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I) Was ist Sprache?

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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
I) Was ist Sprache?
•
Ganz einfach gesagt, ist Sprache ein »Mittel zum Austausch von Informationen«. Damit sind
so unterschiedliche Dinge wie Mimik, Gesten, Körperhaltungen, Pfeiftöne, Handzeichen,
Schrift, mathematische Sprache, Programmier- oder Computersprache gemeint.
•
Und in einer solch breiten Definition haben auch die chemische »Sprache« der Ameisen und
die »Tanzsprache« der Bienen ihren Platz.
In der Linguistik:
• Sprache ist die dem Menschen arteigene Ausdrucksform.
• Sie ist ein System symbolischer Zeichen, das zweifach gegliedert ist.
• Sie kann kreativ verwendet werden.
• Die Sprachfähigkeit ist angeboren, Sprache selber muss erworben werden
1) Design Features
Language is a highly elaborated signaling system. We call the aspects that are peculiar to it the design
features of language. Some of these we find only with the language of human beings, others we have
in common with animals. Another aspect of human language is that we express thoughts with words.
(Hockett & Altmann 1968)
1) Channel/Kanal
• Kommunikation kann auf verschiedenen Kanälen geschehen:
• Geruch, Bewegung, Elektrizität, Licht, Geräusche, Laute ( menschliche Sprache)
2) Displacement/Situationsgebundenheit
• Ein Sprachsignal kann sich auf räumlich und/oder zeitlich entfernte Sachverhalte oder Gegenstände
beziehen  stimulusfrei
• Prevacariation: lügen und Unsinn reden
• Reflexiveness: metasprachliche Äußerungen
3) Tradition – Spracherwerb
• Sprache wird durch Lernen überliefert  nicht angeboren  angeboren ist nur die Sprachfähigkeit
4) Produktivität/Kreativität
• Wir können in der Sprache alles Mögliche sagen und wir können vor allem Neues, vorher nie
Gehörtes sagen und verstehen
1
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
5) Social Setting
• Wer ist beteiligt?/Gibt es Adressaten?/Wie viele?/gleichzeitig oder nacheinander?/Rollenwechsel
von Hörer und Sprecher?/Feedback?
• Interchangeability: Rollen undRollenwechsel in der Sprechsituation
• (Total) Feedback
6) Semantizität
• sprachliche Zeichen haben eine Bedeutung
• Bilateralität des sprachlichen Zeichens (Saussure 1931)
- Signifié, Signifikat, Bezeichnetes <-> Signifiant , Signifikant , Bezeichnendes
• Semiotisches Dreieck (Odgen/Richards 1923)
7) Arbitrarität
• zwischen Zeichen und seiner Bedeutung besteht normalerweise keine Ähnlichkeit  arbiträr
• Verhältnis von Lautbild und Vorstellung (Ausnahme: onomatopoetische Formen)
Unterpunkt: Semiotik
• indexikalische Zeichen: kausale Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat (nur
in Mischform in Sprache)
• ikonische Zeichen: Ähnlichkeit zwischen Signifikant und Signifikat (nur in
Mischform in Sprache)
• symbolische Zeichen: die Beziehung ist arbiträr (vorherrschend in Sprache)
8) Diskretheit
• sprachliche Zeichen bestehen aus isolierbaren Einheiten (Silben, Morpheme)
9) Dualität oder Doppelte Gliederung
• mit einer begrenzten Anzahl von Elementen eine unbegrenzte Anzahl von Zeichen bilden
• Sprachliche Ausdrücke lassen sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen zerlegen:
• in kleinste bedeutungstragende Einheiten = Morpheme
• kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten (= Phoneme), die nur Form, aber keine
Bedeutung aufweisen
2
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
2) Funktionen der Sprache
2 Modelle:
• Organon-Modell von Bühler
• Funktionsmodell von Roman Jakobson
Bühlers Organon-Modell 1934:
• Ausdrucksfunktion
• Appellfunktion
• Darstellungsfunktion
In einem Sprechereignis sind diese Funktionen alle gleichzeitig
erfüllt, aber eventuell ist eine Funktion dominant.
Roman Jakobsons Funktionsmodell 1960:
1. referentielle Funktion (= kognitive oder denotative
Funktion): Orientierung auf den Kontext, den Referenten
2. emotive Funktion (= expressive Funktion): bringt die
Haltung des Sprechers zum Ausdruck
3. konative Funktion (=appellative Funktion): primäre
Ausrichtung auf den Empfänger
4. phatische Funktion: einige sprachliche Botschaften
verfolgen u.a. den Zweck, Kommunikation herzustellen, zu verlängern, zu unterbrechen etc.
5. metasprachliche Funktion (= erläuternde Funktion): orientiert sich am Code, Sender u./o.
Empfänger können über den Code reflektieren
6. poetische Funktion: Ausrichtung auf die Botschaft um ihrer selbst willen; nicht nur ‚was’
gesprochen wird, ist entscheidend, sondern auch das ‚wie’ – die Struktur, der Aufbau der Mitteilung
3) Sprache als Zeichensystem
• Zeichenrelation: etwas steht für etwas
• Type – Token – Relation:
- sprachliche Zeichen sind vage
- stehen als Typen für viele Exemplare/Verwendungen bereit
- im sprachlichen Akt als „Token“ realisiert
4) 2 Achsen des Systems
• Horizontale Achse des Miteinander: syntagmatisch
• Vertikale Achse des Füreinander: paradigmatisch
− Die Achsen entsprechen zwei Operationen, die die Sprecher beim Sprechen vollziehen:
 Selektion und Kombination
3
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
5) Linguistische Beschreibungsebenen
• Phonologie, Morphologie, Syntax, Text, Semantik, Phonetik, Lexikologie/Lexikografie
Saussure
• LANGAGE = die allgemeine Sprachbefähigung;
• LANGUE = das spezifische System, das einer spezif. Sprache in einer spezif. Phase ihrer Geschichte
(Synchronie) zugrunde liegt,
- das allgemein sozial anerkannt ist
- und das unabhängig vom Individuum ist (ein einzelner könnte es nicht modifizieren);
• PAROLE = die konkreten Äußerungen von Menschen, die die spezifische Sprache sprechen und
somit das spezifische, abstrakte System der LANGUE ständig aktualisieren.
6) Chomsky: Generative Grammatik
• Kompetenz = Kenntnissystem eines idealisierten Sprecher-Hörers
• language faculty: angeborener Mechanismus der Sprachfähigkeit in Form einer
Universalgrammatik, in die sich die Grammatiken der Einzel-sprachen einfügen
• einzelsprachliche Kompetenz, die als kognitive Struktur erworben wird und in der Fähigkeit
besteht, Sätze in der Muttersprache zu bilden
• Performanz = Sprachverwendung
• beobachtbare Phänomene
• Deformation und Verzerrung
• kein vernünftiger wissenschaftlicher Gegenstand
 individuell im Gegensatz zu Saussures langue, die eine soziale Phänomen ist
II) Semantik
deskreptive: worüber – soziale: mit wem – expressive: wie (Pragmatik)
4
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Referenztheorie:
• Geht davon aus, dass das sprachliche Zeichen für Das Ding steht, wobei das Ding ein Objekt der
außersprachlichen Wirklichkeit ist
• Wörter sind Namen für Objekte
• Wörter bezeichnen Klassen von Objekten
Ideationstheorie:
• Bedeutung ist das, was mit einem sprachlichen Ausdruck assoziiert wird.
• Bedeutung ist Vorstellung = die Vorstellung/das Konzept/innere Bild
• Konzepte sind nicht eindeutig bestimmbar
• Konzepte sind individuell verschieden
• Nur auf Konkretes anwendbar
Behaviorismus:
• Bedeutung wird als beobachtbares Verhalten definiert
Strukturalismus:
• Die Bedeutung sprachlicher Zeichen ergibt sich aus ihrem Verhältnis zu anderen sprachlichen
Zeichen im Sprachsystem
• Strukturelle Bedeutungsdefinition
• Tisch hat z.B. die Bedeutungsbeziehung Hyponym zu Möbel, und Kohyponym zu Stuhl und Schrank
Kontextualismus:
• Die Bedeutung eines sprachlichen Zeichens ergibt sich aus dessen Gebrauch.
• Untersucht im wesentlichen Kollokationen, charakteristische, häufig auftretende
Wortverbindungen
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Extension:
Unter der Extension eines Begriffs versteht man die Menge der von ihm erfassten realweltlichen
Dinge / Gegenstände / Entitäten.
Intension:
Unter der Intension eines Begriffs versteht man seinen Inhalt, den man z.B. durch eine Definition
oder eine Aufzählung von Merkmalen, die ihn charakterisieren, darstellen kann.
1) Semantische Relationen
• Gleichheit: Liegt Bedeutungsgleichheit vor, so haben die Bedeutungen der lexikalischen Elemente A
und B die gleiche Extension
• Inklusion: Bei einer Inklusionsbeziehung ist B Teilmenge von A. Die Extension von A ist dabei stets
größer als die von B
• Überschneidung: Eine Überschneidung liegt vor, wenn die Bedeutungsextensionen von A und B nur
in einem Teilbereich identisch sind, d.h. sich überschneiden. Sowohl A als auch B behalten in diesem
Falle einen “nur ihnen eigenen Bereich”.
• Disjunktion: Während A und B im Falle der Bedeutungsgleichheit eine völlig identische Extension
aufweisen, lassen sich bei der Disjunktion keinerlei Überschneidungen zwischen den
Bedeutungsextensionen von A und B feststellen.
6
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Synonymie
Zusammenfassung
Semester 1
Totale Synonymie:
Partielle (Quasi) Synonymie:
• Ersetzbarkeit in allen Kontexten
• konnotative Unterschiede (Nebenbedeutung)
• gibt es in Sprachen nicht oder selten
• regionale Unterschiede
• Ökonomieprinzip: stehlen/Dieb/*Stehler
• fachsprachliche Unterschiede
Mehrdeutigkeit – Lexikalische Ambiguität
Homonymie
• Zwei oder mehr sprachliche Zeichen sind dann Homonyme, wenn sie zwar die gleiche Form, aber
einen unterschiedlichen Inhalt besitzen (z.B. Kiefer: Baum – Körperteil)
• Homonyme gelten als zwei verschiedene lexikalische Einheiten
a) Homophonie: bei gleichlautenden sprachlichen Zeichen mit unterschiedlicher Bedeutung
b) Homographie: bei gleicher Schreibung und unterschiedlicher Bedeutung
c) Homonymenflucht: der/das/die Band, Waise/Weise Banken/Bänke
Polysemie
• liegt dann vor, wenn es sich bei zwei sprachlichen Ausdrücken um Bedeutungsvarianten handelt,
wie zum Beispiel bei ‚heiß‘ (Suppe‘) und ‚heiß‘ (‚Liebe‘)
Struktureller Ambiguität
• auf Satzebene:
Ich sehe den Mann mit dem Fernrohr.
 Zwei Lesarten:
a) Ich habe das Fernrohr
b) Der Mann hat das Fernrohr
Hyponymie
Hyperonym
Hund
Blume
Hyponyme
Dackel, Pudel, Dobermann, Pinscher
Rose, Tulpe, Nelke, Veilchen
Kohyponyme
• Kohyponyme sind untereinander inkompatibel, d.h. sie schließen sich gegenseitig aus:
Das ist eine Rose  Das ist keine Nelke/Tulpe etc.
Heteronymie
• mehr als zwei Lexeme, die als Ko-Hyponyme "ein Spektrum von Alternativen aufspannen“
z.B. Grundfarbwörter: rot – grün – blau – gelb
Kleidungsstücke: Jacke – Hose – Mantel – Hut
Meronymie/Partonymie
• Semantische Relation zwischen sprachlichen Ausdrücken zur Bezeichnung der Beziehung des Teils
zum Ganzen
• Meronymien können unterschiedlich basiert sein:
Körper - Kopf, Hals, Rumpf, Arm, Hand, Finger, Bein, Fuß
Körper - Haut, Knochen, Muskeln, Adern, Nerven, Zellen
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Antonymie
• Komplementäre Opposition: Zwei Ausdrücke stehen in der Relation der Komplementarität, wenn
der von beiden Ausdrücken angesprochene semantische Bereich durch sie in zwei disjunkte Bereiche
zerlegt wird. (tot – lebendig)
• normalerweise weder komparierbar noch graduierbar
• Antonyme/Konträre Opposition: teilen den semantischen Bereich nicht restlos auf. Es gibt einen
Zwischenbereich. (klein – neutraler Bereich – groß)
• graduierbar und komparierbar
• Konverse/Direktionale/Relationale Opposition: Termini, die eine Relation zwischen zwei Entitäten
aus unterschiedlicher Perspektive bezeichnen; "zwei Ausdrücke sind genau dann zueinander konvers,
wenn sie dieselbe Beziehung mit vertauschten Rollen ausdrücken". (kaufen – verkaufen)
2) Strukturelle Semantik
Merkmalstheorie:
1. Kategorien sind klar umgrenzt. X ist entweder Mitglied einer Kategorie oder nicht.
2. Kategorien werden durch eine begrenzte Anzahl notwendiger und hinreichender Merkmale
definiert.
3. Alle Mitglieder einer Kategorie sind gleichwertig, d.h. alle Mitglieder einer Kategorie erfüllen alle
Merkmale.
Wortfeldtheorie:
• Eine Menge von sinnverwandten Wörtern, deren Bedeutungen sich gegenseitig begrenzen und die
einen bestimmten begrifflichen oder sachlichen Bereich abdecken (z.B. Farbbezeichnungen)
Prototypensemantik:
• Es gibt gute und schlechte Vertreter einer Kategorie.
• Die Grenzen zwischen Begriffen sind unscharf.
• Die Zugehörigkeit eines Begriffs zu einer Kategorie entscheidet sich nicht auf der Grundlage seiner
Eigenschaften, sondern seiner Familienähnlichkeit.
• Ein Prototyp ist die mentale Repräsentation eines Mitglieds einer Kategorie.
• Die Mitglieder von Kategorien lassen sich auf einem Kontinuum der Kategorienzugehörigkeit
anordnen.
• Die Mitglieder sind also in unterschiedlichem Maß repräsentativ und typisch für eine Kategorie.
• Den idealen Repräsentanten einer Kategorie nennt man Prototyp.
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
III) Wandel im Wortschatz
Jabberwocky- Prinzip:
• d.h. Funktionselemente und Funktionswörter bleiben erhalten, nur das Lexikon im engeren Sinne (=
die Inhaltswörter) werden „ausgetauscht“
Metaphorische Übertragung:
Kohlkopf
Landzunge
Eselsohr
Wolkenkratzer
Meerbusen
Kotflügel
Fuß des Berges
Buchrücken
Metonymische Verschiebung:
• Innerhalb eines Bereiches findet eine Verschiebung statt: ein Teil oder eine Funktion steht für das
Ganze: pars-pro-toto (z.B. „Trittling“ – Schuh)
Dummkopf, Geizkragen, Schöngeist, „Das kostet 3 € Eintritt pro Nase“, „Das Schnitzel an
Tisch 3 hat sich beschwert“
Bedeutungswandel:
durch
• Bedeutungsübertragung (Metapher)
• Bedeutungsverschiebung (Metonymie)
• Bedeutungsverengung (Differenzierung)
• Bedeutungserweiterung (Generalisierung)
IV) Geschriebene vs. Gesprochene Sprache
Vachek 1939:
Sprechäußerungen
• primäre Mittel: Intonation, Intensität
Schriftäußerungen
• sekundäre Mittel: lexikal. Mittel, kleine
Satzeinheiten
• sekundäre Mittel: lexikal. Mittel & kleine
• primäre Mittel: Einteilung in Abschnitte
Satzeinheiten („wo waren wir…“)
Interpunktion
 Sprachnormen
Akinnaso (1982/1985):
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Koch und Oesterreicher 1994: Schriftlichkeit und Sprache:
V) Pragmatik
Monologisch – Dialogisch
Was ist Pragmatik?
• Lehre vom Sprechen als Handeln
• Ziel:
–Regularitäten des kommunikativen Umgangs
–eng verbunden mit den Intentionen des Sprechers
–Sprachgebrauchsregeln/-Kompetenz
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Semester 1
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Fragestellung der Pragmatik:
• Gesagte – Mitgeteiltes: Verhältnis der sprachlichen Äußerung zur Information über die Welt
• Mitgeteiltes – Gemeintes Verhältnis des Geäußerten zu der Absicht des Sprechers
• Gestaltungsprinzipien: Gespräch – Text
1) Gricesche Konversationsmaximen
Kooperationsprinzip:
• Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der
akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird.
a) Maxime der Quantität:
• Mache deinen Beitrag so informativ wie (für die gegebenen Gesprächszwecke) nötig.
• Mache deinen Beitrag nicht informativer als nötig.
• Erwartung der Vollständigkeit
b) Maxime der Qualität:
• Versuche deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist.
1. Sage nichts, was du für falsch hältst.
2. Sage nichts, wofür dir angemessene Gründe fehlen.
• Erwartung der Korrektheit
c) Maxime der Relation:
• Sei relevant.
1. Sage nur das, was mit dem laufenden Gespräch in Bezug gesetzt werden kann.
2. Sage nur, was dazu gehört.
• Erwartung von Relevanz
d) Maxime der Modalität
• Sei klar
1. Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks.
2. Vermeide Mehrdeutigkeit.
3. Sei kurz (vermeide unnötige Weitschweifigkeit).
4. Der Reihe nach!
• Erwartung der Angemessenheit
Nicht-Erfüllen der Maximen:
1. Verletzung einer Maxime  Irreführung
2. Aussteigen: „Mehr kann ich nicht sagen, meine Lippen sind versiegelt“
3 .Kollision zweier Maxime: z.B. die erste Maxime der Quantität vs. die zweite Maxime der Qualität
4. Verstoß gegen eine Maxime
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
2) Implikaturen
• Ein Sprecher induziert mit der Äußerung eines Satzes S die Implikatur, dass p der Fall ist, wenn seine
Äußerung den Schluss auf p erlaubt, ohne dass er mit S wörtlich gesagt hätte, dass p.
 „Erschlossenes“
Konversationelle Implikaturen:
• Wenn die Implikatur auch auf der Annahme beruht, dass der Sprecher gewisse
Konversationsmaximen befolgt oder absichtlich verletzt hat
•Faktoren: wörtliche (konventionelle) Bedeutung, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen,
Kontext
• Eigenschaften:
1. rekonstruierbar, kontextabhängig (+ variabel) kalkulierbar (Basis: KP und die Maximen)
2. inhaltsbasiert
3. löschbar, annullierbar
Generelle Konversationelle Implikatur:
• wenn sie in allen Normalkontexten erscheint:
„Ich habe Hans gestern mit einer Frau im Kino gesehen.“  Es war nicht seine Frau.
Spezielle Konversationelle Implikatur:
•die nur in bestimmten Äußerungskontexten erscheint:
–Der Kapitän notiert im Logbuch: Heute, 23. März, der Maat ist betrunken.
–Einige Tage später schreibt der Maat ins Logbuch: Heute, 26. März, der Kapitän ist nicht
betrunken
Konventionelle Implikatur:
• Wenn der Schluss ausschließlich auf der konventionellen Bedeutung der Wörter und
grammatischen Konstruktionen beruht, die in S vorkommen
• Tests sind nicht anwendbar;
• nicht löschbar, aber ablösbar (Paraphrase)
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Präsuppositionen
• selbstverständliche (implizite) Voraussetzung;
• Semantische Def.: Präsuppositionen sind Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um den
Wahrheitswert zu bestimmen;
• Pragmatische Def.: nicht kontroverser Teil des gemeinsamen Hintergrundes
• Eigenschaften:
1. Nicht löschbar
2. Negationstest: Konstanz unter Negation
Implikationen vs. Präsuppositionen
•Angela hat Guido geweckt.
•Guido ist anschließend wach.  Implikation
•Guido hat vorher geschlafen.  Präsupposition
•Angela hat Guido nicht geweckt.
•Guido ist (anschließend) nicht wach.  Implikation
•Guido hat (vorher) geschlafen.  Präsupposition
3) Sprechakte
Konstative – Performative:
• Konstative: Behauptungen wahr oder falsch
• Performative: behaupten nichts nicht wahr oder falsch vollziehen eine Handlung
Formale Konventionalisierung:
• Für den gelungenen Vollzug eines performativen Sprechaktes sind Konventionen einzuhalten.
• bei institutionalisierten Akten feste Formeln (z.B. Ich taufe dich auf den Namen Egon.)
 Ritualisierte Handlungen
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Explizit vs. Implizit/Primär:
• explizit performative Sätze: Durch geeignete sprachliche Mittel wird in dem Satz zu erkennen
gegeben, welche Handlung mit dem Satz vollzogen wird
- Verben: Lexikalische Klasse von Verben, die an den handelnden Sprecher gebunden sind
und sich auf die Sprechsituation beziehen
- Performative Verben sind Verben, die dazu verwendet werden können, den bezeichneten
Sprechakt auszuführen
• primär (implizit) performative Sätze: Welche Handlung mit dem Satz vollzogen wird, ist dem Satz
nicht zu entnehmen, sondern nur den Äußerungsumständen.
Probleme der Dichotomie
• Sätze werden von Sprechern im Akt der Äußerung für eine Sprechhandlung benutzt.
• Performative Äußerungen können konstativ sein, d.h. abhängig vom Wahrheitsgehalt sein und dem
Handlungsaspekt genügen.
• Konsequenz:
 Alles, was Sprecher mit Worten tun, jede Äußerung ist performativ.
4) Sprechakttheorie
Was gehört dazu, dass einer „eine Äußerung tut“:
a) ein phonetischer Akt - lautbezogen
ein phatischer Akt - wortbezogen
ein rhetischer Akt - Außenweltbezug
 Lokutionärer Akt
b) Ein Akt, den man vollzieht, indem man etwas sagt:
 Illokutionärer Akt
c) Eine Äußerung kann mit der Absicht getan worden sein, eine Wirkung hervorzubringen:
 Perlokutionärer Akt
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
5) Sprechaktregeln
• normale Ein-/Ausgabebedingungen; z.B. die gleiche Sprache sprechen, nicht taub
• Bedingungen des propositionalen Gehalts: Die Proposition und der Sprechakt dürfen einander nicht
widersprechen.
• Einleitungsbedingungen: Die beteiligten Personen und die äußeren Umstände sind dem Sprechakt
angemessen.
• Aufrichtigkeitsbedingung: Die Absichten, Gedanken, etc. der beteiligten Personen müssen dem
Zweck des Sprechakts angemessen sein.
• Wesentliche Bedingung: Definition des Sprechakts
6) Sprechaktklassifikation
1. Unterschiede im Zweck/Witz:
Befehl: Hörer soll etwas tun
Behauptung: Hörer soll etwas glauben
Versprechen: Sprecher verpflichtet sich etwas zu tun
2. Unterschiede in der Ausrichtung, d.h. darin, wie Wörter und Welt aufeinander bezogen sind:
Bei Feststellungen werden die Wörter der Welt angepasst.
Bei Versprechen/Befehlen wird die Welt den Wörtern angepasst.
3. Unterschiede in den zum Ausdruck gebrachten psychischen Zuständen:
X behaupten setzt voraus: an X glauben
X versprechen setzt voraus: die Absicht X zu tun
H X befehlen setzt voraus: wollen, dass H X tut
ASSERTIVE (Repräsentative):
Zweck: der Sprecher legt sich auf die Wahrheit von p fest
Ausrichtung: Wort  Welt
Psychische Zustand: glauben (dass p)
Er prahlte damit, dass er 3 Portionen in der Messe gegessen hat.
DIREKTIVE:
Zweck: der Sprecher versucht den Hörer dazu zu bringen, etwas zu tun
Ausrichtung: Welt  Wort
psychische Zustand: wollen/wünschen (dass p)
Ich schlage vor, dass wir ins Kino gehen.
KOMMISIVE :
Zweck: den Sprecher auf ein bestimmtes Verhalten festzulegen
Ausrichtung: Welt  Wort
psychische Zustand: Absicht (dass p)
Ich verspreche dir, dass ich morgen pünktlich bin.
EXPRESSIVE:
Zweck: einen psychischen Zustand zum Ausdruck bringen
Ausrichtung: keine
psychische Zustand: variabel
Herzlichen Glückwunsch!
DEKLARATIVE:
Zweck: der erfolgreiche Vollzug garantiert, dass der propositionale Gehalt der Welt entspricht
Ausrichtung: Wort  Welt
psychische Zustand: keiner
Setzen gewöhnlich neben einem bestimmten sprachlichem Rahmen bestimmte
soziale Institutionen voraus: „Nur dank solcher Institutionen wie der Kirche ... kann
exkommuniziert werden.“
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
7) Sprachliche Form von Sprechakten
• propositionaler Gehalt
• situativer Kontext
• Illokutionsindikatoren:
• performative Verben (ich verspreche…)
• Modus und Modalverben (wenn er doch käme...)
• konventionalisierte Wendungen, Partikeln (sei so gut, bitte, hoffentlich, bloß, gefälligst…)
• Satzarten (Aussage, Frage…)
• Prosodie
8) Indirekte Sprechakte
• illokutionärer Akt, der durch den Vollzug eines anderen illokutionären Aktes vollzogen wird.
• primärer Sprechakt: der indirekt vollzogene Sprechakt; entspricht der Hauptintention des
Sprechers.
• sekundärer Sprechakt: Sprechakt, durch dessen Vollzug ein primärer Sprechakt indirekt vollzogen
wird.
• Interpretationsleistung des Hörers:
• betrifft insbesondere Direktiva
• Rekonstruktion des primären Sprechakts (entgegen Illokutionsindikatoren oder darüber
hinaus)
• stützt sich auf Gricesches KP und Maximen
• über konversationelle Implikatur
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
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Semester 1
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
9) Konversationsanalyse:
Semester 1
• Unter Gespräch verstehen wir eine jede sprechsprachliche, dialogische und thematisch zentrierte
Interaktion
• Grundbegriffe
• Sequenzorganisation
– Adjacency Pairs
– Präferenzorganisation
– Präsequenzen
• Repair Organization
Grundannahmen:
In jeder Konversation finden wir:
1. Sprecherwechsel
2. Meistens spricht nur einer.
3. Überlappungen kommen vor, sind aber kurz
4. In der Regel findet der Sprecherwechsel ohne Pause oder Überlappung statt.
5. Weder der Inhalt noch die Länge eines Turns sind festgelegt.
6. Turnübernahme kann durch Selbstwahl oder Fremdwahl erfolgen.
7. Es gibt Reparaturmechanismen.
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Turn-Taking System:
• 2 Komponenten und gewisse Regeln
1. Turn-Constructional Component [TCU]
• TCUs können Sätze, Teile von Sätzen oder auch mehrere Sätze sein.
• Sprecher erhalten offensichtlich ein ‘Rederecht’.
• The first possible completion of a first such unit constitutes an initial transitionrelevance place. [TRP]
2. Turn-Allocational Component
a. those in which a next turn is allocated by the current speaker selecting a next
speaker
b. those in which a next turn is allocated by self-selection
• Turn Signals
1. Intonation: finale Intonation; Absenken der Stimme
2. Paralanguage: Dehnung der letzten Silbe
3. Body motion: Beendigung einer Handbewegung oder Zurücklehnen
4. Terminal expression: Gebrauch stereotyper Ausdrücke oder, ne, so ist das
5. Syntax: Vollendete Satzstruktur
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Analysekategorien:
1. Kategorien der Makroebene: Gesprächsphasen
I. Gesprächseröffnung
II. Gesprächs-‘Mitte‘ (Entfaltung des Hauptthemas)
III. Gesprächsbeendigung
IV. Gesprächs-‘Ränder‘ (Nebenthemen, Episoden)
2. Kategorien der mittleren Ebene
I. Gesprächsschritt (‚turn‘)
II. Sprecherwechsel (‚turn-taking‘)
III. Gesprächssequenz (‚adjacency pairs‘)
IV. Sprechakt/Hörverstehensakt
V. Gliederungssignal
VI. back-channel-behavior
3. Kategorien der Mikroebene
Sprechaktinterne Elemente: syntaktische, lexikalische, phonologische und prosodische
Struktur
Sequenzorganisation - adjacency pairs:
• Adjacency pairs sind zwei im Regelfall unmittelbar aufeinander folgende Redebeiträge
verschiedener Sprecher.
• Der erste Beitrag realisiert einen spezifischen Aktivitätstyp (man könnte auch sagen:
Sprechhandlungstyp), der eine Fortsetzung mit einem korrespondierenden Aktivitätstyp
projiziert, d.h. für den zweiten Sprecher relevant setzt.
• Der Zusammenhang zwischen erstem und zweitem Paar-Teil wird in der Konversationsanalyse auch
"konditionelle Relevanz" genannt.
• Der Begriff bezeichnet die Tatsache, dass eine zweite Aktivität relevant wird in Abhängigkeit vom
Auftreten einer ersten.
Frage – Antwort; Gruß – Gegengruß; Aufforderung – akzeptationsbehandelnde Reaktion
• Reihung: Wie geht’s? – Gut, Danke. – Kommst du mit? – Ja.
• Kopplung: Hallo, wie geht’s? – Danke gut, und dir? – So lala.
• Insertion/Einbettung: Gehst du mit ins Kino? – Kann Peter mitkommen? – Muss das sein. – Es geht
nicht anders. – Na gut. – Okay. – Dann bis heute Abend.
Präferenzorganisation:
• Der Begriff Präferenz bezeichnet eine sozial geregelte Einstufung (keine individuelle Vorliebe) von
Handlungsweisen.
• Präferierte Folgehandlungen werden in der Regel kürzer, direkter und strukturell einfacher
realisiert als dispräferierte, für die u.a. Einleitungen, "Hecken" und andere Formen der Verzögerung
und Abschwächung typisch sind.
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Präsequenzen:
• Vorfrage zur Vermeidung einer Dispräferenz der eigentlichen Frage („was machst du heute
Abend?“ vor der Frage „kommst du mit ins Kino?“)
• ermöglichen dem Adressaten eine restriktive Auskunft („ich hab wirklich total viel zu tun“)
Repair Organization:
• beschreibt, wie Gesprächsteilnehmer Probleme beim Sprechen, Hören oder Verstehen behandeln.
Back-channel-behaviour:
• Rückmeldungspartikeln sind die Mittel des jeweiligen Hörers, das Gespräch zu stabilisieren und in
seinem Sinne zu akzentuieren:
1. „Hm, richtig, genau, ja, ich verstehe“
2. Satzvollender
3. „Bitte um Klärung“ „Was meinst du damit? Wie bitte? Was?“
4. Repetitionen – ‚kurze Nachformulierungen‘
5. Nonverbale Reaktionen: Kopfnicken, -schütteln
10) Narration:
• In Narrativen entspricht die Abfolge der einzelnen Äußerungseinheiten der Abfolge des Geschehens
Minimaler Narrativ:
• besteht aus einer Sequenz von zwei einfachen Sätzen, die zeitlich geordnet sind
• Narrative Sätze sind stellungsmäßig gebunden
21
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Satztypen in der Narration:
• Narrative Sätze sind stellungsgebunden
• Freie Sätze sind nicht stellungsgebunden
• Nebensätze sind keine narrativen Sätze
• Koordinierte Sätze
• Eingeschränkt freie Sätze
The Overall Structure of Narratives
A fully-formed narrative may show the following:
a. Abstract – What, in a nutshell, is this story about?
• Einleitende Zusammenfassung der nachfolgenden Geschichte
• können aber auch allgemein als Einleitung in Geschichten fungieren
b. Orientation – Who, when, where, what?
• Zeit, Ort, Personen und die Situation werden eingeführt
c. Complicating Action – Then what happened?
• antwortet auf die Frage: Und was ist dann passiert?
• die Sequenz narrativer ‚Sätze‘, die das Rückgrat (Backbone) der Geschichte darstellt
d. Evaluation – So what, how is this interesting?
• “why it was told and what the narrator is getting at“
• Externe Evaluation:
• bei der der Erzähler die Story unterbricht und sich direkt an den Hörer
wendet:
so was hast du noch nicht gesehen
• Story wird eingeschränkt unterbrochen:
- Erzähler: Und ich habe mir gesagt: Das war‘s.
• Interne Evaluation:
• Intensifier: Gestik, Lautstärke, Wiederholungen
• Comparators: beziehen sich auf das, was hätte passieren können und nicht
auf das, was passiert ist.
• Correlatives: Handlungen werden in komplexen Sätzen zusammengefasst
• Explicatives: durch Konjunktionen eingeleitete Nebensätze
e. Result or Resolution – What finally happened?
f. Coda – That‘s it. I‘ve finished and am ‚bridging‘ back to our present situation.
• beendet eine Geschichte
• führt von der Erzählebene zurück zur Kommunikationssituation
11) Was ist ein Text?
„Der Terminus ‚Text‘ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent
ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“
Kriterien zur Textualität:
• Text = eine kommunikative Okkurrenz, die sieben Kriterien der Textualität erfüllt.
• „Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt dieser Text nicht als
kommunikativ. Daher werden nicht-kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt.“
22
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
Textualitätskriterien:
1. Kohäsion
• betrifft die Art, wie die Komponenten des OBERFLÄCHEN-TEXTES, d.h. die Worte, wie wir
sie tatsächlich hören oder sehen, miteinander verbunden sind
• Die Oberflächenkomponenten hängen durch grammatische Formen und Konventionen
voneinander ab, so dass also Kohäsion auf GRAMMATISCHEN ABHÄNGIGKEITEN beruht
2. Kohärenz
• betrifft die Funktionen, durch die die Komponenten der TEXTWELT, d.h. die Konstellation
von KONZEPTEN (Begriffen) und RELATIONEN (Beziehungen), welche dem Oberflächentext
zugrundeliegen, für einander gegenseitig zugänglich und relevant sind
3. Intentionalität
• bezieht sich auf die Einstellung des Textproduzenten, der einen kohäsiven und kohärenten
Text bilden will ... um Wissen zu verbreiten oder ein in einem PLAN angegebenes ZIEL zu
erreichen
4. Akzeptabilität
• betrifft die Einstellung des Text- Rezipienten, einen kohäsiven und kohärenten Text zu
erwarten, der für ihn nützlich und relevant ist
5. Informativität
• meint das Ausmaß der Erwartetheit bzw. Unerwartetheit oder Bekanntheit bzw.
Unbekanntheit der dargebotenen Textelemente
6. Situationalität
• Faktoren, die einen Text für eine Kommunikations-SITUATION RELEVANT machen
7. Intertextualität
• Faktoren, welche die Verwendung eines Textes von der Kenntnis eines oder mehrerer
vorher aufgenommener Texte abhängig macht
Strukturbezogener transphrastischer Ansatz (Harweg 1968/79):
Text:
•= ein durch ununterbrochene pronominale Verkettung konstituiertes Nacheinander sprachlicher
Einheiten
•= ein durch eine ununterbrochene Kette zweidimensionaler Substitutionen gebildetes Nacheinander
sprachlicher Einheiten
•eindimensionale Substitution Hans: Hans; alle Menschen: alle Menschen - Hans ist ein netter Kerl.
Hans hat nämlich gestern ….
•zweidimensionale Substitution ein Junge : er; Berlin : diese Stadt „Kombinierte Form
syntagmatischer und durch sie vermittelter paradigmatischer Substitution“= neue Pronomina
•Textdelimitation: „Der Anfang eines Textes ist durch das Auftreten syntagmatischer Substituenda
und das gleichzeitige Fehlen syntagmatischer - oder genauer: zweidimensionaler Substituentia
markiert.“
12) Typen kohäsiver Beziehungen
•Referenz
• Klaus ist gekommen. Er hat sich überhaupt nicht verändert.
• Ich habe mir ein Auto gekauft. Dieses Auto war überflüssig.
• Wir haben in den späten 60ern studiert. Damals waren wir noch idealistisch.
•Substitution und Ellipse
• The bottle is empty. Please get me a new one.
• John is smoking more now than he used to do.
• Hans raucht jetzt mehr als früher [Ø].
• Ist diese Melone reif? Es sieht so aus.
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Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
•Lexikalische Kohäsion
•Reiteration
–Repetition
Er schmierte sich ein Butterbrot. Nachdem er sich das Butterbrot geschmiert
hatte, ...
–Synonymie
Unsere Nachbarn haben einen Hund. Die Töle jault die ganze Nacht.
–Hyponymie
Wir haben uns Möbel angesehen und einen Tisch gekauft.
–Meronymie
Der Computer, den ich mir bei X gekauft habe, hat Macken. Das
Motherboard scheint nicht in Ordnung zu sein.
–Antonymie
Er sehnte sich nach Ruhe. Der Lärm vor dem Haus machte ihn fertig.
•Kollokation
Die Hubschrauber des Roten Kreuzes waren den ganzen Tag in der Luft. Die Blutbank
wird bald Spenden brauchen.
•Konjunktion
•additiv
Er ist nicht nur blöd, sondern auch Nichtraucher.
Er gibt sein Studium dran und wird Bäcker.
•kausal
Er konnte nicht kommen, weil er krank ist.
Erst studiert er Linguistik und jetzt ist er arbeitslos.
glücklich.
VI Syntax – Satz
1) Systemsatz versus Textsatz
• Sätze sind keine Äußerungen, sondern Satzstrukturen, Systemsätze im Sinne von Lyons (1977), die
erst 'kontextualisiert' werden müssen, um dann als Textsätze zu erscheinen
• Die Kompetenz eines ‚Native Speakers‘ entscheidet, ob ein Satz grammatisch ist oder nicht
• An asterisk (*) before the sequence of units indica-tes that it is not consistent with the
conventionalized grammatical patterns of the language
2) Grammatiktheoretische Ansätze
• Traditionelle/Schulgrammatik
• Valenz- bzw. Dependenzgrammatik
• Funktionale Grammatik
• Konstituenten-/Phrasenstrukturgrammatik
• Generative Grammatik
• Generative Semantik
• Kasusgrammatik
• Kategorialgrammatik/Formale Semantik/Montague
24
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
3) Satzmodelle
•
Semester 1
Das klassische Modell der Schulgrammatik
o Jeder Hauptsatz enthält etwas, worüber ausgesagt werden soll. Dieses 'etwas' ist
dann Gegenstand der Aussage
o Der Satzgegenstand ist der Ausgangspunkt jedes Gedankens. Die Satzaussage ist
erforderlich, um den 'Gegenstand' zu erläutern
 Wer flieht? – Der Verbrecher(Satzgegenstand) / Was tut der Verbrecher? –
Er flieht (Satzaussage)
o Der einfache Satz ist der Ausdruck einer einfachen Aussage und daran zu erkennen,
daß er nur ein Aussagewort oder verbum finitum enthält
o ein erweiterter Satz, wenn er mit bestimmenden Zusätzen versehen ist, die jedoch
selbst nicht die Form von Sätzen haben
o Kritikpunkte: keine einheitliche Klassifizierung (z.B. Attribut – kein Satzglied), keine
stringente Subklassifizierung (z.B. Objekte-Form vs. Adverbiale-Semantik)
• Das Stellungsfeldermodell
Vorfeld
Linke SK
Mittelfeld
Rechte SK
Nachfeld
Die Vase
hat
auf dem Tisch
gestanden
Hat
die Vase auf dem gestanden
vor der Klausur?
Tisch
Auf dem Tisch
hat
die Vase
gestanden
Dass
die Vase auf dem gestanden hat
Tisch
o Das Hauptverb eines Satzes darf nur in der linken oder rechten Satzklammer stehen
o Die linke Satzklammer darf nur durch das finite Hauptverb oder durch eine
satzeinleitende Konjunktion besetzt sein
o Im Vorfeld darf nur ein Satzglied stehen, im Mittelfeld und Nachfeld jedoch beliebig
viele
• Dependenzmodell
o Basiert auf dem Prinzip der Abhängigkeit (Dependenz) zwischen den Wörtern eines
Satzes
 Ausganspunkt ist das Verb
 Diesem sind Aktanten und Ergänzungen zugeordnet
o Wertigkeit von Verben
 Nullwertig: Es hagelt.
 1wertig: Die Wüste lebt (Intransitiv)
 2wertig: Er liest das Buch (Transitiv)
 3wertig: Sie gibt ihm den Schlüssel
(Ditransitiv)
o Wertigkeit auch von Nomina, Adjektiven und
Präpositionen
o Komplemente vs. Adjunkte
 Notwendige Ergänzungen
(Vollständigkeit der Sequenz)
 Freie oder Fakultative Ergänzungen
25
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
•
Zusammenfassung
Semester 1
Konstituenzmodell
o Konstituensrelation
 Wenn mehrere Elemente von einem übergeordneten Element dominiert
werden
4) Distributionalismus
•
•
•
•
•
Ziel: Elemente und deren Ordnung
Analyse über „Entdeckungsprozeduren“
Systemimmanente Methode:
– Semantische Faktoren werden ausgeklammert
– Bedeutung als Funktion der Verteilung
Äquivalente Distribution:
– Zwei Elemente stehen in freier Variation, wenn sie ohne Bedeutungsunterschied im
gleichen Kontext erscheinen können
– Sie stehen in kontrastiver Distribution, wenn die Ersetzung zu einem
Bedeutungsunterschied führt
Komplementäre Distribution:
− Sie stehen in komplementärer Distribution, wenn sie nie in der gleichen Umgebung
vorkommen
5) Segmentierung – IC-Analyse
• ICs = Immediate Constituents Unmittelbare Konstituenten
• IC- Analyse ist die stufenweise binäre Segmentierung eines gegebenen Satzes bis zur Ebene der
Einzelwörter
• Ersetzungs-/Substitutionstest:
- Wortfolgen gleicher Klasse, die sich füreinander ersetzen lassen, ohne dass sich an der
Satzhaftigkeit (Grammatikalität) des Ganzen etwas ändert, sind möglicherweise
Konstituenten
• Verschiebe-/Permutationstest
- Was verschoben werden kann, ist eine Konstituente
• Tilgungstest:
- Was (in elliptischen Konstruktionen) weggelassen werden kann, bildet eine Konstituente
- Oma trinkt ein Bier. Opa ___ eine Bionade.
• Koordinationstest:
- Was sich koordinieren lässt, ist eine Konstituente
- Kohl und die langen Winterabende deprimieren mich
26
Einführung in die Allgemeine Sprachwissenschaft
Zusammenfassung
Semester 1
6) Probleme der klassischen IC-Analyse
1) Binarität:
− Männer und Frauen = Männer KNJ Frauen
2) Diskontinuierliche Elemente:
− Der Junge trinkt das Glas aus. – Der Junge leert das Glas.
− [ [ [Der] [Junge] ] [ [leert] [ [das] [Glas] ] ] ]
7) Phrasen
• Sätze sind nicht einfach eine Abfolge von Wörtern, sondern es sind hierarchisch strukturierte Ganze,
in denen Wörter zu zunehmend größeren strukturalen Einheiten zusammengefasst werden
 Phrasen
Expansionsregeln:
S

NP VP
VP

V NP
NP

DET N
NP

ADJ N
PP

P
PP

P NP
PP

DEG P NP
AP

A
AP

A PP
AP

DEG{DET;DEG} A PP
- Erweiterungen:
VP

V NP PP
(Ich stelle das Glas auf den Tisch)
NP

DET N PP
(Ich kenne den Jungen aus Düsseldorf)
NP

DET N NP
(Komplement)
NP

DET N (PP) (PP) (Adjunkte)
Formale Konventionen:
• ( ) = optional
• { } = alternativ
•  = expandiert zu/besteht aus
VP  V NP (PP)
NP DET (ADJ) N (PP)
PP  P NP
Generalisiertes Schema:
27
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