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Angehörigenpflege muss gleichen Stellenwert wie - Der VdK

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Pflege und Beruf 1
Angehörigenpflege muss
gleichen Stellenwert wie
Kindererziehung bekommen
Sowohl die Betreuung und Erziehung von Kindern als
auch die Pflege von alten und kranken Menschen sind
Auf­gaben, die von gesamtgesellschaftlichem Interesse
sind. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ­jedoch
bei der Pflege schwieriger als bei der Kindererziehung
und wird vom Staat weniger gefördert. Im Hinblick auf
die demografischen Veränderungen muss sich dies
­ändern, fordert der Sozialverband VdK.
Immer weniger Angehörige können es sich „leisten“, zugunsten der Pflege des Partners oder der Eltern auf eine
Berufstätigkeit zu ­verzichten. Waren es 1997 noch rund
60%, so ist dieser Anteil inzwischen auf 46% ­geschrumpft.
Vor allem die Teilzeitbeschäf­tigung hat bei pflegenden Angehörigen in diesem Zeitraum von 26,3 auf 36,1% er­heb­
lich zugenommen, aber auch die Voll­zeit­beschäf­ti­gung von
14,1 auf 17,6%. Immer mehr Frauen sind ­er­werbs­tätig;
nach wie vor sind es jedoch meistens sie, die ihre beruf­
liche ­Tätigkeit einschränken, auf gering­wertige Teilzeit-Jobs
ausweichen und eine Doppel­be­lastung auf sich nehmen.
Zwei Jahre Pflegezeit Schritt in die
richtige Richtung
Eine Pflegetätigkeit hat in der Gesellschaft nicht den
­gleichen Stellenwert wie die Erziehung von Kindern, obwohl sie ebenso notwendig ist. Während jungen Eltern
Schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
Frage:
„Wie ist Ihr Eindruck:
Lassen sich bei uns in
Deutschland Pflege
und Beruf alles in
allem gut miteinander vereinbaren
oder nicht so gut?“
14%
7%
79%
Gut
vereinbaren
Nicht
so gut
Unentschieden,
weiß nicht
Umfrage unter Berufstätigen in Deutschland zwischen 25 und 59 Jahren
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
IfD Allensbach
www.pflege-geht-jeden-an.de
eine ­Elternzeit von bis zu drei Jahren und Elterngeld für
bis zu 14 Monaten in Höhe von 65% des letzten Netto­
einkommens zusteht, gibt es für pflegende Angehörige
nur sechs Monate Pflegezeit und keine finanzielle Leistung, die dem Elterngeld entspricht. Der Sozialverband
VdK begrüßt daher die geplante Ausdehnung der Pflegezeit auf zwei Jahre – wenngleich oft viel länger gepflegt
wird. Der Anspruch sollte künftig aber auch Arbeitnehmern
in Betrieben unter 15 Beschäftigten ­zustehen, was derzeit
nicht der Fall ist. Außerdem ­müssen auch Angehörige von
Demenzerkrankten (ohne Pflege­stufe) die Möglichkeit
­einer Pflegezeit bekommen.
Kurzfristige Freistellung
Zehn Tage können sich Arbeitnehmer kurzfristig freistellen
lassen, wenn ihr Kind krank ist oder wenn sie kurzfristig
die Pflege eines Angehörigen organisieren müssen.
Die gesetz­liche Krankenkasse zahlt während dieser Zeit
Krankengeld – jedoch nur bei der Erkrankung des Kindes.
Dieser Anspruch muss auf pflegende Angehörige aus- ­
­gedehnt werden, fordert der VdK.
Gehaltsverzicht ist weltfremd
Weltfremd sind nach Ansicht des Sozialverbands VdK
­Pläne, eine Lohnfortzahlung in der Pflegezeit dadurch zu
ermöglichen, dass die Pflegenden mehrere Jahre anteilig
auf Gehalt verzichten. „Die große Mehrheit kann nicht
­jahrelang mit 25% weniger Gehalt auskommen“, schätzt
Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK
Deutschland. „Hinzu kommen die Einbußen bei der
­Rente.“ Langfristig führe kein Weg daran vorbei, pflegenden Angehörigen eine finanzielle Leistung vergleichbar
dem Elterngeld zukommen zu lassen. Nur so würden sich
mehr Menschen zur Angehörigenpflege entschließen können. Außerdem müsse mit der Pflegezeit ein Rückkehrrecht in die Vollzeittätigkeit verbunden sein. Menschen, die
für die Pflege eines Angehörigen ihren Beruf ganz auf­
gegeben haben, sollten beim Wiedereinstieg mit Förderprogrammen unterstützt werden. 7
Sozialverband VdK Deutschland e.V. · Wurzerstraße 4a · 53175 Bonn
Telefon: 0228/82093-0 · Telefax: 0228/82093-43 · E-Mail: kontakt@vdk.de
Internet: www.vdk.de und www.vdktv.de
Pflege und Beruf 2
Wer pflegt, bekommt
weniger Rente
Jemand, der drei Jahre lang Kinder erzieht und des­
wegen nicht berufstätig ist, wird von der Rentenver­
sicherung besser gestellt als jemand, der drei Jahre
lang seine Eltern pflegt. Der Sozialverband VdK fordert
daher eine Anhebung der Rentenbeiträge für pflegende
Angehörige. Damit würde vor allem Altersarmut von
Frauen vorgebeugt.
Zwar wirken sich sowohl
Kindererziehungszeiten als
auch Zeiten der Angehörigenpflege rentensteigernd
aus – ­jedoch in unterschiedlichem Maße. Während für
Kinder­erziehung (maximal
drei Jahre) jeweils 1 Entgeltpunkt pro Jahr angerechnet
wird, gibt es für Pflegestufe
III maximal 0,8 Punkte (ohne
zeitliche Begrenzung) und
bei Pflege­stufe I gerade einmal 0,2667 Entgeltpunkte –
das entspricht 6,95 Euro Monatsrente im Westen und 6,23
Euro im ­Osten. „Die extrem niedrigen Rentenbeiträge für
eine ­anstrengende, aufopfernde und gesellschaftlich wichtige Tätigkeit ist eine Verhöhnung der Pflegenden“, kritisiert ­Ulrike Mascher. „Hinzu kommt, dass die Beiträge für
Kinder­erziehungszeiten steuerfinanziert, für Pflegezeiten
jedoch beitragsfinanziert sind. Dies zeigt deutlich, dass Angehörigenpflege immer noch nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird, die der Staat fördern sollte.“
Keine Rente bei Pflege von Demenzerkrankten
Demenzerkrankte Menschen, die körperlich weitgehend
­gesund sind, werden von der Pflegeversicherung nicht als
pflegebedürftig anerkannt und daher nicht einmal in die
niedrigste Pflegestufe eingruppiert. Obwohl der Bet­reu­
ungs­­bedarf hoch ist, gehen die Angehörigen, die für sie
sorgen, wegen der fehlenden Pflegestufe auch bei der
­rentenrechtlichen Anerkennung gänzlich leer aus. „Im
www.pflege-geht-jeden-an.de
Zuge der Neu­definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs
muss sich auch dies grundlegend ändern“, ­fordert Ulrike
Mascher. ­„De­menz­erkrankte Menschen benötigen mit
durch­schnittlich 39,7 Stunden einen höheren wöchentlichen Zeitaufwand für die Pflege als kognitiv unbeeinträchtigte Pflegebedürf­tige mit 33,7 Stunden. Die Nicht­berück­
sichtigung bei der Rente ist eine krasse Benachteiligung.“
Besserstellung von
Frauen
Angehörigenpflege ist zu über
70% die Aufgabe von ­Frauen.
Viele waren zu Zeiten, als auch
Kindererziehungs­jahre
noch
nicht für die Rente berücksichtigt wurden, ­jahre­­lang nicht berufstätig und konnten dadurch
keine Beiträge für ihre Rente
ansammeln. Eine Anhebung
der Beiträge für Pflegezeiten
ist somit ein Stück ausgleichende Gerechtigkeit und kann dazu beitragen, dass diese
Frauen, die viele Jahre Anderen gewidmet haben, nicht in
Altersarmut abrutschen. 7
FALLBEISPIEL
59-jährige Mutter eines
behinderten Kindes
„Für anerkannte Pflegezeiten habe ich ganze vier Jahre
Pflichtbeiträge angerechnet bekommen. Ich habe in der
Pflegezeit sieben Bandscheibenvorfälle erlitten und bin
körperlich ziemlich angeschlagen. Ich möchte deswegen
mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen, werde bei der
Rente aber gleichgestellt mit anderen Vorruheständlern.
Ich habe 43 Jahre eingezahlt, drei Kinder weitestgehend
allein erzogen und einen Schwerbehinderten gepflegt. Und
jetzt werde ich mit 18% Abschlag bei der Rente abgespeist
ohne Berücksichtigung meiner Lebensarbeitsleistung.“
Sozialverband VdK Deutschland e.V. · Wurzerstraße 4a · 53175 Bonn
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