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FREIZEIT: WAS TUN - Evangelisches Johanneswerk

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Unser Werk
Z E I T S C H R I F T F Ü R F R E U N D E U N D F Ö R D E R E R D E S E VA N G E L I S C H E N J O H A N N E S W E R K E S E . V.
NR. 4
DEZEMBER 2008
STIFTSGARTEN WÄCHST
SCHÜLER BRINGEN
LEBEN INS GRÜN
LUISE LAUFENBERG
VIEL BEWEGT TROTZ
SCHWERER LÄHMUNG
FREIZEIT: WAS TUN?
NACH DEM ARBEITSLEBEN BIRGT DER RUHESTAND AUCH FÜR
MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN CHANCEN UND PROBLEME
Liebe Freunde und Förderer
unseres Werkes,
pünktlich zur Adventszeit erhalten Sie die 4. Ausgabe von
Unser Werk mit vielen Beiträgen aus den verschiedenen Arbeitsfeldern unseres Werkes. Im Mittelpunkt steht der Bericht
über das Leben nach der Arbeit von Menschen mit geistigen Behinderungen und Sie werden beim Lesen merken: Die
Unterschiede zu anderen Rentnern sind gar nicht so groß,
wenn es eine gute Betreuung gibt. Und auch in den anderen
Berichten spielen die Betreuung und das gemeinsame Tun
eine große Rolle, sei es beim ehrenamtlichen Engagement
als Heimbeirätin, bei engagiertem künstlerischen Arbeiten
von Schülern für andere oder bei qualifizierter hauptamtlicher
Arbeiten mit Menschen, die Hilfe benötigen.
Es ist uns wichtig, einmal im Jahr unseren Freunden und Förderern für ihre Unterstützung zu danken. Dieses Mal erhalten Sie die Johanneswerk-Weihnachtskarte zusammen mit
dem Unser-Werk-Heft in einem umweltfreundlichen Briefumschlag. Auf diesem Weg können wir Porto und Umschläge
für die Karte sparen und das Geld für unsere soziale Arbeit
einsetzen.
Ich wünsche Ihnen – auch im Namen meiner Vorstandskollegen – viel Spaß beim Lesen, eine gesegnete Weihnacht und
einen guten Übergang in das Jahr 2009.
Ihr
Und so gleicht dieses Heft in seiner Vielfalt ein wenig einem
Jahresrückblick, der Mut macht für die Zukunft und das Jahr
2009.
2|
Unser Werk
Karsten Gebhardt
Vorsitzender des Vorstands
UNSER WERK Dezember 2008
Stiftung mitLeidenschaft
Behindertenarbeit
Persönliche Zukunftsplanung im Haus Regenbogen
Armut zum Fest
7
Offene diakonische Arbeit
Zurück aus der Fantasy-Welt: Hilfe bei Online-Sucht
Spende finanziert Spielgeräte
Überwältigende Resonanz auf ‚Freiräume’
Dankeschön für Ehrenamtliche
10-11
13
Altenarbeit
Seelsorge auf Demenz-Kranke ausrichten
9
19
20-21
22
Gesundheit
20 Jahre Tagesklinik Netphen
14-15
Arzt der Rhein-Klinik engagiert sich in Ruanda
16-17
Mindestlohn in der Diskussion
23
Werke eines demenzkranken Künstlers
15
Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen 33
Frischer Auftritt für Tagespflege Bad Driburg
18
Personalien
Amalie-Sieveking-Haus feiert Jubiläum
24
Frieder Morgenstern prägte die Arbeit in Grünau
28
„Kurt Diehr ist immer für uns da!“
25
Neue Leitung der Öffentlichkeitsarbeit
34
Gebhardt leitet Verband Ev. Krankenhäuser
35
Einzug und Ministerbesuch im Bültenhaus
26-27
JETZT UNTER WWW.JOHANNESWERK.DE
Seit 30 Jahren
Heimbeiratsvorsitzende
Luise Laufenberg lebt im Käthe-Kollwitz-Haus in Bocholt. Dort hat sie trotz
schwerer Krankheit viel bewegt. (8-9)
„Die Vokation war etwas Besonderes“
29
Heinz-Joachim Brosinsky verstorben
39
Wichtiges Mitbringsel aus den USA
30
Dr. Friedrich Belz verstorben
39
Angehörige prüfen Konzept
31
Personalien
FHdD diskutiert Pflege
32
Impressum
36-38
36
Unser Werk ist auf 100 Prozent Recycling-Papier gedruckt.
Unser Werk
TITEL Vom Arbeitsleben in die Freizeit
Heilerziehungpflegerin Astrid Eickmeier-Niezgoda gestaltet mit Eveline Helmis (l.)
und Dieter Edler den Tag. Beide gehören zu der wachsenden Gruppe von Menschen mit Behinderungen, die nach dem Arbeitsleben die Rente genießen können.
Und für die das Johanneswerk ganz neue Freizeitangebote entwickelt. (4-7)
UNSER WERK
TITELFOTO: FRANK ELSCHNER
Johannesstiftsgarten wächst
Schüler und Sponsoren bringen Farbe
in die Grünanlage. (12-13)
3
FOTOS: FRANK ELSCHNER
Genießen den Plausch
nach getaner Arbeit:
Eveline Helmis und
Dieter Edler haben den
Garten neu gestaltet
Freizeitangebote kommen bei Menschen mit Behinderungen gut an
Selbstgestrichene Bank
gibt Halt im Ruhestand
Seit er Rentner ist, schläft Dieter Edler immer bis neun.
Den Luxus gönnt er sich. Danach macht er das, wozu er gerade Lust hat.
Gemütlich frühstücken, dann ein bisschen puzzlen oder einen Stadtbummel machen. Na ja, und die Hausarbeit muss erledigt werden, klar. Was man
im Ruhestand eben so macht. Aber dienstags und donnerstags bekommt er
Besuch, den andere Rentner nicht bekommen.
4
Unser Werk
RECKLINGHAUSEN/BOCHUM.
Heilerziehungspflegerin Astrid Eickmeier-Niezgoda geht mit
Dieter Edler in den Garten und pflanzt Blumen, manchmal
machen sie einen Spaziergang. Oder sie reden einfach nur
miteinander.
Dieter Edler ist 65 Jahre alt und geistig behindert. Er wohnt
in einer Außenwohngruppe des Hauses Regenbogen in
Recklinghausen, einer Einrichtung des Ev. Johanneswerks
für Menschen mit Behinderungen. Bis zum Beginn seines
Ruhestands im Frühjahr hat er in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen gearbeitet. Edler gehört zu einer
kleinen Bevölkerungsgruppe, die in den nächsten Jahren anwachsen wird: Menschen mit Behinderungen, die alt werden.
Durch die Euthanasie-Verbrechen im Dritten Reich wurde eine ganze Generation ausgelöscht – erst jetzt erreichen die
Menschen mit Behinderungen, die nach dem Krieg geboren
wurden, das Rentenalter. Verbesserte Lebensbedingungen
und eine gute medizinische Versorgung haben ihre Lebenserwartung in den letzten Jahren stetig steigen lassen.
„Ja, mit
Paule war’s schön“
Diese neue Situation erfordert veränderte Strukturen und Angebote in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Viele Bewohner haben bis zum Renteneintritt einen ganz
normalen Arbeitsalltag in einer Werkstatt. Wenn sie mit 65
Rentner werden, birgt das Probleme und Chancen zugleich.
„Im Grunde haben diese Menschen dieselben Schwierigkeiten wie alle Rentner – nur massiver, denn sie sind daran
gewöhnt, dass andere die Freizeit für sie gestalten“, sagt
Eickmeier-Niezgoda. Wohnen und Arbeiten – damit ist das
Leben der meisten Bewohner schon ausgefüllt. Wenn dann
die Arbeit als zeitintensiver, sinnstiftender Bereich wegfällt,
müssen viele das Leben neu für sich definieren.
Unser Werk
Zusammen kochen,
backen oder einfach
nur reden - Astrid
Eickmeier-Niezgoda
(Mitte) ist wichtige
Ansprechpartnerin für
die Bewohner
5
Seit sie im Ruhestand
sind, verstehen sich
die beiden Mitbewohner
besser
Edler ist das ohne große Mühe gelungen. Vierzig Jahre lang
hat der 65-Jährige in der Wäscherei des Hauses Regenbogen gearbeitet. Astrid Eickmeier-Niezgoda klappt das Fotoalbum auf. Ein Bild zeigt einen grinsenden Dieter Edler, vor
ihm einen großen Berg Wäsche. „Ach komm, das hat dir
schon Spaß gemacht, mit dem Paule zusammen“, sagt die
Heilerziehungspflegerin. Paule war Edlers Kollege. „Ja, mit
Paule war’s schön“, sagt er. Ob er die Arbeit vermisst? Edler
schüttelt lächelnd den Kopf.
6
Unser Werk
Antriebslosigkeit
besiegen
Doch nicht für alle gestaltet sich der Übergang in den Ruhestand so unproblematisch. Für Edlers Mitbewohnerin Eveline
Helmis war der Abschied von der Werkstatt sehr schwer. Die
kleine Frau mit den grauen Locken blickt sich stolz in ihrem
bunten Zimmer um. An den Wänden hängen so viele Kalenderblätter, Tier-Zeichnungen und Fotos, dass kaum ein Fleck
frei ist. Auch die Bilder von drei Firmenjubiläen hängen hier,
ordentlich und gerade untereinander aufgereiht. In der Werkstatt hat Eveline Helmis bis vor kurzem Waschlappen genäht,
gefaltet und eingepackt. Am 22. April hat sie mit ihren Kollegen ihren 65. Geburtstag gefeiert – und gleichzeitig ihren
Abschied. Ein Blick auf die Jubiläumsfotos genügt, und ihre
Augen werden feucht. „Ich vermisse meine Arbeit und die
Kollegen“, sagt sie. Seitdem sie nicht mehr arbeitet, kämpft
sie gegen ihre eigene Antriebslosigkeit.
Für Menschen wie Helmis sind tagesstrukturierende Angebote im Ruhestand wichtig. Seit vielen Jahren entwickelt das
Ev. Johanneswerk Konzepte, um den Bedürfnissen alternder
Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden. Dabei hat
sich die Zielsetzung in den letzten Jahren verändert: „Wir entwickeln verstärkt dezentrale und ambulante Angebote“, sagt
Ronald Hampel, Fachleiter Behindertenarbeit im Ev. Johanneswerk. „Damit versuchen wir einen weiteren Beitrag dazu
zu leisten, dass Menschen mit Behinderung in ihrer eigenen
Wohnung leben können. Dass sie dort mit unserer Unterstützung ihre individuelle Wohnsituation bestimmen und ihre
Handlungsspielräume für eine selbstbestimmte Lebensführung erweitern können.“ Ein Anspruch, der bei einer wachsenden Gruppe älterer Menschen mit Behinderung auch in
finanzieller Hinsicht nicht leicht zu erfüllen ist. „Gerade die
Refinanzierung der Angebote ist schwierig, da wir qualifiziertes Personal benötigen“, sagt Hampel.
Zum Ausbau der ambulanten Angebote gehört auch, dass
Angebote für alle Menschen geöffnet und Begegnungsräume geschaffen werden. In der Bochumer Johanneswerk-Einrichtung Goerdthof wird dieses Konzept bereits seit fast zehn
Gartenmöbel, Grill
und Gartenzwerg
Anders als im Goerdthof nehmen an der Betreuung des Hauses Regenbogen bisher nur Dieter Edler und Eveline Helmis
teil – mehr Menschen im rentenfähigen Alter wohnen zurzeit nicht in der Johanneswerk-Einrichtung. Der Vorteil der
kleinen Gruppe: Eickmeier-Niezgoda kann das Programm
passgenau auf die Wünsche der beiden zuschneidern.
„Meistens haben sie erst mal viel Redebedarf“, erzählt sie.
Neben Spaziergängen und Ausflügen werden auch größere
Projekte realisiert: Gemeinsam haben sie den kleinen Garten
der Außenwohngruppe verschönert. Sie haben im Baumarkt
Gartenmöbel, Grill und Gartenzwerg eingekauft, Blumen gepflanzt, die Bank gestrichen.
Dieses Projekt hat nicht nur den einzelnen Bewohnern etwas
gebracht, sondern auch der Gemeinschaft. Helmis und Edler
hatten nicht immer ein harmonisches Verhältnis. „Seitdem sie
zusammen etwas geschafft haben, was ihnen Spaß macht,
verstehen sie sich viel besser“, erzählt Eickmeier-Niezgoda. Beim Gedanken an die Grillparty im Sommer, die sie
zusammen für das ganze Haus vorbereitet haben, leuchten
Eveline Helmis’ Augen. Inzwischen sitzt sie gerne mit ihrem
Mitbewohner auf der selbstgestrichenen Bank. Den Schriftzug „Eveline & Dieter“ zieren gelbe und orangefarbene Blümchen. [AJu]
Gemeinsames Träumen macht
Unvorstellbares möglich
Im Haus Regenbogen in
Recklinghausen macht gemeinsames
Träumen Unvorstellbares möglich: Unter
diesem Motto informierten Einrichtungsleitung Andrea Frank, Psychologin Lambrini Dossi und Wohnbereichsleitung Oliver
Beckmann interessierte Eltern, Angehörige
und Freunde über das Instrumentarium der
„Persönlichen Zukunftsplanung“, welches
zur Zeit in der Einrichtung für Menschen
mit Behinderungen umgesetzt wird.
RECKLINGHAUSEN.
Persönliche Zukunftsplanung ist ein
methodischer Ansatz, bei dem es darum
geht, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam über ihre Zukunft
nachdenken, sich Ziele setzen und diese
gemeinsam mit anderen umsetzen. Sich
an den Träumen, Bedürfnissen und Wünschen der Person zu orientieren, steht hierbei im Vordergrund. Die Methode wurde in
den USA von verschiedenen Autoren unter
dem Namen „Personal Future Planning“
oder „Person Centered Planning“ Ende
der achtziger Jahre entwickelt und wird
seit einigen Jahren auch in Deutschland
angewandt.
Die enorme Methodenvielfalt von Themenblättern, Kartensammlungen, Ordnern,
Unterstützerkreisen und Zukunftsplanungstreffen hilft dabei, auch den verstecktesten Wünschen und Träumen auf
die Spur zu kommen.
[OLIVER BECKMANN, WOHNBEREICHSLEITUNG HAUS REGENBOGEN]
Unser Werk
Jahren erfolgreich umgesetzt. 17 feste Teilnehmer im Alter
von 49 bis 71 nutzen täglich die Freizeitangebote, doch die
Türen stehen auch Nicht-Bewohnern offen. Zu den regelmäßigen Angeboten gehören eine Zeitungsrunde, Spielenachmittage und Cafébesuche. Eine Extrabetreuung gibt es für
Menschen mit Behinderung, die eine dementielle Erkrankung
haben. Das Konzept geht auf: „Viele stehen schon vor der
Tür, lange bevor die Betreuung losgeht“, sagt Hausleitung
Susanne Baumgart. Aus ihrer Sicht ist es besonders wichtig,
dass den Menschen keine Betreuung aufgedrückt wird: Sie
können kommen und gehen, wann sie wollen.
7
FOTOS: FRANK ELSCHNER
Luise Laufenberg:
Ich freue mich
einfach gerne
Seit 30 Jahren Heimbeiratsvorsitzende
Viel bewegt trotz schwerer Lähmung
Manchmal können ein paar Sekunden ein ganzes Leben aus den
Angeln heben. Und manchmal gibt es Menschen, die es sich trotzdem nicht aus
der Hand nehmen lassen. Luise Laufenberg ist so jemand.
BOCHOLT.
Ihre schwere Krankheit hat die 87-Jährige seit 30 Jahren
nicht daran gehindert, sich als Heimbeiratsvorsitzende der
Bocholter Alteneinrichtung Käthe-Kollwitz-Haus des Ev. Johanneswerks zu engagieren. Und auch nicht daran, mit ihrem Leben rundum zufrieden zu sein – trotz allem.
8
Unser Werk
26 Jahre lang
ans Bett gefesselt
Die Sekunden, nach denen alles anders war, erlebte Luise
Laufenberg mit 23 Jahren. Sie hatte das Abitur in der Tasche,
das sie in einer Begabtenprüfung hatte machen dürfen, und
gerade zwei Semester Germanistik mit dem Schwerpunkt
Kirchengeschichte studiert. „Aber dann kam der Krieg“, erzählt sie.
Die junge Frau aus Weiler bei Königswinter wurde eingezogen zu Reparaturarbeiten auf dem Heimatflughafen BonnHangelar. Sie verunglückte 1943, als sie bei einem Fliegeralarm von einem Flugzeug sprang. Die Wirbelsäulenlähmung
dritten Grades, die sie sich dabei zuzog, fesselte sie für die
nächsten 26 Jahre ans Bett. Gleichaltrige hatten Erfolg im
Beruf, heirateten, gründeten Familien. „Ohne meinen Herrgott und die liebevolle Unterstützung meiner Eltern hätte ich
diese Zeit nicht überstanden“, sagt sie heute. Vater und Mutter sorgten dafür, dass ihre Tochter sich sinnvoll beschäftigte, duldeten keine Langeweile. Sie half den Dorfkindern bei
den Schulaufgaben und leitete Jugendkreise – von ihrem
Bett aus.
Guter Draht zu
Personal und Bewohnern
Seitdem hat sie den für deutsche Alteneinrichtungen typischen Wandel in den letzten Jahrzehnten intensiv miterlebt.
Sie empfand es als Veränderung „von einer Einrichtung mit
Krankenhauscharakter zu einer Einrichtung mit hoher Wohnund Lebensqualität“. Zu Pflegekräften und Bewohnern hatte
sie sofort einen guten Draht – und viel Lust, sich zu engagieren. Noch im Jahr ihres Einzugs baute sie den Heimbeirat
auf. Seitdem setzt sie sich für die Wünsche und Bedürfnisse
der Bewohner ein. „Wenn mich jemand braucht, bin ich da“,
sagt sie.
Mit fünf anderen Heimbeiräten trifft sie sich alle zwei Monate,
um Belange der Bewohner zu klären, über Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen und Feste zu organisieren. „Es ist
beeindruckend, dass Frau Laufenberg sich nach all den Jahren noch immer mit so viel Freude und Interesse engagiert“,
sagt Einrichtungsleitung Susanne Siegert.
Dass sie sich gerne einsetzt, hat auch damit zu tun, dass sie
sich im Käthe-Kollwitz-Haus wohlfühlt. „Ich habe hier das
Zuhause gefunden, das ich in meinem Heimatort verloren
habe – und ich möchte allen danken, die dazu beigetragen
haben. Die Pflegekräfte kümmern sich rührend um uns und
wir genießen unsere Freiheit. Das ist ein großes Geschenk“,
sagt Luise Laufenberg.
„Eigentlich
bin ich Egoistin“
Auch das Schreiben und Lesen, ihre Leidenschaften, hat Luise Laufenberg nicht aufgegeben. Sie konzipiert und erstellt
die „Familienzeitung“, Hauszeitung der Johanneswerk-Einrichtung. Etwas für andere tun, hilft auch ihr selbst. „Eigent-
Das Käthe-Kollwitz-Haus
hat sich in den vergangenen Jahren
stark verändert
lich bin ich Egoistin“, lacht sie. „Ich freue mich einfach gerne.
Und die Freude, die wir geben, kommt doppelt ins eigene
Herz zurück.“
Mit großer Mehrheit wurde Luise Laufenberg auch im 30.
Jahr zur Vorsitzenden des Heimbeirats gewählt. Sich jetzt
zurückzulehnen, kommt für sie aber nicht in Frage. Sie sucht
ständig nach Wegen, ihre Arbeit im Heimbeirat zu verbessern. [AJU]
Seelsorge auf
Demenz-Kranke ausrichten
BIELEFELD. Der Altenheimseelsorge-Konvent in der Ev.
Kirche von Westfalen (EkvW) traf sich zu seiner 19. Jahrestagung in der Johannesstifts-Kapelle in Bielefeld. Immer mehr Menschen, die in Alteneinrichtungen leben, leiden unter Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Für Seelsorgende ist die Betreuung dieser Bewohner eine große
Herausforderung. Bei der Jahrestagung wurden Wege
aufgezeigt, wie Gottesdienste, Andachten und die seelsorgliche Lebensbegleitung auf die Belange der dementen Menschen ausgerichtet werden können.
Zum Thema „Demenz und Spiritualität“ referierte an diesem Tag Burkhard Pechmann, Pfarrer der Hannoverschen
Landeskirche und Beauftragter für die Altenheimseelsorge
in Alten- und Pflegeeinrichtungen in Hannover. Pechmann
hat unter anderem das Buch „Durch die Wintermonate
des Lebens“ zu diesem Thema veröffentlicht. Darüber hinaus wurde noch die neue Broschüre „Gottesdienste und
Demenz“ vorgestellt. [AK]
Unser Werk
Durch die Reha lernte Luise Laufenberg später einiges neu,
doch auf ihren Rollstuhl und die Hilfe anderer ist sie bis heute
angewiesen. Nachdem Eltern und Stiefschwester verstorben
waren, zog sie 1978 ins Gustav-Adolf-Haus, die VorgängerEinrichtung des Käthe-Kollwitz-Hauses. „Wie das Leben in
einer Alteneinrichtung aussieht, davon hatte ich keine Ahnung. Als ich anfangs bei allem Tun um Erlaubnis fragte, wurde ich liebevoll ausgelacht“, erzählt sie lächelnd.
9
Ev. Gemeindedienst hilft bei Internetsucht
Ein blauer Troll, der die
Ein Jahr lang trug
Marc eine Rüstung. Damals war
er 17 Jahre alt und fiel auf mit
seiner bläulichen Gesichtsfarbe, den stechend gelben Augen
und den riesigen Eckzähnen. Er
musste viele Kämpfe ausfechten,
gegen Nachtelfen, Zwerge und
Gnome. Der schwierigste Gegner
aber, den er bezwingen musste,
war sein innerer Schweinehund.
Der wollte zwar nur spielen,
das aber rund um die Uhr.
BIELEFELD.
B
is Marc Rothe* sich Hilfe in der Fachstelle Glücksspielsucht des Ev. Gemeindedienstes im Ev. Johanneswerk suchte, war der heute 19-Jährige süchtig
nach Internet-Computerspielen. Keine
Seltenheit: Laut einer neuen Studie
des Zentrums für empirische pädagogische Forschung der Universität
Koblenz-Landau zeigen elf Prozent der
10- bis 20-Jährigen ein krankhaftes
Computerspielverhalten.
Viele von ihnen nutzen Online-Rollenspiele, bei denen sich die Spieler im
Internet treffen. Mit über zehn Millionen Abonnenten weltweit ist „World
of Warcraft“, kurz WOW, mit Abstand
das erfolgreichste. Ein Abo kostet etwa zwischen 10 und 13 Euro im Monat. Ein kostenloser Probemonat lockt
Interessenten an – viele bleiben anschließend dabei.
Käämpfe mit Blutelfen und
Orcs gegen die "Allianz“
Auch Marc verfiel schnell der Fantasy-Welt von WOW und
schickte immer öfter seinen blauen Troll durch virtuelle Städte, Dörfer, Wälder und Wüsten. Gemeinsam mit anderen Figuren wie Blutelfen oder Orcs kämpfte er gegen Mitglieder
der gegnerischen „Allianz“, löste Rätsel und erlebte Abenteuer. Anfangs spielte Marc zwei Stunden täglich, doch schnell
wurden es mehr. Mitschüler, die sich auch für das MassiveMultiplayer-Online-Role-Playing-Game begeisterten, stachelten sich gegenseitig an und verabredeten sich zu nächtlichen
World-of-Warcraft-Sitzungen.
10
Unser Werk
Gesprächspsychotherapeut
Frank Gauls
„Spiele wie WOW sind so angelegt, dass häufiges Spielen
belohnt wird und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht“, erklärt
Frank Gauls (43) von der Fachstelle Glücksspielsucht. „Im
Gegensatz zum realen Leben ist es leicht, Erfolg zu haben –
der Suchtfaktor ist daher groß.“ Durch Belohnungen im Spiel
ließen sich familiäre und schulische Probleme kompensieren,
zumindest solange der Computer angeschaltet war. „Danach
kam oft hoch, was ich die ganze Zeit verdrängt hatte“, sagt
Marc.
Zeit auffrisst
Zocken bis um
3 Uhr morgens
Die Reaktion: noch mehr spielen, oft bis morgens um 3 Uhr.
„Ich wusste, dass mir das jeden Lebensinhalt raubt. Und
trotzdem konnte ich nichts dagegen tun“, erzählt Marc. Die
nächtliche Zockerei wirkte sich auch auf die schulischen
Leistungen aus: Im Unterricht kämpfte Marc mit der Müdigkeit und konnte
sich kaum noch konzentrieren.
„Spätestens, wenn Schule und Freundschaften vernachlässigt werden, sollte
man eingreifen“, sagt Gesprächspsychotherapeut Frank Gauls. Für Eltern
sei es oft schwierig, die Trennlinie zwischen ‚normalem’ Internet-Gebrauch
und einer Sucht zu ziehen. Ihnen empfiehlt Gauls, sich frühzeitig mit dem
Spielverhalten der Kinder zu beschäftigen und Grenzen zu ziehen. „Wenn
die Eltern merken, dass ihr 16-jähriger
Sohn sich nur noch im Netz aufhält, ist
es vielleicht schon zu spät für eine einfache Lösung“.
Hilfebedarf ist groß
„Meist bringen fünf bis zehn Sitzungen schon eine deutliche
Besserung“, sagt Frank Gauls. Noch sind die Angebote für
Internetsüchtige sowohl deutschlandweit als auch in Ostwestfalen rar. Da Internetsucht nicht als Krankheit anerkannt
ist, werden für behandlungsbedürftige User derzeit keine
Kosten übernommen. „Weil der Hilfebedarf sehr groß ist und
wir unseren diakonischen Auftrag ernst nehmen, beginnen
wir jetzt trotz der schwierigen Finanzierung mit einem Gruppenangebot inklusive fachlicher Begleitung zum Thema Internetsucht“, sagt Frank Gauls. „Hier finden die Jugendlichen
Spiegelbilder und merken: Ich bin nicht alleine.“ Anfragen
und Anmeldungen nimmt Frank Gauls unter Tel. 0521/8012714 oder E-Mail frank.gauls@johanneswerk.de entgegen.
Marc hat die Beratung bei Frank Gauls dabei geholfen,
Gründe für sein Suchtverhalten zu erkennen und abstinent
zu bleiben. Wenn er heute in die Beratung kommt, sprechen
sie kaum noch über WOW: Spiel- und Internetsucht ist für
Marc kein Thema mehr, der Account schon lange abgemeldet. „Heute verstehe ich mich selbst nicht mehr – was war
das für eine Zeitverschwendung“, sagt der 19-Jährige. „Ich
habe jetzt Pläne, will Musik studieren, interessiere mich für
Philosophie – und außerdem bin ich frisch verliebt“, sagt er
mit einem Lächeln. Auch alte Freundschaften hat er wiederbelebt. Der blaue Troll ist nicht dabei. [AJU]
*NAME VON DER REDAKTION GEÄNDERT
FOTOS: WERNER KRÜPER
So wie bei Marc. Seine Bilanz nach einem Jahr: Die alten
Freunde hatten sich abgewandt und von zehn Kursen auf
dem Bielefelder Gymnasium hatte er keinen einzigen bestanden – ein Schulverweis drohte. „Erst da habe ich begriffen,
dass etwas passieren muss“, erzählt er. Eine Sozialarbeiterin
vermittelte den Kontakt zu Frank Gauls. Zwar musste Marc
das Schuljahr wiederholen, doch durch Gauls’ Unterstützung
konnte er den Schulverweis verhindern und seine Spielsucht
durch eine wöchentliche Beratung aktiv angehen.
Unser Werk
Die nächtliche
Zockerei bleibt nicht
ohne Folgen: Im
Unterricht kommt die
Müdigkeit
11
FOTOS: WERNER KRÜPER
Lehrer Christoph Müer hilft
Schülerin Mandy-Janine Dünkeloh
bei der Wandgestaltung
Schüler der Luisenschule bringen Farbe ins Johannesstift
Tatjana Dzepina verpasst
dem Wasserfall
ein kräftiges Blau
Der Dschungel im Stiftsgarten wächst. Engagierte Schüler der Luisenschule haben die grüne Oase in Schildesche durch eine kreative Aktion verschönert: Sie haben die Mauer, die den Garten auf dem Johannesstiftsgelände
begrenzt, mit einem riesigen bunten Dschungelbild verziert. „Die graue Mauer
war uns ein Dorn im Auge“, erzählt Martin Möller-Rost, der das Projekt Stiftsgarten als Umweltbeauftragter des Johanneswerks begleitet. „Umso schöner ist es,
dass wir durch das Engagement der Luisenschule und der Firma Euscher so was
Tolles auf die Beine stellen können.“
BIELEFELD.
12
Unser Werk
ie Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses
Kunst der Bielefelder Luisenschule hatten sichtlich
Spaß an der Malaktion. „Wir haben uns selbst überlegt, welches Motiv wir gerne umsetzen wollen“, erzählt die 16-jährige
Mandy-Janine, die zusammen mit Tatjana den Wasserfall angemalt hat. „So sind wir auf die Dschungel-Idee gekommen.“
Gemeinsam mit ihren Lehrern Iris Buekenhout und Christoph
Müer, die das Projekt betreuen, entwickelten die Neun- und
Zehntklässler die einzelnen Elemente des Bildes.
Ungewöhnliche Kunstprojekte realisieren die Luisenschule
und die Bielefelder Firma Euscher, Produzent von Tiefziehteilen, schon seit mehreren Jahren gemeinsam. Als Geschäftsführer Jens Euscher-Klingenhagen den Kontakt zum Kunst-
kurs herstellte, ergab sich schnell die Zusammenarbeit. Mit
einem Beamer wurden die Umrisse auf die Mauer projiziert
und von den Schülern nachgemalt. Die Firma Euscher unterstützt die kreative Aktion durch Finanzierung von Voranstrich,
Farbe und Gerüst.
Die Wandgestaltung ist eine von vielen Aktionen, die den
Stiftsgarten seit letztem Jahr durch den Einsatz vieler freiwilliger Helfer und Sponsoren wachsen lassen. Bei dem auf drei
Jahre angelegten Projekt entsteht ein etwa 4.000 Quadratmeter großer Bereich mit einer bunten Vielfalt an Pflanzen
und Blumen, Ruhebereichen und Rückzugsräumen, Steinen,
Skulpturen und Spielgelegenheiten. Er soll allen Bürgern,
Mitarbeitern, Bewohnern, Patienten und Kindern offen stehen. [AJU]
Grünanlage wächst dank
großer Unterstützung
BIELEFELD. Regionalgeschäftsführerin Gabriele Walczak hat
die Sponsoren des Gartens auf dem Johannesstiftsgelände
zu einem Rundgang eingeladen, um die Ergebnisse ihrer Unterstützung in Augenschein zu nehmen. Bei einem anschließenden Zusammensein bei Kaffee und Kuchen wurde den
Spendern herzlich gedankt – eine Backform in Form eines
Fußes als Anspielung auf den realisierten Barfußpfad durften
die Sponsoren als symbolische und praktisch einsetzbare
Dankesgeste mit nach Hause nehmen.
Vor dem Eingang der neuen Stadtteileinrichtung:
(hinten, v.l.) Irene Oberhoff, Hannelore Hoffmann, Sabine
Stasik (Mitarbeiterin der Spielstube), (in der Mitte v.l.)
Carola Wolf und Gabriele Hanses, davor (v.l.): Alen,
Habiye, Cassandra, Vanessa, Valentina, Hayman,
Yannik, Emirhan und Alihan
Rollax unterstützt Stadtteileinrichtung
Jugendliche freuen sich
auf neuen Treffpunkt
Es fehlen Vertreter folgender Firmen und Institutionen: Firma
Siekmann, Betonsteinwerk; Firma HKL, Baumaschinen; Firma Leiss GbR, Metallbau; Hospizverein des Johanneswerks;
Firma Messner, Rundfunk/TV; Gärtnerei Feldmann. [MARTIN
MÖLLER
LLER-ROST, UMWELTBEAUFTRAGTER JOHANNESWERK]
Die seit über 30 Jahren bestehende Stadtteileinrichtung des
Ev. Gemeindedienstes zieht im Herbst in neue Räumlichkeiten Auf der großen Heide 13, die kind- und jugendgerecht
umgebaut werden sollen. Dort erhalten Kinder und Jugendliche weiterhin Unterstützung bei Hausaufgaben und Fragen zum Thema Schule. Außerdem können sie hier Sport
treiben, ihre Deutschkenntnisse verbessern, sich über gesunde Ernähung schlau machen und viele weitere Freizeitangebote nutzen.
Die Rollax GmbH & Co. KG, ein Zulieferer der Automobilindustrie, unterstützt seit 16 Jahren Kinder und Jugendliche,
die in Flüchtlingseinrichtungen leben und die Stadtteileinrichtungen des Ev. Gemeindedienstes besuchen. In diesem
Jahr konnten Irene Oberhoff und Hannelore Hoffmann von
Rollax einen Scheck über 2.200 Euro überreichen. Sie besichtigten die Baustelle und freuen sich schon auf die Einweihung der neuen Räume. [AJU]
Unser Werk
Das Foto zeigt (v.l.) Axel Nitsche (profil e.V.), Luise Lessmann (Drogenberatung Bielefeld), Gabriele Walczak (Regionalgeschäftsführerin), Ulrike Kleineberg (proService GmbH),
Martin Möller-Rost (Bereich Soziale Arbeit und Gesundheit),
Friedrich Kämper (Firma Kreibe-Bau, Herford), Ulrike Aufderheide (Krankenhausbibliothek EvKB Johannesstift), Klaus
Grote (Firma Kreibe-Bau, Herford), Jens Euscher-Klingenhagen (Firma Euscher, Bielefeld), Renate Woltersdorf (Krankenhausbibliothek EvKB Johannesstift), Gerald Hettmann
(Drogenberatung), Christoph Schüler (proService GmbH),
Udo Strauß (profil e.V.), Nelly Hamm (Krankenhausbibliothek
EvKB Johannesstift), Gundel Schönbrunn (ehrenamtliche
Landschaftsarchitektin).
BIELEFELD. „Das Geld ist ein richtiger Segen“, freut sich
Carola Wolf, Leiterin des Fachbereichs Pädagogik im Ev.
Gemeindedienst. Mit einer Spende unterstützte die Firma
Rollax die Innengestaltung der neuen Räumlichkeiten der
bisherigen Spielwohnung Teichsheide. „Jetzt können wir
doch einen neuen Kicker oder andere Spielgeräte für die
Kinder und Jugendlichen anschaffen, was sonst nicht möglich gewesen wäre“, sagt Gabriele Hanses, Leiterin der Einrichtung.
13
Tagesklinik Netphen feiert 20-jähriges Bestehen
Möglichkeit zur Selbstverwirklichung kann überfordern
Bedankten sich bei den Mitarbeitenden für
ihr Engagement: (v.l.) Manfred Klostermann
und Sebastian Krutzenbichler (beide Leiter
Tagesklinik Netphen) sowie Dr. Bernhard
Janta (Ärztlicher Direktor Klinik Wittgenstein, Regionalgeschäftsführer)
FOTOS: GABRIELE RAHRBACH-REINHOLD
„Die ansteigende Häufigkeit depressiver Störungen in
der Bevölkerung sind Ausdruck des erschöpften Selbsts, erschöpft bei dem
Bemühen, sich selbst zu verwirklichen“, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik
Wittgenstein, Dr. Bernhard Janta, in seiner Rede anlässlich der Feierlichkeiten
zum 20-jährigen Bestehen der angeschlossenen Tagesklinik Netphen.
14
Unser Werk
BAD BERLEBURG/NETPHEN.
Geprägt durch die gesellschaftliche Entwicklung der letzten
Jahrzehnte, die von jedem Einzelnen mehr Eigeninitiative
und Eigenverantwortung fordert und es ermöglicht, sich von
gesellschaftlichen Verboten zu emanzipieren und sich zu entfalten, gerate das Individuum häufiger in den Zustand, sich
eher als „ungenügend und unzulänglich“ zu erleben, und
richte den Groll und die Aggressivität gegen das als unzulänglich erlebte Selbst.
Die Aneignung dieses veränderten Lebensgefühls gelinge
den Menschen unterschiedlich, je nach mitgegebenen Kräften und der Möglichkeit, Kräfte zu entwickeln. Psychotherapeuten sollten jedoch nicht der Illusion erliegen, dass es so
etwas wie ein fiktives „Normal-Selbst“ gebe, zu dessen Erlangung es nur genügend Therapie und des Einsatzes unterschiedlichster gesellschaftlicher Agenturen zur Entwicklung
des Selbsts bedürfe.
Mit sieben
Patienten angefangen
Ein Baustein zur Bewältigung dieser Aufgabe ist seit 20 Jahren die Tagesklinik Netphen im Ev. Johanneswerk, die Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen behandelt. Den Leitern der Institution, Manfred Klostermann und Sebastian Krutzenbichler, sowie den anderen ca.
40 engagierten Mitarbeitenden galt der Dank Dr. Jantas. Antje Peters und Susanne Paul erhielten einen Blumenstrauß, da
sie – genau wie die Leiter der Tagesklinik – seit Beginn mit
dabei sind.
Klostermann und Krutzenbichler führten anschließend durch
das Programm und ließen die Vergangenheit Revue passieren. Was mit sieben Patienten begann, ist nun zum festen
Bestandteil der Versorgung für Patienten mit seelischen Erkrankungen in Siegen und Umgebung geworden. Etwa 200
Patienten werden erfolgreich jedes Jahr behandelt, es ist von
einer dauerhaften Auslastung aller 40 Behandlungsplätze seit
dem Jahr 1997 die Rede.
Besonders bewährt hat sich in all den Jahren auch das, was
Krutzenbichler als „Sicherungsnetz“ bezeichnete: nämlich
eine lückenlose Versorgung der tagesklinischen Patienten
auch über die Öffnungszeiten hinaus durch eine mögliche
Behandlung in der Klinik Wittgenstein und eine Kooperationsvereinbarung mit der psychiatrischen Abteilung im Haus
Hüttental. Ein Schwerpunkt der Tagesklinik ist das störungsspezifische Behandlungskonzept für Patienten mit „schwerer
neurotischer Arbeitsstörung“.
Karsten Gebhardt, Vorsitzender des Johanneswerk-Vorstands und Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW
rief in seinem Grußwort dazu auf: „Bitte tun Sie diese Arbeit
weiter – sie ist notwendig, sie ist wertgeschätzt.“ Gleichzeitig
betonte er, dass er sich beim Arbeitsbündnis zur „Rettung
der Krankenhäuser“ stark gegen eine Krankenhaus-Budgetierung engagieren wolle. Vorstandsmitglied Thomas Sopp
bescheinigte der Tagesklinik, dass sie den Patienten „ein
Mehr an möglicher Freiheit für den Menschen und ein Mehr
an Schutz“ durch ihre Behandlung bieten könne.
[GABRIELE RAHRBACH-REINHOLD, MARKETINGBEAUFTRAGTE]
Edith Aderhold, Leiterin des Hauses am Sähling,
stellte bei der Ausstellungseröffnung das Leben
und Schaffen von Carolus Horn vor
Grafiker litt unter Alzheimer
Wie aus Wolken
Spiegeleier werden
BAD BERLEBURG. Kinder mit Hundegesichtern, eine Kuh
mit einem Pferdeschwanz, Spiegeleier als Wolken – und
zwischendrin Werbeplakate aus der Nachkriegszeit: All das
umfasst das Werk von Carolus Horn, erfolgreicher deutscher Nachkriegs-Werbegrafiker, der 1992 starb. Seine Arbeiten, die normalerweise in die Stilrichtung Surrealismus
eingeordnet werden könnten, sind allerdings Ausdruck
einer fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung. Die Wanderausstellung der Firma Novartis, von der Witwe Carolus
Horns mit initiiert, machte Station in der JohanneswerkAlteneinrichtung Haus am Sähling.
Die Erkrankung beeinflusste zwar die Wahrnehmung des
Grafikers stark, an der Intensität der Bilder änderte das jedoch nichts. Hausleiterin Edith Aderhold berichtete anlässlich der Ausstellungseröffnung aus dem Leben des Künstlers. Horn hatte während seiner Berufstätigkeit weitestgehend aus der Hand und ohne Vorlagen gearbeitet, mit
fortschreitender Alzheimer-Erkrankung wurden seine Bilder
schematischer. Außerdem lösten sich die räumlichen dreidimensionalen Verhältnisse auf. Allerdings begann der Werbegrafiker auch, farbenfreudiger zu malen, nachdem seine
zunächst als Depression gewertete Erkrankung diagnostiziert worden war. Das schien, so Aderhold, ihn zunächst in
seiner Schaffenskraft zu befreien und zu fördern.
Aderhold war es wichtig, auf die Fähigkeiten und Ressourcen hinzuweisen, die Horn auch noch während seiner Erkrankung hatte: „Sonst wird ja immer nur gesagt, was man
nicht mehr kann.“ Auf der anderen Seite verdeutlichen die
Bilder aber auch die Wahrnehmung der Menschen mit Alzheimer. In den späten Bildern unterscheiden sich die Gesichter der Menschen kaum mehr voneinander, denn Alzheimer-Kranke sind in der Spätphase nicht mehr in der Lage, Gesichter zu erkennen. [GABRIELE RAHRBACH-REINHOLD]
Unser Werk
Der Gesellschaft komme deshalb eine besondere Aufgabe
zu: Individuelle Unzulänglichkeit und Unterschiede in den
Entwicklungsbedingungen und Verwundbarkeiten der Menschen sowie Ungleichheit bei schicksalhaften Fügungen sollten durch diakonische Haltung und Auftrag im Sinne einer
„Solidarität mit den Dispriviligierten“ aufgefangen und mitgetragen werden.
15
Traumaspezialist der Rhein-Klinik will in Ruanda Fachleute ausbilden
FOTO: PRIVAT
Der Völkermord hat schwere
seelische Wunden gerissen
„Während einer
Afrikareise im Jahr 2007 fuhren
meine Frau und ich eher zufällig
durch Ruanda. Es war gerade April,
der Monat, in dem die Gedenktage
an den Völkermord stattfinden, der
dort im Jahr 1994 geschah“, erinnert
sich Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wöller.
„Wir waren sehr ergriffen."
BAD HONNEF.
Wollen traumatisierten Menschen in Ruanda helfen:
(v.l.) Hildegard Wöller (Oberstudienrätin), Spéciose
Mukagahima (Soziologin, Mitarbeiterin des Protestantischen
Rats von Ruanda), François Rwambonera (Pädagoge,
Mitarbeiter des Protestantischen Rates von Ruanda), Martin
Reimann (Diplom-Sportlehrer und Körpertherapeut), Silke
Reimann (Ärztliche Psychotherapeutin in der Rhein-Klinik),
Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wöller (Leitender Abteilungsarzt
in der Rhein-Klinik)
"Als Traumatherapeut war mir natürlich bewusst, wie viele der
Überlebenden bis heute unter sehr belastenden psychischen
Störungen leiden“, sagt Wöller, der als leitender Arzt in der
Rhein-Klinik, einem Krankenhaus für psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Ev. Johanneswerks, tätig ist.
„In intensiven Gesprächen wurde mir klar, dass qualifizierte
psychologische Hilfe Mangelware war, und wir beschlossen
spontan, uns zu engagieren.“
16
Unser Werk
In Ruanda starben 1994 bis zu eine Million Menschen. Angehörige der Hutu-Volksgruppe brachten etwa 75 Prozent
der Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu um. Die meisten
Überlebenden des Genozids leiden noch heute unter den
posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen psychischen Erkrankungen, deren Symptome oft erst nach Jahren in vollem Umfang auftreten.
„Doch in Ruanda gibt es nur wenige Psychiater und Psychologen“, sagt Wöller. Traumatisierte Menschen werden überwiegend von Sozialarbeitern, Pfarrern und menschlich besonders qualifizierten Laien unter großen persönlichen Opfern betreut. Diese verfügen allerdings nur selten über eine
ausreichende traumatherapeutische Kompetenz. „Mit einer
systematischen und längerfristigen Schulung könnten diese
engagierten Menschen viel besser für ihre wichtige Aufgabe
qualifiziert werden“, so Wöller.
Um sich über die Möglichkeiten einer solchen Weiterbildung
zu informieren, ist der 56-Jährige mit seiner Ehefrau Hildegard Wöller noch zweimal in Ruanda
gewesen und hat Kontakte zu psychosozialen Organisationen geknüpft.
Unterstützt wird das Ehepaar von Silke Reimann, ebenfalls Ärztin und Psychotherapeutin in der Bad Honnefer
Rhein-Klinik. Sie war zusammen mit ihrem Ehemann Martin
Reimann Anfang dieses Jahres ebenfalls in Ruanda.
Auf der Suche nach Unterstützung für sein Projekt ist Wöller
auf Interesse beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)
gestoßen. Gemeinsam mit dem Protestantischen Rat von
Ruanda (Conseil Protestant du Rwanda), der die Organisation
der Weiterbildung übernehmen soll, hat das Ehepaar Wöller
einen detaillierten Antrag für den EED
erarbeitet. Ziel ist die Finanzierung des
Projekts über sechs Jahre, jeweils mit
mehreren Bildungseinheiten pro Jahr.
Wichtig ist, dass die Arbeit einen nachhaltigen Effekt hat, dass also die Weiterbildung nach Projektende von lokalen Fachleuten fortgeführt wird.
Psychologen
sind Mangelware
„Am sinnvollsten wäre unserer Meinung nach eine Ausbildung für Ausbilder, auch formation des formateurs genannt“,
erklärt Wolfgang Wöller. Diese würde mehrere Jahre dauern
und sich vor allem an diejenigen Fachleute wenden, die bereits schon traumatisierte Menschen behandeln. Darüber hinaus sollten auch Lehrer und Pfarrer, die täglich mit betroffenen Schülern und Gemeindemitgliedern konfrontiert sind,
angeleitet werden.
„Wenn alles gut geht und der Projektantrag positiv beschieden wird, können wir im nächsten Jahr mit der Weiterbildung
beginnen“, sagt Wöller, der hofft, die Menschen in Ruanda
so schnell wie möglich unterstützen zu können. Afrika liegt
ihm insgesamt sehr am Herzen. Seit vielen Jahren reist er mit
seiner Ehefrau regelmäßig durch den Kontinent, auf eigene
Faust und mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
[AK]
Gesegnete Weihnacht.
Engel sind zu Weihnachten gern gesehen. Ganz unterschiedlich werden sie oft dargestellt. Und so weisen sie auch auf
ihre verschiedenen Aufgaben hin, die sie in der Bibel wahrnehmen: Sie sind Boten Gottes, bewahren den Menschen
vor falschen Schritten, verwehren manchmal den Weg, geben Schutz und bringen Vertrauen.
Vieles davon versucht auch das Ev. Johanneswerk in der
praktischen diakonischen Arbeit vor Ort durch Menschen für
Menschen umzusetzen. Wie schön, wenn es gelingt, dabei
manchmal für andere zu einem Engel zu werden.
Gesegnete Weihnachten wünscht
Ihre Unser-Werk-Redaktion
Unser Werk
Weihnachtsengel
17
Frischer Auftritt
trägt Früchte!
Die Tagespflegeeinrichtung des Philipp-MelanchthonZentrums hat sich mit einem neuen Marketingkonzept neu positioniert. Ziel war es, die Auslastung und den Bekanntheitsgrad der
Einrichtung in der
Region Bad Driburg zu
erhöhen. Mit einem
frischen und freundlichen Auftritt sollten
Tagespflege Bad Driburg –
neue Kunden interesdie Tagespflege im Grünen
siert, gewonnen und
an die Einrichtung
gebunden werden.
BAD DRIBURG.
Ansprechpartnerinnen
Susanne Ostermann und Sabina Husemann-Wiegard
Mühlenstraße 27, 33014 Bad Driburg
Kontakt: 05253/975 96 20
www.tagespflege-bad-driburg.de
Evangelisches Johanneswerk e.V.
Einrichtungen der Diakonie
18
Unser Werk
I
ntensiv unterstützt und begeleitet vom Zentralen Marketing des Ev. Johanneswerks wurden die Ziele formuliert
und ein medienübergreifender Marketing-Mix ausgewählt
und entwickelt. So sorgt ein neuer Claim für eine deutlichere Abgrenzung von den örtlichen Mitbewerbern: Tagespfle-
ge Bad Driburg – die Tagespflege im
Grünen. Neue Plakate, Flyer und Gutscheine in einheitlichem Johanneswerk-Design – wie auch die geplante
Beschriftung des Tagespflege-Bullis
– machen auf das Angebot aufmerksam. Seit August 2008 ist die Tagespflege unter www.tagespflege-baddriburg.de im Internet präsent.
Mit einem gut besuchten Informationsabend zur neuen Pflegeversicherungsreform in den Räumen
der Tagespflege und einer deutlichen Steigerung der Belegungszahlen hat die Initiative schon erste Früchte getragen.
[SILVIA WIECHERS, MARKETINGBEAUFTRAGTE, UND SABINA HUSEMANN-WIEGARD, DIPL.-SOZIALPÄDAGOGIN DER TAGESPFLEGE]
mitLeidenschaft
Die Stiftung mitLeidenschaft wurde
2001 gegründet als Stiftung des Ev.
Johanneswerks zur Förderung und Unterstützung innovativer Projekte in der
Diakonie. Die Stiftung hilft vor allem
älteren Menschen und Familien, die in
Armut leben müssen. Sie fördert Projekte für Kinder und Menschen mit Behinderung sowie Projekte auf dem Gebiet der Demenz. Vorstand ist Karsten
Gebhardt. Geschäftsführerin der kirchlichen Stiftung ist Ulrike Posch.
mitLeidenschaft
Ein bisschen Hoffnung schenken
BIELFEFELD. Wenn es für das Nötigste nicht reicht oder wenn der sehnlichste kleine Wunsch zu teuer ist, dann hilft „Armut zum Fest“ – das Weihnachtsspendenprojekt der Stiftung mitLeidenschaft.
Mit Wunschzettelbäumen, einem Kalender der Wünsche und vielen Bielefeldern,
die an einem Strang ziehen, konnte die Stiftung mitLeidenschaft schon viel bewegen: Armen Familien ein Weihnachtsgeschenk machen, alten Menschen einen Herzenswunsch erfüllen oder behinderten Kindern den Alltag erleichtern. Vielen Dank
für Ihre Mithilfe!
Unser Werk
Auch in diesem Jahr brauchen viele Menschen Unterstützung. Auch in diesem Jahr
leiten wir Ihre Geld- und Sachspenden genau dorthin weiter, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Bitte helfen Sie uns schenken – auch in diesem Jahr. [CH]
19
FOTOS: WERNER KRÜPER
Das Projekt ‚Freiräume‘ hilft Kindern, über die sonst zu wenig nachgedacht wird
‚Aktion Mensch’ und mitLeidenschaft fördern Projekt des Ev. Gemeindedienstes
Überwältigende Resonanz
nach einem Jahr ‚Freiräume’
20
Unser Werk
BIELEFELD. Fernsehbeiträge, Reportagen in überregionalen Zeitungen und Magazinen, Radiosendungen –
seit seinem Start vor einem Jahr hat das Projekt ‚Freiräume’ eine überwältigende mediale Aufmerksamkeit
erfahren. Da die Sozialorganisation ‚Aktion Mensch’ Hauptförderer
ist, warb zuletzt sogar Deutschlands bekanntester Showmaster
für das Hilfsangebot des Ev. Gemeindedienstes im Ev. Johanneswerk. Auch die Stiftung mitLeidenschaft unterstützt das Projekt, das
Kindern von Straffälligen hilft.
Sonntagabend, 19.28 Uhr, ZDF: Thomas Gottschalk präsentiert die Gewinnzahlen des Fünf-Sterne-Loses der
‚Aktion Mensch’. Jeden Sonntag stellt
er auch ein innovatives Förderprojekt
vor. Jetzt war das Projekt ‚Freiräume’
dabei. Das Hilfsangebot, das Kinder
von straffälligen Eltern unterstützt,
wird von der ‚Aktion Mensch’ finanziert und in Zusammenarbeit mit den Justizvollzugsanstalten in Bielefeld durchgeführt. Es ist das erste seiner Art in Ostwestfalen und eines
von wenigen bundesweit.
„Es ist toll, dass ‚Freiräume’ eine solche mediale Aufmerksamkeit erfährt“, sagt Susanne Haber, Fachbereichsleiterin
Integrative Hilfen im Ev. Johanneswerk. „Denn mit dem Projekt helfen wir Kindern, über die viel zu wenig nachgedacht
wird – Kinder, die unter Hänseleien leiden, jeden Tag mit einem Kloß im Hals zur Schule gehen. Kinder, die vielleicht
angelogen werden: ‚Papa ist auf Montage’.“ Den Satz „Papa
ist im Knast“ kann jedenfalls kein Kind selbstbewusst sagen.
FOTO. PRIVAT
‚Freiräume’ unterstützt die Kinder und Jugendlichen in dieser schwierigen Situation – zum Beispiel durch Vater-KindGruppen, in denen die Beteiligten einmal im Monat unter
Anleitung gemeinsam Zeit mit Spielen, Basteln oder der
Vorbereitung von Geburtstagen verbringen. Mit einer Spende von 2.500 Euro konnte die Stiftung mitLeidenschaft des
Ev. Johanneswerks das Projekt unterstützen: Von dem Geld
wurde Spielzeug für die Vater-Kind-Treffen angeschafft. Um
die verschiedenen Aktionen umsetzen zu können – auch Eltern- und Paarberatung sowie Infoveranstaltungen gehören
zum Projekt –, benötigt der Ev. Gemeindedienst weiterhin
Spenden. Denn ‚Freiräume’ soll fortgesetzt werden. Schließlich ist die Bilanz nach einem Jahr sehr positiv: Das Projekt
wird gut von Eltern und Kindern angenommen. Die Menschen werden für dieses Thema sensibilisiert.
Für die betroffenen Kinder wurde es höchste Zeit, dass Hilfe kam: „Während der Untersuchungshaft haben wir früher
auch immer Beratung für die Inhaftierten angeboten. Dabei
kam die Frage auf: Wie erzähle ich das den Kindern? Wir
stellten fest: Für die betroffenen Kinder gibt es eigentlich
keine Hilfe – so entstand die Idee zum Projekt“, erzählt Melanie Mohme, Sozialpädagogin beim Ev. Gemeindedienst.
Medieninteresse
muss gebündelt werden
Dass es in Deutschland bisher kaum ähnliche Angebote
gibt, ist sicher ein Grund dafür, dass das Projekt auf solch
ein mediales Interesse trifft. Dieses ist inzwischen so groß,
dass die Medien nur in bestimmten Zeiträumen aus den
Justizvollzugsanstalten berichten können. „Wir müssen das
Medieninteresse bündeln – denn schließlich brauchen Eltern
und Kinder auch Zeit, die sie ungestört miteinander verbringen können“, sagt Haber. Ab April können interessierte
Medien wieder über ‚Freiräume’ berichten – und hoffentlich
über viele lachende Väter- und Kindergesichter.
[AJU]
KD-Bank
Konto: 888 888 888
BLZ: 350 601 90
Stichwort „Freiräume“
Spiel, Satz und Sieg –
mitLeidenschaft
OERLINGHAUSEN. Der nächste Sommer kommt
bestimmt. Und darauf können sich ganz besonders
die Patienten der Hellweg-Klinik Oerlinghausen freuen
– denn dann wird die neue Beachvolleyballsaison angepfiffen. Seit August hat die Klinik ihr eigenes Spielfeld, eine
professionelle Anlage mit frischem Sand. Dieser Wunsch der
Patienten wurde durch die Unterstützung der Stiftung mitLeidenschaft erfüllt. „Wir sind froh darüber, auf unserem Gelände ein tolles sichtbares Zeichen für aktive Freizeitgestaltung
zu haben“, freut sich Verwaltungsleiterin Heike von Loh. Bis
die Temperaturen wieder steigen, können die Sportler vielleicht noch an ihrer Taktik feilen – mitLeidenschaft. [CH]
Unser Werk
„Papa ist auf Montage“
21
Ehrenamtliche Mitarbeiter können die Engagement-Card beantragen
FOTO: ANDREAS ZOBE
Sichtbares Dankeschön
Für ihren Einsatz im Karl-Pawlowski-Haus hat Barbara
Höxter-Tschacher die Engagement-Card bekommen
BIELEFELD. Dass Barbara HöxterTschacher sich sehr engagiert,
weiß im Karl-Pawlowski-Haus jeder. Schließlich ist die 68-Jährige
seit acht Jahren für Bewohner und
Mitarbeiter der JohanneswerkAlteneinrichtung da, leitet die
Zeitungsrunde, hat als Heimfürsprecherin immer ein offenes Ohr.
Jetzt hat ihr Engagement aber
auch einen sichtbaren Ausdruck
bekommen: die Engagement-Card
für sozial engagierte Bürger.
Die
Stiftung mitLeidenschaft vermittelt Menschen,
die sich für andere engagieren
möchten, ehrenamtliche Tätigkeiten in den verschiedensten Bereichen
und hilft bei der Beantragung der Engagement-Card. Weitere Informationen
erhalten Sie bei Uta Schröder, Telefon:
0521/801-2665 oder E-Mail:
uta.schroeder@johanneswerk.de
mitLeidenschaft
Unser Werk
22
Das Bielefelder Projekt unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Eberhard David würdigt den Einsatz von Ehrenamtlichen und Spendern. „Mit der Engagement-Card
möchten wir den vielen engagierten Bürgern eine Anerkennung geben und uns bedanken – denn ohne sie wäre die
Arbeit in vielen gemeinnützigen Einrichtungen nicht möglich“, sagt Franz Schaible, Vorstandsvorsitzender der SozialAktien-Gesellschaft, die das Projekt vor etwa einem Jahr in
Kooperation mit anderen Trägern gestartet hat. Inzwischen
wurde bereits die 1111. Karte überreicht.
Beantragen kann die Karte jeder, der im letzten Jahr entweder eine Spende im Wert von mindestens 750 Euro abgegeben oder sich mindestens 100 Stunden ehrenamtlich engagiert hat – so wie Barbara Höxter-Tschacher. Gemeinsam mit
Caroline Kowalski-Kahmann, Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche im Karl-Pawlowski-Haus, hat sie die Karte bei der
Sozial-Aktien-Gesellschaft beantragt. Die Engagement-Card
bringt Vergünstigungen bei vielen privaten und öffentlichen
Institutionen in Bielefeld.
„Dass ich mit meinem Engagement den älteren Menschen eine Freude machen kann, dass sie mir vertrauen und sich bei
mir entspannen – das ist für mich am allerschönsten“, erzählt
Barbara Höxter-Tschacher. Über die Anerkennung der Engagement-Card freut sie sich dennoch sehr – zumal sie die
Karte zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, im Schwimmbad und bei vielen anderen Kooperationspartnern einsetzen
kann. Zusätzlich können sich die Kartenbesitzer einmal im
Jahr beim „Engagement à la carte“ mit einem festlichen Essen verwöhnen lassen und mit anderen Ehrenamtlichen austauschen. [AJU]
Trägerkonferenz der westfälischen Diakonie diskutierte Sozialpolitik
Mindestlohn allein
hilft nicht gegen Armut
Karsten Gebhardt outete sich: „Ich bin ein Anhänger des gesetzlichen
Mindestlohns“, sagte der Vorsitzende des Vorstands des Ev. Johanneswerks.
Einig war er sich hierin mit Achim Vanselow vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen. Beide Referenten diskutierten mit etwa
100 Vertretern aus allen Bereichen der westfälischen Diakonie bei der Trägerkonferenz in Münster.
MÜNSTER.
Soziale Gesellschaft
im 21. Jahrhundert
Soziale Arbeit
muss ausreichend
finanziert werden
Z
iel der Diskussion war es, eine schwierige sozialpolitische und innerdiakonische Debatte zu versachlichen.
Der Sozialwissenschaftler Vanselow präsentierte Daten und Fakten zur deutschen Entwicklung im Niedriglohnsektor im europäischen Vergleich. Der Trend ist eindeutig:
Die Anzahl von Menschen mit niedriger Bezahlung steigt und
es gibt eine Dynamik nach unten. Mehr als ein Fünftel aller
Beschäftigten in Deutschland arbeitet inzwischen im Niedriglohnbereich; 5,5 Millionen Menschen verdienen weniger als
7,50 Euro pro Stunde. Hier könnte ein Mindestlohn helfen,
den weiteren Fall der Löhne nach unten zu begrenzen. Dieser
Mindestlohn, auch darin waren sich Vanselow und Gebhardt
einig, sollte aber auf keinen Fall branchenspezifisch eingeführt werden.
Die in Kirche und Diakonie zum Teil heftig geführte Debatte
um Mindestlöhne hält er dabei für einen Nebenschauplatz.
Die Löhne in der Diakonie liegen deutlich über allen gewerkschaftlichen oder wissenschaftlichen Mindestlohn-Vorstellungen. Wenn Mindestlöhne in der Pflege eingeführt würden,
könnte das für die Refinanzierung der pflegerischen und sozialen Arbeit in der Diakonie gefährlich werden. Zu befürchten
ist, dass die Kostenträger einen Mindestlohn als Richtgröße
betrachten, um die Preisspirale nach unten zu drehen. Das
hätte fatale Auswirkungen für die Diakoniebeschäftigten.
Biblisch-theologische
Wertedebatte
In der Aussprache der westfälischen Diakonie-Repräsentanten wurde deutlich, dass im diakonischen Einsatz für menschenwürdige Pflege und gegen Familienarmut, in der Sorge
für Arbeitslose und im Bestreben um Geschlechtergerechtigkeit die Einführung eines Mindestlohns kein ausreichendes,
taugliches oder besonders hilfreiches Instrument wäre.
Die Diakonie ist gefordert, eine biblisch-theologisch gegründete Wertedebatte zu forcieren, um in Politik und Gesellschaft, vor allem auch bei Kostenträgern, deutlich zu
machen, dass soziale und pflegerische Dienstleistungen im
Interesse der Hilfebedürftigen ausreichend finanziert werden
müssen. [DIAKONIE RHEINLAND WESTFALEN LIPPE]
Unser Werk
FOTO: WERNER KRÜPER
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, so betonte
Gebhardt, sei aber noch lange keine hinreichende Strategie
zur Bekämpfung von Armut. „Wie soll die Zukunft der sozialen Infrastruktur in Deutschland aussehen?“: Das sei die
zentrale Frage. „Wir müssen unsere Vorstellungen einer sozialen Gesellschaft für das 21. Jahrhundert weiterentwickeln“,
machte er deutlich.
23
FOTO: HOLGER LEITSCH
Geist der Namensgeberin noch sehr lebendig
Die „Amalie“
ist ein Ort
zum Wohlfühlen
Eine
ganze Woche wurde
das 25-jährige Bestehen der Gelsenkirchener Alteneinrichtung
Amalie-SievekingHaus mit zahlreichen
Aktivitäten gefeiert.
Dazu gehörten ein
Bibelquiz, der Besuch
des Orgelkonzertes der
katholischen Kirchengemeinde St. Antonius
und ein Grillabend für
Bewohner und Mitarbeiter. Beim Besuchercafé war Amalie
Sieveking sogar höchstpersönlich zu Gast, um
aus ihrem Leben zu
erzählen.
GELSENKIRCHEN.
24
Unser Werk
Zum Festakt am Freitag hatten sich viele
Gäste eingefunden.
Bei der Besinnung
und in den Grußworten standen das
Leben von Amalie Sieveking und die
Geschichte des Hauses im Mittelpunkt:
„Mag die Form eine andere werden,
was tut´s. Wenn nur der Geist christlicher Liebe in ihr lebendig bleibt.“
Mit diesem Zitat erinnerte Pastor Rolf
Gräfe, Leiter Pastoraler Dienst des Johanneswerks, an die Namensgeberin
Amalie Sieveking und ihr Wirken, das
auch heute noch als Meilenstein für
die christliche und soziale Arbeit gilt.
Regionalgeschäftsführer Frank Bachmann würdigte in seiner Ansprache
den Einsatz der Mitarbeiter und berichtete über die bisherigen Höhepunkte des Jubiläumsjahres. Johanneswerk-Vorstandsmitglied Dr. Bodo de Vries gab einen Rückblick zur
Geschichte des Hauses. Synodalassessor Dieter Heisig vom Kirchenkreis
würdigte die gelungene Umsetzung
einer christlich-diakonisch geprägten
Arbeit und Oberbürgermeister Frank
Baranowski wies auf die Bedeutung einer guten Betreuung in einer alternden
Frank Bachmann dankte (v.l.)
Petra Gruttmann
(Beauftragte für Qualitätsmanagement) und
Christiane Lappe
(Hausleiterin) für die
ausgezeichnete Organisation
der Jubiläumsfeierlichkeiten
Gesellschaft hin: „Es ist zwar schlimm,
alt zu werden, aber noch schlimmer ist
es, es nicht zu werden.“
Heimbeiratsvertreter Klaus Mansfeld
beschrieb die vielfältigen Aufgaben
des Heimbeirates und hob dabei den
„Goldschatz des Hauses“, die zahlreichen Ehrenamtlichen, besonders hervor. Die Fürbitten wurden gemeinsam
von Bewohnerinnen und Mitarbeitenden vorgetragen. Sie baten um Gottes Segen für alle Menschen im Hause, damit auch weiterhin die „Amalie“
ein Ort bleibt, an dem man sich wohl
fühlen kann. Umrahmt wurde der Festakt mit den musikalischen Darbietungen des Chores „Liederkranz 1899“.
Nachdem Hausleitung Christiane
Lappe nicht auf das „letzte Wort“ verzichten wollte, folgten
alle Gäste gern der Einladung zu Kaffee und Kuchen. Das
Sommerfest am Samstag war dann der krönende Abschluss
einer rundum gelungenen Festwoche.
Bei herrlichem Wetter drängten sich
Bewohner, Angehörige und Freunde
des Hauses auf dem Hof und genossen diverse Leckereien und das bunte
Programm.
25-Jähriges
ausgiebig
gefeiert
[HOLGER LEITSCH, MARKETINGBEAUFTRAGTER]
Seit 20 Jahren arbeitet
Kurt Diehr ehrenamtlich im Wichern-Haus
„Weil er uns gut tut!“
Es sind im Rückblick weit mehr als
60 Jahre, die Kurt Diehr insgesamt ehrenamtlich
tätig ist. „Früher habe ich mich für Jugendliche
engagiert, heute engagiere ich mich für ältere
Menschen“, sagt Diehr, der jetzt seit 20 Jahren für
die Bewohner der Johanneswerk-Alteneinrichtung
Wichern-Haus am Kolpinglatz in Bochum da ist.
BOCHUM.
Zeit nimmt sich Diehr in vielerlei Hinsicht. Er demonstriert 1999 auf der
Kölner Domplatte für bessere Bedingungen der an Alzheimer Erkrankten,
Kurt Diehr ist Nachbarschaftshelfer,
Bewährungshelfer, Schützenkönig unter anderem
Zeit haben und
Zeit schenken
Was das Wichern-Haus ausmacht?
„Wir kennen uns, die Bewohner, die
Angehörigen, das Personal. Es ist viel
familiärer hier als in den großen Häusern mit vielen Etagen. Hier ziehen alle
an einem Strang.“ 81 Jahre alt ist er,
der gute Geist des Wichern-Hauses,
der nach wie vor zur Karnevalszeit mit
seinen Büttenreden sein Publikum begeistert. Nachbarschaftshelfer, Schützenkönig, Bewährungshelfer – einen
Kurt Diehr ohne Ehrenamt, wäre das
möglich? „Ich brauche das“, lächelt
er. Auf die Frage, was die Familie zu
seinem unermüdlichen Einsatz sagt,
entgegnet er nur: „Die sind froh, dass
ich nicht roste.“ „Ohne unseren Kurt“,
weiß Carola Brauckmann-Salewski
vom Sozialen Dienst, „wäre manches
nicht möglich.“ Und sie resümiert:
„Nicht weil es ihm gut tut, sondern
weil er uns gut tut.“
Nicht umsonst war Diehr schließlich einer der deutschlandweit 1.500 Gäste,
die zur Begrüßung des Bundespräsidenten Horst Köhler 2004 nach Berlin
reisen durften.
[STEPHANIE BOYKE, MARKETINGBEAUFTRAGTE
REGION BOCHUM/HERNE]
Unser Werk
„Zeit haben“ nennt sich eines der
Projekte, an denen Kurt Diehr im Wichern-Haus mitarbeitet. Zeit haben für
die Bewohner, um ihnen vorzulesen,
gemeinsam zu beten, zu singen und
zu erzählen, spazieren zu gehen …
sie zu begleiten. Zeit haben für all das
lebenswerte Miteinander neben der
notwendigen pflegerischen und medizinischen Versorgung. Auch Gruppenangebote gehören dazu, von der
Hauswirtschaft bis zum Erinnern mit
Hilfe von Fotoalben und Bildbänden.
Zeit haben, auch für das Sterben. „Sie
rufen mich an, wenn es soweit ist“, erzählt er. „Dann sitze ich am Bett, wir
reden, ich halte die Hand. Eine dreiviertel Stunde sitze ich manchmal so
da.“ Und er fügt nachdenklich hinzu:
„Es ist gut, wenn man sich verabschieden kann.“
FOTO: PRIVAT
„Als Nachbarschaftshelfer des Bochumer Sozialamts gehört das Haus
zu meinem Bezirk“, erzählt er, „ich
wohne ein paar Straßen weiter“. Jeden
Tag ist er hier, auch am Wochenende.
„Ich bin immer ansprechbar“, wirft er
ein und ergänzt: „Ich gehe aber auch
gerne auf andere zu.“ Wenn man die
Bewohner, Angehörigen oder auch die
Mitarbeitenden fragt, ist es genau das,
was Kurt Diehr so besonders macht.
„Er ist immer für uns da!“
fährt zur Seniorenmesse nach Essen,
nimmt teil am Alzheimer Tag im Bochumer Kunstmuseum 2007. In der
von ihm mitgegründeten WichernHaus-Zeitung ist er verantwortlich für
die Witze und Rätsel, schreibt stetig
Artikel und hört nie auf, Menschen einzuladen, damit sie das Wichern-Haus
und die ehrenvolle Aufgabe des Ehrenamts kennen und schätzen lernen. „Ich
mache das, weil es mir gut tut“, sagt
er. Wenn Diehr das Wichern-Haus betritt, löst er ein zugewandtes Lächeln
aus, wohin er auch kommt.
25
Wichtiger Schritt für deutschniederländische Kooperation
26
Unser Werk
Das Bültenhaus in Bocholt-Suderwick
ist als erstes grenzüberbrückendes
Wohn- und Pflegehaus an den Start
gegangen – ein weiterer Schritt hin
zur Wohn-Sorge-Zone in DinxperloSuderwick. Um diese zu realisieren,
arbeitet das Ev. Johanneswerk eng
mit Careaz Dr. Jenny und der VIT
Oost-Gelderland (Vrijwillige Intensieve
Thuiszorg) zusammen.
FOTOS: ANDRESEN-PRESSESERVICE
Bewohner ziehen ins Bültenhaus
Eine besondere Brücke
verbindet zwei Nationen
BOCHOLT-SUDERWICK/DINXPERLO. Im Bültenhaus stehen verschiedene Angebote für Wohnen und Pflege zur Verfügung. Ein besonderes Angebot ist die Wohngemeinschaft
für neun ältere, pflegebedürftige Menschen aus Deutschland
und den Niederlanden. Lebensmittelpunkt ist ein Wohnzimmer, das sich auf der Brücke befindet, die die Straße Hellweg
überspannt.
Da sich Teile dieses Wohnzimmers sowohl in Deutschland als
auch in den Niederlanden befinden, bleiben die dort lebenden Menschen Bewohner ihres Herkunftslandes und haben
damit Anspruch auf die ihnen zustehenden sozialen Leistungen. Versorgung und Pflege werden kooperativ von der Diakoniestation des Ev. Johanneswerks und der Thuiszorg von
Careaz Dr. Jenny erbracht.
Menschen, die in dieser Wohngemeinschaft leben, mieten ein
Appartement und gestalten den Alltag auf der Grundlage gemeinsam getroffener Absprachen. Damit soll ein großes Maß
an Selbstbestimmung erhalten bleiben, auch bei hohem Bedarf an Pflege und Unterstützung. Jetzt sind die ersten Frauen und Männer in diese Wohngemeinschaft eingezogen.
Im Bültenhaus befinden sich zudem zwölf Wohnungen des
betreuten Wohnens. Bereits im August sind auch hier die ersten Mieter in das Haus eingezogen, das sich durch ein großzügiges Raumangebot und gelungene Farbwahl auszeichnet.
Hier sind noch einige Plätze frei, genau wie in der Wohngemeinschaft.
Die Diakoniestation Bocholt des Johanneswerks, die in Zusammenarbeit mit der Thuiszorgorganisatie von Careaz
Dr. Jenny Pflegeleistungen anbietet und die Betreuung der
Wohngemeinschaft übernommen hat, hat ein Büro im Bültenhaus bezogen. Dort bieten die Mitarbeiterinnen Beratungsgespräche an. Geplant ist, im Bültenhaus Beratungsangebote
unterschiedlicher Träger zu bündeln, angelehnt an das niederländische Modell des Zorglokets. So können Bürger an
einer Stelle vielfältige für sie wichtige Informationen erhalten.
Taverne als
Treffpunkt für Nachbarn
Von besonderem Reiz im Bültenhaus ist die auf der Brücke
angesiedelte Taverne. Gedacht als Begegnungsort für Menschen aus dem Haus, für Besucher und Nachbarn, wird die
Taverne durch Ehrenamtliche betrieben. Die Taverne und ein
weiterer Raum im Bültenhaus können auch von Vereinen oder
Gruppen gemietet werden. „Es soll ein Haus im Herzen von
Suderwick und Dinxperlo werden“, betont der Projetktleiter
des Ev. Johanneswerkes, Helmut Dessecker.
Das Europaproject „Grenzüberbrückendes Leben im Alter“
wird unterstützt durch die Europäische Union im Rahmen der
Gemeinschaftsinitiative INTERREG-IIIA, durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Wohlfahrtspflege des
Landes Nordrhein-Westfalen, die ARD-Fernsehlotterie „Ein
Platz an der Sonne“, den Kreis Borken, die Stadt Bocholt, das
niederländische Gesundheitsministerium, die Provinz Gelderland, die Gemeinde Aalten und die Woningstichting Dinxperlo. [ANDREAS JAKOB THEISEN, PROJEKTKOORDINATOR EUROPAPROJECT]
Die grenzüberschreitende Wohnbrücke war der
ideale Ort für den Erfahrungsaustausch mit dem
Europaminister: (v.l.) Dr. Bodo de Vries (Vorstand Ev.
Johanneswerk), Minister Andreas Krautscheid, Anja
Zimmermann (Leiterin Stabsbereich Europa des Ev.
Johanneswerks) und Frans Willeme (Vorsitzender und
Präsident EUREGIO)
Minister besucht Europaprojekt
Deutschland und
Holland an einem Tisch
BOCHOLT/DINXPERLO. Die eine Hälfte des Wohnzimmertisches steht in Deutschland, die andere in den Niederlanden: Ein äußerst anschauliches Beispiel für internationale
Kooperation erwartete den NRW-Minister für Bundesangelegenheiten und Europa in Bocholt. Andreas Krautscheid
war begeistert vom europaweit ersten grenzüberschreitenden Wohn- und Pflegehaus, nahm sich aber auch Zeit, um
über die vielen Schwierigkeiten zu reden, die die Verantwortlichen beim Bau der Wohnbrücke bewältigen mussten.
Die kürzlich fertig gestellte Wohnbrücke verbindet die niederländische Alteneinrichtung Careaz Dr. Jenny und das
deutsche Bültenhaus des Ev. Johanneswerks. Krautscheid
informierte sich über das Europaprojekt während seines
Besuchs beim deutsch-niederländischen Kommunalverband Euregio, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.
„Die Probleme im Detail sind vielfältiger, als man von außen denkt“, sagte Krautscheid. Welche Schwierigkeiten die
unterschiedlichen Vorschriften und Normen in Deutschland
und Holland allein beim Bauen bereiteten, darüber lasse
sich ein Buch schreiben, stellte der Minister fest. Dazu seien dann noch die unzähligen Komplikationen im Sozial- und
Gesundheitsbereich gekommen. Dass die Verantwortlichen
trotz der Hindernisse und des jahrelangen Vorlaufes durchgehalten hätten, habe ihn am meisten beeindruckt.
„Bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gibt es
in Sozialpolitik und Gesundheitswesen den größten Rückstand“, fasste Krautscheid am Ende des Besuches zusammen. Da seien sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene „Hausarbeiten“ zu machen. [AK]
Unser Werk
Hohes Maß an
Selbstbestimmung
27
30 Jahre lang prägte Frieder Morgenstern die Arbeit in Grünau
“Vorbilder, die mit Gewalt
durchs Leben kommen“
Vor 29 Jahren kam
Frieder Morgenstern in die heilpädagogisch-therapeutische Einrichtung
Grünau in Bad Salzuflen. Damals war
er dort der einzige Psychologe, denn
Therapien für traumatisierte Jugendliche spielten kaum eine Rolle.
FOTO: PRIVAT
BAD SALZUFLEN.
„Seit Ende der 70er Jahre hat sich in
der Gesellschaft und in der Kinderund Jugendhilfe vieles geändert“,
sagt Morgenstern, der als leitender
Psychologe federführend am Aufbau
der therapeutischen Abteilung und der heilpädagogischen
Ambulanz beteiligt war. Interne und externe Fortbildung zu
gestalten und zu moderieren gehörte ebenso zu seinen Aufgaben, wie das Führen und Beraten der mittlerweile 150 Mitarbeitenden. Jetzt geht Morgenstern in den Ruhestand.
„Heute bekommen junge Menschen viel eher und konsequenter Hilfe, um Erlebtes besser bewältigen zu können. Das
liegt nicht daran, dass sich deren Probleme geändert hätten,
sondern daran, dass die Gesellschaft umgedacht hat“, sagte
der 65-Jährige. „Vor 30 Jahren war Missbrauch beispielsweise kein Thema, weil es das nicht geben durfte. Jugendliche,
die ins Kinderheim kamen, waren als Sonderlinge verschrieen, ihr Leidensweg interessierte kaum jemanden“.
28
Unser Werk
„Natürlich gibt es auch heute noch Tabus“, ergänzt Sven
Reibold, der Morgenstern in der Johanneswerk-Einrichtung
nachfolgen wird. Mütter als Täter seien ein Beispiel
dafür. Darüber hinaus gebe es bei Missbrauchsfällen
oder Gewalt, die oftmals für die Störungen der Jugendlichen verantwortlich sind, eine hohe Dunkelziffer. Andererseits habe die Berichterstattung
in den Medien für erhöhte Aufmerksamkeit
unter anderem bei den Jugendämtern
gesorgt.
Geändert hat sich auch die Beeinflussung der Jugendlichen
durch die Medien. „Das früher verteufelte Fernsehen
spielt dabei keine große Rolle mehr“, sagt Morgenstern.
„Es sind das Internet oder
auch die Weitergabe von
Gewaltclips über Handys,
die heute problematisch sind“. Reibold ergänzt, dass auch
Musik schlechten Einfluss ausüben könne, vor allem RapTexte könnten sehr gefährlich sein.
„Die Musik suggeriert den Kindern Stärke und zieht eine
Grenze zu den Eltern. Die lotet natürlich jedes Kind mal aus“,
erklärt Morgenstern. „Wenn die Kinder die besungenen Probleme aber selbst erlebt haben, dann wird es gefährlich. Die
denken dann: Mit Gewalt kommt der Sänger gut durchs Leben. Dass so etwas und auch sexueller Missbrauch verherrlicht werden, wird durch den Hintereingang ganz normal für
die Jugendlichen. Frauen erscheinen in ihrer ‚neuen Welt’ als
Ware.“
Rap-Texte können
gefährlich sein
„Da wir das Internet nicht abschaffen können, sind die Eltern
gefragt. Allerdings sind viele, zum Beispiel Alleinerziehende,
damit überfordert.“ Morgenstern dazu weiter: "Wenn die Kinder dann zu uns kommen, finden sie heute mehr als die
behagliche, wohnliche Umgebung. Neu ist der professionelle Umgang mit Störungen. Wenn die Kinder
Grünau nach durchschnittlich dreieinhalb
Jahren verlassen, dann haben sie
meistens viel gelernt. Jugendliche
mit acht Fünfen im Zeugnis
haben ein Jahr später die
Versetzung geschafft. Darüber hinaus sind sie in der
Lage, ihr Leben zu meistern. Gleichzeitig arbeiten
wir auch an den familiären
Umständen, damit die Kinder, wenn sie nach Hause
zurückkehren, eine Chance
haben, das Gelernte umzusetzen." [AK]
FOTO: WERNER KRÜPER
Nancy Horn-Gittel
erhält die Vokation durch
Superintendentin Regine Burg
Diakonin ist für die Menschen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus da
„Die Vokation war
etwas Besonderes“
Es war schon etwas Besonderes für Nancy Horn-Gittel: Im Juli erhielt
sie in einem öffentlichen Gottesdienst ihre Vokation durch die Superintendentin Regine Burg des Kirchenkreises Bielefeld. Seitdem wird die junge Diakonin
häufig gefragt, was eine Vokation sei.
BIELEFELD.
Was das im Alltag heißt? Nun, für Horn-Gittel sind es die eher
existenziellen, oft traurigen Anlässe, die ihren Beruf ausmachen. In einer Alteneinrichtung erfordern Krankheit, Demenz
und Tod viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Betroffenen. Viele können einem Gottesdienst nur noch schwer
folgen: „Deshalb sind Wiederholungen und immer gleiche
Abläufe wichtig. In meinen Andachten singen wir häufig die
gleichen Lieder, hören die gleichen Psalmen und beten gemeinsam“, sagt Horn-Gittel. Sie hat herausgefunden, dass
es so den alten Menschen leichter fällt, zuzuhören.
Abschied ist ein zentrales Thema in ihrer Arbeit. „Abschiednehmen von der eigenen Selbstständigkeit und Gesundheit,
von Menschen und dem eigenen Leben. Das alles soll in
Würde geschehen“, sagt sie.
„Nur keine Anonymität“
Nicht nur Angehörigen, auch Mitbewohnern, Mitarbeitern
des Hauses will sie Gelegenheit zur Trauer geben. Schließlich
leben einige Bewohner der Einrichtung schon 20 Jahre im
Dietrich-Bonhoeffer-Haus, nehmen an Veranstaltungen teil,
wobei sich Freundschaften gebildet, Beziehungen aufgebaut
haben. „Nur keine Anonymität“, das ist ihr wichtig. Deshalb
nimmt sich die 29-Jährige viel Zeit für Gespräche: „Ich weiß,
dass nicht jeder religiös ist. Deshalb können wir uns auch
übers Wetter oder die ganz alltäglichen Dinge unterhalten.
Viele erzählen aus ihrem Leben und ich höre traurige, schöne, manchmal sogar lustige Geschichten.“
Zugang zur Arbeit mit alten und kranken Menschen fand
Nancy Horn-Gittel, die in der Lutherstadt Wittenberg geboren ist, während ihres Studiums. Als sie 1997 ins Ruhrgebiet
kam, studierte sie in Bochum an der Evangelischen Hochschule Sozialpädagogik und Sozialarbeit, wurde am Martineum in Witten zur Diakonin ausgebildet.
Währenddessen arbeitete sie ehrenamtlich in der Sterbebegleitung auf einer Krebsstation in Herne. Ihr Berufs-Anerkennungsjahr machte sie anschließend 2003 im Ev. Johanneswerk Bielefeld, wo sie in eine Festanstellung übernommen
wurde. Sie ist nicht allein Diakonin, sondern auch Sozialpädagogin mit dem Schwerpunkt „SKA“, das heißt für soziokulturelle Angebote.
Diesen Bereich hat sie momentan allerdings ein wenig zurück
gestellt, arbeitet auf einer Teilzeitstelle als Mitarbeiterin im
Pastoralen Dienst. Grund dafür sind ihre beiden kleinen Söhne, der jüngste ist gerade ein Vierteljahr alt. Wichtig ist ihr,
Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bringen. Um dafür
Kraft zu schöpfen, geht sie gern in die Natur. „Spaziergänge
machen den Kopf frei“, sagt sie. „Und wunderbar abschalten
kann ich beim Krimilesen!“
[ANGELIKA HORNIG]
Unser Werk
„Vokation heißt Beauftragung zum Dienst am Wort und Sakrament“, erklärt Horn-Gittel. „Ich kann also nun ganz offiziell hier bei meiner Arbeit in der Alteneinrichtung DietrichBonhoeffer-Haus des Ev. Johanneswerks alle Sakramente
vornehmen, wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Auch
Gottesdienste darf ich selbstständig gestalten, bisher hatte
ich das gemeinsam mit anderen Pfarrern getan.“
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Pfarrerin hat etwas Wichtiges aus den USA mitgebracht
FOTO: ANTJE LEWITZ-DANGUILLIER
Man ist nie zu alt,
um an die Zukunft zu glauben
Angie Lerma (l.), Activity &
Volunteer Coordinator, und Yolanda
Resurreccion, Administrative Supervisor
Health Services Center, neben einer
Memory Box, die aus dem Leben der
demenzkranken Bewohner erzählt
„Die Menschen sehen immer nach vorne, sie
glauben an die Zukunft. Dabei ist es völlig egal, wie alt sie sind. Das hat mich
unglaublich beeindruckt“: Der Enthusiasmus, mit dem Pfarrerin Antje LewitzDanguillier das sagt, ist förmlich greifbar. „Diese Haltung habe ich mitgenommen aus Amerika und ich versuche, etwas davon an die Menschen, denen ich
täglich im Johanneswerk begegne, weiterzugeben.“
RECKLINGHAUSEN/CASTROP-RAUXEL.
Lewitz-Danguillier ist als Seelsorgerin in den Alteneinrichtungen Karl-Pawlowski-Altenzentrum in Recklinghausen und
Haus am Ginsterweg in Castrop-Rauxel tätig. Gleichzeitig
war die 44-Jährige immer viel in der Welt unterwegs. Ihr großes Interesse an fremden Kulturen war der Auslöser dafür,
dass sie unter anderem an Menschenrechtskampagnen für
die Dritte Welt mitwirkte und einige Monate in einer amerikanischen Kirchengemeinde in Oregon
tätig war.
lifornien, ein kleiner Stadtteil, in dem Menschen, die bei der
Kirche gearbeitet haben, ihren Ruhestand verbringen können.
Rund 350 Frauen und Männer leben in der Gemeinschaft.
„Alle sind sehr aktiv, jeder engagiert sich ehrenamtlich, das
ist in Amerika selbstverständlich“, sagt Lewitz-Danguillier.
Aber auch wer pflegebedürftig sei, werde dort gut versorgt.
Sehr gut gefielen ihr die Memory Boxes, kleine Vitrinen, die außen neben
der Zimmertür der Menschen mit Demenz angebracht sind. Fotos und
Gegenstände aus dem früheren und
heutigen Leben der Bewohner ermöglichen den Besuchern, sich schon vor
der Tür ein Bild zu machen und dann
auf die Menschen besser einzugehen.
Schon vor der Tür
Menschen
kennen lernen
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Unser Werk
Heute ist sie aktiv in der amerikanischen UCC (United Church of Christ),
die durch eine Kirchengemeinschaft
mit der Ev. Kirche von Westfalen verbunden ist. Inzwischen pflegt sie vielfältige Kontakte nach Amerika, gegenseitige Besuche eingeschlossen. „Ich bin immer wieder begeistert, welches
große Interesse die Menschen an mir und meiner Arbeit haben“, sagt Lewitz-Danguillier. „Ich nutze unsere
Begegnungen jedes Mal, um über das Johanneswerk
zu informieren. Mehr als einmal musste das englische
Informationsmaterial schnell kopiert werden, weil die
Neugier so groß war.“
Besonders beeindruckt hat Lewitz-Danguillier der Besuch des Pilgrim Places in der Stadt Claremont in Ka-
Natürlich weiß auch Lewitz-Danguillier, dass in den
USA nicht alles besser ist. So sei zum Beispiel das
Ehrenamt ja deshalb wichtig, weil der Staat weniger
soziale Unterstützung biete. „Aber diese positive
Grundhaltung, dass Zukunft keine Frage des Alters
ist, dass Visionen jederzeit Realität werden können,
dass wir nach vorne blicken müssen – diese Einstellung habe ich mitgenommen."
[AK]
FOTO: SIEGFRIED WOLFF
Johanneswerk diskutiert
Konzept mit Familienmitgliedern
Angehörige
mehr einbeziehen
Trafen sich zum Workshop: (v.l.) HansJoachim Striethörster Doris Crolly,
Ute-Sybille Sattler, Helmut Schlautmann, Annemarie Baier, Walter
Mangen, Erika Altenberger, Brigitte
Schulte und Regionalgeschäftsführer
Peter-Christian König
Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung von älteren Menschen in stationären Einrichtungen. Die Alteneinrichtungen
des Ev. Johanneswerks im Raum Gütersloh haben gemeinsam mit Familienmitgliedern ein Konzept entwickelt, um diese so gut wie möglich in die Abläufe
einzubeziehen, ihre Wünsche und Vorstellungen berücksichtigen zu können.
GÜTERSLOH/HALLE/STEINHAGEN.
Das Konzept basiert auf dem Johanneswerk-Rahmen von
Fachleiter Andreas Lüttig für die partnerschaftliche Arbeit
mit Angehörigen in den stationären Alteneinrichtungen. Hier
werden die einzelnen Bausteine beschrieben, mit deren Hilfe zukünftig in der Region Gütersloh die Beziehung und die
Zusammenarbeit von Angehörigen pflegebedürftiger Bewohner und Mitarbeitenden der Institution gestaltet werden soll.
Schwerpunkte sind die gründliche Beratung und Unterstützung nicht nur in der Phase des Einzugs, die Integration in
Pflegeplanung und -prozess sowie bei der Begleitung in der
Abschieds- und Sterbephase. Überdies werden Beteiligungsund Mitwirkungsmöglichkeiten beschrieben.
Der Workshop mit Angehörigen von Bewohnern aus dem
Altenzentrum Eggeblick (Halle), dem Hermann-Geibel-Haus,
dem Katharina-Luther-Haus (Gütersloh) und dem MatthiasClaudius-Haus (Steinhagen) diente der letzten Überprüfung,
bevor das Konzept im Herbst in Kraft tritt. Die Beteiligten lobten die Bemühungen um ein zeitgemäßes Angehörigenkonzept, welches berücksichtigt, dass eine optimale Versorgung
der Bewohner kaum noch ohne die Mithilfe der Angehörigen
möglich ist, und welches den Angehörigen Mitsprache- und
Mitwirkungsmöglichkeiten einräumt.
Mitreden und mitwirken
Die Angehörigen teilten die Grundannahmen, die zur Entwicklung des Konzeptes geführt hatten, bedauerten aber,
dass vor allem die theoretischen Annahmen eher auf einer
defizitären Sichtweise beruhten. Sie wünschten sich mehr
Beispiele gelungener Beziehungen von Angehörigen und Institution. Hinsichtlich der beschriebenen Standards warnten
die Teilnehmer davor, die Mitarbeitenden in den Einrichtungen zu überfordern, da viel Zeit, Motivation und Sprachfähigkeit dazu notwendig seien.
Die Angehörigen machten zahlreiche Vorschläge, die zur
Intensivierung der Zusammenarbeit und zur Verbesserung
der Pflege und Betreuung beitragen können. So empfahlen
sie regelmäßige Sprechstunden der Wohnbereichsleitungen
oder die Ansprache von Angehörigen durch ehrenamtlich tätige Angehörige beziehungsweise ehemalige Angehörige.
Im Großen und Ganzen begrüßten sie es sehr, dass sich die
Altenheime der Region Gütersloh so intensiv mit der Thematik auseinandersetzen.
[PETER-CHRISTIAN KÖNIG, REGIONALGESCHÄFTSFÜHRER]
Unser Werk
In einem Workshop diskutierten acht Angehörige gemeinsam mit Regionalgeschäftsführer Peter-Christian König das
Konzept. Der vorliegende Entwurf wurde im vergangenen
Jahr federführend von Angehörigen, Mitarbeitenden und der
Hausleitung des Katharina-Luther-Hauses entwickelt und in
der Leitungskonferenz der Region weiterbearbeitet.
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FOTO: KERSTIN SCHACHTSIEK
Sprachen über die
Zukunft der Pflege:
(v.l.) Prof. Dr. Anke
Fesenfeld, Barbara
Steffens und Prof.
Martin Sauer, Rektor
der FHdD
Barbara Steffens diskutiert mit Studierenden der FHdD
„Pflege muss
politisch werden“
Die Gesellschaft altert. Bis zum Jahr 2040 werden für NRW 52,4 Prozent mehr Pflegebedürftige prognostiziert. Die Pflegekassen und das Gesundheitssystem stoßen schon heute an ihre Grenzen. Dies offenbart ein von der
Enquete-Kommission des Landes NRW in Auftrag gegebenes Gutachten des
Zentrums für Sozialpolitik (ZES) an der Universität Bremen.
BIELEFELD.
Studierende der Fachhochschule der Diakonie (FHdD) in Bielefeld, zu deren Trägern das Johanneswerk gehört, stellten
sich konkreten Fragen zur Zukunft der Pflege. Die FHdD-Professorin Dr. Anke Fesenfeld hatte dazu Barbara Steffens, Mitglied der Enquete-Kommission des Landes NRW eingeladen,
die die Ergebnisse der 2006 erstellten Studie zur Situation
der Pflege erläuterte. Im Gespräch mit der Grünenpolitikerin
Steffens erwiesen sich die Studierenden der FHdD als kompetente Gesprächspartner, weil alle berufsbegleitend studieren und daher den Alltag in Alteneinrichtungen, Krankenhäusern und ambulanten Diensten vor Augen haben.
32
Unser Werk
Steffens referierte aus politischer Perspektive über aktuelle
Entwicklungen in der Pflege. Als wichtige Innovation, die den
Ausbau niedrigschwelliger, wohnortnaher Versorgungsangebote unterstütze, bezeichnete die Politikerin die neuen Anlaufstellen für Betroffene und Menschen, die ihre Angehörigen zuhause pflegen. Die Einführung der so genannten „Pflegestützpunkte“ sei seit Inkrafttreten des neuen Pflegeweiterbildungsgesetzes am 1. Juli 2008 vorgesehen. Je 20.000
Einwohner soll künftig ein Pflegestützpunkt eingerichtet werden. In den Pflegestützpunkten sollen pflegende Angehörige
beraten, angeleitet und fachlich unterstützt werden.
Dass Politik, Wissenschaft und Praxis ineinander greifen
müssen, werde beispielsweise auch durch Defizite im System
der Pflegeversicherung belegt. Besonders Demenzerkran-
kungen mit ihrem hohen Betreuungsaufwand seien bisher
unzureichend berücksichtigt worden, so die Landespolitikerin. Durch gesetzliche Nachbesserungen können inzwischen
auch demenzielle Erkrankungen, die zwar wenig körperliche
Pflege, aber viel Zeit bei der Begleitung bedeuten, angerechnet werden.
Qualifiziertes
Personal fehlt
„Mir ist sehr deutlich geworden, dass Pflege neben der fachlichen Qualifikation auch politisch werden muss“, so das Fazit von Fesenfeld. Wie die Studie der Enquete-Kommission
nachweist, klaffen die Ansprüche an Pflege und Realität weit
auseinander. Übereinstimmung bestand darin, dass vom medizinisch-technischen Standard her Patienten in Deutschland
exzellent versorgt werden könnten. Tatsächlich mangelt es
jedoch an der Refinanzierung. Den Krankenhäusern und ambulanten Diensten fehlt zunehmend qualifiziertes Fachpersonal. Dies ist auch ein Grund, warum zur Großdemonstrationen im September in Berlin Arbeitgeber, Mitarbeitende und
Gewerkschaften erstmals gemeinsam auf die Straße gingen,
um auf die engen gesetzlichen Vorgaben für die Finanzierung
der Krankenhäuser aufmerksam zu machen.
[KERSTIN SCHACHTSIEK]
Johanneswerk-Vorstand nimmt Stellung:
FOTOS: WERNER KRÜPER
Langzeitarbeitslose sollen
Demenzkranke betreuen
Die Bundesagentur für Arbeit hat
angekündigt, Langzeitarbeitslose
in die Betreuung von Menschen mit
Demenz in Alteneinrichtungen zu
vermitteln. Das Pflegeweiterentwicklungsgesetz (PfWG) sorgt für umfangreiche Diskussionen unter Fachleuten
und in den Medien. Der Vorstand des
Ev. Johanneswerks nimmt in einem
Positionspapier dazu Stellung:
Zu begrüßen ist auch, dass der Gesetzgeber damit eine Bedarfslage dem Grunde nach anerkennt, die von vielen Trägern der stationären Altenhilfe in den
zurückliegenden Jahren immer wieder
angemahnt wurde. Sie beschreibt Leistungen und personelle Unterstützung,
die jenseits des bisher im Gesetz verankerten Pflegebegriffs liegen. Denn
bei der Betreuung von Menschen mit
Demenz sind nicht die Bedarfslagen
aus den Verrichtungen des täglichen
Lebens handlungsleitend, sondern Anforderungen, die sich
allein an die Betreuung dieser Menschen richten.
Die von der Bundesagentur für Arbeit angekündigte und von
großen Teilen der Politik positiv aufgenommene Vermittlung
von Langzeitarbeitslosen in Betreuungstätigkeiten von Menschen mit Demenz ist sehr kritisch zu bewerten. Demenz
stellt die häufigste Krankheit dar, die in der stationären Pflege anzutreffen ist. Die Betreuung von Menschen mit Demenz
verlangt eine Beziehungsgestaltung im Umgang mit diesen
Menschen, die jenseits von Heilung liegt und eher auf das
Aushalten von räumlicher und zeitlicher Desorientierung ausgerichtet sein muss. Dies und der professionelle Umgang mit
der angemessenen Nähe und Distanz zu diesen Personen
sind besondere Anforderungen, die einer umfassenden Qualifizierung der Mitarbeitenden bedarf.
Die Tatsache, dass der Gesetzgeber für diese Aufgabe zusätzliches Personal ohne eine qualifizierte Ausbildung im
SGB XI vorsieht, stellte deshalb bereits eine besondere Problematik dar. Die Beschäftigungsinitiative der Bundesanstalt für Arbeit mit
dem Ziel, jetzt Langzeitarbeitslose für
diese Aufgaben einzusetzen, missachtet in grober Oberflächlichkeit die
Anforderungen, denen sich die Mitarbeitenden professionell bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit
Demenz jeden Tag stellen. Weder Arbeitslosigkeit noch Langzeitarbeitslosigkeit qualifizieren in
irgendeiner Weise zur Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz. Schulungen von Laien in einem Umfang
von 160 Stunden führen nicht zu einem hinreichenden Qualifikationsniveau.
Das Ev. Johanneswerk wird durch weitergehende Maßnahmen zukünftig auch nicht qualifizierte Mitarbeitende, die dies
möchten, an die Versorgung von Menschen mit Demenz heranführen und diese in die Demenzarbeit der Einrichtungen
einbinden. Das Ev. Johanneswerk ist gerne bereit zu prüfen,
auch Langzeitarbeitslosen diese Möglichkeit anzubieten, wird
die Qualitätsmaßstäbe jedoch an den zu betreuenden Menschen ausrichten und nicht an dem Faktor Arbeitslosigkeit.
Unser Werk
Mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz (PfWG) soll die Unterstützung von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz aufgrund einer demenziellen Erkrankung verbessert
werden. Dies ist ausdrücklich zu begrüßen. Allerdings wird
diese Initiative des Gesetzgebers dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf überhaupt nicht gerecht und kann nur als
eine erste Bemühung verstanden werden.
Der richtige Umgang mit Demenzkranken
stellt hohe Anforderungen an die Pflegenden
33
Posch verlässt Ev. Johanneswerk
und Stiftung mitLeidenschaft
Öffentlichkeitsarbeit
unter neuer Leitung
Die Leiterin der Stabsabteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
und Geschäftsführerin der Stiftung mitLeidenschaft Ulrike Posch verlässt nach
neun Jahren das Ev. Johanneswerk. Ihre Nachfolge tritt zum 1. Januar 2009
Elke Wemhöner an, die aus dem Printbereich kommt.
Elke Wemhöner
kommt vom
WESTFALEN-BLATT
FOTO: BERNHARD PIEREL
BIELEFELD.
Die 51-jährige Journalistin Wemhöner,
gebürtige Bielefelderin, stieg nach ihrem Tageszeitungs-Volontariat direkt in
den Beruf ein. Sie war drei Jahrzehnte
mit verschiedenen Themenschwerpunkten im lokalen Bereich des WESTFALEN-BLATTs, wie Soziales, Umwelt
und Verbraucheranliegen, tätig.
Liebe Freunde und Förderer des
Ev. Johanneswerkes und der
Stiftung mitLeidenschaft,
34
Unser Werk
neun Jahre durfte ich die diakonische
Arbeit intensiv mitgestalten, neun Jahre haben Sie mein Team und mich
dabei kräftig unterstützt. Neben Zeitund Geldspenden, Gesprächen und
Kontakten war es vor allem der Geist,
der diese gemeinsamen Aktivitäten
Als Mitglied im Lenkungsausschuss des Zentrums Kommunikation beim Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in
Deutschland (DWEKD) hat sie bereits
auf bundesweiter Ebene diakonische
Öffentlichkeitsarbeit mitgestaltet.
FOTO: HILLA SÜDHAUS
Posch (47), die derzeit am Centre for Social Investment (CSI)
der Universität Heidelberg an dem Masterstudiengang Nonprofit Management & Governance mitarbeitet, ist auch an der Deutschen
Stiftungsakademie in Berlin verantwortlich im Ausbildungsgang für Stif-
tungsmanager tätig. Ihr Schwerpunkt
wird in Zukunft an der Bundes- und an
der Führungsakademie für Kirche und
Diakonie in Berlin liegen, wo neben
Dozententätigkeit auch die Öffentlichkeitsarbeit und Positionierung der beiden Ausbildungsstätten in ihren Händen liegen werden.
[SO]
nachhaltig geprägt hat. Ich danke Ihnen von Herzen für die Begleitung zu
unserem Ziel, diese Welt jeden Tag ein
klein wenig menschlicher zu gestalten.
Mit Ihrer Unterstützung wird dies auch
in Zukunft gelingen!
Ihre
Ulrike Posch
Neuerscheinung
Folgende Publikation des Netzwerks
Soziales neu gestalten/ SONG (Hrsg.)
ist jetzt erhältlich:
Zukunft Quartier – Lebensräume
zum Älterwerden
Band 1: Eine Potenzialanalyse
ausgewählter Wohnprojekte
(2008, 272 Seiten, 34 Euro [D],
ISBN 978-3-89204-947-0;
Bestellung unter: Fax 05241/469 70
oder E-Mail:
sabine.reimann@bertelsmann.de)
Gebhardt leitet
Verband Evangelischer Krankenhäuser
MÜNSTER/BIELEFELD. Der Vorsitzende des Vorstands des Ev. Johanneswerks,
Karsten Gebhardt, ist neuer Vorsitzender des Verbandes Evangelischer Krankenhäuser Rheinland/Westfalen/Lippe (VEK-RWL). Gebhardt, langjähriges Vorstandsmitglied des Verbandes, wurde zum Nachfolger von Pastor Walter Tschirch aus
Herne bestimmt.
Tschirch hatte dem Verband seit 1991 vorgestanden und übergab dem DiplomKaufmann Gebhardt jetzt offiziell sein Amt. Als Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW vertritt Gebhardt auch die Interessen von 444 Kliniken in NordrheinWestfalen. Im Verband Evangelischer Krankenhäuser RWL sind derzeit 69 Krankenhäuser organisiert. [AJU]
Karsten Gebhardt
Geschichte der
Diakonie ist jetzt online
Im Wichern-Jahr 2008 hat das Diakonische Werk der EKD in
Berlin eine Website zur Geschichte der Diakonie in Deutschland gestartet: www.diakonie-geschichte.de
[BÄRBEL THAU, GESCHICHTSSCHREIBUNG]
Unser Werk
Konzipiert wurde die Homepage von der Projektgruppe
„Diakonie-Geschichte online“, die auch weiterhin für die redaktionelle Betreuung der Seiten verantwortlich ist. Inhalte
sind bisher zum Beispiel aktuelle Nachrichten, eine Chronik
zur Diakoniegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Biographien einzelner Persönlichkeiten, Texte über wesentliche
diakonische Arbeitsfelder von der Altenarbeit bis zur Wohnungslosenhilfe und Beiträge zu besonderen Themen wie
„Euthanasie“ oder „Diakonie in der DDR“. In einem Bereich
stellen diakonische Einrichtungen und Werke sich und ihre
Geschichte vor – darunter auch das Ev. Johanneswerk.
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Heinz-Joachim Brosinsky verstorben
Heinz-Joachim Brosinsky kam 1953 als Buchhalter in das
Ev. Johanneswerk. Er erlebte den Aufbau einer zentralen
Verwaltung für das Johanneswerk in Bielefeld und bewährte sich in seinem Bereich, so dass ihm nach einigen Jahren
Leitungsaufgaben übertragen wurden.
Als Heinz-Joachim Brosinsky 1978 sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte, war er Leiter des Lohnbüros und ihm wurde in Anerkennung seiner beruflichen Leistung das Goldene Kronenkreuz des Diakonischen Werks verliehen. Dr.
Hartmut Dietrich, der damalige Vorstandsvorsitzende des
Johanneswerks, charakterisierte Bronsinsky als einen der
ganz wichtigen Spezialisten im Gehalts-, Finanz- und Versicherungswesen, ohne die ein großes Werk nicht existieren
könne. Er stellte die Beweglichkeit des Jubilars, seine stete
Einsatzbereitschaft und sein hohes Fachwissen heraus.
Als Brosinsky nach mehr als drei Jahrzehnten im Johanneswerk 1988 in den Ruhestand ging, blieb er dem Werk als
ehrenamtlicher Mitarbeiter verbunden. Viele Jahre lang war
er Patientenfürsprecher im Ev. Krankenhaus Bielefeld im
Johannesstift. Am 23. September 2008 ist Heinz-Joachim
Brosinsky kurz vor seinem 80. Geburtstag gestorben.
[BÄRBEL THAU, GESCHICHTSSCHREIBUNG]
FOTO: ARCHIV
Spezialist für Finanzen und
Fürsprecher für Patienten
Dr. Friedrich Belz ging 1984 in den Ruhestand
Ehemaliger Klinikleiter verstorben
Dr. Belz war Vorreiter für
„geheimnisvolle“ Medizin
1950 gründete das Ev. Johanneswerk in Bad Berleburg eine der ersten Fachkliniken für psychosomatische Medizin in
Deutschland, die Klinik Wittgenstein. Dr. Friedrich Belz kam
1951 als Abteilungsarzt nach Wittgenstein und übernahm
1952 die Leitung der jungen Klinik mit dem ungewöhnlichen
Konzept.
In Wittgenstein spielten analytische Gespräche und neue
Therapieformen wie Autogenes Training eine wichtige Rolle.
Friedrich Belz war mit dieser umstrittenen, „geheimnisvollen“ Medizin vertraut. Er kam aus der Heidelberger Schule
von Victor von Weizsäcker, die damals führend im Bereich
der Psychosomatik war. In einem Vortrag aus den 50er Jahren nannte Belz als wichtiges Ziel seiner damaligen Arbeit,
durch Behandlungserfolge „draußen“ Anerkennung zu finden, die psychotherapeutische Behandlung in die Sozialversicherung einzuführen und auch dem kassenversicherten Patienten zugänglich zu machen.
Wichtig war ihm eine Medizin, die sich am Menschen orientierte: „Wir alle spüren, wie sehr die moderne naturwissenschaftliche Medizin in ihrer strengen Exaktheit wohl die
krankhaften Abläufe immer besser und genauer erfassen
kann, wie sehr sie aber dabei den kranken Menschen verlieren kann.“
Dr. Hartmut Dietrich (l.) überreicht HeinzJoachim Brosinsky 1978 das goldene Kronenkreuz
1984 ging Belz in den Ruhestand. Mehr als 30 Jahre lang
hatte er die Entwicklung der psychosomatisch und psychotherapeutisch orientierten Medizin im Johanneswerk mitgestaltet. Am 15. Mai 2008 ist Friedrich Belz im Alter von 91
Jahren verstorben. [BÄRBEL THAU, GESCHICHTSSCHREIBUNG]
Unser Werk
FOTO: PETER THÖLEN/WESTFALENBLATT
Später erarbeitete Belz das Konzept für die Rhein-Klinik in
Bad Honnef und wechselte 1972 in die Leitung dieser neu
erbauten Fachklinik des Johanneswerks. Die Rhein-Klinik
war damals als Modellklinik für psycho- und sozialtherapeutische Ausbildung und Behandlung geplant. Neben
medizinischen und psychologischen Vorgängen sollten hier
auch Faktoren aus dem sozialen Umfeld des Patienten, wie
zum Beispiel Beruf und Familie, berücksichtigt werden. In
der Behandlung erhielten gruppentherapeutische Maßnahmen und sozialtherapeutische Hilfen einen entscheidenden
Platz.
39
U
Tolle
Ausstrahlung:
Die neuen Lesezeichen
für die Arbeit mit Menschen
mit Behinderung
Die Lesezeichen als Werbeartikel gibt es jetzt auch
für die Behindertenarbeit
des Johanneswerks: Die
Fotomodels aus den Regionen Recklinghausen und
Bochum/Herne haben mit
unglaublich viel Charme,
Humor und Ausstrahlung
dafür gesorgt, dass die
Lesezeichen vor Lebensfreude strahlen.
Evangelisches Johann
eswerk e.V.
Einrichtungen der Diak
onie
Der Werbeartikel ist gestaltet wie ein Fotostreifen aus
dem Passbildautomaten
– der ideale Ort für ein paar
fröhliche Momente. Die
Rückseite kann von den
Einrichtungen und Arbeitsbereichen der Behindertenarbeit mit Informationen zu
ihrer Arbeit gestaltet werden. Es gibt zwei Motive zur
Auswahl, eines für die stationäre Arbeit und eines für
die ambulante Arbeit. [AK]
Evangelisches Johanneswerk e.V.
Einrichtungen der Diakonie
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Seele and Geist
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