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Erfahrungsbericht WS 13/14

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Erasmusbericht SOTE / Budapest
Wintersemester 2013/14
Johannes Götte
Einleitung
Tja, wie kommt man auf die Idee, nach Budapest zu gehen? Wo doch die Medien eher
negatives zu berichten haben, wenn überhaupt? Für mich gab es drei Grüne: Der Ruf und
die Möglichkeiten der Stadt, mein Bild der Ungarn (nicht unbedingt jenes der aktuellen
Politik!) und die Möglichkeit, auf englisch und notfalls deutsch zu studieren.
Betreuung durch die Gastuniversität
Manchmal ist die Betreuung etwas gewöhnungsbedürftig. So ist es fast Standard, dass
Euch erst einmal das Learning Agreement zusammengestrichen wird („Wir haben leider
die Richtlinie, dass Sie nur noch Veranstaltungen aus einem akademischen Jahr [sprich
z.B. dem 5. Studienjahr] belegen dürfen.“), am Ende dann aber doch alles ganz gut klappt
(„Wenn Sie uns eine Bestätigung des Leiters des Faches geben, dass Sie es belegen
dürfen, ist das für uns in Ordnung.“). Zum Teil ist es dann so, dass Erasmusbüro und
Fachkoordinator voneinander gegenseitig Bestätigungen haben wollen, dass sie nichts
dagegen haben und Ihr dann irgendwie eingetragen werdet. Sprich: Auch wenn es mit
Sicherheit anfängliche Schwierigkeiten geben wird, geht am Ende mehr als man am
Anfang denkt. Im Erasmusbüro erwarten Euch Katalin Tóth und Nora Séres, die immer als
Ansprechpartner zur Verfügung stehen und hilfsbereit sind, auch wenn sie manchmal auch
nicht genau wissen, wie es genau funktionieren soll.
Studium
Und damit wären wir auch schon beim Studium angelangt. Es gibt einen Erasmusbericht
von Carolin Aehling, der ziemlich genau aufführt, was sie belegt hat. Ich denke, dass dies
eine sehr gute Grundlage für Eure Planung ist. Wichtig ist, dass viele Fächer über zwei
Semester laufen und es Euch entsprechend wenig bringt, nur ein Semester in Budapest
zu verbringen.
Bzgl. der Qualität der Lehre war ich etwas enttäuscht. Ich habe noch mehr als in
Heidelberg das Gefühl, dass die Studenten in Ungarn in den ersten beiden Jahren das
Auswendiglernen lernen und danach die praktische Ausbildung in den meisten Fächern
durchwachsen ist. Heidelberg bietet hier eindeutig mehr. Jedoch muss man auch sagen,
dass Ihr in Budapest auch Glück haben könnt mit dem richtigen Tutor und dann eine
Superlehre bekommt – je nach dem.
Die Anwesenheit in den Vorlesungen wird in einigen Fächern nur sporadisch überprüft und
selbst dort, wo sie überprüft wird, ist nicht gesagt, dass sie irgendeine Relevanz hat
(Neurologie z.B. nicht). Ähnliches gilt für die Praktika, bei denen es teilweise sehr auf
Euren Tutor ankommt, wie gut die Lehre ist und wie ernst er Eure Anwesenheit nimmt und
wie schwer die Prüfungen sind.
In allen Fächern gibt es Topic Lists für die Prüfungen und je nach Fach werden hieraus 2-3
ausgewählt, zu denen Ihr dann möglichst genau das erzählt, was vorherige Semester in
großen PDF-Dokumenten zusammengetragen haben – Ihr kommt über die SemmelweisFacebook-Jahrgangsgruppen dran. Teilweise gibt es noch Minimal Criteria, sprich
Einstiegsfragen, die Ihr beantworten müsst, um zu den eigentlichen zu kommen.
Entsprechend dem o.g. Bericht ist das einwöchige Gyn/Obstretics-Praktikum sehr gut,
allerdings wird die Prüfung auch durchaus Ernst genommen. Im krassen Kontrast dazu
sind die streng kontrollierten und (wirklich!) anwesenheitspflichtigen Vorlesungen am
Freitag morgen um 8 Uhr grottenschlecht. Meine Empfehlung: Druckt Euch frühzeitig die
Topics in der Langversion aus und bearbeitet sie in den Vorlesungen.
Die Zustände in den Kliniken sind teilweise gewöhnungsbedürftig. Dies bezieht sich
sowohl auf die hygienischen Zustände – es ist nicht ungewöhnlich, dass pro Station nur
ein Desinfektionsmittel zur Verfügung steht (In Budapest gibt es unzählige Rossmanns,
DMs, Müllers, in den Ihr kleine Fläschchen erstehen könnt.) sowie kein Toilettenpapier und
keine Seife vorhanden ist – als auch die Präsentation z.T. von offensichtlich nicht
einwilligungsfähigen Patienten vor dem gesamten Semester. Die hinzukommende und
auch bei den in Budapest dauerhaft studierenden Kommilitonen vorhandene
Sprachbarriere tut ihr übriges. In einigen Fächern, z.B. Derma, gibt es Vokabellisten mit
den wichtigsten Fragen. Das kann ganz hilfreich sein, allerdings läuft es meist darauf
hinaus, dass die Dozenten oder die wenigen Dauerbudapeststudenten, die ungarisch
können, übersetzen. Mehr als ein paar Floskeln konnte wohl kaum einer der
Erasmusstudenten am Ende auf Ungarisch sagen.
Ich würde Euch empfehlen, so viel wie möglich auf englisch zu belegen und nur notfalls
einen deutschen Kurs zu besuchen, um mit möglichst vielen internationalen Studenten in
Kontakt zu kommen.
Wohnungssuche
Eine kleine Überraschung vorweg: Der Mietspiegel ist in Budapest niedriger als in
Heidelberg...
Allerdings wissen auch einige Vermieter es auszunutzen, dass relativ viele
Erasmusstudenten innerhalb kurzer Zeit eine Wohnung suchen. Ich persönlich habe ca.
230 Euro inkl. Gas, Strom, Wasser, Internet in einer 2er-WG bezahlt. Ich habe aber auch
unter dem Jahr mal ein Angebot gesehen, bei dem man für 240 Euro ein 1,5-ZimmerAppartement inkl. Nebenkosten bekam – und zwar in einem Appartmenthaus, bei dem
Sauna, Schwimmbad, Fitnessraum dazugehörten. Letztlich kann man wohl zwischen 150300 Euro ausgeben, wobei man ein wenig auf die Isolierung für den Winter achten sollte,
da in vielen Wohnung noch zwei einfach verglaste Fenster hintereinander verbaut sind
und sie mit Gasöfen direkt unter den Fenstern (Energieeffizienz ahoi!) geheizt werden.
Die meisten Mieten wurden in bar – welcher ungarische Vermieter zahlt schon Steuern –
entrichtet. Eine Ungarin meinte, dass man damit ein wunderbares Druckmittel in der Hand
habe, sollte es mal zu einem Streit mit dem Vermieter kommen. Verwerflich ist wohl
beides.
Allgemein hat sich zu den Tipps aus dem Vorjahr nicht viel geändert: Wohnungen findet Ihr
entweder über Facebook, wg-gesucht.de, evtl. craigslist oder sicherlich auch ein, zwei
ungarische, die Ihr Euch mit Hilfe eine automatischen Websitenübersetzers anzeigen
lassen könnt. Viele WGs haben sich während des 4wöchigen Intensivsprachkurses
zusammengefunden (s. auch Sprachkurs). Bei der Wohnungssuche solltet Ihr Euch am
großen Ring, an dem die Straßenbahn 4 bzw. 6 entlangführt, orientieren. Grund: Die 6
fährt die ganze Nacht, die ganze..., liegt am Partyviertel und bringt Euch auch zügig zur
Uni sowie zu fast allen wichtigen Punkten der Stadt. Bezirke V.-IX. sind empfehlenswert,
wobei ich persönlich VII und VIII bevorzugen würde, da sie auch nah an der Semmelweis
liegen. Der VIII. ist traditionell verrufen, allerdings ist er ziemlich groß. Wenn Ihr in der
Nähe der Straßenbahnlinie bleibt, sollte das kein Problem darstellen und eher ein Ruf aus
vergangenen Zeiten darstellen.
Macht Euch nicht allzu viel Stress mit der Wohnungssuche: Ihr findet sicherlich die
passende Wohnung und könnt in der Zwischenzeit entweder bei Erasmusstudenten, die
bereits eine Wohnung haben, unterkommen oder aber in einem der vielen Hostels.
Persönlich gute Erfahrungen: GoodMo [sehr sauber, so viele frische Handtücher, wie man
wollte, riesiges Schließfach unter dem Bett, direkt neben der Semmelweis-24h-Bib],
andere empfahlen Rainbow Hostel, Wombats Hostel, Casa de
la Musica; auf hostelbookers findet Ihr weitere.
Kulturelles und Freizeit
Vieles läuft über Facebook, z.B. den Gruppen Social Events in Budapest, ESN
Semmelweis, ESN ELTE (eine andere Uni, aber was soll's), diversen Erasmus in
Budapest-Gruppen. Vom European Students Network gibt es auch einige Angebote, z.B.
eine Fahrradtour durch die Stadt,
Ungarn und gerade Budapest ist genial! Ihr habt viele Ruin Bars (am bekanntesten und
durchaus sehenswert, aber sehr touristisch: Szimpla), oft mit Bands, Sängern, …, im
Sommer draußen mit Hängematten, aber auch Clubs und Discos – was Ihr wollt –, viele
Thermalbäder (Budapest – Stadt der heißen Quellen), die Staatsoper, mehrere Theater,
Ballett und nicht zuletzt den Musikpalast bzw. Palace of Arts. Bei letzterem und der Oper
bekommt Ihr Studentenkarten für 500 Forint (knapp 2 Euro).
Welche Plätze ich mir in Budapest ansehen würde:
Free Walking Tours: Es gibt eine allgemeine sowie eine jüdische und eine
kommunistische Walking Tour. Alle funktionieren auf Trinkgeldbasis, sprich, nur
wenn Ihr die Führer gut findet, gebt Ihr ihnen was.
Palace of Arts (mupa.hu) inkl. Ludwigmuseum (ludwigmuseum.hu), Oper
(opera.hu), ...
Bars: Golya (vorher online Programm nachsehen, da oft rein ungarisch), Kuplung,
Lampas, Jedermann, Tiptopbar (Sommer!), Bar 360, A38 (Schiff mit
Veranstaltungsraum im Keller), Budapest Jazz Club
Clubs (eher nicht meins...): Morrison, Instant, …
Bäder: Palatinus (Freischwimmbad mit Thermalbereich, Sauna, Wellenbad,
Schwimmbecken, Rutschen auf der Margareteninsel), Szechenyi-Bad, Rudas Bad
(am Wochenende auch nachts!); falls Ihr Lust drauf habt: eine der Poolparties.
Außerhalb von Budapest gibt es vielerlei Möglichkeiten für Trips, natürlich auch ins
Ausland.
Geld, Tickets & Co
Oftmals wird die Befürchtung geäußert, dass es in Budapest eine erhöhte Kriminalität gibt.
Das kann ich so nicht bestätigen. Man muss sich natürlich bewusst sein, dass es eine
Hauptstadt ist und dementsprechend eine gewisse Grundkriminalität existiert. Mir wurde
z.B. ein Laptop, den ich unbeobachtet in der Bibliothek habe stehen lassen geklaut, aber
das kann überall passieren. Eine Masche, derer man sich bewusst sein sollte, sind
Fakekontrolleure, die in den Straßenbahnen ahnungslose Touris abkassieren.
Letzerer Masche kann natürlich ganz einfach mit einem Monatsticket, dass Ihr für ca. 1112 Euro mit Eurem deutschen Studentenausweis erhaltet, begegnet werden.
Studentenausweis muss immer mitgeführt werden. Auch Zeitkarten für Nichtstudenten sind
verhältnismäßig günstig. Ebenso sind Bahnfahrten per se in Ungarn relativ günstig und für
europäische Studenten noch einmal auf 50% reduziert. Und sollten Eure Großeltern zu
Besuch kommen: Ab 65 fahren sie überall in Ungarn kostenlos.
Ich würde Euch empfehlen, vor Eurem Auslandsaufenthalt ein DKB-Konto aufzumachen
und dann immer mit Eurer Kreditkarte Geld abzuheben. Dann bekommt Ihr stets den
tagesaktuellen Kurs und müsst dafür keine Gebühren zahlen.
Sprache
Ungarisch zu lernen ist nicht einfach. Bei der Volkshochschule Heidelberg gibt es ein paar
Kurse, aber sie führen Euch nicht wirklich zu einem guten Niveau (nach deren
Kursbeschreibung). An Lehrbüchern gibt es mehrere kleinere neue und ein relativ altes
von Assimil, das als Selbstlernkurs aufgebaut ist und wie jeder solcher ein gesundes Maß
an Disziplin verlangt. Wenn Ihr daran Interesse habt, gebt mir Bescheid.
Eine relativ neue Entwicklung ist Duolingo, eine Website, die versucht, ihren Nutzen
spielerisch eine neue Sprache beizubringen – und das kostenlos. Für Ungarisch ist zum
Zeitpunkt der Textentstehung ein englisch-ungarischer Kurs in Arbeit, sprich Ihr würdet auf
englisch ungarisch lernen.
Unabhängig von Eurer Motivation, ungarisch zu lernen, würde ich Euch sehr den
vierwöchigen Erasmus-Intensivsprachkurs – und zwar in Budapest selbst – empfehlen.
Nicht nur wegen der Möglichkeit, ungarisch zu lernen, sondern vielmehr wegen des
umfassenden Rahmenprogramms sowie der Möglichkeit, aus ganz Europa und von vielen
Fakultäten Menschen kennenzulernen, mit denen Ihr viel erlebt, die Ihr aber auch später
während des Erasmusaufenthalts noch in ganz Ungarn besuchen könnt. Ich persönlich
habe nicht teilgenommen, mich später darüber geärgert, war aber gleichzeitig auch
Nutznießer einiger Kontakte, die Freunde geknüpft hatten. Man bekommt sowohl
Unterkunft als auch noch einen Monat mehr Erasmusstipendium.
Nach ein paar Wochen wird auch von der Semmelweis Universität ein Sprachkurs
angeboten. Er ist ganz nett um die wichtigsten Dinge zu lernen.
Resümee
Ungarn und Budapest lohnt sich auf jeden Fall und jeder, der Euch Besuchen kommt, wird
Euch um die schöne Umgebung, in der Ihr ein Jahr verbringen dürft, beneiden. Bei der
Lehre kann man Glück haben und sie ist teilweise gut, aber insbesondere auch in der
Methodik nicht mit Heidelberg vergleichbar, was aber bei einem Großteil der
Erasmusstädten der Fall sein dürfte. Ihr könnt aber auch hier viel lernen und z.T. Dinge
sehen, die Ihr in dieser Ausführlichkeit in Deutschland nicht sehen werdet (z.B.
Autopsien...).
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