globales Engagement
zum wichtigsten Hassobjekt der Islamisten wurde. Es war der zweite tödliche Anschlag von zum Islam konvertierten Kanadiern in nur 48 Stunden.
Beiden Attentätern hatten die kanadischen Behörden die Pässe entzogen,
weil sie vermuteten, sie könnten in
den Nahen Osten reisen und sich dort
radikalen Kräften anschließen.
Noch weiß man zu wenig über den
Hintergrund des zweiten Attentäters
und darüber, welche Verbindung es
zwischen beiden Taten gibt. Der wahrscheinlichste Zusammenhang besteht
in der Ideologie des radikalen Islamismus, wie ihn al-Qaida und der IS verkörpern, in deren Todeskult der Mord
an Andersgläubigen und Andersdenkenden eine lobenswerte Tat ist. Ein
IS-Sprecher hatte vor einem Monat explizit zum Mord an Kanadiern und an
anderen Westlern aufgerufen. Offenbar
gibt es unter den Verlierern in westlichen Gesellschaften immer wieder instabile Charaktere, die diesen Aufrufen
Folge leisten. Was nun in Kanada passiert ist, kann auch in Europa geschehen. Und als Täter kommen nicht nur
im Kampf geschulte Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak infrage.
Der Siegeszug des IS in Syrien und
im Irak hat zweifelsohne eine neue
Welle dschihadistischer Begeisterung
ausgelöst. Wir werden damit abermals
in eine Konfrontation mit dem radikalen Islam gezwungen, auch wenn
westliche Gesellschaften dieses Konfliktes längst müde geworden sind.
Kanadas Reaktion auf das Attentat
entsprach seinem Selbstbild: jetzt
bloß keine drastischen Maßnahmen,
die die kanadische Zivilität bedrohen
könnten. Doch wer sich diese Zivilität
erhalten will, der darf es Terroristen
nicht so leicht machen wie die Kanadier, ins Herz unserer Demokratien
vorzustoßen. Nur wer wachsam ist
und vorbereitet, wird der islamistischen Bedrohung mit Gelassenheit
begegnen können.
BERLIN –
PA/DPA/PETER STEFFEN; AP PHOTO/GEERT VANDEN WIJNGAERT
tromkonzerne müssen
ihre Kunden vor Preiserhöhungen genau über
die Gründe informieren. Das
hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Die Energieversorger sollten jetzt also die
Karten auf den Tisch legen
und den Verbrauchern die
Wahrheit sagen: „Sehr geehrter Kunde, wir müssen
demnächst die Preise ziemlich
stark erhöhen, weil unsere
Anleger eine höhere Rendite
wünschen. Kaufen Sie sich
doch auch ein paar E.on-Aktien, dann profitieren Sie
sogar von der Tariferhöhung.“
Man kann es natürlich noch
ehrlicher ausdrücken: „Wir
brauchen demnächst mehr
Geld von Ihnen, weil unser
Vorstandsvorsitzender sich
nach 30 Jahren Ehe von seiner
Frau getrennt hat und jetzt
mit diesem jungen Ding zusammen ist, Sie können sich
bestimmt vorstellen, was das
kostet.“ Oder auch: „Leider
müssen wir Ihren Bezugspreis
um 35 Prozent anheben, denn
es wird für uns immer schwieriger und aufwendiger, den
Strom aus unseren großen
Kraftwerken in diese dünnen
Leitungen zu zwängen, die mit
Ihren Steckdosen verbunden
sind. Wir können Ihnen aber
ein exklusives Treueangebot
machen – für Selbstabholer
bleibt der Preis unverändert.“
B **
Wir twittern
live aus dem
Newsroom:
twitter.com/welt
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oder Tablet. Attraktive Angebote finden Sie
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neuesten Tablets auf welt.de/bundle
W
enn man sitzen gelassen wird, kann einen der Liebeskummer verrückt machen. Zumindest eine Zeit lang.
Meistens helfen Pizza, Eis und Freunde, die einen
wieder aufbauen. Was nicht hilft: allein sein.
So ähnlich ging es der Chinesin Tan Shen aus Chengdu. Die
26-Jährige litt an gebrochenem Herzen, nachdem ihr Freund
Schluss gemacht hatte. „Ich wollte nicht zurück in meine Wohnung gehen, weil mich alles an ihn erinnerte“, zitiert die britische
„Metro“ Tan Shen. Deshalb blieb sie einfach dort sitzen, wo sie
gerade war – in ihrem Fall eine Filiale des Fast-Food-Restaurants
von Kentucky Fried Chicken (KFC). „Ich fühlte mich miserabel.“
Eine Woche verbrachte sie bei KFC, saß allein am Tisch, um sich
von der Trennung zu erholen. „Ich hatte nicht geplant, so lange
zu bleiben, ich wollte bloß ein paar Chicken Wings“, sagt sie.
„Aber als ich anfing zu essen, habe ich bemerkt, dass ich mehr
Zeit brauche.“ Die Mitarbeiter hatten den Dauergast zunächst gar
nicht bemerkt. „Wir arbeiten hier in Schichten, und das Res-
taurant ist 24 Stunden am Tag auf, deshalb kommen viele Leute
rein“, sagte Kellnerin Jiang Lilung. „Aber nach ein paar Tagen
kam sie uns irgendwie bekannt vor.“ Schließlich machten sich die
Kollegen Sorgen um die traurige Kundin, die nie die Filiale verließ. „Als wir fragten, ob alles in Ordnung sei, antwortete sie, sie
brauche bloß etwas mehr Zeit zum Nachdenken. Und bestellte
dann noch eine Box mit Chicken Wings und extra langen
Pommes.“ Man habe sie nicht weiter belästigt, sie sei zahlende
Kundin, wenn auch eine etwas seltsame.
Nach einer Woche war plötzlich Schluss, Tan Shen stand auf
und ging. Einfach so. „Ich war den Geschmack von Hühnchen
leid“, sagte sie. Außerdem habe sie genug nachgedacht und eine
wichtige Entscheidung getroffen: „Ich habe beschlossen, dass es
das Beste ist, die Stadt zu verlassen und zurück zu meinen Eltern
zu ziehen.“ Ein bisschen traurig sind nun die KFC-Mitarbeiter:
„Ich glaube, wir werden sie vermissen. Sie hat die Arbeit irgendwie interessanter gemacht.“ kami
DIE WELT, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, Redaktion: Brieffach 2410 Täglich weltweit in über 130 Ländern
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248-43
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