close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Ich sehe was, was Du nicht siehst … – Wahrnehmen - LWL

EinbettenHerunterladen
Einzel- und
Teambewertung
Betreute
Wohnform(§ 34)
mit anderen
Jugendlichen
Fall für KJH/ keine HzE: Neben
JGH, Erziehungsberatung
§ 31 SGB VIII
SPFH mit 4 FL/W
Familientherapie
+ ASD
(Sprechstunde)
Intensivierung
der Hilfe,
Änderung in
SPFH § 31 (6
FL)
Die Einzelbetreuung
soll bestehen bleiben,
Erhöhung der FL auf
6, SPFH für Mutter
und Schwester (4 FL)
Niedrigschwelliges
Angebot: Sleep-In
und evtl. § 35a,
Einzelb. vor Ort
ggf. auch auf der
Straße
Ich sehe was, was Du nicht siehst … – Wahrnehmen, Bewerten und
Entscheiden in ASD-Teams
Dr. Jens Pothmann | Agathe Wilk
Dortmund, 05. Februar 2009
Fachtagung: Ganz alleine geht es nicht!
Teamberatung als Qualitätsmerkmal im
Allgemeinen Sozialen Dienst
Das Projekt „Wie entscheiden Teams im ASD
über Hilfebedarf“ wird gefördert von der Stiftung
Jugendmarke und der TU Dortmund.
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
Inhalte
1. Was wollten wir wissen?
2. Wie sind wir vorgegangen?
3. Was haben die Fachkräfte, was haben die Teams entschieden?
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
5. Wie setzen sich Teams zusammen?
6. Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen eine Rolle
(am Beispiel des Adressatenbildes)?
7. Zusammenfassende Antworten
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
1. Was wollten wir wissen?
1. Was wollten wir wissen?
Inanspruchnahme von Leistungen der Heimerziehung/des
betreuten Wohnens (§ 34 SGB VIII) nach Jugendamtsbezirken
in NRW; 2005 (Angaben bezogen auf 10.000 der unter 21-J.)
Sozialstruktur
Quelle: HzE-Atlas 2007 (www.lwl.org/LWL/Jugend >>
LJA im Schnellzugriff >> HzE-Berichte)
finan
Rah zpolit.
men
bed.
Wie lassen sich die kommunalen
Unterschiede bei der Inanspruchnahme
und Gewährung von Leistungen der
Hilfen zur Erziehung erklären?
Wahrnehmungs- u.
Definitionsprozesse
en
Ra dhilf
ep
hm
oli
en
t.
be
d.
dem
Ent ograf
w ic
klun .
g
Angebotsund
Leistungsspektrum
jug
Rechtsgrundlagen
Anm.: Die Inanspruchnahmequote für
Maßnahmen der Heimerziehung variiert
zwischen unter 26,4 Hilfen pro 10.000 der
unter 21-Jährigen (gelb) und über 64,6 Hilfen
pro 10.000 der unter 21-Jährigen (blau).
Quelle: Bürger, U.: Erziehungshilfen im Umbruch,
München 1999; eigene Darstellung
1. Was wollten wir wissen?
Forschungsleitende Fragestellung
Welche (interkommunalen) Differenzen zeigen sich für Wahrnehmungs-,
Definitions- und Entscheidungsprozesse in Sozialen Diensten bei der
Beratung von Fällen erzieherischer Hilfen?
Oder: Wie entscheiden Teams Sozialer Dienste über Hilfebedarf?
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
2. Wie sind wir vorgegangen?
2. Wie sind wir vorgegangen?
Anm.: Bei der Konzeption des methodischen Settings war für uns wichtig, sowohl
Teamentscheidungen im Rahmen des ASD zu erfassen als auch die Einzelentscheidungen
der Mitglieder der Teams.
Methodische Anlage
Das heißt für das Design der Untersuchung, dass die Fachkräfte aus dem ASD, die an unser
Untersuchung teilgenommen haben, den Fall zweimal bearbeiten sollten. Das erste Mal ohne
das Team, hierzu ist ein Fragebogen ausgefüllt worden. Danach, allerdings nicht unmittelbar
anschließend, ist der Fall im Team bearbeitet worden. Diese Teamsitzungen mit den
simulierten Fallbesprechungen sind aufgezeichnet und hinterher transkribiert worden.
4 Fallvignetten
Standardisierte
Befragung
Simulierte
Fallberatung
Individuum
ASD-Mitarbeiter
Gruppe/
Team
Organisation/
JA-Verwaltung
Erarbeitung einer Einschätzung und Bewertung
2. Wie sind wir vorgegangen?
Durchführung & Datengrundlage
Zeitraum der Durchführungs- bzw. Feldphase:
Zwischen dem 17.09.2007 und dem 25.10.2007 haben insgesamt 18 Teams aus
11 Kommunen an der Feldphase des Projektes teilgenommen.
Die Teams kamen aus folgenden Städten:
Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Hagen, Kassel, Kiel, Lübeck, Ludwigshafen,
Magdeburg, Münster, Wuppertal
Teilnehmer:
In den 18 Teams haben insgesamt 132 Personen teilgenommen. D.h., im
Durchschnitt haben pro Team 7 Personen an einer Fallberatung teilgenommen
(Spektrum: 4 bis 13 Teilnehmer/-innen in einem Team).
Geschlechterverhältnis: weiblich (70,5%)/ männlich (29,5%).
Datengrundlage:
264 Fragebögen, 18 transkribierte Teamsitzungen plus
Beobachtungsprotokolle aus 11 Kommunen
2. Wie sind wir vorgegangen?
Teilnehmerzahl in den Teams
Diskussionsdauer in den Teams
Insgesamt
Weiblich
Männlich
Team 15
4
3
1
Team 12
4
4
Team 7
5
Team 13
Absolut
Durchschnitt
Team 17
85
21,25
0
Team 2
90
22,50
5
0
Team 4
91
22,75
5
5
0
Team 8
96
24,00
Team 11
5
3
2
Team 3
99
24,75
Team 18
5
3
2
Team 11
101
25,25
Team 3
6
4
2
Team 12
102
25,50
Team 8
6
4
2
Team 16
116
29,00
Team 17
7
7
0
Team 6
116
29,00
Team 10
7
2
5
Team 14
119
29,75
Team 9
7
3
4
Team 15
123
30,75
Team 5
7
5
2
Team 5
124
31,00
Team 16
9
6
3
Team 7
128
32,00
Team 4
9
4
5
Team 13
129
32,25
Team 6
9
7
2
Team 1
133
33,25
Team 2
12
9
3
Team 10
135
33,75
Team 1
12
9
3
Team 18
146
36,50
Team 14
13
10
3
Team 9
148
37,00
Ich sehe was, was Du nicht siehst … –
Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden
in ASD-Teams
3. Was haben die Fachkräfte,
was haben die Teams entschieden?
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Methodische Anlage
4 Fallvignetten
Simulierte
Fallberatung
Standardisierte
Befragung
Es liegen Ergebnisse vor zu
-den Bewertungen der ASD-Fachkräfte,
-den Bewertungen der ASD-Fachkräfte pro Team;
-den Einschätzungen der ASD-Teams.
Individuum
ASD-Mitarbeiter
Gruppe/
Team
Organisation/
JA-Verwaltung
Erarbeitung einer Einschätzung und Bewertung
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Einschätzungen der Fachkräfte im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen und
des in Aussicht gestellten Hilfesettings (n = 67)
•§ 27 flex. Hilfe
Spektrum der Vorschläge
•§ 34 Heimerziehung
•§ 28 Erziehungsberatung
•Kinder- und Jugendpsychiatrie
•§ 30 Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer
•kein Jugendhilfefall ohne Konkretisierung
•§ 31 SPFH
•Fall für Jugendhilfe ohne Konkretisierung
•§ 35 ISE
50,0
40,0
Zusammengefasste Einschätzungen der
ASD-Fachkräfte zum „Fall Thomas“
43,3
34,3
30,0
22,4
20,0
10,0
0,0
Ambulante Hilfe
Stationäre Hilfe
(einschl. Psychiatrie)
Keine konkreten
Vorschläge bzw.
Sonstiges
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Ergebnisse der Teamberatungen im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen und
des in Aussicht gestellten Hilfesettings
Team 1
§ 30+AIB
Team 7
§ 30+Beratung
Team 13
k.A.
Team 2
§ 30+Schule
Team 8
§ 34
Team 14
§ 34
Team 3
Team 4
Team 5
§ 30
GHI
Team 9
Team 10
§ 30+FT
Team 15
Fortführung § 30
§ 31
§ 35 m.Ziel § 34
Team 11
Team 6
§ 30
Team 12
§ 35 m.Ziel § 34 Fortführung § 30
Team 16
ASD+FT
Team 17
§ 34
Team 18
Fortführung § 30
Anmerkungen: Die
Entscheidungen
können hier nur
verkürzt wiedergegeben werden.
Das hat mitunter
dazu geführt, dass
als Kürzel für eine
Teamentscheidung
der Leistungsparagraf des SGB VIII
benutzt worden ist.
‚GHI‘ ist eine
anonymisierte
Angabe zu den
Leistungen der
Hilfen zur
Erziehung. ‚FT’ steht
für Familientherapie
bzw. familientherapeutisches
Angebot.
Ergebnisse von Teamberatungen im „Fall Thomas“ zu den vorgeschlagenen Leistungen
und des in Aussicht gestellten Hilfesettings in 5 Teams einer Kommune
Team B
Team C
§35, später §34
Team A
§34
Kommune X
§34
Team D
ASD u. Fam‘therapie
Team E
Erziehungsbeistandschaft
(keine neue Hilfe)
3. Wie haben die Fachkräfte,
wie haben die Teams entschieden?
Einzelbewertung und Teamentscheidung im Fall Thomas (ausgewählte Teams)*
Team 2 (Fall T.)
(9 Einzelbewertungen)
§ 34
§ 34
§ 30 EZB (6
FL)
+ und
(6 FL)
Schulangebot
Unterbringung in
einer engmaschigen
Einrichtung,
evtl.
geschlossen
Fall für KJH/ keine HzE-Hilfeplanung:
Neben JGH, Erziehungsberatung
§ 31 SGB VIII
SPFH mit 4 FL/W
§ 34
§ 34
in WG
Familientherapie
Familientherapie
ASD
++ ASD
(Sprechstunde)
(Sprechstunde)
EZB (3 FLS)
Inte
n
Hilf sivier
u
e, Ä
SPF
nde ng der
ru
H§
31 ( ng in
6F
L)
§ 34
§ 34, wenn
Kompromiss zw. KM
und Th. gefunden
Be
an tre
k e d e r u te
ine en W
en Ju ohn
ge ge for
He ndl m
im iche (§ 3
gr n 4)
up , je m
pe do it
ch
Zunächst
KJP, danach
§ 34
Team 16 (Fall T.)
(6 Einzelbewertungen)
Die Einzelbetreuung
soll bestehen bleiben,
Erhöhung der FL auf
6, SPFH für Mutter
und Schwester (4 FL)
Niedrigschwelliges
Angebot: Sleep-In
und evtl. § 35a,
Einzelb. vor Ort
ggf. auch auf der
Straße
* Nicht alle Fachkräfte aus den Teams haben ihren Fragebogen zur Erfassung der Einzelbewertung bearbeitet und abgegeben.
Gruppenprozesse und Einflussfaktoren
(ausgewählte Ergebnisse)
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Was wollten wir wissen?
Wie sind wir vorgegangen?
Was haben die Fachkräfte, was haben die Teams entschieden?
Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Wie setzen sich Teams zusammen?
Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen eine
Rolle? (am Beispiel des Adressatenbildes)
Zusammenfassende Antworten
Adressat
Anm.: Im Folgenden geht es darum anzudeuten,
welche Einflussfaktoren bei einer Gestaltung
berücksichtigt werden sollten. Mit der Gliederung vor
Augen, gehen wir deshalb den Fragen nach, wie
Teamberatungen strukturiert sind, wie sich Teams
zusammensetzen und welche fachlichen Inhalte bei
den Beratungen eine Rolle spielen. D.h. konkret,
Struktur, Zusammensetzung und sozialpädagogische
Fachlichkeit bzw. Adressatenbild.
Organisation
Profession
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Unter der Perspektive der
 organisatorischen Gestaltung (Grad der Strukturierung)
 personellen Gestaltung (Schlüsselfiguren)
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Grad der Strukturierung (Team 1: Beispiel für einen hohen Grad der Strukturierung)
Dimensionen der
kollegialen
Beratung
Transfer der Dimensionen der kollegialen Beratung in die
Diskussionskultur von Team 1
Fallvorstellung/
Einordnung des Falls/
Fragestellung
M: Frau W., dann darf ich Sie bitten. Wo bewegen wir uns, im Leistungsbereich,
Graubereich oder Gefährdungsbereich?
(…) [Es folgt die Fallvorstellung der fallführenden Fachkraft]
Fragerunde
M: Genau. Wir nehmen uns jetzt die nächsten 10 Minuten Zeit, um Rückfragen
an die Frau W. zu stellen, um Klärung zu kriegen zum Fall und wie wir
entsprechend weiter verfahren können.
(…)
M: Ich gehe raus aus meiner Rolle als Moderation – ich habe eine Frage zu dem
Haushalt bzw. zu dem Begriff grenzwertig. Hier steht, die Wohnung ist grenzwertig,
es geht in Richtung Vernachlässigung.
Ideensammlung
M: Dann denke ich, sind keine Fragen mehr da. Dann denke ich, schließen wir die
Fragerunde ab und eröffnen die Ideenbörse. Die Frau W. kann sich zurücknehmen
und sich das nur anhören, sie muss sich nicht rechtfertigen oder irgendwelche
Stellungnahme dazu abgeben.
Weitere
Handlungsschritte
M: Gut. Es kommen keine Meldungen mehr, ich denke, es war eine ganze
Ansammlung von Ideen. Wir haben uns ja – Sie haben am Anfang gesagt, wir
bewegen uns im Graubereich, vielleicht können wir aus dieser Ideenmenge auch
schon Aufträge formulieren, die wir der Frau Christel an die Hand geben könnten.
Wäre das eine Möglichkeit, dass wir das jetzt zusammen angehen? (…) [Aufträge
werden im Team formuliert]
M: Frau W., ich würde Sie gern wieder ins Boot holen – wie ist Ihre Situation
gerade, welche Richtung wollen Sie gehen? Oder haben Sie noch Rückfragen –
dass wir auch sehen, zu welcher Sicht kommen Sie?
Anm.: Hier zeigen
sich deutliche
Indizien für eine
klare Struktur im
Team, es ist eine
klare
Rollenverteilung
(Moderation,
Einsätze der
fallführenden
Fachkraft) zu
erkennen.
Es zeigt sich eine
ergebnisorientierte
Diskussion, die
jeden Anwesenden
in die fachliche
Verantwortung mit
einbezieht und die
stark von der
Moderation
gesteuert wird.
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Grad der Strukturierung (Team 17: Beispiel für keine Strukturierung)
Dimensionen der
kollegialen
Beratung
Diskussionsablauf in Team 17
Fallvorstellung/
Fallvorstellung +
Einordnung des Falls erster Vorschlag der
fallführenden
Fachkraft
(…) FF: Und es ist die Frage, wie kann Christel hier geholfen werden. Ihre
eigene Mutter scheint nicht zur Verfügung zu stehen, sonst wäre es gut, da
Kontakt aufzunehmen. Also müssen wir sehen, wie wir hier mit unseren Mitteln
Christel helfen können. Meine Idee wäre, sie auch unterzubringen nach
Paragraf 19, in einer Mutter-Kind-Einrichtung, wo sie auch therapeutische Hilfe
bekommt. (…)
Fragerunde
T1: Also von der Theorie her würde ich sagen, setz dich mit Christel hin und
erfahre alles über ihre Kindheit bis zu ihrem 17.Lebensjahr.
(…)
FF: Ja, dann bleibt wahrscheinlich nur die ambulante Hilfe. Dann müssten
wir es vielleicht mit SPFH versuchen, wenigstens. Denn ohne Hilfe geht es ja
so nicht mehr weiter.
Ideensammlung
Weitere
Handlungsschritte
Diskussion
(…) [Es wird weiter über den Fall diskutiert]
FF: Also ich höre heraus, ihr seid mehr so für ambulante Angebote, dass
man doch ambulant versuchen sollte – also dass das Aufgehobensein in
einem Heim für sie so wichtig ist, seht ihr nicht so wie ich?
[Die Runde gibt Gründe für eine ambulante Maßnahme an] (…)
(…)
FF: Ja, so kommen wir noch zu keinem Ergebnis, wir müssen noch
gucken.
Anm.: Die Diskussion in diesem Team wiederum weist keine klare Struktur auf, eine Ergebnisorientierung
wird ebenfalls nicht deutlich. Die Dimensionen der kollegialen Fallberatung spielen keine Rolle.
4. Wie strukturieren sich Teamberatungen?
Stil der Leitungskräfte bei den
Fallberatungen (ein Beispiel)

Stil:
autoritär
Team 16 (Fall C.)
(7 Einzelbewertungen)
fallführende
Fachkraft
§ 33, Vollzeitpflege
§ 19
§ 19
Stil: demokratisch
k. A.
§ 31
§ 31
§ 19
§ 31
Leitung
Anm.: Dies ist ein Beispiel für einen
‚autoritären‘ Führungsstil. Deutlich
wird, dass die Einzelbewertungen
stark von der Teamentscheidung
abweichen. Auch die ursprüngliche
Einschätzung der fallführenden
Fachkraft stimmt nicht mit der
Teamentscheidung überein. Und
offensichtlich wurde die fallführende
Fachkraft nicht überzeugt, sondern
gewissermaßen ‚entmachtet‘. Die
fallführende Fachkraft beugt sich am
Ende der Bewertung der Leitung
(siehe Zitat).
Leitung: Die Lösung ist dann, dass du erst noch mal mit ihr sprichst, also ihr so das Ergebnis noch mal vermittelst,
und dass wir uns noch mal – ihr beide und auch sie mit Drogenberatungsstelle zusammen – und auch
Jugendhilfeträger wegen einer eventuellen SPFH (…) Und ich denke persönlich nicht, dass es für eine Maßnahme
nach 19 reicht, dass das die richtige Maßnahme ist. Da denke ich, das würde ich nicht passend finden. Aber dass wir
da noch mal mit Drogenberatungsstelle zusammen und SPFH-Anbieter uns einfach mit ihr zusammensetzen und
eine Entscheidung herbeiführen.
Fallführende Fachkraft: Ja, das wäre noch mal – hm. Ja, okay.
5. Wie setzen sich Teams zusammen?
5. Wie setzen sich Teams zusammen?
Unter der Perspektive der/des …
 Berufserfahrung
 Geschlechts
5. Wie setzen sich Teams zusammen?
Berufserfahrung – Erfahrung gibt den Ton an
Stationen der
Fallberatung
Fallberatung im Fall Alexandra im Team 3
Fallvorstellung und
Einschätzung der
fallführenden
Fachkraft (Anm.:
relativ neu im Team)
T6f: Also ich…ja, ich weiß es nicht. Da bin ich also wirklich ganz unsicher.
Einerseits ist natürlich von dieser – von dieser ersten Mutter-Kind-Einrichtung,
wo sie war, dieses komplett vernachlässigte Zimmer, was sie da hinterlassen
hat – das ist natürlich auch schon ein sehr krasses Ding, dass da eine sehr
intensive Betreuung stattfinden musste, weil die Mitarbeiter der Einrichtung
Angst hatten, dass das Kind nicht versorgt wird. (…)
An der folgenden Diskussion beteiligen sich lediglich die Leitung und die anderen drei Fachkräfte. Die
fallführende Fachkraft beteiligt sich nicht an der Diskussion, obwohl sie die Möglichkeit dazu
hätte. Aus der Diskussion entnehmend tendieren die Fachkräfte zu einer stationären Unterbringung.
Bilanz
T1: Ja, so wird das sein. Fazit [Name der fallführenden Fachkraft]? (…)
T6f: Jetzt bin ich wieder dran?
T2: Ihm ist das Wort entzogen worden, das Team hat gewirkt. (lachend)
T6f: Ja also, dann tatsächlich diese Einrichtung namens [Name der
Einrichtung].
Interpretation:
 kein Diskussionsraum für Unsicherheiten der fallführenden Fachkraft
keine Identifikation der fallführenden Fachkraft mit der Entscheidung
5. Wie setzen sich Teams zusammen?
Geschlecht – männliche Skepsis, weibliche Solidarität
Stationen der
Fallberatung
Fallberatung im Fall Alexandra im Team 6
Fallvorstellung +
Einschätzung fallf.
Fachkraft (Anm.:
männlich)
T2f: (…) – wahrscheinlich werden wir das über kurz oder lang auch
wieder bekommen – können wir uns da nicht durchsetzen, weder vor
Gericht, noch auch bei den Beteiligten, die hier mit dabei sind (…)
Einschätzungen der
weiblichen
Fachkräfte
T6: Also was ich an dieser Situation anders finde, die Mutter ist auf eigenen Wunsch ins
Landeskrankenhaus gegangen. Sie ist das erste Mal bereit, in
Kommunikation zu treten mit anderen Menschen, die ihr vermutlich helfen können.
Von daher denke ich, es lohnt sich, das zu wagen mit der Mutter-Kind-Unterbringung.
T5: (…) Ich würde das auch von mir aus – auch wenn ich nicht sage, das
Gericht verdonnert mich sowieso dazu – sondern ich würde auch von
mir aus sagen, ja, ich würde das gerne probieren.
Bilanz der
fallführenden
Fachkraft
T2f: Ja. Zur Entscheidung selber denke ich, ich würde ganz gern eine Mutter-KindEinrichtung beschließen und ich denke mir, nach drei Monaten weiß man, wo es
langgeht. (…) ich bin pessimistisch, ich glaube nicht, dass es durchgehalten wird. Aber
wenn sie es schafft, dann möchte ich nicht so, sage ich mal, dass wir
uns noch mal als KE zusammensetzen – aber drei Monate ist ein, finde
ich – ein ganz logischer Zeitpunkt, wo ich hier Rückmeldung gebe.
Interpretation:
 Antizipation der familienrichterlichen Praxis als eigentliche Begründung für die
männliche fallführende Fachkraft
6.Welche fachlichen Inhalte spielen
bei den Beratungen eine Rolle?
6. Welche fachlichen Inhalte spielen bei den Beratungen
eine Rolle (am Beispiel des Adressatenbildes)?
Zwischen Unterstützung und Intervention
 Ressourcen des/-r Adressaten/-in am Beispiel des
Falls Christel
6.Welche fachlichen Inhalte spielen
bei den Beratungen eine Rolle?
Sozialpädagogische Fachlichkeit (Adressatenbild)
Christel als Gefährdung für das Kind
(Defizitorientierung)
Christel als Ko-Produzentin
(Ressourcenorientierung)
T4f: Gut, da kann man nur spekulieren. Aber
ich spekuliere, dass sie die SPFH freiwillig
nicht annehmen wird, dass wir da klar
eine Meldung 8a, auf jeden Fall – und
dann bin ich nach wie vor der Meinung, dass
das Kind da raus muss.
T3: Ich kann da anschließen. Ich würde auch
im Moment nicht sofort eine erzieherische
Hilfe reingeben, weil ich finde, diese Frau
hat ganz viele Ressourcen und ich
glaub, die ist in einer Krise im Moment, ohne
zu wissen, warum (…). (Team 15; Fall
Christel)
T2f: Aber sie hat ja während des
Hebammenprojektes richtig aktiv
mitgearbeitet und hat ja dort auch einen
positiven Eindruck hinterlassen. Also sie hat
die Termine eingehalten, hat mitgearbeitet,
so dass sie ja auch für das Folgeprojekt dann
vorgeschlagen wurde. (Team 12; Fall
Christel)
(…) Aber wenn sie in einer Lebenskrise
ist, dann muss sie gucken, wie sie wieder
rauskommt und das darf nicht auf
Kosten des Kindes gehen. (Team 14;
Fall Christel).
T2: Also ich würde sehr ernsthaft erwägen,
ob ich dieses Kind in Obhut nehme. Weil es
ist eindreiviertel Jahre alt und das, was
hier steht mit Terminen, die nicht
eingehalten werden, grenzwertiger
Zustand, für ein Kleinkind nicht tragbar – es
geht in Richtung Vernachlässigung – da
würde ich das Kind schützen und sagen,
dieses Kind würde ich in Obhut nehmen (…).
(Team 8; Fall Christel).
T2: Also so weit ich das verstanden habe –
wenn ich es richtig verstanden habe, dann
bist du aber auch der Meinung, dass es da
noch Ressourcen gibt und dass es
auch eine Bindung zu dem Kind
gibt. (Team 16; Fall Christel)
7. Zusammenfassende Antworten
1.
Entscheidungen im Allgemeinen Sozialen Dienst über Hilfebedarf haben fiskalisch,
aber vor allem auch biografisch für junge Menschen und deren Familien eine hohe
Relevanz.
2.
Wenn Fachkräfte und Teams nunmehr bei den eingesetzten Fallvorlagen zu
fachlich unterschiedlichen Einschätzungen und Bewertungen kommen, stellt sich
die Frage nach dem Zustandekommen dieser Entscheidungen.
3.
Es gibt nicht die eine Form der Teamberatung im ASD. Das Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte hat viele Gesichter. Die Strukturen der Beratungen
haben Einfluss auf die Diskussionskultur.
4.
Erfahrung „zahlt sich aus“: Je höher die Berufserfahrung einer Fachkraft, desto
besser ist ihre Stellung im Team. Und: Teams haben in ihren Reihen gefragte
Experten/-innen für bestimmte Fallkonstellationen.
5.
Ausgewählte Fallkonstellationen können von Männern und Frauen unterschiedlich
wahrgenommen und bewertet werden.
6.
Teamberatungen werden geprägt durch fachliche Argumentationen und
professionelle Grundhaltungen. Beispiele sind eine Ressourcen- vs. einer
Defizitorientierung oder der Gegensatz von Unterstützung und Intervention.
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
3
Dateigröße
741 KB
Tags
1/--Seiten
melden