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Iran hat den Westen jahrelang getäuscht 36 Pfund zu viel: Wie der

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36 Pfund zu viel: Wie der britische Spesenskandal aufflog / Seite 10
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DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
DEUTSCHLAND-AUSGABE
(SZ) Zu den folgenreichsten Bauchtänzen der Weltgeschichte gehört der Auftritt, den die ägyptische Königin Kleopatra vor Julius Cäsar hingelegt hat. Der römische Feldherr war von der schwungvollen Performance dermaßen beeindruckt,
dass er für einige Zeit lieber der Ägypterin und ihren Künsten beiwohnte, als in
Rom seinen politischen Geschäften nachzugehen. Zwar gibt es Historiker, die bezweifeln, dass die edle Ptolemäerin – für
wen auch immer – jemals den Tanzbauch
schwang, aber das ist weltfremd. Warum
sonst, wenn nicht Kleopatras kreisender
Hüften wegen, hätte sich Cäsar in Alexandria herumgetrieben, wo doch Rom
der Nabel der Welt war? Damals wie heute gilt: Hinter jeder Orientreise steckt
das Verlangen nach dem Bauchtanz.
Dieser unumstößlichen Erkenntnis
zum Trotz hat der türkische Tourismusminister Ertugrul Günay soeben wissen
lassen, dass er in Werbespots für sein
Land keine Bauchtänzerinnen mehr sehen möchte. Auch Männer mit mächtigen Schnurrbärten und Krummsäbeln
will er aus der Reklame verbannen, weil
diese ebenso wie die Tänzerinnen das
Bild der modernen Türkei verzerrten.
Dass die Bauchtänzerinnen jetzt vergrätzt sind, war zu erwarten, und wie
man die anatolischen Schnurrbartträger
kennt, wetzen sie schon die Krummsäbel
– und womöglich zieht die Sache noch
weitere Kreise. Die Spanier zum Beispiel
könnten ins Grübeln kommen, ob ihre
Flamencotänzer noch ein zeitgemäßer
Werbeträger sind, gar nicht zu reden von
den Indern mit ihren Tempeltänzerinnen
oder den Bayern mit ihren Schuhplattlern. Sie alle verstellen den Blick auf die
modernen Errungenschaften: die gläsernen Konzernzentralen, die Stadtautobahnen und die Gucci-Prada-Chanel-Boutiquen, die in Istanbul genauso toll aussehen wie in Barcelona oder München. Dagegen sind Flamenco und Schuhplatteln
alte Zöpfe und erst recht der Bauchtanz.
Was für ein Plunder? Was für ein Wunder! Die hauchdünnen Stoffe, die lasziven Drehungen, das rhythmische Erbeben aller erdenklichen Körperpartien,
die kleopatrahaften Posen . . . ach, man
sollte mal wieder den Orient bereisen.
Sofern es erlaubt ist, einem türkischen
Minister Ratschläge zu erteilen, dann möge der Herr Günay etwas gegen die Unsitte tun, dass Männer beim Bauchtanz mitmachen müssen. Wer von einer dieser
Tanzdominas als Opfer ausgeguckt wird,
der ist gezeichnet fürs Leben. Erbarmungslos wird er aufs Parkett gezerrt, er
wird gezwungen, seinen trägen Unterleib ins Rotieren zu bringen, angefeuert
vom rhythmischen Klatschen der Menschen, die er mal für Freunde hielt, er
muss zierlich – aber wie bloß? – mit den
Hüften wackeln, während das anschwellende Gelächter ihm signalisiert, dass er
aussieht wie Reiner Calmund beim Ententanz. Das ist der Moment, wo sich der
Mann nach einem Krummsäbel sehnt.
Heute in der SZ
Auf unseres Daches Zinnen
Ein letzter Rundgang durch Berlin vor
der Bundestagswahl.
Von Hermann Unterstöger ................... 3
Es geht nicht nur um Merkel
Wer die Kanzlerin behalten will, muss
ihr die Mehrheit ermöglichen.
Leitartikel von Hans Werner Kilz ....... 4
Ein Klassiker in Schwarz-Beige
Zehn Millionen Pints werden täglich in
aller Welt getrunken – das „Guinness“
feiert seinen 250. Geburtstag. ............ 12
Ali war ein Angeber
Ein Interview mit dem Rapper Jay-Z
über Kunst, Pointen und Obama. ...... 13
Schlacht ohne Krieger
Fernsehwahlkampf 2009: Eine langweilige Geschichte, ziemlich spannend. ... 23
HF1
HK1
HS1
TV- und Radioprogramm ............ 47, 48
Forum/Leserbriefe ............................. 46
Rätsel, Schach ..................................... 16
München · Bayern ........................ 42, 43
Familienanzeigen ......................... 40, 41
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61039
4 190655 802107
München, Samstag/Sonntag, 26./27. September 2009
65. Jahrgang / 39. Woche / Nr. 222 / 2,10 Euro
Sie oder er?
Deutschland wählt
Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot? Zwar
haben die 62 Millionen stimmberechtigten Deutschen am Sonntag die Wahl
zwischen 29 Parteien. Den Umfragen
zufolge haben aber nur zwei Bündnisse
die Chance, eine Regierung zu bilden:
Verfehlt die Union mit ihrem Wunschpartner FDP die Mehrheit, dürfte es zu
einer Neuauflage der großen Koalition
kommen. Alle Dreier-Allianzen, die
rechnerisch möglich wären, haben die
Parteien vor der Wahl ausgeschlossen.
Die sechs großen Meinungsforschungsinstitute erwarten ein knappes Ergebnis. Die Union kann mit 35 bis 36 Prozent der Stimmen rechnen, die FDP mit
13 bis 14 Prozent. Der SPD wird das
schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte vorhergesagt: Die Prognosen
sehen die Sozialdemokraten nur bei 24
bis 26 Prozent. Die Grünen liegen bei
zehn bis elf Prozent, die Linke bei zehn
bis zwölf. Angesichts der knappen Mehrheiten könnten am Ende die Überhangmandate entscheiden, wer Deutschland
künftig regiert. (Seiten 2, 3, 4, 6, 7, Medien, Wirtschaft und Bayern) Foto: dpa
Eskalation im Atomkonflikt
HEUTE MIT
Iran hat den Westen jahrelang getäuscht
Teheran gibt zu, geheime zweite Anlage zur Uran-Anreicherung zu bauen / Obama droht mit scharfen Sanktionen
P i t t s b u r g h / M ü n c h e n – Im
Atomkonflikt mit Iran ist es zu einer
neuen Eskalation gekommen. Am Rande des G-20-Gipfels in Pittsburgh warf
US-Präsident Barack Obama Teheran
vor, jahrelang an einer geheimen Anlage zur Anreicherung von Uran gebaut
zu haben. Dies sei ein Verstoß gegen
UN-Resolutionen und die internationalen Verpflichtungen Teherans. Iran hatte die Internationale Atomenergiebehörde am Montag informiert, dass eine
neue „Pilotanlage“ in Bau sei.
Mit dem Brief kamen die Iraner nach
Angaben von Diplomaten allerdings lediglich ihrer Enttarnung durch die USA
zuvor. Sie hätten offenbar bemerkt, dass
mehrere westliche Geheimdienste auf
die Anlage aufmerksam geworden seien.
Die Entdeckung kommt nur wenige Tage
vor den für 1. Oktober geplanten Gesprächen zwischen Iran und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsra-
M
anche hören einen kleinen Knall
und denken, ein Stein sei gegen die
Karosserie geflogen. Die meisten aber hören gar nichts, merken nicht, dass auf sie
gefeuert wurde. Bei Tempo 90 ist das
wahrscheinlich auch besser so.
Es wird geschossen wie noch nie auf
deutschen Autobahnen, seit Oktober
2008 sind 160 Lastwagen getroffen worden, in elf Bundesländern wurden Einschüsse gemeldet. Vielleicht war es ein
Täter, vielleicht mehrere. Die einzige Gemeinsamkeit, die sich bisher erkennen
lässt, ist, dass immer Neuwagen auf Autotransportern das Ziel sind. Mal trifft es
die Fahrertür, mal die Frontscheibe. Der
jüngste Fall datiert vom 10. September,
als ein Lkw-Fahrer bei der Pause ein
zwei Zentimeter großes Einschussloch in
der Fahrertür eines Minivans entdeckte,
von denen er ein halbes Dutzend auf dem
Anhänger hatte. Er meldete sich bei der
Autobahnpolizei in Walldorf, die den
Schaden aufnahm. Viel mehr kann sie
nicht tun – obwohl es sich bei den Schüs-
Gepfefferte Rechnung
Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz
über Luftschlösser im Wahlkampf und
den Herbst der Wahrheiten. .............. 27
Zu schwer und zu leicht
In Los Angeles fordert der Amerikaner
Cristobal Arreola den Box-Weltmeister
Vitali Klitschko zum deftigen Schlagabtausch heraus. Von Bertram Job ....... 37
HH1
tes sowie Deutschlands über eine Verhandlungslösung im Atomstreit. Obama
sagte in Pittsburgh, die „Größe und die
Konfiguration dieser Einrichtung passt
nicht zu einem friedlichen Programm“.
Iran breche „internationale Regeln,
die alle Nationen befolgen müssen“, sagte Obama.Teheran müsse bei den anstehenden Atom-Gesprächen seine Pläne offenlegen. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir fordern
den Iran auf, der Internationalen Atomenergiebehörde schnellstmöglich alle Informationen zukommen zu lassen, weil
wir in diesem Bau natürlich einen Verstoß gegen die Auflagen der Internationalen Atomenergiebehörde und auch der
Vereinten Nationen sehen.“
Der Chef des iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, wies die Vorwürfe dagegen zurück. „Diese Anlage ist
nicht geheim, deswegen haben wir die
IAEA über ihre Existenz informiert“, sagte er in Teheran laut der Nachrichten-
agentur AFP. Bislang war die Atomaufsichtsbehörde IAEA davon ausgegangen,
dass Iran nur eine einzige Anlage zur
Urananreicherung betrieb. Sie liegt in
Natans und erlaubt es Iran bereits jetzt,
im industriellen Ausmaß Uran anzureichern. Nach offizieller Darstellung aus
Teheran soll dieses Uran allein als Energiequelle in Kernkraftwerken dienen.
Der Westen befürchtet allerdings, dass
das Regime auch eine Kernwaffe entwickeln will. Auch die Fabrik in Natans hatte Iran jahrelang geheim gehalten und damit gegen den Atomwaffensperrvertrag
verstoßen. Erst Hinweise der iranischen
Exil-Opposition führten dazu, dass die
IAEA in das fortgeschrittene Atomprogramm Einblick nehmen konnte. Seitdem hat die Wiener Behörde immer wieder beklagt, dass sie die friedliche Natur
der iranischen Anreicherungsindustrie
nicht bestätigen könne.
Die IAEA erklärte am Freitag, sie habe
am Montag einen Brief der iranischen Re-
Ballern auf Laster
Kripo rätselt über bundesweite Anschlagserie an Autobahnen
sen um eine tödliche Gefahr für viele Verkehrsteilnehmer handelt.
„Wir haben es mit rollenden Tatorten
zu tun“, sagt Harald Kurzer von der Polizei in Heidelberg. „Wir wissen nie, wo geschossen wurde.“ Nie hat ein Lkw-Fahrer einen Schützen gesehen, nie etwas
Verdächtiges bemerkt. Manchmal ist es
so, dass sich der Lkw im hohen Norden
aufmacht und der Fahrer erst in Italien
merkt, dass er ein Loch in seiner Fracht
hat. Der mögliche Tatort ist dann mehrere tausend Kilometer lang. „Wir können
nun nicht Hunderte Kilometer Autobahn
ablaufen“, sagt Kurzer. Er hat keine heiße Spur, höchstens eine lange. Das Gebiet, an dem wohl die meisten Schüsse fielen, liegt entlang der A 6 und A 61, zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Genauer wissen es die Ermittler nicht.
Am Anfang, als es noch nicht so viele
Schüsse waren, hat noch jede Polizeidienststelle für sich ermittelt, dann schalteten sich die Landeskriminalämter ein
und mittlerweile auch das BKA. Neulich
hat man wieder eine Lageeinschätzung
verschickt an alle Dienststellen, und an
der Lage hat sich nicht viel verändert:
Man weiß kaum etwas über den oder die
Schützen oder das Motiv. Auch die Frage, ob stets aus derselben Waffe geschossen wurde, ist noch nicht geklärt. Sicher
ist lediglich, dass aus Kleinkaliberwaffen gefeuert wurde. In vielen Neuwagen
wurden zwar Projektile gefunden, die
aber durch den Einschlag so verformt
sind, dass sich weder das genaue Kaliber
feststellen lässt noch ob sie aus der selben Waffen kommen. Kleinkaliberwaffen kann sich jeder Sportschütze besor-
gierung erhalten, in dem es heiße, der angestrebte Anreicherungsgrad solle höchstens fünf Prozent betragen, was zur
Brennstoffproduktion für Kraftwerke erlaubt ist. Das Regime in Teheran versichert in dem Brief, es werde die IAEA in
„angemessener Zeit“ über weitere Einzelheiten unterrichten. Iran behauptet, dass
noch kein Uran in die Anlage eingeführt
worden sei. Die IAEA fordert nun möglichst schnell Zugang zu der Fabrik.
Politisch ist Iran in den vergangenen
Tagen ohnehin unter massiven Druck geraten. Neue Sanktionen gegen Teheran
durch den UN-Sicherheitsrat waren lange daran gescheitert, dass Russland und
China sie nicht mittragen wollten. Nach
den jüngsten Zugeständnissen der Amerikaner beim Raketenschild in Osteuropa
ist Moskau nun offenbar bereit, Teheran
stärker als zuvor in seine Grenzen zu weisen. Nach der Entdeckung zögen die Russen jetzt voll mit, hieß es in Diplomatenkreisen. (Seiten 4 und 9)
SZ
gen. Vielleicht sind die Schüsse auf die
Laster so etwas wie ein Ballerspiel, das
in die Realität übertragen wurde. Für ein
anderes Motiv gibt es keine Hinweise.
Die Fabrikate der beschossenen Autos
sind so unterschiedlich wie ihre Bestimmungsorte. Auch sind verschiedene Spediteure betroffen.
„Bei unseren Fahrern wächst natürlich die Besorgnis. Wenn der Schütze einmal sein Ziel verfehlt oder ein Querschläger abprallt, kann das Ganze schnell tödlich enden“, sagt Ingo Hodea vom Verein
Automobillogistik in Bonn. Der Schaden
an den Neuwagen beläuft sich meist auf
1500 bis 3000 Euro und wird von den Versicherungen übernommen. „Die Neuwagen gehören ja noch den Autoherstellern,
und die Einschusslöcher fallen unter höhere Gewalt“, sagt Hodea. Höhere Gewalt, so heißt das mittlerweile im Versicherungsjargon, wenn auf deutschen Autobahnen zigfach geschossen wird, und
offenbar niemand etwas dagegen tun
kann.
Bernd Dörries
Neue Regeln für die Weltwirtschaft
Zwanzig führende Staaten wollen globale Probleme künftig gemeinsam lösen / Boni für Banker werden begrenzt
Von Nikolaus Piper
Pittsburgh – Die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und
Schwellenländer haben auf ihrem
G-20-Gipfeltreffen in Pittsburgh die
Grundzüge für eine neue Weltwirtschafts- und Finanzordnung beschlossen. Dabei werden die Industrieländer
nach und nach Einfluss an die frühere
Dritte Welt abgeben. Zur Regulierung
der Finanzmärkte wurden überraschend
klare Abreden getroffen. Wie von Deutschen und Franzosen gefordert, wird es
auch Vorschriften für die Bezahlung von
Bankmanagern geben.
Der Entwurf für die Abschlusserklärung des Weltfinanzgipfels sieht vor,
dass die G 20 schrittweise bis 2012 die
Rolle der acht führenden Industriestaaten (G 8) als Steuerungsgremium für die
Weltwirtschaft übernehmen. In der
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Gruppe der G 20 sind, im Gegensatz zur
G 8, auch Länder wie China, Indien, Brasilien und Saudi-Arabien vertreten. Außerdem wird auf Initiative von US-Präsident Barack Obama ein neues Verfahren
zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik eingeführt. Jede Regierung verpflichtet sich zu Maßnahmen, um „nachhaltiges Wachstum“ zu erreichen. Die nationalen Pläne werden dann vom Internationalen Währungsfonds (IWF) bewertet.
Die USA erwarten von Ländern wie China und Deutschland, die mehr exportieren als importieren, dass sie ihre Binnennachfrage ankurbeln. Im IWF wird es zu
einer Machtverschiebung kommen: Fünf
Prozent der Stimmen werden zu Lasten
der Europäer auf China, Indien und andere Schwellenländer übertragen.
Grenzüberschreitende Banken müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital absichern. Konkrete Zahlen
stehen nicht im Entwurf, weil die Definition des Kapitals von Land zu Land verschieden ist. Auch die Gesamtverschuldung großer Banken soll begrenzt werden. Europäer und Amerikaner verpflichten sich zudem, ihre Buchführungsregeln anzugleichen. Die Vorschriften sollen 2010 umgesetzt werden, aber erst
2012 in Kraft treten. Die G-20-Staaten
gehen davon aus, dass die Folgen der Finanzkrise für den Bankensektor dann
ausgestanden sind. Laut KommuniquéEntwurf sollen die Maßnahmen gegen
Steueroasen verschärft werden, deren Regierungen nicht mit der internationalen
Gemeinschaft kooperieren.
Anders als erwartet, werden im Kommuniqué konkrete Regeln zur Bezahlung
der Banker stehen. Die Boni müssen an
den langfristigen Erfolg der Bank gekoppelt werden, es darf keine garantierten
Boni mehr geben, außerdem muss ein we-
sentlicher Teil als Aktien oder Aktienoptionen ausgegeben werden. Schließlich
soll die Bezahlung der Manager im Verhältnis zur Bilanzsumme oder dem Eigenkapital einer Bank begrenzt werden. „Es
deutet sich an, dass wir mit unserem
Druck und Nachdruck doch erreicht haben, dass die Regeln für die Finanzmarktarchitektur deutlich verbessert und konkretisiert wurden“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Finanzminister
Peer Steinbrück sagte, von Pittsburgh gehe ein klares Signal aus: „Die Staatengemeinschaft zieht an einem Strang.“
Keine Beschlüsse gab es in Pittsburgh
zur Klimapolitik. In der Abschlusserklärung wird nur allgemein auf den Weltklimagipfel im Dezember verwiesen. Allerdings verpflichten sich die Teilnehmer,
die Subventionierung fossiler Energiequellen nach einer Übergangszeit auslaufen zu lassen. (Seiten 3, 4 und 8)
Lesen lernen: Viele Ärzte verstehen die
Fallen der Statistik nicht und lesen
kaum Studien.
Von Werner Bartens
Leben lernen: Wie der Popsänger Edwyn
Collins nach zwei Schlaganfällen auf die
Bühne zurückkehrt.
Von André Boße
Lachen lernen: „In Afrika habe ich mich
zum Vollhorst gemacht.“ – Anke Engelke
im großen Interview. Von Hilmar Klute
Heutige Druckauflage: 679 600
Mit Stellenmarkt
Harsche Kritik
an Schäuble
FDP nennt Sicherheitspapier
eine „Horrorliste“
München – Kurz vor der Wahl haben Politiker von SPD und Opposition Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
scharf attackiert und ihm vorgeworfen,
den Rechtsstaat zu zerstören. Die FDPPolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach von einer „Horrorliste“
aus Schäubles Ministerium. Wie die SZ
berichtet hatte, fordert ein Konzept des
Innenministeriums, die Befugnisse des
Verfassungsschutzes massiv zu erweitern. Dem Geheimdienst sollen unter anderem Online-Durchsuchungen erlaubt
werden. Das Ministerium wies die Kritik
zurück. Es handle sich nur um eine interne Stoffsammlung, nicht um die Meinung Schäubles. (Seiten 4 und 7)
SZ
Milliardenklage gegen
Hypo Real Estate
München – Die Krisenbank Hypo Real
Estate (HRE), die vom Bund mit Milliardenbeträgen gerettet und verstaatlicht
wurde, wird für die künftige Regierung
zu einem immer größeren Risiko. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung
fordern Aktionäre jetzt eine Milliarde
Euro Schadenersatz, weil sie vom alten
Vorstand getäuscht worden seien. Die
HRE weist das zurück. (Wirtschaft) o.k.
Dax j
Dow j
Euro i
Xetra 17 Uhr
5584 Punkte
N.Y. 17 Uhr
9690 Punkte
17 Uhr
1,4695 US-$
– 0,40 %
– 0,18 %
+ 0,0042
Das Wetter
München – Die Morgennebel lösen sich
zögernd auf, dann aber scheint überall
die Sonne. An den Küsten und im Alpenvorland ab und zu dichte Wolkenfelder,
aus denen hie und da ein paar Tropfen fallen. 17 bis 22 Grad. (Seite 46)
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