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HANNOVER
NR. 262 | MONTAG, 10. NOVEMBER 2014
HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG |
11
Was hilft
meinem
Herzen?
Die große Telefonaktion –
fragen Sie unsere Experten
B
MHH will Patienten
weniger warten lassen
Viele nutzen die Ambulanzen der
Medizinischen Hochschule. Weil die nur geringe
Fallpauschalen bekommt, fährt sie
in diesem Bereich hohe Defizite ein.
Fotos: von Ditfurth (4), Hagemann (2)
von mathias klein
E
r schaut freundlich, aber ein bisschen genervt ist Ralf Schüler schon.
„Ich versuche seit heute Morgen,
hier jemanden am Telefon zu erreichen“,
sagt der 51-Jährige. Eigentlich geht es
nur um einen Termin für seine Frau zur
Untersuchung in der ambulanten Kardiologie in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Jetzt bin ich eben
selbst hergekommen, damit wir einen
Termin bekommen“, berichtet der Laatzener. Am Telefon komme er nicht
durch.
Seine Frau ist am Herzen erkrankt
und befindet sich seit Juni in ambulanter
Behandlung in der
Medizinischen
Hochschule.
Das
heißt, sie kommt regelmäßig in die Klinik und wird von
den Herzspezialisten behandelt, genau so, als gehe sie
in die Praxis eines
niedergelassenen
Arztes. Mehr als „Es geht um ein170 000 Patienten fache Dinge“: Dr.
kommen jedes Jahr Karen Deegener.
in die ambulanten
Kliniken der MHH. Das summiert sich
auf etwa 400 000 Behandlungen und Beratungsgespräche, weil chronisch kranke Patienten mehrmals im Jahr kommen.
30 Prozent der MHH-Ambulanz-Patienten sind aus der Landeshauptstadt, insgesamt 50 Prozent aus der Region und
80 Prozent aus Niedersachsen.
Unter den Patienten der MHH-Ambulanz sind oftmals Frauen und Männer
mit einer langen und schwierigen Krankengeschichte, wie MHH-Vizepräsident
Andreas Tecklenburg berichtet, der für
die Krankenversorgung zuständig ist.
„Die leichten Fälle behalten die niedergelassenen Kollegen in ihrer Praxis“, erläutert Tecklenburg. Und das führt in der
MHH zu erheblichen finanziellen Problemen. Denn je schwerer eine Erkrankung ist, desto höher sind meist auch die
Behandlungskosten.
Die ambulanten Behandlungen in der
MHH brachten allein im vergangenen
Jahr ein Defizit von mehr als zehn Mil- ganz einfache Dinge“, sagt die Leiterin
lionen Euro, das entspricht einem Drittel der MHH-Stabsstelle für ambulante Medes Gesamtdefizits von rund 30 Millio- dizin, Karen Deegener. Dazu gehören
nen Euro im vergangenen Jahr. Das ne- zum Beispiel verkürzte Wege, nachdem
gative finanzielle Ergebnis der insge- die Nutzung der Räume verändert worsamt 200 Spezialambulanzen in den den ist. Merseburger berichtet aber auch
40 Kliniken der MHH liegt vor allem an von erheblicher Zeitersparnis für Ärzte
der geringen Vergütung. Pro Patient be- und Patienten. „Bisher haben wir vor jekommt die MHH im Quartal rund der neuen Blasenspiegelung den Patien50 Euro, egal wie aufwendig die Be- ten wieder über die Risiken aufgeklärt“,
handlung ist.
erläutert er. Bei der Beratung des
Der Oberarzt der UroChange-Teams wurde
logie, Professor Axel S.
festgestellt, dass das
Wir wollen
Merseburger, nennt als
nicht mehr nötig ist. „Das
diese Patienten
Beispiel eine Blasenspart durchschnittlich jedruckmessung. Das dauden Tag einem unserer
unbedingt
ere an drei Terminen jeÄrzte eine Stunde Zeit“,
behalten.
weils zwei Stunden, beberichtet er. Auch eine
richtet er. Mit 50 Euro
bessere Schulung der
Dr. Andreas Tecklenburg,
könne man aber keine
Mitarbeiter, die die AnMHH-Vizepräsident
sechsstündige Behandrufe der Urologie-Patienlung durch einen Arzt
ten entgegennehmen, ist
bezahlen, erläutert Merein Ergebnis der Verbesseburger.
serungsberatungen. Den
„Wir wollen diese PaPatienten werde jetzt zutienten unbedingt behalten“, stellt Teck- nächst einmal empfohlen, sich an einen
lenburg klar. Denn beispielsweise sei es Urologen zu wenden.
für die Studierenden wichtig, nicht nur
Trotzdem: In der MHH weiß man,
die besonders schweren Fälle, sondern dass es noch viel zu tun gibt. Zum Beiauch eher harmlose Erkrankungen ken- spiel bei der Wartezeit. Dabei geht es
nenzulernen. Aber es gebe ein großes nicht nur um die Wartezeit auf einen
Problem mit der Finanzierung.
Termin, die mehrere Wochen betragen
Auch die Bundesregierung hat das kann. Wenn die Patienten pünktlich geProblem erkannt. Die Ambulanzen in kommen sind und einen Parkplatz an
den Uni-Kliniken sollen besser vergütet der MHH gefunden haben, müssen sie
werden, so steht es im Koalitionsvertrag
oftmals wieder warten. In der
von CDU, CSU und SPD. Wie und wann
Lungenklinik reichen die
das geschieht, ist allerdings unklar.
Wartezeiten
beispielsWegen des hohen Defizits der Amweise von fünf Minuten
bulanzen will die MHH aber nicht länbis zu zwei Stunden.
ger auf ein neues Gesetz aus Berlin
Am Telefon kann es
warten: Sogenannte Change-Teams
manchmal noch länger
suchen derzeit nach Möglichkeiten,
dauern. Aber auch dawie die Arbeit in den einzelnen Amburan arbeiten sie in der
lanzen verbessert, die Qualität und die
MHH.
Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern gesteigert und die Kosten
reduziert werden können. „Da
geht es manchmal um
Vizepräsident Dr.
Andreas Tecklenburg
ist für die Krankenversorgung zuständig.
„Mit 50 Euro kann man keine sechsstündige Behandlung durch einen Arzt bezahlen“:
Prof. Dr. Axel S. Merseburger mit einem Patienten in der Urologie-Ambulanz der MHH.
Heute startet Woche der Hochschulmedizin
■ Sechs bis sieben Millionen Patienten
werden jährlich in Uni-Kliniken behandelt. Das führt dort zu erheblichen finanziellen Problemen. Denn die Pauschalen
sind aus Sicht des Verbandes der Uniklinika Deutschlands viel zu gering. Deshalb fordert die Vereinigung unter anderem eine deutlich bessere Vergütung der
Behandlung seitens der Krankenkassen.
Das ist eines der Probleme, mit denen der
Verband vom heutigen Montag an mit einer bundesweiten Aktionswoche unter
dem Titel „Wir leisten mehr: die Deutsche
Hochschulmedizin“ auf sich aufmerksam
machen will (www.uniklinika.de).
■ Nach dem Gesetz sind die Ambulanzen
an den medizinischen Hochschulen vorrangig für Forschung und Lehre zugelassen. Beispielsweise soll dadurch den Medizinstudenten ermöglicht werden, die
weitverbreiteten Erkrankungen und Verletzungen kennenzulernen, mit denen Patienten üblicherweise nicht in eine Uni-Klinik kommen. Die ambulante Versorgung
übernehmen eigentlich niedergelassene Ärzte. Tatsächlich läuft es aber anders:
Vor allem bei schweren, komplexen oder
seltenen Krankheitsbildern sichern die
hochschulmedizinischen Einrichtungen
die ambulante Versorgung.
mak
undesweit sind Millionen Menschen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Doch wie erkenne ich einen Herzinfarkt? Wann muss
ich Medikamente einnehmen? Und wie
kann ich meinen Lebensstil nachhaltig ändern?
Fragen zur eigenen Erkrankung wecken bei Betroffenen oft Ängste oder
sind manchmal schwierig zu formulieren. Anlässlich der Herzwochen im November geben wir unseren Lesern gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung Gelegenheit zum vertraulichen
Gespräch mit renommierten Experten.
Die Ärzte sind
für Sie am morgigen Dienstag
zwischen 17 und
19 Uhr unter Telefon (0 18 03)
33 41 23 zu erreichen.
Sie geben unter anderem Auskunft zu Diagnose, Therapie und Risikovorsorge bei Herzerkrankungen wie
Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen
und Klappenerkrankungen sowie Bluthochdruck. Sprechen Sie sie an.
Die Fragen beantworten:
■ Prof. Dr. med. J. Gummert, Direktor
der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Bad Oeynhausen.
■ Prof. Dr. med. Stephan Baldus,
Direktor der Medizinischen Klinik III für
Innere Medizin (Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und internistische
Intensivmedizin) am Herzzentrum der
Uniklinik Köln.
■ Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks,
Chefarzt der Abteilung Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig – Universitätsklinik.
■ Prof. Dr. med. Steffen Massberg,
Direktor der Medizinischen Klinik und
Poliklinik I, LMU Klinikum der Universität München, Campus Großhadern/
Campus Innenstadt.
■ Prof. Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie, Medizinische Hochschule
Hannover.
Ein Anruf kostet 0,09 Euro aus dem
deutschen Festnetz, Mobilfunkanrufe
werden mit maximal 0,42 Euro pro Minute berechnet.
Bitte beachten Sie: Die Telefonsprechstunde kann keinen Arztbesuch
ersetzen. In Notfällen sollten Sie direkt
die 112 wählen.
Vortrag zu
Katalonien
In Spanien dringen katalanische Nationalisten seit Jahren darauf, Katalonien
zum unabhängigen Staat zu machen. Bei
der gestrigen symbolischen Abstimmung
über die Autonomie beteiligten sich mehr
als eine Million Menschen. Was steckt
hinter der Bewegung? Mit dieser Frage
beschäftigt sich am morgigen Dienstag,
19 Uhr, Walter L. Bernecker im Vortrag
„Vom Autonomismus zum Sezessionismus: Kataloniens schwieriges Verhältnis
zu Spanien“ im Theatermuseum im
Schauspielhaus, Prinzenstraße 9.
be
„Wir dachten, mit Liebe geht das“
Heute vor fünf Jahren starb Robert Enke. Das Landesmuseum zeigt daher eine Ausstellung zu Leben und Leiden des Torhüters – und die Besucher stehen Schlange
von Gunnar menkens
und simon Benne
Als vor fünf Jahren Robert Enke Suizid
beging, zeigte sich bald: Für die Menschen in der Stadt war da nicht nur ein
beliebter Sportler gestorben. Nach einer
Andacht in der Marktkirche formierte
sich ein langer Trauerzug durch die Stadt,
später kamen Zehntausende zur Trauerfeier ins Stadion.
Im Landesmuseum ist jetzt die von der
Robert-Enke-Stiftung
mitkonzipierte
Ausstellung „ROBERT gedENKEn“ über
Leben und Leiden des 96-Torhüters zu
sehen – und wieder ist die Resonanz gewaltig: An den ersten drei Tagen kamen
bereits mehr als 4000 Besucher – von denen die meisten sonst eher im Stadion als
im Museum zu finden sind. Gestern bildeten sich vorm Eingang bis zu 30 Meter
lange Schlangen, teils nahmen Besucher
zwei Stunden Wartezeit in Kauf.
Die Frau des verstorbenen Sportlers,
Teresa Enke, wollte den Sonntag eigentlich mit ihrer Tochter im Zoo verbringen.
Als sie von dem Ansturm erfuhr, machte
sie sich spontan auf zum Museum: „Ich
habe meinen Augen nicht getraut, als ich
die Besuchermassen sah“, sagte sie. Teresa Enke bedankte sich bei Menschen
in der Schlange für ihre Geduld und informierte sie persönlich über die Wartezeiten. „Ich bin sehr berührt von der großen Anteilnahme – das hatte ich nicht erwartet“, erklärte sie: „Angesichts der
großen Resonanz auf die Ausstellung bin
ich sehr dankbar.“
Mit Robert Enke starb eben ein Mann,
der nie einer dieser glatten Profis war. Er
war der Torwart, den die Zuschauer
mochten, weil er ein echtes Leben hatte,
mit Höhen und Tiefen. Unvergesslich
bleibt dieser Moment, als der stolze Vater
seine erkrankte Tochter Lara nach einem
Spiel auf dem Arm ins Stadion trug, ein
aufmerksames kleines Mädchen. Teresa
Enke hat einem Foto dieser Szene für die
Ausstellung einen Satz beigefügt: „Dieser Anblick war für mich eine Erfüllung,
wir hatten es geschafft, die Depressionen
genauso wie Laras Herzoperationen
überstanden. Ich hätte ihn gern eingefroren, diesen Moment.“ Dann ist Lara gestorben, und als auch Robert Enke nicht
mehr lebte, erfuhr die Öffentlichkeit von
den Depressionen, die ihn quälten.
Die Ausstellung zeigt Siege und Niederlagen. Trikots, Pokale, Handschuhe
sind zu sehen, ein Bildschirm zeigt Spielszenen mit Robert Enke. Das Hochzeitsfoto aus dem Jahr 2000 zeigt ein junges
Paar, das sich sehr verliebt ansieht. Auf
den Betrachter wirkt es dennoch bedrückend. Drei Jahre später, in Barcelona,
begann die Depression. Die Ausstellung
hebt einen Satz von Teresa Enke hervor,
sie sagte ihn auf einer Pressekonferenz
kurz nach dem Tod ihres Mannes: „Wir
dachten, mit Liebe geht das.“ Ein Satz,
der Millionen Menschen am Fernseher
erklärte, dass Willensstärke im Kampf
gegen Depressionen nicht genügt.
Die Exponate der Ausstellung hat
Teresa Enke selbst ausgewählt. „Das
geht einem nicht leicht von der Hand,
manches war auch zu privat“, sagte sie.
Sie entschied sich zu zeigen, „was Robert
ausgemacht hat“. Glückliche Tage gehörten ebenso dazu wie seine Krankheit.
Zur Ausstellung gehört deshalb auch ein
Raum, der Besuchern helfen soll, sich in
die psychische Situation depressiver
Menschen hineinzuversetzen.
Mit Enkes Leben wird sich demnächst
auch eine Dokumentation beschäftigen.
Der Regisseur Klaus Stern produziert den
Film „Der Torwart“ im kommenden Jahr.
Teresa Enke soll darin mitwirken. Leben
und Sterben des Ausnahmesportlers bewegen eben noch immer zahlreiche Menschen. Viele Besucher der Ausstellung
hatten Tränen in den Augen: „Ich hoffe“,
sagte einer von ihnen, „dass die Menschen endlich verstehen, was es mit Depressionen auf sich hat.“
Obwohl das Landesmuseum montags sonst
z nicht
öffnet, ist die Ausstellung dort heute
von 9 bis 18 Uhr und am morgigen Dienstag
von 9 bis 17 Uhr zu sehen.
„Ich bin sehr berührt von der großen Anteilnahme“: Teresa Enke dankte den Wartenden für ihre Geduld – einige Besucher waren im
Enke-Trikot in die Ausstellung gekommen, die Trikots und persönliche Gegenstände des Sportlers zeigt.
Fotos: Körner
Mehr zum Thema unter
haz.li/enke.
Das sagen besucher
Marcel Schlüter, 31:
„Wirklich ergreifend.
Der Moment, in dem
ich von Robert Enkes
Tod erfuhr, holt mich
immer wieder ein –
darum ist diese Ausstellung für mich so wichtig.“
Manuel Wrede, 28:
„Vor dem Trikot, das
er in seinem letzten
Spiel trug, musste ich
schon schlucken. Ich
hoffe, die Ausstellung
sensibilisiert viele für
das Thema Depression.“
Daniela Wernstedt,
35: „Ich habe Robert
Enke oft im Stadion
gesehen. Als ich jetzt
im Museum vor seiner
Kulturtasche stand,
hat mich das emotional
sehr berührt.“
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Seele and Geist
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