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Deutschland vor dem Bildungsgipfel – wie hoch ist der - DGB

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Ingrid Sehrbrock, Stellvertretende DGB-Vorsitzende
Statement
Anlässlich der Pressekonferenz in Berlin am 26.08.2008:
Deutschland vor dem Bildungsgipfel –
wie hoch ist der Investitionsbedarf
tatsächlich?
Die Bundeskanzlerin war auf Bildungsreise durch Deutschland. Das ist gut so, denn
Reisen bildet bekanntlich. Als sie im Juli dieses Jahres die „Bildungsrepublik
Deutschland“ ausrief, machte sie die Bildungspolitik zur „Chefsache“.
Mit dem Bildungsgipfel will sie am 22. Oktober Bund und Länder auf gemeinsame
Anstrengungen für eine tragfähige Reform unseres Bildungswesens verpflichten.
Die Länder zieren sich zwar noch. Sie werden aber kaum umhin können mitzumachen, wenn die Kanzlerin nach vorne prescht.Schließlich ist der Reformbedarf ist
riesig:
Einige Stichworte will ich hier nennen:
-
frühkindliche Bildung ist noch lange nicht flächendeckend im Angebot,
10% der Schülerinnen und Schüler verlassen unsere allgemeinbildenden
Schulen ohne Abschluss,
es zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab, aber Ausbildungsplätze fehlen, trotz der bereits zurückgehenden Bewerberzahlen,
die Studienanfängerzahlen liegen unter den bisherigen Prognosen, obwohl der Bedarf an Hochschulabsolventen massiv steigt.
die Teilnahme an Weiterbildung stagniert,
bei der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen hakt es,
alle Bildungsbereiche sind unterfinanziert.
Seit der Föderalismusreform I sind dem Bund nur wenige Kompetenzen geblieben,
ich nenne hier nur die Duale Berufsbildung (BBiG). Aber, so wird die Kanzlerin zitiert: „Föderalismus heißt nicht, dass wir ein Thema nicht anpacken können“.
Auf welche gemeinsamen Anstrengungen Bund und Länder sich beim Bildungsgipfel verständigen, wissen wir noch nicht, aber hinter den Kulissen wird offenbar hart
gerungen.
DGB-Bundesvorstand
Web: http://www.dgb.de
Henriette-Herz-Platz 2
Tel.: 030 / 240 60 - 0
10178 Berlin
Fax: 030 / 240 60 - 324
Stellungnahme von Ingrid Sehrbrock anlässlich
der Pressekonferenz am 26. August 2008:
„Deutschland vor dem Bildungsgipfel – wie hoch ist der Investitionsbedarf tatsächlich?“
Wir erwarten vom Bildungsgipfel,
-
dass Bund und Länder endlich das Recht auf gute Bildung für alle und
ohne Ausgrenzung ermöglichen,
dass ein umfassendes Qualitätsmanagement in öffentlicher Verantwortung etabliert wird,
dass Durchlässigkeit im System ermöglicht wird,
dass eine geschlechtergerechte Bildung und Erziehung etabliert wird,
dass die Benachteiligung von Migranten - Kindern und Erwachsenen beendet wird und „Aufstieg durch Bildung“ ermöglicht wird,
dass Bildungsangebote individueller zugeschnitten werden in allen Bereichen,
dass pädagogische Arbeit – von der Kita über die Berufsbildung bis zur
Weiterbildung – wertgeschätzt und entsprechend honoriert wird,
dass Bildung ausreichend und gesichert finanziert wird.
Zum letzten Punkt stellen wir Ihnen heute eine Studie „Gesellschaftliche Kosten eines zukunftsfähigen Bildungssystems“ vor. Sie wurde im Auftrag der Hans-BöcklerStiftung erstellt von Roman Jaich vom European Institute for Globalization Research
erstellt wurde. Sie berechnet die Investitionsbedarfe für unser unterfinanziertes Bildungssystem, um qualitative Verbesserungen des Bildungssystems zu erreichen.
Jaich kommt zu dem Ergebnis, dass ein zusätzlicher Aufwand von mindestens
30 Mrd. benötigt wird – ohne die Mittel für Investitionen in bauliche Maßnahmen.
Die Summe erscheint gigantisch und auf den ersten Blick als nicht zu erbringen.
Aber wir sind nicht so naiv zu glauben, dies solle auf einen Schlag aufgebracht werden, und wir fordern, die benötigten Mittel über Steuern zu finanzieren.
Die Finanzierung von Bildung darf nicht als Konsum verstanden werden sondern als
gesellschaftlich erforderliche Investition. Dann kommen wir voran auf dem Weg in
die „Bildungsrepublik Deutschland“, die es schafft, für alle das Recht auf gute Bildung für alle zu verwirklichen.
Deutschland braucht einen Aufbruch in der Bildung. Besonders groß sind die Defizite dort, wo – wie wir heute wissen - wesentlich über den zukünftigen Bildungserfolg
entschieden wird: bei der frühkindlichen Förderung und in der Schule. Wir müssen
zugleich den Anteil derjenigen erhöhen, die die Schule mit Abitur verlassen, die ein
Studium aufnehmen und es erfolgreich abschließen. Bei diesem Aufbruch ist Geld
sicher nicht alles. Wir brauchen auch Strukturreformen in unserem Bildungssystem
und in unseren Bildungseinrichtungen.
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Stellungnahme von Ingrid Sehrbrock anlässlich
der Pressekonferenz am 26. August 2008:
„Deutschland vor dem Bildungsgipfel – wie hoch ist der Investitionsbedarf tatsächlich?“
Aber ohne die deutliche Steigerung der Ausgaben wird das erforderliche Niveau von
Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg nicht zu erreichen sein. In Deutschland ist
der Anteil der Bildungs- und Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt viel zu
gering, um die Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Ökonomie nachhaltig zu
sichern. Während Staaten wie Dänemark oder die Vereinigten Staaten über sieben
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Bildung investieren, wendet Deutschland nur
5,2 Prozent auf. Seit 1995 ist der Anteil sogar um 0,2 Prozentpunkte gesunken. Im
OECD-Ranking belegt Deutschland inzwischen einen Platz im unteren Mittelfeld. Es
ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, den Anteil der Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu steigern.
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Bildung
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