close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Bootcamp – oder was - bei der Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg

EinbettenHerunterladen
Kinder- und Jugendhilfe
Hünenburg
Ev.-luth. Stiftung Hünenburg
Melle - Riemsloh
Neues von Unterwegs
Von uns – mit uns – über uns
Ausgabe No. 17 ● Frühjahr 2011
Editorial
3
• T. Brodhuhn
Leben im „Haus Engelgarten“
4
Die AWG LOGO in Melle
• B. Thye
Haus Kellenberg
6
Freizeit- und Bildungsstätte
Generation Suff
7
Zum Alkoholkonsum von Jugendlichen
• S. Gövert
Wir gratulieren und danken!
13
Dagmar Feller begeht 30jähriges Dienstjubiläum
„Mein inneres Kind vergisst nichts!“
Impressum
14
Body-Talk-Sitzungen
• I. Griese
Herausgeber:
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Ev.-luth. Stiftung Hünenburg
Redaktion & Layout: Thomas Brodhuhn
Seite 1
Fotos im Heft:
Thomas Brodhuhn, Thomas Lempert,
Alexandra Lüders, Christian Vakonic,
privat
Fotos Inhaltsverzeichnis:
Alkoholkonsum: © Markus Bormann Fotolia.com / Herzen: © Galyna Andrushko - Fotolia.com / Experten: © Melse Fotolia.com / Verantwortung: © Marem Fotolia.com
Burglogo: Heiko Heise-Grunwald
Foto Front:
© OutStyle - Fotolia.com
Druck:
Gemeindebriefdruckerei
Martin-Luther-Weg 1
29393 Groß Oesingen
Inhalt
Neue finden – Bewährte halten
16
Zur Diskussion um den Fachkräftemangel
• T. Brodhuhn
Bundesfreiwilligendienst ab Juli 2011
20
Aussetzung der Wehrpflicht bedeutet Aus für Zivis
• A. Sokolowski
Gewaltprävention statt Suspendierung
22
Neues Programm an der Ferdinand-Rohde-Schule
• K.-J. Alder-Meyer & C. Schimmel
Kindern in der Region effektiver helfen
24
Jugendhilfe gründet Trägerverbund Nord
• A. Lüders
Weihnachten fällt aus
26
Weihnachtsmusical auf der Hünenburg
Nr. 17 Januar 2011
© Hünenburg 2011
Hätten Sie’s gewusst?
27
Ein kleines Quiz
Spendenkonto:
Sparkasse Melle
Kto.-Nr. 501 197
BLZ 265 522 86
Sag es Ihnen!
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
29
aus dem Inhalt
Generation Suff
7
Zum Alkoholkonsum
von Jugendlichen
„Mein inneres Kind
vergisst nichts!“
Zum therapeutischen
Einsatz von Body-TalkSitzungen
14
Seite 2
Neue finden –
Bewährte halten
Zur Diskussion um den
bevorstehenden Fachkräftemangel
16
Gewaltprävention
statt Suspendierung
Neues Programm an der
Ferdinand-Rohde-Schule
22
Editorial
Neues wagen!
Liebe Leserinnen und Leser des Rundbriefs,
liebe Freunde der Hünenburg,
ich freue mich, Sie an dieser Stelle zum ersten Mal in
meiner Funktion als Geschäftsführer der Kinder- und
Jugendhilfe Hünenburg begrüßen zu dürfen. Vieles
ist – Ihnen sicher nicht verborgen geblieben – in den zurückliegenden Monaten geschehen,
doch nicht umsonst ziert das Titelblatt dieser Ausgabe die Zahl des neu begonnenen Jahres
2011: Wir wollen nach vorne schauen und Neues wagen!
Der Kompass wurde neu justiert und die Segel gesetzt. Vielleicht ist es verfrüht und sicherlich
überzogen davon zu sprechen, dass nun die offene See vor uns liegt, doch sind etliche Klippen
umschifft und der Silberstreif am Horizont wird zunehmend deutlicher.
Seite 3
Bei allen Herausforderungen hat das vergangene Jahr jedoch auch bewiesen, dass die Hünenburg immer wieder in der Lage ist, selbst in schwierigsten Zeiten Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit zu garantieren. Dies ist nicht nur ein kostbares, sondern auch ein behutsam zu pflegendes Gut. So möchte ich mich nicht nur bei denen bedanken, die uns unterstützend und
freundschaftlich die Hand reichten, jenen, die uns unverändert ihr Vertrauen schenkten, um
im gemeinsamen fachlich qualifizierten Diskurs um die jeweils beste Lösung zu ringen, sondern auch und insbesondere bei den neuen und schon seit langem engagiert tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die unserer Arbeit ein Gesicht gaben und geben und Zuverlässigkeit und Kontinuität repräsentieren.
Auch das Jahr 2011 bringt neue Aufgaben, denen wir uns kraftvoll widmen wollen: Die bevorstehenden Umstrukturierungen auf Ebene unseres Spitzenverbandes, Tarifverhandlungen,
das gemeinsame Ringen um einen neuen Rahmenvertrag in Niedersachsen oder der Umbau
des nds. Landesamtes für Soziales, Jugend und Familie sind dabei nur einige Schlagworte.
Neben diesen übergeordneten Themen wollen und werden wir uns gemeinsam auch im Jahr
2011 mit Respekt vor den zurückliegenden Ereignissen, die uns richtungsweisende Mahnung
bleiben werden, mit hohem Verantwortungsbewusstsein und ungetrübter Fachlichkeit, denen
widmen, für die wir angetreten sind: Kinder, Jugendliche und deren Familien, die unserer
Unterstützung bedürfen und in uns verlässliche und ehrliche Beziehungspartner erwarten.
Schauen wir mutig und zuversichtlich in die Zukunft.
Ihnen und uns allen ein Glück bringendes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2011!
Thomas Brodhuhn
Geschäftsführer
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Leben im „Haus Engelgarten“
Die Außenwohngruppe LOGO in Melle-Mitte
Im Jahr 2011 wird die Kinderund Jugendhilfe Hünenburg
nicht nur 160 Jahre alt, darüber
hinaus leben inzwischen seit
mehr als 30 Jahren Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
im „Haus Engelgarten“ in MelleMitte. Die Außenwohngruppe
LOGO ist somit eine der ältesten Außenwohngruppen Niedersachsens.
Die Geschichte bzw. das, was die
geschriebene Geschichte betrifft,
gibt über das Gut Engelgarten nicht
gar so viel her: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erstand der
Amtsrentmeister Christian Friedrich Meyer am Südausgang von
Melle einige Bauernhöfe.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Aus ihnen schuf er dann in der
folgenden Zeit das Gut Engelgarten. Das zweistöckige Herrenhaus
wurde im Jahre 1767 von ihm und
seiner Frau Amalia Schroeder gebaut. Am 23. März 1786 kaufte er
von dem damaligen Amtsrentmeister Ferdinand Schmitmann die
zum Hause Walle gehörende Jagdund Fischereigerechtigkeit, die er
am 1. Mai 1786 mit landesherrlicher
Genehmigung auf Engelgarten
übertragen ließ.
Von den Geschwistern Schmitmann
erwarb er dann am 12. April 1787
das gesamte Gut Walle, das er aber
1880 wieder veräußerte. Dessen
Landtagsfähigkeit allerdings behielt
er sich vor, wohl in der Absicht, sie
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 4
auf Engelgarten übertragen zu lassen. Die dazu notwendige bischöfliche Genehmigung wurde am 19.
Februar 1801 erteilt.
Seite 5
Der Amtsrentmeister Meyer war
verheiratet mit der Amalie Schröder. Er starb im Oktober des Jahres
1805 und vererbte das Gut seinem
Sohne. Fünfundvierzig Jahre später,
1850, verkaufte dieser dann das Gut
Engelgarten an den Meller Bürgermeister Johann Friedrich Krogmann. Dieser starb am 17. Juli 1860.
Seine Witwe Caroline verkaufte
dann das Gut am 23. Oktober 1860
an Eduard Bückendorf – Meller
Bürgermeister – der mit Caroline
Helfer vermählt war.
Diese erbte es mit seinem Tode am
11. August 1877. Als diese dann am
1. Januar 1905 starb,
ging das Gut auf ihren
Sohn Georg Bückendorf
über. Wegen Erbteilung
veräußerte es dieser
dann am 1. Oktober
1905 an den Landwirt
Arnold Hoppenbrock.
Von Hoppenbrock ging
das Herrenhaus des
Gutes am 6. Oktober
1924 in den Besitz des
Kreises Melle über und diente zunächst als Verwaltungsgebäude.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Vor dem Hause sind die Namen
und Wappen der Erbauer angebracht mit der Jahreszahl 1767. Die
beiden rechtwinklig zum Herrenhaus stehenden Vorgebäude weisen
die Jahreszahlen 1787 auf, nebst
einem Wappen und dem Namen
C.F.Meyer. Engelgarten besaß infolge der erwähnten Übertragungen
die Landtagsfähigkeit und die Jagdund Fischereigerechtigkeiten des
Hauses Walle. Die Ländereien des
Gutes wurden im Laufe der Jahre
stückweise verkauft. Eigentümer ist
heute die Stadt Melle.
Das aufwendig renovierte Haupthaus
des Engelgartens ist zur Nutzung an
die Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg vermietet.
Autor: Bernd Thye
[Abdruck (nicht Kursives) erfolgt mit freundlicher Genehmigung]
Die Außenwohngruppe LOGO 2011:
Zuhause für Jugendliche und junge Erwachsene
ab 16 Jahren auf dem Weg in die Selbstständigkeit
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Freizeit- und Bildungsstätte
„Haus Kellenberg“
Das „Haus Kellenberg“, in ruhiger waldreicher Lage am Südhang des
Wiehengebirges gelegen, ist seit einer Schenkung im Jahr 1914 im Besitz
der Ev.-luth. Stiftung Hünenburg. Wurde das Haus früher als Außenwohngruppe der vollstationären Arbeit der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung genutzt, ist es seit inzwischen über zwei Jahrzehnten an den Ev.luth. Kirchenkreis Melle vermietet, der die Immobilie mit eigenem Zelt-,
Lagerfeuer- und Grillplatz und den angrenzenden Wald, der reizvolle Ausflüge in die Umgebung bietet, als Freizeit- und Bildungsstätte nutzt.
Das „Haus Kellenberg“ steht jugendpflegerischen Zwecken zur Verfügung
und dient der Fort- und Weiterbildung von Jugendlichen und Erwachsenen.
Neben verschiedenen Arbeitsansätzen mit Kindern,
Jugendlichen und Familien,
Mitarbeiterschulungen und
Seminaren, Lehrgängen und
Tagungen sowie Angeboten
zur Erholung, Entspannung
und Besinnung, war das
„Haus Kellenberg“ in den
zurückliegenden Jahrzehnten auch immer wieder Ziel
von Klassenfahrten (es sind
40 Betten vorhanden) und Konfirmandenfreizeiten, so dass sich viele Menschen aufgrund eigener Erfahrungen und Erlebnisse dem Haus verbunden
fühlen.
Hausanschrift
Kellenbergstraße 51
49328 Melle
Tel.: 05427 / 2 38
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Anmeldung
Kirchenkreisamt
Riemsloher Strasse 5
49324 Melle
Tel.: 05422 / 940 029
Fax: 05422 / 41 540
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 6
„Generation Suff“?
Zum Alkoholkonsum von
Jugendlichen
Alkohol ist neben Zigaretten immer
noch Alltagsdroge Nummer eins in
unserem Land. In weiten Teilen
unserer Gesellschaft ist sein Konsum akzeptiert. Ist gegen den bewussten und maßvollen Konsum
auch vielleicht nichts einzuwenden,
kann der Missbrauch von Alkohol,
gerade langfristig, zu schweren
physischen und psychischen Erkrankungen und sogar zum Tode
führen.
Seite 7
„Alkoholkonsum von Jugendlichen“ war in den letzten Jahren
immer wieder Thema in den Medien und in der Politik. Dargestellt
wurde stets, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen
habe und besonders in den letzten
Jahren in Exzessen wie dem „Komasaufen“ gipfelte. Aussagen wie
„Generation Vollrausch“ (Bild),
„Komasaufen bis der Arzt kommt“
(Berliner Tagesspiegel) oder „Nippen, kiffen, ausflippen – bis der
Spaß ertrinkt“ (Welt Online) bestimmten lange Zeit die Schlagzeilen der Printmedien.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Die Politik ist bemüht, auf verschiedenen Ebenen zu intervenieren, um dem vermeintlich zunehmend entgrenzten Alkoholkonsum
von Jugendlichen zu begegnen:
2004 beschließt der deutsche Bundestag gegen die Stimmen von Union und FDP, eine Sondersteuer
auf alkoholische Mix-Getränke auf
Schnapsbasis, im Volksmund auch
Alkopops genannt, zu erheben.
2007 erklärt der Bund-Länder-Ausschuss so genannte Flatrate-Partys
(Trinken für einen Festpreis) für
nicht zulässig. Die Bundesdrogenbeauftragte Bätzing fordert 2008 ein
Verbot des Alkoholverkaufs in
Tankstellen sowie ein Verbot von
Werbungen für Alkohol und lässt
Anfang 2009 die Möglichkeit einer
höheren Besteuerung von Bier und
Wein prüfen, um den Konsum so
drosseln zu können. Letzteres erweist sich – nicht zuletzt wohl angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl – als nicht umsetzbar.
Doch sind o.a. Schlagzeilen reiner
Populismus oder empirisch zu untermauern, was ein deutliches Vorgehens seitens der Politik legitimieren würde? Verschiedene Studien
der letzten vier Jahrzehnte zeigen
ein differenziertes Bild:
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Mit der „Drogenaffinitätsstudie Jugendlicher in der Bundesrepublik
Deutschland“ aus dem Jahr 2004 der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (im Folgenden einige Auszüge) soll der Konsum Jugendlicher
und junger Erwachsene im Alter zwischen zwölf und fünfundzwanzig
Jahren ermittelt werden. Ermittelt wurde, dass von 1973 bis 2001 der Konsum alkoholischer Getränke durch Jugendliche insgesamt rückläufig war.
Von 2001 bis 2004 stieg der Alkoholkonsum signifikant an, obwohl der
Konsum alkoholischer Getränke, bis auf den der alkoholischen Mixgetränke und dort insbesondere bei den Alkopops, weiter abnahm. Der Anstieg
war also auf die Einführung der Alkopops und den damit verbundenen
explosionsartig zunehmenden Konsum alkoholischer Mixgetränke durch
Jugendliche zurückzuführen.
1. Regelmäßiger Bierkonsum Jugendlicher (mind. einmal pro Woche):
Jahr
Prozent
1973*
48
1976*
48
1979
38
(38)
1982
34
(33)
1986
39
(32)
1989
37
(29)
1993**
31
(27)
1997
26
(23)
2002
22
(22)
2004
22
(21)
* 14-25jährige
( ) strukturbereinigtes
Ergebnis
** ab 1993 einschließlich
neuer Bundesländer
2. Regelmäßiger Weinkonsum Jugendlicher:
Jahr
Prozent
1973*
24
1976*
24
1979
17
(17)
1982
15
(14)
1986
14
(11)
1989
14
(11)
1993**
10
(9)
1997
10
(8)
2002
09
(8)
2004
09
(6)
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 8
3. Es trinken mindestens einmal pro Woche Spirituosen:
Jahr
Prozent
1973*
20
1976*
16
1979
09
(17)
1982
07
(14)
1986
05
(11)
1989
05
(11)
1993**
07
(9)
1997
05
(8)
2002
04
(8)
2004
05
(6)
4. Es trinken mindestens einmal pro Woche alkoholische Mixgetränke:
Jahr
1986
Seite 9
Prozent
10
(10)
1989
09
(8)
1993**
10
(10)
1997
07
(8)
2001
08
(9)
2004
16
(17)
Auch im Zeitraum von 2004 bis 2008
bleibt Alkohol die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz. Im Jahr
2008 geben 17,4 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn
Jahren an, regelmäßig alkoholische
Getränke zu konsumieren.
Damit sinkt der Konsum im Vergleich
zu 2004, als er bei 21,2 Prozent liegt, um
3,8 Prozentpunkte. Es sind weiterhin
deutliche Geschlechterunterschiede zu
erkennen. Im Folgenden Auszüge aus
der Drogenaffinitätsstudie aus dem Jahr
2008:
5. Regelmäßiger (mind. wöchentlicher) Alkoholkonsum bei 12- bis 17jährigen:
Jahr
2004
Prozent
(männlich/weiblich)
21,2 [16,1]
2005
18,6
[14,3]
2007
21.6
[16,2]
2008
17,4
[17,4]
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Der Konsum spirituosehaltiger Alkopops ist seit Einführung der Sondersteuer (AlkopopsStG) im Jahr 2004 und
verschiedener auf Alkohol ausgerichteter Präventionsmaßnahmen rückläufig.
So sank der Anteil Jugendlicher, die
einmal im Monat Alkopops konsumieren, von 28,4 Prozent 2004, auf 9,8 Prozent 2008. Die Alkopops sind die einzigen alkoholischen Getränke, deren
Konsum bei Frauen zeitweise höher lag
als bei Männern.
6. Häufigkeit des Konsums von spirituosehaltigen Alkopops
(mind. einmal pro Monat) bei den 12- bis 17jährigen:
Jahr
2004
Prozent
(männlich/weiblich)
28,4 [30,0]
2005
15,6
[17,7]
2007
10,4
[10,3]
2008
09,8
[ 8,5]
Rauscherfahrungen
Verschiedene Studien haben ergeben,
dass die erste Rauscherfahrung in der
Gruppe der Fünfzehnjährigen durchschnittlich mit 13,9 Jahren stattfindet.
Im Vergleich zu 2002 hat sich das Alter,
in dem die erste Rauscherfahrung erlebt
wird, nicht nennenswert verändert.
Jedoch rücken das Alter des ersten
Alkoholkonsums und der ersten Rauscherfahrung näher zusammen. Daraus
lässt sich schließen, dass die Jugendlichen schon kurz nach dem ersten Alkoholkonsum schon so viel Alkohol konsumieren, dass sie betrunken sind.
Außerdem ist der Unterschied im Alter
des ersten Alkoholrausches zwischen
den Geschlechtern, welcher 2002 noch
deutlich zu Tage trat, verschwunden.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Der o.a. sinkende Alkoholkonsum von
Jugendlichen seit 1973 bis zum Jahr
2001, welcher in der Drogenaffinitätsstudie gemessen wird, kann durch
neuere Studien nicht durchgängig bestätigt werden. Vielmehr wird ein stetiger Anstieg des Alkoholkonsums von
Jugendlichen festgestellt, der jedoch
spätestens ab dem Jahr 2004 einen deutlichen Rückgang erlebt und auf die
Einführung der Alkopop-Steuer sowie
die Sensibilisierung der Öffentlichkeit
zurückzuführen sein dürfte.
Alkoholvergiftungen
bei Jugendlichen
Einen weiteren Indikator für die Entwicklung des Alkoholkonsums von
Jugendlichen bietet die Zahl der Jugendlichen, welche pro Jahr aufgrund
übermäßigen Alkoholkonsums medizinisch behandelt werden müssen.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 10
Der Bundesdrogenbeauftragten Sabine
Bätzing zufolge werden immer mehr
Jugendliche und Kinder mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Sie spricht von einer erschreckenden Entwicklung bei der Zahl der
Zehn- bis Zwanzigjährigen, die eine
Alkoholvergiftung erleiden. Dies lasse
auf neue gefährliche Trinkmuster bei
den Jugendlichen schließen.
2007 landeten so viele Kinder und Jugendliche nach Alkoholexzessen in
deutschen Krankenhäusern wie noch
nie. 23.165 mussten deswegen stationär
behandelt werden, das sind 20 Prozent
mehr als im Vorjahr. So stieg die Zahl
der Fälle seit der Ersterhebung im Jahr
2000 mit 9.500 Fällen um 143 Prozent.
Seite 11
In der Altersgruppe der Zehn- bis
Fünfzehnjährigen werden im Jahr 2007
3.779 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen in Krankenhäuser
eingeliefert. Auch in dieser jungen
Altersgruppe, an die der Verkauf oder
die Abgabe von Alkohol verboten ist,
steigt die Quote um fünfzehn Prozent.
Erstmals sind in dieser Gruppe mehr
Mädchen als Jungen vertreten.
Resümee
Gerade die Boulevardpresse veröffentlicht relativ „reißerische“ Artikel zum
Thema Jugend und Alkohol. Aber auch
in den seriöseren Medien finden sich
häufig Artikel zum Thema Alkoholmissbrauch durch Jugendliche. Diese
sind aber meistens weniger emotional,
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
gehen sachlicher auf die Problematik
ein und lassen auch nicht unerwähnt,
dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen insgesamt rückläufig ist.
Die Lösung der Politik für das Problem
des Alkoholmissbrauchs durch Jugendliche besteht meist aus dem Erlassen
von oder dem Diskutieren über neue
Gesetze und Verordnungen. Einige
können sinnvoll sein, andere sind wohl
eher reiner Aktionismus. Aber auch
Präventionsmaßnahmen sind immer
wieder Thema in der Politik. Betonen
auch alle Parteien, das Beste für „unsere
Jugend“ zu wollen, ist doch auch erkennbar, dass stets auch die Interessen
der eigenen Wählerklientel im Hinterkopf sind und diese bei Entscheidungen
über Gesetze und andere Maßnahmen
mit ins Gewicht fallen. All diese Dinge
beeinflussen natürlich auch den Eindruck, den die Öffentlichkeit vom Alkoholkonsum der Jugend hat.
Insgesamt kann man sagen, dass durch
die überspitzte Darstellung in der Boulevardpresse und die Häufigkeit, in
denen das Thema in den Medien und
der Politik vorkommt, die Öffentlichkeit den Eindruck gewinnt, dass die
Mehrzahl aller Jugendlichen regelmäßig zu viel Alkohol konsumiert und
dass Unglücksfälle, in denen Jugendliche durch exzessiven Alkoholkonsum
zu Tode kommen, in ganz Deutschland
an der Tagesordnung sind. Dass dieses
Bild in weiten Teilen nicht der Realität
entspricht, zeigen die Ergebnisse diverser Studien, aus denen hervorgeht, dass
der Alkoholkonsum seit 2004 sinkt und
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
immer weniger Jugendliche regelmäßig
Alkohol konsumieren. Der Anstieg, der
seit Ende der 90er Jahre einsetzte und
bis 2004 anhielt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Einführung der
Alkopops zurückzuführen. Diese süßen
alkoholischen Mixgetränke sollten ganz
klar neue Konsumentengruppen erreichen. Der Erfolg, den die Alkoholwirtschaft damit erzielte, gab ihnen aus
ökonomischer Sicht Recht: So stieg
durch die Alkopops in hohem Maße der
Alkoholkonsum von jüngeren Jugendlichen und insbesondere Mädchen, also
Konsumentengruppen, die früher relativ wenig Alkohol tranken. Daher war
es seitens der Politik durchaus angemessen, die Sondersteuer auf Alkopops
zu erheben und vermehrt Präventionskampagnen durchzuführen. Die sinkenden Zahlen des Alkoholkonsums
bestätigen dies.
Was dagegen erschreckend ist, ist die
steigende Zahl der Kinder und Jugendlichen, die aufgrund von Alkoholvergiftungen in Krankenhäusern behandelt
werden müssen: Während der größte
Teil der Jugendlichen immer weniger
Alkohol konsumiert, neigt eine kleine
Minderheit zu massiven Trinkexzessen.
Aufgabe (nicht nur) der Politik wird es
sein, in den nächsten Jahren Strategien
gegen Trends wie z.B. das BingeDrinking zu entwickeln. Dass diese
nicht nur auf neuen Gesetzen beruhen
dürfen, sollte klar sein.
gendlichen auch im Gesamtkontext der
Sicht der Öffentlichkeit auf die Jugend
im Allgemeinen betrachtet werden.
Ich habe das Gefühl, dass das Bild der
Jugendlichen in den letzten Jahren
immer negativer wird. Natürlich „eckt“
die Jugend – wie auch früher – immer
wieder mit älteren Generationen an.
Doch die „heutige Jugend“ ist nach
Meinung anscheinend weiter Teile der
Bevölkerung dumm, faul, gewalttätig,
kriminell und praktiziert jedes Wochenende Komasaufen. Wenn in der
Boulevardpresse von Jugendlichen die
Rede ist, geht es meist um Alkoholexzesse, Gewalttaten, Amokläufe oder –
natürlich selbstverantwortete und nicht
etwa dem Bildungssystem geschuldete schlechte Pisa-Ergebnisse.
Seite 12
Hört man dann von Studien zu diesen
Themen sind die Ergebnisse völlig
anders, der Alkoholkonsum fällt, die
Jugendkriminalität fällt und viele Jugendliche neigen zu einer eher konservativen Grundeinstellung.
Es wird spannend bleiben, diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und
Fakten nicht nur weiter zu ergründen,
sondern auch in die Köpfe der Menschen zu tragen. Dieser Artikel ist hoffentlich ein Anfang.
Autor:
Stefan Gövert
Sozialpädagoge
Jungenwohngruppe Oldendorf
Meiner Meinung nach sollte die falsche
Wahrnehmung der Öffentlichkeit eines
steigenden Alkoholkonsums der JuKinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Wir gratulieren und danken!
Dagmar Feller begeht 30jähriges Dienstjubiläum
Seite 13
Im Kreis einiger Kolleginnen der Mädchenwohngruppe „Libellen“ in Melle-Buer:
Gruppenleiterin Dagmar Feller (Bildmitte) mit Sarah El-Dahshan, Elisabeth Timmermann,
Kathrin Thiemann, Katharina Schulz & Angela Wachholz-Zeller (v.l.)
Im Rahmen eines kleinen Empfangs im
Tagungsraum der Hünenburg beging
die Gruppenleiterin der Mädchenwohngruppe „Libellen“ am 01. Oktober
2010 ihr 30jähriges Dienstjubiläum.
Waren mit dem eigenen Team und den
Gruppenleitungen der anderen Wohngruppen der Einrichtung langjährige
Weggefährten eingeladen, nahmen
auch der Stiftungsvorsitzende, Superintendent Wolfgang Loos und Mitglieder
der Mitarbeitervertretung an der kleinen Feier teil.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Geschäftsführer Thomas Brodhuhn
würdigte nicht nur die vielzähligen
Leistungen Frau Fellers und überbrachte Blumen sowie ein herzliches Dankeschön, sondern beschrieb auch den Weg
der engagierten Sozialpädagogin, der
sie in fast alle Bereiche - inklusive Förderschule und Mobile Betreuung - der
Einrichtung führte, bevor sie 2003
Gruppenleiterin in Melle-Buer wurde,
wo seitdem äußerst erfolgreich bis zu
sechs Mädchen ab einem Alter von 13
Jahren Betreuung und Begleitung erfahren.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
„Mein
inneres
Kind
vergisst
nichts!“
Mitarbeiter der Jugendämter,
die zur Vorbereitung eines Hilfeplangespräches einen Bericht
von den Pädagoginnen des
Teams der Mädchenwohngruppe Sonnenblick erhalten, lesen
unter dem Oberpunkt Therapie
u.a.: „X. nimmt regelmäßig an
den Body Talk-Sitzungen teil.“
Body Talk? Was ist denn das?
Body Talk bedeutet frei übersetzt Körper-Gespräch.
Zum
therapeutischen
Einsatz
von
Body-TalkSitzungen
Unser Körper sagt uns, wer wir
sind. Von frühester Kindheit an hat
er die unterschiedlichsten Erfahrungen gespeichert - und er vergisst nie. Freude und Ärger, Sehnsucht und Geborgenheit, Liebe und
Enttäuschung hinterlassen Spuren
und werden im wahrsten Sinne des
© Olga Lyubkin - Fotolia.com
Wortes einverleibt. Das Resultat ist
die ganz eigene innere und äußere Haltung des Menschen, eine emotionale Anatomie, mit der er dem Leben begegnet. Nicht bewältigte Erlebnisse lassen dabei
einschränkende Muster entstehen und beeinträchtigen Lebendigkeit und Flexibilität. (S. Keleman)
Der australische Akupunkteur, Chiropraktiker und Philosoph Dr. John
Veltheim wurde in seiner Praxis mit den
Zusammenhängen zwischen körperlichen Einschränkungen und negativen
Emotionen konfrontiert.
Der Volksmund spricht z.B. von „Wut
im Bauch“, „Kloß im Hals“ und „gebrochenem Herz“. Veltheim entwickelte
seit Anfang der neunziger Jahre eine
Technik, die mithilfe eines Muskeltests
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Blockaden im Körper aufspürt und
diese mit vertiefter Atmung, gezielten
Berührungen und Klopfen auf Kopf und
Brustbein auflöst.
Durch positive Erfahrungen mit Body
Talk bei meinem eigenen Kind entstand
in der Planungsphase für die MWG
Sonnenblick in Melle-Mitte die Idee,
diese Technik auch unseren Klientinnen
zur Verfügung zu stellen.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 14
Parallel zu den klassischen Therapieformen bieten wir seit nunmehr drei
Jahren durch die Pädagogin Sigrid
Wertheim aus Telgte im 14tägigen
Rhythmus Body Talk in einem eigens
dafür eingerichtetem Raum in unserem
Haus in Melle-Mitte an.
Ältere Mädchen genießen die entspannende Wirkung und besonders die, die
bereits über Therapieerfahrungen verfügen, sind über das scheinbar leichte
Arbeiten verwundert.
Seite 15
Jüngeren ist es häufig erst unheimlich,
sie vermuten, dass wir was erzählt haben. „Woher weiß die das?“ Spätestens
jedoch, wenn Themen und Vorfälle
bearbeitet werden, die wir Betreuerinnen gar nicht wissen können, ändert
sich das.
Die Einfachheit der Anwendung und
Intensität der Auswirkung, die nicht
endgültig beschrieben werden kann,
sondern erlebt werden sollte, darf nicht
darüber wegtäuschen, dass in den Behandlungen intensiv mit dem inneren
Kind gearbeitet wird. Vorteilhaft ist es,
dass der Körper als Medium des Unterbewussten nur Themen frei gibt, bei
denen die Psyche auch die Kraft hat, die
damit verbundenen Emotionen zu tragen.
Verpflichtungen, Auseinandersetzungen oder irgendwelche ernsten Angelegenheiten reduzieren wir nach den
Behandlungen auf das Allernötigste.
Für uns Mitarbeiterinnen ist Body Talk
im pädagogischen Alltag ein hilfreiches
Instrument. Die Einschätzung, ob VerKinder- und Jugendhilfe Hünenburg
halten „nur“ hormonell bedingter „Zickenkrieg“ oder Ausdruck von wie
auch immer gearteten Problemen ist,
bleibt in Eindeutigkeit häufig unbeantwortet. Mit Body Talk haben wir und
die Mädchen eine Möglichkeit herauszufinden, was sie tatsächlich beschäftigt.
Body Talk ist kompatibel mit anderen
Therapien. All unsere externen Therapeutinnen und Therapeuten wissen von
den Body Talk-Behandlungen und erfahren es als zusätzliche Unterstützung,
die einen rascheren Therapieverlauf
möglich macht.
Mittlerweile nutzen auch die Mitarbeiterinnen in aktuellen Krisen, zur beruflichen Orientierung oder einfach zur
Entspannung Body Talk für sich. Unsere
Mädchen wissen davon und äußern sich
dazu positiv. Wenn auch Betreuerinnen
Situationen kennen, in denen sie Hilfe
brauchen und annehmen, reduziert dies
das eigene Stigma des Hilfebedürftigen.
In Einzelfällen nutzen auch Angehörige
dieses Angebot. Wir erlebten es u.a. in
der ab einem bestimmten Zeitpunkt
nötigen Abgrenzung zwischen Mutter
und Tochter als förderlich. Mitarbeiterinnen des Sonnenblickteams sehen hier
ein großes Potential hinsichtlich ihrer
Elternarbeit.
Lesern, die zweifeln und Lesern, die
neugierig geworden sind, stehen wir für
Fragen zur Verfügung. Allen raten wir:
Just do it!
Autorin:
Iris Griese
Sozialpädagogin/Sozialtherapeutin
Gruppenleiterin MWG „Sonnenblick“
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Neue
finden – Bewährte
halten!
Zur Diskussion
um den
bevorstehenden
Fachkräftemangel
© Nerlich Images - Fotolia.com
Zweifelsohne ist der Bereich der Sozialen
Arbeit angesichts der demographischen
Entwicklung (gesellschaftliche Alterung)
und gesellschaftlicher (u.a. wachsende
Anzahl an Kinderbetreuungsangeboten)
sowie wirtschaftlicher Veränderungen ein
erstarkendes Gewerbe mit einem zunehmend wachsenden Bedarf an Betreuungsangeboten für z.B. ältere Menschen,
Kinder und Jugendliche. Mitarbeiter sind
im Rahmen einer Fülle an Ausbildungsmöglichkeiten hoch qualifiziert und arbeiten in einem breit aufgestellten Berufsfeld
nach fachlichen Standards.
Andererseits führen Kostenreduzierungen, Stellenabbau und Überforderung
häufig zu Demotivation und häufig gar
Burnout bei den verbleibenden, auch älter
werdenden Kräften, jedoch leiden auch
die hilfsbedürftigen Klienten selbst.
Die Verantwortung für diese Entwicklung bzw. die notwendige Korrektur dieser
liegt in erster Linie bei der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, den Wohlfahrtsverbänden, der Gesamtgesellschaft, die den Bereich Sozialer Arbeit zunehmend
negativ stigmatisiert (i.d.R. bis zu dem Zeitpunkt, zu dem selbst Hilfe in Anspruch genommen werden muss), nicht zuletzt jedoch auch bei jedem einzelnen
Sozialbetrieb selbst.
Ein Blick in die Tageszeitung genügt um festzustellen, dass es einen steigenden
Bedarf an Arbeitskräften in Sozialberufen – i.d.R. „zu sofort“ – gibt (entsprechende Quellen sprechen von einem Anstieg von ca. 35 % im Gegensatz zum Vorjahr).
Um dieser Entwicklung adäquat zu begegnen gilt es, mehr Menschen für dieses
Berufsfeld zu interessieren und zu qualifizieren. Viele Jugendliche interessieren
sich für eine Berufstätigkeit, in der sie es „mit Menschen zu tun haben“, um ihnen
zu helfen, sie zu erziehen oder zu pflegen. Gleichermaßen interessieren sie sich
berechtigterweise für Karriereaussichten und Verdienstmöglichkeiten – was das
Interesse an der Ausübung eines sozialen Berufs angesichts der Unattraktivität
der Bezahlung sowie der Aufstiegschancen häufig wieder schwinden lässt.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 16
Seite 17
Fachkräftegewinnung
Imagekampagne
Angesichts dieser zu erwartenden
Entwicklung erstaunt es nur wenig, dass der Fachverband für
evangelische Träger von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe in Niedersachsen* Ende letzten Jahres das Thema „Fachkräftemangel“ bzw. „Fachkräftegewinnung“ in den Mittelpunkt
seiner zweitägigen Mitgliederversammlung in Barsinghausen stellte.
Kernfrage der Sitzungsteilnehmer
war, wie es zum einen gelingen
kann, erfolgreich neue Fachkräfte
zu gewinnen und wie andererseits ältere Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter so motiviert werden
können, dass sie stabile, engagierte und gesunde Größen in ihrer
jeweiligen Arbeit bleiben. In unterschiedlichen, nach Schwerpunkten gegliederten Arbeitsgruppen stellten sich die Anwesenden dieser Aufgabe.
Eine jugendgerechte Kampagne bis hin
zur Erstellung eines Werbefilms, der
zu einer Verbesserung des Images der
Tätigkeit im Jugendhilfebereich beiträgt, wurde ebenso diskutiert wie die
Möglichkeit, auch Ältere, Arbeitslose
und/oder Quereinsteiger - unter Berücksichtigung des gegebenen Fachkräftegebots sowie der Vermeidung
einer schleichenden Entwertung sozialer Berufe - einsetzen zu können.
Jobbörse
Kontrovers diskutiert wurde die Installierung einer Jobbörse im Internet,
die dazu dienen soll, Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern den Wechsel innerhalb des diakonischen Berufsfeldes zu
erleichtern, stand neben der Meinung,
dass die Person, die wechseln wolle, es
ja eh täte und so die Chance geschaffen würde, sie wenn schon nicht in der
eigenen Einrichtung, so doch zumindest in einer ähnlichen halten zu können, die Befürchtung, so erst Wechsel
zu forcieren, um einer weiteren Abwanderung von Fachkräften zusätzlichen Raum zu geben.
*
Der Fachverband hat die Aufgabe, die angeschlossenen Einrichtungen in Fachfragen zu
beraten und zu fördern. Er veranstaltet Fachtagungen und unterrichtet über Entwicklungen und Tendenzen der Jugendhilfe. Mitglied
des Fachverbandes können den landeskirchlichen Diakonischen Werken in Niedersachsen
angeschlossene evangelische Träger von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe in
Niedersachsen werden.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Neue Herausforderungen
für ältere MitarbeiterInnen
Als nicht unproblematisch stellte sich
die Frage nach dem Umgang mit älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
lichung durch neue, herausfordernde
Tätigkeiten bieten. Dies kann beispielsweise die Versetzung in einen
anderen Bereich oder eine die eigentliche Tätigkeit begleitende besondere
Projektarbeit sein.
dar, denen ein hohes Maß an Berufserfahrung und Fachkompetenz zugestanden werden muß, was es - erst
Recht bei dem zu erwartenden Rückgang neuer Kräfte - zu (er)halten gilt.
Wie eingangs erwähnt, sehen sich
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Kontext der Jugendhilfe einem nicht
unerheblichen strukturellen, finanziellen und emotionalen Druck gegenüber, der sie dem schleichenden Risiko
aussetzt, unmotiviert zu werden oder
gar zu erkranken; die steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen in diesem Berufsfeld sprechen diesbzgl. eine
deutliche Sprache.
Einrichtungen müssten diese Möglichkeiten – wenn sie denn einen Teilrückzug aus dem bisherigen Berufsfeld
beinhalten, der durch andere (neue?)
Kräfte ausgeglichen werden müsste hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit des
Gesamten in der Personalplanung
flexibel berücksichtigen.
Ausbildungsverbesserung
und -straffung
Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen
(z.B. Gleitzeit, Arbeitszeitkonten oder
Arbeitszeitbudgets), die den Fähigund Fertigkeiten – selbst wenn diese
nicht mehr so kraftvoll sein mögen wie
in früheren Jahren - älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rechnung
tragen, müssen daher insbesondere
einrichtungsinterne Möglichkeiten geschaffen bzw. vorgehalten werden, die
a) ein Abwandern (z.B. Einrichtungswechsel oder längerfristige Erkrankung) älterer Personalfälle verhindern
und b) Anreize bieten, die wenn schon
keine Aufstiegschancen (so nachvollziehbar dieser Gedanke auch ist, so
begrenzt sind doch häufig, insbesondere in kleineren Einrichtungen, die
diesbzgl. Aussichten), so doch zumindest Möglichkeiten der SelbstverwirkKinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Seite 18
Im Gegensatz zu den beiden zuvor
benannten Aspekten schien die Forderung nach einer Ausweitung der Qualifikationsmöglichkeiten im Rahmen
einer berufsbegleitenden Ausbildung
unstrittig. In diesem Zusammenhang
wurden insbesondere die Vertreter des
nds. Kultusministeriums sowie des
Landesamtes für Soziales, Jugend und
Familie aufgefordert, die gesetzlichen
Ausbildungsgrundlagen so zu gestalten, dass sie – analog zur o.a. Diskussion bzgl. der Quereinsteiger – Fachqualität wahrend Anerkennungen als
Fachkräfte nach Prüfung des Einzelfalls weiterhin zulassen und evtl. gar
ausbauen.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
So könnte beispielsweise auch an
eine Einstufung als „Fachkraft in
Ausbildung“ oder die Möglichkeit
der Anerkennung als Fachkraft
nach bereits drei anstatt i.d.R. vier
Jahren eines berufsbegleitenden
Studiums gedacht werden, wodurch die Einrichtungen in die
Lage versetzt würden, diese Kräfte
entgeltrelevant berücksichtigen zu
können.
Seite 19
die einer der wesentlichen Schlüssel einer notwendigen Aufwertung
des Berufsfeldes zu sein scheinen.
Mehrfach wurde betont, dass Angehörige sozialer Berufe in etlichen
Nachbarländern deutlich besser
vergütet würden und finanziell
und - nicht zuletzt auch daraus
resultierend - bzgl. ihres Sozialprestiges auf der Ebene von Lehrkräften und Ärzten rangieren
würden, weshalb ein Abwandern
von Fachkräften ins benachbarte
Ausland nicht wirklich erstaunt.
Daneben wären die Ausbildungswege so gestalten, dass einsatzwilligen Menschen mit entsprechender schulischer und/oder beruflicher Vorbildung der Weg in den
Beruf nicht unnötig erschwert
bzw. verlängert wird.
So muss es trotz aller Einsparungsnotwendigkeiten
und
–
vorgaben neben den zuvor benannten strukturellen und das
grundsätzliche Image des Berufsfeldes
betreffenden
Aspekten
durch verschiedene Interventionen
auch auf finanzieller Ebene gelingen, die Attraktivität zu erhöhen,
steht doch ansonsten zu befürchten, dass das eingangs erwähnte
Konglomerat aus verschiedenen
Problemkonstellationen mittelfristig dazu führen wird, dass auch
wir eines Tages Hilfe in Anspruch
nehmen müssen, die dann jedoch
nicht mehr da sein wird.
In diesem Zusammenhang wäre
an eine einrichtungsintern durchgeführte Qualifikation mit entsprechender Zertifizierungsmöglichkeit ebenso zu denken wie an
die Notwendigkeit, als Jugendhilfeeinrichtung in die entsprechenden Bildungsbereiche hineinzugehen, um die dortige Ausbildung
zu unterstützen und ein realistisches Bild bzgl. des Berufsfeldes
entstehen zu lassen.
Adäquate Vergütung in einem schwierigen Berufsfeld
Autor:
Dipl.-Päd. Thomas Brodhuhn
Geschäftsführer der
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Letztlich widmete man sich den
Vergütungs- und Tarifoptionen,
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Bundesfreiwilligendienst ab Juli 2011
Aussetzung der Wehrpflicht bedeutet Aus für Zivis
W
as passiert, wenn es keine Wehrpflicht mehr gibt? Und
was passiert, wenn dann auch kein Zivildienst mehr verpflichtend ist? Dann strömen sie alle auf den Arbeitsmarkt
und an die Unis. Der Fachkräftemangel im Pflegebereich ist damit
perfekt. Oder?
Wehrpflicht ade?
Dass die Wehrpflicht mit der Alternative Zivildienst verknüpft ist, wissen
alle. Nun soll die Wehrpflicht ausgesetzt werden. Was passiert dann mit
dem Zivildienst? Angst haben jedenfalls vor allem die vielen Sozialdienstleister und Pflegeeinrichtungen, die auf die Arbeitskraft der Zivis
stark angewiesen sind. Sie fürchten einen Zusammenbruch, sollte es keinen
Zivildienst mehr geben. Vor allem, weil ohnehin Fachkräfte rar sind.
Hilfe, ich sehe doppelt!
Daher fordern auch bereits zahlreiche Verbände einen freiwilligen Zivildienst, zum Beispiel in Bayern wurde diese Forderung laut. Die Politik
reagierte umgehend:
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 20
Tatsächlich setzt sich Familienministerin Dr. Kristina Schröder für einen
solchen freiwilligen Zivildienst ein, aber das Problem ist, dass es solche
schon gibt, siehe Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr,
Europäischer Freiwilligendienst, weltwärts und Gemeinnütziges Bildungsjahr.
Da soll mal jemand den Überblick behalten. Der freiwillige Zivildienst ist
dann ein zusätzliches Glied in dieser Auflistung. Zwar soll er sich prinzipiell auf neue soziale Bereiche erstrecken, aber irgendwie wird er ja dann
doch parallel zu all diesen anderen Diensten laufen. Denn das Grundgesetz
möchte man nicht ändern und den Zivildienst bei Bedarf schnell wieder
einführen können.
Was man mit der freien Zeit so anstellen kann!
Seite 21
Man geht studieren, zum Beispiel. Dumm nur, dass auf einmal nicht nur
die doppelten Jahrgänge aus der G8-Reform an die Uni strömen, sondern
dann zusätzlich all diejenigen, die jetzt keine Zivis oder Wehrdienstleistenden mehr sein werden. Heißt: Lange Wartesemester, überfüllte Hörsäle,
mehr Studenten und mehr Konkurrenz um die begehrten Studienplätze.
Dann kann man sich den Studienplatz eigentlich nur noch einklagen. Damit ist das Problem aber immer noch nicht ausgestanden: Irgendwann
drängt die gleiche Menge Absolventen gleichzeitg auf den Arbeitsmarkt.
Wieviel Samariter steckt in uns?
Angeblich ein Szenario, das so nicht eintreffen wird. Familienministerin
Schröder glaubt fest daran, dass sich genug Menschen im freiwilligen Zivildienst in ausreichender Zahl engagieren werden, vor allem weil der
freiwillige Zivildienst sich auch an ältere Menschen richtet. Das könnte
natürlich eine Chance sein, sich im Sozialbereich weiterzubilden und vielleicht seinen Traumberuf zu entdecken. Jetzt muss man nur noch die Menschen dazu bewegen, ihre Vorurteile gegenüber sozialen Berufen abzubauen, damit sie auch freiwillig eine wichtige Erfahrung in ihrem Leben machen.
Autor: A. Sokolowski | Cartoon: A. Korkis
Der o.a. Artikel wurde erstmalig veröffentlicht unter:
http://mentoring4u.de/index.php/2010/10/15/1714/menti-setzt-die-wehrpflicht-aus/
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Gewaltprävention statt Suspendierung
Neues Programm an der Ferdinand-Rohde-Schule
E
in Ausschluss vom Unterricht ist eine der letzten Stufen hierarchisch
aufgebauter Disziplinarmaßnahmen, festgeschrieben im Schulgesetz. Vor einem solchen muss es somit bereits diverse Mitteilungen,
Klassenkonferenzen etc. gegeben haben. Neben erheblichen Ausschlussgründen (Verletzung Anderer, mutwillige Zerstörung von Gegenständen)
können auch eine permanente Störung des Unterrichts, das Hindern der
Mitschüler am Unterricht oder ein stetes Zuspät- oder Garnichtkommen
dazu führen, einen Schüler auf eine gewisse Zeit vom Unterricht auszuschließen. Versäumter Unterrichtsstoff muss Zuhause selbstständig nachgearbeitet werden – für Eltern sicherlich ebenfalls eine Herausforderung.
Soviel einleitend zu den theoretischen
Grundlagen, die selbstverständlich
auch für eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung (ESE)
Gültigkeit besitzen. Doch unterscheidet
sich diese Schulform nicht nur bzgl.
ihrer Klientel (etliche Kinder und Jugendliche befinden sich in ihr, eben weil
sie in vorherigen Schulen deutlich dissoziale Verhaltensmuster zeigten, die
auch in zum Teil erheblichen Suspendierungen mündeten) deutlich von
anderen, sondern daraus resultierend
auch hinsichtlich ihres Förderbedarfs,
der für sich noch stärker als andere
Schulen in Anspruch nehmen muss,
eine Suspendierung analog zu den o.a.
Modalitäten nur als allerletztes Mittel
zum Schutze Anderer durchzuführen.
Es gilt vielmehr, für die Schülerinnen
und Schüler Wege zu entwickeln, die
dem gezeigten Verhalten deutlich
Rechnung tragen und dennoch einen
Schulausschluss verhindern.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Hat sich die einrichtungseigene Ferdinand-Rohde-Schule im Rahmen ihres
ganzheitlichen und deutlich strukturierten Angebots schon immer mit dieser
besonderen Herausforderung auseinandergesetzt und neben dem Vorhalten
mehrerer Schulsozialpädagogen beispielsweise getrennte Schulhofbereiche
und versetzte Pausenzeiten für unterschiedliche Altersgruppen geschaffen,
um konfliktminimierend wirken zu
können, geht sie nun einen Schritt weiter:
In Kooperation mit dem Verein
Budokai Melle e.V. bietet sie unter
dessen Motto „Miteinander kämpfen - voneinander lernen“ ein Integrations- und Gewaltpräventionsprogramm für Schülerinnen
und Schüler mit auffallend gewalttätigen Handlungsmustern an.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 22
Dieses soll nicht nur den Beteiligten
selbst helfen, sondern auch die Lehrkräfte unterstützen, deren Engagement
erheblichen Einfluss auf das Klima der
Schule hat und die Gefahr laufen könnten, auf permanente Herausforderungen, Provokationen oder Verweigerungshaltungen mit Krankheit, Fehlinterpretationen (viele Gewaltformen
unter Schülern werden von diesen nicht
als solche wahrgenommen, sondern
entspringen ihren biographisch erworbenen Normen und Identitäten und
damit verbundenen Kompensationsmechanismen), Ohnmacht und Resignation oder (verfrühter und überzogener)
Suspendierung zu reagieren.
Seite 23
Zielgruppe des Programms sind Schüler, die nach Erfahrungen in vorherigen
Schulen auch in der Förderschule aufgrund ihres Lern- und Leistungsverhaltens, insbesondere aber wegen ihres
unangepassten Sozialverhaltens immer
wieder anstoßen und denen im Rahmen
wöchentlich stattfindender Trainingseinheiten Übungen und Grundlagen für
die Selbstverteidigung und Selbstbehauptung - mithin ein wesentlicher
identitätsstiftender Aspekt - sowie
Gewaltprävention vermittelt werden,
um die gemachten Erfahrungen in ihr
soziales Umfeld weiter zu tragen (z.B.
im Bereich der Fairness gegenüber
Schwächeren, Gewaltvermeidung o.ä.).
Ziele des fernöstlichen Kampfkunst-Systems, das technische Elemente aus Ju Jutse, Karate
und Aikido enthält und als Basistraining speziell für Schulen entwickelt wurde, sind:
•
Erwerb von Ich-Kompetenzen (Kennenlernen des eigenen Körpers)
•
Erwerb von Sachkompetenz (sich, die Umwelt und andere wahrnehmen)
•
Vermittlung moralischer Werte (Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln;
Verantwortung statt Schuld)
•
Vermittlung waffenloser Abwehrtechniken und Deeskalationsmodelle
(Bewegungslehre, Fallschule, Befreiungstechniken)
•
Partnerübungen zum Aggressionsabbau (Selbstkontrolle lernen)
Durch regelmäßige Prüfungen, bei
denen die Teilnehmer Abzeichen und
verschieden farbige Gürtel erwerben,
werden sie in sinnvoller Weise motiviert. Fähigkeiten können Schritt für
Schritt aufgebaut werden, und für die
Jugendlichen werden Erfolge nachvollziehbar und erfahrbar.
en in die eigenen Fähigkeiten zurück zu
gewinnen, um mittel- bis langfristig zu
verhindern, dass sich dieser mangelnde
Glaube an die eigenen Kompetenzen
sozial unverträglich wie beispielsweise
durch die permanente Unterdrückung
schwächerer Mitschüler Bahn bricht.
Autoren:
Klaus-Jürgen Alder-Meyer
Stellv. Schulleiter der Ferdinand Rohde-Schule
Carsten Schimmel
Schulsozialpädagoge
Der Schwerpunkt des Trainings liegt
insbesondere darauf, die Schüler mit
ihren eigenen Kräften vertraut zu machen und verloren gegangenes VertrauKinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Kindern der Region effektiver helfen
Jugendhilfe gründet Trägerverbund Nord
Fünf Institutionen der Jugendhilfe haben sich jetzt zum
Trägerverbund Nord zusammengeschlossen.
Mit einer Feier in Quakenbrück
eröffnete dieser Verbund im
oberen Stockwerk des Franziskushauses, Markt 4, seine 150
Quadratmeter großen Gemeinschafts-Büroräume.
Die Initiative wurde durch die Neuausrichtung der Jugendhilfe im Landkreis Osnabrück angestoßen. Als Partner des Verbundes fungieren der
Verein für Jugendhilfe Quakenbrück, Don Bosco Osnabrück, die Ev.-luth.
Stiftung Hünenburg Melle, IN VIA Quakenbrück und das Stellwerk Zukunft Vechta.
Perfektes Catering vom Verein für Jugendhilfe e.V.,
einem der Kooperationspartner des Verbundes
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
„Die Neuausrichtung wird von uns
begrüßt, denn es ist wichtig, dass
die Jugendhilfe ein Gesicht hat. Das
gilt für öffentliche, private und
kirchliche Trägerpartner, die hier
Flagge zeigen und präsent sind.
Wir brauchen den Verbund, um
den Kindern der Region effektiver
zu helfen“, dankte Samtgemeindebürgermeister Reinhard Scholz den
beteiligten Partnern und dem
Landkreis für die Vernetzung der
Angebote vor Ort.
•
Neues von Unterwegs – 17/2010
Seite 24
Seite 25
„Die Jugendhilfe muss gerade in heuti-
Klienten sollten dies erkennen und es
ger Zeit mehr Flagge zeigen. Daher bin
nutzen“, unterstrich auch Lutz Birke-
ich sehr froh, dass wir jetzt in allen
meyer vom Referat des Bischöflichen
Regionen Büros haben und auf diese
Stuhls Osnabrück die Bedeutsamkeit
Weise auftretende Probleme neu und
des gemeinschaftlichen Handelns.
anders lösen können. In der Vielfalt der
„Für uns ist dieses Gemeinschaftsbüro
Anbieter liegt die Chance, sich einander
ein Standort für schnellen Kontakt, wo
kreativ zu bereichern“, wünschte der
eine Begegnung auf Mitarbeiterebene
Jugendamtsleiter
Ottmann
stattfindet. Hier sollen die Vielfalt unse-
einen guten Start und fruchtbare Zu-
rer Angebote vernetzt und Probleme
sammenarbeit. „Wir sind hier auf dem
auf dem kleinen Dienstweg gelöst wer-
richtigen Weg, weil die Erziehungsleis-
den“, informierte Uwe Helmes vom
tungen in den Familien immer schwie-
Stellwerk über die Zielsetzung.
riger werden. In Zukunft wird uns die
Wie Hubert Torliene von Don Bosco
Fürsorge noch mehr herausfordern,
ergänzte, soll das Arbeitskonzept zu-
und wir werden mit der Jugendhilfe
künftig mehr gemeinnützig sein. Alle
immer der Entwicklung hinterherhin-
Träger würden über die Jugendhilfe
Stephan
ken. Durch die Neuausrichtung der
finanziert.
Jugendhilfe verstärken wir jedoch den
In den fünf Büroräumen und im Garten
Fokus auf die Familien. Dann hat der
könnten neben Beratungen auch Grill-
Trägerverbund eine große Chance und
und Spielnachmittage stattfinden.
ein großes Potenzial, die breite Angebotspalette der Partner besser umzuset-
Autorin & Foto unten: Alexandra Lüders
Bersenbrücker Kreisblatt [14. November 2010]
zen.
Freuten sich über die Vernetzung ihrer Arbeit durch
den Trägerverbund Nord,
der die Jugendhilfe für das
Artland und Fürstenau auf
seine Fahnen geschrieben
hat: Uwe Helmes (Stellwerk), Lutz Birkemeyer
(Bistum OS), Martina Uhlenkamp (IN VIA), Kathrin
Voß (Don Bosco), Uhrte
Böhnert (Verein für Jugendhilfe) und Thomas Brodhuhn von der Kinder- und
Jugendhilfe Hünenburg.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
„Weihnachten fällt aus!“
Weihnachtsmusical auf der Hünenburg
doch sowieso kaum mehr jemand, warum Weihnachten überhaupt gefeiert wird. Nach einigen
Diskussionen mit den Engeln wird entschieden:
Dieses Jahr fällt Weihnachten aus! So werden alle
Menschen von höchster Stelle darüber informiert:
Weihnachten fällt aus!
Wie jedes Jahr am 1. August wecken die Engel
Ambrosius Schneeweiß, den Weihnachtsmann
(überzeugend gespielt von Lara Kermes), um mit
ihm gemeinsam mit den Weihnachtsvorbereitungen zu beginnen. Doch in diesem Jahr kann sich
Herr Schneeweiß überhaupt nicht vorstellen,
schon aufzustehen. Er ist noch sooo müde. Schon
wieder Streß, schon wieder Hektik? Schon wieder
durch enge und schmutzige Schornsteine steigen?
Nein, dieses Jahr möchte er mal so richtig ausschlafen und Weihnachten ausfallen lassen, weiß
Alle haben den Brief rechtzeitig erhalten und sich
darauf eingestellt. Am 23. Dezember jedoch
entdeckt der Kundschafterengel (Jonas Hasselblatt) eine Familie im Tannenwald, weit draußen
vor der Stadt, die den Absagebrief nicht erhalten
hat. Die Mutter ist hochschwanger und die ganze
Familie bereitet sich wie gewohnt auf Weihnachten vor. Das löst bei Herrn Schneeweiß und den
Engeln eine ungeahnte Wende aus und führt
letztlich doch zu einem Happy End zwar mit
weniger Geschenken, doch dafür mit mehr Liebe
und Freude in den Herzen der Menschen.
So der Inhalt des erfolgreichen
Musicals zur Weihnachtszeit von
Peter Schindler, dass in den
zurückliegenden Adventswochen in
der Schulaula der einrichtungseigenen Ferdinand Rohde-Schule
aufgeführt wurde. Die St. LukasKirchenmäuse und der Jugendchor
der St. Lukas-Kirchengemeinde
Bennien unter der Leitung von KarlHeinz Westphal und der Regie von
Lena Notbusch ließen es sich nicht
nehmen,
Familienangehörigen,
Freunden und anderen Besuchern
das Erlernte mit viel Spielfreude
vorzuführen. Mit viel Liebe zum
Detail waren zuvor in Eigenregie Kostüme und Bühnendekoration entwickelt worden und
auch an ein anschließendes Beisammensein bei Kaffee und Kuchen war gedacht. „Ihr habt uns
Freude gebracht und zugleich nachdenklich gemacht“, bedankte sich Pastor Matthias Hasselblatt beim gesamten Ensemble. Wir freuen uns, auch zu solchen Anlässen die Tore der Hünenburg weit öffnen und Gäste willkommen heißen zu können!
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 26
Hätten Sie’s gewusst? – Ein kleines Quiz
1. Wird in § 28 SGB VIII geregelt
2. Theorie des Lehrens und Lernens
3. Nachname des 1712 in Genf geborenen wichtigen Wegbegleiters
der Französischen Revolution sowie der Pädagogik des 19. und 20. Jahrhunderts
4. Fähigkeit, sich in Gedanken, Emotionen und Persönlichkeitsmerkmale
eines anderen Menschen nachzuempfinden
5. Name der ersten Mädchenwohngruppe der Hünenburg
6. Angststörung, bei der man unter Höhe leidet
7. Politische und gesellschaftliche Maxime, die Eigenverantwortung
vor staatliches Handeln stellt
8. Abkürzung für "Sozialpädagogische Familienhilfe"
9. Umgangssprachlich für eine Personen, die Wehrersatzdienst leistet
Seite 27
10. Ist die Schule der Hünenburg heute eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, war sie früher eine Schule für ...
11. Nachname des in Warschau geborenen Pädagogen, Arztes und Kinderbuchautoren
12. Abkürzung des 1920 gegründeten Zusammenschlusses der evangelischen Erziehungsarbeit auf Bundesebene
13. Werden in § 78 SGB VIII geregelt
14. Wissenschaft von den Voraussetzungen, Abläufen und Folgen des Zusammenlebens von
Menschen
15. Name der zweiten Mädchenwohngruppe der Hünenburg, die 2010 3jähriges Bestehen
feierte
16. Stellt kindlicher Destruktion gewaltfreien Widerstand gegenüber: Haim …
17. Sonderstrafrecht/Sonderstrafprozessrecht für junge Täter, die sich zur Zeit ihrer Tat im
Übergangsstadium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befinden
18. Oberbegriff für alle Formen psychologischer Verfahren, die ohne Einsatz medikamentöser
Mittel auf die Behandlung psychischer Leidenszustände und Verhaltensstörungen zielen
19. Bis 1991 lief "Jugendhilfe" unter diesem Namen
20. Die Uneinheitlichkeit von z.B. Schülern in einer Lerngruppe
Tipp: Umlaute im Rätsel werden als solche ausgeschrieben
Die Lösungen finden Sie in der nächsten Ausgabe
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 28
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Sag
es
Ihnen!
© Christian Nitz - Fotolia.com
Seite 29
und mit den anderen. Einige Jahre
später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche
war überfüllt mit vielen Freunden.
Einer nach dem anderen, der den
jungen Mann geliebt oder gekannt
hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre.
Die Lehrerin ging als letzte und
betete vor dem Sarg. Als sie dort
stand, sagte einer der Anwesenden,
die den Sarg trugen, zu ihr: "Waren
Sie Marks Mathelehrerin?" Sie nickte:
"Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr
oft von Ihnen gesprochen." Nach
dem Begräbnis waren die meisten
von Marks früheren Schulfreunden
versammelt. Marks Eltern waren
auch da und sie warteten offenbar
sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin
zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog
eine Geldbörse aus seiner Tasche.
Es dauerte die ganze Stunde, bis
jeder fertig war und bevor sie den
Klassenraum verließen, gaben sie
Ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden
Schülernamen auf ein Blatt Papier
und daneben die Liste der netten
Bemerkungen, die ihre Mitschüler
über den Einzelnen aufgeschrieben
hatten. Am Montag gab sie jedem
Schüler seine oder ihre Liste. Schon
nach kurzer Zeit lächelten alle.
"Wirklich?", hörte man flüstern. "Ich
wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!" und "Ich
wusste nicht, dass mich andere so
mögen", waren die Kommentare.
Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste
nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert
hatten, aber das machte nichts aus.
Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt.
Die Schüler waren glücklich mit sich
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Eines Tages bat eine Lehrerin
ihre Schüler, die Namen aller
anderen Schüler der Klasse
auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen.
Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen,
was das Netteste ist, das sie
über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und
das sollten sie neben die Namen schreiben.
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
"Das wurde gefunden, als Mark
verunglückt ist. Wir dachten, Sie
würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes
Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinander gefaltet worden war. Die
Lehrerin wusste ohne hinzusehen,
dass dies eines der Blätter war, auf
denen die netten Dinge standen, die
seine Klassenkameraden über Mark
geschrieben hatten. "Wir möchten
Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie
das gemacht haben", sagte Marks
Mutter. "Wie Sie sehen können, hat
Mark das sehr geschätzt."
Im Zusammenleben mit unseren
Mitmenschen vergessen wir oft,
dass jedes Leben eines Tages
endet. Deshalb sollte man den
Menschen, die man liebt und um
die man sich sorgt, sagen, dass
sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.Sag es ihnen!
(Autor unbekannt)
Auch Ende letzten Jahres wieder ein
voller Erfolg: Bereits zum dritten Mal
fand im Herbst das jährliche Kartturnier
der Hünenburg statt:
Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter der
Einrichtung traten in Teams gegeneinander an, um für „ihre Wohngruppe“
einen Pokal zu ergattern. Ein anschließendes gemeinsames Grillen auf dem
Hauptgelände der Hünenburg in MelleRiemsloh rundete die gemeinsame Aktion ab.
Alle früheren Schüler versammelten
sich um die Lehrerin. Charlie lächelte
ein bisschen und sagte: "Ich habe
meine Liste auch noch. Sie ist in der
obersten Schublade in meinem
Schreibtisch". Die Frau von Heinz
sagte: "Heinz bat mich, die Liste in
unser Hochzeitsalbum zu kleben."
"Ich habe meine auch noch", sagte
Monika. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Irene, eine andere
Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und
ausgefranste Liste den anderen. "Ich
trage sie immer bei mir", sagte Irene
und meinte dann: "Ich glaube, wir
haben alle die Listen aufbewahrt."
Die Lehrerin war so gerührt, dass sie
sich setzen musste und weinte. Sie
weinte um Mark und für alle seine
Freunde, die ihn nie mehr sehen
würden.
Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg
In diesem Jahr gewann die Jungenwohngruppe Oldendorf. Glückwunsch und ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren des
Tages Carsten Schimmel und Thomas Lempert!
•
Neues von Unterwegs – 17/2011
Seite 30
KinderKinder- und Jugendhilfe Hünenburg
Ev.-luth. Stiftung Hünenburg
mit Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung
Leitung und Verwaltung
Geschäftsführer:
Stellvertreter:
Thomas Brodhuhn Christian Vakonic
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Tel.: 05226 / 98 61 – 0
Fax: 05226 / 98 61 - 11
Email: info@huenenburg.com
www.huenenburg.com
Angebot
Standort
Ansprechpartner
Ansprechpartner
Familienanaloge
Wohngruppe (FWG)
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Jochen Janke
Tel.: 05226 / 98 61 – 34
Sozialpäd. Wohngruppe
„Südhaus“
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Simone Richter
Tel.: 05226 / 98 61 – 33
Jungenwohngruppe
Oldendorf (JWG)
Osnabrücker Straße 153
49324 Melle
Marcel Heßler
Tel.: 05422 / 75 26
Mädchenwohngruppe
„Libellen“ (MWG I)
Kampingring 2
49328 Melle
Dagmar Feller
Tel.: 05427 / 66 15
Mädchenwohngruppe
„Sonnenblick“ (MWG II)
Meller Berg 33
49324 Melle
Iris Griese
Tel.: 05422 / 9 289 161
Außenwohngruppe
LOGO
Engelgarten 33
49324 Melle
Ulrike Behnke
Tel.: 05422 / 53 31
Mobile Betreuung
diverse
Standorte
Jochen Janke
Tel. 05226 / 98 61 - 12
FerdinandFerdinand-RohdeRohde-Schule
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Lilo FischerFischer-Windels
Tel.: 05226 / 98 61 – 36
Jugendwerkstatt
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Sebastian Ahrens
Tel.: 05226 / 98 61 – 30
Therapeutischer Dienst
Hünenburgweg 64
49328 Melle
Stefan Reinisch &
Klaus Rolfs
Tel.: 05226 / 98 61 - 29
für emotionale und soziale Entwicklung
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
43
Dateigröße
2 658 KB
Tags
1/--Seiten
melden