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053. Und wie weiter bei SwissLife?

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053.
Und wie weiter bei SwissLife?
Echte Verwunderung
In einem früheren Bericht haben ich Ihnen dargelegt, wie ich grundsätzlich meine
Recherchen angehe: Kleine, in der Masse möglicherweise untergehende Hinweise,
aufzufangen und sanft zu hinterfragen. Deshalb die folgenden Feststellungen zur
SwissLife:
Als uns am Mittwoch, 27. Februar 2002 kurz nach acht Uhr die Mitteilung erreichte,
Manfred Zobel, Chef der Swiss Life, würde sofort das Feld räumen, war man
landesweit erstaunt. Ein CEO bisher intern scheinbar unbestritten, wird nach 10
Jahren Tätigkeit innert Stunden ausgewechselt. Was bedeutet das nun? Ein offen
kommuniziertes Zerwürfnis zwischen VR und CEO. Und der Nachfolger: Roland
Chlapowski ein unbeschriebenes Blatt als bisheriger Chef des "Bereiches Schweiz"
wird auf den Chefsessel befördert. Ist das DIE Ablösung oder nur ein Interimsschritt,
die Auguren wurden am General-Guisan-Quai bis heute noch nicht fündig.
Nur hätte man den Werdegang des neuen CEO's mal unter die Lupe nehmen sollen,
dann wäre das Prädikat völlig "Unbeschrieben" schnell etwas relativiert worden:
Chlapowski war in den 80er Jahren Berater bei McKinsey & Co in Zürich, genau zu
gleichen Zeit als der heutige UBS-Konzernchef Peter A. Wuffli als Partner bei
McKinsey & Co amtete, Zufall ? - vielleicht !?
... und einige Überlegungen!
Nun man trennt sich vom seinem zehnjährigen CEO nicht wegen einiger Differenzen
über die "Plankenordung" des Unternehmens. Die geschieht nur dann, wenn man in
der Zielsetzung ohne Annäherungschancen 180 Graf auseinander liegt. Zobel war
bekannt, für die schmucke Doktrin, heirate oft, aber bitte ohne Trauschein und
versuche dich dann als leiser Schnäppchenjäger. Genau deshalb war auch das Tété
à Tétè mit der SBG (UBS) in die Hosen gegangen. Da der bisherige CFO sein Büro
behalten durfte, muss die Crisis auch nicht zwangsläufig in der Anlagestrategie der
SwissLife geortet werden. Nun, der neue CEO hat auch keinen Moment zugewartet,
uns mitzuteilen, die SwissLife sei nun für Alles offen. Diese Tatsachen zusammen
genommen, kann das nur eines bedeuten, die SwissLife zeigt sich erstmals offiziell
paarungswillig. Nur hält sich die Anzahl der in Frage kommenden Partner oder
Ehegatten sehr in Grenzen. Einmal hat die WEKO klargemacht, dass bei 2. SäulenKonstrukten die Schallgrenze beim Marktvolumen SCHWEIZ bei etwa 35% liege, die
SwissLife verwaltet aber bereits 25% mit rund 200 Milliarden Vorsorgegeldern.
Wer könnte dann also noch in Frage kommen und hat gerade mal 3-4 Milliarden (für
mindestens die Mehrheit) in der Portokasse auf Lager? Die Allianz; die hätte ev. ein
WEKO-Problem, ist aber wahrscheinlich auch noch recht mit dem Verdauungsprozess der Mahlzeit „Dresdner Bank“ beschäftig. Man muss sie trotzdem auf der
Liste lassen, auf Platz 2. In der Schweiz selbst haben die anderen nicht wekogefährdeten 2. Säule-Kämpfer kaum das Format, sprich die notwendige "Kohle", um
diesen doch währschaften Brocken schlucken zu können. Hüppi & Co sollte
immerhin noch als eine exotische Variante nicht ganz ausser Acht gelassen werden,
obwohl die "Zürich" eigentlich andere Sorgen hat, also höchstens als Aussenseiter.
Was bleibt also auf Platz 1: doch ein erneuter Versuch der "Zürcher Verlobung", UBS
kokettiert mit Swiss Life?
.. und vorsichtiges Abwägen!
Bei der Auflösung der ersten Auflage einer solchen Anbiederung, gingen alle
2.Säule-Geschäfte an die SwissLife. Die UBS verwaltet heute Vermögen von weit
mehr als einer Billion Schweizer Franken, hat aber kein echtes 2. Säulengeschäft im
Angebot. Da müsste doch die weidwunde (auf den Aktienkurs bezogen) SwissLife
gerade zur Recht Zeit daher schlingern. Das Vermögenverwaltungskonto im Hause
UBS könnte auf einen Schlag fast um 20% aufgestockt werden samt den sich daraus
ergebenden weiteren Kundenanbindungsgeschäften.
Der neue CEO Chlapowski hat aber in seinem Statement noch einen weiteren Fakt
geschaffen: die Zukunft der SwissLife im 2. Säulengeschäft sei nur dann sicher zu
schaffen, wenn die Minimalverzinsung mit 4% diskutiert werden könne. Dabei habe
ich seine Äusserungen sehr moderat interpretiert. In der harten Version müsste man
sagen, ohne Senkung der Mindestverzinsung sieht die SwissLife keine Zukunft für
ein Verbleiben im 2. Säulen-Geschäfts, ups! Man kann das nun als Drohung gegen
Bundesbern ansehen. Nur glaubt wohl niemand an eine kurzfristige Gesetzesrevision
des BVG. Selbst wenn dies prioritär in Bern angepackt würde, könnte man mit einem
Ergebnis und der Umsetzung frühestens in 2-3 Jahren rechnen. Vom offiziellen Bern
war auch kein einziges Echo zu hören. Deshalb darf man ruhig annehmen, dass
dieses laute Zinssatzrasseln nur einem Zweck diente, noch mehr Aufmerksamkeit für
die Braut zu erringen und die SwissLife-Fans auf das Unvermeidliche vorzubereiten.
Soweit also der Stand der Fakts: eine erneute Annäherung von UBS und SwissLife
wäre also keine Überraschung. Warten wir also gespannt die kommende Zeit ab.
Vielleicht möchte aber auch der NEUE bei SwissLife wegen möglichen Prestigeabsicherungen lieber mit einem Ausländer anbandeln, eventuell doch noch "made by
Italia"? Die Zeichen des VR zeigen eher in eine andere Richtung! Damit dürfte - viele
Leser haben mich immer wieder zu Börsentipps aufgefordert - der SwissLife-Titel
noch für einige Überraschungen gut sein!
Würde das UBS-like sein?
Hier muss aber noch eine Abtiefung erfolgen: Was sollte der Grund für die UBS sein,
einen zweiten Anlauf zu starten. Rundherum hat sich herumgesprochen, dass das 2.
Säulengeschäft auch nicht nur das gelbe vom Ei ist. Der reine Umstand, die bei UBS
verwalteten Vermögen um ca. 20% zu erhöhen, mag sich auf den ersten Blick sehr
verlockend anhören, wäre die UBS nur auf die Maxime „big is beautiful“ eingeschworen. Nun darf man nicht ausser Acht lassen, dass die Börsen zurzeit eher recht
tief liegen, obwohl einige Märkte (Asien und USA) zum Teil noch immer überbewertet
sind. Langfristig, und eine solche Akquisition darf niemals aus einer anderen Sicht
getätigt werden, dürften sich die Aktienmärkte auch wieder einmal erholen. Dann
erst, aber dann auch umfassend, würde sich ein solcher Kauf mehr als nur rentieren.
Dann kann ein grosser wie die UBS – vielleicht sogar die grösste Bank der Welt –
einen solchen Pott als Ausgleichsbecken für die Assets benutzen. Solange er den
Versicherten eine im Vergleich mit den Konkurrenten vergleichbare Verzinsung
garantiert mit der Sicherheit eines Multis, werden die Kunden bei der Stange bleiben.
Ich weiss nicht, ob Sie den von mir gewählten Begriff „Ausgleichsbecken“ verstanden
haben. In guten Börsenzeiten kann eine konkurrenzfähige Rendite bei sehr vielen
Shares erreicht werden. Die Goodies werden dann den „Private-Banking-Kunden“
zugeschanzt. Das hält die Topkunden bei der Stange und die 2. Säulekunden sind
auch zufrieden, die Sicherheit ist ja auch etwas wert. In den schlechten Börsezeiten
sind kleinere Versicherer schnell ausgeschossen und der Multi überbrückt die
mageren Renditen aus den Rücklagen bis zum nächsten Abheben der Börsen.
Und nun erwarten Sie von mir wahrscheinlich eine moralische und wirtschaftliche
Wertung einer solchen Perspektive!
Ob nun aus rein schweizerischer Sicht, oder nur aus der Sicht der Versicherten bei
der SwissLife und auch aus einem Blickwinkel der künftigen Allfinanz-Entwicklungen
muss ich eingestehen, dass eine solche Konstellation so übel nicht wäre. Die bei der
SwissLife Versicherten würden eventuell nicht immer die absolut beste Rendite
erstattet erhalte, wären aber mit ihren Verträgen in einem sicheren Hafen. Die UBS
würde eine weitere Erstarkung in der Allfinanz und internationalen Positionierung
erhalten. In diesem Sinne hätte also eine solche Entwicklung, unter der Berücksichtung aller Positionen, sehr positive Aussichten. Soweit meine Interpretationen, für
die durchaus mögliche Variante UBS mit SwissLife. Eines ist immerhin sicher: alle
anderen, im Moment möglichen Konstellationen, wären sicherlich weniger positiv.
P.S.
Vor einigen Jahren jubilierte ich, als die Swissair sich um eine Zusammenarbeit mit
der KLM bemühte. Leider wurde aus diesem Zusammengehen nichts, die SR liegt
heute am Boden. Warum ich dies erwähne: es gibt öfters Konstellationen, wo selbst
der Laie verspürt, dass wäre doch gar nicht so schlecht. Manchmal klappt das dann
auch, leider sehr häufig auch nicht, auch mit diesem Umstand müssen wir leben. Ein
Zusammengehen UBS/SwissLife wäre wünschenswert, hoffentlich klappt es. Das
Fussvolk würde sich wohl kaum gegen ein solches Zusammengehen auflehnen.
Schliesslich ist die Auswahl ja auch nicht gross und würde sonst eher ins Ausland
zeigen. Wenn nicht, gehört dies eben zum brachialen Alltag unseres Daseins, auch
damit müssen wir fertig werden und leben:
Stark und überlebensfähig werden wir nicht alleine durch Siege, sondern weit mehr
durch überstandene Niederlagen!
Robert-Roger Martin
10.03.2002/1600h
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Seele and Geist
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