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In eigener Sache: LID goes Internet Was bringt der EU die

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Nr. 2297 vom 10. Februar 1997 / 58. Jahrgang
http://www.agri.ch/lid
INHALT:
In eigener Sache: LID goes Internet
Ab sofort ist der Landwirtschaftliche Informationsdienst LID mit einer ausführlichen
Homepage auf dem Internet vertreten. Zusätzlich können die Journalistinnen und
Journalisten vom Original Text Service (OTS) der SDA profitieren.
Seite 2
Was bringt der EU die Verordnung Novel-Food ?
Das EU-Parlament hat die Novel-food-Verordnung verabschiedet, in der die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Produkten auf EU-Ebene geregelt wird. Die
Gegnerschaft behauptet, dass die Vorgaben zu weitmaschig seien.
Seite 3
Test: Am meisten Antibiotika enthält das irische Fleisch
Irland ist der Negativspitzenreiter in Sachen Antibiotika-Rückstände im Fleisch. Bei
einem Test wurden EU-weit 2 Prozent der Proben beanstandet.
Seite 4
Der Kampf gegen die Negativschlagzeilen
Eine Gruppe von jungen Landwirten geht in die Schulen, um das angeschlagene
Image der Schweizer Landwirtschaft zu korrigieren.
Seite 5
EU: Landwirtschaft misstraut einer integrierten Regionalpolitik
Das Vorhaben, die unzähligen landwirtschaftlichen Förderprogramme der EU zu einer gesamtheitlichen Politik für den ländlichen Raum zusammenzulegen, stösst auf
zähen Widerstand.
Seite 6
1996 wurde weltweit mehr Milch produziert
In den meisten grossen Milchregionen der Erde wurde die Milchproduktion im vergangenen Jahr ausgedehnt.
Seite 8
Bauernverband begrüsst rasches Handeln der Bundesbehörden
Der SBV begrüsst das rasche Handeln der Bundesbehörden im Falle der durch Baden-Württemberg verhängten Einfuhrsperre für rohe Rinderprodukte aus der
Schweiz.
Seite 10
Marktrundschau
Im Moment gibt es viel Nüsslisalat zu kaufen. Der Absatz bei den Lagerbirnen hat im
vergleich zu den gleichen Perioden der Vorjahre zugenommen.
Seite 11
Beilage: Veranstaltungskalender
Landwirtschaftlicher Informationsdienst, Postfach 116, 3000 Bern 16, Tel 031 958 33 11, Fax 031 958 33 19
Redaktion: Othmar Kempf (ke), Richard Pfister (rp), David Eppenberger (de)
LID-Pressedienst Nr. 2297 / 10. Februar 1997
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In eigener Sache
LID goes Internet: www.agri.ch/lid
de. Ab sofort ist der Landwirtschaftliche Informationsdienst LID mit einer ausführlichen Homepage auf dem Internet vertreten. Zusätzlich können die Journalistinnen und Journalisten vom Original Text Service (OTS) der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) profitieren.
Nun ist der LID auch mit einer eigenen Site auf dem World Wide Web anzutreffen.
Der LID will mit Hilfe des Internets seinen Informationsauftrag in Zukunft noch besser
erfüllen. Alle unsere Pressedienste ("grüner" und "weisser" Dienst sowie Dokumentationen) können ab sofort auf dem Internet aufgerufen werden. Die aktuelle Nummer
des „weissen“ Pressedienstes, der sich vor allem an ausserlandwirtschaftliche Medien richtet, kann mit Hilfe eines Codewortes aufgerufen und heruntergeladen werden. Alle Abonnenten erhalten auf Wunsch das Codewort übermittelt und profitieren
so vom Informationsvorsprung, da die aktuelle Nummer jeweils kurz nach Redaktionsschluss auf dem Netz abrufbar ist.
Achiv als Herz der LID-Site
Neben allgemeinen Informationen über die Schweizer Landwirtschaft enthält die Site
auch Hinweise zu allen LID-Broschüren. Diese können über das Internet bestellt
werden. Der Wochenbericht der LID-Presseschau ist ebenso aufgeführt wie Bestelltalons für das Agriadress oder andere LID-Dienstleistungen. Ab Mitte Jahr wird zudem ein Archiv zur Verfügung stehen, in dem die LID-Berichte der letzten Jahre nach
Stichworten gesucht werden können. Unter www.agri.ch/lid kann die neue LID-Site
besucht werden.
Mit OTS über mehr Aktualitäten berichten
Mit Hilfe des Original Text Service (OTS) wird der LID in Zukunft aktuelle Meldungen
über das Netz der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) verbreiten. Der OTSDienst erlaubt die gesamtschweizerische Verbreitung von wichtigen Meldungen innert weniger Sekunden. Der SDA angeschlossene Redaktionen und Organisationen
können zudem über das elektronische Medien-Einkaufszentrum (ELIAS) von der
Nutzung des LID-Archives profitieren.
LID
LID-Pressedienst Nr. 2297 / 10. Februar 1997
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Kennzeichnung von Genprodukten in der EU
Was bringt der EU die Verordnung Novel-Food ?
de. Das EU-Parlament hat Mitte Januar die sogenannte Novel-food-Verordnung
verabschiedet, in der die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Produkten auf EU-Ebene geregelt wird. Die Gegnerschaft behauptet, dass die gesetzlichen Vorgaben zu weitmaschig seien.
Auf EU-Ebene wird schon seit Jahren über die Verordnung diskutiert, welche die Zulassung von sogenannten „neuartigen Lebensmitteln“ regeln soll, worunter auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) fallen würden. Mit der Verabschiedung
durch das EU-Parlament haben die Diskussionen um die Novel-food-Verordnung aber nicht abgenommen. In Deutschland übten die Grünen scharfe Kritik an dem vorgesehenen Verfahren zur Umsetzung der Novel-food-Verordnung. Sie sind der Meinung, dass der EU-Kommission bei der Ausformulierung der Verordnung zu viel
Spielraum zufalle. Sie befürchten eine Verwässerung der Deklaration mit Ausdrücken
wie „Hergestellt mit Hilfe moderner Biotechnologie“ oder für die Konsumenten kaum
entzifferbare Codes wie bei den Lebensmittelzusatzstoffen.
Abgrenzung ist unklar
Nach dem Willen des EU-Parlamentes sollen in Zukunft nur solche genetisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden, die sich von „herkömmlichen“ in Bezug
auf Zusammensetzung, Nährstoffe und Verwendungszweck unterscheiden. Erfasst
werden aber hauptsächlich nur unverarbeitete Produkte. So muss zum Beispiel die
Gen-Kartoffel gekennzeichnet werden, die Chips daraus aber nicht. Ähnlich wie in
der Schweiz muss bei der Einführung eines GVO-Produktes in der EU künftig ein
Nachweis der Unbedenklichkeit für die Gesundheit erbracht werden. Wird die Bewilligung aufgrund des erbrachten Nachweises erteilt, so untersteht es zusätzlich der
Deklarationspflicht. Die Abgrenzung zwischen GVO- und konventionellen Produkten
verläuft in der EU aber anders als in der Schweiz. In der Schweiz müssen alle Produkte als GVO deklariert werden, in denen mit Hilfe eines besonderen Tests gentechnisch verändertes Material in der Erbsubstanz gefunden wird. Zwar sieht die Novel-food-Verordnung eine Kennzeichnungspflicht vor, wenn sich das GVO-Produkt
vom konventionellen Produkt unterscheidet. Doch wie diese Grenze abgesteckt wird,
ob mit Tests oder bloss aufgrund von äusseren Unterschieden, ist auf europäischer
Ebene nach wie vor nicht klar geregelt. Zudem sind Hilfsstoffe wie Vitamine, Aromastoffe oder Enzyme nicht in der Novel-food-Verordnung eingeschlossen.
Deklaration von genetisch veränderten Mikroorganismen (GMO)
Eine Untersuchung der Grünen im Europäischen Parlament hat gezeigt, dass die
einzige in der Verordnung deutliche Bedingung zur Kennzeichnungspflicht das Vorhandensein von GMO’s in Lebensmitteln betrifft. Deshalb muss zum Beispiel die
LID-Pressedienst Nr. 2297 / 10. Februar 1997
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unverarbeitete Form der „Anti-Matsch-Tomate“ mit GVO deklariert werden. Anders
sieht es aber bei der gleichen Tomate aus, wenn sie in verarbeiteter Form vorliegt,
zum Beispiel als Pürée auf der Pizza. Dann fällt die Deklarationspflicht weg, weil weder lebende GMO’s noch Änderungen gegenüber der herkömmlich erzeugten Tomate nachweisbar sind. Die Kritikerkreise verbinden einige Hoffnungen mit der Möglichkeit einer Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Material enthalten, das bei bestimmten Bevölkerungsgruppen auf gesundheitliche oder ethische Bedenken stösst.
Die Grünen hoffen, dass diese Regelung den Weg zu einer umfassenderen und verbesserten Kennzeichnung freimache.
LID
Deutscher Bauernverband (DBV) begrüsst Novel-food-Verordnung
de. Der DBV begrüsste in seinem Pressedienst, dass mit der Zustimmung des Europäischen Parlamentes zur Novel-Food-Verordnung der Rechtsrahmen für die Zulassung und Kennzeichnung insbesondere von genetisch modifizierten Lebensmitteln
geklärt sei.
Für die Landwirtschaft sei dabei von besonderer Bedeutung, dass mit der beschlossenen Kennzeichnungsregelung gesetzlich eine umfassende und sachgerechte Information beim Verbraucher gewährleistet sei. Im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens hatte der Deutsche Bauernverband eindringlich darauf hingewiesen, dass neue
Technologien im Lebensmittelbereich, wie die Bio- oder Gentechnologie, nur bei offener Verbraucherinformation Chancen auf Akzeptanz haben, teilte der DBV weiter
mit.
LID
Test
Am meisten Antibiotika enthält das irische Fleisch
bp. Irland ist der Negativspitzenreiter in Sachen Antibiotika-Rückstände im Fleisch:
Im Rahmen eines internationalen Tests der Konsumentenorganisationen der 15 EUMitgliedstaaten wurden in jeder sechsten Fleischprobe (17%) auf der grünen Insel
Rückstände nachgewiesen. Eine hohe "Trefferquote" verzeichneten aber auch
Grossbritannien, Spanien und Griechenland. Nahezu vorbildlich schnitt dagegen Österreich ab, wo die Tester laut dem Agrarischen Informations Zentrum ( AIZ) nur gerade eine von 300 Fleischproben wegen Antibiotika-Rückständen beanstanden
mussten. Eine noch reinere Weste haben allerdings Portugal sowie die drei skandinavischen EU-Mitglieder Dänemark, Schweden und Finnland, wo überhaupt keine
Rückstände angetroffen wurden. Europaweit beanstandeten die Tester, die 4'815
Proben von Kalb-, Schwein-, Hühner und Putenfleisch untersuchten, rund 2 Prozent
wegen Antibiotika-Rückständen.
LID
LID-Pressedienst Nr. 2297 / 10. Februar 1997
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Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft
Der Kampf gegen die Negativschlagzeilen
de. Eine Gruppe von jungen Landwirten geht in die Schulen, um das angeschlagene Image der Schweizer Landwirtschaft zu korrigieren. Die zukünftigen
Konsumentinnen und Konsumenten sollen so für die wahren Probleme der
Landwirtschaft sensibilisiert werden.
Schreckensberichte über Einzelfälle von schlechter Tierhaltung, das Aufkommen von
BSE oder andere Negativschlagzeilen haben in den letzten Jahren für ein angekratztes Bild der Schweizer Landwirtschaft in der Bevölkerung gesorgt. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er auf negative Meldungen stärker reagiert als auf positive.
In der heutigen Zeit sind viele Zusammenhänge aus Politik und Wirtschaft so komplex und vielfältig geworden, dass es für einzelne immer schwieriger wird, Probleme
in einem Gesamtzusammenhang zu sehen. Viele Leute sind zudem ungenügend informiert, was die Landwirtschaft betrifft. So überrascht es zum Beispiel nicht, dass
Marcel Sandoz, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), vor ein
paar Wochen in der Talkshow „Fokus“ von Radio DRS 3 von der Moderatorin auf die
Problematik der Batterie-Hühnerhaltung angesprochen wird, obwohl diese in der
Schweiz seit mehreren Jahren verboten ist. Auf diesem schwierigen Fundament will
sich die Arbeitsgruppe Agro Image Plus (AIP) aus dem Kanton Freiburg für den guten Ruf der Schweizer Landwirtschaft einsetzen.
Seit zweieinhalb Jahren in Schulen unterwegs
Die AIP wurde im Herbst 1995 ins Leben gerufen. In den Schulen sucht sie seither
das direkte Gespräch mit der zukünftigen Konsumentengeneration. Im vergangenen
Jahr wurden insgesamt 52 Klassen der Unterstufe besucht. Der Einstieg in die Thematik wird jeweils mit einem Fragebogen gemacht, der die wichtigsten Problemfelder
der Landwirtschaft enthält. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern werden
Themen wie die Aufgaben der Landwirtschaft, die Herkunft von Nahrungsmitteln, die
Produktionsformen der Integrierten Produktion (IP) und der biologischen Produktion
oder Tiertransporte bearbeitet. Für Hauptinitiant Mathias Schnyder aus Düdingen FR
ist es wichtig, dass wahrheitsgetreu und sachlich über die Probleme der Schweizer
Landwirtschaft berichtet wird: „Wir möchten zeigen, dass der grosse Teil der Schweizer Landwirte korrekt mit der Umwelt umgeht und dass die meisten keine Tierquäler
sind.“ In der AIP arbeiten insgesamt 15 junge Landwirtinnen und Landwirte mit. Ihnen
ist es gelungen, auf eine unkomplizierte, dafür um so effizientere Art, Werbung für
die Landwirtschaft zu machen. „Immer noch werden wir von anderen Bauern belächelt, doch der Erfolg bei den Klassen und bei den Lehrern gibt uns die Gewissheit,
dass wir auf dem guten Weg sind“, stellt Mathias Schnyder mit einer gewissen Genugtuung fest.
LID
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Europäische Union
Landwirtschaft misstraut einer integrierten Regionalpolitik
rp. Das Vorhaben, die unzähligen landwirtschaftlichen Förderprogramme der
EU zu einer gesamtheitlichen Politik für den ländlichen Raum zusammenzulegen, stösst auf zähen Widerstand. Vor allem die Agrarländer befürchten, dass
ihnen einige finanzielle Felle davonschwimmen könnten.
"Erklärung von Cork" nennt sich das Papier, das viele Agrarpolitiker in der Europäischen Union (EU) derzeit beunruhigt. Gemeint ist ein Anfang November 1996 an der
Europäischen Konferenz zur Entwicklung des ländlichen Raums in der südirischen
Stadt Cork verabschiedetes Dokument, das eine Koordination oder sogar die Integration der verschiedenen Förderpolitiken für ländliche Regionen vorschlägt. Instrumente wie Regional-, Struktur- und Landwirtschaftspolitik sollen gemäss der zehn Punkte
umfassenden Erklärung zu einer einzigen Politik zusammengefasst werden.
Was so technisch-administrativ daherkommt, wäre im Falle einer Realisierung eine
mittlere Revolution: Es würde nichts weniger als das Ende einer eigenständigen Agrarpolitik bedeuten. Die Unterstützung der Landwirtschaft wäre kein Ziel für sich
mehr, sondern eines von mehreren Instrumenten zur Erhaltung und Förderung von
Landschaften und ländlichen Gebieten. Kein Wunder, spricht man in Brüssel im Zusammenhang mit der Erklärung von Cork bereits von einem Richtungswechsel, gegen den die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) von 1992 nur ein müdes
Vorspiel gewesen sei. In bäuerlichen Kreisen schrillen auch bereits die Alarmglocken: Die Angst vor Einkommensverlusten geht um - auch wenn EULandwirtschaftskommissar Franz Fischler, der geistige Vater des 10-Punkte-Plans,
immer wieder das Gegenteil behauptet.
Europas Landwirtschaft dem Zugriff der WTO entziehen?
Ambitiös ist die Erklärung von Cork allemal. Sie will nicht nur Ordnung in das unübersichtliche Gestrüpp der über 300 landwirtschaftlichen Förderprogramme der EU bringen, sondern generell die Wettbewerbsfähigkeit der ländlichen Räume stärken, die
fortschreitende Verschiebung der wirtschaftlichen Schwerpunkte hin zu den Städten
stoppen und die Landflucht umkehren. Doch damit nicht genug: Dem Papier liegen
auch längerfristige, gewissermassen geostrategische Überlegungen im Hinblick auf
die 1999 beginnende nächste WTO-Runde zu Grunde, bei der ein weiterer Abbau
des landwirtschaftlichen Stützniveaus traktandiert ist. Laut dem Agrarischen Informations Zentrum (AIZ) in Wien will Fischler mit seiner integrierten Politik für den ländlichen Raum nämlich nichts weniger, als die europäische Landwirtschaft dem Zugriff
der Welthandelsorganisation (WTO) zumindest teilweise zu entziehen. Das wäre der
Fall, wenn den Bauern anstelle der heutigen verschiedenen Stützungsbei-
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träge nur noch eine einzige, hektarbezogene Zahlung unabhängig von der Nutzung
der Fläche ausgerichtet würde. Solche Beiträge - sie sind vergleichbar mit den Direktzahlungen, wie die EU und auch die Schweiz sie schon heute kennen - lässt die
WTO zu, weil sie ohne direkte Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion
bleiben und somit den internationalen Wettbewerb nicht beeinflussen. Das würde
auch gelten, wenn soziale und umweltpolitische Zielsetzungen mit diesen Beiträgen
verknüpft wären, wie dies laut AIZ Fischlers Absichten entspricht.
Agrarländer leisten Widerstand
Doch angesichts der starken Opposition bleiben die Pläne des Österreichers einstweilen Zukunftsmusik. Zwar sollen sie dem Vernehmen nach innerhalb der Europäischen Kommission zumindest auf Interesse gestossen sein. Aber schon beim EUGipfel vom vergangenen Dezember in Dublin zeigte sich, dass die Brüsseler AgrarWelt sich nicht so schnell aus den Angeln heben lässt, so weigerten sich die Staatsund Regierungschefs, die 10-Punkte-Erklärung in ihr Schlussdokument aufzunehmen. Und bei der letzten Tagung der Agrarminister traten die Widerstände vollends
ans Licht. Ohne Einschränkungen befürwortet wurden die Pläne lediglich von Grossbritannien und Schweden, mit Abstrichen auch von Österreich, während Irland, unter
dessen Vorsitz die Erklärung von Cork zustandegekommen war, noble Zurückhaltung
übte. Frankreich und Deutschland dagegen, ohne die in der EU bekanntlich nichts
geht, widersetzten sich einem Abrücken von den Grundsätzen der bisherigen Politik:
Frankreich, weil es deren grösster Nutzniesser ist, und Deutschland, weil seine vergleichsweise wohlhabenden ländlichen Gebiete wohl Abstriche in Kauf nehmen
müssten, wenn die Beiträge nur noch nach regionalpolitischen Kriterien verteilt würden. Schwere Bedenken meldeten aber sogar Portugal und Griechenland an, obwohl
diese strukturschwachen EU-Mitglieder auf den ersten Blick von einer Politik à la
Fischler profitieren würden. Weil strukturpolitische Massnahmen heute aber nicht wie
die Agrarpolitik zu 100 Prozent aus dem Brüsseler Haushalt bezahlt werden, sondern
einer Beteiligung der nationalen Regierungen bedürfen, fürchten diese ohnehin
schon defizitären Staaten, künftig weniger statt mehr Geld aus Brüssel zu erhalten.
Frage der Koordination bleibt stehen
Die Revolution wird also kurzfristig kaum ausbrechen in der EU. Ruhig wird es aber
um die Landwirtschaftspolitik und den ländlichen Raum trotzdem nicht bleiben:
Schon im März wollen Fischlers Experten Studien für eine Reform der drei Schlüsselmärkte Getreide, Milch und Rindfleisch vorlegen. Und im April will Fischlers Kommissionskollegin Monika Wulf-Mathies an einer "Kohäsionskonferenz" eine Reform
der Strukturfonds einleiten. Da wird auch die Frage der Koordination wieder aufs Tapet kommen.
LID
LID-Pressedienst Nr. 2297 / 10. Februar 1997
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Weltmarkt für Milchprodukte
1996 wurde weltweit mehr Milch produziert
de. In den meisten grossen Milchregionen wurde die Milchproduktion im vergangenen Jahr ausgedehnt. Viele Staaten im fernen Osten verzeichneten hohe
Zuwachsraten. Für dieses Jahr wird weltweit mit einer weiteren Ausdehnung
der Produktion gerechnet.
Der in den vergangenen Jahren durch den Zusammenbruch des Ostblocks bedingte
Rückgang in der Weltmilchproduktion ist gestoppt. Zum zweitenmal in Folge ist 1996
die Milcherzeugung gestiegen. Neben Zuwächsen in typischen Milchregionen wie
Kanada, Neuseeland oder Australien wurde auch in Ländern wie China, Indien, Thailand, Philippinen, Pakistan oder Malaysia mehr Milch produziert. Diese Entwicklung
spiegelt die sich ändernden Essgewohnheiten bei steigendem Wirtschaftswachstum
wider. Auch die Milchproduktion in Lateinamerika ist durch expansive Tendenzen gekennzeichnet. Trotz Kontingenten wurde die Produktion auch in der EU ausgebaut. In
vielen Ostblockstaaten, darunter Polen und Ungarn, konnte der Produktionsrückgang
der letzten Jahre gestoppt werden. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist
die Produktion, mit Ausnahme von Aserbaidschan, Georgien und Kirgisien, weiter
rückläufig. Bedingt durch ungünstige Witterungsverhältnisse war 1996 das Milchaufkommen auch in den USA rückläufig. Das selbe gilt für die Schweiz, wo wegen der
Milchpreissenkung weniger produziert wurde.
Käse- und Konsummilchproduktion nahm zu
Der Produktionszuwachs schlug sich vor allem in der zunehmenden Produktion von
Käse und Konsummilch nieder. Australien und Neuseeland verzeichneten dabei das
deutlichste Produktionsplus. Die Nachfrage nach Käse stieg weltweit weiter an. Dies
gilt vor allem für die USA, wo die Käseproduktion um drei Prozent gestiegen ist.
Trotzdem hatte die vermehrte Nachfrage keine grossen Folgen auf den internationalen Käsehandel, da der Bedarf in den charakteristischen Käseregionen wie Europa
oder Nordamerika mehrheitlich durch die eigene Produktion gedeckt wurde. Handelswirksam war hingegen die Verbrauchssteigerung im asiatischen Raum, wovon
vor allem die Exporteure Australien und Neuseeland profitieren konnten. Bei der Butter und beim Milchpulver sieht die Entwicklung weniger einheitlich aus. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, den USA und der Schweiz ist die Butterproduktion
gesunken, in der EU war sie stabil. In Australien, Neuseeland und Kanada, aber auch
in Polen, wurde mehr Butter produziert. Ähnlich wie bei der Butter war die Situation
bei der Milchpulvererzeugung.
Es wird mit einem weiteren Produktionszuwachs gerechnet
Petra Salamon vom Institut für landwirtschaftliche Marktforschung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig-Völkenrode rechnet für dieses Jahr
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im Milchsektor mit einem weltweiten Produktionswachstum von einem bis zwei Prozenten. Die Wachstumsschwerpunkte liegen in Ozeanien, Südamerika und im asiatischen Raum. Auch für die USA wird eine Zunahme der Produktion prognostiziert,
währenddem mit einer Stagnation in Europa gerechnet wird. Petra Salamon sagt
weltweit ein überdurchschnittliches Wachstum für die Herstellung von Käse und
Frischmilcherzeugnissen voraus. Das Wachstum in der Magermilchpulver- und der
Butterherstellung sei allerdings begrenzt. Der internationale Handel werde sich weiter
in Länder wie Australien, Neuseeland, aber auch in die USA, nach Polen und Argentinien verschieben, dies zu Lasten der westeuropäischen Länder.
LID
Kuhmilchproduktion weltweit (in 1000 t)
USA
Kanada
EU-15
1997**
1996*
ex-Ostblock
ex-UdSSR
Brasilien
Neuseeland
Total Milchproduktion 1996 weltweit: 647 Mio t
Produktion Schweiz (1995): 3,1 Mio t
Australien
Produktionsmenge in 1000 t
WELT DER MILCH 1997/3 (* geschätzt **Prognose)
140'000
120'000
100'000
80'000
60'000
40'000
20'000
0
Indien
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Pressemitteilung
SBV begrüsst rasches Handeln der Bundesbehörden
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) begrüsst das rasche Handeln der Bundesbehörden im Falle der durch das deutsche Bundesland Baden-Württemberg verhängten Einfuhrsperre für rohe Rinderprodukte aus der Schweiz. Nach Interventionen des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVet) bei der Landesregierung in Stuttgart dürfen diese Produkte ab sofort wieder in Baden-Württemberg eingeführt werden. Der SBV hatte zusammen mit den anderen landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen den Bundesrat zu entsprechenden Vorstössen in Stuttgart aufgefordert.
Der SBV begrüsst ausserdem das vom BVet an das Landwirtschaftsministerium in
Bonn gerichtete Gesuch, die Herkunft der in den letzten zwei Jahren aus Deutschland in die Schweiz eingeführten Tiere nochmals zu überprüfen. Angesichts der in
Deutschland festgestellten Mängel bei der Kontrolle und Identifikation von Nutz- und
Zuchtvieh erachtet der SBV es als wichtig, dass die Besitzer der importierten Tiere
rasch Gewissheit haben, dass sie nicht betrogen worden sind.
Schweizerischer Bauernverband
Februar 1997
Auskünfte: Lorenz Bösch, SBV, Tel. 077/89 73 32
Bestelltalon Agriadress 1997
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Marktrundschau
Nachfrage nach Gemüse ist gedämpft
Die milden Temperaturen der letzten Tage haben das Angebot an Schweizer Nüsslisalat ansteigen lassen. Die Versorgung mit einheimischem Nüsslisalat ist in der ganzen Schweiz gesichert. Der grosse Teil der anderen Salate wird weiterhin aus dem
Ausland importiert. Beim Lauch sind nur kleine Mengen aus dem Inland verfügbar.
Ansonsten dominiert weiterhin das Lagergemüse. Insbesondere beim Sauerkraut
sieht die Situation zurzeit gut aus. Aber auch Karotten, bei denen lange Zeit befürchtet wurde, dass sie knapp werden könnten, ist die Versorgung vorläufig gesichert. Da
in vielen Kantonen die Sprotferien begonnen haben, ist allgemein ein Rückgang der
Nachfrage bei den Gemüsen nachzuweisen.
Grosse Nachfrage nach Obst im Januar
Die grosse Nachfrage im vergangenen Monat hat bei den Tafeläpfeln zu einer Lagerreduktion von 7'301 t geführt, was klar über dem Durchschnitt der letzten Jahre lag
(∅Jan.1992-96:6'900 t). Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass es sich
dabei nicht um eine Steigerung der Inlandnachfrage handelt, da rund 500 t exportiert
wurden. Exportiert wurden vor allem die Sorten Elstar und Jonagold. Für die Jahreszeit enttäuschend entwickelte sich die Nachfrage bei den Sorten Golden Delicious,
Idared und Jonagold. Sie verfehlten die Vorjahresergebnisse zum Teil deutlich.
Demgegenüber vermochten die Sorten Boskoop, Gala, Elstar und Maigold ihren
Marktanteil zu halten oder sogar auszubauen.
Absatz von Tafelbirnen verläuft erfreulich
Die Nachfrage nach Tafelbirnen hat sich im Gegensatz zu den Äpfeln gut entwickelt.
Im Januar wurden in der Schweiz insgesamt über 400 t mehr Birnen gekauft als in
den gleichen Perioden der Vorjahre. Ausschlaggebend für den erfolgreichen Absatz
ist offenbar die sehr gute Qualität bei den diesjährigen Birnen. Zudem weckte das
breite und ausgewogene Angebot an attraktiven Sorten das Interesse und die Kauflust der Kundschaft. Die drei Hauptsorten Gute Luise, Conférence und Bosc erfüllen
diese Eigenschaft zur Zeit durchwegs. Wenn sich der Absatz weiterhin auf dem hohen Niveau hält, werden sich Anfangs April keine Probleme beim Übergang in die
freie Importperiode ergeben.
LID
Veranstaltungskalender
Bern, 10. Februar 1997
Februar
Do 13.2.,
Universität St. Gallen
Öffentl. Vortragszyklus "Landwirtschaft u. Agrarpolitik":
20.15-
(HSG), Dufourstrasse 50, "Der ökosoziale Weg für die europäische Agrarpolitik"; Refe-
21.45
Raum A111
rent: Josef Riegler, ehem. Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Österreichs
Fr. 14.2.,
10.00 Uhr
Dorfzentrum Schützen-
16. Generalversammlung des Schweizer Original Braunvieh-
matt
zuchtverbandes
Menzingen ZG
Di 18.2.
Gasthof Schützen,
Generalversammlung des Vereins "Ferien auf dem
10.15
Aarau
Bauernhof"
Mi 19.2.,
Land- und Hauswirt-
GV der Ostschweizerischen Vereinigung für Zuckerrübenbau
13.00
schaftliche Schule Wül-
(OVZ)
flingen, Winterthur
Mo 24.2.,
Rest. Stadthof,
Ausserordentliche Delegiertenversammlung des
13.15
Rorschach
St.Gallischen Bauernverbandes
Mo/Di
Aula der Ingenieurschu-
Erste Schweizer Obstkulturtage;
3./4.3.
le,
Veranstalter: FAW Wädenswil, Eidg. Forschungsanstalt
Wädenswil
Changins, Ingenieurschule Wädenswil
Di 4.3.
Gasthof Schönbühl,
Hauptversammlung der Vereinigung Schweiz. Kartoffel-
13.15
Schönbühl BE
produzenten (VSKP)
Sa 8.3.
Posthotel Bodenhaus,
Übergabe des zweiten Interkulturellen Förderpreises an
11.15
Splügen GR
die Vereinigten Bioproduzentinnen und Bioproduzenten
März
Graubündens
Veranstalter: Zuger Kulturstiftung Landis&Gyr
Sa 8.3.
Ingenieurschule Wä-
Informationstag über die Ausbildung zur Ingenieurin o-
10 - 14.00
denswil
der zum Ingenieur HTL in den Studienrichtungen Lebensmitteltechnologie, Biotechnologie, Obstbau/Weinbau/Gartenbau, Oenologie
Veranstalter: Ingenieurschule Wädenswil
Neu aufgenommene Veranstaltungen sind fett gedruckt.
Fr 14.3.
Restaurant Sonne,
Delegiertenversammlung der Aargauischen Landwirt-
vormittags Windisch
schaftlichen Gesellschaft (ALG)
Do/Fr
Eidg. Forschungsan-
Vortragstagung: "Die Qualität im Lichte von Umweltein-
20./21.3.
stalt, Wädenswil
flüssen, Anbauverfahren und Verarbeitungstechnoogien";
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Qualitätsforschung
Document
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Kunst und Fotos
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