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... Nicht zu viel versprochen:
Wie Pflegebegleitung stärkt
Ein erster Überblick über Formen und Inhalte der Pflegebegleiterpraxis aus Standorten in
Baden-Württemberg ergab ein Qualitätszirkel, zu dem sich Projektinitiatorinnen aus 5
Standorten Anfang April trafen.
Ohne Öffentlichkeitsarbeit läuft nichts.
Für einen gelingenden Start in die Praxis ist entscheidend, dass Pflegebegleiter sich
bekannt machen und bekannt werden. Dazu entwickeln Pflegbegleiterinitiativen die
unterschiedlichsten Aktivitäten: Besuche, Vorstellungen und Präsentationen bei
Multiplikatoren aber auch bei Vereinen und andern Partnern im Sozialraum; Auslagen bei
Apotheken, Ärzten. Kontakte mit Pfarrämtern.
Netzwerken ist das Zauberwort
Wichtige Kontakte kommen über die privaten Netzwerke der PflegebegleiterInnen zu
Stande: Chor, Gymnastikgruppe, Kirchengemeinde, Schulen.
Besonders erfolgreiche Formen, die zu Kontakten mit Angehörigen geführt haben:
• Ausflüge für pflegende Angehörige (Gerlingen)
• Verschnaufpause für Pflegende gemeinsam mit der Kommune und Bürgermeister (Bad
Wurzach, Nürtingen)
• Aktivierende Befragung von Pflegenden anlässlich eines Würdigungsnachmittags
(Nürtingen)
• Informationsveranstaltung über Umgang mit Demenz für türkische Familien (40
Teilnehmer!) mit Übersetzung von türkischen Pflegebegleiterinnen. (Bad Wurzach)
• Frühstück für Pflegende organisiert durch Pflegebegleiter: klein aber fein ! (Kohlberg,
Korntal) In Kohlberg und Korntal nahmen 6 pflegende Ehepartner teil. Alle entschlossen
sich zu einer Begleitung.
• Zugehender Besuch mit Geschenk der Stadt Esslingen im Rahmen einer
Würdigungswoche für Pflegende, angekündigt durch Oberbürgermeister, verteilt über
Ärzte und andere Multiplikatoren. Obwohl sich die Angehörigen telefonisch melden
mussten, wünschten sich 74 Personen den Besuch mit Geschenk. Es wurde zu ca. 1/3 ein
Hallenbadbesuch,
Kaffeetrinken mit
Pflegebegleitern und Buch
gewählt.
Es gibt überall Flyer, die
sich ausdrücklich an
Angehörige wenden
Sprechstunden bzw.
Sprechzeiten werden z. Zt.
vereinzelt durchgeführt. Sie
werden nicht häufig genutzt,
dienen aber der öffentlichen
Präsenz. Wer Sprechzeiten
anbietet, veröffentlicht diese
auch in Stadtteilanzeigern.
Für den Erstkontakt mit
Angehörigen sind klare Wege
notwendig, oft auch
Vermittlungen über
Multiplikatoren wie
Fachdienste oder Projektinitiatoren. Pflegebegleiter organisieren sich vor allem in der
Öffentlichkeitsarbeit und bei Präsentationen bzw. Vorstellungen vermehrt in eigener
Regie und Selbstorganisation.
Die Wege der Vermittlung sind unergründlich ...
Es gibt eine Vielfalt von Zugängen zwischen persönlichem Umfeld und öffentlicher
Ausschreibung. Pflegebegleiter werden oft durch Vermittlungspersonen angefragt, meist
per Telefon durch Kinder von pflegenden Elternteilen oder durch Fachdienste. Das wird
besonders bei Demenzpflege beobachtet. Häufig beziehen sich Anfragen auf einen
Kontakt mit pflegenden Ehepartnern. Im direkten Kontakt braucht es die Eigeninitiative
der PflegebegleiterInnen. Auch ein neutraler Ort ist oft wichtig. Persönliche Beziehungen
bilden das Fundament. Sie kommen meist sofort zustande, werden als besonders
wirksam und wichtig erachtet.
Die „Mixtur“ bringt’s
Was Pflegebegleiter anbieten, ist eine Mischung aus erreichbarem, zugehendem und
flexiblem Kontakt zu Menschen, die persönlich interessiert, engagiert und verfügbar sind
und wenig Verpflichtung für den Kontaktpartner bedeutet. Die Angehörigen behalten die
Kontrolle über den Kontakt (wo, wie oft, wann, wie). Kinder, die für einen Elternteil
anfragen, möchten Bewegung in die Situation bringen und sehen Pflegebegleiter vor
allem als Türöffner für weitere Entlastungsangebote. Fachdienste, besonders im
Zusammenhang mit dem Beratungsbesuch nach §37.3 sehen Pflegebegleiter eher als
Ergänzungsangebot: Dasein, Kontakt
anbieten, zuhören.
Auch zu Pflegenden von Menschen mit
Demenz sind bereits einzelne
Vermittlungen zu Stande gekommen.
Insgesamt scheinen Pflegebegleiter
häufiger bei pflegenden Ehepartnern
begleitend tätig zu werden als bei
pflegenden Kindern. Es gibt eines fast
unstillbaren Redebedarf: Beim Frühstück
wurde kein Programm und keine Musik
gewünscht, aber genügend Zeit zum
Sprechen. Die Begrüßung des
Bürgermeisters wurde aufmerksam
verfolgt und sehr geschätzt.
Die Begleitungsverläufe folgen keinen
eindeutigen Mustern, sind sehr
unterschiedlich in der Häufigkeit (von
mehreren Besuchen pro Woche bis
größeren Unterbrechungen). Es gibt
bisher wenig Regelmäßigkeit. Der Bedarf
wird gegenseitig vereinbart.
Unterstützung in vielfältigen
Facetten stößt auf Resonanz
Emotionale Unterstützung – das
Kernangebot der Pflegebegleiter:
Es geht oft um tiefe Grundbedürfnisse
der Pflegenden: ein Ohr finden, reden können. Der Einstieg ist oft viel einfacher als
gedacht, wenn der Kontakt zu Stande gekommen ist. Es bewährt sich die „gleiche
Augenhöhe“, keine Fachsprache. Themen sind der eigene Zustand und die Befindlichkeit
der Pflegenden, Selbstsorge, Beziehungsthemen, Trauer über verpasste Möglichkeiten ,
Kränkung und Verletztheit durch die Ausweglosigkeit der Ist-Situation. Die
Pflegebegleiter schaffen eine einladende emotionale Atmosphäre, damit die Angehörigen
in den Mittelpunkt rücken können. Pflegebegleiter schaffen wohlwollende Situationen für
das Selbst! In den Begleitungen scheinen sich die Angehörigen emotional leicht und
vertrauensvoll zu öffnen.
Status- Unterstützung greift und ist wirksam!
Besonders die Frühstückseinladungen machen deutlich, wie wichtig und wirksam diese
Unterstützung sein kann: Es geht darum, im Mittelpunkt zu stehen und auch Ansprache
von außen zu erhalten (Begrüßung durch den Bürgermeister). Auch die Resonanz der
Würdigungsbesuche macht das deutlich: die Angehörigen nehmen wahr, durch wen sich
diese Würdigung vermittelt (Machtvolle Personen wie Ärzte als Vermittler und
Bürgermeister als Initiator) Alle Szenarien, die die Hilfsbedürftigkeit vermeiden, sind
Türöffner.
Informative Unterstützung ist ein kleinerer aber wichtiger Teil der Aktivität
von Pflegebegleitern.
Sie wird wichtig, wenn plötzlich Pflegebedürftigkeit eintritt. Es werden vor allem
Vermittlungsfragen geklärt wie: Was muss ich tun ? Wo muss ich mich hinwenden ?
Manchmal ist eine solche Anfrage Türöffner für eine Begleitung.
Instrumentelle und materielle Unterstützung geschieht durch die
Brückenfunktion zu Diensten.
Häufiger sind Pflegebegleiter in der Lage, eine Brücke zu entlastenden Diensten
herzustellen. So konnte in einer Begleitung zur Überraschung aller Beteiligten, die
Angehörige dazu ermutigt werden, einen Tag Tagespflege zu nutzen.
PflegebegleiterInnen kommt die Rolle der neutralen Außenstehenden zu gute als
„BewegerInnen des Systems“. Finanzielle Fragestellungen sind bisher eher selten
aufgetaucht.
Besonders herausfordernde Fragen ergeben sich bei:
• Unzufriedenheit mit dem Pflegedienst;
• Wünschen und Unsicherheiten beim Versuch, den professionellen Dienst zu wechseln;
• Überprüfung von Rechnungsstellungen durch den Pflegedienst. Hier handeln
Pflegebegleiter in einem sensiblen Feld. Sie werden aufgrund ihrer Neutralität als
Ansprechpartner genutzt.
Als instrumentelle
Unterstützung sind auch
Fortbildungen oder
Themenveranstaltungen
für Angehörige zu
betrachten. Wo es solche
Veranstaltungen in der
Gemeinde nicht gibt, oder
für eine bestimmte
Zielgruppe fehlen (vgl.
Türkische Bewohner und
Demenz) oder bestimmte
Themen für Angehörige nicht
angeboten werden ( z.B.
Kinästhetik oder
Erinnerungspflege,
Biographiearbeit) kann eine
solche instrumentelle Unterstützung sehr wichtig sein, um Vertrauen zu schaffen,
Kontakte anzubahnen und den Sinn von Pflegebegleitung zu dokumentieren. Die
instrumentelle Unterstützung muss als Handlungsfeld sehr gut auf die örtlichen
Gegebenheiten abgestimmt sein. Konkurrenz muss unbedingt vermieden werden.
Wenige Pflegebegleitergruppen engagieren sich bisher in instrumenteller Unterstützung
für Selbstsorge (Verschnaufpausen u. ä.). Die Profile instrumenteller Unterstützung durch
Pflegebegleiter müssen sich erst noch herauskristallisieren (Expertise einzelner
Pflegebegleiter (z.B. Betreuung, Patientenverfügung, Erinnerungspflege) oder einzelne
Bedarfe von pflegenden Familien).
Geselligkeit/Teilhabe - eine wichtige und wirksame Aktivität von
PflegebegleiterInnen,
aber erst vereinzelt durchgeführt. Angehörige werden gestärkt, indem sie nicht als
Hilfsbedürftige angesprochen werden. Es gibt allerdings erst vereinzelte Maßnahmen
dazu: Cafeeinladungen in regelmäßigem Abstand und Frühstückseinladungen.
Fazit
Das derzeitige Tätigkeitsprofil von Pflegebegleitern bewegt sich vor allem im Bereich
emotionaler Unterstützung. Als Einstieg werden alle andern Unterstützungsformen in
Ansätzen praktiziert. Pflegebegleiter greifen ein breites Spektrum auf. Sie finden in der
Regel überraschend gute Zugänge, wenn der Kontakt einmal zu Stande gekommen ist,
weil sie sich durch folgende Ressourcen auszeichnen:
• Flexible Zeit
• Unaufdringlichkeit, Bereitschaft und Möglichkeit zur Anpassung
• Vertrauenswürdigkeit
• Offenheit
• Legitimität
• „gleiche Augenhöhe“ (Angebot zu einem annähernd symmetrischen Kontakt)
• Parteilichkeit (für Angehörige da sein)
Damit scheinen sie im Vergleich zu
familiären Kontaktsituationen oder zu
Fachdiensten Formen des Kontaktes und
der Unterstützung glaubwürdig anbieten
zu können, die pflegende Angehörige
(besonders auch pflegende Ehepartner)
erkennen und bereit sind, aufzugreifen
und tatsächlich als Stärkung und
Bereicherung für sich nutzen.
Verantwortung Iren Steiner
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Seele and Geist
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