close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Ich sehe was, was Du nicht siehst … – Wahrnehmen, Bewerten und

EinbettenHerunterladen
Einzel- und
Teambewertung
Betreute
Wohnform(§
34) mit anderen
Jugendlichen
Fall für KJH/ keine HzE: Neben
JGH, Erziehungsberatung
§ 31 SGB VIII
SPFH mit 4 FL/W
Familientherapie
+ ASD
(Sprechstunde)
Intensivierung
der Hilfe,
Änderung in
SPFH § 31 (6
FL)
Die Einzelbetreuung
soll bestehen bleiben,
Erhöhung der FL auf
6, SPFH für Mutter
und Schwester (4 FL)
Niedrigschwelliges
Angebot: Sleep-In
und evtl. § 35a,
Einzelb. vor Ort
ggf. auch auf der
Straße
Ich sehe was, was Du nicht siehst … – Wahrnehmen, Bewerten und
Entscheiden in ASD-Teams
Agathe Wilk
Bad Honnef, 02. September 2009
Jahrestagung für Mitglieder von
Jugendhilfeausschüssen im Rheinland:
„Entscheidungskompetenz im
Jugendhilfeausschuss“
Das Projekt „Wie entscheiden Teams im ASD
über Hilfebedarf?“ wurde gefördert von der
Stiftung Jugendmarke und der TU Dortmund.
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
Inhalte
1. Was wollten wir wissen?
2. Wie sind wir vorgegangen?
3. Was haben die Fachkräfte, was haben die Teams entschieden?
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
5. Welche Rolle spielt Berufserfahrung in Teamberatungen?
6. Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen eine Rolle
(am Beispiel des Adressatenbildes)?
7. Zusammenfassende Antworten
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
1. Was wollten wir wissen?
1. Was wollten wir wissen?
Inanspruchnahme von Leistungen der Heimerziehung/des
betreuten Wohnens (§ 34 SGB VIII) nach Jugendamtsbezirken
in NRW; 2005 (Angaben bezogen auf 10.000 der unter 21-J.)
Sozialstruktur
Quelle: HzE-Atlas 2007 (www.lwl.org/LWL/Jugend >>
LJA im Schnellzugriff >> HzE-Berichte)
Wie lassen sich die kommunalen
Unterschiede bei der Inanspruchnahme
und Gewährung von Leistungen der
Hilfen zur Erziehung erklären?
Wahrnehmungs- u.
Definitionsprozesse
en
Ra dhilf
ep
hm
oli
en
t.
be
d.
dem
Ent ograf
w ic
.
klun
g
finan
Rah zpolit.
men
bed.
jug
Rechtsgrundlagen
Angebotsund
Leistungsspektrum
Quelle: Bürger, U.: Erziehungshilfen im Umbruch,
München 1999; eigene Darstellung
1. Was wollten wir wissen?
Forschungsleitende Fragestellung
Welche (interkommunalen) Differenzen zeigen sich für Wahrnehmungs-,
Definitions- und Entscheidungsprozesse in Sozialen Diensten bei der
Beratung von Fällen erzieherischer Hilfen?
Oder: Wie entscheiden Teams Sozialer Dienste über Hilfebedarf?
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
2. Wie sind wir vorgegangen?
2. Wie sind wir vorgegangen?
Methodische Anlage
4 Fallvignetten
Standardisierte
Befragung
Simulierte
Fallberatung
Individuum
ASD-Mitarbeiter
Gruppe/
Team
Organisation/
JA-Verwaltung
Erarbeitung einer Einschätzung und Bewertung
2. Wie sind wir vorgegangen?
Durchführung & Datengrundlage
Zeitraum der Durchführungs- bzw. Feldphase:
Zwischen dem 17.09.2007 und dem 25.10.2007 haben insgesamt 18 Teams aus
11 Kommunen an der Feldphase des Projektes teilgenommen.
Die Teams kamen aus folgenden Städten:
Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Hagen, Kassel, Kiel, Lübeck, Ludwigshafen,
Magdeburg, Münster, Wuppertal
Teilnehmer:
In den 18 Teams haben insgesamt 132 Personen teilgenommen. D.h., im
Durchschnitt haben pro Team 7 Personen an einer Fallberatung teilgenommen
(Spektrum: 4 bis 13 Teilnehmer/-innen in einem Team).
Geschlechterverhältnis: weiblich (70,5%)/ männlich (29,5%).
Datengrundlage:
264 Fragebögen, 18 transkribierte Teamsitzungen plus
Beobachtungsprotokolle aus 11 Kommunen
2. Wie sind wir vorgegangen?
Teilnehmerzahl in den Teams
Diskussionsdauer in den Teams
Insgesamt
Weiblich
Männlich
Team 15
4
3
1
Team 12
4
4
Team 7
5
Team 13
Absolut
Durchschnitt
Team 17
85
21,25
0
Team 2
90
22,50
5
0
Team 4
91
22,75
5
5
0
Team 8
96
24,00
Team 11
5
3
2
Team 3
99
24,75
Team 18
5
3
2
Team 11
101
25,25
Team 3
6
4
2
Team 12
102
25,50
Team 8
6
4
2
Team 16
116
29,00
Team 17
7
7
0
Team 6
116
29,00
Team 10
7
2
5
Team 14
119
29,75
Team 9
7
3
4
Team 15
123
30,75
Team 5
7
5
2
Team 5
124
31,00
Team 16
9
6
3
Team 7
128
32,00
Team 4
9
4
5
Team 13
129
32,25
Team 6
9
7
2
Team 1
133
33,25
Team 2
12
9
3
Team 10
135
33,75
Team 1
12
9
3
Team 18
146
36,50
Team 14
13
10
3
Team 9
148
37,00
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
3. Was haben die Fachkräfte,
was haben die Teams entschieden?
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Einschätzungen der Fachkräfte im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen und
des in Aussicht gestellten Hilfesettings (n = 67)
•§ 27 flex. Hilfe
Spektrum der Vorschläge
•§ 34 Heimerziehung
•§ 28 Erziehungsberatung
•Kinder- und Jugendpsychiatrie
•§ 30 Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer
•kein Jugendhilfefall ohne Konkretisierung
•§ 31 SPFH
•Fall für Jugendhilfe ohne Konkretisierung
•§ 35 ISE
50,0
40,0
Zusammengefasste Einschätzungen der
ASD-Fachkräfte zum „Fall Thomas“
43,3
34,3
30,0
22,4
20,0
10,0
0,0
Ambulante Hilfe
Stationäre Hilfe
(einschl. Psychiatrie)
Keine konkreten
Vorschläge bzw.
Sonstiges
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Ergebnisse der Teamberatungen im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen und
des in Aussicht gestellten Hilfesettings
Team 1
§ 30+AIB
Team 7
§ 30+Beratung
Team 13
k.A.
Team 2
Team 3
§ 30+Schule
Team 8
§ 34
Team 14
§ 34
Team 4
§ 30
GHI
Team 9
Team 10
§ 30+FT
Team 15
Fortführung § 30
Team 5
Team 6
§ 35 m.Ziel § 34
Team 11
§ 30
Team 12
§ 31 § 35 m.Ziel § 34 Fortführung § 30
Team 16
ASD+FT
Team 17
§ 34
Team 18
Fortführung § 30
Anmerkungen: Die
Entscheidungen
können hier nur
verkürzt wiedergegeben werden.
Das hat mitunter
dazu geführt, dass
als Kürzel für eine
Teamentscheidung
der Leistungsparagraf des SGB VIII
benutzt worden ist.
‚GHI‘ ist eine
anonymisierte
Angabe zu den
Leistungen der
Hilfen zur
Erziehung. ‚FT’ steht
für Familientherapie
bzw. familientherapeutisches
Angebot.
Ergebnisse von Teamberatungen im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen
und des in Aussicht gestellten Hilfesettings in 5 Teams einer Kommune
Team B
Team C
§35, später
§34
Team A
§34
Kommune X
§34
Team D
ASD u. Fam‘therapie
Team E
Erziehungsbeistandschaft
(keine neue Hilfe)
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Einzelbewertung und Teamentscheidung im Fall Thomas (ausgewählte Teams)*
Team 2 (Fall T.)
(9 Einzelbewertungen)
§ 34
§ 34
§ 30 EZB (6
FL)
+ und
(6 FL)
Schulangebot
Unterbringung in
einer engmaschigen
Einrichtung,
evtl.
geschlossen
Fall für KJH/ keine HzE-Hilfeplanung:
Neben JGH, Erziehungsberatung
§ 34
§ 34
in WG
§ 31 SGB VIII
SPFH mit 4 FL/W
Familientherapie
Familientherapie
ASD
++ ASD
(Sprechstunde)
(Sprechstunde)
EZB (3 FLS)
Inte
n
Hilf sivier
u
e, Ä
SPF
nde ng der
H § rung
in
31 (
6F
L)
§ 34
§ 34, wenn
Kompromiss zw. KM
und Th. gefunden
Be
m tre
jed it an ute
He oc de Wo
im h k ren hn
gr ein Ju for
up e
m
pe en gen (§
ge dli
c h 34
en )
,
Zunächst
KJP, danach
§ 34
Team 16 (Fall T.)
(6 Einzelbewertungen)
Die Einzelbetreuung
soll bestehen bleiben,
Erhöhung der FL auf
6, SPFH für Mutter
und Schwester (4 FL)
Niedrigschwelliges
Angebot: Sleep-In
und evtl. § 35a,
Einzelb. vor Ort
ggf. auch auf der
Straße
* Nicht alle Fachkräfte aus den Teams haben ihren Fragebogen zur Erfassung der Einzelbewertung bearbeitet und abgegeben.
Gruppenprozesse und Einflussfaktoren
(ausgewählte Ergebnisse)
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Was wollten wir wissen?
Wie sind wir vorgegangen?
Was haben die Fachkräfte, was haben die Teams entschieden?
Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Welche Rolle spielt Berufserfahrung in Teamberatungen?
Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen eine
Rolle? (am Beispiel des Adressatenbildes)
Zusammenfassende Antworten
Adressat
Organisation
Profession
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Unter der Perspektive der
¾ organisatorischen Gestaltung (Grad der Strukturierung)
¾ personellen Gestaltung (Schlüsselfiguren)
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Grad der Strukturierung (Team 1: Beispiel für einen hohen Grad der Strukturierung)
Dimensionen der
kollegialen Beratung
Transfer der Dimensionen der kollegialen Beratung in die
Diskussionskultur von Team 1
Fallvorstellung/
Einordnung des Falls/
Fragestellung
M: Frau W., dann darf ich Sie bitten. Wo bewegen wir uns, im Leistungsbereich,
Graubereich oder Gefährdungsbereich?
(…) [Es folgt die Fallvorstellung der fallführenden Fachkraft]
Fragerunde
M: Genau. Wir nehmen uns jetzt die nächsten 10 Minuten Zeit, um Rückfragen an die Frau
W. zu stellen, um Klärung zu kriegen zum Fall und wie wir entsprechend weiter verfahren
können.
(…)
M: Ich gehe raus aus meiner Rolle als Moderation – ich habe eine Frage zu dem Haushalt
bzw. zu dem Begriff grenzwertig. Hier steht, die Wohnung ist grenzwertig, es geht in Richtung
Vernachlässigung.
Ideensammlung
M: Dann denke ich, sind keine Fragen mehr da. Dann denke ich, schließen wir die
Fragerunde ab und eröffnen die Ideenbörse. Die Frau W. kann sich zurücknehmen und sich
das nur anhören, sie muss sich nicht rechtfertigen oder irgendwelche Stellungnahme dazu
abgeben.
Weitere
Handlungsschritte
M: Gut. Es kommen keine Meldungen mehr, ich denke, es war eine ganze Ansammlung von
Ideen. Wir haben uns ja – Sie haben am Anfang gesagt, wir bewegen uns im Graubereich,
vielleicht können wir aus dieser Ideenmenge auch schon Aufträge formulieren, die wir der
Frau Christel an die Hand geben könnten. Wäre das eine Möglichkeit, dass wir das jetzt
zusammen angehen? (…) [Aufträge werden im Team formuliert]
M: Frau W., ich würde Sie gern wieder ins Boot holen – wie ist Ihre Situation gerade,
welche Richtung wollen Sie gehen? Oder haben Sie noch Rückfragen – dass wir auch sehen,
zu welcher Sicht kommen Sie?
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Grad der Strukturierung (Team 17: Beispiel für keine Strukturierung)
Dimensionen der
kollegialen
Beratung
Diskussionsablauf in Team 17
Fallvorstellung/
Fallvorstellung +
Einordnung des Falls erster Vorschlag der
fallführenden
Fachkraft
(…) FF: Und es ist die Frage, wie kann Christel hier geholfen werden. Ihre
eigene Mutter scheint nicht zur Verfügung zu stehen, sonst wäre es gut, da
Kontakt aufzunehmen. Also müssen wir sehen, wie wir hier mit unseren Mitteln
Christel helfen können. Meine Idee wäre, sie auch unterzubringen nach
Paragraf 19, in einer Mutter-Kind-Einrichtung, wo sie auch therapeutische Hilfe
bekommt. (…)
Fragerunde
T1: Also von der Theorie her würde ich sagen, setz dich mit Christel hin und
erfahre alles über ihre Kindheit bis zu ihrem 17.Lebensjahr.
(…)
FF: Ja, dann bleibt wahrscheinlich nur die ambulante Hilfe. Dann müssten
wir es vielleicht mit SPFH versuchen, wenigstens. Denn ohne Hilfe geht es ja
so nicht mehr weiter.
Ideensammlung
Weitere
Handlungsschritte
Diskussion
(…) [Es wird weiter über den Fall diskutiert]
FF: Also ich höre heraus, ihr seid mehr so für ambulante Angebote, dass
man doch ambulant versuchen sollte – also dass das Aufgehobensein in
einem Heim für sie so wichtig ist, seht ihr nicht so wie ich?
[Die Runde gibt Gründe für eine ambulante Maßnahme an] (…)
(…)
FF: Ja, so kommen wir noch zu keinem Ergebnis, wir müssen noch
gucken.
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Stil der Leitungskräfte bei den
Fallberatungen (ein Beispiel)
Ù
Stil:
direktiv
Team 16 (Fall C.)
(7 Einzelbewertungen)
fallführende
Fachkraft
Stil:
kooperativ
§ 33, Vollzeitpflege
§ 19
§ 19
k. A.
§ 31
§ 31
§ 19
§ 31
Leitung
Leitung: Die Lösung ist dann, dass du erst noch mal mit ihr sprichst, also ihr so das Ergebnis noch mal vermittelst,
und dass wir uns noch mal – ihr beide und auch sie mit Drogenberatungsstelle zusammen – und auch
Jugendhilfeträger wegen einer eventuellen SPFH (…) Und ich denke persönlich nicht, dass es für eine Maßnahme
nach 19 reicht, dass das die richtige Maßnahme ist. Da denke ich, das würde ich nicht passend finden. Aber dass wir
da noch mal mit Drogenberatungsstelle zusammen und SPFH-Anbieter uns einfach mit ihr zusammensetzen und
eine Entscheidung herbeiführen.
Fallführende Fachkraft: Ja, das wäre noch mal – hm. Ja, okay.
5. Welche Rolle spielt Berufserfahrung in Teamberatungen?
5. Welche Rolle spielt Berufserfahrung in
Teamberatungen?
5. Welche Rolle spielt Berufserfahrung in Teamberatungen?
Zusammensetzung von Teams
Berufserfahrung – Erfahrung gibt den Ton an
Stationen der
Fallberatung
Fallberatung im Fall Alexandra im Team 3
Fallvorstellung und
Einschätzung der
fallführenden
Fachkraft (Anm.:
relativ neu im Team)
T6f: Also ich…ja, ich weiß es nicht. Da bin ich also wirklich ganz unsicher.
Einerseits ist natürlich von dieser – von dieser ersten Mutter-Kind-Einrichtung,
wo sie war, dieses komplett vernachlässigte Zimmer, was sie da hinterlassen
hat – das ist natürlich auch schon ein sehr krasses Ding, dass da eine sehr
intensive Betreuung stattfinden musste, weil die Mitarbeiter der Einrichtung
Angst hatten, dass das Kind nicht versorgt wird. (…)
An der folgenden Diskussion beteiligen sich lediglich die Leitung und die anderen drei Fachkräfte. Die
fallführende Fachkraft beteiligt sich nicht an der Diskussion, obwohl sie die Möglichkeit dazu
hätte. Aus der Diskussion entnehmend tendieren die Fachkräfte zu einer stationären Unterbringung.
Bilanz
T1: Ja, so wird das sein. Fazit [Name der fallführenden Fachkraft]? (…)
T6f: Jetzt bin ich wieder dran?
T2: Ihm ist das Wort entzogen worden, das Team hat gewirkt. (lachend)
T6f: Ja also, dann tatsächlich diese Einrichtung namens [Name der
Einrichtung].
Interpretation:
¾ kein Diskussionsraum für Unsicherheiten der fallführenden Fachkraft
¾keine Identifikation der fallführenden Fachkraft mit der Entscheidung
6.Welche fachlichen Inhalte spielen
bei den Beratungen eine Rolle?
Qualifizierte Teamberatung ist eine Frage der Gestaltung
6. Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen
eine Rolle (am Beispiel des Adressatenbildes)?
Zwischen Unterstützung und Intervention
¾ Ressourcen des/-r Adressaten/-in am Beispiel des
Falls Christel
6.Welche fachlichen Inhalte spielen
bei den Beratungen eine Rolle?
Qualifizierte Teamberatung ist eine Frage der Gestaltung
Sozialpädagogische Fachlichkeit (Adressatenbild)
Christel als Gefährdung für das Kind
(Defizitorientierung)
Christel als Ko-Produzentin
(Ressourcenorientierung)
T4f: Gut, da kann man nur spekulieren. Aber
ich spekuliere, dass sie die SPFH freiwillig
nicht annehmen wird, dass wir da klar
eine Meldung 8a, auf jeden Fall – und
dann bin ich nach wie vor der Meinung, dass
das Kind da raus muss.
T3: Ich kann da anschließen. Ich würde auch
im Moment nicht sofort eine erzieherische
Hilfe reingeben, weil ich finde, diese Frau
hat ganz viele Ressourcen und ich
glaub, die ist in einer Krise im Moment, ohne
zu wissen, warum (…). (Team 15; Fall
Christel)
T2f: Aber sie hat ja während des
Hebammenprojektes richtig aktiv
mitgearbeitet und hat ja dort auch einen
positiven Eindruck hinterlassen. Also sie hat
die Termine eingehalten, hat mitgearbeitet,
so dass sie ja auch für das Folgeprojekt dann
vorgeschlagen wurde. (Team 12; Fall
Christel)
(…) Aber wenn sie in einer Lebenskrise
ist, dann muss sie gucken, wie sie wieder
rauskommt und das darf nicht auf
Kosten des Kindes gehen. (Team 14;
Fall Christel).
T2: Also ich würde sehr ernsthaft erwägen,
ob ich dieses Kind in Obhut nehme. Weil es
ist eindreiviertel Jahre alt und das, was
hier steht mit Terminen, die nicht
eingehalten werden, grenzwertiger
Zustand, für ein Kleinkind nicht tragbar – es
geht in Richtung Vernachlässigung – da
würde ich das Kind schützen und sagen,
dieses Kind würde ich in Obhut nehmen (…).
(Team 8; Fall Christel).
T2: Also so weit ich das verstanden habe –
wenn ich es richtig verstanden habe, dann
bist du aber auch der Meinung, dass es da
noch Ressourcen gibt und dass es
auch eine Bindung zu dem Kind
gibt. (Team 16; Fall Christel)
7. Zusammenfassende Antworten
1.
Entscheidungen im Allgemeinen Sozialen Dienst über Hilfebedarf haben fiskalisch,
aber vor allem auch biografisch für junge Menschen und deren Familien eine hohe
Relevanz.
2.
Wenn Fachkräfte und Teams nunmehr bei den eingesetzten Fallvorlagen zu
fachlich unterschiedlichen Einschätzungen und Bewertungen kommen, stellt sich
die Frage nach dem Zustandekommen dieser Entscheidungen.
3.
Es gibt nicht die eine Form der Teamberatung im ASD. Das Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte hat viele Gesichter. Die Strukturen der Beratungen
haben Einfluss auf die Diskussionskultur.
4.
Erfahrung „zahlt sich aus“: Je höher die Berufserfahrung einer Fachkraft, desto
besser ist ihre Stellung im Team. Und: Teams haben in ihren Reihen gefragte
Experten/-innen für bestimmte Fallkonstellationen.
5.
Teamberatungen werden geprägt durch fachliche Argumentationen und
professionelle Grundhaltungen. Beispiele sind eine Ressourcen- vs. einer
Defizitorientierung oder der Gegensatz von Unterstützung und Intervention.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
Handlungsempfehlungen
1. Kommunikation braucht Struktur
2. Strukturen kosten Zeit, wirken aber nachhaltiger
3. Moderation aktiviert Teamressourcen
4. Weniger ist manchmal mehr – Leitung und ihre Rolle(n) in Teamberatungen
5. Vielfalt bedeutet Kreativität – Diversity als Chance für die Fachlichkeit
6. Teamberatung als Raum für die individuelle fachliche Entfaltung – there is
a „ME“ in „TEAM“
7. An Teams muss gearbeitet werden – ein Plädoyer für regelmäßige TeamTüvs
1. Kommunikation braucht Struktur
¾
Teamberatungen sollen einem klaren Ablauf folgen und in einzelne Phasen
unterteilt sein.
¾
Strukturierende Elemente sind:
(a) ‚Mindestphasierung‘ (Fallvorstellung; Fragerunde; Diskussion über Vorschläge
über das weitere Vorgehen; Möglichkeit der Reflexion der fallführenden Fachkraft
am Ende der Diskussion)
(b) Moderation
(c) Verfahren zur Dokumentation der Ergebnisse
2. Strukturen kosten zwar Zeit, wirken aber nachhaltiger
¾
Neuimplementation von Strukturen kosten zunächst zeitliche Ressourcen.
¾
Auch in der alltäglichen Umsetzung sind sie in der Regel zeitintensiver.
¾
Aber: Langfristig kann sich ein positiver Effekt abzeichnen. Strukturen implizieren
eine Qualitätssteigerung der Fallberatung.
¾
Lieber einen Fall intensiver und genauer diskutieren als sich in kurzen Abständen
mehrmals mit dem gleichen Fall befassen zu müssen.
3. Moderation aktiviert Teamressourcen
¾
Moderation ist in Teamberatungen mehr als nur das Aufrufen und Zuordnen von
Fällen.
¾
Mit einer Moderation sind bestimmte Kompetenzen verknüpft: Aktivierung aller
Teilnehmer, ‚Klimaschützer‘, Organisation von Teamgesprächen (ziel- und
ergebnisorientierte Diskussion), Einhaltung von vorgegebenen Strukturen
¾
Moderation sollte rotieren (mit der Übernahme von Moderation lernen Fachkräfte
schneller, Strukturen zu ‚leben‘).
4. Weniger ist manchmal mehr – Leitung und ihre Rolle(n) in
Teamberatungen
¾
Leitung trägt bei der Teamberatung eine hohe Verantwortung.
¾
Leitung muss sich hinterfragen, ob sie in der Lage ist, gleichzeitig unterschiedliche
Rollen einzunehmen (Diskutieren, Moderieren, Delegieren).
¾
Eine moderierende Leitung birgt Gefahren, sich in Rollenkonflikte zu verwickeln.
¾
Leitung muss diese unterschiedliche Rollen in eine Balance bringen. Das setzt ein
hohes Selbstreflexionspotenzial voraus.
5. Vielfalt bedeutet Kreativität – Diversity als Chance für
Fachlichkeit
¾
Wichtige Fragen: Was ist förderlich für die Entscheidungsfindung? Wie kann ein
Entscheidungsraum entfaltet werden?
¾
Vielfalt/Verschiedenheit in Teams sollte ‚groß‘ geschrieben und als Nutzen für die
Organisation betrachtet werden. Teams zu durchmischen (z.B. nach Geschlecht,
Alter, Qualifikation) kann eine Chance sein, die Lebenslagen der Adressaten besser
zu verstehen. Fallarbeit kann hierüber optimiert werden.
6. Teamberatung als Raum für die individuelle fachliche Entfaltung
– there is a ‚ME‘ in ‚TEAM‘
¾
Teamarbeit sollte als positives Element der Fachlichkeit betrachtet werden
(Reflexion der eigenen Einschätzungen, Irritation von Wahrnehmungs- und
Denkmustern).
¾
Nur in Teams kann man Teamfähigkeit (Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit,
Kommunikationsfähigkeit) und den sozialpädagogischen Blicks) lernen.
¾
Kommunikation im Team sollte verbindlich sein.
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
2
Dateigröße
935 KB
Tags
1/--Seiten
melden